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Thema: Das Dorf Gottes 2-Tag 2

Baum-Darstellung

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  1. #2


    Vide cor meum [Sieh mein Herz]

    Regen tanzte auf den Dächern, die das Wirtshaus umgaben. Er war wieder allein. Konrad streckte sich genüsslich in der kühlen Morgenluft und trabte auf Kobold zu. Man denkt man hat alle Zeit der Welt...Was bist du denn so ungeduldig? Ich komm ja schon mein Alter...
    Plötzlich packte ihn jemand und seine Augen wurden blind als Dunkelheit ihn einhüllte. Er konnte nicht mehr atmen. Sein Aufschrei, als ihn eine Faust im Magen traf, klang in seinen eigenen Ohren dumpf. Da erklang eine Stimme über ihm. Sie klang bekannt. „Was haben wir denn da? Ich würde sagen, ein Übel das es zu bereinigen gilt. Seht zu, das nichts von ihm übrig bleibt.“ Formlos, kalt, schwarz. Die fleischgewordene Nacht. Er war gefangen. Irgendwer hatte ihm etwas über den Kopf gezogen. „Was...?“ ein Tritt ließ ihn sich zusammenkrümmen. „Du weißt genau was. Es war nur eine Frage der Zeit bis die Spuren der Ketzer auch hier sichtbar werden würden. Aber das ausgerechnet du diesen Heiden so nachweinen würdest... “ „Das könnt ihr ni... argh!“ „Woran erkannt man einen Verdammten? Ich sage es euch. Seine Seele wiegt so schwer, das man ihm das Gewicht ansieht. Man sieht es in seinen Augen. Nicht nur die Sünde zeichnet die Seele. Nein, du Junge, du bist gezeichnet. Kein Friede, keine innere Ruhe. Rastlos. Für dich gibt es keinen Platz. Nicht hier. Es würde mich wundern wenn der Teufel dich wollte. Nichtmal in der Hölle sollst du einen Platz finden. Ein Fluch liegt auf deiner ganzen Familie! Und vor allem auf dir!“ „Wa... was redet ihr da?
    „Nun, ihr solltet zumindest wissen weswegen ihr gleich tot sein werdet. Ich lese euch vor weswegen ihr vom heutigen Tage an von der Kirche gebrandmarkt worden seid. >Bruder Justus beglaubigt hiermit das Konrad Matthias Elkarst ein häretischer Verräter vor Gottes Angesicht ist. Nach bestem Wissen und Gewissen soll dieses Ungeheuer hingerichtet werden, bevor es mehr Schaden anrichten kann.<
    Konrad schwieg. All seine Befürchtungen wurden in diesem Moment war. Er hatte sein Leben auf einer Lüge gebaut. Er hatte vertraut und war verraten worden. Er sackte in sich zusammen. Kraftlos. Entsetzt. Gebrochen.
    „Aber, aber Konrad. Tretet eurem Tod mit ein wenig mehr Mut entgegen. Justus meinte, ihr wart sehr nachdrücklich was eure Worte "Wir sind alle gleich unter dem Himmel" anging. Nun ich muss euch enttäuschen. Ihr wurdet gewogen, ihr wurdet gemessen und ihr wurdet für schuldig befunden. Und zwar von höheren Erwählten, als ihr es seid. Oder besser gesagt - meintet zu sein."
    Konrads Kopf und sein Herz überschlug sich vor Aufregung. Doch noch konnte er sprechen. Er erwiderte seinem Richter nur mit Grabesstimme: „Bloße Gelehrsamkeit und Bildung sind eine kalte Sache, wenn das Herz ungebildet bleibt. Es gibt andere Maßstäbe als eine edle Abstammung, Geld oder gesellschaftliche Stellung. Das wissen die Einwohner hier. Und nun wie wärs wenn ihr diesen Wisch aufesst und daran erstickt? Die anderen, die ihr gottlos nennt, werdet ihr nämlich nicht so leicht finden – denn davor werden die Bürger erkennen, was hinter eurer Fassade steckt, die ihr Gerechtigkeit nennt. Inquisition. Hier. Ihr seid doch wahrlich der allerletzte... argh.“ Ein weiterer Tritt brachte ihm zum schweigen.

    Sollte er ihm die Worte glauben? Dem Burschen, der vor zwei Jahren so munter in ihr Dorf gekommen war, würde es ein Fluch unmöglich machen ins Himmelreich zu kommen. Der Fluch. Er hatte von ihm geträumt. Von ihm und den nebeligen Orten. Anderwelt. Ihre Alpträume. Es machte auf einmal alles Sinn. So schrecklich viel Sinn... Ein Fluch also. Gott hatte ihn verlassen. Seine Seele würde das Dorf nie verlassen können und ewig umherstreifen auf der Suche nach Erlösung. Seine Familie. Seine Gilde. So weit fort... Adalbert. Luise. Er hörte einsame Vögel, die am Horizont ihre Kreise zogen. Sie fressen kleine Tiere, die von den Kutschen zerquetscht werden. Ein Festmahl für die Aasfresser. So sollte sein Leben also enden.

    NEIN!“

    Justus mochte ihn verraten haben - aber was ihn wirklich ausmachte war nicht das, was die Kirche ihm lassen würde. Er würde sich selbst in Gottes Gnade befehlen - kein sterblicher Mensch würde zwischen ihm und seinem Gott stehen. Keiner! Mit einem silbernen Messer, das er aus seinem Gürtel zog stach er in die Hand, die ihn an der Schulter zurückhielt. Er riss die Haube von seinem Kopf und warf sie davon. Dann sprintete er los. Kobold wartete noch vorm Stall noch auf ihn – mit einem Satz galoppierte Konrad auf und davon und blickte nicht zurück. Ich mag ein schlechter Reiter sein, aber für euch reicht es allemal!, dachte er noch. Doch er ahnte es mehr als das er es sah, das es nicht der Rappe war der ihn aus der Gefahr trug sondern ein treuer und alter Freund, der ihn verteidigte. Denn niemand rief den Hund zurück, der sich nun hinter ihm auf seine Angreifer stürzte. Und er lächelte grimmig darüber. Gleichzeitig war er froh das sich sein Schicksal nicht hier in diesem Dorf erfüllen würde.

    Der Ruf seines Herzens wurde lauter und Konrad folgte ihm und trieb den Rappen zu einem waghalsigen Sprint an. So ging er, wie er gekommen war - mit aufrechtem Gang und voller Zuversicht. Keiner hier würde erfahren, welche Geschichte er zu erzählen hatte. Weshalb er einen Fluch auf sich geladen hatte. Doch wenn die Kirche ihn auch verflucht nannte – Gott würde ihm vergeben. Und falls seine Rastlosigkeit wirklich mit einem Fluch zusammenhing, der seinen Ursprung in seiner Vergangenheit hatte - wie schwer konnte es schon sein ihn zu lösen, wo doch Gott über ihn wachte?

    Er träumte seine Träume und beobachtete weiter den Himmel.
    Die Welt bewegte sich weiter.
    So zog Konrad Matthias Elkarst ein weiteres mal aus. Und der Tod folgte dem Verfluchten auf dem Fuße.

    Geändert von Viviane (29.03.2013 um 02:57 Uhr)

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