Welch Spiel treiben Sie, mich ob der Idee zu verdächtigen, die Sie selbst unterstützten?
Meretes Worte gingen Konrad im Kopf herum als er dem nahestehenden Henkersgehilfen zunickte. "Habt ihr meine Stimme bereits notiert?" "Oh nein, nein noch nicht. Noch ist alle Zeit der Welt um den rechten Hals ins rechte Licht zu rücken." "Dann bitt ich euch, zeigt mir den Namen der Jägerin." Meretes Name flackerte im Fackelschein.
Konrad wusste nicht, was er von Marias Worten halten sollte. Er hatte zum ersten Mal Angst vor der Kirche gehabt an diesem Tage. Aber Ross hatte insofern Recht, das Noel sich zu auffällig verhielt. Noel war vielleicht ein Narr, aber sein Tod würde ihnen keine weiteren Hinweise liefern. Merete also. Wieso wollte die Nonne sie tot sehen? Wieso Luise sich ihrem Urteil angeschlossen hatte verstand er - zu jung war sie um eine eigene Meinung zu haben. Aber Ross führte sie wie ein Opferlamm zur Schlachtbank. Wenn Merete unschuldig war, hätten sie zwei Verdächtige gewonnen.
"Merete. (MeTaLeVel) Es tut mir Leid doch euer Opfer wird vielleicht den andren helfen klarer zu sehen. Ich glaube ihr seid unschuldig. Zumindest wart ihr die einzige die versucht hat heute die Nachforschungen zu unterstützen. Und ihr wart die erste vor Brunhild und Tyrell die sich selber wählte. Weise erschien es in meinen Augen. Aber ... in diesen dunklen Tagen suchen die Wölfe unter den weichherzigsten ihre Opfer aus. Meine Stimme allein wird euch nicht retten. Doch seid ihr unschuldig versprech ich euren Tod zu vergelten. Denn dann sind es Maria und Ross, die sich vor uns andren rechtfertigen müssen." Er zog den Strich hinter Meretes Namen. Und die Tinte schien ihm zu glänzen wie Blut. Sie ist unschuldig... so dachte er. Doch sicher war er nicht.
"Häh, Weiber. Sie ist eine Frau. Die bringen sowieso nur Unglück. Könnt froh sein wenn ihr sie los seid. Nun denn, rasch ans Werk!"
Das Dorf hatte sich nach langer mühvoller Abstimmung dazu entschieden Merete. (MeTaLeVel) dem Henker zu überantworten, doch was war ihre wahre Gesinnung?
Die Nacht beginnt und dauert längstens bis Freitag 12h. Die Nachtrollen werden tätig, Metas Rolle erfahrt ihr gleich.
Sie blickten hinaus auf das Meer, das feuerrote Farbenspiel, das die aufgehende Sonne auf den sanft dahinschreitenden Wellen hinterließ. Wellen, die nichts von den vielen Kämpfen wussten, die sie hinter sich bringen mussten. Wellen, die sie ihrer Vergangenheit entledigten und eine freie Zukunft versprachen. Sie blickte in die Augen des blonden Mannes, der dort vor ihr stand, dem der Wind nur leicht durch das kurze Haar strich. Die Iriden reflektierten das Blau der See, das Rot des Morgens.
Island war nicht mehr zu erkennen und doch würde sie ihr gemeinsamer Weg noch weit tragen. Für den Moment jedoch genossen sie die Ruhe, atmeten deutsche Seeluft ein, Luft, die frei war von Blut und Kampf. "Meine Mutter sang mir einst ein Lied!", sprach Arik. "Möchtest du es hören?"
Merete nickte und erfuhr die Melodie, die zu der ihren werden sollte. Sie entstammte einer Sprache, die sie nicht beherrschte, doch übersetzte ihr Gefährte ihr jedes Wort.
Bereits fünf Sommer war das nun her und Arik starb nur wenige Nächte darauf, opferte sich für sie, die sie flüchtete, immer weiter 'gen Süden, nie die Melodie vergessend, die er sie lehrte.
A whisper in my ear
A voice so strong and clear
Upon this beach I see
A million grains of sand
Sie war geflüchtet und hatte die Sprache des Landes gelernt, das ihre neue Heimat werden sollte, nie die Erinnerung an die vergessend, die zu ihrem Wohl das Leben ließen.
And I believe we are destined
Bound to survive against all odds
Weit war sie gekommen, drei andere Sommer gereist und fand schließlich den Frieden, den sie suchte in diesem Dorf.
Out where the truth lies,
I will follow
Out beyond this barren surround
I cry without a sound
Ein Hauptmann, groß und gut, nahm sich ihrer an, schenkte ihr die Gelegenheit, dieses Dorf ihr Heim zu nennen.
Out where the truth lies,
I will follow my eyes into the sun
Zwei Sommer vergingen und sie schien ihr Ziel erreicht zu haben. Ein Leben fernab von Krieg und Hass. All die langen Jahre der Flucht machten sich bezahlt.
Sometimes I lie awake
I dream of everyone
Who walked the path I take
Who ran beneath the sun
Doch mit dem Tod des Hauptmannes erstarb auch der Frieden. Feinde nahmen ihn und die Angst ließ die Menschen handeln, verführte sie zu Mord.
And I believe it's my destiny
Bound to survive against all odds
Letztendlich traf es sie.
Hatte sie nicht alles getan, um das Leben zu verdienen? Gekämpft und Recht von Unrecht unterschieden. Nie stahl sie eines Arglosen Gut. Nie schnitt ihr Dolch eines Unschuldigen Haut. Nie traf ihr Pfeil ein reines Herz. Sie verlangte doch nur das Einatmen dieser süßen Luft, nur nach dieser sehnte sie sich. Sie - die letzte Überlebende der Uppreisamoti Kirkja.
Töricht war sie gewesen, hatte sich selbst zur Zielscheibe gemacht. Ein Fehler, den man dankend nutzte, um sich ihrer zu entledigen. Ihr Weg hatte als Heidin begonnen und endete als solche. Zentnerschwer wogen ihre Füße als sie die hölzernen Stufen zum Galgen hinauftrat, als würden all die Meilen ihres Lebens sich erst jetzt melden, ihr den letzten Gang erschweren. Doch solange sie nur nicht vergaß, zu atmen, die letzten Züge der weichen Luft unter ihrer Brust zu spüren, so wäre es erträglich.
Ihr Blick fuhr in die Menge, doch wurde er nicht genauer. Etwas in ihr sträubte sich, einzelne Gesichter auszumachen. Wozu? Was willst du in ihren Mienen lesen? Reue, die es dir erträglicher macht? Angst, die es für sie rechtfertigt? Nichts von dem willst du sehen, Mädchen. Richte den Blick 'gen Himmel und atme. Genieße die letzten Züge der Luft, die du so liebst.
Merete tat die letzten Schritte und blieb stehen. Der ruhigen Geste des Henkers besten Freund, der sie sadistisch lächelnd anwies, auf den Stuhl zu steigen, folgte sie. Seine groben Hände griffen in ihr Haar, zogen es nach hinten, den rauen Strang schlang er um ihren Hals, bis seine Pranken sich lösten, ein ewiger Moment der Ruhe folgte.
Oh, Arik, es tut mir Leid. Du machtest mir ein Geschenk, gabst dein Leben für meins. Wie nachlässig ich mit diesem Geschenk umging. Verzeih mir!
Ein letzter Atemzug. So eine süße Luft. So friedvoll ihr Geschmack.
Oh, Arik, so hör' mich an! Sei mir nicht bös', wenn ich verlang', dass es den Himmel gäb', von dem unser Feind berichtet. So hege keinen Groll gegen mich, wenn ich wünsch', dass auch uns beiden ein Platz in diesem Himmel nicht verwehrt blieb'. Auf dass ich selbst vor dir knien und dich um Verzeihung bitten kann.
Der Stuhl unter ihren Füßen wurde zur Seite gestoßen und Merete fiel. Der Strick klemmte sich beißend um ihren Hals, doch ihr starkes und trainiertes Genick hielt stand. Und so rang sie vergeblich nach der Luft, die ihr Ein und Alles war, bis das dicke Seil den Kampf um ihre Kraft gewann und der entseelte Körper einer unschuldigen Bürgerin leblos am Galgen schwang.