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Thema: Das Dorf Gottes 2-Tag 1

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  1. #1
    Ohne jemandem etwas Böses zu wollen, starb ihr Vater durch die Hand der Kirche. Weil er sich nicht beugte, sie nicht unterstützte, schlicht nicht bereit war, zu glauben. Niemanden hatte dies verletzt und doch nahmen sie ihn ihr. Und jetzt dies. Sollte ihr durch das Verweigern dessen, was die Kirche Glauben nannte, das selbe Schicksal ereilen, wie ihm? Oh Nonne, würdest du glauben, wärst du meine Wege gegangen?, fragte sie still, doch teilte ihr Denken nur mit sich.

    Dennoch sprach sie, um sich den Vorwürfen zu entledigen, mit denen die überaus nonnige Nonne sie belegte.

    "Ja, es ist wahr. Ich nahm das Schwert und brachte es dem Schmied, ließ seinen erfahrenen Geist entscheiden, was der Klinge Vergangenheit sei. Doch sei sie gewöhnlich, erklärte er." Bitter war Meretes Blick, schwerfällig zugleich. Sie sprach zu allen, doch musterte nur Maria. "Doch waren Sie es, Nonne, die mich antrieb. Sagten Sie mir nicht, dass es eine gute Idee sei, den Schmied aufzusuchen? Welch Spiel treiben Sie, mich ob der Idee zu verdächtigen, die Sie selbst unterstützten?"

    Sie verließ das Podest. So viele Worte blieben ungesagt, doch schnürte die Angst ihr die Kehle zu.

    Geändert von MeTa (27.03.2013 um 17:53 Uhr)

  2. #2
    Tyrell stand mitten in der Menge. Verwirrt und perplex stand er da, wusste nicht, was er machen sollte.

    (Entsetzlich... wie sie plötzlich alle aufeinander losgehen... was ist bloß passiert? Eine simple Nachricht auf dem Dorfplatz bringt uns alle so sehr durcheinander. Das kann ich nicht fassen...!)


    Er wusste nicht genau, was jetzt zu tun war. Sich an den Kopf fassend überlegte er eine Weile, bekam aber nicht wirklich etwas zustande. Alles nette Menschen um ihn herum, doch die todesflehende Gesichter verschlugen ihm die Sprache. Ohne einen Laut stand er da. Er hörte zu. Die Menschen fingen an, sich gegenseitig zu nominieren. Merete, die sich selbst als Opfer überließ und Maria, die sie plötzlich tatsächlich auch anklagte. Dann gingen die Leute auch noch auf Noel zu. Mit Tyrell hatte er es sich verscherzt, keine Frage, aber das war kein Grund, ihn umzubringen... oder doch? Tyrell wusste nicht, was zu tun...

    "Geehrte Dorfbewohner von Düsterwald! Seid ihr alle jetzt völlig von Sinnen? Dies erscheint mehr eher als Ausnutzung der Situation, gar furchtbar finde ich es, dass wir Noel plötzlich als gottlosen Ketzer aus dem Dorf verbannen wollen. Das ist doch nicht der Sinn... wir sollten doch die Lumianer ausfindig machen und nicht die Karten unserer Antipathie ausspielen! Ich hätte nicht gedacht, dass es darauf hinausläuft... aber bis wir keinen einzigen Anhaltspunkt haben, werde ich doch lieber mich selber,
    Tyrell (Ligiiihh), dem Galgen überlassen, als dass das der pure Mensch in mir Oberhand übernimmt... ich bin wirklich schockiert...

    Aber Merete! Danke! Ohne Euch wäre ich nie auf die Idee kommen, mich selber zu wählen. Das ist eine viel bessere Variante. Ich verfehle möglicherweise den Hintergrundgedanken des Wunsches unseres Hauptmannes, aber zurzeit finde ich da keinen anderen Ausweg. Auf dass wir heute auf neue Erkenntnisse stoßen, die wir morgen zunutze machen können..."

  3. #3
    Es herrschte eine äußerst gespannte Stimmung auf dem Platz. Mittlerweile sah es so aus:

    Noel hatte bisher zwei Stimmen.
    Die Jägerin ebenso.
    Konrad nach wie vor eine.
    Tyrell nun auch eine.

    Noels Gedanken rasten.
    Denk nach. Denk nach. Setz die Puzzleteile zusammen.
    Du willst einen Neuanfang machen. Tötest du den Falschen, verstösst du das Vertrauen der Dorfbewohner und hast einmal mehr Blut an deinen Händen.

    Beobachte das Verhalten der Spieler... und dreh das Schachbrett um!

    ...
    Ja... wenn man das Schachbrett umdreht... und sich in den Gegner hineinversetzt... dann ist einer der Anwesenden mit Abstand am Wahrscheinlichsten.
    Aber reicht das, um einem Menschen das Leben zu nehmen?

    Ach... halt den Mund. Du erwischst den Richtigen. Du schaffst es.


    Noel begann beherrscht ruhig, zu sprechen.
    "Bewohner Düsterwaldes... die folgenden Worte fallen mir nicht leicht. Wirklich.
    Aber wenn ich die Stränge verbinde, das Schachbrett herumdrehe und das Verhalten der Lumianer analysiere... so ist Tyrells (Ligiiihh) Fassade die Bröckligste. Es schmerzt mich, ein Kind beschuldigen zu müssen... doch so der Wahnsinn der Lumianer ihn vergiftet hat, ist es vielleicht besser so.
    Möge Fortuna geben, dass ich den Schuldigen nominiere.

    ...

    Es tut mir leid, Tyrell."


    Stumm wartete Noel ab, wie das Ergebnis der Wahl aussehen würde und bereitete sich darauf vor, diese Welt zu verlassen.

    Geändert von Holo (27.03.2013 um 18:42 Uhr)

  4. #4
    Luise wollte es nicht. Sie wollte nicht mit ihrer Stimme dazu beitragen, dass jemand starb.
    Sie hatte überlegt, sich selbst zu nominieren. Sie war keine Lumianerin, aber es gab immer Sünden, für die es zu büßen galt.
    Und es war besser, frühzeitig dem Herrn gegenüber zu treten, als in weiterer Sünde zu leben. Würde sie aber jetzt gegen sich selbst die Stimme erheben, wäre es lediglich eine scheinheilige Tat, um die eigenen Finger aus der wahren Entscheidung herauszuziehen. Und Luise konnte und wollte nicht einfach etwas vorheucheln. Also entschied sie sich zu etwas anderem.
    Erneut trat sie hervor und sprach: "I-ich wünsche niemandem den Tod. D-doch i-ich werde m-mich auch nicht heraushalten, w-wenn es darum geht, d-das Dorf zu beschützen. Mir b-bleibt wohl k-keine W-wahl als in G-gott zu vertrauen und danach zu handeln." Sie schluckte schwer. "D-deswegen vertraue ich in d-das Urteil, welches s-seine treuste D-dienerin, Schwester Maria, hier ablegte - und stimme f-für Merete (MeTaLeVel)." Sie warf der Jägerin einen gequälten Blick zu. "I-ich hoffe, Recht zu behalten. D-denn es täte mir aufrichtig Leid, j-jemand unschuldigen i-in den Tod zu schicken."
    Dann trat Luise zurück und schwieg. Obwohl sie Schwester Maria vertraute, bildeten sich jetzt schon Zweifel an ihrer eigenen Entscheidung.
    Sie hoffte inständig, gerade eine Lumianerin beschuldigt zu haben. Denn sonst würde sie sich niemals selbst verzeihen können.

  5. #5
    Leider verlief es bei weitem nicht so gut, oder es verlief zu gut, je nachdem, wie man es sehen wollte. Entweder waren einige Bewohner zu weichherzig, jemanden zu opfern, weshalb sie sich selbst vorschlugen, oder sie waren in der Tat Mitglieder dieser Sekte und hatten sich einfach nur gestellt. Natürlich war Ross sich bewusst, dass er als Hauptmann die Aufgabe hatte, eine Entscheidung zu treffen und im Gegensatz zum Rest der Bevölkerung, konnte, nein durfte, er sich nicht selbst wählen, was er letztlich sowieso nicht getan hätte, da damit niemandem geholfen wäre.

    "Bisher konnten diese Lumianer noch keinen wirklichen Schaden anrichten, weshalb uns sicher noch einige Zeit bleibt, sie zu finden und aufzuspüren. Bis dahin müssen wir aber eine Entscheidung treffen. Bevor ich wähle, will ich aber noch kurz etwas loswerden, was einen unserer hiesigen Spezialisten angeht, die anscheinend gerne ein Drama veranstalten. Ich spreche hier von Noel, der sich aufgrund seines Verhaltens sehr verdächtig gemacht hat. Das letzte, was wir brauchen, ist jemand, der den Hass der Bewohner auf sich zieht, denn sollte sich herausstellen, dass er unschuldig ist, hätten wir ihn zwar nicht mehr am Hals, aber wir hätten auch einen Unschuldigen weniger. Ich glaube nicht, dass Noel zu dieser Sekte gehört. Es ist nicht nur ein Gefühl, ich meine, seht ihn euch an. Er sieht nicht aus wie jemand, der ein Schwert auch nur hochheben könnte. Abgesehen davon, scheint er von seinen Gefühlen her wohl so verwirrt zu sein, dass er wohl keinen klaren Gedanken fassen und erst recht nicht so eine Nachricht, wie die, die die Lumianer uns gelassen haben, verfassen könnte."

    "Wie dem auch sei. Ich weiß nicht, wer von denjenigen die sich selbst angeklagt haben, nun schuldig ist, oder nicht. Dennoch respektiere ich ihren Mut, sich selbst zu opfern, um die anderen leben zu lassen. Mir wäre es lieber, wenn wir einen Lumianer enttarnt hätten, doch leider kann haben wir heute dabei wohl kein Glück gehabt und müssen hoffen, den richtigen zu erwischen. Meine Stimme geht daher an Merete (MeTaLeVel)."

  6. #6
    Eine dunkler Keim wuchs gerade in ihrer doch eigentlich so heimeligen Dorfgemeinschaft heran. Die Erszen hatten schon begonnen, andere zu nominieren. War es bei Konrad, obgleich sie ihn noch nie zuvor so aufgebracht gesehen hatt, noch eine verständliche Schutzreaktion, vermochte Brunhild Noels, Peters und gerade der guten Nonne Marias Stimmen nicht zu hinterblicken.
    Merete hatte mit ihren Worten, denen die Selbstbezichtung folgte, im Wesentlichen Anklang bei ihr gefunden. Auch der Wirtin war es nicht geheuer, was sich hier gerade zutrug, Gott konnte in diesem Moment nicht mit liebendem Blick auf sie hinabsehen. Auch der kleine Bastler verkündete vor Allen, dass er seinen eigenen Tod dem jedes Anderen vorzöge.
    Langsam besah sie sich jeden der Anwesenden mit der wachsenden Erkenntnis, dass sie Keinem unterstellen könnte, zu der Sekte zu gehören. Und das würde sie an diesem Abend auch nicht tun. Da sich Brunhild sehr wohl bewusst war, dass nach dem Dorfrecht eine Enthaltung bei einer Abstimmung wie dieser einer Selbstbezichtung gleichkam, schritt sie still zu dem Verkündungsbaum. Auf dem Abstimmungszettel suchte sie dann die Buchtsabenfolge, welche sie als ihren Namen wiedererkannte und setzte dahinter einen Strich (Brunhild/Mephista). So bliebe dem Hauptmann später Aufwand erspart.
    Eine Bekreuzigung später kehrte sie zu ihrem Platz zurück und beobachtete den Ausgang der Abstimmung.

  7. #7
    Rekon war total verwirrt und gehetzt, da der Tag sich dem Ende näherte. Er wusste nicht, ob es das richtige ist, was er tat, als er das Wort ergriff. "Ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass Merete unschuldig ist, doch scheint sie mit 4 Stimmen dem Tode sehr nahe zu sein. Das ist nicht das, was ich mir für das Dorf wünsche. Es soll keine unschuldige Person zum Tode verurteilt werden. Das will ich nicht verantworten. Deshalb, man verzeih es mir, werde ich, Rekon Alyas Nascia, den hier anwesenden Noel De'chrones'tulem (Nonsense) anklagen. Es tut mir Leid, Noel, aber du bist der einzige, den ich verdächtige. Verzeih es mir bitte..." und mit diesen Worten ging Rekon zum Stimmzettel und machte einen sauberen Strich hinter Noels Namen. Er hoffte, dass er den richtigen angeklagt hat...

  8. #8
    Welch Spiel treiben Sie, mich ob der Idee zu verdächtigen, die Sie selbst unterstützten?
    Meretes Worte gingen Konrad im Kopf herum als er dem nahestehenden Henkersgehilfen zunickte. "Habt ihr meine Stimme bereits notiert?" "Oh nein, nein noch nicht. Noch ist alle Zeit der Welt um den rechten Hals ins rechte Licht zu rücken." "Dann bitt ich euch, zeigt mir den Namen der Jägerin." Meretes Name flackerte im Fackelschein.

    Konrad wusste nicht, was er von Marias Worten halten sollte. Er hatte zum ersten Mal Angst vor der Kirche gehabt an diesem Tage. Aber Ross hatte insofern Recht, das Noel sich zu auffällig verhielt. Noel war vielleicht ein Narr, aber sein Tod würde ihnen keine weiteren Hinweise liefern. Merete also. Wieso wollte die Nonne sie tot sehen? Wieso Luise sich ihrem Urteil angeschlossen hatte verstand er - zu jung war sie um eine eigene Meinung zu haben. Aber Ross führte sie wie ein Opferlamm zur Schlachtbank. Wenn Merete unschuldig war, hätten sie zwei Verdächtige gewonnen.

    "Merete. (MeTaLeVel) Es tut mir Leid doch euer Opfer wird vielleicht den andren helfen klarer zu sehen. Ich glaube ihr seid unschuldig. Zumindest wart ihr die einzige die versucht hat heute die Nachforschungen zu unterstützen. Und ihr wart die erste vor Brunhild und Tyrell die sich selber wählte. Weise erschien es in meinen Augen. Aber ... in diesen dunklen Tagen suchen die Wölfe unter den weichherzigsten ihre Opfer aus. Meine Stimme allein wird euch nicht retten. Doch seid ihr unschuldig versprech ich euren Tod zu vergelten. Denn dann sind es Maria und Ross, die sich vor uns andren rechtfertigen müssen." Er zog den Strich hinter Meretes Namen. Und die Tinte schien ihm zu glänzen wie Blut. Sie ist unschuldig... so dachte er. Doch sicher war er nicht.

    "Häh, Weiber. Sie ist eine Frau. Die bringen sowieso nur Unglück. Könnt froh sein wenn ihr sie los seid. Nun denn, rasch ans Werk!"

  9. #9
    Das Dorf hatte sich nach langer mühvoller Abstimmung dazu entschieden Merete. (MeTaLeVel) dem Henker zu überantworten, doch was war ihre wahre Gesinnung?


    Die Nacht beginnt und dauert längstens bis Freitag 12h. Die Nachtrollen werden tätig, Metas Rolle erfahrt ihr gleich.

  10. #10
    Sie blickten hinaus auf das Meer, das feuerrote Farbenspiel, das die aufgehende Sonne auf den sanft dahinschreitenden Wellen hinterließ. Wellen, die nichts von den vielen Kämpfen wussten, die sie hinter sich bringen mussten. Wellen, die sie ihrer Vergangenheit entledigten und eine freie Zukunft versprachen. Sie blickte in die Augen des blonden Mannes, der dort vor ihr stand, dem der Wind nur leicht durch das kurze Haar strich. Die Iriden reflektierten das Blau der See, das Rot des Morgens.

    Island war nicht mehr zu erkennen und doch würde sie ihr gemeinsamer Weg noch weit tragen. Für den Moment jedoch genossen sie die Ruhe, atmeten deutsche Seeluft ein, Luft, die frei war von Blut und Kampf. "Meine Mutter sang mir einst ein Lied!", sprach Arik. "Möchtest du es hören?"

    Merete nickte und erfuhr die Melodie, die zu der ihren werden sollte. Sie entstammte einer Sprache, die sie nicht beherrschte, doch übersetzte ihr Gefährte ihr jedes Wort.



    Bereits fünf Sommer war das nun her und Arik starb nur wenige Nächte darauf, opferte sich für sie, die sie flüchtete, immer weiter 'gen Süden, nie die Melodie vergessend, die er sie lehrte.

    A whisper in my ear
    A voice so strong and clear
    Upon this beach I see
    A million grains of sand


    Sie war geflüchtet und hatte die Sprache des Landes gelernt, das ihre neue Heimat werden sollte, nie die Erinnerung an die vergessend, die zu ihrem Wohl das Leben ließen.

    And I believe we are destined
    Bound to survive against all odds


    Weit war sie gekommen, drei andere Sommer gereist und fand schließlich den Frieden, den sie suchte in diesem Dorf.

    Out where the truth lies,
    I will follow
    Out beyond this barren surround
    I cry without a sound


    Ein Hauptmann, groß und gut, nahm sich ihrer an, schenkte ihr die Gelegenheit, dieses Dorf ihr Heim zu nennen.


    Out where the truth lies,
    I will follow my eyes into the sun


    Zwei Sommer vergingen und sie schien ihr Ziel erreicht zu haben. Ein Leben fernab von Krieg und Hass. All die langen Jahre der Flucht machten sich bezahlt.

    Sometimes I lie awake
    I dream of everyone
    Who walked the path I take
    Who ran beneath the sun


    Doch mit dem Tod des Hauptmannes erstarb auch der Frieden. Feinde nahmen ihn und die Angst ließ die Menschen handeln, verführte sie zu Mord.

    And I believe it's my destiny
    Bound to survive against all odds


    Letztendlich traf es sie.



    Hatte sie nicht alles getan, um das Leben zu verdienen? Gekämpft und Recht von Unrecht unterschieden. Nie stahl sie eines Arglosen Gut. Nie schnitt ihr Dolch eines Unschuldigen Haut. Nie traf ihr Pfeil ein reines Herz. Sie verlangte doch nur das Einatmen dieser süßen Luft, nur nach dieser sehnte sie sich. Sie - die letzte Überlebende der Uppreisamoti Kirkja.

    Töricht war sie gewesen, hatte sich selbst zur Zielscheibe gemacht. Ein Fehler, den man dankend nutzte, um sich ihrer zu entledigen. Ihr Weg hatte als Heidin begonnen und endete als solche. Zentnerschwer wogen ihre Füße als sie die hölzernen Stufen zum Galgen hinauftrat, als würden all die Meilen ihres Lebens sich erst jetzt melden, ihr den letzten Gang erschweren. Doch solange sie nur nicht vergaß, zu atmen, die letzten Züge der weichen Luft unter ihrer Brust zu spüren, so wäre es erträglich.

    Ihr Blick fuhr in die Menge, doch wurde er nicht genauer. Etwas in ihr sträubte sich, einzelne Gesichter auszumachen. Wozu? Was willst du in ihren Mienen lesen? Reue, die es dir erträglicher macht? Angst, die es für sie rechtfertigt? Nichts von dem willst du sehen, Mädchen. Richte den Blick 'gen Himmel und atme. Genieße die letzten Züge der Luft, die du so liebst.

    Merete tat die letzten Schritte und blieb stehen. Der ruhigen Geste des Henkers besten Freund, der sie sadistisch lächelnd anwies, auf den Stuhl zu steigen, folgte sie. Seine groben Hände griffen in ihr Haar, zogen es nach hinten, den rauen Strang schlang er um ihren Hals, bis seine Pranken sich lösten, ein ewiger Moment der Ruhe folgte.

    Oh, Arik, es tut mir Leid. Du machtest mir ein Geschenk, gabst dein Leben für meins. Wie nachlässig ich mit diesem Geschenk umging. Verzeih mir!

    Ein letzter Atemzug. So eine süße Luft. So friedvoll ihr Geschmack.

    Oh, Arik, so hör' mich an! Sei mir nicht bös', wenn ich verlang', dass es den Himmel gäb', von dem unser Feind berichtet. So hege keinen Groll gegen mich, wenn ich wünsch', dass auch uns beiden ein Platz in diesem Himmel nicht verwehrt blieb'. Auf dass ich selbst vor dir knien und dich um Verzeihung bitten kann.

    Der Stuhl unter ihren Füßen wurde zur Seite gestoßen und Merete fiel. Der Strick klemmte sich beißend um ihren Hals, doch ihr starkes und trainiertes Genick hielt stand. Und so rang sie vergeblich nach der Luft, die ihr Ein und Alles war, bis das dicke Seil den Kampf um ihre Kraft gewann und der entseelte Körper einer unschuldigen Bürgerin leblos am Galgen schwang.

  11. #11
    "Gut...", seufzte Lumi und schaute Djángo an. Dieser erwiderte ihren Blick mit einem Hauch von Schuldzuweisung in seinen Augen. "Nézz rám így! [Schau mich nicht so an!]", entgegnete sie wiederum. Ganz raushalten konnte sie sich nicht aus dieser Farce. Diese gottverdammte Farce.

    Sie wühlte an Djángo vorbei in ihrem Beutel herum und zauberte die Spielkarten heraus. Sie atmete laut aus, mischte die Karten in ihren Händen, schloss dabei die Augen.
    Ross, der König. Präsenz, Einfältigkeit in seiner aufgezwungenen Monarchie. Er wurde Dorf-Oberhaupt und erst seitdem schien es hier so vorzugehen. Definitiv ein sicherer Kandidat.
    Merete, die Königin. Stolze Kriegsamazone, viel zu nett scheinend und ebenfalls recht dumpf wirkend in ihrer unerbittlichen Loyalität ihrem Dorfe gegenüber. Aber eine Jägerin ihres augenscheinlichen Kalibers hätte Konrad sowas von den Garaus gemacht - da wirkte es doch blöd, dass außer einer blutbeschmeirten Klinge (wessen Blut war das überhaupt?) keine Spuren gab für einen versuchten Mord. Und ihrer Statur nach zu urteilen wäre es für sie ein Klacks gewesen, den rotzevollen Konrad umzubringen. Sie schied zwar in Lumis Kopf aus, aber die Karten logen nicht - eigentlich. Fast immer gar nicht. Oft schon, aber nur wenn es Lumi passte. Ugh.
    Tyrell, der Bube. Beschissene Handschrift, könnte zwar einer dieser Wahnsinnigen sein aber hat es ordentlich versiebt letzte Nacht. Auch wenn Kinder eigentlich als Mörder gute Dienste leisteten in den Orten in welchen sich Lumi soweit herumgetrieben hatte - eine derart wackelige Gestalt hätte tatsächlich ein derart todsicheres (ha!) Ding vergeigen können. Auch ein Kandidat.
    Noel, das Ass. Entweder durchlebte er gerade eine schwierige Phase oder er war wirklich so von Grund auf durchgeknallt, dass er Leute töten wollte um seine Ziele durchzusetzen. Allerdings schien er mehr den Macker zu machen als wirklich etwas draufzuhaben - jeder Mensch verwandelte sich in seinen Augen in einen Kriegsgott wenn er ein Schwert hielt, egal wie mädchenhaft er war. Mit so etwas kannte-

    Ugh.

    Wer kam sonst in Frage? Alle anderen erschienen Lumi recht harmlos, selbst die dicke Frau in der Ritterrüstung ließ keine Andeutungen darauf zu, dass sie einfach aus Spaß (oder für ihren komischen Sektenheini der an der Spitze stand) LOeute umbringen würde. Umhauen, vielleicht. Aber direkt das Messer ansetzen? Und wieder - nicht einmal es hinkriegen zu treffen? Egal, sie wurde die 10.
    Das rohaarige Mädchen hatte keine Seele, aber das war nicht ihre Schuld. Und so wie sie sprach war sie alles andere als gefährlich. Oder vielleicht gerade deswegen? Die 9.
    So bekam jeder Einwohner eine Karte zugeteilt, der Lumi verdächtig wirkte. Als sie fertig gemischt hatte, legte sie den Stapel auf den Boden, hob eine Hälfte der Karten von der anderen und tat diese wiederum auf die erste Hälfte, sodass es fair blieb. Nichts gezinkt, markiert, sonst irgendetwas[*].

    "Jól [Gut]...", flüsterte sie und betete stumm in ihren Bart, dass es den scheiß Horst treffen würde.
    Sie griff die oberste Karte, drehte sie, studierte sie mit ernstem Blick und verzog das Gesicht vor Ekel vor sich selbst. "Bassza meg..."
    Still stand sie auf, den Trubel der Leute um sie herum ignorierend schritt sie unauffällig zum Abstimmungszettel, warf Horst einen hasserfüllten Blick zu und setzte mit dem anhängenden Kohlstift einen Strich neben Tyrells (Ligiiih) Namen. So jung, wahrscheinlich unschuldig, aber sie wusste nicht, was sie sonst tun sollte. Heraushalten konnte sie sich nicht, ejtzt wo sie mehr doer weniger gefangen in diesem Scheißdorf war. Sie schaute Horst noch einmal an und zischte ihm ein "Baszd meg magad, Horst. [Fick dich, Horst]" entgegen als sie von der Bühne zurück zu ihrem Kartendeck schlurfte, das sie fein säuberlich wieder mit einem Band zusammenschnürte und zurück in den Beutel kramte. Dann setzte sie sich wieder, eingehend den Boden studierend.

    [*] = [ooc]Ich habe nebenbei erwähnt wirklich so gewählt weil ich mich nicht entscheiden konnte.[/ooc]

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