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Thema: Das Dorf Gottes 2-Tag 1

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Sicher eine halbe Stunde war vergangen, seit er die schweren Türen der Bibliothek geöffnet hatte. Das kleine, gothisch angehauchte Gebäude, welches mit seinen schwarzen, kreisrunden Regalen und blaugrünen Glasfenstern eher an eine Sektenkirche erinnerte, verschaffte Noel sofort etwas Beruhigung. Stumm ließ er die Tür ins Schloss fallen, ging zwischen den Regalen hindurch und griff wahllos zu einem Buch, mit dem er sich hinter seinen Thresen setzte.

    "Hausfrauen und warum man ihnen nicht während des Kochens vor den Karren kacken sollte"
    ...


    Naja. Warum eigentlich nicht.
    Und dieses Buch laß Noel jetzt seit einiger Zeit, als sich die Tür seiner Stätte erneut öffnete.
    Genervt verdrehte der Bibliothekar die Augen.
    Gestern noch hatte er Konrad vorgeworfen, er solle doch darauf achten, die Apotheke nicht vor Geschäftsbeginn offen zu lassen, und nun war ihm selbiger Schnitzer unterlaufen. Wer würde ihn wohl stören, wer ihm aus seiner wohlverdienten Ruhe reißen? Egal, wer es war;
    Er konnte sich auf einen deftigen Arschtritt gefasst machen, verfluchter Schwefelkranz!






    Grahahahaha! Na los, tritt ihr in den Arsch, Noel. Ich warte. Gwahahahahaha.

    Er musste träumen. Nein, Moment, rational gesehen konnte das nicht sein. Er war definitiv aufgestanden und in die Bibliothek gegangen, ein Traum war äußerst unwahrscheinlich. Aber was bei allen schwarzen Geistern war es dann?
    Da stand, etwas nervös und träumerisch wie immer, seine kleine Elfe vor ihm in der Bibliothek, unsicher seinen Blick suchend, mit den Fingerspitzen aneinandertippend.

    Okay. Ruhig bleiben. Wahrscheinlich will sie nur ein Buch ausleihen und verschwindet dann wieder zu Tyrell. Ja, das wäre die logischste Annahme. Ganz ruhig bleiben, das kriegst du hin. Durchatmen.

    Das kalte Gefühl in Noels Brust verwandelte sich in etwas Undefinierbares, als er, verkniffen wie eine Salzsäure, hinter seinem Thresen hervor und Luise gegenübertrat.
    Er hatte vorgehabt, das Wort zu eröffnen. Aber egal, wie sehr er seinen eigentlich riesigen Wortschatz und seine über jeden Zweifel erhabene Redegewandheit durchforstete, ihm fiel nichts ein. Da war nur weiße leere in seinem Kopf.
    PEST UND VERDAMMNIS!

    "G-guten Morgen, N-noel. I-ich... ähm... also ich dachte mir... d-du bist ja b-bestimmt weit gereist... und du kennst vi-viele Bücher..."

    Süßes, warmes Gold. Seine Reaktionen wurden mit jedem Mal berechenbarer, so menschlich, und doch wurden sie nicht weniger angenehm. In Sekundenbruchteilen wurde die Kälte in Noels Körper von intensiven Flanmmen verzerrt, das Zittern stoppte, die Migräne wurde erträglicher. Er musste sich krampfhaft ein Lächeln verkneifen, hoffentlich merkte sie nichts, denn seine Mundwinkel zuckten unkontrolliert. Vielleicht konnte er ein Gespräch zu ihr aufbauen, Bücher waren seine große Stärke.
    Das würde funktionieren!
    ...
    ...
    Wäre sein Kopf nur nicht so furchtbar leer.

    "Ähm... ich habe da etwas g-gefunden, das mich interessiert. Eh... und z-zwar war ich als Kind mal i-n einer großen Stadt, u-und da gab e-es Schiffe. Und ich wollte i-immer schon mal w-wissen wie die gebaut werden. A-also wollte ich d-dich fragen: Hast du vielleicht B-bücher zu diesem Thema?"


    Schiffe... Schiffe. Schiffe? Schiffe!
    Okay. In Ordnung. Jetzt geht es los, Noel. Schiffe. Also, was weißt du über sie?
    ...
    Schiffe. Na los, komm schon Junge, denk nach, darüber musst du doch was gelesen haben.
    ...
    Du liest jeden Tag dutzende Bücher, seit Wochen, Monaten Jahren, verfluchte Greifenscheiße, dir muss doch was einfallen, denk nach denk nach DENK NACH!
    ...
    Das gibt es doch nicht. Dir muss doch irgendetwas einfallen, irgendetwas. Die kleine Elfe steht vor dir und lächelt dich an, Oh gott sie ist so süß, und dir fällt auf ihre Frage keine Antwort ein DU BELESENER TÖLPEL? DenkdenkDENK. Das gibt es doch nicht, diese Chance kann ich nicht verstreichen lassen!


    Für Luise musste der junge Bibliothekar befremdlich aussehen. Wie ein zitternder Wassersack stand er schweigsam vor ihr, das Gesicht in Schweiß gebadet zuckten seine Augen nersös im Raum umher, seine Finger krampften sich fest in den Mantel.

    "Schiffe. Sie... äh... nun. Sie fahren. Auf Wasser. Gewissermaßen."


    SIE FAHREN AUF WASSER?!

    WAS - ZUR - HÖLLEEEEEEEEEEEEEEEEEE?!

    WAS REDEST DU DENN DA, DU ********!!!!!!!??)=&%$******?!?!

    Oh Herr im Himmel, verzeih mir dass ich dich leugnete und hilf mir.
    ...
    Es bringt nichts.
    Mir fällt nichts ein!
    GRAAAAAAAAAHHHHHHHHHH!
    Mir fällt nichts ein mir fällt nichts ein!

    Bei den dreizehn Tartatus-Göttern, ich fange gleich an zu heulen!
    Wie ein kleines, unerträgliches Menschenkind! Ver******!!!!!


    Herr, du meine Einfalt... das kann man ja nicht mit ansehen...

    Kopfschüttelnd saß der große, graue Wolf hinter Noel, die Miene verdrießlich und ungeduldig verzogen.

    Deus! Gesegnete Fortunapisse, rette mich! Ich bitte dich nicht oft um etwas, also hilf mir. Bitte!

    Deus' Augenbrauen zogen sich überrascht in die Höhe. Der Bengel hatte tatsächlich Bitte gesagt. Dieser arrogante, hassende, desinteressierte Kerl hatte das Wort bitte benutzt.
    Tief seufzend begann Deusexus, monoton zu sprechen.
    Der Schiffsbau als Solches geht weit in der Zeit zurück, man nimmt an, die Ägypter hätten die ersten Schiffähnlichen Gefährdte konstruiert. An sich ist es stets eine Frage von Konstruktionsgenauigkeit, finanziellen Mittteln und gewünschtem Zweck. In unserem Land wird man nicht auf allzuviele Kriegs oder Handelsschiffe treffen, hier sind Transport und Passagierschiffe an der Tagesordnung, welche ihren Fokus auf Staumasse und Äußerlichkeiten legen. Für weitere Informationen in detaillierter Auflistung kann ich dir die Regale 2 bis 4 empfehlen, in denen du allerhand Literatur über jegliche Gefährte der bekannten Welt findest.

    Noel hielt kurz beinahe beeindruckt inne, seufzte und wandte den Blick wieder der kleinen Elfe zu, als er, unter dem kläglichen Versuch, ruhig zu sprechen, zu erzählen begann.
    "D-Der Schiffsbau als Solches geht weit in der Zeit zurück, man nimmt an, die Ägypter hätten die ersten Schiffähnlichen Gefährdte konstruiert. An sich ist es stets eine Frage von Konstruktionsgenauigkeit, finanziellen Mittteln und gewünschtem Zweck. In unserem Land wird man nicht auf allzuviele Kriegs oder Handelsschiffe treffen, hier sind Transport und P-Passagierschiffe an der Tagesordnung, welche ihren Fokus a-auf Staumasse und Äußerlichkeiten legen. Für weitere Informationen in detaillierter Auflistung kann ich dir die R-R-Regale 2 bis 4 empfehlen, in denen du allerhand Literatur über jegliche Gefährte der bekannten Welt findest..."

    Nervös sah der junge Bursche zu Boden, fuhr sich mit einer Hand durch das verschwitzte, rote Haar. Noel war sich unsicher, ob er das Richtige gesagt hatte. War es interessant? War es das, was seine kleine Elfe hören wollte oder hatte er es sich endgültig mit ihr verdorben?

    Sein Herz donnerte wie ein Holzlufthammer und machte die Sache nicht erträglicher.

    Geändert von Holo (24.03.2013 um 16:39 Uhr)

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