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Thema: Das Dorf Gottes Tag 0 (Anmeldung noch bis Mittwoch 20h)

Baum-Darstellung

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  1. #13
    Die Debatte um den nächsten Hauptmann ging weiter, Ross hatte bislang sehr gute Aussichten, es zu werden, was Brunhilde sehr zusagte. Allerdings mischten sich unter die Hauptdebatte immer mehr kleine private Gespräche, aber das war eigentlich bei jeder größeren Versammlung früher oder später der Fall. Ihr Blick streifte gerade Konrad und das fremde Mädchen, die zum Dorfbrunnen gingen. Bei diesem Anblick und unter Beachtung, dass es bereits sehr spät war, fragte sich die Wirtin, wo das junge Ding denn heute Nacht oder auch für länger überhaupt zu schlafen gedenke. Kaum einer der Dorfbewohner hatte noch ein Bett geschweige denn ein Zimmer für solche Fälle frei und unter freiem Himmel zu nächtigen kam ob der doch noch sehr kalten, teils frostigen Nächte absolut nicht in Frage. Wenn nur ihre Gästekammer nicht gerade belegt wäre…
    Moment, der Medicus, -Schande über ihn!- schien geflohen zu sein, oder von einem göttlichen Gericht vom Erdboden getilgt- ihr war es eigentlich einerlei. Genaugenommen war er ihr tot sogar lieber, da das Recht dann besagen würde, dass ihr alle seine hinterbliebenen Güter im Gasthaus gehörten- Gott vergebe ihr diese Gedanken. Aber vor allem war die Kammer frei und sie könnte das Mädchen fragen, ob es bei ihr schlafen wöllte. Als Gegenleistung kann sie ihr ja zur Hand gehen, im Wirtshaus und den Ställen gibt es immer mehr als genug zu tun. Apropos… Mit einem lauten *Patsch* knallte ihre linke Handfläche gegen die Stirn. Da hatte sie in all dem Aufruhr glatt vergessen, die Schankstube herzurichten und alles vorzubereiten. Dabei musste sie das Wirtshaus schon bald öffnen. Auf keinen Fall würde sie riskieren, in den Ruf zu gelangen, nicht püntklich zu öffnen oder ihr Wirtshaus nicht in astreinem Zustand den Gästen zu präsentieren. Und sie hatte das Gasthaus nichtmal abgeschlossen, sondern nur Rüdiger davor postiert. Diesen Meter verflohte Verfressenheit, der selbst vor seinem eigenen Schatten flieht. Sie könnte vollkommen ausgeraubt worden sein… Vielleicht total erledigt…!
    Rasch lief die Frau zu ihrem Wirtshaus, vor welchem Rüdiger an gleicher Stelle lag, wo er zurückgelassen wurde- völlig regungslos. Vorsichtig stieß Brunhild ihm ihre Schuhspitze in die Seite, ein dumpfes Jaulen war die unzufriedene Antwort.
    “Wäre auch zu schön gewesen…“, murmelte sie in sich hinein, als sie auch schon eiligst in die Schankstube lief, den Besen aus der Ecke nahm und begann, durchzukehren, danach die Stühle herunterzustellen und über alle Tische und vor allem den Tresen zu wischen. Dann entfachte sie ein Feuer im Ofen und eilte noch mit dem glimmenden Anzündholz in der Hand zur Gästekammer. Dort zog sie das alte Bettzeug mit einem raschen Zug ab, klemmte sich noch die dagebliebene Reisetasche des Medicus’ unter den Arm und schmiss alle in Windeseile in eine Ecke ihrer oberen Zimmer. Ebenso schnell ward ein frisches aus dem Schrank geholt, wieder nach unten gesprungen oder eher gestolpert und das Bett neu bezogen. Hastig riss sie die Fenster auf, kehrte noch einmal durch die Kammer und besah sich dann alles prüfend. Für’s erste musste das reichen, sie konnte ja morgen noch einmal perfekt nachrichten. Die Kammer wurde verschlossen und sie begann in der Schankstube hastig ein paar Krüge vorsorglich schon einmal mit Bier zu füllen. Gäste würden auf jeden Fall kommen, es kamen immer welche.
    Just beim dritten abgezapften Bier betraten Konrad, Peter und das blonde Mädchen den Schankraum. Alle Hast war bei ihr vergessen, als sie die drei mit einem strahlenden “Immer hereinspaziert die Herren und die Dame! Peter, hat man dich wirklich mal von Weib und Herd weglocken können, warst ja schon ewig nicht mehr hier… und setzte den dreien jeweils einen Bierkrug vor die Nase.
    Die gehen aufs Haus, dem verblichenen Hauptmann zu ehren…, meinte sie mit einem kurzen Blick auf die Fremde, ehe sie ihr schlicht zulächelte und gerade nach ihrem Namen und ihren Plänen hier im Dorf fragen wollte, als auch schon Patricia die Schankstube betrat. Mit breitem Lächeln empfang sie auch diesen oft gesehenen Gast:
    Meine gute Patricia, schön Dich zu sehen, setz Dich nur, setz Dich nur, ich bring Dir gleich was zur Erfrischung und was Ordentliches für den Magen…
    Geschwind wurde ein neues Bier abgezapft und vor der imposanten Erscheinung abgestellt, und alsbald wuselte Brunhild schon zurück hinter den Tresen, um die nunmehr bereits leeren Krüge aufzufüllen und danach in der Vorratskammer nachzuschauen, was sich für Patricia eignete. Mit einigen gut abgehangenen Würsten, einem halben Laib Käse und einem Kanten Brot beladen trat sie wieder heraus, schubste den neugierig-sabbernden Rüdiger unwirsch zur Seite und präsentierte die Speisen auf einem ausladenen Holzbrett. Dass Patricia sich um’s Fasten Gedanken machte, durfte mehr als angezweifelt werden, sonst hätte sie bereits an früheren Abenden protestiert.
    So verging die Zeit und die grauen Gedanken an das Verscheiden des guten Hauptmannes hatten neben der Schankroutine kaum Platz, auzukeimen, und wurden entgültig verdrängt, als die Wirtin gerade an Konrad vorbeischritt, um Patricias nunmehr zum zweiten Mal geleerte Platte mitzunehmen.
    [COLOR=“#DAA520“] "Oh süße Göttin des edlen Hopfenbräus! Du Engel unter den Malzerinnen!" [/COLOR], Konrad erhob seine vierte Maß schwungvoll und prostete Peter zu, dann ging er vor Brunhild auf die Knie und griff nach ihrer Hand. "Hört mich an! Eine Erscheinung traf mich heut, wie sie dem edlen Franziskus einst erschien - und doch handelt es sich hierbei nicht um einen gewöhnlichen Bettler, nein, eine Zarentochter, mittellos und von aller Welt und allem Glück verlassen trat in unser Dorf ein um uns mit ihrer Anwesenheit zu beglücken. Nun, vermögt ihr verehrteste Schankmaid und wohlgerundete Venus nicht nur süßen Nektar auszuschenken - eine Bettstatt und ein wenig Essen um diese Augen zum strahlen zu bringen, mehr braucht es nicht. Ihr würdet mich damit sehr glücklich machen - und damit ihr ihre Anwesenheit nicht als Last empfindet werde ich doppelt so hart arbeiten um eure zarten Hände vor jedweder Arbeit zu schonen."
    Drauf küsste er die vom Spülwasser aufgeweichten Wirtinnen-Hände so hingebungsvoll, das es einem allein schon vom Hinsehen die Schamesröte ins Gesicht trieb.
    Bei Brunhild selbst war dies mehr als der Fall. Mit geweiteten Augen und einem Mund, der immer wieder auf und zu ging, weil sie nicht wusste, was sie darauf erwidern sollte. Eine niegekannte Wärme breitete sich von der geküssten Hand aus in Windeseile in ihrem Körper aus, sodass sie das Gefühl hatte, sich mitten in einem Schmelzofen zu befinden. Schnell und unregelmäßig pochte ihr Herz gegen die sich rasch hebende und senkende Brust und ihr war, als würde sie gleich ohnmächtig werden.
    Doch just das war es, was sie wieder zur Besinnung kommen ließ- wie könnte sie sich je erlauben, während der Ausschankes ohnmächtig zu werden, weil ein trunkener Jungspund kniend ihr Worte wie Honig zusprach in Verbindung mit einem Handkuss, der jede Burgherrin hätte neidisch werden lassen. Und eigentlich genau das war, was sich Brunhild von Konrad erhofft hatte- vielleicht ohne die Trunkenheit, aber besser als garnichts. Auch dieser Gedanke wurde gleich verbannt; was war denn auf einmal los, dass sie sich während der Arbeit so vollkommen vergaß?
    Da sie wie eingefroren dastand und 10 Augenpaare auf ihr lagen (Rüdigers nur, weil er sich erhoffte, dann Patricias Platte abschlecken zu dürfen), entzog sie ihre Hand Konrads griff, rieb sich vergessen mit der anderen über die geküsste Stelle und meinte:
    “Ähm…nun, ja, natürlich kann das junge Fräulein hier bleiben…äh ja. Ich habe die Gästekammer bereits für Dich hergerichtet, weil ich auch schon daran dachte- ähm…Mädchen, ja…komm, komm am besten mal mit, dann zeige ichs Dir und Du kannst Dich gleich zu Bett begeben, wenn Du magst…“
    Mit einem Kopfnicken wies sie die blonde Fremde an, ihr zu folgen, führte sie zu der Kammer, erklärte ihr fahrig alles Notwendige und händigte ihr schließlich den dazugehörigen Schlüssel aus. Die Wirtin kam zurück in die Schankstube, in der die beiden Männer am Tresen bereits ihre nächste Runde forderten und Patricia ebenfalls schon ungeduldig wartete. Rüdiger war zu ihr getrottet und sabberte fiepend auf ihren Rocksaum, während Brunhild noch immmer bzw. wieder über ihre Handfläche strich.
    Das würde auf jeden Fall eine lange, lange Nacht für sie werden…

    Geändert von Mephista (22.03.2013 um 11:26 Uhr)

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