Ich bin ja ein Riesen-Fan von Kakegurui in allen Variationen, und so konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, die kanadische Live-Action-Verfilmung Bet auf Netflix zu sehen.

Als Standalone-Produkt ohne Kontext ist es erstmal eine leicht billig gemachte Teenie-Serie mit CW-Vibes, die ich mit 16 wahrscheinlich so richtig cool gefunden hätte. Weil ich die Erwartungen weit genug unten angesetzt habe, hat sie mir aber auch in meinen 30ern noch reichlich Spaß gemacht, da werde ich keinen Hehl draus machen!
Viel faszinierender jedoch: Diese Serie wirkt fast 1:1 wie eine Parodie auf westliche Anime-Versoftungen! Ich werde gar nicht allzu sehr ins Details gehen, aber man lasse sich gesagt sein, dass hier wirklich ALLE Boxen abgehakt werden, an die man bei dem "Genre" sofort denken muss. Und teilweise sogar neue Boxen, die man überhaupt nicht auf dem Schirm hatte! Was für ein Fest!
Insofern ist gar nicht immer ganz eindeutig zu sagen, was sich hier vom Reiz des Originals herüberretten kann, was "eigen" ist und was einfach nur mit voller Wucht vor den Baum fährt – und dadurch unterhaltsam wird, auf eine makabre Art und Weise. Dass die Hauptdarstellerin die Original-Yumeko ganz hervorragend kanalisiert, merkt man bspw. SOFORT, und tatsächlich fand ich auch die Beziehung mit Mary als auch einige andere Figuren durchaus effektiv, vor allem im späteren Verlauf. Die Spiele, die am Anfang eher wie eine peinliche Billo-Version des Originals wirken, steigern sich in Folge 8-10 tatsächlich in ein paar ernsthafte coole Szenen hinein. Und es gibt sogar ein paar Sachen, die hier naturgegeben konsequenter, interessanter umgesetzt werden als bei den Japanern, bspw. die (bi)sexuellen Untertöne des Originals.
Letztlich wird für Fans aber kaum darüber hinwegzusehen sein, dass die Grundidee des Mangas ganz bewusst beiseite gelegt wurde: Diese Yumeko hier ist am Ende des Tages ein Mensch, mit tragischer Backstory in Folge 1 und tausend menschlichen Emotionen, aller "äußerlichen Verrücktheit" zum Trotz. Kira ist (im Gegensatz zu Kirari) eine klassische menschliche Antagonistin, und die Storyline eine klassische Underdog-Story MIT wütender Rache-Story oben drauf. Natürlich bleiben gesellschaftskritische Anklänge auch hier nicht aus, aber das Setting schafft nicht denselben Drahtseilakt aus "albern allegorisch" und "rückhaltlos konsistent", der den Manga so einnehmend macht.
Und das war bei mir auch der allgegenwärtig bestimmende Gedanke: Ich habe eine Menge Spaß, aber MEINE Fresse, ignoriert diese Serie aggressiv den Kern des Originals!

Der Trailer fängt den Cringe übrigens PERFEKT ein ...



in Japan they call me kakegurui