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Deus
Oh ja, ich habe eine tiefe Bollywood-Abneigung entwickelt. In meinen Augen zu 95% purer und extrem überladener Kitsch, vor Schmalz triefend, so krass, dass es weh tut. Ich halte das inzwischen nicht mehr länger als fünf Minuten aus. Dass gewisse Menschen, die ich hasse, ein Faible dafür hatten, macht es auch nicht besser. Hängt aber natürlich ebensosehr mit kulturellen Unterschieden zusammen. Zumindest muss ich anerkennen, dass es Bollywood-Filme gibt, die ziemlich gut gemacht sind und erstaunlich hohe Production Values bieten. Bei dem gigantischen Filmoutput des Landes (das ja afaik noch weit über das hinausgeht, was man allgemein unter dem Bollywood-Begriff versteht) ist vielleicht eines Tages auch mal irgendwas dabei, das mir gefällt.
Und jo, Big Fish ist ein wunderschöner Film.
@IMDb: Find ich für die Hintergrundinfos (wie zum Beispiel umfassendere Auflistungen zu Cast & Crew oder wissenswerte Trivia) auch immer recht hilfreich und nutze das öfters zum Abgleichen. Auch für ein grobes Stimmungsbild taugt es was, aber wie ihr schon sagtet, merkt man eben doch ziemlich deutlich, dass es auf Userwertungen basiert. Da lese ich oft alternativ oder lieber die englische Wikipedia, die zwar nur bei den etwas größeren/bekannteren Produktionen brauchbar ist und viele kleinere/internationalere noch gar nicht eingetragen wurden (dafür aber auch nicht so viel unnötiger Kleinkram), doch dafür empfinde ich es als viel übersichtlicher mit dem Infoblock am rechten Rand und der kurzen Zusammenstellung professioneller Kritikermeinungen unter der Rubrik "Critical Response". Nur wenns mich wirklich interessiert oder wenn ich ganze Filmreihen vergleichen möchte, lande ich darüber hinaus auf Rottentomatoes und Metacritic, wobei ich ersteres ein wenig lieber mag als letzteres. Obwohl man tendenziell einige Zustimmungen und Übereinstimmungen mit der Masse immer erkennen kann, ist es wohl normal, dass man an manchen Ecken die spezielleren eigenen Vorlieben identifiziert, die in Einzelfällen auch stark davon abweichen können.
So ein Vorhaben wie deines, Itaju, könnte ich wahrscheinlich nicht durchziehen, weil es mir zu schnell wie verschwendete Zeit vorkommen würde ^^ Von daher irgendwie mutig. Ich behaupte zwar schon, relativ offen auch für Filme zu sein, die normalerweise nicht in meinen Interessenbereich fallen, aber eben auch nur wenn jemand dabei ist, der mir das ans Herz legt und der mir darüber erzählen kann. Ganz alleine von mir aus wird das schon schwieriger. Deshalb erscheinen mir 250 Filme von denen vermutlich ein großer Teil nichtmal "meinen" Genres entsprechen (das sind nämlich vor allem Fantasy, Sci-Fi und Abenteuer) irgendwie erdrückend. Erst recht wenn manche Werke nur wegen des Klassiker-Status in der Liste stehen, aber manchmal eben auch unheimlich schlecht gealtert sind. Bei spezialisierteren Listen wie eben solchen zu bestimmten Genres hätte ich da schon eher Interesse, aber andererseits sind mir dann auch meistens schon zwischen 75 und 90% davon bestens bekannt, sodass ich am Ende nur einzelne für mich neue Filme zum Angucken raussuche ^^
Und dito, Kubrick finde ich ebenfalls überbewertet. Seine Filme sind durchweg handwerklich super gut und bis ins Detail durchdacht. Aber irgendwie fehlt mir da oft die, hmm, ich nenn es mal "Leichtigkeit". Es hat immer so einen negativen artsy-fartsy Beigeschmack und nimmt sich selbst so stur und trocken ernst, direkt oder indirekt, dass es dem Gesamtwerk imho manchmal eher schadet (das gilt irgendwie sogar dann, wenn er sich an einer Satire versucht). Irgendwo ists auch schon bezeichnend, wenn mehr Interpretationen geschrieben werden und darüber diskutiert wird, als über die eigentlichen Inhalte der jeweiligen Geschichte und Handlung bzw. deren Umsetzung, wenn es eine Vorlage gab. Mir persönlich geht bei Filmen, in die man im Prinzip fast alles hineinlesen kann, was man möchte, meistens ein wesentliches Stück vom eigentlichen Unterhaltungswert verloren.
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Ehrengarde
Naja, ein bisschen Schwermut und Interpretationsfreudigkeit abseits vom Popcorn-Kino und leichten Filmen ist nicht verkehrt. Wäre für mich zumindest eine langweilige Kinolandschaft, wenn nicht einmal ein paar Filme dabei sind, bei denen man unbequem aufgehoben ist. Meistens sind das sogar die Filme, die nachhaltiger wirken und stärker im Kopf bleiben als die zwölfte Jugendbuchverfilmung oder Superheldenstreifen. Die Top 250 als Projekt find ich zwar interessant, aber beim schnellen drüberschauen (und dem vorschnellen Gedanken, dass ich doch sicherlich die meisten davon gesehen hab) ist mir aufgefallen, dass ich viele von den ganz alten Klassikern nicht kenn und auch keinerlei Interesse daran hab, diese nachzuholen. Daher versteif ich mich aktuell eher auf kleinere Projekte (Genrefilme, Thematik, Regisseur) und pflege diese in den persönlichen Fundus ein. Ändert sich aber immer wieder oder wird durch weitere Themenschwerpunkte ergänzt.
PS. Die Kubrick-Box steht bei mir recht zentral in meiner Mediensammlung. Von daher sei euch eure Frevel verziehen. Kann ja nicht jeder Geschmack haben. 
Aber Spass beiseite: Ich mag Kubrick, seine Filme haben in meinen Augen eine unverkennbare Note, sind super gealtert und wissen gerade durch ihr „anderssein“ zu gefallen. Und auch Kubrick weiß ein ums andere Mal Leichtigkeit zu transportieren – auch wenn er dir Minuten später wieder mit der Brechstange zwischen die Beine schlägt. Lolita (Humbert Humbert und Peter Sellers), Full Metal Jacket (Der Film, der für viele nur aus einer Hälfte besteht) oder Uhrwerk Orange haben schon den ein oder anderen herrlich beknackten Moment. Kurz, aber sie sind da und lockern das Geschehen auf. Wie das bei den anderen ist, speziell bei Peter Sellers zweitem Ausflug in Dr. Seltsam, muss ich erst noch verifizieren. Aber gerade der Film dürfte etwas leichter sein. Das die Filme in ihrer Gänze dann aber teilweise so ausgelegt sind, dass ich Uhrwerk Orange z.B. nur in der richtigen Stimmung gucken kann ist halt ein Ding, das nicht jeder Regisseur vermag. Aber überbewertet? Ich bitte euch. Er mag polarisieren, klar, aber das er keine gute, anerkennenswerte Arbeit geleistet hat, die heute noch in diverse Filme einfließt, ist ja wohl unbestreitbar. Unterm Strich schaue ich aber auch lieber seichtere Kost und Filme die etwas spassiger sind. Ich lass mich dann doch lieber berieseln, als das mir irgendeine harte, in die Länge gezogene Szene vor den Latz geballert wird.
City of God würde ich übrigens auch zum Besten zählen, was ich je gesehen hab. Ein sehr gutes Ding.
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Deus
Sagt ja auch keiner, dass die Werke schlecht oder nicht anerkennenswert wären. Ich finde es vor allem faszinierend, mit was für einem Hang zur Perfektion Kubrick an seine Filme gegangen ist. Mir - und ich denke auch Itaju - ging es eher darum, dass er von nicht wenigen geradezu vergöttert und als bester Regisseur aller Zeiten, oder wenigstens als einer davon, gefeiert wird, und so weit würde ich ehrlich gesagt niemals gehen.
Und ich habe natürlich auch nichts gegen nachdenklich stimmende Filme, ganz im Gegenteil. Nur kann man es damit eben auch übertreiben. Ich hab das lieber als Zusatz und Unterton, der die bloße Unterhaltung auf eine neue, tiefere Ebene hievt. Unterhalten werden möchte ich aber trotzdem. Bei Kubrick scheint das mit der tieferen Ebene aber immer im Vordergrund zu stehen, und jede einzelne Szene hat oder scheint zumindest noch eine weitere Bedeutung zu haben, sodass die eigentliche Handlung darin manchmal förmlich untergeht.
Das mit dem Spaß und der Auflockerung ist auch so eine Sache. Die Filme sind vielleicht nicht völlig frei davon, aber das wird doch stark relativiert, wenn kurz auf etwas "Durchgeknalltes" (Sgt. Hartman *g*) plötzlich wieder richtig harter Tobak serviert wird, der direkt Bezug darauf nimmt. Oder schon davor, sodass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Manchmal werden die Sachverhalte zwar überzogen dargestellt, aber sind dadurch noch nicht amüsant, da sie oft ernste oder existenzielle Themen ansprechen. Ich will auch nicht nur berieselt werden, aber Kubrick ist mir wie gesagt ein bisschen zu trocken (was du meintest, vonwegen dass man in der Richtigen Stimmung für ihn sein muss, trifft es irgendwie ganz gut ^^). Die besten Regisseure schaffen es hier imho, einen Mittelweg zu finden. Seine Interpretation von Lolita habe ich allerdings noch nicht gesehen.
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