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Drachentöter
Molag Amur, Mora Uvirith
[Tirian]
Der Heiler trottete langsam hinter Dreveni her. Der Gang war reichlich zwielichtig. Die Lichtquellen hatte man sparsam und weit auseinander verteilt. Das war zwar im Moment zu ihrem Vorteil, weil sie schlechter gesehen werden konnten, allerdings sah man selbst nicht unbedingt viel mehr. Er verließ sich einfach darauf, dass die Assassine schon wusste, was sie tat. Wenn man Mensch und Mer im Dunkeln erdolchen konnte, musste man sich ja irgendwie an das Sehen im Dunkeln gewöhnt haben. Ihm schauderte bei dem Gedanken. Ansonsten war der Gang geräumig. Eigentlich hatte er mit deutlich größerer Enge gerechnet, doch der Tunnel erwies sich als breit genug, sodass zwei Leute bequem nebeneinander gehen und dabei Kisten, Körbe oder Fässer tragen konnten. "Alles andere wäre auch unsinnig": kam es Tirian zu Bewusstsein, denn schließlich bildete der Gang hier einen Teil des Netzwerks über den der Hexer, in dessen Turm sie eindringen wollten, eben diesen und die angeschlossenen Gebäude, wie die hinter ihnen liegende Kuppel, mit Vorräten versorgte.
Sie konnten von Glück reden, dass Meradanz offenbar vorhatte, einen Flug mit dem Luftschiff zu unternehmen und deshalb jetzt alle Arbeiter damit beschäftigt waren. Es gab zwar Abzweigungen und Nischen in dem Gang aber das waren bisher sehr wenige. Im Zweifelsfall hätten sie sich sonst nicht verstecken können, wäre in den Gängen mehr Betrieb gewesen. Das mit dem Flugschiff wollte ihm allerdings immer noch nicht so wirklich in den Kopf. Er hatte zwar Tarrior seinerzeit mit wachsender Faszination gelauscht, doch hatte er es dennoch irgendwie für irreal gehalten. Und auch jetzt, wo er dieses Ungetüm in voller Pracht sah, war ihm, als bewege er sich durch einen Traum. Ein Schiff das fliegen konnte! Er war erstaunt, dass Dreveni dieser Tatsache gegenüber so gelassen blieb. Ihn selbst verunsicherte es enorm. Wie sollten sie gegen einen Gegner antreten, der im Stande war, so etwas zu bauen? Seine Hoffnung blieb, dass sie mit Tarrior aus dem Turm entkommen konnten, ohne dem Herren der Stadt zu begegnen.
Beim Gedanken an die Stadt führte ihn sein Geist zurück in den Tunnel. Es war warm und stickig hier unten und es wurde heißer, je weiter sie dem Weg folgten, was umso erstaunlicher war, dass der Tunnel vom einem Geflecht aus offenkundig organischem Material gestützt wurde, aus dem auch ein Großteil der restlichen Stadt bestand. Es war wahrscheinlich, dass das hier die Wurzeln der Riesenpilze an der Oberfläche waren, die sich entlang der Wände und der Decke in einer Form ausgebreitet hatten, die an Rippen denken ließ, während ein feineres Geäst das Gestein abstützte, ganz so als würden sie sich durch einen riesigen Wurm bewegen. Tirian musste daran denken, wie der junge Bretone das Pilzgeflecht der Kuppel einfach öffnen konnte. Ihr Gegner verfügte über Magie, der sie wirklich besser nicht begegnen sollten.
"Dreveni wir sollten...": wollte er etwas sagen, als die Assassine ihm mit einem Zischen befahl ruhig zu sein. Im Halbdunkel deutete sie nach vorne. In einigen Metern Entfernung konnte er aus einer Tunnelseite helleres Licht dringen sehen. "Ein Durchgang?": fragte er sich. Dann ganz leise, hörte er flüsternde, schnarrende Stimmen. Wie sollten sie daran nur vorbeikommen?
[Dreveni]
Noch verlief alles glatt - verdächtig glatt. Nicht nur der kleine Unfall und die darauffolgende Schlägerei hatte ihnen in die Hände gespielt, auch der Start dieses Dinges, dieses monströsen, fliegenden Abscheulichkeit, hatte mit Sicherheit einiges dazu beigetragen, von ihnen abzulenken. Also gab es dieses Luftschiff tatsächlich. Dreveni war nicht unbedingt abergläubisch - im Gegenteil, sie hielt sich für ziemlich rational - und doch hatte sie für einen Moment mit sich kämpfen müssen um nicht Hals über Kopf davon zu laufen. Und nun waren sie auch noch diesen leichtsinnigen Alten los. Sie hatte sich mehr als einmal geschworen ihn zu erdolchen als sie ihn wieder einmal am Kragen zurückhalten musste. Auch wenn es sich gezeigt hatte, dass er recht behalten sollte. Meradanz hatte zu wenig Wachen, allerdings war Vorsicht noch immer besser als Nachsicht.
Doch das Glück schien sie langsam aber sicher zu verlassen, als sie vor sich im Gang schnarrende Stimmen und Geräusche hörte. Etwas bewegte sich, aber es klang mehr nach Kreaturen denn nach Mensch oder Mer. Sie bedeutete Tirian, der gerade zum Sprechen angesetzt hatte, zu schweigen, und schob sich vorsichtig ein Stück weiter in den Gang um eine bessere Sicht zu haben.
Gegen das Licht konnte sie drei Wesen in Kutten sehen, die seltsam gekrümmt umherhuschten. Sie waren nicht wirklich groß, und fast mochte man sie für Goblins halten, wenn auch die Geräusche und ihr Gang nicht ganz zu passen schien. Aber wer wusste schon was es hier für Unterarten von Goblins gab. Außerdem trat gerade eine Gestalt in Knochenrüstung in ihr Blickfeld.
Schlecht.
Sie lief zurück und flüsterte Tirian ins Ohr: "Drei kleine Kreaturen in Kutte, vielleicht Goblins. Plus jemand in Knochenrüstung." Sie schwieg kurz während sie nachdachte. Die drei Kreaturen machten einen eher schwachen Eindruck. Entweder sie waren Diener, und ungefährlich, oder sie hatten etwas anderes in der Hinterhand. "Schleichen ist keine Option, zu hell. Selbst mit einem Unsichtbarkeitszauber werden sie uns vermutlich hören."
[Tirian]
Dem Heiler lief der Schweiß in den Nacken als die Geräusche näher kamen. "Eine offene Konfrontation? Ist das nicht das letzte, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt riskieren sollten": fragte er die Assassine fassungslos. Ihm war nicht wohl dabei. Sie waren kaum schon unter dem Turm, hatten Tarrior weder gefunden noch befreit und jetzt sollten sie sich schon in einen Kampf verwickeln lassen. "Irgendein Daedra treibt ein böses Spiel mit uns": war sich Tirian nun ganz sicher. "Der Tunnel ist zwar breit, aber nicht so breit. Zum Kämpfen wird kaum Platz bleiben": stellte er fest. Nicht das er viel von den diesen Dingen verstand, aber ihm erschien ihre eigene Bewegungsfreiheit angesichts des sie umgebenden Gesteins reichlich eingeschränkt. Es blieb nicht mehr viel Zeit, bald wären ihre Gegner da. Tirian seufzte. "Wie wollen wir also vorgehen?": fragte er seine Begleiterin, immerhin standen sie einer doppelten Anzahl an Gegner gegenüber.
[Dreveni]
Tirian hatte nicht unrecht mit seinen Bedenken. Aber blieb ihnen denn eine andere Wahl? Der Tunnel war in der Tat eng, zu eng um die Schwerter zu verwenden, aber das galt in diesem Fall nicht nur für sie selbst, sondern ebenso für ihre Gegner. Wäre sie alleine hätte sie es drauf ankommen lassen. Sie hätte sich in einen Unsichtbarkeitszauber gehüllt und versucht, vorbeizuschleichen. Aber auch wenn sich Tirian wesentlich leiser bewegte als Arranges, es würde ziemlich sicher schief gehen.
Sie maß den Heiler mit einem kurzen, abschätzenden Blick, und raunte ihm zu: "Wollt ihr euren Freund nun befreien oder nicht?" Wenn er jetzt schon kalte Füße bekam, konnten sie genauso gut gleich wieder umdrehen. "Versucht, euch auf Magie zu konzentrieren. Wenn ihr das Schwert benutzt, passt bloß auf wenn ihr ausholt!"
[Tirian]
Der Heiler überlegte fieberhaft. Auf seine Zerstörungsmagie wollte er nur äußert ungern zurückgreifen und im engen Tunnel mit Blitzen zu arbeiten, wäre vielleicht auch nicht die beste Idee. Das Langschwert hatte eine scharfe Spitze und wäre bestens geeignet um zu stechen, allerdings war es für diese Aufgabe auch reichlich groß und entsprechend unhandlich. Allerdings, wenn die Gegner näher kommen, könnte ich vielleicht auf Berührung... "Ich kann einen Schildzauber um uns weben und ich kann auch versuchen eure Muskeln mit meiner Magie zu stimulieren, damit sich eure Kraft, oder Geschwindigkeit oder ähnliches verbessern": bot er an.
[Dreveni]
Hatte sie ihm nicht vor einer Weile erst gesagt dass er diese Stärkungszauber lassen sollte? Sie antwortete: "Nicht nötig," und sah sich nach den Gestalten um. Noch schienen sie nicht bemerkt worden zu sein. "Kommt nur ja nicht auf die Idee mich mit irgendwelchen Zaubern aus dem Konzept zu bringen. Ich kenne meine Stärke genau, auch ohne Magie" Noch während sie die letzten Worte sprach, griff sie zu ihrem Bogen und war tatsächlich froh ihn, sowie eine handvoll Pfeile, mitgenommen zu haben. Normalerweise hätte sie ihn zurück gelassen, war es doch eher keine klassische Nahkampfwaffe. Doch gerade war die Gelegenheit zu günstig, nachdem die kleinen Gestalten gerade kollektiv ihren Rücken zu ihr gedreht hatten. Drei gegen zwei klang doch schon gar nicht mehr so schlecht, oder? Leider reichte die Zeit nicht mehr, die Pfeilspitze zu vergiften, aber so musste sie eben besonders gut zielen und hoffen den Hals trotz Kutte zu treffen. Sekunden später fiel eine der kleinen Gestalten wie gefällt zu Boden, das Gesicht voraus, den Hals in dem nun der Pfeil steckte unnatürlich verdreht. Gleich darauf ließ sie den Bogen fallen, hüllte sich in einen Schildzauber und zog ihr Schwert.
Geändert von KingPaddy (18.12.2016 um 14:21 Uhr)
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