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Thema: Die Erben der Häuser

Hybrid-Darstellung

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  1. #1

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer, Falensarano

    Dreveni kochte vor Wut, als sie schließlich in die Kammer geführt wurden. Inzwischen war sie so fertig, dass sie fast schon wieder aufgedreht wurde, und dieses Miststück von Hochelfe kam ihr jetzt gerade noch recht. Darüber hinaus merkte sie jetzt erst sämtliche Folgen ihres waghalsigen Sprungs auf den Ahnengeist. Ihre Rippen rechts waren mindestens übel geprellt, hoffentlich nicht gebrochen, daran erinnerte sie der Schlag den sie erhalten hatte, und sie hatte sich ein paar Splitter unter die Haut ihres rechten Armes gezogen, sie vermutete es waren Knochensplitter, als sie über den Boden gerollt waren. Sie sah sich schon die nächsten Stunde sitzen und das wieder rauspulen. Was sie sonst noch an blauen Flecken und leichten Kratzern davon getragen hatte, hakte sie innerlich schon ab, dann würde sie für die nächsten Tage eben aussehen wie verprügelt.

    Reichlich schockiert stellte sie dann fest, dass es hier tatsächlich Sklaven gab, die nicht unbedingt den Eindruck machten, als würden sie auch nur halbwegs gut behandelt. Natürlich wußte sie davon, aber sie war noch nie selber damit in Berührung gekommen. Als sie die armen Kreaturen sah, hatte sich auch ihre Meinung zur Sklavenhaltung entschieden, früher war es ihr immer egal gewesen, weil es einfach zu weit weg war. Es war würdelos, und zwar umso mehr für denjenigen, der meinte sich Sklaven halten zu müssen als für die Sklaven selbst. Sie hatte gerade nichts mehr als pure Verachtung übrig für diese Hochelfe und ihr mieses Söldnerpack. Wie tief konnte man sinken dass man andere Lebewesen derart knechtete, damit sie einem den faulen Hintern nachtrugen? Oder laufen die Geschäfte so schlecht dass man keine Angestellten zahlen kann?, dachte sie sich bissig.

    Immerhin schien ihre Ausrüstung noch vollständig. Nachdem die Echse, die die Seife gebracht hatte wieder weg war, baute sie sich vor Tirian auf und sagte leise, so dass man sie draußen nicht hören konnte: "Ich bring sie um, diese Hochelfen••••••••. Ich werde sie abstechen, vielleicht nicht heute, und auch nicht mehr dieses Jahr, aber sie ist fällig. Und dann werde ich ihre arroganten Hochelfenohren als Halskette tragen. Ich versprech es euch, bei allem was mir heilig ist." Viel war das nicht, aber das wußte Tirian ja nicht. Tatsächlich war die Söldnerin gerade auf ihrer eigenen, höchstpersönlichen Liste auf den obersten Platz, noch vor dem Ashkhan, gerutscht.

    Dann wandte sie sich wieder dem Gepäck zu und fischte ihr weinrotes Leinenkleid heraus. Es war zwar zerknittert aber wenigstens so gut wie sauber. Danach legte sie ihren Schwertgürtel ab, entfernte auch die Halterung des Stiletts von ihrem linken Arm, die ohnehin nicht mehr als ein schmales Lederband war, das mit zwei Schlaufen an ihrem Arm befestigt war, und setzte sich ebenfalls auf den Boden, dort wo das Licht etwas besser war, und begann an den Splittern zu pulen, nicht bevor sie sich ausgiebig noch einmal ihren linken Unterarm mit dem Kratzer des Zombies geschabt hatte. Schnell merkte sie, dass das so nichts werden würde, und griff zu ihrem Stilett, das neben ihr lag und dessen feine Spitze ihr ganz brauchbar schien. Den Heiler, der auf seine Ausrüstung konzentriert war, ignorierte sie dabei völlig, und schneller als sie gedacht hätte, hatte sie den ersten Splitter schon in den Fingern. "Tatsächlich Knochen.", sagte sie angewidert nachdem sie ihn genauer betrachtet hatte, und schnipste ihn in Richtung der Tür, wobei sie inständig hoffte, die Hochelfe würde barfuß hinein treten. Da ging ihr auf, dass sie vermutlich eher selber hineinlaufen würde, so ganz wach war sie selbst wirklich nicht mehr, und nahm sich vor, ihn wieder aufzusammeln, wenn sie fertig war. Danach setzte sie an, beim nächsten weiterzumachen, es würde wohl doch keine Stunde dauern. Sie wollte die Dinger nur gerne vor dem Baden noch loswerden.

  2. #2

    Weidenländer, Falensarano, Kammer

    Mit zusammen gezogenen Augenbrauen beobachtete Tirian seine Begleiterin dabei, wie sie mit ihrem Stilett in ihrem Arm herumstocherte und sich damit Knochensplitter entfernte. Beiläufig schnippte sie einen davon weg, was Tirian ebenso mit gerunzelter Stirn ansah. Er schüttelte innerlich den Kopf, wollte mit der Assassinin aber nun auch keinen Streit anfangen. Seine Musterung der Ausrüstung war abgeschlossen und tatsächlich hatten sich die Söldner nicht an seinen Vorräten vergangen. „Wenigstens etwas“: dachte er und erhob sich mit hörbarem Keuchen und nahm die frische Robe, dazu ein frisches Unterkleid und die Kreckenseife mit. Er würde einen Muskelkater bekommen, das stand ihm schon absolut sicher vor Augen. Doch seine Sinne richteten sich jetzt auf die Wanne, die sich langsam abkühlte und er wollte auf jeden Fall ein warmes Bad genießen. Da Lyviani ohnehin noch mit sich selbst und den Knochensplittern beschäftigt war, nahm er sich einfach das Recht das Wasser als Erster in Anspruch zu nehmen. „Ihr solltet mich das nachher machen lassen, sobald ich etwas ausgeruhter bin. Es könnte passieren, dass ihr euch damit ein paar formschöne Narben zufügt“: sagte er nur und ging dann zu dem Wandschirm hinüber. Worauf er gar nicht achtete, war, dass der Raumtrenner selbst nur ein mit straffen, weißen Leinenstoff bespannter Rahmen war. In der Ecke des Raumes wäre es ohne die Kerze ziemlich dunkel gewesen, aber so, konnte er gut sehen. Er streifte sich die Robe über den Kopf und legte Hemd und Hose ab. Das ekelhafte Sekret der Untoten war durch den Stoff gesickert und hatte auch seine Kleidung darunter beschmutzt. Erst jetzt wo er selbst nicht mehr in das stickende Leinen eingepackt war, bemerkte er erst, wie erbärmlich es wirklich stank. Und er selbst roch gewiss nicht besser. Tirian schüttelte sich, wenn er daran dachte.

    Schließlich streifte er auch noch den Lendenschurz ab, streckte sich kurz und stieg dann, sich am Rand des Bottichs abstützend, ins Wasser. Die Kreckenseife legte er auf den Rand. Das Licht der Kerze warf dabei von ihm unbemerkt seinen Schatten gut sichtbar gegen das Leinen des Wandschirms. Zunächst versuchte er sich möglichst klein zu machen, um sich halbwegs liegend in den Bottich zu zwängen und genoss dann die Wärme des Wassers. Mit der Hand schob er das warme Nass auch über die Stellen, die nicht bedeckt waren. Er spürte nur allzu deutlich wie die Anspannung der letzten Stunden von ihm abfiel. Er hatte sich unglaublich schmutzig gefühlt, als sie der Gruft zum Tageslicht hin entstiegen waren, doch jetzt fühlte er geradezu körperlich, wie der Dreck von ihm abfiel. Er genoss das gute Gefühl eine ganze Weile, rief sich dann aber zur Ordnung, denn schließlich wollte Lyviani sicher auch noch warmes Wasser haben. Er setzte sich auf und krümmte sich, um den Kopf unter Wasser zu bekommen. Ausgiebig wusch er sich Blut und Sekrete aus seinem Gesicht und spülte und rubbelte kräftig durch seine Haare, die vor Schweiß, Dreck und Körpersäften regelrecht standen. Als er sich ausreichend eingeweicht hatte, nahm er die Kreckenseife zur Hand und erhob sich aus dem Bottich. Gründlich seifte er sich im Stehen seinen Körper von unten nach oben, sein Gesicht und auch seine Haare. Schlussendlich setzte er sich wieder ins Wasser und wusch die Seife runter. Schließlich erhob er sich aus dem Bottich, bückte sich nach dem frischen Leinenhemd und trocknete sich in Ermangelung eines Tuches damit ab.

    Schließlich schlüpfte er wieder in seinen Lendenschurz und zog die frische Hose an, um dann das feuchte Hemd kurz aufzuschütteln und sich auch noch überzuziehen. Die Robe zog er sich nun doch nicht an. Das warme Wasser hatte seine Müdigkeit noch einmal verstärkt und er wollte sich hinlegen. Er hatte zwar Hunger und der Sinn stand ihm im Moment nach einem schönen Krug Mazte, aber viel mehr noch verlangte sein Körper endlich nach Ruhe. Er trat hinter dem Wandschirm hervor. Lyviani schaute ihn an. „Ich bin fertig“: sagte er kurzangebunden und wandte sich dem Bett zu, dass näher an der Tür war. Er setzte sich zunächst nieder, stellte fest, dass es nicht unbedingt die beste Qualität hatte, aber ihm in Anbetracht seines Zustandes dennoch himmlisch erschien und prüfte das Kopfkissen. Es war sehr dünn. Er schob seine Robe darunter, damit er etwas höher liegen konnte und ließ sich dann zurücksinken. Er schloss die Augen und hörte Lyviani zur Wanne hinüber gehen.

  3. #3

    Weidenländer, Falensarano, Kammer

    „Ihr solltet mich das nachher machen lassen, sobald ich etwas ausgeruhter bin. Es könnte passieren, dass ihr euch damit ein paar formschöne Narben zufügt“, hörte sie den Heiler sagen, als er auf dem Weg in den Waschzuber war. "Die werden in bester Gesellschaft sein", antwortete sie nur geistesabwesend, und spielte damit auf die zwei nahezu symmetrischen Narben an, die sich an der Außenseite ihrer Arme von den Schultern bis über die Ellenbogen den Unterarm entlang zogen. Ein Andenken aus der Dwemer-Ruine, dass man wohl noch eine ganze Weile sehen würde. Es wurde langsam wirklich Zeit für ein paar Armschienen, überlegte sie, während sie sich dem letzten Knochensplitter zuwandte, nicht ohne immer mal wieder mit einem Auge zu dem Wandschirm zu schielen, hinter dem sich Tirians Silhouette abzeichnete. Schließlich meinte sie, alle erwischt zu haben und widmete sich ihren Haaren, wozu sie einen fein gearbeiteten Kamm aus Horn zwischen ihrem Gepäck heraussuchte. Die Strähnen, die sich aus ihrem Haarknoten gelöst hatten, waren ziemlich verstrubbelt, aber nach einer Weile hatte sie es schließlich geschafft, sich zu kämmen. Sie zog die restlichen Haarnadeln aus ihrer Frisur und als Tirian wieder hinter dem Wandschirm hervorkam, legte sie gerade den Kamm wieder weg.

    Sein kritischer Blick vorhin war ihr nicht entgangen, und nachdem sie keine Lust auf einen Knochensplitter im Fuß hatte, stand sie auf - nicht ganz so geschmeidig wie sonst, aber immer noch in einer fließenden Bewegung, bei der sie innerlich stöhnte ob ihrer schmerzenden Rippen - und hob den Splitter demonstrativ auf und legte ihn zu den anderen auf das Tischchen neben ihrem Bett. Danach sah sie wieder nach ihre Begleiter, der inzwischen schon in das Bett gekrochen war. Mit ihm schien man heute nicht mehr viel anfangen zu können, stellte sie mit leisem Bedauern und einem leichten Grinsen im Gesicht fest.

    Ihr war an sich gerade auch nur noch nach Wasser, dachte sie, als sie kurz an sich und den dreckigen Resten ihrer Kleidung heruntersah. Ohne lange zu überlegen zog sie kurz entschlossen und wie selbstverständlich die Tunika über den Kopf, hier in dem Dämmerlicht sah man ohnehin nicht sonderlich viel und Tirian war vermutlich eh kurz vor dem Einschlafen. Davon abgesehen war es ihr auch reichlich egal, sie schämte sich nun wirklich nicht für ihr Aussehen.
    Die Tunika warf sie zielsicher in die Ecke, die am weitesten von den Betten entfernt war, griff sich das Kleid und verschwand ebenfalls hinter dem Wandschirm.
    Sie entledigte sich auch noch ihrer Hose und stieg in den Bottich, dessen Wasser sicher vor Tirian noch wärmer und sauberer gewesen war, aber es war immerhin Wasser. Sie seifte sich sich gründlich ab, bis ihre Haut brannte, wobei sie im Bottich stehenblieb, und ließ auch ihre Haare nicht aus.
    Als sie fertig war und sich die Seife auch wieder vom Körper und aus den Haaren gewaschen hatte, fühlte sie sich endlich wieder wie eine Elfe und nicht wie ein gerade aus dem Grab gekrochener Untoter. Auch wenn sie tatsächlich aussah, wie verprügelt. Die Kratzer des Zombies an ihrem Arm waren inzwischen deutlich gerötet und juckten nach wie vor. An die Platzwunde an ihrer Stirn wurde sie schmerzhaft erinnert, als sie sich das Gesicht mit der Seife abgeschrubbt hatte, und der Bluterguss über ihren Rippen war fast schon schwarz.
    Davon abgesehen fühlte sie sich alles in allem erstaunlich gut, auch wenn sie meinte, die Arme für die nächsten Tage nicht mehr höher als bis zu den Schultern heben zu können. Verflucht, sie kämpfte normal mit Dolchen und nicht derartig ausdauernd mit einem Schwert.
    Aber immerhin hatten sie den Ahnengeist besiegt, auch wenn es tatsächlich kurz so ausgesehen hatte, als würden sie es nicht überleben.
    Als sie sich das Kleid über den nassen Körper gezogen hatte und zu ihrem Bett ging, lag ein lächeln auf ihren Lippen, das so gar nichts mit ihrem sonstigen, immer leicht zynischen Grinsen gemein hatte, und ihrem Gesicht einen fast weichen, freundlichen Zug verlieh. Sie freute sich einfach, dass sie überlebt hatten. Sie löschte noch die Kerzen und Öllampen, und legte sich dann schließlich auch ins Bett, wo sie noch eine Weile in die Dunkelheit starrte bis sie ebenfalls eingeschlafen war.

  4. #4

    Weidenländer, Falensarano, Kammer

    Tirian öffnete kurz die Augen als er das Plätschern von Wasser vernahm. Er sah kurz zum Wandschirm hinüber. Lyvianis Schattenriss zeichnete sich gegen das Licht hinter dem Sichtschutz ab. Sein Gesicht wurde dunkler, als er ausgiebig den Umriss der stehenden Dunmer betrachte, die sich einseifte und abschrubbte. Obwohl sein Herz schneller schlug, konnte er nicht verhindern, dass seine Augen dennoch Dunkelheit wollten und sich seine bleischweren Augenlider schlossen, noch bevor seine Begleiterin hervorkam. Sein Atem wurde schnell gleichmäßig und ruhig. Schließlich schlief er ein.

    Ein Gang. Ein langer Gang. Rund. Er war rund. Die Wände schienen geradezu organisch zu sein. Seine Hand legte sich darauf. Holzig aber auch weich und warm. Er wusste nicht wo er war. Es war recht düster hier. Nur wenig Licht von wenigen Kerzen erfüllte den Korridor. Tirian ging auf eine große, runde Tür am Ende zu. Mit jedem Schritt entfernte sie sich aber immer weiter vor ihm, als würde sie vor ihm zurückweichen. Als würde er vor ihr zurückweichen? Er beschleunigte seine Schritte, wurde schneller, noch schneller und schließlich rannte er. Doch noch immer entzog sich die Rundtür jedem Versuch sie zu erreichen oder gar zu öffnen. Der Gang dehnte sich ins Unendliche und verlor sich schließlich im endlosen Dunkel. Atemlos blieb der Heiler stehen, schaute hinein in die Ferne. Aufgebend den Durchgang jemals zu passieren drehte er sich um. Schwer atmend und mit weiten Augen stand er nun direkt davor. Er schluckte. Hitze war hinter dem lebendigen Holz zu spüren. Tirian zögerte. Eine unerklärliche Furcht befiel ihn. Seine Hände begannen zu zittern. Keuchend versuchte der Heiler sich zu beruhigen. Er schloss die Augen und drückte nun die Pforte auf. Heiße, schweflige Luft schlug ihm entgegen. Der hölzerne Gang lief in geschwärzten Fels aus. Ein tiefrotes Licht, dass über allem lag und die stickige, geradezu brennende Luft wiesen auf Lava hin. Tirian tat weitere Schritte und bewegte sich in diese Höhle hinein. An einer Weggabelung wählte er instinktiv den linken Weg.

    Durch ein offenstehendes Gittertor hindurch trat er in eine große Höhle ein, in deren Mitte sich eine Grube von einem großen Durchmesser befand. Die Hitze schien von dort zu kommen. Der Dunmer trat an den Rand und sah das es dort tief herab ging. Wie in einer Spirale sich ein Weg nach unten hin. Am Grund des Abstiegs brodelte ein Lavasee und aus den Wänden ergossen sich immer wieder Lavafälle oder Rinnsale in die Tiefe. Hier und dort gab es Felsen mit großen Löchern aus denen Wasserdampf und schweflige Gase zischend entströmten. Gequälte Schreie drangen aus der Grube zu ihm herauf. Er versuchte den Stimmen zu lauschen und trat noch näher an den Rand heran. Der Boden unter seinen Füßen g ab plötzlich knirschend nach. Er versuchte noch sich in Sicherheit zu bringen, doch er schaffte es nicht. Tirian verlor den Halt und stürzte in die Tiefe. Schreiend fiel er und fiel er. Er ruderte wild mit den Armen. Seine Hand streifte etwas holzig. Instinktiv griff er zu und packte es. Sein Blick klarte sich. Er hatte eine Wurzel zu fassen bekommen. Er hing in der Luft, gehalten nur von seinem Arm, dem langsam die Kraft ausging. Er fühlte seinen Körper geradezu hundertfach an seinen Muskelfasern zerren. Er rutschte, fühlte die Wurzel durch seine schwitzige Hand glitschen. Er holte mit dem anderen Arm aus, nahm alle Kraft zusammen und wuchtete seinen Körper in Richtung der rettenden Kante, über die die Wurzel nach unten lief. Vor Schmerz keuchend konnte er sie packen und den anderen Arm nun nachziehen. Er packte den Vorsprung und verkannte seine Stiefel im Fels der Wand. Er hing, kaum besser als vorher und fühlte deutlich seine Kräfte nachlassen.

    In diesem Moment vernahm er Schritte über sich. Er zog sich und damit seinen Kopf etwas höher und versuchte zu sehen. „Hilfe“: rief er und sah dann eine Gestalt in einem einfachen roten Hemd. Seine Augen weiteten sich als er Tarrior erkannte. „Tarrior, hilf mir. Hilf mir schnell“: flehte Tirian, doch er nahm keine Notiz von ihm, sondern schritt einfach nur vor ihm auf und ab. Sein Gesicht lag im Dunkeln, seine Haare hingen ihm wirr um den Kopf. Abermals rief er nach Tarrior, doch immer noch keine Reaktion. „Vater, ich falle. Bitte“: brüllte der Heiler vor Todesangst, als seine Hände langsam nachgaben. Jetzt zuckte die Gestalt zusammen drehte sich in einer schnellen Bewegung um und beugte sich zu ihm herunter. Der Heiler erschrak fürchterlich, als er im Gesicht Tarriors nun ein blutverschmiertes Grinsen und tiefschwarze Augenhöhlen entdecken konnte. „Vater? Du bist nicht mein Sohn. Du bist ein schwächlicher Bastard“: sagte Tarrior grinsend und erhob sich. Im nächsten Moment konnte der geschockte Tirian auch nicht glauben, dass sein Vater nun seinen Stiefel auf eine seiner Hände stellte und sein Gewicht darauf verlagerte. Schreiend ließ der Heiler los. „Bitte tu das nicht, bitte nicht“: flehte er, als sich der Knochenstiefel Tarrior sich nun auch auf seine andere Hand stellte. Erneut drückte er zu. Der Dunmer fühlte den Schmerz, fühlte wie sich der Stiefel auch noch bewegte, seine Finger zu Brei rührten. Schließlich hielt Tirian es nicht mehr aus und ließ mit einem Schrei los. Sein Fall in die Tiefe ging weiter. Er sah noch immer das dämonische Grinsen Tarrior vor sich. Die Lava am Boden der Grube kam näher und schließlich umfasste sie ihn mit feuriger Umarmung.


    Schweißgebadet schreckte Tirian aus dem Schlaf hoch. Panisch sah er sich um. Sah die karge Einrichtung des Zimmers, sah die fast heruntergebrannten Kerzen, den Wandschirm, ihr Gepäck. Sah Lyviani im anderen Bett neben sich. Keine Höhle, keine Lava, kein teuflischer Tarrior. Es war nur ein Traum. Schwer atmend sank der Heiler auf sein Kissen zurück. Er rieb sich durchs Gesicht um dieses dunkle Gespinst des Schlafes endgültig abzuschütteln. Er spürte etwas Feuchtes an den Fingern. Als er sich sachte noch einmal über die Augen fuhr, spürte er, dass er weinte. Tränen liefen ihm über das Gesicht. Immer wieder versuchte er sie wegzuwischen. Erst nach einiger Zeit versiegten sie schließlich.

    Als er sich schließlich ganz beruhigt hatte, erhob sich Tirian noch leicht zitternd aus dem Bett, zog die Robe unter dem Kissen hervor und zog sie sich über den Kopf. Dabei berührte er die Platzwunde, die ihm einen schnellen Schmerz durch den Kopf schickte. Er war dankbar dafür, denn das brachte ihn wieder richtig zu Bewusstsein. Das Gefühl kehrte in seinen betäubten Geist zurück. Er spürte den enormen Muskelkater, der sich sowohl in den Armen als auch den Beinen breit gemacht hatte. Fühlte beim Strecken die Schnitte in seinem Oberkörper. „Ich bin am Leben“: ging es ihm in diesem Moment durch den Kopf. Eine Erkenntnis zu der er vorher überhaupt nicht mehr fähig gewesen war, aber über die er sich jetzt unheimlich freute. Ihm tat alles weh, er fühlte sich noch immer tief verwundet und erschöpft, aber er fühlte sich gleichzeitig so lebendig wie lange nicht. Und seine Magie hatte sich inzwischen auch erholt. Er setzte sich auf sein Bett zurück, schloss die Augen und konzentrierte sich auf die heilende Magie, die er mit der Kraft aus seinem Innern speiste. Er spürte den unangenehmen Druck der sich in seinen Oberkörper und seinem Bauch ausbreitete als sich auch dort die Quetschungen und Verletzungen endlich regenerierten, schließlich klang auch mit einem deutlichen Ziehen die Schwellung an seinem Kopf ab. Dafür bildete sich ein leichter Kopfschmerz, den der Heiler aber getrost ignorierte. Damit konnte er leben.

    Schließlich erhob er sich und trat an Lyvianis Bett. Sein Blick fiel auf die Dunmer. Sie hatte sich ein Kleid übergeworfen. Tirian war überrascht als er in ihr Gesicht schaute. Keine Spur von der ihr sonst üblichen Abweisung und Reserviertheit. Er strich ihr leicht eine Strähne zur Seite. Da offenbarte sich auch schon eine ebenso unschöne, dunkle Schwellung, wie er sie gerade bei sich geheilt hatte. Er erinnerte sich an den Arm und die Knochensplitter und wer wusste, was sie noch im Kampf abbekommen hatte. Er beugte sich über sie, um sie etwas wach zu rütteln, da rumpelte es unglaublich laut an der Tür. „Das Abendessen ist fertig. Kommt ihr faulen Ärsche. Essen fassen!“: dröhnte es von draußen herein. Lyviani schlug die Augen auf. Sie schauten sich gegenseitig einen Moment an. „Guten Abend“: sagte er in Ermangelung eines intelligenteren Kommentars.

  5. #5

    Weidenländer, Falensarano

    [Dreveni]
    Dreveni schlief fest und traumlos in dieser Nacht, das Einzige was sie gelegentlich halb aufweckte war der Schmerz in ihren Rippen, als sie sich auf die rechte Seite drehte. Sie hätte wohl noch eine ganze Weile länger geschlafen, hätte sie nicht ein Lärm gestört, den sie zuerst nicht einordnen konnte. Nachdem er sie mitten aus dem Tiefschlaf riss, reagierte sie auch nicht ganz so wie sonst, und zwar indem sie nach ihrer Waffe gegriffen hätte und aufgesprungen wäre. Sie selbst hatte genug ihrer Opfer im Schlaf überrascht, als dass sie hinter solchem Lärm nicht das Schlimmste vermutet hätte.
    So brauchte sie allerdings ein paar Sekunden um sich zu sammeln, und sah in die glutroten Augen eines Dunmers. "Feryn??", flüsterte sie leise und undeutlich, noch immer nicht ganz wach, denn sonst hätte sie gemerkt, dass das nicht sein konnte. Träumte sie? Der Schreck, der sie durchfuhr brachte sie dazu, sich aufzusetzen, was sie gleich darauf bereute, als ihr nicht nur die Rippen, sondern auch noch ihr Kopf weh tat. Das weckte sie immerhin vollständig auf, und außerdem fanden ihre tastenden Finger das Stilett nicht an ihrem üblichen Platz neben ihrem Kissen.
    Langsam dämmerte ihr auch wieder, wo sie war und vor allem wer ihr Gegenüber war. "Scheiße.", war ihr nächstes Wort, als sie ihren schmerzenden Kopf rieb. "Ich meine, guten Abend. Was zum Henker ist das hier für ein Lärm?"

    [Tirian]
    Als sich Lyviani scheinbar erschrocken aufsetzte, zog Tirian gerade noch seinen Kopf rechtzeitig zur Seite, bevor sie ihm unbeabsichtigt eine Kopfnuss verpassen konnte. Sie schien mit ihrer Hand hektisch nach etwas zu suchen. Tirian fühlte sich schlecht. Er hätte sie nicht so erschrecken dürfen, aber wer konnte schon ahnen, dass es genau in diesem Moment an die Tür hämmern würde. "Wer ist denn Feryn?": fragte sich der Heiler nur kurz, um dann auf die Frage der Dunmer zu antworten, die sich scheinbar wieder gefangen hatte: "Soweit ich das verstanden habe, wurden die Leute zum Abendessen gerufen. Offenbar haben wir den ganzen Tag verschlafen. Ich wollte euch aber ohnehin wecken. Ich habe mich soweit wieder erholt, dass ich mir mal eure Wunden anschauen kann, wenn ihr das möchtet." Er schaute sie auffordernd an.

    [Dreveni]
    Sie beobachtete Tirian argwöhnisch und versuchte herauszufinden, ob er mitbekommen hatte, dass sie ihn für jemanden anderen gehalten hatte, konnte in seinem Gesicht aber keine Anzeichen dafür lesen ob er es gehört hatte und wenn ja, was er darüber dachte.
    Das ist keine Frage des Wollens., dachte sie sich, als er anbot, sich ihre Verletzungen anzusehen. Nur zu gut war ihr noch in Erinnerung, wie er in dem Kratzer von dem Knochenläufer herumgestochert hatte. Aber andererseits konnte man das an ihrem Arm nicht so lassen, und auf eine häßliche Narbe von der Platzwunde hatte sie ebenfalls keine Lust.
    "Anschauen. Nicht rumstochern.", antwortete sie ihm schließlich, wobei ihr gleich darauf kam, wie wehleidig das klingen mußte. Sie sah ihm fest in die Augen und schickte hinterher: "Ich bin nämlich immer noch nicht ganz wach und kann nicht versprechen dass mir nicht aus Reflex die Hand ausrutscht."

    [Tirian]
    Tirian lächelte. "Keine Sorge ich bin ein Experte. Außerdem machtet ihr heute früh nicht den Anschein, als würde es euch etwas ausmachen selbst in eurem Arm herumzustochern": scherzte er und setzte sich neben Lyviani aufs Bett. "Ich werde vorsichtig sein": sagte er mit fester Stimme. Sie deutete noch einmal auf ihre Hand, um zu bestärken, dass er das auch bloß sein sollte, bevor sie ihren Arm freilegte, sodass er sich ihn noch einmal ansehen konnte. Tatsächlich hatte sie sich wohl noch am Morgen die Splitter alle selbst entfernt. Die Spuren dieser Tortur waren noch gut zu erkennen. Er konnte hier nicht mehr viel tun, als kurz mit der Hand darüber zu gehen und den Heilungsprozess mit etwas Magie zu stimulieren.

    Dann wandte er sich ihrer Platzwunde zu. Er begutachtete sie einen Moment, um dann zu seinem Gepäck zu gehen und sich ein kleines, aber sehr scharfes Messer - eine Spezialanfertigung - aus der Tasche mit seinem Operationsbesteck zu holen. Schließlich ging er wieder zu ihr und schaute sich die Beule noch einmal an. "Ihr habt da vorhin diesen Namen gesagt, als ihr aufgewacht seid. Wer ist dieser Feryn? Ein Freund von euch?": fragte Tirian, um sie davon abzulenken, dass er das Messer zur Hand nahm und einen schnellen, kurzen Schnitt durch die Schwellung an ihrer Stirn tat, sodass dunkles Blut heraussickerte. Noch bevor sie antworten konnte, legte er seine Hand auf drückte noch den Rest heraus. Die Schwellung verkleinerte sich deutlich, während es ihm leid tat, wie Lyvianis Gesicht sich vor Schmerz verzog. Schließlich nutzte er seine Magie, um den Schnitt zu heilen und die Schwellung schlussendlich zu beseitigen.

    "Tut mir leid": sagte er: "aber es geht am besten, wenn man es schnell macht. Habt ihr sonst noch Verletzungen, die ich mir anschauen soll?"

    [Dreveni]
    "Ich kann mir selber eine Menge aus dem Arm schneiden, was nicht heißt, das ich jemand anderen mit dem Messer auf mich losgehen lasse.", antwortete sie. "Und außerdem stocher ich nicht herum, ich kann zufällig mit Messern umgehen."
    Darüber hinaus waren ihr die paar Narben, die das an ihrem Arm geben würde, tatsächlich egal. Wesentlich mehr störten sie die beiden Schnitte des Assassinen der Morag Tong aus der Dwemerruine, aber an denen konnte sie jetzt auch nichts mehr ändern.
    Sie ließ Tirian arbeiten, nicht ohne ihn genau zu beobachten. Er schien allerdings nicht mehr vorzuhaben, in ihren Wunden herumzustochern.
    So richtig aus der Fassung brachte sie erst wieder seine Frage, wer denn Feryn sei. Bevor sie allerdings noch überlegen kontte, ob sie ihm überhaupt antworten oder die Frage ignorieren sollte, schnitt er ihr schon die Platzwunde auf der Stirn wieder auf. Sadist, ich sags doch., dachte sie sich nur, als sie die Zähne zusammenbiss, als er auch noch darauf herumdrückte. Sie schätzte gerade ihre Chancen ab, ihm das Messer aus der Hand zu winden und kam zu dem Schluß, dass sie es wohl schaffen sollte, als er gerade fertig war.
    "Ja.", antwortete sie auf seine Frage, und warf ihm einen leicht gequälten Blick zu. Zum einen, weil sie sich gerade tatsächlich leicht massakriert vorkam, zum anderen schadete es nie, wenn das Gegenüber wenigstens im Ansatz ein schlechtes Gewissen hatte, und alte Gewohnheiten, wenn es um die Manipulation anderer ging, waren nur schwer abzulegen.
    Sie zog den Ärmel hoch und betrachtete erst einmal selbst die Kratzer des Zombies, wobei sie die andere Hand in Tirians Richtung hielt, um ihn auf Abstand zu halten. Es juckte nach wie vor, wenn es auch nicht sonderlich schlimm aussah. Etwas Rot vielleicht, aber sonst...
    "Ich glaub das ist nicht so schlimm.", sagte sie schließlich, nachdem sie die Wunde ausgiebig studiert hatte. "Es ist mir egal ob es Narben gibt, da ist eh schon eine. Schneidet nur nicht dran rum wenn es nicht sein muß.", fügte sie noch an, und sah ihn dabei lauernd an.
    Die Prellung über ihren Rippen erwähnte sie nicht, sie war inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass sie vermutlich nicht gebrochen waren.

    [Tirian]
    "Es ist mir egal ob es Narben gibt, da ist eh schon eine. Schneidet nur nicht dran rum wenn es nicht sein muß": sagte sie und hielt ihren anderen Arm hin. Er zuckte mit den Schultern. "Es ist keine Schande nicht zu wollen, dass der eigene Körper auf ewig verschandelt ist. Auch für Kriegernaturen": sagte Tirian und beugte sich vor, um die Wunde in Augenschein zu nehmen. Er verengte die Augen und betrachtete sie skeptisch. Er erinnerte sich daran, dass Lyviani schon zuvor öfters daran gekratzt hatte. "Jucken die Kratzer?": fragte er. Sie nickte. Tirian schloss seine Hand um ihren Arm. Die Wunde fühlte sich heiß an. "Eine Infektion": erkannte er in Gedanken. Er drückte ein wenig auf den Kratzern herum. Er konnte nichts weiter erkennen oder spüren. Erfreulich. "Nein, schneiden muss ich wohl nicht. Die Wunde hat sich entzündet, aber es hat sich noch kein Eiter gebildet. Das wir uns heute früh noch gewaschen haben, dürfte dazu beigetragen haben, dass der Zustand sich noch nicht wesentlich verschlimmert hat": sagte er. "Es dürfte reichen, wenn ihr die Wunde nochmals gründlich ausspült und ich euch einen Trank zubereite, der die Keime in eurem Körper abtötet": schätzte Tirian ein. Er hielt kurz inne. "Wenn ich es recht bedenke wäre es von Vorteil, wenn wir einen Trank gegen Krankheiten finden. Den müsste ich bloß mit Hustengras anreichern. Das wäre vermutlich effektiver. Ich wollte mich ohnehin hier etwas in der Festung umsehen und Hunger habe ich auch wie ein Wolf. Da können wir auch mal schauen, ob wir hier etwas kaufen können": schlug der Heiler vor.

    [Dreveni]
    Als es Tirian ansprach, merkte auch Dreveni, wie hungrig sie inzwischen war. Sie hatte schon im Lager der Ashländer nicht viel gegessen, und seit dem gar nichts mehr. "In Ordnung.", stimmte sie ihm zu, und stand auf. Ihr Kamm lag noch auf dem Tischchen neben ihrem Bett und sie kämmte sich die Haare, die vom schlafen noch ganz verwuschelt waren. Soviel Zeit hatten sie noch, entschied sie für sich. Danach suchte sie das Stilett und befestigte es wieder an ihrem Arm. Unter dem etwas weiter geschnittenen Ärmel des Kleides war es nun nicht mehr zu sehen. Danach hakte sie die Schwertscheide von ihrem Waffengürtel, so dass nur noch der Dolch daran hing, und schlang ihn sich um die Hüfte. Für das Schwert war hier vermutlich eh nicht genug Platz, allein die Decke war schon viel zu niedrig, und es würde sie nur behindern, würden sie in einen Kampf verwickelt werden.
    Als sie beide fertig waren, verließen sie das Zimmer. In den Gängen war jetzt wesentlich mehr Betrieb als heute früh noch, wo vermutlich die meisten geschlafen hatten. Sie standen kurz auf dem Gang um sich zu Orientieren, da bedeutete ihnen auch schon einer der Wachen die vor ihrem Zimmer zurück geblieben waren, in welcher Richtung der Gastraum war.
    Es war nicht weit von ihrem Zimmer, und so betrat sie bald zusammen mit dem Heiler eine große Halle, die eng mit Tischen und Stühlen voll gestellt war. In der Mitte befand sich eine große, gemauerte Schale in der ein Feuer brannte, der Rest des Saales wurde ebenfalls wieder von Kerzen und Öllampen erhellt.
    Es herrschte schon reger Betrieb, und da war Dreveni für einen Moment, als würde sie Augen in ihrem Rücken spüren, die sie scharf beobachteten. Als sie sich umdrehte, war dort allerdings niemand, der in ihre Richtung starrte, so maß sie dem ganzen keine große Bedeutung bei.

    [Tirian]
    Der Heiler wartete noch bis Lyviani sich ausgerüstet hatte. Er selbst verzichtete auf seine Waffe, die auch dringend gereinigt werden müsste. Sicherlich gab es auch hier so etwas wie einen Waschplatz in dieser Festung und da konnte er die Klinge dann gleich zusammen mit seiner Kleidung reinigen. Und dann musste er sie noch flicken, wie ihm mit Bedauern einfiel. Aber immerhin war die Robe mit etwas Glück noch zu retten im Gegensatz zu der Anderen, die ihm der Ashkhan mit seiner Axt ruiniert hatte. Unbewaffnet, zur Not hatte er ja noch seine Magie, verließen sie ihr Quartier. Etwas ziellos gingen sie durch den engen Gang, in dem doch deutlicher Betrieb herrschte, bis ihnen eine Wache den Weg zur Kantine wies. Mit dem freundlichen Hinweis und dem deutlichen Geruch nach Essen war der Raum auch bald gefunden. Sie traten gemeinsam in eine etwas größere Halle ein, die von einem großen Feuerbecken in der Mitte erleuchtet wurde. Aus einer Reihe von Tischen hatte man eine Theke vor zwei Feuerstellen, auf denen zwei ziemlich große Kessel vor sich hin dampften, improvisiert. Teller und Becher türmten sich schmutzig und sauber fein getrennt, auf weiteren Tischen dahinter. Das Vorratslager der Küche bestand aus einem großen Haufen von Säcken, Körben und Transporturnen, der sich in einer Ecke hinter der Theke ausbreitete. Alles lag offenbar wahllos durcheinander. Ebenso unschön anzusehen war die Stelle, wo der Koch - ein dickleibiger Nord in einem schmierigen Leinenhemd und einer wirklich fleckigen und blutigen Schürze, gerade einen Guar mit einer Streitaxt zerlegte. "Söldner": dachte Tirian kopfschüttelnd.

    Lyviani schaute sich neben ihm kurz um, als hätte sie etwas bemerkt, aber ihr Gesicht klarte sich schnell wieder auf. Vielleicht hatte sie auch nur wie er den Zustand dieser Spelunke genauer ins Auge gefasst. Schließlich steuerte sie einen etwas abseits stehenden Tisch an und Tirian folgte ihr. Er hatte auch keine wirkliche Lust sich ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu begeben. Allerdings stand das offenbar nicht zur Debatte. Der Heiler vernahm nämlich die Stimme der Altmer, als sie sich gerade setzen wollten. Die Augen verdrehend wandte er sich um und sah sie schließlich am Kopfende einer großen Tafel, die von den Einzeltischen deutlich abgesetzt stand, und mit gerüsteten Männern und Frauen besetzt war, sitzen. Anhand ihrer herrischen Gesten konnte man erkennen, dass sie wohl darauf bestehen würde, dass sie sich zu ihr setzten. Tirian seufzte. "Es scheint als würde unsere Anwesenheit da drüben verlangt": meinte er zur Assassinin, die wie er seufzte. Sie gingen zu ihrer "Gastgeberin" hinüber und setzten sich auf zwei freie Plätze zu ihrer Linken.

    "Die Tische dort drüben sind für die zahlende Kundschaft. Diese ganzen Händler und Reisenden. Da sind die Weidenländer mal etwas unsicher wegen marodierenden daedrischen Horden und schon zahlen sie für eine Unterkunft und eine warme Mahlzeit hier mitten im Nirgendwo jeden Preis": sagte sie und lachte. "Feiglinge. Die Skampe, die wir hier auch nur in die Suppe tun, könnten sie wie wir auch schließlich selbst erlegen": sagte sie verächtlich. Dann schaute sie abwechselnd ihn und Lyviani an. "Aber ihr seid ja meine Gäste und da braucht ihr natürlich Nichts fürs Essen zu zahlen": sprach sie wieder gönnerhaft. Tirian kam langsam wieder die Wut hoch. Einige Minuten blieb es still, dann verfinsterte sich der Gesichtsausdruck der Altmer plötzlich. "Ein Danke wäre natürlich nicht zuviel verlangt": zischte sie nun grantig und lautwerdend. Tirian verbiss sich den Kommentar, den er auf den Lippen hatte. Ebenso stupste er die Assassine an, die offenbar genauso knapp davor stand, etwas Falsches zu sagen. "Natürlich. Habt vielen Dank": eilte er sich nun das Gewünschte auszusprechen. Das Gesicht der Altmer näherte sich nun dem seiner Begleiterin. "Meint ihr nicht auch?": fragte sie die Dunmer nun direkt ins Gesicht.

    [Dreveni]
    Dreveni folgte Tirian schließlich zu dem Tisch an dem auch die Altmer saß, und ihr kam wieder das Bild einer Kette in den Kopf, an der ihre Ohren hingen, fein säuberlich durch die Spitzen gebohrt. Sie mußte sich kräftig auf die Zunge beißen, um nichts falsches zu sagen, andererseits war sie hier fast wieder in ihrem Element, und ihr machte gerade nur ihr Begleiter etwas sorgen. Der hatte es eindeutig noch nicht so ganz raus, wann man verhasste Elfen getrost erschlagen konnte und wann man sich besser beherrschte. Allerdings sah sie es dann doch nicht so ganz ein, sich bei dem Weibsbild noch zu bedanken, aber nachdem sie von ihr direkt angesprochen wurde, schien ihr nichts mehr anderes übrig zu bleiben, denn alle Augen waren nun auf sie gerichtet.
    "Vielen Dank.", sagte sie schließlich, ohne auch nur den Ansatz von Sarkasmus oder ähnlichem in Stimme und Gesicht. "Wir wissen eure Gastfreundschaft wirklich zu schätzen, hier mitten im Nirgendwo. Vor allem für das heiße Bad und das Essen haben wir zu danken."
    Du bist wohl doch eher früher als später fällig, du kleines Miststück. ••••••••. ••••., fluchte sie in sich hinein, doch noch immer verriet sich davon nichts in ihrem Gesicht. Sie würde nicht die erste sein, der sie freundlich lächelnd in den Rücken stach, und sicher auch nicht die letzte. Als erstes würde sie herausbekommen, wo sie schlief oder ob sie sich sonst einmal irgendwo alleine aufhielt. Und was der schnellste Fluchtweg hier raus war. Sie sah die Altmer immer noch offen und freundlich an, da sah sie hinter ihr etwas weiter entfernt einen Dunmer vorbeilaufen. Normal wäre ihr das gar nicht aufgefallen, doch seine Bewegungen kamen ihr irgendwie bekannt vor. Bevor sie ihn allerdings näher betrachten konnte, war er schon wieder im Gedränge verschwunden.

  6. #6

    Weidenländer, Falensarano

    [Tirian]
    Auch Lyviani hielt sich zurück und machte gute Miene zum bösen Spiel. Wenn sie diese Frau umbringen wollte, hätte er wohl kaum mehr etwas dagegen gehabt. Im nächsten Moment erschreckte ihn dieser Gedanke. Er schüttelte den Kopf. Die Altmer setzte nun wieder ein freundliches Gesicht auf. Tirian war überrascht, wie schnell sich die Stimmung ihrer "Gastgeberin" ändern konnte. "Wir sind hier eine große Familie. Fühlt euch also willkommen": sagte sie und dann drehte sie sich um und schaute in Richtung Küche. "Und das dort ist der nette Onkel, der auf den Familienfesten den Braten überm Feuer wendet": sagte sie und deutete auf den fetten Nord-Koch, der näher getapst kam. Sein Kopf war bis auf einen Haarkranz an den Seiten kahl und sein Bart hing ihm fettig und verfilzt vom Kinn. Um den Mund herum war er mehr oder minder gut rasiert. Aber selbst ein ausgedehnter Bartwuchs hätte wohl kaum die aufgequollenen Lippen, die dicke, rote Nase oder die Schweinsaugen verdecken können. Auf halbem Weg blieb der Beleibte stehen und brüllte einige Kommandos scheinbar wahllos in den Raum. Aus der Menge der Gäste sah der Heiler nun einige Khajiit heranwuseln. Sie füllten aus den zwei großen Kesseln nun einige kleinere Töpfe auf, die sie dann zu ihnen herüberschleppten. Schnell machten sich die Sklaven daran Holzschüsseln und Besteck zu verteilen und den Söldnern die Teller mit Eintopf zu füllen und dann von einer ebenfalls herangetragenen größeren Platte unförmige Fleischbrocken hinein zu legen. Dazu gab es Brot. Mit lautem Auftreten kündigte sich der Koche an und baute sich neben der Altmer auf. Knurrig blickte er auf ihn und Lyviani herab, um dann von seiner Anführerin entlassen zu werden.

    Tirian schaute auf seinen Teller. Etwas zögernd betrachtete er die Plürre auf der sich bereits Fettaugen abzeichneten. Er schluckte. Zögernd tunkte er den Löffel hinein und rührte kräftig, bevor er es über sich brachte etwas von der Suppe aufzunehmen und an seine Lippen zu führen. Noch einen Moment hielt er inne, dann schob er sich den Löffel in den Mund und schluckte die Brühe herunter. Und... tatsächlich schmeckte der Eintopf überraschend gut. Zur Probe nahm er schnell noch einen Löffel voll und dann noch einen und noch einen. Tatsächlich bestätigte sich der Geschmackstest und es gab auch keinen verdächtigen Nachgeschmack. "Der Nord sieht zwar so ekelhaft aus wie seine Küche, aber er kann kochen": musste der Heiler schließlich eingestehen. Mit einem Nicken deutete er seine Begleiterin an, die bisher ihr Essen noch nicht angerührt hatte, dass es durchaus genießbar war. Das Fleisch, das er als nächstes probierte, war auch durch und sogar recht zart geraten. An den Kommentar der Altmer, das er womöglich eine Skamp-Keule aß, dachte er nicht mehr. Außerdem war er viel zu hungrig, als das ihn das noch interessiert hätte. Viel mehr schlang er nun den Eintopf, das Fleisch und das Brot herunter und war geradezu froh, als ihm eine Sklavin ungefragt nachgab, als der Teller leer war. Der gröbste Hunger war jedoch erstmal gestillt und er gewann die Kontrolle über seine Sinne zurück. Anstatt hastig zu schlingen, aß er nun wieder deutlich langsamer und mit mehr Genuss. "Euch scheint das Essen zu schmecken": bemerkte die Altmer von der Seite. Erst jetzt bemerkte der Heiler, dass sie Nichts aß. "Durchaus. Euer Koch... er versteht sein Handwerk": bemerkte Tirian zwischen zwei Löffeln. "Das hört er nicht gerne. Lieber würde Mischa wie früher Gegner ausweiden und nicht irgendwelche Beutetiere. Ach... er war so ein Virtuose mit der Kriegsaxt. Der gute Mischa hat sich für mich einen Zauber eingefangen. Hat ihm den ganzen Rücken geschmort und die Muskeln angesengt. Roch wie ein gut gewürzter Braten hat ihn leider die Kraft gekostet, die man für eine Kriegsaxt braucht. Aber hier ist er ja auch gut aufgehoben": erzählte die Altmer beiläufig und geradezu gedankenverloren. "Esst ruhig weiter. Ich muss noch jemandem die Kehle durchschneiden": sagte sie und erhob sich mit einem Lachen vom Tisch.

    "Sie ist verrückt": meinte er zu seiner Begleiterin. Da fiel ihm etwas ein. "Ihr habt übrigens meine Frage von vorhin noch nicht beantwortet": erinnerte Tirian Lyviani.

    [Dreveni]
    Dreveni beobachtete die Altmer, und sie kam unabhängig zu dem gleichen Schluß wie ihr Begleiter, sie war eindeutig mit Vorsicht zu genießen, da unberechenbar. Als sie eine Weile zugesehen hatte, wie Tirian aß oder vielmehr, das Essen hinunter schlang, und auch der Rest am Tisch das gleiche aus den gleichen Töpfen aß, überwand sie sich schließlich.
    Es war besser als es aussah, und darüber hinaus war sie kurz vorm Verhungern. Was es genau war, war ihr im Moment auch egal, sie wünschte sich nur, dass diese Altmer endlich den Mund halten würde. Davon abgesehen stellte sie fest, dass ihr die Gesellschaft von Assassinen wesentlich lieber war, als die von Söldnern. Ihr Handwerk verlangte doch noch eine gewisse... Feinfühligkeit, die den grobschlächtigen Gestalten hier völlig abzugehen schien. Sicher, es gab auch Assassinen, denen man niemals zugetraut hätte, dass sie sich auch nur an einem Tauben vorbeischleichen konnten, aber das war die Ausnahme.
    Als sich schließlich die Söldnerin mit den Worten erhob, sie müsse noch jemandem die Kehle durchschneiden, wünschte ihr Dreveni mehr aus Reflex als aus Höflichkeit viel Erfolg dabei, und nickte Tirian auf seine Feststellung hin zu, da hätte sie sich fast an ihrem Essen verschluckt, als er wieder mit dem Thema von vorhin anfing.
    Sie atmete tief durch, bevor sie ihr Gesicht dem Heiler zuwandte, ihn anlächelte und in einer scheinbar vertrauten Geste ihre Hand in seinen Nacken legte. Sie kam mit ihrem Gesicht nahe an seines heran, als hätte sie vor ihn zu küssen, flüsterte ihm aber statt dessen ins Ohr: "Wenn ihr diesen Namen nur einmal in der Öffentlichkeit erwähnt, seid ihr tot." Sie nahm den Kopf wieder etwas zurück, gerade so weit dass sich ihre Nasen fast berührten und sie ihm in die Augen sehen konnte. Hatte ihn ihr flüstern noch nicht überzeugt, dann würde es wohl der Blick tun, dem sie ihn jetzt noch zuwarf.
    Schließlich löste sie sich wieder von ihm und wandte sich weiter dem Essen zu. Als sie merkte, dass sie von den Umsitzenden beobachtet wurde, sagte sie ihm noch mit einem lächeln: "Mehr antwort gibt es später wenn wir unter uns sind."
    Natürlich hatte sie nicht vor, ihm irgendwas zu erzählen, aber die Söldner um sie schienen sich damit zufrieden zu geben, was man aus ihrem anzüglichen Grinsen schließen konnte.

    [Tirian]
    Der Heiler war erst verwundert, als die Assassine ihn im Nacken griff und sich ihre Gesichter annäherten. "Was soll das denn werden": fragte er sich und war wohl kurz davor rot zu werden, als er dann schließlich bei Lyvianis Worten und vor allem bei ihrem Blick sämtliche Farbe im Gesicht verlor. Ihr Blick zeigte ihm, dass sie es wirklich todernst meinte. Er schluckte. Als sie dann deutlich gespielt freundlicher hinzufügte, dass er später mehr Antworten bekommen würde, war ihm der Appetit restlos vergangen. Er stocherte noch etwas im Fleisch herum und fragte sich, was er von seiner Begleiterin halten sollte. "Sie ist eine Meuchelmörderin": rief er sich wieder ins Gedächtnis und seufzte. Wenn man gemeinsam einem rachsüchtigen Geist entkommen war, konnte man das schnell vergessen. Schließlich erhob er sich. Auf einen fragenden Blick der Assassine sagte er nur: "Ich schaue mal, ob ich hier einen gewünschten Trank bekomme. Ihr könnt ruhig weiter essen. Wir sehen uns später auf der Kammer" Sie nickte und drehte sich wieder zum Tisch. Ein dreckiges Lachen erklang von den Söldnern. Verwirrt darüber entfernte sich Tirian. Er verließ die Kantine und streifte etwas durch die Gänge. Aber nicht weit. Lauter werdende Verkaufsverhandlungen erweckten seine Aufmerksamkeit. Sie drangen aus einer Kammer. Langsam näherte sich der Heiler der Tür und sah hinein. Links und rechts eines Korridors, den man freigelassen hatte, waren Tische aufgestellt worden hinter denen nun vier Männer und zwei Frauen saßen und allerlei Waren feilboten. Die eine Frau in der hinteren rechten Ecke hatte auf ihrem Tisch Kräuter und Flaschen ausgebreitet. Dort, so hoffte er, würde er sicher bekommen, was er brauchte.

    Tirian trat hinein. Ein Söldner, der direkt um die Ecke gewartet hatte, packte ihn. "Keinen Ärger, keine langen Finger, sonst sind sie ab": drohte er. Der Dunmer signalisierte, dass er keinen Ärger machen würde und wurde losgelassen. Schnell bewegte er sich zur gewünschten Händlerin. Die schaute ihn mit einem schiefen Lächeln an. "Verzeiht": begann sie das Gespräch. "Das scheint mir ja nicht sonderlich verkaufsfördernd zu sein": merkte der Heiler missmutig an. "Sicher nicht. Aber die Kunden hier haben auch keine andere Wahl. In dieser Gegend der Weidenländer und vor der Amur sind wir der einzige Handelsposten. Und leider müssen auch wir die Söldner akzeptieren, denn denen gehört die Festung jetzt. Wir zahlen auch nur unsere Standmiete dafür, dass wir hier handeln dürfen. Dafür verbieten sie das der Konkurrenz": erklärte die Frau. Tirian machte darauf nur ein "hmm". Die Altmer spielte sich hier scheinbar wirklich auf, als wäre sie die Fürstin dieses Gebietes - absolut, willkürlich, gierig. "Es ist immer noch besser als zu den Händlern zu gehören, die den Wegzoll der Söldner bezahlen müssen...": merkte sie deutlich leiser und mit einem Blick auf eine der Wachen an. Der Heiler zog die Augenbrauen hoch. Er verstand es. "Neulich allerdings kehrte eine Gruppe von Eintreibern, Dunmer aus dem Redoran-Gebiet, nicht zurück, seitdem sind die Leute noch unerbittlicher geworden": meinte sie. Der Heiler verlor wieder seine Farbe. Er musste gerade an die Gruppe Redoraner denken, die sie in der Nähe des Aschländerlagers ausgelöscht hatten. Wenn die zu diesen Söldnern hier gehörten, dann sollte die Altmer besser nicht erfahren, dass er und Lyviani direkt an ihrem Tod beteiligt waren. "Geht es euch nicht gut?": fragte die Händlerin. "Ach mir wurde gerade nur etwas schwindlig. Ich wollte ohnehin einen allgemeinen Heiltrank gegen Krankheiten kaufen. Er kann gern etwas stärker sein": wünschte Tirian und bekam gleich eine Flasche gereicht. "Das macht 50 Draken": sagte sein Gegenüber mit einem Lächeln. "Wegelagerei gibt es offenbar auch in den unterschiedlichsten Formen": dachte er und bezahlte widerstrebend den Preis.

    [Dreveni]
    Ihr war nicht entgangen, wie schockiert sie Tirian angesehen hatte. Andererseits konnte sie es auch nicht ändern, und besser so, als dass er sie noch beide um Kopf und Kragen redete. Und wer wußte schon, wo sich die Assassinen der Morag Tong überall herumtrieben. Immerhin hatte sie ihm von Anfang an nicht ihren richtigen Namen genannt, worüber sie jetzt auch mehr als froh war. Sie ärgerte sich nur, dass ihr Feryns Name so herausgerutscht war, aber daran war jetzt nichts mehr zu ändern.
    Es hielt sie ebenfalls nicht mehr lange am Tisch zwischen den Söldnern, und so machte sie sich wieder auf den Weg in ihre Kammer. Dort angekommen suchte sie den Ring aus ihren Sachen, den sie dem Dremora vom Finger geschnitten hatte. Sie würde vermutlich nicht das bekommen, was er wert war, aber wenn es hier schon Händler gab, war das vermutlich vorerst die letzte Gelegenheit, ein paar Dinge zu erledigen. Ein Schmied käme nicht ungelegen, die Spitze ihres Stiletts hatte tatsächlich schon bessere Zeiten gesehen.
    Sie fragte eine der Wachen direkt nach dem Schmied, in der Hoffnung, den Ring dort auch direkt zu Gold machen zu können. Er deutete in Richtung Decke, und es gab wohl tatsächlich keinen besseren Ort als unter freien Himmel. Nachdem sie die Plattform oben betreten hatte, war das Zelt unter dem sich die Schmiede befand nicht schwer zu finden. Der Schmied selbst war ein Muskelbepackter Rothwardone, der anscheinend hier auch nur zu Gast war.
    Sie feilschten eine Weile, und einigten sich schließlich darauf, dass er ihr das Stilett schleifen würde und ihr noch 100 Draken dazu geben würde. Ihr kam die unangenehme vermutung, dass er ganz genau wußte, welche Verzauberung auf dem Ring lag und sie kräftig übers Ohr haute, aber sie hatte auch wirklich keine Lust, weiter zu feilschen und außerdem sonst nur noch ein paar Septime aus Cyrodiil.
    Auch die geringschätzigen Blicke, die er ihr zuwarf als er sah, welche Waffe er reparieren sollte, entgingen ihr nicht. Es war nicht unbedingt so, dass nur Assassinen solche Waffen führten, aber es war doch eine ausgesprochen hinterhältige Waffe. Wenn man es richtig machte, konnte man die Opfer fast ohne Spuren ums Eck bringen, da ein Stilett zwar spitz war, aber normalerweise keine geschliffene Klinge hatte. Dadurch konnte es massive innere Verletzungen verursachen, während man von außen gerade einen feinen Einstich sah, wenn man es richtig machte.
    Schließlich gab er ihr das Stilett zurück, das jetzt wieder spitz wie eine Nadel war, und einen kleinen Stoffbeutel mit 100 Draken.
    Als sie auf dem Weg in das Innere der Festung war, beschlich sie wieder kurz das Gefühl dass sie beobachtet wurde, hakte es aber gleich als Einbildung ab. Immerhin hatte sie dieses Mal nicht durch die halbe Taverne geschrien, wer sie war und von wem sie Briefe bekommen hatte.
    Bevor sie noch richtig wußte, wo sie als nächstes hingehen sollte, stand sie schon wieder vor ihrer Kammer. Sie beschloss, hineinzugehen und ihre Kleidung zu sortieren was man noch waschen und nähen konnte und was hoffnungslos hinüber war.
    Erleichtert sah sie, dass das Zimmer leer war, sie hatte gerade überhaupt keine Lust, sich mit dem Heiler auseinander zu setzen.

    [Tirian]
    Den Heiler zog es nur noch etwas länger durch die Gänge, nachdem er den Trank gekauft hatte. Über den Preis ärgerte er sich noch, aber er musste zumindest zugeben, dass sie ihm gute Qualität verkauft hatte. Er schlenderte nur noch kurz durch die Festung und kehrte bald zu ihrer Kammer zurück. Er hatte vor einem Moment Lyviani aus der Ferne hinein huschen sehen. Er drückte sich noch etwas auf dem Gang herum. Eigentlich wollte er im Moment nicht zu ihr, allerdings trieb ihn seine Berufsehre dazu. Umso schneller sie den Trank bekam, umso besser für den Heilungsprozess. Tirian würde es sich niemals verzeihen, wenn er ihr den Arm abschneiden müsste, nur weil er jetzt nicht zu ihr gehen wollte. Der Heiler ging zur Kammer hinüber. Seine Hand ruhte auf der Klinke. In seinem Kopf spielte sich die Szene in der Kantine noch einmal ab. Ein eiskaltes Schaudern lief seinen Rücken hinunter "Feryn...": flüsterte er. "Was hat es mit ihm auf sich, dass sie so wütend wird?": ging es ihm durch den Kopf. Er öffnete die Tür und trat ein. Er schloss leise die Tür. Die Assassine saß vor ihrem Gepäck und schien ihre Kleidung zu sortieren. Ohne ein Wort zu sagen ging er zum Waschzuber und hob die versiffte Robe und den Gürtel auf und entfernte die Beutel. Anschließend legte er sie zu seinem Gepäck und behielt nur den Beutel mit dem Hustengras in der Hand. Er nahm einen Stängel heraus, zerrieb ihn und streute ihn dann in den Heiltrank.

    Er stellte ihn neben Lyviani auf den Boden. "Das ist der Heiltrank. Ich habe ihn gerade noch um ein wenig Hustengras angereichert. Könnte sein, dass ihr ein paar Stückchen bemerkt. Schluckt sie mit runter. Die sind gesund": sagte er und setzte sich dann auf sein Bett. Die Dunmer ignorierte ihn völlig. Mehrere Minuten lang herrschte Grabesstille im Raum. "Ich will nicht aufdringlich sein, aber könnt ihr mir verraten, was das vorhin zu bedeuten hatte?": wollte er schließlich wissen. Der Schreck saß ihm noch immer im Kopf. Und er wollte das lieber geklärt wissen.

    [Dreveni]
    Auch dieses Mal währte die Ruhe nicht lange, die sie in der Kammer gesucht hatte, denn schon kurz nach ihr trat Tirian durch die Tür. Sie sah nicht einmal von ihrer Arbeit auf, auch wenn sie genau hörte, was er gerade tat. Auch als er das Fläschchen neben sie stellte, sah sie nicht auf. Immerhin machte es bis jetzt den Anschein, dass er das Thema Feryn ruhen lassen würde. Was bildete er sich auch ein, dass er dermaßen nach bohrte nur weil sie sich im Halbschlaf versprochen hatte? War sie vorhin schon wieder fast in einer ausgeglichenen Stimmung gewesen, wuchs nun langsam wieder ihr Wut, wobei sie noch nicht einmal sagen könnte, auf wen oder was genau sie wütend war. Inzwischen hatte sie ihr Nähzeug, dass neben ihr lag, genommen und riss ein Stück Faden ab. Sie konnte die Sachen auch vor dem Waschen noch kurz nähen.
    Gerade als sie Tirians Anwesenheit erfolgreich verdrängt hatte und sie einen Riss in einer dunkelgrauen Tunika nähte, hörte sie ihn fragen: "Ich will nicht aufdringlich sein, aber könnt ihr mir verraten, was das vorhin zu bedeuten hatte?"

    Sie hielt kurz mit ihrer Tätigkeit inne, sah ihn aber immer noch nicht an. Für einen Moment schloss sie entnervt die Augen, bevor sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorbrachte: "Vielleicht solltet ihr dann einfach still sein, wenn ihr schon nicht aufdringlich sein wollt." Danach nähte sie weiter an einem Riss, wobei sie so fest am Faden zog, dass er fast gerissen wäre.

    [Tirian]
    Etwas sprachlos schaute er sie an. Sie hatte diesen Namen ausgesprochen. Er hatte nur eine beiläufige Frage gestellt, die ihn nicht wirklich brennend interessiert hatte und wurde von ihr dafür mit dem Tode bedroht. Und jetzt sollte er still sein? "Nein ich will wirklich nicht aufdringlich sein, aber schweigen werde ich nicht. Ihr schuldet mir ein paar Antworten. Mich interessiert nicht einmal wer dieser Feryn ist, aber verzeiht ihr habt diesen Namen genannt. Ich wollte mich bloß erkundigen, da ihr so verträumt drein geschaut habt, als er ihn ausspracht, was bei euch schon selten genug vorkommt und als Dank droht ihr mir an mich abzustechen": sagte er wurde nicht wirklich laut aber redete in seiner Erregung immer schneller. Schließlich sprang er beim letzten Satz vom Bett auf und machte einige hektische Schritte im Zimmer auf und ab.

    [Dreveni]
    Schulden? Antworten? Sie ihm? Dreveni glaubte ernsthaft, sich verhört zu haben, aber dem Dunmer war es offensichtlich ernst. Verträumt dreingeschaut? Es wurde ja immer besser. Konnte sie etwas dafür, dass er fast genau seine Augen hatte? Sie schüttelte nur stumm den Kopf während sie demonstrativ an Tirian vorbeisah, und ihm dabei zuhörte.
    "Ich habe euch nur klar gemacht, dass das kein Thema ist, dass ihr in der Öffentlichkeit erwähnt. Und zwar unter keinen Umständen.", sagte sie nun, wobei sie etwas lauter und schärfer sprach als vorhin noch, den Blick jetzt wieder direkt auf ihn gerichtet. "Und wenn ihr derart sensibel seid, dass euch das so aus der Fassung bringt, ist dass nun wirklich euer Problem." Sie legte das Nähzeug mit Schwung zur Seite, da ihr vor Wut die Hände zitterten, und starrte den Heiler an, blieb dabei jedoch sitzen.

    [Tirian]
    Sie schaute ihn direkt an. "Wenn ihr nicht über ihn sprechen wolltet, hättet ihr mir das auch sagen können, dann hätte ich das respektiert und nicht weiter nachgehakt. Das ihr mir dann aber sogar mit dem Tode droht, obwohl ich den Namen nicht einmal ausgesprochen habe, ist ein starkes Stück": erregte sich der Heiler. Er hielt ihrem Blick stand. "Was ist an diesem Feryn dran, dass ihr den Namen in der Öffentlichkeit nicht gebrauchen wollt? Habt ihr etwa Angst? Ist das jemand den ihr töten wolltet und dessen Rache euch nun verfolgt? Nicht das es mich interessieren würde, aber ich wüsste gerne, was so besonders an einem Namen ist, dass ihr mich töten wollt, nach alldem...": sagte er und klang jetzt fast noch eher enttäuscht als alles andere. War Lyviani denn wirklich alles egal?

    [Dreveni]
    "Wie verflucht naiv kann man eigentlich sein?", fuhr sie Tirian an, und erhob sich nun ebenfalls, mit einer einzigen fließenden Bewegung, und mit zwei weiteren, schnellen Schritten stand sie direkt vor dem Dunmer. Die Enttäuschung in seinen letzten Worten war ihr nicht entgangen, und das war mehr, als sie im Moment ertragen konnte. Sie funkelte ihn wütend an, als sie nach Worten suchte. Er hatte sie bei ihrer Reise schon das eine oder andere Mal auf die Palme getrieben, aber noch nie war sie so kurz davor gewesen, ihm gegenüber komplett die Beherrschung zu verlieren.
    "Und ja, ich hätte nicht das geringste Problem, euch zu töten, bevor ihr uns beide um Kopf und Kragen redet."
    Jetzt gerade zweifelte sie selbst nicht daran, denn sie war ohnehin kurz davor, sich auf Tirian zu stürzen, würde er nicht bald aufhören, weiter nach Feryn zu fragen. Andererseits war ihr auch mit einem letzten Rest von klarem Denken bewußt, dass sie es vielleicht doch nicht mehr so kaltblütig konnte, wie vermutlich noch zu beginn ihrer Reise, als sie ihn nicht so gut gekannt hatte...

    [Tirian]
    Sein Gesicht verschloss sich. "Naiv?": überlegte er. Wahrscheinlich hatte sie Recht. Naiv war er vielleicht ein bisschen. Aber es war ihm lieber dieses Stück Naivität zu bewahren als einzig zynisch durch die Welt zu gehen und hinter jeder Ecke das Schlimmste zu vermuten. Er traute Lyviani unweigerlich zu, dass es sie tun konnte und würde. Dann fiel ihm der Abend im Lager der Aschländer wieder ein. Sie hatte geweint. Sie war verletzlich und letztlich glaubte er ihr zumindest nicht, dass sie es zumindest oder Bedauern tun würde. Er schaute sie an, versuchte ihn ihren vor Wut zusammengezogenen Augen zu lesen und schaute dabei tief hinein. Kurz zuckten seine Mundwinkel zu einem Lächeln, bevor er sich ausdruckslos abwandte. "Ich sagte euch, dass ich es respektieren würde. Ihr wollt nicht über Feryn reden. Ich werde es nicht tun. Doch ich glaube, dass ihr diejenige seid, die hier wirklich ein Problem hat": meinte er und ging zur Tür. Er öffnete sie schnell. "Ich lasse euch am besten allein. Ich werde mir die Festung noch etwas ansehen und etwas frische Luft schnappen": verabschiedete er sich schließlich. Er wollte keine Antwort von ihr haben. Sie hatte ihren Standpunkt ohnehin klar genug gemacht.

    [Dreveni]
    Er ließ sie einfach stehen. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Genauso wie damals, als sie die Ashländer vor den Söldnern gerettet hatten. Problem? DU bist mein Problem., dachte sie, und rief ihm hinterher: "Wir sind noch nicht fertig, ihr werdet jetzt nicht...!", doch da hatte er die Türe schon hinter sich geschlossen. Bevor sie noch richtig merkte, was sie tat, hatte sie den Dolch in der Hand und Richtung Tür geworfen, in der er jetzt zittern steckte. "SCHEISSE!", fluchte sie laut und sah sich um, aber es war nichts unmittelbar greifbar, was sie ebenfalls an die Tür schmeißen konnte. Sie stand immer noch mitten im Raum und atmete ein paar Mal tief durch, wurde aber nicht wirklich ruhiger dadurch. Schließlich ging sie zur Tür und zog den Dolch mit Schwung heraus und steckte ihn wieder in die Scheide an ihrem Gürtel. Wenn sie hier noch weiter in diesem Zimmer war, würde sie noch explodieren, anstatt sich zu beruhigen, und so verließ sie ebenfalls die Kammer, inzwischen sollte der Heiler wohl weit genug weg gegangen sein, dass sie ihn nicht mehr sehen mußte. Hier draußen unter Anderen war sie gezwungen, sich zumindest äußerlich zusammen zu nehmen, was sich meistens auch auf ihre Stimmung auswirkte.
    Fast automatisch schlug sie den Weg auf das Dach der Festung ein, bis ihr einfiel, das Tirian etwas von frischer Luft gesagt hatte. Nun ja, sie würde ihm schon ausweichen, aber sie mußte jetzt ebenfalls hier raus.

  7. #7

    Weidenländer, Falensarano

    Tirian hörte nur noch kurz ein Geräusch an der Tür, ansonsten war er auch schon weg. „Eine Mörderin! Wie konnte ich nur auf diese Idee kommen“: fragte er sich immer wieder und wies sich selbst im nächsten Moment zurecht. Er wusste nur zu gut, dass das zu einfach wäre. Es wäre so einfach, wie Lyviani sich vielleicht wünschte, dass sie wäre. Das war sie aber nicht und er konnte das spüren. Er wünschte sich selbst, dass es einfach wäre. Jetzt noch mehr als zuvor. Das sie wieder nur die angeheuerte Söldnerin für ihn wäre. Davor hatte er sie nicht einfach benutzen können, das lag nicht in seiner Natur. Und jetzt? Noch weniger. Der Heiler schüttelte den Kopf. „Was soll das nur werden? Wir sind so verschieden“: überlegte er und sah die Chancen schwinden Tarrior tatsächlich aus Tel Uvirith zu befreien. Sie konnten wenn es drauf ankam zusammenarbeiten, aber in ihren Methoden und ihrem Handeln unterschieden sie sich grundlegend, weshalb Tirian große Zweifel hatte, ob dieser Zweckbund halten würde. Ihn beschäftigte dabei auch, wie sehr er ihr überhaupt vertrauen konnte. „Was weis ich schon über sie“: ging es ihm durch den Kopf. Er wusste genug, um zu sagen, dass sie wenige Skrupel kannte und bereit war für Geld zu töten ohne Fragen zu stellen. Wenn Meradanz ihr nun Geld für ihren Verrat anbot? Würde sie das ausschlagen? Oder würde sie ihn und Tarrior hintergehen? Er konnte es nicht wissen. Die Zweifel hatten sich jetzt innerhalb der letzten Stunden verstärkt. „Du konntest ihr schon zuvor nicht vertrauen“: erinnerte er sich selbst und doch war diese Drohung am Esstisch doch eine andere Qualität. Er schüttelte den Kopf. Er hatte Lyviani versprochen nicht weiter Feryn nachzusinnen, obwohl ihm das gerade als Schlüssel zu ihr erschien. Er würde sich an sein Wort halten. Wahrscheinlich war es auch besser für sie Beide, wenn er das Thema ruhen ließ. „Ich muss mit ihr noch einmal darüber sprechen“: entschied er. Feryn würde ihn nicht interessieren, aber er musste wissen, ob er sich auf die Assassinin verlassen konnte. Diese Gedanken und noch andere beschäftigten ihn, als er ein wenig durch die Festung streunte.

    Irgendwie war er auf der untersten Ebene angelangt. Tirian war jetzt wohl in dem Teil der Festung, der direkt über der Kanalisation lag. Eine Tür stand offen. Er ging heran und lugte hinein. Ein paar nackte Menschen und Elfen, die sich in Zubern oder sitzend neben einem Eimer abschruppten, deuteten auf den Waschraum der Festung hin. Offenbar verfügten nur wenige Quartiere über einen eigenen Zuber. Einige Türen weiter waren Sklaven damit beschäftigt Wäsche zu waschen und offenbar waren die kleinen Katen hier, die kaum größer waren als Besenkammern, wohl auch deren Unterkünfte. In einer großen Zelle im hinteren Teil der unteren Ebene saßen sogar noch mehr von ihnen ein. Tirian war angewidert. Das Haus Dres, aus dem er stammte, war auch eines der größten Häuser von Sklavenhaltern. Er war damit aufgewachsen, doch mussten ihre Sklaven nie unter solchen Bedingungen hausen. Er wandte sich abgestoßen ab. Plötzlich überfielen ihn Kopfschmerzen für einen Moment tauchten Bilder in seinem Kopf auf – zu schnell um sie richtig zuordnen oder erkennen zu können. Er musste sich an einer Wand abstützen. Dieser Keller der Festung kam ihm auf einmal furchtbar eng und stickig vor. „Ich muss hier raus“: war das Einzige was er dachte, als er sich zu der Treppe zurückbewegte, die er herunter gekommen waren. Wieder Schmerz, wieder Bilder. Er krümmte sich im Stehen. Musste sich wieder abstützen. Es war als bohrte irgendetwas in seinem Verstand. Kalter Schweiß lief ihm seinen ganzen Körper herunter. Ein Blick auf seine Hände verriet ihm, dass er inzwischen alle Farbe verloren hatte. „Was ist los? Mir ist so schwindlig“: keuchte er und schaffte es schließlich doch zur Treppe. Sie erschien ihm unendlich lang zu sein und seine Beine fühlten sich an, als bewegte er sich unter Wasser. Schließlich schaffte er es hoch. Das Gefühl wich langsam und doch rannte er nun, sah noch eine letzte Tür und stieß sie auf. Der sternenklare Nachthimmel über ihm mit einem Meer aus weißen Punkten und die frische Luft der Weidenländer begrüßten ihn. Er hielt einen Moment im Türrahmen inne und atmete hektisch tief ein und aus. Langsam beruhigte er sich. Es war offenbar spät geworden. Bis auf die allgegenwärtigen Wachposten war niemand mehr zu sehen. Offenbar hatten sich die meisten der hier oben in Zelten ausharrenden Leute bereits zu Bett begeben. Ihm war das nur Recht er wollte allein sein und wollte Ruhe haben, um noch etwas nachzudenken. Auch wollte er Lyviani Zeit geben, auch sich noch zu beruhigen. Er schlenderte ein wenig über das Plateau und genoss die Nacht.

    Tatsächlich beschäftigte ihn nicht nur die Frage nach der Zuverlässigkeit der Assassinin, sondern wenn er ehrlich war, fragte er sich, wie er persönlich zu ihr stand. Das Gefühl des Gemeinsamen war nach den letzten Kämpfen und Erlebnissen stark geworden. „Freundschaft mit einer Meuchelmörderin“: sagte er sich und lächelte dann schief in den Nachtwind hinein. „Kein Mensch, kein Mer ist nur gut und auch nicht nur schlecht“: sagte er sich wieder. Er wusste das Lyviani mehr war, als sie vorgab zu sein, als sie vielleicht sein wollte. Und er musste sich eingestehen, dass da mehr war, als nur ihre Geschäftsbeziehung. Gerade als er an die Enttäuschung denken musste, die ihn bei den Worten seiner Begleiterin überkommen hatte, wusste Tirian das es so war. Er konnte sich nicht selbst belügen. Er seufzte und setzte sich auf einen Haufen Säcke. Der körnige Inhalt mochte Weizen oder Salzreis sein. Sie waren weich. Er lehnte sich zurück und schaute in den Himmel. Seine Gedanken pendelten zwischen der Aussprache, die er unbedingt mit Lyviani führen musste, damit er wusste, woran er bei ihr war, und seinem Vater. Der Heiler hoffte inständig das Tarrior noch am Leben war. Er hatte das nie in Frage gestellt, hatte einen Tod nicht einmal in Betracht gezogen und doch war er sich nicht sicher, was das anging, denn schließlich gab es weder einen Anlass zu glauben, dass er noch am Leben war. Allerdings gab es auch keinen Grund dafür vom schlimmsten auszugehen. „Außer der besonderen Skrupellosigkeit des Telvanni“: wie sich der Heiler gedanklich selbst ergänzte. Er verdrängte dies schnell. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte. Er klammerte sich daran. Ein Moment der Leere trat in seinem Verstand ein, als er diese ganzen Probleme zur Seite schob. Über sich rückte der Nachthimmel mit seinen Myriaden von Sternen und den zwei Monden Masser und Secunda in den Fokus. Ganz von dem hypnotischen Anblick betäubt, wurden seine Augenlider schwerer und schwerer. Ruhe überkam ihn. Tirian schlief ein.

    Ein Gang. Ein dunkler Gang. Die Luft war kühl und schal wie in einer Gruft. Vorsichtig machte er einen Schritt in die Dunkelheit. Der Ton unter seinen Stiefeln war metallisch. Er beugte sich herab. Seine Hände glitten über einen kalten, eisernen Boden. Einzelne, metallene Platten. Als kleine, runde Erhebungen fühlte er die Nieten unter seinen Fingern, die die Platten im Boden verankerten. Ein Lufthauch fegte durch den Korridor, wirbelte Staub ihm herum auf. Die Luft wurde stickig, ekelhaft am Boden. Er erhob sich wieder. Sich blind voran tastend ging er weiter. Hielt sich an der Wand und benutzte ein metallenes Rohr, das dort entlanglief, um sich Halt zu verschaffen. Zeitlos, sich zur Ewigkeit hin dehnend irrte er so voran. Er wusste schon nicht mehr wo genau er hin wollte. Warum ging er durch diesen Gang? Er hatte keine Ahnung. Erst nach Ewigkeiten angestrengten Nachdenkens wurde ihm wieder bewusst, dass er eigentlich nach einem Ausgang suchte. Er suchte nach einem draußen, das aber genauso gut drinnen liegen konnte. Die Röhre machte eine Biegung. Er wollte sich von dieser Eisenrinne, die ihm Halt und Sicherheit im Dunkel vermittelte, nicht trennen. Das seelenlose, kühle Metall, die raue Oberfläche, die eingravierten Runen, all dies war ihm ein Anker in der Finsternis. Ein Zeichen, dass er noch da war und einen Körper hatte. Das er nicht einfach durch das große Nichts jenseits Nirns wandelte. Das Rohr war sein Freund und er folgte ihm. Irgendwo hin mochte es ihn doch führen. Er hoffte es inständig.

    Da war ein Geräusch! Ein Schaben und dann Schritte. Sie verklangen in der Entfernung. Umgehend blieb er stehen. Nein er hatte sich nicht verhört. Er kannte alle Geräusche seiner Umgebung. Er kannte das Geräusch seiner Schritte und das Schaben seiner Sohlen am Metall. Er kannte seinen Atem und die knarrenden Geräusche, die der Gang selbst ab und an von sich gab, als würde er sich strecken und seufzen. Das waren andere Schritte. Jemand hatte sich herumgedreht und war weggegangen. Er folgte dem Geräusch nun schneller und versuchte es einzuholen, wieder kam er an eine Biegung. Eine Kreuzung, wie er dann feststellte. Die Geräusche bewegten sich rechts von ihm. Er musste sein Rohr loslassen. Er tat es schweren Herzens, aber es war besser als noch eine halbe Ewigkeit durch die Dunkelheit zu irren. Zitternd verließ er seinen Halt und wandte sich nach Rechts. Hier war keine Röhre mehr sondern nur noch der kalte, leblose Gang. Nun lief er schneller. Immer den Geräuschen in der Entfernung nach, bis sie irgendwann verstummten und er in absoluter Finsternis verloren war. Hektisch sah er sich um. Suchte nach einem Anhaltspunkt und doch verlor sich alles, was nicht direkt in seiner Nähe war in völliger Schwärze. Dann hörte er wieder etwas. Nur ein kleiner Schritt. Er wandte sich nach links. Und dann plötzlich wurde es hell. Ein grünes, gedämpftes für ihn aber unverstellbar helles Licht illuminierte den Gang zu seiner linken. Er sah einen schemenhaften Umriss dort stehen. Langsam ging er auf ihn zu. Die Konturen wurden etwas schärfer. Die Person war in figurbetontes Leder gehüllt. Es handelte sich dabei um eine Frau, die mit dem Rücken zu ihm stand. Ihr Körper war gespannt. Der Kopf befand sich zwischen den vor Anspannung hochgezogenen Schultern. Sie atmete schwer und deutlich erkennbar. Langsam näherte er sich von hinten. Kurz bevor er sie erreicht hatte, drehte sie sich um. „Lyviani“: sagte er überrascht und da wurde es gleißend und er bedeckte seine Augen.

    Als er sie wieder öffnete befand er woanders. Es war eine Kammer mit gemauerten Wänden. Völlig anders als der Korridor zuvor. Fackeln erhellten den Raum flackernd und mehr spärlich als wirklich ausreichend. Er wollte sich gerade umschauen, als ein Schrei ertönte. Er wandte sich der Richtung zu aus dem er gekommen war. Er trat hinter einer breiten Steinsäule hervor und sah wieder die Frau in der Lederrüstung. „Lyviani“: flüsterte er. Doch was tat sie da. Er ging noch etwas um die Säule herum, um besser sehen zu können. Was er dort sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Ein Dunmer mit schwarzen Haaren und völlig zerschnittenem Gesicht hing an zwei Ketten von der Decke. Die Assassine malträtierte ihn mit ihrem Stilett. Immer wieder schrie er auf, wenn die Frau zustach. Ein blutiges Messer, das sie wohl schon benutzt hatte, nahm sie zur Hand und rammte es ihrem Opfer mit einem kräftigen Hieb etwas unterhalb des Brustbeins in den Oberkörper. Als sie damit begann ihn von oben nach unten aufzuschlitzen, löste sich seine Starre und er griff er ein. „Nein!“: schrie er und stürzte nach vorne. Er packte ihrem Arm. Versuchte sie zurückzuhalten. Mit blutverschmierten Händen drehte sie sich langsam um. Als er ihr Gesicht sah, ließ er sie los und trat vor Schreck mehrere Schritte zurück. Ihrem Gebiss entsprangen etliche spitze Zähne, die sie mit einem kühlen Lächeln zur Schau stellte. Ihre Augen brannten regelrecht und aus ihrer Stirn wuchsen zwei spitze Hörner. Sie sah aus wie eine Dremore. „Was ist? Gefalle ich dir etwa nicht?“: fragte sie und trat näher auf ihn zu. „Du… du…“: stammelte er. Ihr Lächeln wurde breiter, eine Spur dämonischer. Sie leckte sich Blut von der Hand. Er war absolut sprachlos. „So überrascht? Du wusstest doch was ich bin“: sagte sie und stand nun direkt vor ihm. Sie streichelte seine Wange mit blutigen Fingern. „Du was bist?“: fragte er zweifelnd. „Armer Kerl. Er hat um sein Leben gebettelt. Es war mir eine Freude ihn auszunehmen“: ignorierte sie seine Frage. „Du bist grausam“: brachte er hervor. „Sag schon was du wirklich denkst“: verlangte sie und fixierte ihn nun unerbittlich. „Was soll ich sagen?“: wollte er wissen. „Du weist es nur zu gut“: sagte sie und nahm seine Hände. „Ich weis, was du denkst. Sag es!“: fordert sie. Er schüttelte den Kopf. „Nein, das stimmt nicht“: beharrte er. „Ich weis und du weist es“: sagte sie kalt und hob seine Hände mit den ihren an. „Ich bin ein Monster“: sagte sie und legte seine Hände an ihren Hals.

    Wieder wurde es hell. Die Kammer verschwand und im nächsten Moment fand er sich in den Weiten der Weidenländer wieder. Er kannte diesen Ort. „Das kann unmöglich sein“: schoss es ihm durch den Kopf. Wieder stand er da und hatte seine Hände um Lyvianis Hals geschlossen. Doch diesmal hielt sie sie umfasst. „Los töte mich!“: befahl sie. Er schüttelte energisch den Kopf. „Ich bin ein Monster. Du musst mich töten“: verlangte sie. Er weigerte sich noch immer. Seine Hände zitterten. „Denk nur an all die Menschen und Mer, die ich getötet habe. An all diejenigen, die noch durch meine Hand sterben werden“: sagte sie. „Dieser köstliche Augenblick, wenn das Leben aus ihnen weicht – wenn sie betteln und ihr Schicksal absolut in meiner Hand liegt“: erzählte sie weiter. Zunehmend spürte er Ekel. Sie schrie ihn an. Befahl er die Bestie, die er so gepackt hatte, zu würgen bis sie tot war. Das Monstrum zur Strecke zu bringen. „TÖTE MICH!“: verlangte sie immer wieder. „NEIN!“: schrie er immer wieder. „Ich werde dich schlachten“: drohte Lyviani schließlich. Ihre Hände lösten sich von seinen und griffen an seinen Hals. Sie drückte zu. Er röchelte, bekam keine Luft mehr. „Los töte mich, bevor ich dich töte“: sagte sie. Er versuchte zuzudrücken. Schaute in ihr Gesicht. Sah plötzlich Bilder von ihr aufblitzen, wie sie kurz vor dem Aufwachen aussah. Erinnerte sich an die Nacht im Aschländerlager. Seine Hände versagten ihm den Dienst. „Ich kann es nicht tun“: brachte er schließlich unter Tränen hervor. Der Druck um seinen Hals verschwand schlagartig. Die Weidenländer verschwanden und wichen einer anderen vertrauten Umgebung – ihre Unterkunft in der Dunmer-Festung.

    Er atmete durch. Lyviani war nicht mehr zu sehen. Er schloss für einen Moment die Augen, doch dann bemerkte er wie sich zwei Arme von hinten um ihn schlangen. Sofort versteifte sich sein ganzer Körper. Ein Kopf legte sich auf seine Schulter. „Wie verflucht naiv kann man eigentlich sein?“: hörte er Lyvianis Stimme. Sie war nicht wütend, sondern ganz sanft. Er verdrehte fast die Augen, um zu ihr hinüber zu schielen. In ihrem Dremorengesicht lächelte sie nun etwas verträumt und sanft. „Mein armer kleiner, naiver Tirian“: sagte sie und küsste ihn auf die Wange. Dann schnellten ihre Arme hoch. Die eine Hand packte seinen Kopf. Es ging zu schnell, als das er sich hätte wehren können. In der anderen blitzte der daedrische Dolch auf. Er spürte wie die Klinge durch seinen Hals schnitt. „Warum…“: keuchte er mit letztem Atem, bevor seine durchtrennte Kehle mit Blut voll lief. „Ich bin nun einmal ein Monster“: lachte sie.


    Schreiend schoss der Heiler in die Höhe. Seine Augen vor Schreck geweitet starrte er einen Moment in das Firmament über sich. Ein Söldner kam heran. „Alles in Ordnung“: fragte der bullige Mann. „Ja, ja… es geht schon. Ich dachte… ich…“: versucht er sich zu erklären. „Wenn Nichts ist, schlagt gefälligst auch keinen Alarm“: beschwerte sich der Kerl und wandte sich wieder ab. „Wenn doch bloß Nichts gewesen wäre“: wünschte sich Tirian, wenn er an diesen verrückten Traum dachte. Er bekam Kopfschmerzen. Es ging ihm nicht gut. Er erhob sich von den Säcken und wankte zum Rand des Plateaus. Von dort schaute er in die Nacht der Weidenländer hinaus und versuchte sich abzulenken, in dem er in der Entfernung ein Oblivion-Tor beobachtete.

  8. #8

    Weidenländer, Falensarano

    Als sie auf dem Weg zum Dach, aus der Festung heraus, war, kam sie an einer Art Halle vorbei, aus der sie das Klappern von Holzschwertern hörte, anscheinend übten hier die Söldner. Ihre Vermutung bestätigte sich, als sie in der Tür stehen blieb, und tatsächlich einen Übungsraum vorfand, in dem sich zwei Pärchen mit Holzschwertern duellierten, ein weiteres mit Dolchsimulatoren und einer auf eine Puppe aus Holz und Stroh einhieb. An der Wand stand ein Waffenständer mit weiteren Holz- und stumpfen Stahlschwertern.
    Alles in allem eine optimale Gelegenheit, um sich etwas abzureagieren, dachte sich Dreveni und trat kurz entschlossen durch die Tür und auf die Schwerter zu. Die skeptischen Blicke, die ihr von den Kämpfern zugeworfen wurden, entgingen ihr nicht, sah sie doch nicht sonderlich kriegerisch aus mit den offenen, langen Haaren und dem knöchellangen Kleid. Sie kümmerte sich nicht darum und griff nach einem Langschwert aus Holz, dass ihr in etwa bis zur Brust ging vom Boden aus, und somit etwas länger als ihr Vulkanglasschwert war. Sie hatte zwar einen tierischen Muskelkater, aber etwas Bewegung würde auch dagegen helfen. Etwas anders sah es mit der Prellung über ihren Rippen aus, aber dann war das eben Training unter erschwerten Bedingungen.
    Sie baute sich neben dem Mann auf, auf, der auf die Übungspuppe einschlug - ein Altmer wie die Söldnerin, der sie um fast zwei Köpfe überragte, und dessen sehnige Figur trotz seiner Schlankheit von Kraft zeugte - und sprach ihn an: "Ist es nicht langweilig nur auf das Ding da einzuschlagen?"
    Er hielt nur kurz inne, sah sie abschätzend an und erwiderte: "Besser als auf Frauen mit zu großen Schwertern.", und widmete sich wieder der Puppe.
    "Angst zu verlieren?", fragte Dreveni und warf ihm einen abschätzenden Blick zu.
    "Gegen eine Dunmer? Niemals.", antwortete er, wobei er immer noch auf die Puppe einhieb.
    "Das werden wir ja sehen.", sagte Dreveni, während sie seinen nächsten Hieb von der Seite her ablenkte, er und er sich endlich ihr zuwandte: "Wenn ihr darauf besteht...Sagt nachher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt."
    Lauernd, mit dem Schwert an der Schulter gingen sie ein Stück weg von den anderen um Platz zu haben, wobei in den Augen des Altmer immer noch zweifel standen, und die Hoffnung, sich seiner - seiner Meinung nach unfähigen - Übungspartnerin schnell zu entledigen.
    Der Altmer hatte einen recht offensiven Kampfstil, denn schnell hieb er von oben nach Dreveni, die ihm mit ihrer Klinge ins Schwert fiel und sie dann eindrehte, um einen Stich zu seinem Hals an seiner Klinge vorbei zu führen. Dieser kam auf die selbe Idee, und so war er immerhin langsam überzeugt davon, dass Dreveni schon mal ein Schwert in der Hand gehabt hatte. Diese Geplänkel gingen noch eine Weile hin und her, während beide versuchten, abzuschätzen, wie gut der jeweils andere war. Ohne sich abgesprochen zu haben, legten beide eher Wert auf Technik als auf Geschwindigkeit, was so gänzlich ohne Schutz auch nicht unvernünftig war, keiner von ihnen hatte Lust auf gebrochene Finger oder ein Schwert im Auge.
    Als sie sich beide schließlich schon mehrmals umgebracht hätten im echten Kampf, schlich sich langsam doch so etwas wie Achtung in den Blick des Altmers.
    Sie hätten noch eine Weile weitermachen können, da wurde er leider von jemandem außerhalb des Saales gerufen.
    "Vielen Dank für den guten Kampf.", sagte er bevor er sein Schwert in den Ständer stellte und sich zum gehen wandte.
    "Ebenso.", antwortete Dreveni lächelnd. Inzwischen war sie schon wieder etwas ruhiger und hatte auch vorübergehend sowohl Tirian als auch Feryn aus ihren Gedanken verdrängt.
    Sie sah noch eine Weile dem Pärchen mit den Dolchen zu, während sich doch wieder Tirian und Feryn in ihre Gedanken schlichen.

    Sie konnte immer noch nicht nachvollziehen, warum Tirian jetzt sich wieder so aufregte. Besser sie sagte ihm jetzt klipp und klar was Sache war, als dass sie nachher beide von den Morag Tong gefoltert wurden, weil er seinen Mund nicht halten konnte. Dreveni selbst wusste schon nicht mehr, wie viele ihr schon gedroht hatten, sie würden sie umbringen, wenn sie dieses oder jenes tat oder sagte. Und? So war das Leben eben, ihrer Ansicht nach.
    Wenn Tirian nicht verstand, dass nicht alle und jeder gute Absichten hatte, dann war das sein Problem.
    Unabhängig davon bereute sie es gerade, dass sie Feryn nicht einfach vor zehn Jahren schon umgebracht hatte, wie sie es hatte tun sollen. Dann wäre ihr einiges erspart geblieben. Nun ja, das war jetzt leider nicht mehr zu ändern, auch wenn sie nach wie vor nicht verstehen konnte, wie er seinen Gildenbrüdern von ihr erzählen konnte. Was zum Henker hatte ihn da nur geritten? Sie würde sich jedenfalls so schnell auf niemanden mehr in dieser Art und Weise einlassen, das würde doch nicht gut gehen. Selbst wenn er ihre Berufung teilte, wie Feryn es getan hatte, gab es doch nichts als ärger, und mit jemandem, der das nicht tat, gab es auch mehr als genug Probleme.

    Schließlich stellte sie das Holzschwert zurück und ging ebenfalls auf das Plateau oben auf der Festung. Die Türe fiel ihr leider etwas lauter ins Schloss, als beabsichtigt, da sie ihr aus der Hand rutschte, die noch müde von dem Übungskampf eben war. Oben angekommen schloss sie kurz die Augen und genoss die kühle Nachtluft,inzwischen war es ganz dunkel geworden und es hielten sich nicht mehr viele hier auf, bis auf die Wachposten, und eine Gestalt die am Rand des Plateaus stand und in die Tiefe sah. Im hellen Licht der beiden Monde konnte sie sehen, dass die Gestalt eine Robe trug, und auch von Statur, Haltung und Haaren sah sie verdächtig nach Tirian aus...

  9. #9

    Weidenländer, Falensarano

    [Tirian]
    Immer mal wieder huschten Schatten vor dem Tor vorbei. Vermutlich streiften Deadra in deren Nähe herum. Theoretisch konnte Mehrunes Dagon jederzeit Verstärkung für seine Armeen durch diese Tore schicken. Eine Schlacht war geschlagen und die Daedra vorerst zerstreut und doch konnten sie sich jederzeit neu formieren und neu verstärken, wenn man diese Tore nicht schloss. Doch ständig wurden Neue geöffnet und die Zahl der Verteidiger Nirns war begrenzt. Er fragte sich, wann oder ob diese Krise jemals vorrüber gehen würde oder ob sie mit einer ständigen Verbindung zum Reich des Vergessens leben mussten. Er hing eine Weile diesen Überlegungen nach und ob er sich wohl in Zukunft als Heiler den kämpfenden Truppen anschließen sollte. Er wurde dabei durch ein lautes Knallen unterbrochen. Er wandte sich zu dem großen Festungsgebäude um. Jemand war herausgetreten. "Verfluchte Bastarde. Könnt ihr nicht ruhig sein?!": ertönte es aus einem der Zelte. Scheinbar war jemand aufgewacht. Tirian kicherte. Allerdings verflog die kurzerhand gute Stimmung als er sah, wer da ins Freie getreten war. An ihrem Kleid war Lyviani auch im Dunkeln gut zu erkennen. In dieser Umgebung war sie wohl eine der wenigen Personen, die so etwas trug.

    Er sammelte sich noch kurz, stieß sich vom Geländer ab und ging langsam zu der Dunmer hinüber. Diese Gelegenheit war genauso gut, wie jede andere auch. Er schritt mit gesenkten Kopf auf sie zu. Als er vor ihr stand, schien sie etwas sagen zu wollen, doch er kam ihr zuvor: "Wir müssen reden."

    [Dreveni]
    Dreveni überlegte kurz, eine Erwiderung auf das Kommentar aus dem Zelt zu rufen, die sich gewaschen hatte, entschied sich aber dann dagegen. Sie hatte keine Lust darauf, sich mit den Söldnern anzulegen oder gar aus der Festung zu fliegen. Kaum war sie mit diesen Überlegungen fertig, trat auch schon Tirian auf sie zu, inzwischen war sie sich sicher, dass es der Heiler war. Nun war auch klar, dass er sie gesehen hatte, und die Chance wieder zu verschwinden war damit für Dreveni vorbei.
    "Wir müssen reden.", hörte sie ihn sagen. Sie sah ihm direkt ins Gesicht, durch das fahle Mondlicht wirkten seine Züge schärfer und ließen ihn älter aussehen, als er war. Seine Augen lagen im Schatten, so dass sie diese nicht erkennen konnte, aber der Ernst in seiner Stimme war ihr nicht entgangen.
    Ja, sie mußten reden, auch wenn es ihr überhaupt nicht danach war. So konnte es jedenfalls nicht weitergehen, waren sie doch irgendwie aufeinander angewiesen. Dreveni erwiderte nichts, sondern ging auf eine Ecke des Plateaus zu, wo sie möglichst weit von den Wachen und den Zelten entfernt waren, da sie keine Zuhörer brauchen konnte. In dieser Ecke lehnte sie sich an das Geländer, verschränkte die Arme und sah Tirian auffordernd an. Sie hätte fast den Anfang gemacht, aber mit ihrer direkten Art würde es vermutlich nur wieder neuen Streit geben, kaum dass sie drei Sätze gewechselt hätten, da Tirian wieder irgendetwas in den falschen Hals bekommen würde, fürchtete sie.

    [Tirian]
    Lyviani führte sie etwas abseits der Zelte, damit sie ungestört reden konnten. Während er ihr folgte, betrachte der Heiler ihren Rücken. Er musste wieder an seinen Traum denken. Es schauderte ihn noch immer. Ihm war gerade nicht wirklich wohl dabei alleine mit der Assassine zu sein. "Es war nur ein Traum": versuchte er sich zu beruhigen. Aber es stecke vielleicht doch eine gewisse Wahrheit darin und das machte ihm Angst. Als sie weit genug entfernt waren, lehnte sich die Dunmer an das Geländer. Sie schaute ihn auffordernd an. Er holte tief Luft, trat selbst an das Geländer heran und schaute hinaus in die Ferne. "Ich denke es ist besser, wenn ich gleich zum Punkt komme": meinte er und versuchte möglichst kühl zu klingen, auch wenn ihm das selbst so unmenschlich erschien. "Ich denke, dass es besser wäre, wenn wir festlegten, wie wir hier zu einander stehen, damit wir für den Rest der Reise miteinander auskommen können. Ich denke es ist meine eigene Schuld, dass ich diesen Fehler gemacht habe. Wahrscheinlich wäre es besser, wenn wir uns auf die geschäftliche Ebene reduzieren würden. Alles Andere scheint wohl nur naiv zu sein. Ihr seid eine gedungene Meuchlerin, ich bezahle euch und ihr helft mir dafür": sagte der Heiler und versuchte eher sich selbst klar zu machen, in welcher Situation er sich mit Lyviani überhaupt befand. "Ich hatte wohl die letzte Zeit wohl als persönlicher erachtet, als es gut gewesen ist und dabei das Eigentliche aus den Augen verloren. Verzeiht also auch, dass ich mich in eure Angelegenheiten eingemischt habe": sagte er weiter und starrte dann nur noch in die Nacht.

    [Dreveni]
    Tirian hatte sie kein einziges Mal angesehen, als er gesprochen hatte, das fiel Dreveni - abgesehen von seinem bemüht kühlem Ton - auf. Ihr Blick ruhte nach wie vor auf ihm, als sie antwortete: "Nichts anderes habe ich euch von Anfang an gesagt. Ihr solltet mir genau so weit trauen, wie der Auftrag geht, den ihr mir gegeben habt, und keinen Schritt darüber hinaus." War es das schon?, dachte sie sich. Dafür der ganze Streit vorhin?
    "Was ließ euch denn denken, dass es irgendwie persönlich ist zwischen uns?", sagte sie noch, noch bevor ihr wirklich bewußt wurde, dass das vielleicht keine gute Frage für den Moment war. Hoffentlich würde er jetzt nicht wieder mit dem Lager der Aschländer anfangen. Sie war nicht ganz bei sich gewesen, das war alles.

    [Tirian]
    Er nahm ihre Antwort mit einem Schulterzucken zur Kenntnis. Das hatte er zunächst auch gedacht und doch... Vielleicht hätte er einfach gar nie mit ihr reden sollen, sondern einfach nur schweigend neben ihr hergehen. Und dennoch hätte er auch so den Aschländern geholfen und hätte sie davon abhalten wollen Wehrlose zu töten. Ihre Frage brachte ihn etwas aus dem Konzept. So genau wusste er das auch nicht. Er fühlte nur eine gewisse Verbundenheit. Er setzte mehrmals an etwas zu sagen, aber konnte dann nur hilflos die Arme über das Plateau hinweg baumeln lassen. "Ich denke das Alles, irgendwie. Wir sind jetzt noch nicht solange unterwegs, aber wir haben gemeinsam zumindest schon Einiges jetzt durchgestanden... Ich denke sowas geht nicht so spurlos an mir vorbei": sagte er dann doch. Er hätte ihr ohnehin geholfen, auch weil er das von sich selbst verlangte, aber für Lyviani hatte er es gerne getan. Schlussendlich hatten sie gerade auch in der Gruft gut zusammen gearbeitet, auch wenn sie sich sonst nicht so grün waren. "Ach, bei Almsivi, ich weis es wirklich nicht. Aber ich kann nicht behaupten, dass mir euer Schicksal egal wäre": brachte er hervor und suchte sich dann am Horizont den feurigen Anblick des Oblivion-Tores wieder, auf dem er mit seinen Augen verweilen konnte.

    [Dreveni]
    Dreveni selbst war sich alles andere als sicher, wie sie zu Tirian stand. Sie wußte nur, dass es im Prinzip auch egal war, denn so oder so, es durfte nicht sein und würde auch kein gutes Ende nehmen. Auch hatte sie schon mit genug anderen zusammen gekämpft, um zu wissen, wie schnell das ein Gefühl der Verbundenheit schaffen konnte.
    Verflucht, sie hatte sogar mit genug Männern geschlafen, die ihr vorher nicht viel bedeutet hatten, und nachher, mit ein bisschen Abstand betrachtet, ebenfalls nicht. Es war nur eine kurzfristiges Gefühl aus dem Rausch des Augenblickes, diese Verbundenheit, das auch genauso schnell wieder verging. Nüchtern betrachtet waren all das nur kurze Momente, und nichts für die Ewigkeit, wenigstens aus ihrer Sicht.
    Während sie überlegt hatte, war sie neben Tirian getreten, stützte die Arme auf die Brüstung und sah ebenfalls in die Nacht.
    "Mein Schicksal?", sagte sie schließlich, "Ich habe euch doch schon einmal gesagt, dass ich meinen Weg frei gewählt habe. Es war meine Entscheidung, mit der ich jetzt leben muß, genauso wie mit jeder die ich danach getroffen habe und mit ihren Konsequenzen." Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die der Wind ihr vor die Augen geweht hatte, und sah den Heiler von der Seite her an.

    [Tirian]
    "Ach die Sache. Nein, ich glaube nach wie vor nicht, dass ihr wirklich so seid wie ihr euch gebt. Aber das meinte ich auch nicht. Ich wollte sagen, dass es mir nicht mehr in einer distanzierten Art egal sein kann, wenn euch etwas zustößt, wisst ihr? Nicht so wie zuvor": erklärte er und holte noch einmal tief Luft. "Aber ich weis nicht, ob ich euch trauen oder mich auf euch verlassen kann. Ich habe Zweifel": sprach er die Gedanken aus, die ihm schon seit dem Essen bewegten. Noch immer hallte ihre Drohung in ihm nach und vermischte sich mit den schrecklichen Bildern aus seinem Traum. "Wie kann ich jemandem trauen, der mich wegen solch einer Kleinigkeit umbringen würde und sagt nicht, dass ihr das nicht so gemeint hättet. Die Art und Weise. Das sagt man nicht einfach so. Das war eine klare Drohung": meinte Tirian etwas angesäuert und fixierte weiter das Oblivion-Tor.

    [Dreveni]
    Auf den ersten Satz seiner Antwort musste Dreveni grinsen. Mochte er ihr auch nicht glauben, es wurde Zeit dass sie zu dieser Einstellung zurückfand, und ihrer Meinung nach war sie auf dem besten Wege dahin. Als er weitersprach, verschloss sich allerdings ihr Gesicht, und sie sah wieder gerade aus, wo sich das Obliviontor am Horizont befand.
    "Das war eine klare Drohung, und es war keine Kleinigkeit." Sie machte eine kurze Pause, während sie nach Worten suchte, und sich kurz umblickte, ob wirklich niemand in der Nähe war. "Ihr wisst doch, ich habe von der Dwemer-Ruine erzählt. Das Ganze nahm seinen Anfang in der Taverne in Molag Mar und es hat nicht mehr als diesen Namen, meinen Namen und die Erwähnung eines Briefes gebraucht. Wobei vermutlich sein Name alleine schon gereicht hätte. Es war pures Glück dass ich nur mit ein paar gebrochenen Fingern und zwei Schnitten da wieder raus gekommen bin.", erklärte sie Tirian, wobei die Verbitterung in ihrer Stimme deutlich zu hören war.
    Sie mochte sich immer noch nicht ausmalen, was noch alles passiert wäre, wären Erynn und Arranges später oder gar nicht aufgetaucht.
    "Vielleicht war ich etwas zu... direkt, aber man weiß nie, wer alles zuhört.", fügte sie noch leise an. Und glaub mir, wenn die uns erwischen sollten, wäre dir mein Dolch im Herz tausend mal lieber, als das was uns dann erwarten würde.

    [Tirian]
    Langsam begriff er, warum sie so sehr darauf bedacht war, dass der Name nicht erwähnt wurde. Allerdings verstand er immer noch nicht, was genau es damit auf sich hatte. Beim Aufwachen hatte sie sogar noch recht glücklich ausgesehen, als sie ihn aussprach. Er konnte das nicht zuordnen. Er beließ es aber auch dabei. "Das tut mir sehr leid": antwortete der Heiler dann. Und direkt war sie tatsächlich gewesen, geradezu furchteinflößend. "Allerdings droht mir nie wieder und schon gar nicht so": sagte er dann. Er fügte Nichts weiter hinzu. Er wollte diese Sache abschließen, auch wenn ihm der Traum immer noch nicht aus dem Kopf kam. "Ich denke wir haben die Sache soweit geklärt. Tel Uvirith - wir retten meinen Freund, ihr kriegt euer Geld und dann müssen wir uns nie wieder sehen": sagte er kühl. "Ihr könnt gehen. Ich bleibe noch hier oben. Ich muss über Einiges nachdenken": sagte er schließlich.

    [Dreveni]
    Dreveni rollte mit den Augen, als Tirian schon wieder meinte, es würde ihm leid tun. Dadurch änderte sich genau nichts an dem was geschehen war.
    Seine weiteren Worte und vor allem sein kühler Tonfall versetzten ihr einen Stich, was sie komplett überraschte. War es schon so weit, dass er sie durch bloße Worte verletzen konnte? Sie hatte schon früh gelernt, darauf zu achten, wenn sie sich mit mehr als professionellem Interesse von etwas einfangen ließ, und so entging es ihr auch jetzt nicht. Was ihr auch bei Feryn schon früh genug aufgefallen war, ihr aber damals nichts geholfen hatte, da sie es nicht hatte sehen wollen.
    "In Ordnung.", sagte sie schließlich ebenso kühl. "Hebt euch nur euer 'Es tut mir leid' in Zukunft für jemanden auf, der damit auch etwas anfangen kann. Ich brauche euer Mitleid nicht."
    Dann drehte sie sich um und ging davon, ohne ihn noch einmal anzusehen.

    [Tirian]
    "Es ging nie um Mitleid": murmelte er. Es ging immer nur um Verständnis und Anteilnahme, die aus dem Verständnis erwuchs. Es ging also nicht darum, dass sie Mitleid brauchte, sondern das er, wenn wahrscheinlich auch nicht völlig, so zumindest in Ansätzen begriff, was sie bewog. Tirian schaute in die Ferne. Sie war hart zu sich selbst und erwartete diese Härte auch von anderen. Der Heiler hielt dies für einen Irrweg, aber er würde mit ihr nicht darüber reden. Es war besser, wenn er jetzt schwieg, wenn es um so etwas ging. Er musste sich jetzt wieder mehr auf Tarrior konzentrieren. Seines Vaters wegen war er hier! "Morgen werden wir die Vorräte aufstocken und die Ausrüstung in Ordnung bringen und uns dann wieder auf den Weg machen": entschied Tirian. Sie hatten sich ausgeruht und nach Tel Uvirith war es noch ein Stück. Sie konnten nicht noch mehr Zeit vergeuden. Schlussendlich löste er seinen Blick auch vom Oblivion-Tor und wandte sich wieder dem Festungsgebäude zu. Da er ohnehin nicht allzu erpicht darauf war, sich in nächster Zeit schlafen zu legen, konnte er genauso gut seine schmutzige Wäsche im Festungskeller reinigen und damit beginnen sie zu flicken. Auch sein Schwert konnte durchaus eine Reinigung und etwas Aufmerksamkeit gebrauchen, aber darum konnte sich dann noch ein Schmied kümmern. Er hatte sowieso die Vermutung, dass die Mitternacht längst weit überschritten war und der Sonnenaufgang ohnehin schon näher rückte. Langsam und ohne Hast schlenderte er zum Zugang zurück.
    Geändert von KingPaddy (04.06.2013 um 10:08 Uhr)

  10. #10

    Weidenländer, Falensarano

    Dreveni ging auf direktem Weg zu ihrer Kammer, und sah kaum nach rechts oder links unterwegs. Sie ärgerte sich über Tirian, was er auf einmal für einen Ton anschlug, und darüber, warum sie sich daran so störte. Wer war er denn überhaupt? Irgendein weltfremder Heiler, der Angst hatte, Entscheidungen zu treffen und lieber wartete, bis das Schicksal alles für ihn entschied. Ihre Laune, als sie ihr Zimmer betrat, war wieder fast genauso schlecht wie vorhin, als sie an dem Übungsraum vorbeigekommen war.
    Außerdem juckte ihr Arm tierisch, da fiel ihr Blick schon auf den Heiltrank, den Tirian vorhin neben sie gestellt hatte. Sie sah noch einmal auf die Kratzer, die noch genauso rot wie vorhin waren, öffnete das Fläschchen und roch vorsichtig daran, wobei sie gleich das Gesicht verzog. Nun ja, es half ja nichts, und mit Todesverachtung trank sie den Inhalt, wobei sie noch angewiderter schaute. Aber es schien zu wirken, jedenfalls merkte sie ein eigenartiges Kribbeln in ihrem Körper und das jucken schien nachzulassen. Sie stellte das leere Fläschchen auf einen Tisch und nahm dann ihre schmutzige Kleidung, Sie musste ja nicht nur gewaschen werden, sondern sollte auch wenigstens halbwegs trocknen, bevor sie weitergingen.
    An sich hatte sie auf die weitere Reise so überhaupt keine Lust mehr im Moment, aber jetzt einfach zu gehen verbot ihr die Ehre ihres Standes. Nun ja, zumindest das, was ihr Mordan dazu beigebracht hatte, es hielten nicht alle Assassinen so, wie sie.
    Als sie wieder aus der Kammer trat und die Tür hinter sich schloss, fiel ihr erst auf, wie leer es jetzt in der Festung war. Es musste jetzt schon nach Mitternacht sein, und selbst der Betrunkenste würde schon schlafen.
    Schließlich kam sie doch noch an einer Wache vorbei, die ihr die Auskunft gab, dass die Waschräume auf der untersten Ebene lagen. Auf dem Weg dorthin hatte sie wieder das ekelhafte Gefühl, dass sie jemand von hinten beobachtete. Es war so stark, dass sie stehenblieb und sich vorsichtig umsah, sie konnte allerdings niemanden sehen, und der Gang bot auch keine Möglichkeit, sich zu verstecken. Gehört hatte sie auch nichts. Nachdem sie für ein paar Augenblicke lauernd im Gang gestanden war, ging sie weiter, nachdem sie verwirrt den Kopf geschüttelt hatte.
    Du wirst paranoid.
    Und auch wenn sie nicht glaubte, dass wirklich jemand hinter ihr war, ging sie extra leise weiter, aber auch so konnte sie keine Schritte hinter sich hören, wie sie ein Unsichtbarer trotzdem noch verursachen konnte. Der beste Zauber half nichts, wenn man nicht gut im Schleichen war. Als sie nach der Beschreibung der Wache den Waschraum erreichte, war sie sich sicher, dass sie sich alles nur eingebildet hatte. Die nur spärlich erleuchtete Umgebung mochte ihr übriges tun, auch wenn sie normal wenig empfänglich für solche Dinge war.

    Der Waschraum selbst war groß und um diese Zeit ebenfalls nur spärlich von Öllampen und Fackeln erleuchtet. Über einem Feuer, das in einem Kamin an der Wand brannte, hing ein Kessel, in dem sich noch heißes Wasser befand. Bei der Menge in dem Topf bestand auch so bald nicht die Gefahr, das alles komplett verdampfte.
    Sie legte ihr Sachen auf einen kleinen Tisch und schritt die Waschzuber ab, bis sie einen fand, in dem noch relativ saubere Seifenlauge war, die allerdings relativ kalt war.
    Seufzend ging sie zum Kamin und schleppte - Griff mit einem Lumpen umwickelt - den schweren Topf zu dem Zuber und goss vorsichtig etwas von dem heißen Wasser dazu, bis die Brühe ausreichend warm war. Als sie den Topf wieder über das Feuer gehängt hatte, warf sie ihre Sachen in den Zuber, und rührte mit Hilfe einer dicken Holzstange, die daneben stand, einmal kräftig um. Es würde nicht schaden, wenn das Ganze erst mal etwas einweichen würde, und so setzte sie sich auf den Tisch, auf dem ihre Sachen gerade noch gelegen hatten. Es war absolut still hier unten um diese Zeit, was sie gerade auch so überhaupt nicht störte. Sie saß da und versuchte, an nichts zu denken, vor allem nicht an Tirian. Es wollte ihr nicht so recht gelingen, da lenkte sie ihre Gedanken wieder einmal zu Erynn. Es hätte sie nicht überrascht, wenn die andere doch einmal vor ihrer Tür bei Cheydinhal stehen würde, gerade nach dem, was sie der Echse angetan hatte. Was war eigentlich aus Arranges geworden? Sie schüttelte unwillig den Kopf, auch der Magier stand auf er Liste der Leute, an die sie jetzt nicht unbedingt denken wollte. Sie hoffte nur, dass Erynn ihm nicht wieder in die Arme gelaufen waren, sonst sah es düster für ihre weitere Zukunft aus.
    Dreveni hätte nicht sagen können, wie lange sie hier gesessen und ihren Gedanken nachgehangen war, als plötzlich eine Stimme hinter ihr erklang: "Dreveni. Feryns ••••."

    Sie sprang erschrocken auf, noch ohne sich umzurehen, und dieses mal war es Dreveni, der alle Farbe aus dem Gesicht wich, und fast das Herz stehenblieb. Wie konnte das sein? Dieses mal hatte sie nicht ein verfängliches Wort gesprochen, und nur an ihrem Aussehen konnte es keiner festmachen. Einen Moment später hatte sie sich soweit gefangen, dass sie sich langsam umdrehen und dabei eine möglichst unbeteiligte Miene aufsetzen konnte: "Bedauere, ihr..." müsst mich verwechseln., wollte sie sagen, aber da erkannte sie den Dunmer auch schon. Ihr schwindelte fast, als sie wieder die Szene aus Molag Mar vor sich hatte, und die beiden Dunmer, die neben ihr an dem Tisch Karten gespielt hatten. Es gab keinerlei Zweifel daran, dass sie einen von den beiden vor sich hatte. Jenen, der auch in der Ruine vor ihr gestanden war. Wie hatte er entkommen können? Und warum hatte sie nicht wenigstens die Ruine nach den Leichen der Dunmer abgesucht, die ihr bekannt waren? Er musste vorher noch gegangen sein, schossen ihr die Gedanken wild durcheinander durch den Kopf.
    Der Assassine vor ihr schien sich an ihrer Sprachlosigkeit und ihrem verwirrten Gesichtsausdruck zu laben, denn er stand nur ruhig da, einen verzierten und kostbar wirkenden silbernen Dolch mit gebogener Klinge in der Hand, und sah sie mit einem sadistischen Lächeln an. "Damit hättet ihr nicht gerechnet, nicht wahr?" unterbrach er schließlich das wirre kreisen ihrer Gedanken. Seine Stimme klang ruhig und fest, außerdem lag eine Genugtuung in ihr, als hätte er nur auf diesen Augenblick gewartet. "Damit, dass jemand entkommen ist. Ich habe gesehen, was ihr angerichtet habt. Und glaubt mir, es hat mir nicht gefallen." Dabei trat ein boshaftes und rachsüchtiges Funkeln in seine Augen. "Ich war nur kurz weg, und als ich wieder kam... ", fuhr er fort. Dreveni stand immer noch wie gelähmt vor ihm, während sie überlegte, was sie tun sollte. Nach Hilfe rufen? Wachen hatte sie hier unten nicht wirklich gesehen. Und außerdem hatte ihr Mordan doch wenigstens Grundlegendes über die Morag Tong erzählt. Es war hier wohl nicht wie in Cyrodiil, unter gewissen Umständen durften sie hier sogar offen morden. Der Weg zur Tür war ihr ebenfalls versperrt, da der Mörder genau zwischen ihr und selbiger stand. "Gerade Llevas hättet ihr besser nicht so zugerichtet." Auf ihren fragenden Blick fuhr er sich kurz mit seinem Dolch vor der Stirn entlang und da wusste sie, wenn er meinte. Der Dunmer, der seine schmierigen Finger an ihr gehabt hatte, und dem sie die Verzierung in das Gesicht geschnitten hatte.
    Bei allen Daedra, nimmt dass denn gar kein Ende? Sie fragte sich gerade, wieso er ihr bisher in der Festung nicht aufgefallen war. Alles an dem Mann schrie Assassine, von dem kurzen, dunkelgrauen Umhang mit der weiten Kapuze, der dunklen, leichten Lederrüstung bis zu den leichten Schuhen und dem Dolch. Und sein Gesicht erst, dass sie ganz genau kannte. Das hieß, er war gut, wenn er sie die ganze Zeit dermaßen unaufällig beobachtet hatte.

    Inzwischen hatte sie sich soweit gefangen, dass sie zu ihrem Dolch griff, doch noch bevor sie ihre Hand auf den Griff legen konnte, schüttelte er nur leicht den Kopf: "Nicht doch. Oder wollt ihr sehen wie gut ich werfe und treffe?" Danach schwieg er und ging vor Dreveni auf und ab, ließ sie dabei aber nicht aus den Augen. Sie wußte worauf das alles abziehlte, und widerstrebend mußte sie zugeben, dass es sie schon nervös machen konnte. Jetzt war nur noch die Frage, ob er bloß auf Rache aus war, oder ihr wieder die gleichen Fragen stellen würe, auf die sie doch keine Antwort hatte. "Ich habe es Llevas schon gesagt.", sprach sie ihn schließlich leise an, als ihr sein Schweigen zuviel wurde. Sollte er doch denken, dass er mit seiner Taktik erfolg hatte und sie nervös wurde. "Er hat sie in Carmala versteckt. Wo er jetzt ist, weiß ich nicht. Solltet ihr ihn aber sehen, richtet ihm bitte noch Grüße von mir aus, bevor ihr ihn abstecht." Sie gab sich alle Mühe, möglichst überzeugend zu klingen, und beobachtete den Meuchler dabei genau. Der war stehen geblieben und strich gedankenverloren mit seinem Zeigefinger über die Klinge seines Dolches, als er sie abschätzend musterte, ohne ein Wort zu erwidern.

  11. #11

    Weidenländer, Falensarano, Waschküche

    Tirian beeilte sich nicht zurück in die Festung zu kommen. Er hoffte darauf, dass sich Lyviani vielleicht schon wieder hingelegt hatte. Ihn drängte es nicht, ihr nach dem letzten Gespräch noch einmal zu begegnen. Daher wäre es gut, wenn sie wieder schlief, wenn er seine Kleidung zum Waschen aus der Kammer holte. Er ließ sich daher auch Zeit ihre Kammer in dem Gewirr enger Gänge zu suchen. Die Zeit verstrich allmählich, aber länger konnte und wollte er sich auch nicht mehr herumdrücken ohne das es lächerlich wurde und lenkte seine Schritte schließlich doch noch zur Unterkunft. Die Festung war über die Nacht wirklich wie leer gefegt. Bis auf vereinzelte Wachen, die zentrale Punkte der Anlage bewachten, war kein Mensch, kein Mer zu sehen. Die Anlage machte geradezu einen eher trostlosen Anblick in der Nacht und man fühlte, dass die Festung eigentlich lange schon aufgegeben und verlassen worden war. Man sah es an dem rissigen Mauerwerk, den ausgedehnten Rußpuren der Fackeln an den Wänden und dem allmählichen Zerfasern des Holzes der Türen. Auch die Tür ihrer Kammer hatte schon bessere Zeiten gesehen und zeugte von den Jahren, in denen sie nun schon treu ihren Dienst verrichtete. Tirian stand etwas unschlüssig vor dem Raum. Er fragte sich, ob er wohl richtig gehandelt hatte. Es kam ihm selbst mies und schäbig gegenüber der Assassine vor, sie jetzt direkt so von sich zu schieben, allerdings war er dennoch davon überzeugt, dass er sich und ihr damit wohl doch einen Gefallen getan hatte. Lyviani hatte ja ohnehin durchblicken lassen, dass dies für sie sowieso nur eine reine Zweckgemeinschaft darstellte. Etwas das ihn gewissermaßen traurig machte, aber zugleich davor bewahrte, doch mehr Nähe in die gemeinsamen Erlebnisse der letzten Zeit hinein zu interpretieren, als es gut war. Und doch wollte dieses unbestimmte Gefühl nicht weichen ihr Unrecht getan zu haben.

    Er schüttelte den Kopf. Das brachte ihn im Moment auch nicht weiter. Er legte die Hand auf die Klinke und drückte sich vorsichtig nach unten, um möglichst wenig Lärm zu verursachen, für den Fall, dass sie doch schon schlief. Er öffnete die Tür und trat schließlich in die Kammer ein. Als erstes ging sein Blick zu den Betten, doch sie waren unberührt. Weitere Blicke in den Raum folgten, wobei der Heiler schnell feststellte, dass seine Begleiterin nicht da war. Er atmete hörbar erleichtert aus und machte sich daran seine Schmutzwäsche als auch die geschundene und wahrhaft abartig stinkende Robe aus der Ahnengruft zusammen zu suchen. Er packte alles zusammen, was irgendwie mit dem fauligen Miasma der Untoten in Kontakt gekommen sein konnte, ließ dabei seine Schwertscheide und das Schwert auch nicht aus und packte alles auf einen Haufen. Mit einigen Tritten brachte er den Stapel soweit zusammen, dass er ihn bequem hochnehmen konnte, ohne dass ihm alles auseinander fiel. Penibel achtete er auch darauf, dass die besudelten Kleidungsstücke sich im Inneren der Wäschekugel verbargen, die er nun mit sich herumtrug. Die Schwertscheide mit Inhalt balancierte er oben auf. Probeweise ging er einige Schritte auf und ab, um zu sehen, ob er genug Griff und Halt hatte und verließ dann, die angelehnte Tür jeweils mit dem rechten Fuß öffnend und schließend, die Unterkunft und begab sich auf den Weg in die unterste Ebene der Festung, auf der er schon zuvor am Abend gewesen war.

    Mit leichtem Schrecken dachte er nun daran wie elend es ihm in der früheren Nacht dort ergangen war. Langsam überkamen ihn Zweifel, ob er wirklich dorthin zurückwollte. Aber nun war er schon einmal mit einem Haufen stinkender Kleidungsstücke unterwegs und eigentlich wollte er auch herausfinden, was dort unten plötzlich mit ihm los war. Kopfschmerzen und seltsame Visionen überkamen jemanden nicht einfach so. So etwas hatte er bisher noch nie erlebt. Aber in letzter Zeit schien sich das zu häufen, zumindest in dieser Festung. „Diese schrecklichen Alpträume haben auch erst angefangen, nachdem wir hier angekommen sind“: überlegte er, aber verdrängte den Gedanken daran. Es erschien ihm lächerlich die Festung dafür verantwortlich machen zu wollen. „Vielleicht hat mich die Ahnengruft mehr mitgenommen als erwartet oder vielleicht auch das Alles“: dachte Tirian. Seit Wochen fürchtete er nun schon um das Leben seines Vaters und war mit Zweifeln und Sorgen geplagt. „Gewiss hinterlässt das seine Spuren“: versuchte er sich zu beruhigen. Er musste unwillkürlich an Hrotanda Vale denken. Auch diese Untoten verseuchte Ruine war schrecklich gewesen, aber tatsächlich hatte er danach kaum mit Alpträumen zu kämpfen. Scheinbar kratzten die Nöte der letzten Zeit doch an seiner Seelenruhe. Der Heiler glaubte erst wieder glücklich werden zu können, wenn sein Vater gerettet war und sie sich in Sicherheit gebracht hatten. Fern ab des Telvanni-Hexers am Besten. „Ja außer Reichweite seines langen Arms. Zu meiner Mutter nach Tränenstadt oder zu unseren Verwandten nach Hochfels“: dachte Tirian an die Zukunft. In diesem Moment erreichte er auch die Treppe, die ins Untergeschoss der Festung und somit zu den Waschräumen führte. Er wischte die Gedanken beiseite. Er brauchte die Konzentration um mit dem Wäschestapel vor Augen die Treppe herunter zu kommen, ohne hinunter zu fallen. Vorsichtig mit den Füßen tastend, nahm er eine Stufe nach der Anderen und kam tatsächlich unbeschadet in den Gewölben an.

    Der Raum in dem die Wäsche gewaschen wurde, befand sich in einigen Türen Entfernung dazwischen, so erinnerte sich der Heiler gab es noch zwei Räume, die er am frühen Abend geschlossen vorgefunden hatte und dann die Kammer, in dem sich die Söldner gewaschen hatte. Im spärlichen Fackellicht suchte er seinen Weg. Den Blick hielt er zur linken Seite gerichtet, um die Türen zu zählen. Als er an der zweiten Tür vorbeikam, schoss ihm wieder Schmerz durch den Kopf. Er musste sich beherrschen, um einen Aufschrei zu unterdrücken. Diesmal blieben die Visionen zwar aus, aber dafür verstärkte sich der Schmerz, umso weiter er voranschritt. „Was bei Almsivi ist das nur?“: fragte er sich. Inzwischen wankte er mehr, als das er ging. Der Heiler wollte dem Schmerz entkommen. „Nur noch die Wäsche ablegen und ich verschwinde“: entschied er. Hielt sich tapfer an der Wand bis er endlich die ersehnte Kammer mit einem Blick am Wäschestapel in seinen Händen vorbei erkennen konnte. Die Tür stand offen und es fiel Licht in den Korridor. Der Schmerzpegel nahm langsam wieder ab. Die Schmerzwellen, die zuvor durch seinen Kopf spülten, verschwanden auf einmal ebenso schnell wie sie gekommen waren. Vielmehr blieb ein andauernder, aber im Vergleich erträglicher Schmerz zurück, dem sich Tirian aber dennoch nicht länger als nötig aussetzen wollte. „Nur noch schnell die Wäsche ablegen“: ging es ihm durch den gepeinigten Kopf. Jedoch wurde er aus seinen Überlegungen gerissen, als er plötzlich Stimmen vernahm, die offenbar aus der Waschküche drangen.

    "… jemand entkommen ist. Ich habe gesehen, was ihr angerichtet habt. Und glaubt mir, es hat mir nicht gefallen“: hörte der Heiler. Er verlangsamte seine Schritte und trat näher an die Tür heran. Er hielt sich im Schatten und versuchte hineinzulugen. "Gerade Llevas hättet ihr besser nicht so zugerichtet“: hörte er weiter. Eine Männerstimme aus der deutlich der Hass sprach. Er schob seinen Kopf etwas in die Türöffnung. Vor ihm stand ein Mann, ein Dunmer offenbar, zumindest konnte er das an den aschgrauen Händen ablesen, der Rest seines Körpers war von einem grauen Umhang mit weiter Kapuze und einer dunklen Lederrüstung, die darunter hervorlugte, verhüllt. Erst jetzt bemerkte Tirian, mit wem der Mann sprach. Der Dunmer stand zwischen ihm und Lyviani. "Nicht doch. Oder wollt ihr sehen wie gut ich werfe und treffe?": sagte er plötzlich. Der Heiler kniff etwas die Augen zusammen und sah, dass die Dunmer wohl versuchte hatte, nach ihrem Dolch zu greifen. „Ein Attentäter“: schoss es ihm durch den Kopf. „Sie meinte doch, dass sie verfolgt wird“: rief er sich ins Gedächtnis. „Worauf hast du dich bloß eingelassen, Tirian?“: fragte er sich selbst. Fieberhaft überlegte er, was er tun sollte und leider waren diese Kopfschmerzen dabei nicht sonderlich hilfreich. Eine kleine, boshafte Stimme tauchte mit dem Schmerz in seinen Gedanken auf. „Lass sie das doch alleine regeln. Sie ist eine Fremdländerin und hat sich mit den falschen Leuten angelegt. Sie meinte doch noch, dass sie kein Mitleid und keine Hilfe braucht. Sie meinte doch, dass sie alleine klar kommt. Wenn sie es überlebt gut für sie, wenn nicht, kann es dir doch egal sein“: wisperte es in seinen Gedanken, als spräche sein böser Zwilling zu ihm. Zusammen mit dem latenten Kopfschmerz, der jedwedes Nachdenken ohnehin anstrengend machte, hatten die Überlegungen etwas angenehm Einfaches und Eindeutiges an sich, dass er sogar einen Moment gewillt war, einfach umzudrehen und zu gehen.

    Energisch entschied er sich dagegen und packte den Wäschehaufen auf den Boden. Er wusste das in Lyviani mehr steckte als die kalte Meuchelmörderin, die selbst gerne zum Besten gab und die sie wohl auch sein wollte, um sich nicht einzugestehen, dass sie in ihrem Innern doch noch Gefühle und Schwächen hatte. Und selbst wenn er sich doch täuschte, konnte er sie nicht einfach hier ihrem Schicksal überlassen. Das konnte und wollte er einfach nicht. Er wandte sich wieder zur Tür und versuchte sich trotz des Schmerzes auf die Situation zu konzentrieren: "Er hat sie in Carmala versteckt. Wo er jetzt ist, weiß ich nicht. Solltet ihr ihn aber sehen, richtet ihm bitte noch Grüße von mir aus, bevor ihr ihn abstecht": waren die ersten Worte, die er von der Dunmer vernahm. Der Attentäter schien einen Moment lang nachzudenken. Das war vielleicht der Moment, um ihn zu überraschen. „Ihr könnt ihn in Oblivion selbst grüßen, sobald wir ihn euch nachschicken. Wisst ihr, ich habe hier in meiner Tasche einen Exekutionserlass, der von seiner Hoheit Herzog Dren unterschrieben wurde. Er lautet auf euren Namen, Dreveni. Der Mord an so vielen guten Assassinen der Tong in der derzeitigen Lage, die Daedra und so weiter, kamen bei den offiziellen Stellen nicht so gut an. Selbst wenn ich wollte, könnte ich euch nicht gehen lassen“: sagte der Attentäter siegesgewiss. Tirian seufzte innerlich: „Die Morag Tong!“ Jetzt verstand er auch, warum die Dunmer so überempfindlich war. Wenn die Tong hinter ihr her waren, dann war sie in Morrowind und gerade auf Vvardenfell nirgendwo wirklich sicher. Sein Schädel dröhnte noch immer. „Verflucht worauf habe ich mich nur eingelassen, als ich sie in Vos anheuerte“: fragte er sich in einem Anflug von Verzweiflung selbst. Als er jedoch sah, dass der Dunmer seinen Dolch hob, um Ernst zu machen, gab es keine Zweifel mehr. Er musste handeln. Lyviani brauchte hier und jetzt seine Hilfe. Der Heiler musste handeln. Er griff sich aus dem Wäscheberg die stinkende, faulige Robe. Er stieß die Tür auf. „Sie hat noch einen Vertrag zu erfüllen, Bastard“: schrie er und warf dem überraschten Assassinen, das jämmerlich stinkende Kleidungsstück mitten ins Gesicht, das er ihm reflexartig zugewandt hatte. Tirian wollte sein Schwert ziehen, um die Sache schnell zu beenden, aber zu spät fiel ihm auf, dass er es gar nicht um hatte, sondern das es ja zwei Schritte entfernt auf dem Wäschehaufen lag.

  12. #12

    Weidenländer, Falensarano

    [Dreveni]
    Mit wachsendem Entsetzen hörte sie zu, was der Assassine ihr sagte. Er war also nicht nur aus der Dwemerruine entkommen, er hatte auch noch Zeit gefunden, einen offiziellen Mordauftrag gegen sie unterzeichnen zu lassen. Sie saß weit tiefer in der Scheiße, als sie es bis jetzt gedacht hatte. Aber immerhin schien er vorzuhaben, sie gleich umzubringen, und den Teil mit der Folter dieses Mal zu überspringen.

    Den Heiler bemerkte sie nicht, da sie sich ganz auf den Dolch in der Hand ihres Gegners konzentrierte, weshalb auch sein Aufruf, als er die Tür komplett aufstieß, für sie ebenso überraschend kam wie für den Assassinen, der aus Reflex auch noch den Kopf herumriss. Dass er die Robe des Heilers ins Gesicht bekam, irritierte ihn nur kurfristig, aber das genügte. Dreveni war eh schon auf dem Sprung, da sie nur darauf gewartet hatte, dass der Andere endlich auf sie losgehen, und sie nicht mehr nur beobachten würde. Blitzschnell hatte sie den Dolch gezogen und überbrückte die Distanz zu dem Mörder mit wenigen Schritten. Dieser hatte sich allerdings schon wieder gefangen, griff ihr an das rechte Handgelenk und wollte ihr den Arm verdrehen, erwischte sie allerdings nicht ganz so wie geplant. Bevor er selbst mit seinem Dolch zustoßen konnte, hatte sie ihm ebenfalls in den Arm gegriffen, und wollte ihm die Waffe entwinden, da drehte er sie durch ihren eigenen Schwung halb herum, so dass sie mit dem Rücken zu ihm stand, und versuchte ihren Arm mit dem Dolch so zu drehen, dass er ihr die eigene Waffe in den Bauch rammen konnte. Sein Griff um ihr Handgelenk fühlte sich an wie ein Schraubstock, trotz seiner drahtigen Statur war er ziemlich kräftig. Weit kräftiger als Dreveni, und er hatte mindestens genausoviel Ahnung vom Kampf mit Dolchen und Messern, wenn nicht sogar noch mehr. Nachdem ihr gerade nicht viel anderes übrig blieb, trat sie schwungvoll mit dem Fuß nach hinten aus. Sie erwischte den Angreifer von unten am Knie, was ihn schmerzerfüllt aufkeuchen und ihn seinen Griff - wenigstens kurzfristig - lockern ließ. Das reichte ihr, um ihren Arm mit der Waffe wieder freizubekommen.

    Von außen wirkte das Ganze wie ein verschlungenes Kneuel von Armen und Dolchen, und es wäre sehr schwer gewesen, dazwischen zu gehen und dabei nur einen von beiden zu treffen.

    [Tirian]
    Die stinkende Wäsche behinderte den Attentäter leider nicht so sehr wie gehofft. Schnell war er wieder aktiv, aber Lyviani stürmte rasch heran. Mit ihrem Dolch in der Hand ging sie auf ihren Gegner los. Dieser hatte sich allerdings soweit gefangen, dass er die Attacke rasch parieren und kontern konnte. Tirian konnte dem Verlauf des Kampfes nicht mehr folgen, denn viel zu sehr verhedderten sich die beiden Auftragsmörder in einander und versuchten sich gegenseitig abzustechen. Erst nach einigen Augenblicken konnte er sich von diesem interessanten Anblick lösen. "Ich muss ihr helfen": dachte er nur, wandte sich zum Wäschestapel um, um nach seinem Schwert zu greifen. In dieser Balgerei einen Zauber zu versuchen war hochgefährlich. Wenn er die Dunmer traf, dann konnte alles vorbei sein. So ließ er sich gar nicht erst darauf ein und wollte lieber an seine Waffe kommen, um ihr so zu helfen. Er hatte gerade das Heft gepackt und wollte es zu sich hochziehen, als er sich jemand auf die Scheide stellte und ihn so am Herausziehen hinderte.

    Der Blick das Heilers glitt nach oben und fand das Antlitz der Anführerin der Söldner. Mit schief gelegtem Kopf und einem leichten Lächeln schaute sie auf ihn herab. "Ihr wollt eurer Freundin doch hoffentlich nicht den Spaß verderben. Oder mir...": sagte sie und zog nun ihre eigene Klinge hervor und richtete sie auf seine Kehle. Er schluckte und erhob sich ganz langsam aus seiner gebückten Position. Sie schob in die zwei Schritte zurück zur Tür, damit sie auch sehen konnte. Noch immer rollten die Beiden Kontrahenten auf dem Boden, Mordlust im Blick und nur auf den Moment zum Zustechen wartend. "Verflucht was soll das. Sie braucht meine Hilfe": schrie Tirian sie an. Er hatte Angst um seine Begleiterin, denn ihr Gegner schien wirklich fähig zu sein. "Sie schafft das schon allein und wenn nicht dann nicht. In jedem Fall haben wir hier ein schönes Schauspiel": sagte sie genießerisch und leckte sich über ihre Schneidezähne.

    [Dreveni]
    Als Dreveni endlich wieder ihren Arm mit dem Dolch frei bekommen hatte, merkte sie auch schon, wie ihr ein Bein weggezogen wurde. Allerdings stand der Assassine selbst so unsicher, dass er sie nicht so kontrolliert zu Boden bringen konnte, wie es wohl seine Absicht war, und so landeten sie beide zwischen den Waschzubern. Es grenzte an ein Wunder, dass sich im Fallen keiner von beiden einen der Dolche in den Körper rannte, und Dreveni schaffte es sogar, ihm mit ihrem Ellenbogen an die Nase zu schlagen dass sie blutete, wenn auch eher unabsichtlich. Sie selbst rollte unsanft über ihre rechte Seite und wurde so wieder an die Prellung erinnert.
    Dass inzwischen die Altmer Tirian daran gehindert hatte, einzugreifen, bemerkte sie nur am Rande, einzig sein Ruf, dass er ihr helfen musste, drang an ihr Ohr. Du hältst dich da raus. Das geht nur uns beide etwas an., dachte sie sich, als ihr Kontrahent ihr unsanft an den Haaren zog. Sie revanchierte sich mit einem Biss in seine Hand, die sich gerade so schön in Reichweite vor ihrem Gesicht befand. Als sie Blut in ihrem Mund schmeckte, und seinen empörten Aufschrei hörte, registrierte sie befriedigt, wie fest sie gebissen hatte. Da ergab sich auch schon die Chance, auf die sie die ganze Zeit gewartet hatte, und zwar, endlich wieder aufzustehen. Hier am Boden hatte sie wenig Chancen, wenn es ihm gelang, sie richtig festzuhalten, er war ja schon einmal viel schwerer als sie selbst. Keine Sekunden später war der Dunmer ebenfalls wieder auf den Beinen und sie umkreisten sich lauernd zwei, drei mal.
    Sie boten beide einen reichlich ramponierten und zerzausten Anblick, aus seiner Nase lief immer noch Blut und Dreveni hatte einen feinen Schnitt auf ihrer linken Wange abbekommen.
    Als er noch auf eine Reaktion von ihr wartete, griff sie wieder an, täuschte einen Stich von rechts oben an, und als er wie geplant wieder mit seiner Hand in ihren Stich fiel, und mit seiner zweiten ebenfalls ausholte, hob sie ihr Knie und trat ihm kräftig zwischen die Beine. Dieses mal schrie er nicht, sondern stöhnte nur und krümmte sich. Sie schob ihn an die linke Seitenwand des Raumes, die nicht mehr weit entfernt war, schlug seine Hand mit der Waffe dagegen, so dass er seinen Dolch fallen ließ, den er ohnehin nicht mehr sonderlich fest gehalten hatte. Sie hielt ihn ihre eigene Waffe mit der Linken an die Kehle, zog ihr Stilett unter ihrem Ärmel hervor und stach es durch die Rüstung, unterhalb seines Brustbeines, bis die Spitze in seine Haut bohrte. Sie würde den Teufel tun und ihm nun die Kehle durchschneiden, wenn sie genau vor ihm stand.
    "So, du •••••••••.", zischte sie ihm zu und sah ihm in die Augen. Dort konnte sie zur ihrer Enttäuschung keine Angst sehen, nur blanken Hass, gemischt mit Schmerz.

    [Tirian]
    Fasziniert verfolgten sie den Kampf. Auch wenn es stellenweise so aussah, als würde doch der Tong-Attentäter die Oberhand behalten, brachte Lyviani ihn mit einem Tritt in seine Weichteile zum Schwanken und nagelte ihn schließlich an die Wand zu ihrer linken. Die Altmer stieß ihn nun in den Raum hinein und steckte dann ihr Schwert weg. Die Assassine stand nun vor ihrem hilflosen Gegner und kostete den Moment scheinbar voll aus. Der Dunmer hob seinen Kopf und erkannte scheinbar die Altmer. "Was steht ihr da so herum. Helft mir gefälligst": rief er. Die Altmer lächelte nur süffisant. "Ich habe einen Exekutionserlass. Es ist höherer Wille das diese ••••": er unterbrach für einen Schmerzenslaut, denn scheinbar drehte die Dunmer ihr Stilett etwas "Die Tong hat beschlossen sie zu töten. Ihr würdet etwas von der Belohnung bekommen. Wenn ihr ihr helft, dann wird euch der Zorn meiner Brüder treffen. Die Gesetze von Vvardenfell...": faselte er weiter. Die Altmer lachte. "Hier in dieser Festung herrscht allein mein Gesetz und überall dort um mich, wo mein Schwert hinreicht, herrscht auch mein Gesetz. Vvardenfell ist mir ebenso egal wie eure kleine Gilde von kleinen, mordenden Ratten": sagte sie. Lyviani ließ das Gespräch offenbar gewähren, aber ihre angespannte Körperhaltung verriet, dass sie sich nur mühsam beherrschen konnte. "Ihr habt euch in meine Festung geschlichen, euch hier Unterkunft erschlichen und dann entdeckt ihr in einem meiner Gäste zufällig ein Opfer! Ihr seid Nichts weiter als ein Insekt, dass unter einem Stiefel zertreten gehört. Ich habe euch eine kleine Chance gegeben mir einen amüsanten Kampf zu bieten und euer Ziel zu erledigen. Ihr habt versagt und werdet jetzt zerquetscht, wie das Ungeziefer, dass ihr und eure Zunft seid": meinte sie bloß lapidar. "Nur zu. Tötet dieses Wiesel. Ihr habt es euch verdient": fügte die Altmerin selbstherrlich an.

    Tirian sah ihre Mordlust. Ohne Zweifel würde sie es tun. Sie wollte es tun und sie wünschte es sich sogar. Und doch. Auch dies wollte er nicht zu lassen. Nicht noch einen Hilflosen. Nicht das er besonderes Mitleid mit dem Assassinen empfand. Ganz anders als noch mit dem geschlagenen Söldner damals. Aber es war auch nicht richtig ihn jetzt einfach zu töten. Blut musste nicht unbedingt mit Blut vergolten werden. "Lyviani tu es bitte nicht. Lass uns einfach weitergehen": bat der Heiler obwohl er schon ahnte, dass sein Bitten vergebens sein würde. Sie hatte ihn ausgeschaltet. Er war im Moment keine Bedrohung mehr. Sie musste es nicht tun und sich noch mit einem Toten belasten und ihn gleich mit. Seine Begleiterin wandte kurz ihren Kopf um und sah ihn mit eiskaltem Blick an. "Ja, tötet diesen Bastard. Zu einem Sieg gehört auch der Tod und der Geschmack von Blut. Was ist schon ein Leben im Vergleich zu dem Gefühl es jemandem zu nehmen? Das dort ist kein Mer. Das dort ist jetzt nur noch Abfall. Tut es!": stachelte die Altmer die Assassinin an. Ihr Blick war immer noch auf Tirian gerichtet. Ein grausames Lächeln erschien in ihrem Gesicht "Halt dich da raus": sagte sie nur und umfasste den Griff des Stiletts fester. Er wollte nach vorne stürzen, wieder ihren Arm packen, doch wurde er heftig gepackt und schließlich in den Schwitzkasten genommen. Die Söldnerin hatte ihn fest in ihrem Griff. Der Heiler schloss die Augen, um es nicht mit ansehen zu müssen.

    [Dreveni]
    Erst als der Assassine die Altmer und Tirian ansprach, nahm Dreveni deren Gegenwart so richtig wahr. Sie machte sich bereit, zuzustechen, sollte die Söldnerin dem Bastard tatsächlich zur Hilfe eilen, doch die machte glücklicherweise keine Anstalten. Nur Tirian versuchte doch tatsächlich, sie zu überreden ihn laufen zu lassen.
    Trau dich Tirian. Ich nagel deine Hand mit meinem Dolch an die Wand und steche ihn dann ab., dachte sie sich, während sie ihn anfunkelte. Dieses Mal würde sie sich nicht auf lange Diskussionen einlassen, nicht jetzt, nachdem es gerade eben schon um Leben und Tod gegangen war.
    "Dein Zorn wird jedenfalls niemanden mehr treffen. Auch wenn ich dir zu gerne - wie bei Llevas - dein hässliches Gesicht verzieren würde. Und ich würde dich auch wirklich gerne dann so laufen lassen. Nicht ohne noch etwas Salz hinein zu schmieren und dich so in der Wüste auszusetzen, dass du erst wieder auf einen Heiler triffst, wenn du Narben hast, die dich bis auf dein Lebensende jeden beschissenen Tag daran erinnern, wie verflucht dämlich du heute warst.", zischte sie dem Mörder zu, und drehte gleich danach den Kopf weg, denn er wollte ihr glatt ins Gesicht spucken.
    "Leider, leider wird es dazu nicht mehr kommen." Mit diesen Worten stieß sie ihm das Stilett in einem leichten Winkel nach oben in die Brust, und kippte es dann nach unten. Hätte sie nicht das Herz getroffen, würde er jetzt mit Sicherheit innerlich verbluten, wenn sich der Heiler nicht einmischte, und danach sah es nicht aus. Sie sah ihm ins Gesicht, sah seine Augen sich verdrehen. Es machte den Eindruck, als wolle er noch etwas sagen, aber er würgte nur einen kleinen Schwall Blut nach oben, dass ihm über die Lippen lief. Sie zog das Stilett wieder aus seiner Brust und ließ ihn zu Boden sinken.
    Sie schien gut getroffen zu haben, denn kaum lag er, wurden seine Augen auch schon starr und sahen stumpf an ihr vorbei, in Richtung Tür. Sie steckte den Dolch weg, wischte das Stilett an seinem Mantel ab und begann dann die Leiche abzusuchen, bis sie den Erlass fand. Er war tatsächlich auf ihren Namen ausgestellt. Sie hatte gehofft, dass er in diesem Punkt gelogen hatte, um ihr Angst zu machen, aber es war tatsächlich wahr. "Verflucht.", sagte sie leise. Ihr Blick fiel auf seinen Dolch, der noch an der Wand lag, wo er ihn fallen gelassen hatte, und nahm ihn. Auch wenn sie aus der Dwemerruine nichts von den getöteten Assassinen an sich genommen hatte, war das hier doch ihre ganz persönliche Trophäe. Schließlich richtete sie sich auf und sah Tirian an.

    [Tirian]
    Er öffnete erst wieder die Augen, als die Altmer ihn aus ihrem Griff entließ. Der Dunmer lag bereits leblos zu Füßen seiner Begleiterin. Sie fledderte seine Leiche, nahm sowohl ein Stück Papier, vermutlich den Erlass, als auch den Dolch des Attentäters an sich. Fest sah sie ihm ins Gesicht. Er wich ihrem Blick aus und kniete neben dem Toten nieder. Er befühlte dessen Hals. Tatsächlich kein Puls mehr. Der Mann war tot, wie es bei einer ausgebildeten Assassine wie seiner Begleiterin zu erwarten war. Die Altmerin schnippte mit den Fingern und sofort kamen zwei bullige Söldner, ein Rothwardone und ein Nord, in den Waschraum. "Werft das da in die Kanalisation. Sollen sich die Ratten an ihresgleichen gütlich tun": meinte sie und zeigte mit einer wegwerfenden Geste auf den Körper des Toten. Diese Verächtlichkeit widerte den Heiler geradewegs an. Wie konnte man einen Mer nur wie ein Stück Fleisch behandeln. Er schloss die Augen, um sich zu beruhigen, doch brachte die Söldnerin ihn mit ihrer nunmehr ausgelassenen Stimmung noch etwas mehr auf die Palme. Seine Kopfschmerzen, die nun, da die Anspannung abklang, wieder deutlicher zu Tage traten, waren seiner Beruhigung nicht gerade zuträglich. "Kommt. Lasst uns etwas trinken. Wein für das Blut, das ihr vergossen habt. Ich glaube euren Freund brauchen wir damit nicht zu belästigen. Er scheint mir nicht so guter Laune zu sein": meinte sie und lachte wieder. Lyviani verwies noch auf die Kleidung die gewaschen werden musste. Diesem Einwand begegnete das verrückte Frauenzimmer mit einem weiteren Fingerschnippen. Ein weiterer Wachmann brachte zwei sehr müde aussehende Khajiiten herein. "Die Beiden haben im Moment keine sinnvolle Beschäftigung, sodass sie vor Langeweile schon eingeschlafen waren. Die werden das erledigen und euch die Kleidung auf die Kammer bringen, aber nun kommt. Ich gebe euch einen auf diese erfolgreiche Rattenjagd aus." Etwas umständlich und widerwillig ließ sich die Assassine aus dem Raum geleiten. "Du bist wie sie": rief Tirian ihr bitter nach, denn für ihn blieben sich Lyviani und die Altmer im Moment gleich. Er blieb schließlich allein mit den beiden Sklaven im Raum zurück.

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