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Mythos
Weidenländer, Zainab-Lager, Zelt der Weisen Frau
„Na dann weiß er hoffentlich zu schätzen, was er an euch hat“: bei diesem Satz musste Tirian grinsen. „Vermutlich wird er fürchterlich ungehalten darüber sein, dass wir ihn retten kommen“: sagte der Heiler und lachte. Die Bitte von Lyviani ließ ihn das aber schnell wieder einstellen. „Das hier ist das Lager der Zainab. Soweit ich aus Erzählungen weiß, treiben die Aschländer hier auch Handel mit dem Kaiserreich und den Telvanni in ihrer Umgebung und dürften des Cyrodiilischen zumindest halbwegs mächtig sein“: berichtete Tirian aus seiner Erinnerung. Glücklicherweise konnte er sich noch an diese alten Geschichten von Tarrior erinnern. Ihm tat es um die arme Lyviani ein wenig leid. Ihre Gastgeber sprachen wahrscheinlich mit ihnen nur Dunmeri, weil er selbst auch immer darauf antwortete. Gewissermaßen war er nicht unschuldig daran, dass sie hier von den Gesprächen ausgeschlossen war. „Ich werde Ama darum bitten, dass sie Cyrodiilisch mit uns spricht, damit wir sie beide verstehen können“: bot der Heiler an. Wobei ihm bei diesem Stichwort auffiel, dass ihre Gastgeber sie schon recht lange warten ließen. In diesem Moment taten Lyvianis Worte bei ihm ihr Übriges und in ihm begann schon der Verdacht zu keimen, dass hier womöglich in eine Falle geraten waren. Einen Moment überfiel den Dunmer diese Angst und er überlegte, ob er es gegenüber der Assassine ansprechen sollte, als dann zu seiner allgemeinen Beruhigung Ama mit ihrem Mann, der sich noch auf ihre Schultern stützen musste, aber zumindest bei Bewusstsein war, ins Zelt trat.
„Verzeiht. Die Weise Frau hatte noch Fragen an uns“: sagte sie und bettete ihren Mann auf die Lagerstatt am Rande des Zeltes. Ihr stöhnte auf, als sie ihn niedersinken ließ. „Ama. Wäre es möglich, wenn ihr Cyrodiilisch mit uns sprechen könntet?“: fragte Tirian. Die Aschländerin zog die Augenbrauen hoch. „Wieso?“: fragte sie. „Mein Cyrodiilisch ist nicht so gut“: bekannte sie etwas errötet. „Und mein Mann spricht es kaum. Er ist aus einem anderen Stamm“: fügte sie noch an. Tirian hatte die Befürchtung, dass die Frau glaubte, dass er sie bloßstellen wolle. „Meine Begleiterin spricht kein Dunmeri und es wäre ihr gegenüber nicht schön, wenn sie uns nicht verstehen kann“: offenbarte der Heiler. Die Frau zog die Augenbrauen zusammen. „Sie ist eine Fremdländerin?“: fragte sie misstrauisch. „Ist das ein Problem?“: fragte Tirian mit fester Stimme. Amas Gesicht wurde milder. „Nein überhaupt nicht. Ihr habt uns gerettet. Es sind die Taten und nicht die Herkunft, die das wahre Wesen zeigen. Wir haben aber ein paar Jäger vom Stamm der Erabensium zu Gast hier im Lager. Eure Frau sollte sich von ihnen fernhalten, ihr Stamm ist nicht so gut auf Fremdländer zu sprechen“: warnte Ama. Als sie das Wort „Frau“ erwähnte, zuckte der Dunmer zusammen. „Ähm.. äh.. Lyviani ist nicht meine Frau“: sagte er stotternd. „So?“: fragend schaute sie ihn an und zuckte dann mit den Schultern. „Willkommen dennoch in unserem Heim“: sie sagte es diesmal auf Cyrodiilisch, auch wenn sie etwas länger bei manchen Worten überlegte.
Der Heiler nickte dankbar und wollte sich wieder an die Feuerstelle setzen, die Ama langsam entzündete. „Ich werde gleich kochen Essen beginnen, aber das dauert“: sagte sie und richtete ihren Blick dann auf Tirian. „Die Weise Frau mich gebeten hat euch sofort ihr zu schicken“: sprach sie und ihre Stimme ließ auch keinen Zweifel dran, dass das keine Einladung war, sondern eine klare Aufforderung. Tirian schluckte. In diesem Moment trat ein Mann in Chitin-Rüstung, den der Heiler bisher nicht gesehen hatte, in das Zelt. „Das ist Mossur. Der Leibwächter der Weisen Frau. Er wird euch ihr Zelt zeigen“: erklärte Ama nun doch wieder auf Dunmeri, scheinbar weil das schneller und einfacher für sie war. Der Heiler fügte sich in sein Schicksal. „Ich bin bald wieder zurück“: rief er Lyviani noch zu, die etwas erstaunt registrierte, wie er von dem Mann abgeführt wurde. Beim Rausgehen hörte er noch, wie sich Ama noch an die Dunmer wandte: „Ashkhan Kaushad wollt mit euch sprechen. Sein Zelt ist groß in Mitte von Lager. Es sei große Ehre, dass der Khan einlädt jemand.“ Wie seine Begleiterin darauf reagierte, bekam der Dunmer allerdings nicht mehr mit, denn er war dann schon hinaus.
Das glühende Abendrot legte sich wie Feuer über das Dorf der Aschländer. Es wirkte so als stünden die Zelte in Flammen. Es war tatsächlich nicht allzu groß und so fand sich das Zelt der Weisen Frau auch recht schnell etwas abseits der anderen Zelte. Es war umgeben von Pflanzen verschiedener wildblühender Kräuter, von den Tirian wusste, dass sie für die Alchemie interessant waren. Mossur ging stumm neben ihm her, während sie sich dem Zelt näherten. Ein Seitenblick auf den Leibwächter sagte ihm auch, dass der Versuch einer Kontaktaufnahme vermutlich zum Scheitern verurteilt wäre. So war er ehrlich froh, als sie vor dem Zelt standen und er sich von dem Wachhund verabschieden konnte. Gerade als er die Plane, die den Zelteingang bedeckte, zur Seite schieben wollte, legte der Gerüstete eine Hand auf die Schulter des Dunmers. „Leg Hand an sie und ich schneide sie dir ab!“: drohte er und ließ ihn dann gehen. Tirian schluckte wieder. Im nächsten Moment bildete sich latente Wut. Er war es schließlich, der hierher bestellt worden war. Entsprechend schlecht gelaunt gelangte er ins Zelt, wurde aber von dem intensiven Geruch verschiedenster Kräuter geradezu überwältigt. Die Luft war warm, trocken, abgestanden aber dank der Kräuter doch auch irgendwie erstaunlich frisch. Das Zelt quoll fast über vor Körben und Säckchen mit den Materialien der Natur. Geradezu stand ein Bett aus starken Ästen und Flechtwerk. Im Schneidersitz davor saß an der zentralen Feuerstelle eine alte Dunmerin auf einem großen Kissen. Neben sich standen allerlei alchemistische Gerätschaften. Sie sahen geradezu altertümlich aus.
Tirian zögerte. Die Frau schien ihn gar nicht wahrgenommen zu haben. Mit geschlossenen Augen saß sie vor dem Feuer. Es war als würde sie schlafen. Er war sich unschlüssig was er tun sollte. „Tretet ruhig näher, junger Mann. Setzt euch bitte“: sagte sie ohne die Augen zu öffnen und deutete mit der ausgestreckten Hand auf ein Sitzkissen ihr gegenüber. Tirian nahm Platz. Es dauerte noch einen Moment und dann öffnete die Weise Frau ihre Augen. Ein blassroter Blick musterte den Heiler. „Ihr seid also derjenige, der den Verwundeten geheilt hat. Was wünscht ihr?“: fragte sie. „Was ICH wünsche? Ihr wart es doch, die mich hierher gerufen hat. Das solltet ihr auch mal eurem Wachhund sagen“: beschwerte sich der Dunmer. „Verzeiht Mossur, aber er nimmt seine Pflicht sehr ernst und in letzter Zeit ist es nötiger denn je“: sagte sie und lehnte sich angestrengt seufzend zurück. Sie sah wirklich aus wie eine alte Frau. Aber instinktiv spürte Tirian, dass er sie nicht unterschätzen sollte. „Die Söhne des Zerstörers verheeren das Land. Seine Diener bedrohen auch uns“: erzählte sie weiter. „Ihr meint Mehrunes Dagon und die Mythische Morgenröte? Sie machen also nicht einmal vor den Aschländern halt?“: warf Tirian erstaunt ein. Sie nickte erschöpft. „Der Zerstörer sandte seine Diener uns zu überzeugen. Sie versprachen den Khanen Macht, um die anderen Stämme zu unterwerfen und die Herrschaft der Häuser zu brechen. Sie versprachen die Rückkehr zur alten Lebensweise für das ganze Land. Der Khan der Erabensium wurde schwach. Ein offenes Bündnis konnte nur die Weise Frau des Stammes verhindern. Seither versuchen ihr Schatten uns Weise Frauen zu töten. Nur knapp verhinderte Mossur einen Anschlag auf mein Leben, daher ist er so vorsichtig geworden“: berichtete sie. Tirian wurde etwas ruhiger. Sein Zorn legte sich. Unter solchen Umständen, war das Verhalten verständlich.
„Dennoch habt ihr mich hergebeten“: wandte der Heiler trotzdem noch ein. „Gewiss. Ich spürte eine Unruhe in euch, dass ich glaube, dass auch etwas euch hierher geführt hat“: meinte sie. „Mich hierher geführt?“: fragte Tirian. Sie nickte. „Was ist es das auch in diesen unruhigen Zeiten durch die Weidenländer treibt?“: erfragte sie. Der Heiler sah sich ihrem Blick gegenüber. „Ich muss jemanden retten, der in der Molag Amur gefangen gehalten wird. Ohne mich wird er womöglich sterben“: gab der Heiler freimütig zu und er wusste selbst nicht so recht, wieso er so offen darüber sprach. Die Weise Frau setzte eine nachdenkliche Miene auf. „Seine Erwähnung bedrückt euch, dass erkennt man. Ihr zweifelt. Warum zweifelt ihr?“: wollte sie weiter wissen. Die Fragen kamen ihm immer seltsamer vor, ebenso wie sich die ganze Situation außerordentlich seltsam gestaltete. Ihm lief der Schweiß und er spürte wie ihm etwas übel wurde, doch antwortete er einfach: „Er wurde erpresst. Ich weiß nicht womit man ihn erpressen könnte. Ich bin mir nicht sicher, was er getan haben muss, dass man ihn so erpressen kann. Ich frage mich welches dunkle Geheimnis er verbirgt.“ Wieder musterte ihn die Weise Frau ihre Augen schienen sich tief in seine eigenen zu brennen. „Ich sehe eure Furcht. Warum beunruhigt euch das so sehr?“: verhörte sie ihn weiter und Tirian war inzwischen richtig schlecht und unwohl zu Mute. Er wollte hinaus, doch etwas zwang ihn dazu zu bleiben. Ohne bewusstes Zutun redete er: „Er… er… er ist mein Vater. Ich habe Angst davor zu erfahren, was er Schreckliches getan haben muss.“ Ihm drehte sich inzwischen alles. „Da ist noch mehr!“: drängte sie. Sein Kopf schmerzte jetzt richtig. „Ich habe Angst davor, weil ich nicht weiß wie viel von ihm auch in mir steckt. Ich fürchte mich davor“: brachte unter Mühen hervor, verdrehte dann die Augen und kippte zur Seite weg. Er spürte wie ihn jemand auf den Rücken drehte, seine Lippen auseinander zwang und ihm eine bittere Flüssigkeit einflößte.
Sein Herz, das eben noch raste, beruhigte sich langsam wieder. Sein verschleierter Blick klarte sich auf und er schaute wieder in die trüben, blassroten Augen der alten Dunmerin. „Was, was ist passiert?“: fragte er mit zitternder Stimme. „Ihr habt den Test bestanden. Ihr seid kein Diener des Zerstörers“: sagte sie und wirkte ehrlich froh. „Was.. was für ein Test“: begehrte der Heiler nun zu wissen. „Der Rauch der Kräuter, die ich vor eurem Eintreffen verbrannt habe, hat die besondere Wirkung, die Personen, die ihn einatmen, gesprächig zu machen – sie offenbaren ihre Geheimnisse, wenn man sie gezielt darauf anspricht“: erklärte sie und bot Tirian einen Tee an. Vorsichtig schlürfte er die heiße Flüssigkeit. „Diese Schmerzen“: keuchte er jetzt noch. „Sind die Geheimnisse tief vergraben oder werden sie zu verbergen versucht, bricht der Rauch die Schranken im Geist auch gewaltsam auf. Das Elixier, das ich euch gegeben habe, schützt euch gegen die Wirkung der Kräuter“: erklärte sie weiter. Der Heiler befühlte sich seinen pochenden Schädel. „Was wolltet ihr damit beweisen?!“: pflaumte er die alte Frau an. „Es tut mir leid, aber ich musste sichergehen, dass ihr uns nicht hintergehen würdet. Die Diener des Zerstörers sind raffiniert“: entschuldigte sie sich, doch Tirian mochte dieses Verhalten überhaupt nicht. „Ich habe nicht darum gebeten, dass euer Stamm mich einlädt. Ama war es, die darauf bestanden hat, dass wir euch in euer Lager begleiten“: ereiferte sich Tirian. Die Weise Frau nickte. „Das ist richtig. Allerdings wüsste ein Dienser des Zerstörers auch, dass kein Aschländer, der jemanden sein Leben schuldig ist, diesem die Gastfreundschaft verweigern würde. Bei der Mühe, die ihr euch gemacht habt, einer Gruppe Wildfremder Dunmer einfach so im Kampf zu helfen und dann auch noch ihre Wunden zu versorgen, machtet ihr euch verdächtig. Es schien als hättet ihr Hintergedanken gehabt“: klärte die alte Dunmer ihn nun endlich auf. „Entschuldigt noch einmal, dass ich zu solchen Mittel griff, um herauszufinden, ob ihr uns hintergehen wollt. Da ich nun von euren guten Absichten überzeugt bin, wollte ich euch noch einmal dafür danken, dass ihre unsere Stammesgeschwister gerettet und geheilt habt“: entschuldigte sich die Weise Frau noch einmal und Tirian war dabei ihr zu verzeihen. Hinge am ihm das Wohl eines ganzen Stammes hätte er womöglich genauso gehandelt.
Geändert von KingPaddy (16.04.2013 um 16:07 Uhr)
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