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Thema: Die Erben der Häuser

  1. #61

    Weidenländer, Falensarano, Kammer

    Tirian öffnete kurz die Augen als er das Plätschern von Wasser vernahm. Er sah kurz zum Wandschirm hinüber. Lyvianis Schattenriss zeichnete sich gegen das Licht hinter dem Sichtschutz ab. Sein Gesicht wurde dunkler, als er ausgiebig den Umriss der stehenden Dunmer betrachte, die sich einseifte und abschrubbte. Obwohl sein Herz schneller schlug, konnte er nicht verhindern, dass seine Augen dennoch Dunkelheit wollten und sich seine bleischweren Augenlider schlossen, noch bevor seine Begleiterin hervorkam. Sein Atem wurde schnell gleichmäßig und ruhig. Schließlich schlief er ein.

    Ein Gang. Ein langer Gang. Rund. Er war rund. Die Wände schienen geradezu organisch zu sein. Seine Hand legte sich darauf. Holzig aber auch weich und warm. Er wusste nicht wo er war. Es war recht düster hier. Nur wenig Licht von wenigen Kerzen erfüllte den Korridor. Tirian ging auf eine große, runde Tür am Ende zu. Mit jedem Schritt entfernte sie sich aber immer weiter vor ihm, als würde sie vor ihm zurückweichen. Als würde er vor ihr zurückweichen? Er beschleunigte seine Schritte, wurde schneller, noch schneller und schließlich rannte er. Doch noch immer entzog sich die Rundtür jedem Versuch sie zu erreichen oder gar zu öffnen. Der Gang dehnte sich ins Unendliche und verlor sich schließlich im endlosen Dunkel. Atemlos blieb der Heiler stehen, schaute hinein in die Ferne. Aufgebend den Durchgang jemals zu passieren drehte er sich um. Schwer atmend und mit weiten Augen stand er nun direkt davor. Er schluckte. Hitze war hinter dem lebendigen Holz zu spüren. Tirian zögerte. Eine unerklärliche Furcht befiel ihn. Seine Hände begannen zu zittern. Keuchend versuchte der Heiler sich zu beruhigen. Er schloss die Augen und drückte nun die Pforte auf. Heiße, schweflige Luft schlug ihm entgegen. Der hölzerne Gang lief in geschwärzten Fels aus. Ein tiefrotes Licht, dass über allem lag und die stickige, geradezu brennende Luft wiesen auf Lava hin. Tirian tat weitere Schritte und bewegte sich in diese Höhle hinein. An einer Weggabelung wählte er instinktiv den linken Weg.

    Durch ein offenstehendes Gittertor hindurch trat er in eine große Höhle ein, in deren Mitte sich eine Grube von einem großen Durchmesser befand. Die Hitze schien von dort zu kommen. Der Dunmer trat an den Rand und sah das es dort tief herab ging. Wie in einer Spirale sich ein Weg nach unten hin. Am Grund des Abstiegs brodelte ein Lavasee und aus den Wänden ergossen sich immer wieder Lavafälle oder Rinnsale in die Tiefe. Hier und dort gab es Felsen mit großen Löchern aus denen Wasserdampf und schweflige Gase zischend entströmten. Gequälte Schreie drangen aus der Grube zu ihm herauf. Er versuchte den Stimmen zu lauschen und trat noch näher an den Rand heran. Der Boden unter seinen Füßen g ab plötzlich knirschend nach. Er versuchte noch sich in Sicherheit zu bringen, doch er schaffte es nicht. Tirian verlor den Halt und stürzte in die Tiefe. Schreiend fiel er und fiel er. Er ruderte wild mit den Armen. Seine Hand streifte etwas holzig. Instinktiv griff er zu und packte es. Sein Blick klarte sich. Er hatte eine Wurzel zu fassen bekommen. Er hing in der Luft, gehalten nur von seinem Arm, dem langsam die Kraft ausging. Er fühlte seinen Körper geradezu hundertfach an seinen Muskelfasern zerren. Er rutschte, fühlte die Wurzel durch seine schwitzige Hand glitschen. Er holte mit dem anderen Arm aus, nahm alle Kraft zusammen und wuchtete seinen Körper in Richtung der rettenden Kante, über die die Wurzel nach unten lief. Vor Schmerz keuchend konnte er sie packen und den anderen Arm nun nachziehen. Er packte den Vorsprung und verkannte seine Stiefel im Fels der Wand. Er hing, kaum besser als vorher und fühlte deutlich seine Kräfte nachlassen.

    In diesem Moment vernahm er Schritte über sich. Er zog sich und damit seinen Kopf etwas höher und versuchte zu sehen. „Hilfe“: rief er und sah dann eine Gestalt in einem einfachen roten Hemd. Seine Augen weiteten sich als er Tarrior erkannte. „Tarrior, hilf mir. Hilf mir schnell“: flehte Tirian, doch er nahm keine Notiz von ihm, sondern schritt einfach nur vor ihm auf und ab. Sein Gesicht lag im Dunkeln, seine Haare hingen ihm wirr um den Kopf. Abermals rief er nach Tarrior, doch immer noch keine Reaktion. „Vater, ich falle. Bitte“: brüllte der Heiler vor Todesangst, als seine Hände langsam nachgaben. Jetzt zuckte die Gestalt zusammen drehte sich in einer schnellen Bewegung um und beugte sich zu ihm herunter. Der Heiler erschrak fürchterlich, als er im Gesicht Tarriors nun ein blutverschmiertes Grinsen und tiefschwarze Augenhöhlen entdecken konnte. „Vater? Du bist nicht mein Sohn. Du bist ein schwächlicher Bastard“: sagte Tarrior grinsend und erhob sich. Im nächsten Moment konnte der geschockte Tirian auch nicht glauben, dass sein Vater nun seinen Stiefel auf eine seiner Hände stellte und sein Gewicht darauf verlagerte. Schreiend ließ der Heiler los. „Bitte tu das nicht, bitte nicht“: flehte er, als sich der Knochenstiefel Tarrior sich nun auch auf seine andere Hand stellte. Erneut drückte er zu. Der Dunmer fühlte den Schmerz, fühlte wie sich der Stiefel auch noch bewegte, seine Finger zu Brei rührten. Schließlich hielt Tirian es nicht mehr aus und ließ mit einem Schrei los. Sein Fall in die Tiefe ging weiter. Er sah noch immer das dämonische Grinsen Tarrior vor sich. Die Lava am Boden der Grube kam näher und schließlich umfasste sie ihn mit feuriger Umarmung.


    Schweißgebadet schreckte Tirian aus dem Schlaf hoch. Panisch sah er sich um. Sah die karge Einrichtung des Zimmers, sah die fast heruntergebrannten Kerzen, den Wandschirm, ihr Gepäck. Sah Lyviani im anderen Bett neben sich. Keine Höhle, keine Lava, kein teuflischer Tarrior. Es war nur ein Traum. Schwer atmend sank der Heiler auf sein Kissen zurück. Er rieb sich durchs Gesicht um dieses dunkle Gespinst des Schlafes endgültig abzuschütteln. Er spürte etwas Feuchtes an den Fingern. Als er sich sachte noch einmal über die Augen fuhr, spürte er, dass er weinte. Tränen liefen ihm über das Gesicht. Immer wieder versuchte er sie wegzuwischen. Erst nach einiger Zeit versiegten sie schließlich.

    Als er sich schließlich ganz beruhigt hatte, erhob sich Tirian noch leicht zitternd aus dem Bett, zog die Robe unter dem Kissen hervor und zog sie sich über den Kopf. Dabei berührte er die Platzwunde, die ihm einen schnellen Schmerz durch den Kopf schickte. Er war dankbar dafür, denn das brachte ihn wieder richtig zu Bewusstsein. Das Gefühl kehrte in seinen betäubten Geist zurück. Er spürte den enormen Muskelkater, der sich sowohl in den Armen als auch den Beinen breit gemacht hatte. Fühlte beim Strecken die Schnitte in seinem Oberkörper. „Ich bin am Leben“: ging es ihm in diesem Moment durch den Kopf. Eine Erkenntnis zu der er vorher überhaupt nicht mehr fähig gewesen war, aber über die er sich jetzt unheimlich freute. Ihm tat alles weh, er fühlte sich noch immer tief verwundet und erschöpft, aber er fühlte sich gleichzeitig so lebendig wie lange nicht. Und seine Magie hatte sich inzwischen auch erholt. Er setzte sich auf sein Bett zurück, schloss die Augen und konzentrierte sich auf die heilende Magie, die er mit der Kraft aus seinem Innern speiste. Er spürte den unangenehmen Druck der sich in seinen Oberkörper und seinem Bauch ausbreitete als sich auch dort die Quetschungen und Verletzungen endlich regenerierten, schließlich klang auch mit einem deutlichen Ziehen die Schwellung an seinem Kopf ab. Dafür bildete sich ein leichter Kopfschmerz, den der Heiler aber getrost ignorierte. Damit konnte er leben.

    Schließlich erhob er sich und trat an Lyvianis Bett. Sein Blick fiel auf die Dunmer. Sie hatte sich ein Kleid übergeworfen. Tirian war überrascht als er in ihr Gesicht schaute. Keine Spur von der ihr sonst üblichen Abweisung und Reserviertheit. Er strich ihr leicht eine Strähne zur Seite. Da offenbarte sich auch schon eine ebenso unschöne, dunkle Schwellung, wie er sie gerade bei sich geheilt hatte. Er erinnerte sich an den Arm und die Knochensplitter und wer wusste, was sie noch im Kampf abbekommen hatte. Er beugte sich über sie, um sie etwas wach zu rütteln, da rumpelte es unglaublich laut an der Tür. „Das Abendessen ist fertig. Kommt ihr faulen Ärsche. Essen fassen!“: dröhnte es von draußen herein. Lyviani schlug die Augen auf. Sie schauten sich gegenseitig einen Moment an. „Guten Abend“: sagte er in Ermangelung eines intelligenteren Kommentars.

  2. #62

    Weidenländer, Falensarano

    [Dreveni]
    Dreveni schlief fest und traumlos in dieser Nacht, das Einzige was sie gelegentlich halb aufweckte war der Schmerz in ihren Rippen, als sie sich auf die rechte Seite drehte. Sie hätte wohl noch eine ganze Weile länger geschlafen, hätte sie nicht ein Lärm gestört, den sie zuerst nicht einordnen konnte. Nachdem er sie mitten aus dem Tiefschlaf riss, reagierte sie auch nicht ganz so wie sonst, und zwar indem sie nach ihrer Waffe gegriffen hätte und aufgesprungen wäre. Sie selbst hatte genug ihrer Opfer im Schlaf überrascht, als dass sie hinter solchem Lärm nicht das Schlimmste vermutet hätte.
    So brauchte sie allerdings ein paar Sekunden um sich zu sammeln, und sah in die glutroten Augen eines Dunmers. "Feryn??", flüsterte sie leise und undeutlich, noch immer nicht ganz wach, denn sonst hätte sie gemerkt, dass das nicht sein konnte. Träumte sie? Der Schreck, der sie durchfuhr brachte sie dazu, sich aufzusetzen, was sie gleich darauf bereute, als ihr nicht nur die Rippen, sondern auch noch ihr Kopf weh tat. Das weckte sie immerhin vollständig auf, und außerdem fanden ihre tastenden Finger das Stilett nicht an ihrem üblichen Platz neben ihrem Kissen.
    Langsam dämmerte ihr auch wieder, wo sie war und vor allem wer ihr Gegenüber war. "Scheiße.", war ihr nächstes Wort, als sie ihren schmerzenden Kopf rieb. "Ich meine, guten Abend. Was zum Henker ist das hier für ein Lärm?"

    [Tirian]
    Als sich Lyviani scheinbar erschrocken aufsetzte, zog Tirian gerade noch seinen Kopf rechtzeitig zur Seite, bevor sie ihm unbeabsichtigt eine Kopfnuss verpassen konnte. Sie schien mit ihrer Hand hektisch nach etwas zu suchen. Tirian fühlte sich schlecht. Er hätte sie nicht so erschrecken dürfen, aber wer konnte schon ahnen, dass es genau in diesem Moment an die Tür hämmern würde. "Wer ist denn Feryn?": fragte sich der Heiler nur kurz, um dann auf die Frage der Dunmer zu antworten, die sich scheinbar wieder gefangen hatte: "Soweit ich das verstanden habe, wurden die Leute zum Abendessen gerufen. Offenbar haben wir den ganzen Tag verschlafen. Ich wollte euch aber ohnehin wecken. Ich habe mich soweit wieder erholt, dass ich mir mal eure Wunden anschauen kann, wenn ihr das möchtet." Er schaute sie auffordernd an.

    [Dreveni]
    Sie beobachtete Tirian argwöhnisch und versuchte herauszufinden, ob er mitbekommen hatte, dass sie ihn für jemanden anderen gehalten hatte, konnte in seinem Gesicht aber keine Anzeichen dafür lesen ob er es gehört hatte und wenn ja, was er darüber dachte.
    Das ist keine Frage des Wollens., dachte sie sich, als er anbot, sich ihre Verletzungen anzusehen. Nur zu gut war ihr noch in Erinnerung, wie er in dem Kratzer von dem Knochenläufer herumgestochert hatte. Aber andererseits konnte man das an ihrem Arm nicht so lassen, und auf eine häßliche Narbe von der Platzwunde hatte sie ebenfalls keine Lust.
    "Anschauen. Nicht rumstochern.", antwortete sie ihm schließlich, wobei ihr gleich darauf kam, wie wehleidig das klingen mußte. Sie sah ihm fest in die Augen und schickte hinterher: "Ich bin nämlich immer noch nicht ganz wach und kann nicht versprechen dass mir nicht aus Reflex die Hand ausrutscht."

    [Tirian]
    Tirian lächelte. "Keine Sorge ich bin ein Experte. Außerdem machtet ihr heute früh nicht den Anschein, als würde es euch etwas ausmachen selbst in eurem Arm herumzustochern": scherzte er und setzte sich neben Lyviani aufs Bett. "Ich werde vorsichtig sein": sagte er mit fester Stimme. Sie deutete noch einmal auf ihre Hand, um zu bestärken, dass er das auch bloß sein sollte, bevor sie ihren Arm freilegte, sodass er sich ihn noch einmal ansehen konnte. Tatsächlich hatte sie sich wohl noch am Morgen die Splitter alle selbst entfernt. Die Spuren dieser Tortur waren noch gut zu erkennen. Er konnte hier nicht mehr viel tun, als kurz mit der Hand darüber zu gehen und den Heilungsprozess mit etwas Magie zu stimulieren.

    Dann wandte er sich ihrer Platzwunde zu. Er begutachtete sie einen Moment, um dann zu seinem Gepäck zu gehen und sich ein kleines, aber sehr scharfes Messer - eine Spezialanfertigung - aus der Tasche mit seinem Operationsbesteck zu holen. Schließlich ging er wieder zu ihr und schaute sich die Beule noch einmal an. "Ihr habt da vorhin diesen Namen gesagt, als ihr aufgewacht seid. Wer ist dieser Feryn? Ein Freund von euch?": fragte Tirian, um sie davon abzulenken, dass er das Messer zur Hand nahm und einen schnellen, kurzen Schnitt durch die Schwellung an ihrer Stirn tat, sodass dunkles Blut heraussickerte. Noch bevor sie antworten konnte, legte er seine Hand auf drückte noch den Rest heraus. Die Schwellung verkleinerte sich deutlich, während es ihm leid tat, wie Lyvianis Gesicht sich vor Schmerz verzog. Schließlich nutzte er seine Magie, um den Schnitt zu heilen und die Schwellung schlussendlich zu beseitigen.

    "Tut mir leid": sagte er: "aber es geht am besten, wenn man es schnell macht. Habt ihr sonst noch Verletzungen, die ich mir anschauen soll?"

    [Dreveni]
    "Ich kann mir selber eine Menge aus dem Arm schneiden, was nicht heißt, das ich jemand anderen mit dem Messer auf mich losgehen lasse.", antwortete sie. "Und außerdem stocher ich nicht herum, ich kann zufällig mit Messern umgehen."
    Darüber hinaus waren ihr die paar Narben, die das an ihrem Arm geben würde, tatsächlich egal. Wesentlich mehr störten sie die beiden Schnitte des Assassinen der Morag Tong aus der Dwemerruine, aber an denen konnte sie jetzt auch nichts mehr ändern.
    Sie ließ Tirian arbeiten, nicht ohne ihn genau zu beobachten. Er schien allerdings nicht mehr vorzuhaben, in ihren Wunden herumzustochern.
    So richtig aus der Fassung brachte sie erst wieder seine Frage, wer denn Feryn sei. Bevor sie allerdings noch überlegen kontte, ob sie ihm überhaupt antworten oder die Frage ignorieren sollte, schnitt er ihr schon die Platzwunde auf der Stirn wieder auf. Sadist, ich sags doch., dachte sie sich nur, als sie die Zähne zusammenbiss, als er auch noch darauf herumdrückte. Sie schätzte gerade ihre Chancen ab, ihm das Messer aus der Hand zu winden und kam zu dem Schluß, dass sie es wohl schaffen sollte, als er gerade fertig war.
    "Ja.", antwortete sie auf seine Frage, und warf ihm einen leicht gequälten Blick zu. Zum einen, weil sie sich gerade tatsächlich leicht massakriert vorkam, zum anderen schadete es nie, wenn das Gegenüber wenigstens im Ansatz ein schlechtes Gewissen hatte, und alte Gewohnheiten, wenn es um die Manipulation anderer ging, waren nur schwer abzulegen.
    Sie zog den Ärmel hoch und betrachtete erst einmal selbst die Kratzer des Zombies, wobei sie die andere Hand in Tirians Richtung hielt, um ihn auf Abstand zu halten. Es juckte nach wie vor, wenn es auch nicht sonderlich schlimm aussah. Etwas Rot vielleicht, aber sonst...
    "Ich glaub das ist nicht so schlimm.", sagte sie schließlich, nachdem sie die Wunde ausgiebig studiert hatte. "Es ist mir egal ob es Narben gibt, da ist eh schon eine. Schneidet nur nicht dran rum wenn es nicht sein muß.", fügte sie noch an, und sah ihn dabei lauernd an.
    Die Prellung über ihren Rippen erwähnte sie nicht, sie war inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass sie vermutlich nicht gebrochen waren.

    [Tirian]
    "Es ist mir egal ob es Narben gibt, da ist eh schon eine. Schneidet nur nicht dran rum wenn es nicht sein muß": sagte sie und hielt ihren anderen Arm hin. Er zuckte mit den Schultern. "Es ist keine Schande nicht zu wollen, dass der eigene Körper auf ewig verschandelt ist. Auch für Kriegernaturen": sagte Tirian und beugte sich vor, um die Wunde in Augenschein zu nehmen. Er verengte die Augen und betrachtete sie skeptisch. Er erinnerte sich daran, dass Lyviani schon zuvor öfters daran gekratzt hatte. "Jucken die Kratzer?": fragte er. Sie nickte. Tirian schloss seine Hand um ihren Arm. Die Wunde fühlte sich heiß an. "Eine Infektion": erkannte er in Gedanken. Er drückte ein wenig auf den Kratzern herum. Er konnte nichts weiter erkennen oder spüren. Erfreulich. "Nein, schneiden muss ich wohl nicht. Die Wunde hat sich entzündet, aber es hat sich noch kein Eiter gebildet. Das wir uns heute früh noch gewaschen haben, dürfte dazu beigetragen haben, dass der Zustand sich noch nicht wesentlich verschlimmert hat": sagte er. "Es dürfte reichen, wenn ihr die Wunde nochmals gründlich ausspült und ich euch einen Trank zubereite, der die Keime in eurem Körper abtötet": schätzte Tirian ein. Er hielt kurz inne. "Wenn ich es recht bedenke wäre es von Vorteil, wenn wir einen Trank gegen Krankheiten finden. Den müsste ich bloß mit Hustengras anreichern. Das wäre vermutlich effektiver. Ich wollte mich ohnehin hier etwas in der Festung umsehen und Hunger habe ich auch wie ein Wolf. Da können wir auch mal schauen, ob wir hier etwas kaufen können": schlug der Heiler vor.

    [Dreveni]
    Als es Tirian ansprach, merkte auch Dreveni, wie hungrig sie inzwischen war. Sie hatte schon im Lager der Ashländer nicht viel gegessen, und seit dem gar nichts mehr. "In Ordnung.", stimmte sie ihm zu, und stand auf. Ihr Kamm lag noch auf dem Tischchen neben ihrem Bett und sie kämmte sich die Haare, die vom schlafen noch ganz verwuschelt waren. Soviel Zeit hatten sie noch, entschied sie für sich. Danach suchte sie das Stilett und befestigte es wieder an ihrem Arm. Unter dem etwas weiter geschnittenen Ärmel des Kleides war es nun nicht mehr zu sehen. Danach hakte sie die Schwertscheide von ihrem Waffengürtel, so dass nur noch der Dolch daran hing, und schlang ihn sich um die Hüfte. Für das Schwert war hier vermutlich eh nicht genug Platz, allein die Decke war schon viel zu niedrig, und es würde sie nur behindern, würden sie in einen Kampf verwickelt werden.
    Als sie beide fertig waren, verließen sie das Zimmer. In den Gängen war jetzt wesentlich mehr Betrieb als heute früh noch, wo vermutlich die meisten geschlafen hatten. Sie standen kurz auf dem Gang um sich zu Orientieren, da bedeutete ihnen auch schon einer der Wachen die vor ihrem Zimmer zurück geblieben waren, in welcher Richtung der Gastraum war.
    Es war nicht weit von ihrem Zimmer, und so betrat sie bald zusammen mit dem Heiler eine große Halle, die eng mit Tischen und Stühlen voll gestellt war. In der Mitte befand sich eine große, gemauerte Schale in der ein Feuer brannte, der Rest des Saales wurde ebenfalls wieder von Kerzen und Öllampen erhellt.
    Es herrschte schon reger Betrieb, und da war Dreveni für einen Moment, als würde sie Augen in ihrem Rücken spüren, die sie scharf beobachteten. Als sie sich umdrehte, war dort allerdings niemand, der in ihre Richtung starrte, so maß sie dem ganzen keine große Bedeutung bei.

    [Tirian]
    Der Heiler wartete noch bis Lyviani sich ausgerüstet hatte. Er selbst verzichtete auf seine Waffe, die auch dringend gereinigt werden müsste. Sicherlich gab es auch hier so etwas wie einen Waschplatz in dieser Festung und da konnte er die Klinge dann gleich zusammen mit seiner Kleidung reinigen. Und dann musste er sie noch flicken, wie ihm mit Bedauern einfiel. Aber immerhin war die Robe mit etwas Glück noch zu retten im Gegensatz zu der Anderen, die ihm der Ashkhan mit seiner Axt ruiniert hatte. Unbewaffnet, zur Not hatte er ja noch seine Magie, verließen sie ihr Quartier. Etwas ziellos gingen sie durch den engen Gang, in dem doch deutlicher Betrieb herrschte, bis ihnen eine Wache den Weg zur Kantine wies. Mit dem freundlichen Hinweis und dem deutlichen Geruch nach Essen war der Raum auch bald gefunden. Sie traten gemeinsam in eine etwas größere Halle ein, die von einem großen Feuerbecken in der Mitte erleuchtet wurde. Aus einer Reihe von Tischen hatte man eine Theke vor zwei Feuerstellen, auf denen zwei ziemlich große Kessel vor sich hin dampften, improvisiert. Teller und Becher türmten sich schmutzig und sauber fein getrennt, auf weiteren Tischen dahinter. Das Vorratslager der Küche bestand aus einem großen Haufen von Säcken, Körben und Transporturnen, der sich in einer Ecke hinter der Theke ausbreitete. Alles lag offenbar wahllos durcheinander. Ebenso unschön anzusehen war die Stelle, wo der Koch - ein dickleibiger Nord in einem schmierigen Leinenhemd und einer wirklich fleckigen und blutigen Schürze, gerade einen Guar mit einer Streitaxt zerlegte. "Söldner": dachte Tirian kopfschüttelnd.

    Lyviani schaute sich neben ihm kurz um, als hätte sie etwas bemerkt, aber ihr Gesicht klarte sich schnell wieder auf. Vielleicht hatte sie auch nur wie er den Zustand dieser Spelunke genauer ins Auge gefasst. Schließlich steuerte sie einen etwas abseits stehenden Tisch an und Tirian folgte ihr. Er hatte auch keine wirkliche Lust sich ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu begeben. Allerdings stand das offenbar nicht zur Debatte. Der Heiler vernahm nämlich die Stimme der Altmer, als sie sich gerade setzen wollten. Die Augen verdrehend wandte er sich um und sah sie schließlich am Kopfende einer großen Tafel, die von den Einzeltischen deutlich abgesetzt stand, und mit gerüsteten Männern und Frauen besetzt war, sitzen. Anhand ihrer herrischen Gesten konnte man erkennen, dass sie wohl darauf bestehen würde, dass sie sich zu ihr setzten. Tirian seufzte. "Es scheint als würde unsere Anwesenheit da drüben verlangt": meinte er zur Assassinin, die wie er seufzte. Sie gingen zu ihrer "Gastgeberin" hinüber und setzten sich auf zwei freie Plätze zu ihrer Linken.

    "Die Tische dort drüben sind für die zahlende Kundschaft. Diese ganzen Händler und Reisenden. Da sind die Weidenländer mal etwas unsicher wegen marodierenden daedrischen Horden und schon zahlen sie für eine Unterkunft und eine warme Mahlzeit hier mitten im Nirgendwo jeden Preis": sagte sie und lachte. "Feiglinge. Die Skampe, die wir hier auch nur in die Suppe tun, könnten sie wie wir auch schließlich selbst erlegen": sagte sie verächtlich. Dann schaute sie abwechselnd ihn und Lyviani an. "Aber ihr seid ja meine Gäste und da braucht ihr natürlich Nichts fürs Essen zu zahlen": sprach sie wieder gönnerhaft. Tirian kam langsam wieder die Wut hoch. Einige Minuten blieb es still, dann verfinsterte sich der Gesichtsausdruck der Altmer plötzlich. "Ein Danke wäre natürlich nicht zuviel verlangt": zischte sie nun grantig und lautwerdend. Tirian verbiss sich den Kommentar, den er auf den Lippen hatte. Ebenso stupste er die Assassine an, die offenbar genauso knapp davor stand, etwas Falsches zu sagen. "Natürlich. Habt vielen Dank": eilte er sich nun das Gewünschte auszusprechen. Das Gesicht der Altmer näherte sich nun dem seiner Begleiterin. "Meint ihr nicht auch?": fragte sie die Dunmer nun direkt ins Gesicht.

    [Dreveni]
    Dreveni folgte Tirian schließlich zu dem Tisch an dem auch die Altmer saß, und ihr kam wieder das Bild einer Kette in den Kopf, an der ihre Ohren hingen, fein säuberlich durch die Spitzen gebohrt. Sie mußte sich kräftig auf die Zunge beißen, um nichts falsches zu sagen, andererseits war sie hier fast wieder in ihrem Element, und ihr machte gerade nur ihr Begleiter etwas sorgen. Der hatte es eindeutig noch nicht so ganz raus, wann man verhasste Elfen getrost erschlagen konnte und wann man sich besser beherrschte. Allerdings sah sie es dann doch nicht so ganz ein, sich bei dem Weibsbild noch zu bedanken, aber nachdem sie von ihr direkt angesprochen wurde, schien ihr nichts mehr anderes übrig zu bleiben, denn alle Augen waren nun auf sie gerichtet.
    "Vielen Dank.", sagte sie schließlich, ohne auch nur den Ansatz von Sarkasmus oder ähnlichem in Stimme und Gesicht. "Wir wissen eure Gastfreundschaft wirklich zu schätzen, hier mitten im Nirgendwo. Vor allem für das heiße Bad und das Essen haben wir zu danken."
    Du bist wohl doch eher früher als später fällig, du kleines Miststück. Schlampe. Hure., fluchte sie in sich hinein, doch noch immer verriet sich davon nichts in ihrem Gesicht. Sie würde nicht die erste sein, der sie freundlich lächelnd in den Rücken stach, und sicher auch nicht die letzte. Als erstes würde sie herausbekommen, wo sie schlief oder ob sie sich sonst einmal irgendwo alleine aufhielt. Und was der schnellste Fluchtweg hier raus war. Sie sah die Altmer immer noch offen und freundlich an, da sah sie hinter ihr etwas weiter entfernt einen Dunmer vorbeilaufen. Normal wäre ihr das gar nicht aufgefallen, doch seine Bewegungen kamen ihr irgendwie bekannt vor. Bevor sie ihn allerdings näher betrachten konnte, war er schon wieder im Gedränge verschwunden.

  3. #63

    Weidenländer, Falensarano

    [Tirian]
    Auch Lyviani hielt sich zurück und machte gute Miene zum bösen Spiel. Wenn sie diese Frau umbringen wollte, hätte er wohl kaum mehr etwas dagegen gehabt. Im nächsten Moment erschreckte ihn dieser Gedanke. Er schüttelte den Kopf. Die Altmer setzte nun wieder ein freundliches Gesicht auf. Tirian war überrascht, wie schnell sich die Stimmung ihrer "Gastgeberin" ändern konnte. "Wir sind hier eine große Familie. Fühlt euch also willkommen": sagte sie und dann drehte sie sich um und schaute in Richtung Küche. "Und das dort ist der nette Onkel, der auf den Familienfesten den Braten überm Feuer wendet": sagte sie und deutete auf den fetten Nord-Koch, der näher getapst kam. Sein Kopf war bis auf einen Haarkranz an den Seiten kahl und sein Bart hing ihm fettig und verfilzt vom Kinn. Um den Mund herum war er mehr oder minder gut rasiert. Aber selbst ein ausgedehnter Bartwuchs hätte wohl kaum die aufgequollenen Lippen, die dicke, rote Nase oder die Schweinsaugen verdecken können. Auf halbem Weg blieb der Beleibte stehen und brüllte einige Kommandos scheinbar wahllos in den Raum. Aus der Menge der Gäste sah der Heiler nun einige Khajiit heranwuseln. Sie füllten aus den zwei großen Kesseln nun einige kleinere Töpfe auf, die sie dann zu ihnen herüberschleppten. Schnell machten sich die Sklaven daran Holzschüsseln und Besteck zu verteilen und den Söldnern die Teller mit Eintopf zu füllen und dann von einer ebenfalls herangetragenen größeren Platte unförmige Fleischbrocken hinein zu legen. Dazu gab es Brot. Mit lautem Auftreten kündigte sich der Koche an und baute sich neben der Altmer auf. Knurrig blickte er auf ihn und Lyviani herab, um dann von seiner Anführerin entlassen zu werden.

    Tirian schaute auf seinen Teller. Etwas zögernd betrachtete er die Plürre auf der sich bereits Fettaugen abzeichneten. Er schluckte. Zögernd tunkte er den Löffel hinein und rührte kräftig, bevor er es über sich brachte etwas von der Suppe aufzunehmen und an seine Lippen zu führen. Noch einen Moment hielt er inne, dann schob er sich den Löffel in den Mund und schluckte die Brühe herunter. Und... tatsächlich schmeckte der Eintopf überraschend gut. Zur Probe nahm er schnell noch einen Löffel voll und dann noch einen und noch einen. Tatsächlich bestätigte sich der Geschmackstest und es gab auch keinen verdächtigen Nachgeschmack. "Der Nord sieht zwar so ekelhaft aus wie seine Küche, aber er kann kochen": musste der Heiler schließlich eingestehen. Mit einem Nicken deutete er seine Begleiterin an, die bisher ihr Essen noch nicht angerührt hatte, dass es durchaus genießbar war. Das Fleisch, das er als nächstes probierte, war auch durch und sogar recht zart geraten. An den Kommentar der Altmer, das er womöglich eine Skamp-Keule aß, dachte er nicht mehr. Außerdem war er viel zu hungrig, als das ihn das noch interessiert hätte. Viel mehr schlang er nun den Eintopf, das Fleisch und das Brot herunter und war geradezu froh, als ihm eine Sklavin ungefragt nachgab, als der Teller leer war. Der gröbste Hunger war jedoch erstmal gestillt und er gewann die Kontrolle über seine Sinne zurück. Anstatt hastig zu schlingen, aß er nun wieder deutlich langsamer und mit mehr Genuss. "Euch scheint das Essen zu schmecken": bemerkte die Altmer von der Seite. Erst jetzt bemerkte der Heiler, dass sie Nichts aß. "Durchaus. Euer Koch... er versteht sein Handwerk": bemerkte Tirian zwischen zwei Löffeln. "Das hört er nicht gerne. Lieber würde Mischa wie früher Gegner ausweiden und nicht irgendwelche Beutetiere. Ach... er war so ein Virtuose mit der Kriegsaxt. Der gute Mischa hat sich für mich einen Zauber eingefangen. Hat ihm den ganzen Rücken geschmort und die Muskeln angesengt. Roch wie ein gut gewürzter Braten hat ihn leider die Kraft gekostet, die man für eine Kriegsaxt braucht. Aber hier ist er ja auch gut aufgehoben": erzählte die Altmer beiläufig und geradezu gedankenverloren. "Esst ruhig weiter. Ich muss noch jemandem die Kehle durchschneiden": sagte sie und erhob sich mit einem Lachen vom Tisch.

    "Sie ist verrückt": meinte er zu seiner Begleiterin. Da fiel ihm etwas ein. "Ihr habt übrigens meine Frage von vorhin noch nicht beantwortet": erinnerte Tirian Lyviani.

    [Dreveni]
    Dreveni beobachtete die Altmer, und sie kam unabhängig zu dem gleichen Schluß wie ihr Begleiter, sie war eindeutig mit Vorsicht zu genießen, da unberechenbar. Als sie eine Weile zugesehen hatte, wie Tirian aß oder vielmehr, das Essen hinunter schlang, und auch der Rest am Tisch das gleiche aus den gleichen Töpfen aß, überwand sie sich schließlich.
    Es war besser als es aussah, und darüber hinaus war sie kurz vorm Verhungern. Was es genau war, war ihr im Moment auch egal, sie wünschte sich nur, dass diese Altmer endlich den Mund halten würde. Davon abgesehen stellte sie fest, dass ihr die Gesellschaft von Assassinen wesentlich lieber war, als die von Söldnern. Ihr Handwerk verlangte doch noch eine gewisse... Feinfühligkeit, die den grobschlächtigen Gestalten hier völlig abzugehen schien. Sicher, es gab auch Assassinen, denen man niemals zugetraut hätte, dass sie sich auch nur an einem Tauben vorbeischleichen konnten, aber das war die Ausnahme.
    Als sich schließlich die Söldnerin mit den Worten erhob, sie müsse noch jemandem die Kehle durchschneiden, wünschte ihr Dreveni mehr aus Reflex als aus Höflichkeit viel Erfolg dabei, und nickte Tirian auf seine Feststellung hin zu, da hätte sie sich fast an ihrem Essen verschluckt, als er wieder mit dem Thema von vorhin anfing.
    Sie atmete tief durch, bevor sie ihr Gesicht dem Heiler zuwandte, ihn anlächelte und in einer scheinbar vertrauten Geste ihre Hand in seinen Nacken legte. Sie kam mit ihrem Gesicht nahe an seines heran, als hätte sie vor ihn zu küssen, flüsterte ihm aber statt dessen ins Ohr: "Wenn ihr diesen Namen nur einmal in der Öffentlichkeit erwähnt, seid ihr tot." Sie nahm den Kopf wieder etwas zurück, gerade so weit dass sich ihre Nasen fast berührten und sie ihm in die Augen sehen konnte. Hatte ihn ihr flüstern noch nicht überzeugt, dann würde es wohl der Blick tun, dem sie ihn jetzt noch zuwarf.
    Schließlich löste sie sich wieder von ihm und wandte sich weiter dem Essen zu. Als sie merkte, dass sie von den Umsitzenden beobachtet wurde, sagte sie ihm noch mit einem lächeln: "Mehr antwort gibt es später wenn wir unter uns sind."
    Natürlich hatte sie nicht vor, ihm irgendwas zu erzählen, aber die Söldner um sie schienen sich damit zufrieden zu geben, was man aus ihrem anzüglichen Grinsen schließen konnte.

    [Tirian]
    Der Heiler war erst verwundert, als die Assassine ihn im Nacken griff und sich ihre Gesichter annäherten. "Was soll das denn werden": fragte er sich und war wohl kurz davor rot zu werden, als er dann schließlich bei Lyvianis Worten und vor allem bei ihrem Blick sämtliche Farbe im Gesicht verlor. Ihr Blick zeigte ihm, dass sie es wirklich todernst meinte. Er schluckte. Als sie dann deutlich gespielt freundlicher hinzufügte, dass er später mehr Antworten bekommen würde, war ihm der Appetit restlos vergangen. Er stocherte noch etwas im Fleisch herum und fragte sich, was er von seiner Begleiterin halten sollte. "Sie ist eine Meuchelmörderin": rief er sich wieder ins Gedächtnis und seufzte. Wenn man gemeinsam einem rachsüchtigen Geist entkommen war, konnte man das schnell vergessen. Schließlich erhob er sich. Auf einen fragenden Blick der Assassine sagte er nur: "Ich schaue mal, ob ich hier einen gewünschten Trank bekomme. Ihr könnt ruhig weiter essen. Wir sehen uns später auf der Kammer" Sie nickte und drehte sich wieder zum Tisch. Ein dreckiges Lachen erklang von den Söldnern. Verwirrt darüber entfernte sich Tirian. Er verließ die Kantine und streifte etwas durch die Gänge. Aber nicht weit. Lauter werdende Verkaufsverhandlungen erweckten seine Aufmerksamkeit. Sie drangen aus einer Kammer. Langsam näherte sich der Heiler der Tür und sah hinein. Links und rechts eines Korridors, den man freigelassen hatte, waren Tische aufgestellt worden hinter denen nun vier Männer und zwei Frauen saßen und allerlei Waren feilboten. Die eine Frau in der hinteren rechten Ecke hatte auf ihrem Tisch Kräuter und Flaschen ausgebreitet. Dort, so hoffte er, würde er sicher bekommen, was er brauchte.

    Tirian trat hinein. Ein Söldner, der direkt um die Ecke gewartet hatte, packte ihn. "Keinen Ärger, keine langen Finger, sonst sind sie ab": drohte er. Der Dunmer signalisierte, dass er keinen Ärger machen würde und wurde losgelassen. Schnell bewegte er sich zur gewünschten Händlerin. Die schaute ihn mit einem schiefen Lächeln an. "Verzeiht": begann sie das Gespräch. "Das scheint mir ja nicht sonderlich verkaufsfördernd zu sein": merkte der Heiler missmutig an. "Sicher nicht. Aber die Kunden hier haben auch keine andere Wahl. In dieser Gegend der Weidenländer und vor der Amur sind wir der einzige Handelsposten. Und leider müssen auch wir die Söldner akzeptieren, denn denen gehört die Festung jetzt. Wir zahlen auch nur unsere Standmiete dafür, dass wir hier handeln dürfen. Dafür verbieten sie das der Konkurrenz": erklärte die Frau. Tirian machte darauf nur ein "hmm". Die Altmer spielte sich hier scheinbar wirklich auf, als wäre sie die Fürstin dieses Gebietes - absolut, willkürlich, gierig. "Es ist immer noch besser als zu den Händlern zu gehören, die den Wegzoll der Söldner bezahlen müssen...": merkte sie deutlich leiser und mit einem Blick auf eine der Wachen an. Der Heiler zog die Augenbrauen hoch. Er verstand es. "Neulich allerdings kehrte eine Gruppe von Eintreibern, Dunmer aus dem Redoran-Gebiet, nicht zurück, seitdem sind die Leute noch unerbittlicher geworden": meinte sie. Der Heiler verlor wieder seine Farbe. Er musste gerade an die Gruppe Redoraner denken, die sie in der Nähe des Aschländerlagers ausgelöscht hatten. Wenn die zu diesen Söldnern hier gehörten, dann sollte die Altmer besser nicht erfahren, dass er und Lyviani direkt an ihrem Tod beteiligt waren. "Geht es euch nicht gut?": fragte die Händlerin. "Ach mir wurde gerade nur etwas schwindlig. Ich wollte ohnehin einen allgemeinen Heiltrank gegen Krankheiten kaufen. Er kann gern etwas stärker sein": wünschte Tirian und bekam gleich eine Flasche gereicht. "Das macht 50 Draken": sagte sein Gegenüber mit einem Lächeln. "Wegelagerei gibt es offenbar auch in den unterschiedlichsten Formen": dachte er und bezahlte widerstrebend den Preis.

    [Dreveni]
    Ihr war nicht entgangen, wie schockiert sie Tirian angesehen hatte. Andererseits konnte sie es auch nicht ändern, und besser so, als dass er sie noch beide um Kopf und Kragen redete. Und wer wußte schon, wo sich die Assassinen der Morag Tong überall herumtrieben. Immerhin hatte sie ihm von Anfang an nicht ihren richtigen Namen genannt, worüber sie jetzt auch mehr als froh war. Sie ärgerte sich nur, dass ihr Feryns Name so herausgerutscht war, aber daran war jetzt nichts mehr zu ändern.
    Es hielt sie ebenfalls nicht mehr lange am Tisch zwischen den Söldnern, und so machte sie sich wieder auf den Weg in ihre Kammer. Dort angekommen suchte sie den Ring aus ihren Sachen, den sie dem Dremora vom Finger geschnitten hatte. Sie würde vermutlich nicht das bekommen, was er wert war, aber wenn es hier schon Händler gab, war das vermutlich vorerst die letzte Gelegenheit, ein paar Dinge zu erledigen. Ein Schmied käme nicht ungelegen, die Spitze ihres Stiletts hatte tatsächlich schon bessere Zeiten gesehen.
    Sie fragte eine der Wachen direkt nach dem Schmied, in der Hoffnung, den Ring dort auch direkt zu Gold machen zu können. Er deutete in Richtung Decke, und es gab wohl tatsächlich keinen besseren Ort als unter freien Himmel. Nachdem sie die Plattform oben betreten hatte, war das Zelt unter dem sich die Schmiede befand nicht schwer zu finden. Der Schmied selbst war ein Muskelbepackter Rothwardone, der anscheinend hier auch nur zu Gast war.
    Sie feilschten eine Weile, und einigten sich schließlich darauf, dass er ihr das Stilett schleifen würde und ihr noch 100 Draken dazu geben würde. Ihr kam die unangenehme vermutung, dass er ganz genau wußte, welche Verzauberung auf dem Ring lag und sie kräftig übers Ohr haute, aber sie hatte auch wirklich keine Lust, weiter zu feilschen und außerdem sonst nur noch ein paar Septime aus Cyrodiil.
    Auch die geringschätzigen Blicke, die er ihr zuwarf als er sah, welche Waffe er reparieren sollte, entgingen ihr nicht. Es war nicht unbedingt so, dass nur Assassinen solche Waffen führten, aber es war doch eine ausgesprochen hinterhältige Waffe. Wenn man es richtig machte, konnte man die Opfer fast ohne Spuren ums Eck bringen, da ein Stilett zwar spitz war, aber normalerweise keine geschliffene Klinge hatte. Dadurch konnte es massive innere Verletzungen verursachen, während man von außen gerade einen feinen Einstich sah, wenn man es richtig machte.
    Schließlich gab er ihr das Stilett zurück, das jetzt wieder spitz wie eine Nadel war, und einen kleinen Stoffbeutel mit 100 Draken.
    Als sie auf dem Weg in das Innere der Festung war, beschlich sie wieder kurz das Gefühl dass sie beobachtet wurde, hakte es aber gleich als Einbildung ab. Immerhin hatte sie dieses Mal nicht durch die halbe Taverne geschrien, wer sie war und von wem sie Briefe bekommen hatte.
    Bevor sie noch richtig wußte, wo sie als nächstes hingehen sollte, stand sie schon wieder vor ihrer Kammer. Sie beschloss, hineinzugehen und ihre Kleidung zu sortieren was man noch waschen und nähen konnte und was hoffnungslos hinüber war.
    Erleichtert sah sie, dass das Zimmer leer war, sie hatte gerade überhaupt keine Lust, sich mit dem Heiler auseinander zu setzen.

    [Tirian]
    Den Heiler zog es nur noch etwas länger durch die Gänge, nachdem er den Trank gekauft hatte. Über den Preis ärgerte er sich noch, aber er musste zumindest zugeben, dass sie ihm gute Qualität verkauft hatte. Er schlenderte nur noch kurz durch die Festung und kehrte bald zu ihrer Kammer zurück. Er hatte vor einem Moment Lyviani aus der Ferne hinein huschen sehen. Er drückte sich noch etwas auf dem Gang herum. Eigentlich wollte er im Moment nicht zu ihr, allerdings trieb ihn seine Berufsehre dazu. Umso schneller sie den Trank bekam, umso besser für den Heilungsprozess. Tirian würde es sich niemals verzeihen, wenn er ihr den Arm abschneiden müsste, nur weil er jetzt nicht zu ihr gehen wollte. Der Heiler ging zur Kammer hinüber. Seine Hand ruhte auf der Klinke. In seinem Kopf spielte sich die Szene in der Kantine noch einmal ab. Ein eiskaltes Schaudern lief seinen Rücken hinunter "Feryn...": flüsterte er. "Was hat es mit ihm auf sich, dass sie so wütend wird?": ging es ihm durch den Kopf. Er öffnete die Tür und trat ein. Er schloss leise die Tür. Die Assassine saß vor ihrem Gepäck und schien ihre Kleidung zu sortieren. Ohne ein Wort zu sagen ging er zum Waschzuber und hob die versiffte Robe und den Gürtel auf und entfernte die Beutel. Anschließend legte er sie zu seinem Gepäck und behielt nur den Beutel mit dem Hustengras in der Hand. Er nahm einen Stängel heraus, zerrieb ihn und streute ihn dann in den Heiltrank.

    Er stellte ihn neben Lyviani auf den Boden. "Das ist der Heiltrank. Ich habe ihn gerade noch um ein wenig Hustengras angereichert. Könnte sein, dass ihr ein paar Stückchen bemerkt. Schluckt sie mit runter. Die sind gesund": sagte er und setzte sich dann auf sein Bett. Die Dunmer ignorierte ihn völlig. Mehrere Minuten lang herrschte Grabesstille im Raum. "Ich will nicht aufdringlich sein, aber könnt ihr mir verraten, was das vorhin zu bedeuten hatte?": wollte er schließlich wissen. Der Schreck saß ihm noch immer im Kopf. Und er wollte das lieber geklärt wissen.

    [Dreveni]
    Auch dieses Mal währte die Ruhe nicht lange, die sie in der Kammer gesucht hatte, denn schon kurz nach ihr trat Tirian durch die Tür. Sie sah nicht einmal von ihrer Arbeit auf, auch wenn sie genau hörte, was er gerade tat. Auch als er das Fläschchen neben sie stellte, sah sie nicht auf. Immerhin machte es bis jetzt den Anschein, dass er das Thema Feryn ruhen lassen würde. Was bildete er sich auch ein, dass er dermaßen nach bohrte nur weil sie sich im Halbschlaf versprochen hatte? War sie vorhin schon wieder fast in einer ausgeglichenen Stimmung gewesen, wuchs nun langsam wieder ihr Wut, wobei sie noch nicht einmal sagen könnte, auf wen oder was genau sie wütend war. Inzwischen hatte sie ihr Nähzeug, dass neben ihr lag, genommen und riss ein Stück Faden ab. Sie konnte die Sachen auch vor dem Waschen noch kurz nähen.
    Gerade als sie Tirians Anwesenheit erfolgreich verdrängt hatte und sie einen Riss in einer dunkelgrauen Tunika nähte, hörte sie ihn fragen: "Ich will nicht aufdringlich sein, aber könnt ihr mir verraten, was das vorhin zu bedeuten hatte?"

    Sie hielt kurz mit ihrer Tätigkeit inne, sah ihn aber immer noch nicht an. Für einen Moment schloss sie entnervt die Augen, bevor sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorbrachte: "Vielleicht solltet ihr dann einfach still sein, wenn ihr schon nicht aufdringlich sein wollt." Danach nähte sie weiter an einem Riss, wobei sie so fest am Faden zog, dass er fast gerissen wäre.

    [Tirian]
    Etwas sprachlos schaute er sie an. Sie hatte diesen Namen ausgesprochen. Er hatte nur eine beiläufige Frage gestellt, die ihn nicht wirklich brennend interessiert hatte und wurde von ihr dafür mit dem Tode bedroht. Und jetzt sollte er still sein? "Nein ich will wirklich nicht aufdringlich sein, aber schweigen werde ich nicht. Ihr schuldet mir ein paar Antworten. Mich interessiert nicht einmal wer dieser Feryn ist, aber verzeiht ihr habt diesen Namen genannt. Ich wollte mich bloß erkundigen, da ihr so verträumt drein geschaut habt, als er ihn ausspracht, was bei euch schon selten genug vorkommt und als Dank droht ihr mir an mich abzustechen": sagte er wurde nicht wirklich laut aber redete in seiner Erregung immer schneller. Schließlich sprang er beim letzten Satz vom Bett auf und machte einige hektische Schritte im Zimmer auf und ab.

    [Dreveni]
    Schulden? Antworten? Sie ihm? Dreveni glaubte ernsthaft, sich verhört zu haben, aber dem Dunmer war es offensichtlich ernst. Verträumt dreingeschaut? Es wurde ja immer besser. Konnte sie etwas dafür, dass er fast genau seine Augen hatte? Sie schüttelte nur stumm den Kopf während sie demonstrativ an Tirian vorbeisah, und ihm dabei zuhörte.
    "Ich habe euch nur klar gemacht, dass das kein Thema ist, dass ihr in der Öffentlichkeit erwähnt. Und zwar unter keinen Umständen.", sagte sie nun, wobei sie etwas lauter und schärfer sprach als vorhin noch, den Blick jetzt wieder direkt auf ihn gerichtet. "Und wenn ihr derart sensibel seid, dass euch das so aus der Fassung bringt, ist dass nun wirklich euer Problem." Sie legte das Nähzeug mit Schwung zur Seite, da ihr vor Wut die Hände zitterten, und starrte den Heiler an, blieb dabei jedoch sitzen.

    [Tirian]
    Sie schaute ihn direkt an. "Wenn ihr nicht über ihn sprechen wolltet, hättet ihr mir das auch sagen können, dann hätte ich das respektiert und nicht weiter nachgehakt. Das ihr mir dann aber sogar mit dem Tode droht, obwohl ich den Namen nicht einmal ausgesprochen habe, ist ein starkes Stück": erregte sich der Heiler. Er hielt ihrem Blick stand. "Was ist an diesem Feryn dran, dass ihr den Namen in der Öffentlichkeit nicht gebrauchen wollt? Habt ihr etwa Angst? Ist das jemand den ihr töten wolltet und dessen Rache euch nun verfolgt? Nicht das es mich interessieren würde, aber ich wüsste gerne, was so besonders an einem Namen ist, dass ihr mich töten wollt, nach alldem...": sagte er und klang jetzt fast noch eher enttäuscht als alles andere. War Lyviani denn wirklich alles egal?

    [Dreveni]
    "Wie verflucht naiv kann man eigentlich sein?", fuhr sie Tirian an, und erhob sich nun ebenfalls, mit einer einzigen fließenden Bewegung, und mit zwei weiteren, schnellen Schritten stand sie direkt vor dem Dunmer. Die Enttäuschung in seinen letzten Worten war ihr nicht entgangen, und das war mehr, als sie im Moment ertragen konnte. Sie funkelte ihn wütend an, als sie nach Worten suchte. Er hatte sie bei ihrer Reise schon das eine oder andere Mal auf die Palme getrieben, aber noch nie war sie so kurz davor gewesen, ihm gegenüber komplett die Beherrschung zu verlieren.
    "Und ja, ich hätte nicht das geringste Problem, euch zu töten, bevor ihr uns beide um Kopf und Kragen redet."
    Jetzt gerade zweifelte sie selbst nicht daran, denn sie war ohnehin kurz davor, sich auf Tirian zu stürzen, würde er nicht bald aufhören, weiter nach Feryn zu fragen. Andererseits war ihr auch mit einem letzten Rest von klarem Denken bewußt, dass sie es vielleicht doch nicht mehr so kaltblütig konnte, wie vermutlich noch zu beginn ihrer Reise, als sie ihn nicht so gut gekannt hatte...

    [Tirian]
    Sein Gesicht verschloss sich. "Naiv?": überlegte er. Wahrscheinlich hatte sie Recht. Naiv war er vielleicht ein bisschen. Aber es war ihm lieber dieses Stück Naivität zu bewahren als einzig zynisch durch die Welt zu gehen und hinter jeder Ecke das Schlimmste zu vermuten. Er traute Lyviani unweigerlich zu, dass es sie tun konnte und würde. Dann fiel ihm der Abend im Lager der Aschländer wieder ein. Sie hatte geweint. Sie war verletzlich und letztlich glaubte er ihr zumindest nicht, dass sie es zumindest oder Bedauern tun würde. Er schaute sie an, versuchte ihn ihren vor Wut zusammengezogenen Augen zu lesen und schaute dabei tief hinein. Kurz zuckten seine Mundwinkel zu einem Lächeln, bevor er sich ausdruckslos abwandte. "Ich sagte euch, dass ich es respektieren würde. Ihr wollt nicht über Feryn reden. Ich werde es nicht tun. Doch ich glaube, dass ihr diejenige seid, die hier wirklich ein Problem hat": meinte er und ging zur Tür. Er öffnete sie schnell. "Ich lasse euch am besten allein. Ich werde mir die Festung noch etwas ansehen und etwas frische Luft schnappen": verabschiedete er sich schließlich. Er wollte keine Antwort von ihr haben. Sie hatte ihren Standpunkt ohnehin klar genug gemacht.

    [Dreveni]
    Er ließ sie einfach stehen. Sie hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Genauso wie damals, als sie die Ashländer vor den Söldnern gerettet hatten. Problem? DU bist mein Problem., dachte sie, und rief ihm hinterher: "Wir sind noch nicht fertig, ihr werdet jetzt nicht...!", doch da hatte er die Türe schon hinter sich geschlossen. Bevor sie noch richtig merkte, was sie tat, hatte sie den Dolch in der Hand und Richtung Tür geworfen, in der er jetzt zittern steckte. "SCHEISSE!", fluchte sie laut und sah sich um, aber es war nichts unmittelbar greifbar, was sie ebenfalls an die Tür schmeißen konnte. Sie stand immer noch mitten im Raum und atmete ein paar Mal tief durch, wurde aber nicht wirklich ruhiger dadurch. Schließlich ging sie zur Tür und zog den Dolch mit Schwung heraus und steckte ihn wieder in die Scheide an ihrem Gürtel. Wenn sie hier noch weiter in diesem Zimmer war, würde sie noch explodieren, anstatt sich zu beruhigen, und so verließ sie ebenfalls die Kammer, inzwischen sollte der Heiler wohl weit genug weg gegangen sein, dass sie ihn nicht mehr sehen mußte. Hier draußen unter Anderen war sie gezwungen, sich zumindest äußerlich zusammen zu nehmen, was sich meistens auch auf ihre Stimmung auswirkte.
    Fast automatisch schlug sie den Weg auf das Dach der Festung ein, bis ihr einfiel, das Tirian etwas von frischer Luft gesagt hatte. Nun ja, sie würde ihm schon ausweichen, aber sie mußte jetzt ebenfalls hier raus.

  4. #64

    Weidenländer, Falensarano

    Tirian hörte nur noch kurz ein Geräusch an der Tür, ansonsten war er auch schon weg. „Eine Mörderin! Wie konnte ich nur auf diese Idee kommen“: fragte er sich immer wieder und wies sich selbst im nächsten Moment zurecht. Er wusste nur zu gut, dass das zu einfach wäre. Es wäre so einfach, wie Lyviani sich vielleicht wünschte, dass sie wäre. Das war sie aber nicht und er konnte das spüren. Er wünschte sich selbst, dass es einfach wäre. Jetzt noch mehr als zuvor. Das sie wieder nur die angeheuerte Söldnerin für ihn wäre. Davor hatte er sie nicht einfach benutzen können, das lag nicht in seiner Natur. Und jetzt? Noch weniger. Der Heiler schüttelte den Kopf. „Was soll das nur werden? Wir sind so verschieden“: überlegte er und sah die Chancen schwinden Tarrior tatsächlich aus Tel Uvirith zu befreien. Sie konnten wenn es drauf ankam zusammenarbeiten, aber in ihren Methoden und ihrem Handeln unterschieden sie sich grundlegend, weshalb Tirian große Zweifel hatte, ob dieser Zweckbund halten würde. Ihn beschäftigte dabei auch, wie sehr er ihr überhaupt vertrauen konnte. „Was weis ich schon über sie“: ging es ihm durch den Kopf. Er wusste genug, um zu sagen, dass sie wenige Skrupel kannte und bereit war für Geld zu töten ohne Fragen zu stellen. Wenn Meradanz ihr nun Geld für ihren Verrat anbot? Würde sie das ausschlagen? Oder würde sie ihn und Tarrior hintergehen? Er konnte es nicht wissen. Die Zweifel hatten sich jetzt innerhalb der letzten Stunden verstärkt. „Du konntest ihr schon zuvor nicht vertrauen“: erinnerte er sich selbst und doch war diese Drohung am Esstisch doch eine andere Qualität. Er schüttelte den Kopf. Er hatte Lyviani versprochen nicht weiter Feryn nachzusinnen, obwohl ihm das gerade als Schlüssel zu ihr erschien. Er würde sich an sein Wort halten. Wahrscheinlich war es auch besser für sie Beide, wenn er das Thema ruhen ließ. „Ich muss mit ihr noch einmal darüber sprechen“: entschied er. Feryn würde ihn nicht interessieren, aber er musste wissen, ob er sich auf die Assassinin verlassen konnte. Diese Gedanken und noch andere beschäftigten ihn, als er ein wenig durch die Festung streunte.

    Irgendwie war er auf der untersten Ebene angelangt. Tirian war jetzt wohl in dem Teil der Festung, der direkt über der Kanalisation lag. Eine Tür stand offen. Er ging heran und lugte hinein. Ein paar nackte Menschen und Elfen, die sich in Zubern oder sitzend neben einem Eimer abschruppten, deuteten auf den Waschraum der Festung hin. Offenbar verfügten nur wenige Quartiere über einen eigenen Zuber. Einige Türen weiter waren Sklaven damit beschäftigt Wäsche zu waschen und offenbar waren die kleinen Katen hier, die kaum größer waren als Besenkammern, wohl auch deren Unterkünfte. In einer großen Zelle im hinteren Teil der unteren Ebene saßen sogar noch mehr von ihnen ein. Tirian war angewidert. Das Haus Dres, aus dem er stammte, war auch eines der größten Häuser von Sklavenhaltern. Er war damit aufgewachsen, doch mussten ihre Sklaven nie unter solchen Bedingungen hausen. Er wandte sich abgestoßen ab. Plötzlich überfielen ihn Kopfschmerzen für einen Moment tauchten Bilder in seinem Kopf auf – zu schnell um sie richtig zuordnen oder erkennen zu können. Er musste sich an einer Wand abstützen. Dieser Keller der Festung kam ihm auf einmal furchtbar eng und stickig vor. „Ich muss hier raus“: war das Einzige was er dachte, als er sich zu der Treppe zurückbewegte, die er herunter gekommen waren. Wieder Schmerz, wieder Bilder. Er krümmte sich im Stehen. Musste sich wieder abstützen. Es war als bohrte irgendetwas in seinem Verstand. Kalter Schweiß lief ihm seinen ganzen Körper herunter. Ein Blick auf seine Hände verriet ihm, dass er inzwischen alle Farbe verloren hatte. „Was ist los? Mir ist so schwindlig“: keuchte er und schaffte es schließlich doch zur Treppe. Sie erschien ihm unendlich lang zu sein und seine Beine fühlten sich an, als bewegte er sich unter Wasser. Schließlich schaffte er es hoch. Das Gefühl wich langsam und doch rannte er nun, sah noch eine letzte Tür und stieß sie auf. Der sternenklare Nachthimmel über ihm mit einem Meer aus weißen Punkten und die frische Luft der Weidenländer begrüßten ihn. Er hielt einen Moment im Türrahmen inne und atmete hektisch tief ein und aus. Langsam beruhigte er sich. Es war offenbar spät geworden. Bis auf die allgegenwärtigen Wachposten war niemand mehr zu sehen. Offenbar hatten sich die meisten der hier oben in Zelten ausharrenden Leute bereits zu Bett begeben. Ihm war das nur Recht er wollte allein sein und wollte Ruhe haben, um noch etwas nachzudenken. Auch wollte er Lyviani Zeit geben, auch sich noch zu beruhigen. Er schlenderte ein wenig über das Plateau und genoss die Nacht.

    Tatsächlich beschäftigte ihn nicht nur die Frage nach der Zuverlässigkeit der Assassinin, sondern wenn er ehrlich war, fragte er sich, wie er persönlich zu ihr stand. Das Gefühl des Gemeinsamen war nach den letzten Kämpfen und Erlebnissen stark geworden. „Freundschaft mit einer Meuchelmörderin“: sagte er sich und lächelte dann schief in den Nachtwind hinein. „Kein Mensch, kein Mer ist nur gut und auch nicht nur schlecht“: sagte er sich wieder. Er wusste das Lyviani mehr war, als sie vorgab zu sein, als sie vielleicht sein wollte. Und er musste sich eingestehen, dass da mehr war, als nur ihre Geschäftsbeziehung. Gerade als er an die Enttäuschung denken musste, die ihn bei den Worten seiner Begleiterin überkommen hatte, wusste Tirian das es so war. Er konnte sich nicht selbst belügen. Er seufzte und setzte sich auf einen Haufen Säcke. Der körnige Inhalt mochte Weizen oder Salzreis sein. Sie waren weich. Er lehnte sich zurück und schaute in den Himmel. Seine Gedanken pendelten zwischen der Aussprache, die er unbedingt mit Lyviani führen musste, damit er wusste, woran er bei ihr war, und seinem Vater. Der Heiler hoffte inständig das Tarrior noch am Leben war. Er hatte das nie in Frage gestellt, hatte einen Tod nicht einmal in Betracht gezogen und doch war er sich nicht sicher, was das anging, denn schließlich gab es weder einen Anlass zu glauben, dass er noch am Leben war. Allerdings gab es auch keinen Grund dafür vom schlimmsten auszugehen. „Außer der besonderen Skrupellosigkeit des Telvanni“: wie sich der Heiler gedanklich selbst ergänzte. Er verdrängte dies schnell. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte. Er klammerte sich daran. Ein Moment der Leere trat in seinem Verstand ein, als er diese ganzen Probleme zur Seite schob. Über sich rückte der Nachthimmel mit seinen Myriaden von Sternen und den zwei Monden Masser und Secunda in den Fokus. Ganz von dem hypnotischen Anblick betäubt, wurden seine Augenlider schwerer und schwerer. Ruhe überkam ihn. Tirian schlief ein.

    Ein Gang. Ein dunkler Gang. Die Luft war kühl und schal wie in einer Gruft. Vorsichtig machte er einen Schritt in die Dunkelheit. Der Ton unter seinen Stiefeln war metallisch. Er beugte sich herab. Seine Hände glitten über einen kalten, eisernen Boden. Einzelne, metallene Platten. Als kleine, runde Erhebungen fühlte er die Nieten unter seinen Fingern, die die Platten im Boden verankerten. Ein Lufthauch fegte durch den Korridor, wirbelte Staub ihm herum auf. Die Luft wurde stickig, ekelhaft am Boden. Er erhob sich wieder. Sich blind voran tastend ging er weiter. Hielt sich an der Wand und benutzte ein metallenes Rohr, das dort entlanglief, um sich Halt zu verschaffen. Zeitlos, sich zur Ewigkeit hin dehnend irrte er so voran. Er wusste schon nicht mehr wo genau er hin wollte. Warum ging er durch diesen Gang? Er hatte keine Ahnung. Erst nach Ewigkeiten angestrengten Nachdenkens wurde ihm wieder bewusst, dass er eigentlich nach einem Ausgang suchte. Er suchte nach einem draußen, das aber genauso gut drinnen liegen konnte. Die Röhre machte eine Biegung. Er wollte sich von dieser Eisenrinne, die ihm Halt und Sicherheit im Dunkel vermittelte, nicht trennen. Das seelenlose, kühle Metall, die raue Oberfläche, die eingravierten Runen, all dies war ihm ein Anker in der Finsternis. Ein Zeichen, dass er noch da war und einen Körper hatte. Das er nicht einfach durch das große Nichts jenseits Nirns wandelte. Das Rohr war sein Freund und er folgte ihm. Irgendwo hin mochte es ihn doch führen. Er hoffte es inständig.

    Da war ein Geräusch! Ein Schaben und dann Schritte. Sie verklangen in der Entfernung. Umgehend blieb er stehen. Nein er hatte sich nicht verhört. Er kannte alle Geräusche seiner Umgebung. Er kannte das Geräusch seiner Schritte und das Schaben seiner Sohlen am Metall. Er kannte seinen Atem und die knarrenden Geräusche, die der Gang selbst ab und an von sich gab, als würde er sich strecken und seufzen. Das waren andere Schritte. Jemand hatte sich herumgedreht und war weggegangen. Er folgte dem Geräusch nun schneller und versuchte es einzuholen, wieder kam er an eine Biegung. Eine Kreuzung, wie er dann feststellte. Die Geräusche bewegten sich rechts von ihm. Er musste sein Rohr loslassen. Er tat es schweren Herzens, aber es war besser als noch eine halbe Ewigkeit durch die Dunkelheit zu irren. Zitternd verließ er seinen Halt und wandte sich nach Rechts. Hier war keine Röhre mehr sondern nur noch der kalte, leblose Gang. Nun lief er schneller. Immer den Geräuschen in der Entfernung nach, bis sie irgendwann verstummten und er in absoluter Finsternis verloren war. Hektisch sah er sich um. Suchte nach einem Anhaltspunkt und doch verlor sich alles, was nicht direkt in seiner Nähe war in völliger Schwärze. Dann hörte er wieder etwas. Nur ein kleiner Schritt. Er wandte sich nach links. Und dann plötzlich wurde es hell. Ein grünes, gedämpftes für ihn aber unverstellbar helles Licht illuminierte den Gang zu seiner linken. Er sah einen schemenhaften Umriss dort stehen. Langsam ging er auf ihn zu. Die Konturen wurden etwas schärfer. Die Person war in figurbetontes Leder gehüllt. Es handelte sich dabei um eine Frau, die mit dem Rücken zu ihm stand. Ihr Körper war gespannt. Der Kopf befand sich zwischen den vor Anspannung hochgezogenen Schultern. Sie atmete schwer und deutlich erkennbar. Langsam näherte er sich von hinten. Kurz bevor er sie erreicht hatte, drehte sie sich um. „Lyviani“: sagte er überrascht und da wurde es gleißend und er bedeckte seine Augen.

    Als er sie wieder öffnete befand er woanders. Es war eine Kammer mit gemauerten Wänden. Völlig anders als der Korridor zuvor. Fackeln erhellten den Raum flackernd und mehr spärlich als wirklich ausreichend. Er wollte sich gerade umschauen, als ein Schrei ertönte. Er wandte sich der Richtung zu aus dem er gekommen war. Er trat hinter einer breiten Steinsäule hervor und sah wieder die Frau in der Lederrüstung. „Lyviani“: flüsterte er. Doch was tat sie da. Er ging noch etwas um die Säule herum, um besser sehen zu können. Was er dort sah, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Ein Dunmer mit schwarzen Haaren und völlig zerschnittenem Gesicht hing an zwei Ketten von der Decke. Die Assassine malträtierte ihn mit ihrem Stilett. Immer wieder schrie er auf, wenn die Frau zustach. Ein blutiges Messer, das sie wohl schon benutzt hatte, nahm sie zur Hand und rammte es ihrem Opfer mit einem kräftigen Hieb etwas unterhalb des Brustbeins in den Oberkörper. Als sie damit begann ihn von oben nach unten aufzuschlitzen, löste sich seine Starre und er griff er ein. „Nein!“: schrie er und stürzte nach vorne. Er packte ihrem Arm. Versuchte sie zurückzuhalten. Mit blutverschmierten Händen drehte sie sich langsam um. Als er ihr Gesicht sah, ließ er sie los und trat vor Schreck mehrere Schritte zurück. Ihrem Gebiss entsprangen etliche spitze Zähne, die sie mit einem kühlen Lächeln zur Schau stellte. Ihre Augen brannten regelrecht und aus ihrer Stirn wuchsen zwei spitze Hörner. Sie sah aus wie eine Dremore. „Was ist? Gefalle ich dir etwa nicht?“: fragte sie und trat näher auf ihn zu. „Du… du…“: stammelte er. Ihr Lächeln wurde breiter, eine Spur dämonischer. Sie leckte sich Blut von der Hand. Er war absolut sprachlos. „So überrascht? Du wusstest doch was ich bin“: sagte sie und stand nun direkt vor ihm. Sie streichelte seine Wange mit blutigen Fingern. „Du was bist?“: fragte er zweifelnd. „Armer Kerl. Er hat um sein Leben gebettelt. Es war mir eine Freude ihn auszunehmen“: ignorierte sie seine Frage. „Du bist grausam“: brachte er hervor. „Sag schon was du wirklich denkst“: verlangte sie und fixierte ihn nun unerbittlich. „Was soll ich sagen?“: wollte er wissen. „Du weist es nur zu gut“: sagte sie und nahm seine Hände. „Ich weis, was du denkst. Sag es!“: fordert sie. Er schüttelte den Kopf. „Nein, das stimmt nicht“: beharrte er. „Ich weis und du weist es“: sagte sie kalt und hob seine Hände mit den ihren an. „Ich bin ein Monster“: sagte sie und legte seine Hände an ihren Hals.

    Wieder wurde es hell. Die Kammer verschwand und im nächsten Moment fand er sich in den Weiten der Weidenländer wieder. Er kannte diesen Ort. „Das kann unmöglich sein“: schoss es ihm durch den Kopf. Wieder stand er da und hatte seine Hände um Lyvianis Hals geschlossen. Doch diesmal hielt sie sie umfasst. „Los töte mich!“: befahl sie. Er schüttelte energisch den Kopf. „Ich bin ein Monster. Du musst mich töten“: verlangte sie. Er weigerte sich noch immer. Seine Hände zitterten. „Denk nur an all die Menschen und Mer, die ich getötet habe. An all diejenigen, die noch durch meine Hand sterben werden“: sagte sie. „Dieser köstliche Augenblick, wenn das Leben aus ihnen weicht – wenn sie betteln und ihr Schicksal absolut in meiner Hand liegt“: erzählte sie weiter. Zunehmend spürte er Ekel. Sie schrie ihn an. Befahl er die Bestie, die er so gepackt hatte, zu würgen bis sie tot war. Das Monstrum zur Strecke zu bringen. „TÖTE MICH!“: verlangte sie immer wieder. „NEIN!“: schrie er immer wieder. „Ich werde dich schlachten“: drohte Lyviani schließlich. Ihre Hände lösten sich von seinen und griffen an seinen Hals. Sie drückte zu. Er röchelte, bekam keine Luft mehr. „Los töte mich, bevor ich dich töte“: sagte sie. Er versuchte zuzudrücken. Schaute in ihr Gesicht. Sah plötzlich Bilder von ihr aufblitzen, wie sie kurz vor dem Aufwachen aussah. Erinnerte sich an die Nacht im Aschländerlager. Seine Hände versagten ihm den Dienst. „Ich kann es nicht tun“: brachte er schließlich unter Tränen hervor. Der Druck um seinen Hals verschwand schlagartig. Die Weidenländer verschwanden und wichen einer anderen vertrauten Umgebung – ihre Unterkunft in der Dunmer-Festung.

    Er atmete durch. Lyviani war nicht mehr zu sehen. Er schloss für einen Moment die Augen, doch dann bemerkte er wie sich zwei Arme von hinten um ihn schlangen. Sofort versteifte sich sein ganzer Körper. Ein Kopf legte sich auf seine Schulter. „Wie verflucht naiv kann man eigentlich sein?“: hörte er Lyvianis Stimme. Sie war nicht wütend, sondern ganz sanft. Er verdrehte fast die Augen, um zu ihr hinüber zu schielen. In ihrem Dremorengesicht lächelte sie nun etwas verträumt und sanft. „Mein armer kleiner, naiver Tirian“: sagte sie und küsste ihn auf die Wange. Dann schnellten ihre Arme hoch. Die eine Hand packte seinen Kopf. Es ging zu schnell, als das er sich hätte wehren können. In der anderen blitzte der daedrische Dolch auf. Er spürte wie die Klinge durch seinen Hals schnitt. „Warum…“: keuchte er mit letztem Atem, bevor seine durchtrennte Kehle mit Blut voll lief. „Ich bin nun einmal ein Monster“: lachte sie.


    Schreiend schoss der Heiler in die Höhe. Seine Augen vor Schreck geweitet starrte er einen Moment in das Firmament über sich. Ein Söldner kam heran. „Alles in Ordnung“: fragte der bullige Mann. „Ja, ja… es geht schon. Ich dachte… ich…“: versucht er sich zu erklären. „Wenn Nichts ist, schlagt gefälligst auch keinen Alarm“: beschwerte sich der Kerl und wandte sich wieder ab. „Wenn doch bloß Nichts gewesen wäre“: wünschte sich Tirian, wenn er an diesen verrückten Traum dachte. Er bekam Kopfschmerzen. Es ging ihm nicht gut. Er erhob sich von den Säcken und wankte zum Rand des Plateaus. Von dort schaute er in die Nacht der Weidenländer hinaus und versuchte sich abzulenken, in dem er in der Entfernung ein Oblivion-Tor beobachtete.

  5. #65

    Weidenländer, Falensarano

    Als sie auf dem Weg zum Dach, aus der Festung heraus, war, kam sie an einer Art Halle vorbei, aus der sie das Klappern von Holzschwertern hörte, anscheinend übten hier die Söldner. Ihre Vermutung bestätigte sich, als sie in der Tür stehen blieb, und tatsächlich einen Übungsraum vorfand, in dem sich zwei Pärchen mit Holzschwertern duellierten, ein weiteres mit Dolchsimulatoren und einer auf eine Puppe aus Holz und Stroh einhieb. An der Wand stand ein Waffenständer mit weiteren Holz- und stumpfen Stahlschwertern.
    Alles in allem eine optimale Gelegenheit, um sich etwas abzureagieren, dachte sich Dreveni und trat kurz entschlossen durch die Tür und auf die Schwerter zu. Die skeptischen Blicke, die ihr von den Kämpfern zugeworfen wurden, entgingen ihr nicht, sah sie doch nicht sonderlich kriegerisch aus mit den offenen, langen Haaren und dem knöchellangen Kleid. Sie kümmerte sich nicht darum und griff nach einem Langschwert aus Holz, dass ihr in etwa bis zur Brust ging vom Boden aus, und somit etwas länger als ihr Vulkanglasschwert war. Sie hatte zwar einen tierischen Muskelkater, aber etwas Bewegung würde auch dagegen helfen. Etwas anders sah es mit der Prellung über ihren Rippen aus, aber dann war das eben Training unter erschwerten Bedingungen.
    Sie baute sich neben dem Mann auf, auf, der auf die Übungspuppe einschlug - ein Altmer wie die Söldnerin, der sie um fast zwei Köpfe überragte, und dessen sehnige Figur trotz seiner Schlankheit von Kraft zeugte - und sprach ihn an: "Ist es nicht langweilig nur auf das Ding da einzuschlagen?"
    Er hielt nur kurz inne, sah sie abschätzend an und erwiderte: "Besser als auf Frauen mit zu großen Schwertern.", und widmete sich wieder der Puppe.
    "Angst zu verlieren?", fragte Dreveni und warf ihm einen abschätzenden Blick zu.
    "Gegen eine Dunmer? Niemals.", antwortete er, wobei er immer noch auf die Puppe einhieb.
    "Das werden wir ja sehen.", sagte Dreveni, während sie seinen nächsten Hieb von der Seite her ablenkte, er und er sich endlich ihr zuwandte: "Wenn ihr darauf besteht...Sagt nachher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt."
    Lauernd, mit dem Schwert an der Schulter gingen sie ein Stück weg von den anderen um Platz zu haben, wobei in den Augen des Altmer immer noch zweifel standen, und die Hoffnung, sich seiner - seiner Meinung nach unfähigen - Übungspartnerin schnell zu entledigen.
    Der Altmer hatte einen recht offensiven Kampfstil, denn schnell hieb er von oben nach Dreveni, die ihm mit ihrer Klinge ins Schwert fiel und sie dann eindrehte, um einen Stich zu seinem Hals an seiner Klinge vorbei zu führen. Dieser kam auf die selbe Idee, und so war er immerhin langsam überzeugt davon, dass Dreveni schon mal ein Schwert in der Hand gehabt hatte. Diese Geplänkel gingen noch eine Weile hin und her, während beide versuchten, abzuschätzen, wie gut der jeweils andere war. Ohne sich abgesprochen zu haben, legten beide eher Wert auf Technik als auf Geschwindigkeit, was so gänzlich ohne Schutz auch nicht unvernünftig war, keiner von ihnen hatte Lust auf gebrochene Finger oder ein Schwert im Auge.
    Als sie sich beide schließlich schon mehrmals umgebracht hätten im echten Kampf, schlich sich langsam doch so etwas wie Achtung in den Blick des Altmers.
    Sie hätten noch eine Weile weitermachen können, da wurde er leider von jemandem außerhalb des Saales gerufen.
    "Vielen Dank für den guten Kampf.", sagte er bevor er sein Schwert in den Ständer stellte und sich zum gehen wandte.
    "Ebenso.", antwortete Dreveni lächelnd. Inzwischen war sie schon wieder etwas ruhiger und hatte auch vorübergehend sowohl Tirian als auch Feryn aus ihren Gedanken verdrängt.
    Sie sah noch eine Weile dem Pärchen mit den Dolchen zu, während sich doch wieder Tirian und Feryn in ihre Gedanken schlichen.

    Sie konnte immer noch nicht nachvollziehen, warum Tirian jetzt sich wieder so aufregte. Besser sie sagte ihm jetzt klipp und klar was Sache war, als dass sie nachher beide von den Morag Tong gefoltert wurden, weil er seinen Mund nicht halten konnte. Dreveni selbst wusste schon nicht mehr, wie viele ihr schon gedroht hatten, sie würden sie umbringen, wenn sie dieses oder jenes tat oder sagte. Und? So war das Leben eben, ihrer Ansicht nach.
    Wenn Tirian nicht verstand, dass nicht alle und jeder gute Absichten hatte, dann war das sein Problem.
    Unabhängig davon bereute sie es gerade, dass sie Feryn nicht einfach vor zehn Jahren schon umgebracht hatte, wie sie es hatte tun sollen. Dann wäre ihr einiges erspart geblieben. Nun ja, das war jetzt leider nicht mehr zu ändern, auch wenn sie nach wie vor nicht verstehen konnte, wie er seinen Gildenbrüdern von ihr erzählen konnte. Was zum Henker hatte ihn da nur geritten? Sie würde sich jedenfalls so schnell auf niemanden mehr in dieser Art und Weise einlassen, das würde doch nicht gut gehen. Selbst wenn er ihre Berufung teilte, wie Feryn es getan hatte, gab es doch nichts als ärger, und mit jemandem, der das nicht tat, gab es auch mehr als genug Probleme.

    Schließlich stellte sie das Holzschwert zurück und ging ebenfalls auf das Plateau oben auf der Festung. Die Türe fiel ihr leider etwas lauter ins Schloss, als beabsichtigt, da sie ihr aus der Hand rutschte, die noch müde von dem Übungskampf eben war. Oben angekommen schloss sie kurz die Augen und genoss die kühle Nachtluft,inzwischen war es ganz dunkel geworden und es hielten sich nicht mehr viele hier auf, bis auf die Wachposten, und eine Gestalt die am Rand des Plateaus stand und in die Tiefe sah. Im hellen Licht der beiden Monde konnte sie sehen, dass die Gestalt eine Robe trug, und auch von Statur, Haltung und Haaren sah sie verdächtig nach Tirian aus...

  6. #66

    Weidenländer, Falensarano

    [Tirian]
    Immer mal wieder huschten Schatten vor dem Tor vorbei. Vermutlich streiften Deadra in deren Nähe herum. Theoretisch konnte Mehrunes Dagon jederzeit Verstärkung für seine Armeen durch diese Tore schicken. Eine Schlacht war geschlagen und die Daedra vorerst zerstreut und doch konnten sie sich jederzeit neu formieren und neu verstärken, wenn man diese Tore nicht schloss. Doch ständig wurden Neue geöffnet und die Zahl der Verteidiger Nirns war begrenzt. Er fragte sich, wann oder ob diese Krise jemals vorrüber gehen würde oder ob sie mit einer ständigen Verbindung zum Reich des Vergessens leben mussten. Er hing eine Weile diesen Überlegungen nach und ob er sich wohl in Zukunft als Heiler den kämpfenden Truppen anschließen sollte. Er wurde dabei durch ein lautes Knallen unterbrochen. Er wandte sich zu dem großen Festungsgebäude um. Jemand war herausgetreten. "Verfluchte Bastarde. Könnt ihr nicht ruhig sein?!": ertönte es aus einem der Zelte. Scheinbar war jemand aufgewacht. Tirian kicherte. Allerdings verflog die kurzerhand gute Stimmung als er sah, wer da ins Freie getreten war. An ihrem Kleid war Lyviani auch im Dunkeln gut zu erkennen. In dieser Umgebung war sie wohl eine der wenigen Personen, die so etwas trug.

    Er sammelte sich noch kurz, stieß sich vom Geländer ab und ging langsam zu der Dunmer hinüber. Diese Gelegenheit war genauso gut, wie jede andere auch. Er schritt mit gesenkten Kopf auf sie zu. Als er vor ihr stand, schien sie etwas sagen zu wollen, doch er kam ihr zuvor: "Wir müssen reden."

    [Dreveni]
    Dreveni überlegte kurz, eine Erwiderung auf das Kommentar aus dem Zelt zu rufen, die sich gewaschen hatte, entschied sich aber dann dagegen. Sie hatte keine Lust darauf, sich mit den Söldnern anzulegen oder gar aus der Festung zu fliegen. Kaum war sie mit diesen Überlegungen fertig, trat auch schon Tirian auf sie zu, inzwischen war sie sich sicher, dass es der Heiler war. Nun war auch klar, dass er sie gesehen hatte, und die Chance wieder zu verschwinden war damit für Dreveni vorbei.
    "Wir müssen reden.", hörte sie ihn sagen. Sie sah ihm direkt ins Gesicht, durch das fahle Mondlicht wirkten seine Züge schärfer und ließen ihn älter aussehen, als er war. Seine Augen lagen im Schatten, so dass sie diese nicht erkennen konnte, aber der Ernst in seiner Stimme war ihr nicht entgangen.
    Ja, sie mußten reden, auch wenn es ihr überhaupt nicht danach war. So konnte es jedenfalls nicht weitergehen, waren sie doch irgendwie aufeinander angewiesen. Dreveni erwiderte nichts, sondern ging auf eine Ecke des Plateaus zu, wo sie möglichst weit von den Wachen und den Zelten entfernt waren, da sie keine Zuhörer brauchen konnte. In dieser Ecke lehnte sie sich an das Geländer, verschränkte die Arme und sah Tirian auffordernd an. Sie hätte fast den Anfang gemacht, aber mit ihrer direkten Art würde es vermutlich nur wieder neuen Streit geben, kaum dass sie drei Sätze gewechselt hätten, da Tirian wieder irgendetwas in den falschen Hals bekommen würde, fürchtete sie.

    [Tirian]
    Lyviani führte sie etwas abseits der Zelte, damit sie ungestört reden konnten. Während er ihr folgte, betrachte der Heiler ihren Rücken. Er musste wieder an seinen Traum denken. Es schauderte ihn noch immer. Ihm war gerade nicht wirklich wohl dabei alleine mit der Assassine zu sein. "Es war nur ein Traum": versuchte er sich zu beruhigen. Aber es stecke vielleicht doch eine gewisse Wahrheit darin und das machte ihm Angst. Als sie weit genug entfernt waren, lehnte sich die Dunmer an das Geländer. Sie schaute ihn auffordernd an. Er holte tief Luft, trat selbst an das Geländer heran und schaute hinaus in die Ferne. "Ich denke es ist besser, wenn ich gleich zum Punkt komme": meinte er und versuchte möglichst kühl zu klingen, auch wenn ihm das selbst so unmenschlich erschien. "Ich denke, dass es besser wäre, wenn wir festlegten, wie wir hier zu einander stehen, damit wir für den Rest der Reise miteinander auskommen können. Ich denke es ist meine eigene Schuld, dass ich diesen Fehler gemacht habe. Wahrscheinlich wäre es besser, wenn wir uns auf die geschäftliche Ebene reduzieren würden. Alles Andere scheint wohl nur naiv zu sein. Ihr seid eine gedungene Meuchlerin, ich bezahle euch und ihr helft mir dafür": sagte der Heiler und versuchte eher sich selbst klar zu machen, in welcher Situation er sich mit Lyviani überhaupt befand. "Ich hatte wohl die letzte Zeit wohl als persönlicher erachtet, als es gut gewesen ist und dabei das Eigentliche aus den Augen verloren. Verzeiht also auch, dass ich mich in eure Angelegenheiten eingemischt habe": sagte er weiter und starrte dann nur noch in die Nacht.

    [Dreveni]
    Tirian hatte sie kein einziges Mal angesehen, als er gesprochen hatte, das fiel Dreveni - abgesehen von seinem bemüht kühlem Ton - auf. Ihr Blick ruhte nach wie vor auf ihm, als sie antwortete: "Nichts anderes habe ich euch von Anfang an gesagt. Ihr solltet mir genau so weit trauen, wie der Auftrag geht, den ihr mir gegeben habt, und keinen Schritt darüber hinaus." War es das schon?, dachte sie sich. Dafür der ganze Streit vorhin?
    "Was ließ euch denn denken, dass es irgendwie persönlich ist zwischen uns?", sagte sie noch, noch bevor ihr wirklich bewußt wurde, dass das vielleicht keine gute Frage für den Moment war. Hoffentlich würde er jetzt nicht wieder mit dem Lager der Aschländer anfangen. Sie war nicht ganz bei sich gewesen, das war alles.

    [Tirian]
    Er nahm ihre Antwort mit einem Schulterzucken zur Kenntnis. Das hatte er zunächst auch gedacht und doch... Vielleicht hätte er einfach gar nie mit ihr reden sollen, sondern einfach nur schweigend neben ihr hergehen. Und dennoch hätte er auch so den Aschländern geholfen und hätte sie davon abhalten wollen Wehrlose zu töten. Ihre Frage brachte ihn etwas aus dem Konzept. So genau wusste er das auch nicht. Er fühlte nur eine gewisse Verbundenheit. Er setzte mehrmals an etwas zu sagen, aber konnte dann nur hilflos die Arme über das Plateau hinweg baumeln lassen. "Ich denke das Alles, irgendwie. Wir sind jetzt noch nicht solange unterwegs, aber wir haben gemeinsam zumindest schon Einiges jetzt durchgestanden... Ich denke sowas geht nicht so spurlos an mir vorbei": sagte er dann doch. Er hätte ihr ohnehin geholfen, auch weil er das von sich selbst verlangte, aber für Lyviani hatte er es gerne getan. Schlussendlich hatten sie gerade auch in der Gruft gut zusammen gearbeitet, auch wenn sie sich sonst nicht so grün waren. "Ach, bei Almsivi, ich weis es wirklich nicht. Aber ich kann nicht behaupten, dass mir euer Schicksal egal wäre": brachte er hervor und suchte sich dann am Horizont den feurigen Anblick des Oblivion-Tores wieder, auf dem er mit seinen Augen verweilen konnte.

    [Dreveni]
    Dreveni selbst war sich alles andere als sicher, wie sie zu Tirian stand. Sie wußte nur, dass es im Prinzip auch egal war, denn so oder so, es durfte nicht sein und würde auch kein gutes Ende nehmen. Auch hatte sie schon mit genug anderen zusammen gekämpft, um zu wissen, wie schnell das ein Gefühl der Verbundenheit schaffen konnte.
    Verflucht, sie hatte sogar mit genug Männern geschlafen, die ihr vorher nicht viel bedeutet hatten, und nachher, mit ein bisschen Abstand betrachtet, ebenfalls nicht. Es war nur eine kurzfristiges Gefühl aus dem Rausch des Augenblickes, diese Verbundenheit, das auch genauso schnell wieder verging. Nüchtern betrachtet waren all das nur kurze Momente, und nichts für die Ewigkeit, wenigstens aus ihrer Sicht.
    Während sie überlegt hatte, war sie neben Tirian getreten, stützte die Arme auf die Brüstung und sah ebenfalls in die Nacht.
    "Mein Schicksal?", sagte sie schließlich, "Ich habe euch doch schon einmal gesagt, dass ich meinen Weg frei gewählt habe. Es war meine Entscheidung, mit der ich jetzt leben muß, genauso wie mit jeder die ich danach getroffen habe und mit ihren Konsequenzen." Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die der Wind ihr vor die Augen geweht hatte, und sah den Heiler von der Seite her an.

    [Tirian]
    "Ach die Sache. Nein, ich glaube nach wie vor nicht, dass ihr wirklich so seid wie ihr euch gebt. Aber das meinte ich auch nicht. Ich wollte sagen, dass es mir nicht mehr in einer distanzierten Art egal sein kann, wenn euch etwas zustößt, wisst ihr? Nicht so wie zuvor": erklärte er und holte noch einmal tief Luft. "Aber ich weis nicht, ob ich euch trauen oder mich auf euch verlassen kann. Ich habe Zweifel": sprach er die Gedanken aus, die ihm schon seit dem Essen bewegten. Noch immer hallte ihre Drohung in ihm nach und vermischte sich mit den schrecklichen Bildern aus seinem Traum. "Wie kann ich jemandem trauen, der mich wegen solch einer Kleinigkeit umbringen würde und sagt nicht, dass ihr das nicht so gemeint hättet. Die Art und Weise. Das sagt man nicht einfach so. Das war eine klare Drohung": meinte Tirian etwas angesäuert und fixierte weiter das Oblivion-Tor.

    [Dreveni]
    Auf den ersten Satz seiner Antwort musste Dreveni grinsen. Mochte er ihr auch nicht glauben, es wurde Zeit dass sie zu dieser Einstellung zurückfand, und ihrer Meinung nach war sie auf dem besten Wege dahin. Als er weitersprach, verschloss sich allerdings ihr Gesicht, und sie sah wieder gerade aus, wo sich das Obliviontor am Horizont befand.
    "Das war eine klare Drohung, und es war keine Kleinigkeit." Sie machte eine kurze Pause, während sie nach Worten suchte, und sich kurz umblickte, ob wirklich niemand in der Nähe war. "Ihr wisst doch, ich habe von der Dwemer-Ruine erzählt. Das Ganze nahm seinen Anfang in der Taverne in Molag Mar und es hat nicht mehr als diesen Namen, meinen Namen und die Erwähnung eines Briefes gebraucht. Wobei vermutlich sein Name alleine schon gereicht hätte. Es war pures Glück dass ich nur mit ein paar gebrochenen Fingern und zwei Schnitten da wieder raus gekommen bin.", erklärte sie Tirian, wobei die Verbitterung in ihrer Stimme deutlich zu hören war.
    Sie mochte sich immer noch nicht ausmalen, was noch alles passiert wäre, wären Erynn und Arranges später oder gar nicht aufgetaucht.
    "Vielleicht war ich etwas zu... direkt, aber man weiß nie, wer alles zuhört.", fügte sie noch leise an. Und glaub mir, wenn die uns erwischen sollten, wäre dir mein Dolch im Herz tausend mal lieber, als das was uns dann erwarten würde.

    [Tirian]
    Langsam begriff er, warum sie so sehr darauf bedacht war, dass der Name nicht erwähnt wurde. Allerdings verstand er immer noch nicht, was genau es damit auf sich hatte. Beim Aufwachen hatte sie sogar noch recht glücklich ausgesehen, als sie ihn aussprach. Er konnte das nicht zuordnen. Er beließ es aber auch dabei. "Das tut mir sehr leid": antwortete der Heiler dann. Und direkt war sie tatsächlich gewesen, geradezu furchteinflößend. "Allerdings droht mir nie wieder und schon gar nicht so": sagte er dann. Er fügte Nichts weiter hinzu. Er wollte diese Sache abschließen, auch wenn ihm der Traum immer noch nicht aus dem Kopf kam. "Ich denke wir haben die Sache soweit geklärt. Tel Uvirith - wir retten meinen Freund, ihr kriegt euer Geld und dann müssen wir uns nie wieder sehen": sagte er kühl. "Ihr könnt gehen. Ich bleibe noch hier oben. Ich muss über Einiges nachdenken": sagte er schließlich.

    [Dreveni]
    Dreveni rollte mit den Augen, als Tirian schon wieder meinte, es würde ihm leid tun. Dadurch änderte sich genau nichts an dem was geschehen war.
    Seine weiteren Worte und vor allem sein kühler Tonfall versetzten ihr einen Stich, was sie komplett überraschte. War es schon so weit, dass er sie durch bloße Worte verletzen konnte? Sie hatte schon früh gelernt, darauf zu achten, wenn sie sich mit mehr als professionellem Interesse von etwas einfangen ließ, und so entging es ihr auch jetzt nicht. Was ihr auch bei Feryn schon früh genug aufgefallen war, ihr aber damals nichts geholfen hatte, da sie es nicht hatte sehen wollen.
    "In Ordnung.", sagte sie schließlich ebenso kühl. "Hebt euch nur euer 'Es tut mir leid' in Zukunft für jemanden auf, der damit auch etwas anfangen kann. Ich brauche euer Mitleid nicht."
    Dann drehte sie sich um und ging davon, ohne ihn noch einmal anzusehen.

    [Tirian]
    "Es ging nie um Mitleid": murmelte er. Es ging immer nur um Verständnis und Anteilnahme, die aus dem Verständnis erwuchs. Es ging also nicht darum, dass sie Mitleid brauchte, sondern das er, wenn wahrscheinlich auch nicht völlig, so zumindest in Ansätzen begriff, was sie bewog. Tirian schaute in die Ferne. Sie war hart zu sich selbst und erwartete diese Härte auch von anderen. Der Heiler hielt dies für einen Irrweg, aber er würde mit ihr nicht darüber reden. Es war besser, wenn er jetzt schwieg, wenn es um so etwas ging. Er musste sich jetzt wieder mehr auf Tarrior konzentrieren. Seines Vaters wegen war er hier! "Morgen werden wir die Vorräte aufstocken und die Ausrüstung in Ordnung bringen und uns dann wieder auf den Weg machen": entschied Tirian. Sie hatten sich ausgeruht und nach Tel Uvirith war es noch ein Stück. Sie konnten nicht noch mehr Zeit vergeuden. Schlussendlich löste er seinen Blick auch vom Oblivion-Tor und wandte sich wieder dem Festungsgebäude zu. Da er ohnehin nicht allzu erpicht darauf war, sich in nächster Zeit schlafen zu legen, konnte er genauso gut seine schmutzige Wäsche im Festungskeller reinigen und damit beginnen sie zu flicken. Auch sein Schwert konnte durchaus eine Reinigung und etwas Aufmerksamkeit gebrauchen, aber darum konnte sich dann noch ein Schmied kümmern. Er hatte sowieso die Vermutung, dass die Mitternacht längst weit überschritten war und der Sonnenaufgang ohnehin schon näher rückte. Langsam und ohne Hast schlenderte er zum Zugang zurück.
    Geändert von KingPaddy (04.06.2013 um 10:08 Uhr)

  7. #67

    Weidenländer, Falensarano

    Dreveni ging auf direktem Weg zu ihrer Kammer, und sah kaum nach rechts oder links unterwegs. Sie ärgerte sich über Tirian, was er auf einmal für einen Ton anschlug, und darüber, warum sie sich daran so störte. Wer war er denn überhaupt? Irgendein weltfremder Heiler, der Angst hatte, Entscheidungen zu treffen und lieber wartete, bis das Schicksal alles für ihn entschied. Ihre Laune, als sie ihr Zimmer betrat, war wieder fast genauso schlecht wie vorhin, als sie an dem Übungsraum vorbeigekommen war.
    Außerdem juckte ihr Arm tierisch, da fiel ihr Blick schon auf den Heiltrank, den Tirian vorhin neben sie gestellt hatte. Sie sah noch einmal auf die Kratzer, die noch genauso rot wie vorhin waren, öffnete das Fläschchen und roch vorsichtig daran, wobei sie gleich das Gesicht verzog. Nun ja, es half ja nichts, und mit Todesverachtung trank sie den Inhalt, wobei sie noch angewiderter schaute. Aber es schien zu wirken, jedenfalls merkte sie ein eigenartiges Kribbeln in ihrem Körper und das jucken schien nachzulassen. Sie stellte das leere Fläschchen auf einen Tisch und nahm dann ihre schmutzige Kleidung, Sie musste ja nicht nur gewaschen werden, sondern sollte auch wenigstens halbwegs trocknen, bevor sie weitergingen.
    An sich hatte sie auf die weitere Reise so überhaupt keine Lust mehr im Moment, aber jetzt einfach zu gehen verbot ihr die Ehre ihres Standes. Nun ja, zumindest das, was ihr Mordan dazu beigebracht hatte, es hielten nicht alle Assassinen so, wie sie.
    Als sie wieder aus der Kammer trat und die Tür hinter sich schloss, fiel ihr erst auf, wie leer es jetzt in der Festung war. Es musste jetzt schon nach Mitternacht sein, und selbst der Betrunkenste würde schon schlafen.
    Schließlich kam sie doch noch an einer Wache vorbei, die ihr die Auskunft gab, dass die Waschräume auf der untersten Ebene lagen. Auf dem Weg dorthin hatte sie wieder das ekelhafte Gefühl, dass sie jemand von hinten beobachtete. Es war so stark, dass sie stehenblieb und sich vorsichtig umsah, sie konnte allerdings niemanden sehen, und der Gang bot auch keine Möglichkeit, sich zu verstecken. Gehört hatte sie auch nichts. Nachdem sie für ein paar Augenblicke lauernd im Gang gestanden war, ging sie weiter, nachdem sie verwirrt den Kopf geschüttelt hatte.
    Du wirst paranoid.
    Und auch wenn sie nicht glaubte, dass wirklich jemand hinter ihr war, ging sie extra leise weiter, aber auch so konnte sie keine Schritte hinter sich hören, wie sie ein Unsichtbarer trotzdem noch verursachen konnte. Der beste Zauber half nichts, wenn man nicht gut im Schleichen war. Als sie nach der Beschreibung der Wache den Waschraum erreichte, war sie sich sicher, dass sie sich alles nur eingebildet hatte. Die nur spärlich erleuchtete Umgebung mochte ihr übriges tun, auch wenn sie normal wenig empfänglich für solche Dinge war.

    Der Waschraum selbst war groß und um diese Zeit ebenfalls nur spärlich von Öllampen und Fackeln erleuchtet. Über einem Feuer, das in einem Kamin an der Wand brannte, hing ein Kessel, in dem sich noch heißes Wasser befand. Bei der Menge in dem Topf bestand auch so bald nicht die Gefahr, das alles komplett verdampfte.
    Sie legte ihr Sachen auf einen kleinen Tisch und schritt die Waschzuber ab, bis sie einen fand, in dem noch relativ saubere Seifenlauge war, die allerdings relativ kalt war.
    Seufzend ging sie zum Kamin und schleppte - Griff mit einem Lumpen umwickelt - den schweren Topf zu dem Zuber und goss vorsichtig etwas von dem heißen Wasser dazu, bis die Brühe ausreichend warm war. Als sie den Topf wieder über das Feuer gehängt hatte, warf sie ihre Sachen in den Zuber, und rührte mit Hilfe einer dicken Holzstange, die daneben stand, einmal kräftig um. Es würde nicht schaden, wenn das Ganze erst mal etwas einweichen würde, und so setzte sie sich auf den Tisch, auf dem ihre Sachen gerade noch gelegen hatten. Es war absolut still hier unten um diese Zeit, was sie gerade auch so überhaupt nicht störte. Sie saß da und versuchte, an nichts zu denken, vor allem nicht an Tirian. Es wollte ihr nicht so recht gelingen, da lenkte sie ihre Gedanken wieder einmal zu Erynn. Es hätte sie nicht überrascht, wenn die andere doch einmal vor ihrer Tür bei Cheydinhal stehen würde, gerade nach dem, was sie der Echse angetan hatte. Was war eigentlich aus Arranges geworden? Sie schüttelte unwillig den Kopf, auch der Magier stand auf er Liste der Leute, an die sie jetzt nicht unbedingt denken wollte. Sie hoffte nur, dass Erynn ihm nicht wieder in die Arme gelaufen waren, sonst sah es düster für ihre weitere Zukunft aus.
    Dreveni hätte nicht sagen können, wie lange sie hier gesessen und ihren Gedanken nachgehangen war, als plötzlich eine Stimme hinter ihr erklang: "Dreveni. Feryns Hure."

    Sie sprang erschrocken auf, noch ohne sich umzurehen, und dieses mal war es Dreveni, der alle Farbe aus dem Gesicht wich, und fast das Herz stehenblieb. Wie konnte das sein? Dieses mal hatte sie nicht ein verfängliches Wort gesprochen, und nur an ihrem Aussehen konnte es keiner festmachen. Einen Moment später hatte sie sich soweit gefangen, dass sie sich langsam umdrehen und dabei eine möglichst unbeteiligte Miene aufsetzen konnte: "Bedauere, ihr..." müsst mich verwechseln., wollte sie sagen, aber da erkannte sie den Dunmer auch schon. Ihr schwindelte fast, als sie wieder die Szene aus Molag Mar vor sich hatte, und die beiden Dunmer, die neben ihr an dem Tisch Karten gespielt hatten. Es gab keinerlei Zweifel daran, dass sie einen von den beiden vor sich hatte. Jenen, der auch in der Ruine vor ihr gestanden war. Wie hatte er entkommen können? Und warum hatte sie nicht wenigstens die Ruine nach den Leichen der Dunmer abgesucht, die ihr bekannt waren? Er musste vorher noch gegangen sein, schossen ihr die Gedanken wild durcheinander durch den Kopf.
    Der Assassine vor ihr schien sich an ihrer Sprachlosigkeit und ihrem verwirrten Gesichtsausdruck zu laben, denn er stand nur ruhig da, einen verzierten und kostbar wirkenden silbernen Dolch mit gebogener Klinge in der Hand, und sah sie mit einem sadistischen Lächeln an. "Damit hättet ihr nicht gerechnet, nicht wahr?" unterbrach er schließlich das wirre kreisen ihrer Gedanken. Seine Stimme klang ruhig und fest, außerdem lag eine Genugtuung in ihr, als hätte er nur auf diesen Augenblick gewartet. "Damit, dass jemand entkommen ist. Ich habe gesehen, was ihr angerichtet habt. Und glaubt mir, es hat mir nicht gefallen." Dabei trat ein boshaftes und rachsüchtiges Funkeln in seine Augen. "Ich war nur kurz weg, und als ich wieder kam... ", fuhr er fort. Dreveni stand immer noch wie gelähmt vor ihm, während sie überlegte, was sie tun sollte. Nach Hilfe rufen? Wachen hatte sie hier unten nicht wirklich gesehen. Und außerdem hatte ihr Mordan doch wenigstens Grundlegendes über die Morag Tong erzählt. Es war hier wohl nicht wie in Cyrodiil, unter gewissen Umständen durften sie hier sogar offen morden. Der Weg zur Tür war ihr ebenfalls versperrt, da der Mörder genau zwischen ihr und selbiger stand. "Gerade Llevas hättet ihr besser nicht so zugerichtet." Auf ihren fragenden Blick fuhr er sich kurz mit seinem Dolch vor der Stirn entlang und da wusste sie, wenn er meinte. Der Dunmer, der seine schmierigen Finger an ihr gehabt hatte, und dem sie die Verzierung in das Gesicht geschnitten hatte.
    Bei allen Daedra, nimmt dass denn gar kein Ende? Sie fragte sich gerade, wieso er ihr bisher in der Festung nicht aufgefallen war. Alles an dem Mann schrie Assassine, von dem kurzen, dunkelgrauen Umhang mit der weiten Kapuze, der dunklen, leichten Lederrüstung bis zu den leichten Schuhen und dem Dolch. Und sein Gesicht erst, dass sie ganz genau kannte. Das hieß, er war gut, wenn er sie die ganze Zeit dermaßen unaufällig beobachtet hatte.

    Inzwischen hatte sie sich soweit gefangen, dass sie zu ihrem Dolch griff, doch noch bevor sie ihre Hand auf den Griff legen konnte, schüttelte er nur leicht den Kopf: "Nicht doch. Oder wollt ihr sehen wie gut ich werfe und treffe?" Danach schwieg er und ging vor Dreveni auf und ab, ließ sie dabei aber nicht aus den Augen. Sie wußte worauf das alles abziehlte, und widerstrebend mußte sie zugeben, dass es sie schon nervös machen konnte. Jetzt war nur noch die Frage, ob er bloß auf Rache aus war, oder ihr wieder die gleichen Fragen stellen würe, auf die sie doch keine Antwort hatte. "Ich habe es Llevas schon gesagt.", sprach sie ihn schließlich leise an, als ihr sein Schweigen zuviel wurde. Sollte er doch denken, dass er mit seiner Taktik erfolg hatte und sie nervös wurde. "Er hat sie in Carmala versteckt. Wo er jetzt ist, weiß ich nicht. Solltet ihr ihn aber sehen, richtet ihm bitte noch Grüße von mir aus, bevor ihr ihn abstecht." Sie gab sich alle Mühe, möglichst überzeugend zu klingen, und beobachtete den Meuchler dabei genau. Der war stehen geblieben und strich gedankenverloren mit seinem Zeigefinger über die Klinge seines Dolches, als er sie abschätzend musterte, ohne ein Wort zu erwidern.

  8. #68

    Weidenländer, Falensarano, Waschküche

    Tirian beeilte sich nicht zurück in die Festung zu kommen. Er hoffte darauf, dass sich Lyviani vielleicht schon wieder hingelegt hatte. Ihn drängte es nicht, ihr nach dem letzten Gespräch noch einmal zu begegnen. Daher wäre es gut, wenn sie wieder schlief, wenn er seine Kleidung zum Waschen aus der Kammer holte. Er ließ sich daher auch Zeit ihre Kammer in dem Gewirr enger Gänge zu suchen. Die Zeit verstrich allmählich, aber länger konnte und wollte er sich auch nicht mehr herumdrücken ohne das es lächerlich wurde und lenkte seine Schritte schließlich doch noch zur Unterkunft. Die Festung war über die Nacht wirklich wie leer gefegt. Bis auf vereinzelte Wachen, die zentrale Punkte der Anlage bewachten, war kein Mensch, kein Mer zu sehen. Die Anlage machte geradezu einen eher trostlosen Anblick in der Nacht und man fühlte, dass die Festung eigentlich lange schon aufgegeben und verlassen worden war. Man sah es an dem rissigen Mauerwerk, den ausgedehnten Rußpuren der Fackeln an den Wänden und dem allmählichen Zerfasern des Holzes der Türen. Auch die Tür ihrer Kammer hatte schon bessere Zeiten gesehen und zeugte von den Jahren, in denen sie nun schon treu ihren Dienst verrichtete. Tirian stand etwas unschlüssig vor dem Raum. Er fragte sich, ob er wohl richtig gehandelt hatte. Es kam ihm selbst mies und schäbig gegenüber der Assassine vor, sie jetzt direkt so von sich zu schieben, allerdings war er dennoch davon überzeugt, dass er sich und ihr damit wohl doch einen Gefallen getan hatte. Lyviani hatte ja ohnehin durchblicken lassen, dass dies für sie sowieso nur eine reine Zweckgemeinschaft darstellte. Etwas das ihn gewissermaßen traurig machte, aber zugleich davor bewahrte, doch mehr Nähe in die gemeinsamen Erlebnisse der letzten Zeit hinein zu interpretieren, als es gut war. Und doch wollte dieses unbestimmte Gefühl nicht weichen ihr Unrecht getan zu haben.

    Er schüttelte den Kopf. Das brachte ihn im Moment auch nicht weiter. Er legte die Hand auf die Klinke und drückte sich vorsichtig nach unten, um möglichst wenig Lärm zu verursachen, für den Fall, dass sie doch schon schlief. Er öffnete die Tür und trat schließlich in die Kammer ein. Als erstes ging sein Blick zu den Betten, doch sie waren unberührt. Weitere Blicke in den Raum folgten, wobei der Heiler schnell feststellte, dass seine Begleiterin nicht da war. Er atmete hörbar erleichtert aus und machte sich daran seine Schmutzwäsche als auch die geschundene und wahrhaft abartig stinkende Robe aus der Ahnengruft zusammen zu suchen. Er packte alles zusammen, was irgendwie mit dem fauligen Miasma der Untoten in Kontakt gekommen sein konnte, ließ dabei seine Schwertscheide und das Schwert auch nicht aus und packte alles auf einen Haufen. Mit einigen Tritten brachte er den Stapel soweit zusammen, dass er ihn bequem hochnehmen konnte, ohne dass ihm alles auseinander fiel. Penibel achtete er auch darauf, dass die besudelten Kleidungsstücke sich im Inneren der Wäschekugel verbargen, die er nun mit sich herumtrug. Die Schwertscheide mit Inhalt balancierte er oben auf. Probeweise ging er einige Schritte auf und ab, um zu sehen, ob er genug Griff und Halt hatte und verließ dann, die angelehnte Tür jeweils mit dem rechten Fuß öffnend und schließend, die Unterkunft und begab sich auf den Weg in die unterste Ebene der Festung, auf der er schon zuvor am Abend gewesen war.

    Mit leichtem Schrecken dachte er nun daran wie elend es ihm in der früheren Nacht dort ergangen war. Langsam überkamen ihn Zweifel, ob er wirklich dorthin zurückwollte. Aber nun war er schon einmal mit einem Haufen stinkender Kleidungsstücke unterwegs und eigentlich wollte er auch herausfinden, was dort unten plötzlich mit ihm los war. Kopfschmerzen und seltsame Visionen überkamen jemanden nicht einfach so. So etwas hatte er bisher noch nie erlebt. Aber in letzter Zeit schien sich das zu häufen, zumindest in dieser Festung. „Diese schrecklichen Alpträume haben auch erst angefangen, nachdem wir hier angekommen sind“: überlegte er, aber verdrängte den Gedanken daran. Es erschien ihm lächerlich die Festung dafür verantwortlich machen zu wollen. „Vielleicht hat mich die Ahnengruft mehr mitgenommen als erwartet oder vielleicht auch das Alles“: dachte Tirian. Seit Wochen fürchtete er nun schon um das Leben seines Vaters und war mit Zweifeln und Sorgen geplagt. „Gewiss hinterlässt das seine Spuren“: versuchte er sich zu beruhigen. Er musste unwillkürlich an Hrotanda Vale denken. Auch diese Untoten verseuchte Ruine war schrecklich gewesen, aber tatsächlich hatte er danach kaum mit Alpträumen zu kämpfen. Scheinbar kratzten die Nöte der letzten Zeit doch an seiner Seelenruhe. Der Heiler glaubte erst wieder glücklich werden zu können, wenn sein Vater gerettet war und sie sich in Sicherheit gebracht hatten. Fern ab des Telvanni-Hexers am Besten. „Ja außer Reichweite seines langen Arms. Zu meiner Mutter nach Tränenstadt oder zu unseren Verwandten nach Hochfels“: dachte Tirian an die Zukunft. In diesem Moment erreichte er auch die Treppe, die ins Untergeschoss der Festung und somit zu den Waschräumen führte. Er wischte die Gedanken beiseite. Er brauchte die Konzentration um mit dem Wäschestapel vor Augen die Treppe herunter zu kommen, ohne hinunter zu fallen. Vorsichtig mit den Füßen tastend, nahm er eine Stufe nach der Anderen und kam tatsächlich unbeschadet in den Gewölben an.

    Der Raum in dem die Wäsche gewaschen wurde, befand sich in einigen Türen Entfernung dazwischen, so erinnerte sich der Heiler gab es noch zwei Räume, die er am frühen Abend geschlossen vorgefunden hatte und dann die Kammer, in dem sich die Söldner gewaschen hatte. Im spärlichen Fackellicht suchte er seinen Weg. Den Blick hielt er zur linken Seite gerichtet, um die Türen zu zählen. Als er an der zweiten Tür vorbeikam, schoss ihm wieder Schmerz durch den Kopf. Er musste sich beherrschen, um einen Aufschrei zu unterdrücken. Diesmal blieben die Visionen zwar aus, aber dafür verstärkte sich der Schmerz, umso weiter er voranschritt. „Was bei Almsivi ist das nur?“: fragte er sich. Inzwischen wankte er mehr, als das er ging. Der Heiler wollte dem Schmerz entkommen. „Nur noch die Wäsche ablegen und ich verschwinde“: entschied er. Hielt sich tapfer an der Wand bis er endlich die ersehnte Kammer mit einem Blick am Wäschestapel in seinen Händen vorbei erkennen konnte. Die Tür stand offen und es fiel Licht in den Korridor. Der Schmerzpegel nahm langsam wieder ab. Die Schmerzwellen, die zuvor durch seinen Kopf spülten, verschwanden auf einmal ebenso schnell wie sie gekommen waren. Vielmehr blieb ein andauernder, aber im Vergleich erträglicher Schmerz zurück, dem sich Tirian aber dennoch nicht länger als nötig aussetzen wollte. „Nur noch schnell die Wäsche ablegen“: ging es ihm durch den gepeinigten Kopf. Jedoch wurde er aus seinen Überlegungen gerissen, als er plötzlich Stimmen vernahm, die offenbar aus der Waschküche drangen.

    "… jemand entkommen ist. Ich habe gesehen, was ihr angerichtet habt. Und glaubt mir, es hat mir nicht gefallen“: hörte der Heiler. Er verlangsamte seine Schritte und trat näher an die Tür heran. Er hielt sich im Schatten und versuchte hineinzulugen. "Gerade Llevas hättet ihr besser nicht so zugerichtet“: hörte er weiter. Eine Männerstimme aus der deutlich der Hass sprach. Er schob seinen Kopf etwas in die Türöffnung. Vor ihm stand ein Mann, ein Dunmer offenbar, zumindest konnte er das an den aschgrauen Händen ablesen, der Rest seines Körpers war von einem grauen Umhang mit weiter Kapuze und einer dunklen Lederrüstung, die darunter hervorlugte, verhüllt. Erst jetzt bemerkte Tirian, mit wem der Mann sprach. Der Dunmer stand zwischen ihm und Lyviani. "Nicht doch. Oder wollt ihr sehen wie gut ich werfe und treffe?": sagte er plötzlich. Der Heiler kniff etwas die Augen zusammen und sah, dass die Dunmer wohl versuchte hatte, nach ihrem Dolch zu greifen. „Ein Attentäter“: schoss es ihm durch den Kopf. „Sie meinte doch, dass sie verfolgt wird“: rief er sich ins Gedächtnis. „Worauf hast du dich bloß eingelassen, Tirian?“: fragte er sich selbst. Fieberhaft überlegte er, was er tun sollte und leider waren diese Kopfschmerzen dabei nicht sonderlich hilfreich. Eine kleine, boshafte Stimme tauchte mit dem Schmerz in seinen Gedanken auf. „Lass sie das doch alleine regeln. Sie ist eine Fremdländerin und hat sich mit den falschen Leuten angelegt. Sie meinte doch noch, dass sie kein Mitleid und keine Hilfe braucht. Sie meinte doch, dass sie alleine klar kommt. Wenn sie es überlebt gut für sie, wenn nicht, kann es dir doch egal sein“: wisperte es in seinen Gedanken, als spräche sein böser Zwilling zu ihm. Zusammen mit dem latenten Kopfschmerz, der jedwedes Nachdenken ohnehin anstrengend machte, hatten die Überlegungen etwas angenehm Einfaches und Eindeutiges an sich, dass er sogar einen Moment gewillt war, einfach umzudrehen und zu gehen.

    Energisch entschied er sich dagegen und packte den Wäschehaufen auf den Boden. Er wusste das in Lyviani mehr steckte als die kalte Meuchelmörderin, die selbst gerne zum Besten gab und die sie wohl auch sein wollte, um sich nicht einzugestehen, dass sie in ihrem Innern doch noch Gefühle und Schwächen hatte. Und selbst wenn er sich doch täuschte, konnte er sie nicht einfach hier ihrem Schicksal überlassen. Das konnte und wollte er einfach nicht. Er wandte sich wieder zur Tür und versuchte sich trotz des Schmerzes auf die Situation zu konzentrieren: "Er hat sie in Carmala versteckt. Wo er jetzt ist, weiß ich nicht. Solltet ihr ihn aber sehen, richtet ihm bitte noch Grüße von mir aus, bevor ihr ihn abstecht": waren die ersten Worte, die er von der Dunmer vernahm. Der Attentäter schien einen Moment lang nachzudenken. Das war vielleicht der Moment, um ihn zu überraschen. „Ihr könnt ihn in Oblivion selbst grüßen, sobald wir ihn euch nachschicken. Wisst ihr, ich habe hier in meiner Tasche einen Exekutionserlass, der von seiner Hoheit Herzog Dren unterschrieben wurde. Er lautet auf euren Namen, Dreveni. Der Mord an so vielen guten Assassinen der Tong in der derzeitigen Lage, die Daedra und so weiter, kamen bei den offiziellen Stellen nicht so gut an. Selbst wenn ich wollte, könnte ich euch nicht gehen lassen“: sagte der Attentäter siegesgewiss. Tirian seufzte innerlich: „Die Morag Tong!“ Jetzt verstand er auch, warum die Dunmer so überempfindlich war. Wenn die Tong hinter ihr her waren, dann war sie in Morrowind und gerade auf Vvardenfell nirgendwo wirklich sicher. Sein Schädel dröhnte noch immer. „Verflucht worauf habe ich mich nur eingelassen, als ich sie in Vos anheuerte“: fragte er sich in einem Anflug von Verzweiflung selbst. Als er jedoch sah, dass der Dunmer seinen Dolch hob, um Ernst zu machen, gab es keine Zweifel mehr. Er musste handeln. Lyviani brauchte hier und jetzt seine Hilfe. Der Heiler musste handeln. Er griff sich aus dem Wäscheberg die stinkende, faulige Robe. Er stieß die Tür auf. „Sie hat noch einen Vertrag zu erfüllen, Bastard“: schrie er und warf dem überraschten Assassinen, das jämmerlich stinkende Kleidungsstück mitten ins Gesicht, das er ihm reflexartig zugewandt hatte. Tirian wollte sein Schwert ziehen, um die Sache schnell zu beenden, aber zu spät fiel ihm auf, dass er es gar nicht um hatte, sondern das es ja zwei Schritte entfernt auf dem Wäschehaufen lag.

  9. #69

    Weidenländer, Falensarano

    [Dreveni]
    Mit wachsendem Entsetzen hörte sie zu, was der Assassine ihr sagte. Er war also nicht nur aus der Dwemerruine entkommen, er hatte auch noch Zeit gefunden, einen offiziellen Mordauftrag gegen sie unterzeichnen zu lassen. Sie saß weit tiefer in der Scheiße, als sie es bis jetzt gedacht hatte. Aber immerhin schien er vorzuhaben, sie gleich umzubringen, und den Teil mit der Folter dieses Mal zu überspringen.

    Den Heiler bemerkte sie nicht, da sie sich ganz auf den Dolch in der Hand ihres Gegners konzentrierte, weshalb auch sein Aufruf, als er die Tür komplett aufstieß, für sie ebenso überraschend kam wie für den Assassinen, der aus Reflex auch noch den Kopf herumriss. Dass er die Robe des Heilers ins Gesicht bekam, irritierte ihn nur kurfristig, aber das genügte. Dreveni war eh schon auf dem Sprung, da sie nur darauf gewartet hatte, dass der Andere endlich auf sie losgehen, und sie nicht mehr nur beobachten würde. Blitzschnell hatte sie den Dolch gezogen und überbrückte die Distanz zu dem Mörder mit wenigen Schritten. Dieser hatte sich allerdings schon wieder gefangen, griff ihr an das rechte Handgelenk und wollte ihr den Arm verdrehen, erwischte sie allerdings nicht ganz so wie geplant. Bevor er selbst mit seinem Dolch zustoßen konnte, hatte sie ihm ebenfalls in den Arm gegriffen, und wollte ihm die Waffe entwinden, da drehte er sie durch ihren eigenen Schwung halb herum, so dass sie mit dem Rücken zu ihm stand, und versuchte ihren Arm mit dem Dolch so zu drehen, dass er ihr die eigene Waffe in den Bauch rammen konnte. Sein Griff um ihr Handgelenk fühlte sich an wie ein Schraubstock, trotz seiner drahtigen Statur war er ziemlich kräftig. Weit kräftiger als Dreveni, und er hatte mindestens genausoviel Ahnung vom Kampf mit Dolchen und Messern, wenn nicht sogar noch mehr. Nachdem ihr gerade nicht viel anderes übrig blieb, trat sie schwungvoll mit dem Fuß nach hinten aus. Sie erwischte den Angreifer von unten am Knie, was ihn schmerzerfüllt aufkeuchen und ihn seinen Griff - wenigstens kurzfristig - lockern ließ. Das reichte ihr, um ihren Arm mit der Waffe wieder freizubekommen.

    Von außen wirkte das Ganze wie ein verschlungenes Kneuel von Armen und Dolchen, und es wäre sehr schwer gewesen, dazwischen zu gehen und dabei nur einen von beiden zu treffen.

    [Tirian]
    Die stinkende Wäsche behinderte den Attentäter leider nicht so sehr wie gehofft. Schnell war er wieder aktiv, aber Lyviani stürmte rasch heran. Mit ihrem Dolch in der Hand ging sie auf ihren Gegner los. Dieser hatte sich allerdings soweit gefangen, dass er die Attacke rasch parieren und kontern konnte. Tirian konnte dem Verlauf des Kampfes nicht mehr folgen, denn viel zu sehr verhedderten sich die beiden Auftragsmörder in einander und versuchten sich gegenseitig abzustechen. Erst nach einigen Augenblicken konnte er sich von diesem interessanten Anblick lösen. "Ich muss ihr helfen": dachte er nur, wandte sich zum Wäschestapel um, um nach seinem Schwert zu greifen. In dieser Balgerei einen Zauber zu versuchen war hochgefährlich. Wenn er die Dunmer traf, dann konnte alles vorbei sein. So ließ er sich gar nicht erst darauf ein und wollte lieber an seine Waffe kommen, um ihr so zu helfen. Er hatte gerade das Heft gepackt und wollte es zu sich hochziehen, als er sich jemand auf die Scheide stellte und ihn so am Herausziehen hinderte.

    Der Blick das Heilers glitt nach oben und fand das Antlitz der Anführerin der Söldner. Mit schief gelegtem Kopf und einem leichten Lächeln schaute sie auf ihn herab. "Ihr wollt eurer Freundin doch hoffentlich nicht den Spaß verderben. Oder mir...": sagte sie und zog nun ihre eigene Klinge hervor und richtete sie auf seine Kehle. Er schluckte und erhob sich ganz langsam aus seiner gebückten Position. Sie schob in die zwei Schritte zurück zur Tür, damit sie auch sehen konnte. Noch immer rollten die Beiden Kontrahenten auf dem Boden, Mordlust im Blick und nur auf den Moment zum Zustechen wartend. "Verflucht was soll das. Sie braucht meine Hilfe": schrie Tirian sie an. Er hatte Angst um seine Begleiterin, denn ihr Gegner schien wirklich fähig zu sein. "Sie schafft das schon allein und wenn nicht dann nicht. In jedem Fall haben wir hier ein schönes Schauspiel": sagte sie genießerisch und leckte sich über ihre Schneidezähne.

    [Dreveni]
    Als Dreveni endlich wieder ihren Arm mit dem Dolch frei bekommen hatte, merkte sie auch schon, wie ihr ein Bein weggezogen wurde. Allerdings stand der Assassine selbst so unsicher, dass er sie nicht so kontrolliert zu Boden bringen konnte, wie es wohl seine Absicht war, und so landeten sie beide zwischen den Waschzubern. Es grenzte an ein Wunder, dass sich im Fallen keiner von beiden einen der Dolche in den Körper rannte, und Dreveni schaffte es sogar, ihm mit ihrem Ellenbogen an die Nase zu schlagen dass sie blutete, wenn auch eher unabsichtlich. Sie selbst rollte unsanft über ihre rechte Seite und wurde so wieder an die Prellung erinnert.
    Dass inzwischen die Altmer Tirian daran gehindert hatte, einzugreifen, bemerkte sie nur am Rande, einzig sein Ruf, dass er ihr helfen musste, drang an ihr Ohr. Du hältst dich da raus. Das geht nur uns beide etwas an., dachte sie sich, als ihr Kontrahent ihr unsanft an den Haaren zog. Sie revanchierte sich mit einem Biss in seine Hand, die sich gerade so schön in Reichweite vor ihrem Gesicht befand. Als sie Blut in ihrem Mund schmeckte, und seinen empörten Aufschrei hörte, registrierte sie befriedigt, wie fest sie gebissen hatte. Da ergab sich auch schon die Chance, auf die sie die ganze Zeit gewartet hatte, und zwar, endlich wieder aufzustehen. Hier am Boden hatte sie wenig Chancen, wenn es ihm gelang, sie richtig festzuhalten, er war ja schon einmal viel schwerer als sie selbst. Keine Sekunden später war der Dunmer ebenfalls wieder auf den Beinen und sie umkreisten sich lauernd zwei, drei mal.
    Sie boten beide einen reichlich ramponierten und zerzausten Anblick, aus seiner Nase lief immer noch Blut und Dreveni hatte einen feinen Schnitt auf ihrer linken Wange abbekommen.
    Als er noch auf eine Reaktion von ihr wartete, griff sie wieder an, täuschte einen Stich von rechts oben an, und als er wie geplant wieder mit seiner Hand in ihren Stich fiel, und mit seiner zweiten ebenfalls ausholte, hob sie ihr Knie und trat ihm kräftig zwischen die Beine. Dieses mal schrie er nicht, sondern stöhnte nur und krümmte sich. Sie schob ihn an die linke Seitenwand des Raumes, die nicht mehr weit entfernt war, schlug seine Hand mit der Waffe dagegen, so dass er seinen Dolch fallen ließ, den er ohnehin nicht mehr sonderlich fest gehalten hatte. Sie hielt ihn ihre eigene Waffe mit der Linken an die Kehle, zog ihr Stilett unter ihrem Ärmel hervor und stach es durch die Rüstung, unterhalb seines Brustbeines, bis die Spitze in seine Haut bohrte. Sie würde den Teufel tun und ihm nun die Kehle durchschneiden, wenn sie genau vor ihm stand.
    "So, du Hurensohn.", zischte sie ihm zu und sah ihm in die Augen. Dort konnte sie zur ihrer Enttäuschung keine Angst sehen, nur blanken Hass, gemischt mit Schmerz.

    [Tirian]
    Fasziniert verfolgten sie den Kampf. Auch wenn es stellenweise so aussah, als würde doch der Tong-Attentäter die Oberhand behalten, brachte Lyviani ihn mit einem Tritt in seine Weichteile zum Schwanken und nagelte ihn schließlich an die Wand zu ihrer linken. Die Altmer stieß ihn nun in den Raum hinein und steckte dann ihr Schwert weg. Die Assassine stand nun vor ihrem hilflosen Gegner und kostete den Moment scheinbar voll aus. Der Dunmer hob seinen Kopf und erkannte scheinbar die Altmer. "Was steht ihr da so herum. Helft mir gefälligst": rief er. Die Altmer lächelte nur süffisant. "Ich habe einen Exekutionserlass. Es ist höherer Wille das diese Hure": er unterbrach für einen Schmerzenslaut, denn scheinbar drehte die Dunmer ihr Stilett etwas "Die Tong hat beschlossen sie zu töten. Ihr würdet etwas von der Belohnung bekommen. Wenn ihr ihr helft, dann wird euch der Zorn meiner Brüder treffen. Die Gesetze von Vvardenfell...": faselte er weiter. Die Altmer lachte. "Hier in dieser Festung herrscht allein mein Gesetz und überall dort um mich, wo mein Schwert hinreicht, herrscht auch mein Gesetz. Vvardenfell ist mir ebenso egal wie eure kleine Gilde von kleinen, mordenden Ratten": sagte sie. Lyviani ließ das Gespräch offenbar gewähren, aber ihre angespannte Körperhaltung verriet, dass sie sich nur mühsam beherrschen konnte. "Ihr habt euch in meine Festung geschlichen, euch hier Unterkunft erschlichen und dann entdeckt ihr in einem meiner Gäste zufällig ein Opfer! Ihr seid Nichts weiter als ein Insekt, dass unter einem Stiefel zertreten gehört. Ich habe euch eine kleine Chance gegeben mir einen amüsanten Kampf zu bieten und euer Ziel zu erledigen. Ihr habt versagt und werdet jetzt zerquetscht, wie das Ungeziefer, dass ihr und eure Zunft seid": meinte sie bloß lapidar. "Nur zu. Tötet dieses Wiesel. Ihr habt es euch verdient": fügte die Altmerin selbstherrlich an.

    Tirian sah ihre Mordlust. Ohne Zweifel würde sie es tun. Sie wollte es tun und sie wünschte es sich sogar. Und doch. Auch dies wollte er nicht zu lassen. Nicht noch einen Hilflosen. Nicht das er besonderes Mitleid mit dem Assassinen empfand. Ganz anders als noch mit dem geschlagenen Söldner damals. Aber es war auch nicht richtig ihn jetzt einfach zu töten. Blut musste nicht unbedingt mit Blut vergolten werden. "Lyviani tu es bitte nicht. Lass uns einfach weitergehen": bat der Heiler obwohl er schon ahnte, dass sein Bitten vergebens sein würde. Sie hatte ihn ausgeschaltet. Er war im Moment keine Bedrohung mehr. Sie musste es nicht tun und sich noch mit einem Toten belasten und ihn gleich mit. Seine Begleiterin wandte kurz ihren Kopf um und sah ihn mit eiskaltem Blick an. "Ja, tötet diesen Bastard. Zu einem Sieg gehört auch der Tod und der Geschmack von Blut. Was ist schon ein Leben im Vergleich zu dem Gefühl es jemandem zu nehmen? Das dort ist kein Mer. Das dort ist jetzt nur noch Abfall. Tut es!": stachelte die Altmer die Assassinin an. Ihr Blick war immer noch auf Tirian gerichtet. Ein grausames Lächeln erschien in ihrem Gesicht "Halt dich da raus": sagte sie nur und umfasste den Griff des Stiletts fester. Er wollte nach vorne stürzen, wieder ihren Arm packen, doch wurde er heftig gepackt und schließlich in den Schwitzkasten genommen. Die Söldnerin hatte ihn fest in ihrem Griff. Der Heiler schloss die Augen, um es nicht mit ansehen zu müssen.

    [Dreveni]
    Erst als der Assassine die Altmer und Tirian ansprach, nahm Dreveni deren Gegenwart so richtig wahr. Sie machte sich bereit, zuzustechen, sollte die Söldnerin dem Bastard tatsächlich zur Hilfe eilen, doch die machte glücklicherweise keine Anstalten. Nur Tirian versuchte doch tatsächlich, sie zu überreden ihn laufen zu lassen.
    Trau dich Tirian. Ich nagel deine Hand mit meinem Dolch an die Wand und steche ihn dann ab., dachte sie sich, während sie ihn anfunkelte. Dieses Mal würde sie sich nicht auf lange Diskussionen einlassen, nicht jetzt, nachdem es gerade eben schon um Leben und Tod gegangen war.
    "Dein Zorn wird jedenfalls niemanden mehr treffen. Auch wenn ich dir zu gerne - wie bei Llevas - dein hässliches Gesicht verzieren würde. Und ich würde dich auch wirklich gerne dann so laufen lassen. Nicht ohne noch etwas Salz hinein zu schmieren und dich so in der Wüste auszusetzen, dass du erst wieder auf einen Heiler triffst, wenn du Narben hast, die dich bis auf dein Lebensende jeden beschissenen Tag daran erinnern, wie verflucht dämlich du heute warst.", zischte sie dem Mörder zu, und drehte gleich danach den Kopf weg, denn er wollte ihr glatt ins Gesicht spucken.
    "Leider, leider wird es dazu nicht mehr kommen." Mit diesen Worten stieß sie ihm das Stilett in einem leichten Winkel nach oben in die Brust, und kippte es dann nach unten. Hätte sie nicht das Herz getroffen, würde er jetzt mit Sicherheit innerlich verbluten, wenn sich der Heiler nicht einmischte, und danach sah es nicht aus. Sie sah ihm ins Gesicht, sah seine Augen sich verdrehen. Es machte den Eindruck, als wolle er noch etwas sagen, aber er würgte nur einen kleinen Schwall Blut nach oben, dass ihm über die Lippen lief. Sie zog das Stilett wieder aus seiner Brust und ließ ihn zu Boden sinken.
    Sie schien gut getroffen zu haben, denn kaum lag er, wurden seine Augen auch schon starr und sahen stumpf an ihr vorbei, in Richtung Tür. Sie steckte den Dolch weg, wischte das Stilett an seinem Mantel ab und begann dann die Leiche abzusuchen, bis sie den Erlass fand. Er war tatsächlich auf ihren Namen ausgestellt. Sie hatte gehofft, dass er in diesem Punkt gelogen hatte, um ihr Angst zu machen, aber es war tatsächlich wahr. "Verflucht.", sagte sie leise. Ihr Blick fiel auf seinen Dolch, der noch an der Wand lag, wo er ihn fallen gelassen hatte, und nahm ihn. Auch wenn sie aus der Dwemerruine nichts von den getöteten Assassinen an sich genommen hatte, war das hier doch ihre ganz persönliche Trophäe. Schließlich richtete sie sich auf und sah Tirian an.

    [Tirian]
    Er öffnete erst wieder die Augen, als die Altmer ihn aus ihrem Griff entließ. Der Dunmer lag bereits leblos zu Füßen seiner Begleiterin. Sie fledderte seine Leiche, nahm sowohl ein Stück Papier, vermutlich den Erlass, als auch den Dolch des Attentäters an sich. Fest sah sie ihm ins Gesicht. Er wich ihrem Blick aus und kniete neben dem Toten nieder. Er befühlte dessen Hals. Tatsächlich kein Puls mehr. Der Mann war tot, wie es bei einer ausgebildeten Assassine wie seiner Begleiterin zu erwarten war. Die Altmerin schnippte mit den Fingern und sofort kamen zwei bullige Söldner, ein Rothwardone und ein Nord, in den Waschraum. "Werft das da in die Kanalisation. Sollen sich die Ratten an ihresgleichen gütlich tun": meinte sie und zeigte mit einer wegwerfenden Geste auf den Körper des Toten. Diese Verächtlichkeit widerte den Heiler geradewegs an. Wie konnte man einen Mer nur wie ein Stück Fleisch behandeln. Er schloss die Augen, um sich zu beruhigen, doch brachte die Söldnerin ihn mit ihrer nunmehr ausgelassenen Stimmung noch etwas mehr auf die Palme. Seine Kopfschmerzen, die nun, da die Anspannung abklang, wieder deutlicher zu Tage traten, waren seiner Beruhigung nicht gerade zuträglich. "Kommt. Lasst uns etwas trinken. Wein für das Blut, das ihr vergossen habt. Ich glaube euren Freund brauchen wir damit nicht zu belästigen. Er scheint mir nicht so guter Laune zu sein": meinte sie und lachte wieder. Lyviani verwies noch auf die Kleidung die gewaschen werden musste. Diesem Einwand begegnete das verrückte Frauenzimmer mit einem weiteren Fingerschnippen. Ein weiterer Wachmann brachte zwei sehr müde aussehende Khajiiten herein. "Die Beiden haben im Moment keine sinnvolle Beschäftigung, sodass sie vor Langeweile schon eingeschlafen waren. Die werden das erledigen und euch die Kleidung auf die Kammer bringen, aber nun kommt. Ich gebe euch einen auf diese erfolgreiche Rattenjagd aus." Etwas umständlich und widerwillig ließ sich die Assassine aus dem Raum geleiten. "Du bist wie sie": rief Tirian ihr bitter nach, denn für ihn blieben sich Lyviani und die Altmer im Moment gleich. Er blieb schließlich allein mit den beiden Sklaven im Raum zurück.

  10. #70

    Weidenländer, Falensarano

    Dreveni merkte, wie Tirian ihrem Blick auswich, als er neben der Leiche kniete, und versuchte, noch den Puls des Dunmers zu fühlen. Lass es gut sein. Ihm kannst du nicht mehr helfen., dachte sie sich, da schnippte die verrückte Altmer auch schon ihre Söldner herbei, um die Leiche zu entsorgen. Wo bei Mephala war sie hier nur gelandet? Ausdruckslos beobachtete sie das treiben, auch wie die beiden Sklaven herbeigerufen wurden, auf ihren Einwand hin, dass sie hier noch etwas zu erledigen hatte. Die Altmer schien wild entschlossen, ihr unbedingt einen auszugeben, und ihr viel kein Grund ein, das auszuschlagen. Es wäre ohnehin mehr als schlecht, sie zu verärgern.
    Schließlich wurde sie von der Söldnerin fast aus dem Raum gezogen, da hörte sie, wie ihr der Heiler hinterher rief: "Du bist wie sie!" Sie schloss kurz die Augen, aber es traf sie nicht wirklich. Nein, sie war nicht wie die Söldnerin. Sie war eine Assassine, genau wie der Dunmer, den sie gerade getötet hatte. Und auch wenn Tirian es nicht sehen wollte, wusste er doch seit Vos genau, wer - oder besser was - sie war. Und daran konnte weder er noch sonst jemand etwas ändern, egal, wie oft er noch bat, dass sie jemanden verschonen sollte. Es war einfach ihre Welt, in der galten andere Gesetze als es Tirian gewohnt war.
    Sie hätte ihn gehen lassen sollen.
    Bei diesem Gedanken verzog sich ihr Mund zu einem bitteren Lächeln. Wenn es doch nur so einfach hätte sein können. Glaubte Tirian wirklich, der Assassine wäre auf Knien rutschend von Dankbarkeit aus der Festung verschwunden?
    Über diese Gedanken merkte sie gar nicht, dass sie schon die Gaststube erreicht hatten, und sie von der Söldnerin in einen Stuhl gedrückt wurde. Sie bemühte sich, gute Miene zu dem ganzen zu machen, um die Altmer auf keinen Fall zu reizen.
    "WEIN!", brüllte die Söldnerin einem ihrer Männer in Ermangelung eines Sklaven zu. "Den Guten. Nicht den Dreck, den die Händler und ihr bekommt",rief sie noch hinterher.

    Dreveni zuckte bei dem Gebrüll der Söldnerin kurz und fast unmerklich zusammen, und wurde dadurch endgültig aus ihren Gedanken gerissen. Hier unten brannten immer noch die Öllampen und Fackeln, und von irgendwoher waren auf einmal auch wieder einige der Söldner gekommen. Wurde es schon wieder morgen? Sie hätte es beim besten Willen nicht sagen können.
    Inzwischen waren die Männer mit dem Wein und ein paar Kelchen wieder aufgetaucht, einer davon wurde vor Dreveni auf den Tisch geknallt, die beschlossen hatte, außer einem freundlichen: "Danke", in Richtung er Altmer erst einmal gar nichts zu sagen, und sich statt dessen das mittlerweile geronnene Blut von der Wange zu wischen.
    Die Altmer goss den Wein für beide ein. "Rot wie Blut, schwer Blut, nur nicht so eisern", meinte sie kichernd. "Der hier ist aus Hochfels. Ein gutes Anbaugebiet. Schwere, gute Böden. Das Land dort hat viel Blut gesehen. Man schmeckt diese Note im Wein", sagte sie und nahm einen großen Schluck. "Ah hervorragend. Lasst uns nun auf diesen herrlichen Kampf anstoßen": sprach sie feierlich und erhob ihren Kelch. Sie sah Dreveni auffordernd an.
    Bei den letzten Worten der Altmer waren alle Zweifel ausgeräumt, die Dreveni vielleicht noch zu dem Geisteszustand der Söldnerin gehegt hatte. Die Frau war komplett irre, und schien auch noch einen seltsamen Fetisch zu haben, was Blut anging. Nicht dass Dreveni mit Blut an sich ein Problem gehabt hätte, nur konnte sie auf dessen Geschmack gut verzichten, was sie gerade wieder gemerkt hatte, als sie den Assassinen in die Hand gebissen hatte. Es blieb ihr aber nichts anderes übrig, als das Spiel der anderen mitzuspielen, und so hob sie den Kelch ebenfalls um mit ihr anzustoßen: "Auf den Kampf. Auf den Sieg über diese elende Ratte, möge sie in der Kanalisation verrotten." Dabei schaffte sie es tatsächlich noch, einen leicht fiesen Ton in ihre Stimme zu legen, obwohl sie eigentlich am liebsten nur noch hier raus wollte. Auf das Plateau auf der Festung, ihretwegen auch noch in die Kammer - solange dort nicht Tirian war - nur weg von dieser Verrückten.
    Und weg von diesem Lärm, sie musste nachdenken, und das konnte sie hier und jetzt wirklich nicht.
    Die Altmer lächelte und nahm noch einen kräftigen Schluck. "Ihr seid vom richtigen Schrot und Korn, Dreveni. Das lässt sich über euren Freund nicht gerade sagen", meinte sie. "Warum zieht ihr überhaupt mit solch einem Hasenfuß über Land?": wollte sie wissen.
    Dreveni nippte ebenfalls an dem Wein, der tatsächlich so gut war, wie die Söldnerin versprochen hatte. "Wir haben einen Vertrag, und er zahlt gut.", antwortete sie, ohne konkret zu werden und sah die Altmer dabei wachsam an.
    "Er ist also gar kein Freund von euch? Das ist ja hervorragend, ich wollte auch schon an euch zweifeln. Ein Kunde also? Egal was er euch geboten hat. Ich zahle besser und bei mir müsst ihr euch nicht mit seinem Gewissen herumschlagen. Das wäre ja auch langweilig", sagte die Altmer. "Ich hätte ihm vermutlich schon längst die Zunge rausgeschnitten", überlegte sie laut und schwenkte den Rest wein in ihrem Kelch. "Manche Nord fertigen sich aus den Zungen und Ohren ihrer Gegner Halsketten an...", schweifte sie gedankenverloren ab.
    Halsketten... Das war ein gutes Stichwort, dachte sich Dreveni. Auch wenn sie sich selber auf die Ohren dieser arroganten Ziege beschränken würde. "Es gibt da noch weitere Vereinbarungen...", antwortete Dreveni vorsichtig, während sie mit der Hand den Stiel des Kelches entlang strich. "An was für Aufträge hättet ihr denn gedacht?", fragte sie schließlich noch, während sie überlegte, wie sie sich da am besten rausreden konnte. Da fiel ihr Blick auf einen Dunmer, der sich schräg hinter die Altmer an einen der Tische gesetzt hatte. Er sah ebenfalls zu Dreveni herüber, so konnte sie sein Gesicht voll sehen. Über der rechten Gesichtshälfte zog sich eine Narbe von der Stirn übers Auge bis zum Mundwinkel, aber abgesehen davon sah er nicht schlecht aus. Auch das was sie von seinen Oberarmen unter der kurzärmligen Tunika sehen konnte, wirkte vielversprechend. Sie ließ sich nur kurz ablenken, dann glitt ihr Blick wieder zu der Söldnerin.
    Die Altmer folgte unmerklich Drevenis Blick. "Wenn ihr euch gut macht, sehr viele. Ihr könntet uns begleiten. Im Moment allerdings habe ich eine Diamantenmine an der Grenze zur Molag Amur ins Auge gefasst. Sagen wir, dass wir noch Gelder aus unserem Vertrag von dort erwarten, aber bisher nicht bekommen haben. Natürlich wollen die dortigen Verwalter Nichts davon wissen, dass wir ein Abkommen getroffen haben, behaupten es gäbe keinen Vertrag und solche Sachen. Aber natürlich haben wir die Daedra auch für die ferngehalten und deshalb verlange ich eine entsprechende Entlohnung dafür - natürlich in Naturalien. Stellt euch Schatullen voller Diamanten vor. Da ich natürlich nicht riskieren will, dass wir noch einmal ausrücken müssen, wenn die Raten ausbleiben, wäre es doch gut, wenn ein paar von meinen Jungs dort blieben und sie freundlich an ihre Abgaben erinnerten. Zuvor müssen aber noch ein paar Wachen aus dem Weg geräumt werden, die unberechtigterweise Anspruch auf meine Edelsteine erheben", erzählte sie von dem Auftrag und ballte beim letzten Satz wütend die Fäuste. Dann entspannte sie sich ebenso schnell wieder. "Was auch immer das noch für vertragliche Verpflichtungen sein mochten, ich bin mir sicher, dass der Glanz ein paar schön funkelnder Steinchen, doch sicher eine gute Entschädigung sein dürfte", sagte sie und genoss noch etwas Wein.
    Dreveni hörte dem Angebot der Altmer geduldig zu, und wechselte dabei noch den einen oder anderen Blick mit dem Dunmer hinter dieser.
    Es klang wirklich verlockend, was die andere erzählte, wäre Dreveni eine Söldnerin gewesen. War sie aber nicht, und tatsächlich hatte sie spätestens jetzt den festen Vorsatz gefasst, dass dies der absolut letzte Auftrag dieser Art war, den sie annehmen würde. Von nun an würde sie wieder ausschließlich allein arbeiten, und sich auf das beschränken, was sie konnte und mit Leidenschaft tat, und nichts anderes.
    "Das Angebot klingt in der Tat verlockend.", antwortete sie schließlich, wobei sie der Altmer fest in die Augen sah. "Und ich hoffe ihr habt Verständnis, dass ich euch nicht jetzt sofort eine Zusage erteilen kann.", versuchte sie sich unauffällig aus der Affäre zu ziehen und gleichzeitig die Söldnerin in dem glauben zu lassen, dass sie das Ganze ernsthaft in Erwägung zog, "aber da gibt es tatsächlich noch die eine oder andere Sache mit meinem Begleiter wenigstens zu klären. Ich muss zumindest noch einmal kurz mit ihm sprechen. Später. Wenn sich seine schwachen Nerven wieder etwas beruhigt haben.", fügte sie noch mit einem zynischen Lächeln hinzu, und hielt der Altmer wieder den Kelch zum Anstoßen hin. Vielleicht ergab sich ja Tagsüber die Gelegenheit, unauffällig zu verschwinden. Da fiel ihr Blick wieder auf den Dunmer, der ihr inzwischen mehr als eindeutige Blicke zuwarf. Warum eigentlich nicht?

    "Darüber nachdenken!", rief die Altmer aus und lachte. Dann legte sie ihre Hand auf Drevenis und strich sacht darüber. "Das ist gut, dass ihr darüber nachdenken wollt", sagte sie und lächelte verständnisvoll. Im nächsten Augenblick straffte sich ihr Arm und zog Dreveni überraschend zu sich über den Tisch. Mit verengten Augen schaute sie ihr Gegenüber an. "Vielleicht denkt ihr dabei auch gleich darüber nach, wie ihr besser lügen solltet! Ihr meintet wohl ihr würdet euch mit eurem Begleiter heimlich davonstehlen. Das wolltet ihr doch sagen, oder?! ODER?!", fuhr sie die Assassinin an. Sie ließ ihrem Arm los und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück. "Soll euch Zeit zum Nachdenken geben, während ich eurem Begleiter hier die Haut bei lebendigem Leibe abziehen lasse und ihm das kleine naive Herz durchbohre!? Dann gibt es keinen Vertrag mehr zu erfüllen!", fragte sie, nur um sich dann wieder vorzubeugen und ruhig von ihrem Wein zu trinken. "Ich kann euch natürlich nicht zwingen. Ich weiß das nur zu gut. Mein Vater wollte mich auch zwingen Hofmagierin in Summerset zu werden. Stellt euch das vor. Hofmagierin für einen König, der selbst der Magie mehr als mächtig ist!": sagte sie dann wieder mit ruhigerer Stimme. "Ihr seid wie eine Zwillingsschwester. Wir sind uns ähnlich, daher verstehe ich das. Also denkt noch einmal über mein Angebot nach": wechselte sie nun zu einem gönnerhaften Tonfall und lächelte wieder, um dann nochmals die Kelche zu füllen.
    Dreveni hatte, während sie von der Altmer im wahrsten Sinne des Wortes über den Tisch gezogen wurde, die andere Hand fester um den Griff des Dolches des Assassinen geschlossen, welchen sie unter dem Tisch auf ihrem Schoß liegen hatte. Ihr kam langsam der Gedanke, ob ihr der Rest der Söldnerbande nicht dankbar wäre, wenn sie dieses kranke Weib einfach abstach. Hier, mitten in der Gaststube. Sie mochte vielleicht in den letzten Wochen etwas aus der Übung sein, aber sie traute sich noch absolut zu, ihr Stilett in einem Auge der Altmer zu versenken, noch bevor jemand auch nur auf zwei Schritte heran war. Andererseits hatte sie nie selbstmörderische Tendenzen verspürt, wenn es um die Erledigung eines Auftrags ging, und so war ihr das Risiko zu groß, dass ihre Gedanken falsch sein könnte.
    "Es freut mich dass ihr es versteht. Es geht mir auch weniger um meinen kleinen, feigen Begleiter. Ich möchte mir - uns - nur gerne alle Optionen offen halten. An diesem Auftrag hängt nämlich mehr als nur dieser kleine Dunmer. Und falls es sich jemals ergibt, möchte ich uns den Weg in Cyrodiil nicht unnötig erschweren. Was leider der Fall wäre, würde dieses Jüngelchen zu Schaden kommen. Deswegen muss ich mich mit ihm im Guten einigen."
    Sie hoffte ernsthaft, dass diese Irre die Finger von Tirian lassen würde. Andererseits konnte der Heiler sich seiner Haut schon gut erwehren, wenn es sein musste.
    Da merkte sie wieder den Blick des Dunmers auf sich, und sie fragte, auch um das Thema zu wechseln: "Gehört der da zu euch?", und nickte dabei leicht in seine Richtung.
    Die Altmerin zog einen Schmollmund. "Überlegt es euch. Das Angebot steht weiterhin. Cyrodiil ist doch so ein langweiliger Flecken", bedauerte sie. Erst dann folgte sie dem Nicken. "Ihr beobachtet ihn schon eine Weile. Er ist auch ein schönes Stück Fleisch, nicht wahr?", sagte sie und leckte sich über die Schneidezähne. "Ja er gehört zu meinen Männern. Ganz unter uns. Er hat sich regelrecht darum gerissen, euch beobachten zu dürfen. Ich wollte den großen Jungen nicht dadurch enttäuschen, dass ich ihn auf euren Begleiter ansetze", meinte sie und sprach dem Wein weiter zu. "Ich kann ihn nachher auf eure Kammer schicken und dafür sorgen, dass sich euer Kunde eine Weile nicht dort blicken lässt", bot sie gönnerhaft an. "Er dürfte auch schon etwas ausgehungert sein. Von den Sklavinnen sind leider nur noch die Katzen und Echsen da und die sind wohl unter seiner Würde", plauderte sie ganz offen.
    Während Dreveni wieder den Stiel ihres Kelches mit den Fingern entlang fuhr, und der Söldnerin einen Augenaufschlag schenkte, der ihre Zustimmung zu dem "schönen Stück Fleisch" ausdrücken sollte, entstand in ihrem Kopf ein Bild, wie schön sich die Schneidezähne der Altmer zwischen ihren Ohren an der Kette machen würden. Und erst die Eckzähne...
    "Lasst den Kleinen nur in der Kammer schlafen, sonst wird er wieder quengelig wenn er übermüdet ist. Ich denke ich finde schon eine ruhige Ecke mit ihm...", wobei sie wieder leicht zu dem Dunmer hinüber nickte. Um Drevenis Lippen spielte nun ein feines Lächeln und der Blick dem sie der Söldnerin zuwarf, war mehr als eindeutig.
    Jetzt wo sie schon hier war und gezwungen war, das irre Spiel mitzuspielen, konnte sie auch gleich in die Vollen gehen. Warum auch nicht?
    Mit dem Dunmer da hinten würde sie schon fertig werden, sollte es sich anders entwickeln als geplant, und außerdem wurde es verflucht noch mal wieder einmal höchste Zeit, während der ganzen Reise mit Erynn und Arranges, überhaupt schon während der ganzen Sache mit Feryns Auftauchen in Cyrodiil hatte sie nicht einmal auch nur nach einer Gelegenheit Ausschau gehalten. Und sie konnte sich so hoffentlich bald von der Altmer loseisen.
    Wenn alle Stricke rissen, mussten sie es eben doch irgendwie schaffen, zu entkommen. Unsichtbarkeitszauber halfen schon viel, und die Stalljungen bei dem Guar konnte sie immer noch niederschlagen oder meucheln, da sie das Tier nur ungern zurück lassen würde. Und zur Not würde sie Tirian gefesselt und geknebelt hinter sich her schleifen, wenn er wieder Einwände gegen ihre Vorgehensweise hatte.
    "Ich denke ihm wäre auch dieser Tisch hier recht. Zumindest die Bar fand er damals mit einer der Sklavinnen schon sehr einladend. Seid doch so gut und spielt noch etwas die Unnahbare. Er liebt es zu glauben, dass er eine Frau bezwungen hat. Er spielt das dann auch aus. Er mag es dann kräftig und ruppig. Das gibt ihm dabei wohl ein Gefühl von Macht oder was auch immer... Er ist halt ein großer Junge, der seine Bestätigung braucht. Leider hält er nicht gar so lange durch, wie er den Anschein erweckt. Gebt ihm doch bitte das Gefühl, ansonsten ist er wieder grummelig", bat die Altmer und trank den Rest deines Weines direkt aus der Flasche. "Hm danach muss ich für euch wohl einen anderen Wächter suchen", sagte sie dann und lachte. Sie wandte sich zum Gehen. "Ich hoffe euer kleiner Begleiter wird nicht eifersüchtig": lachend entfernte sie sich und legte dem Söldner eine Hand auf die Schulter, bevor sie ging.

    Dreveni sah der Söldnerin mit gemischten Gefühlen nach. Wie hieß sie überhaupt noch mal? Ilucaria, oder etwas in der Art, erinnerte sie sich.
    Sie ließ noch einen letzten Blick zu dem Dunmer schweifen, bevor sie sich wieder dem Kelch vor ihr widmete. Mit jemanden, der sich seine Hände an diesem Miststück beschmutzt hatte, wollte sie an sich nichts zu tun haben. Dumpf brütend starrte sie so eine Weile vor sich hin. Was mochte Tirian jetzt wohl gerade treiben? Sie hoffte wirklich, dass diese Schlampe von Altmer ihn in Ruhe lassen würde. Vermutlich hatte sich die weitere Reise gemeinsam ohnehin erledigt. Sie hatte sehr wohl gemerkt, wie Tirian sie angesehen hatte, und langsam kam ihr der Verdacht, dass das ganze Unternehmen von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Und irgendwie tat ihr das mehr leid, als sie gedacht hatte. Wenn sie sich recht erinnerte, hatte sie nie einen Mer wie Tirian getroffen, höchstens in einem ihrer Opfer, aber wenn, dann hatte sie es nicht erfahren da sie sich nie so lange mit ihnen befasst hatte. Auch wenn er sie einen nicht unwesentlichen Teil ihrer gemeinsamen Zeit genervt hatte mit seiner Einstellung, lag ihr doch mehr an ihm, als gut war.

    Währen sie den Kelch in ihren Händen auf dem Tisch gedreht und die Bewegung des Weines darin beobachtete, hatte sich der Dunmer an ihren Tisch gesetzt. Dreveni war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie es erst merkte, als sie mit leiser Stimme, in der der leichte Akzent Vvardenfells lag, angesprochen wurde: "Nehmt euch in Acht."
    Dreveni blickte auf und sah direkt in die Augen des Mannes, den sie vorhin noch beobachtet hatte. Aus der Nähe betrachtet waren sie noch schöner, zwar hatten sie nicht den dunkelroten Ton, der Dreveni sonst so faszinierte, statt dessen waren sie von einem fast stechendem, hellen Rot, mit dem sie einen aber genauso eindrucksvoll ansehen konnten.
    Ihr Blick ruhte einen Moment auf dem scharf geschnittenem Gesicht mit der langen Narbe auf der rechten Seite - er hatte Glück gehabt, dass er nicht sein Auge verloren hatte, schoss ihr durch den Kopf - bevor sie ihm mit abweisender Stimme antwortete: "Wollt ihr nicht lieber der Altmer zeigen, wer der Herr im Hause ist? Vielleicht gleich hier?", dabei deutete sie auf den Tisch neben dem, an dem sie selbst saß.
    Gleich darauf bereute sie ihre Worte, weniger dem Dunmer gegenüber, vielmehr wusste sie nicht, ob er nicht gleich zu seiner Chefin laufen würde. Aber immerhin hatte diese ja mehr oder weniger genau das gleiche gerade selbst von sich gegeben.
    Der Söldner antwortete erst nicht, sondern verzog nur den Mund zu einem bitteren Lächeln. Er sah sich kurz um und sagte schließlich: "Habt ihr mir nicht zugehört? Ich dachte ihr hättet gesehen, wie schnell sie etwas in den falschen Hals bekommen kann."
    Kaum hatte er ausgesprochen, reichte es Dreveni endgültig. Was zum Henker lief zur Zeit eigentlich falsch? Sie nahm den Dolch in die Hand, der immer noch auf ihrem Schoß gelegen hatte, und stach ihn mit Schwung vor sich in die Tischplatte.
    "Ich lasse mir nicht gerne drohen. Und obwohl das schon mehr als einer bereut hat, versucht es zur Zeit irgendwie jeder dem ich begegne aufs Neue.", sagte sie, ohne ihre Augen von dem Dolch zu nehmen.
    "Sie wird euch nicht gehen lassen, und das ist keine Drohung sondern eine Tatsache.", antwortete der Dunmer nur, scheinbar gleichgültig und zuckte dabei mit den Schultern.
    Nun blickte Dreveni doch auf und sah dem Anderen lange ins Gesicht. Sie konnte dort beim besten Willen nichts von dem erkennen, was die Altmer vorhin behauptet hatte. Statt dessen sah sie hellrote Augen, die überraschend intelligent blickten für diesen Ort und seinen Stand, einen immer noch leicht bitteren Zug um den Mund, aber auch etwas wie Stolz in seiner Miene, und keine Spur von Resignation, auch wenn man diese in seine Worte hinein interpretieren konnte. Die feinen Linien um seine Augen und den Mund verrieten, dass er älter war als sie aus der Entfernung zuerst gedacht hatte. Hatte sie tatsächlich gerade den einzigen halbwegs normalen Mer hier in Falensarano gefunden? Natürlich konnte das alles auch Täuschung sein, oder er riss sich nur jetzt noch am Riemen und er war an sich genauso irre wie Ilucaria, aber das glaubte Dreveni irgendwie nicht.
    "Ich habe noch nie eine Erlaubnis gebraucht, wenn ich gehen wollte.", sagte sie schließlich.
    "Das glaube ich gerne, und auch ich war einmal genau derselben Meinung.", antwortete er. "Sie ist genauso verrückt wie sie grausam und schön ist. Und außerdem eine Sadistin. Sie meint ich würde ihr noch etwas schulden, dabei habe ich es ihr schon mit Zinseszins zurück gezahlt. Ihre einzige Antwort war das da.", wobei er auf die Narbe in seinem Gesicht deutete.
    "Eine schöne Geschichte.", antwortete Dreveni schließlich mit leichtem Sarkasmus in der stimme, nachdem sie den Rest des Weines getrunken hatte. "Und sobald ich euch mein Leid und meine Pläne geklagt habe, rennt ihr schnurstracks zu ihr, wo ihr ihr alles erzählt, wenn sie euch dafür nur in ihr Bett lässt."
    "Nur weiter so, man kann hier nicht misstrauisch genug sein.", antwortete er, und strich dabei sanft mit seinen langen Fingern über ihre Hand, die auf dem Tisch neben dem Dolch, der immer noch im Holz steckte, ruhte.
    Zuerst wollte sie ihn wütend anfunkeln, doch er schien seine Bemerkung völlig ernst zu meinen. Und auch seine Hand auf der ihren störte sie jetzt nicht mehr im geringsten, ganz im Gegenteil. Als er so leicht über ihren Handrücken strich, fühlte sie einen angenehmen Schauer ihren Rücken hinunterlaufen. Sie war sich zwar immer noch nicht sicher, was sie von ihm zu halten hatte, aber in einem war sie sich sicher: Was ihr in den letzten Wochen gefehlt hatte. Die Reise durch Morrowind hatte durchaus ihre schönen Seiten gehabt, aber das war einfach nicht ihr Leben. Sie lebte nicht für Straßenkämpfe und auch nicht dafür, um sich durch Gräber und Ruinen zu kämpfen. Ihr Leben war, sich in fremde Gefilde einzuschleichen, sich das Vertrauen anderer zu erschleichen und dabei ständig die Gefahr im Nacken zu haben, das Risiko sich zu verschätzen oder entdeckt zu werden. Dauernd auf der Hut zu sein, sich zu verstellen, hinter jedem das Böse zu vermuten und sich auf niemanden sonst als sich selbst zu verlassen. Es war dumm gewesen, überhaupt mit etwas anderem anzufangen. Und es hätte ihr klar sein müssen, dass es nie und nimmer gut gehen konnte. Vor allem der dauernde Hauch subtiler Gefahr hatte ihr gefehlt. Es war etwas anderes als ob hinter jeder Ecke Banditen lauern konnten, oder ob man sich nicht sicher war, ob einen das Gegenüber nicht schon lange enttarnt hatte. Oder ob man nicht ebenfalls beobachtet wurde, während man sich an das Opfer heran machte.
    Der Dunmer erwiderte ihren Blick fest, und in seinen Augen lag das gleiche Funkeln, dass sich bei diesen Gedanken in die ihren geschlichen hatte. Hatte sie sich nicht die ganze Zeit vorgenommen, zu ihrem alten Selbst zurück zu finden? Welches zwar durchaus vorsichtig und überlegt war, aber andererseits auch jeden Augenblick genoss, denn es konnte buchstäblich ihr letzter sein?

    Gerade als sie etwas erwidern wollte, stand er auf und bedeutete ihr, ihm zu folgen. Sie zögerte keine Sekunde mehr, zog dem Dolch aus der Tischplatte und verließ hinter dem Dunmer die Gaststube. Nun sah sie auch, dass er einen guten Kopf größer war als sie selbst, und zwar eine muskulöse Figur hatte, aber nicht übermäßig breit gebaut war. Alles in allem ganz anders, als der eher schlacksig wirkende Tirian. Bei diesem Gedanken schüttelte sie leicht den Kopf, um ihn so zu vertreiben. Sie konnte nicht die ganze Zeit an den Heiler denken, jedenfalls nicht genau jetzt.
    Sie konzentrierte sich wieder mehr auf den Mann, der vor ihr lief. Als einzig sichtbare Waffe hatte er ebenfalls einen Dolch am Gürtel, sonst trug er nur die einfache Tunika und eine ebenso einfache Hose, außerdem leichte Schuhe. Anscheinend hielt er es nicht für nötig, hier in der Festung voll gerüstet und bewaffnet herumzulaufen. Vielleicht kämpfte er auch ohnehin lieber mit Magie, dachte sie sich, als ihr wieder einfiel, wie weich seine Finger auf ihrer Hand gewesen waren. Unauffällig fuhr sie mit den Fingern über die eigenen Handflächen, auf denen schon der Ansatz zu Schwielen zu fühlen war, die sie wohl den ganzen Schwertkämpfen in den letzten Tagen verdankte. Das ging ihr dann doch etwas gegen den Strich, sie hatte ihre Hände immer gemocht, und vor allem dass man ihnen kaum ansah, mit was sie ihr Auskommen bestritt.

    Ohne ein Wort zu sprechen ging der Dunmer vor ihr her, und sie folgte ihm ebenso schweigend. Schließlich betrat er eine kleine Kammer, in der neben einigen offenbar alten Schwertern, Bögen, sowie kaputten Pfeilen ein Tisch, ein Stuhl und ein Bett stand, dessen Matratze aus nicht mehr als einem mit Stroh gefülltem Sack bestand. Der Dunmer ließ ihr den Vortritt und schob hinter ihr den Riegel von innen vor die Tür. Als er sich umdrehte, stand Dreveni schon vor ihm, schlang ihm die Arme um den Hals, vergrub eine ihrer Hände in dem dichten, dunkelroten Haar an seinem Hinterkopf und küsste ihn stürmisch, was er nach einem kurzen Moment der Überraschung ebenso stürmisch erwiderte. Sie unterbrachen sich nur kurz, um sich gegenseitig der Kleidung und Waffen zu entledigen. Dabei gab er nicht nur den Blick auf ein paar Narben frei, die seinen Oberkörper zierten, sondern auch auf eine Tätowierung, die seine linke Schulter, einen Teil seiner Brust und fast die Hälfte seines Rückens bedeckte und aus einem kompliziertem, ineinander verschlungenem Muster bestand. Sie hatte etwas in der Art noch nie zuvor gesehen, nahm aber an, dass es sich um eine rituelle und/oder magische Tätowierung handelte. So oder so, jetzt war der denkbar ungünstigste Zeitpunkt danach zu fragen, und so begnügte sie sich damit, mit den Fingern darüber zu streichen und die Muskeln unter seiner Haut zu spüren.
    Inzwischen war sie sich auch restlos sicher, dass er zumindest nicht regelmäßig mit einem Schwert kämpfte, so weich wie sich seine sehnigen, schlanken und doch kräftigen Hände anfühlten, als sie den Kurven ihres Körpers folgten.
    Das Bett gab einen protestierenden Laut von sich, als sie sich schließlich darauf fallen ließen, aber es hielt, und auch als sie später in seinen Armen lag, den Kopf auf seiner Brust, war es immer noch nicht durchgebrochen.
    Es war ein rundum friedlicher Moment, als sie so da lagen, Dreveni fuhr sanft mit ihrem Finger die Muster in der weichen Haut auf seiner Brust nach, während er über ihren Oberarm streichelte, und sie immer noch schwiegen. Sie wusste nicht einmal, wie er hieß, und es war ihr auch egal im Moment. Sie befand sich in dieser seltsam gelösten, entspannten Stimmung, die ihr gleichzeitig eine Nähe und Vertrautheit zu dem anderen vortäuschte, die doch nicht existierte.
    Sie konnte sein Herz schlagen hören, ruhig und gleichmäßig, und das machte sie schläfrig. Als sie an die Worte der Söldnerin dachte, musste sie nur leicht lächeln. Dämliche Ziege, wenn du wüsstest... Sie konnte es auch keinem verübeln, wenn er schnell wieder von diesem Weib weg wollte.

    Inzwischen bewegte sich seine Hand auf ihrem Oberarm nicht mehr und seine regelmäßigen Atemzüge verrieten ihr, dass er eingeschlafen war. Es war zu verlockend, mit ihm hier liegen zu bleiben und ebenfalls zu schlafen, aber sie konnte hier nicht die nächsten Stunden selig vor sich hinschlafen während in der Festung sonstwas passieren konnte. Sie genoss noch ein paar Minuten die Ruhe, dann befreite sie sich vorsichtig aus seiner Umarmung und stand leise auf. Sie beugte sich hinunter und küsste ihn noch einmal leicht auf die Stirn, schlüpfte in ihr Kleid, legte ihre Waffen wieder an und sah noch einmal auf ihn herab. Konnte sie ihn jetzt hier so einfach schlafen lassen?
    Sie kam zu dem Schluss, dass es übel ausgehen konnte, würde man - oder vielmehr, die Altmer - ihn hier alleine ohne Dreveni entdecken, und so beschloss sie, ihn wenigstens aufzuwecken. Sie wollte nicht, dass er ihretwegen Ärger bekam, vor allem nicht als ihr Blick auf die Narbe in seinem Gesicht fiel.
    Sie setzte sich auf den Rand des Bettes und strich ihm über die Wange, bis er die Augen aufschlug und anstalten machte, sich aufzusetzen. "Danke.", sagte sie nur leise, und das war das erste Wort seit der Gaststube, das zwischen ihnen gesprochen wurde. Als sie merkte, dass er wach genug war, stand sie auf, nahm den Dolch des Assassinen, der noch auf dem Tisch gelegen hatte, schob den Riegel zurück und verließ schnell die Kammer.
    Geändert von Andromeda (08.06.2013 um 23:36 Uhr)

  11. #71

    Weidenländer, Falensarano

    Tirian schaute noch eine Weile durch die offene Tür hinaus auf den leeren Gang. Lyviani hatte ihn zurückgelassen. „Besser Dreveni“: wie er sich an die Worte des Attentäters erinnerte. Sie hatte ihm nicht einmal ihren richtigen Namen genannt. In ihrem Geschäft war das vermutlich besser und gerade, wenn die Tong hinter ihr her war. Er schüttelte den Kopf. Dieser Attentäter besaß einen Exekutionserlass. Er lief im Raum auf und ab, fasste sich des Öfteren an die Stirn und massierte sich die Augen, um dann schließlich noch mehr umherzuwandeln. Die Sklaven wurden langsam nervös: „Lasst uns unsere Arbeit erledigen. Ihr stört. Wir wollen keinen Ärger.“ Erst jetzt fiel ihm auf, dass er sich noch immer in der Waschküche aufhielt. Der Heiler wollte den beiden armen Häftlingen nicht noch mehr Ärger machen, als sie hier ohnehin schon hatten. So sehr er es sich auch im Moment wünschte sie aus dieser Lage hier zu befreien, so sah er ein, dass dies wohl völlig utopisch war. Er verließ die Waschkammer und wandte sich im Gang nach links. Der Kopfschmerz pochte noch immer in seinen Schläfen, befand sich aber unter seiner Kontrolle. Diese Festung wollte er so schnell wie möglich hinter sich lassen. Sie hatten hier Nichts erreicht außer sich in die Hände einer Irren zu begeben, für die das Leben nur ein Begriff war, um einen Zustand zu beschreiben, über den sie in gottgleicher Weise entscheiden konnte. Sie hingen hier in ihrem Netz. Noch war sie auf ihrer Seite, aber wer konnte schon sagen, wie lange das so sein würde, wann sie ihr langweilig oder lästig wurden. Sie hatte zur reinen Belustigung einen Attentäter auf sie losgelassen. Und das sie auch nicht viel von Attentätern hielt, hatte sie mehr als deutlich gemacht. Was würde also passieren, wenn sie herausfand, dass es sich bei Lyviani, um eine Assassinin handelte. Es wurde Zeit, dass sie von hier verschwanden. Von der Altmer hatten sie Nichts zu erwarten, außer einem Messer im Rücken.

    Von diesen Gedanken beschäftigt lenkte Tirian seine Schritte zurück zu der Kammer, die man ihm zugewiesen hatte. Etwas unschlüssig stand er davor, zögerte. Er konnte nicht einschätzen, wie lange er seinen Gedanken nachgehangen hatte und fragte sich, ob Lyviani inzwischen wieder zurückgekommen war. Schließlich fasste er Mut und drückte die Klinke herunter. Er stieß die Tür auf und stellte fest, dass der Raum leer war. Erleichtert atmete er aus und schloss sie hinter sich wieder. Es wurde Zeit, dass sie die Festung verließen. Darauf konzentrierte er sich jetzt und machte sich daran seine Sachen wieder zusammen zu schnüren. Sein Kräutervorrat war in Ordnung. Wenn seine Begleiterin noch Wert auf Nahrung oder Wasser legen würde, würden sie gewiss auch unterwegs etwas finden. Bei diesen Gedanken machte er sich auch daran, Lyvianis Gepäck zumindest erst einmal zusammen zu schieben, damit es nachher schnell gehen konnte. Er wollte im Laufe des Tages aufbrechen. Noch eine Nacht an diesem Ort schien ihm nicht gerade attraktiv. Eigentlich hätte er es vorgezogen in der relativen Sicherheit von Falensarano etwas auszuharren, gerade nach der Tortur in der Ahnengruft, doch jetzt erschienen ihm das Gras der Weidenländer umgeben von Oblivion-Toren doch sicherer als mit einer Verrückten Söldnerin unter demselben Dach zu schlafen. Zudem war dort draußen die Gefahr geringer auf weitere Agenten der Morag Tong zu treffen, die ihnen ans Leder wollten. Er hielt inne und blickte einen Augenblick zur Tür. Das eigentliche Problem war die Assassine. Vielleicht auch er selbst, wenn man es aus ihrer Sicht betrachtete. Es war wirklich besser, wenn er an seinem Entschluss festhielt. Sie waren mehr als unterschiedlich. Das hatte der Mord in der Waschküche nochmals bewiesen. „Es ist verrückt. Vermutlich würden wir ohnehin nur noch bis Uvirith Mora mit einander auskommen“: überlegte Tirian. Für ihn war die Schlussfolgerung klar. Es wäre gewiss für alle Beteiligten das Beste, wenn sie sich dann nie wieder sahen und er bis dahin den Kontakt mit ihr auf das Notwendige beschränkte.

    Er konnte nicht zulassen, dass sie sich vorher verkrachten. Tarrior war noch immer in Gefahr und er brauchte die Fähigkeiten der Dunmer, um ihn zu retten. Zu zweit war es schon purer Wahnsinn sich in den Turm eines gefährlichen Hexenmeisters zu schleichen, aber er allein… das war praktischer Selbstmord. Und gerade eine Assassinin konnte ihm vielleicht außer einem Dieb am Meisten helfen. Sie wusste sich gewiss leise zu bewegen und würde wenn nötig auch Gegner, die im Weg waren, lautlos außer Gefecht setzen können. Lyviani war die beste und einzige Chance, die er hatte. Außerdem, und das konnte er einfach nicht leugnen, würde er es sehr bedauern, wenn sie sich im Schlechten trennten. Inzwischen hatte er das Gepäck soweit gepackt, dass er sich nun seinem Schwert widmete. Er ging zum Waschzuber. Inzwischen hatte jemand das gebrauchte Wasser entfernt, aber freundlicherweise einen Krug für eine Katzenwäsche bereitgestellt. Als er die Flüssigkeit über die Klinge goss und mit einem Leinentuch den Schmutz und das Blut herunterzuscheuern begann, verbreitete sich ein übler Leichengeruch im Raum. Noch immer klebten die Körpersäfte der Untoten, die er in der Kanalisation erschlagen hatte, an der Waffe. Er wollte diesen ekelerregenden Umstand noch ändern, bevor es unterwegs nicht noch einmal die Ruhe dafür gab. Außerdem war das Silberschwert inzwischen doch reichlich schartig geworden. So oft in kurzer Zeit war es lange nicht benutzt worden. Einen aufmerksamen Schmied und einen Schleifstein konnte das Metall gewiss vertragen. Und Tirian wollte seine Waffe in diesem Zustand sicherlich niemandem anvertrauen, auch wenn er glaubte, dass der bei dieser Söldnertruppe sicher auch Schlimmeres gewohnt war. So hörte der Heiler auch erst auf, als der gröbste Schmutz herunter war. Noch einmal glitt sein Blick prüfend über das Silber, bevor er die Klinge wieder in der Scheide verschwinden ließ.

    In diesem Moment klopfte es an der Tür. Noch bevor er antworten konnte, wurde sie geöffnet und die beiden Sklaven traten in den Raum. Sie hatten die Wäsche geschultert und legten sie dann schließlich getrennt auf den Boden und verabschiedeten sich so schnell wieder, wie sie gekommen waren. Tirian schob den Wäschestapel der Dunmer ungesehen zu ihren übrigen Sachen. Seine eigene Kleidung schnürte er mit dem Anderen Gepäck zusammen. Lyvianis Ausrüstung rührte er lieber nicht an. Er wollte keinen Streit mit der Dunmer provozieren und er wollte auch gar nicht so genau wissen, was die Frau in ihrem Arsenal wohl noch so mit sich führte, mit dem man morden und verstümmeln konnte. Er schaute sich noch einmal im Raum um. Soweit er das sehen und sich erinnern konnte, sollte damit alles soweit für die Abreise fertig sein. Wenn Lyviani zwischenzeitlich nicht noch einmal auftauchen sollte, würde er das Gepäck später auf den Guar laden, damit sie ohne Verzögerungen weiterreisen konnten. Aber inzwischen plagte ihn der Hunger. Seit dem Abendessen war bereits eine ganze Nacht vergangen und wurde langsam Zeit für ein Frühstück. Da Lyviani noch immer nicht aufgetaucht war, wandte er sich allein zur Festungskantine. Er verließ die Kammer und ging nun zum Essen.

    Die Söldnertaverne war auch schon reichlich besetzt. Die meisten von ihnen hatten wieder an dem Tisch Platz genommen, an dem sie schon am vergangenen Abend saßen. Das Kopfende war demonstrativ frei, obwohl sich einige der Gerüsteten bereits auf kleinere Tische im Umkreis verteilten. Auch andere Gäste und Besucher der Festung besetzten einige Bänke. Er schaute sich um. Auch hier war Lyviani nicht zu sehen und der freigehaltene Platz sprach dafür, dass er auch Ruhe vor dieser Verrückten haben würde. Aber er hatte ohnehin nicht vor, sich zu diesen Schlächtern zu setzen. Stattdessen guckte er sich einen Platz am Rand an einem Tisch aus, an dem ein Bretone in normaler Kleidung saß. „Ein Reisender“: hoffte er. Tirian schritt zum Thresen hinüber. Der Nord-Koch unterhielt sich gerade mit einem anderen Söldner, den er allerdings in dem Moment verabschiedete, als der Dunmer heran kam. „Was gibt es zum Frühstück“: fragte der Heiler. Der Koch schaute ihn abschätzig au seinen Schweinsaugen an, schnaufte und stellte eine Holzschale vor ihn hin. „Gebratener Salzreis mit gerührtem Kwama-Ei. Friss es oder lass‘ es bleiben“: meinte er und füllte ihm die Schale aus einem großen Topf, der neben ihm stand, auf. Eine braune, breiige Masse schaute ihn an. Ein Blick in das Gesicht des Nords sagte ihm, dass er sich lieber nicht beklagen sollte und so ließ er es dann auch und setzte sich zu dem Bretonen. Der schaute nur kurz von seinem eigenen Essen auf. Tirian nahm den Löffeln zur Hand, den er sich am Thresen genommen hatte und schob sich etwas zögerlich den Reis in den Mund. Nach dem ersten Kauen lösten sich seine Bedenken. Das Essen sah nicht gut aus und der Koch machte auch nicht gerade einen professionellen Eindruck, aber er musste eingestehen, dass es dennoch gut schmeckte und auch gut den Magen füllte. Kaum war die Schale leer, war er auch schon satt und brauchte nicht mehr. Er erhob sich, ließ die Schale stehen und ging zur Kammer zurück.

    Er verweilte nicht lange dort. Er schulterte nur sein Gepäck und war dann auch schon wieder auf dem Weg nach draußen. Lyvianis Sachen wollte er nach wie vor nicht anrühren, aber zumindest sein eigenes Zeug konnte ja schon einmal für die Abreise auf den Guar geladen werden. So schlug er sich durch die Festung, die inzwischen wieder deutlich belebt war und trat hinaus auf das Plateau. Die Sonne stand bereits am Himmel, doch noch hing die Frische des Morgens in der Luft. Eine leichte Brise ging. Und dicke Rauchwolken, die nahe eines der Zelte aufstiegen und ein verräterisches Hämmern ließen Tirian erkennen, wo er denjenigen fand, der ihm das Schwert erneuern konnte und dorthin lenkte er nun auch seine Schritte. Der Schmied war auch ein Nord. Er trug die braunen Haare militärisch kurz und sein Bart war akkurat bis einen Flecken an seinem Kinn gestutzt. Er bearbeitete gerade ein Hufeisen und schlug es richtig in Form. Der Heiler zweifelte, ob er hier richtig war. Ein Hufschmied war schließlich etwas Anderes als ein Waffenschmied. Er wollte sich gerade abwenden, als er hinter sich ein lautes Zischen und ein mit tiefer Stimme gesprochenes, „Was wünscht ihr?“, hörte. Er wandte sich dem Mann wieder zu, der die hochgeschobenen Ärmel seiner Tunika wieder über die breiten Oberarmmuskeln schob und sich den Schweiß seiner Hände an der ledernden Schürze abwischte, die er anhatte. „Ich brauche einen Waffenschmied, der sich mal mein Schwert anschauen kann“: sagte der Heiler dann. Die Nord lächelte leicht und schloss die Augen. „Keine Sorge, Junge, ich schmiede zwar auch Hufeisen, aber ich bin der beste Waffenschmied, den du in dieser Gegend finden wirst. Aber das ist bei all diesen Magiern, die hier im Umkreis wohnen auch nicht schwer. Die Leute dort interessieren sich mehr für Pergament und schicke Roben“: er schaute etwas pikiert die Kleidung des Heilers an: „als für Schwerter und Äxte. Die Eisen und Nägel mache ich nur, weil es hier keinen Anderen dafür gibt. Also eure Waffe ist gut bei mir aufgehoben“: sagte er. Tirian zog das Schwert aus der Scheide und legte es dem Mann vor. Der Nord griff zu, hob es hoch, wendete und betrachtete es dabei ausgiebig. „Standardkram. Aber eine solide Arbeit. Euer Glück. Wie ich an der Abnutzung der Klinge sehe, schlagt ihr regelmäßig mit nur einer Seite zu. Ein Langschwert ist eine doppelt geschliffene Schlagwaffe. Die Klinge ist dazu gemacht zu beiden Seiten zu funktionieren. Wäre das hier keine gute Arbeit hätte sich die Klinge unter der einseitigen Abnutzung verbiegen oder schlimmstenfalls zerbrechen können. Sie sollten öfters die Schlagseite wechseln. Das täte der Klinge ganz gut. Allerdings werde ich ihr vorher wieder mehr Schärfe und neue Festigkeit verleihen. Gebt mir eine Stunde. Ich kümmer mich darum“: meinte er und legte das Schwert umgehend ins Feuer. Tirian stand noch etwas unschlüssig daneben. „Na los. Ich mach das schon. Ich brauche keine Gaffer“: blaffte der Mann und scheuchte ihn mit einer Handbewegung weg. Der Heiler wollte den Meister bei der Arbeit nicht stören und entfernte sich.

    Stattdessen schlenderte er nun zu den improvisierten Stallungen. Den Guar fand er recht schnell und er war auch froh, als er sein Gepäck abnehmen und dem Tier zur Seite stellen konnte. Er streichelte die ledrige Schnauze. Aufladen wollte er es noch nicht. Das Tier jetzt schon zu belasten, war unsinnig und er brachte es auch nicht übers Herz, vor allem nicht bei dem dümmlich, treuherzigen Blick, den es ihm zuwarf. Er strich noch einmal mit der Hand über die Flanke und ging dann wieder nach draußen. Es war noch Zeit bis der Schmied die Waffe fertig haben würde, also wollte er noch etwas die Morgenluft genießen, stellte sich an die Brüstung und ließ den Blick in die Ferne schweifen.

  12. #72

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer, Falensarano

    Tirian schaute lange in die Ferne. Sein Blick war starr geradeaus gerichtet. Seine Gedanken hielten ihn gefangen. „Nur noch Tarrior befreien“: sagte er sich immer wieder. Erst ein Donnergrollen in der Ferne ließ ihn zusammenzucken und weckte ihn aus seiner Starre. Er wandte sich um und heftete seine Augen auf den Roten Berg. Noch immer stiegen fette, schwarze Schwaden aus dem Krater auf, wie schon die ganze Zeit, seit er wieder hier auf Vvardenfell war. Es hatte einige Tage gedauert, bevor er es überhaupt bemerkt hatte, dass der alte Vulkan wieder zu rauchen angefangen hatte, doch inzwischen erschien dem Dunmer dieses Verhalten mehr als merkwürdig, geradezu besorgniserregend. Er zuckte mit den Schultern. Dass der Berg wieder aktiv war, mochte etwas bedeuten, aber er war kein Geologe und konnte sich auch selbst nicht sonderlich gut mit dieser Insel und ihren Eigenheiten aus, so fand er es müßig darüber nachzudenken. Doch ihm bleib auch nicht die Zeit sich um darum großartig zu kümmern. Unbemerkt war jemand von hinten an ihn heran getreten und legte eine Hand auf seine Schulter. Er zuckte zusammen und drehte sich ruckartig um. Er hatte schon mit Lyviani gerechnet. Doch das Gesicht, das stattdessen vor ihm auftauchte, war noch wesentlich schlimmer. Es war die Altmer. Ihre Lippen zeigten das von ihr altbekannte herablassende Lächeln. Ihre Augen taxierten seine. Sie nahm die Hand wieder herunter. „Ich habe nie verstanden, was jemand an diesen roten Augen finden kann“: sagte und zuckte mit den Schultern. Es dauerte einen Moment, bis der Heiler seine Stimme zurückgewonnen hatte. „Was wollt ihr?“: fragte er. Sie schmunzelte und zog plötzlich ein Schwert hervor, das sie hinter ihrem Rücken versteckt hatte. Tirian taumelte gegen die Brüstung. Die Spitze des Schwertes zeigte auf seinen Hals.

    Er schluckte und starrte die Frau fassungslos an. Ihr Blick war todernst, doch dann zogen sich ihre Augenbrauen und Mundwinkel nach oben. Die Söldnerin begann wild zu lachen. „Ihr solltet euer Gesicht sehen“: meinte sie dann, als sie sich etwas beruhigt hatte und nahm dann das Schwert herunter. Erst jetzt erkannte er die silberne Waffe als seine eigene. Sie reichte es ihm herüber. Er packte zu und war einen Moment versucht sie gegen sein Gegenüber zu richten. Die Klinge zitterte in seiner Hand. Nur mühsam beherrschte er seinen Arm. Er fixierte sie nun wieder. „Seid ihr völlig verrückt geworden?! Ihr seid ja völlig wahnsinnig!“: schrie er sie an. Sie nahm davon gar keine Notiz. Sie schlenderte zu ihm hinüber. Tirian war noch völlig außer sich. Sie strich mit der Hand über seine Wange und lehnte sich dann über die Brüstung. „So seid ihr jetzt etwas zufriedener?“: fragte sie. Der Heiler stand noch immer unter Strom. Er sah auf ihren Rücken. Ein Stoß und Nirn wäre um eine Last leichter. Er hielt sich zurück. „Und genau aus diesem Grund passt ihr einfach nicht zu Dreveni“: sagte sie auf einmal.

    Tirian wandte sich zu ihr um. „Was wollt ihr damit sagen?“: wollte er wissen. Sie drehte gelangweilt ihren Kopf. „Ich? Nur das ich verstehen kann, dass sie euch nicht mehr ertragen kann. Ihr verhaltet euch wie ein Prinzesschen“: meinte sie beiläufig. „Was meint ihr mit ‚Dreveni kann mich nicht mehr ertragen‘?“: wurde er nun noch direkter. „Nun ja. Ich habe euer Schwert gebracht um euch zu sagen, dass sie euch nicht mehr begleiten will. Sagen wir, dass ihr die Aussicht, mit uns Beute zu machen, viel verlockender erscheint, als von euch ständig ins Gewissen geredet zu bekommen, von euren kläglichen Versuchen sie im Kampf zu behindern ganz zu schweigen“: sagte sie. „Um es kurz machen. Sie kündigt den Vertrag und bleibt hier“: fasste sie noch einmal zusammen. Tirian war wie vom Donner gerührt. „Ach jetzt schaut doch nicht so. Ihr habt doch sicher selbst gewusst, dass sie nicht eure Kragenweite ist. Hier habt ihr euer Schwert. Und euer Gepäck hat den Guar ja schon erreicht. Ihr solltet gleich die Festung verlassen“: legte sie ihm nahe und ihre Hand auf seine Schulter. Sie drückte fest zu und schaute ihn mit einem stechenden Blick an. Sie ließ keinen Zweifel daran, dass er besser verschwinden sollte. „Aber wir hatten eine Abmachung“: wollte der Heiler widersprechen, doch auch das hebelte die Altmer aus: „Ihr tut euch einen Gefallen damit, wenn ihr diese ‚Abmachung‘ vergesst. Ansonsten müsste sie vielleicht durch den Tod eines der Vertragspartner aufgelöst werden und ich denke nicht, dass ihr das möchtet, oder?“ Tirian wandte sich mit hängenden Schultern ab.

    Lyviani ließ ihn im Stich. Aber was hatte er sich auch vorgestellt? Nachdem, was er ihr an den Kopf geworfen hatte, zumal er wusste, worauf er sich einließ, als er sie angeheuert hatte, war es eigentlich nur verständlich, dass sie nicht mehr mit ihm zusammenarbeiten konnte oder wollte. Er war verwirrt. Eigentlich müsste er sich jetzt nach einem neuen Helfer umsehen und das konnte in Uvirith Mora selbst recht schwierig werden. Doch nahm die Assassinin gerade seine Gedanken ein. Er konnte sich einfach nicht auf kommende Probleme konzentrieren. Seine Gedanken hingen noch an seiner Begleiterin und dem plötzlichen Abschied. „Nehmt es nicht so schwer. Ihr findet schon Ersatz. Dreveni lässt euch auch ausrichten, dass es ihr wegen der Sondervereinbarung leid tut, aber wenn es nun einmal nicht zusammen passt, sollte man sich lieber einen Auftraggeber suchen“: rief die Altmer ihm noch nach. Das war ihm nur ein schwacher Trost. Im Augenwinkel konnte er sehen, wie die Söldnerin wieder zurück in die Festung ging. Er hatte den Stall gerade erreicht, als ihm wirklich zu Bewusstsein kam, was die Verrückte eigentlich zu ihm gesagt hatte. „Was meinte sie eigentlich mit Sondervereinbarung?“: fragte sich Tirian und ging zum Guar hinüber. Er schaute das Tier an. „Lyviani würde mir ihr Reittier überlassen“: überlegte er einen Moment. Der Guar gehörte schließlich auch nicht ihm. Gerade als er das Gepäck auf dem Rücken des Tieres festgezurrt und er sich vom Schock des zurückliegenden Gespräches erholt hatte, kam ihm die ganze Angelegenheit äußerst merkwürdig vor. Von Sondervereinbarungen war zwischen ihm und Lyviani nie die Rede. Er überlegte, was sie sonst gemeint haben könnte, aber kaum auf keine Antwort.

    Anschließend daran stellte sich für ihn dann die Frage, warum die Altmer so etwas sagen sollte. Wenn er an ihr manipulierendes Wesen dachte, traf ihn die Erkenntnis wie ein Hammerschlag. Eventuell wollte die Altmer ihn loswerden und Lyviani wusste gar nichts davon. Oder irgendetwas war mit der Assassinin passiert. Er wusste es nicht, aber er ahnte, dass hier irgendetwas nicht ganz richtig war. Er schaute noch einmal den Guar an. Sein Gepäck war verladen. Das von Lyviani konnten sie noch schnell mit hinaufwerfen, wenn es eng wurde. Und das würde es gewiss. Wenn die Altmer ihn schon loswerden wollte, hatte sie wohl wenig Interesse daran die Assassinin gehen zu lassen. Eine Flucht war im Zweifel wohl die einzige Möglichkeit. Tirian seufzte. Er verließ den Stall wieder und sah sich um. Er konnte keinen Söldner entdecken, der ihn direkt hinauswerfen wollte. Seine Augen verengten sich. Die Altmer machte es nicht allzu offensichtlich. Das gereichte ihm jetzt vielleicht zum Vorteil, denn um Lyviani zu suchen, musste er zurück in das Gebäude. Vom Stall wandte er sich nun ab und der Festung wieder zu. Sein Blick streifte kurz den Rand des Festungsplateaus. Er strich sich über das Kinn, ging in Gedanken kurz seine Zauber durch und entschied dies im Hinterkopf zu behalten. So unaufgeregt wie möglich ging er nun zum Gebäude zurück und trat durch den Eingang. Seine Hand glitt ganz unmerklich zu seinem Schwert, doch die Wache stehenden Söldner zeigten keine Reaktion auf sein Eintreten. Dennoch beruhigte ihn das Gefühl des kalten Silbers an seiner Hand. Seine Finger strichen über den blanken Schwertgriff. Die Wahnsinnige hatte ihn mit seiner eigenen Waffe bedroht. Mit wachsendem Ärger dachte er daran zurück. Umso mehr aber beruhigte ihn das Gefühl die Klinge nun selbst, das Wissen das er sie selbst in der Hand hatte – die Möglichkeit sich zu verteidigen und die Altmerin wenn nötig zu bestrafen.

    Er schlug den Weg zu der Kammer ein, in der sie untergebracht waren und hoffte dort seine Begleiterin anzutreffen. Er begegnete unterwegs einigen Gerüsteten, lief der Elfe dabei zum Glück nicht über den Weg, aber er wurde auch nicht aufgehalten. So erreichte er das Quartier so schnell wie ihm lieb war und das ohne Störung. Als er die Tür öffnete, fand er jedoch weder Lyviani noch ihre Sachen vor. Das Gepäck war weg. „Hat sie mich doch verlassen?“: überlegte eine ganze Weile in der er im Türrahmen stand. Doch dann überlegte er, welchen Grund sie haben sollte, ihr Gepäck hier fortzuschaffen. Eigentlich gab es auch dafür keinen Anlass. Er schüttelte den Kopf. Er traute seiner Begleiterin inzwischen Einiges zu, aber auch wenn sie ein Leben nicht so wichtig nahm, sprach er ihr zumindest so viel Ehre zu, dass sie nicht einfach einen Auftrag aufgeben würde, wenn der Kunde etwas schwieriger wurde. Nein, die Altmer hatte ihn bestimmt belogen. Lyviani war hier irgendwo und er musste sie finden. Er schloss die Tür und lehnte sich kurz zum Nachdenken an die Wand. Er fragte sich, wo sie sein könnte. Eventuell war sie gefangen genommen worden und wurde gegen ihren Willen irgendwo festgehalten. Nach einigem Hin- und Herüberlegen fiel ihm nur ein Ort ein, an dem die Altmerin eine Gefangene in der Festung unterbringen und verstecken konnte. Tirian erinnerte sich nämlich an die beiden verschlossenen Kammern im Keller der Anlage. Dort waren auch die Zellen der Sklaven und eventuell war Lyviani ja dort. Der Heiler setzte einen entschlossenen Gesichtsausdruck auf und richtete seine Schritte schnell in Richtung der Treppe nach unten, wo er seine Begleiterin zu finden hoffte.

  13. #73

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer, Falensarano

    Als Dreveni die Kammer verlassen hatte, führten sie ihre Schritte wieder in die Richtung der Gaststube. Als sie nach einem vorsichtigen Blick durch die Tür feststellte, dass sich die irre Altmer nicht hier aufhielt, und es auch sonst eher leer war, setzte sie sich an einen der Tische, nachdem sie einen Krug Mazte beim Wirt organisiert hatte. Ihr ging durch den Kopf, dass sie eigentlich nach Tirian sehen sollte, und nahm sich vor, bald in der Kammer vorbeizusehen. Gleich darauf verwarf sie den Gedanken, wenn er sich dort aufhielt, wäre er vermutlich sicher vor den schmierigen Fingern Ilucarias, und wenn sie sich wirklich schon an ihm vergriffen hatte, würde sie dort auch keine Spuren mehr vorfinden. Die Söldnerin mochte zwar irre sein, aber dumm mit Sicherheit nicht. Das machte sie nur umso gefährlicher.
    Sie saß noch eine Weile brütend in der Gaststube, rührte allerdings den Krug kaum an. Er diente ihr mehr dazu, die Hände an etwas anderem als dem Dolch des toten Assassinen festzuhalten. Es war ja irgendwie klar gewesen, dass sie das Ganze noch einmal einholen würde. Und das natürlich Tirian Zeuge des Ganzen wurde. Tirian... Sie horchte in sich hinein, aber sie hatte nicht das geringste schlechte Gewissen, dass sie gerade mit dem anderen Dunmer das Bett geteilt hatte. Wieso auch? Zwischen ihr und Tirian war nichts, davon abgesehen dass der Heiler sie mit seiner Art regelmäßig in den Wahnsinn trieb. Er war zu jung, er war zu weich, er war zu gutmütig. Ganz anders als der Dunmer, dem sie in die Kammer gefolgt war, auch wenn sie noch immer nicht wusste, wie er überhaupt hieß. Als ob das auch eine große Rolle gespielt hätte. Sie waren sich beide einig gewesen und sie war sich sicher, dass er es ebenso wenig bereute wie sie. Im Gegenteil, es hatte ihr gefehlt, in der ganzen Einfachheit und Unkompliziertheit, die es haben konnte. Kein Gesülze von Vertrauen und ähnlichen hohlen Worten.
    Schließlich stand sie auf, um nach ihrem Begleiter zu sehen, und die Lage zu sondieren, wann sie sich unbemerkt davon stehlen konnte. Sie lief für eine knappe Stunde ziellos durch die Festung, bis ihr einfiel, dass sie auf dem Plateau nachsehen könnte.
    Dort angekommen, war von Tirian immer noch weit und breit keine Spur, was sie langsam aber sicher doch leicht nervös machte. Dann wurde ihre Aufmerksamkeit von dem grollenden Vulkan eingefangen, und sie ging zur Brüstung, stützte die Hände darauf und sah zu dem Berg hinüber.

    Langsam, fast unmerklich näherte sich Illucaria der Brüstung. Sie lehnte sich neben Dreveni darüber. "Na war es angenehm für euch? Ich stelle ihn euch gerne weiter zur Verfügung, wenn ihr ihn noch häufiger benutzen wollt. Der Bogenschütze der Wachmannschaft oben auf den Zinnen ist auch nicht zu verachten. Er ist zwar klein wie alle Bosmer, aber seine Finger sind nicht nur geschickt darin einen Bogen zu spannen": bot sie an.
    Dreveni zuckte fast unmerklich zusammen, als sie von der Altmer aus dem Anblick des Berges gerissen wurde, in den sie versunken gewesen war. Sie warf ihr einen Blick zu, in dem sich nichts davon zeigte, wie sehr sie die Andere inzwischen anwiderte. Inzwischen sah sie den Umgang mit dieser Schlampe nur noch auf einer rein professionellen Ebene, und zwar im Verhältnis Mörder zu Opfer. Hatte man es einmal eingekreist, durfte man sich durch nichts verraten, durch keine noch so kleine Geste, einen Blick oder gar ein unbedachtes Wort.
    "Bosmer... Ich glaube ich stehe dann doch eher auf etwas größeres.", antwortete sie mit einem anzüglichen Grinsen. "Über den Dunmer mit der Narbe könnten wir allerdings verhandeln. Ich werde ihn auch nicht überstrapazieren."
    "Oh keine Sorge. Er kann seine Kraft ganz euch widmen. Ich bin schließlich keine Hure. Ich habe immer nur einen Favoriten": sagte sie und schaute einen Moment versonnen in den Himmel. "Und ihr müsst ja jetzt auch keine lästigen Störungen mehr fürchten, wo sich euer schwächlicher Freund davon gestohlen hat. Aber hier bei uns wird es euch ohnehin viel besser gehen": meinte sie. "Der Rote Berg... Er hat etwas von den Totenländern": wisperte die Söldnerin dann Gedanken verloren.
    Langsam hatte die Altmer Dreveni so weit, dass diese ihre Einstellung zur Folter zum reinen Selbstzweck noch einmal überdenken würde.
    Davon gestohlen? Tirian? Du mieses Stück Dreck, sollte ich herausfinden dass du ihn aus dem Weg geräumt hast, dann wirst du dir wünschen dass deine Mutter dich abgetrieben hätte.
    Dass Tirian wirklich verschwunden war, glaubte sie der Anderen keine Sekunde. So weit glaubte sie ihn dann doch noch einschätzen zu können. Oder? Hatte ihn nicht vielleicht doch mehr schockiert was er gesehen hatte, als sie jetzt dachte?
    "Er ist weggelaufen? Das sieht ihm ähnlich. Vermutlich hatte er die Hosen dabei gestrichen voll, oder?" antwortete sie wie beiläufig, während sie ebenfalls den Berg betrachtete.
    "Gestrichen voll?": sie zuckte mit den Schultern. "Ihr kennt ihn besser als ich. Ich dachte er hätte sich bei euch verabschiedet. Ich habe mich auch gewundert, dass er einfach so sang- und klanglos verschwinden wollte. Ich habe bei dem Schmied noch sein Schwert abgeholt und es ihm gegeben und da hat er gesagt, dass er aufbrechen wolle. Ohne euch. Er meinte diese Angelegenheit mit dem Attentäter hätte er nicht ertragen können. Er meinte, das er euch nicht mehr ertragen kann, weil ihr so skrupellos seid und all dieses moralisch, überheblich tuende Geseiere. Auch Priester-Scheiße stinkt!": bei den letzten Sätzen redete sie sich wieder in Rage. "Er hat seine Sachen auf den Guar geladen und ist dann davon. Ich wollte ihn nicht aufhalten. Mir erschien er für euch ohnehin nur eine Behinderung zu sein, die man schnell ablegen sollte": berichtete die Altmer. "In einem Punkt hatte er aber nicht ganz so unrecht. Wir sind uns ähnlich. Und mit mir an eurer Seite braucht euch die Tong auch nicht mehr zu schrecken": sagte sie weiter.
    Dreveni versuchte - während sie der Söldnerin mit einem Ohr zuhörte - immer noch herauszufinden, ob Tirian wirklich ohne ein Wort verschwunden war. Auch wenn sie sich nicht restlos sicher war, sie glaubte es nicht. Und schon gar nicht dass er dabei noch den Guar mitgenommen hatte. Ja, sie kannte ihn besser als die Altmer, und das sah Tirian nun nicht unbedingt ähnlich.
    "Dann haben sich ja meine Probleme in Luft aufgelöst, wenn er verschwunden ist.", antwortete sie schulterzuckend. "Nur dass er meinen Guar geklaut hat, werde ich ihm so schnell nicht vergessen. Das Vieh war teuer. Und was die Tong angeht, ich finde es eigentlich ganz entspannend, meine Klinge ab und an in einem von denen zu versenken". Dabei sah sie die Altmer wieder von der Seite her an und schaffte es tatsächlich, einen mordlustigen Ausdruck in ihre Augen zu legen, der zwar nicht an die Blutgier in den Augen der Altmer reichte, aber ein guter Anfang war. In Gedanken bereitete sich Dreveni schon darauf vor, die Festung auf den Kopf zu stellen, um Spuren von Tirian zu finden. Irgendwann musste das Weibsbild ja auch mal schlafen, und so ein paar Tricks und Zauber die Hilfreich waren, beherrschte Dreveni auch noch.
    "Schön das ihr so denkt. Wo jetzt dieses Problem aus dem Weg ist: Habt ihr über mein Angebot nachgedacht? Noch immer schuldet uns diese Diamanten-Mine unseren Sold und ich fände es schön, wenn wir uns in Naturalien den geschuldeten Betrag holen. Ihr bekommt auch was davon ab. Wäre doch eine gute Feuertaufe für euch": meinte Illucaria. "Wenn ihr bald aufbrechen, könntet ihr vielleicht sogar euren abgelegten Begleiter noch einholen. Ich habe ja das Gefühl ihr hängt noch etwa an ihm. Ein Gespräch oder eine Klinge könnten das zu gegebener Zeit klären": schlug sie vor und lachte dann wieder.
    "Er wird alleine dort draußen ohnehin nicht weit kommen, kein Grund mein Schwert zu besudeln.", meinte Dreveni nur lakonisch und deutete mit einer ausladenden Geste zu der Landschaft die sich vor ihr erstreckte. "Wie viele Leute wolltet ihr denn zu der Mine schicken?" Sie brauchte jetzt vor allem eins, und das war Zeit. Zeit sich zu vergewissern, ob Tirian wirklich aufgebrochen war, oder ihn die Söldnerin irgendwie aus dem Weg geräumt hatte.
    "Da sich meine Redoraner, die sich sonst um die Außeneinsätze bemüht haben, nicht mehr gemeldet haben - vermutlich wurden diese Narren von irgendwelchen Daedra erwischt - werde ich eine Gruppe von sieben Leuten schicken euch inbegriffen, wenn ihr mitkommen möchtet. Die paar Wächter töten und die Minenarbeiter überwachen, damit sie ja auch fleißig weiter Schutzgeld fördern, dürfte wohl kaum so schwierig werden": antworte die Altmer. "Am liebsten würde ich euch noch heute Nachmittag losschicken. Ich möchte nämlich zur selben Zeit noch eines der Tore ausheben. Ein paar Dremora-Sklaven wären für die nächste Zeit ganz gut": fügte sie versonnen an. Dann verhärteten sich ihre Züge ganz plötzlich. "Diese faulen Katzen fressen und schlafen und trotzdem meckern sie die ganze Zeit! Für die harte Arbeit völlig ungeeignet. Wenn wir die nicht bald verkauft bekommen, werde ich mir ein paar schöne Mäntel aus ihnen machen lassen. Dann könnte Himmelsrand das nächste Ziel werden!": ereiferte sie sich und schlug mit der Faust auf die Brüstung. Dann räusperte sie sich. "Kommt nachher doch noch einmal in meine Kammer. Dann können wir noch ein paar Einzelheiten des Auftrages besprechen und über euren Sold verhandeln": bat sie noch und entfernte sich ohne weitere Worte.


    Redoraner? Waren das nicht die Typen, die die Aschländer angegriffen haben? Dreveni war sich fast sicher, dass Tirian sie als Redoraner bezeichnet hatte. Würde sie den Heiler jemals wieder sehen, würde sie ihm mit Sicherheit vorhalten, was passiert wäre, hätte er den Gefangenen gehen gelassen. Dann wären sie vermutlich wirklich als Zombiefutter in der Kanalisation gelandet.
    Dreveni sah der Söldnerin nach, als sich diese entfernte. Deren ganze Haltung brachte ihre unsägliche Arroganz zum Ausdruck, genauso wie ihr Blick Bände sprach über ihren Wahn. Es juckte sie wirklich in den Fingern, vor allem jetzt wo die andere ihr Angeboten hatte, später in ihre Kammer zu kommen. Wie viel Zeit würde ihr wohl für eine Flucht bleiben, bis jemand die Leiche fand? Gleich darauf schüttelte sie still den Kopf. So sehr sie es auch wollte, solange sie sich nicht sicher war über Tirians Verbleib konnte sie diesem arroganten Miststück kein Härchen krümmen.
    Sie sah noch eine Weile in die Ebene hinab und bedauerte es ernsthaft, dass sie kein Gift hatte, mit dem sie der Altmer einen netten Abschiedsgruß hinterlassen konnte.
    Dann stieß sie sich von der Brüstung ab und schlug den Weg in ihre Kammer ein, vielleicht konnte sie ja doch einen Hinweis auf Tirian finden.
    Dort angekommen fiel ihr als erstes auf, dass die Wache verschwunden war, was sie mit einem irritiertem Stirnrunzeln zur Kenntnis nahm. Als sie die Tür öffnete, wäre sie bei dem Anblick der sich ihr bot, fast vom Glauben abgefallen. Die Kammer war... leer. Nicht nur Tirians Gepäck fehlte, auch ihr eigenes, inklusive ihres Schwertes, dem Bogen und der Pfeile. "Hure.", presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als sie die Tür schwungvoll ins Schloss warf. Jetzt hast du gerade definitiv dein Todesurteil unterschrieben, du kleines dreckiges Miststück, Altmer-Abschaum, pissgelbe Schlampe..., fluchte sie in Gedanken vor sich hin, als sie die Kammer näher in Augenschein nahm. Sie war tatsächlich komplett leer bis auf die Einrichtungsgegenstände und wirkte sogar noch gereinigt.
    Schließlich blieb sie mitten im Zimmer stehen und versuchte, sich wieder zu beruhigen, da sie vor Wut gerade schon mit den Zähnen knirschte. Sie atmete ein paar Mal tief durch, bis sie sich wenigstens wieder halbwegs im Griff hatte. Sie konnte sich jetzt einfach keine Affekthandlung leisten, und ihr einziger Affekt im Moment wäre, der Altmer bei Sicht ihren Dolch ins Auge zu rammen.
    Schließlich verließ sie die Kammer und fragte sich bei den Söldnern die ihren Weg kreuzten zu der Kammer der Altmer durch. Als sie vor der Tür stand nickte sie den Wachen kurz zu, welche keine Anstalten machten, sie aufzuhalten, rief sie sich noch einmal innerlich zur Ordnung, setzte ein möglichst neutrales Gesicht auf und Klopfte fest und entschlossen an die Tür.

  14. #74

    Weidenländer, Falensarano

    Tirians Weg führte ihn von der Kammer weg direkt wieder in die tieferen Bereiche der Festung. Es schien den Wachen egal zu sein, dass er sich hier aufhielt. Womöglich waren sie von Illucaria noch gar nicht instruiert worden. Egal aus welchem Grund, er war froh darum, dass sie ihn nicht behelligten und er in aller Ruhe nach seiner verschwundenen Begleiterin suchen konnte. Er glaubte wirklich nicht, dass sie ihn für die verrückte Söldnerin sitzen lassen würde. Er glaubte es einfach nicht. Er wusste, dass sie ihren Auftrag nicht so einfach hinwerfen würde. Nicht nur, dass sich ihre ‚Gastgeberin’ sich zuvor verplaudert hatte, Lyviani - Dreveni, verbesserte sich Tirian in Gedanken – hatte zuvor auch mehr als deutlich gemacht dass sie nicht viel von der Söldnerhauptfrau hielt. „Doch wo ist sie jetzt?“: fragte sich der Heiler, als er sich weiter durch die Festung bewegte. In ihrer Kammer war sie nicht mehr anzutreffen, ebenso wenig wie ihre Kleidungsstücke. Bei Tirian machte sich der schreckliche Verdacht breit, dass die Altmer sie womöglich gefangen gesetzt hat und zwingen will, sich ihr anzuschließen. Dies war auch der Grund, warum seine Schritte sich doch allmählich dem Kellergewölbe der Festungsanlage näherten. Dort waren die Zellen der Sklaven. Wenn er an Illucarias Stelle jemanden einzusperren hätte, würde er es auch dort tun. Außerdem befanden sich dort auch nicht nur die Zellen, in denen die Söldnerin ihre Unfreien einkerkerte, sondern auch zwei verschlossene Räume, die dem Dunmer wie gemacht erschienen um dort jemanden gefangen zu setzen. Er hoffe die Assassinin genau an diesem Ort anzutreffen. Aber noch etwas Anderes zog ihn geradezu magisch nach dort unten. Die zwei Gelegenheiten zu denen er an den verschlossenen Räumen vorbei gekommen war, als der Attentäter der Morag Tong seinen Anschlag auf Dreveni verüben wollte, hatten ihm unsägliche Kopfschmerzen bereitet, aber eben nur wenn er sich dort in der Nähe dieser Räume aufhielt, sodass sie auch stärker wurden, wenn er sich ihnen näherte. Ein Gefühl, wie es ihn auch jetzt wieder überkam – ein dumpfes Pochen, das mit jedem Schritt in Richtung Kellertreppe immer mehr im Innern seines Schädels zu klopfen und zu drücken begann. *poch* *Poch* *POCH* *POCH!* Immer kräftiger, bis der Druck nicht mehr nur dumpf war, sonderlich deutlich dröhnender.

    Tirian schüttelte den Kopf und versuchte das Gefühl zu ignorieren, seine Gedanken wieder auf die eigentliche Sache zu fokussieren. Den Kopfschmerz verbannte er für den Moment in einen hinteren Winkel seiner Wahrnehmung. Wieder dachte er an die Kammern im Keller und die seltsame Ausstrahlung die sie hatten und sie scheinbar auch nur auf ihn zu haben schienen. Das Illucaria selbst bei brennendem Kopfschmerz nicht einmal mit der Wimper zucken würde, konnte er noch glauben und sich vorstellen, aber er war sich sicher, dass Dreveni oder zumindest die Khajiit-Sklaven ein Anzeichen gezeigt hätten, wenn ihnen ebenso wie ihm Etwas Pein bereitet hätte. Irgendetwas musste die Altmer dort unten verstecken, an dem er interessiert war. Irgendetwas schien er, Tirian wusste selbst nicht wieso, zu spüren. War es vielleicht etwas Magisches? Auch dies wollte der Dunmer heraus finden und natürlich Dreveni zu befreien, wenn Illucaria sie wirklich am unteren Ende der Treppe festhielt, auf die er nun zusteuerte. Söldner sah er nun nicht mehr. Im funzeligen Fackellicht, das ohnehin bestimmend für das Innere des mächtigen Trutzbaus war, bewegte er sich schnell nach unten. Er mochte sich nicht ausmalen, was passierte, wenn die Altmer feststellte, dass der Guar noch im Stall stand und daran bemerkte, dass er die Festung noch nicht verlassen hatte. Sie wollte Dreveni unbedingt und da konnte er ihr nur im Weg stehen.

    Beim Abstieg merkte er schnell, wie die Schmerzen in seinem Kopf zunahmen, je näher er seinem Ziel kam. Das Pochen ging nun deutlich im Gefühl von Nadelstichen unter. Seinem Willen die Türen aufzustoßen, Dreveni zu finden und auch dem Geheimnis hinter diesem Kopfschmerz auf die Spur zu kommen, tat das keinen Abbruch. Zwar nagte die Pein an seiner Konzentration, aber beirren ließ er sich nicht. Schließlich langte er auch schon unten an und hatte die geheimnisvollen, wie üblich verschlossenen Durchgänge im Blick. Erst als Tirian sie direkt ansteuerte, ging ihm auf, dass er eigentlich keinerlei Ahnung hatte, wie er sie aufbekommen sollte. Schlösserknacken zählte leider nicht zu seinen Talenten und ein entsprechender, praktischer Zauber entzog sich leider auch seinem Wissen. Tarrior hatte ihn seinerzeit darauf hingewiesen, dass derlei Magie auch in allerlei legalen Situationen von Nutzen sein konnte, sei es um in einer Ruine voranzukommen oder einen uralten Schatz zu heben, nicht zuletzt aber um sich Zugang zum eigenen Haus zu verschaffen, wenn man sich dummerweise ausgeschlossen oder den Schlüssel verloren hatte. Der Heiler allerdings hatte auf seinen Freund nicht hören wollen. Natürlich hatte er geglaubt auch nie in eine solche Situation zu kommen. Jetzt ging es allerdings nicht um einen verlorenen Schlüssel oder irgendeinen Schatz, den er zu seiner persönlichen Befriedigung heben wollte. Nein. Hier ging es womöglich um das Leben von Dreveni und das mochte unter anderem davon abhängen, dass er nun diese Türen aufbekam.

    Guter Rat war nun teuer, als der Dunmer seine Hand auf die Klinke legte und sie eher in einem Anflug von Hilflosigkeit als einem bewussten Versuch hinunter drückte. Umso überraschter war er, als sie plötzlich nach innen aufschwang und er ihr stolpernd in einen dunklen Raum folgte. Nur das Fackellicht aus dem Kellergang erhellte in einem breiter werdenden Kegel das Innere der Kammer und enthüllte Berge von Kisten, Tüchern und Körben. Ein betäubender Geruch fasste Tirian ein. Es roch… nach allem möglichen. Der intensive Geruch verschiedener Kräuter, der von frisch würzig bis bestenfalls übel riechend reichte, überdeckt vom schweren Duft exotischer und einheimischer Gewürze, angereichert durch das Aroma mitunter nasser Felle und Tücher, dem Odeur eingelegter Nahrungsmittel deckte sich mit dem Odeur feiner Düfte, die Tirian einem Haufen Kreckenseife und mit farbigen Flüssigkeiten gefüllten Fläschchen zuschrieb. Er war direkt in ein Beutelager dieser Söldner gestolpert. In Anbetracht der Art der hier gelagert waren, waren es aber aus Sicht der Heilers viel eher Banditen. Es war mehr als offensichtlich, dass Illucarias Bande hier allerlei Handelsgüter hortete und die waren gewiss nicht ihr Eigentum. Offenbar war die Altmer sich nicht zu schade auch vorbeiziehende Händler um ihr Hab und Gut zu erleichtern. Er schüttelte den Kopf. „Diese Frau hat kein Gewissen“: stellte er beim Anblick des aufgeschichteten Diebesgutes fest und wandte sich, die Tür hinter sich schließend, ab. Hier war Dreveni nicht und der Dunmer hatte auch Nichts entdecken können, dass irgendwie für seine Kopfschmerzen verantwortlich sein konnte. So wandte er sich der zweiten Tür zu.

    Es passte. Das Stechen wurde nun noch intensiver, als er direkt vor dem massiven Holz dieses Durchganges stand. Diesmal probierte Tirian die Klinke gleich, bevor er sich wieder in Hilflosigkeit verlor, doch diesmal wäre dies angebracht gewesen. Die Klinke ließ sich zwar drücken, aber dem Heiler blieb Nichts als das hilflose Rütteln an der verschlossenen Tür, denn aufdrücken ließ sie sich nicht. Die gleiche Situation wie eben zuvor. Was sollte er nun tun? Noch als er überlegte, wie er sein Ziel am besten erreichen konnte, hörte er schwere Schritte und angestrengtes Keuchen die Treppe hinunter dringen. Der Heiler löste sich rasch von der Tür und eilte den Gang hinunter, um sich in den Eingang zu den Baderäumen zu drücken, in denen sich im Moment glücklicherweise niemand aufhielt. „Packt das Zeug in die vordere Kammer“: hörte er aus seinem Versteck eine raue Männerstimme. Mit einem Poltern wurde deutlich hörbar die Tür aufgestoßen. Ächzen war zu vernehmen. Das ging eine Weile so. Tirian vermutete, dass die Söldner gerade dabei waren irgendwelche Waren zu verstauen. „Was ist in der Truhe?“: hörte er die Stimme wieder. Eine zischende Frauenstimme antwortete: „Schmuck, Perlen und so ein Kram.“ Eine kurze Pause. „Das sind keine Handelswaren. Die kommen in das ‚Schatzdepot’ rein“: meinte der Befehlsgeber daraufhin. Schatzdepot betonte er so, dass es dem Wort einen lächerlichen Klang gab. „Ich schließe auf“: fügte er noch an und das Klimpern eines Schlüsselbundes ließ den Heiler aufhorchen. Er lehnte sich nach vorne und konnte sehen, wie ein Nord in einer abgewetzten Lederrüstung tatsächlich die Kammer aufschloss, in die er hinein wollte. Ein Bretone in seinen Vierzigern und eine adlergesichtige Dunmer mit einem Irokesen drängten sich mit einer schwer aussehenden, beschlagenden Truhe vorbei.

    Der Nord drehte seinen Kopf. Umgehend zog Tirian seinen zurück. Mit klopfendem Herzen hoffte er, dass der Söldner ihn nicht bemerkt hatte. Anscheinend war das auch der Fall. Zumindest näherten sich ihm keine Schritte. „Gut das war es“: zischelte die Frau wieder. Das Klimpern der Schlüssel war wieder zu hören. „Verdammt“: schoss es Tirian durch den Kopf: „nicht abschließen.“ In diesem Moment ertönte die Stimme der Bretonin wieder: „Lass die Tür geöffnet. Ich hab keine Lust nachher noch einmal solange mit ner schweren Truhe zu warten, bis du den richtigen Schlüssel ins Schloss gefriemelt hast. Du kannst ja immer noch abschließen, sobald wir keinen Trupp mehr zurückerwarten.“ Der Nord machte nur einige dumpfe Hmmpf-Geräusche. Erst nach einigen Augenblicken gab er nach: „Du weist ja nicht, was die Chefin mit mir macht, wenn etwas aus dem Lager gestohlen wurde. Aber na schön.“ Bei den ersten Worten klang er reichlich kleinlaut. Illucaria mochte eine noch so fiese Schlange sein, aber eines musste Tirian leider zugeben – ihre Söldnerbande hatte sie wirklich vollends im Griff. Dem Heiler schauderte allerdings bei dem Gedanken daran, wie sie sich solche Kerle gefügig machen konnte. Er schüttelte diese Überlegungen ab und widmete sich seinem eigentlichen Ziel, als diese Banditen endlich abzogen, nachdem ihr Diebesgut verstaut war. Gewiss hatten sie das Zeug, das gerade eingelagert worden war, einem unschuldigen Händler abgenommen.

    Er schlich an die Tür heran, horchte noch einmal die Treppe hoch, ob auch niemand kam und drückte dann die Klinke nach unten. Tirian war kaum über die Schwelle getreten als ihn die Kopfschmerzen abermals mit voller Wucht überkamen und er sich ein leichtes Aufkeuchen nicht verkneifen konnte. Wieder erhellte nur traniges Fackellicht aus dem Gang draußen die Kammer, doch diesmal wollte der Heiler mehr sehen und ergründen, was Illucaria in ihrem „Schatzdepot“ aufbewahrte. Außerdem war es gefährlich die Tür offen zu lassen. Wer wusste schon, wann genau die nächsten Ladungen verstaut werden mussten und ob nicht jemand anders zwischenzeitlich hier entlang kam, die offene Tür bemerkte und noch nachgiebiger seiner Herrin gegenüber wäre und sie direkt über die ungesicherte Schatzkammer informieren würde. So ging er noch einmal kurz nach draußen, nahm sich eine der vielen Fackeln von den Wänden, um damit einen silbernen Kerzenleuchter mit halb herunter gebrannten Leuchtstummeln zu entzünden, den er im Lichtkreis der Tür in der Kammer seitlich des Zugangs auf einem Tisch hatte entdecken können. Die Stummel fingen schnell Feuer. Die Flammen bauten sich schnell zu voller Größe auf und entrissen den Raum der Dunkelheit, auf den Tirian aber kaum einen Blick warf, weil seine Aufmerksamkeit dem Zurückbringen der Fackel und dem nochmaligen Lauschen in Richtung Treppe galt. Erst als er die Kammer hinter sich schloss, war er soweit beruhigt, dass er sich nun – den Leuchter in der Hand haltend – dem Inhalt des Raumes zuwandte. Von Dreveni war keine Spur zu sehen, aber das hatte er auch nicht mehr erwartet, nachdem klar geworden war, dass die Altmer hier ihre Schätze bunkerte. Zwar fragte er sich, wo die Dunmer womöglich sonst festgehalten werden könnte, ohne dabei jedoch auf eine Antwort zu kommen, widmete sich aber unter verstärkten Messerstichen im Kopf deren Quelle ausfindig zu machen.

    Sein Blick folgte dem Licht des Kerzenhalters, das fortwährend neue Kisten und Schalen mit Schmuck, aufwendigen Gefäßen, silbernen oder goldenen Schalen, Körbe gefüllt mit wertvollen Juwelen oder billigeren Halbedelsteinen. Daneben hingen feinsäuberlich auf Rüstungspuppen oder in Ständern Bewappnungen und Waffen feinster Machart oder teures Material wie Ebenerz oder Vulkanglas. Gerade auch hübsche Glasarbeiten als letzterem Material neben der eigentümlichen Bronze einiger mehr oder weniger unförmiger Dwemer-Artefakte, die Tirian nicht beschreiben oder gar einem Verwendungszweck oder einem bestimmten Namen zuordnen konnte. Wiederum etwas prunkvoller ausgestellt, fanden sich offenbar auch einige rituelle Waffen als auch, der magische Hauch war unverkennbar spür- als auch schimmernd sichtbar, ein paar Artefakte. In einer liebloseren Ecke türmten sich offene Kisten mit gemischtem Tand und vor allem Stapeln an Büchern. Die Altmer schien wirklich wie eine Elster alles zusammen zu räubern, dessen sie hier in der Gegend habhaft werden konnte.

    Von den Artefakten aber, die er nun genauer im Verdacht hatten, schienen die seltsamen, peinigenden Schmerzen nicht zu stammen. Vielmehr führte ihn das unangenehme Gefühl in eine dunklere Ecke des Raumes. Das Licht des Kerzenhalters schob sich flackernd über ein voll gestelltes Regal, in dem wertvoll aussehende Keramik untergebracht war. Tirians Blick blieb allerdings bei einer, zwischen zwei hohen Schalen regelrecht eingeklemmten, Steinfigur hängen, die aus einem dunklen, roten Gestein gefertigt war. Der Heiler trat näher heran, um im Kerzenlicht noch mehr Einzelheiten ausmachen zu können. Die Augen der Statue schienen zwei kleine Rubine zu sein. Ein noch größerer, blutroter Stein prangte in der Stirn der Figur, die etwas Gruseliges und Widernatürliches an sich hatte und doch war er so fasziniert von dem Anblick, er wusste gar nicht wieso, dass er sogar seine Kopfschmerzen einen Moment vergaß. Er starrte die Skulptur an, glaubte plötzlich ein leises Rauschen wie das fast unmerkliche wispern von Stimmen im Wand zu hören und verlor sich schließlich gänzlich im roten, stoischen Blick der kleinen Steinfigur.

    Plötzlich fuhr ihm roter Schmerz durch den Kopf. Es war ihm, als würden glühende Eisen direkt in sein Gehirn geschoben und als würden ihm die Augen ausgebrannt und zerrissen. Er konnte nicht einmal vor Schmerz schreien. Der gepeinigte Laut blieb ihm im Halse stecken, während aus seiner trockenen Kehle nur noch ein Krächzen entwich. Schließlich verdrehte er, die Steinfigur immer noch fixierend, seine Augen, bis statt des üblichen tiefen Rots nur noch weiß zu sehen war und fiel schließlich bewusstlos zu Boden. Das Scheppern des Kerzenhalters, als auch dieser auftraf, nahm er schon nicht mehr wahr.

  15. #75

    Weidenländer, Falensarano, Ilucarias Kammer

    Nach ein paar Augenblicken erklang in der Kammer unerwarteterweise eine Männerstimme, die Dreveni hereinbat. Damit hatte sie nicht gerechnet, und es hätte sie fast für einen Moment aus der Fassung gebracht. Schließlich siegte aber ihre hart erarbeitete Professionalität, sie rief sich noch einmal kurz die wichtigsten Zaubersprüche ins Gedächtnis und langte nach dem Türgriff. Als sie die Türe langsam öffnete, hatte sie sich innerlich schon zur Hälfte damit abgefunden, dass eventuell gerade ihr letztes Stündlein geschlagen hatte. Was hatte diese Altmer jetzt schon wieder vor?

    Der Raum der vor ihr lag, war länglich und nicht gerade klein, auch wenn er so wirkte, da er bis unter die Decke vollgestopft schien. Vollgestopft von Dingen, denen Dreveni gerne nicht mehr als einen kurzen Blick gewidmet hätte, und doch konnte sie nicht verhindern, dass sie die Gegenstände mit der Faszination des Ekels weiter betrachtete. Die blutige Trainingsmatte mit den Trainingspuppen waren da noch das Harmloseste. Während sie weiter in den Raum ging und die Tür vorsichtig hinter sich schloss, fielen ihr der abgeschlagene Daedrothkopf auf, der über einem Schreibtisch zu ihrer linken hing. Der Schreibtisch selbst wurde von einem Totenschädel geschmückt, welcher vermutlich von einem Dremora stammte, davon abgesehen füllten die Kammer noch zahlreiche Waffen, an denen teils noch Blut klebte. Aufgrund dieser Tatsache war die Kammer auch von dem leicht metallisch-süßlichen Geruch erfüllt, den Blut so mit sich brachte, vor allem wenn es nicht mehr ganz frisch war. Wenn man sich länger hier aufhalten würde, würde es einem vermutlich gar nicht mehr auffallen, dafür aber umso stärker, wenn man ihn gerade betreten hatte, so wie Dreveni. Schließlich blieb ihr Blick an mehreren Säcken hängen, wovon einer offen und bis zum Rand voll mit Draken war. Alles in allem wirkte die Kammer mehr als beeindruckend, und die Dunmer fragte sich zum wiederholten Male, wo sie da bloß hinein geraten waren. Die Karten von verschiedenen Regionen Tamriels zeugten jedenfalls davon, dass sich die Bande tatsächlich nicht alleine mit Morrowind zufrieden gab.
    Schließlich blieb ihr Blick an dem kleinen, runzligen Bosmer hängen, der auf einem der beiden Stühle vor dem Schreibtisch saß und eine Messer polierte, das verdächtig nach Ebenerz aussah.
    "Ich nehme an, dass ihr Dreveni seid. Setzt euch bitte", sagte die ungepflegt wirkende Gestalt zu ihr und deutete auf den zweiten Stuhl. Dreveni ließ noch einen kurzen Blick durch den Raum schweifen, der mehr einer Schatzkammer als den Gemächern der Irren glich, und folgte schließlich seiner Aufforderung. Als sie ihm gegenüber saß, begnügte sie sich damit, ihm als Antwort kurz zuzunicken und ansonsten zu schweigen.

    Der Alte lächelte freundlich und fuhr mit seiner Tätigkeit fort. Schweigend saßen sie einige Minuten nebeneinander. Dann hielt er das Messer gegen das Licht und betrachtete zufrieden das Funkeln auf der spiegelglatten, schwarzen Oberfläche. Dann erhob er sich und steckte die Klinge in die Scharte im Dremora-Schädel zurück. Dann ließ er sich mit einem hörbaren angestrengten keuchen wieder neben Dreveni nieder. "Verzeiht, dass ihr warten müsst, aber die junge Herrin wird sicherlich bald hier sein. Möchtet ihr etwas zu trinken? Einen Tee oder einen Wein?": fragte der Bosmer mit sanfter Stimme.

    Dreveni hatte den Bosmer die ganze Zeit ebenso schweigend beobachtet, und als er sie endlich ansprach, wurde auch ihre Hoffnung zerschlagen, sich so bald nicht mehr mit der Altmer abgeben zu müssen. Als er ihr etwas zu trinken anbieten wollte, war sie schon kurz davor abzulenken, das Erlebnis mit dem Ashkhan war noch zu frisch, aber dann wollte sie der anderen wiederum keine Gelegenheit zu noch größerem Unmut geben. "Wein, wenn ihr so freundlich wärt.", sagte sie schließlich, wobei ihr neutraler Tonfall und Ausdruck in ihrem Gesicht in Kontrast zu den freundlichen Worten standen. Nur weil sie etwas Wein nahm, mußte sie ja noch lange nicht davon trinken.
    "Wie ihr wünscht. Das wird euch die Wartezeit hoffentlich etwas verkürzen": sagte der alte Bosmer und erhob sich abermals keuchend und wanderte zum abgetrennten Bereich der Kammer hinüber. Er tat dies langsam und gemächlich. Es war mehr als deutlich, dass ihm das Gehen schwer fiel. Es dauerte eine ganze Weile bis er mit einer verkorkten Flasche und einem Tonbecher zurückkehrte, den er Dreveni dann vor die Nase stellte. Dann entkorkte er mithilfe des Obsidian-Messers den Flaschenhals und schenkte hellen Wein ein. Er roch kurz verträumt an der Flasche und atmete dann zufrieden aus. "Aus der alten Heimat. Ach wenn das Mädchen doch nur wieder nach Hause zurückkehren würde": meinte er und wirkte plötzlich betrübt und setzte sich wieder auf seinen Platz.
    Dreveni tat der alte Mann fast ein bisschen leid, als er so keuchend hinter der Abtrennung verschwand, aber sie sagte nichts. Schließlich erschien er wieder und als er fertig mit Einschenken war, nahm sie den Becher und roch ebenfalls an dem Wein, schwenkte in leicht hin und her, aber trank noch nicht, sondern hielt ihn wie beläufig in der Hand, während sie weiter den Alten betrachtete und sein plötzlich betrübtes Gesicht studierte. Was hatte dieses Weibsbild nur mit ihm gemacht, dass er von ihr fast wie von einer Tochter sprach? "Ihr kommt nicht aus Valenwald?", fragte sie den Bosmer schließlich, um die Stille zu unterbrechen. Interessieren tat es sie nicht wirklich.

    "Nein. Meine Familienzweig stammt ursprünglich von dort, aber ich bin geboren und aufgewachsenen in Summerset. Das ist schon sehr lange her. Aber es kommt mir inzwischen auch so vor, als wäre ich eine Ewigkeit nicht mehr dort gewesen. Ich wünschte, ich könnte bald dorthin zurück. Die dichten Wälder, die Sonne und das Meer. Die kristallnen Türme und die stolzen Ritter und Paladine in ihren schimmernden Rüstungen...": erzählte er und der betrübte Blick verschwand allmählich. "Schmeckt euch der Wein? Er stammt von einem Weingut in der Nähe von Erstburg. Ein Hügel mit perfekter Sonnenlage - fruchtige, schwere Trauben": fragte er.
    Die Dunmer hörte den Ausführungen des Alten geduldig zu, war sie doch selbst nie in Summerset gewesen. Nicht dass es sie dorthin gezogen hätte, aber es gab auch sonst nicht unbedingt viele Möglichkeiten, etwas über die anderen Länder zu erfahren. Auf seine Frage hin überlegte Dreveni kurz, ob ihm überhaupt aufgefallen war, ob sie schon getrunken hatte oder nicht, hob aber dann doch den Becher zum Mund und tat zumindest so, als ob sie trinken würde. Tatsächlich merkte sie den Geschmack des Weines, und ja, er war wirklich gut, aber noch war ihr Mißtrauen nicht vergessen. "Er ist ausgezeichnet.", sagte sie schließlich. "Ihr wart die ganze Zeit mit Ilucaria unterwegs? Ihr müsst sie schon sehr lange kennen...", fragte sie ihn, immer noch mehr im Plauderton als ehrlich interessiert.
    "Natürlich. Meine Familie dient seit Generationen den Camorern. Die Herrin kenne ich seit ihrer Geburt. Sie war schon damals ein richtiger Wirbelwind - das völlige Gegenteil zu ihren Schwestern. Es war abzusehen, dass sie den Wünschen seiner Lordschaft nicht folgen würde. Sie raufte lieber mit den Söhnen der anderen Adligen, als sich um das Lernen der Hofetikette und ihr magisches Studium zu kümmern": breitete er seine Erinnerungen aus. Dann seufzte er. "Als sie sich mit seiner Lordschaft überwarf und der alten Heimat den Rücken kehrte. Begleitete ich sie natürlich. Es ist schließlich meine Pflicht auf die junge Herrin Acht zu geben und ihr zu Diensten zu sein. Ich darf meiner Familie keine Schande machen, auch wenn ich mit dem Tempo der jungen Herrin nicht mehr so gut mithalten kann, wie früher": erklärte der Alte selbstvergewissernd.

    Ein Höfling, sie hätte es ahnen können. Jetzt war ihr auch klar, warum er so fast schon devot zu seiner Herrin stand. Dreveni kannte die Sitten zumindest an den Fürstenhöfen in Cyrodiil, war sie doch gelegentlich rein beruflich dort. Wenn er meinte, die Altmer hatte ihre magischen Studien vernachlässigt, hieß dass dann, dass es um ihre Zauberkünste nach wie vor schlecht bestellt war? Im Umgang mit der Klinge stand sie Dreveni sicherlich nicht im geringsten nach, aber Dreveni war wiederum in Teilbereichen eine ganz passable Magierin, auch wenn sie sich selbst überhaupt nicht so sah und niemals als Magierin bezeichnet hätte. Tatsächlich war es ihr auch nie darum gegangen, eine Schule der Magie komplett zu meistern, sondern nur ausgewählte Teilbereiche, die ihr nützlich erschienen. Dazu kam, dass ihr der Zugang zur Magie relativ leicht fiel. Sie hatte sich nie so abmühen müssen, wie sie es an Erynn gesehen hatte, als sie ihre erste und vorerst letzte Übungsstunde abgehalten hatten.
    "Ich bin sicher, dass ihr eurer Familie keine Schande bereitet habt.", sagte Dreveni zu ihm und prostete ihm mit dem Becher zu, und nippte wieder ohne wirklich daraus zu trinken.

    "Habt Dank für euren Zuspruch. Aber ich kann sie auch verstehen. Wer würde sich schon von einem alten Greis noch etwas sagen lassen, wenn man einem Daedroth mit einem Axthieb den Kopf abtrennen und jeden Mann und jede Frau dieser Unternehmung hier im Zweikampf besiegen kann": sagte er und seufzte. "Wäre seine Lordschaft damals nur nicht so streng gewesen und hätte ihr gestattet...": er wurde unterbrochen: "Getso, das reicht. Nerve Dreveni nicht mit deinem Geschwafel. Ich habe mit der Familie gebrochen. Ich brauche sie nicht. Und nun entferne dich." Illucaria war inzwischen in die Kammer getreten. So schnell es dem altem Bosmer möglich war, entfernte er sich. Die Altmer wartete, bis er hinaus war und trat dann an das vergitterte Fenster. "Schenkt den Worten dieses rührigen, alten Narrs kein Gehör. Er ist nicht mehr klar bei Verstand. Ich hätte ihn längst erlösen sollen": meinte sie streng. "Die Familie und die Heimat, pah. Der Name Camoran ist Nichts weiter als eine Last": sprach sie und ging dann zu ihrem Thronstuhl hinüber, doch anstatt sich zu setzen, stützte sie sich nur auf die Lehne. Ihr Gesicht schaltete umgehend von ernst auf freundlich lächelnd um. "Verzeiht die Verspätung, aber ein Spähtrupp war zurückgekehrt": entschuldigte sie sich für die Verspätung.

    Erlöst wird hier früher oder später sicher jemand, ich glaub nur dass es nicht derjenige ist, an den du gerade denkst...
    Bei dem Namen Camoran klingelte bei Dreveni etwas, oder sie hatte zumindest das Gefühl, dass es das sollte. Nur leider wußte sie weder wo, noch ob überhaupt sie diesen Namen schon gehört hatte. Was interessierten sie auch die Altmer? Sumerset war weit. Und doch überlegte sie, während sie der Hochelfe zuhörte und ihr Blick auf den Sigelsteinen ruhte. Hatte sie ihn beiläufig in einer Taverne gehört? Oder hatte jemand von einem Namen gesprochen, der diesem nur im Klang ähnelte? Hatte sie ihn gelesen?
    "Manche Dinge haben einfach Priorität.", nahm Dreveni lächelnd die Entschuldigung an. "Für mich zum Beispiel der Verbleib meines Schwertes. Ihr wisst nicht zufällig etwas davon? Ich bezweifle dass der kleine Heiler es gewagt hat, sich an meiner Waffe zu vergreifen. Sowie an meinen anderen Sachen. Da wären noch mein Bogen, und etwas Gepäck" Ihre Stimme war nach wie vor freundlich und sie schaffte es den selben Plauterton wie vorher dem Waldelf gegenüber beizubehalten.
    "Priorität hätte eigentlich das Oblivion-Tor, dass sich in der Nähe der Festung geöffnet hat": überlegte die Altmerin laut, während sie an Dreveni vorbei zum Fenster hinüber sah. Doch dann, als hätten sie die Worte der Assassine erst einen Moment später wirklich erreicht, antwortete sie: "Ich habe das Gepäck in eine kleinere Kammer mit einem besseren Bett verlegen lassen. Da euer Begleiter abgereist ist, müsst ihr nicht einen Raum mit zwei Betten in Anspruch nehmen. Ehrlich gesagt, hat uns eure Unterbringung das Geld von Händlern gekostet, die wir an eurer Stelle dort hätten einquartieren können. Es geht ja auch ums Geschäft." Dann wandte sie ihren Blick zur Seite. "Ihr habt die Sigil-Steine betrachtet, nicht? Jeder steht für ein Tor, das ich und meine Männer geschlossen haben. Stein Nummer drei war sehr blutig erkämpft, danach musste ich meine Reihen mit neuen Freiwilligen füllen. Stein Nummer 2 bescherte mir die Trophäe, die ihr an der Wand sehen könnt. Es ist ein unglaubliches Gefühl nach diesem Stein zu greifen und ihn aus dem dämonischen Feuer zu ziehen. Es ist als würde das All um einen herum einem leicht werden": schweifte sie schließlich ab.

    Dreveni reichte es jetzt definitiv. Es interessierte nicht wie leicht es der Altmer bei was auch immer wurde, und auch nicht, wieviele Obliviontore sie geschlossen hatte. Seit sie mit Erynn und Arranges nur zu dritt duch das Tor war, hatten diese viel von ihrem Schrecken für die Dunmer verloren.
    "Ich wäre gerne dabei, wenn ihr euch um das Tor hier kümmert. Dremoras abzuschlachten hat etwas befriedigendes.", sagte Dreveni. "Wie auch immer, wir wollten über meinen Sold und über die Diamantmine sprechen." Sie würde dieses hinterhältige Weib in Sicherheit wiegen, und sobald sie ihr etwas von der Pelle gerückt war, hatte sie hoffentlich genug Gelegenheit, nach Spuren von Tirian zu suchen.
    "Ah ja die Mine. Eigentlich ist es nichts Aufregendes. Wir gehen in der Gruppe rein, überwältigen die Wachen, nehmen die Minenarbeitet gefangen. Dann nehmen wir uns das, was sie dort gelagert haben und stellen sicher, dass die Arbeiter auch weiterhin ihren Dienst für uns tun und brav und fleißig weitere Edelsteine schürfen. Die gehen dann an die Festung solange wir uns noch hier aufhalten. Allzu lange wird das wohl nicht mehr sein. Wir werden wohl noch vier Tore schließen und die Gegend von versprengten Daedra säubern. Danach dürfte die Region auch gut ausgeblutet sein. Um den Rest darf sich dann gerne Meister Aryon selbst kümmern": erklärte Illucaria. "Aber ich schweife ab. Zu eurem Sold: Täglich erhaltet ihr 20 Draken. Für Missionen gibt es pauschal 300 Draken. Für Missionen ins Reich des Vergessens 500": bot die Altmer an und setzte sich nun doch auf den Thronstuhl.

    Die Dunmer hatte nicht die geringste Lust zu verhandeln, als ihr die Söldnerin das Angebot vorlegte. Dabei hätte sie fast laut gelacht, 20 Draken? Dafür dass sie sich mit diesem Abschaum hier den Hintern platt saß? Niemals. Andererseits wäre es vermutlich auch aufgefallen, wenn sie nicht gefeilscht hätte.
    "In Ordnung. Fürs Erste jedenfalls.", sagte sie gedehnt. "Mit der Option auf neue Verhandlungen, nachdem wir die Leute in der Mine wieder auf Kurs gebracht haben." sagte sie und sah die Altmer herausfordernd an.
    Illucaria lachte. "Verhandlungen? Ihr gefallt mir": meinte die Altmer. "Ich weise euch aber nur darauf hin, dass andere Söldner fürs Nichtstun gar nichts bekommen. Ich bin schon wie eine verdammte Mutter zu diesen Nichtsnutzen hier": wobei sie beim letzten Satz wieder etwas lauter wurde. "Ihr bekommt hier kostenlose Unterkunft und kostenloses Essen und dürfte die Dienste unseres Schmieds ebenfalls kostenlos in Anspruch nehmen und Aufträge für mehr Geld haben wir auch genug. Da dürfte ein kleiner täglicher Sold angemessen sein. Aber wir können gerne noch einmal über eine kleine Erhöhung sprechen, wenn ihr mir die Diamanten hierher bringt": meinte sie und überging den herausfordernden Blick einfach. "Ihr könnt euch jetzt entfernen. Euer Zimmer wird noch hergerichtet. Ich lasse euch dann informieren, sobald die Sklaven damit fertig sind": sagte sie noch und wandte sich dann dem Buch vor ihr zu.
    Dreveni war egal, was die Andere von ihrer Forderung hielt, besser sie hielt die Dunmer für unverschämt als dass es ihr suspekt vorkam, wenn Dreveni überhaupt nicht versuchte zu verhandeln. Mehr störte sie im Moment ohnehin, dass ihr die Altmer das Zimmer noch nicht zeigen wollte, in welches ihre Sachen angeblich gebracht worden waren. Sollte sie überhastet aufbrechen müssen, wollte sie auf keinen Fall ihr Schwert und ihren Bogen zurücklassen müssen. Vor allem ohne das Schwert wäre es Wahnsinn gewesen, sich weiter - und eventuell noch alleine - durch Vvardenfell zu bewegen.
    Sie nickte der söldnerin noch einmal kurz zu, sagte: "Es wäre nur schön wenn die Sklaven fertig sind, bevor wir aufbrechen, ich brauche mein Schwert.", und verließ dann das Zimmer.
    Ilucaria ließ sich nicht mehr zu einer Antwort herab, sie schien schon wieder anderweitig beschäftigt zu sein, und so stand Dreveni wieder vor der Tür im Gang und überlegte, wie sie möglichst planvoll nicht nur nach Tirian, sondern auch nach ihren Sachen suchen sollte.

  16. #76

    Weidenländer, Falensarano, Schatzkammer

    Er schlug seine Augen auf. Wo war er? Sein Blick taxierte die Umgebung. Er sah die Steinwände von Falensarano. Er befand sich nicht mehr in der Kammer, in der er… er versuchte sich zu erinnern. Rote Augen. Die Erinnerung versagte ihm den Dienst. Langsam richtete er sich auf und wusste nicht so ganz, wo in Ilucarias Festung er sich befand. Der Raum hatte schmale, nur oberhalb in die Wand eingelassene, vergitterte Fenster, durch die fahles Zwielicht nach innen drang, als wäre der Himmel draußen eine Mischung aus Grautönen, die Sonne selbst nur eine seelenlose, weiße Scheibe. Die Kammer selbst war auch nicht sonderlich lebendiger. An den Wänden zeugten Rußflecken, von lange schon verloschenen Fackeln, ansonsten war sie leer. Langsam trat er an die Tür heran, die mehr windschief als wirklich massiv in den Angeln hing. Er versuchte sie aufzustoßen und zu seiner Überraschung schwang sie knarrend und knarzend aber ohne Fisimatenten zu veranstalten nach draußen auf. Verwunderte schaute er sich vorsichtig in dem Gang davor um. Es war niemand zu sehen. Auch hier sorgten schmale Gitterfenster in dem schier endlosen Gang dafür, dass er zumindest zwielichtig beleuchtet war. Von Fackeln waren auch hier nur noch die Rußreste auf dem Stein zu erahnen. Tirian versicherte sich noch einmal, ob auch wirklich niemand kam und verließ den Raum wieder und ging den Gang nach rechts entlang. Offenbar mussten sich Kammer und Gang an der Außenwand der Festung befinden, ansonsten könnte ja auch kein Licht herein scheinen. Er musste noch immer Dreveni finden, sodass sie gemeinsam von diesem verfluchten Ort entkommen konnten.

    Mit der Zeit wurde ihm aber langsam seltsam zu Mute. Der Gang schien kein Ende zu nehmen. Wenn er auf Türen traf, so waren diese verschlossen und langsam wurde ihm auch unheimlich, dass er keinen anderen Menschen oder Mer antraf. Es war zudem gespenstisch still in der Festung. Keine Stimmen von fern her, keine Schritte, nicht einmal das Tönen von Türen, die geöffnet oder geschlossen werden. Eine unsägliche Ruhe lag über der ganzen Festung. Auch durch die Fenster drang kein Laut – nicht das Rauschen des Windes, nicht ein noch so leises Vogelzwitschern. Wären da nicht wenigstens seine eigenen Schritte, die hin und wieder widerhallten, hätte er sich schon für taub gehalten. Der ganze Ort wirkte geradezu bedrückend still und unlebendig. Der Dunmer wollte schnellstmöglich heraus und begann nun zu rennen da es offenbar keine Wachen hier gab, die ihn hätten aufhalten wollen, auch wenn er das Gefühl hatte, dass er einfach nicht vorwärts kam, weil der Gang sich schlicht und ergreifend nicht veränderte. Die gleiche endlose Flucht. Eine Tür und eine Rußstelle nach der Anderen- Auch wenn er rannte, meinte er sogar inzwischen nur noch auf der Stelle zu treten. Seine Muskeln brannten, sein Atem ging stoßweise, als er schließlich stehen blieb und sich gegen die Wand der Festung lehnte und die Hände vor die Augen schlug. Ein Zeichen seiner Verzweiflung. Wie verflucht lang mochte dieser Gang noch sein. Er wollte hier endlich raus.

    Bei diesen Gedanken ertönte ein lauter Knall weiter vorn im Korridor. Er sprang schleunigst auf und sah, doch in einigen Metern eine offen stehende Tür. Sie musste aufgeschlagen sein. Tirian stürmte zu ihr hinüber. Vielleicht war das der Ausweg, nach dem er gesucht hatte. Schließlich stand er vor dem offenen Durchgang. Der Raum dahinter war jedoch nur ein einziges Schwarz. Nur ein winziger Lichtkegel verriet, dass es überhaupt einen Boden in der Düsternis gab. Da es keine andere Möglichkeit gab, nahm der Heiler allen Mut zusammen und trat in die Kammer ein. Mit einem lauten Knall schloss sie sich plötzlich hinter ihm. Der Dunmer zuckte zusammen und saß nun in absoluter Dunkelheit fest. Er versuchte umgehend die Pforte wieder zu öffnen, aber sie blieb verschlossen. Schweiß trat auf seine Stirn und sein Herz klopfte wie wild, während er sich tastend nach vorne bewegte. Als er die Augen zusammenkniff, um vielleicht doch wenigstens ein paar Konturen erkennen zu können, wurde er in grelles rotes Licht getaucht. In der Finsternis vor ihm schwebten, Leuchtfeuern gleich, zwei rubinrote Augen. Sein Blick wurde sofort von dem Anblick gefesselt. Er spürte, wie sich der Raum um ihn herum zu drehen begann und dann gab der Boden nach. Er fiel noch tiefer in die Dunkelheit hinein, während sein Blick noch immer von den starrenden, roten Augen gefangen war. Langsam wurde ihm schwindlig. Vor den Augen verschwamm es ihm zunehmend. Schließlich fühlte sich Tirian am Rand der Bewusstlosigkeit. Langsam löste sich der dämonisch-rote Blick auf und er schloss seine Lider, um sich zu sammeln. Im nächsten Moment spürte er wieder Boden unter den Füßen.

    Als er die Augen vorsichtig wieder öffnete, war die Szenerie eine gänzlich andere. Der dunkle Raum war verschwunden. Er befand sich zwar immer noch in der Festung, doch kam ihm dieser Teil bekannt vor. Er stand direkt vor dem Speisesaal, wie er erkannte. Tirian zog es dort hinein. Mittlerweile war ihm egal, wenn er einem Söldner begegnen sollte, inzwischen wollte er einfach nur einen anderen Menschen oder Mer sehen, damit er sich sicher sein konnte, nicht das einzig verbliebene Wesen auf dieser Welt zu sein. Er fühlte sich im Moment unsäglich verlassen und einsam. Zitternden Schrittes betrat er die Kantine der Festung… und wünschte sich im nächsten Moment, dass er lieber draußen geblieben wäre. Es wirkte als wäre er in Dagons Reich gelandet. Der Raum war erleuchtet von umherstehenden Kohlebecken aus denen die Flammen gierig und breit nach oben und zu den Seiten züngelten. Von der Decke hingen Ketten und Haken an denen man einen ausgewachsenen Guar hätte aufhängen können. Die Küche war neben grobschlächtigen Beilen und Hackmessern auch mit allerlei Folterinstrumenten ausgestattet. Tirians Augen weiteten sich, als er sah, wer an Stelle des dicken Nords nun von oben bis unten mit Blut besudelt ein rostiges Fleischerbeil schwang. Ihre goldene Haut verriet die Altmer sofort. Ilucaria drehte sich zunächst um, sondern ließ das Metzgerwerkzeug weitere Male schwingen und Blut in die Höhe spritzen. Erst dann drehte sie sich um. Lächelte gewohnt süffisant aus einem mit feinen aber auch breiten Blutspritzern gesprenkelten Gesicht. Sie leckte Blut von der rostigen Klinge und tat einen Schritt zur Seite. „Ihr kommt gerade rechtzeitig. Der Braten ist bereits fertig zerlegt“: sagte sie und deutete mit ausgestrecktem Arm auf einen zerstückelten Mann, den Tirian erst nach etlichen Schreckensmomenten als den Attentäter der Morag Tong identifizierte. Mit offenem Mund stand er da. „Den hat unsere Kleine doch fachgerecht erlegt“: meinte sie und deutete auf einen tiefen Schnitt an der Kehle des Mannes etwas oberhalb der Stelle, wo sie den Kopf vom Torso abgetrennt hatte.

    Noch bevor Tirian auch nur in der Lage war die Sache zu begreifen und soweit entfernt war von der Frage, wen die Söldnerin mit ‚unsere Kleine’ gemeint hatte, wie Elsweyr von Himmelsrand, erklang nun seitwärts von ihm: „Tirian, du hast nach mir gesucht?“ Er kannte die Stimme. „Dreveni!“ Zunächst überglücklich fuhr er zu ihr herum, doch schreckte er sofort vor ihr zurück, als er ihres Anblicks gewahr wurde. Er blickte nicht in das kühle Gesicht der Assassinin sondern in die schreckliche Fratze einer Dremore. Spitze, gefährliche Reißzähne, ein böser Ausdruck in den Augen aber ein Lächeln das nicht dazu passte und das ganze geziert von brennenden Augen und zwei mächtigen Hörnern, die ihr aus der Stirn wuchsen. Dies kam ihm auf ungeheure Art bekannt vor, doch als er diesem Gedanken weiter folgen wollte, blitze kurz wieder der stechende, rote Blick in seinem Kopf auf. Schnell ließ er die Überlegungen fallen. Vielmehr drängte sich nun die Assassinin, besser ihr dämonisches Zerrbild, an ihn heran. „Warum so geschockt? Gefalle ich dir denn immer noch nicht?“: säuselte sie. Ilucaria leckte sich derweil mit bluttropfender Zunge über ihre verstörend weißen Zähne. Tirian schluckte, während sich die daedrische Dreveni auf seinen Rücken lehnte und den Kopf auf seine Schulter legte. „Du kannst es einfach nicht leugnen. Ich weis doch, was du willst, mein kleiner, naiver Tirian“: meinte sie. Der Atem des Heilers setzte aus. Er fühlte sich wie von einem Raubtier gepackt und hatte Angst, dass ein falscher Atemzug zu einem Angriff führen würde. Mühsam kämpfte er gegen die Panik, die in seinem Innern zu toben begann. Ihre Finger glitten an seinem Hals entlang. Sein Blick war stur geradeaus gerichtet, doch seine Lider zuckten nervös und eine Ader an seinem Hals pochte immer stärker. Ihre Hand glitt hinunter, streifte seine Hüfte und mit einem schnellen Zug zog sie ein Messer von ihrem Gürtel. Als er das bemerkte, setzte sein Fluchtreflex unaufhaltsam ein. Er riss sich aus Drevenis Umarmung los, stieß sie zur Seite und begann zu rennen. Vor ihm dehnte sich die Kantine in die Länge. Von einem begrenzten Raum verwandelte sie sich in eine lange, schier endlose Säulenhalle, dessen Ende nicht mehr abzusehen war. Umso mehr er rannte, umso länger dehnte sich die Räumlichkeit in die Ferne, wie in die Länge gezerrt. Er lief Slalom um die Säulen und Kohlebecken, verlor langsam sowohl den Eingang als auch Dreveni und Ilucaria aus den Augen, büßte allerdings auch jedwede Orientierung ein.

    Tirian irrte eine Weile im unendlichen Raum umher, verloren irgendwo zwischen der von ihm geschätzt hundertsten und zweihundertsten Säule. Dann tat sich etwas. Er rieb sich die Augen, als die Säulen langsam näher rückten und sich die ausgedehnte Kammer plötzlich in erbarmungsloser Geschwindigkeit verkleinerte und sich schließlich ein gänzlich anderer Raum um ihn herum bildete. Der Blick nun nur noch von wenigen Pfeilern verstellt, kam ihm diese Örtlichkeit seltsam bekannt vor. Er hörte ein leises Röcheln. Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend trat er hinter einem der Pfosten hervor. Entsetzen befiel ihn nun erneut, als er einen schwarzhaarigen, ausgeweideten, schwach röchelnden Dunmer an Ketten von der Decke hängen sah. Von der Faszination des Schreckens gefangen, stolperte er wie ein Zombie an die bemitleidenswerte Gestalt heran. Ein stechender Schmerz fuhr durch seinen Kopf. Die rubin-roten Augen tauchten wieder in seinen Gedanken auf, doch diesmal erschienen ihm auch Erinnerungsfetzen vor seinem geistigen Auge. Die Szene war ihm vertraut – der Raum, die Ketten, der Mann und … Dreveni ... das Monster! „Dieser arme Kerl. Dreveni hat ihm das angetan“: wie er sich nun erinnerte. „Das Monster“: ergänzte er fassungslos, leise flüsternd. „Das Monster“: ertönte seine Stimme plötzlich erneut. Er blickte überrascht auf. „Was war das?“: fragte er laut und sah sich um. Er war sich sicher, Nichts gesagt zu haben. „Magst du wirklich so erhaben urteilen?“: vernahm er erneut sich selbst. Wieder sah er sich um. Von wo kam das bloß? „Was soll das heißen?“: fragte er zurück. Vielleicht konnte er den Sprecher ja in einen Dialog verwickeln und ihn so enttarnen, doch die Stimme schien von überall aus dem Nichts heraus zu kommen. „Wo du doch selbst genau weißt, was du wirklich bist“: redete dieses körperlose Ding weiter. „Was weis ich?“: frage Tirian seinerseits wieder zurück. „Du kannst es nicht verleugnen. Die Wahrheit ist dir so bewusst wie mir“: sprach es weiter ohne eine direkte Antwort zu geben. Tirian war sichtlich verunsichert und wich in die Mitte des Raumes zu der aufgehängten Gestalt zurück. „Was soll mir bewusst sein. Sag’s mir“: warf er herausfordernd in den Raum. „Das was du in deinem Innern hinter deiner moralischen Fassade verbirgst. Das, was du qua Geburt immer schon warst und auch immer sein wirst“: kam prompt die Antwort direkt hinter ihm. Tirian erstarrte und drehte sich geradezu in Zeitlupe um. Voller Schrecken schaute er zu, wie die Ketten langsam länger wurden und den gedärmlosen Körper langsam zu Boden ließen. Er blickte hinauf und sah den zerschnittenen Mund unter den filzigen, schwarzen Haaren des Mannes zu einem triumphierenden Grinsen verzogen. „Derjenige der wütet, der hasst, der tötet bist du“: sprach der Tote weiter, während und nachdem er herabgelassen war. „Du bist ein Mörder“: warf er ihm vor. „Du weist es“: wiederholte er. Tirian traten Erinnerungen vor Augen an seiner Ausbrüche und an seinen Handabdruck, der sich seinem Opfer in das Gesicht hinein gebrannt hatte.

    Die Bilder fingen an ihn zu quälen. Er schloss die Augen und hielt sich den Kopf, wollte nichts mehr sehen und nichts hören. „Mörder, Mörder“: drang die Stimme weiter in seinen Kopf vor. „Nein!“: rief er und versuchte dem ausgeweideten Körper entgegen zu treten, ihn zu fixieren. Da fiel ihm auf, dass der Raum um ihn herum verschwunden war. Nur er und der Gefolterte waren da und schwebten geradezu im Nichts. Über den Ausruf konnte sein Gegenüber nur weiter hämisch lächeln. „Ich bin kein Mörder“: widersprach Tirian noch entschiedener. „Ach mein kleiner, naiver Tirian. Natürlich bist du das und noch viel mehr“: hörte er nun die vertraute aber zugleich boshaft verzerrte Stimme Drevenis. Sie trat in ihrer dämonischen Form neben dem Ausgeweideten einfach aus dem Nichts. „Nein, Nein, Nein“: schüttelte der Heiler den Kopf: „Das Alles ist nur ein Alptraum. Das ist nicht real“: versuchte er sich zu beruhigen und selbst zu vergewissern. „Dann ist unsere Verwandtschaft also nicht real, kleiner schwacher Abkömmling?“: hörte er eine weitere, bekannte Stimme. „Tarrior!?“: keuchte der Dunmer auf und tatsächlich schälte sich nun auch noch sein Vater in schrecklich entstellter Art und Weise aus dem leeren Raum. „Wir sind vom selben Blut. Du bist wie ich. Das was in mir ist, steckt auch in dir“: redete nun auch er auf ihn ein. „Nein, Nein, das ist nicht echt… das ist nicht echt“: widersprach Tirian immer wieder. „Dasselbe Blut und dieselbe Mordlust. In dir steckt das gleiche Monster wie in mir“: beharrte Tarrior. Inzwischen waren die Widerstandsversuche des Heilers nur noch kläglich. „Du konntest weder Hand an deine Begleiterin legen, obwohl du wusstest, dass sie ein Monster ist, weil du genau weist, dass du von derselben Art bist und spürst du nicht die Furcht so deutlich, so zu sein, wie dein Vater ist? Warum diese Angst, wenn an ihr nichts Wahres ist?“: sprach der Ausgeweidete nun wieder mit seiner Stimme zu ihm. „Verleugne nicht, was du tief in deinem Innern bist“: sagte er. Tirian schüttelte den Kopf. „Sieh mich an!“: forderte der Gedärmlose. Zögerlich richtete der Dunmer seinen Blick wieder nach oben. Sie waren wieder allein. Die Hand seines Gegenübers fuhr nach oben und schob dann quälend langsam die Haare zur Seite.

    Am Rande des Wahnsinns blickte Tirian nun in sein eigenes, zerstörtes und schrecklich verzerrtes Gesicht mit dem dämonischen Lächeln. Mit aufgerissenen Augen und offenem Mund starrte er sich selbst an. „Wir sind uns gleich. Du und ich. Wir sind eins. Ich bin ein Teil von dir. Du kannst mich nicht verleugnen. Ich bin du und du bist ich. Ich bin das, was wahrhaft unter deiner Oberfläche lauert“: verkündete der zweite Tirian. Auf den Schultern des diabolischen Spiegelbildes bildeten sich plötzlich Geschwüre und im nächsten Moment brachen die dämonischen Fratzen Tarriors und Drevenis aus dem Fleisch und wanden sich zuckend neben dem entstellten Gesicht. „Auch wir sind du“: sagten sie. Er spürte das Winden und das Zucken selbst körperlich sah an sich herab. Tiefstes Entsetzen befiel ihn, als er sah, dass die Fratzen tatsächlich aus seinem eigenen Körper kamen. Er versuchte die zuckenden Tumore mit den Händen herauszureißen, erntete aber nur das höhnische Gelächter der aufgerissenen Münder. Sein Spiegelbild riss die Arme nach oben, packte den Heiler am Kopf und zog ihn zu sich heran. „Ich bin du. Du bist ich. Wir sind uns gleich. Ich bin ein Monstrum und DU. BIST. ES. AUCH!“: sagte es und um Tirian wurde es endgültig schwarz.


    Schreiend schoss der Dunmer in der Schatzkammer von Falensarano in die Höhe. Sein Schrei war ohrenbetäubend und markerschütternd. Es war kein einfacher Hilfeschrei sondern ein Laut der aus der reinen, nackten Panik geboren war.

  17. #77

    Weidenländer, Falensarano

    Dreveni war gerade auf dem Weg in die untere Etage der Festung, da sie - genau wie Tirian - zu dem Schluss gekommen war, dass man dort am besten Leute gefangen setzen konnte, die man verbergen wollte, gerade wenn immer wieder Händler und andere Reisende hier einkehrten, als ihr der Dunmer über den Weg lief, mit dem sie vorhin das Bett geteilt hatte.
    Eigentlich wollte sie gerade weitergehen, nachdem sie sich beide einen kurzen Blick zugeworfen hatten, aber nachdem der Gang gerade bis auf sie beide ziemlich leer zu sein schien, überlegte sie es sich doch anders.
    "Wisst ihr, wo Ilucaria meine Sachen hingebracht hat?"
    Anstatt ihr zu antworten, wandte er sich jedoch ab und wollte schon weitergehen.
    "Typisch.", murmelte Dreveni, der es inzwischen wirklich reichte mit diesem Pack hier. "Es wundert mich überhaupt nicht, dass sich Ilucaria hier so aufführen kann, wenn ihr sogar buckelt wenn sie weit und breit nicht zu sehen ist."
    Das schien zu wirken, denn er hielt inne und drehte sich um. Allerdings bedachte er sie mit einem Blick, bei dem wohl nicht wenige auf der Stelle tot umgefallen währen. Doch Dreveni wäre nicht Dreveni, würde sie sich durch so etwas aus der Ruhe bringen oder auch nur Beeindrucken lassen. So starrten sie sich ein paar Augenblicke gegenseitig an, bis er ihr schließlich antwortete: "Ihr wart auf dem richtigen Weg, den Gang runter und noch drei Türen, wenn sie dort nicht sind, weiß ich es nicht." Danach wandte er sich zum gehen ohne noch einmal zurück zu schauen, auch nicht als sie ihm noch leise sagte: "Kommt mit. Wenn ihr jemals flüchten wolltet, dann wäre jetzt die Gelegenheit."
    Es war nicht so, dass sie unbedingt wollte, dass genau er mitkam, denn nur weil sie mit ihm geschlafen hatte, hieß es nicht dass sie den Rest ihres Lebens mit ihm verbringen wollte, aber momentan wäre jede Hilfe willkommen.
    Schließlich setzte sie ebenfalls ihren Weg fort, bis sie vor der dritten Tür stand. Natürlich war sie verschlossen, was ihr ein Griff zur Klinke verriet. Sie sah sich kurz um, konnte aber immer noch niemanden sehen, dann konzentrierte sie sich und legte ihre Hand auf das Schloss. Es leuchtete kurz auf unter ihrer Handfläche, dann hörte sie das leise Klicken, mit dem sich das Schloss entriegelte. Kurz kam ihr in den Sinn, was ihr Tirian über Fallen hier erzählt hatte, aber darauf konnte sie jetzt keine Rücksicht nehmen, auch wenn Ilucaria tatsächlich verrückt genug war, die Türen hier derart abzusichern. Von Vertrauen schien diese noch wesentlich weniger zu halten als Dreveni selbst, und das wollte etwas heißen.
    Jedoch geschah nichts, als sie die Tür öffnete, und dahinter in einer kleinen Abstellkammer fand sie tatsächlich ihre Sachen. Sie überlegte kurz, ob sie sie noch hier lassen sollte, entschied sich dann aber dagegen. würde sie den Heiler finden - was voraussetzte dass er tatsächlich gefangen gehalten wurde und nicht verschwunden war - und sie ihn befreien, würden sie wohl eher schneller als langsamer fliehen müssen, und dann noch einmal hier her zurückkehren zu müssen wollte sie nicht riskieren.
    Sie packte die Sachen so gut es ging zusammen, schlang sich den Schwertgürtel um die Hüfte und hängte den Köcher auf den Rücken. Es würde schon gehen das alles zu tragen, den Rest nahm sie so, dass sie es im Falle eines Kampfes schnell fallen lassen konnte.

    Als sie alles hatte, ging sie wieder den Gang zurück, bis sie an der Treppe nach unten stand. Kaum hatte sie den Fuß auf der ersten Stufe, erstarrte sie. von unten erschall ein Schrei, der kaum noch etwas menschliches an sich hatte. Er ging ihr durch Mark und Knochen und konnte einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Sie brauchte ein paar Augenblicke um sich wieder zu fassen, allerdings gelang ihr das noch bevor der Schrei verklungen war. Was tat dieses Weib hier unten? Betrieb sie dort ihre private Folterkammer? Aber auch die Söldnerin war nicht so dämlich, Leute derart hier zu foltern dass man die Schreie durch halb Falensarano hörten konnte. sie rannte die Treppe nach unten, vorsichtig musste sie jetzt wirklich nicht mehr sein, andere mussten ebenfalls diesen infernalischen Lärm gehört haben, und so würde es hier vermutlich bald vor Söldnern wimmeln.
    Unten angekommen, sah sie nur eine Reihe geschlossener Türen rechts und links des Ganges. Sie hielt sich immer noch nicht mit übermäßiger Vorsicht auf, und so drückte sie einfach nacheinander die Klinken herunter, bis sie eine Tür fand, die sich öffnen ließ. Das innere der Kammer dahinter war von Kerzenlicht erhellt, und es schien eine Art Schatzkammer zu sein. Für die ganzen Schätze hier hatte die Dunmer aber keinen Blick, denn da sah sie schon Tirian mitten im Raum stehen, im Gesicht das nackte Entsetzen und vor Panik geweiteten Augen, die doch nichts zu sehen schienen.
    Sie hielt sich auch nicht lange mit der Frage auf, warum zum Henker in die Altmer hier eingesperrt hatte - auch über die Tatsache dass die Tür gar nicht verschlossen war, dachte sie gerade nicht nach - genauso wenig versuchte sie zu ergründen, was sie mit ihm gemacht hatte. Statt dessen ließ sie ihre Tasche fallen als sie den Heiler erreicht hatte, legte beide Hände auf seine Schultern und schüttelte ihn kräftig. "Tirian, reißt euch zusammen, wir müssen hier raus!"

    Der Heiler reagierte allerdings nicht, sondern starrte an ihr vorbei ins Leere, immerhin schrie er inzwischen nicht mehr so grausam. Sie unternahm noch einen letzten Versuch ihn wieder zur Besinnung zu bringen, und gab ihm eine kräftige Ohrfeige, was ebenfalls leider nicht den gewünschten Effekt brachte.
    "Scheiße.", fluchte sie halblaut, raffte ihre Sachen zusammen, packte Tirian am Handgelenk und zog ihn hinter sich her aus der Kammer heraus. Immerhin ging er widerstandslos mit, ihre Freude darüber währte aber nur so lange, bis sie Schritte oben an der Treppe hören konnte, zweifellos hatten die Söldner und vermutlich sogar Ilucaria den Lärm ebenfalls gehört und kamen nun nachsehen.
    Hektisch sah sich Dreveni um, aber es gab keine Möglichkeit zur Flucht. Sich in einer der Kammern zu verbarrikadieren würde ihr unweigerliches Ende nur herauszögern, sie war hoffnungslos unterlegen, selbst wenn Tirian nicht dermaßen kampfunfähig gewesen wäre. Ein kurzer Blick zu dem Heiler überzeugte sie davon, dass sich sein Zustand immer noch nicht geändert hatte.
    Kurz schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, ihn einfach stehen zu lassen, aber auch alleine und mit einem Unsichtbarkeitszauber stiegen ihre Chancen kaum. Zwar würde sie aus Falensarano entkommen zu können, aber dann? Ohne Guar, ohne Orientierung?
    Die Schritte auf der Treppe kamen unweigerlich näher, und sie wandte sich um, da ihr die Idee sich zu verbarrikadieren gerade doch nicht so schlecht erschien - vielleicht würde ihr ja so noch etwas einfallen - da erscholl von oben ein infernalisches Gebrüll. Allerdings nicht so panikerfüllt wie Tirian eben noch geschrien hatte, es hatte mehr von Kriegsgeschrei.
    Was bei den Höllen Oblivions...?
    Die Schritte verstummten kurz, dann wurden oben ein paar herrische Befehle gebrüllt, wobei Dreveni meinte, Ilucarias Stimme zu erkennen, dann entfernten sich die Schritte wieder. Lediglich zwei der Söldner erschienen unten an der Treppe, da hatte die Dunmer aber schon Tirian wieder in die Schatzkammer geschubst, ihre Sachen fallen gelassen und schleuderte dem ersten einen Schockzauber entgegen, noch bevor dieser wusste, wen er vor sich hatte. Als dieser sich noch am Boden wälzte holte sie mit dem Schwert aus und stach ihm damit durch die Kehle. Mit Schwung zog sie es zurück und holte gerade nach dem anderen aus, als dieser seinen Schreck überwunden hatte und ihren Hieb parierte. Er legte etwas zu viel Schwung in die Abwehr, so dass Dreveni mit dem Knauf des Schwertes nachsetzen konnte und ihm das Nasenbein zertrümmerte. Als er vor Schmerz aufheulte und sich hektisch die Tränen aus den Augen blinzelte, hatte sie schon zu einem weiteren Hieb gegen seinen Hals ausgeholt. Blut spritze und auch der zweite Gegner ging zu Boden. Schwer atmend hielt sie einen Moment inne und versuchte, die inzwischen komplett geänderte Situation zu überblicken. Von oben ertönte eindeutig Kampfeslärm - Schwertklirren, Schmerzensschreie und dazwischen immer wieder die jetzt schrille und laute Stimme Ilucarias. Wurde die Festung angegriffen? Nun ja, ihr sollte es recht sein, wenn sie es geschickt anstellte und der Heiler keine Zicken machte, konnten sie es in dem Tumult eventuell aus der Festung schaffen. Erfahrungsgemäß hatten alle Kämpfenden einen leichten Tunnelblick, und solange man sich selbst nicht einmischte, hatte man gute Chancen, durchzukommen. Man musste sich nur in Acht nehmen, um nicht versehentlich einen Klinge in die Seite zu bekommen.
    Dreveni ging noch einmal zurück in die Schatzkammer, in der Tirian immer noch stand, mit der Hand eine kleine Statue umklammert. Gut, sollte er sie mitnehmen, ihr war es momentan reichlich egal, das Ding wirkte nun wirklich nicht schwer und sollte sie nicht behindern. Hatte er die kleine Figur vorhin schon in den Händen gehalten? Sie hätte es nicht sagen können, hatte sie doch auf andere Dinge geachtet.
    "Kommt.", sprach sie ihn noch einmal an, woraufhin er wieder nicht reagierte, und zog ihn wieder am Handgelenk hinter sich her, sammelte im Gang wieder ihre Sachen auf, und stieg vorsichtig über die Leichen. Der Heiler wäre fast darüber gestolpert, aber ansonsten schien sein Gang halbwegs sicher zu sein.
    Vorsichtig bewegte sie sich die Treppe nach oben, und es war wie sie gedacht hatte, niemand interessierte sich wirklich für sie. Es standen noch ein paar verlorene Gestalten an die Wände gedrückt herum, offenbar Reisende, die genauso wenig Lust hatten, zwischen die Fronten zu geraten, wie Dreveni. Auch Ilucaria war nicht zu sehen, dafür aber immer noch gelegentlich zu hören. Schließlich erreichten sie das Plateau, von dem aus man die Festung wieder verlassen konnte, und trat ins Freie. Hier oben war es noch lauter, auch wenn man jetzt sehen konnte, dass hier nur vereinzelte Kämpfe statt fanden. Dafür zischte haarscharf über ihrem Kopf ein Pfeil hinweg, der offenbar von der Ebene unten abgeschossen worden war. Dreveni duckte sich an die Wand der oberen zwei Stockwerke, wobei sie Tirian mit sich unsanft auf die Knie zog. Dort verharrte sie kurz, um sich zu orientieren. Außerdem warf sie dem Heiler einen Blick zu, auch wenn sie wenig Hoffnung hatte, dass er wieder zur Besinnung gekommen war.

  18. #78

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer, Falensarano

    Ihm war als würde er durch schwarzen Nebel waten, der sich gallertartig um seinen ganzen Körper und vor allem um seine Beine und Füße spannte, seine Bewegungen fahrig machte, sie blockierte. Tirian war so als würde er gar nicht mehr vorankommen. Glücklicherweise war dort dieser Zug an seinem Arm, der ihn nach vorne trug. Die Bewegung erleichterte sein Gemüt etwas, auch wenn sein Kopf seltsam leer und gedankenlos war, er nur noch die roten Augen vor sich wusste, gefangen war von ihrem durchdringenden Blick. Der Weg führte aufwärts, geradeaus um Kurven und dann wieder geradeaus und dann wieder nach oben. Ein lautes Geräusch und auch ein leises Rauschen wie weit entferntes Klirren drang durch den Nebel. Um sein Gesicht wurde es kalt und plötzlich schoss frische Luft heran und durchbrach die schweren Schwaden. Während er spürte wie ihn eine Kraft zu Boden zog, konnte er wieder richtig atmen. Das bleierne Gefühl wich von seiner Lunge, sie blähte sich auf und er saugte noch mehr davon ein. Die Dunkelheit verschwand langsam zusammen mit dem ergreifenden, karminroten Blick und verblasste, wurde durchscheinend. Verdutzt blickte er in das Gesicht von Dreveni, das plötzlich vor ihm aus dem Dunst auftauchte. Schreckliche Bilder durchfuhren in diesem Moment seinen Schädel. Verzerrte, monströse Gesichter, sein eigenes. Er kniff die Augen zusammen, Schweiß brach ihm aus und sofort bedeckte er den Kopf mit seinen Händen. Der Heiler presste seine Nägel in die Kopfhaut und nach einigen Augenblicken verschwanden die Bilder.

    Knacken, Knirschen und Brechen drang nun langsam an seine Ohren. Die Geräusche entstanden direkt über ihm und er füllte Splitter auf sich herabregnen. Nur zögerlich traute er sich die Augen zu öffnen. Wieder Dreveni, doch die Bilder in seinem Kopf blieben aus. Noch etwas verwirrt wo er war blickte er nach oben und sah wieder Bolzen und Pfeile gegen die Wand klatschen und zerbersten, vor der sie offenbar kauerten. Seine Augen tasteten weiter, doch es dauerte noch einen Moment, bevor Tirian den Himmel, das Gebäude vor sich und das große Plateau in einen sinnvollen Zusammenhang stellen und als Falensarano identifizieren konnte. Sein Geist war ausgelaugt, offenbar gestresst. Ein leichter Kopfschmerz quälte seine Nerven und doch versuchte sein Verstand knirschend zu erfassen, was passiert war und warum er und Dreveni sich an diesem Ort befanden. Sein Blick glitt zurück zu seiner Begleiterin. Die Assassine schaute ihn nun seinerseits ungläubig an. „Wir müssen hier weg“: zischte sie. „Weg. Ähm ja der Guar ist im Stall. Öhh aber wir müssen noch Dreveni und ihre Sachen finden“: sagte er. Erst im nächsten Moment kam ihm noch einmal direkt zu Bewusstsein, dass Dreveni ja direkt neben ihm lag. Die Dunmer zog ihn kräftig auf die Beine. Er vermisste etwas. Panisch sah er sich um und erblickte seine roten Augen auf dem Boden liegend. Die Assassine wollte ihn weiterzerren. Mit einem rüden Griff schüttelte er ihre Hand jedoch ab. Während weitere Geschosse über ihre Köpfe hinweg pfiffen, bückte er sich und hob seine Augen wieder auf, nahm sie in den Arm und umklammerte sie fest. Dann schaute er seine Begleiterin wieder an. „Ich dachte wir wollten hier weg“: sagte er und schwankte leicht in Richtung der improvisierten Stallungen. Dreveni packte ihn erneut, drückte ihn in eine gebeugte Stellung hinunter und gemeinsam schlichen sie nun weiter.

    „Ilucaria! Zeig dich! Oder sollen wir die gesamte Festung mit Bolzen spicken?!“: rief eine männliche Stimme über die Mauer. Tirian riskierte einen Seitenblick sah die Söldnerin unter zwei Turmschilden auftauchten, die zwei Söldner schützen vor sie gehalten hatten. Sie trat an die Brüstung der Festung heran. „Eure mickrigen Zahnstocher haben offenbar nicht gereicht uns zu stürmen. Deine Leute sind Säuglinge im Vergleich zu meinen kleinen Mädchen hier“: rief sie lachend herunter. „Dafür seid ihr aber schnell in Deckung gegangen wie kleine Wiesel“: dröhnte es herauf. Die Altmer schnippte plötzlich mit dem Finger. Ein Bolzen flog plötzlich von der Seite heran, zischte knapp an ihrem Kopf vorbei und flog weiter nach unten. Ein lautes „Uff“ war zu vernehmen. „Du dreckige Hure“: brüllte die Stimme. „Sei froh, dass ich meinen Scharfschützen nicht auf dich losgelassen habe“: meinte sie bloß. „Das hättest du mal versuchen sollen“: entgegnete ihr Gesprächspartner. „Damit deine stinkenden Hundesöhne ohne Herrchen dastehen? Wen sollte ich denn dann noch zu eurem Herrn zurückschicken. Man kann ja schon froh sein, wenn dieser Pulk, den ihr angeheuert habt überhaupt weis, wie sein Name ist“: spottete die Elfe weiter. „Die Festung ist umstellt, Hexe, wir lassen euch ziehen, wenn ihr freiwillig geht und uns eure Beute überlasst“: forderte der Mann. „Soll das heißen ihr wollt uns hier vertreiben?“: fragte die Altmer nun in einem freundlicheren Ton. „Wir übernehmen jetzt eure Geschäfte hier. Dieses Land gehört nun uns“: stellte der Angreifer klar. „Euch? Natürlich“: sagte sie und begann zu lachen.

    Tirian und Dreveni schlüpften derweil in das Zelt, das die provisorischen Stallungen darstellte und gingen zu ihrem Guar hinüber. Der durchlöcherte Stoff zeugte davon, dass auch hier der Pfeilhagel der Angreifer Spuren hinterlassen hatte. Das Tier lag, soweit es mit dem Gepäck möglich war, zusammengekauert im Stroh. Offenbar aber war die Fracht, seine Rettung gewesen. Einige Schäfte ragten aus dem Bündel, das der Heiler aufgeladen hatte, heraus. „So hier ist der Guar. Jetzt müssen wir nur noch springen“: sagte er und schwankte noch etwas. Sein Kopf fühlte sich an als wäre er mit Watte gefüllt. Derweil draußen inzwischen das Lachen endete. „Wie dumm von mir“: meinte die Altmer: „ich vergaß das, dass euer Land hier ist.“ Eine kurze Pause folgte. „Ach Moment. Nein. DAS HIER IST JA MEIN LAND. DU ANMASSENDER HUND. ICH WERDE DICH UND DEINE BASTARDE AUFSCHLITZEN UND DEINEN HÄSSLICHEN SCHÄDEL DEM ZAUBERER ZURÜCKSCHICKEN!“: brüllte sie. Im nächsten Moment erklang wieder Kampflärm. Offenbar ließ Ilucaria ihre Gegner angreifen. Tirian versuchte ihren Worten zu folgen und war einen Moment lang abgelenkt. Dreveni packte ihn an der Robe. „Was verflucht nochmal meint ihr mit springen. Wir müssen hier weg“: rief sie ihm ins Bewusstsein. Er guckte sie erst verdutzt an und streichelte versonnen die Augen in seinen Armen. „Ich sage doch springen. Hast du den Plan etwa schon vergessen?“: sagte er und half dabei ihr Gepäck mit auf den Guar zu laden und zu verschnüren, während draußen bekanntgegeben wurde, dass die Angreifer offenbar Skampe an ihre Seite riefen. Erst als er ihren verwirrten Gesichtsausdruck sah, wandte sich Tirian ab. „Nein“: flüsterte er fast nur noch: „So war es nicht.“ Er hielt sich wieder den Schädel. Wieder packte ihn Dunmer am Kragen. „Was meint ihr?“: fragte sie nachdrücklich und rüttelte ihn ordentlich durch. Die Augäpfel des Heilers zuckten hin und her und konzentrierten sich langsam auf ihren Blick. „Ich.. ich hatte mir einen Plan ausgedacht. Wir springen über die Brüstung und entkommen so. Ich nehme nicht an, dass ihr den Aufweg hinunter wollt, wo jetzt der Kampf tobt“: erzählte er, doch nur wenige Augenblicke später verfiel er wieder den roten Augen in seinen Armen.

    Draußen wurde der Ton langsam rauer. „Ja schneidet diesen Kötern die Klöten ab. Treibt sie zurück. Ich will Skampenblut!“: ertönte Ilucarias sonore Stimme von draußen. Kurz darauf erklang eindeutig unirdisches Kreischen, gefolgt von irrem Lachen. Tirian klammerte sich derweil weiter an den roten Augen fest. Dreveni packte ihn wieder fest am Arm und zog nun ihn wie auch den Guar hinter sich her nach draußen. „Niemand nimmt mir mein Land ihr Bastarde. ES GEHÖRT MIR!“: erklangen Ilucarias Schreie. Tirians Blick glitt zur Seite. Er sah sie mit einem Dolch, der ihm sehr bekannt vorkam, Skampe und einen Mann in Robe aufschlitzen. Sie war von oben bis unten voll mit Blut. Der Kampf tobte zwar auch auf dem Plateau aber gemessen am Lärm noch mehr vor der Festung. In diesem Getümmel war es ihnen glücklicherweise möglich sich unerkannt zwischen den Zelten hindurch zum Rand der Festung zu schleichen. Der Pfeil- und Bolzenhagel war überstanden so drohte auch keine Gefahr mehr von oben, der Tirian im Moment ohnehin keine Aufmerksamkeit schenkte, da er sich intensiv um die Skulptur in seinen Armen bemühte. Er wusste nicht wieso, aber er konnte sich davon einfach nicht trennen. Der rot-schwarze Vulkanstein, die roten Augen, die seltsame Aura. Es zog ihn regelrecht magisch an. Sein Blick löste sich erst wieder davon, als sie plötzlich anhielten.

    Dreveni stand an der Brüstung der Festung und beugte sich hinüber. Sie runzelte ihre Stirn. „Springen?“: schlug der Heiler vor. Die Assassine drehte sich kopfschüttelnd zu ihm um. „Springen? Seid ihr verrückt?! Das Plateau ist zwar geneigt, aber viel zu hoch. Der Heiler schaute die Skulptur an, legte den Kopf schief und lächelte dann. „Der Plan. Vergesst den Plan nicht“: sagte er und trat selbst an die Brüstung heran. „Schaut dort“: sagte er und zeigte mit dem Finger in die Ferne. Die Assassine folgte seinem Zeigefinger und lehnte sich etwas vor. In diesem Moment bildete sich eine leicht blaue Aura um Tirians Hand. Er legte sie der Dunmer auf die Schulter. Sie drehte noch ihren Kopf zu ihm herum, als die Magie übersprang. Mit einem Lächeln, gab er ihr einen Stoß. Um nicht über die Brüstung zu fallen, sprang sie stattdessen von der Kante mit einem überraschten Aufschrei ab. Tirian wirkte den Akrobatikzauber sowohl auf sich als auch den Guar, den er mit leichten Blitzen in der Handfläche ebenfalls zu einem Sprung brachte. Im Moment in dem auch er sich mit einem Sprung von der Brüstung aus der Festung flüchtete, ertönte hinter ihm Ilucarias Stimme. Schon in der Luft drehte er den Kopf und sah die Altmer, mit Blut besudelt wie ein tollwütiger Metzger, zu ihm herüber schauen. „Dreveni! Ihr Bastarde! Niemand verrät mich. Niemand!“: schrie sie. Tirian hielt schon die linke Hand vor sich und legte den Kopf auf die Brust, um sich abzurollen. Der rechte Arm hielt weiterhin die roten Augen umklammert. Wie in Zeitlupe nahm er wahr, wie die Altmer Armbrustschützen heranholte. Sie legten an und schossen. Sie selbst stürmte bereits auf die Brüstung zu. Tirian setzte auf. Er fühlte sein eigenes Gewicht deutlich auf seinem Handgelenk lasten und spürte gleichzeitig die stabilisierende Wirkung seines Zaubers. Andernfalls hätte er sich womöglich etwas gebrochen. Sie konnte er sich einige Meter tiefer auf der Schräge abrollen und noch einmal abstoßen und fiel schließlich wie eine Katze auf die Füße als er unten ankam. Es dauerte einen Moment, bis er sich wieder zurechtfand und er sich versichert hatte, dass der Statuette Nichts geschehen war.

    Seine Aufmerksamkeit wurde schnell von einer wütenden Dreveni wieder auf sich gezogen. Doch bevor sie etwas sagen oder tun konnte, flogen auch schon die ersten Bolzen nach unten. Dreveni griff so nur nach seinem Arm und schleifte ihn hinter sich her, auf direktem Weg weg von der Festung. Hinter ihnen tobte Ilucaria auf den Wällen, wilde Drohungen und wüste Beschimpfungen ausstoßend. Sie ließ ihre Schützen feuern, aber offenbar waren ihre besten Männer noch mit den Angreifern beschäftigt. Die wenigen Bolzen verfehlten sie, wenn auch nur knapp. Irgendwann waren sie außer Reichweite der Armbrüste. „DREVENI!“: brüllte sie immer wieder. Doch, sie befanden sich beinahe außer Sichtweite, erklang eine andere Stimme. Auch sie rief den Namen der Dunmer, doch es handelte sich dabei um eine Männerstimme. Dreveni blieb wie vom Donner gerührt stehen und wandte sich um. Von dem plötzlichen Halt wieder aufgeschreckt, riss sie Tirian von der Betrachtung seiner Augen los und er wandte sich ebenfalls wieder nach Falensarano um. Klein sah er die Altmer mit ihrem Dolch auf dem Plateau stehen. Sie hielt die Klinge einem hochgewachsenen Dunmer an die Kehle. „Dreveni! Hast du nur einen Moment gedacht, dass dein Liebhaber damit durchkommen würde? Niemand hintergeht mich. NIEMAND! Fühl dich nirgendwo auf Vvardenfell sicher. Die Morag Tong wird dein geringstes Problem sein. HÖRST DU!“: brüllte sie schäumend für Wut in die Ebene. Einen Moment später zuckte ihr Arm schnell zur Seite und der Dunmer ging zu Boden. Dreveni schaute dem ungerührt zu. Tirian kümmerte sich lieber weiter um die Statue, als die Attentäterin ihn weiter mit sich zog. Noch eine Weile klang das irre Lachen der Söldnerin im Wind nach. Sie selbst liefen und liefen, hielten sich von den Wegen fern und machten auch keine Pause als es zu dämmern begann, sondern erst als die Dunkelheit schon hereingebrochen war.

    Der Heiler lehnte sich, völlig erschöpft an einen Baum, an dem sie vorbeikamen, ließ sich zu Boden sinken und blieb sitzen. Selbst Dreveni forderte ihn nicht mehr dazu, wieder aufzustehen, sondern setzte sich ebenfalls zu ihm. „Wir sollten kein Feuer entzünden“: entschied die Assassine. Tirian war es egal. Er hatte die roten Augen. Er hatte alles, was er brauchte.

  19. #79

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer

    [Dreveni]
    Ihre Flucht war absolut irre, und selbst wenn sie nicht getroffen werden sollten, war immer noch das Problem, wie sie samt Guar vom Dach kommen sollten. Als Tirian sie einfach schubste, wäre sie fast durchgedreht, aber schließlich kam sie doch unverletzt unten an, nachdem sie ein paar unelegante Saltos gedreht hatte auf dem letzten Stück Schräge des untersten Geschosses. Sogar der Guar schaffte es unverletzt. Auch die Drohungen der Söldnerin ließen sie kalt, hatte sie doch selber oft genug ähnliches von sich gegeben und es drohte ihr nun wirklich nicht das erste Mal jemand. Das war doch meistens mehr heiße Luft als ein Grund, wirklich Angst zu bekommen. Darüber hinaus hatte sie eh langsam aber sicher die Schnauze voll von Vvardenfell, lange würde sie hier ohnehin nicht mehr bleiben. Und sollte sich diese Schlampe nur nach Cyrodiil trauen...
    Einzig als Ilucaria dem Dunmer die Kehle durchschnitt, musste sie kurz schlucken, zeigte aber nichts von ihren Gedanken auf ihrem Gesicht. Er hätte einfach mitkommen sollen, so aber hatte er sein Schicksal selbst gewählt und es lag wirklich nicht in ihrer Verantwortung. Außerdem regte sie der Heiler mit seiner dämlichen Statue langsam aber sicher auf, an die er sich klammerte, als würde sein Leben daran hängen. Darüber hinaus gab sie ihm überhaupt die Schuld an allem, hätte er nicht geschrien wie abgestochen wären sie sicher einfacher entkommen. So hatte ihnen nur das pure Glück in die Hände gespielt, wäre die Festung nicht angegriffen worden, wären sie verloren gewesen.

    Schließlich waren sie weit genug von allem entfernt, dass sie Tirian nicht weiterzog, als er sich erschöpft an einen Baum setzte. Sie setzte sich neben ihn und sagte: "Wir sollten kein Feuer entzünden." Der schien sie jedoch gar nicht zu hören, und sie betrachtete ihn skeptisch. Sein Blick machte immer noch einen leicht abwesenden Eindruck, und er hielt nach wie vor die Statue in den Händen.
    Langsam kam ihr der Gedanke, dass Tirian ganz andere Probleme hatte, dagegen war die Morag Tong Kleinkram.
    Sie rutschte ein Stück, so dass sie Tirian fast gegenüber saß und sagte mit scharfer Stimme und mühsam unterdrückter Wut: "Was zum Henker ist das", und deutete auf die kleine Statue, "und was war das vorhin?"
    Sie hatte gerade noch soviel Beherrschung, ihm nicht erstmal die längst überfällige Ohrfeige zu geben oder ihrer Frage gleich mit ihrem Dolch an seinem Hals Nachdruck zu verleihen.

    [Tirian]
    Tirian strich noch immer über die Statuette und konnte seinen Blick nur mühsam auf die Dunmer, die ihm jetzt plötzlich gegenüber saß richten. Er schaute sie an, als hätte sie etwas Dummer gefragt. "Das sind meine Augen": sagte er. "Und was meint ihr? Ich dachte wir wären aus der Festung gesprungen? Sind wir das nicht?": stellte er Gegenfragen und rieb sich das Kinn. "Oder waren wir gerade bei den Aschländern?": überlegte er laut. "Ahja ich habe euch vor dem Ashkhan gerettet. Genau!": sagte er. "Also vorhin habe ich mich mit dem Ashkhan geprügelt. Komisch. Ich dachte aber ich hätte mich dabei verletzt": beantwortete er ihre Frage und wandte sich dann wieder seinen Augen zu und schaute direkt in die Rubine.

    [Dreveni]
    Tirian hatte Dreveni schon des öfteren während ihrer gemeinsamen Reise Sprach- und Fassungslos gemacht, aber dieses Mal übertraf er alles. Was immer die Altmer mit ihm gemacht hatte, nun war er völlig und komplett übergeschnappt. Noch immer brachte sie seinen Zustand nicht mit der Statue in Verbindung, auch wenn sie das dämliche Teil am liebsten in hohem Bogen in die Pampa geschleudert hätte.
    Nachdem ihr die Statue nicht als das primäre Problem erschien, konzentrierte sie sich wieder auf den Heiler, dem sie nun doch kräftig mit der flachen Hand ins Gesicht schlug, um ihn gleich darauf unsanft am Kragen zu packen und ihn so zu ihr her zu ziehen. Inzwischen war sie halb in die Hocke gegangen und hielt ihm mit der anderen Hand die Spitze ihres Dolches an die Kehle. Noch nicht so fest, dass man die ersten Blutstropfen sehen konnte, aber viel fehlte dazu nicht mehr.
    "Ihr habt jetzt genau eine Chance, mir eine vernünftige Antwort zu geben, sonst wird wirklich jemand verletzt.", zischte sie ihm zu, und ihre Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass sie mit ihrer Geduld bis jetzt noch nie so am Ende gewesen war seit sie unterwegs waren, wie jetzt in diesem Moment.

    [Tirian]
    Der Schlag saß und riss den Heiler unsanft aus der Betrachtung. Seine Augen zuckten kurz zwischen Dreveni und dem Dolch in ihrer Hand her. Ein sengender Schmerz fuhr durch seinen Kopf und plötzlich schmolz das Gesicht der Dunmer und gerann erneut einer monsterhaften, den Daedra nicht unähnlichen, Fratze. Erinnerungen kamen hoch. "Nein, ich bin kein Monster. Ihr seid es": schrie er voller Verzweiflung und riss ganz reflexhaft die Skulptur nach oben. Dreveni fiel zur Seite. Tirian wusste nicht, ob er sie getroffen hatte, war aber froh dem Griff und dem Messer entkommen zu sein, wusste er doch, was als nächstes passiert wäre. Die Augen hatten es ihm gezeigt. Er sprang auf lief einige Meter, bevor er dann plötzlich stehen blieb und weinend ins Gras sank. "Nein. Ich bin ein Ungeheuer. Es steckt in mir": stammelte er und krallte seine Finger so fest in den Stein der Statue, dass unter einigen Nägeln bereits Blut hervorquoll. "Ich bin ein Monster": wiederholte er immer wieder, während er mit leeren Augen ins Nichts stierte und vor und zurück wippte.

    [Dreveni]
    "Nein, ich bin kein Monster. Ihr seid es", hörte sie Tirian plötzlich, scheinbar ohne Zusammenhang, sagen. Sie sah noch, wie er die Statue hochriss, und dann für einen kurzen Moment nichts als Sterne. Sie verlor das Gleichgewicht und als sie sich wieder aufgerappelt hatte, war Tirian schon aufgesprungen und machte Anstalten, wegzulaufen. Sie ignorierte das Blut dass ihr aus einer Schramme an der Schläfe lief, wo Tirian sie mit der Statue getroffen hatte, und setzte ihm nach. Lange dauerte die Verfolgungsjagd nicht, da er sich nach wenigen Metern schon ins Gras sinken ließ, die Figur umklammerte und wie ein Irrer wackelnd sitzen blieb. Sie betrachtete ihn ein paar Augenblicke und wusste beim besten Willen nicht, wie sie ihn wieder zurück in die Spur bringen sollte.
    Sie hatte jedenfalls nicht vor, sich noch einmal die Steinfigur über den Kopf ziehen zu lassen, so zog sie ihr Schwert und hielt die Spitze auf Augenhöhe so vor Tirians Gesicht, dass auch jemand der von Schwertkampf nicht den Hauch einer Ahnung hatte sehen konnte, dass es die ideale Position war, um blitzschnell zuzustechen.
    "Du bist höchstens völlig übergeschnappt.", blaffte sie ihn an. "Und jetzt leg endlich diese beschissene Statue weg." Dass sie die Ansprache jetzt zum vertrauteren Du gewechselt hatte, entsprang mehr ihrem Zorn als freundschaftlichen Gefühlen für Tirian. Zorn gemischt mit Hilflosigkeit, wie sie sich widerstrebend eingestehen musste. Sie hatte wirklich keine Ahnung, wie sie mit dieser Situation umgehen sollte, geschweige denn dass sie überhaupt wusste, was zum Henker mit dem Heiler los war.

    [Tirian]
    Die Klinge hing direkt vor seinem Gesicht in der Luft. Er sah die Waffe fast ebenso hypnotisiert an, wie seine Augen, die Tränen versiegten. Das Wippen stellte er ein. Durch Dreveni selbst schaute er einfach hindurch. Er nahm eine Hand von der Statue und packte die Spitze der Waffe plötzlich fest mit der blanken Hand. Aufkommenden Schmerz, als die Assassine am Griff zu rucken begann, drang gar nicht zu seinem Bewusstsein vor. Vielmehr führt er die Waffe nun an seine Kehle. "Die Augen haben mir alles gezeigt. Töte mich du Monster": sagte er zornig, dann wieder weinerlich: "Ich will kein Monster sein." "Die Augen sie sehen mit brennender Klarheit alles": faselte er und die Tränen liefen ihm erneut über die Wangen.

    [Dreveni]
    Dreveni nahm gerade dazu Anlauf, ihm die Spitze ihres Schwertes aus der Hand zu ziehen, da setzte er sie von allein an seine Kehle. Aus dem Gefasel, was dann folgte, wurde sie nicht eben schlauer, sie verstand nur was er von ihr wollte, nicht warum. Diesen Gefallen würde sie ihm allerdings nicht tun.
    "Monster? Du sitzt da und heulst wie ein Kind und hast Angst ein Monster zu sein?", sagte sie mit Abscheu in der Stimme. Dann zog sie mit einer schnellen Bewegung an ihrem Schwert und befreite es aus Tirians Griff. Dass sie ihm dabei wohl in die Hand schnitt, war ihr egal. Vielleicht würde ihn der Schmerz ja wieder zur Besinnung bringen, auch wenn sie daran nicht wirklich glaubte. "Du solltest dieses Ding da wirklich weg legen.", sagte sie schließlich und klopfte mit der Schwertspitze gegen die Statue. "Es scheint dir nicht zu bekommen." Sie sah ihn lauernd an, und überlegte, wie sie ihm diese elende Figur am besten aus der Hand schlagen konnte.
    Warum gab sie sich überhaupt noch mit ihm ab? Es war nicht allein die Tatsache, dass sie hier mitten im Nirgendwo war, und Tirian sich wenigstens auskannte. Hatte sie sich doch schon so sehr an ihn gewöhnt? Wieso ließ sie ihn nicht einfach sitzen, wo er doch offensichtlich endgültig übergeschnappt war?

    [Tirian]
    Nur widerwillig ließ er zu, dass sie das Schwert zurückzog. Doch als sie mit dem Schwert auf seine Augen schlug, verengte er selbige. Aufmerksam beobachtete er Dreveni. Sie wollte ihm offenbar die Augen nehmen. Das durfte sie nicht. Sie waren das Einzige was ihm Halt und Wärme gab. Ohne sie fühlte er sich leer. Ohne ihre Wahrheit wollte sein Kopf nicht mehr funktionieren. Er brauchte die Bilder und Stimmen, die ihm seine Augen zeigten. Sie sollte es nicht wagen sie ihm zu rauben. Es mochte ihr Ende sein, wenn sie, sie antastete. Er drehte sich von ihr weg. "Wagt es nicht sie anzufassen, Monster": sprach er und hielt für den Fall der Fälle Magie bereit, um zu reagieren.

    [Dreveni]
    Also doch, es schien irgendwie mit dieser komischen Figur zusammenzuhängen. Jedenfalls sah ihr Tirians Reaktion ganz danach aus.
    "Dann eben nicht.", murmelte sie und ließ das Schwert fallen - nur um gleich ihr Stilett zu ziehen um es dem Heiler nötigenfalls in die Hand zu stechen, sollte er dieses Ding nicht freiwillig loslassen. Ihr Dolch lag leider noch an der Stelle, an der er ihr die Statue über den Kopf gezogen hatte. Dieses Mal würde sie jedenfalls vorsichtiger sein. Mit einem Satz warf sie sich mit ihrem ganzen Gewicht auf Tirian und wollte versuchen an seine Hand zu kommen, die immer noch die Figur umklammert hielt

    [Tirian]
    Er hatte sich vorbereitet, war dennoch überrascht, als sich das Monster auf ihn stürzte. Ihr ganzes Gewicht versuchte ihn zu bändigen. Ihre Klauen griffen nach seinen Augen. "Nein sie darf sie nicht bekommen": befand er in Gedanken. Er stemmte sich mit aller Kraft gegen ihren Körper. Sie hatte seine unverletzte Hand gepackt und wollte ihr die Statue entwinden. Tirian griff mit der Verletzten herüber und versuchte die Klaue abzuwehren. Gerade hatte er die Hand erhoben und wollte die gegen die dämonifizierte Assassine damit vorgehen, da spürte er auch schon einen schweren Stich darin. Er schrie auf, sah die schmale, runde Klinge von Drevenis Stilett darin stecken. "Monster": zischte er, ließ die Statuette los und holte mit der anderen Hand aus. Die Energie des Schockzaubers knisterte dabei schon gefährlich in der Luft. Er erwischte sie an der Schulter und wischte Dreveni wie ein Insekt von seinem Rücken. Mit einem Aufschrei rollte sie sich von ihm herunter.

    Die Statue blieb im Gras liegen, während er sich erhob und sich nun gänzlich Dreveni zuwandte. Blut troff von seiner Hand, doch er machte keine Anstalten die Waffe herauszuziehen. Stattdessen bildete sich eine Aura aus Blitzen um die Andere herum. Die Zähne gefletscht ging er nun seinerseits auf Dreveni los.

    [Dreveni]
    Es war nicht so, dass sie es darauf angelegt hatte, Tirian das Stilett durch die Hand zu stechen, aber es hatte sich eben so ergeben. Gleich darauf fühlte sie einen stechenden Schmerz an ihrer Schulter, der ihren Arm sofort taub werden ließ. Mit einem Aufschrei ließ sie von dem Heiler ab und landete unsanft im Gras. Sie war immer noch leicht benommen und auch ihre Muskeln in ihrem linken Arm gehorchten ihr noch nicht. Dazu gesellte sich ein brennender, fast schon lähmender Schmerz, durch den direkten Kontakt mit dem Schockzauber hatte sie außerdem noch eine böse Brandwunde davon getragen.
    Kaum hatte sie ihr Gesicht wieder dem Heiler zugedreht, sah sie ihn auch schon auf sich zukommen, und der Anblick war nun wirklich kein angenehmer. Neben dem Stilett dass noch aus seiner Hand ragte, und dem blauen Leuchten des Zaubers um seine andere Hand war es vor allem der Ausdruck blanken Hasses und Mordlust den sie in seinem Gesicht sah, der sie erschauern ließ.
    Wenigstens war somit auch die Frage beantwortet, wo sich ihre Waffe befand. Das Schwert war ebenfalls gerade außerhalb ihrer Reichweite. Und trotzdem würde sie nicht so einfach aufgeben.

    Sie biss die Zähne zusammen und versuchte sich auf einen Zauber zu konzentrieren. Sie musste ihn nur für kurze Zeit ablenken, bis sie wenigstens wieder an ihr Schwert gekommen war. Sie wählte einen Stillezauber, nicht weil sie den Heiler nicht verletzen wollte, sondern weil sie sich nicht sicher war, ob er in seiner Rage überhaupt merken würde, wenn sie mit etwas anderem auf ihn zielte. Im Moment ging es um Leben und Tod, das war ihr klar.
    Schließlich bildete sich ein grünliches Leuchten um ihre rechte Hand, und mit einer schnellen Bewegung schleuderte sie es Tirian entgegen, um sich gleich darauf über den Boden zu ihrem Schwert zu rollen. Sie hielt sich nicht damit auf zu beobachten, ob sie überhaupt getroffen hatte oder ob der Zauber auch wirklich wirkte.
    Es ging um Sekunden, da blieb für so etwas keine Zeit. Auch war ihr bewusst, dass es wesentlich einfacher war, einen ungerüsteten mit dem Schwert zu töten als ihn bloß handlungsunfähig zu machen. Andererseits würde sich dieses Problem auch erübrigen, wenn Tirian nur endlich wieder zur Besinnung kommen würde.

    [Tirian]
    Mit Befremden stellte er fest, dass sich der Zauber in seiner Hand plötzlich auflöste und seine Magie überhaupt nicht mehr zusammenfand. Kein Zauber war mehr möglich. Wie konnte diese Kreatur es nur wagen. "Ich werde dieses Monster erschlagen": entschied er und das notfalls mit bloßen Händen. Er stürzte weiter in ihre Richtung. Sie versuchte nach ihrem Schwert zu greifen, doch er hatte die Augen, die ihm die Wahrheit zeigten. Er musste dieses Monster töten. Das Schwert konnte ihn nicht aufhalten. Es würde ihn nicht aufhalten. Sie brachte die Waffe zwischen sich und ihn, doch er ließ sich nicht beirren, wollte in die Waffe fassen und sie zur Seite rücken, doch stattdessen zog sie das Glasschwert einfach zur Seite. Er stolperte an ihr vorbei und kassierte einen Schlag in den Rücken, der ihn zu Boden schickte. Doch anstatt sich zu fügen, sprang er umgehend wieder auf, um den Angriff wieder aufzunehmen.

    [Dreveni]
    Sie schaffte es gerade noch das Schwert zur Seite zu nehmen, als der Irre schon wieder mit der blanken Hand in die Klinge greifen wollte. Noch dazu hatte sie kaum Kraft in ihrem linken Arm, es wäre also durchaus möglich gewesen, dass sie ihre Klinge nicht mehr so schnell hätte befreien können.
    Auch der Schlag in seinen Rücken, bei dem sie das Schwert noch so gedreht hatte, dass sie mit der flachen Seite zuschlug, war nicht mit voller Kraft geführt, reichte aber, um den Heiler von den Füßen zu holen, jedoch rappelte er sich sofort wieder auf und ging erneut auf sie los.
    Dreveni ging ein paar Schritte rückwärts, weg von der Statue, die immer noch im Gras lag, das Schwert vor sich haltend und mit der Spitze auf den Dunmer zeigend. Sie hoffte dass Tirian nicht zu einem neuen Zauber ausholen würde, sonderlich lange konnte der Stillezauber nicht anhalten. Für einen kurzen Augenblick fragte sie sich, warum sie die Klinge überhaupt im letzten Moment noch gedreht hatte, und dem Heiler so noch eine Chance gegeben hatte, wieder anzugreifen. Er schien es jedenfalls überhaupt nicht zu honorieren, dass sie ihn verschont hatte.
    "Tirian, hör auf.", unternahm sie einen letzten Versuch, wobei man die Erschöpfung und den Schmerz in ihrer Stimme hören konnte. "Du bist sonst kein Stück besser als ich."

    [Tirian]
    Drevenis Worte drangen an seine Ohren. Er blieb stehen und schaute die Elfe an. Es war als würde ihre Monsterfratze zerfließen. Er rieb sich die Augen. Das Gesicht der Dunmer waberte wie Nebel. "Was ist das?": fragte er sich. Für einen Moment sah er wieder ihr altes Gesicht. Sah einen sanfteren Ausdruck in ihren Augen, bevor sich der Nebel wieder schloss und die abscheulichen Hauer das Bild wieder dominierten. Sein Schädel tat weh. Er fasste sich an den Kopf. Ihm war schwindlig. "Die Augen... die Wahrheit. Du, Monster. Ich, Monster": brüllte er. Mühsam unterdrückte er den Reflex wieder auf Dreveni loszugehen. "Wo... sind... meine... Augen": sagte er. Inzwischen war ihm der kalte Schweiß ausgebrochen. Seine Augen tasteten das Gras ab und suchten nach der verlorenen Statuette.

    [Dreveni]
    Diese verfluchte Statue, dachte sich die Dunmer nur, als sie Tirian ansah. Es war ihr absolut schleierhaft, warum er sie die ganze Zeit als 'seine Augen' bezeichnete, aber das war ihr jetzt auch egal.
    Wäre hier ein See oder das Meer hätte sie das Drecksteil schon längst versenkt, so war sie sich nicht einmal sicher, wie weit sie es hätte werfen können, noch dazu mit ihrer verletzten Schulter. Sie wusste nicht einmal, wie schwer das Ding war. So ging sie kurzerhand auf Tirian zu, seine Verwirrung ausnützend, legte ihm die Schneide des Schwertes von hinten an die Kehle, und packte ihn mit dem anderen Arm, während sie ihn mit sich zog, weg von der Steinfigur die immer noch im Gras lag.
    Beiläufig registrierte sie, dass er immer noch ihr Stilett in der Hand hatte, und wunderte sich abermals in was für einem Zustand er sich befand. Ihre eigene Verletzung schmerzte inzwischen tierisch, aber Brandwunden fand sie selbst bei weitem schlimmer als Stiche oder Schnitte.
    Als Dreveni schließlich meinte, dass sie sich weit genug von der Statue entfernt hatten, drehte sie den Heiler mit dem Gesicht zu ihr und schüttelte ihn kräftig und anhaltend. "Werd endlich wieder normal, verflucht noch mal.", sagte sie dabei, allerdings mehr zu sich selber.

    [Tirian]
    Er befand sich wenig später wieder in ihrem Würgegriff. Wäre da nicht sein schmerzender Kopf und das Verschwinden seiner Augen gewesen, hätte er sie spüren lassen, dass er sich keinem Monster ergab. Doch er fand die Statue nicht. Sie war seinem Blick entglitten und er fand sie auch nicht, als Dreveni ihn weiter wegzerrte. Dann plötzlich schaute er sie wieder an. Sie schob ihr Gesicht vor seines, verstellte ihn den Blick und schüttelte ihn. "Werd endlich wieder normal, verflucht noch mal": sagte sie zu ihm. "Ich bin normal, du Monstrum. Durch die Augen der Wahrheit sehe ich die Wirklichkeit. Wo sind meine Augen. Wo sind Sie?!": wollte er wissen.

    [Dreveni]
    "Wo deine Augen sind? WEG! Du hast sie verloren! Und zwar da hinten!", wobei sie in eine ganz andere Richtung zeigte, als dort, wo die Figur tatsächlich lag. Dreveni platzte der Kragen, und es fehlte nicht viel, da hätte sie es an dem Heiler ausgelassen. Mit dem letzten Rest Beherrschung wandte sie sich ab und ging mit schnellen Schritten zu der Stelle, an der die Statue im Gras lag und kniete sich vor die Figur. Sie nahm ihr Schwert mit dem Knauf nach vorn an der Parierstange und der Fehlschärfe und begann mit damit auf die rotleuchtenden Augen der Statue einzuschlagen. Diese lag so in einer Kuhle, dass sie sich kaum bewegte, und es dauerte nicht lange, da splitterte der erste der Steine, und schließlich der zweite. Sie wunderte sich noch dass es so leicht ging, da sie gedacht hatte, dem Stein ohnehin nichts anhaben zu können, andererseits legte sie auch alle Kraft der Wut und des Schmerzes in ihre Hiebe. Außerdem war das Vulkanglas wirklich erstaunlich hart, auch wenn sie meinte, ein paar Splitter abplatzen zu spüren. Es geschah nicht oft, aber sie war gerade wirklich kurz davor, komplett die Beherrschung zu verlieren und auf alles einzuschlagen, was sie in diesen Zustand versetzt hatte, namentlich diese Statue und Tirian. Tirian. Kaum dachte sie an ihn, hörte sie auch schon seine panischen Schreie, als er auf sie zugestürzt kam...

    [Tirian]
    Sie ließ ihn los und wies in eine Richtung. Er lief sofort los, um seine verlorenen Augen zu suchen. Doch konnte er an der gewiesenen Stelle Nichts im Gras liegen sehen. Er schaute sich auch noch genauer um, aber entdeckte auch so Nichts. Stattdessen hämmerte plötzlich rhythmisch Schmerz durch seinen Schädel. Begleitet wurde er von Schlaggeräuschen im selben Takt. Er wandte sich der Assassine wieder zu. Sie schlug auf etwas ein. "Meine Augen!": entfuhr es ihm, als er die Statue erkannte. Das erste der Augen gab unter den brutalen Schlägen der Dunmer nach. "NEIN!!!!": brüllte Tirian in Panik seine Augen zu verlieren und blind zu sein. Doch noch bevor er sie erreichen konnte, zersprang auch das zweite Auge. Mit einer Pein, als hätte jemand ihm einen glühenden Speer in den Schädel getrieben, brach der Heiler schreiend und sich den Kopf mit beiden Händen haltend in die Knie. Die Qualen hielten einige Momente an um dann plötzlich zu verschwinden und nur noch sein gequältes Selbst zurückzulassen. Blinzelnd öffnete er die Augen und sah die monsterhafte Dreveni über sich knien, doch im nächsten Moment löste sich das Antlitz der daedrischen Bestie auf und er blickte wieder in das vertrauten Augen. Der Schleier des Traums lichtete sich vor seinen Augen. Der Träumer erwachte. "Dre... Dreveni?": sagte er und ein unendlich glückliches Lächeln zeigte sich in seinem Gesicht: "Ich habe... euch... endlich gefunden." Dann konnten allerdings nicht einmal mehr die brennenden Schmerzen in seiner Hand verhindern, dass er in Ohnmacht fiel.

    [Dreveni]
    Noch bevor Tirian sie erreichte, brach er schreiend in die Knie, die Hände vorm Gesicht. Zuerst wollte sie nicht zu ihm gehen, weniger aus Angst dass er wieder auf sie losgehen würde, sondern mehr deshalb, weil ihr immer noch danach war, irgendetwas oder irgendwen zu erschlagen. Als er aber dann still wurde, stand sie doch auf und beugte sich über ihn.
    Seine Worte klangen ganz danach, dass er endlich wieder bei Verstand war, aber gänzlich sicher war sie sich noch nicht, es klang immer noch irgendwie verwirrt. Bevor sie ihn aber fragen konnte, was das Ganze gewesen war, wurde er bewusstlos.
    "Wunderbar."
    Dreveni sah sich um, aber bis auf den Guar, der scheinbar verwundert in ihre Richtung blickte, konnte sie niemanden sehen. Das Geschrei, dass sie beide veranstaltet hatten, hatte offenbar niemanden angelockt. Sie sah wieder auf Tirian, der arg mitgenommen wirkte, und das nicht nur wegen der Klinge in seiner Hand. Sie überlegte kurz, das Stilett herauszuziehen, andererseits war ER hier der Heiler und sie wollte nicht dass er jetzt noch verblutete.
    Jetzt wo alles vorbei war, merkte sie den Schmerz in ihrer verbrannten Schulter um so mehr, und so blieb sie einfach neben Tirian sitzen und wartete, dass er wieder wach werden würde. Viel mehr blieb ihr ohnehin nicht übrig, außer nebenbei ihre Wunde mit dem kalten Glas ihres Schwertes zu kühlen, und davon abgesehen war sie selbst inzwischen auch ziemlich fertig.
    Geändert von Andromeda (02.09.2013 um 22:38 Uhr)

  20. #80

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer

    [Tirian]
    Übergangslos schlug Tirian die Augen auf. Er blickte in den sternenklaren Nachthimmel und sah das endlose Leuchten am Firmament über sich. Sein Kopf fühlte sich viel leichter an, als noch zuvor. Das seltsame Gefühl wie von Watte und der seltsame Schleier in seinen Gedanken waren verschwunden, dennoch blieb seine Erinnerung bruchstückhaft. Er versuchte sich daran zu erinnern, wie er hierher gelangt war, doch das letzte, dem er sich entsinnen konnte, war der Einbruch in das Schatzlager in der Festung, danach war alles... merkwürdig. Während er regungslos lag und weiter in den Himmel starrte, versuchte er die Bilder zu ordnen. Dort waren Aufnahmen eines Sprunges von der Mauer als auch einer mordenden Ilucaria und doch erschien ihm dies wie aus einem Traum zu stammen. Viel mehr noch verstörten ihn die Gedanken an eine ambivalente Dreveni mit dem normalen herb-schönen Dunmergesicht einerseits und andererseits der schrecklichen Fratze einer Dremore. Auch kehrte langsam die Memoria an die Träume der letzten Zeit wieder. Er zuckte dabei zusammen und schüttelte sich. Ein Monster sollte er sein. Er schloss für einen Moment die Augen. Eine Träne lief ihm bei den Gedanken an das Monster, das sein Vater vielleicht war, über die Wange. "Es steckt in mir": wiederholte er etwas aus dieser alptraumhaften Begegnung. Er fürchtete sich davor. "Mag das die Wahrheit sein?": er zweifelte und der Zweifel wurde ihm zur Qual. Was wenn er so wirklich sein sollte. Sein Talent galt der Zerstörungsmagie. Er war wie sein Vater dazu geschaffen zu töten und zu zerstören. Er dachte an den Dunmer zurück, dessen Gesicht er regelrecht weggebrannt hatte und erkannte die Parallele zu Tarrior, kaum weniger zimperlich mit Gegnern umsprang. Tirian ekelte sich vor sich selbst.

    Er ballte die Faust zusammen. Ein anderer Gedanke befiel ihn, als Schmerz seine Hand und seinen Arm durchzuckte. Er riskierte einen Blick zur Seite und sah das Stilett von Dreveni aus seiner Hand ragen. Sie war damit durchstochen. "Zerstörungsmagie": kam es ihm in den Sinn. "Oh nein. Dreveni!": dachte er panisch und setzte sich auf. Noch immer knirschte sein Verstand bei der Aufgabe Traum und Wirklichkeit der letzten Stunden zu rekonstruieren, in Verbindung zu setzen und zu ordnen, doch beim Anblick des Stiletts kamen ihm immer eindrücklichere Bilder hoch, wie er die Dunmer verletzt hatte. Er sah sich schnell nach ihr um. Seine Augen tasteten wild umher. Er hoffte inständig, dass er ihr Nichts angetan hatte. Das hätte er sich niemals verzeihen können. Sein Herz beruhigte sich jedoch, als er die Assassine im Dunkeln an den Baum gelehnt sitzen sah. Schnell ging er zu ihr hinüber. Es schien als wäre sie eingenickt. Er wollte sich vergewissern, dass es ihr gut ging, kniete neben ihr nieder und schaute sie an. "Dreveni, geht es euch gut?": fragte er zögernd.

    [Dreveni]
    Dreveni hatte sich in den letzten Stunden immer wieder vergewissert, dass Tirian noch lebte, ansonsten hatte sie nicht viel getan. An Schlaf war kaum zu denken, aber immerhin tat die Kühle der Nacht gut. Schließlich hörte sie, wie sich aus der Ecke in der der Heiler lag, etwas rührte. Sie hatte nicht wirklich geschlafen, aber immerhin war sie etwas zur Ruhe gekommen.
    "Dreveni, geht es euch gut?"
    Der Heiler klang zwar wieder normal, was aber nichts heißen mußte. Noch zu gut war ihr sein Gehabe von vorhin im Gedächtnis. Sie hob den Dolch, den sie inzwischen wieder eingesammelt hatte und der auf ihrem Schoß gelegen war, und hielt ihn Tirian entgegen.
    "Zwei Schritte zurück. Und dann habt ihr genau eine Chance mir klarzumachen, dass ihr wieder normal seid."
    Sie hatte sich in den letzten Stunden genau überlegt, wie es weitergehen sollte. Würde Tirian nicht mehr zu sich selbst zurückfinden, würde er ihr keine Wahl lassen. Ihn hier zurücklassen in diesem Zustand wäre grausam, und ihn weiterhin mitzunehmen, wäre zu gefährlich. Was sollte sie auch mit ihm tun? Zu einem Heiler bringen? Würde Dreveni selbst einmal dem Irrsinn so anheimfallen, würde sie sich jedenfalls wünschen, dass sie jemand erlösen würde.

    [Tirian]
    Überrascht von der Klinge, die sich plötzlich vor ihm befand, stolperte er zurück und fiel mit einem plumpen Ton auf den Boden. "Wieder normal?": sagte er und schluckte. Er überlegte fieberhaft was wirklich vorgefallen war und schüttelte dann den Kopf. Noch mochte sein Verstand den Schleier des Traums nicht ganz zerreißen. "Ich hatte gehofft, dass ihr mir erklären könntet, was passiert ist und wie wir hierher kommen. Ich kann mich nur noch an die Festung erinnern. Der Rest erscheint mir geradezu wie ein... Alptraum. Alles ist so seltsam unklar und vernebelt": gab er sich ahnungslos. Er hob seine Hand, in der immer noch brennend das Stilett steckte. "Ich hatte hiervon geträumt und ich dachte": er schluckte wieder und wich ihrem Blick aus: "ich hätte euch verletzt." Was war nur passiert. Tirian wollte es wissen. "Aber bitte nehmt den Dolch herunter": wer wusste schon, ob Dreveni nicht einfach auf ihn losgehen würde.

    [Dreveni]
    Die Dunmer war sich inzwischen fast sicher, dass Tirian - wenigstens im Moment - relativ normal war. Aber wer wußte schon wie lange das anhalten würde.
    "Ihr habt mich verletzt, aber ich denke wir sind quitt.", sagte sie und deutete auf Tirians Hand. Den Dolch senkte sie, hielt ihn aber immer noch in der Hand. "Und ich hoffe ihr wollt mir nicht ernsthaft weismachen, dass ihr nichts mehr wisst? Nichts von dieser dämlichen Statue? Euren... 'Augen'?" Sie beobachtete ihn lauernd, allerdings war es zu dunkel, um wirklich etwas in seinem Gesicht lesen zu können. "Ihr habt euch aufgeführt wie ein Irrer, und erst recht als ich sie euch wegnehmen wollte, und rumgeheult dass ihr kein Monster sein wollt.", fügte sie noch an. Dreveni war immer noch leicht angefressen ob der vergangenen Ereignisse, und es war ihr dabei egal ob Tirian etwas für sein Verhalten konnte oder nicht.

    [Tirian]
    Jede Aussage von Dreveni kam einem Hammerschlag gleich, der durch seinen Schädel dröhnte und das Getriebe, das sein Verstand war, wieder in Schwung brachte. Er hielt sich wieder den Kopf. "Nein... ich will euch garnichts weismachen": sagte er, während es in seinem Schädel dröhnte. "Augen!": das war das richtige Stichwort. "Meine letzte klare Erinnerung ist an dieses Schatzlager und eine seltsame Skulptur, besetzt mit roten Rubinen und dann wurde... allles... so merkwürdig. Ich sah euch, doch ihr wart nicht ihr und ich sah meinen Vater. Ihr beiden wart schrecklich entstellt, als wäret ihr zu Daedra mutiert. Es glich Träumen, die ich zuvor hatte, aber es schien so, so, so schrecklich real": versuchte er zu beschreiben, woran er sich noch erinnern konnte. Er konnte das Gesicht der Assassine im Dunkel nicht sehen und konnte nicht erkennen, wie sie seine Worte aufnahm. Sein Verstand arbeitete ruckend weiter. "Doch das Schlimmste, auch ich verwandelte mich in so eine Kreatur. Es war als würde ein Teil tief in mir, zu mir sprechen. Er meinte, dass mein wahres Ich ein Monstrum wäre": sprach er und wurde dabei immer leiser. Er packte im nächsten Moment das Stilett, das noch immer in seiner Hand steckte und zog es mit einem kräftigen Ruck heraus und steckte es dann in den Boden.

    Ein schwacher Heilzauber stillte nur die Blutung und beschleunigte das Nachwachsen des Fleisches, doch ganz heilen, wollte er sie nicht. "Und ich bin mir nicht sicher, ob die Stimme nicht Recht gehabt hat. Wenn es stimmt was ihr sagt, dann ist auch der Angriff auf euch wahr und war kein Traum. Ich hätte euch sonst etwas antun können. Es tut mir schrecklich leid": sagte er und schlug die Hände vor das Gesicht. Ihm war nach weinen zumute, doch es kamen keine Tränen.

    [Dreveni]
    Dreveni sah Tirian skeptisch und leicht abweisend an, während sie ihm zuhörte. Als er ihr frisch geschliffenes Stilett einfach in den Boden rammte ohne Rücksicht auf eventuelle Steine, kam außerdem noch ein missbilligender Ausdruck in ihren Augen dazu.
    "Bei den Neun.", murmelte sie genervt, als er fertig war und wieder den Eindruck machte, als würde er gleich anfangen zu weinen. "Ja, ihr hättet mich mit Sicherheit getötet, hätte ich euch die Gelegenheit gegeben, und das nur weil ich euch diese dämliche Statue wegnehmen wollte. Ich euch übrigens auch fast.", sagte sie schließlich kühl. "Und man kann sich sicherlich streiten, ob der Begriff 'Monstrum' so passend ist, aber ja, ihr habt definitiv das Potential zu töten. Wie übrigens fast jeder, es ist nur eine Frage der richtigen... Motivation." Langsam reichte es ihr. Sie griff nach ihrem Stilett und schob es wieder in die Halterung an ihrem linken Arm, nachdem sie es an ihrem Kleid, dass sie immer noch trug, abgewischt hatte. Dabei keuchte sie kurz vor Schmerz als die Reste des Stoffes an der Brandwunde rieben. "Und im Austeilen von Schockzaubern seid ihr ohnehin nicht schlecht. Hört endlich auf herumzuheulen und akzeptiert was ihr seid, und zwar alle Teile davon." Inzwischen war sie aufgestanden und streckte sich vorsichtig, den Dolch immer noch in der Hand haltend.. "Was ist das überhaupt für eine Statue? Hattet ihr solche Aussetzer schon mal?" Ihre Stimme klang nach wie vor abweisend, was auch damit zu tun hatte, dass sie noch immer nicht sicher war, dass Tirian nicht im nächsten Moment wieder auf sie losgehen würde.

    [Tirian]
    "Natürlich hat man das Potenzial zu töten. Doch es ist schändlich wenn sich Leidenschaft in Blutrausch verwandelt. Man tötet nicht mehr der Notwendigkeiten wegen, sondern für das Töten an sich. In einem Zustand, in einer Situation in der man in der Lage sein könnte, über das Lebens eines anderen zu verfügen, die Kontrolle über sich zu verlieren ist Verachtung. Man verachtet das Leben des Anderen und gibt sich damit völlig ignorant dem Rausch hin zum Schaden des Anderen": widersprach er der Assassine. Eine Erinnerung kam ihm hoch. Wieder schüttelte er sich angewidert vor sich selbst. In diesem Moment hörte er das Keuchen seiner Begleiterin. Ihre Hand wollte kurz zu ihrer Schulter hochfahren, doch unterließ sie es. Sie redete, doch er fixierte sich auf ihre offenkundige Verletzung. "Lasst mich das bitte anschauen und behandeln": sagte er. Er wollte seinen Aussetzer zumindest an ihr wieder gut machen, auch wenn das nur eine schwache Entschuldigung war. "Schockzauber, ja. Wäre es nach meiner Mutter gegangen, wäre ich ein Kampfmagier geworden und hätte mich vielleicht den Ordinatoren angeschlossen": sagte er. Sein Blick zeigte, dass er nicht gerne daran zurückdachte. Allerdings war er womöglich doch nur ein Werkzeug, das zum Töten geschaffen war.

    [Dreveni]
    Was kümmern mich schon die Anderen?, wollte Dreveni dem Heiler erst Reflexhaft antworten. Sie selbst hatte nie bestritten, dass man gewisse Charakterzüge brauchte, um zum bezahlten Meuchelmörder zu werden. Natürlich ging es um Macht, sicher auch um Rausch, wenn auch nicht gerade um Kontrollverlust. Es war eher das Gegenteil für sie, sie hatte in diesen Momenten nicht nur ihr eigenes Leben unter Kontrolle, sondern auch noch das ihres Opfers.
    Mein eigenes Leben? Sicher?, hörte sie eine Stimme in ihren Gedanken. Sie schüttelte unmerklich den Kopf und sah den Heiler mit kalten Augen an. Inzwischen waren die beiden Monde durch die Wolken gebrochen und tauchten die Landschaft in geisterhaftes Licht, in dem sie nun immerhin wieder Tirians Gesicht erkennen konnte. Da wurde ihr auch bewußt, dass er wohl immer noch auf eine - wie auch immer geartete - Antwort von ihr wartete. Wieso schockierte es ihn nur so, dass er nicht nur gute Seiten hatte? Für Dreveni war das nun wirklich nichts neues, seit ihrer Kindheit hatte sie unter Elfen und Menschen gelebt, für die das Morden tägliches Geschäft war. Natürlich hatte sie einen gewissen Respekt und einen Berufsethos von Mordan vermittelt bekommen, und sie hatte sich im Griff, im Gegensatz zu dem Dunmer vor ihr, der dauernd zwischen Selbstvorwürfen und Blutrausch schwankte. Würde er nur akzeptieren, wie er nun einmal war, dann...
    Was wäre aus ihr selbst geworden, wäre sie nicht von Mordan aufgezogen worden? Wäre sie dann ebenfalls so innerlich zerissen wie Tirian? Sie wischte diese Gedanken mit einer ärgerlichen Geste ihrer rechten Hand beiseite und sagte schließlich gedehnt:
    "Kampfmagier.", während sie immer noch nach Worten suchte. "Vielleicht wäre das nicht einmal so verkehrt gewesen. Dann hättet ihr vielleicht eure 'dunkle' Seite akzeptiert und gelernt, sie zu beherrschen. Ich sagte doch schon, ihr könnt nicht gewinnen. Ihr seid wie ihr seid." Sie versuchte den Blick seiner Augen einzufangen, während sie sprach, und meinte dass sie sogar im fahlen Mondlicht deren glutrote Farbe sehen konnte. Widerstrebend mußte sie sich eingestehen dass es mit ihrem Plan, sämtliche Gefühle die sie vielleicht für ihn hegte zu verdrängen, nichts wurde, je mehr sie sah, wie gefährlich er werden konnte. Etwas dass sie auch schon bei Feryn so angezogen hatte...
    Nein.
    "Meinetwegen schaut es euch an, so kann ich ohnehin nicht kämpfen, und hier rennen Daedra durch die Gegend.", antwortete sie auf seine Bitte, ihre Verletzung behandeln zu dürfen. "Aber vorsichtig. Mit der Rechten bin ich vermutlich immer noch schneller als ihr. Und ihr habt meine Frage nach der Statue noch nicht beantwortet."

    [Tirian]
    "Meinetwegen schaut es euch an, so kann ich ohnehin nicht kämpfen, und hier rennen Daedra durch die Gegend": gestattete Dreveni die Behandlung. Er bat sie den Arm frei zu machen und setzte dann ein ernstes Gesicht auf, als er im aufkommenden Mondlicht einen Blick auf die Wunde warf. Die Haut war von seinem Blitz ziemlich verschmort worden. Es brachte Nichts die Wunde vorzubehandeln. Hier half nur pure Magie, alles andere war vergeudete Zeit. Er hob seine Hände an, sodass sich die beiden Handflächen leicht gekrümmt gegenüber lagen. "Ich hatte sie lange Zeit akzeptiert. Etwas zu kontrollieren heißt, sich auch im Klaren darüber zu sein, was man kontrolliert. Niemand es nur gut, ich sagte es schon. Das Gute in uns ist daher zu einem Großteil die Fähigkeit unsere dunkle Seite zu kontrollieren. Wir mögen ihr manchmal erliegen, aber sie darf uns nicht bestimmen. Und wenn ich ehrlich bin, ist wohl das... Wenn ich an diese Träume denke... Mich schreckt die Vorstellung das es nicht Ein Teil von mir, sondern Der Teil ist. Das ich nicht gut sein kann, weil ich die dunkle Seite gar nicht kontrolliere, sondern dass alles was ich vermeintlich Gutes tue nur eine Fassade ist, hinter der ich mich verstecke": erklärte er und versuchte eigentlich seine Träume und Gefühle mehr selbst zu verstehen, als dass er sie der Assassine begreiflich machen wollte. Sein Blick glitt einen Moment hinauf zu den Sternen, wurde jedoch schnell wieder von seinem Zauber gefangen.

    Langsam bildeten sich Energiefäden zwischen den Fingern, die sich immer schnellen zu drehen begannen. Die einzelnen Fäden flossen in die Breite und langsam bildete sich eine leicht blau-leuchtende Sphäre in seinen Händen, eine Kugel rotierender Heilmagie. "Wisst ihr. Als Kind zeigte sich die Zerstörungsmagie bei mir besonders stark ausgeprägt. Ich war wie dazu geschaffen mit einer kombinierten Ausbildung aus Kampfzauber und Klinge in den Kampfmagier-Verbänden Morrowinds zu dienen. Zumindest dachte meine Mutter das. Sie schickte mich zur Ausbildung an die Akademie und ich war gut darin und ich mochte sehr was ich tat. Ich liebte es im Trainingskampf einen Gegner nach dem anderen zu besiegen. Ich war einer der besten Novizen meiner Gruppe. Schaffte ich es nicht mit dem Schwert, dann schaffte ich es mit der Magie. Es war ein erhebendes Gefühl über den eigenen Trainingspartner zu triumphieren. Und doch...": er brach ab und schloss für einen Moment die Augen. Vor seinem Geist blitzten Bilder eines Dunmer-Jungen mit schmerzverzerrtem Gesicht auf. Ein hoher Schrei gellte in seinen Ohren nach. Er schüttelte den Kopf. Der Zauber brach kurz ab. Er schaffte es geradeso die Sphäre intakt zu halten und weiter aufzuladen.

    [Dreveni]
    Dreveni hörte Tirian schweigend zu, wobei sie immer wieder einen skeptischen Blick auf seine Hände warf. Solange sie nicht genau wußte, was ihn vorhin in diesen Zustand versetzt hatte, traute sie ihm in dieser Richtung einfach nicht. Vermutlich war es die Statue gewesen, aber ganz sicher konnte sie sich noch nicht sein.
    Nach Tirians Logik müsste sie das personifizierte Gute sein, schaffte sie es doch so gut wie immer, ihre dunkle Seite zu beherrschen, jedenfalls das, was sie selbst dafür hielt. Immerhin zog sie nicht durchs Land und tötete wahllos, auch nicht im Affekt. Tatsächlich hatte sie sich was das anging, ziemlich gut im Griff.
    Sie wollte ihm gerade ihre Überlegungen mitteilen, da fing er an über seine Ausbildung zum Kampfmagier zu erzählen. Es steckte also doch mehr in dem jungen Heiler als man auf Anhieb sehen konnte.
    "Und doch?", fragte Dreveni leise und fast sanft nach, als er nicht weitersprach. Sie hatte sein Gesicht, dass dem ihren gerade ziemlich nahe war, genau beobachtet, und für einen kurzen Moment hatte sich die Weichheit seiner Züge verloren, als er die Augen geschlossen hatte.
    "Ihr habt die Ausbildung nicht beendet, oder?"
    Sie musterte den Heiler weiterhin mit einem jener Blicke, von denen der Kaiserliche in Skingrad einmal gemeint hatte, man wüßte nie ob sie einem im nächsten Moment um den Hals fallen oder den Dolch ins Herz rammen würde.

    [Tirian]
    "Ja, ich habe sie nicht beendet. Ich... habe sie hingeworfen": sagte er knapp und konzentrierte sich wieder auf die Heilsphäre. Inzwischen war das Rotieren nicht mehr zu sehen. Die Energie bewegte sich so schnell, dass nur noch eine glatte Oberfläche für das Auge zu sehen war. "Perfekt": überlegte er. "Achtung. Das wird jetzt etwas ziehen, aber sonst nicht weh tun": warnte Tirian die Assassine vor. Er rückte die Handflächen nun oberhalb der Kugel zusammen und drückte sie langsam nach vorne. Sie drang mühelos durch Drevenis Schulter hindurch. Die Magie durchfloss Haut und Gewebe. Tirian konnte im blauen Licht seines Zaubers sehen, wie das versehrte Fleisch sich selbst von der schweren Brandwunde in Windeseile erholte. Er wurde nachdenklich. Erinnerungen kamen ihm wieder hoch bei diesem Anblick.

    "Wisst ihr. In den Gruppen waren wir damals mehrere Leute. Man kannte sich, stammte vielleicht sogar aus befreundeten Familien und war nicht selten auch selbst befreundet, aber man war sich natürlich auch in Rivalität zugetan. Mein bester Freund, Sero, war auch in unseren Novizengruppe. Er war nicht so gut wie ich mit der Zerstörungsmagie aber konnte es mit der Klinge mit mir aufnehmen. Heute mögen meine Schwertkünste nicht viel hermachen, aber unter den Novizen war ich auf unserem Trainingsniveau einer der Begabtesten. An jenem Tag trainierten wir Novizen in Zweikämpfen gegeneinander unsere Fähigkeiten mit dem Schwert. Mein letzter Gegner sollte Sero sein. Zuvor hatte ich bereits drei andere Gegner nieder gerungen. Von ihren Fähigkeiten her, sehr begabte Novizen, eine Herausforderung aber kein Problem. Ich fühlte mich geradezu als Tagessieger und so ging ich auch ins Gefecht mit meinem besten Freund. Wir umkreisten uns, arbeiteten die Grundtechniken an einander ab, prüften unser Kampfverhalten auf Lücken und Fehler, die wir nutzen konnten und gingen dann schnell aufeinander los": begann Tirian noch zu erzählen, während sich die Blitzwunde regenerierte.

    Nach einer kurzen Atempause fuhrt er fort: "Unsere Waffen klirrten, wir drückten und warfen uns gegeneinander, versuchten die Klinge des Anderen beiseite zu schlagen, um eine Lücke für den finalen angesetzten Streich oder Stich zu öffnen und unseren Gegner zur Kapitulation zu zwingen. Ich geriet immer mehr in die Defensive. Meine Kräfte ließen nach. Ich konnte nur noch abwehren nicht mehr angreifen. Dann machte ich einen Fehler, war zu langsam. Er konnte mein Schwert mit seinem eigenen zur Seite schieben und verpasste mir einen Schlag in den Magen. Eigentlich war ich in dem Moment erledigt, doch ich wollte gewinnen und das um jeden Preis. Ich hatte mit meinen Gegnern zuvor den Boden gewischt und wollte schon gar nicht meinem besten Freund unterliegen. Ich musste einfach gewinnen. Ich weis nicht mehr genau, wie es geschah. Ich kann mich nur noch an diese Wut und diesen Rausch erinnern. Der Sieg sollte mein sein. Ich merkte nur noch, wie sich die Magie in meiner Hand zusammenballte. Und gerade als sich die Spitze des Schwertes vor mir positionierte, brach die Hölle über Sero herein." Inzwischen beendete Tirian den Heilzauber. Im Mondlicht hob sich die regenerierte Haut hell gegen die dunklere Umgebene ab. Von der Wunde war nichts mehr zu sehen. "Als ich schwer atmend wieder zur Vernunft kam, stand ich über ihm. Ich... ich sehe noch heute dieses schmerzverzerrte Gesicht vor mir und die Augen...": Tirian schluckte: "voller Entsetzen. Und dieser unmenschliche, schrille Schrei... Ich hatte ihm mit einem Blitz die rechte Seite seines Oberkörpers völlig verbrannt. Von der Schulter quer über die Brust bis zum Hals und habe schließlich noch das Kinn gestreift. Der Blitz musste quer darüber gegangen sein. Ein Stück steiler und er wäre womöglich...": Tirian brach ab und schlug mit der Faust auf den Erdboden.

    [Dreveni]
    Sie hatte ihm schweigend zugehört, während er ihre Schulter behandelt und erzählt hatte. Sie hatte schon halb befürchtet, er hätte seinen Trainingspartner ins Jenseits befördert, aber er hatte ihn anscheinend nur verletzt.
    "Ihr seid also weggelaufen. Vor dem was ihr getan habt und vor dem zu was ihr fähig seid. Ihr seid Heiler geworden in der Hoffnung, nicht mehr mit Situationen konfrontiert zu werden, in denen ihr die Kontrolle verlieren könntet. Ihr kontrolliert nichts, ihr lauft davon. Ist es nicht so?", fragte sie schließlich, mit leichter Kälte in der Stimme und doch ohne jeden Vorwurf. Während sie das sagte, formte sich in ihrem Kopf der Ansatz einer Erkenntnis. Tat sie nicht gerade das selbe? Warum lief sie hier durch Morrowind, auf einer Mission die eindeutig Söldnerarbeit war, wenn nicht um vor dem zu fliehen was sie zuhause in Cyrodiil getan hatte? Tatsächlich entkam sie hier den Gedanken daran, und somit auch dem Zwang zu akzeptieren was nicht mehr zu ändern war, aber nur weil sie hier fast ständig abgelenkt war.
    Kurz kam ihr in den Sinn, ob sie nicht einfach Angst davor hatte, wie alles über sie hereinbrechen würde, wenn sie nicht mehr abgelenkt war. Und diese Tatsache machte ihr ebenfalls Angst. Und wenn sie bisher etwas kaum gekannt hatte, dann Furcht oder Angst. Vorsicht, ja, aber sie hatte schon viel zu früh gelernt, dass Angst einen verletzlich machte und einem das Genick brechen konnte. Sie wollte aber diese Verletzlichkeit, die sich auch kurz in ihrem Gesicht zeigte, nicht fühlen, und so konzentrierte sie sich wieder auf Tirian: "Sero hat überlebt? Habt ihr noch einmal mit ihm gesprochen?"

    [Tirian]
    Tirian holte Luft. Es fiel schwer sich zu erinnern und es tat weh. "Ich stand daneben als sie ihn wegtrugen. Ich konnte in dem Moment kaum begreifen, was ich und vielmehr warum ich es getan hatte. Ich hatte meinen besten Freund schwer verletzt, nur weil ich unbedingt gewinnen wollte. Geradezu wie in Trance folgte ich unserem Ausbilder und den Männern, die Sero wegtrugen. Meine erste Sorge galt, und das macht mich auch heute noch fassungslos, nicht Sero selbst sondern vielmehr der Frage, ob sie mich von der Akademie werfen würden": erzählte er und schüttelte dabei über sich selbst den Kopf. Nach einer kurzen Pause fuhr er fort und scharrte dabei mit seinem Finger etwas im Erdboden: "Fremdländer witzeln ja häufig darüber, dass es in Morrowind alle 200 Meter einen Tempel geben würde. In diesem Moment war ich froh, dass einer der Akademie benachbart war. Der Priester war schnell zur Stelle. Sie hatten Sero inzwischen auf einem Steintisch aufgebahrt, als dieser alte Mann in der blauen Robe mit den gold-gelben Spruchbändern hinzutrat. Er richtete zwar zuvor ein schnelles Gebet an die Almsivi aber tatsächlich war es wohl die Magie die Sero rettete. Er legte seine Hand auf und ein intensives, blaues Leuchten hüllte den ganzen Raum ein. Ich trat interessiert näher und sah geradezu mit Erstaunen, wie sich die Wunden einfach wie von Geisterhand schlossen. Allerdings kostete es den alten Mann sehr viel Kraft. Er konnte die Wunden schließen aber nicht völlig verheilen lassen. Es bliebe noch einige fiese Brandnarben zurück. Sero hatte inzwischen aufgehört zu brüllen und schlief. Die anderen verließen den Raum. Ich blieb noch einen Moment an seiner Seite und dann..." Tirian stoppte. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. Dreveni sah ihn fragend an. "Ich rannte dem Priester nach": erinnerte sich der Dunmer.

    "Er sollte mir erklären, was er darin gerade gemacht hatte. Er erzählte mir von den Künsten der Heilmagie und der Berufung eines Heilers. Ich dachte an das, was er mit Sero gemacht hatte. Er erzählte mir von der Verantwortung als letzte Barrikade zwischen Leben und Tod zu stehen. Wenn dem Körper seine eigenen Kräfte nicht mehr halfen, waren die Heiler das letzte Hindernis für den herannahenden Tod im Ernstfall. Ansonsten linderten sie das Ungemach ihrer Mitmenschen oder -elfen. 'Dein Freund', sagte er, 'hat wie du den Weg des Kriegers gewählt. Auch wenn es wie ein Kampf gegen Windmühlen erscheint, ist es auch unsere Aufgabe, den Leuten, die selbst den Tod bringen, zu helfen, denn auch sie sind Kinder des Lebens. Wir beenden keine Kriege und bezwingen nicht Tod und Verfall, wir sind hier um im Namen des Lebens die Auswirkungen zu lindern.' Ich glaube es war jener Moment in dem ich begriff, wie sinnlos der Kampf und das Töten eigentlich sind. Sicher ist es nötig sich verteidigen zu können, wenn man angegriffen wird und auch zu töten, wenn es so nötig ist. Aber wie viele Tode werden aus niederen Gründen vollstreckt, wie viele Kriege wegen Nichtigkeiten vom Zaun gebrochen?": berichtete Tirian.

    Der Heiler richtete seinen Blick wieder zum Himmel. "Ihr habt gefragt, ob ich noch einmal mit Sero gesprochen habe. Ja, das habe ich. Er kam zwei Tage später wieder zu sich, solange hatte er gebraucht, um sich zu erholen. Ich hatte jede freie Minute an seinem Bett in der Akademie verbracht, war allerdings nicht zugegen, als er aufwachte. Ich hatte Kehrdienst in den Schlafsälen. Ich wurde aber bald hinzugerufen. Sero hatte, nachdem man ihn noch einmal untersucht und ihm etwas zu Essen gebracht hatte, nach mir gefragt. Schließlich waren wir dann auch allein im Schlafsaal. Wir saßen eine ganze Weile schweigend nebeneinander. Ich war wohl der Erste der sprach, "Es tut mir leid, Sero, ich wollte das nicht, ich...' Er allerdings winkte ab. 'Ist schon gut, Tiri, du wolltest mich bestimmt nicht so schwer treffen', meinte er. Ich war beruhigt. Schließlich war Sero immer noch mein Freund. Allerdings waren es seine nächsten Worte, die mich mitten ins Herz trafen. 'Wir sind nun einmal Kämpfer, Tiri, und du wolltest gewinnen. Ich hätte in einer ähnlichen Situation wohl das Gleiche getan. Wäre es ein richtiger Kampf gewesen, hättest du auch nicht zögern dürfen', sagte er mit einem verständnisvollen Lächeln. Er meinte es aufmunternd, aber ich musste an die Worte des Priesters denken. Kämpfen, Verletzten, Töten und das nur für einen Sieg. Und den Gegner betrifft dies ebenso. Und die Heiler versuchten ihr möglichstes, um den Leuten zu helfen, Verletzungen zu kurieren und sie vor dem Tode zu retten, nur dass sie wieder in den Kampf ziehen konnten. Ein Kreislauf, nur das der Kampf an sich noch unsinniger war, denn die Heiler versuchten in ihrer Funktion zumindest das Leben zu schützen. 'Danke, Sero. Ruh dich bitte aus. Ich muss weg', sagte ich ihm und ließ ihn dann allein": erzählte Tirian von dem Gespräch mit seinem Freund.

    Er wurde nachdenklich. "Es war, denke ich, dieser Moment, in dem ich beschloss Heiler zu werden. Nicht um wegzurennen, sondern weil das Kämpfen als Selbstzweck für mich seinen Sinn verloren hatte. Ich dachte daran, wie der Priester Sero gerettet hatte. Wie sich die Wunden, die ich geschlagen hatte, unter der heilenden Hand des altes Mannes einfach schlossen und das es ihm zu verdanken war, dass ein Leben, das Leben meines besten Freundes gerettet war. Ich beschloss den Leuten ebenso helfen zu wollen. Nicht, um etwas gut zu machen oder meine Tat zu verleugnen. Nein, ich wollte es tun. Ich wollte meinem Leben einen Sinn geben, einen Sinn den ich bei den Kampfmagiern nicht mehr finden würde. Ich verließ die Akademie nur wenige Tage später und trat dem Tempel als Adept bei. Und mit der Zeit wusste ich, dass es genau das ist, was ich immer werden wollte, auch als ich den Tempel verließ und meine Ausbildung auf eigene Faust fortsetzte, war mir klar, dass ich ein Heiler sein sollte": sagte Tirian und wirkte plötzlich seltsam glücklich. "Was ich sein sollte": er wiederholte seine Worte noch einmal andächtig.

    [Dreveni]
    "Sero hatte Recht.", antwortete die Dunmer. "Vielleicht ist die ganze Übung ...etwas... aus dem Ruder gelaufen, aber prinzipiell hatte er Recht. Man darf keine Gnade walten lassen, und auch ich bin euch nicht böse, immerhin war das ein fairer Kampf vorhin.", wobei sie leicht schief lächelte. "Für euch wäre es übrigens auch um ein Haar weniger glimpflich ausgegangen, meine Klinge war mehr als ein Mal an eurem Hals."
    Sie sah kurz überlegend an Tirian vorbei, bevor sie weitersprach: "Man kann sich viele Dinge überlegen, die man sein sollte. Beeinflussen kann man es letzten Endes doch nicht. Irgendetwas holt einen ein, oder man tut etwas, mit dem man nicht so zurecht kommt, wie man sollte."
    Sie sah den Heiler noch einmal kurz an und schüttelte ärgerlich den Kopf, als hätte sie viel zu viel gesagt. "Wir sollten weiter gehen."

    [Tirian]
    Tirian nickte. Das war es vielleicht. Er hatte sich entschieden Heiler zu sein. Und er spürte jetzt wieder instinktiv, wie vor Jahren zuletzt, dass er das auch sein sollte. Die Erinnerungen waren schmerzlich, doch sie zeigten ihm zugleich auch wieder, warum er Heiler geworden war. Er mochte von Tarrior die Zerstörungsmagie geerbt haben und er mochte sein Sohn sein, auch mochte er hier mit einer Assassinin durch Vvardenfell ziehen, die er tatsächlich auf gewisse Weise mochte und doch hatte er sich zum Guten entschieden. Er hatte wie jeder Mer oder Mensch seine dunklen Seiten, doch wusste er jetzt wieder, dass sie ihn nicht kontrollieren würden, wenn er sich daran erinnerte, was er für sein Leben eigentlich entschieden hatte. Er wollte ein Heiler sein und er war sich sicher, dass es auch das war, was er sein sollte. Es fühlte sich einfach nur richtig an. "Danke, Dreveni": sagte der Heiler und lächelte erst ihr und dann dem Mond entgegen. "Ich bin Tirian Morvayn, ein wandernder Heiler. Das ist das was ich bin. Alles andere ist nur ein Teil von mir": rief in er in Gedanken aus. "Ich bin Tirian Morvayn": vertraute er leise der Nacht an.
    Geändert von KingPaddy (10.09.2013 um 13:43 Uhr) Grund: Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer

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