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Thema: Die Erben der Häuser

  1. #41

    Weidenländer, Zainab-Lager, Amas Zelt

    [Tirian]
    Ama füllte ihm eine Schale mit dem Fleischtopf und gab ihm dazu noch ein großes Stück Fladenbrot. „Ich hoffe es schmeckt euch“: sagte sie lächelnd. Ihm gegenüber bevorzugte sie eindeutig ihr Dunmeri. Tirian nahm das Essen mit entgegen, nahm mit dem Löffel etwas auf und pustete, bis es eine angenehme Temperatur hatte. Er kostete es. Es schmeckte gut. Er begann sich den Fleischtopf hinein zu schaufeln. Es tat so gut den Magen zu füllen. Dazu biss er ab und an vom knusprigen Fladenbrot ab. „Ich hoffe es schmeckt euch“: sagte Ama und inzwischen fühlte sich Tirian auch wieder mehr in der Lage etwas zu sagen. „Ja, danke. Das tut wirklich gut“: bedankte er sich. Sie lächelte und reichte auch ihrem Mann eine Schüssel. „Ja man sieht euch an, dass ihr das gebraucht habt. Ihr habt heute schwer gekämpft. Da habt ihr euch das auch verdient“: meinte die Aschländerin. „Mehr als du denkst“: dachte der Heiler, der durch den Kommentar wieder an den Ashkhan denken musste. Er hoffte wirklich, dass sich Kaushad von dem magischen Angriff erholte. „Möchte eure Begleiterin eigentlich Nichts essen?“: riss ihn seine Gastgeberin zurück aus seinen Gedanken. Er schaute sich um. Erst jetzt fiel ihm auf, dass Lyviani gar nicht mit ins Zelt gekommen war.

    Ama bemerkte seinen suchenden Blick: „Sie ist noch draußen vor dem Zelt. Ich nahm an, sie wollte noch etwas die frische Abendluft genießen.“ Sein Blick wanderte zum Zelteingang. Die Dunmer drückte ihm eine weitere, volle Schale mit Essen in die Hand. „Vielleicht möchte sie lieber draußen essen. Nehmt ihr das doch bitte mit“: bat sie. Tirian nickte. Die Assassine hatte sicherlich auch Hunger. Er fragte sich gerade, warum die Frau nicht mit hinein gekommen war. Er zuckte mit den Schultern und erhob sich. „Und wenn ihr wieder hereinkommt, könnt ihr uns ja erzählen, was mit eurer Robe geschehen ist“: wies sie ihn noch auf etwas Anderes hin, an das er selbst gar nicht mehr gedacht hatte. Er besah sich seinen halb freiliegenden Oberkörper. Der Zauber der Axt hatte nicht nur die Robe sondern auch das Hemd darunter zersetzt. Er hatte diese Robe gemocht. Er würde eine Menge mehr Stoff brauchen, um sie zu reparieren. Ein Schneider musste bei der nächsten Gelegenheit heran. „Vielleicht“: sagte er und erwiderte das verschmitzte Lächeln der Aschländerin etwas missglückt.

    Er trat vor das Zelt und konnte die Dunmerin zunächst nicht sehen. Erst als seine Augen, die inzwischen an das Licht der Feuerstelle gewohnt waren, sich auf die Nacht umstellten, entdeckte er die Assassinin einige Schritte vor dem Eingang im Gras liegend. Er lief zu ihr hinüber und beugte sich schnell herunter. „Geht es euch gut?“: fragte er besorgt. Er suchte ihren Blick, um sich zu vergewissern, dass es ihr gut ging. Er beruhigte sich etwas, als sie ihn ansah.

    [Dreveni]
    Die Ruhe die Dreveni vor dem Zelt gesucht hatte, wurde jäh gestört, als Tirian ins Freie trat und sich über sie beugte. Das hatte ihr jetzt gerade noch gefehlt. Sie fühlte sich so überhaupt nicht in der Lage, ihm auch nur vorzumachen, dass alles in Ordnung war. Wenigstens war es so dunkel, dass er ihr Gesicht nicht genau erkennen konnte, hoffte sie jedenfalls.
    "Ja, es geht mir gut.", nuschelte sie, klang dabei allerdings wenig überzeugend. Sie setzte sich wieder aufrecht hin, was mit einem erneuten Schwindelanfall belohnt wurde, und legte ihren Kopf auf die angezogenen Knie.
    Geh einfach wieder ins Zelt. Bitte. Geh einfach.

    [Tirian]
    Lyviani sagte, dass mit ihr alles in Ordnung wäre, als sie sich aufsetzte. Sie erweckte ihm gegenüber jedoch nicht diesen Eindruck. Auch die Art wie sie sich hinsetzte, tat nicht unbedingt ein Übriges, um ihn davon zu überzeugen, dass es ihr wirklich gut ging. "Ama hat Essen für uns zubereitet. Ich habe euch etwas mitgebracht". sagte er und stellte die Schale mit dem Fleischtopf neben sie und brach ihr etwas von dem Fladenbrot ab. "Es schmeckt wirklich gut": sagte er. Tirian setzte sich neben sie und betrachtete sie einen Moment nachdenklich. Er erinnerte sich an ihre merkwürdig benommenen Bewegungen im Zelt des Khans. "Geht es euch wirklich gut? Wollt ihr reden?": fragte er nach einem kurzen Moment vorsichtig und aß wieder aus seiner Schale, die er mit nach draußen genommen hatte.

    [Dreveni]
    Geh mir bloß mit dem Essen weg., dachte sie nur, als er die Schüssel neben sie stellte. Auch tat er ihr nicht den Gefallen, einfach wieder zu gehen. Statt dessen setzte er sich neben sie und fragte weiter. Nein, es ging ihr nicht gut. Nicht nur dass ihr immer noch elendig seltsam war, sie fühlte sich auch nach wie vor so, als würde sie nach spätestens drei Worten in Tränen ausbrechen, wenn sie jetzt mit jemandem reden würde. Was war nur los mit ihr? Es war sonst nicht ihre Art, in Selbstmitleid zu versinken, aber gerade konnte sie einfach weder mit dem Erlebnis mit Kaushad gerade umgehen, noch mit Tirians besorgten Fragen, und auch das was in der Dwemerruine passiert war, war wieder in ihrem Kopf, als wäre es eben erst geschehen.
    "Es geht schon.", sagte sie schließlich, hob den Kopf und strich sich mit einer fahrigen Geste das Haar aus dem Gesicht, vermied es aber, Tirian anzusehen.
    "Da war nur irgendwas in dem Essen. Oder dem Tee. Ich.. Ich bin ja selber Schuld. Wäret ihr nicht ins Zelt gekommen und..."
    Scheiße.
    Schnell wischte sie die Tränen aus den Augen, ohne daran zu denken, dass es so erst recht auffiel.

    [Tirian]
    "Etwas im Essen!?": die Alarmglocken schrillten bei Tirian. Hatte der Ashkhan so etwas nötig? Allerdings würde es die fahrigen Bewegungen der Assassinin erklären. Da sie noch ansprechbar war, konnte es aber keine allzu starke Droge gewesen sein. Sie hatte wohl noch einmal Glück gehabt. Die Dunmer wischte sich durch das Gesicht. "Weinte sie?": fragte er sich überrascht. Mit so etwas hatte er beim besten Willen nicht gerechnet. Lyviani wirkte bisher auf ihn so stark und kalt. Er nahm ihre Schüssel und hielt sie ihr mit etwas Abstand vor das Gesicht. "In diesem Fall ist es besser, wenn ihr etwas zu euch nehmt, dass nicht mit irgendetwas versetzt ist. Soweit ich das beurteilen kann, hat Ama nicht vor uns zu vergiften, zumindest nicht, wenn sie nicht auch noch ihren Mann und sich selbst umbringen will. Etwas in den Magen zu bekommen, hilft eurem Körper die Wirkung dessen, was auch immer euch verabreicht hat, zu bekämpfen. Außerdem hilft es gegen die Übelkeit und bringt euch wieder zu Kräften": sagte er und bot ihr die Schale weiterhin an. "Und macht euch keine Vorwürfe. Wer konnte das schon ahnen? Ich war ja noch rechtzeitig zur Stelle": wollte Tirian sie beruhigen.

    [Dreveni]
    "Nehmt das bloß weg." Es war ihr egal, ob in diesem Essen auch etwas war oder nicht, sie konnte es gerade nicht einmal sehen, geschweige denn riechen. Und was wußte er schon, was sie sich für Vorwürfe machte. "Ich hätte es ahnen müssen.", sagte sie mit zittriger Stimme. "Er hätte euch fast umgebracht, weil ich nicht vorsichtig genug war. Und wenn ihr nichts mitbekommen hättet, und nicht dazwischen gegangen wäret, dann hätte ich vermutlich dieses Mal nicht soviel Glück gehabt wie in der Dwemer Rui.." Erschrocken hielt sie inne und sah Tirian an. Was tat sie hier eigentlich?

    [Tirian]
    Er nahm die Schale wieder herunter. Offenbar wollte sie wirklich nicht, obwohl es ihr danach sicherlich besser gehen würde. Sie gab sich selbst die Schuld für alles. Tirian wollte ihr widersprechen, da brach sie plötzlich von selbst ab. Er sah einen Schreck in ihrem Gesicht. "Dieses Mal? Dwemer-Ruine?": ging es ihm durch den Kopf. Etwas belastete sie, dass konnte man ihr ansehen. Sie schaute schon am Nachmittag so traurig. "Hatte etwas damit zutun?": fragte sich der Heiler. "Was ist euch in dieser Ruine zugestoßen?": wollte Tirian wissen und widerstand dem Gefühl Lyviani den Arm um die Schulter legen zu wollen.

    [Dreveni]
    Eigentlich hatte sie damit gerechnet, dass er ihr jetzt endlich recht geben würde. Sie hatte Mist gebaut, nicht nur dieses mal, und jetzt mußte sie auch mit den Folgen leben, wie sie es ihr ganzes Leben bisher gelernt hatte, und auch gut damit gefahren war. Aber von Tirian kam nichts dergleichen.
    "Nichts.", sagte sie, seufzte und sah wieder geradeaus. "Ein paar Leute der Mor.. ähm. Naja, wir wurden belauscht und es war ein dummer Zufall, jedenfalls schien ihnen die Ruine ein geeigneter Ort, um in Erfahrung zu bringen, was sie wissen wollten, ich ihnen aber nicht sagen konnte. Selbst wenn ich gewollt hätte. Die zwei, mit denen ich unterwegs war, kamen gerade noch rechtzeitig, bevor sie ihren Fragen noch etwas mehr.. Nachdruck verleihen konnten.", stammelte Dreveni vor sich hin. Sie wußte selbst nicht, warum sie Tirian das jetzt alles erzählte, und ihr jetzt schon wieder Tränen über das Gesicht liefen. Wieso konnte sie das nicht endlich vergessen?

    [Tirian]
    Er hörte Lyviani zu. Sie versuchte möglichst unbeteiligt zu klingen, doch es misslang ihr sichtbar. Es nahm sie offenbar mit. Tirian konnte aber mochte sich kaum vorstellen, was sie damit meinte, als sie davon sprach, dass "sie ihren Fragen noch etwas mehr.. Nachdruck verleihen" wollten. Er schüttelte den Kopf. Was musste man für eine Vorstellung von der Welt haben, um sich dann auch noch dafür die Schuld zu geben. "Ihr wart weder damals noch heute an irgendetwas Schuld. Ihr sagtet selbst, dass es damals Zufall war und auch heute konntet ihr nicht ahnen, was Kaushad von euch wollte. Ihr brauchtet Hilfe, weil euch das Schicksal übel mitgespielt hat und nicht weil ihr an selbst an irgendetwas Schuld gewesen wäret. Und es ehrt euch, dass ihr euch Gedanken wegen mir gemacht habt, aber ich habe mich nicht in Gefahr begeben euch zu retten, weil ich es musste, sondern weil ich es wollte.": sagte Tirian, der in Anbetracht ihrer Tränen nicht mehr an sich halten konnte und sie nun doch in den Arm nahm. "Ihr meintet, dass ihr euch lieber auf euch selbst verlasst. Doch es gibt Dinge, die ihr nicht kontrollieren könnt. Es ist dann gut Freunde zu haben, die einem helfen können, auch ohne das man von ihnen abhängig ist. Es ist keine Schande Hilfe anzunehmen, wenn man ihrer wirklich bedarf": fügte er noch an und schaute nachdenklich in den Nachthimmel. "Was würde wohl Tarrior darüber denken": überlegte er.

    [Dreveni]
    Schicksal? Was war daran Schicksal, wenn man alle Vorsicht in den Wind schoss - oder so unvorsichtige Bekannte hatte, die einfach mitten in der Taverne von Dingen sprachen, die nicht unbedingt in die Öffentlichkeit gehörten? Selbst wenn die Chance, von den Falschen belauscht zu werden, verschwindend gering war? Oder einfach völlig blauäugig der Einladung eines Mannes zu folgen, der sie mit Drogen und Wein abfüllte um sie zur Frau zu nehmen? Gerade wollte sie zu einer Erwiderung ansetzen, da wurde sie von Tirian auch noch in den Arm genommen. Erst war sie völlig verblüfft und wie versteinert, ihr nächster Reflex wäre gewesen, seinen Arm wegzustoßen, aber dafür fehlte ihr gerade die Kraft und der Wille. Wann war sie das letzte Mal von jemanden in den Arm genommen worden? Einfach so, nur weil es ihr gerade nicht gut ging? Es war nicht so, dass Mordan sie früher nicht getröstet hätte, aber er hatte dabei auch darauf geachtet, dass sie aus ihren Fehlern lernte und es ihr auch gesagt, und eben nicht alles vom Schicksal abhängig machte, wenn sie am Leben bleiben wollte.
    Er hatte ihr inzwischen allen Wind aus den Segeln genommen, außerdem war sie inzwischen einfach zu erschöpft, um ihm noch groß zu widersprechen. Sie lehnte einfach nur ihren Kopf an seine Schulter und bemühte sich aufzuhören zu weinen. Als sie die Wärme spürte, die von ihm ausging, merkte sie erst, wie kühl es inzwischen hier draußen geworden war.

    [Tirian]
    Tirian behielt sie im Arm. Sie weinte. Er blieb einfach still sitzen und versuchte ihr etwas Halt zu geben. Mit der Zeit spürte er ein leichtes Zittern, das von Lyviani ausging. Jetzt fühlte er auch die kühle Nachtluft, die über seinen halbnackten Oberkörper strich. Es fröstelte ihn leicht, auch wenn die Wärme, die der Körper der Assassine verströmte, dem entgegen hielt. Es war eine seltsam gedankenleere Situation. Die Strapazen des Tages waren für ihn vergessen und das Entsetzen über seine Raserei sank an den Rand des greifbaren Bewusstseins, wo es ihn in Ruhe ließ, wenn er nicht direkt darüber nachdachte und das tat er im Moment nicht. In diesem Sinn gab ihm auch seine Begleiterin Halt. Er konnte an ihr festhalten und seinen Verstand mit einem Dauerblick in den Nachthimmel leeren. Doch inzwischen wurde auch ihm die Kälte zuviel. Er erhob sich und zog Lyviani mit sich nach oben. Schweigend ging er mit ihr zum Zelt hinüber und bettete sie auf ein Nachtlager, das Ama bereits für sie vorbereitet hatte. Die Aschländerin sagte kein Wort, auch nicht als Tirian noch einmal nach draußen ging, um das zersetzte Hemd und die Robe abzulegen und sich zumindest ein neues Hemd aus seinem Gepäck zu nehmen und die Schüssel mit dem nur noch lauwarmen Fleischtopf mit hereinzunehmen. Er aß pflichtschuldig noch den Rest auf und legte sich neben Lyviani auf das Bettzeug und zog sich die schwere Decke über den Kopf. Auch die geflüsterten Gespräche von Ama und ihrem Mann verstummten irgendwann, ebenso wie das Feuer mit der Zeit immer schwächer wurde. Noch lange bevor es wirklich erlosch, schlief der Heiler auch schon ein.

  2. #42

    Weidenländer, Zainab Lager, Amas Zelt

    Dreveni merkte kaum noch, wie sie von Tirian ins Zelt geführt wurde, und kaum lag sie auf dem Lager, schlief sie auch schon ein. Ihr Schlaf war tief und traumlos, und es kam ihr nicht lange vor, als sie wieder aufwachte, aber durch die geschlossenen Lieder schon das Dämmerlicht des Morgens im Zelt wahrnahm. Sie schlug blinzelnd die Augen auf und ihr Blick fiel auf die jetzt erloschene Feuerstelle. Da dämmerte ihr auch langsam wieder, was gestern Abend alles passiert war. Verflucht.
    Der Rest im Zelt schien noch zu schlafen, und so blieb sie ebenfalls liegen, während sie versuchte, sich möglichst viel des gestrigen Abends in Erinnerung zu rufen. Sie hatte nicht wirklich Tirian etwas vorgeheu...
    Verdammter Mist!, durchfuhr es sie eiskalt. Hatte sie ihr Schwert gestern mit ins Zelt genommen? Nein. Verflucht sein die Neun.
    Sie drehte sich auf den Rücken, um aufzustehen, da stieß sie an den schlafenden Tirian, der verdächtig nahe bei ihr lag. Zu nahe, was ihr den nächsten Schock versetzte. Was war gestern noch alles...? Nein. Nein? Bitte nicht.
    Inzwischen war sie vollends wach und sprang hektisch auf, nicht ohne sich dabei in die Decke zu wickeln und fast das Gleichgewicht zu verlieren. Sie fing sich gerade noch, hoffte dabei niemanden aufgeweckt zu haben und stellte gleichzeitig fest, dass sie fiese Kopfschmerzen hatte. Immerhin war sie noch vollständig angezogen.
    Schnell verließ sie das Zelt, bevor sie doch noch über etwas stolpern und alle aufwecken würde. Draußen blieb sie kurz stehen und blinzelte in den Sonnenaufgang. Als sie ihren Blick schweifen ließ, sah sie den Griff des Schwertes im Morgenlicht blitzen und atmete erleichtert auf.
    Sie schlang sich den Gurt um die Hüften und ging dann zu ihrem Guar. Das Tier schnaubte als es Dreveni erblickte und sie tätschelte ihm den breiten Schädel. Dann suchte sie ihren Kamm, kämmte sich und schlang die Haare im Nacken zu einem tiefen Knoten. Danach schüttete sie sich etwas Wasser aus ihrem Trinkschlauch ins Gesicht, inzwischen hatten auch ihre Kopfschmerzen etwas nachgelassen. Sie waren immer noch fies, würden sie aber nicht weiter behindern.

    Es war noch ziemlich früh und so saß sie mit geschlossenen Augen noch eine Weile bei dem Guar und versuchte noch einmal den gestrigen Abend zu rekapitulieren. An sich fehlte ihr nichts und sie schien sich noch an alles zu erinnern. Nun ja, sie würde das Gespräch nicht mehr darauf lenken und hoffte dass Tirian es ebenfalls nicht tat. Da fiel ihr wieder ein wie er Kaushad gewürgt hatte. Das hatte sie gestern schon erstaunt, wäre sie nicht dazwischen wäre der Ashkhan wohl ein toter Mann. Was er sowieso war, sollte er ihr jemals alleine begegnen.

    Langsam ging sie wieder ins Zelt, in dem inzwischen die anderen erwacht waren. Ama wärmte das Essen von gestern noch einmal auf, bei dessen Anblick sich Dreveni fast wieder der Magen umdrehte. Nicht dass es schlecht gerochen hätte, und anscheinend war da wirklich nichts drinnen, das nicht hinein gehörte, aber ihr reichte es schlicht und ergreifend.
    Sie entschuldigte sich bei Ama, dass es ihr nicht gut ging, was ihr einen missbilligenden Blick von Tirian einbrachte, der es wohl für ausgesprochen unhöflich hielt. Sollte er ruhig noch Frühstücken, sie würde draußen warten. Nachdem sie sich bei Ama bedankt und mit einem Seitenblick zu dem Heiler nochmals entschuldigt hatte, ging sie. Als Tirian nach einer Weile das Zelt verließ, kam noch der Dunmer vorbei, der sie gestern durch das Lager geführt hatte und verabschiedete sich im Namen der alten Frau.
    Dreveni stand teilnahmslos dabei und wartete nur ungeduldig, dass sie endlich aufbrechen konnten. Sie wollte so schnell wie möglich soviel Strecke wie möglich zwischen sich und diesen Stamm bringen.

    Schließlich schafften sie es tatsächlich unbehelligt aus dem Lager und liefen neben dem Guar weiter Richtung Süden. Dreveni warf Tirian immer wieder einen Blick von der Seite zu, aber er tat so als würde er es nicht merken oder es fiel ihm tatsächlich nicht auf. Jedenfalls sprach er den gestrigen Abend von sich aus nicht mehr an, was ihr mehr als Recht war.
    Nach einer Weile siegte aber doch ihre Neugier und sie fragte ihn:
    "Was bei den Höllen Oblivions habt ihr eigentlich gestern mit Kaushad gemacht? Ihr mögt ja vielleicht stärker sein als ihr ausseht, aber so stark um ihn mit bloßen Händen zu würgen und ihn in diesen.. Zustand zu versetzen, dann doch nicht. Was war das?"

  3. #43

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer

    [Tirian]
    Tirian verbrachte eine traumlose Nacht, die erst durch seltsame Geräusche und und plötzlich Bewegung im Bettzeug neben ihm gestört wurde. Er öffnete kurz ein Auge und sah, wie Lyviani aus dem Zelt entschwand und schloss es danach wieder. Er wollte noch etwas schlafen. Leider war ihm das nicht allzu lange vergönnt, denn Ama und ihr Mann erwachten ebenfalls bald und die Frau machte sich schon daran ein neues Feuer zu entfachen, um das Essen des gestrigen Abends wieder aufzuwärmen, dass ihn dann schließlich auch unter Decke hervorlockte. Er hatte weniger gegessen als er gewollt hatte und war schon wieder oder immer noch, er konnte es nicht genau sagen, hungrig. Auch wenn die Assassine bald wieder ins Zelt kam und auf einen raschen Aufbruch drängte, bestand er auf dem Frühstück. Der Heiler schenkte seiner Begleiterin auch noch einen missbilligenden Blick als sie das Essen ein weiteres Mal verschmähen wollte. Das war sogar ziemlich unhöflich bei der Mühe, die sich die Aschländerin offenbar gemacht hatte. Allerdings aß Tirian soviel wie für zwei, sodass zumindest kaum etwas übrig blieb. Auf Lyvianis Drängen hin beschlossen sie dann auch bald aufzubrechen. Sie verabschiedeten sich von ihren Gastgebern, sogar Mossur kam mit einem Abschiedsgruß der Weisen Frau vor ihrer Abreise noch vorbei, und machten sich dann schließlich auf den Weg.

    Sie ließen das Lager schnell hinter sich. Die Meuchlerin gab einen schnellen Schritt vor, der sich erst etwas verlangsamte, als sie etwas Entfernung zwischen sich und das Dorf gebracht hatten. Ihr Gesichtsausdruck war wieder so kühl und geschäftig wie sonst auch, allerdings schaute sie öfter zu ihm hinüber. Er fragte sich, ob etwas passiert war, das er wissen müsste, aber sie sagte auch Nichts, weshalb er versuchte ihre Blicken, die er nicht zuordnen konnte, zu ignorieren. Gerade als Lyviani wieder zu ihm hinüber blickte und er sich doch entschied, zu fragen, was los sei, sprach sie ihn selbst an. Sie fragte nach dem Kampf mit Kaushad und wollte wissen, wie er ihn nieder gerungen hatte. Tirian fühlte sich unschön an die Raserei des vergangenen Abends erinnert. "Ach ich hab ihn einfach nur überrascht und richtig zu packen bekommen": wich er ihrer Frage aus.

    [Dreveni]
    Bei Tirians Antwort blieb Dreveni stehen und sah ihn mit hochgezogener Augenbraue an, während sie die Arme vor der Brust verschränkte. Das glaubte er doch wohl selber nicht.
    "Nehmt mich nicht auf den Arm. Einen Mann von Kaushads Größe und sicher auch Kraft bekommt man nicht einfach mal richtig zu packen. Vor allem nicht mit einer Axt in der Schulter."
    Sie beobachtete ihn einen Augenblick prüfend - wirklich sicher dass ihr von dem Abend gestern nicht doch der letzte Teil fehlte war sie sich immer noch nicht - bevor sie weitersprach: "Nichts gegen euch, aber so kräftig seid ihr auch nicht. Ich kenne noch ganz andere Kaliber die hoffnungslos unterlegen gewesen wären gestern."

    [Tirian]
    Lyviani blieb stehen und schaute ihn an. Sie wollte es wissen, dass konnte man ihr ansehen und prompt widerlegte sie auch noch seine Version des Hergangs. Sie hatte ihn. Kaushad war wirklich ein ziemlicher Brocken. Tirian wusste, wie lächerlich es wäre, dem widersprechen zu wollen. Als sie dann auch noch die Axt erwähnte, erledigte sich auch der Rest seiner Ausflüchte. Schuldbewusst sah er zu Boden. "Ich habe Magie eingesetzt. Ich habe meine Muskelkraft verstärkt und habe ihn dann zu Boden gezwungen": verdrehte er die Wahrheit in der Hoffnung, dass es der Assassine reichen würde. "Können wir jetzt bitte weiter?": fügte er an und wollte an ihr vorbei treten.

    [Dreveni]
    "Können wir nicht.", sagte sie, während sie vor ihm stehen blieb.
    Das könnte es tatsächlich gewesen sein, sie erinnerte sich daran, als er ihr den Arm festgehalten hatte, als sie den Gefangenen erstechen wollte und sie das prickeln von Magie gespürt hatte. Sie sah ebenfalls kurz zu Boden, als sie sich die Szene im Zelt noch einmal in Erinnerung rief. Sie glaubte ihm nicht, seine ganze Haltung zeigte ihr, dass er ihr noch etwas verschwieg, soviel Menschenkenntnis hatte sie inzwischen dann doch. Und wirklich, da war noch etwas.
    "Und gleichzeitig habt ihr nebenbei noch eure Schulter geheilt, während ihr dabei wart, ihn umzubringen?", fragte sie schließlich skeptisch. "Nebenbei bemerkt war das einer der seltenen Fälle, in dem ein Mord mehr als ungünstig gewesen wäre.", fügte sie noch gedankenlos und mehr zu sich selbst hinzu.

    [Tirian]
    "Nebenbei bemerkt war das einer der seltenen Fälle, in dem ein Mord mehr als ungünstig gewesen wäre": sagte sie ihm. Tirian empfand es geradezu als unangemessen, dass sie jetzt noch Salz in diese Wunde streute, obwohl sie hier die Auftragsmörderin war. Aber er hatte sich das auch verdient, schließlich hatte sie Recht. Der Heiler wusste das und es quälte ihn. Zum zweiten Mal an einem Tag hatte er die Kontrolle über sich verloren. Was war nur mit ihm los gewesen? Er schämte sich dafür, denn beinahe wäre wieder jemand zu Tode gekommen. Und anhand ihrer Worte wusste er das Lyviani auf der Spur nach etwas noch Beschämenderen war. "Natürlich. Schließlich bin ich ein passabler Heiler": sagte er versuchte sich wieder an ihn vorbei zu drücken.

    [Dreveni]
    Dreveni konnte nicht genau sagen, was sich für Gefühle im Gesicht des Heilers spiegelten, aber mit irgendetwas, das sie gesagt hatte, schien sie voll getroffen zu haben. Nicht dass es ihre Absicht gewesen wäre, nur zu gut erinnerte sie sich an Tirians Bemühungen gestern Abend, auch wenn sie die ganze Sache am liebsten vergessen hätte. Plötzlich sah sie wieder das verschmorte Gesicht des Söldners vor sich.
    Und was für ein Heiler du bist.
    "Schwachsinn.", sagte sie und hielt ihn an den Schultern fest, bevor er sich an ihr vorbeischieben konnte.
    "Ihr hättet gestern den Ashkhan dieses Stammes in seinem eigenen Zelt fast ermordet. Ihr hättet ihn umgebracht hätte ich euch nicht aufgehalten." Während sie sprach sah sie ihm fest ins Gesicht. Inzwischen sah sie die Szene in dem Zelt wieder ziemlich deutlich vor sich. Und auch Tirian, wie er am Hals Kaushads hing.
    "Ich erkenne Mordlust wenn ich sie sehe.", sagte sie leise und und fast sanft, ohne jeden Vorwurf in der Stimme. Inzwischen war es fast zweitrangig geworden, wie er es getan hatte, auch wenn es Dreveni immer noch interessierte. Aber langsam bekam sie den Eindruck, dass dahinter mehr steckte, als man auf Anhieb sehen konnte.

    [Tirian]
    "Ich erkenne Mordlust, wenn ich sie sehe": das waren die Worte die Tirian völlig aus der Bahn warfen. Er wollte sich hinsetzen oder anlehnen, aber sah weder einen Stein noch einen Baum. Er sah nur Lyviani, die sich vor ihm aufgebaut hatte und keine Ruhe geben würde. Er schlug die Hände vor das Gesicht, nahm sie jedoch wieder runter. "Ihr habt Recht ich hätte ihn fast getötet. Ich... war nicht mehr Herr meiner Sinne. Dieser Schmerz... und dann diese Wut. Wie bei dem Anderen... Und doch... ich hätte es nicht nicht tun dürfen. Nicht auf diese Weise... Ein Heiler hätte das nicht tun dürfen...": stammelte er und ließ sich abseits des Weges, den sie beschritten ins Gras sinken. Sein Blick musste seine Zerknirschung deutlich widerspiegeln.

    [Dreveni]
    Sie hatte nicht damit gerechnet, dass Tirian so heftig reagieren würde. Und auch nicht damit, dass es ihr gerade fast schon leid tat. Bei jedem anderen hätte sie sich eine Notiz in Gedanken gemacht, wo dessen wunder Punkt war, in den sie bohren konnte, wenn es die Situation erforderte - sprich er nicht spurte wie es Dreveni vorschwebte.
    Der Heiler ließ sich ins Gras am Wegrand sinken und sah zerknirscht vor sich hin. Wesentlich mehr als zerknirscht kam er ihr allerdings ehrlich erschüttert vor. Fast regte sich so etwas wie Reue in ihr, das hatte sie nicht gewollt. Auch wenn sie der Meinung war, dass man sich dem stellen mußte, was man getan hatte.
    Seufzend setzte sie sich neben ihn und sah ihn von der Seite an. "Ich war vielleicht etwas.. direkt.", sagte sie leise. Das war weit mehr an Entschuldigung als ihr normalerweise über die Lippen kam. Was sollte sie jetzt zu ihm sagen? Sie hatte noch nie jemand gesehen, der über sich selbst so fassungslos war, weil er in Notwehr etwas über die Stränge geschlagen hatte. "Ihr wurdet angegriffen, beide Male. Ihr seid auch nur ein Mensch."
    Wenn auch mit den Fähigkeiten andere die weit stärker sind ins Jenseits zu befördern., dachte sie, sprach es aber nicht aus.

    [Tirian]
    Er atmete tief durch und versuchte sich zu sammeln. Hatte sie nicht recht? Immerhin hatten die Beiden ihn mit der Absicht angegriffen, ihn zu töten. Musste ihm der Tod des Redoraners deshalb nicht mehr leid tun? Er forschte in seinem Innern. Er fand eine Stimme die ihn einen Heuchler geschimpft hätte, wenn er dieser Regung nachgab. Nein. Nur weil sie ihn töten wollte, musste er nicht ebenso handeln, wenn es nicht unbedingt nötig war. Weder Redoraner hätte sterben müssen und Kaushad schon gar nicht. Noch mehr nahm ihm aber nicht der Tote Redoraner mit, sondern viel mehr Kaushad, der ja sogar überlebt hatte. Es war nicht die Zerstörungsmagie gewesen, die den Ashkhan fast das Leben gekostet hatte, sondern die Schule der Wiederherstellung, die eigentlich lindern, helfen und heilen sollte und die er dazu missbraucht hatte, anderes Leben zu vernichten. Das einzige was er als Entschuldigung zuließ, war die Tatsache, dass der Zauber womöglich sein Eigenes gerettet hatte.

    Er sah Lyviani an. "Ich traue mir nicht mehr": sagte Tirian und seufzte. "Ich bin mir schon seit Wochen nicht mehr sicher, ob nicht noch ein Anderer in mir steckt. Das ich eigentlich jemand anderes sein müsste": versuchte er die Gedanken zu beschreiben, die ihn überkommen hatten, nachdem er herausgefunden hatte, dass Tarrior sein Vater war. Lyviani unterbrach ihn nicht. "Ich habe Angst davor, wozu ich fähig sein könnte": brachte er schließlich hervor und sah schuldbewusst zu Boden. "Kaushad. Diese Magie. Es war kein einfacher Stärkungszauber": gab er schließlich zu. Die Scham war wieder da. Er fühlte sich schuldig daran, seine Ideale verraten zu haben.

    [Dreveni]
    Tirian schien zu überlegen, und Dreveni unterbrach ihn nicht. Als er Dreveni wieder ansah und weitersprach, hatte sie mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass er ihr einen derartigen Einblick in sein innerstes geben würde. Sie erinnerte sich an den Anfang ihrer Reise, wie er versucht hatte, sie von der Kostbarkeit des Lebens zu überzeugen. In diesem Zusammenhang gewannen die Worte, die er jetzt an sie gerichtet hatte, zusätzliches Gewicht. Als sie ihn so ansah, meinte sie fast seinen Konflikt selbst zu spüren, und so etwas wie Anteilnahme und Mitgefühl schlich sich in ihre Gedanken, die sich kurz in ihrem Blick zeigten. Nicht ohne eine leise, warnende Stimme im Schlepptau: Hör auf dich so für ihn zu interessieren, du weißt wo das hinführt.
    Da kam ihr ein Spruch in den Sinn, den ihr Mordan einmal gesagt hatte, auch wenn sie schon lange den Zusammenhang vergessen hatte. "Der härteste Kampf ist der gegen sich selber. Und auch der einzige, den man nicht gewinnen kann.", sagte sie gedankenverloren.
    "Ich denke ihr habt gesehen, wozu ihr fähig wärt. Es hat keinen Sinn, das zu verleugnen.", richtete sie ihre Worte wieder direkt an den Heiler. "Was war es denn für ein Zauber?" Dreveni glaubte die Antwort schon zu kennen, wollte es aber von Tirian hören.

    [Tirian]
    "Der Kampf gegen sich selbst": diese Worte hallten in ihm nach. Die Frage für ihn war, ob man ihn tatsächlich nicht gewinnen konnte, ob dies sein Leben auf ewig bestimmen würde. Er wusste es nicht. Aber das war kein Grund aufzugeben. Wenn er dem nachgeben würde, könnte er sich kaum mehr im Spiegel anschauen. Er hatte immer versucht ein guter Dunmer zu sein. Für ihn war es immer selbstverständlich gewesen anderen zu helfen, doch inzwischen zweifelte er daran. War etwas Anderes vielleicht seine wahre Natur?

    "Ich denke ihr habt gesehen, wozu ihr fähig wärt. Es hat keinen Sinn, das zu verleugnen": meinte Lyviani. Sie hatte Recht und doch Unrecht. "Ich wusste das ich die Befähigung habe, aber... diese Wut": konnte er es selbst nicht einordnen. "Dieser Zauber": fuhr er fort: "nennt sich Leben entziehen. Es ist in meinen Augen die Perversion eines Heilzaubers. Er ermöglicht es die Lebensenergie, die Kraft, die Vitalität eines Gegners völlig auszusaugen, um sich selbst damit zu heilen oder zu stärken, wenn man nicht verletzt ist. Man kehrt damit den Fluss heilender Energien einfach um. Jeder befähigte, magische Heiler kann dies theoretisch, aber viele schrecken aus berechtigtem Grund davor zurück, weil es ein Verrat an allem ist, an das wir glauben - Magie, die eigentlich heilen soll, dazu zu benutzen, um Leben zu nehmen. Das Opfer wird ausgezehrt, wie Kaushad gestern. Im Zweifelsfall kann man sich von einem Gegner nähren, um sein eigenes Leben retten. Dafür wurde dieser Zauber ursprünglich entwickelt, aber ihr habt gesehen, dass auch ein Missbrauch möglich ist. Es ist ohnehin schwer die Kontrolle zu behalten, weil es dem Anwender über die reine Heilung hinaus ein wahnsinnig gutes Gefühl verschafft, aber wenn man... in diesem Zustand ist, wie ich..."

    Tirian brach ab. "Der Kampf, den man nicht gewinnen kann": ging es ihm wieder durch den Kopf. "Manchmal frage ich mich, ob ich nicht jemand anders hätte werden sollen": überlegte der Heiler laut.

    [Dreveni]
    Während sie Tirian zuhörte, massierte Dreveni mit Daumen und Zeigefinger ihre Stirn über den Augenbrauen. Ihr tat immer noch der Kopf weh, und dieses Gespräch trug auch nicht gerade zur Besserung bei. Daher wehte also der Wind. Dreveni war in dieser Sache ganz anderer Ansichten. Ihrer Meinung nach waren Dinge weder gut noch schlecht, oder ausschließlich zu einem Zweck vorhanden. Man benutzte sie eben der Situation entsprechend, egal ob man damit schadete oder nützte. Und trotzdem konnte sie Tirians Punkt nachvollziehen, wenigstens im Ansatz. Bei seinem letzten Satz reichte es ihr aber. Sie stand auf, ging ein paar Schritte und drehte sich dann wieder zu Tirian um.
    "Jemand anderes werden sollen? Ihr zweifelt jetzt nicht wirklich alles an, was ihr bisher getan habt, wofür ihr gelebt habt, nur weil ihr ein paar Mal die Kontrolle verloren habt? Weil ihr euch gewehrt habt und eben zu den Mitteln gegriffen habt, die ihr beherrscht?", fragte sie ihn energisch.
    "Ihr wart wütend, verwundet, und nicht mehr ganz Herr eurer Sinne. Und selbst wenn, macht es euch nicht zu einer schlechteren Person. Wie viele habt ihr inzwischen schon geheilt? Wie vielen habt ihr das Leben gerettet? Meint ihr nicht, das wiegt weit schwerer?", fuhr sie fort, ihre Worte durch ausladende Gesten unterstreichend. "Könnt ihr euch auch nur vorstellen, wie viele Leben ich schon ausgelöscht habe? Und trotzdem wart ihr gestern Abend da und habt mich nicht pauschal verurteilt.", rutschte ihr noch heraus, obwohl sie den Abend eigentlich ruhen lassen wollte.
    Inzwischen hatte sie sich aber so in Rage geredet, dass es ihr fast schon egal war. Sie wusste nicht warum, aber sie wollte nicht das Tirian jetzt alles anzweifelte, an was er glaubte. Sie erinnerte sich daran, wie er sie mit seinen Reden und Idealen fasziniert hatte. Schließlich legte sie mit einer schnellen Bewegung ihren Waffengürtel ab, und ließ ihn demonstrativ auf den Boden fallen, nachdem sie ihren Dolch gezogen hatte, welchen sie Tirian vor die Füße warf. "Nehmt ihn. Wäret ihr fähig, jetzt so auf mich loszugehen? Auf einen unbewaffneten?" Während sie sprach, hatte sie auch noch ihr Stilett neben das Schwert auf den Boden fallen lassen. Herausfordernd sah sie ihn nun an, die Arme leicht zur Seite gestreckt, die Handflächen ihm zugewandt.

  4. #44
    [Tirian]
    Tirian griff nach dem Dolch. Er nahm in die Hand und besah ihn sich ausdauernd. Er fuhr mit dem Finger die Klinge nach. Sie war kalt. Er hatte zumindest erwartet eine gewisse Faszination zu spüren, als er ihn in der Hand hatte, doch Nichts davon war der Fall. Er besah sich Lyviani. Nicht einmal, wenn sie bewaffnet gewesen wäre, hätte er auch nur im Traum daran gedacht, auf sie los zugehen. Er stand auf und ging auf die Assassine zu. Den Dolch hielt er fest in seiner Hand. Er stand direkt vor ihr. Sie schaute ihn herausfordernd an. So sehr der Heiler seinen Körper auch zwingen wollte, zumindest zur Probe einmal auszuholen, es gelang ihm nicht. Er hob den Dolch hoch und setzte die Spitze Lyviani an den Hals. Er zitterte. Sie sah ihn immer noch an. Er fühlte... Nichts - keine Aufregung, keine Spannung, keine Befriedigung. Das Einzige was nur in Spuren vorhanden war, war ein Gefühl der Hemmnis in seinem Kopf, das nur nicht stärker war, weil er ohnehin nicht vorhatte seiner Begleiterin etwas anzutun. Er nahm die Klinge herunter und gab sie der Dunmer zurück in die Hand und trat einen Schritt zurück. "Nein das bin ich nicht": sagte er kopfschüttelnd. Er sah in den Himmel, musste wieder an Tarrior denken. "Ihr habt Recht und doch... Sagt, erinnert ihr euch noch an eure Eltern?": fragte Tirian.

    [Dreveni]
    Dreveni beobachtete Tirian genau, als er nach dem Dolch griff und über die Klinge strich. Sie fragte sich ob ihm bewußt war, wieviele Menschen und Elfen sie mit dieser Klinge schon hinterrücks erstochen hatte. Vermutlich nicht.
    Dreveni ihrerseits fiel es schwer einzuschätzen, was der Heiler jetzt wirklich tun würde. Sie glaubte nicht, dass er wie ein Berserker auf sie losgehen würde, hielt sich aber doch bereit auszuweichen und seine seltsamen umgedrehten Heilzauber durch einen Stillezauber zu unterbinden.
    Nichts dergleichen geschah, er hielt ihr nur mit zittriger Hand die Spitze des Dolches an ihren Hals. Schließlich trat er zurück und gab die Waffe wieder Dreveni.
    Sagte ich es nicht? Es braucht mehr als gelegentliche Aussetzer, um alles in Zweifel zu ziehen.
    Seine nächste Frage kam allerdings völlig unerwartet. Was hatte er nur für seltsame Gedankensprünge?
    "Nein?", antwortete Dreveni leicht perplex. "Das kommt darauf an. Ich weiß, wer mich aufgezogen hat. Meine leiblichen Eltern kenne ich nicht.", fügte sie noch an, nachdem sie Tirian kurz gemustert hatte.

    [Tirian]
    "Sie weiß also Nichts von ihnen?": ging es Tirian durch den Kopf, während er sich wieder hinsetzte. "Das tut mir leid": sagte er mitfühlend und zögerte. Ihm fehlten die Worte. Er dachte einen Moment nach, bevor er sprach: "Denkt ihr manchmal darüber nach, ob ihr etwas von ihnen geerbt habt? Ich meine nicht euer Aussehen, sondern ob ihr ihnen auch vom Charakter her ähnlich gewesen wärt - das ihr etwas an euch sucht, dass von einem der Beiden stammt?" Er kam sich selbst ziemlich idiotisch vor, als er das fragte. Er schaute sie an und wartete auf eine Antwort.

    [Dreveni]
    Was soll dass denn jetzt?, dachte sich Dreveni auf Tirians fragen. Sie sah noch immer nicht, wie der Heiler jetzt auf dieses Thema kam.
    "Es braucht euch nicht leid tun. Wie gesagt, ich kannte sie nicht. Der Mann der mich aufgenommen hat ist für mich wie ein Vater." Sie überlegte kurz, während sie versuchte in Tirians Gesicht zu lesen. "Natürlich habe ich mich oft gefragt, wer meine Eltern sind und wie sie gelebt haben. Und vermutlich bin ich ihnen ähnlich, immerhin sind es meine leiblichen Eltern. Aber was spielt dass denn für eine Rolle? Ich bin wie ich bin, was macht es für einen Unterschied ob ich manche Eigenschaften von meiner Mutter oder meinem Vater habe?" Während sie sprach, hatte sie sich nach ihrem Schwertgürtel und dem Stilett gebückt und beides aufgehoben, ohne Tirian aus den Augen zu lassen. Tatsächlich hatte sich Dreveni widerholt gefragt, wer ihre Eltern waren und warum sie sie weggeben mußten. Ob sie überhaupt noch lebten. Aber nicht in dem Sinne, wie Tirian es zu meinen schien. Jedenfalls bis jetzt nicht.
    "Ihr glaubt aber auch, dass euch diese Eigenschaften zu dem machen der ihr seid? Wenn es ein Teil eures Charakters ist, glaubt ihr nicht, dass es dann auch euer Leben bestimmt?": stellte der Heiler eine weitere Frage.
    Dreveni schloß für einen Moment die Augen, bevor sie den Heiler wieder mit purer Skepsis in ihrem Gesicht ansah. "Was sind denn das für Fragen? Natürlich macht mich das zu dem was ich bin. Hätte ich nicht das geringste Talent zum kämpfen, wäre ich vermutlich keine Assassine geworden. Wäre ich nervös, ängstlich oder übervorsichtig vermutlich auch nicht. Worauf bei allen Höllen Oblivions wollt ihr eigentlich hinaus?"

    [Tirian]
    "Worauf ich hinaus will?": er verzog leicht das Gesicht. "Wisst ihr, ich bin ohne meinen leiblichen Vater aufgewachsen. Meine Mutter hatte mir erzählt, dass er sie verlassen hat, als sie schwanger wurde. Sie hat nie schlecht über ihn gesprochen, aber auch sonst nie etwas von ihm erzählt. Da sie kurz darauf einen anderen Mann heiratete, den ich dann als meinen Vater kennenlernte, wäre das wohl auch nicht gerecht ihm gegenüber gewesen, wenn gleich sie mir nicht verschweigen wollte, dass mein Vater eben nicht mein Vater ist. Ich habe mich seit damals oft gefragt, wie er wohl so sei, ob wir uns ähnlich wären und ob ich ihn erkennen würde, wenn wir uns zufällig begegneten. Und natürlich habe ich mich auch oft gefragt, was an mir von ihm ist": erzählte er.

    Tirian musste tief Luft holen, bevor er weitersprechen konnte: "Vor wenigen Wochen erfuhr ich, wer mein Vater ist. Ironischerweise war ich ihm tatsächlich zuvor schon einmal begegnet. Wir haben uns nicht erkannt. Eigentlich ist er ganz umgänglich und freundlich, aber er hat auch etwas Anderes an sich - einen gewissen Jähzorn und auch Kaltblütigkeit. Außerdem steckt er wohl wegen eines schlimmen Ereignisses in seiner Vergangenheit im Moment in Schwierigkeiten und ich quäle mich auch mit der Frage danach, was er Schreckliches getan haben musste, um das auf sich zu ziehen. Ich frage mich wozu er fähig sein konnte und in meinen Gedanken sehe ich da die schrecklichsten Dinge." Während der ganzen Zeit blickte er zu Boden. Er konnte und wollte Lyviani dabei nicht anschauen, zu real waren die Bilder aus seinen Erinnerungen und seinen Gedanken, die sich vor einen Augen manifestierten. Er wusste nicht einmal, ob sie überhaupt noch zuhörte.

    Noch einmal atmete er tief durch. "Noch immer frage ich mich, was von meinem Vater in mir steckt, doch fürchte ich die Antwort auf diese Frage. Diese 'Aussetzer', ich frage mich, ob das nicht der Teil von ihm ist, der in mir steckt. Das ich eigentlich mehr sein sollte, wie er, dass ich auch zu Gräueltaten fähig bin. Das es das ist, was ich eigentlich sein soll": erzählte er Lyviani von den Ängsten, die ihn im Moment plagten und die mit jedem Schritt, dem sie Tel Uvirith näher kamen, noch größer wurden. Er stützte den Kopf auf seine Arme und schaute einigen kleinen Käfern zu, wie sie durchs Gras krabbelten.

    [Dreveni]
    Dreveni seufzte und ließ sich ebenfalls neben Tirian ins Gras sinken, wo sie sich die Schläfen rieb. Inwzwischen brummte ihr wieder ziemlich der Kopf. "Diese Themen und mein tierischer Kater von gestern sind eigentlich keine gute Mischung", sagte sie beiläufig, ohne Tirian anzusehen.
    "Ich kann nur noch einmal fragen, wieso glaubt ihr, dass sich auf einmal alles was ihr seid auf eure 'Aussetzer' reduziert? Ich hätte es in meinem Leben vermutlich auch leichter gehabt, wenn ich etwas weniger... impulsiv wäre.", sprach sie ihn jetzt wieder direkt an. "Und egal von wem ich das habe, es ist so und wird sich nicht ändern." Sie hob in einer fast hilflos wirkenden Geste die Hände. Was sollte sie dem Heiler noch sagen?
    "Selbst wenn ihr zu solchen Gräueltaten fähig sein mögt - was auch immer ihr darunter versteht - jetzt wo ihr euch dessen bewusst seid, könnt ihr ja vielleicht lernen, damit umzugehen?" Sie sah ihn an und versuchte den Blick seiner glutroten Augen festzuhalten. "Und glaubt mir, jeder hat seine Leichen im Keller. Jeder. Dinge auf die er alles andere als Stolz ist, die er vielleicht am liebsten komplett verleugnen würde."

    [Tirian]
    "Ihr habt Schmerzen. Das tut mir leid. Vielleicht sollten wir einfach weitergehen. Ich belästige euch mit meinen Problemen": bot Tirian entschuldigend an. Lyviani brachte ihn ins Grübeln. Eigentlich hatte sie Recht. Bisher hatte er immer ein gutes Leben geführt und eigentlich wollte er das weiterhin tun, aber würde er nicht zwangsläufig so werden wie sein Vater, wenn es ihm schon in die Wiege gelegt war? Zumindest wollte die Dunmer nun auch weiter, auch wenn sich ihr Gesichtsausdruck nicht richtig deuten ließ, hinsichtlich des plötzlichen Abbruchs des Gesprächs durch ihn. "Damit umgehen lernen?": er fragte sich, ob das überhaupt möglich war. Zuvor hatte er nie an sich gezweifelt. Hatte es wirklich etwas geändert, dass er jetzt wusste das Tarrior sein Vater war? Er schüttelte den Kopf. Die gleiche Frage ging ihm schon seit Wochen durch den Kopf. Er drehte sich damit im Kreis. Und Leichen hatte auch er im Keller, fragte sich nur ob sein Vater nicht ganze Berge davon verbarg.

    "Wenn wir uns weiter nach Süden halten, dürften wir bald auf die Molag Amur treffen. Ich hoffe wir bleiben vor weiteren Angriffen verschont": dachte er laut.

    [Dreveni]
    "Und auch das braucht euch nicht leid tun, das ist die gerechte Strafe für meinen Leichtsinn gestern.", meinte Dreveni nur. Ihr kam es komisch vor, dass Tirian das Gespräch einfach so abbrach, aber sie hatte jetzt auch keine Nerven mehr, weiter nachzubohren. Auch wenn sie hier gerade ganz gut saß und sicher auch noch eine Weile gut hätte sitzen bleiben können. Andererseits hatte sie jetzt schon ein viel zu langes Gespräch geführt, auf eine Art und Weise, die ihr normal so gar nicht entsprach. Wenn du mich schon so weit getrieben hast, kannst du gar kein schlechter Elf sein., dachte sie, wobei sie sich eingestehen mußte, dass das keiner ihrer schlechteren Züge war, der hier zu Tage trat, so sehr ihr das auch wiederstrebte. Kurz überlegte sie, ihn doch noch anzupflaumen ob Gestern noch etwas gewesen war, an das sie sich nicht mehr erinnern konnte, ließ es aber dann doch bleiben.
    "Ich kann auch gut auf noch mehr Kampf verzichten. Wie stehen die Chancen, dass wir auf dem Weg noch durch Siedlungen oder ähnliches kommen?", fragte sie noch, dabei an ihre Vorräte denkend.

    [Tirian]
    "Wenn wir die Amur erst einmal erreicht haben, ist da nur noch Mora Uvirith, unser Ziel. Am südlichen Ende der Weidenländer gibt es eine Festung namens Falensarano. Das ist eine dieser alten Dunmer-Festungen, die seit Jahrhunderten eigentlich nicht mehr genutzt werden. In der Regel nistet sich dort Gesindel ein, wenn sie leer stehen, aber ich kann mir gut vorstellen, dass man die Festung aufgrund der Bedrohung durch die Daedra vielleicht wieder in Betrieb genommen hat. Wir müssen dort ohnehin vorbei, wenn ich meine Karte richtig im Kopf habe. Wir könnten also einen Abstecher dorthin machen, wenn ihr das wollt"
    Für Dreveni war das zwar etwas viel 'vielleicht', aber sie stimmte dem Heiler zu, eine bessere Möglichkeit schien sich ihnen nicht zu bieten und so setzten sie beide ihren Weg fort.

  5. #45

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer

    Tirian und Lyviani setzten ihre Reise fort, nachdem die Dunmer damit einverstanden war, dass sie der Festung einen Besuch abstatten würden. Der Heiler sah sich um. Zwar erweckten immer mal wieder ein paar Kräuter sein Interesse, aber er hatte seinen Vorrat schon am vergangenen Tag aufgestockt, also vermied es ihr Fortkommen zu verzögern, in dem er weitere Pflanzen sammelte. Ab und an schaute er zu seiner Begleiterin hinüber. Sie beobachtete aufmerksam ihre Umgebung und hielt scheinbar nach weiteren Gefahren Ausschau. Auch er ließ seinen Blick schweifen. Die Landschaft der Weidenländer hatte sich im Gegensatz zum vergangenen Tag nicht sonderlich geändert. Allerdings war die Luft viel frischer. Der allgegenwärtige Gestank von verbrannten Leichen und Rauch, der noch in der Gegend um Tel Vos allgegenwärtig gewesen war, war hier nicht mehr wahrzunehmen. Tirian wandte seinen Blick zum Himmel. Auch von hier konnte man noch die dunklen Rauchsäulen sehen, die über dem Zentrum der Insel standen, aber es blieb dabei. Auch die Folgen der daedrischen Verwüstung gingen deutlich zurück, umso weiter sie sich nach Süden vorarbeiteten. Mehrunes Streitkräfte waren hier offenbar nicht durchgekommen. Die südlichen Weidenländer waren hier noch immer das Paradies, von dem ihm Tarrior erzählt hatte - der wilde Dochtweizen, der überall wuchs und sich sanft im warmen Wind unter blauem Himmel wiegte. Mit der Zeit wurde er wieder ruhiger. Die ruhige Natur beruhigte auch seine Gedanken, die sich immer noch um Tarrior drehten und die Frage, was er wohl zu verheimlichen hatte. Diese Frage verschwand mit der Zeit ebenso, wie das, was Lyviani zu ihm gesagt hatte und über das er auch noch immer nachgrübelte. Sein Kopf leerte sich langsam und er fand etwas Ausgeglichenheit in der Natur. Auch wenn der Fußweg mit der Zeit wider recht anstrengend wurde, da die Straßen hier nicht befestigt waren, sondern eher den Charakter von Trampelpfaden hatten, fühlte sich Tirian dennoch irgendwie gut. Allerdings wurde es gegen Mittag doch Zeit für eine kleine Pause. Er blieb kurz stehen und sah sich um und entdeckte schließlich eine kleine Ansammlung von Bäumen, die etwas Schatten und Ruhe versprach. „Wir sollten eine Pause einlegen“: sagte er und deutete auf die Baumgruppe. Dann ging er auch schon dort hinüber. Er sah sich kurz um. Der Ort war wie geschaffen, um sich auszuruhen. Außerdem musste er wieder an die Kräuter denken, die er gesammelt hatte.

    Der Heiler begann lose Äste für ein kleines Feuer zu sammeln und schichtete sie an einer freien Stelle auf. Dann sammelte er etwas Magie in seiner rechten Hand und ließ einen kleinen, magischen Blitz aus seiner Handfläche in das Holz einschlagen. Es fing sofort Feuer. Aus seinem Gepäck, das Lyvianis Guar noch immer tapfer trug, holte er einen kleinen Eisenkessel und stellte ihn in die Feuerstelle. Statt ihrer begrenzten Wasservorräte, die sie, wie Tirian etwas besorgt feststelle, im Lager der Aschländer aufzufüllen vergessen hatte, kippte er direkt seine verbleibenden drei Heiltränke als Grundlage für weitere Tränke in den Kessel und vermischte erst diese noch mit etwas Wasser. Ein süßlicher Duft breitete sich aus, während die Flüssigkeit im Kessel aufkochte. Währenddessen holte der Dunmer auch noch seinen Mörser und Stößel aus dem Gepäck und begann bereits damit einige der Kräuter, die er zuletzt gesammelt hatte, zu zerreiben. Er war mittlerweile so gefangen von seiner Tätigkeit, dass er schon gar keine Augen mehr für Lyviani hatte. Mit routinierten Bewegungen zerrieb er das pflanzliche Material, bis es eine breiige Konsistenz hatte, die nussig-aromatisch roch und gab sie in den Topf. Als er sie einrührte, änderte sich der plötzlich der Geruch. Anstatt süßlich roch es nun deutlich sauer und die rote Farbe wich nun einem dunklen Lila. Tirian nahm sich nun einige getrocknete Pilze heran, die er noch mit sich führte und zerbröselte sie direkt über dem Topf, um dann anschließend einige frische Kappenträger klein zu würfeln und ebenfalls dem Sud beizugeben. Das Gleiche tat er mit einer mittelgroßen Korkwurzel, die er ebenfalls aus seinem Gepäck holte. Beim Vorbeigehen bemerkte er noch eine Häckselblattpflanze, die an einen der Bäume gelehnt wuchs und schnitt auch ihr einige Blätter ab, die er dann aber wieder in seinem Mörser zerrieb, bevor er den Brei der Flüssigkeit beigab, die nun eine Mischung aus lila und rot war und fast wie junger Wein wirkte, allerdings roch sie recht bissig. Schließlich holte Tirian aus einem Beutel einige Zweige Hustengras hervor, die er sich von Tarriors Plantage mitgenommen hatte. Er zerrieb auch sie und warf sie ebenfalls mit in den Kessel. Noch einmal rührte er kräftig um und langsam wich der bissige Geruch und wurde neutral mit einer unscheinbaren, süßlichen Note. Tirian roch an dem Trank und prüfte die Konsistenz. „Das sieht in Ordnung aus“: flüsterte er und lehnte sich gegen den Baum. Nun musste der Sud noch etwas kochen und ziehen, damit möglichst viele Stoffe in das Endprodukt übergingen.

    Der Heiler bedauerte es sehr, dass für die Reise keine bessere Ausrüstung zur Verfügung stand, allerdings wäre die reichlich schwer geworden und er hatte auch nicht damit gerechnet, dass er solange brauchen würde, um seinen Vater zu finden. Schon gar nicht hatte Tirian damit gerechnet, dass er sich Meradanz würde entgegenstellen müssen. Bei den Zutaten, die er mit sich führte, hätte er mit einer Retorte oder einem Destillierkolben aus diesem ohnehin schon stark geplanten Trank vermutlich etwas ganz Besonderes gemacht. In jedem Fall etwas, das den Begriff Lebensversicherung verdient hätte. Auch so war der Trank schon sehr stark, allerdings bei weitem nicht perfekt und er hatte eine Menge mehr Zutaten aufwenden müssen, als es für ein alchemistisches Produkt gut war, nur um die negativen Wirkungen einzelner Trankbestandteile abzuschwächen. Es war also auch vermutlich besser, wenn sie die Tränke nicht direkt hintereinander verbrauchten, sondern sie mit zeitlichem Abstand tranken. Es gab einige Fälle, in denen sich schon Arenakämpfer am übermäßigen Konsum von Heiltränken vergiftet hatten. Tirian überlegte, ob er nicht vielleicht irgendwo als Heiler und Alchemist sesshaft werden sollte, wenn das hier vorüber war. Seinen Dienst auf dem Handelsschiff hatte er ja quittiert und etwas Neues stand noch nicht in Aussicht. Während er so in Gedanken an die Zukunft schwelgte, Gedanken an die Gegenwart verdrängte und schließlich gedankenlos dahindämmerte, kochte der Sud weiter. Erst als die Lösung richtig brodelte, kam der Heiler wieder zu sich und nahm schnell den Kessel vom Feuer. Noch einmal prüfte er den Geruch und die Konsistenz und war vollends zufrieden mit dem Ergebnis.

    Tirian holt einen Tönernen Krug aus dem Gepäck und spannte über die Öffnung ein Stock Leinenstoff, das darum gewickelt war. Das erste Mal, seit sie ihre Pause machten, rief er nun Lyviani zu sich und bat sie, ihm einmal kurz zu helfen. „Könntet ihr kurz den Krug festhalten. Ich werde vorsichtig sein“: sagte Tirian und die Dunmer griff zu, während sich der Heiler nun den Kessel nahm und langsam die Flüssigkeit durch das Leinen hindurch in den Topf hinein goss. Auf dem Leinenstoff blieben die festen Rückstände zurück. Tirian löste das Bändchen, mit der das Leinen festgebunden hatte und wickelte die Überreste darin ein. Er drückte das Ganze noch einmal zusammen und entleerte so noch einige Tropfen Flüssigkeit in den Krug. Das Leinen hielt er nun mit etwas Abstand über die Feuerstelle und trocknete es zusammen mit dem Inhalt. Schließlich ließ er den Beutel in einem Säckchen an seinem Gürtel verschwinden. Mit etwas besserer Ausrüstung konnte er den Rückstand noch einmal verwenden. Es wäre Verschwendung ihn einfach wegzuwerfen. Tirian holte nun einige kleine Phiolen hervor. Eigentlich waren es nur längliche Glasröhrchen mit Korken. Lyviani, die nun neben ihm saß, zog die Augenbrauen hoch. „Der Trank ist so stark, dass eine kleinere Menge davon ausreicht. Vorsichtig füllte er die Phiolen voll. Die Flüssigkeit darin sah nun aus wie junger Wein und war so klar, dass man hindurch sehen konnte. Insgesamt reichte es für acht solche Röhren. Er gab vier davon seiner Begleiterin. „Das sind starke Heiltränke, nur zur Sicherheit. Sie heilen nicht nur Wunden, sondern geben euch auch verlorene Kraft zurück und mindern damit die Erschöpfung“: erklärte Tirian und packte seine Sachen zusammen. Zum Schluss löschte er das Feuer. “Wir sollten wieder aufbrechen, damit wir es bis heute Abend noch nach Falensarano schaffen“: meinte der Heiler und sie machten sich wieder auf den Weg.

    Auch auf dem weiteren Weg mochte er nicht mit Lyviani reden. Er vermied es nach aller Möglichkeit an das zu denken, was sie ihm erzählt hatte und ließ sich lieber noch ein wenig von der Landschaft einnehmen. Ab und an sah man in der Entfernung Anzeichen für Oblivion-Tore, aber der Heiler war sich sicher darin, dass er nicht vorhatte, eines dieser Dinger zu betreten oder auch nur in die Nähe zu kommen, wenn er es nicht unbedingt musste. Einen Hexenmeister als Gegner zu haben, reichte für seine Begriffe völlig aus, er musste sich nicht auch noch mit den Dämonen aus dem Reich des Vergessens anlegen. Der Skamp-Angriff des Vortages hatte ihm auch schon völlig gereicht. So kamen sie aber recht störungsfrei durch. Die Daedra hielten sich an ihre Tore – Tirian sah in der Entfernung einige Atronachen dort herumschleichen – und behelligten sie nicht. Derweil kam endlich die Hügelkette in Sichtweite, die die Weidenländer im Süden von der Molag Amur schied. Auf dieser Seite war das fruchtbare Weideland, während sich auf der anderen Seite das tödliche von Lavaflüssen und heißen Schlammgruben durchzogene, unfruchtbare Aschland befand. Ein deutliches Zeichen dafür, dass sie ihrem Ziel immer näher kamen. Mora Uvirith befand sich auf der anderen Seite dieser Hügelkette. Nun kehrten die Gedanken an Tarrior doch wieder zurück. Tirian verdrehte die Augen. Doch langsam tauchte vor ihnen auch ein riesiges, steinernes Ungetüm auf, das seine Aufmerksamkeit auf sich zog. „Das muss wohl Falensarano sein“: sagte Tirian. Von der Anhöhe aus stieg Rauch auf. „Sie scheint bewohnt zu sein“: stellte der Heiler fest.

    Langsam schlichen sie die Rampe nach oben. Auf Lyvianis Anraten hielten sie sich ruhig und bedeckt, denn man konnte wohl nie wissen, wer sich jetzt hier verschanzt hatte. Auf dem Festungssockel standen wild zusammengewürfelt einige Zelte und ansonsten stapelten sich wahllos Kisten und Körbe. Auf die Entfernung entdeckte der Heiler etwas, dass aussah, wie mehrere große Käfige. Plötzlich hörte er dumpfes Geräusch und einen Aufprall. Er drehte sich um und sah Lyviani am Boden liegen. „Was habt ihr?!“: fragte er besorgt und beugte sich zu ihr hinunter. Etwas Blut lief aus einer Platzwunde an der oberen Stirn. Plötzlich tauchte geradezu aus dem Nichts neben ihm eine Person auf. Reflexartig wandte er seinen Kopf zur Seite. Er konnte nur noch in die schwarzen, gläsernen Löcher einer Chitin-Maske schauen, bevor er einen Schlag in der Nähe seiner Schläfe fühlte und dann gar nichts mehr. Bewusstlos ging Tirian zu Boden.

  6. #46
    Den weiteren Weg brachten sie schweigend hinter sich, und jeder hing seinen Gedanken nach. Dreveni fragte sich zum wiederholten Male, warum sie, wenn sie mit Tirian sprach, dermaßen ...weich... wurde. Das musste aufhören, und zwar am besten sofort. Sie konnte nicht zulassen, dass ihr der Heiler wirklich etwas bedeutete, auch wenn sie sich noch nicht einmal sicher war, auf welcher Ebene sich ihr Interesse an ihm bewegte. War es wirklich nur weil er so das genaue Gegenteil von ihr war? Und trotz seiner Gutmütigkeit seine Ansichten doch ihr gegenüber mit einer Stärke vertrat, die sie immer wieder erstaunte? Oder waren es nur seine glutroten Augen, die sie schon an Feryn beinahe um den Verstand gebracht hätten? Sie wusste es nicht, und es war auch definitiv besser, sie würde dem Ganzen erst gar nicht weiter auf den Grund gehen.
    Es konnte und durfte nicht sein, nicht schon wieder. Weder als Freund noch sonst etwas.
    Ab jetzt würde wieder Schluss mit dem Verständnis sein, schluss damit ihn zu schonen oder mit ihrer Meinung hinter dem Berg zu halten.
    Würde er ihr wieder den Arm festhalten, wenn sie sich eines Gefangenen entledigen wollte, würde sie nicht mehr lange diskutieren sondern gleich den Dolch in die andere Hand nehmen und ausprobieren, wie schnell er reagieren würde. Und vor allem keine Tränen mehr nachts in seinem Arm.

    Gerade als sie sich das geschworen hatte, erreichten sie einen Platz, der Tirian wohl für eine Rast geeignet schien. Sie selbst hatte nichts dagegen und setzte sich - immer noch schweigend - auf den Boden, nachdem sie dem Guar einen Teil des Gepäcks abgenommen hatte. Sie tat nichts weiter, als Tirian zu beobachten, bei was immer er da gerade zusammenbraute. Zeitweise stank es wirklich übel, und als er sie am Schluss bat, den Krug zu halten, dass er die siedend heiße Flüssigkeit filtern konnte, dachte sie nur: Ich würde dir auch ernsthaft raten, vorsichtig zu sein., und warf ihm einen entsprechenden Blick zu. Er schaffte es aber, ohne sie zu verbrühen, und nachdem er ihr die Phiolen gereicht hatte, setzten sie ihren Weg fort, bis sie Gegend Abend die Festung erreichten. Es war ein großer Bau aus Stein, ganz anders als die Festungen in Cyrodiil, die mehr an Burgen erinnerten. Diese hier lag wie ein Schiff in der Landschaft, und Dreveni bekam sofort ein ungutes Gefühl, als sie ebenfalls die Rauchfäden sah.

    Sie ließen die Guar in einiger Entfernung stehen und näherten sich vorsichtig und Deckung suchend der Festung. Dabei stellte Dreveni erleichtert fest, dass sich Tirian durchaus leise bewegen konnte, auch wenn es natürlich noch ausbaufähig war. Das half ihnen allerdings alles nichts, und auch Dreveni hörte niemanden kommen, bis sie plötzlich einen kräftigen Schlag auf den Kopf bekam, als wäre sie mit Anlauf an eine Mauer gelaufen, dem nur noch Schwärze folgte.

    Der Schmerz durchfuhr sie erst, als sie wieder zu sich kam. Instinktiv langte sie mit der Hand an ihren Kopf und stöhnte leise auf, als sie mit den Fingern direkt auf der Platzwunde landete. Das brachte sie immerhin soweit wieder zur Besinnung, dass ihr langsam dämmerte, was passiert war. Niedergeschlagen. Schon wieder. Nur dieses Mal schien sie auf dem Boden zu liegen, der hart und klamm war. Vorsichtig öffnete sie die Augen, konnte im Dämmerlicht aber erst nichts erkennen. Vorsichtig lauschte sie in die Dunkelheit, es war ihr als könnte sie ein Schaben und Schnaufen hören, war sich aber nicht ganz sicher. Außerdem das Plätschern und Tropfen von Wasser. Es war also keine gute Idee, jetzt einen Lichtzauber zu wirken, inzwischen konnte sie aber auch so schon etwas mehr erkennen.
    Als nächstes fuhr ihre Hand an ihre Hüfte, und sie stellte erleichtert fest, dass man ihr wenigstens ihre Waffen gelassen hatte. Zumindest das Schwert, den Dolch und auch das Stilett. Immerhin etwas. Vorsichtig rappelte sie sich auf, wenigstens bis auf die Knie, da sah sie neben sich noch jemanden liegen. Tirian. Sie beugte sich über ihn und konnte sehen, dass auch er eine hässliche Platzwunde auf der Schläfe hatte. Sie wagte nicht ihn anzusprechen, sie hatte keine Ahnung wer sie dort im Dunklen alles gehört hätte, und so schüttelte sie ihn nur vorsichtig an der Schulter.

  7. #47

    Weidenländer, Falensarano, Kanalisation

    Ein Schütteln holte ihn langsam ins Bewusstsein zurück - erst langsam und dann immer fest, bis Tirian endlich die Augen aufschlug. Für den ersten Moment kam Panik in ihm auf, als er Nichts sehen konnte, doch als die erster Anflug abgeklungen war und ein stechender Schmerz in seinem Schädel einsetzte, nahm er auch mehr Konturen in der Dunkelheit war. Es war nicht völlig dunkel, sondern nur sehr, sehr zwielichtig an diesem… Tirian versuchte sich umzuschauen. Wo befand er sich eigentlich. Er drehte Anhaltspunkte suchend den Kopf und entdeckte Lyviani, die neben ihm saß. Erst jetzt bemerkte er ihre Hände, die ihn gepackt hielten. Sie hatte ihn wachgerüttelt. „Wo sind…“: wollte er ansetzen, doch da legte sie ihm schon eine Hand auf den Mund. Er konnte erkennen, dass sie mit ihrem Zeigefinger vor dem Mund andeutete, dass er leise sprechen sollte. Dann nahm sie langsam ihre Hand aus seinem Gesicht. „Wo sind wir“: flüsterte der Heiler eine Frage. Sie zuckte mit den Schultern. Es roch muffig, es stank sogar leicht und es war feucht, sehr feucht. Er stand langsam auf. Zwar verlor sich sein Blick in einigen Metern bereits in tieferer Dunkelheit, aber in der Nähe konnte er alte Kisten und Fässer ausmachen, halb oder ganz zerbrochen und an- bzw. verschimmelt. Ebenso sah und roch er Speisereste und kleineres Ungeziefer, das sich darüber hermachte. Er tastete etwas und fand eine Wand und etwas Metallenes. „Sprossen“: schoss durch seinen Kopf, als er es näher betastete. „Hier ist eine Leiter“: zischte er zu seiner Begleiterin hinüber und stieg dann hinauf. Tatsächlich befand sich oberhalb davon eine Luke. Er versuchte sich aufzustemmen, doch sie schien blockiert. Auch als er etwas Magie in seine Arme fließen ließ und seine Muskelkraft verstärkte, ließ sich die Klappe nicht aufstoßen. Sie musste verriegelt worden sein.

    „Verflucht“: zischte der Dunmer das verdammte Ding an und stieg wieder hinab. „Und?“: hörte er Lyvianis Flüsterstimme hinter sich. „Der Weg ist versperrt. Da kommen wir nicht raus“: wisperte Tirian: „Die müssen uns hier hinuntergeworfen haben.“ Wieder fuhr ein stechender Schmerz durch seinen Kopf. Seine Hand glitt reflexhaft zu der schmerzenden Stelle. Er zuckte zurück, als sie unter Berührung noch mehr schmerzte. Er fühlte verkrustetes Blut. „Wir sollten…“: wieder unterbrach ihn die Hand der Assassine, die sich schnell auf seinen Mund legte. „Horcht“: zischte sie. Erst hörte Tirian Nichts, doch dann ein Schaben, ein Kratzen. Von der Lautstärke war es zu groß für irgendwelches Ungeziefer. Es bewegte sich. Tirian verengte die Augen, versuchte noch mehr zu erkennen, doch da war Nichts, das flüsterte er ihr auch zu. „Ich denke mal, dass das hier die Kanalisation der Festung ist. Womöglich gibt es noch einen anderen Zugang, durch den wir entkommen können. Wir sollten danach suchen“: schlug er vor. Entgegen Lyvianis Willen nahm er sich eine erloschene Fackel von der Wand und zündete sie mit einer kleinen Portion Magie an. Qualmend erfüllte sie die Kanalisation mit funzeligem Licht. Offenbar benutzten die Bewohner der Festung sie wirklich als Müllhalde. Überall lag Abfall herum und das Wasser, das noch im Kanal stand, war trüb und sah ekelhaft aus. In der Entfernung konnte der Heiler einige Abzweigungen ausmachen und kleinere Brücken, die über die Kanäle führten. Wenigstens würden sie vorankommen, ohne durch diese Brühe waten zu müssen. Da auch er nicht wusste, wohin sie gehen sollten, wählte er den Weg, der ihnen am nächsten lag. Möglichst leise schritten sie voran. Das Flackern der Fackel warf unruhige Schatten an die Wand. Rastlos irrten Tirians Augen umher. Bei jedem Mal, bei dem ein Windzug den Schattenriss verzerrte, war es für ihn als würden Monster an die Wand gezeichnet, die mit Klauen nach ihm zu greifen versuchten. Ein ums andere Mal zuckte er zusammen, blieb kurz stehen und schaute sich um.

    Auch Lyviani erging es scheinbar nicht besser. Auch sie sah sich desöfteren um. Sie rückten enger in den Lichtschein der Fackel zusammen. Trotz des unnachgiebigen Gefühls, dass sie hier unten nicht alleine waren, setzten sie ihren Weg fort, kamen aber nur langsam voran. Das Echo ihrer eigenen Schritte hallte vielfach gebrochen, geradezu unnatürlich verzehrt im Gang wieder. Tirian hatte oft das unbestimmte Gefühl, als sei jemand hinter ihnen, doch wenn er sich umdrehte, war dort niemand. „Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein“: überlegte er und versuchte sich zu beruhigen. Er wusste auch nicht, was ihn so beunruhigte. Es war geradezu ein irrationales Gefühl von Bedrohung, das er hier unten verspürte. Wenn er zu ihren Schatten sah, glaubte er dort Monster zu erkennen, die nach ihm griffen, lauschte er auf ihre Schritte, war dort jemand hinter ihnen, schaute er ins trübe Brackwasser, dachte er eine Bewegung dort auszumachen. Und doch war da Nichts. Er blieb kurz stehen und stützte sich einen Moment an der feuchten Wand ab. Noch immer tat ihm sein Kopf weh. „Lyviani, ich…“: doch dann hörte er ganz eindeutig ein Schaben, ein Kratzen, etwas das klang als würde etwas über den Boden geschliffen. Das Geräusch war nicht nah, nein, es schien an den Wänden entlang durch den Kanal zu schallen. „Was ist das bloß?“: fragte sich der Heiler laut. Allerdings war er sich mit der Assassinin darin einig, dass sie es nicht unbedingt herausfinden wollten.

    Sie irrten weiter. Inzwischen hatte Tirian auch schon völlig die Orientierung verloren. Da er sich an den letzten Abzweigungen mehr auf die vermeintliche Gefahr in seinem Nacken konzentriert hatte, hatte er gar nicht darauf geachtet, in welche Richtung sie schließlich gelaufen waren. Inzwischen kamen ihm die Gänge, die Brücken und der Abfall, der allgegenwärtig war, nur allzu sehr bekannt vor. Tirian glaubte langsam, dass sie im Kreis liefen. Die Orientierung hatte er längstens verloren. Als sie schließlich wieder an eine Kreuzung gelangten, die er wieder erkannte. Allerdings waren sie schon vor einer gefühlten Ewigkeit an genau dieser Stelle vorbeigekommen. Der Heiler wusste nicht weiter. „Verflucht“: stieß er hervor. Lyviani trat vor ihn und sah ihn auffordernd an. „Ich habe keine Ahnung wo wir sind. Wir haben uns verirrt“: gab er schließlich zu. Wieder war das Kratzen zu hören.

  8. #48

    Weidenländer, Falensarano, Kanalisation

    Inzwischen war auch Dreveni klar geworden, wo sie sich befinden mussten, sah das Ganze doch verdächtig nach Kanalisation aus, wie sie auch in Cyrodiil unter der Kaiserstadt zu finden war. Ein ausgezeichneter Fluchtweg, wenn man sich dort auskannte. Wenn nicht...
    Sie wagte es nicht, den Gedanken weiterzuführen, und kramte statt dessen in ihrem Gedächtnis nach der Formel für einen ganz bestimmten Zauber. So merkte sie zu spät, dass Tirian dabei war eine Fackel anzuzünden, und sich trotz ihres Protestes nicht davon abbringen ließ. Sie hatte vor einer Weile einen Zauber gelernt, um im Dunkeln zu sehen ohne Licht zu brauchen, aber er wollte ihr gerade nicht mehr einfallen, noch dazu schmerzte ihr Kopf eh so sehr, dass sie sich kaum konzentrieren konnte.
    Nachdem sie hier nicht bleiben konnten, und jede Abzweigung so gut wie die andere zu sein schien, folgte sie Tirian, die Hand fest am Griff ihres Schwertes, was ihr zumindest im Ansatz die Illusion von Sicherheit gab. Sie wusste, dass sie hier nicht allein waren, und auch dass sie sich die seltsamen Geräusche nicht nur einbildete, auch wenn bis auf ihre verzerrten Schatten an den Wänden nichts zu sehen war.
    Dreveni behauptete von sich immer, furchtlos zu sein, doch war ihr diese Umgebung auch alles andere als geheuer. Sie hasste es wenn sie ihre Feinde nicht sehen konnte, und dass es diese hier gab bezweifelte sie nicht eine Sekunde. Unbewusst hielt sie sich näher an Tirian, dessen Nervosität sich langsam aber sicher doch auf sie übertrug.
    Dreveni selbst meinte ständig Blicke in ihrem Nacken zu fühlen, die ihr einen Schauer über den Rücken jagten und die jedes einzelne Haar in ihrem Nacken sich aufstellen ließen. Blicke, die nur darauf zu warten schienen dass sie abgelenkt war, um über sie herzufallen. Noch dazu verzerrte sich das Echo ihrer eigenen Schritte hier unten derart, dass sie dauernd meinte, etwas würde hinter ihr laufen.
    Während sie so voran schlichen, achtete sie nicht auf den Weg, sie verließ sich ganz darauf, dass es Tirian tat, was sich bald als Fehler herausstellte. Die Kreuzung die sie erreicht hatten, kam ihr nur allzu bekannt vor. "Scheiße.", fluchte sie leise und fast unhörbar. Da drehte sich der Heiler auch schon zu ihr um: „Ich habe keine Ahnung wo wir sind. Wir haben uns verirrt“.
    "Wunderbar. Da verlässt man sich einmal..." Weiter kam sie nicht, da war wieder das eigenartige Schaben und Kratzen zu vernehmen, dieses mal jedoch näher und sie war sich wirklich sicher, dass es keine Einbildung war. Irgendetwas kam auf sie zu. Insgeheim musste sie zugeben, dass es ihr ganz Recht war, wenn es endlich zur Konfrontation kommen würde, diese Ungewissheit zerrte inzwischen ziemlich an ihren Nerven.
    So zog sie ihr Schwert und rief laut in die Richtung, aus der das Geräusch scheinbar gekommen war: "Komm endlich raus, du feiger Hund!"
    Sie war noch halb erstaunt darüber, dass ihre Stimme sicherer klang, als es ihr zumute war, da konnte sie einen Schatten von etwas das sich hinter der Biegung des Ganges befand, erkennen. Der Schatten bewegte sich taumelnd und fast unsicher, was nicht nur an dem flackerndem Licht der Fackel liegen konnte. Sie griff ihr Schwert fest mit beiden Händen und hielt die Spitze der Klinge weit vor sich gestreckt, die Formel eines Schildzaubers war ihr glücklicherweise nicht entfallen wie die des Nachtsichtzaubers vorhin.

  9. #49

    Weidenländer, Falensarano, Kanalisation

    [Tirian]
    "Wunderbar. Da verlässt man sich einmal...": wollte seine Begleiterin ansetzen, doch wurde sie durch das seltsame schabende Geräusch unterbrochen. Lyviani hatte scheinbar etwas entdeckt. "Komm endlich raus, du feiger Hund!": schrie sie und hatte ihr Schwert gezogen. Sie bewegte sich langsam in Richtung einer Ecke vorwärts. Tirian konnte Nichts erkennen. „Es tut mir leid, dass ich…“: doch mit einem energischen Wink verbot sie ihm das Wort. Der Heiler folgte ihr dicht auf, als sie sich weiter bewegte. Er zog sein Schwert. „Ich habe da vorne etwas gesehen“: flüsterte sie und langsam gingen sie weiter. Sie näherten sich einer Ecke. Ihm wurde langsam mulmig zu Mute. Schweißperlen liefen von seiner Stirn. Einen Moment standen sie noch vor der Abbiegung von der aus das Geräusch angeblich gekommen waren und sahen sich in die Auge. Tirian nickte und griff sein eigenes Schwert fester. Mit einem Satz sprangen Beide gleichzeitig hervor und dort war… Nichts. Seiner Begleiterin stand die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. Man konnte ihr deutlich ansehen, dass sie ratlos war. Sie sah sich etwas hektisch um. Tirian tat es ihr gleich, doch auch er konnte Nichts erkennen. Das Geräusch war auch längst wieder verstummt. Womöglich hatte sie sich die Bedrohung nur eingebildet. Ihre Kopfwunde und die Umgebung zehrten vielleicht schon an ihren Nerven. Seiner Ansicht sollten sie hier verschwinden, statt Phantomen nachzujagen. „Vielleicht habt ihr euch getäuscht“: sagte er. Lyviani schenkte ihm einen grimmigen Blick. Er wollte etwas erwidern, als ein leichter Hauch sein Gesicht streifte. Die Fackel flackerte etwas. „Ein Luftzug!“: erkannte der Heiler. Er kam aus dem Tunnel zu ihrer Rechten. Womöglich gab es dort einen Ausgang. „Ich weis jetzt wo wir lang müssen“: sagte der Dunmer und deutete in die Richtung, aus der der Lufthauch gekommen war.

    [Dreveni]
    Getäuscht? Sicher nicht., dachte sich Dreveni und warf Tirian einen Blick zu, der genau das ausdrückte. Hier war etwas, auch wenn es sich - aus welchen Gründen auch immer - nicht zeigen wollte. Sie hatte zwar einen ziemlichen Schlag auf den Kopf gekommen, was aber nicht hieß, dass sie vollkommen blöd, blind und taub war. Bevor sie doch noch etwas darauf erwidern konnte, kam schon von Tirian: „Ich weis jetzt wo wir lang müssen“
    Der Blick, den sie dem Heiler zuwarf, verdüstere sich noch etwas, als sie antwortete: "Sicher. Ändern wir die Richtung wenn wir im Kreis laufen, schadet ja nicht. Mir ist eh schon ganz schwindlig." Nicht das Dreveni selber eine Ahnung gehabt hätte, wo es lang ging, aber um Tirians Orientierungssinn schien es auch nicht sonderlich gut bestellt zu sein. Ihr Schwert hatte sie noch nicht wieder weggesteckt und hielt es in der Rechten, die Spitze leicht auf den Boden gestützt. Ihre Linke hatte sie in die Hüfte gestemmt, da sie fürchtete, ihre Hände könnten zittern. Tirian machte sie noch ganz irre mit seiner Angst, nie hätte sie zugegeben, dass es ihr selbst auch langsam etwas unheimlich wurde, unabhängig von dem Nervenbündel von Dunmer vor ihr.

    [Tirian]
    Der Heiler starrte sie ob der Spitze einen Moment lang an. "Ich fand es besser, dass wir uns überhaupt erst einmal einen Weg suchen, bevor wir noch länger unter diesem verschlossenen Schacht sitzen. Entschuldigt bitte, dass ich uns im Kreis herum geführt habe, aber ihr hattet auch keine Einwände oder einen besseren Vorschlag": giftete der Heiler Lyviani an. Der Schmerz in seinen Schläfen meldete sich gerade wieder zurück. "Da sind solche Kommentare von euch nicht sonderlich hilfreich": fügte er noch dazu. Zumal sie hier auf irgendwelche Phantome losgehen wollte. Wieder fuhr ihm ein Schmerz durch den Schädel. Er fasste sich an den Kopf. "Ich will hier raus": dachte er sich.

    [Dreveni]
    "Nicht hilfreich?", zischte sie Tirian an, und stand einen Moment sprachlos vor ihm. "Ich dachte ihr wüsstet, wo ihr langlauft. Jedenfalls soweit, dass wir nicht im Kreis gehen. Das muß man doch merken!" Natürlich hätte sie selbst auch auf den Weg achten können, doch das würde sie jetzt sicher nicht zugeben. "Und einer von uns musste ja auf die Umgebung achten, während ihr euch verlauft. Falls es euch entgangen ist, wir sind sicher nicht die Einzigen hier unten." Sie sah ihn einen Moment abschätzend an, bevor sie fort fuhr: "Wenn ihr zuviel Angst habt um euch auf den Weg zu konzentrieren, sagt es lieber gleich."

    [Tirian]
    "Wie soll ich wissen, wo wir lang laufen müssen, wenn ich zum ersten Mal hier unten bin?": entgegnete er. "Außerdem wart ihr diejenige, die jetzt Phantomen nachjagen wollte. Ich bin mir inzwischen nicht mehr sicher, ob wirklich etwas hinter uns her ist. Wir haben einen Schlag auf den Kopf bekommen, womöglich bilden wir uns das hier auch nur ein. Oder seht ihr hier irgendwo einen Gegner?": wandte Tirian ein. Lyviani schaute ihn ratlos an. "Ich sehe auch keinen. Ihr habt euch das nur eingebildet!": redete er mit Nachdruck auf sie ein. Er spürte wieder etwas Wut aufkommen, doch er wusste gar nicht wieso. Sein Kopf schmerzte. Sein Blick glitt über die Hand, mit der sie sich auf ihr Schwert stützte. Er zog die Augenbrauen hoch. "Zittert sie?": fragte er sich. In diesem Moment taten ihm seine Worte leid. "Ich bin froh, dass ihr auf uns aufpasst, doch diesmal bin ich mir sicher. Ich habe einen Luftzug gespürt. In dieser Richtung muss es zumindest einen Ort geben, der mit der Oberfläche verbunden ist": entschuldigte sich der Heiler und erklärte er seine Beobachtung. "Vertraut mir": bat er.

    [Dreveni]
    Dreveni dachte nicht daran, jetzt einzulenken. Dass Tirian schon wieder nachgab, bewirkte bei ihr das genaue Gegenteil.
    "Ich sehe auch keine Gegner, und genau DAS ist das Problem.", sagte sie und funkelte ihn an. "Außerdem neige ich nicht dazu, mir Dinge einzubilden, dazu braucht es schon mehr als einen Schlag auf den Kopf." Sie hatte tatsächlich grausame Kopfschmerzen und die Wunde an ihrer Stirn brandte, aber so schlimm war es nun auch wieder nicht. Mit dem Luftzug hatte er aber einen guten Punkt, mußte sie wiederstrebend zugeben. "Und nein, ich vertraue euch nicht. Ihr mögt Recht haben mit dem Luftzug, aber das hat nichts mit Vertrauen zu tun.", giftete sie ihn an und wollte sich an ihm vorbei in die Richtung schieben, in die er gedeutet hatte.

    [Tirian]
    "Ich dachte über diesen Punkt wären wir schon hinaus": bedauerte der Dunmer und ließ Lyviani passieren. "Und was beim Tribunal meint ihr damit, dass das genau das Problem ist?": wollte der Heiler wissen, während er ihr folgte. "Mir persönlich ist es lieber, wenn wir nicht von Irgendetwas hier im Halbdunkel angegriffen werden": war er eigentlich ganz froh darüber, dass sie die Assassine nur ein Hirngespinst gesehen hatte. "Ich weis nicht. Dieser Ort hat eine seltsame Ausstrahlung. Ich fühle mich schon die ganze Zeit über beobachtet, da hier aber offenbar Nichts ist, muss ich mir das wohl nur einbilden": redete Tirian auf seine Begleiterin ein. In diesem Moment erklang ein unmenschliches Brüllen, das sich im Tunnel ausbreitete.

    [Dreveni]
    "Und was lässt euch solche abwegigen Dinge denken, dass wir darüber hinaus wären?", fragte sie Tirian scharf. "Wenn ihr das wirklich so meint, seid ihr noch naiver als ich angenommen habe. Ich vertraue euch genauso wie jedem anderen nur solange, bis ich ihm den Rücken zukehre. Und ihr tätet gut daran, das selbe zumindest bei mir zu tun." Jetzt konnte sie endlich ein paar Dinge der letzten Tage geraderücken, wenn auch weniger bei Tirian, als bei sich selber. "Und diese 'seltsame Ausstrahlung' ist irgendwer der im Dunkel sitzt und uns auflauert. Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich für meinen Teil bin schon durch genug düstere Gänge gekrochen während..." Weiter kam sie nicht, denn da wurde sie von dem Brüllen unterbrochen. Es durchfuhr sie eiskalt, und für einen Moment sah man das Entsetzen und den Schreck auf ihrem Gesicht, als sie reflexhaft das Schwert hochriss. Das Brüllen war durch die gemauerten Gänge verzerrt, so dass sie es erst nicht identifizieren konnte, was sie auch ganz ehrlich nicht unbedingt wollte. Es war nach wie vor kein Gegner zu sehen, nur klangen jetzt auch schlurfende Schritte aus dem Gang, so weit man das neben dem Brüllen sagen konnte. Ein hektischer Blick zu ihrem Begleiter zeigte ihr, dass sich Tirian schon zur Flucht umgewandt hatte, und Dreveni war das mehr als recht. Es hörte sich so an, als wären sie beide hoffnungslos unterlegen, und in diesem Fall war eine Flucht nun wirklich nicht verwerflich, so folgte sie Tirian in der Hoffnung, dem was immer in dem Tunnel so abartig brüllte, zu entkommen.

    [Tirian]
    Lyvianis Worte trafen ihn wirklich. Auch wenn es ihn selbst überraschte, mochte er die Meuchlerin inzwischen. "Dann traut ihr mir eben nicht": nuschelte der Heiler in sich hinein, während sie flohen. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Dinger da hinter uns alles sind, denn ich habe immer noch das Gefühl, dass man uns beobachtet": sagte Tirian atemlos zu seiner Begleiterin, während sie nebeneinander in Richtung des Ausganges flohen. Hinter ihnen waren die Schritte, wenn man das so nennen konnte, ihrer Verfolger. Sie folgten dem Luftzug, bogen ab und erreichten schließlich einen ziemlich baufälligen Übergang. Ein Teil war bereits abgebröckelt, womit die Brücke so schmal geworden war, dass nur eine Person gleichzeitig darüber gehen konnte. Weiteres Brüllen erschall hinter ihnen. Tirian schaute Lyviani an, die bereits vorgegangen war und nun etwas unschlüssig vor dem Übergang stand. Mutig machte sie einige Schritte auf den Steg. Innerlich bereitete sich der Heiler bereits darauf vor, ihr nachzufolgen. Gerade als er einen Schritt nach vorne machen wollte, nahm er aus dem Augenwinkel eine Bewegung war. Er drehte sich um, doch konnte er wieder nur seinen Schatten sehen, der von der Fackel an die Wand geworfen wurde.

    Ein weiterer Windhauch kam, brachte die Fackel zum Flackern, doch sein Schattenriss blieb davon ganz unbeirrt. Tirians Augen weiteten sich, als sich plötzlich das Schattenbild verzerrte und seinem eigenen Umriss tatsächlich Klauen wuchsen. Wieder spürte er einen stechenden Schmerz im Kopf und musste vor Qual schreien. "Was ist los?": fragte Lyviani, die sich umgedreht hatte, um nach ihm zu sehen. "Der Schatten, es ist der...": weiter kam er nicht, denn plötzlich löste sich der monströs veränderte Schattenriss etwas von der Wand. Die Klaue schoss hervor und packte den Heiler am Hals. Sie war schattenhaft und kalt, geradezu... "Geisterhaft!" wurde ihm bewusst, womit sie es zu tun hatten. Lyviani wollte mit ihrer Waffe ausholen, doch in diesem Moment brach etwas unterhalb der Brücke aus dem Wasser. Tirian konnte Nichts sehen, da er von der Klaue und dem Anblick seines eigenen diabolisch grinsenden Abbildes an der Kanalwand gefesselt war. Die Dunmer keuchte als sie wohl von unten gepackt wurde. Der Fäulnisgestank und das Stöhnen, das sich pötzlich ausbreitete wiesen auf einen Zombie hin.

    [Dreveni]
    Sie lief neben Tirian in die Richtung, in die der Dunmer den Ausgang vermutet hatte. Hoffentlich hatte er recht damit. Schließlich kamen sie an etwas, was einmal ein Steg gewesen war, jetzt war davon nur noch ein schmaler Streifen aus Stein übrig, der kaum stabil genug wirkte, um noch eine Person tragen zu können. Nachdem ihnen nichts anderes übrig blieb, tat Dreveni prüfend einen Schritt auf den schmalen Übergang, als sie Tirian plötzlich hinter sich schreien hörte. Sie sah gerade noch, wie etwas ...Ein Schatten!?... Tirian am Hals packte. Sie wollte schon mit dem Schwert danach schlagen, da fühlte sie sich unsanft am Bein gepackt und ein ekelerregender Gestank nach Fäulniss stieg ihr in die Nase. Etwas versuchte sie in das abgestandene Kanalwasser zu ziehen. Fast panisch hieb sie mit dem Schwert danach, und am Rande registrierte sie, dass es sich bei der verfaulten Gestalt um einen Zombie handelte. Als sie ihm den Arm abschlug fand sie zumindest ihr Gleichgewicht wieder, doch die Kreatur schien das nicht groß zu stören. Erst als sie ihm nach ein paar weiteren, hektischen Hieben den Kopf abgeschlagen hatte, gab das Viech frieden und sank blubbernd in das Wasser zurück.
    Jetzt erst fand sie Zeit, sich um Tirian zu kümmern.
    Sie konnte nicht genau erkennen, was ihn gepackt hielt, aber es mußte irgendein Schatten aus der Zwischenwelt sein. Als ob Zombies hier unten nicht gereicht hätten. Sie nahm das Schwert in die Linke und zog jetzt ihren Dolch, Untote schienen gegen daedrischen Stahl empfindlicher zu sein als gegen Vulkanglas. Und so dicht, wie das Wesen Tirian umklammert hielt, wagte sie es nicht, einen Zauber einzusetzen. Sie hieb blindlings mit dem Dolch auf den Schatten ein, in der Hoffnung dass er den Heiler wenigstens für einen Moment loslassen würde. Kaum traf sie ihn das erste Mal gab die Kreatur ein kreischen von sich, dass ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ.

    [Tirian]
    Tirian schwanden schon die Sinne, so fest packte ihn die Kreatur an. Er fühlte außerdem wie langsam Kälte seinen Körper erfüllte. Im Augenblick als er bereits nur noch verschwommen sah, erklang ein markerschütterndes Kreischen. Er ging in die Knie und schnappte nach Luft. Selbst die faulig-abgestandene Luft im Kanal erschien ihm unsagbar süß. Er sah wie Lyviani mit ein daedrischen Waffe in der Hand über ihm stand, deren rote Musterung im Licht der Fackel, die ihm heruntergefallen war, dämonisch glühte. "Daedrisches Metall": überlegte er. Der Schatten hatte noch nicht aufgegeben. Wieder wurde er stofflicher, diesmal schossen beide Klauen hervor, jedoch ließ sich der Heiler diesmal nicht mehr erschrecken. Der einen Klaue verpasste er Blitzzauber und in einer hochfahrenden Bewegung griff er nach dem Schwert, das ebenso wie die Fackel zu Boden gegangen war, und hieb damit nach der anderen Klaue. Wieder kreischte das Schattenwesen vor Schmerz und offenbarte so, was es wirklich war. Er drehte sich herum und schob die Assassine, die scheinbar noch etwas unschlüssig war, wie man mit diesem Gegner umgehen sollte, über die Brücke. Die Fackel ließ er zurück. "Das ist ein Geist": sagte Tirian ihr und sie rannten wieder in die Richtung, in der doch endlich der Ausgang liegen musste. In seinem Rücken hörte er das laute Platschen von Wasser. Offenbar waren da noch mehr Untote und sie kamen näher. Das Gefühl tiefsitzender Angst und Bedrohung war wie von ihm abgefallen und ihm ging dabei etwas auf. "Lyviani": rief er der Assassinin, die vor ihm lief, zu: "Die Geräusche und die Bewegungen die wahrgenommen haben, die Angst, dieser verfluchte Geist muss unseren Verstand verwirrt haben. Wenn er das kann, muss er ziemlich stark sein." Er brauchte einen Moment um Luft zu holen. "Allerdings glaube ich, dass diese Dinger hinter uns, real sind": befürchtete er.
    Geändert von KingPaddy (03.05.2013 um 00:40 Uhr)

  10. #50

    Weidenländer, Falensarano, Kanalisation

    [Dreveni]
    Sie hörte den Reden Tirians nur mit halben Ohr zu, zu sehr war sie darauf konzentriert nicht auszurutschen, und darauf zu achten, dass sie nicht von der Horde Untoter eingeholt wurde, die inzwischen auf ihren Fersen klebte. Es kam ihr allerdings langsam so vor, als würden sie einen - wenn auch nur kleinen - Vorsprung gewinnen.
    Inzwischen hatten sie sich einem Bereich der Kanalisation betreten, der nicht ganz zu alt zu sein schien, die Steine waren weniger vermodert und rissig. Es sah allerdings immer noch nicht nach Ausgang aus hier, als sie vor einem Gang standen, der nur grob in das Erdreich geschlagen war, und nach ein paar Metern in einer Holztüre endete.
    Dreveni trat vor Tirian in den Gang und rüttelte an der Tür, die sich aber nicht rührte, außerdem konnte sie das leichte kribbeln von Magie fühlen. "Verfluchter Dreck, Magie. Und was jetzt?", sprach sie und sah Tirian an, fast panisch, denn sie hörte wie die Horde aus Zombies und Skeletten immer näher kam. Sie saßen in der Falle, im wahrsten Sinne des Wortes, denn so wie es klang, waren dort nicht nur ein oder zwei der untoten Kreaturen hinter ihnen her. Einen Augenblick später hatte sie sich wieder etwas gefangen und akzeptiert, dass es keinen anderen Weg gab, als sich der Meute zu stellen. Sie sprach einen Schildzauber und nach kurzem überlegen berührte sie Tirian an der Schulter um ihn ebenfalls durch einen Zauber zu schützen, da er nicht mehr als seine Robe trug, die den Klauen der Zombies wenig entgegenzusetzen hatte.
    Wenn es jemals einen passenden Zeitpunkt für einen seiner Wutanfälle gegeben hatte, dann jetzt, Dreveni hätte nichts dagegen wenn der die Untoten einfach auf einen Schlag grillte.
    "Verschwendet eure Magie nicht auf irgendwelche Stärkungszauber, seht zu dass ihr diese Zombies erwischt, wenn sie uns erst einmal umringt haben, ist es zu spät.", raunte sie ihm noch zu, da waren die Ersten auch schon heran...

    [Tirian]
    Lyviani reagierte gar nicht auf das, was er sagte, aber auch er konzentrierte sich lieber darauf in diesem schmierigen Loch, in dem sie hier festsaßen nicht fehlzutreten, abzurutschen und in dieses Brackwasser zu fallen, in dem sich offenbar erweckte Kadaver tummelten. Schließlich erreichten sie einen nicht gar so alten Teil der Kanalisation. Der war zwar immer noch sehr alt, aber sichtbar neueren Datums als die Architektur der zurückliegenden Gänge. Offenbar war dieser Teil auch nicht komplett fertig. Der Kanal war noch nicht ganz fertig ausgehoben und die Wände waren auch noch nicht verputzt. An der Stelle auf die sie zu hielten, waren sogar noch Felswände zu erkennen. Anhand der herumliegenden Werkzeuge ließ sich ablesen, dass die Arbeiten wohl abrupt geendet haben mussten. Tirian verschwendete darauf aber weiter keine Gedanken, sondern folgte der Dunmer lieber, bis sie vor einer Holztür anlangten. Sie war eindeutig provisorisch aus losen Planken zusammen gezimmert worden. Durch die großen Ritzen darin drang der Luftzug, der sie bis hierher geführt hatte. Tatsächlich besaß die Tür nicht einmal ein Schloss, doch konnte seine Begleiterin sie nicht öffnen. "Verfluchter Dreck, Magie. Und was jetzt?": fluchte sie. Tirian legte seine eigenen Hände noch einmal prüfend auf das Holz. Tatsächlich blockierte ein Siegel den Durchgang. "Wir sollen nicht entkommen": ging es dem Heiler durch den Kopf. Und hier saßen sie eindeutig in einer Sackgasse, einer Falle.

    Der Dunmer schaute sich hilfesuchend um und war schon am Überlegen, ob er seine Magie mit der des Siegels messen sollte, doch entschied er sich dagegen. Er wusste nicht, was passieren würde, wenn er diesen Abwehrzauber mit einem Blitz traktierte. Im schlimmsten Fall konnte er auf ihn zurückfallen. Sich selbst zu grillen, war keine angenehme Vorstellung. Er spürte eine Hand auf seiner Schulter. Er drehte sich um und schaute Lyviani in die Augen. Er spürte wie sich ein Schild um ihn herum aufbaute. Er wusste zwar aus dem Kampf gegen die Redoraner, dass die Dunmer auch über rudimentäre, magische Fähigkeiten verfügte, aber das sie auch etwas anderes konnte, als reine Kampfzauber, überraschte ihn dann doch etwas. "Verschwendet eure Magie nicht auf irgendwelche Stärkungszauber, seht zu dass ihr diese Zombies erwischt, wenn sie uns erst einmal umringt haben, ist es zu spät": rief sie ihn zur Ordnung. Er nickte. Das sie von der stärkenden Magie wenig hielt, war ihm noch gut in Erinnerung. Außerdem stimmte er mit ihr darin überein, dass seine Schockzauber ihre beste Möglichkeit waren, sich zu erwehren. Das Silberschwert würde auch nur bedingt gegen stoffliche Untote helfen und ein Skelett bedrängte man am Besten mit etwas wie einem Streitkolben oder einer Axt nur gegen einen Zombie würde er damit einen Stich sehen. Und für einen Geist würde er keine zusätzliche Kraft brauchen, mehr Schaden als durch das Silber, würde die Kreatur eh nicht erleiden.

    Er lud seine Hände mit Schockenergie auf. Glücklicherweise hatten sie heute noch nicht weiter kämpfen müssen, sodass seine magische Reserven gefüllt waren. Er verengte die Augen und versuchte im Dunkel, das sie nun dichter umgab, seit er die Fackel zurückgelassen hatte, etwas zu erkennen. Doch hörte er die Gegner, bevor er sie sah. Stöhnend, klappernd, schleifend und kratzend bewegten sie sich auf sie zu. Aus einem nahen Gang kamen sie gewankt. Es waren Zombies, halb verfault, aufgedunsen, mit leeren Blicken, wenn die Gesichter nicht schon halb zerfallen waren, die Schimmel und offene Wunden zeigten. Neben ihnen marschierten fahle Skelette mit Resten von zerfetzter Kleidung oder Rüstungsteilen um den klapprigen Rumpf. Ihre Augenhöhlen waren schwarz und leer. Sie entdeckten sie und blieben einen Moment stehen. Einer der Zombies trat vor und riss seinen verfallenen Unterkiefer um und stieß das Brüllen aus, das sie schon zuvor gehört hatte. Der Tunnel wurde hell, als sich ein Kugelblitz von Tirians Hand löste, summend durch die Luft schoss und der Kreatur den Schädel unter dem zuckenden Licht einer Entladung den Kopf platzen ließ. Das Brüllen verstummte und die anderen Untoten stürmten auf sie zu. Die Zombies mit ihren entstellten Gliedmaßen, die Skelette bewaffnet mir rostigen Spitzhacken und anderen Werkzeugen, offenbar die ehemaligen Bauarbeiter. Tirian zog sein Schwert und feuerte noch einen Kugelblitz in die Menge, bevor sie sich auffächern konnte.

    [Dreveni]
    Es waren viele, zu viele, dachte Dreveni nur, als sie die Meute sehen konnte. Dass sie den Gang, der sich etwas verengte, im Rücken hatten, gab ihnen zwar den Vorteil dass sie schwerer einzukreisen waren, allerdings konnte er auch zur Falle werden, wenn sie in ihn zurückgedrängt wurden.
    Eine der Kreaturen stieß ein Brüllen aus, das Dreveni nur allzu bekannt vorkam, bis er von Tirian unsanft zum Schweigen gebracht wurde. Machte einen weniger, aber immer noch nicht wenige genug. Nun gut, sie hatten keine Wahl, so oder so.
    Sie trat ein Stück weg von dem Heiler, um ihn nicht ausversehen mit dem Schwert zu erwischen, und holte aus, als die ersten zwei Zombies nahe genug bei ihr waren. Sie zog das Schwert mit schwung in einem weiten Bogen von unten nach schräg oben, was den beiden Kreaturen die Reste ihrer Rümpfe aufschlitzte und sie zurücktaumeln ließ. Vergammelter Schleim spritzte aus den Wunden, schien die beiden aber nicht weiter zu stören, schon stürmten sie wieder nach vorne. Dieses mal schickte sie dem rechten Zombie einen Schockzauber entgegen, der nicht ganz so kräftig wirkte wie der von Tirian, aber reichte um ihn dieses mal endgültig ins Jenseits zu befördern. Dem linken hieb sie kurzerhand den Kopf ab, doch kaum war er gefallen, war schon ein Skelett mit einem Langschwert heran, dass ihr einen kräftigen Hieb versetzte, der die magische Barriere um sie herum aufleuchten ließ. Noch hielt sie und der Hieb ging nicht durch, aber sie merkte die Magie, die sie brauchte, um den Schild weiterhin stabil zu halten.
    Ungezielt stach sie nach dem Skelett, wodurch sich ihr Schwert in seinen Rippen verfing, und sie brauchte ein paar Sekunden, um ihre Klinge wieder zu befreien.
    Wieviele kommen denn noch?, dachte sie, leicht verzweifelt. Als das Skelett kurz damit beschäftig war, seine Knochen zu sortieren, nutzte sie die Chance um einen kurzen Blick zu ihrem Begleiter zu werfen...

    [Tirian]
    Lyviani tat es ihm schnell gleich und setzte den ersten zwei Zombies, die an sie herankamen, ihr Vulkanglasschwert entgegen und brachte die Kreaturen auf Abstand. Derweil deckte der Heiler weitere heranstürmende Gegner mit Blitzen ein. Einem anderen wanken Fleischhaufen zerfetzte er den Torso mit einer Lanze gebündelter Schockmagie und ließ zuerst dessen verfaultes Gekröse herausfallen, um mit der Lanze dann wie mit einem Skalpell nach oben zu fahren und ihm den Schädel von unten nach oben aufzureißen. Der Geruch von verbranntem Fleisch breitete sich aus. Es roch ekelerregend, was den Heiler kurz husten ließ, ihm aber nicht die Konzentration für einen weiteren Zauber stahl, der in Form eines Kugelblitzes eines der Skelette traf, die außer ihren zombiösen Kollegen hervorstürmten und die magische Verbindung zwischen Knochen zersprengte und den beinernen Körper gleich mit. Allerdings war in dieser Zeit ein anderer Zombie gefährlich nahe gekommen und Tirian hatte alle Hände voll damit zu tun ihn mit seinem Schwert auf Abstand zu halten. Das Silber machte der hinfälligen Kreatur nichts aus und auch die Klinge zerschnitt den Körper, richtete aber wenig aus.

    Der Dunmer ließ nun doch etwas stärkende Energie in seine Arme fließen und schaffte es schließlich mit einem Streich schräg von unten nach oben, durch beide Arme zu schneiden und das Biest zu verkrüppeln. Als es sich nun ohne seine Klauen gegen ihn werfen und ihn beißen wollte, riss er die Klinge hoch und trieb sie dem Körper durch den Schädel. Vor ihm brach der Wiedergänger zusammen, doch steckte das Schwert so fest, dass Tirian seinen Fuß auf die Schulter des Zombies stellen und geradezu am Griff reißen musste, um es wieder zu befreien. Diese Augenblicke erschienen anderen Untoten wohl günstig genug, um anzugreifen. Der Heiler erkannte, dass er sie nicht mehr abwehren konnte. Er rief sich einen Zauber ins Gedächtnis, der ihm in seiner Lehre zum Heiler vermittelt worden war. Da es damals noch zu erwarten gestanden hatte, dass er Priester werden sollte, etwas das er schließlich aufgrund des Dogmas des Tribunals Tempels ablehnte, gab es auch entsprechenden Unterricht darin, sich den Kräften des Bösen zu erwehren. Er murmelte schnell die heiligen Worte und streckte die Hände vor. Ein weißes Licht materialisierte sich vor seinen Handflächen. Die Gegner, die ihn angreifen wollten, blieben stehen. Dann löste sich der Zauber von seiner Hand und breitete sich in einer Welle weißen Nebels aus, der die Toten umfasste. Die beiden Zombies, die er damit einfing begannen zu brüllen, als der Nebel sie berührte. Zusammen mit dem Skelett, das ebenfalls angreifen wollte, ließen sie von ihm ab und ergriffen die Flucht. Tirian nutzte die kurze Kampfpause, um zu schauen, ob Lyviani seine Hilfe brauchte.

    [Dreveni]
    Der Heiler neben ihr schlug sich tapfer, und mit irgendeinem Zauber den Dreveni nicht kannte, schaffte er es sogar, die Untoten zur Flucht zu verleiten. War nur die Frage offen, wie lange das anhalten und wann sie zurückkehren würden.
    Sie hatte keine Zeit, näher darüber nachzudenken, da schon wieder das Skelett mit dem Langschwert ausholte. Sie war dem Schildzauber mehr als dankbar, auch wenn sie dieser, zusammen mit dem, den sie über Tirian gelegt hatte, einiges an Kraft kostete, die sie nun nicht mehr für Schockzauber übrig hatte. Ohne diesen hätte der Zombie, der gerade dazu noch nach ihr schnappte, sich wohl kräftig in ihrem Arm verbissen. Mit einem gezielten Tritt hielt sie ihn auf Abstand, als sie den nächsten Hieb des Skelettes blockte. Nachdem sie in diesem Skelett gerade die größere Gefahr sah, da es ihr mit dem Langschwert wirklich gefährlich werden konnte, legte sie alle ihre Kraft in ihren nächsten Hieb. Sie nahm das Schwert in einem fast elegant wirkendem Bogen nach oben - wobei sie dem Zombie neben sich streifte, der ihr schon wieder gefährlich nahe gekommen war - und schlug dem Skelett mit Wucht von oben auf den Schädel. Knochen splitterten, für einen Moment stand die Kreatur kopflos da, dann wurde sie schon von dem Schwung der Klinge zu Boden gerissen, wo sie als ein Haufen Knochen liegen blieb. Dreveni hoffte, dass sie nicht noch einmal aufstehen würde, da sprang sie auch schon wieder der Zombie neben ihr an, so dass sie gegen Tirian stolperte.

    [Tirian]
    Lyviani schlug sich gut gegen die Wiedergänger, die ihr auf den Pelz rückten. Beruhigt wandte sich Tirian den Gegnern zu, die wieder auf ihn zu hielten. Ein Skelett kam her, wurde jedoch durch einen magisch verstärkten Schlag gefällt. Die Klinge sauste in einem steilen Winkel von oben aus in die belebten Gebeine, traf zwischen Wirbelsäule und Schulterblatt das Rückgrat und zerschmetterte das klappernde Konstrukt mit voller Wucht. Knochensplitter und Einzelteile zerstoben in alle Richtungen. Derweil näherte sich ein weiterer, diesmal kopfloser Zombie und packte den Heiler mit fuchtelnden Armen. Ihm wurde schlecht, als er den Fäulnisgestank so nah an sich hatte und das schleimige Miasma seiner Verwesung sich über seine Robe verteilte. Den Ekel nur schwer überwindend drückte der Dunmer seine Hand auf den nackten, ebenfalls aufgedunsen, weichen und schmierigen Körper des Monstrums und ließ der Magie freien Lauf. Vom Schockzauber getroffen, wurde der Zombie regelrecht gegrillt. Flüssigkeit, die durch die Hitze des Blitzes aus ihm herausgekocht wurde, sickerte ebenfalls über Tirians Kleidung. Er fühlte sich in diesem Moment so ekelerregend schmutzig, dass ihm selbst ein Bad in der Brühe, die in dem Kanal stand, zur Reinigung gedient hätte.

    Gerade als er sich wieder weiteren Gegnern zuwenden wollte, sah er aus dem Augenwinkel etwas auf sich zustolpern. Er wandte sich um, gerade rechtzeitig, um das Silberschwert fallen zu lassen und etwas unbeholfen Lyviani aufzufangen sowie mit einer weiteren Blitzlanze reflexartig den Zombie aufzuschneiden, der ihr dicht gefolgt nachsetzte. In diesem Moment wich die Dunkelheits des Tunnels plötzlich einem grün-weißen Leuchten. Tirian sah, wie zwischen den restlichen Untoten ein Geist aus dem Boden wuchs. Der Heiler erkannte ihn an seinen Klauen. "Das ist der Geist, der uns vorhin an der Brücke erwischt hat": sagte er der Assassine. Der Dunmer schaffte es gerade noch sein Schwert aufzuheben, da sah er auch schon eine Kugel aus glitzernder Luft auf sie zufliegen. Er schubste Lyviani schnell aus dem Weg und lass sich nach hinten fallen. Er spürte die Kälte im Gesicht als der Zauber des Geistes auf dem Boden explodierte und die getroffene Stelle mit Frost überzog. Leider war Tirian zu langsam, um dem nächsten Zauber zu entgehen. Im Licht, das der Geist ausstrahlte, glänzten die winzigen, rasiermesserscharfen Eiskristalle noch einen Moment, bevor die Wolke ihn traf. Er schloss die Augen, während er ein fürchterliches Brennen im Gesicht spürte und die scharfkantigen Eisklingen ihm die Haut aufschlitzten. Er blutete aus dutzenden kleinen Schnitten.

    [Dreveni]
    Dreveni fühlte sich von Tirian aufgefangen, der auch gleich den Zombie erledigte, der sie hartnäckig immer wieder von der Seite angriff. Gerade als sie sich wieder aus den Armen des Heilers befreite, sah sie auch schon was da in der Mitte der Untoten erschien, und hätte Tirians Erklärung kaum noch bedurft.
    Sie hatte kaum einen Blick auf den Geist geworfen, da wurde sie auch schon unsanft geschubst, gerade noch rechtzeitig um nicht von dem Eiszauber des Geistes getroffen zu werden. Viel Zeit um sich zu sammeln blieb ihnen nicht, da holte das Gespenst erneut aus. Dieses mal hatte Tirian bei weitem weniger Glück, ihn traf es voll. Dreveni sah wie ihm das Blut über das Gesicht lief, und für den Moment schien er auch nicht wirklich handlungsfähig. Nicht gut. Dreveni konzentrierte sich kurz, bevor sie dem Schattenwesen einen Feuerzauber entgegen schleuderte. Mit was sollte man Eis auch besser bekämpfen können? Davon abgesehen lag ihr das eher als Schockzauber.
    Für einen Augenblick verschwand die Silhouette des Geistes hinter den Flammen, als er wieder sichtbar wurde, meinte Dreveni seinen wütenden Blick auf sich zu fühlen. Es schien ihm nicht viel ausgemacht zu haben, aber er war jetzt - wenigstens vorerst - von Tirian abgelenkt. Außerdem hatte es ein paar der Untoten um ihn herum so angekokelt, dass sie doch endlich ihr Heil in der Flucht suchten.
    Für einen Moment schien es, als belauerten sich Dreveni und der Geist, bevor er einen weiteren Frostzauber in ihre Richtung warf. Auf das hatte sie allerdings nur gewartet, und sie hatte ganz ihren Reflexen vertraut, die sie auch nicht im Stich ließen, und so warf sie sich fast ohne nachzudenken aus der Flugbahn des Zaubers, der wirkungslos an der Wand zerplatzte, vor der sie gerade noch gestanden war.

  11. #51

    Weidenländer, Falensarano, Kanalisation

    [Tirian]
    Noch ganz benebelt von der Attacke des Geistes, bekam er mit wie eine Stichflamme den Tunnel erhellte. Es dauerte noch einige Augenblicke bis er soweit zur Besinnung gekommen war, dass er mitbekam, wie sich nun Lyviani diesem Untoten stellte. Offenbar waren die anderen Gegner in Deckung gegangen. Die Assassine wich geschickt einem weiteren Angriffszauber aus. Tirian nutzte seine Chance und half von der Seite mit einer weiteren Blitzlanze. Mit einer raschen Bewegung wand er sich ganz formungebunden aus dem Weg wie eine Schlange, doch der Heiler hatte Blut gelackt. Es war sein eigenes das aus den vielen Schnitten lief, die auch seine Lippen nicht verschont hatten. Er setzte der Lanze sofort noch kleine, schwächere Kugelblitze nach. Der Wiedergänger versuchte so gut es ging auszuweichen, doch einer der Zauber traf ihn. Er war nicht sehr stark, doch erstarrte ihr Gegner für einen Moment und schien geradezu völlig außer Form zu geraten. Diesen Moment nutzte Tirian und stieß mit einer weiteren Blitzlanze aus seiner Hand zu. Der Geist wurde direkt getroffen. "Das ist der Ausgleich, du Kreatur": rief der Dunmer. Das Gespenst kreischte. In diesem Moment fühlte er wieder einen bohrenden Schmerz in seiner Schläfe. Die Magie riss unvermittelt ab. Der Heiler hielt sich Kopf. Ein dunkles Lachen erklang und das grüne Leuchten verschwand, als der Untote verschwand.

    Auf einmal tauchte aus dem Gang rotes Licht auf. Tirian, noch benebelt von dem plötzlichen Schmerz, konnte verschwommen erkennen, wie die geflohenen Zombies, drei Stück waren es, und die zwei übrigen Skelette zurückkamen. Eines von ihnen hilet die Fackel, die der Heiler zuvor liegen gelassen hatte, in der Hand. "Was beim Tribunal...": fragte er. Die Fackel ließ flackend sieben Schatten hinter ihm, Lyviani und den anderen Untoten entstehen. "Oh nein": dachte der Dunmer, weil er ahnte, was sie damit bezweckten. "Lyviani es sind die Schatten": rief er. Doch da wuchs aus ihrem Schatten schon eine Klaue heraus.

    [Dreveni]
    Fassungslos sah Dreveni, wie die restlichen Untoten zurück kehrten und die Fackel dabei hatten.
    "Lyviani, es sind die Schatten.", hörte sie Tirian rufen, und da wurde es ihr auch endgültig klar.
    "Ihr nehmt den Geist, ich kümmer mich um diese verfluchte Fackel.", antwortete sie. Mit den sieben Schatten konnten sie ewig in der Luft herum fuchteln und würden den richtigen doch nicht treffen.
    Sie sammelte den Rest ihrer Magie und sprach einen Lichtzauber, der ihr sogar richtig gut gelang, wenn man die Gesamtsituation berücksichtigte. Das magische Licht war diffuser als das der Fackel, so wurden die Schatten ebenfalls schwächer, aber sie verschwanden nicht ganz. Der Nachteil war, dass sie langsam nicht mehr genug Magie für den Schildzauber hatte, aber Opfer musste man eben bringen. Sie hoffte, dass das den Geist in Schwierigkeiten bringen würde, und ging auf die Zombies los, die sich vor dem Skelett mit der Fackel aufgestellt hatten.
    Inzwischen hatte sie wirklich mehr als genug von diesem untoten Abschaum und das konnte man ihr auch ansehen, als sie auf die verwesten Kreaturen zustürmte. Sie schienen für einen Moment zu zögern ob ihres Anblicks, dann stürzten sie sich wieder dumm und ohne Hirn in ihr Schwert.
    Der Effekt war nicht groß, wie sie es auch schon fast erwartet hatte, aber sie landete einen Glückstreffer und trennte einem der Untoten seinen letzten Arm auch noch ab. Wenn sie die Viecher schon nicht mit einem Hieb erschlagen konnte, dann wenigstens kampfunfähig machen, die verfaulten Gliedmaßen saßen lockerer als bei lebendigen Wesen.
    Sie hieb dem Armlosen Zombie noch einmal kräftig in die Seite, was ihn in das Brackwasser stürzen ließ. Komm da erstmal wieder raus ohne Arme.
    Als sie das dachte, fühlte sie wie sich Klauen schmerzhaft über ihren Arm zogen, die anderen beiden waren ihr schon wieder viel zu nahe gekommen, was sich aber durch einen weit geführten Hieb mit dem Schwert vorerst wieder erledigte. Das Skelett mit der Fackel schien sie höhnisch anzugrinsen, und das zweite Knochengerüst hielt es erst gar nicht für nötig, überhaupt einzugreifen.

    [Tirian]
    Tirian sah mit Glück im Herzen, dass sich Lyviani schnell in den Kampf gegen die Untoten warf und der Geist sie knapp verfehlte, offenbar hatte sie gar nicht mitbekommen, dass er sie angreifen wollte, allerdings stand er jetzt vor dem Problem, dass er nicht mehr erkennen konnte, wo sich das Astralwesen verbarg. Während die Meuchlerin ihm die stofflichen Wiedergänger in Schach hielt, suchten seine Augen die Schatten ab, um zu erspähen, wo sich sein Gegner verbarg. Auch seinen eigenen Schemen ließ er nicht mehr aus Augen. Er hatte aus dem Vorfall am Übergang gelernt. Ein Skelett entwand sich dem Zweikampf mit der Dunmer und kam auf ihn zu. Tirian machte bereits Magie bereit, als er sah, wie das Umriss des Skeletts kurz schwankte. Eine schattenhafte Klaue schoss hervor, doch als der Heiler einen Blitzzauber abgab, um den Geist zu treffen, zerfiel der Schattenarm einfach. "Was zum...": überlegte er, da spürte er nur noch die Präsenz von etwas Mächtigerem in seinem Rücken. "Ein Ablenkungsmanöver": kam es ihm zu Bewusstsein, als sich der Geist direkt in seinem Schatten materialisierte. Seine Kralle fuhr nach vorne und riss ihm den Arm auf, bevor er die Kreatur mit einem Schockzauber auf Abstand zwingen konnte, leider dem Skelett den Rücken zuwandte und beinahe von einer alten Spitzhacke erschlagen wurde. Ihn rettete ein Feuerzauber von der Seite, der das Gerippe aus dem Takt brachte. So konnte der Heiler dem Hieb ausweichen, sah sich aber dem aus dem Schatten des Untoten auftauchenden Geist wieder ausgesetzt.

    Es schoss erneut eine Wolke aus Eiskristallen heran, Sie erwischte seinen ohnehin geschundenen Arm und zerschlitzte ihn noch weiter. Er hieb mit der Silberklinge nach dem schattenhaften Wiedergänger und schien ihn zu treffen. Das reine Metall grub sich funkensprühend durch den astralen, schattenhaften Arm des Geistes und ließ ihn wieder aufkreischen. Allerdings schoss nun aus seinem eigenen Schatten die andere Klaue hervor und prellte ihm die Waffe aus der Hand. Um sich Luft zu verschaffen, sammelte Tirian Energie und setzte schnell noch einmal den weißen Nebel ein, der sowohl das Skelett in Panik flüchten ließ, als auch den Geist zu einem zornigen Brüllen veranlasste, als er aus seinem Schatten fliehen musste. Der Heiler keuchte er war geschwächt. Aus seinem aufgerissenen Arm sickerte das Blut. Er zog aus seiner Robe ein Fläschchen mit einem bläulich schimmernden Trank, riss den Korken mit den Zähnen heraus und stürzte den Inhalt, die kurze Pause nutzend, sofort hinunter.

    [Dreveni]
    Dreveni hatte alle Hände voll mit den Untoten zu tun, so konnte sie kaum auf Tirian achten, nur einmal hielt sie ihm das Skelett mit der Spitzhacke mit einem Feuerzauber vom Leib. Erst als die Skelette flohen - die anderen beiden Zombies hatte sie inzwischen mehr oder weniger zerstückelt und in den Kanal getrieben - blieb ihr Zeit, nach ihrem Begleiter zu sehen. Er sah alles andere als gut aus, aber bevor sie ihn näher betrachten konnte, sah sie aus dem Augenwinkel einen Schatten auf sich zufliegen. Gleich darauf fühlte sie sich von einer Kälte eingehüllt, wie sie sie noch nie zuvor gespürt hatte. Sie schien ihr bis ins Mark zu dringen und sie auf der Stelle zu Eis erstarren lassen zu wollen. Mit letzter Kraft zog sie ihren Dolch, da sie gerade noch ahnte, was da wieder auf sie losging, und stieß ihn ungezielt in die dunkle Wolke vor ihr. Dieses Mal meinte sie fast, das unmenschliche Kreischen direkt in ihrem Kopf zu hören und sie hielt sich stöhnend die Hände auf die Ohren, aber wenigstens schien das Wesen von ihr abzulassen, denn es wurde ihr nicht noch kälter. Hektisch und immer noch vor Kälte zitternd blickte sie sich um, konnte den Geist aber nicht mehr ausmachen.

    [Tirian]
    Als der Heiler die magieerfrischende Wirkung des Trankes mit Erleichterung spürte, sah er zu seinem Entsetzen, dass sich der Geist erneut in Lyvianis Rücken materialisierte. Er fasste sie aus einer Wolke eisig schimmernder Magie ein. Tirian wollte eingreifen, doch die Assassine wehrte den astralen Wiedergänger erneut mit ihrem Dolch ab. Wieder glühte das daedrische Metall als es durch den Astralleib der Kreatur schnitt und sie offenbar wieder verletzte. Kreischend zog sich das Gespenst zurück, doch in diesem Moment explodierte in Tirians Kopf der Schmerz, doch fühlte er sich plötzlich noch viel freier als zuvor. "Der Fluch des Geistes muss gewichen sein": stellte er fest. Ein Lachen erklang in seinen Gedanken. "Nicht für lange, Sterblicher": erklang es körperlos in seinem Verstand. Wieder wuchs sein eigener Schemen an, doch die KRaft des Heilers war inzwischen zurückgekehrt. Ein starker Schockzauber trieb den Geist dort hinaus, bevor er etwas tun konnte. "Verflucht. Das bringt uns nicht weiter": fluchte Tirian in Gedanken, da er seinen Gegner so nicht zu fassen bekam. Wieder wollte sich der Wiedergänger im Schatten eines der anderen Untoten materialisieren, doch diesmal schlug es fehl. Mit Freude sah der Dunmer, dass Lyviani gerade den dritten und damit letzten Zombie mit einem kräftigen Hieb gefällt und aus dem Spiel genommen hatte.

    Es verblieben nur noch die zwei Skelette, das eine mit der Fackel und das andere noch immer mit der rostigen Spitzhacke. Von seinem Manatrank noch völlig aufgeputscht zögerte er nicht und fällte den Knochenmann mit der Spitzhacke mit einer weiteren Blitzlanze. Er verengte seine Augen und versuchte sich zu konzentrieren. Plötzlich ging von ihm ein starkes, weißes Licht aus. Mit einem kurzen Aufschrei dehnte er es zu einer Lichtwelle und umfasste damit auch Lyviani. Nichts. Es gab keine Bewegung in ihren Schatten. Der Geist konnte sich also nur noch an einer Stelle verstecken. "Hab ich dich": rief Tirian und lenkte nun die Lichtwelle auf das verbliebene Skelett um. "Das glaube ich nicht": war wieder die körperlose Stimme zu hören. Blitzschnell erhob sich der Schemen des Skelettes zeigte mit seiner Klaue auf den Heiler und roter Blitz fuhr hervor und traf Tirian. DIe Lichtwelle riss ab und der Heiler schrie vor Schmerz auf. Es fühlte sich an als würde sein Innerstes verdorren. Er fühlte wie ihm die Energie abgesaugt wurde. "Nein, das kann nicht sein": dachte er, als er den selben nun am eigenen Leib fühlte, mit dem er tagszuvor den Ashkhan fast getötet hatte. "Das ist wohl meine gerechte Strafe": dachte der Heiler, als ihm der Geist das Leben aus dem Körper saugte, nein eher herausriss.

    Der Heiler hatte schon abgeschlossen, als plötzlich ein lautes "Nein" durch den Tunnel dröhnte. Das Fackellicht verschwand und der Zauber, der Tirian in seinem Griff gehalten hatte, riss ab. Stattdessen war nun die grün-weißlich leuchtende Astralgestalt des Geistes wieder zu sehen. Aus irgendeinem Grund war die Fackel erloschen. Der Geist nun außerhalb des schützenden Schattens, schwebte hinter seinem Skelett-Diener. Tirian leckte erneut Blut von seinen Lippen und nutzte seine Chance. Er warf einen mächtigen Kugelblitz, der die Kreaturen traf, das Skelett zerstörte und den Geist einem weiteren Kreischen zerstoben ließ. Mit einem Krachen sprang hinter ihm die zuvor magisch verschlossene Tür auf. Ihm selbst wurde schwindlig. Schließlich kippte er einfach um.

    [Dreveni]
    Dreveni versuchte noch, sich wieder zu sammeln, als Tirian mit einem der beiden Skelette kurzen Prozess machte. Es war nur leider nicht das mit der Fackel, und in den nächsten Sekunden war sie vollauf damit beschäftigt sich umzusehen, wo sich der Geist nun verbarg. Schließlich wurde es wieder sichtbar und griff den Heiler an. Dreveni erkannte ihre Chance und ging nun ihrerseits auf das letzte Skelett zu, dem sie kurzerhand die Fackel mit ihrem Schwert aus der Hand hieb, sie austrat und mit einem kräftigen Tritt ins Wasser beförderte.
    Sie wollte gerade ausholen, um dem Skelett noch den Rest zu geben, da wurde es auch schon von einem gewaltigen Blitz von Tirian getroffen und sie wankte geblendet ein paar Schritte zurück.
    Auch von dem Geist war nichts mehr zu sehen, das hieß er war zumindest vorerst verschwunden, nachdem es keine Schatten mehr gab, in denen er sich verstecken konnte, jetzt wo die Fackel aus war.
    Gerade als sie aus dem Augenwinkel sah, dass die Holztür nun aufgesprungen war, kippte Tirian einfach um.

    "Oh scheiße.", flüsterte sie erschrocken, rannte zu ihm hin und kniete sich vor ihn auf den Boden. Er sah furchtbar aus, überall war Blut, an seinem Arm, in seinem Gesicht, überall. Aber nicht genug dass..., dachte sie, während sie ihm vorsichtig das Haar aus dem Gesicht strich - dass sie dabei sein Blut nun auch noch an ihre Hände schmierte, bekam sie gar nicht mit - und sich dann mit ihrem Ohr zu seinem Mund beugte. Wenigstens atmete er noch, und wenn hier nicht noch irgendwo eine größere Lache war, dürfte er auch nicht kurz vor dem Verbluten sein. Es war zwar viel, aber kein Vergleich zu den Mengen, die aus einem Elf laufen konnten, wenn man eine Schlagader erwischte, soviel wußte sie aus Erfahrung.
    Sie schüttelte ihn vorsichtig an der Schulter, ihr Gesicht nahe an seinem: "Tirian, wacht auf. Ihr werdet mir hier jetzt nicht sterben, hört ihr?" Die Haut seines Gesichtes, die man zwischen dem Blut noch erkennen konnte, war aschfahl und sein Gesicht wirkte eingefallen. "Verflucht, seh ich aus wie ein götterverdammter Heiler?" Sie schüttelte ihn jetzt kräftiger.

    [Tirian]
    "Verflucht, seh ich aus wie ein götterverdammter Heiler?": hörte Tirian eine vertraute Stimme, als er durch ein energisches Schütteln endlich wieder zu Bewusstsein kam. Er schlug die Augen auf und sah Lyvianis ganz nah über sich. "Sie ist schön": drängte sich plötzlich in seine Gedanken, als er sie so nah vor sich sah. Er verdrängte den Gedanken. "Das tun wir im Moment wohl beide nicht": versuchte sich der Heiler mit schwacher Stimme an einem Scherz und versuchte sich hustend aufzusetzen, doch er fühlte sich ausgezehrt und schwach. Er schaffte es einfach nicht. Auch auf seine Magie konnte er sich im Moment nicht wirklich besinnen. Seine Konzentration brauchte er, um nicht wieder in Ohnmacht zu fallen. "Lyviani... ihr müsst mir helfen. Ich kann mich kaum bewegen. Dieses Ding hat... versucht... mich auszusaugen. An meinem Gürtel... eine Phiole. Der Trank... den ich gebraut hatte. Er wird helfen": bat er die Assassine. Er legte sich zurück und fühlte den kalten Stein des Kanals an seinem Hinterkopf. Sein Blick verschwamm langsam wieder.

    Dann beugte sich die Dunmer wieder über ihn. Sie hob seinen Hinterkopf an und flößte ihm den Trank ein. Der Heiler schluckte die Flüssigkeit herunter und fühlte eine Wärme, die sich sofort von seinem Magen aus, in seinem gesamten Körper ausbreitete. Sein zerschlitzter Arm als auch sein Gesicht begannen zu kribbeln, zu jucken und heiß zu werden, während Leben und Kraft langsam in ihn zurückkehrten. Umso länger der Trank seine Wirkung tat, umso mehr fühlte er sich erholt. Schließlich setzte sich Tirian auf und erhob sich. Lyviani schaute ihn an. "Ich danke euch. Vielleicht wird aus euch auch noch eine götterverdammte Heilerin": sagte er. Er sah sich um. Offenbar waren ihre Gegner inzwischen erledigt. Er lenkte seine Aufmerksamkeit nun auf die aufgesprungene Tür. "Dort muss es irgendwo hinausgehen": überlegte der Heiler. "Lyviani. Braucht ihr etwas Heilung oder eine Pause? Ansonsten sollten wir unseren Weg fortsetzen": fragte er die Assassine.

  12. #52

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer, Ienith-Ahnengruft

    [Dreveni]
    Dreveni war erleichtert, als Tirian schon bald die Augen wieder aufschlug und sogar schon wieder in der Lage war, Scherze zu machen. Wenigstens versuchte er es. Sie half ihm sich aufzusetzen und flößte ihm den Heiltrank ein, woraufhin er sich sichtbar erholte und die Schnitte in seinem Gesicht und auf seinem Arm verschwanden. "Eher frieren die Ebenen Oblivions zu, als dass ich jemals eine Heilerin werde.", nuschelte sie auf Tirians Kommentar.
    Sie sah sich ebenfalls kurz angewiedert um, bevor sie auf seine letzte Frage antwortete: "Weder noch. Einzig einen Zuber mit sauberem Wasser, aber ich fürchte das ist gerade zu viel verlangt." Zwar brannten die Kratzer der Zombies auf ihrem Arm inzwischen ziemlich, und auch die Platzwunde auf ihrer Stirn schmerzte, aber das konnte wirklich warten bis sie endlich aus diesem Dreck hier draußen waren. Außerdem hatte sie durch die Schmerzen zumindest latent schlechte Laune, was ihre Wachsamkeit und vor allem ihrem Schwertkampf durchaus zuträglich war. Auch auf eine Pause konnte sie hier gut und gern verzichten.

    Sie sammelten ihr Waffen ein, und traten schließlich - Dreveni vorne weg, mit gezogenem Schwert - durch die Tür. Der Gang dahinter unterschied sich deutlich von der feuchten Kanalisation, die Wände - ebenso der Boden - schienen in den Fels gehauen und waren fugenlos und glatt, nicht gemauert wie die im älteren Teil der Kanäle. Auch war die Luft hier trockener und staubiger. Dreveni hielt kurz inne und lauschte angestrengt. Es war relativ duster, so konnte sie kaum etwas sehen, und als sie für ein paar Augenblicke nichts gehört hatte, wagte sie einen kleinen Lichtzauber. Er erhellte den Gang nur ein paar Meter um sie herum, zu mehr war sie noch nicht in der Lage, aber immerhin sahen sie jetzt wieder, wohin sie traten. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, die Fackel in den Kanal zu werfen, jetzt hätten sie sie wieder gebrauchen können.
    Sie wandte sich zu Tirian und fragte leise: "Was ist das hier?"

    [Tirian]
    Der Heiler verzog unmerklich das Gesicht, als Lyviani sowohl eine Behandlung ihrer Wunden als auch eine Pause ablehnte, aber er würde nicht mit ihr darüber diskutieren. Tirian war allerdings der Meinung, dass ihr nach diesem Kampf eine Pause gewiss gut getan hätte. "Lasst mich die Wunde wenigstens reinigen und verbinden, wenn wir hier heraus sind, damit sie sich nicht entzündet, wer weiß was diese Untoten alles an sich hatten": sagte er zu ihr, jedoch hatte sie sich schon längst dem nun freigewordenen Gang zugewandt und beachtete ihn gar nicht mehr. Er folgte ihr nach. Der kurze Gangabschnitt, der von der Holztür verschlossen worden war, mündete in einem großen Loch in einen... Raum? Es sah so aus, als wären die Arbeiter der Vergangenheit bei ihren Grabungen auf irgend etwas gestoßen. Die Assassin vor ihm hielt einen Moment inne. "Wartet sie auf irgendetwas": fragte sich der Heiler, doch dann sah er, wie sich der Raum oder vielmehr der Gang, wie er jetzt erkannte, im Schein eines Lichtzaubers erhellte. Seine Begleiterin hatte offenbar mehr magische Talente, als man zunächst vermuten konnte.

    "Was ist das hier?": fragte sie. Tirian sah sich noch einmal ausgiebig im Gang um. Normale Architektur Morrowinds, aber so tief unterirdische Räume mit im Nirgendwo der Weidenländer war das schon etwas ungewöhnlicher. "Wenn ich die Untoten bedenke, die diesen Durchgang bewacht haben, würde ich meinen, dass wir uns wohl in einer Ahnengruft befinden": antwortete der Heiler. "Scheinbar hat man wohl in der Vergangenheit hier hinein gegraben und die Geister dieses Ortes nahmen es den Eindringlingen offenbar übel, dass sie das Grab beschädigt haben": vermutete Tirian und sah sich noch etwas um. Der Gang war nicht gar so leer, wie er schien. Es gab in den Wänden kleine Nieschen, in denen Urnen aufgestellt waren. "Definitiv eine Ahnengruft": ging es ihm durch den Kopf. Gefolgt von Lyviani ging er ein wenig weiter vom Wanddurchbruch aus in den Gang hinein. Wie der Lichtzauber enthüllte, war es tatsächlich ein länglicher Raum. Am anderen Ende befand sich eine Tür.

    "Das Gute ist, dass wir damit einen sicheren Weg an die Oberfläche haben. Die Ahnengruften haben in der Regel alle einen Zugang. Bei der Tiefe in der wir uns befinden müssen, würde ich meinen, dass wir in einem unteren Abschnitt der Gruft sind. Das wäre die schlechte Nachricht. Wir müssen uns dann durch die Gruft nach oben arbeiten. Ich denke, dass wir auch diesen Geist von vorhin nicht zum letzten Mal gesehen haben. Wäre er tot, hätte er sich in einer Pfütze Ektoplasma verflüchtigt": dachte er laut über ihre derzeitige Lage nach. Unschöne Erinnerungen an Hrotanda Vale kamen ihm da hoch. Wenigstens hatten sie es hier nur mit Untoten und nicht noch Nekromanten zu tun und das hier war keine Ayleiden-Ruine. Dennoch sollten sie auf Fallen achten. Aufwendige Pfeil- und Gasfallen würden sie hier nicht vorfinden, aber man konnte nie wissen, ob nicht vielleicht die Türen durch einen Mechanismus gesichert waren.

    "Wie versteht ihr euch eigentlich auf das Knacken von Schlössern und Entschärfen von Fallen?": fragte er seine Begleiterin.

    [Dreveni]
    Nun sah auch Dreveni die Gefäße an den Wänden, die wie Urnen wirkten. Ganz toll, eine Gruft. Das hieß vermutlich noch mehr untotes Geschmeiß, und Dreveni hatte jetzt definitiv schon mehr als genug davon für den Rest ihres Lebens gehabt. Sie sah kurz auf ihre Kleidung hinab, an der die Reste der Zombies klebten, und schüttelte sich angeekelt. Wasser. Bitte. Und wenn es nur ein Eimer voll ist. Und ein großes Stück Seife.. Sogar ihr Haar war schmutzig, aus dem Knoten in ihrem Nacken hatten sich ein paar Strähnen gelöst die ihr jetzt locker über den Rücken fielen.

    Da wurde sie von Tirians Frage aus ihren Betrachtungen gerissen. Der Heiler sah nicht wesentlich besser aus als sie selbst, auch er war völlig besudelt von den Resten der Zombies und seinem eigenen Blut. "Wie versteht ihr euch eigentlich auf das Knacken von Schlössern und Entschärfen von Fallen?"
    "Fallen...", sagte sie gedehnt, "Nun ja, kommt darauf an. Bei denen die mir bisher in Cyrodiil so untergekommen sind, reicht es meistens darauf zu achten, wohin man tritt. Fragt mich am Besten noch einmal, wenn wir auf eine treffen.", fuhr sie mit einem leicht schiefen Grinsen fort. "Und was die Schlösser angeht, die sollten uns keine Probleme bereiten, wenn sie nicht gerade so magisch versiegelt wurden, dass sie nur mit einem Schlüssel zu öffnen sind."

    Tatsächlich hatte sie sogar noch ein, zwei Dietriche irgendwo in ihren Taschen, wenn sie sich auch beim Schlösser knacken hauptsächlich auf ihre Magie verließ, weswegen sie sich mit der Schule der Veränderung überhaupt nur befasst hatte. Schildzauber und der gleichen waren da nur ein angenehmer Nebeneffekt. Für Dietriche fehlte ihr zwar nicht unbedingt die Fingerfertigkeit, dafür aber schlichtweg die Gedult, so dass sie relativ bald zu hektisch wurde und die Dietriche nur zerbrach. Das Gepfrimel würde sie noch mal in den Wahnsinn treiben.
    Immerhin schienen sie sich tatsächlich dem Ausgang zu nähern, die Gruft mußte ja einen haben. Hoffentlich hatte ihn niemand zugemauert, um die Untoten am entkommen zu hindern.

    [Tirian]
    "Das Problem ist, dass wir gerade vor einer stehen könnten. Die Fallen in unseren Ahnengruften als auch in den Dwemer-Ruinen, von denen ich gehört und die ich selbst gesehen habe, sind wesentlich subtiler als das, was beispielsweise die Ayleiden in ihren Städten verbaut haben. Gerade in unseren Ahnengruften sind die Türschlösser nicht selten mit solchen Fallen gesichert, die einen Zauber auslösen oder vielleicht eine vergiftete Nadel hervorschießen lassen. Damit sollte man immer rechnen, wenn man hier versucht eine Tür zu öffnen. Wenn die Falle nicht zuvor entschärft wird, dann wird sie durch das Öffnen der Tür ausgelöst. Der Mechanismus befindet sich mit im Schloss": erklärte Tirian der Dunmer.

    "Mit etwas Pech würden wir das Ding auslösen und uns vielleicht etwas Unschönes auf uns ziehen, daher meine Frage": fügte Tirian noch an. Während Lyviani fachmännisch das Schloss begutachtete Tirian noch einmal den Raum, in dem sie sich befanden. Außer den Urnen war tatsächlich nicht soviel zu finden. Er war vorsichtig mit den Behältnissen für die Überreste der Toten. Das verlangte der Anstand von ihm. Er wollte wieder zu seiner Begleiterin hinüber gehen, doch dann entdeckte er in einer Nische doch noch etwas, dass ihnen nützlich sein könnte - einen alten Triolithen.

    Er ging wieder zu seiner Begleiterin hinüber. "Was meint ihr?": fragte er Lyviani.

    [Dreveni]
    Zauber? Vergiftete Nadel? Wunderbar, wird ja immer besser hier. Sie war nie der große Höhlenkriecher gewesen, und hatte schon in Cyrodiil über die Fallen geflucht, auch wenn diese einfach durch Vorsicht zu vermeiden waren. Aber das hier war eine ganze Ecke hinterhältiger, oder auch subtiler, in Tirians Wortwahl.
    Dreveni seufzte und wandte sich dem Schloss zu. Sie legte kurz die Hand darauf, konnte aber keine Magie spüren, aber das mußte nichts heißen. Nur dass sie das Schloss durchaus hätte öffnen können, wenn da keine Falle wäre.
    Vorsichtig besah sie sich die Türe und die Klinke näher, aber sie konnte beim besten Willen nichts erkennen. "Verfluchter Mist, elender.", fluchte sie halblaut vor sich hin, hätte sie sich doch mehr für die Mechanik von Schlössern interessiert. Sie nahm sich gerade vor, das bei nächster Gelegenheit nachzuholen, als der Heiler wieder zu ihr trat: "Was meint ihr?"

    Sie richtete sich wieder aus ihrer gebückten Haltung auf und drehte sich um, wobei sie unbewußt ihren Arm um den Striemen herum kratzte, den der Untote ihr beigebracht hatte. "Ich würde es vermutlich aufbekommen.", antwortete sie. Sie wandte den Blick kurz ab, dann sah sie wieder Tirian direkt an: "Aber ich habe es nicht so mit Schlössern. Ich kann sie nur öffnen. Mit Magie. Aber ich kann nicht sagen, ob da", dabei deutete sie hinter sich auf die Tür, "eine Falle ist. Ich persönlich würde das nur ungern ausprobieren. Also wenn ihr keine Idee habt, wie man sie auslösen kann ohne davon getroffen zu werden - falls denn da eine ist - dann sieht es schlecht aus."

    [Tirian]
    Lyviani konnte nicht sagen, ob sich in der Tür eine Falle verbarg. Tirian leckte sich über die Lippen. Für den Fall hatte er zum Glück Abhilfe entdeckt, wenn gleich er sich selbst damit in Gefahr begeben musste. Allerdings blieb ihnen auch keine andere Wahl, wenn sie nicht ewig in dieser Gruft festsitzen wollten. "Gut. Dann öffnet bitte das Schloss mit eurem Zauber. Ich werde die Falle übernehmen. Am Besten tretet ihr dann etwas von der Tür zurück": bat der Heiler und ging zu dem Triolithen zurück. Er legte seine Hand auf das mit Schnitzereien verzierte Holz, richtete ein Gebet und das Tribunal und spürte nach der Kraft, der dem kleinen Schrein innewohnte. Ihn umfasste Magie und er merkte wie der Schutz, für den er gebeten hatte, sich um seinen Körper herum aufbaute. Ein schwacher Schild legte sich um ihn. Die Götter mochten verschwunden sein, ihre Macht wohnte den Schreinen des Tempels noch immer inne. So ausgestattet wandte er sich nun der Tür zu.

    Inzwischen hatte die Dunmer ihre beiden Hände auf das Schloss gelegt. Anhand des leichten Glimmens an ihren Handflächen konnte er erkennen, dass sie offenbar ihre Magie nutze. Ein Klicken und ein darauffolgendes Nicken von ihr, zeigte an, dass die Tür nun geöffnet war. Tirian trat heran. "Gleich werden wir wissen, ob sich eine Falle im Schloss verbirgt und was für eine": sagte der Heiler. Bei einer Giftfalle würde ihm auch der Schild nicht helfen. Aber für diesen Fall hatte er einen Heilzauber gegen Vergiftungen parat. Er schaute noch einmal zu Lyviani zurück, schluckte und drückte die Klinke nach unten. Umgehend spürte er wie sich die Luft um ihn herum elektrisch auflud. Der Schildzauber verging in einem hellen Blitz. Außer einer leichten Verbrennung an der Hand blieb er jedoch unversehrt. Umgehend legte er seine andere Hand auf die Wunde und die heilende Magie ersetzte schnell das verbrannte Fleisch. "Der Weg ist frei": sagte er und bat die Assassinin, die dank ihres Zaubers als Lichtquelle fungieren konnte, wieder voranzugehen.Für den Fall der Fälle hielt er nun einen Blitzzauber bereit.
    Geändert von KingPaddy (07.05.2013 um 14:38 Uhr)

  13. #53

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer, Ienith-Ahnengruft

    [Dreveni]
    Dreveni meinte fast, sich verhört zu haben, als Tirian sagte, er wolle die Falle übernehmen. Aber er schien sich seiner Sache absolut sicher zu sein, und trat auf eine dreiseitige, halbhohe Steinsäule zu, die mit geschnitzten Holztafeln verziert war. Dort hielt er kurz inne und Dreveni konnte nicht genau erkennen was er dort tat, sie nahm sich jedoch vor ihn nachher zu fragen, sollte die ganze Sache irgendwie gut ausgehen.
    Als er zurückkehrte, machte sie sich daran, das Schloss zu öffnen. Es war kein sonderlich gutes Schloss, wofür sie Dankbar war, da sich ihre Magie noch immer nicht wirklich gut erholt hatte. Aber um eine Pause würde sie trotzdem nicht bitten, sie wollte endlich wieder hier raus. Sie konzentrierte sich und spürte gleich darauf das vertraute Klicken unter ihren Händen, als sich das Schloss öffnete, dann trat sie wie von Tirian geheißen zur Seite. Sie warf dem Heiler einen skeptischen Blick aus zusammengekniffenen Augen zu, sie konnte sich immer noch nicht vorstellen, dass die ganze Sache ein gutes Ende nehmen konnte.
    "Seid ihr euch sicher?", fragte sie, da hatte er die Hände allerdings schon an der Klinke und im nächsten Moment wandte sich Dreveni geblendet ab und riss den Arm vor die Augen, als der Blitzzauber Tirian traf. Das konnte nicht gut gegangen sein, unmöglich. Als sie den Kopf wieder dem Heiler zudrehte, stand er allerdings weitestgehend unversehrt vor ihr und heilte eine kleinere Brandwunde an seiner Hand. Was zum Henker? Der Blick, dem sie ihm zuwarf, brachte auch genau ihre Gedanken zum Ausdruck.
    "Der Weg ist frei", sagte er einfach, und eins musste Dreveni ihm lassen, Mut hatte er.

    Mit gezogenem Schwert trat sie vor dem Heiler durch die Tür und stand in einem länglichen Gang. Sie konnte nicht bis zum Ende sehen, denn so weit reichte ihr Lichtzauber leider nicht, sie meinte aber kurz, etwas gehört zu haben. Eine Art Schaben...
    Sie dachte kurz an das, was Tirian vorhin gemeint hatte, dass sie den Geist nicht das letzte Mal gesehen haben mochten, aber das durfte sie jetzt nicht aufhalten. Sie würden schon früh genug merken was dort vorn war, wenn ihr ihre Ohren nicht nur einen Streich gespielt hatten. Nach wenigen Metern endete der Gang auch schon in einem offenen Durchgang, vor dem Dreveni einen genauen Blick auf den Boden warf, um nicht doch noch in eine der weniger subtilen Fallen zu laufen.
    Kaum hatten sie beiden den Raum betreten, wurden sie auch schon aus dem Dunkel heraus von etwas angesprungen. Dreveni konnte es kaum genau erkennen, da hieb sie schon aus Reflex mit ihrem Schwert danach, da es eindeutig keinen freundlich gesinnten Eindruck machte. Es sah nicht gerade aus wie ein Zombie, jedoch eindeutig Untot, soweit sie es in dem kurzen Moment erkennen konnte. Als sie es mit der Klinge traf, ließ es einen fast empörten Aufschrei hören, ließ sich dadurch aber nicht wesentlich in seinen Angriffsplänen stören...

    [Tirian]
    Er folgte Lyviani in den nächsten Raum hinein. Das war tatsächlich ein Gang, nicht sonderlich breit, aber breit genug, dass man bequem nebeneinander gehen konnte. Fackeln gab es auch hier nicht, weshalb der Lichtzauber der Assassine das Einzige war, das ihnen mehr von der Umgebung zeigte. Sie näherten sich dem Ende des Ganges, wo es, wie es sich herausstellte, einen offenen Durchgang in einen weiteren Raum gab. Die Dunmer trat vorsichtig, den Boden offenbar nach Druckplatten oder etwas Ähnlichem musternd, die Türfalle hatte sie scheinbar vorsichtig gemacht, in den Raum hinein. Tirian hörte noch das Knurren, dann sah er, wie etwas aus dem Dunkel der Kammer in den Lichtkegel des Zaubers sprang und Lyviani zu packen versuchte. Sie traf es mit ihrer Klinge und entlockte dem Gegner damit einen Aufschrei.

    Umgehend war der Heiler heran, ließ einen Kugelblitz fliegen, verfehlte das Monstrum aber knapp. Tirian riss sofort sein Silberschwert heraus und warf sich gegen die Kreatur. Er rammte die Klinge bis zu ihrer Hälfte in den Rücken des... er konnte die Kreatur auf den ersten Blick nur als Zombie identifizieren. Als er jedoch spürte, wie sich nagelspitze Knochen unsanft in seine eigene Seite piksten, wusste er, womit sie es zu tun hatten. Die Kreatur war massig und wollte von ihrem Opfer überhaupt nicht ablassen und Tirian, der sich noch immer an seinem Schwert und damit auf dem Rücken des Wiedergängers festklammerte, glaubte ein Wildpferd zu reiten.

    Offenbar kassierte es noch einen Schlag Lyvianis, sodass es zurückbockte und den Heiler wieder in eine vertikale Position brachte. Mit einer Hand ließ er den Griff der Klinge los und sammelte darin Magie. Er wuchte sich herum, warf sich mit voller Kraft auf den Rücken der Kreatur und nahm damit in Kauf, dass sich erneut die Knochen unsanft in seinen Körper bohrten. Der Heiler packte den Wiedergänger nun etwa an der Stelle, wo der Hals in den Kopf mündet und ließ die Magie fließen. Der Untote zuckte spastisch und im nächsten Moment, schlug ihm die Assassine den Kopf von den Schultern, wodurch die Kreatur mit Tirian auf seinem Rücken zusammensackte. Er befreite sein Silberschwert und steckte es zurück in die Schwertscheide. "Was war das für ein Ding?": fragte ihn seine Begleiterin. Er warf noch einen prüfenden Blick auf den Kadaver. "Das war ein Knochenläufer. Die Clans beschwören sie häufig als Wächter für ihre Ahnengruften. Es muss uns wohl für Eindringlinge gehalten haben": erklärte Tirian und sah sich im Schein von Lyvianis Zauber etwas in der Kammer um, in die sie gelangt waren.

    [Dreveni]
    Kaum hatte Dreveni der Kreatur einen Hieb versetzt, ging auch schon Tirian darauf los, nachdem sein Schockzauber daneben gegangen war. Langsam schien er übermütig zu werden, als er schließlich am Rücken der Kreatur hing, nachdem er sein Schwert nicht mehr aus deren Rücken befreien konnte. Sie dachte wie an das längst überfällige Gespräch über Taktik im Kampf, dass sie mit ihm hatte führen wollen, während sie versuchte den Gegner zu treffen, ohne dabei den Heiler zu erwischen. Gerade als sie zu einem - wie sie hoffte - finalen Schlag ausholte, erledigte Tirian das Ding auch schon durch Magie. Allerdings konnte sie den Hieb nicht mehr bremsen und so enthauptete sie das Wesen glatt. So oder so, es schien dieses mal richtig tot zu sein.

    Nachdem sie Tirian kurz gemustert hatte, ob er halbwegs unverletzt war, fragte sie ihn was das nun schon wieder gewesen sein mochte. Natürlich hat er das, wir sind ja auch Eindringlinge, dachte sie sich auf seine Antwort hin. Nun sah sie sich ebenfalls in dem Raum um. Er war ungefähr so groß wie der vorherige, auf Podesten standen die inzwischen vertrauten Urnen, und im hinteren Teil meinte sie einen weiteren Durchgang zu erkennen. Dreveni konnte sich nicht erinnern, dass sie jemals zuvor in einer ähnlichen Gruft gewesen war, in Cyrodiil gab es in den größeren Städten nur die Krypten, und dort hatte sie nur selten etwas zu schaffen gehabt. Auf den Podesten konnte sie Bücher, vertrocknete Blumen und ähnliche Dinge sehen, die wohl als Grabbeigabe gedacht waren, außerdem stand an einer der Wände eine reich verzierte Holztruhe, die ebenfalls schon ziemlich alt zu sein schien. Dreveni ging darauf zu und strich mit der Hand vorsichtig über den Deckel, den eine dicke Staubschicht bedeckte. Sie schien nicht verschlossen zu sein, und trotzdem zögerte sie, nicht nur wegen eventuell vorhandener Fallen.
    Es war ja das eine, einem gerade getöteten Gegner die Wertgegenstände zu entwenden, aber Grabkammern zu fleddern, in denen vor langen Jahren die Angehörige Dinge für die Toten hinterlegt hatten, war auch ihr dann nicht so ganz geheuer. So wandte sie sich wieder von der Truhe ab und beobachtete Tirian, während sie wieder gedankenverloren an ihrem Arm herumkratzte. Es juckte schon etwas seltsam, aber er würde ihr schon nicht in den nächsten Stunden bis sie hier heraus waren abfallen. Hoffte sie zumindest.

    [Tirian]
    Auch Lyviani schaute sich eine Weile in der Kammer um. Tirian beschäftigte sich derweil mit den Urnen. Eine dicke Staubschicht lag darauf. "Das wäre eine günstige Gelegenheit": überlegte er. Da er die Urnen nicht öffnen wollte, würde es wohl länger dauern, also machte er sich schnell daran vorsichtig den außen anhaftenden Staub in die Phiole zu füllen, die er vorhin erst ausgetrunken hatte. Während sich das Gefäß allmählich mit dem grauen Staub füllte, beobachtete die Assassine aus dem Augenwinkel heraus. Sie hatte offenbar eine Truhe entdeckt und kniete davor nieder. "Sie wird doch nicht": dachte der Heiler und musste daran denken, wie sie bereits zuvor die Leiche eines Gegners gefleddert hatte. Er wandte sich einer weiteren Urne zu, aber ließ seine Begleiterin nicht aus den Augen. Tatsächlich erhob sie sich unverrichteter Dinge. Als sie sich zum ihm umdrehen wollte, wandte er sich schnell ab, ein Lächeln auf den Lippen. "Sie ist nicht so kalt, wie sie gern wäre": überlegte er mit einer gewissen Zufriedenheit. Inzwischen war das Gefäß mit ausreichend Staub gefüllt.

    Er drehte sich um und sah sich Lyvianis fragenden Blicken ausgesetzt. Er musste zugeben, dass es durchaus etwas seltsam anmutete, dass er sich in dieser Situation die Zeit nahm, irgendwelchen Staub zusammen zu kratzen. "Das ist Grabesstaub. Man findet ihn auf und in Gräbern. Eine wertvolle, alchemistische Substanz": erklärte er, aber verschwieg dabei, dass der Staub auch die Eigenschaft hatte Geister anzuziehen, weshalb die Substanz auch bei Nekromanten sehr begehrt war. Er bemerkte ein leichtes Verdrehen ihrer Augen, über das er hinweg ging. Viel mehr fiel ihm auf, dass sich die Dunmer den Arm kratzte. Er hatte sie zuvor schon dabei beobachtet. Er runzelte die Stirn aber sagte Nichts dazu. Vielmehr fragte er: "Hat euch der Knochenläufer verletzt? Braucht ihr Heilung?" Als sie das wieder verneinte, zuckte Tirian mit den Schultern. Inzwischen wusste er genug über sie, um zu wissen, dass er eine längere Diskussion riskierte, wenn er es weiterversuchte.

    Prüfend streckte er stattdessen den Kopf durch einen weiteren offenen Durchgang in den nächsten Gang hinein. Er verlief senkrecht zu ihrem Raum und es ging nur nach Rechts weiter, links von ihm befand sich die Wand. Sie befanden sich also am Ende des Ganges. Was ihn insofern beruhigte, dass sie so nicht aus dem Rücken überfallen werden konnte. Rechts, schräg gegenüber entdeckte er eine Tür. Unter der Schwelle drang schwaches Licht, wie von Fackeln hindurch. Das Ende des Ganges in rechter Richtung verlor sich allerdings in der Dunkelheit. Er konnte ein Schaben und ab und an Schritte hören, wie es den Gang entlang hallte. Womöglich stand dort noch ein Knochenläufer. Der Luftzug kam aus dieser Richtung, dennoch war ihm selbst lieber, wenn sie sich zunächst den anderen Raum ansahen, um sicherzugehen, dass von dort aus keine Überraschung drohte. Er zog seinen Kopf wieder hinein und erzählte Lyviani, was er gesehen hatte. "Wie sollen wir vorgehen?": fragte er seine Begleiterin.

    [Dreveni]
    Irritiert beobachtete Dreveni, wie Tirian den Staub von den Urnen abkratzte. Sie fand das ganze reichlich makaber, und es trug auch nicht dazu bei, dass ihr Alchemie wesentlich sympathischer wurde. Staub der Toten, und was kam als nächstes, abgeschnittener Finger frischer Leiche? Das wäre immerhin ein netter Nebenverdienst, überlegte Dreveni, innerlich grinsend. Alchemie interessierte sie nur, wenn man wirksame Gifte auf Waffen schmieren konnte, Heiltränke waren auch durchaus nicht zu verachten.

    Sie wußte selbst nicht, was sie so seltsam befangen an diesem Ort machte, hatte sie doch keinerlei Probleme damit, frische Leichen respektlos zu behandeln, aber die Ruhe dieses Ortes zu stören, der schon seit viele, vielen Jahren so unberührt da lag, war noch einmal etwas ganz anderes. Sie mochte zwar eine Mörderin sein, aber war sie weder unzivilisiert noch kulturlos, dank Mordans Erziehung.
    Tirians Frage verneinte sie zwar wieder, aber als er sich dem Durchgang zuwandte, warf sie unauffällig einen prüfenden Blick auf die Kratzer der Zombies. Die Ränder der Wunden hatten sich leicht dunkelrot verfärbt, zusammen mit dem Jucken sah es alles in allem gar nicht so aus, wie es gehört hätte, würde es einfach vor sich hin heilen. Nun ja, groß konnte diese Ahnengruft ja nicht sein, hoffte sie. Das waren ein paar lächerliche Kratzer wie sie sie schon zuhauf gehabt hatte. Nichts dass sie unmittelbar umbringen würde.

    Sie folgte dem Heiler zu dem Durchgang, und als er ihr erzählte hatte, was es dort zu sehen gab, steckte sie ihren Kopf selbst durch die Öffnung, wobei sie Tirian ziemlich nahe auf die Pelle rücken mußte, auch wenn es ihr nicht schwer fiel, ihm über die Schulter zu sehen, war er doch kaum eine Handbreit größer als sie.
    "Ich denke wir sollten uns zuerst den näheren Raum vornehmen.", antwortete Dreveni.

    [Tirian]
    Lyviani lehnte sich über ihn, um die Situation auch noch einmal in Augenschein zu nehmen. Sie lag regelrecht über Tirian gebeugt auf seinem Rücken. Sie waren sich nahe. Sie befanden sich in einer Gruft und wurden vermutlich noch immer von einem wütenden Ahnengeist verfolgt und doch musste er daran denken, wie lange er schon keine Frau mehr so nah bei sich gehabt hatte, wenn er den Abend im Lager der Aschländer, wo er mehr als durcheinander war, nicht einbezog. Er schüttelte kurz den Kopf, um diese Gedanken abzustreifen. Die Assassinin stimmte zumindest seiner Vorgehensweise zu. Er bat sie den Lichtzauber zu löschen, damit sie den Knochenläufer im Gang nicht unnötig aufscheuchen würden. Als es wieder dunkel um sie wurde, war der erleuchtete Spalt unter der Tür gegenüber mehr als gut zu erkennen. Sie hielten darauf zu. Im Hintergrund waren wieder die Schritte zu hören, die die Anwesenheit des Untoten im Gang kundtaten. Tirian war nervös, aber versuchte, sich nicht davon beeinflussen zu lassen. Der schlechteste Fall war, wenn er jetzt in Panik geriet und das Monstrum tatsächlich auf sie aufmerksam machte.

    Vorsichtig betätigte er die Klinke, um zu erproben, ob die Tür offen war und das war sie tatsächlich. Sie ging sofort leicht nach innen auf. Sie schlüpften schnell hindurch, doch der Heiler brauchte einen Moment, um sich zu beruhigen. Er hatte schon mit einer weiteren Falle beim Öffnen der Tür gerechnet und sich schwitzend auf das Schlimmste eingestellt, das ihn gänzlich ohne Schild hätte treffen können. Glücklicherweise blieb es aus. So schlossen sie schnell den Durchgang hinter sich, damit sie der Knochenläufer nicht doch noch bemerkte. Nur langsam konnte sich Tirian auf den Raum konzentrieren, den sie betreten hatten. Der Raum verströmte eine fast schon beruhigende Atmosphäre. Die helle, sandfarbene Putz der Wände warf das Licht einiger Kerzen zurück und verlieh der Räumlichkeit etwas sehr Warmes. Der Ort hatte etwas von einer kleinen Kapelle. Es gab zwei normale Sitzbänke und zwei kleine Gebetsbänke, auf die man sich knien konnte. Sie waren kopfseitig zu einem Wandteppich ausgerichtet, auf dem ein großes Symbol - vielleicht das Familienwappen - abgebildet war. Davor stand ein Pult, auf dem sich ein aufgeschlagenes Buch befand.

    Tirian trat an das Bücherpult heran. Die Schrift war daedrisch. "Beenden des Zorns": las er halblaut die Überschrift über der aufgeschlagenen Seite vor. Der Text kam ihm bekannt vor. Er versuchte sich zu erinnern, doch wollte es ihm nicht einfallen. Als er das Buch berührte, um sich den Umschlag anzusehen, erfüllte plötzlich ein lilanes Leuchten den Raum. Mit Schrecken sah er zu, wie sich direkt hinter Lyviani, die bei den Bänken geblieben war, ein Knochenläufer materialisierte. "Oh verflucht": dachte Tirian.

    [Dreveni]
    Dreveni löste auf Tirians Bitte den Lichtzauber und verließ mit ihm zusammen die Kammer. Sie selbst bewegte sich auf dem glatten Steinboden absolut lautlos, und befand sich seit langem wieder einmal richtig in ihrem Element. Abgesehen von dem Schaben weiter hinten im Gang konnte sie die Schritte des Heilers und sein leicht hektisches Atmen hören. Er stellte sich zwar wirklich gut an, aber wollte er sich wirklich lautlos bewegen, müsste er noch viel üben.
    Als Tirian die Tür öffnete, wollte sie ihn schon zurückhalten, war aber zu langsam. Ihr war ebenfalls nicht entfallen, dass die Türen hier mit Fallen gesichert sein konnten, aber der Dunmer hatte glück.

    Sie betrat hinter ihm den Raum, der einen angenehmen Kontrast zu den anderen beiden Grabkammern bildete. Er war durch weiches Kerzenlicht erhellt und schien eine Art Gebetsraum gewesen zu sein. Dreveni blieb bei den Bänken stehen und sah sich im Raum um, mit einem Ohr auf die Tür horchend, als Tirian sich an dem Buch zu schaffen machte. Auf einmal war der Raum um sie in ein lilanes Leuchten getaucht, und sie brauchte nicht einmal in das schockierte Gesicht des Heilers zu sehen, um zu merken, dass sich hinter ihre etwas ungutes tat. Sie sprang schnell über die Bank vor ihr, und drehte sich um, wo sie direkt in die wütende Fratze blickte, nur durch die schmale Bank von der Kreatur getrennt.
    Sie schaffte es, die eine Klaue des wütenden Knochenläufers mit ihrem Schwert zu treffen, dieser holte aber blitzschnell mit der anderen aus und zog ihr die scharfen Krallen über die linke Seite, durch den zerissenen Stoff ihrer Tunika sickerte sofort Blut, aber sie gab sich aber alle Mühe, den Schmerz zu ignorieren, obwohl es höllisch brannte. Sie bemühte sich aus den Bankreihen zu kommen ohne noch einmal von der Klaue des Monsters getroffen zu werden, da sie als Abstandhalter nicht wirklich zu gebrauchen waren und eher die Gefahr bestand, dass sie rückwärts über eine stolperte.
    Außerdem wollte sie dem Heiler nicht im Weg stehen, falls er noch zu einem Schockzauber in der Lage war.

  14. #54

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer, Ienith-Ahnengruft

    [Tirian]
    Der Heiler, noch ganz gefangen von seiner Überraschung, sah zu, wie sich Lyviani gegen den plötzlich erschienenen Knochenläufer zur Wehr setzte. Sie hielt ihn mit ihrem Schwert zurück, aber kassierte dennoch einen Schlag. Er sah Blut. Die Assassine hatte aufgrund der beengten Verhältnisse kaum eine Chance auszuweichen. Als sie einen Schritt zur Seite machte und ihm damit eine freie Schussbahn einräumte, wusste Tirian, was zu tun war. Er sammelte Magie und sandte einen Kugelblitz gegen die Kreatur. Sie hatte keine Möglichkeit auszuweichen, aber versuchte das auch gar nicht erst. Die Magie hinterließ dem Wiedergänger nicht nur eine große Brandwunde auf der Brust, sondern ließ sie auch spastisch zucken. Schließlich brüllte sie ihre Wut hinaus, doch Lyviani nutzte den kurzen Moment, um einen Streich gegen den Hals des Untoten zu führen. Ihr Vulkanglasschwert drang hindurch, trennte ihn nicht völlig ab, aber ließ den Kopf nach hinten wegklappen. Kurz darauf fiel auch der Grabwächter um und blieb nun endgültig tot liegen.

    Tirian atmete tief ein. Langsam machte sich wieder Erschöpfung in ihm breit. Die Tränke konnten Symptome der Erschöpfung kurieren und dem Körper kurzzeitig wieder Kraft zurückgeben, aber nichts ging über ein gutes Essen und Schlaf. Das waren die einzigen Dinge, die einem gezeichneten Leib wirklich Regeneration verschaffen konnte. Die Alchemie konnte die Grenzen eines sterblichen Körpers ausdehnen, aber nicht überwinden. Er löste sich von diesen Gedanken, als er das Blut sah, dass an Lyvianis Arm durch die Tunika drang. Er nahm das Buch vom Altar, klemmte es sich unter den Arm und ging schnell zu ihr hinüber. "Ihr blutet. Lasst mich das bitte ansehen": bat er und sah sie eindringlich an.

    [Dreveni]
    Kaum war sie vor dem Knochenläufer weg, flog auch schon ein Blitz Tirians an ihr vorbei und traf die Kreatur voll. Es sah so aus, als würden sie sich doch noch einig werden, wie sie im Kampf vorgehen sollten, schoß ihr durch den Kopf, als sie gegen den Hals des Wesens hieb, das nun wütend brüllte. Als es tot umkippte, hielt sie sich aus Reflex die rechte Hand an ihre schmerzende linke Seite, der Knochenläufer hatte doch ziemlich hart zugeschlagen, und sie verzog das Gesicht vor Schmerz, als ihre Finger über die Kratzer fuhren. Scheiße.

    Da stand Tirian auch schon vor ihr und sagte: "Ihr blutet. Lasst mich das bitte ansehen" Es hätte seinen eindringlichen Blick kaum noch gebraucht, auch wenn sie es hasste musste sie zugeben, dass es wohl besser wäre, was er vorschlug. Auch wenn dort am Gang ein weiterer Gegner herumschlich, sie hoffte sehr, dass er den Schrei des letzten Monsters nicht gehört hatte.
    Verflucht, vermutlich hatte es ihn genau gehört.
    Sie legte das Schwert auf die nächste Bank und besah sich selbst kurz die Wunden, das Monster hatte sich nicht durch den dünnen Stoff ihres Oberteils aufhalten lassen, und für einen Schildzauber war keine Zeit mehr gewesen. Drei tiefe, blutende Kratzer zogen sich von der Höhe ihrer unteren Rippen bis zur Hüfte, und inzwischen schmerzte es wirklich, so dass sie sich leicht nach links gebeugt hielt. Wie auch immer, das würde hoffentlich gleich vergehen, oder sie würde sich daran gewöhnen.
    Sie sah dem Heiler noch einmal in die Augen, in denen sich der Schein der Kerzen spiegelten und sie so in einem noch intensiveren Rot leuchten ließen, schüttelte den Kopf und antwortete: "Da draußen schleicht immer noch was herum, was uns vermutlich genau gehört hat. Das muss warten bis wir hier draußen sind." Wenn sie nicht mehr hinterrücks überrascht wurde, würde es wirklich gehen, und so sah sie Tirian fest in die Augen, auch wenn sie es nicht ganz schaffte, den Schmerz aus ihrem Gesichtsausdruck zu verdrängen.

    [Tirian]
    Der Heiler sah Lyviani zu, wie sie ihre Seite entblößte und drei große Kratzer zum Vorschein kamen, aus denen das Blut sickerte. Er verengte die Augen und besah sich die Wunden, die wie Abgründe in der aschgrauen Haut der Assassine prangten. Sie wies ihn auf den Knochenläufer draußen auf dem Gang hin. Ihre Wunde musste warten, bis sie draußen waren, meinte sie. Fest erwiderte sie nun seinen Blick. Tirian hielt ihn. Auch wenn sie etwas anderes behauptete, sah er ihr den Schmerz deutlich ins Gesicht geschrieben, auch das sie sich gebeugt hielt, um die verletzte Körperseite zu entlasten, war mehr als deutlich. Er schüttelte den Kopf. "Ich muss diese Wunden umgehend behandeln. Da ihr vermutlich ohnehin nicht auf mich hören würdet, wenn ich euch sage, dass ich mir Sorgen um euch mache... Mit diesen Wunden könnt ihr nicht kämpfen. Sie werden euch behindern und der Schmerz wird eure Konzentration stören. Es hängt nicht nur euer eigenes Leben davon ab, dass ihr einsatzfähig seid, sondern auch meins. Ich weis nämlich nicht wie groß diese Gruft noch ist und sicherlich hat der Ahnengeist noch längst nicht aufgegeben. Also lasst euch nun bitte behandeln": redete er auf die Dunmer ein. "Aber der Knochenläufer": wollte sie widersprechen. Ihr Worte wurden durch ein herannahendes Knurren unterstützt. "Mist": dachte der Heiler, doch er ergriff eine Bank und wuchtete sie, von einer kurzen Stärkung unterstützt, zur Tür hinüber und verkeilte sie so unter der Klinke, dass sie nicht nur ein Herunterdrücken verhinderte, sondern auch die Tür an sich blockierte. Von außen wurde nun gegen die Tür gehämmert, doch die Erbauer der Ahnengruft hatten sich nicht lumpen lassen und ihren Vorfahren Qualitätsarbeit zuteil werden lassen. Die Tür stand fest und sicher. Sie würde sobald nicht nachgeben. "Das Problem ist vorerst verschoben. Also?": stellte sich Tirian fragend vor Lyviani auf.

    [Dreveni]
    Dreveni wusste selbst, dass er Recht hatte. Und tatsächlich zog noch mehr sein Argument, dass sie so wohl wirklich nicht mehr weit kommen würde, als dass er sich Sorgen machte. Auch wenn das etwas in ihr berührte, wenn auch nur kurz, als sie es ihn aussprechen hörte. Kaum hatte sie es bemerkt, hatte sie es über den Schmerz auch schon wieder vergessen.
    Gerade als sie ihm widersprechen wollte, gab der Knochenläufer draußen auf dem Gang ein drohendes knurren von sich. Na ganz toll. Sie griff nach ihrem Schwert und wollte an Tirian vorbei, da blieb sie stehen als wäre sie vor eine Wand gelaufen, denn sie konnte nicht glauben, was sie gerade sah.
    Der Dunmer wuchtete eine der Steinbänke kurzerhand zur Tür und verklemmte sie damit, so dass der Knochenläufer wohl bis in alle Ewigkeit von draußen dagegen rennen konnte.
    Sie hatte sich noch immer nicht ganz gesammelt, als sich der Heiler wieder vor ihr aufbaute. Er hatte nicht gerade wirklich gewagt, die Tür zu verrammeln? Dass ihnen das eine Pause verschaffte, die beide dringend brauchen konnte, war ihr klar, aber es interessierte sie nicht.

    Er hatte ihr nichts zu sagen, und schon gar nicht hatte er sie hier einzusperren um seinen Willen durchzusetzen. Es gab genau einen einzigen Dunmer, von dem sie sich etwas sagen ließ, und zwar Mordan. Für einen Moment starrten sie sich gegenseitig in die Augen, wobei der Schmerz in Drevenis Blick langsam in mühsam unterdrückte Wut überging. Wut über Tirian, der sie hier einfach einsperrte um seinen Willen zu bekommen, Wut darüber, dass er trotz allem Recht hatte, blanken Hass auf diese widerwärtigen Knochenläufer im besonderen und diese Gruft im allgemeinen und darüber hinaus auf ihr eigenes irrationales Verhalten, denn wieder einmal stand ihr ihr Stolz im Weg, der sich nun zu der Wut im Ausdruck ihrer Augen gesellte.
    Schließlich hob sie ihren Kopf noch ein Stück und gab sich Mühe, sich etwas mehr aufzurichten um mit dem Heiler wenigstens ansatzweise auf Augenhöhe zu sein - was ihr nicht ganz gelang - und antwortete schließlich leise: "Nachdem ich die Bank nicht mehr unter der Tür wegbekomme, bleibt mir ja wohl nichts anderes übrig, oder?" und legte ihr Schwert mit mehr Wucht als es nötig gewesen wäre, wieder zurück auf die Bank. Warte bloß bis wir hier draußen sind...

    [Tirian]
    Lyviani wirkte wütend. Er wusste nicht womit genau er sie jetzt so verärgert hatte und schob es einfach auf den Trotz dagegen, diese Behandlung jetzt durchführen lassen zu müssen, aber das war jetzt mehr als notwendig. Ihr Arm, den sie ihm noch immer nicht zeigen wollte, war eine Sache, aber die Seite aufgerissen zu bekommen, war eine ganz andere. So war sie eindeutig nicht mehr voll bewegungsfähig und schon gar nicht in der Lage schnell zu reagieren, wie es für einen Geist vermutlich nötig wäre. "Nachdem ich die Bank nicht mehr unter der Tür wegbekomme, bleibt mir ja wohl nichts anderes übrig, oder?": sagte sie und knallte dann auch noch ihr Schwert auf die verbliebene Bank. Tirian runzelte die Stirn. "Sie tut ja gerade so, als hätte ich sie hier eingesperrt": dachte der Heiler schulterzuckend und bat sie, sich auf die Bank zu legen, was sie etwas widerstrebend tat. Es war besser, wenn sie die Bauchmuskeln entspannte. Tirian schob vorsichtig die eingerissene Tunika wieder hoch, damit die Wunde freilag. Er legte seine Hand auf ihre Seite. Ihre Haut fühlte sich angenehm weich an. Er fuhr etwas höher und hatte schon den ersten Kratzer unter seinen Fingern. Vorsichtig schob er einen Finger in den Wundkanal, was der Assassinin ein schmerzverzerrtes Gesicht und ein Keuchen entlockte. Er zog ihn wieder heraus. "Die Klaue ist recht tief eingedrungen": sagte er. Noch immer stand frisches Blut in den Wunden. Diesmal nahm er beide Hände, legte sie zunächst über die Krallenspuren und sah Lyviani noch einmal in die Augen. "Das wird jetzt weh tun. Seht mich an": warnte er sie vor und versuchte den Blickkontakt zu halten. Trotzig, scheints noch immer zornig erwiderte sie ihn. Dann drückte er fest in ihre Seite hinein, während er gleichzeitig heilende Magie fließen ließ. Ein blaues Leuchten ging von seinen Händen aus.

    Seine Begleiterin tat ihm im Moment leid. Er schaute mitleidig zu ihr hinüber. "Verzeiht mir": ging es ihm durch den Kopf. Der Zauber tat jedoch spürbar seine Wirkung. Die ausgefransten Wundränder wurden weicher, geschmeidiger und wuchsen unter seinen Händen zusammen. Das herausgerissene Fleisch wuchs heran und schlussendlich befand sich unter seinen Handflächen wieder neue, weiche Haut. Er nahm sie von der schwer atmenden Lyviani herunter. "Eure Wunde ist versorgt. Ruht euch noch einen kurzen Moment aus": sprach der Heiler. Tatsächlich kostete das Heilen von Verletzungen durch Magie nicht nur den Heiler sondern auch den Patienten Kraft. Schließlich war es der Körper des Verletzten, der durch die Magie stimuliert dazu angeregt wurde die Wunden durch gesteigertes Zellwachstum zu verschließen. Auch wenn es ihn die meiste Energie kostete, mochte auch die Assassine durchaus noch etwas erschöpft sein. Tirian kannte das gut. Er ließ ihr einen Moment um sich auszuruhen. Das Klopfen an der Tür wurde lauter. Er ignorierte es und wandte sich nun noch einmal dem Buch zu. Seine Kenntnis der daedrischen Glyphen war etwas eingerostet, weshalb er die anderen Texte nicht so einfach überfliegen konnte und sie stattdessen auf der Suche nach dem Text, der mit Beenden des Zorns überschrieben war, einfach überblätterte. Soweit er das sagen konnte, handelte es sich bei dem Buch um ein religiöses Standardwerk der Ahnenverehrung mit allerlei Ritualen und Gebeten. Als er die Stelle gefunden hatte, schaute er zur Dunmerin hinüber.

    [Dreveni]
    Dreveni legte sich auf die Bank, nicht ohne Tirian einen letzten, giftigen Blick zuzuwerfen. Er war hier nicht der Einzige, der Wutanfälle hinlegen konnte. Dann schob er auch schon ihre Tunika nach oben und legte seine Hand auf ihre Seite. Wenn du jetzt auch nur einen Millimeter zu weit oben hinlang... Weiter kam sie nicht mehr, da durchfuhr sie auch schon der Schmerz als er seinen Finger in den Kratzer bohrte. "Das hätte ich euch auch so sagen können.", brachte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als er bemerkte, wie tief die Wunde war.

    "Das wird jetzt weh tun. Seht mich an", hörte sie ihn sagen, und dachte sich noch, dass es schlimmer ja nicht mehr werden konnte, wenn er nur nicht mehr in der Wunde herumstocherte, aber sah ihn wie geheißen an. Dass sie immer noch wütend war, half ihr zwar etwas mit dem Schmerz umzugehen, aber es wurde trotzdem schlimmer als sie es erwartet hatte. Zwar nicht so sehr, wie damals als ihr Erynn und Arranges den gebrochenen Oberarmknochen gerichtet hatten, aber das hier hatte eine ganz andere Qualität an Schmerz. Das war keine Heilung, das war Folter. In diesem Moment war sie sich sicher, dass man als Heiler eine nicht zu verachtende sadistische Neigung brauchte. Das Gefühl als sich die Wunde unter Tirians Händen schloss, war einfach nur als widerlich zu beschreiben, und sie hätte seiner Aufforderung gar nicht erst bedurft, sich etwas auszuruhen, zum Aufstehen sah sie sich gerade eh nicht in der Lage. So lag sie auf der Bank, während der Knochenläufer an die Tür hämmerte und Tirian in diesem Buch blätterte, das er von dem Altar genommen hatte. Da fiel ihr wieder ein, wie das Monster einfach hier in dem Raum erschienen war. Wie hatte er das nur wieder geschafft? Langsam fühlte sie sich wieder etwas kräftiger und schwang vorsichtig und leise die Beine Richtung Boden, während sie sich aufrichtete. Dabei fiel ihr Blick auch auf ihre Seite, und sie musste widerstrebend zugeben, dass Tirian ganze Arbeit geleistet hatte. Schon bald würde man nichts mehr davon sehen, noch hatte die neue Haut einen leicht helleren Farbton. In diesem Moment sah der Heiler zu ihr hinüber. Sie war zwar noch etwas blass im Gesicht, aber sie fühlte sich durchaus wieder in der Lage aufzustehen, und so sie ging zu Tirian hinüber, um zu sehen, was das für ein Buch war. Sie schaffte es sogar über ihren Schatten zu springen und ihn halbwegs normal anzusprechen: "Seid ihr unter die Beschwörer gegangen oder was war das vorhin?"

    Was aber nichts daran änderte, dass sie ihm die Sache mit der Tür immer noch übel nahm. Wer war er, dass er meinte einfach so entscheiden zu können? Zugetraut hätte sie ihm diese Aktion ohnehin niemals, und das ärgerte sie ebenfalls. Konnte sie ihn denn immer noch nicht einschätzen? Gerade hatte sie überhaupt nichts mehr von dem idealistischen Träumer in ihm gesehen, statt dessen eine Entschlossenheit, die sie ihm nicht zugetraut hatte.

    [Tirian]
    Die Dunmer sah zwar noch reichlich blass aus, aber offenbar hatte sie eine Menge Kraft, denn nach so kurzer Zeit stand sie schon wieder auf den Beinen. Tirian freute sich, dass es ihr wieder etwas besser ging. "Ich weis es ehrlich gesagt nicht. Womöglich war das Buch geschützt. Der Knochenläufer ist aufgetaucht, als ich es zugeschlagen habe. Scheinbar hielt das Ding mich für einen Dieb und ist dann aufgetaucht, um uns aufzuhalten": beantwortete er ihre Frage, soweit es möglich war. "Was soll das für ein Buch sein?": wollte Lyviani wissen. Tirian kratzte sich kurz am Kopf. "Soweit ich das entziffern konnte, handelt es sich um eine recht verbreitete Version eines Ritualbuches für die Ahnenverehrung - Gebete, Rituale, Opfergaben, Grabweihen, dergleichen. Es ist auf Dunmeri, geschrieben in daedrischen Glyphen. Ich versuche gerade einen Textabschnitt zu entziffern, der mit "Beenden des Zorns" überschrieben ist. Die Seite war schon aufgeschlagen": erzählte Tirian und übersetzte weiter. Das Rumpeln vor der Tür wurde derweil immer lauter und langsam war sich der Heiler nicht mehr so sicher, dass das Holz dem Knochenläufer noch lange standhalten würde.

    "Sieht so aus, als würde der Untote bald durch die Barrikade dringen. Ich hatte gehofft, dass die Bank und die Tür ihn langer abhalten würden": stellte Tirian fest. Er überflog noch einmal schnell den Abschnitt. Da brach auch schon ein Stück aus der Tür heraus und der Knochenläufer streckte seine Klaue hinein. Lyviani war schnell zur Stelle, um den Gegner für den Fall der Fälle zurückzuhalten. Der Heiler wollte etwas probieren. Er stellte sich vor dem Durchgang auf und begann aus dem Buch zu rezitieren. Die Worte klangen selbst in seinen Ohren sehr fremdartig, als er sie wiedergab. "Bette dich zur Ruhe Ahn. Finde deinen Frieden": schloss er die Beschwörung ab. Der Knochenläufer stellte seine Versuche, die Tür aufzubrechen, ein und löste sich langsam in einem lilanen Licht auf. Schließlich war er verschwunden und es wurde wieder still. Der Heiler atmete erleichtert auf.

    [Dreveni]
    Sie hörte Tirian aufmerksam zu, und warf selbst einen Blick auf die Seiten. Allerdings konnte sie weder daedrische Glyphen lesen, noch verstand sie Dunmeri. Ein paar der Schriftzeichen konnte sie zwar zuordnen, aber bei weitem nicht genug. Sie blickte skeptisch zur Tür, die immer mehr wackelte, und schabte sich dabei wieder mit den Nägeln der anderen Hand über ihren Arm. Nachdem der Schmerz in ihrer Seite verschwunden war, merkte sie die Kratzer des Zombies wieder. Gerade als Tirian seine Befürchtung aussprach, splitterte die Tür auch schon. Sie griff ihr Schwert und schlug nach der Klaue, erwischte sie aber nur mit der flachen Seite der Klinge. Von der anderen Seite war ein empörtes Knurren zu hören, und kurz wurde die Klaue zurückgezogen, danach ging das geklopfe an die Türe umso heftiger weiter. Sie stand mit erhobenem Schwert seitlich der Türe, bereit sofort zuzuschlagen, wenn sie endgültig brechen würde.

    Sie hörte wie Tirian anfing aus dem Buch zu rezitieren. Was sollte dass denn schon wieder werden? Die Worte die er sprach klangen seltsam, und nicht nur weil sie in Dunmeri waren, doch waren sie seltsam klangvoll. Unter anderen Umständen hätte sie ihm vermutlich eine ganze Weile zuhören können, auch wenn sie kein Wort verstand, rein aufgrund des Klanges der fremden Sprache. Plötzlich wurde es ruhig auf der anderen Seite der Türe, gerade als der Heiler aufgehört hatte zu sprechen. Statt dessen war das selbe lilane Leuchten durch das Loch zu sehen, das vorher das Erscheinen des anderen Knochenläufers angekündigt hatte, nur dieses Mal erschien keiner, sondern ihr Gegner löste sich in Luft auf. Sie sah ein paar mal erstaunt zwischen Tirian und der Tür hin und her, bevor sie ihn ansprach: "Seid ihr sicher dass ich kein Beschwörer hättet werden sollen? Könnt ihr das vielleicht auch mit dem Geist machen?"
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  15. #55

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer, Ienith-Ahnengruft

    [Tirian]
    "Seid ihr sicher dass ich kein Beschwörer hättet werden sollen? Könnt ihr das vielleicht auch mit dem Geist machen?": hörte er Lyvianis Stimme. Er drehte sich zu ihr um und lächelte etwas verlegen. "Ich denke eher nicht. Ich habe nur die Worte vorgelesen. Hier war soweit ich das beurteilen kann, keine Magie von mir im Spiel. Soweit ich das aus dem Text herauslesen konnte, dient dieses Ritual dazu wütende Ahnen zu besänftigen und ihnen den Frieden zurückzugeben. In diesem Fall wohl, um den Knochenläufer zu entlassen. Ich weis nicht, ob das Ritual auch gegen den Ahnengeist hilft. Eigentlich sind noch aufwendigere rituelle Handlungen erforderlich, um das Ganze durchzuführen. Man kann damit wohl die Geister einer ganzen Gruft befrieden, wenn man es durchführt, allerdings fehlen uns dafür die nötigen Mittel. Ich wollte zumindest ausprobieren, ob die Gebetsformel allein nicht schon ausreicht, um etwas im kleineren Rahmen zu bewirken": erklärte Tirian. Nachdenklich runzelte er die Stirn "Wir könnten es gegen den Geist zumindest einmal ausprobieren. Noch wütender kann er ja ohnehin nicht werden": meinte Tirian schulterzuckend und riss kurzer Hand die Seite mit dem Ritual aus dem Buch und legte es auf den Buchständer zurück. Der Foliant war zu unhandlich, als das er ihn mit sich herumschleppen wollte.

    Schließlich pumpte er sich unter Zuhilfenahme von etwas Magicka auf und stemmte schließlich die Bank zur Seite. Die Tür schwang umgehend nach innen auf. "Da der Knochenläufer weg ist, brauchen wir die jetzt auch nicht mehr, außerdem dürfte jetzt der Gang frei sein": sagte Tirian und streckte seinen Kopf hinaus in den Gang und lauschte. Tatsächlich waren kein Schaben und keine Schritte mehr zu hören. Offenbar war der Weg offenbar sicher. Er bestätigte das noch einmal mit einem zu Lyviani und bat darum, dass sie mit ihrem Lichtzauber wieder vorgehen würde, um ihnen zu leuchten.

    [Dreveni]
    Tirian lächelte sie etwas verlegen an, als er antwortete, was nicht so ganz zu seinem sonstigen Aufzug passen wollte. Obwohl die Schnitte in seinem Gesicht inzwischen verheilt waren, war das getrocknete Blut davon immer noch in selbigem. Die Haare hingen ihm etwas wirr in die Stirn, und zusammen mit seiner inzwischen ziemlich mitgenommenen Kleidung und sonstigen Kampfspuren gab ihm das ein eher verwegenes Aussehen.
    Als er schließlich eine Seite aus dem Buch riss, war es Dreveni, die ihm einen missbilligenden Blick zuwarf, sie war immer noch der Meinung, dass man hier nichts mitnehmen oder zerstören sollte. Vor allem letzteres nicht, und sie teilte auch nicht seine Ansicht, dass der Geist wohl nicht mehr wütender werden konnte, sagte aber nichts.
    Seine Antwort nahm sie mit Bedauern zur Kenntnis, es wäre auch zu einfach gewesen, wenn sie den Geist mit einer einfachen Beschwörungsformel vertreiben könnten.

    Etwas widerwillig sprach sie wieder den Lichtzauber, als sie in den Gang hinaustraten, erstens weil sie langsam genug davon hatte, die lebendige Fackel zu spielen, zweitens weil ihr selbst das Licht dass aus dem Raum fiel vorerst ausreichte und sie sich gerne möglichst lautlos durch den Gang geschlichen hätte, was aber an ihrem Begleiter scheiterte.
    Sie folgtem den Gang noch ein paar Meter, bis sie an einer Treppe standen, dessen Ende Dreveni nicht sehen konnte, da es im dunklen lag. Sie betrat vor Tirian mit gezogenem Schwert die Treppe. Ihr war als würde sie dort oben im dunklen ein nur zu bekanntes Schnaufen hörte, und als ein Schatten auf sie zuschoss wußte sie, dass sie sich nicht getäuscht hatte. Sie sprang schnell zur Seite, wobei sie Tirian, der dicht hinter ihr war, am Arm packte und mitzog, um nicht von dem Knochenläufer überrannt und die Treppe hinunter gestoßen zu werden. Der merkte schon bald dass er seine Gegner verfehlt hatte, bremste und drehte sich mit einem unheilvollen Knurren wieder zu ihnen um...

    [Tirian]
    Der Heiler folgte Lyviani bis an das Ende des Ganges, der in einer großen Treppe auslief, die steil nach oben führte. Sie kamen damit der Erdoberfläche und somit einem Ausgang immer näher. Allerdings verhieß ein Schnaufen, das vom Kopf der Treppe erklang nichts Gutes erahnen. Die Assassinin musste es noch einen Moment früher eingeordnet haben als er selbst. Die Dunmer packte ihn und riss ihn zur Seite. Nur einen kurzen Augenblick später, schoss an ihm ein Knochenläufer vorbei die Treppe hinunter. Er hätte sie mit sich gerissen. "Danke": murmelte Tirian, der sich inzwischen auf den Untoten konzentrierte. Der Wiedergänger bremste ab, drehte sich um und ließ ein wütendes Knurren vernehmen, bevor er zu einer weiteren Rammattacke ansetzte. "Ich den Kopf, ihr die Beine": wies er seine Partnerin an und zog dann seine Klinge. Der Knochenläufer stürmte noch einmal heran. Sie wichen diesmal zu beiden Seiten der Treppe aus, drückten sich an jeweils eine der Wände, während ihr Gegner noch einmal an ihnen vorbeistürmte. Lyviani duckte sich und führte bodennah einen Streich gegen die Beine des Untoten, als er vorbeizog. Kreischend brach das Ding in die Knie. Tirian stärkte sich noch einmal mit Magie und hieb der Kreatur schließlich mit einem Hieb den Kopf ab. Noch einmal zuckte das zombieähnliche Wesen und blieb schließlich liegen. Der Heiler musste sich schwer atmend an der Wand abstützen.

    Langsam wurde ihm schwindlig. Lyviani äußerte schon ihre Sorge. Tirian schüttelte den Kopf. "Ich bin nur... erschöpft. Es geht gleich wieder": sagte er und zog noch einen Mana-Trank hervor. Er schluckte die blaue Flüssigkeit erneut und wieder fühlte er das Mana in seinen Körper zurückkehren. Allerdings war das Gefühl wesentlich schwächer als zuvor. Es war geradezu trügerisch. Der Schwindel wurde erst noch etwas schlimmer, bevor er sich legte. Lange machte das sein Körper nicht mehr mit. Er hoffte wirklich, dass sie es bald überstanden haben würden. Er wischte seine Klinge noch kurz an seiner Robe ab, die eh bereits stark aufgerieben und von oben bis unten mit Schleim und verdorbenen Körpersäften beschmutzt war, ehe er sie in die Scheide zurücksteckte. Ein Bad tat wirklich Not und wenn sie noch heute bis zum Meer laufen mussten, um sich dort zu waschen, würde er diesen Weg liebend gerne auf sich nehmen. Riechen und aussehen mussten sie vermutlich schon, als wären sie gerade selbst frisch dem Grab entsprungen. Ohne weitere Worte erklommen sie noch den Rest der Treppe, der in einem kurzen Absatz mündete. Schließlich gab es keinen weiteren Gang, sondern nur noch rechter Hand eine Tür. Tirian wollte die Assassine noch einmal darum bitten, sich das Schloss anzuschauen, da öffnete sie sich wie von Geisterhand, hindurch fiel helles Fackellicht.

    Ein Blick in Lyvianis Gesicht sagte ihm, dass sie wohl in diesem Moment das Gleiche dachten und eine Falle erwarteten. Die Waffe, die er so eben weggesteckt hatte, zog er nun wieder hervor. Er spürte wie sich um ihn herum ein Schild aufbaute und sah Entschlossenheit im Blick der Assassinin. Noch ein abstimmendes Nicken dann betraten sie vorsichtig den angrenzenden Raum. Dieser entpuppte sich als eine große, kreisförmige Kammer. In der Mitte des Raumes befand sich ein großes Aschebecken, in dem sich Asche und Gebeine von Toten befanden, als familiäres Sammelgrab. An den Wänden waren wieder kleine Altäre mit Urnen. Tirian konnte auch wieder Wandteppiche mit diesem seltsamen Symbol, wie auch schon in dem kleinen Gebetsraum, an den Wänden hängen sehen und fand noch ein paar Truhen. Erhellt wurde das Ganze von etwas mehr als einem halben Dutzend Fackeln, die in eisernen Haltern an der Wand steckten. Gegner waren zunächst nicht zu erkennen. Als sie langsam etwas weiter in den Raum hinein gingen, konnte Tirian eine weitere Tür sehen. Diese war auch der einzige Weg aus dieser Kammer hinaus, wenn sie nicht zurückgehen wollten. Gerade als er seine Begleiterin daraufhin weisen wollte, spürte er einen eisig kalten Luftzug, der ihn frösteln ließ. Hinter ihnen fiel die Tür, durch die sie hereingekommen waren, in Schloss. Der magische Schleier eines Siegels, wie sie es aus der Kanalisation bereits kannten, legte sich darüber. Ebenso so eines verschloss nun auch den anderen Durchgang.

    In der Mitte des Raumes wurde nun der Ahnengeist sichtbar. Seine Gestalt waberte noch immer in einem gespenstischen Grün, das hier allerdings bei dem Fackellicht nicht mehr so bedrohlich wirkte, wie noch in der dunklen Kanalisation. "Ihr Schänder werdet sterben. Spürt den Zorn des Clans Ienith": verkündete der Geist bedrohlich und sank langsam in das Aschebecken, über dem er schwebte, ein. Tirian verengte die Augen. Die Asche begann langsam zu zittern und Wellen zu schlagen, dann brach die Oberfläche und aus ihr heraus brach ein Wesen in sandfarbener, altertümlicher Robe, das über dem Boden schwebte. Es steckte ein Skelett darin, dessen Kopf über dem Körper schwebte und dessen Augen mit geisterhaften Glühen des Ahnengeistes erfüllt waren. Begleitet von einem spitzen Schrei reckte es zwei Paar Arme empor, in deren Händen jeweils ein scharf spitz zulaufender Dolch prangte. Waren drei davon aus einem angelaufenen Metall wie Eisen oder Stahl war der, der es in der linken, oberen Hand trug aus Bronze oder was ähnlichem gefertigt. Am Griff prangte darin ein eingelassener Smaragd. Tirian konnte glühende daedrische Runen darauf sehen. Der Heiler wusste, was für ein Gegner sich hier erhoben hatte. "Das ist ein Skelettfürst. Wir müssen vorsichtig sein. Diese Wesen sind magisch begabt, allerdings sind sie schwächer im Nahkampf": teilte er Lyviani mit. "Euer Weg endet hier": verkündete dieser Untote. Der Heiler konnte spüren, wie sich die Magie im Innern des Wesens verstärkte und dann sehr schnell ausdehnte. Der Aschegrube entstiegen sechs mit Äxten bewaffnete Skelette.

    Tirian hatte die Zeit allerdings nicht ungenutzt verstreichen lassen und trat den Wiedergängern mit der Gebetsformel entgegen. Wieder rezitierte er das altklingende, beschwörende Dunmeri von der herausgerissenen Seite. Vier der sechs Skelette zerfielen wieder, als die Geister, die sie belebten, sich wieder zur Ruhe begaben. Auch der Ober-Untote schien einen Moment zu wanken, offenbar hatte das Gebet auch ihn geschwächt. Mehr war aber sicher nicht mehr damit zu wollen. Der Zorn des Ahnengeistes war zu groß, als dass er so leicht zu beruhigen war. Sie mussten ihn bezwingen, wenn sie hier herauswollten.

    [Dreveni]
    Inzwischen hatten sie Übung mit den Knochenläufern, und sie schienen auch beide auf einander eingespielt, und so erledigten sie diesen relativ schnell und ohne selbst etwas abzubekommen. Nur Tirian schwächelte etwas, und Dreveni nahm durchaus zur Kenntnis, dass er selbst auch nicht so ganz ehrlich war, was seinen Zustand anging. Lieber griff er zu seinen Tränken, was wiederum sie nicht so ganz gutheißen konnte. Das Zeug war trügerisch, das wußte sie, und so vermied sie es tunlichst, und verließ sich lieber auf sich selbst und kannte ihre Grenzen ganz genau.

    Als sie am oberen Ender der Treppe die Tür erreichten, die plötzlich aufschwang und sie das Fackellicht sah, dämmerte ihr bereits unschön was sie dort wohl erwartete, und der Heiler schien das selbe zu befürchten. Mit wachsendem Entsetzen in ihren Zügen beobachtete sie, wie sich das Skelett aus dem Becken erhob, und als es sie als Schänder beschimpfte, rief sie ihm trotzdem noch halbwegs mutig entgegen: "Wir haben überhaupt nichts geschändet, wir wollen selber hier raus!", aber der Geist schien sie gar nicht zu hören.
    Statt dessen beschwor er sechs weitere Skelette, und in diesem Moment hatte Dreveni schon halbwegs mit ihrem Leben abgeschlossen, als es Tirian schaffte, vier davon genaus wie den Knochenläufer vorhin wieder in ihre Gräber zu schicken. Blieben noch zwei und der Obergeist, was mehr als genug war. Laut Tirian war es ein Skelettfürst, was sie nicht groß interessierte, das einzig Wichtige für sie war in diesem Moment der Hinweis auf den Nahkampf. Nun gut, mit Magie war es bei ihr so oder so nicht mehr sonderlich weit her, sie mußte sich schon vollauf auf die Schildzauber konzentrieren.

    Nun gut, ich bin soweit gekommen und werde nicht in dieser jämmerlichen Gruft sterben., dachte sie sich grimmig, bevor sie das Schwert hob und auf eines der verbleibenden zwei Skelette zustürmte. Die Chancen standen zwar gut, dass sie ebenfalls verschwanden, wenn endlich der Geist besiegt war, aber gerade schienen sie geschwächt und sie konnte nicht die ganze Zeit darauf Acht geben, dass sie ihnen nicht in den Rücken fielen. Außerdem hatte sie gerade noch halbwegs Kraft in den Armen, um das Schwert zu führen, gegen den Skelettfürsten würde sie vermutlich nur mit ihrem Dolch eine Chance haben, und da kam es eher auf Schnelligkeit als auf Kraft an. Sie hieb ein paar Mal schnell auf das Skelett ein, während sie versuchte mit einem Auge den Geist im Blick zu behalten und drängte es so in die Defensive. Wenn sie nur noch einen halbwegs ordentlichen Schockzauber anbringen konnte, wäre es erledigt, aber dazu mußte sie ihm erst einmal nahe genug kommen. Das würde weniger ihrer restlichen Magie brauchen, als wenn sie es auf die Entfernung versuchte.

    [Tirian]
    Lyviani ging umgehend in den Nahkampf gegen eines der Skelette über. Tirian selbst wollte dem nicht nachstehen und wollte sich um das zweite Skelett kümmern. Der Skelettfürst selbst rief vorsorglich, wie er mit einem Seitenblick feststellen konnte, einen Schild auf, um sich zu verteidigen. Dann verlor der Heiler ihn auch schon aus den Augen, weil er sich einem untoten Diener stellte. Das Silberschwert und die Streitaxt verkeilten sich in einander. Es kam zu einem Kräftemessen zwischen ihm und dem Knochenmann. Mit einer weiteren Verstärkung durch seine magischen Kräfte, konnte der Dunmer dieses Messen für sich entscheiden. Er befreite durch reinen Druck die Klinge und schlug dem Skelett den Waffenarm ab. Sofort schnellte seine Hand hervor und packte den Schädel. Seine Magie floss in Form eines starken Schockstoßes in den Schädel und den beinernen Leib seines Gegners. Der Schädel zersprang nach einigen Augenblicken unter der Wucht des Zaubers. Sein Feind zerfiel in seine Einzelstücke und verteilte sich über Boden der Kammer. Tirian riskierte einen Seitenblick auf Lyviani, die inzwischen auch über einem Haufen Knochen stand. Jetzt war nur noch der Skelettfürst übrig, der in Ermangelung seiner Diener nun selbst zum Angriff überging. Tirian sah mehrere blassrote Kugeln aus Magie auf sich zufliegen. Er versuchte auszuweichen, wurde jedoch von einer von ihnen am Bein erwischt. Er merkte sofort, wie seine Gliedmaßen geradezu schwer wie Blei wurden und er sich nur noch langsam mit Mühe bewegen konnte. "Verflucht": ärgerte sich der Heiler und musste mit ansehen, wie der Untote nun mit dem Zauber zum Aussaugen des Lebens, den sie schon in der Kanalisation bei ihm gesehen hatte, auf die Assassinin losging und versuchte sie zu erwischen.

    [Dreveni]
    Dreveni fluchte auf eine derart lästerliche Art und Weise, die ihr wohl für alle Ewigkeiten den Zorn der Götter einbringen würde, als sie sah, was mit Tirian geschah. Immerhin waren sie die beiden letzten Skelette nun auch losgeworden, viel Zeit blieb ihr aber nicht um sich darüber zu freuen, als der Skelettfürst nun auf sie losging.

    Wieder retteten sie ihre Reflexe, auf die sie sich in solchen Situationen durch inzwischen doch jahrelange Erfahrung verlassen konnte, aber sie spürte auch wie zusehends nicht nur ihre Konzentration nachließ, sondern auch ihre Muskeln nicht mehr unbedingt so mitmachten, wie sie es gern hätte. Es blieb ihr keine Zeit, das Schwert wegzustecken, so ließ sie es einfach fallen, gab ihm einen kräftigen Tritt so dass es über den Boden schlitterte und nun außer Reichweite des Gegners war und warf gleichzeitig ihr Stilett auf den Geist.
    Sie machte sich von vorn herein keine großen Hoffnungen dass ihn das lange aufhalten würde, es verschaffte ihr allerdings etwas Zeit. Zeit die der Gegner brauchte, das Silber kreischend und keuchend aus seinen Knochen zu ziehen, zwischen denen es sich verkeilt hatte. Währenddessen hatte sie ihren Dolch gezogen und hatte sich halb hinter das Skelett gebracht. Gerade noch rechtzeitig, denn schon hatte sich ihr Gegner der Waffe in seinen Knochen entledigt und wollte sich ihr wieder zuwenden. Statt auf ihn einzustechen, wie sie es normalerweise getan hätte, zog sie die Klinge ihres Dolches über seinen Rücken, wobei sie auf einen eigenartigen Widerstand stieß, der sie allerdings nicht völlig aufhielt. Der Ahnengeist gab daraufhin das gleiche schrille Kreischen wie in der Kanalisation, dieses mal schien ihm der Kontakt mit ihrem Dolch allerdings nicht soviel auszumachen.

    Sie riskierte einen Seitenblick zu dem Heiler, als sie einem neuerlichen Zauber ausgewichen war und gerade wieder Anlauf auf den rachsüchtigen Geist nahm. Hoffentlich war Tirian bald wieder in der Lage aufzustehen, sein Schwert war immerhin auch aus Silber...

    [Tirian]
    Hilflos musste Tirian mit ansehen, wie Lyviani vom Skelettfürsten in die Mangel genommen wurde, allerdings bot sie ihm gut Paroli, wich nicht nur seinem Angriff aus, sondern konnte auch Treffer landen, die die Kreatur sogar zum Schreien brachten. Er verfluchte seine derzeitige Situation und konnte sich nur mit großer Mühe vorwärts bewegen. Geradezu im Tempo einer Schnecke näherte er sich dem Gegner. Der Fluch des Untoten hatte ihn seiner Schnelligkeit beraubt. Offenbar hielt er ihn nun für die leichtere Beute und geringere Bedrohung und konzentrierte sich daher lieber auf die Assassinin als auf ihn. Er beharkte sie weiter mit Zaubern und versuchte ebenfalls sie zu verfluchen, doch bisher war sie in der Lage ihm auszuweichen. Er wollte ihr helfen und inzwischen hatte er eine Idee. Da der Untote nur auf seine Begleiterin fixiert war, konnte er ihn vielleicht überraschen. Er legte die Hände auf seine Beine und ließ stärkende Magie hinein fließen. Er konnte den Fluch nicht beenden, dazu hätte er vermutlich doch länger die Adeptenausbildung des Tempels durchlaufen müssen, aber zumindest konnte er mit einem Stärkungszauber entgegen steuern.

    Normalerweise hätte er sich jetzt ohne große Mühe sehr schnell bewegen können, doch zusammen mit dem Flucht, der auf ihm lag, reichte die Magie aus, dass er sich wieder in normaler Geschwindigkeit vorwärts bewegen konnte. Plötzlich war der Schwindel wieder da. Der Manatrank hatte kaum halb solange vorgehalten, wie der Vorherige. Er fühlte sich wieder magisch und seelisch erschöpft und ausgelaugt. Er war im Zweifel nur noch zu einem starken Zauber fähig, dann war er völlig ausgebrannt. Ein weiterer Trank würde ihm dann kaum mehr helfen können. Er wusste das. Er kämpfte den Schwindel nieder und stürmte für einen Angriff voran. Inzwischen hatte der Skelettfürst Lyviani in die Enge getrieben. Er holte von hinten zu einem Schlag aus und hieb los. Als die Silberklinge kurz davor war, den Körper des Wiedergängers zu treffen, war es so, als würde er durch Wasser schlagen. Die Klinge verlor deutlich an Schwung. Sie drang zwar noch immer mit Wucht in den knöchernen Leib unter dem Kapuzenmantel, aber es fehlte die tödliche Durchschlagskraft. Getroffen kreischte die untote Kreatur auf und wandte sich wütend um. Da er so nahe war, holte sie mit ihren vier Armen und vier Dolchen aus. Den oberen beiden bewaffneten Klauen konnte er entgehen, in dem er sich schnell nach hinten umfallen ließ, doch die zwei unteren Arme schafften es ihm zwei tiefe Schnitte in den Oberkörper hinein beizubringen. Er stöhnte vor Schmerz auf. Tirian robbte nach hinten zurück. Jetzt hatte er die Aufmerksamkeit des Geistes, dem das Silberschwert noch immer zwischen den Knochen steckte.
    Geändert von KingPaddy (09.05.2013 um 01:12 Uhr)

  16. #56

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer, Ienith-Ahnengruft

    [Dreveni]
    Es wurde langsam eng, und Dreveni war das mit schmerzhafter Klarheit bewusst. Wenn nicht bald irgendetwas geschah, war sie am Ende. Ihr kurzer Blick auf Tirian hatte ihr nur gezeigt, dass er immer noch reglos am Boden lag, und so versuchte sie weiter den vier Armen des Skelettes auszuweichen, was gar nicht so einfach war. Sämtliche verfluchten Gegner, mit denen sie bisher zu tun hatte, hatten nur zwei davon gehabt, und so war sie es einfach nicht gewohnt.

    Schließlich hatte er sie so in die Enge getrieben, und sie konnte schon fast fühlen, wie er sie mit seinen Dolchen durchbohrte, da kreischte die Kreatur plötzlich erneut auf. Tirian hatte ihr sein Schwert in den Rücken gestochen, und da war es nun, so ziemlich unerreichbar für den Heiler. Den gleichen Fehler hatte sie bisher mit ihrem Dolch vermeiden können, und doch konnte er das Skelett nur so von ihr ablenken um ihr etwas Luft zu verschaffen. Das bezahlte er darüber hinaus noch mit zwei bösen Schnitten auf seinem Oberkörper.
    Es war aus. Da konnte sie auch gleich alles auf eine Karte setzen, schoss es Dreveni durch den Kopf. Sie würden beide nicht mehr wesentlich länger durchhalten, sie waren tot, so oder so. Mit letzter Kraft verstärkte sie den Schildzauber um sich, nahm Anlauf und sprang den Untoten von hinten mit Schwung an. Er reichte aus dass sie beide in einem Haufen Knochen zu Boden gingen, und bis er sich wieder halbwegs gesammelt hatte, konnte ihm Dreveni noch zweimal die Klinge ihres Dolches über die Knochen ziehen, was ihn jedes mal so aufkreischen ließ, dass sie nur schwer dem Drang widerstand, sich einfach die Hände auf die Ohren zu schlagen. Statt dessen rollten sie nun ineinander verschlungen auf dem Boden umher, und ihr gelang es immerhin, zwei der vier Arme halbwegs unter Kontrolle zu bekommen. Ihre Kenntnisse im waffenlosen Nahkampf waren bestenfalls rudimentär, aber auf Technik kam es gerade auch wirklich nicht mehr an. Irgendwie schaffte sie es, Tirians Schwert aus dem Skelett zu befreien und sich von ihm zu lösen, nicht ohne während der Aktion ein paar üble Prellungen und leichte Schnitte zu kassieren, das gröbste hielt der Schildzauber dann doch noch ab.

    Sie stand schneller als der Geist und ging einen Schritt zurück, während sie mit Tirians Schwert auf ihn einhieb, dass doch eine beträchtlich größere Reichweite als ihr Dolch hatte. Als sich der Geist wieder halbwegs gesammelt und erhoben hatte, machte er einen geschwächten Eindruck, aber dieses verdammte Ding lebte immer noch. Lauernd stand sie ein paar Schritte von dem Skelett entfernt, und versuchte selber wieder halbwegs zu Atem zu kommen, nachdem sie das Schwert wieder über den Boden zu Tirian geschleudert hatte. Sie hoffte es war eine gute Idee gewesen, das Schwert wieder aus dem Skelett zu ziehen, aber so sehr schien ihn das auch nicht zu stören, und sie konnten nicht ewig warten, bis es dadurch so geschwächt war, dass es tot umfiel. Und Tirian brauchte irgendetwas, um sich wenigstens noch halbwegs zu wehren.

    [Tirian]
    Der Heiler atmete erleichtert auf, als sich der Skelettfürst von ihm abwandte. Im nächsten Augenblick saß er allerdings mit offenem Mund da, als er beobachtete, wie sich Lyviani mit Inbrunst gegen den Untoten warf, ihn zu Boden zwang und dann auch noch mit seinem Schwert bearbeitete. Schließlich schaffte sie es sich aus dem verwickelten Knäuel, das sie zusammen mit dem Untoten am Boden gebildet hatte, zu befreien und ihm seine Waffe herüber zu schieben. Gerade rechtzeitig, bevor sich der Wiedergänger wieder erhob, seine Dolche drohend erhob. Tirian packte seine Silberklinge fest an und stürzte voran. Das Schwert hielt er seitlich wie eine Lanze und rammte sie mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, in den Leib des Skelettfürsten. Wild kreischte die Kreatur auf. Die Silberklinge war diesmal viel tiefer eingedrungen. Offenbar hatte sich Schild in Wohlgefallen aufgelöst, denn diesmal behinderte ihn Nichts mehr. Das Schwert steckte nun an genau der richtigen Stelle. Er wusste zwar, dass sein Gegner gegen Elementarmagie recht unempfindlich war, aber wenn er den Zauber durch die Klinge direkt in ihn hinein leitete, musste es einfach funktionieren.

    Er packte noch einmal das Heft und nutzte sein restliches Mana dafür einen Schockzauber durch die Waffe hindurch in den Skelettfürsten hinein zu leiten. Der Untote kreischte und schrie und wurde geschüttelt. Tirian versuchte die Magie solange wie möglich aufrecht zu erhalten, doch erschöpfte sich seine Reserve zu schnell und er brach zusammen. Der Wiedergänger allerdings sank langsam in sich zusammen. Er war schwer angeschlagen und hatte auch keine Kraft mehr zu schweben, sondern stand nun mit knöchernen Füßen wieder auf dem Boden. Boshaft funkelte ihn das gespenstische, grüne Licht in den ansonsten leeren Augenhöhlen an. "Lyviani, den Kopf": rief der Heiler, als die Kreatur nun den bronzenen Dolch erhob, um zu einem finalen Stich gegen ihn auszuholen. Der Stärkungszauber war inzwischen auch dahin und es bestand für ihn keine Möglichkeit mehr auszuweichen. Er schloss die Augen und erwartete das Schlimmste, doch es blieb aus, stattdessen ertönte ein wahrhaft schriller Schrei, der seinen Ohren geradezu betäubte.

    Tirian schlug die Augen noch rechtzeitig wieder auf, um zu sehen wie die Assassine ihren daedrischen Dolch bis zum Heft in den Schädel des Monstrums gerammt hatte und es grün strahlend, offenbar sein Unleben aushauchte. Der Körper zerfiel in seine Einzelteile, der bronzene Dolch landete neben ihm auf dem Boden, und dazwischen sah er, wie sich der Ahnengeist, der sie besessen hatte, auflöste und schließlich zu einer grünlich schimmernden Pfütze am Boden zerlief. Im gleichen Momente fühlte er den Fluch von seinen Beinen weichen und beide versiegelten Türen sprangen umgehend auf. "Wir haben es geschafft": keuchte der Heiler. Er rappelte sich auf zittrige Beine hoch. Er konnte nicht mehr. Sobald sie hier heraus waren, würde er schlafen und wenn es direkt neben dem Eingang der Gruft wäre. Allerdings gebot ihm seine Profession sich noch einmal schnell der Pfütze zuzuwenden und mit der leeren Manatrank-Flasche ordentlich etwas abzuschöpfen. Ektoplasma war für seine Verhältnisse eine seltene Zutat und so eine Gelegenheit durfte er nicht verstreichen lassen. Als er es schnell abgefüllt und verkorkt hatte, fiel sein Blick auch noch auf den Dolch, den der Skelettfürst über gelassen hatte. Er sah besonders aus. Tirian steckte ihn sich ein. Es wurde nun Zeit zu gehen.

    [Dreveni]
    Dreveni hatte gehofft, mit ihrer gewagten Aktion mehr zu erreichen, aber immerhin hatte sie sich nicht völlig kampflos in ihr Schicksal ergeben. Auch wenn das niemand mehr mitbekommen würde, wenn keiner von ihnen hier lebend herauskam. Da packte Tirian auch schon sein Schwert und stieß es der Kreatur wieder in den Leib, und einen Augenblick später erkannte sie auch, was der Heiler damit bezweckte, was ihr Anlass zu vorsichtigem Optimismus gab. Als der Heiler zusammenbrach und der Untote ebenfalls kurz vor seinem endgültigen Ende zu stehen schien, hörte sie Tirian nur noch schreien: "Lyviani, den Kopf!"
    Das brauchte er ihr nicht zweimal zu sagen, und schon versenkte sie mit einer geübten Bewegung ihren Dolch bis zum Heft im nun brüchigem Schädel des Skelettes. Mit einem schauerhaften Kreischen das langsam verhallte und einem letzten hellgrünen Leuchten hauchte ihr Gegner nun endlich sein untotes Leben aus und nichts als eine Pfütze von Ektoplasma blieb übrig. Dreveni stand leicht zittrig mit ihrem Dolch in der Hand da und konnte es kaum glauben. Sie hatten es tatsächlich geschafft? Da sprangen auch schon beide Türen mit einem Knall auf, und sie ein Schwall Frischluft kam durch die Ritzen der Tür herein, die nun nicht mehr durch die magische Barriere abgehalten wurde. Sie war herrlich kühl und roch nach Freiheit, so dass sie tief einatmete, bis ein gemeines Stechen in ihren Rippen sie an den unsanften Kontakt mit dem Untoten erinnerte. Er hatte ihr irgendeinen Teil seiner Knochen in die Seite gestoßen als sie über den Boden rollten, dieses mal allerdings in die rechte. Doch das war ihr egal. Sie stützte die Hand in die Seite, und suchte ihre Waffen zusammen. Das Stilett fand sie schließlich bei einem Haufen Knochen, gerade als Tirian mit der Pfütze Ektoplasma fertig war.

    Sie ging zu ihm hinüber, und nachdem er genauso unsicher auf seinen Beinen stand, wie sie sich fühlte, legte sie ihm ohne eine Wort den Arm um die Taille um ihn so etwas zu stützen, während er das gleiche tat. "Nichts wie raus, bevor es sich die Pfütze anders überlegt.", sagte sie leise, während sie erst durch einen langen Gang, in dem ebenfalls Urnen in Nischen an den Wänden standen und dann eine kurze Treppe hinaufgingen, der Frischluft folgend. Schließlich standen sie vor der Tür, durch die bereits Dämmerlicht fiel. Morgendämmerung, Abenddämmerung? Dreveni wusste es nicht, sie hatte jedes Zeitgefühl verloren. Sie sah Tirian an, nachdem sie sich immer noch stützten, war nicht viel Abstand zwischen ihren Gesichtern. "Meint ihr jemand war so hinterhältig die Eingangstür auch noch mit einer Falle zu sichern?"

  17. #57

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer

    Lyviani stützte ihn und er war ihr dankbar dafür. Er fühlte sich wirklich wie gekaut und ausgespuckt und wollte sich endlich ausruhen. Als sie anmerkte, dass sie schnell verschwinden sollte, hatte er Nichts dagegen. Sie gingen durch die Tür und ließen die Kammer hinter sich, passierten einen weiteren Gang und standen endlich vor der Tür nach draußen, die deutlich an der frischen Luft, die hier hereinkam und dem Dämmerlicht, das unterhalb hindurch drang, zu erkennen war. Tirian wollte sie gerade aufstoßen, als er bei der Frage der Assassinin zurückzuckte. Er überlegte einen Moment. "Ich glaube eigentlich nicht. Normalerweise werden die Grufteingänge nicht gesichert, damit die Angehörigen jederzeit und jeder für sich die Gruft betreten können, um ihre Ahnen zu besuchen. Eine Falle oder ein Schloss würden einen Schlüssel erfordern und ich denke nicht, dass jedes Familienmitglied unbedingt einen hat. Ich denke wir können sie passieren": meinte der Heiler und blickte in die roten Augen seiner Begleiterin, die so nah vor ihm waren. "Wir haben es wirklich überstanden. Wir Beide": dachte er und wandte sich mit einem Lächeln der Tür zu. Er drückte die Klinke nach unten und stieß sie auf. Der Luftzug, der sie umfasste, betäubte seine Sinne. Sie roch so gut und frisch. In diesem Moment fühlte sich die salzige Meerluft, die über die Weidenländer geblasen wurde, für ihn an, wie der erste Atemzug seines Lebens. Er saugte sie regelrecht ein. Gemeinsam taten sie nun den letzten Schritt in das dämmernde Tageslicht. War es Morgen- oder Abenddämmerung? Ihm war es egal.

    Doch der Moment hielt nicht lange vor. Brutal fühlte Tirian sich gepackt. Er spürte wie ihm die Arme auf den Rücken gedreht wurden und man ihm einen Sack über den Kopf zog. Ein Tritt in die Kniekehlen zwang sie auf die Knie. Den Geräuschen und Flüchen nach zu urteilen, erging es Lyviani in diesem Moment nicht besser. "Was bei den Höllen Oblivions...": schrie er die Leute an, die sie hier überfielen. "Schweigt": vernahm er eine herrische Frauenstimme. "Wo ist der Dolch": fragte sie fordernd. "Welcher Dolch": war es schwach von seiner Begleiterin neben ihm zu vernehmen. "Wo ist der Dolch": wiederholte die Unbekannte ihre Frage energisch. "Antwortet!": vernahm er hinter sich eine weitere knurrige Stimme und er spürte einen leichten Schlag in die Seite. "In einer Innentasche meiner Robe. In meiner Innentasche": antwortete Tirian nun schnell. Man riss ihm seinen geschundenen Mantel auf. Er spürte eine tastende Hand. Und dann hörte er ein selbstzufriedenes "Ausgezeichnet". "Das habt ihr gut gemacht": meinte die Frau und gab Anweisungen ihnen die Säcke vom Kopf zu ziehen. Er sah in das Gesicht einer Altmerin in einer enggeschnittenen Lederrüstung mit eisernen Beschlägen. Die goldene Haut ihres Gesichtes schien im diesem Licht regelrecht zu glühen und ihre braunen, mandelförmigen Augen musterten sie Beide aufmerksam. Ihr braunes Haar war streng zu nibenischen Zöpfen geflochten.

    „Sieh mal einer an. Ich hätte nicht gedacht, dass ihr überleben würdet. Ihr habt mich ehrlich überrascht. Für ein paar Spione der Mythischen Morgenröte seid ihr doch ganz schön hartnäckig“: sagte sie. Ihr Tonfall war lauernd. „Wir sind keine Spione der Morgenröte“: sagten Tirian und Lyviani fast gleichzeitig. „Und warum habt ihr euch dann wie welche an unser Lager herangeschlichen?“: wollte sie nun wissen. Jetzt wurde dem Heiler die Sache klarer. „Ihr seid aus der Festung“: stellte er fest. „Ah ein ganz schlauer“: meinte sie ironisch. Die Assassinin mischte sich nun ein. „Eine angeblich verlassene Festung, die jetzt offenbar wieder genutzt wird und wir sollen Zielscheibe spielen und offen darauf zugehen?“: sagte sie bissig. Die Altmerin überging das mit einem Lächeln. „Wir sind keine Agenten“: beteuerte Tirian. „Das wissen wir jetzt auch. Ihr hättet gegen diesen netten Dolch keine Chance gehabt, wenn ihr das gewesen wärt. Dieses Artefakt schneidet durch beschworene Kreaturen und Rüstungen wie ein heißes Messer durch Butter. Und diese kleinen Daedra-Anbeter verlassen sich doch nur auf ihre Rüstungen und Kreaturen. Außerdem haben wir auch bei euren Sachen keine Anzeichen für diesen Kult gefunden“: erklärte die Altmer. „Ihr wart an unseren Sachen?!“: fuhr Lyviani sie an. „Entspannt euch. Wir haben noch nichts genommen, sondern sie nur durchsucht und Nichts Verdächtiges gefunden. Wärt ihr dort unten nicht mehr herausgekommen, naja, dann hätten wir es ja auch nicht verkommen lassen müssen“: sagte die Altmer und strich sich eine lose Strähne aus dem Gesicht.

    „Wenn ihr wisst, dass wir keine Spione sind, dann lasst uns gehen“: verlangte Tirian. „Da ihr entgegen meiner Erwartungen aber ganz nach meinen Hoffnungen dort unten herausgekommen seid, hatte ich das ohnehin vor. Schließlich habt ihr es mir erspart ein paar Männer zu opfern“: sagte sie. „Ihr habt uns da unten hinein geworfen, damit wir für euch den Dolch holen“: stellte Tirian fassungslos fest. Er wurde langsam wütend. Sie sah ihn gekünstelt betroffen an. „Wir hätten euch dort unten auch hinein werfen können, ohne das es dort einen Ausgang in Form einer angrenzenden Ahnengruft gegeben hätte. Ihr wäret dann dort unten vor Hunger und Durst verrückt geworden. Vielleicht hättet ihr noch eine Weile von dem Brackwasser leben können, aber schlussendlich hättet ihr euch gegenseitig gefressen“: sagte sie süffisant und lächelte als hätten sie einen Witz gemacht, den aber offenbar nur sie verstand. „Du Metze!“: warf Lyviani von der Seite ein. Einer der bulligen Typen, die hinter ihnen standen, versetzte der Assassinin daraufhin einen Stoß. „Ach haltet mich doch nicht für so ehrlos. Als Söldnerin finde ich es sogar ganz besonders schlimm, wenn die Leute für ihre harte Arbeit keinen Lohn bekommen. Zwar ist es schon ausreichend, wenn wir euch am Leben lassen und euch eure Sachen zurückgeben, andererseits sollt ihr ja nicht denken, dass ich kleinmütig wäre. Ich habe für den Fall eures Überlebens ein behagliches Quartier in der Festung frei räumen lassen. Ihr könnt bleiben, solange ihr dies wünscht. Betrachtet euch als meine Gäste“: sagte sie und streckte die Nase dann in die Luft, roch etwas mehr als auffällig und lächelte dann wieder. „Und ich lasse euch auch warmes Wasser zum Waschen zukommen. Ihr riecht, als gehörtet ihr längst in eine Gruft“: fügte sie noch an.

    Die Altmerin schaute in den Himmel. „Ah der Morgen graut ja schon. Wir sollten zur Festung zurückkehren“: meinte sie dann. Tirian und Lyviani warfen sich einen vielsagenden Blick zu. Diese Frau… sie machte ihn wütend. Sie hatte sie in Todesgefahr gebracht, nur um an diesen verfluchten Dolch zu kommen. Er versuchte sich zu beruhigen, auch wenn er nach außen seine Gefühle unterdrücken konnte, brodelte es in seinem Innern. Kräftig wurden sie wieder auf die Beine gezogen. Auf ein Fingerschnippen hin, wurden sie losgelassen. Der Heiler rieb sich die Handgelenke. Er spürte das dringende Bedürfnis diesem arroganten Weib an den Hals zu gehen, aber er beherrschte sich, außerdem war er viel zu erschöpft, um jetzt noch etwas in dieser Richtung zu versuchen. Flankiert von Söldnern und angeführt von der Altmerin bewegten sie sich zur Festung zurück. Tatsächlich war die Ahnengruft nicht weit vom Sockel Falensaranos entfernt und das Monstrum aus Stein tauchte bald wieder vor ihnen auf. Sie stiegen die Rampe empor und wurden zu Lyvianis Guar geführt, den man in einem Stall aus Zeltplanen angebunden hatte. Das Gepäck hatte man ihm abgenommen. „Wie ihr seht, geht es ihm gut. Kommt“: sagte die Altmerin und führte sie schließlich in das Innere der Festungsanlage. Tirian folgte ihr wie in Trance. Jetzt wo die unmittelbare Bedrohung abgeklungen war, fühlte er sich unendlich müde. Sie suchten sich einen Weg durch das dunkle, nur von Fackeln tranig beleuchtete Gebäude und blieben schließlich vor einer Kammer stehen. „Euer Gepäck ist dort drin. Es werden gleich einige Sklaven kommen und euch Wasser bringen. Wagt es also nicht euch hinzulegen, bevor ihr euch nicht gereinigt habt. Das letzte was ich brauche ist, zwei Betten zu ruinieren, in dem wir den Leichengeruch da nicht mehr herausbekommen“: wies die Söldnerin sie an und öffnete die Tür. „Ich lasse euch nun allein, ach… Wie unhöflich von mir. Ich bin Ilucaria, Anführerin dieses Söldnerhaufens“: sagte sie noch, lächelte dann wieder auf ihre arrogante Art und ließ sie dann allein. Allerdings ließ sie zwei ziemlich breitschultrige Kerle, einen Rothwardonen und einen Kaiserlichen zurück.

    Tirian ignorierte sie und betrat die Kammer. Es gab zwei Betten, in der Mitte lag ihr Gepäck wild verstreut auf einem großen Haufen, offenbar waren sie beim Durchsuchen gründlicher gewesen, als dabei es wieder zusammen zu packen. Eine weitere Kleinigkeit über die er sich geärgert hätte, wenn er noch die Kraft dazu besessen hätte. Ansonsten gab es noch ein paar Regale, einen schmutzigen Teppich und ein paar Truhen. Beleuchtet wurde das Ganze nur von einigen Kerzen und Öllampen. Insgesamt war die Atmosphäre wieder so drückend wie in der Gruft. Nur das Fehlen eines rachsüchtigen Ahnengeistes störte da, aber ihm war das ganz recht. Während Lyviani ihre Habseligkeiten prüfte, ob auch wirklich Nichts weggekommen war, sah er sich noch etwas weiter um. Im hinteren Teil des Raumes wurde etwas von einem einfachen Wandschirm verdeckt. Als Tirian dahinter lugte, fand er einen großen Bottich aus Holz. Er nahm sich eine Öllampe und zündete die Kerzen hier hinten an. Der Bottich stellte sich als Waschzuber heraus. Zwar nicht komfortabel genug, um darin zu liegen, aber er war hoch und tief genug, um sich bequem darin zu waschen. „Hier ist wohl der Waschplatz“: meinte der Heiler und ging zu Lyviani zurück. Er suchte eine frische Robe aus seinem Gepäck und stellte fest, dass es die Letzte war. Inzwischen hatte seine Kleidung ziemlich gelitten. Die Robe, die er jetzt trug, konnte er vermutlich noch flicken, aber vorher mussten unbedingt die verfaulten Sekrete der Zombies und das Blut herausgewaschen werden. Seufzend setzte er sich im Schneidersitz auf den Boden. Die beiden Brustwunden schmerzten noch furchtbar, aber noch hatte er keine Kraft gefunden sie zu behandeln. Als er die Assassinin wieder an ihrem Arm kratzen sah, regelrecht scheuern sah, erinnerte sich daran, dass auch sie vielleicht noch einer Behandlung bedurfte. Zunächst wäre aber besser, wenn sie sich waschen würden. „Meint ihr, dass noch alles vollständig ist“: stellte er eine Frage. In dem Moment als seine Begleiterin mit einem langgezogenen „Hmm“ antwortete, klopfte es auch schon an der Tür. Unter regelrechten Schmerzen erhob sich der Dunmer und ging zur Tür.

    Er öffnete. Es kamen einige Khajit und Argonier mit dampfenden Eimern hereingewuselt. Auf den ersten Blick bemerkte Tirian die schäbige Kleidung und die etwas mageren Leiber und beim Zweiten dann auch die Sklavenfesseln an den Handgelenken der armen Tiermenschen. Diese drängten sich an ihm vorbei und füllten das Holzbecken im hinteren Teil des Zimmers. Ohne weitere Worte verließen sie den Raum auch schon so schnell, wie sie gekommen waren. Nur ein Argonier in einer Lederrüstung, der sie begleitet hatte und zu überwachen schien, blieb etwas länger. Er drückte dem Heiler eine wächserne Masse in die Hand und bleckte die scharfen Zähne. „Das ist ein Geschenk der Herrin. Sie sagt, dass ihr regen Gebrauch davon machen solltet. Und das solltet ihr wirklich“: sagte er und wandte sich dann auch zum Gehen. Nachdem er die Tür geschlossen hatte, betrachtete er die annähernd weiße Masse etwas ratlos, bis ihm aufging, was die Söldnerin ihnen geschickt hatte. „Unsere Gastgeberin war so gütig uns ein Stück Kreckenseife bringen zu lassen“: sagte er und verdrehte die Augen. Er setzte sich wieder in den Schneidersitz, legte das Stück Seife neben sich auf den Boden und schaute, ob die Söldner seine Vorräte angerührt oder seine Ausrüstung beschädigt hatten. Seine Wut auf die Obersöldnerin verflog in gleichem Maße in dem die Erschöpfung seine Augenlider immer weiter nach unten zog.

  18. #58

    Vvardenfell-Distrikt, Weidenländer, Falensarano

    Dreveni kochte vor Wut, als sie schließlich in die Kammer geführt wurden. Inzwischen war sie so fertig, dass sie fast schon wieder aufgedreht wurde, und dieses Miststück von Hochelfe kam ihr jetzt gerade noch recht. Darüber hinaus merkte sie jetzt erst sämtliche Folgen ihres waghalsigen Sprungs auf den Ahnengeist. Ihre Rippen rechts waren mindestens übel geprellt, hoffentlich nicht gebrochen, daran erinnerte sie der Schlag den sie erhalten hatte, und sie hatte sich ein paar Splitter unter die Haut ihres rechten Armes gezogen, sie vermutete es waren Knochensplitter, als sie über den Boden gerollt waren. Sie sah sich schon die nächsten Stunde sitzen und das wieder rauspulen. Was sie sonst noch an blauen Flecken und leichten Kratzern davon getragen hatte, hakte sie innerlich schon ab, dann würde sie für die nächsten Tage eben aussehen wie verprügelt.

    Reichlich schockiert stellte sie dann fest, dass es hier tatsächlich Sklaven gab, die nicht unbedingt den Eindruck machten, als würden sie auch nur halbwegs gut behandelt. Natürlich wußte sie davon, aber sie war noch nie selber damit in Berührung gekommen. Als sie die armen Kreaturen sah, hatte sich auch ihre Meinung zur Sklavenhaltung entschieden, früher war es ihr immer egal gewesen, weil es einfach zu weit weg war. Es war würdelos, und zwar umso mehr für denjenigen, der meinte sich Sklaven halten zu müssen als für die Sklaven selbst. Sie hatte gerade nichts mehr als pure Verachtung übrig für diese Hochelfe und ihr mieses Söldnerpack. Wie tief konnte man sinken dass man andere Lebewesen derart knechtete, damit sie einem den faulen Hintern nachtrugen? Oder laufen die Geschäfte so schlecht dass man keine Angestellten zahlen kann?, dachte sie sich bissig.

    Immerhin schien ihre Ausrüstung noch vollständig. Nachdem die Echse, die die Seife gebracht hatte wieder weg war, baute sie sich vor Tirian auf und sagte leise, so dass man sie draußen nicht hören konnte: "Ich bring sie um, diese Hochelfenschlampe. Ich werde sie abstechen, vielleicht nicht heute, und auch nicht mehr dieses Jahr, aber sie ist fällig. Und dann werde ich ihre arroganten Hochelfenohren als Halskette tragen. Ich versprech es euch, bei allem was mir heilig ist." Viel war das nicht, aber das wußte Tirian ja nicht. Tatsächlich war die Söldnerin gerade auf ihrer eigenen, höchstpersönlichen Liste auf den obersten Platz, noch vor dem Ashkhan, gerutscht.

    Dann wandte sie sich wieder dem Gepäck zu und fischte ihr weinrotes Leinenkleid heraus. Es war zwar zerknittert aber wenigstens so gut wie sauber. Danach legte sie ihren Schwertgürtel ab, entfernte auch die Halterung des Stiletts von ihrem linken Arm, die ohnehin nicht mehr als ein schmales Lederband war, das mit zwei Schlaufen an ihrem Arm befestigt war, und setzte sich ebenfalls auf den Boden, dort wo das Licht etwas besser war, und begann an den Splittern zu pulen, nicht bevor sie sich ausgiebig noch einmal ihren linken Unterarm mit dem Kratzer des Zombies geschabt hatte. Schnell merkte sie, dass das so nichts werden würde, und griff zu ihrem Stilett, das neben ihr lag und dessen feine Spitze ihr ganz brauchbar schien. Den Heiler, der auf seine Ausrüstung konzentriert war, ignorierte sie dabei völlig, und schneller als sie gedacht hätte, hatte sie den ersten Splitter schon in den Fingern. "Tatsächlich Knochen.", sagte sie angewidert nachdem sie ihn genauer betrachtet hatte, und schnipste ihn in Richtung der Tür, wobei sie inständig hoffte, die Hochelfe würde barfuß hinein treten. Da ging ihr auf, dass sie vermutlich eher selber hineinlaufen würde, so ganz wach war sie selbst wirklich nicht mehr, und nahm sich vor, ihn wieder aufzusammeln, wenn sie fertig war. Danach setzte sie an, beim nächsten weiterzumachen, es würde wohl doch keine Stunde dauern. Sie wollte die Dinger nur gerne vor dem Baden noch loswerden.

  19. #59

    Weidenländer, Falensarano, Kammer

    Mit zusammen gezogenen Augenbrauen beobachtete Tirian seine Begleiterin dabei, wie sie mit ihrem Stilett in ihrem Arm herumstocherte und sich damit Knochensplitter entfernte. Beiläufig schnippte sie einen davon weg, was Tirian ebenso mit gerunzelter Stirn ansah. Er schüttelte innerlich den Kopf, wollte mit der Assassinin aber nun auch keinen Streit anfangen. Seine Musterung der Ausrüstung war abgeschlossen und tatsächlich hatten sich die Söldner nicht an seinen Vorräten vergangen. „Wenigstens etwas“: dachte er und erhob sich mit hörbarem Keuchen und nahm die frische Robe, dazu ein frisches Unterkleid und die Kreckenseife mit. Er würde einen Muskelkater bekommen, das stand ihm schon absolut sicher vor Augen. Doch seine Sinne richteten sich jetzt auf die Wanne, die sich langsam abkühlte und er wollte auf jeden Fall ein warmes Bad genießen. Da Lyviani ohnehin noch mit sich selbst und den Knochensplittern beschäftigt war, nahm er sich einfach das Recht das Wasser als Erster in Anspruch zu nehmen. „Ihr solltet mich das nachher machen lassen, sobald ich etwas ausgeruhter bin. Es könnte passieren, dass ihr euch damit ein paar formschöne Narben zufügt“: sagte er nur und ging dann zu dem Wandschirm hinüber. Worauf er gar nicht achtete, war, dass der Raumtrenner selbst nur ein mit straffen, weißen Leinenstoff bespannter Rahmen war. In der Ecke des Raumes wäre es ohne die Kerze ziemlich dunkel gewesen, aber so, konnte er gut sehen. Er streifte sich die Robe über den Kopf und legte Hemd und Hose ab. Das ekelhafte Sekret der Untoten war durch den Stoff gesickert und hatte auch seine Kleidung darunter beschmutzt. Erst jetzt wo er selbst nicht mehr in das stickende Leinen eingepackt war, bemerkte er erst, wie erbärmlich es wirklich stank. Und er selbst roch gewiss nicht besser. Tirian schüttelte sich, wenn er daran dachte.

    Schließlich streifte er auch noch den Lendenschurz ab, streckte sich kurz und stieg dann, sich am Rand des Bottichs abstützend, ins Wasser. Die Kreckenseife legte er auf den Rand. Das Licht der Kerze warf dabei von ihm unbemerkt seinen Schatten gut sichtbar gegen das Leinen des Wandschirms. Zunächst versuchte er sich möglichst klein zu machen, um sich halbwegs liegend in den Bottich zu zwängen und genoss dann die Wärme des Wassers. Mit der Hand schob er das warme Nass auch über die Stellen, die nicht bedeckt waren. Er spürte nur allzu deutlich wie die Anspannung der letzten Stunden von ihm abfiel. Er hatte sich unglaublich schmutzig gefühlt, als sie der Gruft zum Tageslicht hin entstiegen waren, doch jetzt fühlte er geradezu körperlich, wie der Dreck von ihm abfiel. Er genoss das gute Gefühl eine ganze Weile, rief sich dann aber zur Ordnung, denn schließlich wollte Lyviani sicher auch noch warmes Wasser haben. Er setzte sich auf und krümmte sich, um den Kopf unter Wasser zu bekommen. Ausgiebig wusch er sich Blut und Sekrete aus seinem Gesicht und spülte und rubbelte kräftig durch seine Haare, die vor Schweiß, Dreck und Körpersäften regelrecht standen. Als er sich ausreichend eingeweicht hatte, nahm er die Kreckenseife zur Hand und erhob sich aus dem Bottich. Gründlich seifte er sich im Stehen seinen Körper von unten nach oben, sein Gesicht und auch seine Haare. Schlussendlich setzte er sich wieder ins Wasser und wusch die Seife runter. Schließlich erhob er sich aus dem Bottich, bückte sich nach dem frischen Leinenhemd und trocknete sich in Ermangelung eines Tuches damit ab.

    Schließlich schlüpfte er wieder in seinen Lendenschurz und zog die frische Hose an, um dann das feuchte Hemd kurz aufzuschütteln und sich auch noch überzuziehen. Die Robe zog er sich nun doch nicht an. Das warme Wasser hatte seine Müdigkeit noch einmal verstärkt und er wollte sich hinlegen. Er hatte zwar Hunger und der Sinn stand ihm im Moment nach einem schönen Krug Mazte, aber viel mehr noch verlangte sein Körper endlich nach Ruhe. Er trat hinter dem Wandschirm hervor. Lyviani schaute ihn an. „Ich bin fertig“: sagte er kurzangebunden und wandte sich dem Bett zu, dass näher an der Tür war. Er setzte sich zunächst nieder, stellte fest, dass es nicht unbedingt die beste Qualität hatte, aber ihm in Anbetracht seines Zustandes dennoch himmlisch erschien und prüfte das Kopfkissen. Es war sehr dünn. Er schob seine Robe darunter, damit er etwas höher liegen konnte und ließ sich dann zurücksinken. Er schloss die Augen und hörte Lyviani zur Wanne hinüber gehen.

  20. #60

    Weidenländer, Falensarano, Kammer

    „Ihr solltet mich das nachher machen lassen, sobald ich etwas ausgeruhter bin. Es könnte passieren, dass ihr euch damit ein paar formschöne Narben zufügt“, hörte sie den Heiler sagen, als er auf dem Weg in den Waschzuber war. "Die werden in bester Gesellschaft sein", antwortete sie nur geistesabwesend, und spielte damit auf die zwei nahezu symmetrischen Narben an, die sich an der Außenseite ihrer Arme von den Schultern bis über die Ellenbogen den Unterarm entlang zogen. Ein Andenken aus der Dwemer-Ruine, dass man wohl noch eine ganze Weile sehen würde. Es wurde langsam wirklich Zeit für ein paar Armschienen, überlegte sie, während sie sich dem letzten Knochensplitter zuwandte, nicht ohne immer mal wieder mit einem Auge zu dem Wandschirm zu schielen, hinter dem sich Tirians Silhouette abzeichnete. Schließlich meinte sie, alle erwischt zu haben und widmete sich ihren Haaren, wozu sie einen fein gearbeiteten Kamm aus Horn zwischen ihrem Gepäck heraussuchte. Die Strähnen, die sich aus ihrem Haarknoten gelöst hatten, waren ziemlich verstrubbelt, aber nach einer Weile hatte sie es schließlich geschafft, sich zu kämmen. Sie zog die restlichen Haarnadeln aus ihrer Frisur und als Tirian wieder hinter dem Wandschirm hervorkam, legte sie gerade den Kamm wieder weg.

    Sein kritischer Blick vorhin war ihr nicht entgangen, und nachdem sie keine Lust auf einen Knochensplitter im Fuß hatte, stand sie auf - nicht ganz so geschmeidig wie sonst, aber immer noch in einer fließenden Bewegung, bei der sie innerlich stöhnte ob ihrer schmerzenden Rippen - und hob den Splitter demonstrativ auf und legte ihn zu den anderen auf das Tischchen neben ihrem Bett. Danach sah sie wieder nach ihre Begleiter, der inzwischen schon in das Bett gekrochen war. Mit ihm schien man heute nicht mehr viel anfangen zu können, stellte sie mit leisem Bedauern und einem leichten Grinsen im Gesicht fest.

    Ihr war an sich gerade auch nur noch nach Wasser, dachte sie, als sie kurz an sich und den dreckigen Resten ihrer Kleidung heruntersah. Ohne lange zu überlegen zog sie kurz entschlossen und wie selbstverständlich die Tunika über den Kopf, hier in dem Dämmerlicht sah man ohnehin nicht sonderlich viel und Tirian war vermutlich eh kurz vor dem Einschlafen. Davon abgesehen war es ihr auch reichlich egal, sie schämte sich nun wirklich nicht für ihr Aussehen.
    Die Tunika warf sie zielsicher in die Ecke, die am weitesten von den Betten entfernt war, griff sich das Kleid und verschwand ebenfalls hinter dem Wandschirm.
    Sie entledigte sich auch noch ihrer Hose und stieg in den Bottich, dessen Wasser sicher vor Tirian noch wärmer und sauberer gewesen war, aber es war immerhin Wasser. Sie seifte sich sich gründlich ab, bis ihre Haut brannte, wobei sie im Bottich stehenblieb, und ließ auch ihre Haare nicht aus.
    Als sie fertig war und sich die Seife auch wieder vom Körper und aus den Haaren gewaschen hatte, fühlte sie sich endlich wieder wie eine Elfe und nicht wie ein gerade aus dem Grab gekrochener Untoter. Auch wenn sie tatsächlich aussah, wie verprügelt. Die Kratzer des Zombies an ihrem Arm waren inzwischen deutlich gerötet und juckten nach wie vor. An die Platzwunde an ihrer Stirn wurde sie schmerzhaft erinnert, als sie sich das Gesicht mit der Seife abgeschrubbt hatte, und der Bluterguss über ihren Rippen war fast schon schwarz.
    Davon abgesehen fühlte sie sich alles in allem erstaunlich gut, auch wenn sie meinte, die Arme für die nächsten Tage nicht mehr höher als bis zu den Schultern heben zu können. Verflucht, sie kämpfte normal mit Dolchen und nicht derartig ausdauernd mit einem Schwert.
    Aber immerhin hatten sie den Ahnengeist besiegt, auch wenn es tatsächlich kurz so ausgesehen hatte, als würden sie es nicht überleben.
    Als sie sich das Kleid über den nassen Körper gezogen hatte und zu ihrem Bett ging, lag ein lächeln auf ihren Lippen, das so gar nichts mit ihrem sonstigen, immer leicht zynischen Grinsen gemein hatte, und ihrem Gesicht einen fast weichen, freundlichen Zug verlieh. Sie freute sich einfach, dass sie überlebt hatten. Sie löschte noch die Kerzen und Öllampen, und legte sich dann schließlich auch ins Bett, wo sie noch eine Weile in die Dunkelheit starrte bis sie ebenfalls eingeschlafen war.

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