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Thema: Vampires Dawn 3 - The Crimson Realm Diskussionsthread

  1. #941
    Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
    Ich seh es ja auch so, dass es zwei Kategorien von schlechter Unterhaltung auf der Welt gibt: die eine ist langweilig und die andere amüsiert. Aber ein Spiel schaue ich nicht nur, ich muss es aktiv ertragen, und wenn mir das Gameplay keinen Spaß macht, dann kann die Handlung noch so unfreiwillig komisch sein, ich würde es mir nicht antun.
    Bei Videospielen gehört das Gameplay aber auch zum Gesamtpaket und es ist bei Vampires Dawn 3 ebenfalls sehr interessant zu sehen, was funktioniert und was nicht. Ein wichtiger Faktor ist dabei aber, ob das Spiel schlussendlich noch spielbar ist oder nicht und Vampires Dawn 3 ist tatsächlich noch spielbar. Aber wir haben da einfach verschiedene Herangehensweisen. Meine Schmerzgrenze ist bei Unterhaltungsmedien eh ziemlich hoch angesetzt und ich kann mich durch wirklich viel "durchquälen".

  2. #942
    Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
    Hat Marlex denn schon mal etwas über seine Intention geschrieben?
    Hab ich persönlich nichts von mitbekommen. Aber rein inhaltlich betrachtet scheint das Spiel sich im Kontrast zu den beiden Vorgängern (viel zu sehr) ernst nehmen zu wollen und eine "super düstere" Geschichte erzählen zu wollen. Alberne Witze und sarkastische Bemerkungen von Asgar, die es in den Vorgängern zu Hauf gab und für mich den Charakter von Asgar ausgemacht haben, sind praktisch gar nicht vorhanden. Er ist das ganze Spiel lang schlecht gelaunt und sauer mit dem einzigen Ziel "ICH WILL DAS BUCH UND DIE BRUCHSTÜCKE!!!11elf!" vor Augen, was er auch in jeder Dialogsequenz immer wieder aufs neue klar macht und dass alles andere ihn überhaupt nicht interessiert. Die Wutausbrüche erscheinen dabei eher unfreiwillig komisch, weil er sich wie ein Kleinkind verhält welches das Spielzeug was er haben möchte nicht bekommt.

    Der vermeintlich düsteren und ernsten Grundatmosphäre stehen dann die albern wirkenden Charakterpotraits im "Deviantart Anime-Fanart"-Stil gegenüber, welche alle Erwachsenen (selbst die Männer mit Vollbärten) wie Teenager (mit aufgeklebten Bärten) erscheinen lassen und jeden weibliche Charakter ausnahmslos mit sehr großen Brüsten darstellt. Keine Ahnung, ob das explizit Marlex Wunsch war oder einfach nur die Vorliebe des Künstlers, den er für die Potraits angeheuert hat. Die Kritik bezühlich der großen Oberweiten kam meines Wissens bereits beim Crowdfunding auf und es wurde darauf reagiert in dem Alaines Brüste verkleinert wurden und auch gesagt, dass es in der Vollversion mehr Abwechslung bei den weiblichen NPCs geben wird, so richtig umgesetzt wurde das aber letzendlich nicht.

    Persönlich bin ich etwas Zwiegespalten was VD3 als Gesamtwerk angeht. Die meisten hier genannten Kritikpunkte sind ganz objektiv vorhanden und lassen sich nicht leugnen. Was mir persönlich trotz allem Spaß gemacht hat war der Open-World Teil, in dem man die Welt frei erkunden und Nebenquests absolvieren konnte. Manche der Nebenquests sind ganz unterhaltsam gemacht und selbst die langweiligeren gehen über ein "Töte Monster X in Höhle Y" oder "Sammle 10 Kräuter" ein hinaus. Ich glaube jede einzelne Nebenquest konnte man auf zwei Unterschiedliche Weisen lösen (gut und böse), manche waren auch noch verzweigter und zumindest der böse Weg den ich in den meisten Fällen gewählt habe war recht unterhaltsam. Die Mainstory war aber definitiv eine Enttäuschung und über die Dialoge, die gerne über das noch erträgliche hinaus mit sinnlosen Wiederholungen von bereits Gesagtem und (repetitiven) Streitgesprächen gestreckt sind, wurde glaub ich auch schon genug gemeckert.

    Schlussendlich scheint es aber zumindest die alten VD-Fans zu großen Teilen abgeholt zu haben. >80% positive Reviews auf Steam und das obwohl man ja eher bei schlechter Bewertung geneigt ist überhaupt eine Bewertung abzugeben. Mich hätte es sehr interessiert wie das Spiel bei der internationalen Spielerschaft, welche die Vorgänger nicht kennt angekommen wäre. Aber leider ist die offiziell angekündigte englische Übersetzung sowie die angekündigten Features die nachgereicht werden sollten nie erschienen und auch ansonsten die Kommunikation von heute auf morgen komplett eingestellt worden.

  3. #943
    Ich denke, dass ein großer Teil des damaligen Erfolges von Vampires Dawn darauf zurückzuführen ist, dass der Vampir-Mythos, den Marlex geschaffen hat, insich so stimmig und irgendwo auch kreativ ist, für die Zeit. Das Model des Vampirs wie Marlex es geschaffen hat, mit den Generationen, der Blutgeistebene und so ist einfach eine verdammt gute Idee und bis heute mein persönlicher Headcanon was Vampire angeht. Ich meine, was waren die damaligen Konkurrenten in der Hinsicht? Eternal Legends, was ein Final Fantasy-Klon war? Unterwegs in Düsterburg, was ein klassisches Mittelalter-RPG war? Drölfzig dutzend weitere Mittelalter-Low Fantasy-RPGs? Auch die Welt von VD insgesamt, die dann mit dem 2. Teil um den Clan, den Elras und Pharao Ustra skizziert wurde, hatte verdammt viel Potential und Fleisch im Hintergrund, das grundsätzlich einfach glaubhaft wirkte und einem das Gefühl vermittelte, man wäre Teil einer epischen Story - etwas, das in VD1 fehlte, aber da hat es komplett der vorher so nicht dagewesene Vampirmythos und die Regeln der Welt die nach und nach etabliert wurden getragen.

    Das Problem war nur, dass all dieses Potential nie so wirklich genutzt wurde. Das verdammt interessante Konzept der Generationen und des Vampirismus wurde überhaupt erst im zweiten Teil und auch da nur ansatzweise beleuchtet, der ganze Konflikt um die Parteien Clan vs. Elras vs. Ustra bot so viele Optionen die alle ignoriert wurden so dass das Ganze einfach oberflächlich bleibt, in Everlasting Blood z.b. habe ich da einfach aus der fraglos vielversprechenden Prämisse die Marlex geschaffen hat noch verdammt viel rausgeholt wenn ich das mal so sagen darf.
    Marlex hatte - obwohl er ja nach eigener Aussage fast alles in VD1 und VD2 on the run entschieden und entwickelt hat - im Kern wirklich gute Ideen und eine Leinwand, auf der man ein ernstzunehmendes Dark Fantasy-Vampirepos hätte aufbauen können, aber wie die Jahre vergingen, wurde immer klarer, dass er nicht wusste, wie. Und dann kam VD3 und die Nostalgiebrille fiel.

  4. #944
    Ich dagegen hab den Eindruck, dass Marlex von Anne Rices Vampiren inspiriert wurde (vielleicht auch von Vampire: The Masquerade, das ich nicht gespielt hab). Und Anne Rice hat, man verzeihe mir die Polemik, dem Vampir-Genre schrecklichen Schaden zugefügt. ;-) Das, was Vampires Dawn von anderen Makerspielen unterscheidet, ist zunächst mal, dass es sich an europäischen/amerikanischen Rollenspielen orientiert. Das tun aber auch Unterwegs in Düsterburg und die Sternenkind-Saga, die dadurch genauso herausstechen. Die meisten anderen Maker-Rollenspiele, die ich kenne, sind ein Mischmasch aus Westen und Osten. Es gibt überraschenderweise nur sehr wenige deutschsprachige Makerspiele, die durch und durch nach Art eines japanischen Rollenspiels sind. Doch das nur am Rande. Was Vampires Dawn dann von allen anderen Spielen, die ich aus der deutschsprachigen Szene kenne, abhebt, auch von den anderen "westlichen", ist die halboffene Welt. Wobei ich der Ansicht bin, dass Marlex das, was "Open World" ausmacht, in Vampires Dawn 2 nicht wirklich gut getroffen hat. Ich weiß nicht, wie das in den anderen Teilen ist.

    Zitat Zitat
    in Everlasting Blood z.b. habe ich da einfach aus der fraglos vielversprechenden Prämisse die Marlex geschaffen hat noch verdammt viel rausgeholt wenn ich das mal so sagen darf.
    Da müsstest du aber schon eine Menge ausgetauscht haben, alle Figuren und die Geschichte zum Beispiel.

  5. #945
    Die Prämisse von Vampires Dawn ist definitiv nicht schlecht. Dass man "die Bösen" anstelle des klassischen schwertschwingenden Helden als Protagonisten steuern
    darf, man blutsaugen, verwandeln und ähnliches kann. Ich kenne den von Kelven genannten Vampirmythos von Anne Rice nicht, finde es aber auch ganz schnieke,
    wie gefühlt jede Vampirgeschichte diesen Mythos erweitert oder ändert, um in der eigens erstellten Welt Sinn zu ergeben. Und Vampires Dawn ist da nicht anders.
    Die Idee der Generationen und Blutgeister ist auf jeden Fall unverbraucht und mal etwas anderes zum klassischen durch Dracula geprägten Bildes, das ja
    Unterwegs in Düsterburg als Hauptvorbild genommen hat. Schade nur, dass Vampires Dawn einen Großteil dieser Lore schlicht von dem "Erzähler" in Form des
    Großvaters wortwörtlich erzählen lässt.

    Ich stimme aber auch zu, dass man daraus mehr hätte machen können. Dabei hat sich Marlex vielleicht auch selbst ein Bein gestellt, dass nicht mehr
    viel Platz für Worldbuilding war, dadurch dass er dem Spieler erlaubt hat die gesamte VD-Welt zu besuchen und zu erkunden, die dann aber meist nur aus
    relativ generischen Dörfern und Burgen bestand. Und dadurch gab es nie den Gedanken "vielleicht gibt es ja da draußen noch mehr".
    Jedenfalls bei mir beim spielen nicht. Dieses Entmystifizieren der Welt durch generische Dörfer hat ja sogar dazu geführt, dass er im zweiten Teil
    den Plot mit dem verändern der Welt einbauen musste, damit er neue Orte erstellen kann, die man besuchen darf. (... und die wieder relativ gleich waren.)

    Vielleicht hätte Vampires Dawn in einem kleineren Rahmen wie in der Welt von Unterwegs in Düsterburg besser funktioniert, welches ja nur in einem
    Landstrich einer viel größeren Welt existiert. Aber hätte hätte, Fahrradkette. Meiner Meinung nach haben die Spiele noch ganz andere Probleme,
    von Dialogen über die Figuren, das Problem mit der "halboffenen" Welt, das Kelven schon genannt hat und so weiter.

    Aber hier geht es ja eigentlich um den dritten Teil, von daher höre ich an dieser Stelle mal auf.

  6. #946
    "Blutrand mit Blutschrift" war die einzige sinnvolle Ergänzung von Vampires Dawn zur deutschen Makerszene. Und dass man "Böse" spielen konnte war weit vorher in Dreamland und später in dem M E I S T E R W E R K Deathstroke - Violence and BITCHES möglich.

    It's the greatest maker game of all time.

    Of all time.

  7. #947
    Es streckt ein wenig die Definition dieses Threads, aber ich möchte an der Stelle subtil darauf hinweisen, dass in einem bestimmten Vampirforum gerade die Special Mega Aysha Everlasting Reign Edition von VD1 nach 1 1/2 Jahren Arbeit released wurde. Die Empfehlung, falls ihr das angestaubte Ding nochmal zeitgemäßer genießen wollt.

    Denn bei VD3 ist mit Genießen ja nicht mehr so viel.


  8. #948
    Zitat Zitat von T.U.F.K.A.S. Beitrag anzeigen
    "Blutrand mit Blutschrift" war die einzige sinnvolle Ergänzung von Vampires Dawn zur deutschen Makerszene. Und dass man "Böse" spielen konnte war weit vorher in Dreamland und später in dem M E I S T E R W E R K Deathstroke - Violence and BITCHES möglich.

    It's the greatest maker game of all time.

    Of all time.
    Oha, da steigt sogar der gute Phil wieder aus seinem Grab in die Ebene der Sterblichen herauf Willkommen zurück, was macht was macht die Schriftstellerei (ich warte immer noch auf das Sequel von JSZBS)? ^^

    @Topic: Bin momentan im Spiel und auch wenn mal wieder mächtige Steintafeln geteilt und Leute aus der Ebene der Blutgeister gerettet werden müssen, macht es bisher Spaß; was auch immer das über meine (stagnierende?) persönliche Entwicklung aussagen mag.
    Ach ja, und dass fast jedes weibliche Wesen im Spiel ihre D-Körbchen vor sich hertragen muss wundert mich zwar ein wenig, aber irgendwie feiere ich es bisher °^°

  9. #949
    Also VD hat schon ein bisschen mehr geleistet, als nur die Blutschrift, das muss man dem Spiel schon zugestehen. Auch wenn ich VD1 heute für kaum mehr spielbar halte, so sind darin schon gute Ansätze erkennbar. Alleine, dass Marlex ein so umfangreiches Spiel konzipiert hat, und dieses auch von Anfang bis Ende durchgezogen hat, ohne sich mit unnötigen Features wie eigenem Kampfsystem, etc zu verheddern, um dann zu canceln. Die Handlung erfindet das Rad nicht neu, aber sie ist stimmig; die Hauptcharaktere haben Wiedererkennungswert. Und schon VD1 war ein Open-World-Spiel - im Jahr 2001, auf dem Maker!

    Marlex hat halt in etlichen Bereichen Schwächen. Balancing, Questdesign und bei der Präsentation. VD1 muss man im Kontext der Zeit betrachten. Da war die Hauptleistung, wirklich ein Spiel in diesem Umfang fertigzustellen. VD2 hat zwar alles besser gemacht als der Vorgänger, aber ein großer Teil der Schwächen aus VD1 wurden einfach 1:1 zu übernommen: Der Anfang ist immer noch so öde wie AGBs lesen, es kommen regelmäßig unmenschliche Grinding-Abschnitte, weil plötzlich das Mindestlevel für die nächste Hauptquest um 10 ansteigt. Und das vielgepriesene Burgenkampf-System lässt sich sehr schnell austricksen und verliert seinen Reiz. Alles in allem ist VD2 wie auch VD1 einfach zu lange und ist besonders gegen Midgame unglaublich zäh. Über weite Teile der Spielzeit quälen VD1 und VD2 den Spieler. Aber nicht auf eine interessant-fordernde Art wie etwa die Souls-Spiele, sondern auf eine Art und Weise, aus der man nichts Positives ziehen kann und die stellenweise kaum mehr erträglich ist. Das ganze wird nur von einigen guten Szenen zusammengehalten, zwischen denen man aber meistens stundenlange spielerische Einöde hat.

    Manches macht VD2 ja schon besser als der Vorgänger, aber die essentiellen Schwächen sind unverändert enthalten. Nun gut, VD2 erschien 2005.

    VD3 erschien 2021 und da sind wir eigentlich weiter, was Gamedesign angeht. Der Anfang von VD3 hat mich zunächst positiv überrascht. Keine 2 Stunden Fetchquests, bevor überhaupt etwas passiert. Nein, es war von Anfang an richtig dramatisch und es tat sich was! Über die Charakterinszenierung lässt sich streiten. Stilistisch waren schon die Vorgänger sehr merkwürdig, das verzeihe ich VD3 noch. Auch wenn die detaillierten Charakterillustrationen für meinen Geschmack noch deplatzierter wirken als die kleinen FaceSets der Vorgänger.

    Was ich VD3 aber nicht verzeihe, sind die brutalen Balancing-Probleme, die dem Spiel jeglichen Schwung, jeglichen Flow aus den Segeln nehmen und so unglaublich viel kaputt machen. Urplötzlich steigt auch in VD3 das Mindestlevel für die nächste Hauptquest dramatisch an; hinzu kommt, dass das Spiel sowieso recht schwer ist, und man am besten ohnehin noch ein paar Level über der Empfehlung liegt. Kämpfe bringen vergleichsweise wenig Erfahrungspunkte, sodass man primär grindet, indem man Quests im Akkord abarbeitet. Die Quests verlieren dadurch komplett ihren Reiz und werden zur öden Pflichtarbeit - denn man weiß, jetzt musst du erstmal fünf oder sechs Quests hintereinander machen, damit es mit der Story weitergeht. Das ist sehr schade, denn es waren einige ziemlich gute Quests dabei, die so völlig entwertet wurden.

    Ich frage mich, wie kann es passieren, dass auch 16 Jahre später ein neues VD unter solchen Problemen leidet? Unter solch schwerwiegenden? Hat Marlex nur Jubeltester gehabt, oder gar keine?

    Es ist sowieso auch total interessant sich alte Threads zur VD2-Vollversion anzuschauen. Die meiste Kritik und das meiste Lob haben immer irgendwelche Nebensächlichkeiten angesprochen. Generell war frühe Kritik zu Maker-Spielen oft unglaublich schlecht. Beispielhaft folgender Kommentar zu VD2:
    Zitat Zitat
    Story ist top, Chara sind Top und ChipSets...passen wirklich nicht zusammen. Jedesmal sticht einem derekt im auge da sind wieder verschiedene chipsetarten verwendet worden und mich stört das leider auch. Jedoch wie gesagt ist alles andere wirklich super!!!

  10. #950
    Zitat Zitat von Maturion Beitrag anzeigen
    Generell war frühe Kritik zu Maker-Spielen oft unglaublich schlecht.
    Hat halt die Schul-Referats-Bewertungs-Vibes von wegen: "Ja du hast frei gesprochen.. das fand ich gut.. und du hast auch viele Bilder benutzt..". Denke damals war einfach der Großteil der Leute erpicht darauf, irgendwie in dem Thread mitzumischen und kritisiert da ohne wirkliche Ahnung von Gamedesign oder Balancing zu haben. Würde denken, heutzutage ist das zumindest bei nem "erwachseneren" Userstamm anders.

    Warum VD3 allerdings so unterirdisch gebalanced ist, no idea. Da hat wohl jemand Cortis Thread zu Balancingkurven nicht gelesen.

  11. #951
    Ja, aber mal im Ernst: VD2 ist ein ästhetisches Desaster. Da paßt vorne und hinten einfach gar nichts zusammen, und ich sehe kein Problem damit, das als Hauptkritikpunkt aufzuführen, obwohl das Storytelling und die Dialoge sicherlich ähnlich grausam sind, mehr noch als im immerhin ikonischen Vorgänger. In der heutigen Makerszene (bzw. was davon noch übrig ist) sind die Standards diesbezüglich zur Zeit auch unterirdisch niedrig. In manchen Umfragen zu den "schönsten" RPG-Maker-Spielen tauchen heute sogar Augenkrebs-Verursacher wie "To the Moon" auf, dessen Mapping und Lichteffekte anno 2007 noch zu Recht verrissen worden wären. Gameplay-bezogenes Gamedesign ist eben auch nicht alles, und graphisch hat sich Marlex stark gebessert, zumindest was Homogenität betrifft. Seine persönlichen Mops-Vorlieben mal außen vor gelassen :P

    (Klar waren die Kritiken generell "schlecht", es waren ja auch alle 14 damals, und mit TikTok verblöden konnte man sich noch nicht.)

  12. #952
    Zitat Zitat
    Ja, aber mal im Ernst: VD2 ist ein ästhetisches Desaster.
    Ja, das lässt sich nicht leugnen. Aber das betrifft zur dieser Zeit bestimmt mehr als 90 % aller Makerspiele. Das war wohl der Zeitgeist
    Wobei mich die Kombinationen an Tilesets gar nicht arg stören. Viel mehr sind mir die verschiedene Charset-Stile in Erinnerung geblieben (was aber auch glaube ich so gewollt war, gab es da nicht hierzu extra einen Charset-Contest im VD-Forum?). Ich empfand das aber auch bei manchen kommerziellen Titeln (z.B. FF 6, auch wenn ich mit der Meinung ziemlich alleine dastehe).

    VD3 habe ich bisher noch nicht gespielt. Will es aber bald nachholen, davor aber nochmals die beiden Vorgänger spielen. Von den Screenshots her finde ich alles aber sehr stimmig und optisch ansprechend (setzte ich bei kommerziellen Spielen auch voraus).

    Momentan bin ich bei VD1 bei ca. 50 %. Habe immer noch Respekt vor dem Spiel. Vor allem wenn man bedenkt, in welcher Zeit das Spiel geschaffen wurde. Heute brauche ich für manche Charsets schon einen Monat . Das Spiel unterhält mich immer noch gut und die Dialoge sind nett geschrieben. Ein paar Design-Entscheidungen sind weiterhin sehr fraglich (die Schnipsel-Jagt in der Burg, beschränkte Speichermöglichkeit, Schwierigkeitsgradanstieg, sobald es in die OW übergeht), schätze aber das ist des mangelnden Wettbewerb von damals geschuldet. Heute würde das Spiel wohl stärker kritisiert werden, versteh aber warum uns das Spiel damals so gut gefallen hat.

    Zitat Zitat
    Warum VD3 allerdings so unterirdisch gebalanced ist, no idea. Da hat wohl jemand Cortis Thread zu Balancingkurven nicht gelesen
    Das ist ja genial. Kannte ich noch gar nicht. Eine richtige Pflichtlektüre

  13. #953
    VD2 ist grafischer Mischmasch, das stimmt. Bei meinem letzten Durchgang irgendwann 2021 ist mir allerdings die optische Komponente nicht so störend aufgefallen. Teilweise sind Maps in VD2 ja wirklich schön gemacht. Die niedrige Auflösung sorgt dafür, dass das nach einem Map-Wechseln nicht so massiv störend ins Auge fällt, zumindest für mich. VD3 fand ich grafisch sogar zu eintönig. Da erkennt man recht eindeutig, dass Marlex nur eine begrenzte Zahl an Assets zur Verfügung hatte, die sich alle recht schnell wiederholen. Das ist fast schon formelhaft: Es gibt mehrere Schneestädte, mehrere Wüstenstädte, mehrre normale Städte, etc, die sich untereinander aber frappierend ähneln. Das ist dem wohl geringen Budget geschuldet, aber für mich nicht das Problem von VD3. Da finde ich die riesige Diskrepanz zwischen den hochaufgelösten, stilistisch gewöhnungsbedürftigen Charaktergrafiken und dem 2D-Pixel-Retro-Look doch viel problematischer. Insbesondere da VD3 sich so düster und brutal gibt und selbst wesentlich ernster als die Vorgänger nimmt, während einem in jedem Dialog adoleszente, dümmlich dreinschauende Fanart-Fratzen anstarren. Ich will die Illustrationen gar nicht selbst kritisieren. Die sind bestimmt handwerklich solide gemacht, aber dieser Stil passt einfach nicht zu diesem Spiel.

    Eine gewaltige Enttäuschung ist für mich außerdem das Ende. Schon innerhalb der ersten Minuten legt man im Großen und Ganzen fest, wie das Spiel ausgeht - ohne dass irgendwie erkennbar gemacht wird, welche Bedeutung die ersten paar Minuten haben - und die nächsten 40 Spielstunden haben dann kaum mehr Einfluss darauf.

    Das schlimmste ist für mich aber wirklich das Balancing. Marlex hatte schon in VD1 und VD2 Probleme damit, aber in VD3 fand ich es fast noch schlimmer. Dass es versäumt wurde, diesen ernsthaft Kritikpunkt anzugehen, ist für mich das, was VD3 wirklich am stärksten beschädigt. Alles andere hätte ich dem Spiel verziehen. Aber das hat für mich fast das ganze Midgame einfach nur zu einem mechanischen Quest-Grinder gemacht.

  14. #954
    Zitat Zitat von TheDude Beitrag anzeigen
    Ja, das lässt sich nicht leugnen. Aber das betrifft zur dieser Zeit bestimmt mehr als 90 % aller Makerspiele. Das war wohl der Zeitgeist
    Kann ich nicht unterschreiben. Gerade 2005 waren Graphik und Mapping die wahrscheinlich wichtigsten Kriterien, und wer da nicht abliefern konnte, wurde in den Foren gnadenlos verrissen. "Velsarbor" und "Aldaran" waren die Meßlatten, und selbst aufwendige Spielereien wie Lichteffekte galten beinahe als Pflicht. Marlex hatte vor allem auf das Prinzip "mehr ist mehr" gesetzt, aber nicht nur paßte kaum etwas zusammen, das Mapping war auch unterdurchschnittlich (was bei der reinen Menge an Maps auch nicht überrascht). Eigens für VD2 kreierte Battle-Chars und Splattereffekte haben einiges wettgemacht und von den sonstigen Unstimmigkeiten abgelenkt.
    Zitat Zitat von Maturion Beitrag anzeigen
    Da erkennt man recht eindeutig, dass Marlex nur eine begrenzte Zahl an Assets zur Verfügung hatte, die sich alle recht schnell wiederholen. Das ist fast schon formelhaft: Es gibt mehrere Schneestädte, mehrere Wüstenstädte, mehrre normale Städte, etc, die sich untereinander aber frappierend ähneln. Das ist dem wohl geringen Budget geschuldet, aber für mich nicht das Problem von VD3.
    Das ist doch wiederum in absolut jedem kommerziellen Spiel der Fall, das nicht aus zusammengeklauten Rips besteht? Ich habe VD3 nicht gespielt und kann es nicht beurteilen, aber die Screens und Videos, die ich gesehen habe, suggerieren durchaus Vielfalt.

  15. #955
    Zitat Zitat
    Kann ich nicht unterschreiben. Gerade 2005 waren Graphik und Mapping die wahrscheinlich wichtigsten Kriterien, und wer da nicht abliefern konnte, wurde in den Foren gnadenlos verrissen. "Velsarbor" und "Aldaran" waren die Meßlatten, und selbst aufwendige Spielereien wie Lichteffekte galten beinahe als Pflicht.
    Okay, vielleicht waren 90 % von mir auch etwas hoch gegriffen
    Velsarbor sah definitiv sauber und aus einem Guss aus, da alle Charsets eigens erstellt und die Tilesets überwiegend nur aus 2 Games stammten. Aldaran jedoch fand ich, dass es unter dem Problem litt. Die Charsets waren eine Mischung aus ChronoTrigger, Romancing SaGa, diese dicklichen Chubby-Charakter und einem eigenen Stil (welcher auf diesem weit verbreiteten Tall-Template basierte). Bei Facesets trat dieses Problem auch auf. Auf die einzelnen Sprites wurde schon viel Wert gelegt, aber weniger auf einen einheitlichen Stil, so empfand ich zumindest immer.

    Der Spruch "Wenn alles extravagant ist, passt es von alleine zusammen" funktionierte hier nicht. Damals hat mich das aber nie gestört und auch meine Games waren betroffen

  16. #956
    Zitat Zitat von Froschvampir Q Beitrag anzeigen
    Das ist doch wiederum in absolut jedem kommerziellen Spiel der Fall, das nicht aus zusammengeklauten Rips besteht? Ich habe VD3 nicht gespielt und kann es nicht beurteilen, aber die Screens und Videos, die ich gesehen habe, suggerieren durchaus Vielfalt.
    Ich habe VD3 laut Steam anscheinend 70 Stunden gespielt (wtf? so viel?) und fand es dort schon besonders auffällig, wie wenig Ressourcenvielfalt es in dem Spiel gab. Marlex hat sich schon Mühe gegeben, aus dem begrenzten Asset-Katalog einiges rauszuholen, das muss man ihm zugute halten und ich fand es auch nicht wirklich störend. Aber es war schon auffällig.

    Zitat Zitat von Froschvampir Q Beitrag anzeigen
    ]Gerade 2005 waren Graphik und Mapping die wahrscheinlich wichtigsten Kriterien, und wer da nicht abliefern konnte, wurde in den Foren gnadenlos verrissen. "Velsarbor" und "Aldaran" waren die Meßlatten, und selbst aufwendige Spielereien wie Lichteffekte galten beinahe als Pflicht. Marlex hatte vor allem auf das Prinzip "mehr ist mehr" gesetzt, aber nicht nur paßte kaum etwas zusammen, das Mapping war auch unterdurchschnittlich (was bei der reinen Menge an Maps auch nicht überrascht). Eigens für VD2 kreierte Battle-Chars und Splattereffekte haben einiges wettgemacht und von den sonstigen Unstimmigkeiten abgelenkt.
    Ich würde sagen, dass 2005 auch die Technik immer noch ganz oben bei den Beurteilungskriterien mit dabei war, aber ansonsten hast du recht. Aldaran hat damals ja nicht nur wegen der schicken Grafik im Suikoden-Stil auf sich aufmerksam gemocht, sondern auch wegen dem (auf Screenshots) beeindruckenden Kampfsystem. Es ist sicherlich eine der großen Leistungen von Marlex, dass er den szeneweiten Technik-Schwanzvergleich nie wirklich mitgespielt hat, sondern ein Spiel machen wollte, dass auch realistisch fertigstellbar war. Aber interessant, dass du VD2 grafisch so enttäuschend fandest. Klar war es ein Mischmasch, und bei der schieren Menge an Maps sind natürlich schwächere Passagen mit dabei. Aber es gab, zumindest aus meiner Sicht, schon eine ganze Reihe an durchaus hübschen Spielabschnitten. Als unterdurchschnittlich hätte ich es eigentlich nur angesehen, wenn die Vergleichsmenge nur aus den Star-Projekten der Zeit bestünde. Also Aldaran, Velsarbor, etc. Ich habe in letzter Zeit einige Maker-Spiele aus der Zeit von 2003-2005 gespielt, insbesondere Projekte, die zwar angesehen und bekannt waren, aber dann doch eher in der 2. Liga gespielt haben. Ich muss sagen, ich hatte das damalige Niveau als höher in Erinnerung als es dann tatsächlich war.

  17. #957
    Zitat Zitat von Maturion Beitrag anzeigen
    Ich habe VD3 laut Steam anscheinend 70 Stunden gespielt (wtf? so viel?) und fand es dort schon besonders auffällig, wie wenig Ressourcenvielfalt es in dem Spiel gab. Marlex hat sich schon Mühe gegeben, aus dem begrenzten Asset-Katalog einiges rauszuholen, das muss man ihm zugute halten und ich fand es auch nicht wirklich störend. Aber es war schon auffällig.
    Ich denke, der Umfang an Assets war schon okay (Budget eben), aber der Umfang des Spiels und Marlex' Mapping sind dem nicht zuträglich. Viele Orte sahen durch die gleichen Sets doch sehr ähnlich aus, zumal Marlex auch ständig gefühlt 90-95% der Sets auf den Maps benutzt hat. Da hat gefühlt jeder Bewohner ein riesiges Kellergewölbe mit Fässern und Statuen ohne Ende... Kein Wunder, dass man sich dann recht schnell daran satt sieht. xD

    MfG Der Schilderich
    Team FervorCraft

  18. #958
    Zitat Zitat von sorata08 Beitrag anzeigen
    Viele Orte sahen durch die gleichen Sets doch sehr ähnlich aus, zumal Marlex auch ständig gefühlt 90-95% der Sets auf den Maps benutzt hat. Da hat gefühlt jeder Bewohner ein riesiges Kellergewölbe mit Fässern und Statuen ohne Ende...
    Ohne nun näher auf die beiden Posts von Dude und Maturion einzugehen: Ich denke, diese Formulierung trifft es in Bezug auf Marlex ganz gut. Ich hatte VD2 erst letztes Jahr wieder angespielt, war dabei auch kaum über das entsetzlich geschriebene, Fremdscham erzeugende "Intro" hinausgekommen (das "Intro" des Vorgängers, also in beiden Fällen die ersten drei Stunden, halte ich nach wie vor für gelungen und atmosphärisch), aber die meiste Mühe hatte ich mit den Maps. Nicht nur das stilistische Durcheinander, sondern auch etwa die ganzen aufgeblähten, unlogisch aufgebauten und identitätslosen Dörfer, wo in gefühlt jedem Haus drei Kamine lodern. Wenn dann auch noch ausnahmslos alle NPCs darin komplette Witzfiguren sind, das Spiel sich aber trotzdem ernst nehmen möchte (Blutschrift), geht die Rechnung für mich einfach nicht auf. Anno 2005 hatte mich das alles nicht gestört, da erkannte ich gewisse Peinlichkeiten noch nicht und fand vor allem Asgars "Sarkasmus" edgy und super, aber da war ich eben auch erst 12.

  19. #959
    Naja. Bei all dem Marlex Bashing... Ein damals 21-jähriger Solo-Entwickler kann wahrscheinlich nicht besonders viel dafür, dass er zu damaligen Zeit noch kein AAA-Entwickler war. Vermutlich hat ihm die Entwicklung des Spiels einfach Freude bereitet, als es fertig war hat er es veröffentlicht und damit hat es sich dann auch. Den Hype um ihn hat ja nicht direkt er selbst verursacht, sondern die Leute, die ihn und sein Spiel hoch in den Himmel gelobt haben. Dass seine alten Spiele von 2002 den heutigen Qualitätsansprüchen an ein RPG Maker-Spiel nicht mehr genügen, kann man ihm ebenso wenig anlasten. So fair muss man sein.

    Das neue Vampires Dawn 3 habe ich inzwischen auch durchgespielt, und ja, das ist Müll; kein Zweifel. Ich werde das Spiel deswegen aber nicht in einem ellenlangen Beitrag niedermachen, um dem Ruf eines Entwicklers, der in diesem Forum nicht erwünscht ist, noch mehr zu schaden. Stattdessen belasse ich es dabei, dass es eben einfach nicht mein Fall war und ich führe mein Leben ganz normal weiter ohne "belastet" oder "angeekelt" zu sein. Ich spiele als nächstes einfach etwas von einem anderen Entwickler bzw Entwicklerstudio. Vielleicht ist das ja ein probater Weg, um mit einem Spiel, das einem persönlich nicht gefallen hat, angemessen umzugehen? Ich meine ... das ist irgendwo ja auch sehr viel besser für das eigene Seelenheil, anstatt sich laufend über Wochen, Monate und Jahre hinweg darüber zu echauffieren.

  20. #960
    Ich würde VD3 eigentlich nicht als Müll bezeichnen. Es hat mir stellenweise durchaus Spaß gemacht und es hat mich immerhin so weit motiviert, dass ich bis zum Schluss wissen wollte, wie es ausgeht. VD1 und VD2 muss man im Kontext ihrer Zeit sehen, da hast du vollkommen Recht. Beide Teile haben gravierende Schwächen und sind längst nicht so gut, wie ihr legendärer Ruf vermuten lässt. Aber sie haben beide ihre Stärken, und was Marlex da auf die Beine gestellt hat, ist immer noch bemerkenswert. Marlex hat im Alleingang unglaublich viele Leute zum Maker gebracht und alleine dafür verdient er ein Podest.

    Meine Enttäuschung über VD3 rührt insbesondere daher, dass ich der Meinung war/bin, dass VD3 gar nicht so viel gefehlt hätte, ein tolles Spiel zu sein. Aber es sind für mich insbesondere die Faktoren, die es schon in den Vorgängern gab, die den Eindruck extrem verschlechtern. Und das finde ich wirklich schade.

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