Auch wenn ich kein Interesse dran habe, das war ein feiner Schachzug von Nintendo - besser spät als nieSowas sollte mit viel mehr Spielen gemacht werden, wenn man mal überlegt, was die Japaner aus der dritten und vierten Konsolengeneration alles für sich behalten haben. Da ist auch die Begründung mit der unzureichenden Wirtschaftlichkeit völliger Unsinn, wenn man bedenkt, wie viele Fans es gibt, die die Werke erstklassig, für lau und oft besser als die tatsächlichen Unternehmen übersetzt haben und sich bereitwillig für so etwas einspannen ließen.
In diesem Zusammenhang bin ich übrigens enorm enttäuscht von Virtual Console und PSN allgemein! Dienste dieser Art fingen so vielversprechend an, aber irgendwann kam gar nichts mehr hinterher. Das Schlimmste: nicht länderübergreifend, sondern je nach Region verschiedene Spiele drin, mit gewaltigen quantitativen Unterschieden natürlich. Nur weil etwas japanischen (oder auch nur englischen) Bildschirmtext hat, heißt das noch lange nicht, dass im Westen/anderen Ländern keinerlei Interesse besteht. Selbst wenn es nur für ein paar Otakus ist, wäre das ein angemessener Service für die heutige Zeit und sie würden noch ein bisschen mehr dran verdienen können. Auch behaupte ich, dass der Verwaltungs- und Wartungsaufwand geringer wäre, wenn man die alten Games weltweit gleich anbieten würde. Im PSN gab es afair mal eine Weile ein paar ältere Titel, die direkt aus Japan ohne Übersetzung übernommen und so beworben wurden, da dachte ich schon, sie wären auf dem richtigen Weg. Stattdessen handelte es sich um ein paar Railshooter etc., die einen so minimalen Textanteil haben, dass man sie auch ohne Sprachkenntnisse versteht, und dabei blieb es.
Hundert Prozent der Bibliotheken wäre natürlich zu viel verlangt, schließlich ist kaum abzuschätzen, wie das rechtemäßig mit Drittanbietern verhandelt werden muss. Aber gerade für SFC/SNES und PS1 beschränkt sich das Angebot im Grunde nur auf die bekanntesten Klassiker, während unglaublich viele sehr gute Spiele außen vor bleiben, obwohl theoretisch nichts dagegen spräche, sie zur Verfügung zu stellen. Teilweise fehlen relativ bekannte Genrevertreter sogar in Japan! Und anstatt eine möglichst umfassende Palette zu haben, die stetig ausgebaut wird, läuft es zum Teil eher so, dass die Spiele aus nicht näher erläuterten und unerfindlichen Gründen (!) aus dem Programm genommen werden und nicht mehr zugänglich sind. Das unterbindet alles doch total das Stöbern und Entdecken, was gerade das Schöne daran sein sollte. Wenn ich mir das Virtual Console RPG-Lineup anschaue, bin ich schockiert, wie viel da selbst an Spielen von namhaften Entwicklern fehlt, die damals in Europa erschienen sind. Von den zum Teil extrem überzogenen Preisen ganz zu schweigen.
Kurzum: Das war so ein übler Rohrkrepierer, dass sich die Hersteller nicht wundern brauchen, dass illegale oder semi-legale Emulation aus dem Netz so bald nicht aussterben wird. An viele alte Titel aus Fernost kann man gar nicht mehr realistisch anders herankommen. Nintendo hatte seine Chance, aber damit weder Kundenfreundlichkeit bewiesen, noch, dass sie mit Herz und Seele bei der Sache waren. Ist ja schön, dass immer noch neue Plattformen wie Game Boy /Color (warum eigentlich nur auf 3DS? Noch so eine sinnlose Sauerei) oder sogar die weniger populären oder Konkurrenz-Konsolen von damals (Sega etc.) hinzukommen, doch damit wird ähnlich verfahren, sodass der Zufluss schnell versiegt und man sich nur auf die Basics der Basics beschränkt, oder auf das, was grade ohne viel Aufwand bereitzustellen war. Für Sony gilt das mit Abstrichen genauso. Diese Programme haben nichts mit Retro-Liebe und Würdigung des Erbes zu tun, sondern sind nichts weiter als eine ganz billige Masche, um keine (Hardware-)Abwärtskompatibilität in die Geräte mehr einbauen zu müssen und den Leuten trotzdem das Geld aus der Tasche ziehen zu können, die nicht selten (und das gilt auch für mich) dumm genug sind, um sich die Spiele aus bloßen Komfortgründen nochmal zu kaufen, die sie längst besitzen oder mal besessen haben.
Erinnert mich ein wenig an die Musikindustrie, die aus Ignoranz und Unwillen (Stichwort Technik und Vertrieb) ewig gebraucht hat, um mit MP3s hinterherzukommen, aber dort gibt es inzwischen wenigstens einige Besserung zu verzeichnen. Bei Videospielen hinken die ach so modernen Firmen und ihre Produkte immer noch massiv hinterher und kümmern sich einen Dreck um die Wünsche der Kunden. Moral und Gesetz hin oder her, wer immer da draußen Roms von vor zwanzig Jahren lädt, hat sich unter diesen Vorzeichen meiner Ansicht nach nichts vorzuwerfenWir leben im digitalen Zeitalter. Die Technik gibt es schon seit Ewigkeiten und wird so oder so genutzt - entweder offiziell, oder, falls das nunmal nicht existiert, inoffiziell.

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