Fertig mit Brave Soul. Hat ein Weilchen gedauert (was aber nicht daran liegt, dass das Spiel so lang wäre...). Zeit, für einen Rückblick:

Brave Soul

Ein „Fantasy Action Role Playing Game” von den Machern der X-Change Serie...

Story:
Der Hauptcharakter Rudy wird von seinem Vater vor die Tür gesetzt und beschließt daraufhin, ein „Hunter“, ein Auftragskämpfer, zu werden. Das war’s. Ach so, ganz am Ende muss man auch noch den bösen „Dark Lord“ umhauen, um das Spiel zu beenden.



Charaktere:
Im Lauf des Spiels begegnet Rudy mehreren Mädchen, die sich ihm anschließen und mit ihm kämpfen, und deren Herz man erobern kann. Man sammelt Liebespunkte, indem man bei Entscheidungen, die in fast jedem Quest vorkommen, die richtigen Antworten gibt. Hat man genug Punkte, bekommt man romantische Szenen mit der Angebeteten, wenn man im Hotel übernachtet, und irgendwann schaltet man die H-Szenen und das Ende des Mädchens frei.

Rudy: Hauptcharakter. Träumt regelmäßig von einer Frau, die er „Moon Goddess“ nennt. Kämpft hauptsächlich mit Schwertern, hat aber auch ein paar (überwiegend nutzlose) Spezialattacken.

Shell: Rudys (weiblicher) Hausdrache. Greift mit Feuerbällen an und benutzt im Notfall Heilitems. Immer dabei, aber zoophil veranlagte Spieler werden mit diesem Spiel trotzdem nicht glücklich werden!

Alicia: Eine Weißmagierin, zuständig für die Heilungs- und Supportzauber. Typisch unschuldiges RPG-Mädchen. Hat eine tragische Hintergrundgeschichte.

Caroll: Eine Schwarzmagierin. Nutzt Offensivzauber. Hat eine... schwierige Persönlichkeit.

Marin: Ein Catgirl. Mischung aus Kämpferin und Beschwörerin. Naiv und voller Energie. (Ihrem Ende nach zu urteilen, war sie nicht gerade der Liebling der Entwickler.)

"Machine Gun" Ruby: Machine Gun ist kein offizieller Spitzname, aber wer ihre Angriffsgeschwindigkeit mal auf das Maximum bringt, wird verstehen, was ich meine... Eine Diebin. Greift mit Wurfmessern an und benutzt gelegentlich Magie. Eine Art Robin Hood.

Clare: Kann nur durch eine spezielles Quest gegen Ende des Spiels in die Party geholt werden. Hauptsächlich Nahkämpferin, kann aber auch einige offensive Zauber einsetzen. Recht steif und pflichtbewusst.

Karen: Steht erst ab dem zweiten Spieldurchgang zur Verfügung (warum auch immer). Eine entflohene Prinzessin, die hauptsächlich mit ihrer magischen Pistole angreift. Ziemlich weltfremd.

Gameplay:
Ganz kurz: Diablo in schlecht.

Zu Spielbeginn hat man die Auswahl aus drei Schwierigkeitsgraden: LOL, Haha und Kindergarten (oder Easy, Normal und Hard, wie das Spiel sie nennt). Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto stärker sind die Gegner, und desto mehr Erfahrung geben sie. Da selbst Hard ein schlechter Witz ist, kann man getrost damit anfangen.

Das Spiel selbst steuert man hauptsächlich mit der Maus. Man klickt auf den Bildschirm, und Rudy läuft dann hin, beziehungsweise beginnt einen Kampf (d.h. er haut pausenlos mit seinem Schwert zu), wenn man einen Gegner angeklickt hat. Zumindest, wenn einem die mäßige Wegfindung nicht einen Strich durch die Rechnung macht: Rudy bleibt ständig an so ziemlich allem, einschließlich seinen eigenen Partymitgliedern, hängen. Außerdem hat Rudy noch ein paar Distanzspezialattacken, die kann man aber getrost ignorieren, weil sie ohnehin so gut wie nichts bringen. Die übrigen Partymitglieder kämpfen selbstständig, wobei man in geringem Maße Vorgaben zum Kampfstil machen kann (für jeden Charakter gibt es vier Standardprofile zur Auswahl).

Die besten Freunde stellen hierbei die Strg- und Tabulatortaste dar. Mit Strg greift Rudy automatisch in der Nähe stehende Gegner an, mit Tabulator kann man die Spielgeschwindigkeit erhöhen (bis zu zehnfach). Am besten hat man die Zeitbeschleunigung außerhalb der Storysequenzen permanent aktiviert, und den Autokampf sobald Gegner in der Nähe sind. Ich hab das Spiel damit auf Hard im ersten Durchgang problemlos bis zum Ende gespielt...

Die Quests, die man im Spielverlauf erhält, laufen fast alle darauf hinaus, dass man in einem monsterverseuchten Dungeon bis zur untersten Etage steigt. Immerhin wird man am Ende in der Regel in die Stadt zurückteleportiert. Meistens muss man dann noch eine „moralische“ Entscheidung treffen, die Auswirkungen auf die Beziehungen zu den einzelnen Mädchen hat.

Apropos Mädchen: Wie man an der Charakterliste sieht, gibt es insgesamt 6 Mädchen. In der aktiven Party kann man aber immer nur 4 Mitglieder haben, wobei Rudy und Shell bereits zwei Plätze fest belegen. Die übrigen Mädchen schließen sich Rudy an, wenn man eine Mission übernimmt, an der sie sich auch gerade versuchen, und man noch einen freien Platz in der Party hat. Los wird man die Mädchen, indem man Missionen annimmt, die dem jeweiligen Mädchen nicht zusagen (jede hat eigene Präferenzen). Eine Option, ein Mädchen einfach wegzuschicken, besteht nicht, wodurch man Missionen oft danach auswählt, welche Mädchen man in der Party haben will. Ob das der Sinn der Sache ist?

Da es mehr Missionen gibt, als man in einem Durchgang erledigen kann (allerdings nicht viele, so dass man bei wiederholtem Durchspielen großteils nochmal dieselben Missionen erledigt), wäre eine weitere Option, nach der Belohnung zu gehen. Diese besteht allerdings ausschließlich aus Geld, und dazu noch mickrigen Beträgen, meist vier- oder niedrige fünfstellige. Zum Vergleich: Denselben Betrag bekommt man üblicherweise in bar, allein durch das Besiegen der Monster, die einem im Dungeon begegnen, und der Verkauf von Ausrüstung, die die Monster fallenlassen, kann gegen Spielende bis in die Hunderttausende bringen... Nicht, dass man auf das Gold angewiesen wäre. Neue Ausrüstung gibt es kaum zu kaufen, hauptsächlich gibt man das Gold für statuserhöhende Samen aus, damit man überhaupt eine Verwendung dafür hat.
Dann kann man auf den Missionen gelegentlich noch seltene Ausrüstungsgegenstände abstauben, aber da diese in der Regel ein bestimmtes Partymitglied erfordern, und nicht von vorneherein ersichtlich sind, ist man in dieser Hinsicht ohne Guide aufgeschmissen.


Nein, das sind nicht die normalen Startwerte, aber für irgendwas müssen die Unsummen an Geld ja gut sein... Dabei werden hier nichtmal sämtliche Stellen des Kontostands angezeigt...

Hat man das Spiel einmal beendet, erweitern sich die Optionen beim Spielstart: Es gibt zwei neue Schwierigkeitsgrade, ROFL und Einfach (Weak und Super), wobei der erste dem Schwierigkeitsgrad Easy entspricht, man aber auch noch doppelte Erfahrung bekommt, und der andere schwerer als Hard ist, aber sogar dreifache Erfahrung bringt. Zusätzlich kann man auswählen, ob man mit der Hälfte des im vorigen Durchgang erreichten Levels oder mit dem Standardlevel 15 beginnt. Das Maximallevel liegt dabei bei 1000. (Zum Vergleich: Ich habe meinen ersten Durchgang mit Level 150 beendet). Wählt man das halbierte Level, behält man auch alle Zauber, die die Charaktere in vorigen Durchgängen (durch Story oder Fund) erlernt haben. Sämtliche gefundene Ausrüstung ist aber in beiden Fällen futsch.
Außerdem bietet der zweite Durchgang noch weitere Boni: Das letzte Partymitglied Karen, die automatische Karte (eine sinnvolle Erklärung, warum man die nicht im ersten Durchgang benutzen kann, will mir keine einfallen, dabei macht die Karte das Spiel deutlich angenehmer), ein Shop, in dem man bereits zu Beginn ziemlich gute Ausrüstung kaufen kann (um genau zu sein, eigentlich sämtliche Ausrüstung außer einigen speziellen Gegenständen, wodurch sämtlich anderen Läden überflüssig werden) und ein 101 Etagen langer Bonusdungeon, in dem man dann die beste Ausrüstung finden kann.
Wiederholtes Durchspielen beschert einem dann noch höhere Schwierigkeitsgrade und zusätzliche Startoptionen, aber das Ganze ist mit einem Problem verbunden: Die neuen Optionen bekommt man scheinbar nur, wenn man möglichst viele Enden freispielt. Nur, wenn man schon die ganzen Enden freigespielt hat, hat man keinen wirklichen Grund mehr, das Spiel neu zu beginnen, um mit diesen Optionen auch etwas anzufangen... Ich hab mich jedenfalls letztendlich dazu entschieden, einfach mit Zeitbeschleunigung durch sämtliche Storyszenen durchzuskippen, um alle Optionen freizuspielen und mich DANACH um die Story zu kümmern. Dass das die Intention der Entwickler war, darf aber getrost bezweifelt werden. Zudem ist der Nutzen eines hohen Schwierigkeitsgrads nicht mehr wirklich gegeben, wenn man ihn erst bekommen kann, wenn man stark genug ist, ihn ohne Probleme zu bewältigen, weil man das Spiel schon so oft durchspielen musste.


So sieht der New Game Bildschirm beim ersten Spielstart aus...


... und so, nachdem man jede Menge Zeit investiert hat, sämtliche Enden freizuspielen.

Fazit: Von der Grundidee (leichtherziges Hack and Slay mit Romanzen als Bonus) ist Brave Soul kein schlechtes Spiel. Die Umsetzung lässt allerdings mehr als nur ein wenig zu wünschen übrig. Die Story ist nicht vorhanden, das Gameplay bietet einem zu wenige Möglichkeiten und der Schwierigkeitsgrad ist zu niedrig. Die Romanzen wären zwar eigentlich gar nicht so schlecht, leiden aber darunter, dass sie durch den Rest des Spiels auseinandergerissen werden, und von den H-Szenen gibt es letztendlich zu wenige, um das Spiel merklich zu bereichern.
Wenn man BS tatsächlich spielen will, sollte man sich irgendwo ein 100% Save besorgen, und das Spiel gleich mit den Einstellungen „Super/Rookie/Peasant“ beginnen, und danach mit den Einstellungen weitermachen, die man für die richtigen hält. Die ganzen Einstellungen erst freizuspielen, kostet mehr Nerven, als das Spiel letztendlich wert ist.

Zum Abschluss noch etwas, das an Brave Soul wirklich gut ist: Das Opening.