Mit einem leisen Stöhnen erwacht Shajna. Ihr ganzer Körper tut ihr weh, und das fortwährende Poltern unter ihr ruft ein schmerzhaftes Pochen in ihren Beinen und ihrem Rumpf hervor. Wo bin ich? Als sie die Augen aufschlägt, sieht sie zunächst gar nichts. Der Raum, in dem sie sich befindet, ist nur wenig beleuchtet, und ihre Augen gewöhnen sich erst nach einigen Sekunden an die Dunkelheit. Sie versucht, sich umzusehen, aber ein Zucken durchfährt ihren Körper, als sie den Kopf bewegen will, und zwingt sie zur Ruhe. Also erkundet sie das Zimmer mit ihren anderen Sinnen. Bei jedem Ruckeln und Poltern im Raum klimpert etwas, und der Versuch, ihre Hände zu bewegen, bestätigt ihren Verdacht. Ich bin eine Gefangene! Der ersten Bestürzung folgt ein erleichtertes Aufatmen. Ich lebe noch. Was für ein Glück. Shajna erinnert sich gut an den Angriff. Sie ging spazieren, und plötzlich tauchte der Mann auf. Sie hatte keine Möglichkeit, zum Lager zurückzulaufen oder ihn zu überwältigen. So blieb ihr nur noch die Flucht. Leider war sie noch nicht lange genug in der Gegend gewesen, um die Umgebung ausgiebig zu erkundschaften, deswegen ist auch plötzlich dieser Abhang vor ihr aufgetaucht. Und die Banditen dahinter...Vermutlich sollte ich ihnen dankbar sein, dass sie ihr Lager genau dort aufgeschlagen haben. Ich wäre meinem Verfolger nicht entkommen. Natürlich hatte sie eine Ahnung, wer den Mann geschickt hatte: Die Dunkle Bruderschaft. Shajna will einen Fluch auf die Gilde aussprechen, aber ihr Mund ist staubtrocken, weswegen ihr nur ein leises Krächzen gelingt.

Der Wagen fährt über einen besonders hohen Stein, und durch das darauffolgende Rumpeln schreckt die Bosmerin aus ihren Gedanken hervor. Erst jetzt fällt ihr auf, dass sie nicht die Einzige im Raum ist. Sie hört das Atmen von mehreren anderen Personen, und als sie den Kopf erneut versucht zu bewegen, was der Waldelfin diesmal besser gelingt, erkennt sie die Silhouetten von sieben anderen Personen. Die Lichtverhältnisse lassen keine Informationen über das genaue Aussehen der Mitgefangenen zu, aber sie ist sich sicher, dass die Person neben ihr ein Argonier ist und ihr gegenüber eine Dunkelelfin sitzt.
Shajna sieht an sich herab und stöhnt auf. Nicht nur, dass ihre zum Teil wertvollen Kleidungsstücke weg sind, sondern vor allem ist ihr ganzer Körper mit Prellungen und blauen Flecken übersät. Die Bosmerin unterdrückt das Verlangen nach einem weiteren Stöhner und konzentriert sich auf die Kernfragen. Was hat ihr ihr Lehrmeister in der Morag Tong noch mal gesagt, solle sie herausfinden, wenn sie mal gefangengenommen wird? Wo bin ich? Wo sind meine Gefährten? Weshalb bin ich gefangen? Was werden meine Häscher von mir wollen? Gibt es einen Fluchtweg? Also: Keine Ahnung, wo ich bin. Aber dem ständigen Poltern nach bin ich in einem Wagen. Wo sind meine Gefährten? Ihr fällt Gog ein, ihr abgerichteter Skrib. Er war irgendwo in den Wäldern, als sie angegriffen wurde. Gog wird sich schon durchschlagen, um den muss ich mir keine Gedanken machen. Weshalb bin ich gefangen? Vermutlich haben die Banditen mich verkauft oder ausgeliefert. Ich bin der Bruderschaft vermutlich immer noch ein hübsches Sümmchen wert. Was werden meine Häscher schon von mir wollen? Wenn es tatsächlich die Bruderschaft ist, dann wird es mein Kopf sein. Ansonsten: Ich weiß nicht. Und was den Fluchtweg angeht... Sie zerrt kurz an den Fesseln an den Händen und an den Füßen, um sich zu vergewissern. Keine Chance.

Gerade will Shajna sich in eine bessere Sitzposition bringen, als der Wagen stehenbleibt und eine Tür, die die Waldelfin nicht gesehen hatte, aufgerissen wird. Das grelle Licht blendet ihre Augen, die sich gerade erst an das Dunkel im Wagen gewöhnt hatten. Jemand ruft "Aussteigen!", gefolgt von dem Knallen einer Peitsche, und Shajna erhebt sich von ihrem Platz. Ihre Beine zittern heftig, doch tragen sie, und sie hofft, dass das Zittern nachlässt. Shajna wartet, dass ihre Mitgefangenen ebenfalls aufstehen, damit die aneinandergeketten Insassen gemeinsam den Wagen verlassen können.