Erstmal: Sehr guter Film, auch ein sehr sehr guter Bond. Darstellerisch wurde viel geleistet, vor allem von Craig und Bardem, aber auch Fiennes und Dench haben mir in ihren Rollen gefallen.
Die Actionszenen waren durchweg gut inszeniert, nichtmehr so viel Shaky-Cam-Scheisse wie in QoS, die Schauplätze sehr gut in Szene gesetzt. Die Story war stellenweise starker Selbstzweck, aber nachvollziehbar und in sich schlüssig.
Sie haben die Brücke zu den alten Filmen geschlagen. Die Büros von Universal Export wurden bezogen, M ist wieder männlich (Ralph Fiennes ist eine großartige Wahl), Miss Moneypenny ist zurück (da finde ich die Wahl nicht so optimal, aber okay), es gibt wieder die Abteilung Q (Ben Whishaw ist okay, die sollten aber diese arrogante Cyber-Hacker-Nerd-Variante der Rolle etwas zurückfahren und mehr verschrobener, introvertierter Techie reinbringen, IMHO). Insofern knüpft es an die Beginne der Reihe an. Und dadurch, dass diese Trilogie jetzt abgeschlossen ist, gehen die nächsten Filme bestimmt wieder stärker in den Spionage-Kanon über, anstatt den Charakter BOND zwanghaft erklären zu wollen.
Einen Kritikpunkt hätte ich aber noch
Hacken!
HACKEN!
Okay, es war wieder die typische Darstellung von Hackings in Hollywood: Der gewiefte Hacker kann alles und kommt überall hin. Egal wie stark der Verschlüsselung. Weil der Hacker an sich ist ja so suuuuuper durchtrieben. Und man muss nur intelligent sein und eine riesige Server-Landschaft haben (Die in diesem Fall eher wie ein Hochregallager aussah), dann kann man AAAAAALLES knacken.
Wir beginnen: Die MI6-Chefin sieht, dass in ihre Systeme gehackt wurde. Spätestens da sollte man doch normalerweise direkt anordnen, dass die Server heruntergefahren werden sollen. Punkt aus. Auf einen ausgesteckten Server kann auch der beste Hacker nicht zugreifen.
Das knacken von da Silvas Informationen war auch so super over-the-top. Ein in sich verschwurbelter Source Code... genau, wenn ich was programmiere sieht es auch aus wie ein Knäuel Regenwürmer. Und wenn ich nicht weiterkomme, dann zoome ich einfach ein bisschen näher an den Source Code ran und SCHWUPP - Fehler gefunden.
Auch toll Q's Aussage: "Er verwendet ein Sicherheitsprotokoll, welches Dateien löscht, bevor ich darauf zugreife. Weltweit können nur 6 Leute so etwas programmieren." Wohl eher 6 Millionen, oder? Gebt mir einen Monat Zeit und einen Internetfähigen Rechner und ich gehöre dazu.
Und wieso knacken sie sowas nicht auf einem isolierten Rechner? Ist Q doch so dämlich? Oder sind die Bytes vom einen Rechner drei Meter durch die Luft auf den anderen Rechner gehüpft und haben den dann infiziert.
Dieser Technik-Jibberish und die Cyber-Spielereien haben vor zehn Jahren noch gut gezogen. Aber inzwischen sollten die großen Produktionen mal merken, dass die Menschheit sich inzwischen auskennt. IT-Fachkräfte machen einen großen Teil des Arbeitsmarktes aus und auch fachfremde Leute wissen zumindest was Firewall, DMZ oder VPN sind. Über Bonds Aston Martin haben sie ja auch nicht erzählt, dass der Motor aus drei Hamstern besteht und das Scheinwerferlicht durch Glühwürmchen angeheizt wird.
Ein wahrhaft vorbildliches Beispiel: Fincher's "Verblendung". Echte Interfaces, echte Programme, Lisbeth Salander hackt nachvollziehbar und real und benutzt MySQL für Recherchen. So fühlt man sich als Fachkundiger ernst genommen.
Soll das Erlebnis aber nicht trüben. Der Film war insgesamt wirklich super und hat das eher lasche Kinojahr 2012 für mich nochmal umgedreht. Ich freue mich auf die nächsten mindestens zwei Teilen mit Craig. Hoffentlich bleibts bei 2014, ich will nicht nochmal vier Jahre warten müssen.