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Thema: Beschneidung eine Körperverletzung - Ja oder Nein?

  1. #61
    Zitat Zitat von Liferipper Beitrag anzeigen
    Wenn vor jedem jüdischen Gotteshaus ein Rausschmeißer steht und alle männlichen Besucher mit "Hose runter!" begrüßt, ist das nicht die Schuld des deutschen Staates, und es liegt auch nicht in seiner Verantwortung, dafür einen Ausgleich zu schaffen.

  2. #62
    Zitat Zitat von Luthandorius2 Beitrag anzeigen
    Meine Mutter wollte den Staat auch nicht. Die Juden wollen ihn aber. (...)
    Nein. MANCHE Juden wollten ihn. Nicht alle.

    Zitat Zitat von Luthandorius2 Beitrag anzeigen
    (...)
    Es gab meines Wissens mal Vorfälle wo Leute, die Bibeln verteilten, ermordet wurden (...)
    Von staatlicher Seite hingerichtet. Wegen "Kampf gegen den Islam". Womit ihnen ihre natürlichen Rechte auf Leben und Religionsfreiheit genommen wurden.
    Und du sagst ernsthaft es sei richtig, dass jene Islamischen Staaten das bei sich so handhaben?! Na danke ...

  3. #63
    Zitat Zitat von Liferipper Beitrag anzeigen
    Wenn vor jedem jüdischen Gotteshaus ein Rausschmeißer steht und alle männlichen Besucher mit "Hose runter!" begrüßt, ist das nicht die Schuld des deutschen Staates, und es liegt auch nicht in seiner Verantwortung, dafür einen Ausgleich zu schaffen.
    Das verlangt doch auch keiner. Es geht darum, die grundrechtlichen Freiheiten zu wahren. Luthandorius stellte es so dar, als gäbe es überhaupt keine Problematik von religiöser Seite, als wären da nur ein paar Mohels geil darauf, kleinen Kindern die Vorhaut zu klauen.

    Der deutsche Staat soll keinen Ausgleich schaffen -- Ausgleich für was denn auch? Er soll auf Grundlage der Verfassung eine Position finden. Zu dieser Verfassung gehören sowohl die Religionsfreiheit, als auch das Bestimmungsrecht der Eltern, als auch -- in Extension -- die Problematik des ungeschlossenen Begriffs der körperlichen Misshandlung. Das ist die Verfassung, die körperliche Unversehrtheit eines jeden vorsieht. Vielleicht können wir mal aufhören zu argumentieren, als wäre Religionsfreiheit irgendwas, das man den Leuten nur aus gutem Willen und ohne Pflicht gewährt.

  4. #64
    Zitat Zitat von Mordechaj
    Vielleicht können wir mal aufhören zu argumentieren, als wäre Religionsfreiheit irgendwas, das man den Leuten nur aus gutem Willen und ohne Pflicht gewährt.
    Das sehe ich aber sogar so. Religionsfreiheit heißt für mich, dass jeder Mensch das Recht hat, seine Religion frei zu wählen. Der Staat darf seinen Bürgern also keine Religion aufzwingen und er muss auch dafür sorgen, dass den Bürgern nicht von anderen eine Religion aufgezwungen wird. Die Religion sollte aber keinen höheren Stellenwert als jede andere Form der Persönlichkeitsentfaltung haben. Solange nicht gegen Gesetze verstossen wird, sollte der Staat alles tolerieren. Es ist aber nicht seine Aufgabe, die Ausübung zu ermöglichen.

    Im konkreten Fall muss man schauen, wie weit das Bestimmungsrecht der Eltern geht. Ich kenne mich damit nicht wirklich aus, aber wahrscheinlich wird es schon Grenzen haben. Man könnte sich ja eine Menge Beispiele ausdenken, auch extremere, in denen Eltern ihre eigenen Vorstellungen auf das Kind abbilden. Vielleicht gibt es eine Religion, in der es notwendig ist, dem Kind ein großes Branding aufzudrücken. Wäre das etwas anderes als die Beschneidung? Vielleicht gibt es auch Eltern, die der Meinung sind, das Kinn ihres Kindes müsste schönheitsoperiert werden (von ihrem eigenen ästhetischen Standpunkt aus gesehen), weil es sonst in der Schule ständig gehänselt werden würde. Ich sehe hier schon Parallelen: Für keinen der Eingriffe gibt es eine medizinische Notwendigkeit. Dürfen Eltern das für ihr Kind entscheiden? Ich kenne die Gesetzeslage leider nicht. Eines weiß ich aber: Die Eltern wollen die Beschneidung hauptsächlich zu ihrem eigenen Wohle, nämlich um ein gottgefälliges Leben zu führen. Sicherlich wollen sie damit auch ihrem Kind ein gottgefälliges Leben ermöglichen, aber die eigenen Interessen stehen (wie bei jedem Menschen) an erster Stelle. Zumal man ja auch keinen stichhaltigen Grund nennen kann, warum es notwendig ist, ein gottgefälliges Leben zu führen. Der Staat kann ja nicht davon ausgehen, dass die Gläubigen bestraft werden, wenn sie gegen die Gebote und Verbote ihrer Religion verstoßen, weil er mangels wissenschaftlicher Beweise annehmen muss, dass es Gott gar nicht gibt (ich denke, bei solchen übernatürlichen Dingen sollte der rationale Außenstehende eher zu einer atheistischen als zu einer agnostizistischen Sicht greifen). Das ist aus der Perspektive des Außenstehenden also alles eine Kopfsache.

  5. #65
    Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
    Vielleicht gibt es eine Religion, in der es notwendig ist, dem Kind ein großes Branding aufzudrücken. Wäre das etwas anderes als die Beschneidung?
    Zugefügte Verbrennungen sind meines Wissens klar als körperliche Misshandlung angesehen, weshalb ich hier unterstellen mag, dass der Fall ganz anders läge. Ich finde "was wäre wenn"-Beispiele hier außerdem schwierig, weil hier ja die reale Rechtsgrundlage schon entscheidend ist.

    Zitat Zitat
    Vielleicht gibt es auch Eltern, die der Meinung sind, das Kinn ihres Kindes müsste schönheitsoperiert werden (von ihrem eigenen ästhetischen Standpunkt aus gesehen), weil es sonst in der Schule ständig gehänselt werden würde.
    Was allerdings aufgrund der gesundheitlichen Folgen und der enorm erhöhten Risiken kein Arzt machen würde. Eine Schönheits-OP ist in der Regel ein invasiver, mehrstündiger Eingriff, mit Abheilzeiträumen von Tagen bis Wochen und erhöhtem Schmerzpotential. Sie stellt außerdem einen enormen Eingriff in die Selbstidentifikationsgrundlagen eines Menschen dar.

    Die Parallelen sind sehr schwach.

    Zitat Zitat
    Die Eltern wollen die Beschneidung hauptsächlich zu ihrem eigenen Wohle, nämlich um ein gottgefälliges Leben zu führen. Sicherlich wollen sie damit auch ihrem Kind ein gottgefälliges Leben ermöglichen, aber die eigenen Interessen stehen (wie bei jedem Menschen) an erster Stelle. Zumal man ja auch keinen stichhaltigen Grund nennen kann, warum es notwendig ist, ein gottgefälliges Leben zu führen.
    Aufgrund der allgemeinen Religionsfreiheit muss das auch niemand begründen und niemand muss begründen, warum dem eigenen Kind dieses oder jenes anerzogen wird, selbst wenn dahinter selbstsüchtige Motive ständen. Niemand hat hierin einzugreifen, außer es liegt ein Rechtsbruch vor.

    Zitat Zitat
    Der Staat kann ja nicht davon ausgehen, dass die Gläubigen bestraft werden, wenn sie gegen die Gebote und Verbote ihrer Religion verstoßen, weil er mangels wissenschaftlicher Beweise annehmen muss, dass es Gott gar nicht gibt (ich denke, bei solchen übernatürlichen Dingen sollte der rationale Außenstehende eher zu einer atheistischen als zu einer agnostizistischen Sicht greifen). Das ist aus der Perspektive des Außenstehenden also alles eine Kopfsache.
    Religion wird nicht nur vom Glauben an Gott ausgefüllt. Darüber hinaus reicht dem Staat die persönliche Motivation in ihrer freien Selbstbestimmtheit aus, um das Befolgen von religiösen Geboten als rechtmäßig anzuerkennen. Das einzige Problem ist, dass dem Kind im Moment des Beschnitts Schmerzen zugefügt werden und dass nicht explizit geregelt ist, ob religiöse Motivation ausreicht, um den Bestimmungswunsch der Eltern via §228 StGB zu legitimieren. Der Staat hat sich in nichts anderes einzumischen, als in diesen Akt und den damit verbundenen Eingriff in das körperliche Wohlbefinden des Kindes.

    Dass wir hier ständig mit größtenteils unpassenden Vergleichbeispielen um uns werfen müssen, zeigt doch eigentlich schon, wie schwierig das Problem ist, weil es eine gewisse Einzigartigkeit besitzt, die dem Gesetzgeber womöglich zu Anfang ab ging.

    Geändert von Mordechaj (14.07.2012 um 15:48 Uhr)

  6. #66
    Ich denke, das fehlende Verständnis beruht hauptsächlich darauf, dass man keinen Bezug zum Thema hat. Es ist immer einfach, sich gegen etwas auszusprechen, wenn es einen selbst nicht betrifft.

  7. #67
    Zitat Zitat von Kyuu Beitrag anzeigen
    Ich denke, das fehlende Verständnis beruht hauptsächlich darauf, dass man keinen Bezug zum Thema hat. Es ist immer einfach, sich gegen etwas auszusprechen, wenn es einen selbst nicht betrifft.
    Manche afrikanische Buschreligionen, zu denen ich keinen Bezug habe, finden auch aus Gruenden, die ich nicht verstehe, Beschneidung von Frauen wichtig und richtig. Darf ich mich dagegen dann auch nicht aussprechen?

  8. #68
    Gibts eigentlich ähnliche "Religiöse Dinge", die nicht ausgerechnet von Juden und Moslems praktiziert werden?

  9. #69
    Ranmaru: Ich weiß weder von welchen Buschreligionen du redest, noch um welche Beschneidungen genau es sich handelt, aber grundsätzlich darfst du das natürlich. Die Frage ist aber, würdest du es immernoch tun, wenn es dich betreffen würde, d.h. wenn du beispielsweise dieser Religion angehören würdest?

  10. #70
    Zitat Zitat von Ranmaru Beitrag anzeigen
    Manche afrikanische Buschreligionen, zu denen ich keinen Bezug habe, finden auch aus Gruenden, die ich nicht verstehe, Beschneidung von Frauen wichtig und richtig. Darf ich mich dagegen dann auch nicht aussprechen?
    Aussprechen darfst du dich gegen alles, die Frage ist, wie einfach du es dir dabei machst. Auch die Beschneidung weiblicher Genitalien hat ihren äußerst bedeutsamen Hintergrund, der nicht einfach wegzumarginalisieren ist. Was nicht heißt, dass er für ein deutsches Rechtsverständnis auch nur annähernd auf einer Stufe mit der Entfernung des Preputiums stehen kann.

    Die Argumentation jedenfalls: "Is doof, sollense mal im 21ten Jahrhundert ankommen.", die offenbar auf der Auffassung fußt, dass schon ein kleiner Nadelstich unter den Tatbestand der Körperverletzung fällt (ich polemisiere das jetzt einfach mal zum Zweck der Verdeutlichung; es fühle sich bitte keiner angegriffen), macht es sich jedenfalls ganz besonders einfach. Da hat Kyuu schon recht, das liegt wohl am fehlenden Bezug. Es ist immer sehr leicht, jemand anderem zu sagen, sie oder er solle doch bitte einfach mal eine Grundfeste der eigenen Identität aufgeben. Noch abstruser wird das natürlich in Bezug auf ganze Kulturkollektive.

    Ich glaube, niemand hier verkennt die Problematik, dass wir allen Individuen körperliche Unversehrtheit zugestehen, und dass diese Unversehrtheit im Rahmen der Brit Mila strenggenommen nicht gewährleistet wird. Die Dinge liegen aber um einiges komplizierter, sie haben Hintergründe, die teilweise derart von geltendem Recht aufgegriffen werden, dass man auf Grundlage der Verfassung handlungsunfähig würde, käme man nicht zu einer klaren Positionierung. Für eine solche Positionierung müssen aber alle Faktoren gegeneinander abgewogen werden. Zu sagen: "Religion ist doof." greift deutlich zu kurz. Es ist noch nicht einmal geklärt, ob der Eingriff in das Wohlbefinden des Kindes bei der Brit Mila den Eingriff in sein Wohlbefinden, wenn man es mit kaltem Wasser bespritzt, irgendwie übersteigt. Oder wenn man es in eine Krippe bringt und dort Fremden ausliefert. Es ist nicht klar, inwieweit die Beschneidung tatsächlich die körperliche Integrität verletzt. Wäre es klar, hätte es ein solches Urteil schon vor mehreren Jahrzehnten gegeben und wir müssten hier keine abstrusen Vergleichsbeispiele bedienen, in denen die Rechtslage zufälligerweise klar(er) geartet ist.

  11. #71
    Die Frage ist: Soll jemand sowas entscheiden, der davon betroffen ist? Die sind doch befangen. Genauso darf es auch keiner entscheiden, der einer Religion angehört, die gegen Beschneidung ist. Das müssen Neutrale entscheiden - Leute für die eine Beschneidung möglich ist, aber keine Pflicht ist.

    Wenn man entsprechender Religion angehören muss, dann würde ja alles erlaubt sein, wenn man davon ausgeht, dass alle Mitglieder einer Gemeinschaft alles gut finden, was ihre Gemeinschaft macht und nur sie das sagen haben und andere nichts zu sagen haben, da sie keine Ahnung haben und es nicht verstehen können.

    Mag okay und vielleicht für Erwachsene zu befürworten sein - so lange keine Rechte von Nichtmitgliedern tangiert werden(Religion die sagt man soll andere, die nicht dieser Religion anhängen, töten, ginge hier nicht). Aber bei Kindern ist es eben eine andere Sache. Die sind eben in unserem Staat und unterliegen auch Gesetzen die von Nichtjuden beschlossen wurden, da kann man nicht sagen, dass die Juden jetzt für sich eigenes Recht machen und die Abwägung bezüglich Religionsfreiheit und körperlicher Unversehrtheit ihrer Kinder selber vornehmen dürfen, unabhängig von dem was der Rest von Deutschland so treibt.

    Ich hoffe wie gesagt, dass das Bundesverfassungsgericht klarheit schafft. Nur die können endgültig entscheiden. Gesetze die dazu gemacht werden landen sowieso am Ende dort.

  12. #72
    Noch einmal für dich: Niemand macht hier eigenes Recht oder handelt wider geltendes Recht, die Brit Mila wird nach derzeit gültigem Recht als Bestandteil der freien Religionsausübung durch das Grundgesetz für schützenswert erklärt.

    Und hör bitte auf, mit "Die sind die Juden, wir sind die Nicht-Juden." zu argumentieren. Hier ansässige Juden sind Deutsche wie du und ich. Und als solche legitimieren sie das Grundgesetz ebenfalls mit; wir als Volk, wir alle, auch die jüdischen Mitglieder unseres Volkes, haben die konstitutionelle Ordnung in freier Entscheidung rechtmäßig anerkannt und erkennen sie mit jeder Minute, die vergeht, ohne dass das Volk sich in freier Entscheidung für eine neue Ordnung entscheidet, erneut an.

    Darüber hinaus hat Kyuu nicht gefordert, dass nur Involvierte entscheiden, sondern darauf hingewiesen, dass man es sich deutlich zu leicht macht, eine Gegenstellung zu beziehen, wenn man sich nicht zum Gegenstand in all seinen Konsequenzen in Bezug setzt, ganz à la "Sollense doch nach Israel gehen."

  13. #73
    Leider aber falsch. Sonst könnten die Gerichte ja nicht anders entscheiden. Was, wenn das nächste Gericht bei der nächsten Beschneidung auf Körperverletzung erkennt und bestraft? Es ist eben nicht klar - nicht ohne dass das Verfassungsgericht etwas dazu gesagt hat. Bis dahin wird(oder wurde, momentan will man ja pausieren mit den Beschneidungen) eine Lücke nach eigenen Vorstellungen gefüllt, obwohl diese möglicherweise gegen das Recht sein könnten(falls das Bundesverfassungsgericht anders entscheiden sollte).

    Es war nur nie ein Problem, weil noch nie jemand(Staatsanwalt) auf die Idee gekommen ist, Anklage zu erheben.

  14. #74
    @Mordechaj
    Spielt es für den Gesetzgeber denn wirklich eine Rolle wie groß die Schmerzen sind oder wie lange der Eingriff dauert? Für das Strafmaß sicherlich schon, aber es muss ja einen Punkt geben, ab dem man dann schon von einer (minimalen) Körperverletzung spricht. Vielleicht mag die Beschneidung im Vergleich zu meinen Beispielen wie eine Bagatelle erscheinen, doch letztendlich wird da trotzdem ein Teil vom Körper abgeschnibbelt. Ich dachte früher, dass die Vorhaut irgendwann wieder nachwächst, aber hier im Thread klingt das ja sogar so, als ob das nicht so wäre. Ist die Beschneidung echt irreversibel?

    Beim Rest des Postings hast du auf jeden Fall recht, mir ging es aber auch nur darum, dass der Staat gegenüber der Religion nicht die Pflicht hat, ihr bei der Ausübung zu helfen, sie zu verstehen oder ihre Interessen zu vertreten. So klangen aber die Rabbiner, die sich über das Gerichtsurteil beklagt haben.

    @Kyuu
    Zitat Zitat
    Ich denke, das fehlende Verständnis beruht hauptsächlich darauf, dass man keinen Bezug zum Thema hat. Es ist immer einfach, sich gegen etwas auszusprechen, wenn es einen selbst nicht betrifft.
    Es ist immer so, dass man bei solchen Diskussionen für die Gegenseite kein Verständnis aufbringt. Ich würde das aber nicht am fehlenden Bezug festmachen, den hat man eigentlich selten, es werden wohl nur wenige Juden gegen die Beschneidung sein. Verständnis könnte man vielleicht nur dann aufbringen, wenn man die sozio-kulturellen oder psychologischen Ursachen für den Glauben berücksichtigt. Doch wer macht das schon und vor allem muss man das? Man kann natürlich jede Einstellung und jeden Glauben irgendwie erklären, aber das macht sie dadurch nicht notwendiger.

  15. #75
    Zitat Zitat von Luthandorius2 Beitrag anzeigen
    Leider aber falsch. Sonst könnten die Gerichte ja nicht anders entscheiden. Was, wenn das nächste Gericht bei der nächsten Beschneidung auf Körperverletzung erkennt und bestraft? Es ist eben nicht klar - nicht ohne dass das Verfassungsgericht etwas dazu gesagt hat. Bis dahin wird(oder wurde, momentan will man ja pausieren mit den Beschneidungen) eine Lücke nach eigenen Vorstellungen gefüllt, obwohl diese möglicherweise gegen das Recht sein könnten(falls das Bundesverfassungsgericht anders entscheiden sollte).
    Nochmal: Nach derzeit gültigem Recht. Sollte eine verfassungsrechtliche Entscheidung irgendwann in ferner Zukunft dazu führen, dass aktive Sterbehilfe erlaubt und nach Erbitten des Sterbewilligen unter dem Würde-Axiom einzuhalten ist, setzt das auch nicht außerkraft, was bis jetzt unter dem Schirm dieses Problems so alles passiert ist.

    Solange keine verbindliche Entscheidungsgrundlage existiert, gilt der Zweifelsfall. Und dieser sollte dir verbieten, von "denen" zu reden, als würden sie sich bereits jetzt munter über in Deutschland geltende Gesetze hinwegsetzen, wenn sie die Beschneidung durchführen lassen.

    Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
    Spielt es für den Gesetzgeber denn wirklich eine Rolle wie groß die Schmerzen sind oder wie lange der Eingriff dauert? Für das Strafmaß sicherlich schon, aber es muss ja einen Punkt geben, ab dem man dann schon von einer (minimalen) Körperverletzung spricht. Vielleicht mag die Beschneidung im Vergleich zu meinen Beispielen wie eine Bagatelle erscheinen, doch letztendlich wird da trotzdem ein Teil vom Körper abgeschnibbelt.
    Der Punkt, von dem du sprichst, muss eben ausgelotet werden. Ich möchte den Eingriff in die körperliche Integrität, der bei der Beschneidung vorgenommen wird, keinesfalls bagatellisieren, allerdings könnte hier die Einwilligungsgrundlage eben ausschlaggebend sein. Ich mag auch nochmal daran erinnern, dass Körperverletzung eine körperliche Misshandlung voraussetzt; inwieweit die Brit Mila eine solche Misshandlung darstellt, das zu bestimmen wird Aufgabe des obersten Gerichts oder aber der Legislative sein. Es ist bisher noch nicht festgemacht, ob es so ist; bis zu einer entgültigen Entscheidung stellt die Beschneidung eben keinen Rechtsbruch dar.

    Zitat Zitat
    Ich dachte früher, dass die Vorhaut irgendwann wieder nachwächst, aber hier im Thread klingt das ja sogar so, als ob das nicht so wäre. Ist die Beschneidung echt irreversibel?
    Das ist eine Echsenschwanz-Legende.
    Ja, die Beschneidung ist irreversibel.

    Zitat Zitat
    [...] dass der Staat gegenüber der Religion nicht die Pflicht hat, ihr bei der Ausübung zu helfen, sie zu verstehen oder ihre Interessen zu vertreten. So klangen aber die Rabbiner, die sich über das Gerichtsurteil beklagt haben.
    Der Staat hat zumindest die Pflicht, die freie Religionsausübung im Rahmen der Art. 2, 4 und 6 GG zu gewährleisten.

    Geändert von Mordechaj (14.07.2012 um 17:28 Uhr)

  16. #76
    Zitat Zitat
    Ich denke, das fehlende Verständnis beruht hauptsächlich darauf, dass man keinen Bezug zum Thema hat. Es ist immer einfach, sich gegen etwas auszusprechen, wenn es einen selbst nicht betrifft.
    Hm, ja, hat mal jemand einen 8 Tage alten Säugling, damit wir den nach seiner Meinung befragen können?

  17. #77
    Kelven: Ich denke, es reicht bereits einen gewissen Respekt den Betroffenen und ihrem Glauben gegenüber aufzubringen, sowie die Verhältnismäßigkeit nicht aus dem Auge zu verlieren, um das Thema relativierter betrachten zu können. Es helfen auch persönliche Erfahrungen, die sich übertragen lassen.

    Liferipper: Wenn das alles ist, was du dem Zitat entziehen kannst, verweise ich dich auf Mordechajs nachfolgende Beiträge, in denen er das, was ich sagen wollte, meiner Meinung nach deutlich treffender formuliert hat.

  18. #78
    Zitat Zitat von Mordechaj Beitrag anzeigen
    Aussprechen darfst du dich gegen alles, die Frage ist, wie einfach du es dir dabei machst. Auch die Beschneidung weiblicher Genitalien hat ihren äußerst bedeutsamen Hintergrund, der nicht einfach wegzumarginalisieren ist. Was nicht heißt, dass er für ein deutsches Rechtsverständnis auch nur annähernd auf einer Stufe mit der Entfernung des Preputiums stehen kann.
    Hast du eine Ahnung, was für entsetzliche Schmerzen die Frauen danach haben? Es ist ein riesiger Fickscheiß an gefährlicher Köperverletzung was diese Buschdeppen dort veranstalten, sowas kannst du nicht im geringsten mit der Beschneidung bei Männern vergleichen.

    Im TV haben sie ne längere Doku gezeigt, wie Leute von der UN in die Dörfer kommen und anfangen die Leute aufzuklären. Und hey, die zeigen sich sogar einsichtig und entschuldigen sich bei ihren Opfern, also nix mit "bedeutsamer Hintergrund".

    Zur Beschneidung bei Kerlen: Objektiv gesehen sollte man das Kind (halbwegs mündig) fragen, bevor irgendwelche lustigen Schönheitsoperationen durchgeführt werden. Unnötig ist es allemal, wenn nicht grad eine Vorhautverengung vorliegt.

  19. #79
    Zitat Zitat von Davy Jones Beitrag anzeigen
    Hast du eine Ahnung, was für entsetzliche Schmerzen die Frauen danach haben? Es ist ein riesiger Fickscheiß an gefährlicher Köperverletzung was diese Buschdeppen dort veranstalten, sowas kannst du nicht im geringsten mit der Beschneidung bei Männern vergleichen.
    Weshalb ich dazuschrieb, dass es nicht vergleichbar ist. Vermutlich habe ich mich dort etwas unverständlich ausgedrückt (die Personalpronomen stimmen nicht ganz), ich bin mir der Umstände und Folgen allerdings sehr bewusst. Bist du es auch? "Buschdeppen"?

    Zitat Zitat
    Im TV haben sie ne längere Doku gezeigt, wie Leute von der UN in die Dörfer kommen und anfangen die Leute aufzuklären. Und hey, die zeigen sich sogar einsichtig und entschuldigen sich bei ihren Opfern, also nix mit "bedeutsamer Hintergrund".
    Also machen die das dort nur als Ahnungslosigkeit und Blutrunst? Ach ja, diese primitiven, wilden Buschmenschen ...

    Zitat Zitat
    Zur Beschneidung bei Kerlen: Objektiv gesehen sollte man das Kind (halbwegs mündig) fragen, bevor irgendwelche lustigen Schönheitsoperationen durchgeführt werden. Unnötig ist es allemal, wenn nicht grad eine Vorhautverengung vorliegt.
    Aus religiöser Sicht ist es alles andere als unnötig.

  20. #80
    Zitat Zitat von Mordechaj Beitrag anzeigen
    Aus religiöser Sicht ist es alles andere als unnötig.
    Und seitwann ist Religion nötig?

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