Ich habe es schon in der closed gespielt und für mich ist es eindeutig der beste Vertreter des Genres. Es verbindet absolut großartig eine enorme Spieltiefe und Möglichkeiten zum individuellen Spielstil mit dem flüssigen Spielgefühl von modernem Gamedesign (indem viele Nervfaktoren des Genres wie zB nutzloses Gold, Potion-Verwaltung und ständiger Platzmangel clever umschifft wurden). Ich hatte bisher nur selten (ToME fällt mir noch ein) so sehr das Gefühl, wirklich meinen eigenen Charakter passend zu meinem Spiestil zu entwickeln und nicht einfach Builds zu kopieren, weil es einfach so viele verschiedene funktionierende Möglichkeiten gibt.

Was am Respec-System auszusetzen ist, kann ich nicht wirklich verstehen. Man kann seinen Charakter ziemlich großzügig umskillen mit den ResetPoints die man durch Quests kriegt (das werden für alle Kapitel+Schwierigkeitsgrade im vollen Spiel wahrscheinlich mindestens 30 Punkte sein) und wenn das nicht reicht muss man sich halt bestimmte (durchschnittlich seltene) Orbs farmen bzw. erhandeln mit denen man weitere ResetPoints erhält. Wer seinen Build komplett umwerfen will sollte sich lieber gleich einen neuen Char machen, so langwierig ist das auch wieder nicht (Ausrüstung bleibt bestehen). Der erste Charakter wird abgesehen davon sowieso nie der beste sein, da man mit dem zweiten schon viel mehr Ressourcen (Orbs, Equipment) und Erfahrung zur Verfügung hat
Und kommt mir bitte nicht mit "Aber der Baum ist so komplex, ich weiß doch garnicht was ich brauche!". Mit dem Tool kann man seinen Build sehr gut vorher planen und auch ähnliche Skills suchen. Jeder Spieler sollte wohl in der Lage sein, zu erkennen, in welche Richtung man für welchen Build gehen sollte, sofern es nicht irgendwelche abgedrehten, super getweakten Pläne im "Build of the Week"-Stil sind. Wer spezielle HighEnd-Perfektion will, muss daran arbeiten, sonst wäre es auch nichts besonderes mehr. ;O
Balance-changes alá "nun ist build-xyz komplett nutzlos" sollte es bei gut ausbalancierten Spielen sowieso nicht geben und wenn dann höchstens auf einer Metagame-Ebene, auf der neu-leveln sowieso kein Thema mehr sein dürfte. Das wäre ein Problem der Spielbalance (ein Thema bei dem GGG bisher recht kompetent war), nicht des Skill-Systems an sich. Außerdem gab es zumindest in der ClosedBeta für größere Passive-Changes immer einen geschenkten komplett-Reset...vll. werden sie das in Zukunft auch so handhaben.
Alles in allem ist das in meinen Augen benutzerfreundlich genug für ein Spiel dieser Art und es verhindert, dass Charaktere zu austauschbaren Pappschablonen werden. Für ein gutes Spielerlebnis gehört imo dazu, dass man seinen Build durch die verschiedenen Phasen des Spiels bringt und sich mit den verbundenen Stärken und Schwächen hocharbeitet. Einen einfachen Build zu leveln und dann ohne Probleme komplett alles zu verändern, zerstört die natürliche Charakterentwicklung und es passt einfach nicht in so ein Spiel, zumindest nicht in die offiziellen Ligen.
Vielleicht könnte man für sowas ja spezielle "Sandbox"-Leagues machen, wenn man schon keinen SinglePlayer-Mode zum Cheaten, Ausprobieren und Rumalbern hat.