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Thema: Organspende

  1. #1

    Organspende

    Zitat Zitat
    Durchbruch für Reform
    Organspende wird neu geregelt

    Die Regeln für die Organspende in Deutschland werden reformiert. Künftig sollen alle Bürger ab 16 Jahren regelmäßig gefragt werden, ob sie zur Organspende bereit sind. Bislang müssen die Deutschen selbst aktiv werden, um sich einen Organspendeausweis zu besorgen.

    Jeder Erwachsene in Deutschland wird künftig regelmäßig per Brief aufgefordert, sich für oder gegen eine Organspende nach dem Tod zu entscheiden. Angesichts des drastischen Organmangels soll diese grundlegende Reform die geringe Zahl der Spender spürbar und schnell erhöhen. Einen Zwang zur Entscheidung soll es nicht geben.
    Nach mehr als 15 Jahren Debatte mit vielen Rückschlägen erzielten Spitzenvertreter und Fachpolitiker aller im Bundestag vertretenen Fraktionen sowie die Bundesregierung am Donnerstag den Durchbruch. Sobald der geplante Gruppenantrag im Sommer Gesetz geworden ist, sollen die gesetzlichen und privaten Krankenkassen die Menschen schriftlich nach ihrer Spendebereitschaft fragen.

    Man kann dann die Bereitschaft erklären (Ja), sie verneinen (Nein) oder das Anschreiben einfach wegwerfen. Auch die Bereitschaft, nur bestimmte Organe zu spenden, soll man erklären können, zudem soll man bestimmte Organe ausdrücklich ausschließen können. Die Erklärung soll wie bisher auf einem Organspendeausweis aus Papier dokumentiert werden.

    Wenn dies technisch möglich ist, soll die Entscheidung auch auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden können. Diesen Eintrag sollen die Versicherten selbst an Terminals etwa beim Arzt vornehmen können. Sie sollen das aber auch ihren Ärzte oder ihrer Krankenkasse überlassen können. Die technischen Möglichkeiten solle die für die Karte zuständige Gesellschaft der Akteure im Gesundheitswesen, die Gematik, bis 2013 entwickeln.

    Die erste Welle an Aufforderungen zur Entscheidung ohne Zwang soll binnen eines Jahres bis Mitte 2013 komplett verschickt sein. Dann sollen die Bürger den jetzigen Planungen zufolge ab Mitte 2015 und dann im Weiteren alle zwei Jahre auf dieselbe Weise nach ihrer Spendebereitschaft gefragt werden. Die Bürger sollen vor einer Entscheidung umfangreich informiert werden.

    Bahr: „Kein Zwang“

    „Jeder Organspender ist ein Lebensretter“, sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Wichtig sei: „Kein Zwang.“ Die Zahl der Organspender solle steigen. Dazu sei die Politik gegenüber den rund 12 000 Patienten auf den Wartelisten verpflichtet. „Uns ist wichtig, dass mit der Post die Diskussion auch in die Familien getragen wird“, sagte die Grünen-Expertin Elisabeth Scharfenberg.

    „Wir wollen die Menschen deutlich öfter mit dem Thema Organspende konfrontieren“, sagte der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn. „Wir hoffen, dass wir damit die Bereitschaft deutlich erhöhen können“, sagte die SPD-Expertin Carola Reimann. Ihre Linke-Kollegin Martina Bunge hob hervor: „Es wird immer auch die Möglichkeit geben, die Entscheidung auch auf Papier zu dokumentieren.“ Die Linke steht der elektronischen Gesundheitskarte kritisch gegenüber.
    Parallel soll das bereits auf den Weg gebrachte Transplantationsgesetz den Bundestag passieren. Damit soll in den Kliniken die Organentnahme vorangetrieben werden. Kritiker der Zustände in deutschen Krankenhäusern halten dies für eine Zunahme an Spenderorganen für noch wichtiger als die Reform zur Entscheidung.

    Heute müssen die Menschen ihre Bereitschaft zur Spende aus eigener Initiative erklären - per Organspendeausweis oder gegenüber den Angehörigen. Fast 70 Prozent der Menschen sind laut Umfragen bereit, nach ihrem Tod Organe oder Gewebe zu spenden. Aber nur weniger als 20 Prozent haben ihre Entscheidung in einem Spendeausweis dokumentiert.

    Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation hatte die Zahl der Organspenden 2010 einen Rekordwert erreicht, ist aber im vergangenen Jahr wieder deutlich zurückgegangen. 2011 spendeten rund 1200 Menschen nach ihrem Tod Organe - 7,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

    Quelle
    Naja, meine Krankenversicherung hat ohnehin die nervige Angewohnheit, mir ständig ungebeten irgendwelches Zeug zuzuschicken, da kommts da drauf auch nicht mehr an .

    Hatten wir zu dem Thema nicht auch mal einen Thread? Die Suche liefert jedenfalls nichts.

  2. #2
    Das Thema ist übrigens auch komplexer als man denkt... hab mich mal dazu erkundigt und ein paar Wochen lang an meiner Organspendekarte gezweifelt. o_ô In dem Sinne hoffe ich, dass wahlweise die Aufklärung oder aber die Diagnose-Medizin mal einen Schritt voran macht, wenn man die Karten so allgemein verteilt. Prinzipiell aber ne gute Sache.

  3. #3
    Einfacher wäre es gewesen, direkt zur Widerspruchsregelung überzugehen, so wie zum Beispiel in Österreich. Dort ist man afaik automatisch Organspender und muss ausdrücklich widersprechen, was aber eh nur 1% tatsächlich macht. Das wären in Deutschland etwa 7000 Einsprüche pro Jahr. Bei 250 Arbeitstagen pro Jahr wären das für das Gesundheitsministerium 28 zu bearbeitende Einsprüche pro Tag. Der Verwaltungsaufwand wäre minimal.

  4. #4
    Ja, Opt-out, die perfekte Lösung dafür, unbeliebtes, das eigentlich kein vernünftiger Mensch will, durchzubringen...
    Sie wollten keine Werbung zusätzlich zu [beliebiges Produkt einfügen]? Hätten sie mal auf Seite 17, Absatz 3, Zeile 5 ein Kreuz in das 3 mm große Kästchen in der Mitte der Zeile gesetzt...
    Sie wollten nicht die Bezahlversion von [beliebiges Produkt] statt der kostenlosen Version benutzen? Tja, dann hätten sie mal...
    Sie wollten nicht, dass wir ihr gesamtes Leben überwachen?
    Sie wollten nicht...

  5. #5
    Zitat Zitat von Liferipper Beitrag anzeigen
    Ja, Opt-out, die perfekte Lösung dafür, unbeliebtes, das eigentlich kein vernünftiger Mensch will, durchzubringen...
    Sie wollten keine Werbung zusätzlich zu [beliebiges Produkt einfügen]? Hätten sie mal auf Seite 17, Absatz 3, Zeile 5 ein Kreuz in das 3 mm große Kästchen in der Mitte der Zeile gesetzt...
    Sie wollten nicht die Bezahlversion von [beliebiges Produkt] statt der kostenlosen Version benutzen? Tja, dann hätten sie mal...
    Sie wollten nicht, dass wir ihr gesamtes Leben überwachen?
    Sie wollten nicht...
    Also wenn man mit Werbung Menschenleben retten könnte würde sich niemand beschweren. Und warum genau braucht ein Toter ein Herz, Niere oder sonstwas? Ich mein die Ägypter hatten zumindest eine religiöse Erklärung, aber wo steht in der Bibel, dass Jesus deine Organe nach deinem Tod auswertet oder im Koran oder sonstwo?

  6. #6
    Zitat Zitat von Liferipper Beitrag anzeigen
    Ja, Opt-out, die perfekte Lösung dafür, unbeliebtes, das eigentlich kein vernünftiger Mensch will, durchzubringen...
    Es ist vor allem eine gute Möglichkeit, die freie Entscheidung zu wahren, ohne mit der Faulheit der Menschen konfrontiert zu werden. Die Widerspruchsregelung ist kein fieses "Ha! Jetzt bist du tot und hast nicht widersprochen, deine Organe gehören uns!", sondern die Aufforderung zur Entscheidung für oder gegen die Organentnahme, genauso wie sie heute schon existiert. Einziger Unterschied ist dabei die Frage, was als normal definiert wird. Ist es normal, seine transplantationsfähigen Organe mit ins Grab zu nehmen? Ich es normal, seine Organe entnommen zu haben?

    Wie Mivey auch schon sagt: Wenn man mit Werbung Mnschenleben retten könnte, würde sich niemand beschweren. Einige würden die Möglichkeit sogar begrüßen. Wir haben es hier auch nicht mit der Entscheidung Werbematerial--kein-Werbematerial zu tun, sondern mit einem breiten Netz von Beweggründen, die für oder gegen Organentnahme sprechen können. Dabei ist es praktisch egal, was man als den Normalzustand definiert, Fakt ist, dass man die Leute nunmal nicht erst im Fall der Fälle befragen kann, also muss vorher irgendwas vorgegeben werden, was dann eingehalten wird. Insofern ist die Entscheidungsreform ein ziemlich guter Schritt, zu einer aktiven Entscheidung zu verhelfen. Bisher wird die Mehrheit der Entscheidungen durch Nicht-Entscheiden getroffen, was bedeutet, dass der Medizin tausende potenzielle Spendeorgane abhanden gehen, weil der Patientenwille nicht explizit gemacht wurde.

    Da läge übrigens auch der große Vorteil der Widerspruchsregelung: Wer genau will denn nicht Organe spenden? Das derzeitige System ist darauf ausgelegt, eine explizite Entscheidung für die Organentnahme zu machen. Da das wie gesagt in einer Vielzahl von Fällen nicht geschieht, gehen transplantationsfähige Organe verloren. Das wiederum kann dann ebenso stark dem Patientenwille widersprechen wie die Entnahme von Organen von einem Patienten, der z.B. aus religiösen Gründen kein Spender sein möchte. Der wiederum hätte natürlich aktiv widersprechen können, denn offenbar hat er sich zu dem Thema ja ohnehin explizit positioniert.


    Es macht ergo einen Unterschied, ob man sich aktiv dazu entscheiden muss, seine Organe über den Tod hinaus behalten zu dürfen, oder ob man die Newsletter-Option abbestellen muss. So groß ist der nicht mal, im Grunde ist jedes Nicht-Entscheiden ja auch eine Entscheidung für sich und deshalb ist Opt-Out auch rechtslegitim. Rein von der Verhältnismäßigkeit her argumentiert scheint mir aber, ist die Widerspruchsregelung sogar sinnvoller, da sie die Patientenrechte in keinster Weise entschränkt, jedoch die Möglichkeiten der medizinischen Versorgung enorm verbessert.

  7. #7
    Zitat Zitat
    Also wenn man mit Werbung Menschenleben retten könnte würde sich niemand beschweren.
    Durch den Empfang von Werbung sorgst du dafür, dass die Mitarbeiter in der Werbeagentur und beim Mediamarkt (oder wer immer die Werbung verfasst hat) genug einnehmen, um nicht morgen Hartz4 beantragen zu müssen...

    Zitat Zitat
    Ich mein die Ägypter hatten zumindest eine religiöse Erklärung, aber wo steht in der Bibel, dass Jesus deine Organe nach deinem Tod auswertet oder im Koran oder sonstwo?
    Kann mich nicht erinnern, von religiösen Gründen gesprochen zu haben.

    Zitat Zitat
    Da läge übrigens auch der große Vorteil der Widerspruchsregelung: Wer genau will denn nicht Organe spenden? Das derzeitige System ist darauf ausgelegt, eine explizite Entscheidung für die Organentnahme zu machen. Da das wie gesagt in einer Vielzahl von Fällen nicht geschieht, gehen transplantationsfähige Organe verloren. Das wiederum kann dann ebenso stark dem Patientenwille widersprechen wie die Entnahme von Organen von einem Patienten, der z.B. aus religiösen Gründen kein Spender sein möchte. Der wiederum hätte natürlich aktiv widersprechen können, denn offenbar hat er sich zu dem Thema ja ohnehin explizit positioniert.
    Also "Solange Fragen, bis der Betreffende endlich einknickt" (ich würde eine einmalige Frage, allerdings nach einem ausführlichen Gespräch mit z.B. einem Arzt, sowie die Möglichkeit, seine Entscheidung nachträglich in beide Richtungen zu ändern, für die optimale Lösung halten) klingt für mich eher nach einer bewussten Entscheidung (ob nun dafür oder dagegen) als "Durch sämtliche Behörden stapfen, um Formular A38 zu bekommen, mit dem ich mich gegen Organentnahme nach dem Tod (von "Spende" kann da eigentlich keine Rede mehr sein, eine Spende ist in meinen Augen etwas, wofür man sich freiwillig entscheidet) aussprechen kann".

    Geändert von Liferipper (03.03.2012 um 10:13 Uhr)

  8. #8
    Zitat Zitat von Liferipper Beitrag anzeigen
    Durch den Empfang von Werbung sorgst du dafür, dass die Mitarbeiter in der Werbeagentur und beim Mediamarkt (oder wer immer die Werbung verfasst hat) genug einnehmen, um nicht morgen Hartz4 beantragen zu müssen...
    Nein, durch den regelmäßigen Empfang von Werbung stellt man eigentlich nur sicher, dass das Marketing einen weiterhin als aktiven Kunden betrachtet. Naja, und dass man über die aktuellen Produkte auf dem Laufenden bleibt. Es ist aber relativ unhöflich, automatisch in dieses ruhende Kundendasein gebracht zu werden, wenn man nicht aktiv widerspricht. Wenngleich es rechtlich natürlich legitm ist.

    Zitat Zitat
    "Durch sämtliche Behörden stapfen, um Formular A38 zu bekommen, mit dem ich mich gegen Organentnahme nach dem Tod (von "Spende" kann da eigentlich keine Rede mehr sein, eine Spende ist in meinen Augen etwas, wofür man sich freiwillig entscheidet) aussprechen kann".
    Und dass das so laufen würde, weißt du woher? Warum sollte es im hypothetischen Falle einer Widerspruchsregelung anders laufen als bisher?

    Das momentane Verfahren ist äußerst unkompliziert und schließt (trotzdessen, dass dies nicht zwingend notwendig ist) auch eine aktive Entscheidung gegen Organentnahme ein. Hast du schonmal so einen Spenderausweis gesehen? Dort kannst du entweder der Entnahme aller Organe, nur bestimmter Organe, aller Organe mit Ausnahme bestimmter Organe zustimmen, oder dich prinzipiell gegen die Entnahme deiner Organe entscheiden. Die momentanen Spenderausweise kann man sich in beliebig großer Stückzahl kostenfrei zusenden lassen und sie sind rechtsgültig. Das ist übrigens auch jedes andere Stück Papier, das deinen Willen klar erkennen lässt.

    Mit der elektronischen Gesundheitskarte ginge das alles im Übrigen sogar noch reibungsloser und ohne zusätzliche Kosten vonstatten. Da es sich bei der Organentnahme um ein Vorgehen nach sichergestelltem Eintreten des Todes handelt und die Gründe für den Widerspruch in der Regel längerfristige Einstellungen etwa aus religiösen Gründen oder aufgrund einer anderen Form der Weltanschauung sind, kommt man hier auch nicht wie beim DNRP in die Verlegenheit, bestimmen zu müssen, wie aktuell die Entscheidung ist. Man könnte also beim Erhalt der Karte individuell nach Auskunft gefragt werden, ob und welche Organe nach Eintritt des Todes entnommen werden dürfen. Das wäre dann vom Prinzip her auch eine gute Mittellösung zwischen Widerspruch und explizitem Spendewillen.

    Geändert von Mordechaj (03.03.2012 um 11:01 Uhr)

  9. #9
    Thread auslagern?

    Organspende ist nicht einfach "Mensch tot? Andere damit retten!", dann wäre so eine Widerspruchsregelung tatsächlich nur ideell fragwürdig, wie Liferipper andeutet. Das Thema ist aber schwieriger. Wer es einfach mal googelt, findet ein paar Organisationen, die sich auf die Fahne geschrieben haben, potenzielle Organspender weiter aufzuklären als es in der Medizin üblich ist. Ungern angesprochen wird etwa, dass man für (manche) Organspenden noch gewisse Körperfunktionen haben muss, damit das Ganze klappt; heißt, der Mensch muss, zynisch ausgedrückt (!), noch am Leben sein oder klinisch am Leben gehalten werden, damit man ihm die entsprechenden Organe entnehmen kann. Es gibt zahlreiche Horrorgeschichten von Verwandten, die den Organspender unvorsichtig ausgeweidet, mit schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck oder mit zweifelhafter Arztentscheidung, was den Tod angeht, "wiedergekriegt" haben. Vor allem auch, wenn im Nebenzimmer ein gut zahlender Privatpatient liegt, der ein Herz braucht.
    Das Ganze gehört in einen Komplex mit der äußerst umstrittenen Frage, wie verlässlich der Hirntod als Rubrik für Leben und Tod herhält. Da redet man in der Medizin gegenüber dem Kunden ungern drüber, weil es so eine schöne Konstante ist ("jetzt muss er nicht mehr leiden - und wir können ihn verbuddeln"), aber tot ist nun mal nicht gleich tot.

    Dann wiederum werden solche Anti-Organisationen natürlich von Leuten gegründet, die traumatische Erfahrungen mit dem Thema hatten... was nicht heißt, dass jeder Organspender bei lebendigem Leibe und vollem Bewusstsein brutal ausgeweidet wird. Der Tod ist ein Extremfall, der wie kaum ein anderer die Wahrnehmung verzerren kann, und ob es sich bei solchen Horrorgeschichten um krasse Einzelfälle, mangelndes Allgemeinwissen über Gesundheit und Tod oder normalisierte unmoralische Vorgehenweisen handelt, ist schwer zu sagen.

    Ich finde nur, unter diesem Umständen wäre eine vorsorgliche "Organspendepflicht", auch mit Verzichtsoption, sehr fragwürdig. Und ich denke, das ist auch ein Grund, warum es nicht passieren wird. Eine solche Sache eignet sich herrlich als Klatschblatt-Zeile, und ich glaube, die Organspendelobby will definitiv nicht, dass die ganzen Probleme mit der Thematik in der Bild ausgebreitet werden. Dann lieber öfter mal nachfragen und weiter so schwammig informieren wie bisher. Sollte auch viel bringen, und da hat bestimmt niemand was dagegen.

    Ich hab btw. einen Organspendeausweise und finde diese neue Entwicklung gut, nur falls das jetzt zu kritisch klang. Ich finde nur, es ist hilfreich, sich zu informieren und eventuell auch mit Familie, Freundin/Freund usw. drüber zu sprechen, denn es ist nicht nur eine religiöse Entscheidung. Ich finde, denen darf man da auch ein Mitspracherecht einräumen.

  10. #10
    Aber das Problem ist doch dann vollkommen anders gelagert und liegt nicht im Feld der Entscheidung zur oder gegen die Organspende, sondern in einem spezifischen Bereich der Medizinethik bzw. der Patienteninformation. Und wenn die vermehrt zu Problemen im Bereich der Transplantationsmedizin führen, sollte das bei Weitem nicht unsere größte Sorge sein. Normalerweise müsste an dieser Stelle auch noch eine Instanz zwischenlagerbar sein, etwa dass die Angehörigen das Recht haben, darauf zu bestehen, dass keine lebensverlängernden Maßnahmen rein zugunsten der Organe durchgeführt werden etc.

    Und natürlich gibt es Einzelfälle, wo es nicht so läuft wie geplant, natürlich spielt hier die Definition des Todeszeitpunktes eine Rolle. Aber gerade deshalb könnte man im hypothetischen Fall doch widersprechen, wenn man will. Nochmal, genau wie heute schon ist Nicht-Entscheidung auch eine Entscheidung. Darüber hinaus sprechen wir ja nicht unbedingt von einer Widerspruchsregelung im engen Sinne, eine erweiterte Lösung beispielsweise könnte post mortem den Widerspruch der Angehörigen akzeptieren, wenn keine Willenserklärung vorliegt.

    Ich möchte übrigens daran erinnern, dass wir nicht unbedingt über Alle-Organe-raus-oder-nicht sprechen, eine erheblich wichtige Frage, wenn es um Organentnahmen geht, ist auch "Welche Organe?". Gerade deshalb sehe ich eben auch die Chance bei der elektronischen Gesundheitskarte, wo mit aller Spezifik angegeben werden kann, was heute schon der Spenderausweis erfragt, der allerdings nicht obligatorisch ist: ob, was, was nicht oder wer im Ernstfall entscheiden soll.


    Ich gebe dir absolut recht dabei zu sagen, dass eine ausführliche Informationshandhabung notwendig ist. Allerdings sehe ich auch die derzeitige Informierung durch Verbände und Organisationen durchaus als hinreichend. Wo ist sie für dich denn schwammig? Über Einzelfälle, bei denen die Angehörigen sich nicht wohl gefühlt haben, wollte ich persönlich nicht aufgeklärt werden. Denn nochmal: Wenn ich den Ärzten nicht zumindes vom Prinzip her vertrauen könnte, lägen die Probleme schon wo ganz anderes und mein schmerzverzerrtes Gesicht wäre die geringere Sorge.

  11. #11
    Glücklicherweise wird in Deutschland nicht die österreichische Regel - wer nicht ausdrücklich widerspricht, darf verwertet werden - greifen. Ich finde die Haltung anmaßend, die den Einzelnen nach seinem Tod automatisch den Ansprüchen des Kollektivs anheim fallen lassen will. Es ist, als glaube der Staat, es sei an ihm, gnädig zu gewähren und er dürfe sich nach dem Tod seinen zustehenden Anteil holen. Dass dieser Anteil bedeutet, der Mensch gehöre dem Staat nicht nur mit Haut und Haaren, sondern auch allem Darunterliegenden, macht die Angelegenheit darüber hinaus obszön. Wer für so beschaffene Methoden trommelt, erweist der Sache einen Bärendienst.

    Soweit ich weiß, wird die Regelung im Nachbarland so gut wie nie angewendet. Ungeachtet der formalen Rechtmäßigkeit schrecken die Ärzte vor einer derartigen Inanspruchnahme zurück und entnehmen nur, wenn die Hinterbliebenden ausdrücklich zustimmen. Dass sich jetzt in Deutschland jeder zu Lebzeiten wenigstens 1x mit der Frage auseinandersetzen muss, wie es mit ihm nach seinem Tod gehalten werden soll, finde ich verhältnismäßig. Und solange keine Antwort weiterhin wie ein Nein behandelt wird, bleibt die Relation gewahrt.

    Ansonsten große Zustimmung zu La Cipolla. Vor, während und nach dieser Entscheidung müssen die Informationen zu den Belangen einer solchen Spende offen liegen. Und keinesfalls sollte sich die Frage mit dem Kleid der moralischen Erpressung ummänteln. "Sie wollen doch auch nicht, dass ein Kind stirbt, oder?"

  12. #12
    Die Regelung is mir herzlich wurst, der anfallende Papiermüll macht mir eher Sorgen...
    Ich bleibe bei meiner Meinung: "Wenn ich es nicht mehr brauch, kanns gern der haben, der es brauchen kann."

  13. #13
    Als alter MMORPG-Hase gehe ich mit Auratus konform.
    Wenn ich das Spiel quitte, "they can have my stuff."

    Und weil Cipo Recht hat, steht auf meinem Organspendeausweis auch drauf: "Bitte zweimal nachschauen ob wirklich tot."
    Damit lasse ich mir auch die Hardware nehmen wenn ich wirklich tot bin, ähnliches steht in meiner Patientenverfügung.

  14. #14
    Also ich finde es von vielen "Weltverbesserern" unheimlich dreist, dass eine Regelung gefordert wird, die alle Menschen zum Organspender macht...

    Natürlich muss La Cipolla auch die Anti-Organisationen erwähnen, die "Horrorgeschichten" verbreiten. Wer sich etwas mit dem Thema beschäftigt, wird feststellen, dass es genug Menschen gibt, die sich bewußt zum Nicht-Organspenden entscheiden. Man findet z.B. sehr wenige Informationen, die sachlich-neutral (!) über diese Thematik aufklären. Wieso sollte ich etwas zustimmen, über das ich nicht informiert bin?

    Aber egal, emotionale Themen kann man immer sehr gut von der Seite aufbauschen, die man selbst vertritt. Also weiter: Abtreibungen verbieten!!! ... Ich meine natürlich: Organspenden für alle!

    Glücklicherweise liegt die Entscheidung über meinen Körper weiterhin bei mir. Die neue Regelung ermöglich es auf einfache Art und Weise seine Zustimmung zu Organspenden zu geben. Seit langer Zeit ein guter Vorschlag. Warum sich einige Leute über den Papiermüll aufregen, kann ich nicht begreifen. Bei mir liegt täglich unerwünschte Werbung im Briefkasten und da kommt es auf ein einzelnes Schreiben echt nicht an.

    Geändert von Daos-Mandrak (06.03.2012 um 17:07 Uhr)

  15. #15
    Zitat Zitat von real Troll Beitrag anzeigen
    Glücklicherweise wird in Deutschland nicht die österreichische Regel - wer nicht ausdrücklich widerspricht, darf verwertet werden - greifen. Ich finde die Haltung anmaßend, die den Einzelnen nach seinem Tod automatisch den Ansprüchen des Kollektivs anheim fallen lassen will. Es ist, als glaube der Staat, es sei an ihm, gnädig zu gewähren und er dürfe sich nach dem Tod seinen zustehenden Anteil holen. Dass dieser Anteil bedeutet, der Mensch gehöre dem Staat nicht nur mit Haut und Haaren, sondern auch allem Darunterliegenden, macht die Angelegenheit darüber hinaus obszön. Wer für so beschaffene Methoden trommelt, erweist der Sache einen Bärendienst.
    Das hängt von der Frage ob, ob du nach dem Tod noch eine Person bist. Ich sage: nein.

    Cipo: Da du dich mit dem Thema ja offenbar beschäftigt hast, würde ich dich bitten, falsche Behauptungen hier nicht unkommentiert stehen zu lassen.

    Was stimmt: Für den Tod vor einer Organspende wird das Kriterium des Hirntodes angewendet. Das heißt, das Gehirn hat seine Funktion irreversibel eingestellt. Das wird mit dem Tod des Individuums gleich gesetzt. Die Zellen der zu entnehmenden Organe müssen aber überleben, sodass der Kreislauf Machinell & Medikamentös aufrechterhalten wird. Der Körper "lebt" also im technischen Sinne noch.
    Vor der Diagnose des Hirntodes wird ausgeschlossen, dass die Person aufgrund von Medikamenten (bsp. Betäubungsmittel), einer Ganzkörper-Lähmung oder sonstiger Erkrankung vielleicht nicht Hirntot ist, und sich nur nicht äußern kann (bsp. Wachkoma, Locked-In-Syndrom o.ä.).
    Dazu werden diverse u.a. Hirnreflexe überprüft (die bsp. auch bei völligem Ausfall der Wirbelsäule noch funktionieren würden). Zudem werden bei Unklarheit oder spezielleren Hirnschäden (bei denen unklar ist, ob sie nicht doch reversibel sind o.ä.) weitere Untersuchungen gemacht wie EEG (Hirnstrommessung) oder (verbreiteter) eine Untraschalluntersuchung der Hirn Blutgefäße, die zeigen soll, dass das Gehirn nicht mehr durchblutet wird. Das schließt die Horrorvision von bewusst empfundenen Schmerzen, oder gar dem "mitbekommen" der Organentnahme sicher aus.
    Diese Überprüfungen werden je nach schwere des Hirnschadens nach 12 Stunden bzw. 3 Tagen wiederholt - und in dieser Zeit wird der Körper evt. künstlich am "Leben" erhalten.

    Bei diesem Körper funktionieren diverse automatische Funktionen noch, bsp. diverse Reflexe, die gar nicht im Gehirn verschaltet werden, sie haben im Optimalfall einen Puls usw, was sein muss, um die Organe vor dem Zelltod zu bewahren.

    Zitat Zitat
    Es gibt zahlreiche Horrorgeschichten von Verwandten, die den Organspender unvorsichtig ausgeweidet
    mWn wird die Leiche anschließend in einen (soweit es möglich ist) "vorzeigbaren Zustand" gebracht, aber selbst wenn dies nicht so wäre, spielt das Recht der Verwandten, den Menschen hübsch im Sarg zu drappieren mMn eine untergeordnete Rolle.
    Zitat Zitat
    mit zweifelhafter Arztentscheidung, was den Tod angeht
    Ist mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen.
    Zitat Zitat
    Vor allem auch, wenn im Nebenzimmer ein gut zahlender Privatpatient liegt, der ein Herz braucht.
    Das hat mit dem Nebenzimmer nichts, und mit dem Status als Privatpatient erst recht nichts zu tun. Es gibt eine Transplantations-Warteliste, die nach Kriterien wie der "Passgenauigkeit" des Organs, der Entfernung zum Standort, der Wartezeit usw. bestimmt werden, und die behandelnden Ärzte des toten wissen nicht, an wen die Organe eventuell gehen. Und wie letzterer Versichert ist, spielt hier erst recht keine Rolle, weder bei der Aufnahme auf die Warteliste, noch bei der Dauer die er darauf bleibt.

  16. #16
    Zitat Zitat von Daos-Mandrak Beitrag anzeigen
    Man findet z.B. sehr wenige Informationen, die sachlich-neutral (!) über diese Thematik aufklären. Wieso sollte ich etwas zustimmen, über das ich nicht informiert bin?
    http://www.transplantationszentrum-f...diagnostik.pdf http://www.laekh.de/upload/Hess._Aer...2001_10_02.pdf http://www.transplantation-informati...html#sec:3Sehe ich anders. Das Problem ist eher, dass so viel falsche Information (von Gegnern...) im Umlauf ist, dass der Laie sich nur schwer ein Bild machen kann und leicht der Annahme verfällt, die Gegner hätten ja vielleicht auch gute Argumente (und wieso findet man da so viel bei Google Drüber?) - Ist die selbe Problematik wie bei Impfungen, Homöopathie usw.

    Wenn hier jemand konkrete Verständnisfragen hat, soll er hier schreiben, ich werde mir mühe geben, das möglichst einfach zu erklären.

  17. #17
    Ich bin bei dem Thema auch gern optimistisch (daher auch "Horrorgeschichten" ^^). Aber du weißt genau so sehr wie ich, wie rabiat die Qualität zwischen medizinischen Einrichtungen schwanken kann. Keine Ahnung, inwiefern sich das bei so entscheidenden Prozeduren auswirken kann, aber meine Erfahrung mit Menschen ist, dass sie auf allen Levels der Professionalität gleich funktionieren, und es dementsprechend auch überall unfähige Idioten gibt. Ich denke letztendlich, Panik oder generelle Skepsis wäre definitiv total fehl am Platz (die Anekdoten der angesprochenen Anti-Vereinigungen sind nunmal meistens genau das - Anekdoten), und ich begrüße die neue Regelung mit offenen Armen, aber man sollte auch nicht beiseite schieben, dass es bei dem Thema durchaus Reibungspunkte gibt. Weshalb ich der österreichischen Holzhammer-Variante sehr skeptisch, wenn auch nicht gänzlich ablehnend gegenüberstehen würde.

    Auf persönlicher Ebene dito an Auratus und Daen.

    Zitat Zitat
    Das hat mit dem Nebenzimmer nichts, und mit dem Status als Privatpatient erst recht nichts zu tun. Es gibt eine Transplantations-Warteliste, die nach Kriterien wie der "Passgenauigkeit" des Organs, der Entfernung zum Standort, der Wartezeit usw. bestimmt werden, und die behandelnden Ärzte des toten wissen nicht, an wen die Organe eventuell gehen. Und wie letzterer Versichert ist, spielt hier erst recht keine Rolle, weder bei der Aufnahme auf die Warteliste, noch bei der Dauer die er darauf bleibt.
    Und das finde ich übrigens ungemein beruhigend. Vor allem, wenn es in der Praxis auch so ist/wäre.

  18. #18
    Es muss aber das rechte Maß an Hinterfragen gewahrt werden. Hier diese Punkt anzusprechen, kommt einer solchen Überdramatisierung gleich, wie wenn man in einem Thread über Urlaubsreisen darüber diskutieren würde, wie gefährlich Flugzeugabsturze sind -.- Erst recht, wo die Diskussion sich um das für und wieder der Zustimmungs- oder Wiederspruchs-Lösung dreht, statt, wie sie es sollte, um die eigentliche Durchführung. Da könnte man nämlich durchaus in Details (die aber mMn nicht essentiell sind) Verbesserungen durchführen, bsp. eine generelle Pflicht zu einigen der Untersuchungen (EEG), eine verbesserte Aufklärung der Angehörigen oder das generelle Benutzen von Betäubungsmitteln (Wobei das eher eine Philosophische Frage ist... die Schmerzreize entstehen ja trotzdem, auch ohne dass es ein Gehirn gibt, dass sie bewusst wahrnimmt)

    Ansonsten wäre ich sehr stark für eine Widerspruchsregelung. Am besten mit der Einschränkung, dass Leute die einer Spende widersprechen, auch keine Transplantationen bekommen sollen. Ich finde der Gedanke der "Spende" wird überbewertet, es geht letztendlich darum, dass niemand einen Schaden hat auf der einen Seite, auf der anderen jedoch Menschenleben gerettet werden.

  19. #19
    Zitat Zitat
    Ansonsten wäre ich sehr stark für eine Widerspruchsregelung. Am besten mit der Einschränkung, dass Leute die einer Spende widersprechen, auch keine Transplantationen bekommen sollen.
    Ja, und das wäre einer der Hauptgründe, wegen dem es mir vor einer Spendenpflicht (Oxymoron?) graust: Damit würde effektiv gesagt: "Das Leben von Person X ist mehr wert, als das von Person Y, weil wir ihn am Ende dann ausweiden dürfen."

    Brauche Niere, biete nach Tod meine Milz. Im Notfall lege ich auch noch einen Lungenflügel obendrauf, den anderen musste ich schon für mein Herz verpfänden.

  20. #20
    @ Freierfall
    Eine Zeit lang wirst du dich aber noch mit der entwickelten Moral arrangieren müssen. Tote sind keine Dinge. Alttestamentarisches Auge um Auge und Zahn um Zahn ist auch nicht die ethische Richtschnur der medizinischen Hilfe. Den Charakter der Spende hast du ja ganz richtig als solchen erkannt, auch wenn du dich genau daran zu stören scheinst.

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