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Thema: Organspende

  1. #41
    Zitat Zitat von Daos-Mandrak Beitrag anzeigen
    Reicht es nicht bereits aus wenn man kein Vertrauen in unsere Ärzte hat? In Krankenhäusern hatte ich bisher immer den Eindruck, dass die Menschen eher wie Objekte behandelt werden. Die Mitarbeiter sind einfach mit der Masse an Patienten überfordert, Ärzte bekommt man nur kurz oder in schweren Ausnahmefällen zu sehen.

    Einige Leute argumentieren mit ihrer Religion. Ich kann es nicht nachvollziehen, aber es ist ebenfalls eine persönliche Entscheidung, die den Leuten viel bedeutet.

    Und da du bereits mit einem kindischen "Aus Prinzip nicht!!!11" bereits im Vorfeld andeutest, dass die "eh keine guten Argumente haben", weiß man auch wie viel Wert man auf deine Meinung zu diesem Thema legen kann...

    P.S.: Und mir ist es nicht egal was mit meinem Körper nach meinem Tod passiert. Wenn es allen Menschen egal wäre, bräuchte man keine aufwendigen und überteuerten Beerdigungen.
    Whoawhoa, ich hatte wirklich nicht vor hier jemanden anzufahren Nur viel stichhaltigere Gründe wurden bis zu meinem Post nicht gerade gepostet (und danach auch nicht viele).
    An Religion oder so hatte ich bisher gar nicht gedacht, ebensowenig an fehlendes Vertrauen. Gerade wurde im Chat noch die finanzielle Frage gestellt sowie der Aufwand kritisiert, man könnte die Mittel lieber in andere Bereiche fließen lassen. Alles Ansichten, die ich zwar nicht unbedingt teile, aber durchaus akzeptieren kann.

  2. #42
    Zitat Zitat von Freierfall Beitrag anzeigen
    Und das ist wichtiger als das Überleben eines anderen Menschen?
    Für die Angehörigen, die den potentiellen Empfänger der Organe nicht kennen? Klar.
    Du hast es bei Trauernden nicht mit rational, sondern emotional denkenden Wesen zu tun.


    Zitat Zitat von Freierfall Beitrag anzeigen
    Das finde ich übrigens völlig bescheuert. Außer so (äußert unfairen und irrationalen) Argumenten wie "Ich spende meine Leber nicht, die bekämen sonst eh nur Alkis, die sind selbst schuld!1" (Äußert ein Prof. von mir) fällt mir kein guter Grund ein, nicht alle Organe zu spenden.
    Ist deine Einstellung, nur denen Organe zu geben, die auch selbst spenden diesen Argumenten nicht nicht ganz unähnlich?

  3. #43
    Allerdings ist aber auch die Einstellung einen Anspruch auf ein Spenderorgan zu erheben, selber aber nicht bereit zu sein eines abzugeben imho moralisch fragwürdig.

  4. #44
    Zitat Zitat von Wetako Beitrag anzeigen
    Allerdings ist aber auch die Einstellung einen Anspruch auf ein Spenderorgan zu erheben, selber aber nicht bereit zu sein eines abzugeben imho moralisch fragwürdig.
    Niemand erhebt "Anspruch" auf ein Spenderorgan. Die Leute werden furchtbar krank und riskieren zu sterben (lebenslang stark eingeschränkt oder auf lebenslange Dialyse angewiesen zu sein ... etc.pp., you get the point), wenn sie kein Spenderorgan bekommen. Wir befinden uns hier in dem äußerst hypothetischen Fall, wo jemand sagt "Ich brauche ein Spenderorgan, aber nach meinem Tod will ich selber nie Spender werden." -- sollte das einmal vorkommen (und sollten die Organe des Empfängers überhaupt noch geeignet sein), darf man das doof finden, aber es als Ausschlusskriterium für eine Transplantation zu nehmen, hieße faktisch ein Todesurteil aufgrund der freien Entscheidung eines Menschen auszusprechen.

    Wie definiert sich hier überhaupt Moral? Wer wird denn geschädigt?

  5. #45
    Zitat Zitat von Wetako Beitrag anzeigen
    Gerade wurde im Chat noch die finanzielle Frage gestellt sowie der Aufwand kritisiert, man könnte die Mittel lieber in andere Bereiche fließen lassen. Alles Ansichten, die ich zwar nicht unbedingt teile, aber durchaus akzeptieren kann.
    Kosten der Dialyse (Behandlung bei Ausfall beider Nieren) pro Jahr: 125.000€
    Kosten einer Nierentransplantation, einmalig: 250.000€. Hat sich nach 2 Jahren rentiert.

    NPC: Verstehe ich nicht. Und ebenso von Mordechaj. Genau das machen Leute ständig, indem sie alle Arten von Versicherungen abschließen. Arbeitslosen-, Kranken-, Unfall-, Rechtsschutzversicherung usw. Es wird definitiv eine Leistung erbracht mit der Ungewissheit, ob eine Gegenleistung je benötigt wird.
    Zitat Zitat
    Ist deine Einstellung, nur denen Organe zu geben, die auch selbst spenden diesen Argumenten nicht nicht ganz unähnlich?
    Mir gings hier vor allem über die Veralgemeinerung (eben weil nicht alle Leute mit Leberversagen Alkis sind)
    Ich sage ja außerdem nicht, man soll den nicht-spendern keiner Organe geben, weil sie pöhse sind, sondern dass man, um die Nachfrage zu decken, einen "Anreiz" zur Spende geben sollte. Wie die Krankenversicherung.

    Zitat Zitat
    aber es als Ausschlusskriterium für eine Transplantation zu nehmen, hieße faktisch ein Todesurteil aufgrund der freien Entscheidung eines Menschen auszusprechen.
    Der Patient hat ja auch so jederzeit das Recht, die Therapie zu verweigern. Wer nicht spenden will, unterschreibt ein Dokument, dass besagt, dass er im Notfall keine Transplantate erhalten will. Ist sein freier Wille und so.

  6. #46
    Zitat Zitat von Freierfall Beitrag anzeigen
    Wer nicht spenden will, unterschreibt ein Dokument, dass besagt, dass er im Notfall keine Transplantate erhalten will. Ist sein freier Wille und so.
    Das ist aber eben Nötigung und kein freier Wille. In diesem Fall übrigens sogar schwere Nötigung, da die Beziehung zwischen Mediziner und notleidendem Patienten ausgenutzt wird.

    Zitat Zitat
    NPC: Verstehe ich nicht. Und ebenso von Mordechaj. Genau das machen Leute ständig, indem sie alle Arten von Versicherungen abschließen. Arbeitslosen-, Kranken-, Unfall-, Rechtsschutzversicherung usw. Es wird definitiv eine Leistung erbracht mit der Ungewissheit, ob eine Gegenleistung je benötigt wird.
    Nein, es wird eine Leistung erbracht, mit der Sicherheit, dass im Falle eines Falles eine Gegenleistung erbracht wird. Du vergleichst hier abgesehen davon zwei durchaus vergleichbare Denksysteme mit alles andere als vergleichbaren Leistungsgegenständen. Geld ist etwas anderes als Teile deines Körpers. Auch nach dem Tod noch. Bzw. Geld versus Leben: Ohne Versicherung verliere ich im schlimmsten Fall meine finanzielle Absicherung; ohne Spendereinwilligung verliere ich im von dir geforderten Modell im schlimmsten Fall mein Leben (auf schmerzhafte, quälende Art und Weise).

    Geändert von Mordechaj (07.03.2012 um 17:32 Uhr)

  7. #47
    Zitat Zitat
    Wer nicht spenden will, unterschreibt ein Dokument, dass besagt, dass er im Notfall keine Transplantate erhalten will. Ist sein freier Wille und so.
    Ich verstehe immer noch nicht warum jemand, der Organe spendet, darauf bestehen sollte, dass andere sie nur haben dürfen, wenn sie auch spenden.

    Falls es so ein Gesetz wirklich geben würde, werden die meisten das aber wohl umgehen: Zunächst spenden sie keine Organe und wenn sie dann welche brauchen ändern sie ihre Meinung.

  8. #48
    Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
    Ich verstehe immer noch nicht warum jemand, der Organe spendet, darauf bestehen sollte, dass andere sie nur haben dürfen, wenn sie auch spenden.
    Es gibt zu wenige Organe. Wenn du mal dringend ein Organ brauchst, sind deine Chancen, auf der Warteliste zu sterben, momentan gar nicht mal so schlecht. Wenn alle nicht-spender von der Empfängerliste fallen, sinkt die Nachfrage, zusätzlich kommen viele weitere Organdonatoren in den Pool, weil Leute, wenn sie mal ein Problem haben, nicht ohne Organ dastehen wollen. Also purer Eigennutz.

    Der andere Punkt stimmt, da habe ich auch schon drüber nachgedacht, und bin zu keiner guten Lösung gekommen.

  9. #49
    Zitat Zitat von Mordechaj Beitrag anzeigen
    [...] Nein, es wird eine Leistung erbracht, mit der Sicherheit, dass im Falle eines Falles eine Gegenleistung erbracht wird. [...]
    Hat hier schonmal irgendjemand eine Versicherung erlebt, die im Ernstfall problemlos zahlt?
    Klar, es ist möglich, dass man im Ernstfall eine Gegenleistung erhält - es ist aber genauso möglich, dass die Versicherung sagt, dass das Auto nur gegen Schäden von vorne, von hinten, und von der Seite abgesichert war, aber nicht gegen Schäden von unten. Und derlei Scherze. Von daher find ich den Vergleich eigentlich ganz knuffig. =)

  10. #50
    Zitat Zitat von Mordechaj Beitrag anzeigen
    Nein, es wird eine Leistung erbracht, mit der Sicherheit, dass im Falle eines Falles eine Gegenleistung erbracht wird.
    ähm ...
    Wenn du bereit bist, deine Organe zu spenden, heißt es lange nicht, dass du auch eins bekommst, wenn du mal eins brauchst.
    Es wird geprüft, ob du überhaupt würdig bist, ein Organ zu bekommen und wie nötig du es hast. Z.B. bei Vorerkrankungen kann es sein, dass evtl. das Risiko zu hoch sei und sie dir keine Organe geben. Auch als Spender hast du keine Garantie drauf, dass du mal was bekommst.

    Ich persönlich werde aber keine Organe spenden, da ich diesen politischen Schritt nicht als Richtig erachte. Ein Lebewesen wird dadurch eher zum Ersatzteillager degradiert.
    Auch finde ich es persönlich bedenklich, dass mit diesem Schritt die Überbevölkerung gefördert wird, indem noch mehr Leben gerettet wird. Der Staat hat doch jetzt schon Probleme mit der zunehmend alten Bevölkerung. Es ist zwar für die betroffenen Schlimm und Traurig, wenn ein Angehöriger wegen Organversagen oder ähnlichem stirbt, aber der Tod ist nunmal ein Teil des Lebens. Wer möchte, kann gerne seine Organe spenden, aber ich finde, die Politik sollte sich aus solchen Themen raushalten.

    und btw. Befragung ab 16? Hallo?
    Dürfen noch nicht einmal zur Bundestagswahl, aber Organe spenden? O_o

    Geändert von Whiz-zarD (07.03.2012 um 19:44 Uhr)

  11. #51
    Zitat Zitat von Whiz-zarD Beitrag anzeigen
    ähm ...
    Genau das meinte Mordechaj. Wobei das Angebot an Organen bei der "Versicherungs"-Lösung vermutlich massiv ansteigen würde und man so einige der Kriterien lockern könnte.

    Zitat Zitat
    Z.B. bei Vorerkrankungen kann es sein, dass evtl. das Risiko zu hoch sei und sie dir keine Organe geben.
    Was auch einfach nur Sinn macht. So 'ne Organtransplantation ist kein Pappenstiel, und die anschließend idR notwendige Immunsupression ebenfalls. Alles nicht ganz Risikofrei. Bei schlechtem Allgemeinzustand würden viele der Patienten die Behandlung nicht überleben. Ansonsten wird, wenn die Krankheit, die das erste Organ zugrunde gerichtet hat, noch besteht, idR nicht transplantiert. (Alkoholismus ist btw. kein Grund.)

    Zitat Zitat
    Auch finde ich es persönlich bedenklich, dass mit diesem Schritt die Überbevölkerung gefördert wird, indem noch mehr Leben gerettet wird. Der Staat hat doch jetzt schon Probleme mit der zunehmend alten Bevölkerung.
    Die betroffenen sind idR verhältnismäßig junge Patienten. Typ I Diabetiker werden z.B. recht oft Dialysepflichtig nach einem Nierenversagen mit vielleicht 40. Ab einem bestimmten Alter und körperlichen Zustand wird nicht mehr transplantiert, weil es sich schlicht nicht lohnt, wenn die Lebenserwartung zu gering ist oder man die Op und Nachbehandlung nicht überleben würde. Es ist nicht so, dass mit den Transplantationen haufwenweise multimorbide Greise mit jungen Organen am Leben erhalten werden.

    Geändert von FF (07.03.2012 um 19:47 Uhr)

  12. #52
    Zitat Zitat von Freierfall Beitrag anzeigen
    Es ist nicht so, dass mit den Transplantationen haufwenweise multimorbide Greise mit jungen Organen am Leben erhalten werden.
    Naja, da kenn ich ein paar andere Geschichten.
    Soll jetzt nicht heißen, dass hauptsächlich Greise am Leben erhalten werden, aber dies kommt trotzdem sehr häufig vor. Meine Schwester arbeitet als Krankenschwester auf einer Palliativstation und hat daher berufsbedingt mit multimorbilen Greisen zu tun, deren Lebenserwartung gen Null sinkt.
    Und wenn du schon sagst, dass man bei einer zunehmenden Anzahl von Spendern auch die Bedingungen lockern kann, wird auch hier die Anzahl der am leben erhaltenen Greise, durch Transplantationen höher, als sie jetzt schon ist.

  13. #53
    Zitat Zitat von Surface Dweller Beitrag anzeigen
    Außerdem verfolgst du eine äußerst bizarre Logik wenn du eine Organspende als "degradierend" gegenüber Lebewesen erachtest, gleichzeitig aber das sterben lassen von lebenden, Hilfe benötigender Menschen als angemessene Lösung empfindest.
    Der Ton macht die Musik.
    Es macht ein Unterschied, ob jemand freiwillig von alleine seine Organe spenden möchte, oder wenn er ständig gefragt wird und wohlmöglich irgendwann genervt zustimmt, damit endlich ruhe ist, oder sogar von der Bevölkerung genötigt wird, dass er spenden soll, weil ja "alle" spenden. So eine ähnliche Problematik gabs schon in der NS-Zeit (Ja, Godwin sei dank) und zwar mit dem Mutterkreuz. Die Frauen wurden regelrecht genötigt, als Brutmaschine zu dienen. Unter den Frauen fand ein Kampf statt, wer die meisten Kinder gebähren kann. Ich finds einfach nicht richtig, solche Wege über die Politik zu bestimmen. Es hat auch nichts mit würdevollen Tod oder sonstwas zu tun. Es ist einfach ein Thema, was jeder für sich selbst bestimmen muss und nicht genötigt werden darf, eine Antwort zu geben. Und ja, ich finde eine regelmäßige Befragung als Nötigung.

  14. #54
    Zitat Zitat
    Auch finde ich es persönlich bedenklich, dass mit diesem Schritt die Überbevölkerung gefördert wird, indem noch mehr Leben gerettet wird.
    Das Problem ist nicht das es zu viele Menschen gibt, sondern das zu wenig Junge nachgeboren werden. Ob man jetzt mehr potentielle Organspender hat ändert daran überhaupt nichts. Das sind Gesellschaftstrukturen, das man in unseren Breiten ziemlich alt wird (und die ganzen Pensionisten werden dir wegen fehlender Organe nicht absterben) und eben, zu wenig geboren werden.

    Die ethische Begründung ist auch relativ komplex, es gibt für beide Seiten ziemlich gute Argumente. Der Wert des Lebens selbst auf der einen Seite (auch alte Menschen haben ein Recht zu leben, was du indirekt in Frage stellst), die Frage nach dem Wert des Todes bzw. der Toten auf der anderen Seite. Selbst wenn man Religion komplett ausklammert, und bei Maßnahmen die die gesamte Bevölkerung betreffen kann man das ja schwer, kommt man nicht zu eindeutigen Ergebnissen.

    Ich persönlich halte des System hier in Österreich eigentlich für okay. Allein schon aus pragmatischen Gründen. Vielleicht etwas mehr Aufklärung, dass es überhaupt eine Widerspruchsmöglichkeit gibt. Interessant eigentlich, dass bei der Disskussion hier ganz einfache Umfragen ignoriert werden. Es gibt nämlich gar keine eindeutige Mehrheit die gegen Transplantationen nach dem Tode ist, und für diejenigen die mit dem Gedanken einer Mumifizierung spielen und zum Schluss kommen "Nein, meine Organe werden nur von Anubis betatscht" gibt es ja das Widerspruchsregister, ganz einfach.

    Geändert von Mivey (07.03.2012 um 21:30 Uhr)

  15. #55
    Lern lesen ...
    Anscheinend hast du nichts verstanden. Ich habe nie das sterbenlassen befürwortet, noch es mit einer alternen Gesellschaft begründet.

    Aber gut, wenn du meinst ...

  16. #56
    Zitat Zitat von Moyaccercchi Beitrag anzeigen
    Hat hier schonmal irgendjemand eine Versicherung erlebt, die im Ernstfall problemlos zahlt?
    Deine Krankenversicherung macht das eigentlich bei jedem deiner Arztbesuche. (Naja, und du streckst nochmal 10 Euro pro Quartal pro nichtangewiesenen Arzt hin, weil du's ja hast und die Krankenkasse nicht. Kann einem schon leid tun, die Krankenkasse.)

    Zitat Zitat
    Klar, es ist möglich, dass man im Ernstfall eine Gegenleistung erhält - es ist aber genauso möglich, dass die Versicherung sagt, dass das Auto nur gegen Schäden von vorne, von hinten, und von der Seite abgesichert war, aber nicht gegen Schäden von unten.
    Das ist allerdings vertraglich dann abgesichert. Natürlich gibt es dann auch supi Gutachtenfälle und überhaupt glaube ich gern, dass es da auch zu ziemlich dummen Situationen kommen kann; allerdings ist das ja keinerlei Argument für die Regelung die FF vorschlägt. Die scheitert im Übrigen für mein Empfinden schon auf der theoretischen Ebene, während das Modell Versicherung vom Konzept her Leistung-Gegenleistung offeriert.

    Zitat Zitat von Whiz-zarD Beitrag anzeigen
    ähm ...
    Wenn du bereit bist, deine Organe zu spenden, heißt es lange nicht, dass du auch eins bekommst, wenn du mal eins brauchst.
    Meine Rede. Die Aussage bezog sich auf FFs Vergleich zu Versicherungs- und Steuerleistungen, die -- im Modell -- vertraglich eine sichere Gegenleistung zusichern können. In FFs angedachtem Modell der Spendepflicht zum Erhalt eines Transplantats ist das aber eben gerade nicht der Fall.

    Zitat Zitat
    Ich persönlich werde aber keine Organe spenden, da ich diesen politischen Schritt nicht als Richtig erachte. Ein Lebewesen wird dadurch eher zum Ersatzteillager degradiert.
    Findest du? Das passierte doch erst bei einer Notstandsregelung, wenn also das Individuum gar nicht entscheiden darf, ob es seine Organe hergeben will. Ich persönlich sehe beispielsweise viel Gutes darin, potentiell Organe spenden zu dürfen. In meiner persönlichen Beziehung zur Gesellschaft erfülle ich damit in gewisser Weise auch eine Pflicht. Das muss natürlich niemand anderem so gehen, allerdings sehe ich bei der derzeitigen und der momentan angedachten Regelung durchaus keinerlei Degradation, sondern eben eher Chance zur freien Entscheidung.

    Zitat Zitat
    Auch finde ich es persönlich bedenklich, dass mit diesem Schritt die Überbevölkerung gefördert wird, indem noch mehr Leben gerettet wird. Der Staat hat doch jetzt schon Probleme mit der zunehmend alten Bevölkerung. Es ist zwar für die betroffenen Schlimm und Traurig, wenn ein Angehöriger wegen Organversagen oder ähnlichem stirbt, aber der Tod ist nunmal ein Teil des Lebens. Wer möchte, kann gerne seine Organe spenden, aber ich finde, die Politik sollte sich aus solchen Themen raushalten.
    Die Politik, die ja die etablierte Ordnung unserer Gesellschaft vertritt, hat allerdings meines Erachtens und laut den humanitären Grundsätzen die Pflicht, den höchstmöglichen medizinischen Standard zu gewährleisten. Das bedeutet auch in Verhältnismäßigkeitsabwägung die Mittel des bekannten Wissens und die Möglichkeiten der Technik so anzuwenden, dass Leben um jeden Preis erhalten werden können. Wer darf denn entscheiden, ob jemand zu alt ist oder zugunsten der restlichen Bevölkerung abtreten darf? Vielleicht ist die Oma mit dem Nierenversagen eine doofe Kuh, die in ihrem Leben nichts erreicht hat und auch nichts mehr erreichen wird. Vielleicht ist sie aber auch eine brillante Soziologin, die, wenn sie nur noch ein paar Jahre weiterlebt, uns beweisen kann, dass Überbevölkerung resp. Überalterung ohne Beschränkungen lösbar ist. Die Achtung von Leben ist in unserer Gesellschaft besonders stark ausgeprägt und das sollte auch trotz etwaiger ökonomischer Diskrepanzen so bleiben. Denn in dem Moment, wo das, was du anführst, ein Argument wird, degradiert man den Menschen zur Ressource. Das ist für meine Begriffe auch schlimmer als das Ersatzteillager nach dem Tod.

    Ansonsten was FF sagt. =3

    Zitat Zitat
    und btw. Befragung ab 16? Hallo?
    Dürfen noch nicht einmal zur Bundestagswahl, aber Organe spenden? O_o
    Halte ich für durchaus sinnvoll. Ab 16 darf man sich einen Organspendeausweis zulegen. Und ab 14 Jahren darf man der Organentnahme widersprechen. Ab 16 dürfen sie anfangen zu trinken und zu rauchen, dürfen, soweit ich mich erinnere, Mofa und ein Jahr später unter Aufsicht Auto fahren. Es geht außerdem vor allem um Aufklärung, nicht zwingend um eine entgültige Entscheidung.

    Zitat Zitat von Freierfall Beitrag anzeigen
    Genau das meinte Mordechaj. Wobei das Angebot an Organen bei der "Versicherungs"-Lösung vermutlich massiv ansteigen würde und man so einige der Kriterien lockern könnte.
    Die Frage ist eben, ob die Zahl der zusätzlich geschaffenen Transplantate eine Deckung mit dem Bedarf herbeiführt. Das bezweifle ich nämlich dennoch stark.

    Zitat Zitat von Whiz-zarD Beitrag anzeigen
    [...] wohlmöglich irgendwann genervt zustimmt, damit endlich ruhe ist, oder sogar von der Bevölkerung genötigt wird, dass er spenden soll, weil ja "alle" spenden.
    Oder man widerspricht einfach, dann ist auch Ruhe.

    Zitat Zitat
    So eine ähnliche Problematik gabs schon in der NS-Zeit (Ja, Godwin sei dank) und zwar mit dem Mutterkreuz.
    Das ist etwas völlig anderes, wirklich. Im Dritten Reich gab es einen Propaganda-Apparat, der da viel mitgemischt hat und das Mutterkreuz war einer von mehreren Anreizen, möglichst viele kleine Arier in die Welt zu setzen. Es geht in der momentan angestrebten Lösung vor allem um Aufklärung und Information, die dazu führen soll, dass eine Entscheidung getroffen wird. Natürlich steckt dahinter auch irgendwo der Gedanke, dass sich so mehr Organe erschließen lassen, allerdings -- und das ist die wirkliche Essenz, die die Regelung auch rechtsstaatlich legitimiert -- wird damit der Weg zur freien Entscheidung enorm erleichtert. Nochmal: Du kannst auch einfach widersprechen. Du kannst auch der Entnahme bestimmter Organe widersprechen oder eben nur bestimmte freigeben. Du kannst die Entscheidung auch einem Angehörigen überlassen. Es geht nur darum, dass du deine Entscheidung klar zum Ausdruck bringst, wenigstens einmal in deinem Leben, damit allgemein Klarheit herrscht. Denn wie es momentan geregelt ist (und wie es gleichsam bei der Alternative wäre), wird das Prozedere durch dein Nicht-Entscheiden indirekt dahingehend entschieden, dass deine Organe nicht oder nur nach Zustimmung deiner Angehörigen (die manchmal eben aus Gründen der Pietät nicht gefragt werden) entnommen werden. Das kann in bestimmten Fällen deinem Willen sogar widersprechen. Andersherum kann natürlich auch die Entscheidung deiner Angehörigen deinem Willen widersprechen. Hin und wieder also um eine Entscheidung gefragt zu werden, vielleicht mit dem Spenderausweis gleich in der Hand, vereinfacht den Prozess auch für dich enorm. Es handelt sich hierbei auch nicht um die GEZ, sondern um den Staat, der auf Grundlage deiner Willensäußerung in deinem Interesse handeln will.

  17. #57
    Zitat Zitat von Mordechaj Beitrag anzeigen
    [...] allerdings ist das ja keinerlei Argument für die Regelung die FF vorschlägt. [...]
    Hab nie behauptet, dass ich für irgendwen argumentieren würd', sondern wollte nur einen Punkt etwas beleuchten, der mir irgendwie doof vorkam, so wie er da stand. =)
    Ansonsten macht schön weiter Kinders, die Diskussion liest sich nett. (Und was sinnvolles zu sagen hab ich ansonsten dummerweise auch bloß nicht... obwohl, doch: weiß irgendwer, wie das mit dem Sterben im Ausland abläuft? Ich hab zwar einen ausgefüllten Organspendeausweis, aber wenn ich hier dumm vom Vulkan runterfalle, dann weiß ich nicht, ob (a) der Arzt, der mich sieht, Deutsch versteht, und (b) ob nach einem Organspendeausweis überhaupt gesucht wird, weil es hier ja ganz anders geregelt sein kann. Also, etwas überspitzt: Fahre ich jetzt nach Österreich und kippe da tot um, wird dann in der österreichischen Widerspruchskartei nachgeguckt, ich steh nicht drin, und automatisch werd ich ausgeschlachtet? \o/)

  18. #58
    Zitat Zitat von Moyaccercchi
    Also, etwas überspitzt: Fahre ich jetzt nach Österreich und kippe da tot um, wird dann in der österreichischen Widerspruchskartei nachgeguckt, ich steh nicht drin, und automatisch werd ich ausgeschlachtet? \o/)
    Rein rechtlich ja. (Für den Fall, dass du tot umkippst, das Rote Kreuz/Samariterbund/whatever kommt und probiert dich zu reanimieren, du per Heli ins KH kommst und die dort dann festestellen, ja der Herr so und so ist technich am Leben aber komplett hirntot, sehr wahrscheinlich übrigens) Du darfst als dich aber auch als Ausländer in dieses Widerspruchsregister eintragen lassen. Wie in das in der Praxis geregelt wird kann ich dir aber nicht sagen, müsste man im Krankenhaus fragen^^

    Zitat Zitat von Whizzard
    Ich habe nie das sterbenlassen befürwortet, noch es mit einer alternen Gesellschaft begründet.
    Ich schrieb ja "indirekt". Du sagst einfach sterben gehört dazu, aber wenn jemand stirbt weil eben keiner spendet, dann ist das eben prima durch Widerspruchsregelung verhinderbar und, als zweites,sprachst du von einer Überbevölkerung, die im Kontext der ganzen Welt da ist, aber nicht bei den Industriestaaten. Daher nahm ich an du meintest die Überalterung, anstonsten wärs nett wenn du dich erklärst, in Deutschland gibt es keine Überbevölkerung, falls die Population wächst dann nur gerinfügig Aufgrund von Immigrationsbewegungen und sonst überhaupt nicht.

    Geändert von Mivey (07.03.2012 um 22:16 Uhr)

  19. #59
    Zitat Zitat
    Meine Rede. Die Aussage bezog sich auf FFs Vergleich zu Versicherungs- und Steuerleistungen, die -- im Modell -- vertraglich eine sichere Gegenleistung zusichern können. In FFs angedachtem Modell der Spendepflicht zum Erhalt eines Transplantats ist das aber eben gerade nicht der Fall.
    Die Vertraglich zugesicherte Gegenleistung wäre die Eröffnung der Möglichkeit der Therapie durch Organtransplantation. Mit seinen Krankenkassenbeitragen erhällt man ja auch nicht zwangsweise Heilung, sondern nur die potentielle Möglichkeit, es kann immer noch sein, dass die Medizin nichts für einen Tun kann (^=kein passendes Organ gefunden wird oder der Patient die OP nicht überstehen würde)

    Zitat Zitat
    Halte ich für durchaus sinnvoll. Ab 16 darf man sich einen Organspendeausweis zulegen. Und ab 14 Jahren darf man der Organentnahme widersprechen.
    Willst du diese Entscheidung allein den Eltern überlassen, ohne dass der Wille des Kindes eine Rolle spielt? Dass die Organe von Jugendlichen und Kindern durch die Eltern zur Spende freigegeben werden ist extrem wichtig.
    Zitat Zitat
    Die Frage ist eben, ob die Zahl der zusätzlich geschaffenen Transplantate eine Deckung mit dem Bedarf herbeiführt. Das bezweifle ich nämlich dennoch stark.
    Oeh, das glaube ich eigentlich schon, oder zumindest die Lage merklich entspannen. Momentan hat ja nur ein winziger Bruchteil der Bevölkerung einen Organspendeausweis. Abgesehen davon gibt es auch noch Eurotransplant.
    Es ist nämlich so, dass Organe auch außerhalb von Deutschland verwendet werden und andere importiert werden - allerdings bekommt Deutschland weniger Ausländische Organe als andere Länder, weil aufgrund der geringen Spendebereitschaft auch weniger Organe aus Deutschland raus gehen. Dieser Austausch ist wichtig um gut passende Organe zu finden.

  20. #60
    Zitat Zitat von Freierfall Beitrag anzeigen
    Die Vertraglich zugesicherte Gegenleistung wäre die Eröffnung der Möglichkeit der Therapie durch Organtransplantation. Mit seinen Krankenkassenbeitragen erhällt man ja auch nicht zwangsweise Heilung, sondern nur die potentielle Möglichkeit, es kann immer noch sein, dass die Medizin nichts für einen Tun kann (^=kein passendes Organ gefunden wird oder der Patient die OP nicht überstehen würde)
    Die Krankenversicherung ist eine finanzielle Institution, keine medizinische. Es geht hierbei um die Deckung durch die medizinische Versorgung anfallender Kosten. Wenn dir der Arzt nicht helfen kann, hat die Versicherung damit nichts zu tun. Wenn du allerdings zur Zustimmung zur Entnahme deiner Organe post mortem genötigt wirst, um selbst für eine Spende eligibel zu werden, geht es eben nicht um Geld, sondern um deinen Körper. Abgesehen davon ist hier auch von individueller Nutzenmaximierung keine Spur, wie sie beim Versicherungssystem zum Tragen kommt.

    Zitat Zitat
    Willst du diese Entscheidung allein den Eltern überlassen, ohne dass der Wille des Kindes eine Rolle spielt? Dass die Organe von Jugendlichen und Kindern durch die Eltern zur Spende freigegeben werden ist extrem wichtig.
    Hier sehe ich gerade den Zusammenhang zwischen deiner Aussage und dem Zitat nicht. ^^"
    Das war eigentlich nur die Feststellung der vorherrschenden Rechtslage. Zumindest war ich mir bis eben sicher, dass sie so liegt.

    Zitat Zitat
    Oeh, das glaube ich eigentlich schon, oder zumindest die Lage merklich entspannen.
    Dass sie sich merklich entspannen würde, glaube ich auch. Ich denke aber eben nicht, dass man per se von einer Bedarfsdeckung ausgehen darf. Und an der Stelle wird es dann eben problematisch mit der zugesicherten Vertragsleistung.

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