Havelock hatte sich nach einigen hektischen Stunden des Rettens von alten Schriften endlich zu der versammelten Runde dazu gesellt. Wilde Anschuldigen wurden umher geworfen, mit dem Hintergrund der prekären Lage, in welcher sich die Stadt momentan befand kein Wunder...
"Hört mich an, um der Wahrheit willen muss ich einige Dinge klar stellen... Miller wurde nie von Grandy freigesprochen eine Bestie zu sein, Herr Clerc. Nur von Leonardo und Herrn Dantes können wir sicher sein, dass sie Menschen sind.
Wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, sagte Rafael bei seinem Gang zum Galgen, dass er trotz seiner Fähigkeiten niemanden hat retten können. Der einzige der also einem Bürger das Leben hätte retten können, wäre also der Magier und dieser weilt mit Sicherheit noch unter uns, wie wir seit Gestern mit Sicherheit sagen können..."
"Ich finde den schon lange schwelenden Streit zwischen Ihnen, Herr Clerc und dem Bürgermeister auch äußerst Verdächtig, wo wir doch auch wissen, dass dieser höchstens ein Günstling der Vampire sein kann..."
Havelock seufzte... Er hatte Gestern etwas verkünden wollen, war aber selbst noch in Zweifel verstrickt ob dies überhaupt nötig war...
Der Antiquar schloss die Augen...
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All die Nächte... keine Erholung... stehts bemüht das Richtige zu tun... fast immer gescheitert...
Hätte ich doch nur nicht die Person gewählt, welche als erste Ihre Stimme erhoben hatte... Hätte ich doch nur gleich Shael gewählt... soviel Leid wäre uns erspart geblieben...
Ich habe meine 1. Gabe vertan...
Tag 3:
~Havelock wusste bereits vom Tod der Lautenspielerin und es schmerzte sein Herz eine unschuldige dahingerafft zu sehen.
Wieso hatte er das getan... Sie war doch augenscheinlich nur eine junge Frau, welche der Kunst der Musik fröhnte.~
Ich habe Sie einfach ermordet... es war ein Schuss ins Blaue... einfach gewählt ohne zu ahnen...
Ich bin Nutzlos...
Jede Nacht innerlich zerrissen in Abwägung dessen, wer ein Mensch und wer eine Bestie sein möge... Stets bemüht, doch fast immer versagt...
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Havelock öffnete seine Augen und blickte starr in die Runde;
"Hört mir zu... Es wird Zeit, dass ich meine größte Schande offenbare... Ich habe ein Geheimnis...Ein Buch...es..." ;Glasige, leere Augen in denen sich nur das Weiße zeigte, blickten in die Richtung Millers; "...verlieh mir solche Macht... doch anscheinend war meine Willenskraft nicht stark genug um die Bilder zu deuten, welche dieses Artefakt mir zeigte..."
"Ich war es der die junge Sängerin ermordete... Wahnsinn und Raserei hatten mich dazu getrieben... Die Stimme, Sie... Es zeigte mir den Tod, jede Nacht aufs Neue... ich zögerte, einen Mond nach dem Anderen..."
Havelock sackte in sich zusammen. Er wirkte als hätte er seinen letzten Lebenshauch getan, kraftlos und ermattet.
"Doch in der 6. Nacht, seit die Morde begannen, zeigte mir das Buch den Tod eines Mannes, von dem ich immerhin wusste, dass er ein Mensch war. Die Schuldgefühle hatten meinen Geist in die Finsternis getrieben und meine Seele wanderte im Tal der Flammen... Es gab nur diesen Weg meine Schuld zu begleichen... Eine unschuldige dahingerafft, durch meine Hand... Doch konnte ich auch einen Menschen retten, immer noch hoffend, dass dieser kein Günstling sein möge...
Doch lasst es mich Euch berichten, was sich kürzlich zugetragen hat..."
------------------------------------------Die 6. Nacht---------------------------------------------------
Die Schatten im geheimen Keller des Antiquariats wogten auf schauerliche Weise hin und her, als Havelock sich den Visionen des Buches anvertraute. Es zeigte ihm, wie jede Nacht, den Tod eines Menschen. Das Gesicht war auch heute Nacht vertraut und zudem eines, welchem er großes Leid zugefügt hatte. Benommen fasste er eine Entscheidung. Heute Nacht werden diese Bestien nicht obsiegen.
Ein grauer Schemen zieht durch die nächtlichen Gassen, das Klappern des Gehstocks verliert sich in der Dunkelheit. Zielgerichtet und schnell war er gelaufen, den Ort des zukünftigen Mordes entgegen. Keine Zeit verlieren...
Ein Schloss klackte und die zugehörige Tür schwang mit leisem Knarren auf, als Havelock in das innere des Hauses eintrat, darauf bedacht kein Geräusch zu verursachen. Er zog seine Klinge und bewegte sich die Treppen hinauf, den Weg fortsetzend in das Schlafzimmer des vom Buch gezeigten Opfers.
Havelock griff in seinen Lederbeutel und holte eine Prise eines feinen Staubes daraus hervor, als er sich über die Lagerstätte des Schlafenden beugte.
"Kein Unheil möge über dich kommen, nichts Böses wird dir Heute Nacht widerfahren" Er verstreute den Staub im Kreis um das Bett; "Dies ist die Asche von Lykanos dem Verschlinger und keines seiner Kinder, wird an diesem Mond seine Klauen über diese Linie setzen können, so war ich der Magier von Düsterburg bin..." Eine knarrende Diele, ein Knurren...
"Entweiche Ausgeburt der Hölle, du wirst Heute kein Fleisch reißen..."
Das Wesen, schob seine Pranken langsam aber bedrohlich durch die Türe des Zimmers und grollte in Richtung des Bettes, vor welchem Havelock stand und seine schützenden Kräfte einsetzte.
Ein schneller Satz, dann ein winseln, als die Bestie versuchte den Bannkreis zu durchdringen. "Entweiche!!!"
Die Bestie zog sich zurück und hinterließ nichts weiter als tiefe Stille und das Rütteln des Windes an den Fensterläden. Nach einigen Minuten des angespannten Wartens, ob das Wesen zurückkehren möge, entspannte sich Havelock und blickte den Geretteten in seinem Schlaf an.
"Heute konntet Ihr überleben, Herr Dantes, der Rest liegt außerhalb meiner Fähigkeiten..." sagte er und entschwand wieder durch die finsteren Gassen Düsterburgs.
------------------------------------Bei der Versammlung-----------------------------------------------------------------------------------
"Diese Gabe war auch der Grund, warum ich damals Rafael anklagte..."
"Ich musste meine Schuld begleichen... trotz allem, glaube ich in jener Nacht des 6. Tages richtig gehandelt zu haben. Warum ich Euch das gerade jetzt erzähle... ich konnte diese Last nicht mehr länger mit mir herum schleppen, es wurde Zeit, dass ich die Wahrheit über meine Person aussprach. Zu Gunsten jener, welche immer noch mit der Frage hadern, wer zu den Bestien gehören mag. Schließt daraus, was Ihr wollt, ich werde mein leben mit freuden geben, wenn die Mehrheit einst so entscheiden möge." Er seufzte und bedacht die Versammelten mit einem kurzen Schweigen, als er kurzerhand wieder auf die heutige Wahl zu sprechen kam.
"Ich konnte dem Urteil von Miller, bis jetzt stets trauen und hoffe auch Heute, dass sein wacher Verstand die richtige Entscheidung getroffen hat...
Meine Wahl fällt auf Adryan Clerc, möge dies zum Besten der Stadt geschehen."
Ausgelaugt, aber erleichtert setzte Havelock sich wieder hin und wartete auf die Wirkung, welche seine Rede haben möge. Den erstaunten Blick Edmond Dantes auf sich ruhend.





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