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Moderator
Miller ging schnurstracks auf auf die Menge zu, die sich vor der Tribüne des Kundgebers versammelt hatte. Die Leute bemerkten die schweren Schritte hinter sich und drehten sich Miller zu. Einige wichen unweigerlich ein wenig zurück, als sie den stämmigen Mann ungeminderten Schrittes auf sich zukommen sahen. Diejenigen, die zu langsam waren, schubste Miller unwirsch beiseite. "Sprich!", brüllte er den Kundgeber an. Dieser stand erstarrt auf seinem kleinen Podest und blickte Miller mit großen Augen an. "Wie... was meinen... immer mit der-"
Miller sprang mit einem Satz auf das Podest und packte den jungen Mann am Kragen.
"Was ist geschehen? Wer ist es heute Nacht gewesen? Vampir? Mensch? Werwolf? Reden Sie, verdammt!"
Wild rüttelte Miller an dem armen Mann, der angsterfüllt aufschrie.
"Nichts! Ich weiß nicht wovon Sie reden!" Miller hielt inne und sah den Mann verbissen an. "Was soll das heißen, nichts?! Es passiert immer was! Reden Sie, Herrgottsack noch eins. Ich heiße Miller!"
"Aber wenn ich es doch sage, ich weiß nicht, wovon Sie reden! Eine junge Dienstmagd ist verstorben, und-"
"Halten Sie mich nicht zum Narren, Mann! Natürlich ist eine Dienstmagd gestorben, die ganze Stadt weiß das! Ich frage Sie, warum Sie hier mit einer Kundgebung in der Hand stehen und was diese Nacht geschehen ist!"
Der junge Kundgeber blickte Miller entgeistert an. Wie eine wilde Bestie hielt dieser ihn fest im Griff und blickte aus verbissenem Gesicht und mit weit aufgerissenen Augen auf ihn herab. Spucke schäumte aus den Mundwinkeln und verschwitzte Strähnen fielen auf die leichenblasse Stirn. Schließlich stammelte der Kundgeber: "Eine Meldung vom Bürgermeister. In einer Woche sei die Beerdigung der jungen Dienstmagd, und die Bürger sollen ihr die letzte Ehre erweisen. Mehr habe ich nicht."
Miller blickte den Mann entgeistert an, der Blick seiner glasigen Augen trübte sich leicht. Als er den Griff um den Kragen etwas lockerte, wurde er von zwei Männern gepackt und von dem Podest gezerrt.
"Keine Toten?"
"Was reden Sie denn-"
"Tote! Werwölfe, Vampire, verdammt nochmal! Der Teufel geht des Nachts durch die Straßen und sie wollen mir erzählen es gibt keine Toten!"
"Sie sind ja wahnsinnig, Herr... Miller."
Miller riss sich aus dem Griff der beiden Stadtbewohner und gestikulierte mit dem Zeigefinger wild in Richtung des Kundgebers. "Wahnsinnig?" Er machte einen Schritt vorwärts, die Männer beobachteten ihn angespannt. "Ich bin nicht wahnsinnig, junger Mann. Ich bin Vertrauensperson!"
Mit diesen Worten drehte er sich um und ging. Die Menge wich zur Seite, während Miller in Richtung Rathaus stapfte. Da wandte er sich noch einmal dem Kundgeber zu und rief: "Und wenn ich nicht die Werwölfe aufhalte, wer dann! Jetzt, wo die Dienstmagd tot ist, wer dann, frage ich! Diese Stadt ist dem Untergang geweiht... die Dienstmagd ist tot. Dienstmagd. Wisst ihr überhaupt, dass sie-"
An dieser Stelle brach Miller in Tränen aus. Er winkte ab und verließ die sichtbar erleichterte Menge, die sich nach dem Vorfall langsam zerstreute.
Was soll das für eine Ironie sein, fragte sich Miller. Unmöglich, keine Toten. Wollten sie uns nach dem gestrigen Triumph auch noch verhöhnen?! "Nur weiter so, ihr braven, unschuldigen Bürger, richtet euch selbst zugrunde, wir sehen derweil zu!", schienen sie zu sagen.
Alle Musik und Melodie des letzten Abends waren aus Millers Körper gewichen, übrig war eine leere Hülle, blass und fiebrig. Die Schuld nagte genüsslich an den Überresten, sie hatte sich Miller wie ein Wolfspelz um die Schultern gelegt.
Es half alles nichts. Er kannte in diesem Moment nur eine Person, die sein uneingeschränktes Vertrauen besaß. Sein uneingeschränktes Vertrauen und seinen blinden Zorn, beide unrechtmäßig verdient.
Er machte sich auf zum Rathaus.
Geändert von Schattenläufer (07.12.2011 um 21:28 Uhr)
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