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Thema: [Vampire von Düsterburg] Tag 7

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Miller ging schnurstracks auf auf die Menge zu, die sich vor der Tribüne des Kundgebers versammelt hatte. Die Leute bemerkten die schweren Schritte hinter sich und drehten sich Miller zu. Einige wichen unweigerlich ein wenig zurück, als sie den stämmigen Mann ungeminderten Schrittes auf sich zukommen sahen. Diejenigen, die zu langsam waren, schubste Miller unwirsch beiseite. "Sprich!", brüllte er den Kundgeber an. Dieser stand erstarrt auf seinem kleinen Podest und blickte Miller mit großen Augen an. "Wie... was meinen... immer mit der-"
    Miller sprang mit einem Satz auf das Podest und packte den jungen Mann am Kragen.
    "Was ist geschehen? Wer ist es heute Nacht gewesen? Vampir? Mensch? Werwolf? Reden Sie, verdammt!"
    Wild rüttelte Miller an dem armen Mann, der angsterfüllt aufschrie.
    "Nichts! Ich weiß nicht wovon Sie reden!" Miller hielt inne und sah den Mann verbissen an. "Was soll das heißen, nichts?! Es passiert immer was! Reden Sie, Herrgottsack noch eins. Ich heiße Miller!"
    "Aber wenn ich es doch sage, ich weiß nicht, wovon Sie reden! Eine junge Dienstmagd ist verstorben, und-"
    "Halten Sie mich nicht zum Narren, Mann! Natürlich ist eine Dienstmagd gestorben, die ganze Stadt weiß das! Ich frage Sie, warum Sie hier mit einer Kundgebung in der Hand stehen und was diese Nacht geschehen ist!"
    Der junge Kundgeber blickte Miller entgeistert an. Wie eine wilde Bestie hielt dieser ihn fest im Griff und blickte aus verbissenem Gesicht und mit weit aufgerissenen Augen auf ihn herab. Spucke schäumte aus den Mundwinkeln und verschwitzte Strähnen fielen auf die leichenblasse Stirn. Schließlich stammelte der Kundgeber: "Eine Meldung vom Bürgermeister. In einer Woche sei die Beerdigung der jungen Dienstmagd, und die Bürger sollen ihr die letzte Ehre erweisen. Mehr habe ich nicht."

    Miller blickte den Mann entgeistert an, der Blick seiner glasigen Augen trübte sich leicht. Als er den Griff um den Kragen etwas lockerte, wurde er von zwei Männern gepackt und von dem Podest gezerrt.
    "Keine Toten?"
    "Was reden Sie denn-"
    "Tote! Werwölfe, Vampire, verdammt nochmal! Der Teufel geht des Nachts durch die Straßen und sie wollen mir erzählen es gibt keine Toten!"
    "Sie sind ja wahnsinnig, Herr... Miller."
    Miller riss sich aus dem Griff der beiden Stadtbewohner und gestikulierte mit dem Zeigefinger wild in Richtung des Kundgebers. "Wahnsinnig?" Er machte einen Schritt vorwärts, die Männer beobachteten ihn angespannt. "Ich bin nicht wahnsinnig, junger Mann. Ich bin Vertrauensperson!"
    Mit diesen Worten drehte er sich um und ging. Die Menge wich zur Seite, während Miller in Richtung Rathaus stapfte. Da wandte er sich noch einmal dem Kundgeber zu und rief: "Und wenn ich nicht die Werwölfe aufhalte, wer dann! Jetzt, wo die Dienstmagd tot ist, wer dann, frage ich! Diese Stadt ist dem Untergang geweiht... die Dienstmagd ist tot. Dienstmagd. Wisst ihr überhaupt, dass sie-"
    An dieser Stelle brach Miller in Tränen aus. Er winkte ab und verließ die sichtbar erleichterte Menge, die sich nach dem Vorfall langsam zerstreute.

    Was soll das für eine Ironie sein, fragte sich Miller. Unmöglich, keine Toten. Wollten sie uns nach dem gestrigen Triumph auch noch verhöhnen?! "Nur weiter so, ihr braven, unschuldigen Bürger, richtet euch selbst zugrunde, wir sehen derweil zu!", schienen sie zu sagen.

    Alle Musik und Melodie des letzten Abends waren aus Millers Körper gewichen, übrig war eine leere Hülle, blass und fiebrig. Die Schuld nagte genüsslich an den Überresten, sie hatte sich Miller wie ein Wolfspelz um die Schultern gelegt.

    Es half alles nichts. Er kannte in diesem Moment nur eine Person, die sein uneingeschränktes Vertrauen besaß. Sein uneingeschränktes Vertrauen und seinen blinden Zorn, beide unrechtmäßig verdient.
    Er machte sich auf zum Rathaus.

    Geändert von Schattenläufer (07.12.2011 um 21:28 Uhr)

  2. #2
    Das Klappern des Gehstocks, kündigte das langsame Erscheinen des Antiquars an. Die kurze Erholung im Park, war trotz des schlechten Wetters, Balsam für Havelocks Seele. Er dachte in letzter Zeit sehr oft an die Vergangenheit. Wahrscheinlich weil nicht mehr viel Zukunft für ihn übrig geblieben war.
    Die Zahl der Vertrauenspersonen schwand zwar, aber Heute sollte keiner von ihnen den Bestien zum Opfer fallen...
    Am Marktplatz herrschte ein reger Tumult, aus dessen sich die Stimme Millers erhob.
    "Ich bin nicht wahnsinnig, junger Mann. Ich bin Vertrauensperson! "Und wenn ich nicht die Werwölfe aufhalte, wer dann! Jetzt, wo die Dienstmagd tot ist, wer dann, frage ich! Diese Stadt ist dem Untergang geweiht... die Dienstmagd ist tot. Dienstmagd. Wisst ihr überhaupt, dass sie-"

    Miller war vollkommen aufgelöst, so hatte er den Komponisten noch nie gesehen.
    Havelock entschied sich dagegen, mit ihm zu reden. Bei der, mit Sicherheit bald angesetzten, Versammlung würde er sich mehr Gehör verschaffen können.
    Der schwache Regen, durchdrang langsam aber sicher Havelocks Kleidung, weswegen dieser sich nun in Richtung der Taverne bewegte.

    Er hatte etwas zu verkünden... aber dafür brauchte er vorerst vor allem eines... Alkohol.

    Geändert von Mr.Räbbit (08.12.2011 um 14:51 Uhr)

  3. #3
    Shael war wieder einmal in der Taverne eingeschlafen. Er hatte gestern beide Hände in das Feuer gelegt, weil er sich so bemühen hatte, dass Sven nicht hingerichtet wird. Aber es hatte nichts, rein gar nichts genützt. Sven war tot und hatte ausgerechnet Selene, die so ein vernünfitiges und scharfsinniges Wesen besaß, mitgenommen. Shael war die halbe Nacht in der Taverne gesessen, bis er wohl eingeschlafen war. Zumindest konnte er sich trotz ein wenig Alkohol an die Geschehenisse an den Abend davor erinnern. Mal wieder war der Bürgermeister gestern Schuld am Tod von einem, wenn nicht zwei Unschuldigen gewesen. Shael stand auf und ging aus der Taverne. Der Himmel war grau,es schien auch nicht gerade das beste Wetter zu sein. Er sah sich umund er bemerkte, dass ihm zwei Gestalten entgegenkamen, die er als sie näher kamen, als Adryan und Libra identifizieren konnte. "Morgen.", murmelte Shael. "Der Abend gestern war wirklich fürchterlich. Ich weiß gar nicht mehr, was ich im Moment so recht machen soll. Überall ist es gefährlich."

  4. #4
    Maxim begriff sich selber nicht. Zwei Jahre Fürsorglichkeit und Freundschaft hatte er so gut wie zerstört in einem einzigen, kurzen Gespräch ohne vieler Widerworte. Es regnete draußen, aber das interessierte ihn nicht. Er rannte, egal wohin ihn das auch führen möge, er rannte. Die Leute auf dem Bürgersteig hatten es eilig, in dieser Menschenmenge, die Schutz vor dem Regen suchte, fiel er nicht großartig weiter auf. Sein Körper war durchnässt und er wurde langsamer: Die Müdigkeit, die Anstrengungen, der Stress... all das war kurz davor, ihn umzubringen. Stattdessen aber verkroch er sich in eine Gasse und versteckte sich sitzend hinter leeren Kisten. Die Regentropfen vermischten sich mit seinen Tränen. Er blickte für einen Augenblick hoch und dachte sich: "Ob Selene auch weint...?"

    Er saß dort für eine Weile und war völlig apathisch. Ein einziger leerer Blick auf den Boden zeichnete seinen Zustand komplett. Er dachte nach, ohne klare Gedanken zusammenfassen zu können. Sein schwacher Körper ließ nicht nach. Wie angwurzelt saß er nach mehreren Minuten immer noch am selben Platz und war glatt am Ertrinken. "Großvater hat mir nie erlaubt, im Regen zu bleiben... und wenn ich nass nach Hause kam, gab es Ärger... was würde passieren, wenn ich jetzt nach Hause gehen würde....?" Er hatte nichts konkretes erwartet. Wahrscheinlich würde er wieder geradewegs in sein Zimmer laufen und sich mit einer Decke trocknen. Das dachte er zumindest. Eine Begrüßung bekam er so gut wie durchgängig seit zwei Jahren nicht mehr, wenn er in der Herberge ankam. Nicht einmal die Gäste verloren ein Wort der Höflichkeit ihm gegenüber. Als ihm das auffiel, wurde er schlagartig darüber traurig. Bis heute hatte ihm das nichts ausgemacht, er hielt sich immer für rangniedriger und dachte, er hätte es nicht verdient, großartig beachtet zu werden. Edmond hielt er auch immer für einen sehr großen Glücksfall.

    Er stand vor seiner Herbergstür. Es war ein ziemlich ungewöhnliches Gefühl, da er noch nie außerhalb geschlafen hatte und jetzt plötzlich erst mitten am Tag das Innere seines Zuhauses sieht. Er öffnete ganz normal die Tür und trat ein, als er plötzlich Ava durch den Empfangsraum streifen sah. Sie beide blickten sich überrascht an und es war sehr still. Nicht einmal das laute Plätschern der Regentropfen bemerkten sie noch. Ava brachte kein Wort heraus, sie wusste nicht so recht, was sie sagen sollte. Angeklagt hatte sie ihn und trotzdem schlief sie noch in seiner Herberge. Maxim, der diese Tasache völlig vergaß, ignorierte die Angelegenheit. Viel mehr war er seelisch davon zerstört, dass sie nichts sagte. Kein "Hallo", kein "Wie geht's dir", kein "Bitte bereite mir doch etwas zu Essen zu". Stille. Und er fühlte sich erneut wertlos. Er fing wieder an zu weinen und fing an zu reden: "Es ist so wie immer... a-aber..." Während sich seine Fäuste wieder zusammballten, trat Ava erschrocken einen Schritt nach hinten. "...es macht mich plötzlich so unglaublich traurig... i-ich... ich... spiele ich denn keine Rolle mehr? I-ich bin auch nur ein Mensch! Bitte! Ich bin auch nur ein Mensch, warum behandelt ihr mich alle so?! WARUM?!"

    Doch er erwartete keine Antwort, sondern lief in sein Zimmer und knallte die Tür zu.

  5. #5
    "Maxim?! Maxim, bitte, so öffne doch die Tür!"
    Ava hämmerte mit bloßen Fäusten gegen das harte Holz, bis ihre Hände bluteten. Sie fühlte sich so verzweifelt wie selten in ihrem Leben zuvor. Sie hatte Maxim am gestrigen Tage beschuldigt, eine Gefahr für die Stadt zu sein, und bereute es nicht. Es war ihre Pflicht als Vertrauensperson, die Ungeheuer aufzufinden und auszulöschen. Dennoch hatte sie bei ihrer Wiederbegegnung kein Wort herausgebracht, die Worte waren ihr im Hals stecken geblieben. Sie schämte sich. Er war doch nur ein Kind...
    Aber er war ihr nun einmal als Verdächtigster in ihren Kreisen erschienen. Ava würde jetzt immer noch genauso handeln, doch warum kam es ihr so falsch vor...?
    Sie hatte die Herberge schon verlassen wollen, da sie seine Gastfreundschaft nicht ausnutzen wollte, aber sie hatte es nicht über sich gebracht, sein Heim ohne ein Wort des Abschieds zu verlassen. Doch selbst beim Abschied hatte Ava versagt und ihn nur zusätzlich verletzt.
    "Bitte, Maxim! Bitte, lass uns darüber reden! Wir sollten so nicht auseinandergehen!"

    Geändert von Neadyn (08.12.2011 um 21:56 Uhr)

  6. #6
    Rastlos wanderte Edmond in der letzten Nacht umher und zerbrach sich den Kopf über diese schicksalshafte Wendung, die der letzte Abend genommen hatte. Erneut war er vollkommen entkräftet und inzwischen kam ihm alles wie ein böser Traum vor, wie ein Streich, die höhere Mächte ihm spielten und es schien, als wäre er nichts weiter als eine Puppe in einem Theater, deren Fäden von gerade diesen unsichtbaren Kräften gezogen wurde. Gefangen in einem Körper, der in den letzten Tagen mehr Unheil zu verbreiten schien und sich somit seiner eigentlichen Bestimmung aufs Äußerste widersetzte.

    Doch es steckte noch immer ein Funken Hoffnung in ihm und so lange er noch das Glück hatte zu leben, wollte er gewiss nicht aufgeben und tatenlos mitansehen müssen, wie diese Kreaturen der Nacht sich auch über die letzten menschlichen Stadtbewohner hermachen würden. Auch wenn ihr Schicksal inzwischen an einem seidenen Faden hing, so war sein Willen doch noch nicht gebrochen und schließlich war er niemand geringeres als der Bürgermeister dieses verfluchten Ortes!
    Die Toten der letzten Tage hatten dennoch tiefe Wunden in die Seelen aller Bürgerinnen und Bürger gerissen, welche immer mehr anfällig wurden für jegliche Art der Verleumdung und Beschuldigung, aus denen einzig und allein ihre Feinde einen Vorteil ziehen konnten. Der unerwartete Tod Selenes hatte trotz allem auch bei Edmond tiefe Spuren hinterlassen, und während er so durch die Gänge auf und ab schritt, zweifelte er immer wieder an seinem Verstand. Waren seine Entscheidungen tatsächlich so falsch gewesen? Einen Mörder hatte er zum Tode verurteilt, doch konnte er damit nicht verhindern, dass dennoch jemand diesem wahnsinnigen Menschen zum Opfer will. Selene. Ausgerechnet Selene.

    Ob ein Fluch an ihm haftete, dem jede Frau zum Opfer fiel, die sich ihm näherte? Wäre es um die Lage nicht so ernst bestellt, hätte man durchaus in Aberglaube verfallen können. Doch es half nichts. Dass sie sich Zeit ihres Lebens insgeheim der Aufgabe gewidmet hat, andere Leute zu beschützen, musste sie nun teuer bezahlen. Und nun schienen alle Mühen vergebens und all diese Menschen eines sinnlosen Todes gestorben zu sein. Nein, so sehr es ihn auch bewegte, so wenig durfte sich Edmond nun von seiner Trauer betäuben lassen. Wenn all dies vorbei war, dann würde er sicherlich genügend Zeit haben, diese persönlichen Verluste zu beklagen. Menschen mochten sterben, doch die Ideale der Freiheit und Gleichheit, von welchen auch Selene stets geträumt hatte, konnten nicht so einfach von irgendwelchen Tieren ausgerottet werden!

    Wenn auch sichtlich erschöpft, bestritt Edmond entschlossen den neuen Tag und versuchte, Herr seiner Gedanken und Gefühle zu werden, um endlich Klarheit zu gewinnen. Er machte sich auf dem Weg zum Rathaus und als er zum Himmel hinaufblickte, fielen auch schon die ersten Tropfen. Die Wolken hatten sich bedrohlich dunkel zusammengezogen und der aufkommende Regen ließ das Gefühl erwecken, als würden sie über die Toten des vergangenen Abends weinen. Oder waren es Tränen ob der Opfer, die es noch geben würde, ehe wieder die Sonne erstrahlen sollte?

    Es dauerte nicht lange und Maxim trat in Edmonds Arbeitszimmer. So schnell er gekommen war, so schnell war er auch wieder verschwunden. Eine gar merkwürdige Szene, die sich dort abgespielt hatte, jedoch fehlte es dem Grafen in diesem Augenblick einfach an das notwendige Feingefühl, so dass Maxim ihn traurig und enttäuscht verließ. Auch ihm war Selenes Tod offensichtlich nahe gegangen und so verübelte Edmond ihm seinen Ausraster nicht weiter, wohlwissend, dass Maxim schließlich wieder zur Vernunft kommen würde, denn schlussends würde auch er begreifen, dass es manchmal Situationen im Leben gab, in denen persönliche Gefühle auf der Strecke bleiben mussten, denn schließlich ging es hier und jetzt um weit mehr, als um den Verlust eines geliebten Menschens. Vielleicht versuchte Edmond aber auch einfach nur die Tragik der letzten Ereignisse geschickt zu verdrängen,
    Noch während Edmond über Maxims Worte nachdachte, sah er zum Fenster hinaus auch schon Miller, wie er sich zügigen Schrittes dem Rathaus näherte...

  7. #7
    Ava schlug weiter gegen die Tür. Der Konflikt war kurz davor, die beiden auseinander zu reißen und dennoch war dieser der größte Bund zwischen den beiden momentan. Die Tür war alt und morsch und die ersten Schrauben fielen raus. Ein letzter Schlag gegen die Tür und rummps. Sie fiel um und machte ein knallendes Geräusch. Staub flog beim Aufprall vom Boden in die Luft. Maxim saß in einer Ecke auf dem Bett. Seine Arme umschlossen seine Beine und sein Kopf war nach unten gerichtet. Plötzlich verspürte Ava einen kalten Luftzug und erstarrte. Was war das für ein Gefühl, welches sich um sie schlich? Sie zitterte kurz und dann war es ihr wieder warm. Der Kamin im Empfangsraum war deutlich zu spüren in seiner Präsenz. "Maxim, ich..." Er unterbrach sie: "Hallo..." Sie verstand ihn genau, doch sie fragte trotzdem nach. "W-wie bitte?", sagte sie verwundert zurück."Ich sagte Hallo... ... ..." "Maxim, ich verstehe nicht ganz..." Sein Blick richtete sich zu ihr. Er war voller Zorn und Enttäuschung, doch die Traurigkeit, die ihn zierte, verdeckte seine inneren Gefühle. "Natürlich verstehst du nicht... ich bin nur ein Waisenkind mit einer kleinen, armseligen Herberge... ich bin es nicht wert, begrüßt zu werden..." "M-maxim, das meinte ich doch nicht so..." "Und trotzdem weißt du nichts", antwortete er kleinlaut, "du hast keine Ahnung, was es heißt, wenn man nichts hat, was einen hält. Ich habe nicht viel, ich will auch nicht viel! Aber was ich habe, bedeutet mir NICHTS! Ich will kein Gott sein, aber was soll ich mit mir anstellen?! Ich bin gar nichts und aus Nichts wird nichts..." Avas Augen liefen feucht an: "Maxim, hätte ich gewusst, dass du nur-" "Lass mich allein...", unterbrach er sie abrupt, "...ich will jetzt keine Personen um mich herum... besonders keine, die vom falschen Seher als unschuldig bezeichnet wurden..." "A-aber Maxim, was willst du damit sagen?!", fragte sie ihn erschrocken. "Ist das nicht lustig? Ich schließe mich selber aus und werde mich nicht los... ... ... ...ach, Ava... ruhe dich ruhig auf seinem Schutz aus... Talis hat das echt geschickt eingefädelt... doch wir sind beide dem Untergang geweiht..." Er begann selbstironisch zu lachen. Mit einer Hand verdeckte er seine beiden Augen. Tränen liefen über sein zähneknirschendes Grinsen. "Aber sei froh, Ava... ich bin ja fast so gut wie erledigt... also wird meine Stimme gegen dich auch nicht unbedingt etwas ausrichten können..." Er legte sich auf die Seite ihn und starrte gedankenlos gegen die Wand.

    Geändert von Ligiiihh (10.12.2011 um 13:07 Uhr)

  8. #8
    Friedrich Miller bemerkte weder Maxim noch Havelock, während er, sein Ziel vor Augen, über den Marktplatz schritt. Im Rathaus hielt er sich nicht lange mit Formalitäten auf, mit einem knappen "Heiße Miller, Vertrauensperson - muss den Bürgermeister sprechen" eilte er am Sekretär vorbei, welcher ihm verdutzt hinterherblickte. Miller hatte den Weg zum Arbeitszimmer des Bürgermeisters noch vage ihm Kopf, und bald stand er vor der eichernen Tür. Ohne vorher zu klopfen, langte er nach dem Türgriff - als sich die Tür auf einmal öffnete und Edmond von Dantes vor ihm stand.
    "Guten Tag, Herr Miller, kommen Sie herein."
    Von Dantes gab den Weg frei und machte eine einladende Handbewegung. Miller wurde hiervon kurz aus dem Takt gebracht, doch schließlich trat er ins Zimmer.

    "Woher wussten Sie, dass ich vor der Tür-", setzte Miller an, dann brach er ab und murmelte: "Wie dem auch sei. Ich bin gekommen, weil es Dringendes zu besprechen gibt, nicht um Schwätzchen zu halten."
    Er wusste nicht genau, wie er anfangen sollte. Schließlich sah er dem Bürgermeister tief in die Augen und rief: "Wir haben gestern einen schrecklichen Fehler gemacht, nur weil Sie nicht wussten, welche Prioritäten zu setzen sind!" Ja, das war ein ganz guter Anfang. "Ich hatte es ja geahnt! Mir hatte es von vorne bis hinten nicht gefallen. Wir hätten den Mörder ins Gefängnis stecken können, wo er keinen Schaden anrichtet, aber nein, wir mussten ihn sofort hinrichten, und jetzt sehen Sie, was passiert ist!"
    Edmont von Dantes sagte kein Wort. Er wusste, dass Miller den Tod von Selene meinte, und wohl auch den Tod Rebeccas, selbst wenn hierfür niemanden im Raum die Schuld traf. Ja, nicht einmal der vermaledeite Frankenfels schien für ihren Tod verantwortlich zu sein - eine Untersuchung hatte ergeben, dass die eigentlich sofort tödliche Krankheit bereits einen ganzen Tag in Herrn Stepback gearbeitet hatte. Ein letzter Abschiedsgruß des hoffentlich letzten Vampirs, der Düsterburg unsicher gemacht hatte - Talis Schönbrunn.

    Miller brauste weiter auf. "Ich schlage Ihnen etwas vor, Herr von Dantes: Halten Sie bei der heutigen Versammlung Ihre unheilbringende Gosche im Zaum und klagen Sie nicht sofort den erstbesten Bürger an, der Sie schief angeschaut hat. Denn das werden heute so einige sein, das kann ich Ihnen sagen!"
    Mit einem leisen Räuspern meldete sich Edmond von Dantes zu Wort. "Herr Miller, ich werde die Person anklagen, die ich für einen Werwolf halte. So, wie ich es bisher immer getan habe. Sie können und werden mir nicht den Mund verbieten, nur weil Sie von Trauer und Wut geblendet sind."
    "Geblendet, ha! Machen Sie sich doch nichts vor, die ganze verdammte Stadt ist blind! Da können Trauer und Wut auch nicht mehr viel bewirken! Und von Mund verbieten kann keine Rede sein, ich möchte nur ein einziges Mal, dass wir, die Menschen Düsterburgs, ein klares Votum ablegen und damit einen Werwolf hängen! Das muss doch, bei Gott, möglich sein! So viele Personen kommen ja nicht in Frage, und Sie sollen wenigstens einmal eine der hauptverdächtigen Personen anklagen!"

    Allmählich verlor von Dantes die Geduld. Dieser Musikus maßte sich ganz schön viel an, so mit seinem Bürgermeister zu sprechen. "Ich bin mir sehr wohl bewusst, an wen Sie denken. Gestern haben einige Leute nicht für Frankenfels gestimmt, was ihr gutes Recht war, doch keiner von ihnen gab seine Stimme aufgrund eines Werwolf-Verdachts. Dieser Clerc und Libra hatten sogar den Nerv, mich anzuklagen, der ich ja bewiesenermaßen ein Mensch bin. Sie müssen mich nicht darüber aufklären, wie verdächtig das wirkt. Und nun beruhigen Sie sich endlich, mit Ihnen ist so ja nichts anzufangen."
    Millers Blick trübte sich wieder. Ja, mit ihm war gerade wirklich nicht viel anzufangen. Er ließ sich auf einen Stuhl fallen und starrte gedankenverloren ins Nichts.
    "Clerc, Libra, Dankwart, Ava und Shael - sie verdächtigten Maxim oder Sie, ein Vampir zu sein. Warum sollten sie das tun? Die Menschen dieser Stadt sind Nacht für Nacht dem Tode geweiht, und dann versuchen diese Leute nicht einmal, einen Werwolf ausfindig zu machen, nein - sie versuchen, Vampire zu finden! Von denen wir nicht einmal wissen, ob wir sie schon vernichtet haben... heute Nacht gab es keinen Toten, Herr von Dantes. Die Werwölfe sind sich ihrer so sicher, dass sie es sich nicht nehmen lassen, uns zu verhöhnen. Für sie sind wir die Gejagten, und sie entscheiden, wann sie die Flinte anlegen.
    Heute Abend muss einer von ihnen hängen. Clerc schließe ich aus, ebenso wie Dankwart - bleiben noch Libra, Ava und Shael. Und... Maxim, für den Sie Ihre Hand ins Feuer legen. Das tun Sie doch, oder? Sie müssen selbst wissen, ob dieses Vertrauen begründet ist, doch ich werde mich hier nicht gegen Sie stellen. Shael war über den Tod des ersten Opfers... Thorben... dermaßen bestürzt, dass ich ihn nicht so sehr verdächtige wie die anderen beiden."


    Miller begrub seinen Kopf zwischen seinen Armen und raufte sich die Haare. Edmont von Dantes sagte in die Stille hinein: "Selene hatte Ava ebenfalls für verdächtig gehalten."

    Geändert von Schattenläufer (09.12.2011 um 09:22 Uhr)

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