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Thema: [Vampire von Düsterburg] Tag 6

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Die aufgebrachten Stimmen häuften sich, Havelock saß, bis auf den einen oder anderen Kommentar, still da und trank das kürzlich herbeigebrachte Bier bis auch er sein Wort erhob:
    "Werter Herr Bürgermeister, ich stimme Euch in dem Punkt zu, dass ein Mörder wie Sven Frankenfels einer ist, seiner gerechten Strafe zugeteilt werden soll. Seit vielen Tagen hat ihn keiner mehr gesehen, was ihn ohnehin verdächtigt macht. Ich will aber irgendwie nicht glauben, dass es mit den jüngsten Angriffen in Verbindung steht. Ich schlage nicht vor ihn zu verschonen, nur sollten wir Prioritäten setzen."
    Er blickte sich langsam in der Runde um und verzog seine Augenbrauen;
    "Rebecca Stepback verdächtige ich nur aus einem Bauchgefühl heraus, welches mich aber, wie ich leider zugeben muss, schon oft getäuscht hat. Doch muss ich auch sagen, dass ich, abgesehen von den bewiesenermaßen Unschuldigen, niemandem hier traue." Er nahm einen Schluck aus dem Krug;
    "Seltsamer aber finde ich, dass es Vertrauenspersonen gibt, welche kaum an den Diskussionen teilnehmen, aber sich dann gerne lauthals an den Wahlen beteiligen. Es wäre ein großer Gewinn für unserer Entscheidungsfähigkeit, wenn wir diese Personen stärker mit einbeziehen. Spontan würden mir da die Namen Maxim, Ava und Dragoneri einfallen... obwohl der Alchimist wahrscheinlich jenseits unserer Sphären die Geschicke dieser Stadt leitet..."
    Havelock trank einen weiteren Schluck.
    "Allerdings würde ich nach dem gestrigen Tag, kaum noch meinen eigenen Worten trauen, denn mein Spürsinn hat mich wohl verlassen, was bleibt ist ein vages Gefühl und die Zeit im Nacken, welche sich mit Klauen und Fängen langsam in unsere Nacken bohrt. Ich bin momentan versucht die Stepback zu wählen, will meine Entscheidung aber noch nicht festigen..."sagte er, leerte den Krug und lenkte seine Aufmerksamkeit auf die Gespräche um ihn herum.

  2. #2
    "Hexenjagd gegen Dankwart? Ihr verkennt die Situation eindeutig, Adryan. Rafael hatte damals behauptet, jemand mit magischen Fähigkeiten zu sein, der Euch wiederbelebt und Marina getötet hat. Hat er die Wahrheit gesagt? Nein. Ausgerechnet Grandy will daraufhin mit seinen paranormalen Fähigkeiten gesehen haben, dass sich in Rafaels Umgebung eine dieser finsteren Kreaturen aufhält. Hat er die Wahrheit gesagt? Nein. Talis hat behauptet, hellseherische Fähigkeiten zu besitzen. Hat er die Wahrheit gesagt? Nein. Ich selbst war derjenige, der am gestrigen Abend zu allererst seine Stimme gegen Talis erhob. Doch war es die vermeintliche Offenbarung Dankwarts, die mich und viele andere Personen dazu brachte, ihre Meinung zu überdenken. Am Ende war Dankwart sogar bereit gegen sich selbst zu stimmen, und hätten wir ihn verurteilt, so wäre ihm als Prinz gewiss kein Leid geschehen. Zwar konnten wir nun keine endgültige Gewissheit erlangen, doch dafür wurde verhindert, dass Talis einen weiteren Tag Gnadenfrist erhielt. Auch als Bürgermeister habe ich eine zwei Stimmen, daher wollte ich unbedingt in Erfahrung bringen, wie ernst es mit Dankwarts Behauptungen war, bis am Ende nurnoch eine Stimme den Unterschied im Urteil machte.

    Wir haben schon längst festgehalten, dass weder Rebecca, noch Shael oder Ava sich in letzter Zeit allzu bemerkbar gemacht haben und höchstens bei den Abstimmungen anwesend waren.Ich für meinen Teil habe eine Pflicht gegenüber den einfachen Stadtbewohnern zu erfüllen und muss daher darauf bestehen, den gesuchten Mörder Sven Frankenfels zu verurteilen. Was wäre es nur für ein Zeichen, wenn solche wahnsinnigen Personen morden könnten, ohne dafür gerichtet zu werden? Schlussends ist es eure Entscheidung, wem ihr eure Stimme gebt, doch ich wasche meine Hände in Unschuld, sollte es sich bei diesem armen Dienstmädchen wie erwartet nur um einen Menschen handeln.

    Und Dankwart, sagt was ihr wollt, doch wertet meine Verteidigung nicht als Versuch, euch die Worte im Munde zu verdrehen. Ich habe zwar nicht vor, Euch vorerst weiter zu beschuldigen, doch solltet gerade Ihr in der Lage sein, zu erkennen, dass es unentschuldbar ist, einen gesuchten Mörder entkommen zu lassen und stattdessen das ehrlose Verhalten zu befürworten, welches hier gegen eine wehrlose Frau geschmiedet wird. So etwas ist ebenfalls nicht gerade rühmlich, wisst ihr?"

  3. #3
    Aus irgendeinem Grund hatte Rebecca ein Zwicken am Hals, als ob sie jemand irgendwo anklagen täte. Vielleicht war man auch gerade dabei ihren Tod zu bestimmen. Aber nicht mit ihr. (Total aus Versehen) brüstewackelnd warf sie die Tür zur Versammlung auf. "Schönen guten Abend, meine Damen und Herren!" Missgünstige Blicke bestätigten ihr, dass man nicht gerade entschied eine Statue für sie zu errichten. "Ich bin hier, um meinen Tod zu verhindern. Ich weiß, dass ihr mir misstraut. Aber das ist ein Fehler. Was habt ihr für Hinweise, außer dass alle in meiner Umgebung gestorben sind, ich den halben Tag abwesend bin und lunatische Monologe führe? Richtig, keine! Ich bin heute hier, um euch die Wahrheit zu erzählen."
    Rebecca atmete tief ein - und hob ihren Rock. Die Botschaft des sich dort zeigenden brannte sich wohl tief in die Gehirne der Besucher der Versammlung an.
    "Sagen wir... mein ehemaliger Geliebter Chester war eine Jungfrau - und reich. Reiche Kinder werden in so vielen Dingen unterrichtet, aber darin wie eine Frau aussieht... da mangelt es."
    Etwas wippte beim Sprechen rhythmisch mit. "Noch Fragen?"

  4. #4
    Selene fiel erst die Kinnlade herunter und dann der halbvolle Bierkrug, der lautstark am Boden zerschellte. Sie fand keine Worte dafür was hier in dieser Stadt vor sich ging. Wirklich gar keine. Noch dazu nachdem Rebecca auch noch lautstark herumposaunte das "alle in ihrer Umgebung gestorben waren". War sie auch noch stolz darauf? "Gnnnh...", murmelte sie nur und fasste sich dann an den Kopf."Ich für meinen Teil habe wahrlich genug gehört und gesehen, bedeckt doch endlich eure Blöße, wir alle hier sind aufgeklärt genug, vielen Dank." sie lief auf Rebecca zu und zerrte ihr den Rock wieder nach unten, dann starrte sie ein wenig entsetzt auf die Beule vor ihrem Gesicht und nahm wieder ein wenig Sicherheitsabstand ein und atmete tief durch.

  5. #5
    Rebecca strich sich den Rock glatt.
    "Selene, statt den Wölfen im Männerpelz willst du den Mann im Mädchenpelz hängen? Von einem ehemaligen Dienstmädchen aus dem Hause von Busch hätte ich mehr erwartet. Auch wenn es dir nicht gefällt, ich bin kein Monster, ich bin nur ein harter Kerl." Und wie hart er war.

  6. #6
    Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, wandte sich Miller an den Bürgermeister:
    "Herr von Dantes, der Grund, warum sich hier niemand für ihren frei herumlaufenden Mörder interessiert, ist folgender: Sie haben ebenso wenig Hinweise darauf, dass er ein Werwolf ist, wie wir bei unseren Verdächtigen. Ich schätze sogar, dass sie eher noch weniger haben. Und wir sind nicht die Stadtwache, die sich um Kriminelle kümmert, die eindeutig identifiziert und auf der Flucht sind. Wir sind Bürger, deren Ziel es ist, in ihrer Mitte diejenigen zu finden, die von Lykantrophie oder porphyrischer Hämophilie betroffen sind. Das können wir nur tun, indem wir sie am Galgen hängen und so ihre wahre Identität herausfinden. Sagen Sie mir, warum sollten wir verpflichtet sein, Ihrer Pflicht als Vorstehender der Stadtwache nachzukommen? Wir müssen nicht demokratisch abstimmen, ob Frankenfels ein Mörder ist, wir wissen es bereits. Sie können der Stadtwache einfach befehligen, ihn zu finden und zu hängen.

    Aber daran denken Sie anscheinend gar nicht. Sie halten sich für weise und pragmatisch, dabei stochern Sie genauso im Dunkeln wie jeder andere hier.
    Und dabei, möchte ich hinzufügen, haben Sie mittlerweile mehr unschuldige Bürger auf dem Gewissen als Ihr vermeintlicher Massenmörder Frankenfels."

  7. #7
    "Sven Frankenfels ist nicht nur ein Mörder, sondern leider Gottes auch einer der von Caspar von Busch ernannten Vertrauenspersonen. Als solcher fällt er nicht unter die direkte Justiz der örtlichen Stadtwache, sondern kann ebenso wie wir alle nur durch die anderen Vertrauenspersonen zum Tode verurteilt werden. Niemand von uns hat je ein Wort mit ihm gesprochen, geschweige denn ihn in den letzten Tagen überhaupt zu Gesicht bekommen. Macht nicht gerade das Sven Frankenfels zur verdächtigsten Person von uns allen? Er kann ein Mensch oder ein Werwolf sein, seine Taten sind dabei absolut irrelevant. Obwohl er durch seine Verbrechen inzwischen ein stadtbekannter Mörder ist, scheint sich hier dennoch niemand für ihn zu interessieren! Warum nicht? Sven Frankenfels hat sich durch sein aggressives Verhalten ebenso ausgezeichnet wie Chester oder Train, und dennoch erhebt außer mir niemand seine Stimme gegen ihn? Nicht nur, weil er brave Bürger abgeschlachtet hat, sondern weil wir aufgrund dieser zwielichtigen Umstände davon ausgehen müssen, dass es sich bei ihm um einen dieser gesuchten Kreaturen handelt, müssen wir ihn heute verurteilen.

    Und noch etwas. Rebecca: Du bist entlassen. So viel Männlichkeit kann ich neben mir in meinem Anwesen nicht dulden."

  8. #8
    Miller runzelte mit der Stirn. Sven konnte also nicht einfach gefasst und hingerichtet werden, da er eine gewisse Immunität in seiner Funktion als Vertrauensperson hatte. Das gestaltete die Sache schon ein wenig problematischer. Er trank von seiner Weinschorle, lehnte sich zurück und sah den Bürgermeister an.
    "Das war mir nicht bewusst. In diesem Fall muss ich Ihnen zustimmen, dass der Fall mit Sven Frankenfels... höchste Priorität haben sollte." Er schlug verärgert auf den Tisch. "Das Problem ist, dass wir nicht wissen, wie gefährlich Sven Frankenfels ist. Wird er weiter morden, oder war dies ein Einzelfall? Wie kam es überhaupt zu den Morden? War er hinterlistiger Angreifer oder in die Ecke getriebener Verteidiger? Die Werwölfe hingegen morden jede Nacht, hinterlistig und wahllos."

    "Ich möchte nur diese Stadt von ihrer Plage befreien, und nun muss ich auf einmal Aufgaben der Stadtwache übernehmen! Das gefällt mir nicht, überhaupt nicht. Ich denke, wir verlieren damit nur Zeit. Aber gut, mein lieber Herr Bürgermeister, ich sehe ein, dass Sie Recht haben. Führen wir heute Nacht Sven Frankenfels seiner gerechten Strafe zu. Ich stimme Selene zu, dass Ava und Shael sich verdächtig gemacht haben, aber je eher wir diese Frankenfels-Geschichte beseitigen, desto eher können wir als Bürger geschlossen gegen die Werwölfe vorgehen. Ich stimme für Sven Frankenfels."
    Edmond von Dantes war sichtlich überrascht von dieser plötzlichen Sinneswandlung, aber er nickte anerkennend. "Schön, dass Sie doch noch zur Vernunft kommen, Herr Miller."
    "Wir werden sehen. Ich hoffe insgeheim auch, dass ich mit dieser Entscheidung meine Unschuld beweisen kann, denn auch ich habe zu Zeiten das Gefühl, von misstrauischen Blicken verfolgt zu werden. Es ist also auch eine Handlung aus purem... Selbsterhaltungstrieb, wenn Sie so wollen."

    Miller wandte sich an Selene. "Vielleicht überrascht dich meine Entscheidung. Vorhin noch wollte ich Rebecca Stepback anklagen, und ihre... seine Enthüllung gerade eben sollte nichts an dieser Entscheidung ändern. Tatsache ist aber, dass mein Verdacht auf dem merkwürdigen Verhalten dieser Person beruhte. Dieser Verdacht lässt sich nicht halten, denn dieser Mann hier ist eindeutig geistig verwirrt. Er muss sich schon jahrelang als Mädchen oder junge Frau ausgegeben haben, ohne dabei ein rechtes Ziel zu verfolgen. Es ist... pervers und krank, doch nicht gefährlich. Sven Frankenfels, er ist gefährlich. Und wir sollten uns um ihn kümmern."
    Er ergriff ihre Hand und blickte Selene tief in die Augen. "Du bist ein gutes Mädchen, Selene. Gib jetzt nicht auf und halte noch eine Weile durch. Du musstest, wir alle mussten viel durchmachen in letzter Zeit. Aber wir werden es schaffen, und wir werden überleben. Aber dafür brauchen wir deinen klaren Verstand. Auch wenn du meinen in höchsten Tönen lobst, so ist er doch schon ein wenig eingerostet und verstaubt." Er zwinkerte, dann ließ er von ihr ab. Er hoffte, richtig gehandelt zu haben. Wahrscheinlich war es das erste Mal, dass Selene überhaupt einen nackten Mann gesehen hatte. Wer konnte ihr verübeln, dass sie da überfordert war.

  9. #9
    "Danke Herr Miller. Ich bin froh das ihr soviel Vertrauen in mich steckt, das ehrt mich sehr. Eure Worte eben, das wir Bürger geschlossen gegen die Werwölfe vorgehen sollen, das hat mir Stärke eingeflößt. Ja, auch ich möchte das wir die Uneinigkeit aus unseren Reihen vertreiben und daher schließe ich mich euch und dem Bürgermeister an. Sven Frankenfels der Barbier, der seit Jahren Trauer trägt... und nun mordend durch die Reihen unserer Stadtwachen zog... vielleicht wünschte er sich ja den Tod und vermochte es nur nicht zu bewerkstelligen. Vielleicht tun wir ihm damit ja sogar einen Gefallen..."

    Sie fröstelte ein wenig und war beinahe ein wenig traurig darüber das Miller seine Hand nicht länger auf die ihre gelegt hatte. Der Anblick von Rebeccas nacktem Körper hatte in ihr Fragen erwachen lassen... wie es sich wohl anfühlte neben einem Mann zu liegen? Ob sie es wohl jemals erleben würde? Oder ob ihr Leben wie die Scheite im Feuer nur in den Händen von schwarzen Schatten kurz aufknacken und dann verglühen würde?

    Da fiel ihr Blick auf Edmond der sich wahrlich adelig verhielt zuletzt zumindest nach den hitzigen Debatten der letzten Tage, der Stärke zeigte und dessen klare Worte ihr geholfen hatten auf den Boden der Tatsachen zu kommen. Und auf seine hohe Stirn, die noble Blässe die sich über seinen Wangen ausbreitete wie frischer Schnee an einem von warmer Luft durchzogenen Herbsttag. Seine grünen Augen funkelten wie Smaragde im Licht der Kerzen, die vereinzelt auf den Tischen verteilt waren. Und nur ganz kurz fragte sich Selene ob ... aber nein, sie blieb nur eine Dienstmagd. Egal wohin das Schicksal sie je tragen würde, ihr Stand würde an ihr haften bleiben, wie es Mürbteig an einer Teigrolle tat. Aber sie konnte träumen und auf eine bessere Zukunft hoffen. Wie hatte Edmond ihr gesagt, an dem Tag an dem sie ihn und Maxim um Verzeihung bat? "Selbst wenn ihr meinen Vorschlag ablehnen solltet, so könnt Ihr Euch dennoch Gewiss sein, dass ich Euch weiterhin unterstützen werde, schließlich habt Ihr doch einmal den Traum, Euch selbstständig zu machen, nicht wahr?" Ja und für diesen Traum war sie bereit zu kämpfen.

    "Maxim, sei doch so gut und bring mir einen Teller Suppe, die der Wirt vorhin aufgesetzt hat. Es wäre wohl am besten wenn wir hier in der Taverne bleiben, zumindest was die heutige Abstimmung angeht."
    Auch einige andere begannen nun mit dem Abendmahl und Selene vermisste in diesem Moment die junge Sängerin sehr... sie hatte die Stimmung immer durch ihre Anwesenheit verzaubert und durch ihren Gesang waren die Gespräche angenehmer geworden. "Herr Miller, verzeiht, aber könntet ihr uns vielleicht ein Stück auf eurem Cello spielen? Es mag seltsam anmuten, aber ich wünsche mir nichts sehnlicher als wenigen Augenblicken dieser bedrückten Stimmung zu entkommen und was wäre da besser als Musik?"

  10. #10
    Havelock leerte bereits seinen dritten Krug, als er sich schmerzlich gewahr wurde, dass er offensichtlich zu viel getrunken hatte und seine Augen ihm nun üble Streiche spielten. Doch zumindest eines filterte sein umnebelter Geist, aus dem zotigen Geschehen: "Sollte diese "Göre" tatsächlich ein nützlicher Verbündeter im Kampf gegen die Dunkelheit sein, so dürfte Sie nicht der Willkür zum Opfer fallen. Allerdings wäre Sie... Er nicht der Erste der solch tollkühne Behauptungen bezüglich seiner Identität aufstellt."
    Er seufzte und blickte auf seine bisherigen Entscheidungen zurück, es gab nicht viele Beispiele einer wohlüberlegten Wahl seinerseits. Doch wer wusste schon was das Richtige ist. Entscheidungen mussten gefällt werden, auch wenn es Ihn wieder als wankelmütigen, verschrobenen Alten zeigen würde.
    "Zwar traue ich dem Rat des Herrn Clerc, aber wenn das Oberhaupt unserer Gemeinde, Herr Dantes sowie Herr Miller und Fräulein Selene, den gemeinen Mörder Frankenfels hängen sehen wollen, so muss ich in Anbetracht der harten Fakten mit welchen wir soeben konfrontiert wurden, auch Sven Frankenfels anklagen. Ich will auch in diesem Falle nicht riskieren einen unschuldigen auf dem Gewissen zu haben."
    Nachdem er diese Worte an die Allgemeinheit gerichtet hatte, goss er sich neues Bier in den Krug und riskierte einen Blick auf die Liste, welche Selene auf dem Tisch abgelegt hatte.
    "Irgendwer spielt hier Dumme Dussel mit uns und wir bemerken nicht wer..."
    Kein einziger Lykaner hatte sich bisher offenbart, dabei waren diese für die meisten Morde verantwortlich. War es wirklich nur Einer!? Wenn nicht, hatten Sie bereits soviel Einfluss?Oder doch nur Glück... Das Buch hatte ihn in letzter Zeit mehr Fragen als Antworten geliefert und half ihm in diesem Falle auch nicht weiter.
    Havelock bemerkte die unterstützende Geste Millers, gegenüber Selene. Zusammenhalt war es, worauf es jetzt ankam und Miller verstand es in den Leuten ein wenig Hoffnung keimen zu lassen.
    Auf dem heutigen Tag lag ein seltsamer geistiger Nebel, es schien als würde er die Hoffnungen und Träume der Menschen vernebeln und unzugänglich machen. Jeder Strohalm musste ergriffen und jeder Anker genutzt werden um dem Erstarren der Herzen Einhalt zu gebieten. Havelocks Gedanken trübten sich immer mehr, als sich die letzten Tage zu einem apokalyptischen Tagtraum formten, welcher in seinem Kopf herumspukte.

    Als der üble Gedanke verflogen war, richtete er mit ruhiger Geste das Wort an den Bürgermeister Dantes:
    "Herr Dantes, erlaubt mir eine Frage, was hat es mit den ständigen Wahlenthaltungen Eures jungen Protegé Maxim auf sich? Mir scheint er wurde wie wir alle ausgewählt die Geschicke der Stadt in die Hand zu nehmen? Ein Junge seines Alters sollte sich der Herausforderung gewachsen zeigen und sich nicht drücken. Es könnte sonst noch ein Verdacht aufkommen, mit Verlaub."

  11. #11
    Millers Gesicht hellte auf, als er Selenes Bitte hörte. "Ja, Musik wäre jetzt genau das richtige. Mein Cello habe ich leider zuhause, aber das Wirtshaus hat ein formidables Klavier, das sogar erst vor kurzem gestimmt wurde, wenn mich nicht alles täuscht. Herr Cole, hätten Sie etwas dagegen...?"
    "Natürlich nicht, Herr Miller", beeilte sich der Wirt zu sagen. Er machte eine Geste in Richtung des Klaviers, welches neben der kleinen Bühne stand. Miller nickte. Er setzte sich ans Klavier und klappte den Deckel auf. Lange hatte er nicht mehr an diesem Klavier gesessen. Früher hatte er sich nach ein paar Bier gerne dazu bewegen lassen, den Abend mit einer fröhlichen Melodie zu beleben, doch die Zeiten fröhlicher Ausgelassenheit waren vorbei. Er spielte einige Akkorde, sachte und sanft. Bevor er mit dem ersten Stück begann, wandte er sich noch einmal an die versammelte Gesellschaft.
    "Wir haben in den letzten Tagen viele gute Bürger verloren. Freunde wie Fremde, sie wurden von uns gerissen von grausamen Bestien der Nacht. Aber wir werden diese Plage bezwingen, und wir werden überleben. Wir müssen nur zusammenhalten und die Hoffnung nicht aufgeben. Und ich hoffe, dass ich mit diesem Stück ein wenig Hoffnung in die Herzen bringen kann. Ich... widme es Thorben, dem unglückseligen Abenteurer, der das erste Opfer war; Frau von Busch, die zuerst ihren Mann und dann ihr eigenes Leben verlor; Marina, der begabten Sängerin, die heute eigentlich hier neben mir stehen sollte; Elizabeth Stepback und Grandy, Rowan und... und Elly Cole, die vom Fluch der Vampire getroffen worden war. Möge der Herr im Himmel Erbarmen mit ihr haben."

    Millers Spiel war getragen und melancholisch, doch immer wieder ließ es glockenklare Harmonien erklingen. Leise und sanfte Passagen wechselten sich ab mit kraftvollen Melodien, immer wieder griff er Motive auf und fügte sie nahtlos ein. Mit geschlossenen Augen ließ er die Finger wie von selbst über die Tasten fliegen, während er der Toten gedachte und Bilder der letzten Tage durch seinen Kopf zogen.
    Selene saß wie gebannt da und lauschte. Libra und Adryan warfen sich Blicke zu, Dankwart hatte die Augen geschlossen, nickte und summte leise mit, wenn er eine Melodie wiedererkannte.
    Dem Wirt kullerten dicke Tränen ihm aus den Augen, doch er lächelte.

    Während am Tisch langsam wieder die Gespräche einsetzten, spielte Miller noch eine Weile.

    Geändert von Schattenläufer (04.12.2011 um 23:59 Uhr)

  12. #12
    Es verstrichen einige wortlose Minuten, in denen alle Anwesenden die vorangegangene Debatte auf sich wirken ließen und jeder sich seine eigene Meinung bildete. Diese hitzige Diskussion hatte auch Edmond ein wenig aus der Fassung gebracht, und so kam ihm diese Pause sehr gelegen, um sich und seine Gedanken ein wenig zu sammeln und wieder ein wenig Kraft zu schöpfen. Während er sich in der Menge so umsah, bemerkte er Maxim, welcher offensichtlich verwirrt war ob Rebeccas überaus bemerkenswerter Art und Weise, gewisse Geheimnisse zu lüften. Sicherlich war dieser Junge nicht der Einzige, in dem sich Verblüffung breit gemacht hatte, auch wenn die meisten Vertrauenspersonen und anderen Gäste recht gefasst reagiert hatten und kein weiteres Wort über diesen peinlichen Moment mehr verloren.

    Der Bürgermeister wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, als der Antiquar Havelock sich zu ihm gedreht und sein Wort an ihn gerichtet hatte.
    "Natürlich sind mir Maxims Wahlenthaltungen auch bereits aufgefallen, werter Havelock. Ihr solltet Euch jedoch keinen weitere Kopf dadrum machen, da steckt nicht allzu viel hinter, mit ihm ist alles in bester Ordnung. Gewiss haben die vergangenen Geschehnisse einfach nur zu sehr an ihm gezehrt, als dass er sich genau so energisch wie wir an den Abstimmungen hätte beteiligen können. Er ist noch viel zu jung, als dass er schon so viele Gräuel hat miterleben müssen, wie wir nun in den letzten Tagen, sicherlich ist er einfach nur ein wenig überfordert mit der Situation.
    Im übrigen muss ich Euch korrigieren, Havelock. Vorhin noch habt ihr unter anderem Leonardo und Maxim als verdächtige Personen aus eurer Sicht benannt, doch wissen wir bereits seit dem Tode Grandys mit absoluter Sicherheit, dass diese Beiden keinesfalls zu den gesuchten Mördern gehören können. Doch fürs Erste wollen wir der Hinrichtung von Sven Frankenfels entgegensehen und vielleicht sieht die Lage für uns morgen schon ganz anders aus."


    Man konnte Edmond seine Erleichterung ansehen Angesichts der Tatsache, dass sich sowohl Miller als auch Selene dazu entschlossen haben, seiner Entscheidung Folge zu leisten und ebenfalls diesen wahnsinnigen Massenmörder anzuklagen, wo auch immer er sich wohl gerade aufhielt. Es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, dieses Vorgehen in Frage zu stellen, auch wenn man berechtigterweise hätte fragen können, wie man einen Mörder verurteilen will, der bisher nicht einmal gefasst worden war? Aber der Tag ging zum Glück noch eine Weile, auch wenn es inzwischen allmählich Abend wurde. Nach dem Schneeregen der vergangenen Tage war der Himmel dieses Mal ungewohnt klar und es zeigte sich selbst in weiter Ferne keine einzige Wolke. Ob das ein gutes Zeichen war?

    Während im Hintergrund Miller begann, auf dem Flügel eine Passagen vorzutragen, versuchte sich der junge Graf frei zu machen von jeglichen Gedanken und genehmigte sich ein Glas von dem Düsterburger Rotwein. Kurz nach Rafaels Tod war seine Kelterei wieder in Betrieb genommen worden und so mussten die Stadtbewohner nicht fürchten, dass es ihnen in naher Zukunft am Wein mangeln würde. Dabei fiel Edmond ein weiterer wichtiger Punkt ein, den der Tod von Sven Frankenfels mit sich bringen würde: Wenn sich diese Angelegenheit erst einmal erledigt hatte, würde es der Stadtwache auch wieder möglich sein, de Tore in ausreichendem Maße überwachen und somit auch den Warenverkehr wieder fließen lassen können.

    Erst nach einer Weile sollte Edmond bemerken, wie Selene ihn scheu von der Seite musterte. Doch als er sich zu ihr drehte, wandte sie ihren Blick reflexartig von ihm ab und versuchte so zu tun, als hätte sie die ganze Zeit über Miller beim Klavierspiel zugeschaut. Am Tage noch hatte sie recht entkräftet von den Strapazen der beinahe vergangenen Woche gewirkt, (kaum zu glauben, es war tatsächlich schon der sechste Tag nach dem Beginn der nächtlichen Morde!), doch als Edmond sie im Schein der Kerzen betrachtete, schien wieder Leben in dieses hübsch gezeichnete Gesicht zurückgekehrt zu sein. Ihr eng geschnürtes Korsett betonte ihr schlanke Statur und mit einem Bedauern musste Edmond feststellen, dass auch an diesem Abend ihre dunkelblonden Haare von einer weißen Haube verdeckt wurden, wenngleich einige Locken daraus hervortraten. Wahrlich, trotz all der Gefahren hatte sie der Mut noch nicht verlassen und während andere einfache Dienstmägde bereits die Flucht ergriffen hätten, war sie noch immer tapfer an der Seite der anderen Vertrauenspersonen geblieben. Vor wenigen Tagen erst hatte sie sich von ihm getrennt, um ihre Zukunft in die Hand zu nehmen, und es schien, als würden sämtliche Frauen in Edmonds Nähe in besonderer Gefahr schweben. Erst Sophia, dann Marina... Vielleicht war diese Angst auch irrational, doch konnte er es riskieren sie ebenfalls zu verlieren, indem er ihre Nähe zuließ? Ein wenig besorgt musterte Edmond das junge Dienstmädchen fast schon ein wenig zu lang, als es angemessen gewesen wäre, bis er sich doch dazu entschloss, ein sanftes Gespräch mit ihr zu beginnen.
    "Liebe Selene, erzählt mir, wie ist es Euch abseits dieser schrecklichen Abstimmungen ergangen? Könnt Ihr trotz alledem ruhige Nähte verbringen und genügend neue Kraft schöpfen? Wie steht es um euren Traum nach einer eigenen Confiserie? Die Pralinen, die Ihr mir geschenkt habt, waren wirklich köstlich und man konnte wahrlich die Liebe spüren, mit der sie gemacht worden sind. Ich bin mir sicher, wenn all das hier vorbei ist, dann werdet Ihr damit noch weit im Leben kommen und Euch einen Namen machen können. Vertraut mir, schon in wenigen Tagen werden wir gewiss auch den letzten all dieser Mörder erwischt haben und dann können wir gemeinsam unbesorgt in die Zukunft blicken!" Vorsichtig ergriff Edmond Selenes Hand und spürte die Wärme, die durch ihren Körper strömte. Für einen Moment versuchte er, alles andere Geschehen um sie herum zu vergessen und diesen Augenblick zu genießen...

  13. #13
    Diese Stadt! Förmlich jede Person, die sie kennenlernte und die aus dieser verfluchten Stadt stammte war ganz klar: wahnsinnig. Nach dem Auftritt des Hausmannes Rebecca war Libra erst wütend, dann amüsiert, dann verwirrt. Aber irgendwie...GLAUBTE sie, dass man dort einen harten Burschen vor sich hatte. Im Wortsinn. Miller hatte inzwischen begonnen, am Klavier eine Trauerserenade anzustimmen. Selene und Edmond tauschten schüchtern ein paar Blicke und Worte aus, Dankwart starrte verträumt auf eine ältere Dame, die in einem Schaukelstuhl am Feuer saß. Shael wirkte geistesabwesend und Havelock ging immer und immer wieder die Notizen von Selene durch. Ein guter Zeitpunkt..."Adryan..." raunte sie dem Ermittler zu "Ich denke es wäre ein guter Augenblick, um ein Wort mit Meister Havelock zu wechseln...Nach einem Glas Wein wird er vielleicht zugänglicher sein." Er nickte ihr zu und schaute an die andere Seite des Tisches. "Du hast Recht...Wenn nicht jetzt, wann sonst?" Libra hatte das Gefühl, dass es Zeit war, kurz nach oben zu gehen und sich noch etwas "auszuruhen"...Havelocks Zunge würde diesesmal hoffentlich lockerer sein.

    _______Einige Zeit später in Adryans Zimmer _________

    Libra war nach oben gegangen, damit sie einige ihrer Habseligkeiten zusammensammeln konnte, und um Adryan die Möglichkeit zu geben, ein ruhiges Wort mit Havelock zu führen. Julie hatte sie begleitet und lag nun auf dem Bett und schnüffelte an Adryans Umhang. Etwa 30 Minuten später kam er in sein Zimmer und setzte sich wortlos auf das Bett. Er schien nachzudenken.

    "Weisst du schon, wen du....nimmst?" Er lachte ein trockenes Lachen, dass Libra leicht frösteln ließ.
    "Nein. Es wird ja viel über den Mörder geredet, diesen Barbier. Aber warum sollten wir ihn anklagen, einen menschlicher Bürger? Ich will nicht herzlos klingen, aber was kümmert uns das in dieser Funktion?"
    "Du hast Recht. Was denkst du...Edmond? Shael? Maxim?"
    "Nunja, dafür wäre es von Vorteil zu wissen, ob dir das Gespräch mit dem Antiquar etwas gebracht hat." Sie versuchte ein Lächeln aufzusetzen, was ein wenig misslang. "Aber selbst wenn, der Bürgermeister scheint seinen Charme ja wiedereinmal genutzt zu haben, alle stimmen wie wild für den Herren Frankenfels. Verzweiflungstat."
    "Die Praxis des Probehängens scheint sich ja zu bewähren."

    Eine Gesprächspause entstand, in der sich Libra neben Adryan auf das harte Bett der Wirtschaft setzte und ihm über eine Narbe am Hals fuhr. Er war den Monstern knapp entkommen. Er ergriff ihre Hand und schaute sie an.

    "Kann ich auf dich zählen, wenn ich heute abstimme? Können wir uns gegenseitig glauben, dass der andere kein...Monster ist?"
    "Ich habe es dir versprochen...ich werde dich beschützen. Und wenn es vor diesem schmierigen Graf sein muss."

    Im schwachen Schein der Kerzen waren die Beiden allein in diesem Zimmer. Lächelnd darüber, ein bisschen Glück in Zeiten der Not gefunden zu haben.

  14. #14
    Maxims Kopf rauchte. Er war nicht wirklich in der Lage klar nachzudenken. Zuerst kam die Sache mit dem falschen Seher und dessen falschen Anschuldigungen und jetzt war sein einziger Anlaufspunkt praktisch dahingeschieden, indem Rebecca ihre wahre Identität aufdeckte. Besser gesagt seine, denn Rebecca war ein Mann. Es kursierten Gerüchte über eine Person, die selbst die härtesten Attentaten locker wegstecken konnte. Falls Rebecca diese Person gewesen wäre, dann wäre er als Kreatur der Nacht für ihn ausgeschlossen. Er setzte sich verwirrt hin und dachte nach. Seltsam blickte er Edmond und Selene von der Seite an. Sein Kopf war nicht wirklich hilfreich in solchen Situationen, also wartete er noch ein wenig ab. Notfalls würde er sich für Edmonds oder gar Selenes Anklage einsetzen.

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