Seite 1 von 2 12 LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 20 von 155

Thema: [Vampire von Düsterburg] Tag 1

Hybrid-Darstellung

Vorheriger Beitrag Vorheriger Beitrag   Nächster Beitrag Nächster Beitrag
  1. #1
    Sophia von Busch schlief an diesem Tag ungewöhnlich lange. Caspar musste nicht zur Arbeit, und sie hatten Abends auf seine neue, verantwortungsvolle Position ein Gläschen erhoben - vielleicht auch ein bisschen mehr als eines. Sophia war zwar recht bald schlafen gegangen, aber ihr Mann nahm seine neuen Pflichten ernst, und hatte sich bis spät in die Nacht wahrscheinlich Gedanken gemacht, was er für Düsterburg nun bewirken wollte, und befand sich Morgens noch im Zustand eines tiefen, ruhigen Schlafes. Da er also noch im Bett lag, war auch die Dame des Hauses nicht aufgewacht.
    Als Rebecca das Zimmer betrat, dauerte es erst einmal eine Weile, bis Sophia registriert hatte, was das Dienstmädchen gesagt hatte. Sie berührte Caspar, der sich immer noch nicht regte, leicht an der Schulter. "Liebling, du musst aufstehen.", sprach Sophia sanft, aber bestimmt. Dann richtete sie sich auf und sagte zu Rebecca: "Erzähl uns, was geschehen ist."

  2. #2
    "Liebling, du musst aufstehen."

    Mühsam öffnete Caspar seine Augen. Es war schon morgens? Das konnte nicht sein, er war doch eben erst eingeschlafen - Sophia musste wohl ... die Sonne schien nicht zum Fenster hinein. Es musste längst Mittag sein. Er hatte verschlafen. Hastig erhob er sich. Hätte er doch seine Antrittsrede schon früher geschrieben - die Wahl war doch abzusehen gewesen. Aber nein - bescheiden wie er nun mal war, hatte er erst nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses angefangen zu schreiben und war bis spät in die Nacht beschäftigt gewesen.

    "Erzähl uns, was geschehen ist."

    Caspar horchte auf - es war etwas geschehen? Gespannt sah er Rebecca an, die gerade zur Erzählung ansetzte.

  3. #3
    Würde Adryan an Zufälle glauben, so wäre dies sicherlich eine Situation gewesen, die er als Zufall klassifiziert hätte.
    Nach Verlassen der Schankstube hatte er einige Meter benötigt, um sich in Düsterburg wieder zurecht zu finden, das nun in der dunstigen Umarmung dicker Nebelschwaden steckte. Und einige Meter weiter schälte sich ein ihm nicht unbekanntes Trio aus den Dunstschwaden: eine Frau mit auffällig roten Haaren, ein alter Mann und ein jüngerer Mann, der ihm bereits mit stechenden Blicken musterte. Ein Lächeln stahl sich in sein Gesicht, das mit jedem Schritt, mit dem er den Dreien näher kam, um eine Nuance breiter und freundlicher - und ironischer - wurde. Als einzig eine Entfernung von zwei Armlängen zwischen ihm und der Gruppe lag, tippe Adryan zum Gruß mit zwei Fingern an die Krempe seines Hutes. "Ich grüße euch, Abenteurer ohne Namen.", sagte er und nickte dabei kurz dem alten und den jungen Mann zu, bevor er sich an die junge Frau wandte. "Und euch wünsche ich einen guten Morgen, Libra.". Eine kurze Bewegung, eine elegante Verbeugung vor der jungen Frau folgte seinen Worten. Adryan tat zwei weitere Schritte und stand den Dreien nun direkt gegenüber. "Mir scheint, nicht nur mich bewegen die rätselhaften Ereignisse zur Umtriebigkeit. Sagt, wisst ihr ob es wahr ist, was man sich erzählt?". Im Innersten bis zum Bersten angespannt wartete der Privatermittler auf die Antwort...

    Geändert von Simon (13.11.2011 um 14:06 Uhr)

  4. #4
    Rebecca berichtete ausschweifend von den Geschehnissen des Morgens. Sie wusste nicht viel, aber ein Dienstmädchen wie sie wusste, wie man eine Erzählung ausschmückt. Ob die von Buschs es inzwischen gewohnt oder einfach zu müde waren, sie ertrugen es. Nachdem ihr Bericht geendet hatte, schwiegen alle Beteiligten zunächst einmal, bis Herr von Busch sie vor die Tür schickte. Neben der Tür wartend, hörte sie, wie sich das Ehepaar wusch und ankleidete. Wenig später kamen beide voll angezogen und nur dezent aufgehübscht aus dem Zimmer. Beide Blicke waren Ernst, Caspar von Busch war sich bewusst, dass seine erste Amtstat wenig ruhmreich war.
    "Führe uns hin.", sagte er knapp.

    Rasch führte Rebecca sie zum Markt, wo sich bereits eine Masse an neugierigen Leuten gebildet hatte.
    "Macht Platz für den Bürgermeister, den hohen Caspar von Busch und seinem holden Weibe!", rief das oberste Dienstmädchen in die Menge. Fast automatisch teilte sich diese um dem neuen Herren der Stadt Platz zu machen. Alle waren neugierig, was er wohl zu sagen hätte.

  5. #5
    Da war er schon wieder, dieser Mann. Keine zwei Armlängen von ihr entfernt. Neben Adryan stand ein junger Mann, den Libra selbst noch nicht kannte, und das Barmädchen aus der Schenke.

    "Ah, solche Sachen sprechen sich anscheinend sehr schnell rum. Ich sage doch, diese Stadt ist ein Pfuhl an Lästereien und Gerüchten. Gibt es hier eigentlich keinen Priester oder Geweihten?" Wieder einmal seufzte Libra leise. "Nunja, wenn ihr schon so fragt: Ja, ein junger Mann wurde ermordet, und die Stadt wurde abgeriegelt. Und wenn sich nicht herausfinden lässt, wer es war, wird heute Abend schon jemand hingerichtet. Martialisch, oder?"
    "Und...was man sich erzählt, über die Wunden?"
    "Wir haben die Leiche nicht gesehen." Libra warf einen Seitenblick auf Grandy, der schmollte, und Dankwart.
    "Was erzählt man sich denn?" fragte Dankwart besorgt.
    "Thorben soll..."Elly senkte ihre Stimme, "von Werwölfen ermordet worden sein. Kann man das glauben?" Das Mädchen wirkte ganz aufgeregt.

    Dankwarts Augen weiteten sich. "Werwölfe?"
    "Nana, da ist wohl ein bisschen Volksglauben in die Gerüchte geraten" antwortete Adryan, der solche Ammenmärchen nicht glaubte. "Es waren vermutlich ganz einfach wilde Tiere. In dem Fall verstehe ich aber nicht, warum wir hier festgehalten werden."
    "...Vielleicht waren es Tiere....oder sehr grausame Menschen...können Menschen überhaupt so grausam sein?"
    Libra schüttelte den Kopf

    "Sehr wohl können Menschen das." Ein älterer Mann, der soeben die Straße herunterkam, antwortete ihr. "Menschen sind grausam. Nichtmal die eigene Familie ist ihnen heilig. Als seien wir wilde...." Er suchte ein Wort "...wilde Tiere! Selbst Wölfe haben Respekt vor ihrem Rudel!"
    "Und sie sind?" fragte Grandy mit hochgezogener Augenbraue, sichtbar unerfreut über weiteren männlichen Beistand in der Nähe seiner Libra."Friedrich Miller. Organist. Was geht hier vor sich?"

    "Mord. Und wir sind grade auf dem Weg zum großen Platz - wir wollen etwas mehr herausfinden."

    Als sie auf dem Marktplatz ankamen, sahen sie schon eine große Tafel, auf der bereits einige Namen standen. Man raunte sich zu, auf diese Liste sollte jeder in der Stadt Anwesende den Namen schreiben, den er des Mordes bezichtigte. Also waren diese Gerüchte tatsächlich wahr?

    Geändert von Caro (13.11.2011 um 14:50 Uhr)

  6. #6
    Mit immernoch leicht brummendem Schädel aber dafür gut gefülltem Magen machte sich Elizabeth auf zum Marktplatz. Es lag Spannung in der Luft.
    Nanu? Nur wegen einem neuen Bürgermeister soviel Unmut? Und auf was warteten eigentlich alle?
    Plötzlich vernahm sie die Stimme ihrer Schwester, die die Ankunft des neuen Bürgermeisters verkündete. Irgendso ein Typ mit braunem Haar. Und auch der sah irgendwie nicht so aus, als sei ihm zum Feiern zumute.

  7. #7
    Ava sah eine größere Gruppe von Dörflern den Marktplatz betreten und auf die kürzlich ausgehangene Liste zueilen. Ava hatte ihren Augen nicht trauen können, als sie die Wachen die Liste an einer Tafel hat anbringen sehen. Man konnte doch nicht von ihr erwarten, ihre eigenen Freunde und nachbarn des Mordes zu bezichtigen? Noch am vergangenen Tage hatte sie noch mit ungetrübter Freude mit ihnen an ihrem Stand geplaudert und nun war das alles wahrscheinlich für immer zerstört. Niemand würde in Zukunft seinen Bekannten so vertrauen können, wie er es früher zu tun pflegte.
    Ava wandte sich wieder an Rafael: "Es scheint, als hätten auch die anderen die Misstände bemerkt. Ich werde sie fragen, was nun vorhaben. Wenn es Euch beliebt, könnt Ihr mich gerne begleiten." Sie warf Rafael noch einen kurzen Blick zu und machte sich dann auf, um sich zu der Gruppe zu gesellen.
    Ava nickte kurz in die Runde und fragte dann besorgt: "Wisst ihr etwas über die Gerüchte? Ich habe vorhin ein junges Mädchen mit ihrer Freundin über Werwölfe schwatzen hören. Selbst die Waschweiber reden von kaum etwas anderem mehr. Auch die Stimmung heizt sich immer mehr auf, ich befürchte, es wird bald zur Eskalation kommen. Wie sollen wir nun handeln? Und was sollen wir bezüglich dieser Liste tun?" Sie musste erst einmal schluckten. "Die Wachen erwähnten, es wäre eines jeden Bürgers Pflicht, einen Namen zu nennen. Doch das ist... das ist zu grausam..."

  8. #8
    Grandy beäugte die Liste sehr genau. Noch stand kaum ein Name auf ihm, doch allein die Tatsache, dass man abstimmte anstatt zu untersuchen, gefiel ihm nicht. Er war vielleicht mehr ein Mann der Tat, als ein Mann des Verstandes, doch selbst er sah keinen Sinn darin einen nach dem anderen zu töten. Doch die Düsterbürger schienen von dieser uralten Tradition überzeugt zu sein. Zwei Wachen standen vor dem Schild und kontrollierten, dass jeder nur einen Namen nannte und die Liste nicht von irgendwelchen Vandalen besudelt wird. Die, die des Schreibens nicht fähig waren, konnten sogar die einen Vorseher für sich schreiben lassen.

    Grandy, Libra und Dankwart waren wieder am Marktplatz, in Begleitung des unsympathischen Adryans und nun auch eines zersausten Friedrich Miller, der unaufhaltsam von Werwölfen sprach, als hätte er jemals eines dieser Sagenhaften Gestalten gesehen. Grandy war mit diesen Geschichten vertraut, er erinnerte sich wie eine alte Frau ihm als Kind düstere Märchen erzählte, war es eine Großmutter, seine Tante gewesen? Er konnte es beim besten Willen nicht sagen. Aber es blieb dabei, Vampire, Werwölfe, Hexen und andere Ungeheuer waren der Stoff aus dem Gruselgeschichten sind. Davon war er überzeugt.

    „Erwarten sie wirklich von allen Bürgern, dass bei diesem Wahnsinn mitmachen? Wir können doch nicht irgendjemandem auslosen?“
    , der Gedanke daran, dass jemand unschuldiges aufgrund der Paranoia der Bürger umgebracht wird, machte Grandy wütend. „Der Bürgermeister kann diesem Unfug doch niemals seinen Segen geben. Wo bleibt dieser Scharlatan überhaupt, selbst der schwächste und älteste Greis der Stadt würde bei solchen Ereignisen nicht ruhig schlafen können.“

  9. #9
    "Werwölfe?!" antwortete Talis "So was solls geben, solche Dinge wurden doch bereits vor ewiger Zeit in dieser Zeit mit einer Mordserie verbunden, wenn ich mich recht an die Geschichtsbelehrung durch den Antiquar bei meinem Einzug erzählt. Wo ist der eigendlich? Ich auf jeden Fall halte diese Legenden für Mumpitz, im Gegensatz zur Inkompetenz des Herrn Bürgermeisters!" Danach dieser Aussage drehte er sich wieder zum Behelfswirt um, immernoch auf Bier und Antwort wartend.

  10. #10
    An diesem Tag haben lediglich drei Kunden die Barbierstube besucht und haben Sven über den Mordfall des heutigen Tages informiert. Aber es interessierte ihn nicht. In Laufe der letzten Wochen verlor er immer mehr von seiner Lebensfreude und Emotion. Als wäre er von einem Menschen zu einer versteinerten Ziege mutiert. "Wir müssen den Mörder ausfindig machen und lynchen" sprach sich in der gesamten Stadt herum.
    Heute schloss Sven sein Geschäft etwas früher als gewöhnlich und machte sich auf den Weg zur bekannten Stadtkneipe. Ein bisschen Alkohol und Musik dürften den grauen Nebel in seinem Geist vertreiben - oder Sven noch weiter erblinden lassen. Vielleicht kann er auch neue Kunden anwerben.

  11. #11
    "Bedenkt, dass meine Worte Sinn ergeben."
    Grandy musste sich zusammenreißen um seine Antwort nicht durch seine Wut zu verfärben. Er atmete ein und aus, bevor er versuche ruhig zu antworteten.
    "Ihr verdächtigt Julie? Zuerst redet ihr stundenlang etwas über Werwölfe und was weiß ich für Märchen und nun wollt ihr meinen Hund als schuldig darstellen?
    Falls ich einen Streit mit irgendjemandem habe, würde ich die Person, wie es sich für einen echten Kämpfer gehört, zu einem öffentlichen Duell herausfordern. Ein echter Mann braucht nicht die Hilfe von Hund oder Tier. Vielleicht rege ich mich manchmal zu schnell auf, wenn ich meine Ehre verletzt sehe, aber ich würde niemals jemandem hinterrücks angreifen. Nichteinmal den abscheulichsten Verbrecher. Ich verberge nicht, wenn ich mein Schwert gebrauche. Und lassen sie Julie in Ruhe. Wie sollte auch ein einzelner Hund einen erwachsenen Mann komplett zerstückeln?"

    Er konnte nicht fassen, dass jemand allen ernstes seiner Hündin die Schuld an einem Mord zu schreiben könnte, die Bürger dieser Stadt waren wohl wirklich barbarisch. Er verstand langsam warum man diesen Ort "Düster" nannte.
    "Und warum gibt die Wache überhaupt keine Aussage? Sie könnten zumindest sagen, was sie gefunden haben. Das ist doch absolut unverantwortlich und es ist eine einfache Art den Mord an einem Unschuldigen zu rechtfertigen."

  12. #12
    Mit fassungslosem Staunen betrachtete Adryan die Szenerie, die sich vor seinen Augen abspielte; wie von Sinnen strömten die Menschen zu der großen Tafel, um eilig den Namen desjenigen darauf zu schreiben, den sie für schuldig hielten. Wie viele von ihnen schwärzten wohl ihren eigenen Nachbarn, Vater, Mutter, Bruder, Schwester oder Ehepartner an? Dies schien für Viele die perfekte Gelegenheit, jahrelang unterdrückte Missgunst raus zu lassen.
    Adryan seufzte und schüttelte traurig den Kopf. "Iustitia wird vergewaltigt...", murmelte er und wollte seinen Gedanken weiter nachhängen, da schnappte er die Unterredung zwischen dem eifersüchtigen Grandy und einem Mann mit Namen Miller. Dabei fielen ihm zwei Dinge auf:
    Erstens musste er Grandy, so ungern er es zugeben mochte, Recht geben. Dies hier war Wahnsinn.
    Zweitens war die These von Miller, der Hund wäre der Mörder, absolut absurd.
    Doch vorerst wollte er sich nicht einmischen und verfolgte gespannt die weitere Unterhaltung...

    Geändert von Simon (13.11.2011 um 16:15 Uhr)

  13. #13
    Train näherte sich Grandy. Er hatte zugehört und schüttelte den Kopf.

    "Was erwartet ihr? Die Wachen wissen scheinbar nichts, weil sie auf den Bürgermeister warten mussten der erst bis Mittags im Bett lag und jetzt die ganze Zeit gelangweilt umher sieht. Vielleicht sollten wir die Sache selbst in die Hand nehmen. Und euer Hund? Wie sollte euer Hund den Mord begangen haben? Das ist doch verrückt!"

  14. #14
    Caspar stand vor den Menschen. In seiner Hand hielt er seine Rede. Noch einmal überflog er sie - sie war gut, das wusste er. Er räusperte sich:

    Sehr geehrte Bewohner der Stadt Düsterburg, ich möchte mich aufrichtig bei euch bedanken.
    Ihr habt euer Vertrauen in diesen schweren Zeiten wirtschaftlicher Engpässe gegeben und ich möchte dieses Vertrauen nicht enttäuschen. Erst neulich musste ich beispielsweise feststellen, dass es zur Zeit beinahe unmöglich ist, den berühmten Düsterburger Schinken zu erstehen - noch dazu wird das Handelsgeschäft immer schwieriger und unrentabler. Ich möchte daher vor allem die Zollschraube drehen und somit den Händlern ermöglichen ihre Waren günstiger hier einzuführen, um sie daran zu hindern, in andere Städte auszuweichen.
    Liebe Düsterburger, vor uns stehen große Aufgaben, doch ich bin mir sicher, gemeinsam bekommen wir die aktuelle Krise in den Griff. Düsterburg wird in meiner Amtszeit erblühen, ihr werdet alle teilhaben können am wirtschaftlichen Wohlstand ...


    Caspar redete sich in einen wahren Rausch, in dem er nicht bemerkte, wie die Stimmung, die sowieso schon gegen ihn gerichtet war, immer weiter kippte. Er sprach weiter über die Wirtschaft, über Kultur, aber nicht über den Mord, der stattgefunden hatte.

  15. #15
    "Du, Edmond. Warum redet Herr Caspar nicht von dem Mord?", fragte Maxim Edmond von der Seite, "Bei all der Aufregung hätte das oberste Dienstmädchen Rebecca doch schon längst davon erzählt haben, oder nicht?" Ein Mitlauscher dachte über Maxims Worte nach und schrie dann in die Menge: "Genau, warum redet Ihr nicht von dem Mord von gestriger Nacht?! Warum weicht Ihr in solch banalen und irrelevanten Themen aus, die doch gerade niemanden interessieren?! Seht Ihr denn nicht, weswegen wir alle hier sind?" Die Menge wurde unruhig und jeder war mit sich selbst beschäftigt. Allein vor einer tuschelnden Menge stand der Bürgermeister nun vor ihnen.

  16. #16
    Nachdem Rafael Ava eher, weil er nichts besseres zu tun gehabt hatte, zu einer anderen Gruppe von Leuten gefolgt war, sich aber dezent im Hintergrund gehalten hatte, statt sich in die immer verrückter werdenden Theorien einzumischen (obwohl immer noch niemand mit Sicherheit wusste, was genau geschehen war), empfand er eine Erleichterung, als endlich Herr von Busch auftauchte und begann seine Rede zu halten.
    Zumindest anfangs. So gern Rafael auch etwas von wirtschaftlichem Aufschwung hörte, so musste er doch dem Kerl, der da gerade eben gerufen hatte, im Stillen recht geben. Im Moment war die Stimmung in der Stadt am Kochen, und wenn nicht bald ein paar klare Worte zur Situation gesprochen würden, würde es wahrscheinlich Tote geben.
    Besonders, nachdem er von dem barbarischen Brauch, einfach wahllos Menschen anzuklagen, wenn man keine Beweise hatte, gehört hatte, war er der Überzeugung, dass etwas Vernunft hier dringender als alles andere gebraucht wurde. Er hatte selbst nichts von diesem "Brauch" gewusst, da in der Zeit, die er in der Stadt verbracht hatte, noch kein Mord geschehen war, aber das war doch einfach barbarisch. Sie lebten doch nicht mehr im finsteren Mittelalter, wo man die Probleme mit einer Hexenjagd beilegte! Aber je länger Herr von Busch redete, desto mehr schwand Rafaels Zuversicht hinsichtlich eines Endes dieses Wahnsinns...

  17. #17
    Sophia hatte ihren Gatten zum Marktplatz begleitet, und ließ ihren Blick durch die Menge schweifen, während Caspar redete. Natürlich entging ihr nicht, dass es allmählich nicht nur unruhig, sondern regelrecht laut unter den Zuhörern wurde, einige riefen dem Bürgermeister etwas zu, andere konnten nur fassungslos zusammenhanglose Wörter hervorbringen.
    "... denn unsere Stadt hat all die Vorraussetzungen, ihren Wohlstand zu vergrößern und langfristig zu erhalten, mit meinen..." Nach einer Weile räusperte Sophia sich. "Liebling, der Mord.", sagte sie sanft zu Caspar. Sie wusste, dass er es nicht gerne hatte, unterbrochen zu werden, doch in diesem Falle ging sie das Risiko ein. "Du vergisst den Mord. Die Leute möchten erst gerne hören, was du in dieser Sache unternehmen möchtest, danach kannst du Düsterburg erblühen lassen." Sie lächelte, denn sie mochte es sehr, wenn ihr Gatte sich leidenschaftlich in eine Rede hineinsteigern konnte, trotzdem musste er ein wenig gebremst werden.

  18. #18
    "Eh... eh! Moment, warum schreit Ihr so?", sagte Maxim besorgt. "B-bitte, es war nicht meine Absicht, dass ihr alle so unruhig werdet! Der Bürgermeister wird sicher noch bald-" Gewaltsam von der tobenden Menge wurde Maxim unterbrochen. Die Leute fingen an mit ihren Armen rumzuschwenken und Maxim bekam eine volle Rechte in sein Gesicht zu spüren. Er lag verletzt mit dem Bauch zum Boden und dem Gesicht zur Seite herum. Die Menge wurde immer dichter und Edmond wurde zur Seite geschoben. "Bei allem was recht ist, was soll denn der Bockmist?!", schrie Miller in das Tohuwabohu, "Erzählen Sie uns jetzt sofort etwas von dem Mordfall, sonst setzt es etwas!" Die Leute schrien und fingen sogar an Von Busch auszubuhen. Dann sah man Caspars Frau ihn unterbrechen. Sie sagte schlicht und einfach: "Liebling, der Mord." Die Menge schien zu sehen, dass seine Frau wieder den Bogen kriegte und wurde wieder ruhiger. In dieser Zeit lief eine bestimmte Frau los und kam zu Maxim: "Geht es dir gut? Armer Jüngling, du kannst doch nicht einfach so in einer unruhigen Debatte mitmischen." Marina reichte ihm die Hand.

  19. #19
    Caspar hielt inne.

    Er blickte in die Menge. Die Schmährufe und fassungslosen Zwischenrufe, die vorhin an seinem Redefluss abgeprallt waren, schlugen nun mit voller Wucht auf ihn ein. Sophia hatte anscheinend Recht.

    Ach ja, der Mord. Eine Dienerin hat mich über die Ereignisse informiert, da ich selbst leider verhindert war und sie deshalb nicht anders mitbekommen konnte. Ich habe auch gehört, dass gewisste Gerüchte über die Beschaffenheit des .... Mörders die Runde machen. "Werwölfe". Pah. Glaubt ihr tatsächlich an diese Ammenmärchen? Nein, der Mörder ist unter uns. Ich werde aus den hier Anwesenden einige auswählen, die besonders auf das Verhalten der anderen achten sollen und mir heute Abend Bericht erstatten. Der für schuldig befundene wird danach seiner gerechten Strafe zugeführt.

    Caspar wählte unter den Anwesenden 26 Vertrauenspersonen aus verschiedenen sozialen Schichten, wobei völlig zufälligerweise die Mehrheit aus den höheren Schichten zu kommen schien und auch seine Frau Sophia darunter war.

    Um zur Zukunft Düsterburgs zurückzukommen - der Zustand der Straßen hier ist desaströs, die Karren der Händler erleiden unnötige Schäden ..., und er setzte seine Rede fort.

  20. #20
    Friedrich Miller hatte bereits geahnt, dass diese Person, Grandy, die Aussage missverstehen würde. Es wunderte ihn allerdings, dass er in seinem Missverständnis sofort Zustimmung eines Mannes erhielt, der sich zu ihnen gesellte. Er machte eine abwehrende Handbewegung und sagte "Ich bitte sie, niemand beschuldigt ihren Hund. Wer würde das Schwert beschuldigen für die Gräuel, die es unter Führung eines niederträchtigen Mannes ausübte?"
    Er merkte an Grandys Gesichtsfarbe, dass diese Worte nicht weise gewählt waren. "Was ich sagen will ist: Vielleicht ist es nicht ratsam, einen Hund bei sich zu haben, wenn man als Fremder in einer Stadt ist, in der etwas als Mord bezeichnet wird, das von einem Tier ausgeübt wurde. Ich gebe Ihnen allerdings Recht, Sie erscheinen mir auch wie ein Mann, der den offenen Kampf und das Duell einem hinterhältigen Angriff vorziehen würde."

    In Gedanken versunken überlegte Miller kurz, dann murmelte er: "Werwolf... das ist die einzige Erklärung, die mir sonst noch einfällt. Oder haben sie einen besseren Vorschlag, Herr Grandy?"

    Da fing der Bürgermeister seine Rede an. Erst jetzt bemerkte Miller, dass er sich noch gar nicht informiert hatte, wer gewonnen hatte, und als er Caspar von Busch sprechen sah, zogen sich tiefe Sorgenfalten über seine Stirn. "Auch das noch", knurrte er.
    Er hörte der Rede zu, und seine Sorgenfalten wichen einer Zornesröte. "Bei allem was recht ist, was soll denn der Bockmist?!", rief er schließlich. Dann noch einmal lauter rief er: "Erzählen Sie uns jetzt sofort etwas von dem Mordfall, sonst setzt es etwas!"

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •