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Thema: [Vampire von Düsterburg] Freier Tag

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Aus den Augenwinkeln hatte Libra ihn bereits wahrgenommen, diesen beeindruckenden Mann, der sich an Nebentisch gesetzt hatte.
    "Marina, kennt ihr in dieser Stadt eigentlich noch andere Leute?", sprach sie die junge Frau an und ignorierte wohlweislich Grandys Heldengeschichte. Ja, sicher, ungemein heldenhaft, dieser ungehobelte Kerl, mit seinem Hund und...ach, was regte sie sich auf. Sie warf ihre roten Haare nach hinten und schob Marina die Reste ihres Hackbratens zu. "Anscheinend bevorzugen viele...Reisende...dieses Lokal." Unauffällig blickte sie dabei zu dem Fremden. "Oder wisst ihr irgendetwas über die Stadtbewohner? Man hört ja einiges über die von Buschs, selbst wenn man von außerhalb kommt. Vor wenigen Tagen habe ich in einer Schänke ein Gespräch gehört, laut dem diese Familie sehr mächtig sein soll. Und wo Macht ist, da ist auch Schmutz." Libra war sehr interessiert an solchen Klatschgeschichten. Natürlich.

  2. #2
    Sophia von Busch war seit jeher mit tiefem, traumlosen Schlaf gesegnet. Es gab nur zwei Dinge, die sie sofort erwachen ließen - der gelegentlich unruhige Schlaf ihres Mannes, und die leicht fröstelnde Kälte, wenn Caspar Morgens das warme Bett verließ, um zur Arbeit zu gehen. Gerade bei Letzterem gab es niemals Ausnahmen, sie schien eine Art Instinkt dafür entwickelt zu haben, wann ihre bessere Hälfte sich entfernte. Sie verbrachte zwar den restlichen Tag stets ohne ihren Mann, ohne sich besonders darum zu kümmern - es gab reichlich Interessantes und Abwechslungsreiches für eine Frau ihren Standes in Düsterburg - aber Morgens war es immer ein wenig ungewohnt, das große Bett erst einmal für sich alleine zu haben.

    So wachte Sophia auch an diesem Tag auf, regte sich aber nicht weiter, bis sich die leisen Schritte von Caspar aus dem Zimmer entfernt hatten. Sie wartete stets noch eine Weile bis zum Aufstehen, denn so früh, wenn der Geist gerade ausgeruht war, konnte sie am besten denken, und sich zum Beispiel kürzlich Gelesenes ins Gedächtnis zurückrufen, oder wichtige Entscheidungen für ihre Tagesplanung treffen. Heute wollte sie gleich Vormittags einen Spaziergang unternehmen, am besten direkt durch die Stadt - wovon sie sonst meist Abstand nahm, da man alles mögliche Gesindel treffen konnte - denn es war die beste Methode, auch interessante Informationen aufzuschnappen. Und vor allem, was viel wichtiger war, interessante Informationen zu verbreiten, welche in ihrem Fall meist aus einem Buch stammte, das sie gerade gelesen hatte. Üblicherweise begleitete Rebecca sie auf solchen Spaziergängen, und so beschloss Sophia, nach dieser zu rufen. Erst einmal musste sie sich ohnehin ankleiden, und dabei konnte sie die Dienstmagd sogleich von der Tagesplanung in Kenntnis setzen.
    Eine Weile lang geschah nichts, vielleicht war Rebecca auch noch mit Aufgaben von Caspar beschäftigt worden. "Selene!" ,rief Sophia stattdessen eben. Eine von den beiden würde sich wohl bequemen können, sich um ihre Herrin zu kümmern.

    Geändert von Lynx (08.11.2011 um 19:24 Uhr)

  3. #3
    Da die beiden Damen am Tisch sich entschieden hatten über die lokalen Bekanntheiten zu tratschen, fühlte sich Grandy etwas entäuscht, zählten Heldentümer so wenig heutzutage? Er konnte sich nicht daran erinnern, aber früher hätte er sicher eine Menge Bewunderung über seine Geschichte hervorrufen können. Etwas gelangweilt widmete er sich wieder seinem Hackbraten und packte das Fell des Killerkarnickels wieder ein.

    Ihm fiel auf das Julie etwas Suppe aß und dankte der Magd die gleich neben ihr stand und sie auch etwas streichelte. Da fiel sein Blick auf Dankwarts Amulett, dass unter seinem Umhang hervorschien.

    "Sag mal, Dankwart. Eins hast du mir noch gar nicht erklärt bei deiner Geschichte. Wie genau ist deine Familie eigentlich an dieses Heilige Amulett gekommen, dahinter muss es doch sicher eine spannende Geschichte geben?"
    , versuchte er eine Unterhaltung zu beginnen.

  4. #4

    Perhaps you've heard of me?
    stars5
    Nach dem kläglich gescheiterten Versuch das schöne Fell des Fremden zu bekommen, drehte er sich weg um den Mann nicht weiter zu belästigen. Er wollte sich nicht schon wieder in Schwierigkeiten bringen, vorallem da er neu in Düsterburg war. ''Ich glaube ich geh raus, etwas frische Luft schnappen'', sagte Thorben und trat durch die Tür die ein knirschendes Geräusch im Raum hinterließ.

  5. #5
    Shael knirschte. Seine Freunde waren nirgendwo in der Taverne zu sehen. Er hatte die ganze Taverne nach seinen Freunden abgesucht, aber von ihnen war nichts zu sehen. Seltsam. Sie waren doch sonst so pünktlich. Beim Hinausgehen stieß er mit jemandem zusammen. "Autsch!", machte er. "Oh, Verzeihung.", meinte Shael. "Ich hab Sie gar nicht gesehen." Dann fiel ihm das Gesicht auf. Obwohl er fast jeden Dorfbewohner vom Gesicht her kannte, so hatte er diesen hier noch nie zuvor in Düsterburg gesehen. "Sagt, seid Ihr neu hier in Düsterburg? Ich habe Euch noch nie zuvor hier gesehen."

  6. #6
    Rowans Laune hebte sich nur geringfügig, als er die Taverne betrat, die scheinbar "Wirtshaus zum polierten Panzer" hieß. "Ein seltsamer Name, für einen noch viel seltsameren Ort. Her Wirt, so erläutere er mir, welch Wegemittel diesen Ort in nächster Zeit verlässt!". Der Wirt schien ihn wohl nicht verstanden zu haben, Rowan setzte sich nun in Rage an und wollte sich zur Beruhigung eine Tasse Tee bestellen: "Bedienung, beschaffe sie mir eine Tasse des besten Tees dieses Landes, möge sie eilen, sodass dieser in Windeseile meine Lippen befeuchte!" Mit diesen Worten lehnte Rowan sich erst einmal zurück.

  7. #7

    Perhaps you've heard of me?
    stars5
    "Oh, Verzeihung. Ich hab Sie gar nicht gesehen.", entschuldigte sich der Mann höflich. Der Zusammenstoß schien ihm unangenehm. "Sagt, seid Ihr neu hier in Düsterburg? Ich habe Euch noch nie zuvor hier gesehen." ''Ich habe mich zu entschuldigen, werter Freund. Ich hätte besser aufpassen sollen! Und ja, ich bin erst kürzlich nach Düsterburg gekommen, doch ihr scheint mir wie ein Einheimischer.'', antwortete Thorben. ''Wie lautet euer Name?'' fragte er um sich bei seinem Gegenüber ordentlich zu entschuldigen.

  8. #8
    "Ah, weder das eine, noch das andere würde mir auf Anhieb einfallen Grandy. Aber ja, Talent hatte er, eine nahezu... göttliche Eingebung." Ein leichtes Schmunzeln hing auf den Lippen des alten Mannes "Euer Abenteuer war es allerdings definitiv wert, es wird uns garantiert bei unserer Aufgabe hier helfen und selbst wenn es uns nur moralisch unterstützt, aber... in den richtigen Händen wird es auch mehr tun können, dem seid euch sicher Grandy."

    Der Griff Dankwarts festigte sich um die Insignien seiner Familie, es war den Aufwand wert, er wusste, dass es den Aufwand wert war.

    "Ihr müsst mir immer noch genauer erzählen wie ihr beiden es geschafft habt, das Amulett, gerade in den Einöden, wiederzufinden"

  9. #9
    "Ihr solltet uns auch erstmal sagen, wie ihr es dort hin gebracht habt! Ihr als älterer Mann, auf Wanderschaft in den Bergen, oder wie? Nunja, wir haben einen Mann getroffen, der dort lebte, der uns auf die Spur brachte...Man, der war schon sehr gruselig, selbst ich unerschrockene Frau fand ihn mehr als unheimlich. Er war so...anders. Einsiedler? In den Bergen? In so einer Gegend? Das ist doch schon sehr wunderlich, vor allem, weil es ja nicht weit von dieser Stadt hier entfernt ist" Sie schüttelte den Kopf und wandt sich an den fremden Mann, der sich zu der Gruppe gesellt hatte: "Natürlich glauben wir nicht an Vampire, und Werwölfe, und an Killerkaninchen. Allerdings möchte unsere junge Freundin hier ein wenig Inspiration, und welcher Ort hat nicht solche alten Geschichten. Ihr wisst schon, was man den Kindern erzählt, damit sie nicht allein weglaufen." Nach dieser Rede schaute sie kurz in die Runde, um sich schliesslich wieder an Dankwart zu wenden

    "Dankwart, könntet ihr eventuell spezifizieren, was nun unsere Aufgabe ist?"
    "Ja, genau!" rutschte es aus dem Mädchen zu Füßen der Gruppe heraus.

    Geändert von Caro (08.11.2011 um 20:38 Uhr)

  10. #10
    "Frische Kirschen! Heute Morgen geerntet! Birnen! Eingelegte Äpfel! Was immer Ihr wünscht!"
    Das Geschrei einer Marktfrau hinter ihm erweckte Friedrichs Aufmerksamkeit. Interessiert näherte er sich ihrem Stand. Da erkannte er auch, wessen Stimme er da vernommen hatte. Es war Ava, eine junge Frau, deren Mann viel zu früh verstorben war, so dass sie sich nun alleine um ihre Obstfarm kümmern musste. Er konnte diese selbstsichere Frau gut leiden, die so tüchtig arbeitete und dabei nie ihren Mut zu verlieren schien, und so blieb er immer gerne für ein kleines Schwätzchen an ihrem Stand stehen.
    "Ava, meine Gute! Da hast du ja heute wieder feine Waren. Ich fürchte, die Kirschen werde ich mir nicht leisten können, aber einem Säckchen Birnen wäre ich durchaus nicht abgeneigt. Kannst du sie mir denn empfehlen? Und in was hast du die Äpfel denn eingelegt, von so etwas habe ich ja noch nie gehört! Eine neue Idee von dir?"

  11. #11
    "Ava, meine Gute! Da hast du ja heute wieder feine Waren. Ich fürchte, die Kirschen werde ich mir nicht leisten können, aber einem Säckchen Birnen wäre ich durchaus nicht abgeneigt. Kannst du sie mir denn empfehlen? Und in was hast du die Äpfel denn eingelegt, von so etwas habe ich ja noch nie gehört! Eine neue Idee von dir?"
    Erfreut sah Ava Friedrich an. Sie lächelte und drückte ihm eine Birne in die Hand. "Probier nur! Sie sind sehr saftig, ich habe diesen Morgen selbst ein paar davon gegessen!" Er biss ein Stück von der Birne ab und nickte anerkennend. "Warte einen Moment! Ich werde dir gleich ein Säckchen füllen. Und die Äpfel... es mag ein wenig seltsam klingen, Äpfel einzulegen, aber das ist keineswegs eine neue Idee, sondern in Russland ein sehr beliebtes Rezept. Man kann sie aber auch in Weiswein einlegen, doch der war zu teuer..." Sie sah ihn fröhlich an. "Du kannst welche haben, wenn du magst."

  12. #12
    Glücklicherweise lies der Tee nicht lange auf sich warten und mit jedem Schluck konnte Rowan sich ein bisschen mehr beruhigen. "Es scheint wohl so, dass ich hier noch eine Weile feststecken werden. So sollte ich denn eine Bleibe finden, die meinen Ansprüchen genügt. Nundenn, als meisterhafter Jäger, der ich bereits die größten und gräßlichsten Kreaturen niederstreckte und somit weit über alle Grenzen hinaus bekannt bin, will ich mich auf die Jagd nach einer Bleibe machen. So spreche er denn Herr Wirt, wo kann meine Wenigkeit eine passende Bleibe finden?", anscheinend waren die einfachen Bürger wirklich nicht an solch eine Ausdrucksweise gewöhnt, der Wirt schaute noch immer ein wenig verwirrt drein, als Rowan ihn nach einer Bleibe fragte. Stumm und ohne irgendeine Ahnung, was er tun sollte, verwies jener den jungen Grafen auf das Haus, was sich in unmittelbarer Nähe zur Taverne befand, in der Hoffnung, dass Rowan ging und am besten nie wieder käme. "Habt Dank, werter Herr, nehmt dies Gold, als Anzahlung für das Getränk." Mit diesen Worten verließ Rowan das Gasthaus und eilte über die Straße. Noch immer war der Wirt verwirrt, allerdings war es weniger die Sprache, als viel mehr die Tatsache, dass dieser Mann in kürzester Zeit von fordernd zu wohlwollend gewechselt war.

  13. #13
    "... acht... neun... und damit wären es alle!"

    Nachdem er mit einer letzten vorsorglichen Zählung fertig war, trat er vom Wagen zurück und betrachtete ein letztes Mal abschätzend die Ladung, die aus Weinfässern sowie Kisten mit bereits in Flaschen abgefülltem Wein bestand. Sein Vater würde zufrieden sein. Abschließend ging er nach vorne zum Fahrer und zog den Brief aus seiner Tasche.

    "Hier sind wie üblich die Zahlen für meinen Vater. Wir sehen uns dann, wenn sie wieder da sind. Gute Fahrt."

    Der Fahrer steckte den Brief ein, drückte Rafael noch einmal zum Abschied die Hand und schwang sich dann auf den Bock. Langsam trabten die Pferde an und zogen den Wagen in Richtung Stadtausgang. Beim ersten Mal hatte Rafael den Wagen noch bis zum Stadtausgang begleitet, doch inzwischen hatte er das aufgegeben. Er wusste, die Ladung war in guten Händen.

    Er streckte sich. Heute gab es nichts mehr zu tun; nach dem Verladen hatten die Angestellten immer den Rest des Tages frei, und somit war auch seine Arbeit für heute beendet. Er warf einen Blick in den Himmel, der sich, nachdem sich der Frühnebel verzogen hatte, in einem strahlenden Blau präsentierte. Er würde wohl einen Spaziergang durch die Stadt machen und anschließend im Rathaus seine Stimme für den neuen Bürgermeister abgeben. Allerdings war er sich noch nicht ganz sicher, für wen er stimmen sollte. Caspar von Busch wäre eigentlich die logische erste Wahl, da auch er im Handelsgewerbe tätig war, allerdings war er ihm persönlich nicht gerade sympathisch...
    Rafael vertrieb den Gedanken. Er hatte noch den ganzen Tag Zeit, seine Wahl zu treffen, und letztendlich würde seine Stimme wohl auch kaum den entscheidenden Ausschlag geben. Stattdessen wollte er das schöne Wetter genießen und sich mal wieder ein wenig in der Stadt umsehen.

    Nachdem er eine Weile ohne konkretes Ziel herumgezogen war, stellte er fest, dass er sich dem Marktplatz näherte. Plötzlich hörte er eine Stimme, die frisches Obst anpries. Da daraufhin prompt sein Magen anfing zu grummeln, beschloss er lächelnd, der Stimme zu folgen. Sie führte ihn zu einem Stand einer Bäuerin. Überrascht stellte er fest, dass sich hier beeits jemand befand, den er kannte. Da die Bäuerin gerade dabei war, seine Waren zusammenzupacken, sprach Rafael ihn an.

    "Guten Tag Herr Miller, schön, sie wieder einmal zu sehen. Haben sie auch das schöne Wetter zum Anlass für einen kleinen Stadtbummel genommen?"

  14. #14
    Grandy plichtete Libra bei.
    "Ja, die Eisöden waren schon ein kaltes Fleckchen Erde. Mir tun immer noch die Armee weh vom ganzen Seil klettern, ein wirklichen Weg da hinauf gibt es ja nicht. Und der ganze Schnee, da lernt man erst wirklich die Wärme eines Kaminfeuers schätzen. Ich kann bis heute nicht verstehen, wie dieser Eremit da droben überleben kann. Wild gab es dort kaum, und von den Schneehasen kann man sich auf dauer auch nicht ernähren, die haben bei weitem nicht so viel Fleisch ansich wie die im Tal lebenden Hasen, vertraut mir ich weiß wovon ich spreche.
    Wie wären sogar fast eine Klippe hintergefallen, als wie das Amulett bergen wollten."

    Geändert von Mivey (08.11.2011 um 21:17 Uhr)

  15. #15
    "Du kannst welche haben, wenn du magst."
    Friedrich Miller sah Ava erstaunt an. "Eine russische Spezialität, hier in Düsterburg! Das ist ja ein Luxus, den sie nicht einmal in Königsberg zu bieten haben. Gerne nehme ich ein paar deiner eingelegten Äpfel mit. Und wenn ich dir einen Rat geben darf: Preise deine Äpfel besonders laut an, wenn der Herr von Busch oder eine seiner Mägde heute den Markt besucht. So, wie ich diesen hochwohlgeborenen Kerl einschätze, wird er so etwas Extravagantes unbedingt kosten wollen." Friedrich zwinkerte verschmitzt. Ava lächelte und begann, die Waren zu verpacken, während er seine Münzen zählte.

    "Guten Tag Herr Miller, schön, sie wieder einmal zu sehen. Haben sie auch das schöne Wetter zum Anlass für einen kleinen Stadtbummel genommen?"
    Die Stimme, die ihn da von der Seite ansprach, war ihm bekannt, doch Miller müsste sich erst der Person zuwenden, um sie zuordnen zu können. Er lächelte Rafael Firas, den Sohn des bekannten Handelsunternehmers, freundlich an.
    "Nun ja, das kann ich nicht behaupten, aber wie es manchmal passiert, rückt der eigentliche Anlass, das traute Heim zu verlassen, bei einem solch selten schönen Wetter wie heute schnell in den Hintergrund. Im Grunde war ich auf dem Weg zum Antiquar, von dem ich mir erhoffe, dass er mittlerweile die neue Sammlung italienischer Partituren hat, um die ich ihn gebeten hatte. Doch ehe ich mich versehe, stehe ich hier und koste die feinsten Birnen und genieße den Sonnenschein. Mir scheint, dass es dir gerade ganz ähnlich ergeht." Hier zwinkerte Miller wieder.
    "Was macht die Arbeit in der Kelterei? Jaja, irgendwann treten sie alle in die Fußstapfen ihrer Väter, da nützt auch eine große musikalische Begabung wie deine nicht. Jammerschade, das, aber verständlich. Apropos, wie gehts dem alten Herrn? Verzeih die saloppe Redewendung, aber du weißt ja, wie ich es mit Höflichkeitsfloskeln halte."

  16. #16
    Selene brachte nach dieser Zurechtweisung nur ein „Ja Herr von Busch.“ und einen Knicks zustande und verschwand in die Küche. Sie hatte kaum Zeit ihr Haar zu richten und die lockeren Klammern wieder unter der Haube zu befestigen, da hörte sie schon Frau von Buschs Stimme – anscheinend war Rebecca nicht im Haus.

    Glücklich wenigstens noch das warme Wasser, das sie für den Kaffee aufgesetzt hatte in die Waschschüssel der Herrin füllen zu können, eilte sie so schnell wie möglich ins Zimmer von Frau von Busch.

    „Guten Morgen gnädige Frau, wünsche wohl geruht zu haben.
    “ Mit einem Knicks zog Selene den Paravan zurecht hinter dem sie dann auch sogleich die Waschschüssel bereit stellte. Immerhin hatte Rebecca am vorherigen Abend alles in perfektem Zustand hinterlassen. Ihr unterlief wirklich kaum einmal ein Fehler. Beneidenswert.

    Während sie der Dame des Hauses beim ankleiden und frisieren zur Hand ging, wobei sie nicht umhin konnte die teuren Stoffe und den schönen Schmuck ausgiebig zu bewundern, wartete sie geduldig ab was ihre Herrin ihr auftragen würde und überlegte ob wohl der jüngste Sohn des Fleischers, der hier im Hause als Botenjunge aushalf, ihr helfen konnte an ein saftiges Stück Fleisch zu kommen.

    Oder ob sie ihm, wenn ihr neben den alltäglichen Pflichten noch genug Zeit bliebe, seine liebsten Zuckerwerke backen sollte. Sie lächelte versonnen, ja das war eine gute Idee.

    Was ihr gepflegtes Äußeres anging, so musste sie Rebecca baldigst auf eine Uniform ansprechen. Jedes der Dienstmädchen im Hause von Busch trug eine und jetzt, da sie auch so mit den beiden Herrschaften zu tun hatte sollte sie wirklich eine bekommen.

  17. #17
    Talis stand auf, ein neuer Morgen hatte schon längst begonnen und seine Frau war immer noch nicht zurück. Ihr letzter Brief vorgestern erklärte zwar noch einemal ihre familiären Probleme, welche einer Lösung und Zeit bedurften, aber ein latentes Misstrauen schlich sich in seine Gedanken. Er überlegte kurz ob er seinen Laden heute allein öffnen sollte, entschied sich für den Moment aber dagegen. Irgendwie hatte er den Drang zur Kneipe zu gehen, ein Drang der ihn immer öfter überkam. Dort würde er jedoch nichts trinken, wie bisher, höchstens später, falls er sich nicht zu Arbeit durchringen könnte. Als er die Kneipe(wwelche andere Gasthaus nennen mochten, für ihn war sie nur dies) betrat viel ihm die Menschenmenge auf, normalerweise waren um diese Zeit weniger Leute hier. Er sprach, nachdem er die Tür hörbar knallen ließ in die Runde:" Hab ich die monatliche Dorfversammlung verpennt, oder was ist hier los?" und ging zum Tresen: "Das Übliche!", grunzte er, und drehte sich dann, von den Anderen eine Antwort erwartend um.

    Geändert von Einheit092 (08.11.2011 um 22:34 Uhr)

  18. #18
    Selene kam recht schnell herbeigeeilt, und sah aus, als hätte sie bis eben schon eine Menge zu tun gehabt. Während Sophia sich wusch und ankleidete, sprach sie das Dienstmädchen nicht an - sie legte eigentlich keinen großen Wert auf Konversation, bevor sie nicht ausgiebig den Schlaf der Nacht ausgetrieben, und sich für den Tag frisch gemacht und in Schale geworfen hatte.
    "Ist Rebecca außer Haus?" ,fragte sie schließlich, als sie sich in einem Spiegel betrachtete. Selene hatte ruhig gewirkt, und hatte ihre Aufgaben vorhin geduldig und geschickt erledigt, dennoch hatte man ihr beim Eintreten deutlich angemerkt, dass es wohl schon früh Morgens einiges für sie zu tun gegeben hatte.
    Das Dienstmädchen nickte auf eine höfliche und auch demütige Art und Weise, so sehr es ihr eben möglich war zu reagieren, während sie noch ein paar Haarnadeln in den Haaren ihrer Herrin befestigte. "Ich möchte einen Spaziergang machen." ,fuhr Sophia fort, "Üblicherweise begleitet mich Rebecca auf meinen Ausgängen, aber ich möchte ungern warten, bis die Mittagssonne direkt auf mich niederbrennt. Sollte sie nach meinem Frühstück nicht zurückgekehrt sein, und mein Mann dir keine weiteren Arbeiten für diese Zeit aufgetragen haben, musst du mich begleiten." "Sehr wohl, Frau von Busch."
    Etwas unsicher über diese Entscheidung, gesellte sich Sophia nun in den Speisesaal. Selene schien ohne Frage eine fleißige, junge Frau zu sein, und auch ihr gesamtes Auftreten war stets korrekt. Dennoch hatte sie noch keine richtige Uniform, die sie eindeutig als Dienerin des Hauses von Busch kennzeichnete, und während Rebecca ein gewohnter Anblick an Sophias Seite war, war dies noch eine recht neue Angestellte. "Für den Spaziergang solltest du dich noch einmal frisch machen. Wir wollen keinen schlechten Eindruck machen." ,sagte die Herrin des Hauses, als sie am Esstisch Platz nahm. "Oh, und wo ist der Schinken?"

    Nachdem die Sache mit dem Schinken schließlich ein zweites Mal geklärt war - Sophia hatte es stumm hingenommen, denn sie war sicher, ihr Mann hatte schon genug Strenge gezeigt - machte auch sie sich noch einmal frisch für den Spaziergang, und bald traten die beiden Damen aus dem Herrenhaus auf die belebten Straßen Düsterburgs.

  19. #19
    Der Tag war schon längst angebrochen und die kräftigen Sonnenstrahlen durchfluteten Edmonds Schlafgemach. Langsam weckte ihn die Wärme der herannahenden Mittagssonne und noch recht benommen blinzelte er hinauf zur Decke. Der gesamte Raum war kunstvoll verziert mit Wandmalereien, die größtenteils nur unbekleidete Menschen und wilde Tiere zeigten, welche in einem harmonischen Einklang miteinander zu leben schienen. Für ihn hatte es jedenfalls etwas anrüchiges, auch wenn er zweifellos ebenso ein gewisses Interesse an den Künsten seiner Zeit pflegte. Edmond drehte sich in seinem breiten Himmelsbett ein wenig umher und versuchte sich an die verschiedenen Düfte zu erinnern, die er am vorigen Abend noch wahrgenommen hatte. Konnte tatsächlich schon ein neuer Tag angebrochen sein? Die Erinnerungen schienen so weit entfernt, dass er sie zweifellos für Träume hätte halten können.
    Noch ganz in Gedanken versunken läutete Edmond mit seiner kleinen Glocke, die er neben seinem Bett zu stellen pflegte, doch so sehr er damit auch läutete, so wenig schien die Welt darauf zu reagieren. Erst nach einigen Augenblicken kam ihm wieder in den Sinn, dass er seinen letzten Diener entlassen hatte, nachdem dieser offensichtlich nicht in der Lage war, den Wünschen seines Herrn zu entsprechen. Er mochte sich nicht daran erinnern, mit welchem Temperament er wieder einmal wegen Nichtigkeiten seinen Angestellten aus dem Hause gejagt hatte...

    Langsam erhob sich Edmond und schritt nach seinem morgendlichen Ritual ins angrenzende Ankleidezimmer. Es war schon viel zu spät, schließlich wollte er eigentlich noch einen Inspektionsgang durch sein Comptoir machen. Er hasste Müßiggang, wo sich doch mit Tatendrang so viel erreichen lassen konnte, wie er selbst nur allzu im Leben erfahren hatte, sonst würde er sicherlich nicht dort stehen, wo er sich heute befindet. Aber wenn er manchmal darüber nachdachte, konnte er sich auch bei Weitem schönere Orte als diesen zum Verweilen vorstellen, doch schließlich hatte er in Düsterburg noch eine wichtige Aufgabe zu Ende zu bringen.
    Rasch zog er sich seine einfache Garnitur an, mit der er sich in der Stadt bequem fortbewegen konnte, die Beinkleider hatte er erst am Morgen zuvor von seinem persönlichen Schneider geliefert bekommen und das makellose Weiß spiegelte sich in seinen glänzenden schwarzen Schuhen, welche er mit mattgoldenen Schnallen verschlossen hatte. Edmond zählte sich selbst nicht zu dem vornehmen Adel dieser Stadt, auch wenn er ihnen gerne einen Besuch abstattete, und so verzichtete er auch darauf, sich ganz weibisch zu schminken und seine langen, geflochtenen Haare mit einer extravaganten Perücke zu verdecken. Zumindest seinen altgedienten, aber immer noch gut erhaltenen Hut nutzte er gerne als Accessoire, um immerhin etwas an Erhabenheit auszustrahlen...

    Geändert von Edmond Dantès (08.11.2011 um 22:37 Uhr)

  20. #20
    Nachdem sie sich vergewissert hatte, dass weder der junge Herr, noch seine Gemahlin noch etwas bräuchten, begab sich Rebecca aus dem Haus. Kein Schinken? Für die relativ frische Magd vielleicht. Aber der alte Wirt in der Taverne hatte immer etwas Schinken irgendwo gelagert, selbst wenn irgendwo eine dunkle, vergessene Ecke des Kellers meint. Es konnte nicht falsch sein, extra Schinken aufzutreiben, gemäß dem Fall, dass Selene am folgenden Tag wieder ohne auftauchen würde. Der Zorn des Herren ist zu aller Zeit zu vermeiden. Schnellen Schrittes bewegte sich Rebecca durch die Straßen. Sie lebte noch nicht lang in Düsterburg, aber kannte die Straßen schon gut genug, um die schnellsten Pfade im Menschenstrom zu finden. So kam sie schließlich ohne Probleme an der örtlichen Taverne an. Es war schon ein paar Wochen her, seit sie das letzte mal hier war und sie war froh darüber. Diese Kaschemme gehörte zu den niedrigeren Vergnügungsstätten der Umgebung. Man konnte dort einiges finden, was es woanders in der Stadt nur selten oder nicht gab, von bestimmten Alkohol über begehrten Schinken bis hin zur Beulenpest. Manchmal konnte man sich nicht aussuchen, was davon man wieder mit nachhause nahm. Und für die Wenigsten war es der Schinken.

    Rebecca öffnete die Tür und fand ungewohnt reges Treiben dort. Verdutzt über die vielen anwesenden, wahrscheinlich Ahnungslosen Gäste bewegte sie sich langsam zur Schankausgabe, während sie versuchte Gesprächsfetzen der bunten Neuankömmlinge aufzunehmen.

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