Schwester Magdalena betrachtete Aki beim Hinausgehen mit gerunzelter Stirn. Hatte dieser Mann denn gar keinen Anstand? Zuerst belästigte er Christian bei seiner Arbeit und jetzt drängte er sich auch noch hart arbeitenden Schneiderinnen auf. Sie schnalzte missbilligend mit der Zunge. Aber was wollte man auch anderes von einem Tagelöhner erwarten?

Doch jäh wurde Magdalena aus ihren Gedanken gerissen, als Anna die Stube betrat und Dorothea bat, den Saum ihrer Robe zu nähen. Außerdem sprühte die Hebamme förmlich vor neugierde, was die Ereignisse des Tages belang. Geduldig erklärte Dorothea ihr, was sich in ihrer Abwesenheit ereignet hatte und fügte bedrückt hinzu: "Natürlich ist es möglich, dass jemand die Legende aufgeschnappt und sich einen schlechten Scherz erlaubt hat, aber wir sollten es erst einmal trotzdem ernst angehen, bevor die Situation heikel wird."

Magdalena wagte zu bezweifeln, dass die Drohung der Lumianer ein Scherz sein sollte. Das hatte sie einfach im Gefühl... Deshalb sah sie den anderen drei Frauen fest ins Gesicht und sagte: "Wir können nicht länger tatenlos bleiben. Es muss etwas getan werden. Ein Zeichen gesetzt werden, sozusagen... In anderen Dörfern konnte man die Lumianer mittels Ermittlung eines Schuldigen und Verbrennung von diesem erkennen und auslöschen. Wir müssen dasselbe tun." Auf den entsetzten Blick Schwester Katharinas hin setzte sie noch hinzu: "Es ist nicht so, als ob uns noch eine Wahl bliebe! Wollt ihr morgen früh aufwachen und feststellen, dass einer aus unserer Mitte von einem Boten des Teufels ermordet wurde? Das wäre genauso unsere Schuld wie die des Täters, da wir die Warnung nicht erst genommen haben! Könntet ihr damit leben? Mit einem Tod auf eurem Gewissen, den ihr hättet verhindern können? Wir können nicht zulassen, dass jemand stirbt. Gott wird uns den rechten Weg leiten. Und das ist der einzig mögliche Weg..."