-
Ritter
Nachdem sie sich bei Sara bedankt hatte, lud Dorothea die beiden Nonnen in ihre Schneiderei ein, um gleichzeitig ihre Arbeit verrichten und mit ihnen weiterforschen zu können.
Doch gerade als sie ihre Diskussion dort fortsetzten wollten, betrat Aki das Geschäft und bat um Arbeit. Dorothea blickte ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Es kam ihr etwas seltsam vor, dass dieser ausgerechnet jetzt, wo sie versuchte, Nachforschungen anzustellen, aus einem scheinbar völlig anderen Grund hierher kam. Doch ein Blick auf sein mitgenommenes Äußeres sagte ihr, dass er tatsächlich nicht schlecht daran täte, einer bezahlten Arbeit nachzugehen. Dorothea selbst hatte dieses Problem nie gehabt, denn ihr Vater war recht wohlhabend in dieses Dorf gekommen und außerdem nie sonderlich verschwenderisch gewesen. Sie seufzte tief. Obwohl der Junge sicher nicht ganz richtig im Kopf und außerdem nahezu lächerlich leicht einzuschüchtern war, schien seine "Tochter" bis auf die seltsame Haarfarbe ein völlig gesundes, lebhaftes Kind zu sein. Es war definitiv nicht in Dorotheas Sinne, ein harmloses Kind aufgrund der Eigenheiten des "Vaters" leiden zu lassen. Zudem musste sie zugeben, dass seine Kleidung in der Tat von guter Machart war und etwas Hilfe konnte sie wirklich gebrauchen.
"Also schön, Junge", sagte Dorothea schließlich. "Ich werde dir Arbeit geben." Ein kurzer Blick auf die Ordensschwestern verriet ihr, dass Katharina begeistert von ihrer milden Geste war. Magdalena dagegen wirkte bestenfalls missbilligend. "Allerdings ist dir wahrscheinlich klar", fuhr die junge Schneiderin mit einem scharfen Ton und einer Betonung auf dem Wort "wahrscheinlich" fort, "dass es gegen Gottes Willen ist, wenn ein Mann und eine Frau unverheiratet unter einem Dach leben. Daher kann ich dich nicht bei mir aufnehmen." Dorothea bezweifelte stark, dass dieser stammelnde Junge, der sie jetzt etwas enttäuscht ansah, eine ernsthafte Gefahr für ihre Ehre darstellte, aber in diesem kleinen Dorf wuchsen die Gerüchte schneller als das Unkraut in ihrem Garten, zudem gab es Dinge, die einfach unanständig waren. "Wenn du möchtest, kann ich euch beide mit reichlich Essen versorgen und dir eine kleine Entlohnung geben, aber um eine Bleibe musst du dich wohl anderswo bemühen." In einem etwas freundlicherem Ton fügte sie hinzu: "Ich habe noch etwas mit den Schwestern zu besprechen, also gibt es im Augenblick hier nichts für dich zu tun. Ich werde dich holen, sobald ich mich an die Arbeit mache, in Ordnung?"
Dorothea vertraute dem seltsamen Jungen nicht besonders, aber um zu sehen, ob er wirklich gefährlich war und mit den Ereignissen etwas zu tun hatte, würde sie ihn wohl im Auge behalten müssen. Aber gerade bei den Nachforschungen wollte sie ihn lieber nicht in ihrer Nähe wissen. Als Aki die Schneiderei verließ, wandte Dorothea sich wieder sen Schwestern zu und ihr entging nicht der wütende Blick Magdalena. Sie seufzte. Hoffentlich würde diese ihre Gründe nachvollziehe können.
Geändert von Zitroneneis (25.09.2011 um 23:04 Uhr)
Berechtigungen
- Neue Themen erstellen: Nein
- Themen beantworten: Nein
- Anhänge hochladen: Nein
- Beiträge bearbeiten: Nein
-
Foren-Regeln