Katharina stand mit Magdalena wie immer vor den ersten Sonnenstrahlen auf. Sie beteten gemeinsam, wuschen sich und zogen ihre Kutten über. Sie frühstückten gemeinsam, bezahlten ihr Zimmer bei dem Wirt und packten ihre Sachen. "Wird Zeit, dass wir weiter ziehen. Ich glaube, es wird einen Wetterumschwung geben. Wir sollten das nächste Dorf erreichen, bevor die Herbststürme beginnen." Magdalena nickte nur. Es wurde höchste Zeit, dass sie endlich das Kloster erreichten. Die lange Reise hatte beide Nonnen ausgelaugt, deshalb auch die längere Pause in diesem Dorf, normalerweise blieben sie immer nur eine Nacht, und reisten ab, bevor die meisten Dorfbewohner überhaupt wach wurden. Die Stimmung zwischen den beiden war immer noch gut, doch abundzu waren sie schon etwas gereizter als normal.
Schnellen Schrittes und ohne einen Blick zurück zu dem Gasthaus liefen sie los. Sie wollten noch zur Kirche gehen, um dort noch für eine gute Reise zu beten, wie immer, wenn sie weiterzogen, doch als sie auf dem Weg dorthin am Marktplatz vorbei kamen, änderte sich der Plan.
Um das blutige Schwert mit dem Zettel daran hatte sich eine Menge von Menschen versammelt. Sie kamen, lasen selbst, oder ließen sich vorlesen, dann gingen sie wieder weg, gaben anderen Bewohner bescheid, und gingen ihrer Arbeit wieder nach. So verbreiterte sich die Nachricht dieser Kuriosität. Die meisten Dorfbewohner, schienen das für einen Streich eines kleinen Jungen zu halten und waren nicht weiter beunruhigt. Einige beschlossen einfach vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause zu sein und ihre Türen und Fenster zu verriegeln und waren nur minimal beunruhigt.
Katharina allerdings war sehr beunruhigt. Und ein Blick zu Magdalena zeigte, dass es ihr nicht anders erging. Sollte das nur ein blöder Streich sein, würde das ganze bald in Vergessenheit geraten. Aber sollte das ernst gemeint sein und der erste Dorfbewohner würde tot am Boden liegen, würde sich dieses nette, friedliche Dorf in ein Dorf verwandeln, das fernab von Gut und Böse ist. und das kein Gesetz kennen wird, auser dass des wütenden, aufgebrachten Mobs, der lynchend durch die Straßen zieht. Freundschaften und gute Nachbarschaften würden dann nichts mehr Wert sein.
Die beiden Nonnen würden nun wohl noch eine Nacht hierbleiben, um die Ereignisse weiter zu verfolgen und vorallem um um Gottes Gnade zu beten.
Ja, manche Leute standen jetzt schon in Gruppen versammelt und diskutierten heiß, was man gegen diese Lumianer tun könnte, die scheinbar das Dorf unterwandert hatten.
Mit einem unguten Gefühl gingen die Nonnen zurück ins Gasthaus und bezogen ihr altes Zimmer. Dann gingen sie in die Kirche und fingen an zu beten. Später würden sie wohl mit ein paar Dorfbewohnern sprechen, um zu erfahren, wie die Stimmung nun wirklich aussah, in diesem Dorf. und heute Nacht, ja heute Nacht würde wohl jeder einen unruhigen Schlaf haben, und dann würde sich heraustellen, wievile Wahrheit in den Worten steckte. "...doch nächste Nacht wir jemand sterben. Lumianer"