Mastodon - The Hunter
Reviewed by deserted-monkey



Veröffentlichung: September 2011
Herkunft: Atlanta, Georgia, USA
Stil: Progressive, Sludge, Stoner, Metal
Web: http://www.myspace.com/mastodon
Spielzeit: 53:01
Tracks: 13


Schon mal von Mastodon gehört? Solltest du nämlich. Wenn nicht, gibt es einiges nachzuholen. 1999 gegründet hauen die Jungs von Mastodon beständig Alben und EP's raus (mittlerweile 5 Alben und 6 EP's plus zahlreiche Singles und Compilations). Bisher habe ich nur das 2004er Album Leviathan ausführlich gehört und war damals ziemlich begeistert. 2011 sind die Mannen um Mastodon nun mit ihrem fünften Full-Length-Release am Start und zeigen eindrücklich, wie vielseitig gut gespielter Metal sein kann. Mastodon in irgendwelche Genregrenzen einzuengen fällt schwer, doch ihre Musik lässt sich am besten als Progressive Metal beschreiben. Angefangen haben die Jungs als reine Sludge Band, haben sich aber in den mittlerweile mehr als zehn Jahren Bandbestehen kontinuierlich weiterentwickelt und wildern zunehmend in anderen Spielarten des Metals, welche sie scheinbar ohne Schwierigkeiten in ihren breitgefächerten Sound integriert haben. Auch die neue Platte zeigt eine Band, die definitiv weiss, was sie tut und ihre Fähigkeiten umzusetzen und an den Hörer zu bringen versteht.

Auf The Hunter ist so einiges an Songmaterial vertreten, dass beim ersten Hörgang nicht direkt Zugang finden wird. Dafür ist der Sound teilweise einfach zu verspielt und der Aufbau der einzelnen Songs so verschieden, dass man gar nicht alles auf einmal aufnehmen kann. Stücke wie Spectrelight oder das superbe Curl of the Burl sind echte, ziemliche straighte Gassenhauer, denen man noch relativ gut folgen kann. Mit zunehmender Spielzeit wird die Musik allerdings immer verträumter und seltsamer. Beispielsweise Creature Lives ist ein echt schräges Teil, dass mit einem langen, von dröhnenden Geräuschen und Gelächter begleiteten Intro beginnt, dass irgendwie so klingt, als würde man von einem Alienraumschiff in dessen Bauch hinaufgebeamt werden. Danach setzt ein dezentes Riff ein, dessen Melodie einem die ganze Zeit irgendwoher bekannt vorkommt, man aber nie genau sagen kann, woher. Der Titeltrack The Hunter ist ein cooler psychedelischer Song, der mit sehr schönem Gesang aufwartet. Selbstverständlich gibt es, wie zuvor schon erwähnt, auch etwas härtere Stücke. Zum Beispiel bei Blasteroid gibt's dann im Refrain auch mal richtiges Hardcore-Geschrei, dass sich aber herrlich in das Gesamtbild einzufügen weiss.

Mastodon produzieren einen Sound, in dessen Gewand gehüllt sich jede Minute wie eine Ewigkeit anfühlt. Dies ist beileibe nicht negativ zu verstehen, denn die Musik lässt dich einfach träumen, vergessen, halluzinieren. Obwohl jeder Song knackig und kurz daherkommt (nur zwei Songs sind über fünf Minuten lang), bleibt dieses Gefühl durch das ganze Album bestehen. In jedem Stück sind herrliche, kleine Melodien versteckt, die schnell im Ohr hängen bleiben und sich dort einnisten. Ich habe mich schon öfters erwischt, wie ich eine Melodie gesummt habe und erst gar nicht wusste, was das ist, was ich da summe. Doch dann bemerkte ich, dass es eine solche Melodie aus einem der dreizehn Lieder auf The Hunter war. Mastodon produzieren mit ihrem neusten Streich eine sogähnliche Wirkung, so dass man immer wieder zu ihrem Sound zurückkehrt.

Auch haben sich Mastodon nach über zehn Jahren und vielen Erfolgen noch nicht dem Kommerz verschrieben. Dafür ist die Musik einfach viel zu sperrig und vertrackt. Auch folgen sie keinem bekannten Konzept, sondern packen ihre verrückten Ideen in erstaunliche Soundgewänder, die teilweise fragil, andernteils schon fast erdrückend wirken und so einen bunten Strauss an unkonventioneller Musik entstehen lassen. Lyrisch ist das Ganze wohl auch ziemlich abgefahren, von Sex im All bis hin zu einer Geschichte über Monster ist so praktisch alles vertreten. Mastodon ist keine Band um mal eben im Hintergrund zu hören (funktioniert natürlich schon, aber das Meiste wird dadurch nicht greifbar sein), sondern sollte am besten in einem dunklen Raum mit Kopfhörern gehört werden. Wenn du dazu noch ein kleines Hilfsmittel wie einen Joint verwendest, wirst du vollends in eine andere Welt geblasen. Aber auch ohne solche Hilfsmittel ist The Hunter definitiv eine Reise wert! Somit spreche ich eine Empfehlung an alle Musikjünger aus, die's gerne mal etwas anders mögen und sich überraschen lassen wollen. Ein musikalischer Trip der Güteklasse A. Viel Spass!