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Legende
"Nein, nein, ich arbeite gerne hier, nichts zu danken!", sagte er nervös und stützte sich an dem Stand ab, wodurch er ein Korb verschob, aus dem dann ein Apfel hinunterfiel. "Ah! Mist!", dachte er laut und griff ruckzuck nach dem Apfel, "Die Drei-Sekunden-Regel!" Christian schaute ihn seltsam lächelnd an: "Bei diesem dreckigem Boden?" Beide lächelten. "Hmm, hast Recht. Zieh mir das einfach von meinem Entgelt ab", meinte Aki daraufhin und biss in den Apfel, den er vorher mit seinem Ärmel fein säuberlich abwischte. Die Tatsache, dass seine Kleidung nicht die Sauberste war, bemerkte nur Christian, aber es war bereits zu spät, ihm das zu sagen. "Hmm, irgendwie scheinen wir nicht gerade Kundenmagneten zu sein." "T-tut mir Leid, wahrscheinlich, weil viele bereits wissen, dass ich eine uneheliche Tochter habe, und..." "Nein, nein, mache dir keine Vorwürfe! Ich bin mit meiner Vergangenheit auch nicht ganz unschuldig..." Beide standen eine Weile da und blasten Trübsal. Sie saßen sich hin, standen wieder auf, saßen sich wieder hin, legten sich auf dem Boden, beobachteten den Himmel, standen wieder auf... so ging es weiter. Zwischendurch kamen vereinzelt ein paar Rauferjungen und schnappten sich einen Apfel, aber sehr viel verdient hatten sie bis zum Mittag nicht sehr viel. Christan fing an, sich ein wenig Sorgen zu machen. Doch als er Akis sorgenschweres, aber dennoch entschlossenes Gesicht sah, nahm er sich zusammen und sagte: "Das wird schon... irgendwie!"
Christian betrachtete Aki eine Weile. Er war etwa gleichgroß, sah jung aus und hatte eine Tochter, von der er weiß, dass sie acht Jahre alt ist. (Das Milchgesicht ist doch niemals um die 30...), dachte er sich mit fragendem Gesicht, "sag mal, Aki... wie alt... bist du genau?" Aki schaute doof in die Luft und summte ein Lied, welches er mal bei einer umherziehenden Bardentruppe für wenige Augenblicke gehört hat. Er schaute zur Seite und sah Christians Gesicht. "Äh, was? Fragst du etwa mich?", fragte er panisch zurück. "Außer dir steht ja sonst niemand hier, sonst würden wir was verdienen." "Oh- ähm... nun ja... ich- äh... um ehrlich zu sein..." Christians Ausdruck schaute misstrauisch. Es wäre zu offensichtlich, wenn Aki jetzt lügen würde. "Also ich... bin... n-... neunzehn..." "Was, 19?!", schrie Christian überrascht. "Psst, bitte nicht so laut, sonst hört es noch jemand!" "Aber neunzehn... deine Tochter, die ist doch-" "Hier nicht, lass uns das zuhause klären!", unterbrach Aki ihn verschwitzt, "außerdem, du siehst auch nicht gerade aus wie über zwanzig!" "J-ja... aber ich bin ja auch erst... drei... zehn." "Siehst du? Das ist auch überraschend." Sie wussten beide nicht viel voneinander. Aber irgendwie sollte heute Abend der Tag sein, an dem beide auspacken. Das beschlossen sie beide.
"Hast du eigentlich Hunger?" Aki fasste sich an sein Bauch. "Ah, verstehe. Okay, habe heute Brot gekauft, welches wir...", er schaute auf den leeren Boden, "Moment... wo ist mein- oh, nein! Ich hab's vergessen! Aki, warte hier, ich kaufe es sofort!" Er schnappte sich den Geldbeutel und rannte los, wie ein vergesslicher Broteinkäufer nur konnte. Aki stand allein da und machte nichts. Nach wenigen Sekunden sah er in der Ferne, wie eine Wandergruppe vorbeikommen wollte. Er überlegte. In der ersten Woche brachte Christian ihm bei, schamlos nach Kundschaft zu schreien, was letzendlich aber zwecklos war. Er dachte darüber nach, das Wissen vom gescheiterten Training jetzt einzusetzen. Er erstarrte jedoch zur Salzsäule. Die Wandergruppe kam immer näher und näher. Seine Augen öffneten sich weit und die Pupillen verkleinerten sich. Absolute Nervösität. Die ersten Personen der Wandergruppe liefen schon an ihm vorbei. Etwa zwanzig Mann mussten noch entlang laufen, dann hätte er die Möglichkeit sauber verfehlt. Jedoch riss er sich zusammen, kniff die Augen zu und schrie kleinlaut: "Sch-sch-schaut doch mal unsere Waren an! Bitte!!" Die Wandergruppe hielt langsam und schaute ihn an. "Wat?", sagte einer. Aki antwortete nicht. "Bursche, haste wat jesacht?" "Nu' erzähl doch, Kleener!" Er blieb stumm. "Ey, Chef, ick gloobe, der Jung' hier will wat von uns." "Ach, der will wat? Na, dann horchen wa uns ma' an, wat der auf'm Kieker hat." Sie versammelten sich um den Stand. "Also- ich... äh... nun... ich... wollt ihr vielleicht..." Ihm blieb absolut die Sprache aus. Die Wandergruppe fing an zu tuscheln. "Ob der uns viellech' wat verkoofen will?" "Ick wes nich', dat sieht ja nich' g'rad nach so 'nem richtijen Stand oos, wenn ick da ma' so hinkieke." In diesem Moment kam Christian mit Brot in der Hand vorbei und sah die Wandergruppe, die miteinander redete. "Hä? Was machen die denn da? Gibt's da was umsonst? Ich hoffe mal nicht!"
Geändert von Ligiiihh (19.09.2011 um 23:48 Uhr)
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