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Legende
Auf ein stummes Einvernehmen hin erhoben sich Dreveni und Arranges und verließen das Kontor. Erynn war auf den ersten Blick nirgends zu sehen und so verabredeten sie sich, sich zu trennen um mehr Leute befragen zu können. Das Wetter hatte doch gehalten, es war zwar nicht übermäßig warm, aber die Sonne schien mittlerweile ein ganzes Stück höher am Himmel freundlich durch die sich langsam lösenden Nebelschwaden, die hier und da zwischen den Stegen der Kais auf der Wasseroberfläche waberten.
Dreveni machte sich direkt in Richtung einer kleinen Fischergruppe auf, die gerade einen kleinen Segler für ihre Arbeit auf See beluden. Die Nords wirkten auf den ersten Blick tatsächlich, als wären sie eh Tag und Nacht irgendwie unterwegs und würden recht viel mitbekommen.
Arranges hingegen gestaltete seine Suche etwas subtiler, er hielt die nächste Wache an, die in sein Blickfeld geriet. Ein hochgewachsener Kaiserlicher in der Rüstung der Legion.
'Seid gegrüßt Bürger.' Sprach ihn die Wache an. Es schien, als hätte der Mann im Laufe der Jahre hier wohl ein Gespür dafür entwickelt, wenn Fremde auch nur bestimmt in seine Richtung blickten, würden sie wohl auch demnächst irgendeine Auskunft zum Schiffsverkehr über Dagon Fel oder Sheogorad haben wollen, wobei es den Fremdlingen wohl meist leichter fallen würde, wenn sie nicht direkt eine vom Regen durchweichte und mürrische Wache vor sich hatten, die ohnehin nur ihren Dienst absaß und darauf wartete, wieder mit einem Krug Mazte in der Taverne sitzen zu können.
'Guten Morgen!' Gab Arranges zurück. 'Ihr habt des nachts nicht zufällig einen Argonier durch Dagon Fel kommen sehen, er kam mit einem Schiff hier an.' Der Magier beschrieb dem Soldaten das Aussehen Gumoras so präzise er es vermochte. 'Nein, tut mir leid. Während meines Dienstes, der etwa zwei Stunden vor Morgengrauen begann habe ich keinen Argonier gesehen. Aber zwei Khajiit, die sich mehr als auffällig in Richtung Süden davongeschlichen haben, die waren aber schon seit zwei Tagen in Dagon Fel.' Ich fresse einen Besen, wenn die nicht zu Gumora gehören. Außerdem passt die Richtung mit der Auskunft der Wirtin wenn auch nur grob überein. Der Wachmann bedeutete Arranges kurz zu warten und fing einen anderen Legionär ab, der wohl gerade seinen Dienst beendete und die Taverne betreten wollte. Ein kurzer, gemurmelter Wortwechsel später stand der Kaiserliche wieder bei dem Nekromanten. 'Er hatte seit gestern abend Dienst und war der Nachtwache auf den beiden Spähposten zugeteilt,' er deutete nach Osten und Westen jeweils auf eine kleine Anhöhe an der Bergflanke an die die Stadt sich schmiegte, Arranges erkannte dort jeweils einen mehr als notdürftigen Unterstand, 'er meinte, dass irgendwann mitten in tiefster Nacht ein Schatten nach Südwesten geschlichen sei.'
'Ich danke... gibt es irgendetwas, das man in dieser Richtung erreichen kann? Einen weiteren Ort oder etwas Ähnliches?' Der Soldat musste einmal kurz lachen bei dieser Frage. 'Ihr seid hier auf Sheogorad, hier gibt es außer Dagon Fel keine Zivilisation, nichteinmal, wenn man im Süden des Atolls direkt nach Vvardenfell übersetzt, der Küste dort sind rasiermesserscharfe Felsen direkt unter der Wasseroberfläche vorgelagert, Schiffsverkehr ist also unmöglich, im Westen beginnt das Aschland, an dessen grauen Stränden unzählige daedrische Ruinen stehen, keiner mit gesundem Verstand würde sich dort freiwillig herumtreiben. Zudem, wenn es ein Argonier ist und er sich auch nur ein bisschen auskennt, wird er sich dort sowieso nicht aufhalten, ganze Horden von Aschländerstämmen besiedeln dieses Gebiet, er würde schneller auf der Marterbank enden, als er seine Waffe ziehen könnte.' Aber dann hielt der Mann kurz inne und schien zu überlegen. 'Allerdings... weiter im Süden von hier, hinter dem Vulkankrater auf der anderen Seite dieser Bergkette, steht Rotheran. Eine ziemlich gut erhaltene, alte Festung der Dunmer. Da allerdings frage ich mich, was ein Argonier dort will?' Arranges zuckte nur mit den Schultern. 'Ich auch nicht, ich muss nur wissen, wohin er ist und wie ich ihm auf schnellstem Wege folgen kann.'
'Das ist einfach, ihr folgt diesem Pfad hinauf in die Berge und dort bei den nächstmöglichsten Gabelungen haltet ihr euch einfach nach Süden, ihr könnt schier unmöglich an Rotheran vorbeilaufen.' Arranges bedankte sich und wandte sich um, um nach Erynn und Dreveni zu schauen.
Drevenis Gespräch hatte nur wenig länger gedauert und bevor Arranges auch nur zehn Schritte in ihre Richtung getan hatte, hatte sie sich bereits wieder von der Gruppe verabschiedet und kam ihm entgegen. Die Dunmer hatte mit den Fischern mehr Glück gehabt, tatsächlich wollten zwei von den dreien einen Argonier, auf den Gumoras Beschreibung ziemlich gut passte, gesehen haben, wie eben eine solche Gestalt in die Berge gegangen ist.
Während Dreveni gerade noch ihr Erfahrenes an Arranges weitergab, sah dieser Erynn im Augenwinkel zu ihnen stapfen. Er lächelte ihr gleichermaßen freundlich warm und triumphierend zu. 'Ich hoffe das Land fühlt sich gut an, unsere neuesten Informationen tun es jedenfalls.' Sie gaben alles in Kurzform an Erynn weiter.
Nun war das wichtigste Für und Wieder geklärt. Sie hatten Gumora fast, sollte er ihnen einen Hinterhalt legen, würden sie ihn fassen, egal wie hinterlistig er es auch anstellen mochte. Arranges konnte den kurz aufblitzenden Bludurst in Erynns Augen mehr als deutlich erkennen. Ich hoffe deine letzten Gedanken gelten irgendeiner Person, die du nicht hintergangen hast, wenn es denn jemals eine solche gegeben hat, Gumora. Sie nutzen den Rest des Tages um Ausrüstung und Proviant zu ergänzen. Es gab in dem Kontor tatsächlich einen Schmied, der Arranges Kettenpanzer reparieren konnte und das auch noch zu einem mehr als passablen Preis. Die Arbeit sah gut aus, wenn man bedachte, dass die Mithrilkette vorher einfach nur Fetzen gewesen war, konnte man sie jetzt als fast wieder neu ansehen. Auch einen neuen Umhang in kleidsamem Moosgrün gönnte sich Arranges. Es war Abend und sie kamen gerade aus der Schankstube, wo sie noch letzte Besprechungen für den kommenden Tag abgehakt hatten auf das eine einzige Zimmer. Das wird eine spannende Nacht. Dachte sich Arranges sarkastisch, legte lediglich Gürtel, Kettenhemd und Beinschienen ab und rückte sich dann einen Stuhl zurecht. Auch wenn er in Vos ziemlich gut auf dem Bett geschlafen hatte, zog er ohne groß darüber nachzudenken den Stuhl aus reiner Gewohnheit, seit er mit Erynn unterwegs war, den Federn vor.
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