Erynn stand ebenfalls auf und lehnte sich mit verschränkten Armen an die Wand, während sie ihren beiden Begleitern zuhörte. Sie selber wollte lieber nichts sagen, so sehr verdarben ihr sowohl die Wartezeit hier in Dagon Fel als auch Drevenis säuerlicher Gesichtsausdruck, mit dem sie das Zimmer betreten hatte, die Laune. Sie schoß einen giftigen Blick auf den Rücken der Assassinin ab: Was geht es dich an, du Schlange?

Manchmal war Dreveni fürchterlich anstrengend. Manchmal war auch Arranges fürchterlich anstrengend, aber der pflegte dann wenigstens sich so lange wort- oder tatenreich aufzuregen, bis er sich abgekühlt hatte. Drevenis eisiges Schweigen und die verächtliche Miene, die sie mitunter an der Tag legte, ließen einen nur raten, was genau jetzt wieder ihr verdammtes Problem war – und an diesem diesigen, kalten Morgen war es mehr, als Erynn zu ertragen bereit war.

„Es ist mir zu eng hier drinnen“, sagte sie leise, zog die Riemen ihrer Netchrüstung fester und griff nach Bogen und Köcher, „ich werde mich in der Umgebung der Stadt ein wenig umsehen, schon um zu wissen, wie das Land sich anfühlt.“
Wie das Land sich anfühlt – Es war ein Ausdruck, den ihr Vater häufig benutzt hatte, wenn er die kleine Erynn in Gebiete des Großen Forstes mitgenommen hatte, in denen sie zuvor noch nicht gewesen war. Erynn hatte dann minutenlang still dagehockt und alle Eindrücke in sich aufgenommen. Welche Vögel sangen hier, wonach roch die Luft, welche Bäume und Pflanzen gab es, welche Wildpfade, war der Boden feucht oder trocken, sumpfig oder steinig...
Nach einer Weile war Erynn dieses Vorgehen so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie sich kaum noch bewußt darauf konzentrieren mußte. Aber Sheogorad war so fremd und so anders, daß sie das Bedürfnis hatte, sich wahrhaftig in den Dreck zu knien, ihre Hände auf die Erde zu legen und zuzuhören, bevor sie die Jagd begann. Vielleicht erzählte das Land ihr noch etwas, das sie bisher übersehen hatte – mochten sich doch Arranges und Dreveni um die Hafenarbeiter kümmern, oder wen auch immer sie zu befragen gedachten.