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Drachentöter
Dreveni ging direkt mit all ihrem Gepäck runter in den Keller. Schnell fand sie den Raum mit dem Zuber, zog den Schlüssel außen an der Tür ab und sperrte sie von innen hinter sich zu. Seufzend sah sie sich um, nachdem sie ihre Sachen neben der Tür abgelegt hatte. Der Raum war gemütlich, in einem Kamin brannte ein Feuer, darüber hing schon ein dampfender Kessel. Jemand hatte den Brunnen in den Keller gebaut, oder besser gesagt, den Raum mit dem Zuber dort angelegt, wo der Brunnen war. Sie goss noch etwas Wasser aus dem Eimer in den Kessel - es war schon etwas verdampft - und füllte während sie wartete dass das Wasser kochen würde, den Zuber schon einmal mit etwas kaltem Wasser.
Es dauerte nicht lange, bis sie schließlich das heiße Wasser dazu kippen konnte. Sie entledigte sich ihrer Kleider, und betrachtete die beiden hellen Streifen die sich über ihre Arme zogen. Das Andenken würde sie wohl noch eine Weile behalten, bis es sich endgültig der umgebenden Haut angepasst haben würde. Jetzt tat es ihr fast leid, dass sie Feryns Gildenbruder so schnell ermordet hatte, aber daran war jetzt nichts mehr zu ändern. Am liebsten hätte sie ihn so in der Wüste ausgesetzt, dass er keine Möglichkeiten gehabt hätte, seine Schnitte im Gesicht zu behandeln, bis die Narben blieben. Etwas Salz hätte das ganze noch verbessert. Als sie sich in das angenehm heiße Wasser sinken ließ, merkte sie erst so richtig, wie fertig sie von der Überfahrt war und versuchte alle Gedanken an ihre Entführung zu verdrängen. Schnell begann sie, ihre Haare zu waschen, da sie fürchtete sonst wieder im Zuber einzuschlafen. Es dauerte nicht lange, bis sie fertig war und aus ihrem Gepäck noch ein halbwegs sauberes, kurzärmliges Oberteil und eine dünne Hose gefischt hatte. Für hier drinnen würde es erst einmal reichen, sie hatte jetzt keine Lust ihre anderen Sachen zu waschen. Sie warf einen Blick auf das Wasser im Zuber, in dem sowieso nichts mehr sauber geworden wäre, und öffnete den Abfluss. Unter dem Zuber war ein Loch im Boden, das sonst wohin führen mochte, jedenfalls diente es als Ablauf für das Wasser. In dem Raum befand sich kein Spiegel, und sie sagte sich, dass sie ihre Haare genauso gut oben kämmen könnte, während sie mit Erynn und Arranges das weitere vorgehen besprechen würde.
Sie räumte ihre Sachen zusammen und ging nach oben. Ohne anzuklopfen stieß sie schwungvoll die Tür auf, und das erste was sie sah, war der halbnackte Arranges. Das nächste war Erynn, die hinter ihm kniete und ihm den Rücken massierte. Sie nuschelte ob des Anblicks einen leisen Fluch auf Dunmeri und ließ ihre Sachen auf den Boden fallen, dann setzte sie sich aufs Bett, so dass sie den beiden den Rücken zu wandte. "Wie geht es jetzt weiter? Gibt es einen Ort denn die Echse durch die Berge erreichen kann? Ich glaube nicht dass er dort für alle Ewigkeiten bleiben will..." Ihre Stimme klang leicht erschöpft und fast etwas resigniert, was weniger ihrer Müdigkeit als den letzten Erlebnissen in Vvaredenfell geschuldet war. Während sie auf eine Antwort wartete, fischte sie ihren Kamm aus dem Gepäck und begann, sich die Haare zu kämmen.
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Legende
Der Kaiserliche genoß die Behandlung in vollen Zügen, auch wenn er das zu einem späteren Zeitpunkt keinesfalls zugeben würde. Doch als die Tür zum Zimmer aufgestoßen wurde und eine wohlbekannte Stimme, wenn auch nur mit genuschelten Worten an seine Ohren drang, verzerrte sich die Haut unter Erynns Fingern, als wäre eine Lautensaite mittem im lieblichen Spiel mit einem spitzen Ton direkt neben seinem Ohr gesprungen. Die Muskeln spannten sich und von der Haltung, die er noch vor wenigen Herzschlägen hatte, war nichts mehr übrig, als sich sein Kopf unter teilweise übertriebener Ver- und Anspannung des Nackens hob. Erynn ließ sich davon zunächst nicht stören und kämpfte unbeirrt gegen die nun steifen und schier unbeweglichen Muskeln an.
'Nun... es gibt zwei Landmarken, die man von den Bergen aus erreichen kann...' Setzte Arranges mit einem leicht gereitzten Unterton, aber nicht unfreundlich, an. 'Einmal eine alte Dunmerfestung im Süden und einmal soll es weit im Westen noch einen großen Velothiturm geben. Allerdings glaube ich eher, dass er uns, wenn es denn überhaupt Gumora war, versucht in der Wildnis dort abzuhängen oder aber uns dort einen Hinterhalt legt. Das weitere Vorgehen wäre also, dass wir uns zunächst einmal sicher sein können, dass es wirklich der Molch war, den die Wirtin gesehen haben will.'
Nach einem weiteren Moment richtete er sich im Stuhl auf, erhob sich vorsichtig von Erynn lösend und zog sich einen Augenblick später eine mehr oder weniger frische, pechschwarze Tunika über - die letzte, die er noch dabeihatte. Ich bin ja gespannt, wie lange sie halten wird...
Geändert von weuze (20.07.2012 um 21:32 Uhr)
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Fossil
Erynn stand ebenfalls auf und lehnte sich mit verschränkten Armen an die Wand, während sie ihren beiden Begleitern zuhörte. Sie selber wollte lieber nichts sagen, so sehr verdarben ihr sowohl die Wartezeit hier in Dagon Fel als auch Drevenis säuerlicher Gesichtsausdruck, mit dem sie das Zimmer betreten hatte, die Laune. Sie schoß einen giftigen Blick auf den Rücken der Assassinin ab: Was geht es dich an, du Schlange?
Manchmal war Dreveni fürchterlich anstrengend. Manchmal war auch Arranges fürchterlich anstrengend, aber der pflegte dann wenigstens sich so lange wort- oder tatenreich aufzuregen, bis er sich abgekühlt hatte. Drevenis eisiges Schweigen und die verächtliche Miene, die sie mitunter an der Tag legte, ließen einen nur raten, was genau jetzt wieder ihr verdammtes Problem war – und an diesem diesigen, kalten Morgen war es mehr, als Erynn zu ertragen bereit war.
„Es ist mir zu eng hier drinnen“, sagte sie leise, zog die Riemen ihrer Netchrüstung fester und griff nach Bogen und Köcher, „ich werde mich in der Umgebung der Stadt ein wenig umsehen, schon um zu wissen, wie das Land sich anfühlt.“
Wie das Land sich anfühlt – Es war ein Ausdruck, den ihr Vater häufig benutzt hatte, wenn er die kleine Erynn in Gebiete des Großen Forstes mitgenommen hatte, in denen sie zuvor noch nicht gewesen war. Erynn hatte dann minutenlang still dagehockt und alle Eindrücke in sich aufgenommen. Welche Vögel sangen hier, wonach roch die Luft, welche Bäume und Pflanzen gab es, welche Wildpfade, war der Boden feucht oder trocken, sumpfig oder steinig...
Nach einer Weile war Erynn dieses Vorgehen so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie sich kaum noch bewußt darauf konzentrieren mußte. Aber Sheogorad war so fremd und so anders, daß sie das Bedürfnis hatte, sich wahrhaftig in den Dreck zu knien, ihre Hände auf die Erde zu legen und zuzuhören, bevor sie die Jagd begann. Vielleicht erzählte das Land ihr noch etwas, das sie bisher übersehen hatte – mochten sich doch Arranges und Dreveni um die Hafenarbeiter kümmern, oder wen auch immer sie zu befragen gedachten.
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Drachentöter
Dreveni sah Erynn nur mit hochgezogener Augenbraue hinterher. Sie hatte keine Ahnung was ihr schon wieder über die Leber gelaufen war, und es interessierte sie auch nicht großartig, es wäre jedenfalls wenig Sinnvoll gewesen, der Echse gleich hinterher zu rennen. Arranges hatte durchaus Recht, wer wußte schon wie viele Argonier hier rumliefen. Sie dachte kurz nach während sie ihre Haare zu Ende kämmte und wandte sich dann an Arranges: "Ich hoffe fast dass er uns auflauert, dann hätten wir ihn endlich. Ihr kennt ihn besser, wie groß schätzt ihr die Chance ein? Und wohin wird er wohl am ehesten gehen, zu der Festung oder dem Turm? Einholen werden wir ihn ohnehin unterwegs nicht mehr, wenn er uns keine Falle stellt. Dafür hat er schon wieder zuviel Vorsprung. Das er uns abhängt glaube ich nicht, welche Echse verkriecht sich schon in den Bergen länger als nötig?"
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Legende
Was war denn das? Arranges blickte der Elfe nach und sein Gesicht brachte sehr deutlich zum Ausdurck, was er gerade dachte. Ja, auch er war nicht ganz zufrieden mit Drevenis Erscheinen, eigentlich hatte er irgendwo gehofft, dass die Assassinin im Zuber eingeschlafen wäre und erst wieder in einigen Stunden den Weg in das Zimmer finden würde. Aber Erynns Reaktion war nicht nur ihrer Jagdwut zuzuschreiben. Der Magier war sich jedenfalls sicher, dass er sicher keinen Reim darauf wusste, außer vielleicht den, dass Dreveni eben im falschen Augenblick hereinkam.
Er wandte sich der Dunkelelfe zu und überlegte kurz. 'Hmm.' Machte er. 'Gumora ist keiner jener Sorte, die in einem Loch warten, bis die Gefahr vorüber ist. Er wird jetzt, da er weiss, dass wir ihm ziemlich dicht auf den Fersen sind, versuchen uns einfach nur noch loszuwerden. Er ist nicht dumm, er kennt mich leider mindestens so gut, wie ich ihn. Daher wird er damit rechnen, dass wir einen Hinterhalt von ihm erwarten. Er weiss, dass er so im Kampf keine Chance gegen uns hat, auch wenn er den Ort und die Zeit bestimmen kann. Er wird es auf anderem Wege versuchen. Was ich aber glaube zu wissen, dass er eher in Richtung der Festung gegangen ist. Ich behaupte, dass er dort mehr Möglichkeiten hätte, uns zu trennen und dann versuchen einzeln auszuschalten. Er bewegt sich absolut lautlos und wenn er es darauf anlegt ohne irgendeine Spur zu hinterlassen. Leider hatte ich bis jetzt noch nicht das Vergnügen ihn im Nahkampf zu stellen, weshalb ich über seinen Kampfstil nichts sagen kann, aber ich glaube der ist genauso wie Gumora selbst, hinterlistig und trügerisch.'
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Legende
Auf ein stummes Einvernehmen hin erhoben sich Dreveni und Arranges und verließen das Kontor. Erynn war auf den ersten Blick nirgends zu sehen und so verabredeten sie sich, sich zu trennen um mehr Leute befragen zu können. Das Wetter hatte doch gehalten, es war zwar nicht übermäßig warm, aber die Sonne schien mittlerweile ein ganzes Stück höher am Himmel freundlich durch die sich langsam lösenden Nebelschwaden, die hier und da zwischen den Stegen der Kais auf der Wasseroberfläche waberten.
Dreveni machte sich direkt in Richtung einer kleinen Fischergruppe auf, die gerade einen kleinen Segler für ihre Arbeit auf See beluden. Die Nords wirkten auf den ersten Blick tatsächlich, als wären sie eh Tag und Nacht irgendwie unterwegs und würden recht viel mitbekommen.
Arranges hingegen gestaltete seine Suche etwas subtiler, er hielt die nächste Wache an, die in sein Blickfeld geriet. Ein hochgewachsener Kaiserlicher in der Rüstung der Legion.
'Seid gegrüßt Bürger.' Sprach ihn die Wache an. Es schien, als hätte der Mann im Laufe der Jahre hier wohl ein Gespür dafür entwickelt, wenn Fremde auch nur bestimmt in seine Richtung blickten, würden sie wohl auch demnächst irgendeine Auskunft zum Schiffsverkehr über Dagon Fel oder Sheogorad haben wollen, wobei es den Fremdlingen wohl meist leichter fallen würde, wenn sie nicht direkt eine vom Regen durchweichte und mürrische Wache vor sich hatten, die ohnehin nur ihren Dienst absaß und darauf wartete, wieder mit einem Krug Mazte in der Taverne sitzen zu können.
'Guten Morgen!' Gab Arranges zurück. 'Ihr habt des nachts nicht zufällig einen Argonier durch Dagon Fel kommen sehen, er kam mit einem Schiff hier an.' Der Magier beschrieb dem Soldaten das Aussehen Gumoras so präzise er es vermochte. 'Nein, tut mir leid. Während meines Dienstes, der etwa zwei Stunden vor Morgengrauen begann habe ich keinen Argonier gesehen. Aber zwei Khajiit, die sich mehr als auffällig in Richtung Süden davongeschlichen haben, die waren aber schon seit zwei Tagen in Dagon Fel.' Ich fresse einen Besen, wenn die nicht zu Gumora gehören. Außerdem passt die Richtung mit der Auskunft der Wirtin wenn auch nur grob überein. Der Wachmann bedeutete Arranges kurz zu warten und fing einen anderen Legionär ab, der wohl gerade seinen Dienst beendete und die Taverne betreten wollte. Ein kurzer, gemurmelter Wortwechsel später stand der Kaiserliche wieder bei dem Nekromanten. 'Er hatte seit gestern abend Dienst und war der Nachtwache auf den beiden Spähposten zugeteilt,' er deutete nach Osten und Westen jeweils auf eine kleine Anhöhe an der Bergflanke an die die Stadt sich schmiegte, Arranges erkannte dort jeweils einen mehr als notdürftigen Unterstand, 'er meinte, dass irgendwann mitten in tiefster Nacht ein Schatten nach Südwesten geschlichen sei.'
'Ich danke... gibt es irgendetwas, das man in dieser Richtung erreichen kann? Einen weiteren Ort oder etwas Ähnliches?' Der Soldat musste einmal kurz lachen bei dieser Frage. 'Ihr seid hier auf Sheogorad, hier gibt es außer Dagon Fel keine Zivilisation, nichteinmal, wenn man im Süden des Atolls direkt nach Vvardenfell übersetzt, der Küste dort sind rasiermesserscharfe Felsen direkt unter der Wasseroberfläche vorgelagert, Schiffsverkehr ist also unmöglich, im Westen beginnt das Aschland, an dessen grauen Stränden unzählige daedrische Ruinen stehen, keiner mit gesundem Verstand würde sich dort freiwillig herumtreiben. Zudem, wenn es ein Argonier ist und er sich auch nur ein bisschen auskennt, wird er sich dort sowieso nicht aufhalten, ganze Horden von Aschländerstämmen besiedeln dieses Gebiet, er würde schneller auf der Marterbank enden, als er seine Waffe ziehen könnte.' Aber dann hielt der Mann kurz inne und schien zu überlegen. 'Allerdings... weiter im Süden von hier, hinter dem Vulkankrater auf der anderen Seite dieser Bergkette, steht Rotheran. Eine ziemlich gut erhaltene, alte Festung der Dunmer. Da allerdings frage ich mich, was ein Argonier dort will?' Arranges zuckte nur mit den Schultern. 'Ich auch nicht, ich muss nur wissen, wohin er ist und wie ich ihm auf schnellstem Wege folgen kann.'
'Das ist einfach, ihr folgt diesem Pfad hinauf in die Berge und dort bei den nächstmöglichsten Gabelungen haltet ihr euch einfach nach Süden, ihr könnt schier unmöglich an Rotheran vorbeilaufen.' Arranges bedankte sich und wandte sich um, um nach Erynn und Dreveni zu schauen.
Drevenis Gespräch hatte nur wenig länger gedauert und bevor Arranges auch nur zehn Schritte in ihre Richtung getan hatte, hatte sie sich bereits wieder von der Gruppe verabschiedet und kam ihm entgegen. Die Dunmer hatte mit den Fischern mehr Glück gehabt, tatsächlich wollten zwei von den dreien einen Argonier, auf den Gumoras Beschreibung ziemlich gut passte, gesehen haben, wie eben eine solche Gestalt in die Berge gegangen ist.
Während Dreveni gerade noch ihr Erfahrenes an Arranges weitergab, sah dieser Erynn im Augenwinkel zu ihnen stapfen. Er lächelte ihr gleichermaßen freundlich warm und triumphierend zu. 'Ich hoffe das Land fühlt sich gut an, unsere neuesten Informationen tun es jedenfalls.' Sie gaben alles in Kurzform an Erynn weiter.
Nun war das wichtigste Für und Wieder geklärt. Sie hatten Gumora fast, sollte er ihnen einen Hinterhalt legen, würden sie ihn fassen, egal wie hinterlistig er es auch anstellen mochte. Arranges konnte den kurz aufblitzenden Bludurst in Erynns Augen mehr als deutlich erkennen. Ich hoffe deine letzten Gedanken gelten irgendeiner Person, die du nicht hintergangen hast, wenn es denn jemals eine solche gegeben hat, Gumora. Sie nutzen den Rest des Tages um Ausrüstung und Proviant zu ergänzen. Es gab in dem Kontor tatsächlich einen Schmied, der Arranges Kettenpanzer reparieren konnte und das auch noch zu einem mehr als passablen Preis. Die Arbeit sah gut aus, wenn man bedachte, dass die Mithrilkette vorher einfach nur Fetzen gewesen war, konnte man sie jetzt als fast wieder neu ansehen. Auch einen neuen Umhang in kleidsamem Moosgrün gönnte sich Arranges. Es war Abend und sie kamen gerade aus der Schankstube, wo sie noch letzte Besprechungen für den kommenden Tag abgehakt hatten auf das eine einzige Zimmer. Das wird eine spannende Nacht. Dachte sich Arranges sarkastisch, legte lediglich Gürtel, Kettenhemd und Beinschienen ab und rückte sich dann einen Stuhl zurecht. Auch wenn er in Vos ziemlich gut auf dem Bett geschlafen hatte, zog er ohne groß darüber nachzudenken den Stuhl aus reiner Gewohnheit, seit er mit Erynn unterwegs war, den Federn vor.
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Fossil
[Erynn]
Erynn hatte nicht geschlafen. Sie hatte nachgedacht. Es mochte etwa die vierte Stunde der Nacht sein, als sie geräuschlos aufstand und nach ihren Waffen griff.
Ein letzter langer, trauriger Blick auf Arranges: Er war auf seinem Stuhl zusammengesackt und schlief tief und fest. Ich habe die Dinge viel zu lange laufen lassen. Viel zu weit gehen lassen. Diese Geschichte kann niemals gut ausgehen.
Sie konnte nicht bleiben. Was sie sich wünschte, das konnte der Kaiserliche ihr nicht geben. Seine Welt war die Gathering, die Magie, die ihn umbringen würde. Das hatte er selbst gesagt. Wenn sie bei dem Beschwörer bliebe, so hätten alle gewonnen – Arranges hätte jemanden, der ihm bedingungslos folgte und die Treue hielt – so lange, bis er seinen letzten Atemzug tat und sie, Erynn, zurückbleiben würde. Allein und mit gebrochenem Herzen. Die Gathering bräuchte sich nicht an das Versprechen halten, sie in Ruhe zu lassen – sie würde sich dann immer in ihrem Dunstkreis befinden, freiwillig und in bewußter Entscheidung. In der Gilde würden ein paar Leute sie vielleicht vermissen, aber sie wäre ersetzbar, und die Erinnerung würde verblassen. Nicht einmal die Rache würde ihr allein gehören.
Ja, wahrhaftig: All das würde nur ein einziges Opfer erfordern: Sie selbst. Sie konnte nur verlieren, würde die Jahrhunderte, die ihr blieben, gegen einen Augenblick eintauschen. Das war nicht sie. Das war nicht Erynn Releth. Es war ein Traum. Die närrischen Gedanken und Hoffnungen einer jungen Frau. Es kann niemals mehr sein als das.
Tränen verschleierten ihr die Sicht, und die Dunkelelfe wußte, sie mußte jetzt gehen, oder sie würde es niemals tun.
Ich liebe dich.
Nicht eine Diele knarrte, als sie aus dem Zimmer und die Treppe hinunterschlich, durch den verwaisten dunklen Schankraum und zur Tür hinaus. Die kalte Nachtluft umschloß sie wie eine Umarmung der Vernunft selbst, während sie von Schatten zu Schatten durch das kleine Dagon Fel huschte. Heraus aus dem Ort, fort von den Lichtern. Hinein ins Innere der Insel, immer nach Süden, auf die alte Festung zu.
[Dreveni]
Obwohl Erynn kein Geräusch gemacht hatte, als sie sich aus dem Zimmer schlich, hatte Dreveni es gemerkt. Es war eine Art Instinkt, den sie in den Jahren als Assassinin erworben hatte, der sie aufwachen ließ wenn sich in ihrer Umgebung etwas tat. Unter halb geschlossenen Lidern sah sie im dämmrigen Licht der Monde im Zimmer, wie sich Erynn davon schlich. Kaum hatte diese die Tür ins Schloss gezogen, erhob sich Dreveni ebenfalls leise und suchte ihre Sachen zusammen. Dann wartete sie noch einen kurzen Moment, bevor sie Erynn folgte. Es konnte nur eine Richtung geben, in die sich die andere gewandt haben konnte, aber Dreveni wollte sie überholen und sie abfangen, deshalb ließ sie sich nicht mehr Zeit. Dass Erynn nur eine Runde spazieren gehen wollte, glaubte sie nicht, sie hatte schon genug mit Leuten zu tun gehabt, die auf Rache und Vergeltung aus waren.
Sie folgte Erynn eine Weile, allerdings schien die andere wachsam zu sein, und es ergab sich keine Gelegenheit, sie zu überholen, ohne bemerkt zu werden. Auf halbem Wege zur Festung reichte es Dreveni und sie schoss einen Pfeil in den Baum der nur wenige Schritte neben Erynn stand. "Ich hoffe, ihr habt euch das gut überlegt.", gab sie sich gleich darauf zu erkennen, bevor Erynn ihrerseits auf die Idee kam, dem scheinbaren Angreifer einen Pfeil entgegen zu schicken.
Geändert von Glannaragh (10.10.2012 um 20:41 Uhr)
Grund: Rechtschreibung
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Drachentöter
[Erynn]
Erynn fuhr herum, in der einen Hand den gespannten Bogen, in der anderen einen Pfeil. Sie hatte das Gefühl, als müßten gleich ihre Knie nachgeben, als sie die Stimme der Assassinin hörte. „Dreveni!?“ Ihre Stimme überschlug sich „Was macht Ihr... was machst du hier?“ Der Pfeil fiel aus der kraftlos gewordenen Rechten. „Geh weg! Bitte. Geh weg!“
[Dreveni]
Bei den Neun, in dem Zustand will sie die Echse fangen? Und seit wann waren sie überhaupt schon beim Du? Egal. "Ich bin dir offensichtlich gefolgt. Das mache ich hier. Ich dachte du könntest Hilfe brauchen, wenn du die Echse fangen willst. Zu zweit stehen unsere Chancen vermutlich nicht schlecht, die ganze Geschichte zu einem würdigen Ende zu bringen." Beim letzten Satz lag leichte Ironie in ihrer Stimme, die sich allerdings nicht gegen Erynn richtete. Vermutlich konnte diese im Licht der Sterne und der beiden Monde auch das leichte Lächeln auf Drevenis Gesicht sehen.
[Erynn]
"Ich... Dreveni..." Sie verstummte kurz und versuchte, sich zu sammeln. "Ich konnte nicht bleiben. Ich konnte nicht... du hast Arranges nicht mitgebracht, oder? Ich hätte ihn gehört." Die Kriegerin sah aus wie ein Häuflein Elend, als sie sich bückte um den Pfeil aufzuheben und diesen mit einer fahrigen Bewegung wieder im Köcher verschwinden ließ. Mit unsicheren Schritten kam sie daraufhin auf die Meuchelmörderin zu, ihre Haltung offen, so war die junge Frau ganz gewiß keine Bedrohung, nichtmal für einen bosmerschen Buchhalter. "Ich mußte mich von ihm befreien. Du hast ganz recht gehabt, die ganze Zeit über. Das hier sollte mir gehören, nur mir allein!"
Erynns flackernder Blick glitt zur Seite, über den felsigen Boden. "Und jetzt bist du hier. Aber das ist nicht so schlimm, glaube ich. Du bist wie ich. Leise und schnell. Du verstehst es vielleicht. Du bist nicht..." Die Dunmer bemerkte, daß sie wirr redete, und schwieg für einige Atemzüge. "Entschuldige. Ich bin so durcheinander. Du willst mir also helfen, Gumora zu stellen?"
[Dreveni]
Bei Erynns Kommentar über Arranges Schleichfähigkeiten musste Dreveni kurz lachen. "Nein, natürlich ist er nicht dabei. Und ja, ich werde dir helfen. Es wird Zeit, die ganze Sache ein für alle mal zu einem Ende zu bringen." Dabei wurde ihr Blick nachdenklich, sie hoffte Erynn würde es nicht sehen können. Ja, sie wußte wie es war, wenn Dinge noch offen waren, auch wenn es bei Feryn nicht unbedingt um Rache gegangen war.
[Erynn]
Um ein Haar wäre sie Dreveni einfach um den Hals gefallen. Die Assassinin war gar nicht hier, um sie zurückzubringen, schien im Gegenteil zumindest ansatzweise zu verstehen, was in der Schützin vorging.
Erynn fing sich ein bißchen. Drevenis Gesichtsausdruck hatte sie nicht bemerkt, fragte sich viel eher, ob sie gerade nicht schon wieder drauf und dran war, sich die Zügel aus der Hand nehmen zu lassen. Trotzdem nickte sie wortlos und wandte sich wieder den schroffen Felsen zu, inmitten derer irgendwo die Ruine Rotheran liegen mußte.
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Fossil
Irgendwo auf Sheogorad
Im Schutze der nun schon fortgeschrittenen Nacht gingen Dreveni und Erynn weiter, nachdem die Assassinin ihren Pfeil wieder aus dem Baumstamm gepflückt hatte. Flink und leichtfüßig wie sie waren, bereitete ihnen das schwierige Gelände keine allzu großen Probleme, aber es war kalt so weit im Norden. Ein scharfer Wind pfiff ihnen um die Ohren, sobald sie eine einigermaßen offene Stelle erreichten und machte es schwierig, irgendetwas zu hören außer seinem Jaulen. Noch hatten sie auch keine Spuren gefunden, was kein Wunder war bei der Landschaft, die außer Felsen, niedrigen Flechten und gelegentlichen Kreshkraut - Büschen, die sich in geschützteren Nischen kauerten, nicht viel bot, wodurch sich ein erfahrener Kundschafter hätte verraten können. Wie Erynn es prophezeit hatte.
Lange Zeit folgten sie später einem natürlichen Pfad, der tief in einem weichen Schlenker in süd-südöstlicher Richtung durch das Gelände schnitt. Einmal sahen sie von fern ein verräterisches rötliches Glimmen, zu groß, als daß es ein Lagerfeuer oder ähnliches hätte sein können. Selbst hier standen Dagons Truppen. Am Ende der Welt. Dann war das Leuchten wieder hinter den Hügeln verschwunden.
Als der junge Morgen sich durch den ersten, violetten Streifen am Horizont ankündigte, beschlossen die beiden Frauen, eine Rast einzulegen. Zuvor hatten sie versucht, über ein paar kleine Nebenpfade tiefer ins Innere von Sheogorad zu gelangen, aber diese Wege hatten sie nur in Sackgassen geführt, einmal sogar zu einem kleinen Lavatümpel. Dort war es zur Abwechslung zwar warm gewesen, allerdings hatte der glühende, geschmolzene Stein ihre Nachtsicht aber auch auf Minuten hinaus ruiniert.
Von der Felsspalte aus, in der sie es sich jetzt leidlich bequem gemacht hatten, konnten sie das Meer hören. Leise besprachen Dreveni und Erynn sich und kamen zu dem Schluß, daß sie zu weit östlich sein mußten, so, wie sie beide die Karte im Kopf hatten. Bisher hatten sie aber noch keinen Weg in die südlichen Hügel hinein gefunden, was vermuten ließ, daß es nur sehr wenige Stellen geben konnte, von denen aus man die Festung erreichte – was, wenn man den Sinn von Festungen bedachte, durchaus nachvollziehbar war. Ärgerlich für die zwei Dunmer, daß diese Pässe vermutlich bewacht waren oder daß Gumora ihnen dort womöglich eine Falle stellen würde. Sie müßten sehr vorsichtig sein, und dafür brauchten sie ihre Körper und Sinne ausgeruht. Es wurde Nachmittag, bis sie den Weg fortsetzten. Die letzten Stunden des Tageslichts wollten sie nutzen, um sich genauer zu orientieren. Gelang es ihnen, einen Zugang nach Rotheran zu finden, wären sie in der Nacht noch ausgeruht genug, um ihre Beute endgültig zu stellen.
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Drachentöter
Festung Rotheran
[Erynn]
Erynn hatte ihre systematische Suche nach einem Zugang zum Inneren des Südteils der Insel wieder aufgenommen und nicht mehr als zwei weitere Sackgassen entdeckt, als Dreveni sie schließlich ansprach: „Das wird so nichts“, meinte die Assassinin. „Je länger wir hier rumstolpern, umso eher wird irgendwer auf uns aufmerksam. Ich sage, wir versuchen es querfeldein.“
Die Kriegerin überlegte, während ihr Blick über die vor ihnen aufragenden Hügel glitt. Dann nickte sie. „Eigentlich hast du recht. Versuchen können wir es ja.“ Und die Wahrscheinlichkeit, daß Arranges uns dort aufstöbert, wird auch geringer. Falls er uns überhaupt gefolgt ist.
Es war nicht leicht, einen Weg die glattgeschliffenen, steinigen Hügel hinauf zu finden. Auch jetzt mußten sie mehrmals umkehren, holten sich einige Abschürfungen bei dem Versuch, besonders steile Hänge zu erklimmen. Es war merklich dämmerig geworden, bis die zwei Frauen schließlich den Scheitelpunkt einer besonders hohen Kuppe erreichten – und da lag sie: Die Festung Rotheran, keine dreihundert Doppelschritte von ihrer Position entfernt.
Unabgesprochen gingen die Dunmerinnen in Deckung und nahmen sich Zeit, einfach nur zu beobachten. Erynn fühlte sich gut aufgehoben in Drevenis Gesellschaft. Meuchelmörderin und Jägerin dachten in sehr ähnlichen Bahnen, was das Aufspüren von Beute betraf.
„Dreveni“, sagte sie leise, „ich will nicht, daß wir Gumora einfach nur töten. Er soll wissen, wofür er stirbt. Ich will ihn an einem Ort haben, wo wir ungestört sind. Leise rein und leise raus. Mit der Echse. Glaubst du, wir kriegen das hin?“
[Dreveni]
Dreveni maß kurz abschätzend die Festung, bevor sie antwortete. "Schwierig. Leider wissen wir überhaupt nicht, wie es in der Festung aussieht, ausserdem kannst du keinen Unsichtbarkeitszauber, dadurch sind wir noch mehr auf Glück angewiesen... Aber auch nicht unmöglich, würde ich sagen. Das Schwierigste wird sein, mit der Echse wieder nach draussen zu kommen, Argonier sind schwer." Dabei sah sie der anderen tief in die Augen. Ihr schien es wirklich ernst damit zu sein, sich anständig an der Echse zu rächen. Inzwischen zweifelte Dreveni auch nicht mehr daran, dass sie es wirklich ernst meinte. Noch vor ein paar Tagen hätte sie Erynn soviel Initiative gar nicht zugetraut, sie schien endlich aus Arranges Schatten getreten zu sein.
[Erynn]
„Wenn es nicht klappt, dann stirbt er eben schnell. Und wenn es das Letzte ist, was ich tue.“
Mit diesen Worten begann Erynn, sich langsam auf die Ruine zuzubewegen. Deckung gab es hier genug. Teils geduckt schleichend, teils auf dem Bauch vorwärts robbend, kroch sie von Deckung zu Deckung. Dreveni folgte ihr ebenso verstohlen. Immer wieder legten sie Pausen ein, um sich Überblick zu verschaffen, während die Dunkelheit der Nacht sich langsam um sie breitete. Irgendwann waren sie so nahe, daß sie die einzelnen, kunstvoll behauenen Steinblöcke der Festung unterscheiden konnten. Sie blickten auf die oberste Ebene von Rotheran, noch immer nicht nennenswert verfallen. Erynn mußte an die zahlreichen antiken Wehranlagen denken, die über ganz Cyrodiil verstreut waren und kam nicht umhin, die Arbeit der dunmerschen Baumeister zu bewundern. Eigentlich war es Anmaßung, das Bollwerk vor ihnen als Ruine zu bezeichnen; der Zahn der Zeit hatte sich an dem Bau stumpf geschliffen. Von ihrer Position aus gesehen, war das Gebäude intakt und hätte ohne weiteres wieder in Betrieb genommen werden können.
Die scharfe Sicht, die ihnen das Elfenblut und die Erfahrung gewährte, war hier definitiv von Vorteil, so daß ihnen die zwei Wächter auffielen, die im Schatten zwischen einer Kuppel und einem weiteren, kastenförmigen Aufbau herumlungerten. Eines davon mußte der Eingang zur eigentlichen Festung sein.
Mit einer Geste machte sie Dreveni auf die zwei Khajiiti aufmerksam, doch auch die Assassinin hatte die abgerissenen Gestalten schon bemerkt. Zwei Sätze in Zeichensprache später waren sie sich einig. Dreveni würde den linken aufs Korn nehmen, der von ihrer Position aus etwa vier Schritte weiter hinten stand, Erynn den anderen. Sie machten sich bereit, auf ein Nicken der Assassinin hin erhoben sie sich und legten auf die Katzenwesen an.
[Dreveni]
Beide Pfeile trafen und die Khajiit brachen fast gleichzeitig lautlos zusammen. Als Dreveni die Festung näher betrachtete, wußte sie auch wieder, woher ihr der Name Rotheran bekannt vorkam. Mordan hatte ihr davon erzählt, er hatte einmal einen Auftrag hier in der Gegend erledigt, der Eingang befand sich nicht dort, wo man ihn vielleicht vermutet hätte - in dem größten der Aufbauten - sondern in der Kuppel daneben. Im schutze der Felsen konnten sie sich unbemerkt näher schleichen, und schließlich standen sie vor dem Eingang, ohne noch weitere Wachen gesehen zu haben. Die Khajiit, die tot vor ihnen lagen, schienen die Einzigen gewesen zu sein.
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Fossil
[Erynn]
Dreveni riß das Eingangstor auf, während Erynn sicherte. Vor ihnen führten ein paar Stufen nach unten, dahinter lag ein kurzer Gang, der sich zu einer Art Galerie verzweigte, die einmal komplett um eine ein Stockwerk tiefer liegende Arena zu laufen schien. Vereinzelt tauchten Fackeln das Innere von Rotheran in spärliches Licht. Sie schoben sich vorsichtig vorwärts und nutzten die zahlreichen Schatten, um unentdeckt zu bleiben. Dem ersten Eindruck nach schien die Feste verlassen zu sein, doch der Schein mochte trügen.
Während sich die beiden Frauen durch das Bauwerk bewegten stellten sie fest, daß zumindest die obere Ebene recht übersichtlich gehalten war. Rotheran wirkte, als habe es ursprünglich weniger zu dem Zweck gedient, daß niemand hinein- sondern eher dem, daß niemand herauskam.
Erynns Überlegungen wurden jäh unterbrochen, als sie um eine Ecke schlichen und einer schmalen Silhouette auf dem Boden gewahr wurden, welche die Dunkelelfin selbst auf einem Jahrmarkt mitten in Schwarzmarsch unzweifelhaft erkannt hätte. Sie konnten sich bis auf etwa fünf Schritte nähern, bis Gumora sie bemerkte und sich von seinem Lager aufrichtete.
„Was macht ihr hier? Ihr hattet Anweisungen, euren Posten nicht zu verlassen. Ich schicke euch die Ablösung wenn...“
Er erkannte seinen Fehler zu spät. Auf Erynn und Arranges mochte er vorbereitet gewesen sein, nicht jedoch auf Dreveni. Mit zwei schnellen Sätzen war sie bei ihm, versetzte ihm einen Tritt in den Brustkorb, der den Argonier herumwirbelte und schwer auf dem Bauch landen ließ. „Keinen Laut, wenn dir dein Leben lieb ist.“ Der Dolch der Assassinin drückte sich in die Schuppenhaut seines Halses.
Erynn sparte sich ihren Atem und schwieg, fesselte stattdessen die Hände ihres Ziels hinter seinem Rücken und verpaßte Gumora einen Knebel. Eine Echsenschnauze, so stellte die Kriegerin leidenschaftslos fest, eignete sich wirklich hervorragend zum Zubinden.
Sie wuchteten den Argonier auf die Füße und schleiften ihn in Richtung Ausgang. Drevenis Stilett bewegte sich währenddessen keinen Fingerbreit fort von seiner einmal gewählten Position. Leise rein und leise raus.
Er brachte es tatsächlich fertig, Erynn einen überheblichen und siegessicheren Blick zuzuwerfen, nachdem er den Beschwörer nirgends entdecken konnte. Du bluffst doch nur... Trotzdem blieb sie wachsam und lauschte auf verräterische Geräusche. Molag Bal allein wußte, wie viele Leute sich noch in der Dunmerfestung aufhalten mochten.
Gumoras selbstbewußtes Gebaren änderte sich erst, als sie schon wieder auf dem Dach der Ruine standen und die beiden toten Wächter entdeckte. Er warf sich unvermittelt nach hinten, weg von dem Stilett, und brachte Dreveni aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig versuchte der Tiermensch, trotz des Knebels nach seinen Kumpanen zu schreien.
Erynn, überrascht von den unheimlichen Kräften, die der spindeldürre Kerl zu entwickeln im Stande war, fackelte nicht lange. Die rechte Hand blieb in die Fesseln gekrallt. Es gelang Gumora, sie zwei oder drei Schritte mitzuschleifen, bevor sie ihren eigenen Dolch aus der Scheide im Stiefel befreit hatte. Zwei entschlossen geführte Schnitte, und das Knurren ihres Feindes wandelte sich zu einem atemlosen Fauchen, als die Achillessehnen durchtrennt wurden. Kriegerin, Assassinin und Echse fielen in einem wirren Haufen aus Armen und Beinen übereinander, dann war die Situation unter Kontrolle.
„Schade“, zischte Erynn dicht an seinem Ohr, „nach der Jagd, die du uns geliefert hast, hatte ich mehr Verstand von dir erwartet.“ Sie wuchteten den Argonier hoch und schleiften ihn weiter, den Weg über die Hügel zurück, den sie vorher gekommen waren.
[Dreveni]
Es gelang erstaunlich problemlos, die Echse aus ihrem Loch zu ziehen. Kurz hinter dem Eingang zu Rotheran lag er und schlief. Sie überwältigten ihn, und schließlich kam doch noch das, mit dem Dreveni insgeheim gerechnet hatte, sonst wäre es auch zu glatt gelaufen. Erynn fackelte nicht lange und schnitt ihm die Achillessehnen durch, danach schleifte sie ihn mit sich. Die Aussicht auf Rache schien ihr gigantische Kräfte zu verleihen. Schließlich kamen sie zu einer Senke, in der ein einzelner, schon halb toter Baum stand. Zusammen hieften sie ihn hoch und hängten ihn an den Armen an einen der unteren Äste. Es knirschte verdächtig in seinen Schultergelenken, als sie ihn hochzogen, aber die würde er ohnehin nicht mehr lange brauchen. Dreveni ging ein paar Schritte zurück und setzte sich auf den Boden, von wo aus sie die Szene still beobachtete. Das hier war Erynns Moment, und sie würde sich nicht einmischen, bis sie die andere darum bat. Außer sie kam auf den seltsamen Gedanken, der Echse doch noch die Freiheit zu schenken, das ging gegen Drevenis Prinzipien, nach dem was sie auf der Jagd nach ihm alles erlebt hatten.
-
Fossil
Erynn ging ein paar Schritte weit fort, dann setzte sie sich im Schneidersitz auf den Boden, wobei sie sowohl Gumora als auch Dreveni den Rücken zuwandte. Sie schloß die Augen und atmete ein paar mal tief durch. Hier waren sie also. Weit weg von jeder Störung, weit weg von einfach allem. Weiter weg von Ordnung und Gesetz, als ich es jemals war.
Die plötzliche Erkenntnis traf die junge Dunkelelfin wie ein Schockzauber, brachte jede Faser ihres Körpers zum Vibrieren. Hier konnte sie alles tun. Es gab keine Grenzen außer jenen, die sie sich selbst auferlegte. Aber warum sollte ich?
So also fühlte sich Macht an. Es begann als leichtes Kribbeln weit oben im Nacken, lief das Rückgrat herunter und brachte eine Lebendigkeit mit sich, die Erynn nicht kannte. Etwas absolut Finsteres lag in diesem Gefühl. Es gefiel ihr.
Aus ihrem Gepäck nahm sie das Tanto, das sie vor so unendlich langer Zeit einem Banditen abgenommen und es für diesen Moment aufbewahrt hatte. Das Mondlicht brach sich auf dem Wellenschliff der scharfen Klinge. Die Kriegerin betrachtete es sinnend, während ihr Herzschlag sich wieder beruhigte.
Langsam, fast schwerfällig stand sie auf und schlenderte zu dem Gefangenen hinüber. Seine Augen blickten wild, jedoch brachte er es nicht fertig, groß an den Fesseln zu rucken. Die ausgekugelten Schultern hinderten ihn daran. Erynn fragte sich, wie lange ein Argonier es wohl durchhielt, so im kalten Aufzug zu hängen. Länger als ein Mensch, vermutlich. Sie hatte noch Zeit.
Ein leises Lächeln verzerrte ihren Mund, als sie schließlich vor ihm stand, und sanft flüsterte sie: „Gumora... kennst du mich noch?“ Er starrte zurück. „Ich will deinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen“, fuhr die Dunmer im selben Tonfall fort. „Ich bin die, die du verraten und verkauft hast...“ ihre Stimme wurde so leise, daß Dreveni sie jetzt unmöglich noch hören konnte „...an die abtrünnigen Magier. Ein gefährliches Spiel, Echse.“
In einer wie zärtlich wirkenden Geste legte Erynn ihre Stirn an die rechte Brust des Argoniers. „Du stinkst nach Furcht.“ Ihre Stimme war jetzt kalt. Mit dem Messer langte sie nach oben und schnitt ihm mit langsamen, konzentrierten Bewegungen das Hemd vom Leib, packte den Stoff fester und riß ihn in einer einzigen Bewegung herunter. Die Rippen bewegten sich heftig ob seiner schweren Atemstöße, und er knurrte durch den Knebel. Ebenso sacht wie zuvor legte sie ihre Linke auf seine verkrampften Bauchmuskeln, während sie fragte: „Wie fühlt sich das an, Gumora? Wie fühlt es sich an, hilflos ausgeliefert zu sein ohne die Hoffnung auf Erbarmen?“ Die nächsten Worte schrie sie ihm entgegen: „Wie fühlt es sich an, daß dein Körper jetzt mir gehört?“
Er fauchte, eine Mischung aus Haß und Panik. Ansatzlos schlug die Kriegerin ihm den Knauf des Tanto auf die Nüstern. Blut spritzte.
„Es interessiert mich nicht, weißt du? Ebenso wenig wie es dich interessiert hat, was dein Handeln anrichten würde. Du bist nicht hier, damit ich mir deine widerlichen Ausflüchte anhöre!“
Federleicht ließ Erynn die bösartige Klinge über seinen Leib gleiten. Horn löste sich als feiner Staub von den Schuppen, ohne daß ein Tropfen Blut floß. „Ich weiß, welche Frage du dir jetzt stellst, Gumora: Wie lange dauert es, bis es schlimmer wird? Es ist ganz einfach: So lange, bis ich entscheide, daß es an der Zeit ist.“
Nach und nach entstand ein abstraktes Muster aus hellen Linien auf dem Torso des Argoniers. Zwischenzeitlich versuchte er, nach ihr zu treten. Die Dunkelelfin unterband diese Anwandlung, indem sie ihm die Messerspitze in die Knie trieb. Mit ausdrucksloser Miene nahm sie danach ihre künstlerische Arbeit wieder auf. „Ausgeliefert, wie ich gesagt habe. Kein schönes Gefühl, nicht wahr?“
Die Echse zitterte nunmehr heftig, die sonst so gehässig wirkenden Augen vor Pein verdreht, daß fast nur noch das Weiße darin zu sehen war. In kurzen, unregelmäßigen Abständen drangen unartikulierte Laute durch den Stoff des Knebels. Erynn empfand kein Mitleid: Sie war völlig eingenommen von den Empfindungen, die wie Wellen durch ihren Körper spülten. In diesem Moment war sie unantastbar, allmächtig, Herrin über Schmerz und Verzweifelung. Mit geschlossenen Augen warf sie den Kopf in den Nacken, zitternd, atmete durch gefletschte Zähne, trunken von der Rache. Was immer sie sich vorgestellt hatte, wie es sein würde, verblaßte angesichts dieser gewalttätigen Ekstase.
Langsam verstärkte sie den Druck der Klinge. Hochaufgerichtet, den Leib gespannt wie eine Bogensehne, beobachtete sie hinter halb geschlossenen Lidern, wie der Lebenssaft ihres verhaßten Feindes aus klaffenden Wunden rann, über ihre Finger tropfte und die Furcht fortspülte, die seit jenen entsetzlichen Stunden in den Fängen der Abtrünnigen ihr ständiger Begleiter gewesen war.
Wie lange sie den Argonier bearbeitet hatte, als sie schließlich zurücktrat und ihr Werk betrachtete, wußte sie nicht. Die Elfin hatte jedes Zeitgefühl verloren – nicht jedoch das rechte Maß. Der Verräter war am Ende, aber noch immer lebendig und genug bei Bewußtsein um mitzubekommen, was mit ihm geschah. Lange würde es jedoch nicht mehr dauern. Es wurde Zeit, das Ganze zu beenden. Nach ihren Konditionen.
Erynn packte das Heft der Waffe mit beiden Händen, stieß sie kurz über dem Schambein in den Unterleib der Echse und riß sie nach oben, bis die Klinge sich im Brustbein verkeilte. Blut, Gekröse und andere Organe ergossen sich über sie wie Salböl, während sie völlig erschöpft vor Gumora auf die Knie sank, in ihrem Kopf nur einen einzigen Gedanken:
Frei. Ich bin frei!
Geändert von Glannaragh (24.10.2012 um 02:07 Uhr)
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