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Drachentöter
Dagon Fel
[Dreveni]
Dreveni hatte im Gegensatz zu Erynn die Nacht unter Deck verbracht. Sie hatte sich sogar zu etwas Arbeit um ihre Überfahrt zu bezahlen, herabgelassen und hatte den Abend mit Kehren des Decks verbracht. Immerhin lenkte sie das etwas von ihren Grübeleien ab. Am frühen Morgen erreichten sie Dagon Fel, das zwischen kahlen Felsen grau und abweisend im frühen Licht des Tages wirkte. Ausserdem war es kalt, zu kalt für Drevenis Geschmack. Sie wickelte sich fester in ihren Mantel und folgte ihren Gefährten und den Guaren. Dagon Fel war nicht sehr groß, was sie bis jetzt sehen konnte, und überwiegend von Nords bewohnt. Auf Erynns fragenden Blick sagte sie: "Ich hoffe sehr, dass es hier eine Taverne gibt." Seit der letzten Schlacht in den Ebenen Oblivions hatte sie kaum eine wirklich ruhige Minute gehabt, in der überfüllten Wirtschaft in der sie übernachtet hatten gab es weder eine gescheite Waschgelegenheit noch wirklich Ruhe. Sie sehnte sich einfach nach einer Türe die sie hinter sich schließen konnte und einem Zuber mit heißem Wasser.
[Arranges]
Dagon Fel war, wie Arranges es sich vorgestellt hatte, abgerissen und blass. Rokrast hatte sich mit wenigen Worten von ihnen verabschiedet, er würde in wenigen Stunden bereits wieder ablegen. 'Es soll einen Außenposten mit einem Händler und Wirtshaus hier geben.' Sagte der Magier auf die Frage Drevenis hin. Er konnte sich einen gehässigen Gedanken nicht verkneifen, als er bemerkte, wie die Dunmer ihren Umhang enger zog. Ihm tat das doch spürbar kühlere Klima nicht weh, im Gegenteil, es war im Vergleich zu dem feuchtwarmen Wetter der Weideländer und dem schnellen Wechsel von kalt auf heiß in der Amur mehr als angenehm. Er blickte sich kurz um und deutete den Hügel hinauf. Über den spärlichen Hütten direkt am Wasser, thronte ein Gemäuer, das mit seiner mannshohen Sandsteinmauer und einem strohgedeckten Wachturm wie eine kleine Trutzburg hier am Rande der Welt wirkte. 'Vielleicht gibt es dort auch einen Schmied, das Kettenhemd wird langsam aber doch unbequem.' Die Mithrilkette erwies sich zwar als leicht, scheuerte aber beim Gehen und die starren Schulterplatten drückten im von Zeit zu Zeit unangenehm in die Seiten.
[Erynn]
"Außenposten klingt gut", sagte Erynn. "Laßt uns sehen, ob wir da ein Frühstück und Informationen über das Schiff bekommen, das von Tel Mora aus in diese Richtung gefahren ist."
Sie sah sich in dem kleinen Ort mit seinen windschiefen Hütten um. Der Außenposten war nicht schwer auszumachen, es war das größte und am stabilsten wirkende Gebäude hier. Ohne weitere Umschweife wandte sie ihre Schritte in diese Richtung, kümmerte sich nicht weiter darum, ob die anderen beiden ihr folgten oder nicht - die Nacht an Deck von Rokrasts Schiff war unbequem gewesen, hatte sie sich aber so weit erholen lassen, daß ihr Jagdfieber wieder voll erwacht war. Gestern war ihr die Beute nur knapp entkommen und Erynn hatte nicht vor, die Spur noch einmal erkalten zu lassen.
[Dreveni]
Dreveni betrat hinter Erynn die Taverne. Ungewohnterweise sah sie fast nur Nord, auch die Inhaberin, bei der Dreveni hoffte, ein paar Räume mieten zu können, war eine blonde, hochgewachsene Nord, die sich als Fryfnhild vorstellte. Auf Drevenis frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit antwortete sie: "Wir haben leider nur einen Raum frei im Moment, für 20 Draken." 20 Draken und dann nur ein Raum?? Scheiße., fluchte Dreveni in Gedanken vor sich hin. Nach einem kurzen Blick zu Erynn und Arranges fingerte sie in ihrem Beutel und suchte 20 Draken herraus, es blieb ihnen ja nichts anderes übrig. Als ihr Fryfnhild den Schlüssel überreichte, fragte sie noch beiläuft: "Wir wollten uns mit einem Freund hier treffen, einem Argonier. Ist hier zufällig einer angekommen in den letzten Tagen? Ach ja, und wie sieht es mit einer Waschgelegenheit aus?"
[Arranges]
Mit der Trutzburg am Rande der Welt lag Arranges gar nicht so falsch. Ein von Wind und Wetter herb angefressenes Schild schaukelte quitschend an rostigen Ketten über der Eingangstür. Es wies die Taverne als 'Am Ende der Welt' aus. Der Nekromant war nicht böse darüber, dass Dreveni das Gespräch mit der Wirtin übernahm Soll sie auch mal etwas tun für ihr Geld... Knurrte er in Gedanken. Ernüchternd war aber direkt wieder die Tatsache, dass diese verfluchte Taverne gerade ein Zimmer hatte. Verdammt nochmal, der Bau ist doch riesenhaft und so viele Reisende werden hier wohl nicht unterwegs sein! Es bleib ihnen nichts anderes übrig.
Auf Drevenis erste Frage antwortete die Wirtin: 'In der Tat ist heute Nacht ein Schiff hier angekommen. Die Mannschaft hatte es sich trotz des kurzen Aufenthaltes aber nicht nehmen lassen, meine Taverne zu belagern. Ein Argonier war jedoch nicht dabei.' Sie kratzte sich am Hinterkopf und schien kurz zu überlegen. 'Als ich aber die letzten beiden Herren in den frühen Morgenstunden hinausbefördert habe, sah ich eine Gestalt hinauf in die Berge huschen,' sie hob die Schultern, 'vielleicht hilft euch ja das weiter, das Schiff hat breits wieder abgelegt.' Bevor sie jedoch Drevenis zweite Frage beantwortete, beugte sie sich zur Seite um einen Blick auf Arranges und Erynn zu werfen. 'Der Zuber ist aber nur für eine... maximal zwei Personen.' Antwortete sie ohne dabei eine Miene zu ziehen. 'Er steht unten im Keller. Dort giebt es auch Kessel, Brunnen und eine Feuerstelle, das Wasser müsst ihr selbst erhitzen.' Und damit wandte sie sich einem anderen Gast zu, der bereits neben Dreveni wartete.
[Erynn]
Es war angenehm warm in dem Handelshaus. So wie es hier aussah, traf sich hier alles und jeder, der das Pech hatte, in Dagon Fel zu tun zu haben. Erynn war ein wenig verwundert, daß Dreveni gleich das einzige freie Zimmer mietete, doch ihr Handeln erklärte sich gleich darauf von selbst mit dem übertriebenen Waschzwang, den die Assassinin bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit an den Tag legte. So häufig heiß zu baden konnte einfach nicht gesund sein, und es war ja nicht so, da es um Vvardenfell herum nicht genügend kostenloses Wasser gab. Im Stillen amüsierte sich die Dunmer mit der Vorstellung, daß ihre Artgenossin sich vielleicht vor Krabben ekelte. Laut ausgesprochen hätte sie das jedoch nie, sie mochte ihre beiden Ohren an genau dem Platz, an dem diese sich gerade befanden.
In die Berge also... was will er dort? Von diesem kalten Felsen gab es nur einen Weg fort, wenn sie sich richtig erinnerte, und das war der Hafen von Dagon Fel. Vorausgesetzt, die Gestalt, welche der Dame hinter dem Tresen aufgefallen war, war tatsächlich Gumora gewesen... Entweder ist er sich sehr sicher, daß er sich dort vor uns verbergen kann, oder er hat selbst in dieser götterverlassenen Gegend noch Kontakte, die ihn von hier wegbringen könnten. Oder aber... War der Argonier wirklich verrückt oder verzweifelt genug, um zu versuchen von hier aus zu schwimmen, wohin auch immer? Wasser mochte sein Element sein, aber das Wasser hier im Norden war verflucht kalt.
Erynns Überlegungen wurden unterbrochen, als sie über den nächsten Satz der der Wirtin stolperte. "Wir hatten auch gar nicht vor, gleichzeitig..." sie brach ab, errötete leicht und schaute zwischen Arranges und Dreveni hin und her, mit dem sicheren Gefühl, daß jeder weitere Gedankengang, hätte sie ihn in Worte gefaßt, sie mehr als nur ein Ohr gekostet hätte. Reingefallen.
[Dreveni]
Dreveni reichte es gerade, und auch wenn die Wirtin dafür nun so überhaupt nichts konnte, konnte sie es sich auch einfach nicht verkneifen: "Danke. Und nein, wir werden in der Tat nicht zusammen baden, mit dem da sowieso überhaupt nicht.", wobei sie auf Arranges deutete. Gleich danach tat ihr ihr schnippischer Tonfall Fryfnhild gegenüber leid, und sie nahm mit einem - dieses mal - freundlichem "Danke." endgültig den Schlüssel in Empfang. Nachdem sie sich hier allerdings nicht zum Vergnügen befanden, fragte sie, zumindest anstandshalber, Erynn und Arranges: "Gleich in die Berge oder..." Ihr war wirklich langsam nach etwas mehr Wasser als einer Schüssel, sie hatte das Gefühl dass ihr immer noch das Blut am Arm klebte wo sie der Assassine geschnitten hatte. Ausserdem wollte sie sich endlich seine schmierigen Fingerabdrücke abwaschen, und zwar gründlich. Immerhin hatten sie ja jetzt ein Zimmer, wenn es auch nur genau eins war, sie hatte sicher nicht vor, jetzt gleich wieder ziellos durch die Berge zu irren.
[Arranges]
Reicht ja schon, dass ich mit dieser Beisszange ein Zimmer teilen muss... Eigentlich sollte er Erynn befeuern, Gumora gleich zu jagen, nur um die Assassinin zu ärgern. Aber er selbt spürte die Reise von Cheydinhall bis hier her mittlerweile auch deutlich und vor allem spürte er das Kettenhemd, mit dessen unangenehmer und nicht unbedingt nützlicher Tragweise er sich jetzt Gumora nicht stellen wollte. Wenn es der Molch war, den die Wirtin gesehen hatte... in den Bergen kann er nur eines vorhaben. Entweder er versucht uns im Zickzack zu entkommen oder aber er legt uns wieder einen Hinterhalt. Wobei eins das andere nicht ausschließt. Und Arranges wusste sehr genau, dass Gumora im Fallenstellen herausragende Leistungen zu vollbringen vermochte - und das nicht erst seit dem Verrat an ihm und Erynn. 'Nein Gumora ist zwar gut, aber es sind Berge, er wird nicht sehr weit kommen, zudem haben wir die Guare, im Zweifelsfall tragen uns ihre Beine schneller als der Molch jemals rennen könnte.' Damit war die Sache für den Kaiserlichen geklärt und er begab sich nach oben, wo ihr Zimmer war. Er musste nicht im Zuber gesessen haben. Die sehr feuchte Meerluft hatte das Ihrige getan um ihn zumindest nicht mehr wie ein wühlendes Schwein aussehen zu lassen.
[Erynn]
Die Kriegerin seufzte. Dann machen wir halt erstmal Pause. Ist vielleicht auch nicht verkehrt, unser weiteres Vorgehen vorher abzusprechen. Sie nickte der Wirtin mit einem leichten Lächeln zu und holte Arranges etwa auf der Hälfte der Treppe ein. Schweigend ging sie neben ihm her, bis sie das Zimmer im ersten Stock erreicht hatten. Es war sehr geräumig, so daß jeder der drei sich bequem seine Ecke würde aussuchen können, ohne daß man zwingend auf Tuchfühlung gehen mußte. "Haben wir eigentlich noch eine Karte?" fragte sie. "Ich hab mir bisher nur die Hauptinsel genauer angesehen, nicht Sheogorad."
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