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Fossil
Es war noch sehr früh, als Erynn sich so leise es ihr möglich war aus dem Gästezimmer schlich und sich auf den Weg zum Feldlager der Telvanni machte. Als sie aus dem exotischen Pilzturm trat, der für das Städchen Vos sowohl Handels- als auch Gasthaus darstellte, schob sich die Sonne gerade über den Rand des Inneren Meeres und schien das Wasser selbst in Flammen zu setzen. Der Anblick war so atemberaubend und kitschig zugleich, wie nur die Natur selbst es zuwege bringen konnte.
Es überraschte Erynn zu bemerken, daß sie nicht allein war. Eine vertraute Gestalt stand am Ufer und betrachtete ihrerseits stumm den Sonnenaufgang. Nach einem Moment drehte sich Dreveni zu Erynn um. Die Assassinin hatte offenbar den selben Plan gefaßt wie sie und war ebenfalls auf dem Weg zum Militärlager, so daß es sich anbot, daß die beiden Frauen gemeinsam dorthin gingen.
Schweigend liefen sie das Stück bis zu den ordentlich aufgestellten Zelten. Der Morgen war frisch, über den taufeuchten Wiesen des Graslandes hingen vereinzelte Nebelfetzen. Die Vögel und kleinen Insekten verursachten einen ähnlichen Radau wie jene in der Westebene, doch die Melodie hier war weitaus exotischer.
Im Lager angekommen, fragte sich Erynn zu den beiden Soldaten durch, die sie vor der Schlacht kennengelernt hatte. Nach einigem Hin und Her brachte sie ein Dunkelelf in einer Knochenrüstung, die viel zu schwer für ihn zu sein schien, zum Zelt der beiden Kampfmagier. Der Junge ist garantiert noch keine vierzig Jahre alt, überlegte Erynn, während sie hinter dem Telvannigefreiten herlief. Eine verdammte Schande...
Im nächsten Moment wunderte sie sich über sich selbst. Sie hörte sich an wie die Veteranen aus der Kriegergilde. Die meisten von denen waren auch noch keine vierzig Jahre alt, aber da handelte es sich um Menschen oder Orks, was diese Alterssache doch beträchtlich relativierte.
Sie betrat das Zelt, gefolgt von Dreveni, und hielt erschrocken inne. Gilthas lag auf einem einfachen Lager, die Hände und Arme schrecklich verbrannt. Neras hockte neben ihm und sprach gerade einen Zauber über seinen Freund, ohne daß sich an den Verletzungen viel zu ändern schien. Doch Erynn enspannte sich ein wenig, als Gilthas sie schief, aber dennoch unübersehbar erfreut angrinste. „Erynn! Keine Sorgen machen, ist nicht so schlimm. Sieht nur so aus“, radebrechte er auf cyrodiilisch. „Neras macht, daß die Schmerzen nicht so schlimm sind. Die Heiler werden kommen, wenn die Schwerverletzten versorgt sind.“
Die Bogenschützin lächelte, hockte sich neben die beiden Kampfmagier und drückte kurz die Schulter von jedem der beiden. „Ich bin froh, daß ihr am Leben seid. Ich bin gekommen, um euch Lebewohl zu sagen... und um euch etwas zu fragen.“ Sie wartete, bis Gilthas für seinen Freund übersetzt hatte. „Was willst du wissen“, fragte er.
„Ich suche jemanden“, erklärte Erynn. „Einen flüchtigen argonischen Verräter. Vielleicht ist er hier durchgekommen. Ich weiß, daß er mit einer Organisation in Verbindung gebracht wird, die ‚Zwillingsfackel’ genannt wird...“
Bei der Erwähnung des Wortes horchte Neras auf, und nachdem Gilthas wiederum übersetzt hatte, sprach er schnell und recht lange in der melodischen Sprache der Dunmer. Er sah dabei Erynn an, wenngleich ihm klar war, daß sie nicht ein Wort von dem verstand, was er sagte. Sein Freund schaute zwischen Erynn und Dreveni hin und her. „Sie sucht den Argonier auch?“ – „Ja.“ – „Also: Ich versuche alles auf cyrodiil zu sagen: Wenn die Echse, die du suchst, hier im Norden ist, wird er bestimmt versuchen nach Sheogorad zu gehen, nach Dagon Fel. Jedenfalls, wenn er nach Schwarzmarsch zurück will. Dafür mußt du schwimmen oder mit einem Schiff fahren, es gibt keinen anderen Weg. Eine Echse wäre dumm, wenn sie nach Port Telvannis oder die Molag Amur gehen würde, wo die Erabenimsun leben... Echsen verschwinden dort schnell, verstehst du?“
Erynn nickte. Sie sagte nicht, daß sich der Gesuchte wahrscheinlich schon einmal durch die Amur geschlagen hatte, das würde sie jetzt auch nicht weiterbringen. „Sagt dir der Name Gumora irgendwas?“ „Gumora! Ja, ich habe den Namen gehört. Nicht hier im Lager, aber früher schon. Er ist Zwillingsfackel. Er war... bekannt hier, früher. Bevor alles anders wurde. Wenn er hier in der Gegend ist, wird er nicht nach Port Telvannis gehen. Jemand wird ihn dort erkennen, und dann ist er tot. Wenn er Glück hat.“
Erynn fixierte Gilthas und Neras mit ihrem Blick. „Er wird kein Glück haben, wenn ich ihn finde.“ – „Dann geh nach Norden und Westen. Nach Dagon Fel, oder noch weiter. Wenn er hier war, wird das sein Weg sein.“
Die beiden Dunmerfrauen verließen das Lager nach etwa einer halben Stunde wieder. Der Abschied war herzlich, aber pragmatisch gewesen. Erynn riß sich endgültig los, als ein Heiler der Telvanni das Zelt betrat, um sich um Gilthas’ Verbrennungen zu kümmern. Auch auf dem Rückweg sprachen die beiden Dunmerinnen nicht viel. Erynn fand es, obwohl sie eigentlich gern quasselte, recht angenehm, daß man mit Dreveni schweigen konnte, ohne daß sich eine peinliche Stille entwickelte. Sie mochte die Assassinin, wurde ihr endgültig klar. Auch, wenn diese nicht wirklich vertrauenswürdig sein mochte und sie einem zweifelhaften Handwerk nachging. Ich glaube, ich würde sie entkommen lassen, wenn mich die Kriegergilde je auf sie ansetzte... und ich würde es nicht bereuen.
Vor dem Handelshaus trennten sie sich. Es war noch immer so früh, daß kaum ein Zivilist auf den Beinen war, und Erynn beschloß die Gelegenheit zu nutzen, ein Bad zu nehmen. Wenn das Meer schonmal in so kommoder Reichweite war, wäre es eine Schande, das nicht auszunutzen. Sie lief die Küste ein Stück nach Norden hinauf, bis sie ein paar hohe Felsen fand, die ausreichend Deckung vor neugierigen Blicken boten, entledigte sich ihrer Kleidung und tauchte zunächst vorsichtig einen Fuß ins Wasser. Es war kühl, aber was machte das schon? Besser, als weiterhin nach Schwefel zu stinken. Sie mochte die Totenlande auf eine verdrehte Weise, aber dort roch es immer irgendwie nach faulen Eiern. Und sie selbst roch auch danach. Noch. Erynn entschied, daß die kurze und schmerzhafte Variante die beste wäre und tauchte einmal komplett unter Wasser, kam wieder hoch und schüttelte sich. Wirklich, verdammt kalt!
Sie blieb nicht lange im Wasser, wusch sich rasch mit einer Handvoll Schlamm und Seegras ab, stellte fest, daß sie nicht an ein Handtuch gedacht hatte und rubbelte sich notdürftig mit ihrer Tunika trocken, bevor sie das Kleidungsstück wieder über den Kopf zog und sich auf den Rückweg zur Herberge machte.
In ihrem Zimmer angekommen, fand Erynn Arranges noch immer schlafend vor. Sie zögerte einen Augenblick. Aufwecken oder schlafen lassen? Nein, besser, er erfährt die neuen Informationen sofort. Sie setzte sich vorsichtig auf die Bettkante und strich dem Beschwörer mit einer Hand sanft durch das wirre Haar und über den doch recht lang gewordenen Bart. „Arranges? Komm zu dir“, sagte sie leise und es tat ihr doch ein wenig leid, ihn jetzt zu wecken. Er sah nach so langer Zeit endlich wieder vollkommen ruhig und friedlich aus. „Wach auf.“
Der Kaiserliche schlief wie ein Stein und bekam rein gar nichts mit, als Erynn das Zimmer verließ. Angenehme Träume statt drückender Steine im Rücken begleiteten seinen Schlaf. Im Geiste hatte er gerade das ebene, weiß gerahmte Gesicht einer Dunmer vor Augen, als der Traum etwas zu plötzlich eine seltsame Form annahm. Irgendetwas Kaltes strich ihm übers Gesicht, was Arranges nach außen mit einer tiefen Falte auf der Stirn quittierte und den Kopf von der Berührung wegdrehte. Der Bewegung folgte ein im Schlaf genuscheltes 'Mhh... Falanu... nicht jetzt...!' Als das Traumbild begann sich in der Berührung, die einfach nicht verschwinden wollte, aufzulösen, rollte der Kaiserliche plötzlich herum, spürte irgendeinen Widerstand am Arm, griff danach und schlang im Schlaf seine Arme reichlich unkoordiniert, aber fest um Erynns Hüften. Mit einem deutlich zufriedenen und erleichterten Seufzer bettete er seinen Kopf auf den Oberschenkel der Elfe... Ein mehr als bekannter Geruch drang in sein Bewusstsein und wischte den Schlaf beiseite. Im Erwachen atmete Arranges einmal tief ein, als wäre er zu lange unter Wasser gewesen. 'So eine leichte Meerwassernote schmeichelt dir, Erynn.' Sagte er noch immer schlaftrunken, ohne die Augen zu öffnen oder seinen Griff zu lockern. Erynn! Plötzlich riss er die Augen auf und saß einen Herzschlag später kerzengerade im Bett. Er blickte die Elfe aus leicht zusammengekniffenen Augen an, als könne er gerade nicht zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden, weil sich beides ziemlich ähnlich sah. In jedem anderen Fall hätte man sich wohl Sorgen um Arranges gemacht, aber hier konnte jeder noch so geistig Arme erkennen, dass der Magier einfach nur eine verdammt erholsame Nacht mit einem sehr tiefen Schlaf hinter sich hatte. Seine Haare waren arg zerzaust und auf einer Seite platt nach oben gedrückt, die Schärfe in seinen Augen rang noch mit der Schlaftrunkenheit und eine leichte Blässe auf den Wange verriet, dass sich sein Kreislauf in den letzten Stunden nur zu gerne an die einfach zu versorgende Waagrechte des Körpers gewöhnt hatte.
Falanu? Du bist wirklich gerade weit weg gewesen, oder? Erynn wollte eben eine spöttische Bemerkung machen, blieb dann aber stocksteif sitzen, als der Beschwörer plötzlich seine Arme um ihre Taille legte. Gerade als sie feststellte, daß diese Berührung alles andere als unangenehm war, hatte Arranges seine fünf bis sechs Sinne leider wieder so weit beieinander, daß er erschrocken hochfuhr und sie losließ. "Die Alchemistin ist nicht hier, also kein Grund, in Panik zu geraten", brachte sie noch etwas atemlos heraus, überrascht darüber, daß ihr überhaupt sowas wie eine halbwegs schlagfertige Antwort einfiel. "Werd erstmal wach. Es ist ein wundervoller Tag an der vvardenfellschen Ostküste und ich habe ein paar Informationen, die nützlich sein könnten..."
Geändert von Glannaragh (14.05.2012 um 23:58 Uhr)
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Legende
Er schüttelte kurz leicht den Kopf und wischte sich dann den restlichen Schlaf aus den Augen, indem er einmal grob mit den Fingern rieb, als hätte er Staub unter den Lidern. Einen Moment später waren Erynns Worte bei ihm angekommen. Aber auch noch nicht mehr. Er ließ den Blick langsam einmal von ihrem Gesicht abwärts wandern bis dahin, wo die Knie über der Bettkante außerhalb seines Sichtfeldes verschwanden und wieder zurück. In Kombination mit der Gestalt der Dunkelelfe ergaben ihre Worte dann doch Sinn, auch wenn Arranges gerade nicht direkt wusste, wie zum Teufel sie jetzt auf Falanu gekommen war. 'Zum Glück,' murmelte er, 'wäre sie hier, hätte sie bei deinem Anblick sicher glühende Kohlen gespuckt und ich hätte ihr Haus wohl nie mehr verlassen...' Dann aber dämmerte es ihm doch wieder und der Schlaf entließ ihn endgültig in die Welt der Wachen. 'Moment mal, du warst bereits im Lager und hast dich wegen Argoniern erkundigt? Warum hast du mich nicht geweckt?!'
Erynn überging seine Frage einfach und Arranges obwohl er gern dabei gewesen wäre, war nach einem sehr ausgiebigen Schlaf, den er einfach viel zu lange nicht mehr gepflegt hatte, doch irgendwie ausgeglichener, was er der Dunmer nach ihren Ausführungen auch mit einem ehrlichen, warmen Lächeln quittierte. Der nächste Schritt wäre nun, ein Schiff nach Sheogorad zu organisieren. Hoffentlich wird das dieses Mal etwas unkomplizierter als in Bal Fall. Das Mithrilhemd hatte in Mehrunes Reich doch arg gelitten, aber für eine Reparatur hatten sie jetzt keine Zeit, die Kapitäne würden nicht warten, bis sie sich zum Hafen bemüht hätten. Der Kaiserliche machte es sich daher einfach. Nach kurzem Ausprobieren, zog er den Gürtel, der stark genug wäre, das Material tragen zu können - mal davon abgesehen, dass Mithril sowieso schon federleicht war - so durch das Kettengeflecht, dass das Panzerhemd nun wie ein etwas zu teurer Kilt um die Hüften des Magiers lag und er so wenigstens noch irgendeinen Nutzen daraus zog, da der Kettenpanzer jetzt wenigstens die Oberschenkel bis knapp zum Knie, Becken und die Taille, schützte. Nachdem das geschafft war, gabelten sie Dreveni in der Schankstube auf und gingen zu den Docks hinunter, wo bereits ein Schiff ankerte.
Erleichtert stellte Arranges fest, dass es ein kaiserliches Schiff war, das verringerte die Wahrscheinlichkeit, nochmal auf soetwas wie Talivah zu treffen. Andererseits war das Reich nicht gerade dafür bekannt, das Verschiffen von Personen besonders preisgünstig anzubieten. Zudem hatten sie die Guare auch noch dabei. Der Nekromant seufzte. Es war noch weit vor Mittag und die Sonne vertrieb nur mit Mühe die zähen Dunstschleier, die über dem Geistermeer hingen. Vielleicht eine knappe halbe Meile östlich konnte man den Hafen von Tel Mora sehen, an dessen Docks ebenfalls zwei Schiffe zu erkennen waren, wobei eines davon gerade Richtung Norden ablegte. Eine einsame Wache in typischer Telvannirüstung stand an den Kais. Zielstrebig gingen sie auf sie zu. Nach ein paar wenigen Worten verwies der Gardist auf das eine Schiff. Es würde demnächst wieder nach Norden segeln. Ob zufällig ein Argonier an Bord war, konnte der Wachmann nicht sagen. Es war kein zu großer Kahn, aber groß genug um drei Guare unterbringen zu können, zumindest schätzte das Arranges, er hatte keine Lust, die Tiere einfach zurücklassen zu müssen. Frostbrecher war in großen, weißen Buchstaben auf den Planken zu lesen, als sie an dem Schiff entlangliefen. Allerdings dauerte es keine zwei Augenblicke, als sich ein breiter Nord über die Reling beugte und sie anrief: 'Was wollt ihr denn mit den Guaren hier bei meinem Schiff?' Es klang nicht unfreundlich, eher etwas verwundert. Seine Stimme war anders als die der Nordmänner, die Arranges aus Cyrodiil kannte. Dieser Mann hier, weit ab des warmen Klimas und der Annehmlichkeiten der Kaiserprovinz, war ein richtiger Nord. Sein goldener Bart war zu zwei daumendicken Zöpfen geflochten, während das Haar ihm leicht wellig bis über die Schultern viel. Quer über das Gesicht prunkte eine breite Narbe. Seine Hände, mit denen er sich auf der Reling abstützte, hatten doch eher Ähnlichkeit mit der Suppenkelle eines Kochs, der die Legion im Feld versorgte. Der Torso war in eine dicke Wolltunika gehüllt, welche die Farbe des Eises wiederspiegelte. 'Eigentlich wollten wir ersteinmal nur nachfragen, wohin euch euer nächster Kurs führt.' Gab Arranges zur Antwort.
'So?' Machte der Nordmann und zog seine Augenbrauen leicht hoch. 'Erstmal nach Sheogorad und von da aus wahrscheinlich über Rabenfels nach Windhelm. Warum fragt ihr?'
'Nun, wir bräuchten jemanden, der uns nach Sheogorad bringen kann.' Sagte der Magier.
Der Nord strich sich mit einer Hand über den Bart und zwirbelte einen der beiden Zöpfe, während er seinen Blick erst kurz auf Dreveni und dann auf Erynn ruhen ließ. Dann sah er wieder zu Arranges. 'Eigentlich ist das hier ein Linienschiff, dazu gedacht um Verbrauchsgüter auf den Nördlichen Routen zu transportieren... allerdings seid ihr nicht die ersten, die nach einer Übersetzung fragen. Also kann ich auch hier nochmal eine Ausnahme machen. Ich sehe allerdings schwarz, wenn ihr eure Lasttiere mitnehmen wollt.' Verdammt! 'Gibt es keine Möglichkeit, sie mitzunehmen?' Setzte Arranges nach.
'Ich würde sie mitnehmen, allerdings habe ich unter Deck nicht genügend Stauraum und Guare sind nicht wie Pferde, die man irgendwo wie Fässer und Kisten lagern kann. Diese Tiere drehen durch, versteht ihr?'
'Nun,' setzte Arranges an und stellte sich betont auf die Zehenspitzen um das Deck besser einsehen zu können, 'Das Deck wäre groß genug.' Grinste er. Ungläubig sah sich der Nord kurz über die Schulter. 'Ihr meint das ernst?!'
'Ich würde es nicht sagen, wenn ich es nicht genau so meinen würde... unsere Echsen sind meerwassererprobt, wir haben sie auf unserer Reise bereits einmal durch den Nabia getrieben.' Für einen sehr kurzen Moment wurde der Blick des Nords noch verwirrter, ehe er plötzlich kurz aber aus vollem Halse auflachte. 'Ich hab ja schon viel erlebt, aber bis jetzt ist mir noch kein Kaiserlicher aus dem feinen Cyrodiil begegnet, der erstens nicht scheut, ohne Puder und Sänfte vor seinen Palast zu gehen, stattdessen sein Kettenhemd trägt wie ein Weib seinen Rock und dazu noch einen Guar zum Ruderboot umfunktioniert.'
Arranges zog eine Augenbraue hoch. 'Die Brücke war zerstört von den Unruhen im Süden.' Ich zeig dir gleich, was so ein Kettenrock noch alles kann, außer dämlich aussehen. Wieder lachte der Nord auf. 'Ihr gefallt mir. Sagt, wie ist euer Name.' Sie stellten sich alle der Reihe nach vor. 'Gutgut. Ich bin Kapitän Rokrast Salfjir, willkommen an Bord der Frostbrecher!' Fragend schaute Arranges zu Rokrast auf und zögerte. 'Auch die Guare, aber die Verantwortung über sie liegt allein bei euch, ich will sie nicht in den Stauräumen unter Deck haben, wenn sie über Bord gehen, ist das eure Sache.' Sagte er mahnend. Dann betraten sie das Schiff. Die Guare zeigten zwar sehr deutlich, was sie von dem schaukelnden Etwas hielten, scheuten aber nicht zurück und ließen sich fast widerstandslos auf das Deck führen. Mittlerweile waren sie wohl doch lange genug beieinander, dass ihnen die Tiere wenigstens so weit vertrauten, als dass sie sie nie mutwillig in Gefahr bringen würden.
'Ich hoffe eure Preise sind so fair, wie euer Gemüt freundlich.' Sagte Arranges, als er an den Nord herantrat.
'Preis?' Fragte der Kapitän.
'Ja nun, ihr werdet das hier wohl sicherlich nicht um sonst für uns tun?'
'Das ist richtig, aber ich bin kein zu großer Freund von Draken oder Septimen, falls ihr das damit meint, Die Werften in Windhelm und die Schankwirte in den Tavernen wollen das für ihre Dienste sehen, aber da wo ich herkomme ist klimperndes Gold nicht sehr viel wert. Es genügt mir, wenn ihr euch für die Dauer der Überfahrt ein wenig nützlich macht auf dem Schiff. Letzte Nacht ist ein Matrose meiner Mannschaft ausgefallen. Der Grünschnabel hat beim Angeln am Hafen von Dagon Fel direkt in das aufgerissene Maul eines Schlachterfisches gelangt.' Arranges nickte. Besser als zahlen allemal.
'Und was ist-'
'Hmm,' schnitt ihm Rokrast das Wort ab, 'euer Harem könnte sich vielleicht in der Kombüse nützlich machen oder im Zweifelsfall einfach darauf achten, meinen Jungs nicht im Weg zu stehen.'
'Gut, dann hätte ich nur noch eine Frage.'
'Ja?'
Arranges wollte grade seine Frage stellen, als sich die Frachtluke im Boden neben Rokrast öffnete. Zum Vorschein kamen zwei kurze, nach hinten gebogene Hörner auf einem türkis geschuppten Kopf. Eine Stimme, mehr als typisch für einen Argonier krächzte ihnen entgegen. Allerdings hörte Arranges etwas sehr viel Bekannteres in ihrem Klang. 'Ich habe die Karte für Solstheim so weit fertig und würde einen kurzen Landgang unternehmen, Rokrast.' Sagte Gumoras Stimme.
Arranges war wie versteinert. Da war er, diese elendige Bastard, der ihn in die Irre geführt und Erynn den Händen der Verräter übergeben hatte. Vor allem Zweiteres brachte seinen Verstand so schlagartig zum Kochen, dass er das Gefühl hatte, gleich zu explodieren. Gumora drehte sich um und blieb ebenfalls wie zur Salzsäule erstarrt stehen. Seine kleinen Reptilienaugen fixierten Arranges. 'Du bist wie eine Schmeißfliege am Arsch, was?'
Arranges war nicht in der Lage irgendetwas zu erwidern. Viel zu lange unterdrückte Wut brach sich Bahn und entlud sich zunächst in zwei aufblitzenden Flammen um seine Hände. Gumora jedoch war einen Tick schneller, auch Erynn und Dreveni konnten ihn nicht mehr erreichen, ehe er sich umdrehte und in einem wahrlich langen Hechtsprung über die Reling rettete. Arranges blendete den Nord vollkommen aus und hetzte hinterher. Es fühlte sich an wie zwei Donnerschläge, als der Magier mit ausgestreckten Armen, glühenden Augen, geifernd über die Reling gebeugt stand und dem Argonier zwei Feuerzauber nachjagte, welche die Wasseroberfläche aufrissen wie die Faust der Neun persönlich. Eine Wasserfontäne stieg in die Höhe, die Guare scheuten zurück und stießen ungewohnt hohe Laute aus, Rokrast stand nur da und konnte nicht mehr tun als zu gucken, was gerade geschah.
Doch Gumora war in seinem Element und mehr als einfach den beiden Zaubern ausgewichen. Auch sonst konnte ihn hier nichts erreichen, er war eine Kreatur des Wassers und Landgänger konnten ihn hier nicht schnappen. Dunkel blickte Arranges dem Schatten nach, der sich unter der Wasseroberfläche pfeilschnell zu dem Schiff hinbewegte, das gerade von Tel Mora aus nach Dagon Fel abgelegt hatte. Mit grimmigem Blick sah er zu dem anderen Schiff hinüber, während er die Rechte so sehr zur Faust ballte, dass die Fingerknöchel schneeweiß hervortraten.
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Fossil
Erynn traute ihren Augen kaum. Wie lange hatten sie jetzt versucht, die verfluchte Echse zu finden, waren wenig mehr als ein paar dünnen Hinweisen nachgejagt und hatten mehr geraten als geahnt, wohin Gumora geflohen sein könnte – und da stand er, Ziel all ihres Zorns und ihrer Rache, als wäre er schlicht aus dem Boden gewachsen.
Dummerweise war es der Argonier, der Schrecken und Verblüffung als erster überwand. In dem Moment, als die Hand der Dunkelelfin zu ihrem Schwert fuhr, sprang er elegant von Bord des Nord-Frachtschiffes und war daraufhin nur noch als undeutliche, flinke Silhouette auszumachen, die sich unter der Wasseroberfläche schnell in Richtung Tel Mora entfernte. Ihn in seinem Element fangen zu wollen, war utopisch, gestand sich Erynn gleich darauf enttäuscht ein, als auch die Zauber, von Arranges mit Wucht und Zorn geworfen, weit fehlgingen.
Frustriert und mit mehr Nachdruck als nötig schob sie die Klinge zurück und trat nach einem Kiesel, der mit dumpfem Platschen im Wasser der Inneren See landete. „Verdammt!“ Die Beute zum Greifen nahe, und ich lasse ihn entkommen wie ein dummer Anfänger, der im entscheidenden Moment auf einen Ast trampelt!
Zumindest wussten sie jetzt, dass sie auf der richtigen Fährte waren und wohin ihr Ziel sich bewegte - das war mehr, als sie bisher erreicht hatten, versuchte sich die Elfin selbst zu beruhigen.
Ein rascher Blick ging zu Arranges – der Magier schäumte vor Wut, woraufhin Erynn entschied, dass es besser wäre wenn sie mit dem Kapitän redete, bevor ihr Begleiter etwas unüberlegtes sagte oder tat, das die Passage nach Norden, die da nur ein paar Schritte vor ihnen lag, doch noch gefährden konnte. „Verzeiht diesen Auftritt“, wandte sie sich an Rokrast, der das Geschehen mit einer Mischung aus nordischer Gelassenheit und milder Verwirrung beobachtet hatte. Die Kriegerin erkannte jedoch an den subtilen Veränderungen in der Körperhaltung des großen Mannes, dass sich diese augenscheinliche Ruhe auch schlagartig ändern könnte. „... aber dieser Argonier hat einiges auf dem Kerbholz. Wir suchen ihn schon lange. Wenn Euer Angebot für die Überfahrt noch besteht wären wir Euch sehr verbunden, wenn wir so bald wie möglich ablegen könnten. Jeder Augenblick könnte jetzt zählen.“
Innerlich stellte sich Erynn darauf ein, langwierige Erklärungen abgeben zu müssen, obgleich sie hoffte, dass Kapitän Rokrast davon absähe, allzu viele Fragen zu stellen.
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Drachentöter
Dreveni brauchte ein paar Sekunden, bis sie die Situation erfasste, als allerdings Arranges und Erynn Anstalten machten, die Echse zu fassen, beteiligte sie sich sofort daran. Zwar wusste sie noch nicht, dass es sich um Gumora handelte, aber wenn ihre Begleiter den Argonier fassen wollten, hatten sie schon einen Grund.
Leider entkam er aber mit einem Hechtsprung ins Wasser und war nur noch als Schemen zu sehen. Die Feuerzauber von Arranges hätten ihn vermutlich auch unter Wasser noch gekocht, aber er war einfach schneller und wendiger. Als Erynn dann den Nord ansprach, wurde auch Dreveni endgültig klar, wer ihnen da gerade entkommen war. Während sie auf die Antwort des Nord wartete, sah sie gedankenverloren in die Richtung, in der die Echse verschwunden war. Immerhin waren sie ihm tatsächlich nahe gekommen, auch wenn er entwischt war. Somit war die ganze Reise nicht völlig umsonst gewesen.
Aber auch dieses Ereignis, dass Arranges und Erynn so aufgeschreckt hatte, konnte sie nicht aus ihren dumpfen Grübeleien reißen. In der Nacht nach der Schlacht in den Ebenen Oblivions hatte sie wieder von Feryn und den Assassinen der Morag Tong geträumt, die sie entführt hatten, bis sie schließlich schweißgebadet aufgewacht war. Sie war sich inzwischen nicht einmal mehr sicher, was sie am meisten ärgerte, die Tatsache dass sie inzwischen nicht nur von Feryn sondern auch noch von seinen Gildenbrüdern in ihren Träumen heimgesucht wurde, dass sie ihn überhaupt umgebracht hatte oder dass sie nicht zuerst versucht hatte, herauszufinden, was er eigentlich in Cyrodiil wollte.
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Legende
Rokrast brauchte einige Herzschläge, bis er auf Erynns Worte reagierte. Er sah auf die beinahe drei Köpfe kleinere Dunkelelfe herab und antwortete mit einer Stimme, die allein durch ihren Ton bereits deutlich machte, dass er nicht so recht wusste, was er von der kurzen, aber eindrucksvollen Szenerie eben halten sollte. 'Das äh Angebot steht noch.' Er warf Arranges einen Blick zu. Der Nekromant starrte zu Boden. Es war gerade noch ein Wunder, dass er nicht in einer riesigen Stichflamme des Zorns aufging. Wieder schaute der Kapitän in die roten Augen der Dunmer. 'Ich weiss nicht, wass Gumora genau getan hat, aber es kann nichts Gutes gewesen sein. Leider kann ich soetwas nicht bestätigen, er heuert schon seit einer ganzen Weile auf der Frostbrecher an und hat sich als herausragenden Navigator und Kartenzeichner hervorgetan. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, schoneinmal jemanden mit derart umfangreichen Kenntnissen getroffen zu haben.' Salfjir kratzte sich am Hinterkopf. 'Ich kann hier allerdings nicht alle Pläne über den Haufen werfen... was hat Gumora denn verbrochen?'
'Verrat, in mehrfacher Ausführung.' Presste Arranges mit Mühe beherrschter Stimme hervor ehe Erynn oder Dreveni antworten konnten. 'An mir und meiner Gefährtin Erynn.' Die Mischung in seiner Stimme war es, die gleichermaßen erahnen ließ, wie heftig es in dem Magier sowieso gerade siedete und wie sehr er Gumora und die Welt dafür hasste, was Erynn in diesem Zusammenhang geschehen war. Rokrast legte die Stirn in Falten und sein Gesicht wurde finster. 'Das ist übel,' murmelte er mit tiefer Stimme, 'mir hat der Argonier zwar nie etwas getan, im Gegenteil, seine Dienste waren immer zu gebrauchen. Aber mir war er ebenfalls nie ganz geheuer.' Nachdenklich strich er sich über den Bart. Er war ein Ehrenmann, einer mit dem Blut der alten Nord von Atmora in den Adern. 'Ich weiss nicht, was Gumora genau getan hat und ich will es auch nicht wissen. Aber meine Hilfe sei euch gewiss... wir werden ablegen, sobald die Mannschaft wieder vollständig an Bord ist. Mit den ersten Sonnenstrahlen morgen, legen wir in Dagon Fel an.' Damit wandte er sich mit unverständlich geknurrten Worten ab und verließ das Schiff Richtung Handelshaus.
Ich werde dich zermalmen und die Fetzen deines elendigen Leibes in den Wassern Oblivions frittieren und den Clannbanns zum Fraß vorwerfen... Arranges schäumte und brodelte und er machte keinen Hehl daraus, das irgendwie zu verbergen, während er dem Schiff nachblickte, das bereits nur noch eine kleine Silhouette zwischen den großen Monoliten des Geistermeers im Norden bildete.
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Fossil
Vos => Dagon Fel
Am frühen Nachmittag stach die Frostbrecher in See. Das Wasser war ruhig und der Himmel klar, so daß man auf eine ruhige Überfahrt hoffen durfte. Erynn stand an der Reling und blickte mit gemischten Gefühlen auf das Wasser hinaus. Einerseits war sie froh über die unkomplizierte Passage nach Dagon Fel, andererseits zerrte es an ihren Nerven, für die nächsten Stunden nichts weiter tun zu können als zu warten. Sie würde trotzdem genau das machen, was Rokrast vorgeschlagen hatte: So wenig wie möglich im Weg stehen und ansonsten darauf achten, daß die Guars ruhig blieben. Hinter ihrem Rücken ging die Routine auf dem Schiff ihren Gang, doch die Elfin bekam all das nur mit halbem Ohr mit.
Hör auf, dich zu ärgern, sagte sie sich selbst bestimmt zum hundertsten Male das nützt jetzt auch nichts mehr. Konzentrier dich lieber auf das, was vor dir liegt, bevor du dich in deiner Wut noch einmal so überrumpeln läßt wie heute morgen...
Als der Abend dämmerte, hatte die Frostbrecher die letzte Landspitze von Vvardenfell hinter sich gelassen. Die schmalen, von Wind und Wasser rundgeschliffenen Felsnadeln, welche Erynn schon früher aufgefallen waren, wurden zusehends mehr, es war, als führe das Schiff des Nords mitten hinein in einen Wald aus Stein, der direkt aus dem Meer wuchs. Ein bißchen unheimlich war ihr das im ersten Moment schon, bis sie sich daran erinnerte, daß Frachter und Besatzung diese Route nicht zum ersten Mal befuhren. Wenn Rokrast ganz bewußt in Kauf nahm, diesen Teil des Meeres in einsetzender Dunkelheit zu erreichen, wußte er sicher sehr genau, was er tat.
Die Kriegerin entschied, daß sie die Nacht über hier draußen bei den Guars bleiben würde für den Fall, daß die Tiere doch noch aus irgendeinem Grund unruhig wurden. In ihre Decke gewickelt setzte sie sich auf das Deck und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Reling. Die lange Zeit des Stehens, während sie betrachtet hatte, wie die Umgebung an ihr vorbeizog, hatte ihre Beine müde werden lassen. Es dauerte nicht lange, bis das sanfte Schaukeln des Schiffes und das regelmäßige Knarren seines Holzes sie in einen leichten, aber erholsamen Schlaf wiegten.
Dagon Fel war... wenig beeindruckend. Ungefähr so, wie Erynn Ald Velothi in Erinnerung hatte, nur kälter. Vom Salzwasser grau verfärbte Stege und Bretterbuden waren das erste, was man vom Schiff aus im Licht des frühen Morgens sehen konnte. Nachdem die Frostbrecher sicher vertäut war, verließen sie, Dreveni und Arranges zusammen mit den Guaren das Schiff und betraten die Straßen der Ansiedlung. Neben den Holzhütten gab es auch einige strohgedeckte Gebäude aus Stein, die schon sehr viel massiver wirkten. Die Insel Sheogorad hatte nicht viel gemeinsam mit der Molag Amur oder den Weideländern Vvardenfells. Die Gegend war felsig, Pflanzen gab es nur wenige. Diejenigen, die stur genug waren hier zu wachsen, kauerten sich in geschützten Winkeln und Spalten zusammen. Erynn glaubte, zwischen einer Hügelkette am Rand des Dorfes eine Struktur auszumachen, die einem Dwemerbauwerk ähnlich sah, aber ganz sicher war sie sich nicht. Der größte Teil der Bevölkerung bestand aus Nord. Sie paßten gut in diese rauhe, unwirtliche Umgebung. Fragend schaute die Dunmer zwischen ihren Gefährten hin und her. Was jetzt? sagte ihr Blick.
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Drachentöter
Dagon Fel
[Dreveni]
Dreveni hatte im Gegensatz zu Erynn die Nacht unter Deck verbracht. Sie hatte sich sogar zu etwas Arbeit um ihre Überfahrt zu bezahlen, herabgelassen und hatte den Abend mit Kehren des Decks verbracht. Immerhin lenkte sie das etwas von ihren Grübeleien ab. Am frühen Morgen erreichten sie Dagon Fel, das zwischen kahlen Felsen grau und abweisend im frühen Licht des Tages wirkte. Ausserdem war es kalt, zu kalt für Drevenis Geschmack. Sie wickelte sich fester in ihren Mantel und folgte ihren Gefährten und den Guaren. Dagon Fel war nicht sehr groß, was sie bis jetzt sehen konnte, und überwiegend von Nords bewohnt. Auf Erynns fragenden Blick sagte sie: "Ich hoffe sehr, dass es hier eine Taverne gibt." Seit der letzten Schlacht in den Ebenen Oblivions hatte sie kaum eine wirklich ruhige Minute gehabt, in der überfüllten Wirtschaft in der sie übernachtet hatten gab es weder eine gescheite Waschgelegenheit noch wirklich Ruhe. Sie sehnte sich einfach nach einer Türe die sie hinter sich schließen konnte und einem Zuber mit heißem Wasser.
[Arranges]
Dagon Fel war, wie Arranges es sich vorgestellt hatte, abgerissen und blass. Rokrast hatte sich mit wenigen Worten von ihnen verabschiedet, er würde in wenigen Stunden bereits wieder ablegen. 'Es soll einen Außenposten mit einem Händler und Wirtshaus hier geben.' Sagte der Magier auf die Frage Drevenis hin. Er konnte sich einen gehässigen Gedanken nicht verkneifen, als er bemerkte, wie die Dunmer ihren Umhang enger zog. Ihm tat das doch spürbar kühlere Klima nicht weh, im Gegenteil, es war im Vergleich zu dem feuchtwarmen Wetter der Weideländer und dem schnellen Wechsel von kalt auf heiß in der Amur mehr als angenehm. Er blickte sich kurz um und deutete den Hügel hinauf. Über den spärlichen Hütten direkt am Wasser, thronte ein Gemäuer, das mit seiner mannshohen Sandsteinmauer und einem strohgedeckten Wachturm wie eine kleine Trutzburg hier am Rande der Welt wirkte. 'Vielleicht gibt es dort auch einen Schmied, das Kettenhemd wird langsam aber doch unbequem.' Die Mithrilkette erwies sich zwar als leicht, scheuerte aber beim Gehen und die starren Schulterplatten drückten im von Zeit zu Zeit unangenehm in die Seiten.
[Erynn]
"Außenposten klingt gut", sagte Erynn. "Laßt uns sehen, ob wir da ein Frühstück und Informationen über das Schiff bekommen, das von Tel Mora aus in diese Richtung gefahren ist."
Sie sah sich in dem kleinen Ort mit seinen windschiefen Hütten um. Der Außenposten war nicht schwer auszumachen, es war das größte und am stabilsten wirkende Gebäude hier. Ohne weitere Umschweife wandte sie ihre Schritte in diese Richtung, kümmerte sich nicht weiter darum, ob die anderen beiden ihr folgten oder nicht - die Nacht an Deck von Rokrasts Schiff war unbequem gewesen, hatte sie sich aber so weit erholen lassen, daß ihr Jagdfieber wieder voll erwacht war. Gestern war ihr die Beute nur knapp entkommen und Erynn hatte nicht vor, die Spur noch einmal erkalten zu lassen.
[Dreveni]
Dreveni betrat hinter Erynn die Taverne. Ungewohnterweise sah sie fast nur Nord, auch die Inhaberin, bei der Dreveni hoffte, ein paar Räume mieten zu können, war eine blonde, hochgewachsene Nord, die sich als Fryfnhild vorstellte. Auf Drevenis frage nach einer Übernachtungsmöglichkeit antwortete sie: "Wir haben leider nur einen Raum frei im Moment, für 20 Draken." 20 Draken und dann nur ein Raum?? Scheiße., fluchte Dreveni in Gedanken vor sich hin. Nach einem kurzen Blick zu Erynn und Arranges fingerte sie in ihrem Beutel und suchte 20 Draken herraus, es blieb ihnen ja nichts anderes übrig. Als ihr Fryfnhild den Schlüssel überreichte, fragte sie noch beiläuft: "Wir wollten uns mit einem Freund hier treffen, einem Argonier. Ist hier zufällig einer angekommen in den letzten Tagen? Ach ja, und wie sieht es mit einer Waschgelegenheit aus?"
[Arranges]
Mit der Trutzburg am Rande der Welt lag Arranges gar nicht so falsch. Ein von Wind und Wetter herb angefressenes Schild schaukelte quitschend an rostigen Ketten über der Eingangstür. Es wies die Taverne als 'Am Ende der Welt' aus. Der Nekromant war nicht böse darüber, dass Dreveni das Gespräch mit der Wirtin übernahm Soll sie auch mal etwas tun für ihr Geld... Knurrte er in Gedanken. Ernüchternd war aber direkt wieder die Tatsache, dass diese verfluchte Taverne gerade ein Zimmer hatte. Verdammt nochmal, der Bau ist doch riesenhaft und so viele Reisende werden hier wohl nicht unterwegs sein! Es bleib ihnen nichts anderes übrig.
Auf Drevenis erste Frage antwortete die Wirtin: 'In der Tat ist heute Nacht ein Schiff hier angekommen. Die Mannschaft hatte es sich trotz des kurzen Aufenthaltes aber nicht nehmen lassen, meine Taverne zu belagern. Ein Argonier war jedoch nicht dabei.' Sie kratzte sich am Hinterkopf und schien kurz zu überlegen. 'Als ich aber die letzten beiden Herren in den frühen Morgenstunden hinausbefördert habe, sah ich eine Gestalt hinauf in die Berge huschen,' sie hob die Schultern, 'vielleicht hilft euch ja das weiter, das Schiff hat breits wieder abgelegt.' Bevor sie jedoch Drevenis zweite Frage beantwortete, beugte sie sich zur Seite um einen Blick auf Arranges und Erynn zu werfen. 'Der Zuber ist aber nur für eine... maximal zwei Personen.' Antwortete sie ohne dabei eine Miene zu ziehen. 'Er steht unten im Keller. Dort giebt es auch Kessel, Brunnen und eine Feuerstelle, das Wasser müsst ihr selbst erhitzen.' Und damit wandte sie sich einem anderen Gast zu, der bereits neben Dreveni wartete.
[Erynn]
Es war angenehm warm in dem Handelshaus. So wie es hier aussah, traf sich hier alles und jeder, der das Pech hatte, in Dagon Fel zu tun zu haben. Erynn war ein wenig verwundert, daß Dreveni gleich das einzige freie Zimmer mietete, doch ihr Handeln erklärte sich gleich darauf von selbst mit dem übertriebenen Waschzwang, den die Assassinin bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit an den Tag legte. So häufig heiß zu baden konnte einfach nicht gesund sein, und es war ja nicht so, da es um Vvardenfell herum nicht genügend kostenloses Wasser gab. Im Stillen amüsierte sich die Dunmer mit der Vorstellung, daß ihre Artgenossin sich vielleicht vor Krabben ekelte. Laut ausgesprochen hätte sie das jedoch nie, sie mochte ihre beiden Ohren an genau dem Platz, an dem diese sich gerade befanden.
In die Berge also... was will er dort? Von diesem kalten Felsen gab es nur einen Weg fort, wenn sie sich richtig erinnerte, und das war der Hafen von Dagon Fel. Vorausgesetzt, die Gestalt, welche der Dame hinter dem Tresen aufgefallen war, war tatsächlich Gumora gewesen... Entweder ist er sich sehr sicher, daß er sich dort vor uns verbergen kann, oder er hat selbst in dieser götterverlassenen Gegend noch Kontakte, die ihn von hier wegbringen könnten. Oder aber... War der Argonier wirklich verrückt oder verzweifelt genug, um zu versuchen von hier aus zu schwimmen, wohin auch immer? Wasser mochte sein Element sein, aber das Wasser hier im Norden war verflucht kalt.
Erynns Überlegungen wurden unterbrochen, als sie über den nächsten Satz der der Wirtin stolperte. "Wir hatten auch gar nicht vor, gleichzeitig..." sie brach ab, errötete leicht und schaute zwischen Arranges und Dreveni hin und her, mit dem sicheren Gefühl, daß jeder weitere Gedankengang, hätte sie ihn in Worte gefaßt, sie mehr als nur ein Ohr gekostet hätte. Reingefallen.
[Dreveni]
Dreveni reichte es gerade, und auch wenn die Wirtin dafür nun so überhaupt nichts konnte, konnte sie es sich auch einfach nicht verkneifen: "Danke. Und nein, wir werden in der Tat nicht zusammen baden, mit dem da sowieso überhaupt nicht.", wobei sie auf Arranges deutete. Gleich danach tat ihr ihr schnippischer Tonfall Fryfnhild gegenüber leid, und sie nahm mit einem - dieses mal - freundlichem "Danke." endgültig den Schlüssel in Empfang. Nachdem sie sich hier allerdings nicht zum Vergnügen befanden, fragte sie, zumindest anstandshalber, Erynn und Arranges: "Gleich in die Berge oder..." Ihr war wirklich langsam nach etwas mehr Wasser als einer Schüssel, sie hatte das Gefühl dass ihr immer noch das Blut am Arm klebte wo sie der Assassine geschnitten hatte. Ausserdem wollte sie sich endlich seine schmierigen Fingerabdrücke abwaschen, und zwar gründlich. Immerhin hatten sie ja jetzt ein Zimmer, wenn es auch nur genau eins war, sie hatte sicher nicht vor, jetzt gleich wieder ziellos durch die Berge zu irren.
[Arranges]
Reicht ja schon, dass ich mit dieser Beisszange ein Zimmer teilen muss... Eigentlich sollte er Erynn befeuern, Gumora gleich zu jagen, nur um die Assassinin zu ärgern. Aber er selbt spürte die Reise von Cheydinhall bis hier her mittlerweile auch deutlich und vor allem spürte er das Kettenhemd, mit dessen unangenehmer und nicht unbedingt nützlicher Tragweise er sich jetzt Gumora nicht stellen wollte. Wenn es der Molch war, den die Wirtin gesehen hatte... in den Bergen kann er nur eines vorhaben. Entweder er versucht uns im Zickzack zu entkommen oder aber er legt uns wieder einen Hinterhalt. Wobei eins das andere nicht ausschließt. Und Arranges wusste sehr genau, dass Gumora im Fallenstellen herausragende Leistungen zu vollbringen vermochte - und das nicht erst seit dem Verrat an ihm und Erynn. 'Nein Gumora ist zwar gut, aber es sind Berge, er wird nicht sehr weit kommen, zudem haben wir die Guare, im Zweifelsfall tragen uns ihre Beine schneller als der Molch jemals rennen könnte.' Damit war die Sache für den Kaiserlichen geklärt und er begab sich nach oben, wo ihr Zimmer war. Er musste nicht im Zuber gesessen haben. Die sehr feuchte Meerluft hatte das Ihrige getan um ihn zumindest nicht mehr wie ein wühlendes Schwein aussehen zu lassen.
[Erynn]
Die Kriegerin seufzte. Dann machen wir halt erstmal Pause. Ist vielleicht auch nicht verkehrt, unser weiteres Vorgehen vorher abzusprechen. Sie nickte der Wirtin mit einem leichten Lächeln zu und holte Arranges etwa auf der Hälfte der Treppe ein. Schweigend ging sie neben ihm her, bis sie das Zimmer im ersten Stock erreicht hatten. Es war sehr geräumig, so daß jeder der drei sich bequem seine Ecke würde aussuchen können, ohne daß man zwingend auf Tuchfühlung gehen mußte. "Haben wir eigentlich noch eine Karte?" fragte sie. "Ich hab mir bisher nur die Hauptinsel genauer angesehen, nicht Sheogorad."
-
Legende
[Arranges]
Eine kleine Kommode aus sehr massiv wirkendem Holz, ein Tisch aus ähnlichem Material, ein breiter Stuhl mit Armlehnen und ein zur Abwechslung tatsächlich bequem wirkendes Bett stellten das Mobiliar des Zimmers dar. Nun, das erklärt wenigstens, warum es 20 statt den normal üblichen 10 Draken sind. Dachte sich Arranges und entledigte sich seines Kettenhemdes und des feuchten Umhangs... oder eben dem, was davon noch übrig war nach der Schlacht. Die Meerluft hat aber nicht nur Schmutzkrusten teilweise gelöst, sondern auch dafür gesorgt, dass seine doch recht zahlreichen Wunden, vor allem die am Rücken, wenngleich diese nicht sehr tief war, dafür aber groß, nicht nessten oder sich ungünstig entzündeten. Es war ein breiter, roter Striemen geritzter Haut, der sich von der linken Schulter bis fast zum rechten Hüftgelenk zog. Auf Erynns Frage hin sah er die Dunkelelfe erst einen etwas zu gedehnten Augenblick schweigend an, während er überlegte. Tatsächlich hatte er die eine ihrer zwei Karten, die sie nach der Überquerung des Nabia noch hatten, das letzte Mal in der Amur gesehen. Er legte seine Stirn in Falten, ehe er antwortete: 'Wie gut, dass ich die Karten etwas genauer studiert habe, als wir noch zwei davon besaßen.' Sein Tonfall, der eher freundlich und müde klang, passte nicht zu dem leicht gereitzten Tenor der Antwort. Er winkte ab. 'Ich habe die Karte jedenfalls in meinem Gepäck nicht mehr gesehen, seit wir in die Weidenländer gekommen sind, wahrscheinlich hat sie Dreveni irgendwo bei sich.' Er setzte sich auf den Stuhl. 'Ich weiss allerdings einiges noch aus dem Kopf. Sheogorad ist im Grunde nicht mehr als ein riesiger Steinhaufen, der sich nach Westen hin zu vielen kleineren Inseln aufsplittert. Weiter im Süden soll es laut Karte eine alte Dunmerfestung geben. Das zentrale Massiv hat in der Mitte, direkt südlich von hier einen tiefen, kegelartigen Krater. Das Gebiet war auf der Karte rötlich markiert, ich denke, da wird, wie in der Amur, öfter mal Lava durch die dünne Kruste von Asche und Schwefel brechen.'
[Erynn]
"Steine, Wasser und alte Festungen also. Schlechter könnte es kaum sein. Verdammt, wir hätten gleich dem Hinweis der Wirtin nachgehen sollen, baden können wir hinterher immer noch!" Erynn fuhr sich mit den Händen durch die zerzausten Haare. Wo Drevenis Frisur immer irgendwie zu sitzen schien, hatte sie nach kürzester Zeit ein Vogelnest auf dem Kopf. "Ich meine damit, daß Gumora wohl ohnehin schon wenige Spuren hinterlassen wird, auf Fels und im Wasser aber gar keine. Er könnte überall sein. Ich habe mich vorhin gefragt, ob er hier vielleicht Kontakte hat, oder ob er es wagen würde, sich von hier aus schwimmend weiterzubewegen... keine Ahnung, wie viel Kälte Argonier vertragen, ihre tierischen Verwandten sind da jedenfalls sehr empfindlich."
Sie schwieg kurz, nachdem sie Arranges ihre Überlegungen mitgeteilt hatte. Dann hob sie den Kopf und sah ihn an: "Was denkst du dazu?"
[Arranges]
'Der Bemerkung der Wirtin gleich nachgehen? Um dann festzustellen, dass es nur irgendein Jäger oder Wanderer war, während Gumora auf dem Schiff längstens Solstheim erreicht hat oder noch weiter ist und wir wieder genau da stehen, wo wir waren, bevor wir tagelang durch die Amur geirrt sind in der schwach glimmenden Hoffnung, irgendeinen noch so geringen Hinweis zu finden, dass wir überhaupt noch seiner Färte folgen? Nein.' Nach allem, was Arranges für Informationsfetzen mitgenommen hatte, verzieh Sheogorad noch weniger als das Feuerland im Süden. 'Wir müssen erst in Erfahrung bringen, ob es wirklich ein Argonier war. Mit zerklüfteten Felsen dürfte er ähnliche Probleme haben, wie wir. Außerdem kenne ich ihn, jetzt wo er weiss, dass wir ihm so nahe sind, wird er eher versuchen, uns loszuwerden indem er sich uns stellt oder uns einen Hinterhalt legt, das war schon immer seine Waffe für etwaige hartnäckige Verfolger.' Und wenn er das tatsächlich versucht, müssen wir doppelt vorsichtig sein. Arranges sprach sehr bestimmt um Erynns Drang zu unterbinden, bevor er sie voll eingenommen hätte und sie sich von ihrer Rache beherrschen ließ.
[Erynn]
Erynn baute ihre wenig beeindruckende Körpermasse vor Arranges auf und senkte die Stirn ein wenig, wie ein verärgerter Widder, der in absehbarer Zeit gegen irgendetwas anrennen wollte. "Aber..."
Es paßte ihr gar nicht, hier herumzusitzen. Es paßte ihr nicht, daß Dreveni dieses Zimmer gemietet hatte und es paßte ihr nicht, daß Arranges ihr Vorhaben, der Echse einfach in die Berge hinterherzustürmen so abbügelte. Andererseits hatte sie nach seiner Meinung gefragt, da konnte sie sich wohl kaum beschweren, wenn sie genau diese auch zu hören bekam. Nicht zuletzt kannte der Beschwörer Gumora besser als sie. Erynn atmete tief durch und setzte nochmal an, diesesmal klang es schon weniger bockig: "Willst du damit sagen daß wir einfach hierbleiben sollen, bis er genug davon hat sich den Arsch in irgendeiner Felsspalte abzufrieren und wieder in Dagon Fel auftaucht?" Sie hob abwehrend die Hände, als Arranges ihr einen seiner 'Was-habe-ich-dir-gerade-erklärt?' - Blicke zuwarf. "Wenn die Wirtin nichts genaues weiß, könnten wir an den Kais nachfragen. Dort ist es ständig voller Leute und irgendwer mag sich an einen Argonier erinnern, der allein mitten aus dem Telvannigebiet hier herkam..."
[Arranges]
Als Antwort auf Erynns letzten Gedankengang zog Arranges nur eine Augenbraue hoch und zeigte sich sonst recht unbeeindruckt von ihrer halben Drohgebärde. 'Du wirst das jetzt vielleicht kaum glauben, aber wir haben das seit wir Vvardenfell betreten haben die ganze Zeit so gemacht und da dieses Vorgehen langsam aber sicher durchbrechenden Erfolg zu versprechen scheint, werden wir auch hier selbiges wieder zur Anwendung bringen.' Sagte er ruhig. 'Was ist los mit dir? Warum muss ich uns neuerdings bremsen, damit du nicht wie ein rasender Gockel unter Druck im Frühling direkt mit dem Kopf voraus in die Schlinge rennst?'
[Erynn]
Die Dunkelelfin machte zwei Schritte und ließ sich dann in den Sessel fallen, der an dem niedrigen Tisch stand. Sie stützte den linken Ellbogen auf die Armlehne und massierte mit den Fingern ihre Nasenwurzel. Plötzlich wirkte sie älter und sehr müde, doch in ihren Augen loderte der Zorn. "Gestern hätten wir ihn um ein Haar gehabt, Arranges. Bevor ich dich traf, hatte ich erst ein einziges Mal Menschen getötet, und es war schrecklich. Seit wir beide gemeinsam unterwegs sind, konnte ich meinem Schwertgriff ein paar Kerben hinzufügen, und es war irgendwann nicht mehr schrecklich. Aber wenn ich getötet habe, dann in irgendwelchen Kämpfen, denen wir nicht entgehen konnten, nicht, weil ich jemanden aus persönlicher Rache gejagt hätte - das war immer dein Part."
Sie holte einmal Luft, als sei das Folgende sehr schwierig zu erklären - oder aber so einfach, daß es dafür keine Worte gab, weil sich normalerweise niemand die Mühe machte, nach welchen zu suchen: "Ich habe mir, seit wir an Drevenis Tür geklopft haben, immer eine Frage gestellt: Wäre ich fähig, einen Menschen oder Tiermenschen zu jagen und zu töten wie einen tollwütigen Fuchs. Allein aus dem Grund, weil ich einen Groll gegen ihn hege und ihn tot sehen will. Wo es keine Anhörung gibt und keinen Richter, sondern nur einen Henker - mich. Bis gestern war ich mir nicht sicher. Aber als ich seine verfluchte, bösartige Visage gesehen habe, seine abstoßenden, berechnenden Augen und als mir klar wurde, daß er..."
Erynns Stimme war lauter und schriller geworden, während sie sprach. Jetzt schluckte sie einmal und redete mit einer fast unnatürlichen Ruhe weiter: "...und mir klar wurde, daß wir für ihn tatsächlich nichts anderes sind als Vieh, das er zum Schlachter geführt hat, als mir klar wurde, daß er uns gegenüber nicht die geringste Reue fühlt, da wußte ich, ich würde ihn töten können. Ich will seinen Kopf auf einem Spieß, Arranges, und ich will es sein, die seinen Kopf darauf steckt und ihm in die toten Augen spucken."
[Arranges]
Man konnte ihm ansehen, dass er mit so einer Antwort wirklich nicht gerechnet hatte. Und er kam nicht umhin, sich selbst einzugestehen, dass es ihn ein wenig zumindest schmertzte, die Dunmer so zu sehen, aber eher bereitete es ihm Sorge. Hatte er ganz am Anfang noch fast Freude daran empfunden, das Mädchen, das Erynn fast noch war, in ihrer geborgenen, manchmal etwas blutroten, aber dennoch mehrheitlich sicheren Welt zu quälen, so sehr wurde ihm in diesem Moment übel, da er sah wie grausam Rachegedanken auf sie wirkten. Der Magier hatte mit den wenigsten Situationen Probleme. Aber mit Erynn tat er sich seit einiger Zeit in so ziemlich jeder Hinsicht schwerer als er es je für möglich gehalten hatte. Das erste Mal in Bal Fall, dann im Molag Mar und jüngst ihr Ausbruch im Legionslager und viele Male dazwischen auch. Er seufzte tonlos und ging vor Erynn in die Knie um der in sich zusammengesunkenen Dunmer in die Augen schauen zu können. Um ihre vollständige Aufmerksamkeit zu erringen legte er seine Hand auf die ihrige. 'Hör mir zu! Den Kopf von jemandem zu fordern, der einem Übles angetan hat, ist mehr natürlich als abartig. Es ist nicht nur Groll, den du gegen Gumora hegst. Er hat dich verraten. Es ist schierer, heißer Zorn. Bring ihn um, zerfleische ihn, die Welt wird es eher als Erlösung verbuchen, wenn eine solche Kreatur nicht mehr ist... Nur bitte, tu wenigstens dir selbst einen Gefallen und lass soetwas nicht zur Gewohnheit werden.' Man konnte dem Kaiserlichen seine Sorge um Erynn deutlich anhören. Er zog seine Hand wieder zurück und erhob sich.
[Erynn]
Bevor sich Arranges aus ihrer Reichweite zurückziehen konnte, packte Erynn zu und bekam seine Hand zu fassen. Sie hielt sie ebenso sanft wie er die Ihre zuvor, doch mit einer gewissen Bestimmtheit. "Du kennst mich gut genug, Arranges. Ich habe nicht vor, daraus eine Gewohnheit zu machen und ich denke, daß es nicht viele Personen geben wird, die es ebenso verdienen wie Gumora, daß man sie bis ans Ende von Nirn jagt. Aber es ist, wie du sagst. Ich muß ihn erlegen, aus so vielen Gründen... Meine Kameraden in der Gilde wären nicht begeistert über das, was ich hier tue. Aber mir bleibt einfach nichts anderes übrig, sonst werde ich verrückt an dem Gedanken, daß ich es zugelassen habe, daß mir eine Kröte wie Gumora ungestraft so übel mitspielt."
[Arranges]
Er wartete einen Moment nachdem Erynn geendet hatte und löste sich dann schweigend von ihrem Griff. Manchmal bin ich mir gar nicht so sicher, ob ich dich wirklich so gut kenne, wie ich es mir wünsche... 'Ich hoffe zumindest, dass du nicht weiterhin der süßen Frucht der Rache verfällst.' Er wusste nicht, was er ihr noch sagen sollte, er hatte tatsächlich Angst und Sorge um Erynn, darum, dass sich ihr Wesen zu einem wie Torrah wandeln könnte. Er sagte nichts weiter dazu, sondern wandte sich ab und entledigte sich schließlich noch seiens Lastgurtes und der des Schwertes. Mit einem grimmigen Blick hob er die Mithrilkette an und besah sich die Bescherung nochmal in Ruhe. Es war schlicht und einfach zerfetzt am Rücken. Rücken. Dachte Arranges nacheinigen Herzschlögen, die ihm wie Stunden vorkamen, in denen er auf das Panzerhemd gestarrt hatte. Mit einem Schnauben beförderte er die Rüstung wieder unsanft auf den Boden zurück. Er drehte sich zu Erynn um, die noch immer auf dem Stuhl saß. Kurz überlegte er. 'Erynn? Du erinnerst dich noch daran, wie ich eine Verspannung im Rücken hatte, die ich nicht selbst lösen konnte? Irgendetwas schmerzt wieder an der Stelle.' Zum Beweis hob er den rechten Arm und verzog gequält das Gesicht.
[Erynn]
Die Dunkelelfin lächelte. "Für einen Moment hatte ich befürchtet daß du mich bitten würdest, dein Kettenzeug zu reparieren. Dabei ist Mithril so ein verdammt kompliziertes Material." Sie nickte. "Wenn du willst, sehe ich mir die Sache mal an."
[Arranges]
'Nein, ich will es zur Abwechslung mal repariert und nicht nur geflickt haben.' Sagte er ohne dabei ihre Arbeit, die sie diesbezüglich schon oft geleistet hatte, abzuwerten. Für einen kurzen Moment zögerte er und es schien, als wäre er von seiner Bitte nicht wirklich überzeugt, aber schließlich entkleidete er seinen Oberkörper und sie tauschten die Positionen. Arranges saß jetzt mit verschrenkten Armen auf der Lehne des Stuhls und selbige zwischen den Beinen, leicht nach vorn gebeugt, während Erynn sich hinter ihn stellte. 'Ich kann es diesmal nur ungenau beschreiben, es ist wieder irgendwo auf Höhe des Brustkorbs.'
[Erynn]
Erynn ging nicht auf den Kommentar ein - tatsächlich hatte sie zumeist Flickschusterei geleistet, wenn unterwegs irgendwo etwas kaputtgegangen war - allein schon, weil sie kein Ersatzmaterial gehabt hatte. Stattdessen schaute sie etwas unsicher im Zimmer umher - es erschien ihr seltsam, bequem zurückgelehnt in einem Sessel zu sitzen und Arranges dabei zuzusehen, wie er sich auszog. Das war... nicht in Ordnung.
Ein paar Minuten später stand sie hinter dem Beschwörer und bekam einen genaueren Blick auf die Bescherung. "Was hat dich da getroffen? Eine Klinge?" fragte sie und bemühte sich, den langen, wunden Striemen nicht aus Versehen zu berühren, während sie die Muskelstänge neben Arranges' Wirbelsäule mit den Fingern entlangstrich. Wie immer war es nicht ganz einfach zu sagen, welche Muskeln wirklich verkrampft waren und welche ihr Begleiter unwillkürlich anspannte, weil jemand anderes ihm so nahe kam wie sie jetzt gerade. Erynn legte eine Hand auf seinen Hinterkopf und übte leichten Druck aus, bis er die Stirn auf seine Unterarme sinken ließ - das nahm zumindest einige Spannungen aus Nacken und Schultern.
"Ich hoffe, du hast ein wenig Zeit und Dreveni ist noch etwas mit Zuber füllen beschäftigt", bemerkte Erynn, als sie sich hinter ihren Freund kniete. "Das hier könnte etwas Zeit in Anspruch nehmen." Die Dunmer begann, die Rückenmuskeln etwa auf Nierenhöhe mit ruhigen, festen Bewegungen auszustreichen, wobei sie sich langsam aufwärts zu der schmerzenden Stelle vorarbeitete.
[Arranges]
Auch wenn er es nicht wollte, so verspannte er sich unwillkürlich, als Erynn begann. Der Striemen sah zwar böse aus, aber er schmerzte nicht. Teilweise fühlten sich die kühlen Hände der Dunmer eher angenehm an der heilenden Wunde an. Es dauerte nicht lange, bis der Kaiserliche sich doch völlig lockerte. Natürlich war da keine Verspannung. Für einen kurzen Moment fühlte der Magier sich auch ein wenig schlecht dabei. Aber noch während Erynn einen verkrampften Muskelknoten suchte, der gar nicht existierte, döste Arranges auf der Stuhllene friedlich hinüber in einen angenehmen Dämmerzustand.
-
Drachentöter
Dreveni ging direkt mit all ihrem Gepäck runter in den Keller. Schnell fand sie den Raum mit dem Zuber, zog den Schlüssel außen an der Tür ab und sperrte sie von innen hinter sich zu. Seufzend sah sie sich um, nachdem sie ihre Sachen neben der Tür abgelegt hatte. Der Raum war gemütlich, in einem Kamin brannte ein Feuer, darüber hing schon ein dampfender Kessel. Jemand hatte den Brunnen in den Keller gebaut, oder besser gesagt, den Raum mit dem Zuber dort angelegt, wo der Brunnen war. Sie goss noch etwas Wasser aus dem Eimer in den Kessel - es war schon etwas verdampft - und füllte während sie wartete dass das Wasser kochen würde, den Zuber schon einmal mit etwas kaltem Wasser.
Es dauerte nicht lange, bis sie schließlich das heiße Wasser dazu kippen konnte. Sie entledigte sich ihrer Kleider, und betrachtete die beiden hellen Streifen die sich über ihre Arme zogen. Das Andenken würde sie wohl noch eine Weile behalten, bis es sich endgültig der umgebenden Haut angepasst haben würde. Jetzt tat es ihr fast leid, dass sie Feryns Gildenbruder so schnell ermordet hatte, aber daran war jetzt nichts mehr zu ändern. Am liebsten hätte sie ihn so in der Wüste ausgesetzt, dass er keine Möglichkeiten gehabt hätte, seine Schnitte im Gesicht zu behandeln, bis die Narben blieben. Etwas Salz hätte das ganze noch verbessert. Als sie sich in das angenehm heiße Wasser sinken ließ, merkte sie erst so richtig, wie fertig sie von der Überfahrt war und versuchte alle Gedanken an ihre Entführung zu verdrängen. Schnell begann sie, ihre Haare zu waschen, da sie fürchtete sonst wieder im Zuber einzuschlafen. Es dauerte nicht lange, bis sie fertig war und aus ihrem Gepäck noch ein halbwegs sauberes, kurzärmliges Oberteil und eine dünne Hose gefischt hatte. Für hier drinnen würde es erst einmal reichen, sie hatte jetzt keine Lust ihre anderen Sachen zu waschen. Sie warf einen Blick auf das Wasser im Zuber, in dem sowieso nichts mehr sauber geworden wäre, und öffnete den Abfluss. Unter dem Zuber war ein Loch im Boden, das sonst wohin führen mochte, jedenfalls diente es als Ablauf für das Wasser. In dem Raum befand sich kein Spiegel, und sie sagte sich, dass sie ihre Haare genauso gut oben kämmen könnte, während sie mit Erynn und Arranges das weitere vorgehen besprechen würde.
Sie räumte ihre Sachen zusammen und ging nach oben. Ohne anzuklopfen stieß sie schwungvoll die Tür auf, und das erste was sie sah, war der halbnackte Arranges. Das nächste war Erynn, die hinter ihm kniete und ihm den Rücken massierte. Sie nuschelte ob des Anblicks einen leisen Fluch auf Dunmeri und ließ ihre Sachen auf den Boden fallen, dann setzte sie sich aufs Bett, so dass sie den beiden den Rücken zu wandte. "Wie geht es jetzt weiter? Gibt es einen Ort denn die Echse durch die Berge erreichen kann? Ich glaube nicht dass er dort für alle Ewigkeiten bleiben will..." Ihre Stimme klang leicht erschöpft und fast etwas resigniert, was weniger ihrer Müdigkeit als den letzten Erlebnissen in Vvaredenfell geschuldet war. Während sie auf eine Antwort wartete, fischte sie ihren Kamm aus dem Gepäck und begann, sich die Haare zu kämmen.
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Legende
Der Kaiserliche genoß die Behandlung in vollen Zügen, auch wenn er das zu einem späteren Zeitpunkt keinesfalls zugeben würde. Doch als die Tür zum Zimmer aufgestoßen wurde und eine wohlbekannte Stimme, wenn auch nur mit genuschelten Worten an seine Ohren drang, verzerrte sich die Haut unter Erynns Fingern, als wäre eine Lautensaite mittem im lieblichen Spiel mit einem spitzen Ton direkt neben seinem Ohr gesprungen. Die Muskeln spannten sich und von der Haltung, die er noch vor wenigen Herzschlägen hatte, war nichts mehr übrig, als sich sein Kopf unter teilweise übertriebener Ver- und Anspannung des Nackens hob. Erynn ließ sich davon zunächst nicht stören und kämpfte unbeirrt gegen die nun steifen und schier unbeweglichen Muskeln an.
'Nun... es gibt zwei Landmarken, die man von den Bergen aus erreichen kann...' Setzte Arranges mit einem leicht gereitzten Unterton, aber nicht unfreundlich, an. 'Einmal eine alte Dunmerfestung im Süden und einmal soll es weit im Westen noch einen großen Velothiturm geben. Allerdings glaube ich eher, dass er uns, wenn es denn überhaupt Gumora war, versucht in der Wildnis dort abzuhängen oder aber uns dort einen Hinterhalt legt. Das weitere Vorgehen wäre also, dass wir uns zunächst einmal sicher sein können, dass es wirklich der Molch war, den die Wirtin gesehen haben will.'
Nach einem weiteren Moment richtete er sich im Stuhl auf, erhob sich vorsichtig von Erynn lösend und zog sich einen Augenblick später eine mehr oder weniger frische, pechschwarze Tunika über - die letzte, die er noch dabeihatte. Ich bin ja gespannt, wie lange sie halten wird...
Geändert von weuze (20.07.2012 um 21:32 Uhr)
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Fossil
Erynn stand ebenfalls auf und lehnte sich mit verschränkten Armen an die Wand, während sie ihren beiden Begleitern zuhörte. Sie selber wollte lieber nichts sagen, so sehr verdarben ihr sowohl die Wartezeit hier in Dagon Fel als auch Drevenis säuerlicher Gesichtsausdruck, mit dem sie das Zimmer betreten hatte, die Laune. Sie schoß einen giftigen Blick auf den Rücken der Assassinin ab: Was geht es dich an, du Schlange?
Manchmal war Dreveni fürchterlich anstrengend. Manchmal war auch Arranges fürchterlich anstrengend, aber der pflegte dann wenigstens sich so lange wort- oder tatenreich aufzuregen, bis er sich abgekühlt hatte. Drevenis eisiges Schweigen und die verächtliche Miene, die sie mitunter an der Tag legte, ließen einen nur raten, was genau jetzt wieder ihr verdammtes Problem war – und an diesem diesigen, kalten Morgen war es mehr, als Erynn zu ertragen bereit war.
„Es ist mir zu eng hier drinnen“, sagte sie leise, zog die Riemen ihrer Netchrüstung fester und griff nach Bogen und Köcher, „ich werde mich in der Umgebung der Stadt ein wenig umsehen, schon um zu wissen, wie das Land sich anfühlt.“
Wie das Land sich anfühlt – Es war ein Ausdruck, den ihr Vater häufig benutzt hatte, wenn er die kleine Erynn in Gebiete des Großen Forstes mitgenommen hatte, in denen sie zuvor noch nicht gewesen war. Erynn hatte dann minutenlang still dagehockt und alle Eindrücke in sich aufgenommen. Welche Vögel sangen hier, wonach roch die Luft, welche Bäume und Pflanzen gab es, welche Wildpfade, war der Boden feucht oder trocken, sumpfig oder steinig...
Nach einer Weile war Erynn dieses Vorgehen so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, daß sie sich kaum noch bewußt darauf konzentrieren mußte. Aber Sheogorad war so fremd und so anders, daß sie das Bedürfnis hatte, sich wahrhaftig in den Dreck zu knien, ihre Hände auf die Erde zu legen und zuzuhören, bevor sie die Jagd begann. Vielleicht erzählte das Land ihr noch etwas, das sie bisher übersehen hatte – mochten sich doch Arranges und Dreveni um die Hafenarbeiter kümmern, oder wen auch immer sie zu befragen gedachten.
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Drachentöter
Dreveni sah Erynn nur mit hochgezogener Augenbraue hinterher. Sie hatte keine Ahnung was ihr schon wieder über die Leber gelaufen war, und es interessierte sie auch nicht großartig, es wäre jedenfalls wenig Sinnvoll gewesen, der Echse gleich hinterher zu rennen. Arranges hatte durchaus Recht, wer wußte schon wie viele Argonier hier rumliefen. Sie dachte kurz nach während sie ihre Haare zu Ende kämmte und wandte sich dann an Arranges: "Ich hoffe fast dass er uns auflauert, dann hätten wir ihn endlich. Ihr kennt ihn besser, wie groß schätzt ihr die Chance ein? Und wohin wird er wohl am ehesten gehen, zu der Festung oder dem Turm? Einholen werden wir ihn ohnehin unterwegs nicht mehr, wenn er uns keine Falle stellt. Dafür hat er schon wieder zuviel Vorsprung. Das er uns abhängt glaube ich nicht, welche Echse verkriecht sich schon in den Bergen länger als nötig?"
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