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Legende
[Dreveni]
Dreveni war ebenfalls reichlich fertig, als Arranges endlich den zweiten Pfeil aus Erynns Schulter gezogen hatte. Nicht nur dass die andere Dunkelelfe ungeahnte Kräfte entwickelt hatte, auch klangen ihr immer noch Erynns Schreie in den Ohren. Deshalb konnte sie auch Folter nichts abgewinnen. Sie sah Arranges kurz nach und glaubte nicht, dass man Erynn jetzt noch unbedingt festhalten musste, die andere lag wie ein Häufchen Elend auf dem Boden. Dreveni holte kurz eine ihrer Taschen vom Sattel ihres Guars, zog einen Heiltrank hervor und goss ihn vorsichtig über die Bandagen. Einen Moment saß sie reichlich planlos neben Erynn und beobachtete sie, dann gab sie sich einen Ruck, fand ein Oberteil in ihrer Tasche dass sie Erynn zusammengerollt unter den Kopf schob und deckte sie mit ihrem Mantel zu, da die andere immer noch zitterte. Dann hielt sie ihr den Heiltrank vors Gesicht, merkte aber schnell, dass Erynn nicht dazu in der Lage war, sich aufzusetzen. Seufzend langte sie unter Erynns Oberkörper und setzte sie vorsichtig auf, während sie ihr das Fläschchen in die Hand gab. Sie war die ganze Zeit schweigsam gewesen, was hätte sie auch groß sagen sollen? Das alles wieder gut werden würde? Das würde es, aber gegen die Schmerzen die Erynn jetzt sicher hatte, würde es erst mal überhaupt nichts helfen.
[Erynn]
Erynn kannte den Blick sehr genau, mit dem Arranges sie maß. Sie würde da durchmüssen, völlig egal, wie sie sich gebärden mochte. Wie in Schockstarre ließ die Elfin es zu, daß ihre beiden Begleiter sie flach auf den Rücken legten und festhielten. Sie begann erst wieder sich zu wehren als ihr jemand eine, wie es schien, weißglühende Klinge in die Schulter stieß und ziemlich brutal darin herumhebelte. Erynns Körper reagierte von ganz allein und stemmte sich gegen die Behandlung, der klare Verstand der Kriegerin hatte sich zu dem Zeitpunkt längst feige in eine dunkle Ecke ihres Gehirns verdrückt und war bis auf Weiteres nicht zu erreichen. Irgendwann, es mußten Ewigkeiten vergangen sein, wurde es zu viel. All ihre Muskeln wurden völlig schlaff, nur die Augen blieben so weit verdreht, daß beinahe nur noch das Weiße darin zu sehen war. Sie spürte, daß Arranges irgend etwas tat, merkte wie sie irgendwann angehoben wurde und er ihre Schlter verband, aber es war ihr gleichgültig und ließ all das willenlos geschenen, allein dankbar dafür, daß sich die Tortur dem Ende näherte.
Dann war Dreveni bei ihr. Die Assassinin mußte sie zugedeckt und wieder in eine halb sitzende Position gebracht haben, drückte ihr jetzt ein Fläschchen mit einer zähflüssigen, schimmernden Flüssigkeit in die Hand. Mechanisch griff sie danach und setzte den Trank mit zitternden Fingern an ihre Lippen, dann kippte sie kraftlos wieder gegen ihre Begleiterin, während sie darauf wartete, daß sich ihr wild schlagendes Herz wieder beruhigte und das Zittern nachließ. Ein klägliches Geräusch drang an die Ohren der Elfin, von dem sie irgendwann feststellte, daß es ihr eigenes Wimmern war. Langsam aber sicher faßte sie sie wieder einige klare, zaghafte Gedanken, riß die Augen auf und sah sich um. Der Ort, an dem sie sich befanden glich einem Schlachthaus, nicht weit entfernt von ihr schwelten einige Überreste, die vielleicht einmal die Angreifer gewesen waren. Sie selbst war verschmiert von ihrem eigenen Blut, von der Kleidung, die sie trug, waren bestenfalls noch Fetzen übrig. Jemand mußte den Stoff zerschnitten haben, um die Verletzungen darunter versorgen zu können. Erynn krächzte einmal, sammelte sich und versuchte es nochmal. "Vorbei...?" brachte sie schließlich, an niemand bestimmtes gerichtet, heraus...
[Arranges]
Der Magier wischte Gesicht und Hände mit einem Lappen ab, schüttelte seinen Kettenpanzer einmal aus und legte ihn dann über den Rücken seines Guars, wo die Rüstung vollends abtropfen konnte. Er warf einen Blick zur Seite wo noch immer die Gebeine der Toten vor sich hinschmorten. Zeit für ein ordentliches Feuer. Er sah sich nach Erynn und Dreveni um. Die Meuchlerin hatte Erynn bereits mit einem provisorischen Kissen und Decke versorgt und flößte ihr gerade einen Heiltrank ein. Sich umsehend, ging der Nekromant ein paar Schritte vom Lager weg und sammelte dabei trockenes Geäst und seltsame Wurzelteile auf, die sich zwar anfühlten wie Holz, aber nicht so starr waren und eher wie Kork wirkten. Als er zurückkam, hatte er beide Arme voll beladen mit ordentlichem Brennmaterial. Ohne zu zögern lud er alles einfach in das schon vorhandene Feuer ab. Einige zähe Augenblicke stank es bestialisch nach verbrennendem Fleisch, bis alles soweit verkohlt war, dass die Flammen sich jetzt eher am Holz und den Überresten der Skelette bedienten. Er nickte zufrieden und ging dann zu den beiden Dunmern hinüber. Gegenüber der Assassinin ließ er sich neben Erynn auf die Knie sinken. Er suchte den Blickkontakt zu der Dunmer, welche seine Freundin hielt. 'Danke!' War alles, was er sagte und nach einem weiteren Herzschlag schaute er in das Gesicht Erynns, welches immernoch verzerrt von den Qualen war.
[Dreveni]
Als Erynn den Heiltrank getrunken hatte, hing sie wie ein Kind und am ganzen Körper zitternd in Drevenis Armen und machte keine Anstalten, sich daraus zu befreien. Seufzend hielt Dreveni sie weiter fest und sah Arranges zu, wie er Feuerholz sammelte. Bei Erynns gestammelter Frage wandte sie sich schließlich wieder der Dunmer zu. Diese sah gerade mehr tot als lebendig aus, trotz ihrer dunklen Haut war sie leichenblass. Dreveni strich ihr ein paar Strähnen schweißnassen Haares aus der Stirn und sagte leise: "Das war der letzte Pfeil." Als Arranges das Feuer weiter entzündet hatte, und sich der beißende Gestank der verbrannten Leichen verzogen hatte, legte sie Erynn wieder vorsichtig auf den Boden, mit dem Kopf aus das improvisierte Kissen, da ihr langsam selbst die Arme lahm wurden. "Keine Ursache.", antwortete sie dem Magier nur. Sie griff nach ihrem Stilett, dass Arranges geistesgegenwärtig aus der Leiche des Banditen gezogen hatte, bevor er ihn verbrannte und steckte es wieder in die Halterung an ihrem Arm.
[Erynn]
Erynn entspannte sich langsam, als sie begriff, daß sich so bald niemand mehr an ihrem geschundenen Leib zu schaffen machen würde. Die Wunden pochten noch immer schmerzhaft und ihr Gesicht fühlte sich unnatürlich heiß an, aber es war jetzt alles erträglich. Ihr noch unsteter Blick fokussierte sich schließlich auf den des Beschwörers. Sie rang sich ein Lächeln ab, als sie den Ausdruck in den dunklen Augen endlich einordnen konnte: Arranges hatte, wie es seine Art war, getan was nötig war, aber er war selbst fertig mit den Nerven nach dieser Aktion. Erynn wußte, daß sie selbst es ihm alles andere als leicht gemacht hatte - sie selbst besaß einfach nicht die Zähigkeit und hohe Schmerztoleranz, die sich der Magier nach mehreren traumatischen Erfahrungen zu eigen gemacht hatte. Der Schatten des Kummers, ihr solches Leid zugefügt zu haben, lag noch immer deutlich auf seinen Zügen.
Langsam hob sie die rechte Hand und legte sie sanft an die Wange ihres Freundes. Ihr fiel nichts ein, was sie hätte sagen können - ein schlichtes 'danke' erschien ihr schal und völlig unzureichend dafür, daß er entschlossen gehandelt hatte, wo sie es nicht mehr konnte. Mit den Fingerspitzen strich sie langsam bis zu seinem Kinn und wieder zurück, wunderte sich in einem Winkel ihrer Gedanken darüber, wie weich sich das Haar in seinem Gesicht anfühlte, abgesehen von einigen Spritzern getrockneten Blutes, das der Katzenwäsche vorhin entgangen war - ihr eigenes, vermutlich. Erynn fuhr fort, mit trägen Bewegungen Arranges' Bart sauberzukraulen, während sie nach und nach begriff, wie viel Glück sie eigentlich gehabt hatte. Sie lebte, sie würde wieder gesund werden und nicht zuletzt hatte sie zwei Begleiter um sich, die sie beschützen würden, solange sie selbst zu schwach dafür war.
[Arranges]
Arranges wollte eigentlich gerade schon wieder aufstehen um sich noch etwas umzusehen, sie würden wohl noch mindestens einen Tag hier rasten, bis Erynn zumindest wieder transportfähig wäre. Aber in dem Moment, in dem die Dunmer ihre Hand an seine Wange legte, war er für einen sehr kurzen Moment so perplex, dass er für einige Herzschläge nur ihren Blick festhalten konnte. Was... wird das?! Fragte er sich, als sie zu seinem Kinn strich. Du hast aber keinen Schlag gegen den Kopf bekommen oder? Er wollte sich gerade aus ihrer Reichweite zurückziehen, als sich viel zu plötzlich ein Wohlbefinden in ihm ausbreitete, das er in dieser Form vorher nicht kannte. Erynn begann sein Kinn zu kraulen und trunken von den angenehmen Berührungen reckte er den Kopf leicht vor und konnte nicht anders, als es einfach geschehen zu lassen und zu genießen. Ich muss völlig bescheuert sein. Dachte er noch, als ihm flüchtig bewusst wurde, dass Dreveni ja noch bei ihnen saß...
[Dreveni]
Dreveni dachte erst, sie würde nicht richtig sehen, als Erynn anfing, Arranges den Bart zu kraulen. Als dieser das dann noch eindeutig zu genießen schien, wurde ihr es zu viel. Sie konnte immer noch nicht nachvollziehen, wie man diesen Kaiserlichen freiwillig anfassen konnte. Demonstrativ stand sie auf, nahm ihr Schwert und verzog sich zu den Guars, wo sie sich auf den Boden setzte und anfing die Klinge mit einem Stück Stoff zu polieren. Mochten die Beiden da hinten treiben, was sie wollten.
[Erynn]
Erynns Lächeln wandelte sich zu einem matten, etwas schuldbewußten Grinsen, als Dreveni sich betont beschäftigt verzog. "Warum muß einer von euch beiden eigentlich immer unzufrieden sein, ganz egal, was ich mache?" fragte sie nur halb im Ernst, während sie langsam ihre Hand zurückzog und sie wieder auf die Decke fallen ließ. "Ich danke dir für deine Hilfe", sagte sie noch, spürte bereits, daß ihr die Lider schwer wurden, jetzt, wo sich die Anspannung schnell aus ihrem Körper verflüchtigte. "...und außerdem: Gute Arbeit."
[Arranges]
'Bin ich denn unzufrieden mit dem was du sonst tust?' Sagte Arranges ruhig, als er den Kopf neigte und Erynn anblickte. Er setzte sich etwas bequemer hin, zog die Decke über Erynn wieder etwas zurecht und blieb dann einfach mit aufgestellten Beinen, auf denen seine Arme ruhten, neben ihr sitzen. Er hing seinen Gedanken nach und ging im Geiste bereits ihren weiteren Weg grob durch...
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