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Fossil
nördliche Molag Amur
[Erynn]
Die folgenden zwei Tage vergingen ohne weitere Zwischenfälle. In stummer Übereinstimmung hatten sie sich und den Reitechsen nur wenig Ruhe gegönnt und tatsächlich jede Menge Strecke geschafft, bis sie am Abend des zweiten Tages schließlich eine längere Pause einlegten. Während Dreveni und Arranges an einer gut geschützten Stelle das Lager aufschlugen, kontrollierte Erynn die Beine der Guars, fand zu ihrer Beruhigung jedoch keine Schwellungen oder heißen Stellen. Der scharfe Ritt schien die Tiere nicht überlastet zu haben.
Nachdem sie sich dessen versichert hatte, kletterte die Elfin einen der steilen Hänge hinauf, um sich einen Überblick um die Umgebung zu verschaffen. Es war nicht leicht, aber schließlich fand sie einen Weg, der sie bis ganz nach oben brachte. Nicht weit vor ihr, im Norden, ging die Aschewüste fast ansatzlos in weites, hügeliges Grasland über. Sie hatten die schwierige Etappe durch die Molag Amur also so gut wie geschafft. Bald darauf hatte sie die Erhebung mehr rutschend als kletternd wieder verlassen und gesellte sich zu ihren Gefährten ans Feuer. Die Assassinin saß dort und betrachtete mit mißmutigem Gesichtsausdruck ihre geschiente Hand. Erynn hockte sich neben sie. „Soll ich Euch helfen, die Verbände abzumachen? Die Tränke dürften ihre Wirkung mittlerweile getan haben und mit etwas Glück braucht Ihr die Schiene schon gar nicht mehr.“
[Dreveni]
Sie beobachtete wie die andere den Hügel hinaufkletterte, offenbar um sich einen besseren Überblick zu verschaffen. Dreveni widerstand dem Impuls ihr zu folgen, da es mit einer Hand vermutlich reichlich unelegant geworden wäre, wenn sie ausrutschen würde. Als Erynn sich schließlich neben sie setzte, hielt sie ihr die geschiente Hand hin. Schmerzen hatte sie keine mehr, sie hoffte nur dass sie die Finger auch noch bewegen konnte, aber die Gelenke hatte es eigentlich nicht erwischt. "Ich denke das Gröbste ist verheilt.", sagte sie deshalb zu Erynn. "Wie sieht es von da oben aus?", fragte sie nach ein paar Sekunden noch.
[Erynn]
Erynn nahm Drevenis ausgestreckte Hand in ihre. Die Verbände waren längst nicht mehr rein, sondern von Asche und Schweiß dunkel verfärbt. Die Kriegerin schnitt die Knoten auf und wickelte die Leinenstreifen ab. "Von dort oben aus kann man ziemlich weit ins Land hineinsehen. Vielleicht fünfhundert Schritte von hier, wie ein Vogel fliegt, verändert sich die Landschaft komplett. Das müssen die Weidenländer sein... Von dort werden wir sehr viel leichter vorankommen als jetzt. Die Gegend ist offen, so weit wie man schauen kann, und nur ein bißchen hügelig." Sie nahm die Schienen fort und wickelte die letzte Lage Verbände ab, um danach einen prüfenden Blick auf Drevenis Finger zu werfen.
[Dreveni]
Sie hörte Erynn zu, während diese ihre Verbände abnahm. Wenigstens würden sie bald aus dieser Wüste herauskommen, dann standen die Chancen vielleicht auch ganz gut, etwas Wasser zu finden, in dem man sich waschen konnte. Als Erynn fertig war, sah sie ebenfalls prüfend auf ihre Finger. Sie sahen soweit ganz normal aus, bis auf die Abdrücke der Leinenstreifen, aber sie fühlten sich seltsam steif an. Kein Wunder, wenn sie zwei Tage festgebunden waren..., dachte sie, und hoffte dass es wirklich nur davon kam. Sie wackelte probeweise mit den Fingern und versuchte eine Faust zu machen. Das gelang ihr nicht ganz, und es tat auch ziemlich weh, aber sie merkte immerhin, dass es ihre Gelenke überlebt hatten. Sie hoffte dass sie nach der Rast wenigstens das Schwert halten konnte, hatte aber auch Angst, die Knochen gleich wieder zu brechen. "Ich denke es ist soweit in Ordnung.", sagte sie zu Erynn, allerdings klang das doch eher nach einer Frage als nach der Feststellung, die es sein sollte.
[Erynn]
Die Kriegerin zog zweifelnd eine Augenbraue hoch. "Ich kann gut verstehen, daß Ihr keine Lust mehr habt diese Binden zu tragen", antwortete sie und löste ihren Wasserschlauch vom Gürtel, um Drevenis Finger vorsichtig von dem Staub zu befreien, der sich unter den Verbänden gesammelt hatte. Unter dem Schmutz kamen einige bläuliche Verfärbungen zum Vorschein, die wahrscheinlich wilder aussahen als sie waren. "Aber 'in Ordnung' sieht anders aus. Ich sehe Euch doch an, daß Ihr immer noch Schmerzen habt. Also: Vernünftig wäre es, einen neuen Verband anzulegen, der die Knochen zumindest ein wenig stützt und sie vor versehentlichen Stößen schützt", sagte sie bestimmt. "Ihr könntet die Finger damit zumindest ein wenig bewegen und es wäre sicherer..."
[Dreveni]
Sie starrte eine Weile missmutig auf ihre Finger und versuchte noch einmal vorsichtig sie zu bewegen. Dann seufzte sie und hielt Erynn die Hand hin. Im Prinzip hatte sie ja auch recht. Sie beobachtete die andere, während sie ihr wieder die Hand verband, und überwand sich schließlich doch: "Danke. Dafür und und für die...Rettung." Bei dem letzten Teil des Satzes sah sie auch kurz zu Arranges, bevor sie die Augen auf den Boden vor sich richtete. Angebracht und schon lange überfällig war der Dank sicherlich, aber Dreveni konnte sich nur schwer dazu überwinden. Es reichte schon dass sie nicht alleine mit ihren Enführern fertig geworden war.
[Arranges]
Er hatte während der Zeit, in der Erynn die Hand der Assassinin versorgte, den größten Teil seiner Ausrüstung abgelegt um sie vom Staub und von feinem Schmutz zu befreien. Die Weideländer... endlich! Dachte er sich, als er das Kettenhemd mühsam reinigte. Das Mithril war zwar nicht rostanfällig, aber der feine Aschestaub machte sogar diesem Material dort zu schaffen, wo massive Plattensegmente wie etwa auf den Schultern auf das Ringgeflecht auflagen und so einen schmirgelnden Effekt hatten. Als Dreveni sich dann doch noch bedankte, sah er kurz auf, winkte aber dann stumm ab. Er stand auf, schüttelte das Kettenhemd noch einmal aus und legte es dann auf seine Satteltaschen. 'Seht lieber zu, dass ihr schnellstmöglichst wieder genesen seid, die nächste Überraschung am Wegesrand wird womöglich nicht nochmal so glimpflich verlaufen...'
[Erynn]
Erynn lächelte der Assassinin zu. Zu Arrganges kurzem Kommentar zuckte sie nur die Achseln. Er war und blieb nunmal ein Rauhbein. "Ich hab es gern getan. Beides." Die Kriegerin zögerte kurz, beobachtete, wie sich der Kaiserliche ein Stück entfernte, bevor sie weitersprach. "Mir... ist ähnliches passiert. Das ist auch der Grund für diese Jagd. Gumora ist derjenige, der diesen Männern verraten hat, wo sie mich finden konnten... sie sind tot, Arranges hat sie förmlich in Stücke gerissen damals. Aber das bedeutet auch, daß ich keine Rache nehmen konnte, und ohne das fürchte ich, daß ich nie wieder... so sicher sein kann wie vorher. Vielleicht wird es besser, wenn es mir gelingt, den Argonier zu stellen, wenngleich er nicht direkt beteiligt war." Sie schüttelte den Kopf. "Keine Ahnung. Aber ich weiß nicht, was ich sonst tun könnte."
[Dreveni]
Sie hörte Erynn mit unbewegtem Gesicht zu, während diese von Gumora erzählte. Sie hatte zwar gewusst, dass er sich etwas ziemlich schlimmes geleistet haben musste, wenn Erynn diesen Aufwand betrieb, ihn zu finden, aber nicht genau was. "Verdient hat er es für seinen Verrat alleine schon.", sagte sie nur leise, wärend sie hoffte, dass sie den Molch tatsächlich noch finden würden. In Cyrodiil hätte sie ihn schon längst gehabt.
[Erynn]
Die Kriegerin nickte nur, dankbar dafür, daß die Andere ihrer Geschichte zugehört hatte, dann stand sie langsam auf. Da war noch etwas, das ihr schon eine Weile zu denken gab und wonach sie den Kaiserlichen fragen wollte. "Arranges?" fragte sie leise, als sie von hinten an ihn herantrat. Er beobachtete Umgebung, den Blick auf die Hügelkette nördlich von sich gerichtet, hinter der, von hier aus unsichtbar, die Weidenländer lagen. "Ich habe mich gefragt... was war das für ein Zauber, den du auf den Alit geworfen hast? So einen habe ich zuvor noch nie gesehen. Normalerweise verwendest du bei starken Kampfzaubern eher Feuer als Frost..."
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