Die Nacht war beinahe windstill und der Himmel klar. Die schier endlosen Weiten, die sie jetzt umgaben wirkten nach dem Sturm und der deutlich bergigen Landschaft im Süden, eher trostlos und leer. In giftgelb verfärbten Gruben drängten sich bis ins Mark tote Bäume aneinander. Weit verstreute Felsen und Dünen aus Staub prägten das Landschaftsbild. Obwohl es eigentlich hätte bitter Kalt sein müssen, war es hier mitten in der Nacht trotzdem seltsam warm. Natürlich. Langsam aber sicher kommen wir in die Gegegend, der das Feuerland eigentlich seinen Namen zu verdanken hat. Molag Amur. Arranges hatte die Karte der Insel mehr oder weniger im Kopf behalten, zumindest einprägsame Landmarken. Und die Lavaseen, die sich ihnen bald eröffnen sollten, waren zumindest auf der alten Karte deutlich dargestellt gewesen. Der Kaiserliche schätzte, dass die Dämmerung bald einsetzen müsste. Seine Vermutung wurde bestätigt, nachdem er Azuras Stern suchte und weit im Westen gerade noch über dem Gipfel des Roten Bergs im Zentrum Vvardenfells, erspähte.

Der baldige Grauschimmer im Osten ließ die Reisenden einvernehmend stumm entscheiden, dass sie eine kurze Rast einlegten. Arranges spürte bereits das Magma, welches hier schon so dicht unter der Erdkruste floss, dass die Fußsohlen nach längerem Stehen auf dem staubigen Grund, recht warm wurden. Nach einem kurzen Moment der Ruhe setzten sie ihre Reise fort. Das zunehmende Licht lud ein, das Tempo etwas anzuziehen, sodass die Guare bald mit weit greifenden Schritten durch die Wüste jagten. Sie waren tatsächlich nicht ganz so schnell wie Pferde im gestreckten Galopp, allerdings waren sie wohl deutlich besser für die Reise durch dieses lebensfeindliche Land geeignet. Der vogelartige Körperbau sorgte dafür, dass die Wirbelsäule bei dieser Geschwindigkeit von Kopf bis Schwanzende eine beinah waagrechte Linie bildete, welche weder wippte, noch sonderlich schwankte und den Reiter somit komfortabel und trotzdem in einem sehr ordentlichen Tempo durch die Wüste beförderte.

Sie durchquerten gerade eine sehr gedehnte Senke zwischen zwei Dünen, als sich vor ihnen in einigen hundert Metern Entfernung ein bisschen zu plötzlich ein gewaltiger Lavasee auftat. Ein Strom aus gleißend rotem Licht, quer zu ihrer Richtung. Doch bildete das flüssige Feuer, welches sogar auf diese Entfernung bereits seine Hitze spüren ließ, in diesem Moment plötzlich nicht mehr länger einen in den Augen schmerzenden Kontrast zur umgebenden Aschewüste. Sonnenlicht flutete in diesem Moment von Osten her das Land, als die helle Scheibe erste Grüße über den Rand der Welt sandte. Lava und Sonne konkurrierten regelrecht darum, wer heller und heißer war.

Arranges und die beiden Dunmer nahmen automatisch das Tempo weg und wurden langsamer. Der Magier schirmte die Augen vor der viel zu plötzlich eingetretenen Helligkeit und blinzelte. Einen Herzschlag lang dachte er, etwas im Augenwinkel gesehen zu haben und wandte reflexartig den Kopf zur Seite. Blöde Idee! Dachte er sich noch. Er hatte direkt in die Sonne geschaut und noch gesehen, wie jemand... oder vielmehr etwas, mit der Sonne die Dünen herunterkam. Arranges registrierte wie sich eine nicht definierbare, schwarze Öffnung neben ihm auftat. Im letzten Moment hechtete er von seinem Guar, ein saurer Gestank schlug ihm entgegen und kurz darauf dröhnte das gequälte Knurren seines Guars in seinen Ohren, als Reißzähne, die so lang waren wie Arranges Unterarm, in die Flanke der Echse drangen und das Lasttier noch im Lauf von den Beinen holte. Dumpfes Klatschen und Knacken, das Knarzen von nachgebenden Sehnen und Knorpeln, so wie das absterbende, viel zu hohe Brummen des Guars, verriet in diesem Moment nur mit Geräuschen, wie es wohl in großem Maßstab sein musste, wenn ein Berglöwe ein Kaninchen zu Töde schleudert. Die Kraft, die den Guar ruckartig hin und her warf und ihm dabei Knochen brach und Eingeweide zermalmte, war auf beängstigende Weise über die Luft fast spürbar...

Der Nekromant hatte sich in den wenigen Augenblicken wieder auf die Beine gestemmt, jedoch half ihm das nur wenig, denn er war durch den kurzen Blick in die Sonne noch immer arg geblendet. Auf wackligen Füßen riss er sein Schwert aus der Scheide und versuchte in der Richtung, aus welcher die Geräusche kamen, etwas zu erkennen, aber alles, was er in diesem Moment sah, war eine riesen große Bestie, die nur aus Maul und Beinen zu bestehen schien. In dem Rachen, welcher mit Zähnen gespickt war, wie sie Arranges eher von Daedroths kannte, hing der mittlerweile seltsam verkrümmte und schlaffe Körper des Guars.

Er meinte noch einen Ruf von Erynn hinter sich zu hören, als einer der beiden Packguare sein Leben in einer wohl recht ähnlichen Szene auszuhauchen schien...

Alit... sie greifen mit der Sonne an?! Zur Hölle, über ihre Intelligenz hat dieser verdammte Priester kein Wort verloren! Und als hätte das Monster seine Gedanken gelesen, schleuderte es den Guar, der lächerlich klein wirkte im Maul der Kreatur, zur Seite und stellte sich mit geöffnetem Rachen dem Kampfmagier gegenüber. Lange Fäden ziehend, troff eine dunkle Flüssigkeit durch die Lücken der vordersten Zahnreihen...