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Fossil
[Erynn]
Sie wußte weder, wie lange sie genau unterwegs waren oder ob sie sich überhaupt noch in die richtige Richtung bewegten, aber es war ihr gerade auch egal. Erynn wollte nur so viel Abstand zwischen sich und Bal Ur bringen wie irgend möglich. Dennoch hatte der Schrein sie irgendwie berührt. Aber wie dem auch sei: Mit einem Gott, der Menschenopfer forderte, wollte sie nichts zu tun haben. Also strich sie Molag Bal von der Liste der Daedrafürsten, über die sie gerne mehr erfahren wollte – zumindest fürs Erste.
In der Molag Amur sah alles irgendwie gleich aus. Eine Aschedüne reihte sich an die nächste, dazwischen krüppeliges Dornengestrüpp und Büsche mit grobfaserigen Blättern. Vereinzelt wuchsen Farne aus dem kargen Boden, deren blutrote Blüten viel zu zart für diese lebensfeindliche Umgebung wirkten. Dreveni und sie trieben die Guars über halbverwehte Trampelpfade, die alle natürlichen Ursprungs zu sein schienen, hofften dabei im Stillen, daß es ihnen zumindest halbwegs gelang, die Richtung nach Osten beizubehalten, je länger sie unterwegs waren.
Fast unbemerkt von Erynn ging die finsterste Stunde der Nacht vorüber. Das war der Moment, in dem Arranges seinen gekrächzten Befehl ausstieß. Mehr aus Überraschung über die unerwartete Wortmeldung zerrte die Elfin an den Zügeln und brachte ihr Reittier schlitternd zum Stehen. Dann drehte sie sich im Sattel um und musterte den Beschwörer mit einer Mischung aus Sorge, Erleichterung, Belustigung und Ärger darüber, daß das erste Wort, welches er seit langer Zeit von sich gab, bereits wieder im Befehlston über seine Lippen kam. „Was ist?“
[Arranges]
Was ist? Was ist? Was ist? ... Wie kann man nur so saudämlich sein?! Ein tiefes, kehliges und deutlich wütendes Knurren war im ersten Moment alles, was der Beschwörer von sich gab. 'Stell dich nicht dümmer als du bist, auch wenn das kaum möglich sein dürfte... Falls es dir nicht aufgefallen ist, wir sind in die wirklich komplett falsche Richtung unterwegs!' Wütend begann er ohne auf eine Antwort zu warten, unter sichtlich größter Anstrengung unter der Mithrilkette zu zappeln, bis er einerseits zornig feststellte, dass er verschnürt war und andererseits, sich kaum bis gar nicht gegen seine eigene Ausrüstung, welche er am Leib trug, stemmen konnte. 'Verfluchtes Blutauge, schau nicht so, mach mich endlich los!' Kleffte er, noch bevor Erynn tatsächlich überhaupt etwas sagen konnte.
[Dreveni]
Dreveni glaubte langsam wirklich, dass sie diesen Kultisten entkommen waren, als Erynn ihren Guar plötzlich anhielt. Das Arranges etwas gesagt hatte, war ihr entgangen, und so bekam sie nur den zweiten Teil seiner Rede mit, als sie sich zu Erynn gesellte. "Euch losmachen? Sicher nicht.", sagte Dreveni hörbar genervt zu Arranges. Sie hatten ihn durch diesen verfluchten Schrein geschleift, und jetzt kam nicht mal ein Wort des Dankes. "Die eurer Meinung nach richtige Richtung könnt ihr uns auch so zeigen."
[Erynn]
Für einige Augenblicke war Erynn so perplex, daß sie den Beschwörer nur wortlos anstarren konnte. Das darf doch nicht wahr sein! Von allen undankbaren, grantigen Holzköpfen bist du wohl der Schlimmste! Man faßt es nicht... Zum Glück füllte Dreveni die durch ihre Sprachlosigkeit entstandene Lücke, und just in diesem Moment war sie sehr froh, die Assassinin bei sich zu haben, oder sie hätte Arranges wahrscheinlich schlicht und ergreifend die Zähne eingeschlagen. "Ich werd dich höchstens noch knebeln, damit ich mir dein Gekeife nicht anhören muß", gab sie heftig zurück. "Sei lieber froh, daß du überhaupt noch lebst!" Erynn atmete einmal tief durch, aber diesesmal half es ihr nicht dabei, sich abzuregen. "Ihr mögt mir vergeben, großer Meister, aber wir waren zu beschäftigt damit, Euch aus den Händen der Daedraanbeter zu erretten, daß uns der rechte Weg wohl entfallen ist", fuhr sie mit vor Spott triefender Stimme fort. Jetzt, wo sie sich sicher war, daß es dem Kaiserlichen gut ging, war es um ihre Nachsicht geschehen. "Also, wenn du weißt wo es lang geht, dann rück endlich heraus damit!"
[Arranges]
Die Art und Weise der beiden Dunmer ließ die Flammen seines Zorns nur noch einmal höher lodern. 'Ja, denken und handeln überstieg deine Fähigkeiten schon immer, wobei ersteres allein schon ausreicht, um dich wochenlang zu beschäftigen um dann festzustellen, dass es doch zu nichts führt.' Dass man nicht sah, wie Arranges sich zitternd unter Kontrolle hielt, lag zum einen an dem spärlichen Licht und zum anderen daran, dass er nichteinmal zum Zittern richtig in der Lage war. 'Hättet ihr nicht den Guar auf umständlichste, aber recht erfolgreiche Art und Weise auf biegen und brechen ins Wasser getrieben und dabei unsere einzigen beiden Karten zerstört, hättet ihr schlicht nur ablesen müssen... Zeigen, kann ich den Weg auch nur in Folge einer Bewegung. Ihr wärt ohnehin sogar zusammen mit den Guaren zu dämlich, anhand meiner Worte den richtigen Weg einzuschlagen.' Auch wenn man es sonst nur am unterschwelligen Knurren seiner Stimme bemerken konnte, dass der Kaiserliche sichtlich wütend war, so konnten jene, die ihn gut genug kannten, auch jetzt im wenigen Licht der Dämmerung sehen, wo Adern an Hals und Schläfe ziemlich schnell ziemlich dick wurden.
[Dreveni]
Dreveni reichte es bei Arranges Worten. Sie hatte es wirklich nicht nötig, sich von diesem dahergelaufenem Beschwörer so beschimpfen zu lassen, nachdem sie ihn unter Einsatz ihres eigenen Lebens gerettet hatte. Sie baute sich vor dem Guar mit Arranges auf dem Sattel auf, holte aus und schlug ihn mit der flachen Hand erst einmal ins Gesicht. Dann beugte sie sich zu ihm hin, so weit seitlich dass er sie nur schwerlich anspucken konnte, und sagte drohend: "Ihr werdet euer dummes und unverschämtes Maul höchstens noch dazu aufreissen um uns zu sagen, welcher Weg der richtige ist. Ansonsten will ich nichts mehr von euch hören, sonst schlage ich fester zu und schmeiße euch danach gefesselt wie ihr seid an den Straßenrand. Früher oder später werden euch Banditen oder wilde Tiere finden, wenn das Schicksal euch gnädig ist vielleicht sogar bevor ihr wieder zu Bewußtsein kommt. Verstanden?" Dabei sah sie Arranges in die Augen und wartete auf eine Antwort.
[Erynn]
Die Kriegerin sagte nichts mehr, sondern blickte Arranges nur mit harten Augen an. Dreveni hatte alles gesagt, was es zu seinen Worten zu sagen gab. Der Beschwörer stand kurz vor der Explosion, so viel ließ sich unzweifelhaft erkennen, aber das interessierte die Elfin gerade nicht im geringsten. Warum auch immer du so ein undankbares Stück sein mußt. Man fragt sich wirklich, wer hier eigentlich blöd ist wie ein Haufen Pferdemist. Wenn wir Zeit gehabt hätten auf den Weg zu achten, dann hätten wir das schon getan. Arroganter Scheißkerl! Vielleicht, so zuckte es ihr kurz durch den Kopf, hätte sie doch auf Dreveni hören und Arranges in Bal Ur zurücklassen sollen. Warum zum Henker tu ich mir das immer wieder aufs Neue an...?
[Arranges]
Der Magier brauchte einen Augenblick. 'Ihr... droht mir? Wirklich?!' Der Ausdruck in den Augen des Beschwörers wurde plötzlich so kalt wie Eis und so schwarz wie die Nacht. 'Euer Schicksal wäre garantiert nicht besser als das Meine, wenn ihr verfahrt, wie ihr eben meintet, bevor ich euch sage, welche Richtung die richtige wäre. Über unzählige Meilen hinweg erstreckt sich das Land des Feuers, ihr würdet verdursten oder in einen der Lavaseen stürzen, die es weiter oben im Norden gibt, ehe ihr auf etwas stoßtet, das auch nur im Ansatz an Zivilisation erinnert.' Mehr sagte er nicht und es war klar, dass er auch weiter nichts sagen würde fürs Erste.
[Dreveni]
Dreveni hatte für Arranges nicht mehr als ein mitleidiges Lächeln übrig. "Ja, ich drohe euch. Ich bin gerade in der wunderbaren Position, genau das zu tun. Ich für meinen Teil kenne auch den Weg zurück, und werde mit Sicherheit auch vorwärts irgendwann irgendwo heil ankommen." Sie sah zu Erynn, und sprach weiter: "Langsam glaube ich wirklich, wir wären schneller, wenn wir uns von diesem Kerl befreien würden. Vielleicht kommt ja auch jemand vorbei, der dumm genug ist, ihm zu helfen. Ich für meinen Teil bin mit diesem arroganten Sack fertig." Danach schickte sie sich an, die Stricke zu lösen, die Arranges auf dem Guar hielten. Den Rest der Seile ließ sie in Ruhe. Sie würde ihn gerade ohne mit der Wimper zu zucken tatsächlich zurück lassen, aber es würde ihr auch vollkommen reichen, Arranges einen gehörigen Schreck zu versetzen und ihn in ein paar Stunden wieder einzusammeln. Hier gab es genug Dünen hinter denen sie ungesehen rasten konnnten.
[Erynn]
Warum eigentlich nicht? Zumindest für eine Weile... ich habe genau diese Situation oft genug durch, um mir das nicht länger bieten lassen zu müssen. Sie schaute Dreveni an, die einen Schritt von Arranges zurückgetreten war. Erynn konnte neben der verständlichen Wut auch den Schalk in ihren Augen blitzen sehen - ein kurzes, an die Assassinin gerichtetes Nicken, und die beiden Frauen wuchteten den Beschwörer ohne ein weiteres Wort zu verlieren von dem Packgestell herunter, lehnten ihn an einen Felsen und schwangen sich wieder auf ihre Reittiere. Als Erynn ihren Guar wendete sah sie aus dem Augenwinkel, wie Dreveni dem Beschwörer einen Wasserschlauch zuwarf: Scheinbar eine letzte spöttische Anspielung auf das schreckliche Schicksal, das die zwei Elfinnen seiner Prophezeiung nach in der Molag Amur erleiden würden. Dann trieben sie ihre Tiere zu einem gemächlichen Trab und folgten weiter dem Pfad, der sich zwischen den Aschedünen hindurchwand...
Geändert von Glannaragh (06.09.2011 um 23:30 Uhr)
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