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Drachentöter
Dreveni hatte zwar nicht gemeint, sich gleich so weit von ihrem alten Lager zu entfernen, nicht einmal eine Stunde Weg, nur so weit dass sie nicht mehr als Konkurrenz um das Fressen gesehen wurden, aber sie folgte auf ihrem Guar Arranges dann doch widerspruchslos. Langsam reifte in ihr eine neue Taktik im Umgang mit Arranges - sollte er die Gruppe doch in die Scheiße reiten, Dreveni würde ihn einfach machen lassen. Sie würde sich höchstens noch früh genug absetzen.
Nachdem sie das Lager aufgeschlagen hatten - inzwischen wurde es wieder Hell - aßen sie. Danach gab Arranges zu verstehen, dass er die erste Wache übernehmen würde, worauf Dreveni sich wie Erynn ins Gras legte. Sie sah noch kurz in den Himmel, bevor ihr die Augen zufielen. Eigentlich wollte sie gar nicht richtig schlafen, aber durch den Gesang der Vögel und der zunehmenden Geräusche des erwachenden Tages eingelullt fiel sie in einen seltsamen, traumreichen Halbschlaf.
In diese Geräuschkulisse meinte sie plötzlich, eine Stimme zu hören, die ihr nur zu bekannt vorkam. Sie konnte nicht verstehen was sie sagte, noch dazu wusste sie nicht, woher sie kommen sollte, Feryn war tot und sie selbst schlief ja nicht. Sie dachte den Gedanken kaum zu ende, da fand sie sich auf einer Lichtung in Cyrodiil. Sie wunderte sich nicht weiter darüber, sondern folgte Feryns Stimme. Sie konnte ihn immer noch nicht verstehen, hatte aber das ekelhafte Gefühl, sich beeilen zu müssen, sonst würde etwas furchtbares geschehen. Als sie sich suchend umsah, merkte sie, wie die Umgebung sich verändert hatte. Alles war jetzt düster, auch das Geräusch der Vögel, durch dass sie eingeschlafen war und sie bis in ihre Träume gehört hatte, war jetzt verstummt. Außerdem merkte sie, dass sie immer noch - oder schon wieder? - auf dieser Lichtung stand, obwohl sie das Gefühl hatte, schon ewig durch diesen Wald zu irren, doch sie kam irgendwie nicht vom Fleck, wie sie jetzt merkte. Auf einmal kam eine Gestalt in ihr Blickfeld, die mit dem Rücken zu ihr zu stehen schien. Sie sah genauer hin, da merkte sie, dass dem Mann der Griff eines Dolches aus dem Rücken ragte. Nein, das war kein Dolch... In dem Moment drehte die Gestalt sich um, und jetzt gab es keinen Zweifel mehr, wer da vor ihr stand. Namenloses Grauen ergriff von ihr Besitz, als sich Feryn ihr näherte. Aus seinem Mund lief eine dünne Blutspur, und als er vor sie getreten war, sagte er: "Sie dir nur an, was du getan hast." Dreveni wollte weglaufen, war aber wie gelähmt und konnte ihm auch nichts erwidern. Auf einmal hielt er das Stilett in der Hand und stach unvermittelt nach Dreveni. Sie spürte wie das kalte Metall in ihre Schulter stach, und sie zuckte heftig zusammen - und schlug die Augen auf.
Sie brauchte einige Sekunden, um sich zurecht zu finden, und sie spürte immer noch den Schmerz, wo Feryn sie gerade getroffen hatte. Das war nur ein Traum..., versuchte sie sich zu beruhigen. Verstohlen sah sie sich nach Arranges und Erynn um, ob diese etwas gemerkt hatten. Ihr erschien das unwahrscheinlich, sie war immerhin nicht schreiend aufgesprungen, sondern lag nach wie vor auf dem Rücken im Gras.
Verflucht, warum kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen. Was soll ich denn noch tun?, dachte sie sich mit einem kurzen Anflug von Verzweiflung. Sie fröstelte kurz, als sie an den Traum dachte, der so erschreckend real war, dass ihr die warmen Strahlen der aufgehenden Sonne auf ihrer Haut fast unwirklich vorkamen. Seufzend stand sie auf und ging zu Arranges: "Ich werde weiter Wache halten, wenn ihr Schlafen wollt."
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Legende
Ascadia -> Bal Ur
Der Kaiserliche nickte nur stumm, legte sich dann neben den Felsen, an welchem er gelehnt hatte und fiel recht schnell in einen flachen Schlaf. Allerdings war auch sein Ausflug ins Land der Träume nur recht kurz. Sie machten sich nur etwa zwei Stunden später wieder auf den Weg. Kaum war der Mittag vorrüber - Vivec war längst außer Sicht - als sie an eine Kreuzung kamen. Der Weg gabelte sich, wobei einer der beiden Straßen nach Osten führte. Der Wegweiser zeigte Pelagiad in dieser Richtung an. Und tatsächlich: Als sie in die Richtung gegen die Sonne blinzelten, konnten sie auf einer Anhöhe eine gewaltige Festung der kaiserlichen Truppen erkennen. Kantig und alles andere als irgendwie passend und trotzdem sehr wehrhaft, krönte das Ungetüm aus Stahl und Stein die Kuppe der Anhöhe. Rechts und links der gepflasterten Straße konnte man noch einige Häuser erkennen.
Die drei Reisenden beschlossen nach einer kurzen Absprache, dass es unntöig wäre und sie nur Zeit kosten würde, würden sie hier halt machen. Zudem hatten sie noch genügend Vorräte. Sie setzten ihren Weg also fort. Es war Abend, als sich der Weg bereits wieder teilte. Eine Richtung führte dem Wegweiser nach wohl zu einer Stadt namens Balmora. Der Andere nach Suran. Balmora... Steinwald... Unwillkürlich holte der Kaiserliche an angestaubtem Sprachwissen herauf, was ihm Meister Jurano vor so vielen Jahren einmal beigebracht hatte. Nach einem kurzen Augenblick Pause folgte Arranges dann dem Weg nach Suran.
Sie waren mindestens nochmal zwei Tage unterwegs. Das Land jedoch zog sich noch an diesem Tag sehr zurück und eröffnete ihnen nach Osten den Blick auf eine gewaltige Wasserfläche. Der Amayasee begleitete sie von nun an immer auf der rechten Seite der Straße, welche sich alsbald bereits am Lauf der Berge im Westen und Norden orientierte und nach Osten abbog. Die Landschaft veränderte sich hier nur in sofern, als dass die Ufer des Amayasees ungewöhnlich blumenreich waren. Arranges konnte nur eine davon mit Sicherheit zuordnen. Die Steinblume mit ihren hängenden, sattblauen Blütenkelchen. Die Zeit verging absolut ereignislos. Weder griffen sie wilde Tiere an, noch wurden sie von irgendwelchen Aufständischen behelligt. Der Nekromant erfreute sich innerlich größter Zufriedenheit darüber. Da hätten wir auf Erynns Route vermutlich doppelt so viel Zeit verloren. Die Guare taten ihr Übriges zum schnellen Vorankommen der Gruppe.
Ein klarer Morgen ging über Ascadia auf und bevor sie aufbrachen, hatte Arranges ihnen noch mitgeteilt, dass sie laut der Karte bald an eine Brücke kommen müssten und nach dieser Bal Ur, was immer das auch sein mochte, erreichen würden und es von dort, so die Karte denn stimmen würde, nur noch knappe eineinhalb Tage nach Molag Mar wären.
Es war, wie Arranges sagte. Allerdings nicht so, wie alle dachten. Schon auf dem Weg zum Ufer des Nabiaflusses, sahen sie in der Landschaft viele abgebrannte Hütten und einige Herrenhäuser, die nur noch zu Hälfte standen. Übergroße Felder und Plantagen waren schlicht verwüstet worden unter den Schritten sehr vieler gepanzerter Füße. Der Kaiserliche verkniff sich einen Kommentar darüber, wie umständlich, gefährlich und wahrscheinlich sehr viel zeitraubender der Weg von Erynn gewesen wäre. Nur eine halbe Stunde später jedoch musste er hoffen, sich seinerseits nichts von Erynn anhören zu müssen, denn die Brücke, welche sie zum anderen Ufer hätte führen sollen, war zerstört. Lediglich die massiven, hölzernen Brückenköpfe waren noch übrig. So... wir werden also doch noch herausfinden, ob die Guare schwimmen können. Dachte sich Arranges zähneknirschend.
Als sie näherkamen, erkannten sie auch, was wohl die Bezeichnung Bal Ur trug: Auf der anderen Seite des Flusses ragten mächtige, aber auch undenkbar verwinkelte Türme und Säulen in die Höhe. Man konnte nicht sehr viel erkennen, aber Arranges fühlte sich durch die zackige und klauenartige Struktur unangenehm an das Reich Dagons erinnert. Eine seltsame Form eines Daedraschreins?
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Fossil
Erynn mußte Arranges und Dreveni zähneknirschend doch Recht geben. Ihr Weg am Nordufer des Amayasees entlang war frei von marodierenden Rebellen und sonstigem Ärger, und allzuviel Zeit verloren sie dadurch auch nicht. Die Spuren des Aufstandes waren jedoch überall zu sehen, und die Kriegerin schauderte bei dem Gedanken, was hier geschehen sein mußte. Sie hatte sich Morrowind immer irgendwie zeitlos vorgestellt, ein Ort, an dem sich nicht alles so rasend schnell veränderte wie im von Menschen dominierten Cyrodiil. Aber was sie hier sah, erweckte einen ganz anderen Anschein. Alles schien im Umbruch, die festgefügte Ordnung in Auflösung begriffen. Sie dachte darüber nach, während sie sich immer weiter ihrem Etappenziel näherten.
Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn alles reibungslos klappen würde, dachte Erynn säuerlich und krabbelte von dem Packgestell herunter. Die anderen beiden stiegen ebenfalls ab und schauten ein wenig ratlos auf den breiten Fluß, der sie von der anderen Seite trennte. Ach was. Die Biester sehen sehr wohl so aus als ob sie schwimmen könnten. Nützt ja nichts, wir müssen es so oder so versuchen. Kurzerhand packte sie die Zügel des einen Guar und führte ihn bis an das Ufer heran. Das Tier senkte den Kopf und schnaubte in das Wasser. Es klang definitiv nicht begeistert. „Na komm schon. Stell dich nicht dümmer an, als du aussiehst!“ Sie verstärkte den Zug an den Zügeln und schleifte den Guar ein paar Schritte in den Fluß hinein. Das Ufer fiel steil ab und schon bald stand sie bis zur Hüfte im Wasser, ihr Reittier im Schlepptau, das nervös herumzappelte und mit den Augen rollte. Erynn stieß einen entnervten Seufzer aus. Nichtmal Falchion hatte so ein Theater veranstaltet, als sie ihn ans Wasser gewöhnt hatte. „Könnte einer von euch dem Biest bitte einen Tritt verpassen?“ rief sie ihren Begleitern zu, die das Schauspiel vom Trockenen aus skeptisch beobachteten.
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Drachentöter
Dreveni hatte die meiste Zeit wieder geschwiegen und nur die nötigsten Worte mit ihren Begleitern gewechselt, zu sehr musste sie immer noch an den kurzen Traum von Feryn denken. Es war nicht so, dass sie sonst nie seltsame Dinge träumte, und manchmal waren die Träume auch brutal oder sonst wie makaber, aber noch nie war sie emotional so betroffen gewesen. Ganz davon abgesehen, dass sie den Stich in ihre Schulter fast real gespürt hatte. Sie hoffte ernsthaft, dass es sich nicht wiederholen würde, oder es vielleicht auch nur daran lag, dass sie sich in Morrowind aufhielten, dem Land von dem er ihr soviel erzählt hatte. Nein, das war nicht ganz richtig. Von Morrowind wusste sie leider ziemlich weniger, viel mehr hatten sie Pläne für eine gemeinsame Zeit hier geschmiedet. Von irgendwelchen politischen Dingen hatten sie überhaupt nicht gesprochen.
"Verfluchter Mist.", war alles, was ihr zu der zerstörten Brücke einfiel. Die Ruinen auf der anderen Seite wirkten auch nicht gerade vertrauenerweckend, aber immerhin war ihr Weg bisher auch fast zu glatt verlaufen. Sie wusste nicht einmal, was das für eine Ruine war, auch wenn sie sich leicht an die Bauten in den Ebenen Oblivions erinnert fühlte. Sie kletterte ebenfalls von dem Guar und sah zu, wie Erynn versuchte, das Tier zum schwimmen zu überreden. Auf Erynns leicht frustriert klingende Worte trat sie an den Guar und überlegte, wie sie das Tier am besten anschieben sollte.
Sie hatte wenig Lust festzustellen, ob das Vieh treten oder beißen würde, sie wusste nicht einmal, was die Tiere am liebsten fraßen, damit sie vielleicht so über den Fluss gelockt werden konnten. Dreveni sah noch kurz abschätzend auf den Guar und hoffte, dass sie es früh genug merken würde, sollte er treten - an der Seite des Maules stand immerhin jemand anderes, auch wenn es leider nicht Arranges war - und begann das Tier von hinten zu schieben. Der Guar stemmte sich allerdings mit beiden Füßen in den steinigen Untergrund, so dass Drevenis Aktion nicht wirklich von Erfolg gekrönt war. Vielleicht konnte man die Viecher irgendwie erschrecken, aber dann würden sie sie auf der anderen Seite gar nicht mehr in den Griff bekommen. Kurz überlegte sie, dem Guar wirklich einfach einen Tritt zu versetzen, aber das hatte er irgendwie nicht verdient, und wer wusste wie nachtragend er war. Stattdessen versuchte sie ihn mit etwas Anlauf an zuschieben, wodurch das Tier einen überraschten Satz nach vorn machte und schließlich im tiefer werdenden Wasser schwamm.
Durch ihren Schwung getragen platschte Dreveni allerdings direkt hinter dem Guar flach ins Wasser. "Verdammtes dummes Mistvieh, ersaufen sollst du.", schimpfte sie, als sie wieder auftauchte und sich das Wasser aus dem Gesicht wischte. Ihr war klar, dass sie schwimmen mussten, aber ganz untertauchen wollte sie dann doch nicht. Erynn sollte mit dem Guar jetzt allein fertig werden, dann blieb noch einer übrig, der bei Arranges noch am Ufer stand.
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Fossil
Erynn bekam einen Stoß gegen die Schulter, als Drevenis Guar einen reichlich uneleganten Satz nach vorne machte, aber es gelang ihr, die Zügel in der Hand zu behalten. Das Tier schnaubte weiterhin, aber es trat immerhin Wasser und sah nicht so aus, als würde es kurz vorm Untergehen stehen. Sie griff mit einer Hand unter den Backenriemen des Zaumzeugs und begann langsam vorwärts zu schwimmen. Der Guar, jetzt scheinbar einigermaßen davon überzeugt, daß ihm ohnehin nichts anderes übrigbleiben würde als zu folgen, fügte sich in sein Schicksal und schlängelte sich langsam, aber erstaunlich elegant durch das Wasser, wobei er seinen kräftigen Schwanz zum Vorwärtskommen benutzte. Der Kopf ragte bis knapp über die Nüstern aus dem Wasser, aber Sattel und Gepäck wurden hoffnungslos durchgeweicht. Na großartig…
Weiter dürften sie heute wohl nicht mehr kommen. Am anderen Ufer würden sie für den Rest des Tages damit beschäftigt sein ihre Ausrüstung zu trocknen und auszusortieren, was nicht mehr zu retten war. Nachdem das Vieh nun erstens schwamm und sich dabei zweitens sogar in die richtige Richtung bewegte, hatte Erynn einen Moment, sich zu ihren Begleitern umzusehen. Dreveni rappelte sich gerade wieder auf und fluchte wie ein Kesselflicker. Die Kriegerin wandte sich schnell wieder dem Guar zu, damit die Assassinin ihr Grinsen nicht sah, auch wenn ihr dadurch ein Blick auf Arranges’ Gesichtsausdruck verwehrt blieb. Dabei, so mußte sie zugeben, hätte sie den nur zu gerne gesehen.
Der Guar wuchtete sich hektisch aus dem Fluß heraus, sobald er wieder Grund unter den Füßen hatte, während Erynn weiterhin an seinem Zaum hing wie der buchstäbliche nasse Sack. Es gelang ihr gerade noch, ihre Hand unter dem Backenriemen hervorzuziehen, bevor der Guar sich ausgiebig schüttelte wie ein Straßenköter. Mit großen Augen blickte er sie vorwurfsvoll an, während die Kriegerin mindestens genauso vorwurfsvoll zurückschaute, nachdem sie sich die Wassertropfen aus den Augen geblinzelt hatte. Das stumme Zwiegespräch ergab keinen brauchbaren Kompromiß, und so wandte sich die Dunmer wieder dem anderen Ufer zu, wo Arranges, die ebenso wie sie pitschnasse Dreveni und der zweite, wenig begeisterte Guar standen. Sie würde sich einfach anschauen, wie die beiden anderen mit dem Biest klarkamen, beschloß sie...
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Legende
Arranges beäugte das Bemühen der beiden Dunkelelfen mit einem leicht spöttischen Grinsen auf dem Gesicht. Schwer zu sagen, wer nun dämlicher von denen ist, der Guar, der sich von zwei so unfähigen Weibern herumschubsen lässt oder die beiden Dunmer... Der Nekromant musste sich arg zusammenreissen, als der Guar dann doch einen plötzlichen Satz nach vorn ins Wasser tat und Dreveni daraufhin einen recht uneleganten Bauchplatscher präsentierte. Und sowas schimpft sich Assassinin... sogar ein dressierter Skamp hätte sich hier weniger dämlich angestellt. Erynn hatte es derweil geschafft, den Guar auf die andere Seite des Flusses zu befördern und schaute jetzt zu ihnen herüber.
Gut, dann werd ich mal vormachen, wie es einfacher gegangen wäre... Arranges drehte sich zu seinem Guar herum und blickte ihn einen Momant nachdenklich an, dann schwang er sich in den Sattel und nahm fest die Zügel in die Hände. Der Guar wusste nicht recht, was er davon halten sollte, lediglich die Tatsache, dass sein Reiter ihn wohl nicht mit vorsärtzlicher Gewalt dort ins Wasser buxieren wollte, rechnet er dem Kaiserlichen im Moment hoch an. Arranges packte währenddessen die Zügel nochmal fester und richtete den Blick konzentriert nach vorn. Ein Feueratronach trat plötzlich aus einer gleißend roten Kaskade hinter dem Reittier. Gerade so weit weg, dass er den Guar nicht verbrannte, aber noch so nahe, dass das Tier die plötzliche Hitze deutlich am Schwanz spüren konnte. Das Tier drehte erschrocken den Kopf nach hinten. Ein kehliges, aber deutlich ängstliches Knurren war zu hören und im nächsten Moment wurde Arranges auch schon arg durchgeschüttelt, als der Guar mit einigen gewaltigen Sätzen die Flucht nach vorn antrat, ohne jegliche Rücksicht an Dreveni vorbeipreschte und mit dem Magier im Sattel regelrecht durch den Fluss raste.
Das ganze Schauspiel dauerte nur wenige Augenblicke und Arranges musste grob an den Zügeln ziehen, um den Guar wieder unter seine Kontrolle zu bringen, als dieser auf der anderen Seite das doch recht steile Ufer hinaufhetzte. Nocht deutlich panisch schaute sich der Guar zum anderen Ufer um. Arranges hatte den Atronach längst wieder entlassen. Die Kreatur scharrte noch einige Male nervös mit ihren kräftigen Beinen in dem sandigen, grauen Grund, schien sich aber so weit wieder von dem Schrecken erholt zu haben.
Mit einem triumphierenden Grinsen stieg Arranges aus dem Sattel und gesellte sich zu Erynn um auf Dreveni zu warten.
'Naja, wenigstens kann man sich mit dir jetzt wieder halbwegs sehen lassen...' Nuschelte Arranges nach einem vielsagenden Blick auf Erynn und sein Grinsen wurde für einen Moment noch breiter.
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Drachentöter
Dreveni schüttelte nur stumm den Kopf, als Arranges den Atronach beschwor. Der Gedanke das Tier zu erschrecken, war ihr auch gekommen, allerdings war ihr dass dann doch zu riskant erschienen. Es machte auch den Eindruck, als hätte Arranges mehr Glück als Verstand gehabt, als er mitsamt dem Guar heil am anderen Ufer ankam. Dafür würde ihn das Tier jetzt vermutlich bis an sein Lebensende hassen.
Mürrisch sah Dreveni auf den Fluss, sie hatte jetzt nicht die geringste Lust zu schwimmen, obwohl sie sowieso schon komplett nass war. Irgendwann hatte sie sogar einmal einen Zauber gelernt, um über Wasser gehen zu können, und in der Schule der Veränderung war sie auch nicht schlecht, allein schon für Schlösser an Türen war das nützlich. Jetzt musste ihr das Ganze nur noch wieder einfallen. Sie ging kurz nachdenklich ein paar Schritte auf und ab, dann war sie sich sicher, dass ihr die Formel wieder eingefallen war. Würde das jetzt nicht funktionieren, wäre es absolut peinlich, dessen war sie sich bewusst. Sie hob die rechte Hand, murmelte ein paar Worte und wurde kurz in ein helles Leuchten gehüllt. Danach ging sie auf den Fluss zu und setzte prüfend einen Fuß ins Wasser. Sie sank nicht ein, stattdessen fühlte sich die Wasseroberfläche an wie fester nasser Sand am Ufer. Mit einem leicht triumphierenden Grinsen ging sie daraufhin ohne große Eile einfach über den Fluss.
Auf der anderen Seite löste sie den Zauber, und sie begannen, Holz für ein Feuer zu sammeln. Als es schließlich brannte, begann Dreveni, ihr Gepäck auszuräumen. Die Karte konnte man so ziemlich vergessen, die Tinte war verlaufen. Ihre Kleidung und die restlichen Sachen breitet sie auf den warmen Steinen zum trocknen aus, dann begann sie sich die Reste des Flusses aus den Haaren zu kämmen, das ein oder andere Blatt fand sie dabei doch.
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Fossil
Ostufer des Nabiaflusses, nahe Bal Ur
Nachdem Mensch, Mer und Tiere unbeschadet über den Fluß gekommen waren und sie ein Feuer entzündet hatten, schälte sich Erynn aus ihrer patschnassen Rüstung und betrachtete mißmutig das Leder. Am Feuer trocknen konnte sie die Teile nicht, ohne daß sie sich verziehen und brüchig werden würden. Einen Regenguß mochte das Material ohne weiteres wegstecken, aber für ein Vollbad war es schlicht und ergreifend nicht konzipiert.
Tatsächlich dauerte es recht lange, bis sie ihren Kram um das Feuer ausgebreitet und, soweit es möglich war, notdürftig trockengewischt hatten. Erynn sprach nicht viel dabei, wenngleich ihr der Verlust ihrer Karte nicht entgangen war. Großartig... Irgendwo im fremden Land, mit dürftiger Orientierung und du mittendrin, Erynn. Die Menge dessen, was sie abschreiben konnten, hielt sich jedoch in Grenzen. Hauptsächlich alles, was aus Papier war. Nach einiger Zeit schließlich gab es nichts mehr zu tun außer zu warten. Die Elfin legte sich auf den Rücken und genoß die Wärme, die von dem teils felsigen, teils aschestaubigen Boden ausging. Die Lava dicht unter der Oberfläche heizte den Grund auf und trieb ihr die klamme Nässe aus Kleidung und Knochen. Zwar würde sie später aussehen wie ein wandelnder Teil der Landschaft, aber sie wäre zumindest trocken und zudem gut getarnt, überlegte sie mit einem halben, selbstironischen Grinsen.
Die meiste Zeit über, während sie so dalag, starrte die Kriegerin gedankenversunken zu den Zinnen der merkwürdigen Ruine hinauf, dortin, wohin ihr Blick seit einiger Zeit immer wieder wanderte. Bal Ur... Was das wohl bedeuten mag? Es erinnert mich ein wenig an die Gebäude aus den Totenlanden, aber irgendwie... anders. Fest stand, daß die Architektur auf den ersten Blick nicht wirklich Sinn ergab. Die Teile der Anlage, die sie sehen konnte, schraubten sich wie verkrümmte Klauenfinger in den nachmittäglichen Himmel, schienen aber keinem anderen Zweck zu dienen als dem, einen befremdlichen Anschein zu erwecken. Erynn war bewußt, daß diese Steine schon seit Generationen aufeinanderstehen mußten, aber das Ganze wirkte, als würde es jeden Moment in sich zusammenstürzen oder hätte es, legte man die Regeln der Vernunft an, schon längst tun sollen.
Zwischenzeitlich schloß sie die Augen und lauschte auf die Geräusche um sich herum. Das Feuer aus den seltsam dürren, dornigen Ranken, die sie an einem der Hänge geschlagen hatten, knackte leise vor sich hin und verströmte einen würzigen, intensiven Geruch, der ein wenig beflügelnd wirkte. Die Guars hatten sich schnell wieder beruhigt, tappten mal hierhin, mal dorthin und kauten geräuschvoll an dürrem Gras oder ein paar Ästen, die sie im Bereich des Flußufers fanden. Alles in allem wirkte die ganze Szene sehr friedlich, aber Erynn fand keine Ruhe. Hier lag sie, am Fuße einer höchstwahrscheinlich daedrischen Ruine... so nah dran. Allein eine langgezogene Anhöhe trennte sie von der Anlage, die erschreckende, aber auch merkwürdig angenehme Erinnerungen an die Stunden weckte, die sie Mehrunes Dagons Reich verbracht hatte. Als sich die Sonne dem westlichen Horizont bereits weit genähert hatte, hielt sie es nicht mehr aus. Geschmeidig stand sie auf und begann, ihre Begleiter dabei ignorierend, die steile Anhöhe hinaufzuklettern, hinter der das Gemäuer lag. Wenigstens einen kurzen Blick wollte sie darauf werfen, und der Kamm oben dürfte sich als Beobachtungspunkt hervorragend eignen...
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Legende
Oha... sie kann zaubern? Und das sogar brauchbar... Für einen kurzen Moment empfand Arranges einen seltsamen Anflug von ehrlicher Sympathie für Dreveni. Allerdings war der nur sehr kurz andauernde Abgleich, den er im Geiste zu dem Bild tat, sehr viel unheimlicher. Die Dunmer schritt mit einer Eleganz und absoluter Unantastbarkeit übers Wasser, dass sich Arranges für den Bruchteil einer Sekunde an Torrah erinnert fühlte. Er schüttelte den Gedanken ab und sogleich folgte wieder Neid und Abneigung ihr gegenüber.
Er musste sich nicht groß aus- oder umziehen, bei dem Kaiserlichen waren lediglich die Beinkleider nass geworden und so setzte er sich einfach nur ans Feuer und hing seinen eigenen Hedanken nach. Plötzlich bemerkte er, wie Erynn aufstand. Er sah ihr mit recht skeptischem Blick hinterher. Was zum Teufel hat sie jetzt schon wieder vor? Der Nekromant konnte sich keinen wirklichen Reim darauf bilden, was die Dunmer da auf dem niedrigen Kamm jetzt wollte, auf den sie zuging.
Etwas schwerfällig erhob sich der Magier ebenfalls und wollte ihr hinterher. Er hatte gerade einen Schritt getan, als er sich etwas stutzig umblickte. Wo waren die Guare? Bis vor einigen Augenblicken standen die Tiere noch beieinander, nicht weit vom Feuer und scharrten friedlich im sandigen Grund. Es dauerte einen Moment, bis der Kaiserliche die beiden Geschöpfe etwas abseits, gedrängt nebeneinander stehen erspähte. Eigentlich war nichts besonderes dabei, würden die Augen der Kreaturen nicht Bände sprechen. Völlige Verängstigung sprach aus den hellblauen Augen der beiden. Arranges zuckte leicht erschrocken zusammen und blickte sich alarmiert um. Er wollte schon der Schützin nach und sie darauf hinweisen, dass irgendwas nicht ganz stimmte, aber weiter als bis zu diesem Gedanken kam er gar nicht.
Plötzlich hallten einige grobe Worte, gesprochen von zwei, mehr als rauhen Stimmen, aus der Ruine herüber. 'Verdammt!' Knurrte Arranges, aber ehe er die Hand auch nur auf den Schwertknauf legen konnte, wuchsen links und rechts von ihm zwei... Dinge aus dem Boden. Buchstäblich. Blut, Innereien, Knochen und Metallsplitter drangen aus dem von Asche bedeckten Erdreich und türmten sich von ganz allein zu zwei humanuiden Gestalten auf. Das Ergebnis waren zwei massige Kreaturen, welche die pure Pestilenz verströmten.Untote. Sie erinnerten mit etwas Phantasie an Zombies, waren allerdings kein Stück vermodert oder verwest, im Gegenteil, es hatte eher den Anschein, als wären es frische Leichen, denen man die Haut abgezogen hätte. Die reine Aggression sprang ihn aus ihren dunklen Augen an und die Haltung der Monster allein war Aussage genug darüber, dass schlicht und einfach das Böse die Gedanken, welche diese Geschöpfe lenkten, entstehen ließ.
Dann ging alles so schnell, dass der Nekromant unmöglich folgen konnte, so sehr war er von dieser absolut fremden Erscheinung eingenommen. Arranges war sich sicher, dass er Untote gegen sich hatte und wollte eigentlich tun, was er in solchen Fällen immer zu tun pflegte: Sie einfach zu vertreiben. Subtil, einfach, schnell. Aber ehe er die Hand zum Zauber heben konnte, begannen seine Ohren plötzlich zu dröhnen und es war ihm vom einen auf den anderen Moment einfach unmöglich, Magie zu fokusieren. Den Zauber, der in getroffen hatte, hatte er gar nicht kommen sehen und im nächsten Augenblick spürte er, wie seine Muskeln am ganzen Körper begannen zu schmerzen und zu brennen. Er versuchte noch dagegenzuhalten, aber nach einem weiteren Augenblick musste er dem plötzlich viel zu schweren Gewicht seiner Montur und Waffen nachgeben. Wie eine leblose, leere Hülle, sackte Arranges zusammen. Das... wars? Aber die beiden Kreaturen taten nichts weiter, als auf ihn herabzustarren.
Er hörte, wie sich Schritte näherten, er wollte schreihen, aber sogar um seine Zunge zu heben, fehlte ihm im Moment der Wille, auch wenn er es noch so sehr versuchte.
'Eh! Ihr da!' Eine weibliche Stimme, streng, aber nicht wirklich aggressiv, eher leicht wütend, erscholl. 'Ja genau, ihr!' Arranges hatte keine Ahnung, wer oder was, da mit wem auch immer, reden mochte. Seine Sinne schwanden ihm für einen kurzen Augenblick, als er die Lider wieder hob, stellte er fest, dass die beiden Untoten verschwunden waren,stattdessen stand nun eine Frau neben ihm - zumindest ging er davon aus, bei dem, was er erkennen konnte. Eine Dunmerin in einer Glasrüstung, im klassischen Stil Vvardenfells, so eine, wie sie auch Jurano besaß. Die Person deutete auf ihn und sprach in die Richtung, in die Erynn zuvor verschwunden war: 'Was fällt euch eigentlich ein, einen Gefangenen in voller Rüstung und mit Waffen hier herumspazieren zu lassen?' Gefangener?! 'Nichtmal gefesselt... Ich sollte euch, statt diesem hier, Molag Bal opfern... steht nicht so dummdämlich herum, bewegt euch her und seht zu, dass der N'wah den Weg nach unten zum Schrein findet!' Ihre Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass sie absolut meinte, was sie sagte. Opfern?! Völlige Verwirrung machte sich in dem Verstand des Kaiserlichen breit, aber dann schwanden ihm bereits wieder die Sinne...
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Fossil
[Dreveni]
Dreveni wunderte sich nur kurz, was Erynn vorhatte, sie selbst interessierte die Ruine auch, außerdem war das eine willkommene Gelegenheit, sich von Feryn und dem Traum abzulenken. Sie war etwas schneller als der Nekromant und folgte Erynn ebenso lautlos. Sie hatte den Kamm noch nicht ganz erreicht, da hörte sie ebenfalls die Stimmen. Aus Reflex griff sie zu ihrem Gürtel, aber ihre Waffen lagen alle ein paar Meter weiter unten am Feuer. Sie verfluchte sich selbst, sie stand wirklich noch neben sich, und versuchte herauszufinden, woher die Stimmen gekommen waren. Da wuchsen neben Arranges schon zwei Monster aus dem Boden. Eine bessere Bezeichnung fiel Dreveni dafür beim besten Willen nicht ein, die Kreaturen hatten etwas von Zombies, wirkten aber irgendwie frischer. Hektisch sah sie sich um, ob neben ihr und Erynn ebenfalls solche Kreaturen erscheinen würden, aber es blieb alles ruhig. Selbst Arranges sackte nur zusammen. Dreveni hatte damit gerechnet, dass sich die Monster sofort auf ihn stürzen würden, aber nichts weiter geschah, außer dass eine Dunmer zu dem Beschwörer trat. Als sie die nächsten Worte der Frau hörte, dämmerte Dreveni langsam, was in etwa hier los war.
Opfern? Arranges? Wunderbar. Was sollte sie jetzt tun? Ihr erster Impuls war zu tun, was die Dunmer von ihnen verlangte, allerdings durften sie nicht wirklich mit ihr reden, sonst würde sie schnell merken, dass Dreveni und Erynn nicht die waren, für die die Frau sie hielt. Außerdem wäre Erynn vermutlich nicht damit einverstanden, Arranges einfach zu opfern. Allerdings war das doch schon fast ein Wink des Schicksals... Fragend sah sie kurz zu Erynn während sie sich schon einmal langsam in Bewegung setzte. Sie wollte die andere nicht misstrauisch machen, und hoffte dass sich Erynn bald entscheiden würde, ob sie angreifen sollten oder nicht. Inzwischen näherte sie sich auch ihrem Bogen und dem Schwert, die nahe am Feuer lagen.
[Erynn]
Sie hielt inne, als sie eine ihr unbekannte Stimme hörte. Die dazugehörige Dunmerin sprach cyrodiilisch, und offenbar verwechselte sie die kleine Gruppe mit jemand anderem - was Glück im Unglück sein mochte, bedachte man die exotische und offensichtlich ausgezeichnete Glasrüstung, welche die Fremde trug, und ihre beiden widerwärtige Kreaturen, die Arranges zumindest vorübergehend gefechtsunfähig gemacht hatten. Die Biester waren wieder verschwunden, aber die Neun allein wußten, was diese Hexe noch aus dem Ärmel schütteln würde, sobald sie ihren Irrtum erkannte. Verflucht! Die Kriegerin schaute Dreveni an, die sich dem Augenschein nach nicht bemüßigt fühlte, das weitere Vorgehen zu entscheiden. Denk schnell, Erynn, denk schnell...
"Wir..." Erynn richtete sich auf und kam den Hang wieder herunter, trat zu dem Haufen, den ihre Waffen und Rüstung bildeten. "Es gab... eine Komplikation. Das vorbestimmte Opfer ist... nun, dieser Kaiserliche hier war jedenfalls nicht für rituelle Zwecke bestimmt. Das Opfer entschied, sich zur Wehr zu setzen und wurde im folgenden Gerangel getötet. Verzeiht uns, Sera..."
[Kultistin]
Der Mund der Dunmer verzog sich und nahm einen beinahe grausamen Zug an, wie das Gesicht im Gesamten wirken mochte, konnte man aufgrund des starren Halbvisiers nur erahnen. 'Was zum...? Was redet ihr da, Novize?!' Sie schaute wieder abfällig auf Arranges, der noch immer völlig unfähig sich zu bewegen, mehr oder weniger auf der Erde klebte und verpasste ihm einen Tritt in die Seite. Der Kaiserliche verzog nur leicht das Gesicht, während die Luft pfeifend aus seinen Lunge gepresst wurde. Zu sehr viel mehr war er schlicht nicht fähig. 'Das hier IST das vorbestimmte Opfer.' Die Dunmerin klang deutlich gereizt. 'Und jetzt nehmt ihm die Waffen ab, sammelt eure Ausrüstung ein und seht zu, dass er nach unten geschafft wird!' Abwartend blickte sie die beiden anderen Dunkelelfen durch das grüne Brillenvisier des Helms an.
[Dreveni]
Als Erynn sich endlich zum Handeln entschlossen hatte, tat sie in Drevenis Augen genau das Falsche. Sie sprach die andere nicht nur an, sondern erzählte ihr auch noch seltsame Geschichten, warum man Arranges nicht opfern sollte. Drevenis befürchtung, dass ihr egal war, welchen Kaiserlichen sie opferten, bestätigte sich dann auch gleich.
Dreveni wollte eigentlich nicht unbedingt nach unten in die Ruinen, wer wußte schon wieviele sich dort noch aufhielten. Erynn würde bestimmt einen Versuch starten Arranges zu retten, und Dreveni konnte sich da schlecht raushalten; und selbst wenn, würde sie vermutlich trotzdem ebenfalls Ziel der Angriffe werden.
Sie würde mit Erynn bald ein ernstes Wort über das Verhalten in solchen Situationen reden müssen, fast wäre ihr sogar Arranges lieber gewesen, der vermutlich ohne zu Zögern das Weib in Asche verwandelt hätte. Wenigstens ließ man ihnen ihre Waffen, und so begann Dreveni ihre Sachen zusammen zu packen.
[Erynn]
Erynn antwortete mit einem scheinbar unterwürfigen Nicken und griff nach ihren Waffen. Innerlich kochte sie, als sie sah, wie das verdammte Weib Arranges einen Tritt versetzte, aber es gelang ihr, einen unbeteiligten Gesichtsausdruck beizubehalten. Die Rüstung wieder anzulegen und so auf Zeit zu spielen, wagte sie nicht. Dann mußte sie eben aufpassen, daß sie selbst nicht getroffen wurde. Sie tauschte einen unmerklichen Blick mit Dreveni, war sich sicher, daß die Assassinin verstehen würde. Sie müßten schnell sein, bevor die Daedrapriesterin die Möglichkeit hatte, ein weiteres Mal diese scheußlichen Monster zu rufen.
Nur Augenblicke später jedoch sank ihr der Mut. Vier weitere Kultisten erschienen auf der Bildfläche, alle in langen, verzierten Roben und mit einer gewissen Ungeduld auf dem Gesicht. Scheinbar fragten sie sich, was die Frau in der Glasrüstung so lange aufhielt. Ein weiterer Blickwechsel mit Dreveni, und sie beide packten den Beschwörer bei den Armen und wuchteten ihn hoch. Zunächst blieb ihnen nichts anderes übrig als das Spiel mitzuspielen, bis sich eine Gelegenheit zu Kampf oder Flucht ergab.
[Kultistin]
'Na also, geht doch...' Sagte die Dunmer in der Vulkanglasrüstung und setzte sich dann in Bewegung, die beiden Dunmer folgten ihr mit Arranges. Ihr Weg führte sie direkt in die verwinkelten Mauern, mehr und mehr erinnerte der gesamte Eindruck an Mehrunes Dagons Reich und die Totenlande, nur, dass der Himmel nach wie vor seine normale Farbe behielt und es nicht wirklich heiß war oder wurde. Vor einer schief, ovalen und nichteinmal im Ansatz symmetrischen Tür, blieben sie stehen, die anderen Kultisten in den Roben schickten sich an, den Eingang, der sich selbst so dick wie eine Festungsmauer präsentierte, zu öffnen. In dem Gang dahinter war eine deutlich daedrische Architektur zu erkennen. Eine Treppe schraubte sich nach unten, schier endlos, bis sie schließlich in eine große Halle traten, die wohl so etwas wie ein Quartier für die Kultisten darstellte. Sie durchschritten den Raum und kamen dann über einige hundert Schritte durch einen naturbelassenen Gang. Plötzlich jedoch schlug ihnen eine gewaltige Hitze entgegen. Blutroter Feuerschein ließ erahnen, was sie sogleich erblicken würden. Nur einen Augenblick später bestätigte sich, was alle wohl gedacht haben mochten. Sie traten in eine gewaltige Höhle, deren Grund mit Magma gefüllt war. Ein schmaler Steg aus Felsen schraubte sich nach oben zu einer gemauerten Plattform, auf welcher die Statue von Molag Bal in typisch aggressiver Haltung zu sehen war.
'Da hoch, los, bewegt euch!' Erst hier wurde ersichtlich, dass die Dunmer in der schillernd grünen Rüstung wohl eher etwas wie eine Schreinwache war, denn nachdem sie diese Worte gesprochen hatte, postierte sie sich mit dem Blick in Richtung des Ganges und verharrte dort ohne eine weitere Regung. Die anderen Kultisten gingen ohne auf Erynn und Dreveni zu achten, nach oben zu der Statue des Daedras. Unter der Statue war teilweise ein großer Steinaltar zu erkennen, an welchem eine Vulkanglashellebarde lehnte, daneben stand eine Dunmer, in eine Robe gekleidet, die wohl deutlich für etwas, das man eine Hohepriesterin nennen konnte, stand.
-
Drachentöter
[Erynn]
Erynns Verstand arbeitete fieberhaft, während sie zusammen mit Dreveni den schlaffen Körper des Beschwörers auf die Ruine zu schleifte. Er war aufgrund des Panzerhemdes und all des Gelörres, das er am Gürtel trug recht schwer, aber zu zweit hatten sie trotzdem keine ernsthaften Probleme deshalb. Ihr fiel auf, daß sich zwei der berobten Gestalten links und Rechts des Eingangsportals zum Schrein positionierten. Vielleicht handelt es sich bei denen um Anwärter des Covens, die dem eigentlichen Ritual noch nicht beiwohnen dürfen. Seltsam nur, daß wir eingelassen werden, obwohl uns scheinbar niemand hier kennt... sinnierte sie. Möglicherweise sind die beiden auch einfach nur zufällig an der Reihe damit, Wache zu halten. Letztendlich war es auch völlig egal. Zwei Leute am Eingang bedeuteten zwei Leute weniger, die sie jetzt begleiteten. Nachdem sie eine gefühlte Ewigkeit Treppen heruntergestiegen waren, erreichten sie eine Halle, die anscheinend Wohn- und Schlafsaal für die Kultisten darstellte. Dort blieben die anderen beiden Robenträger zurück, aber die Schreinwächterin in der Vulkanglasrüstung hielt sich weiterhin dicht hinter ihnen, so daß weder Erynn noch Dreveni die Möglichkeit hatten zu sehen, ob es in der Rüstung irgendeine Schwachstelle gab, in der man in einem unbeobachteten Moment einen Dolch hätte versenken können.
Es wurde wärmer, je weiter sie gingen. Viel wärmer. Die Kriegerin fühlte sich wieder einmal an die Totenlande erinnert, umso mehr, als sie den inneren Schrein schließlich erreichten. Aus einem Lavasee erhob sich ein mächtiger, bearbeiteter Felsen, gekrönt von einer überlebensgroßen Statue des Daedrafürsten Molag Bal, dessen steinerner Blick den gesamten Raum beherrschte. Für einige Herzschläge lang stand Erynn wie erstarrt vor Faszination, dann jedoch schlug die Nervosität zu. Um den Altar vor der Statue herum hatten sich mehrere Kultisten gruppiert, fünf an der Zahl, davon eine in einer leuchtenden, offensichtlich unverschämt teuren Seidenrobe. Sie schien die Hohepriesterin zu sein, denn alle anderen hielten gebührenden Abstand von ihr, während sie irgendwelche Vorbereitungen trafen, Kerzen entzündeten, irgendwelche Kräuter verbrannten und dabei unverständliche Worte murmelten. Erynn hörte nicht, was sie sagten, aber sie sah, wie sich die Lippen der Männer und Frauen bewegten. Sie alle waren Elfen. Altmer und Dunmer. Der Widerschein des Feuersees auf ihren Gesichtern gab ihnen etwas archaisches, erinnerte an längst vergangene und halb vergessene Zeiten, in denen es die Mer waren, die Nirn mit eiserner Hand beherrschten.
„Da hoch, los, bewegt euch!“ Die Bogenschützin wurde aus ihren Gedanken gerissen. Verdammt, verdammt, verdammt! Was jetzt? Das sind zu viele, um sie bekämpfen zu können... aber ich werde sicherlich nicht daneben stehen und zusehen, wie diese Irren Arranges aufschlitzen. Lieber reiße ich so viele von denen mit in den Abgrund, wie ich nur kann! Sie spannte sich und schritt langsam auf den schmalen Steg zu, der den Absatz, auf dem sie jetzt standen, mit dem Allerheiligsten verband.
„Nicht dorthin, ihr hirnlosen Schläger“, blaffte die Vulkanglasfrau, mittlerweile offensichtlich genervt. „Da hinauf!“
Erynn wandte den Blick etwas unsicher nach rechts. Sie bemerkte einen kleinen Durchgang, hinter dem ein natürlich entstandener, unbearbeitete Gang lag, der leicht nach oben anstieg. „Wer hat euch beide eigentlich losgeschickt, das Opfer auszuwählen?“ Die Wächterin kam näher, ihr drohender Blick wechselte von Erynn zu Dreveni und zurück. „Ich solltet besser anfangen, dieses Ritual ernstzunehmen. Der Herr Molag Bal ist niemand, der Dummheit verzeiht. Eben sowenig wie ich. Und jetzt geht und entledigt diesen da endlich seiner Rüstung! Ich will, daß er zum Höhepunkt der Anrufung gewaschen und gesalbt zum Altar geführt wird... Keine weiteren Fehler!“ zischte sie und wandte sich ab, scheinbar um ihren Platz für den Ritus einzunehmen, irgendwo unterhalb der Statue.
[Dreveni]
Sie schleiften Arranges zwischen sich in die Ruine, während Dreveni krampfhaft überlegte, wie sie da wieder heraus kommen sollten. Erynn würde mit Sicherheit versuchen, den Magier zu befreien, vielleicht sogar wenn es absolut aussichtslos war. Dreveni selbst hatte kein größeres Problem, Arranges zu opfern, auch wenn er dieses mal komplett unschuldig an der Situation war. Dreveni hatte die Dunmer auch nicht bemerkt. Aber es ergab für sie trotzdem keinen Sinn, wenn sich bei einem Befreiungsversuch sie beide auch noch opferten, und im Moment waren die anderen einfach in der Überzahl. Im Inneren der Ruine wurde es immer wärmer, je tiefer sie kamen. Schließlich kamen sie zur Quelle der Wärme, und anscheinend auch dem Schrein dieser Kultisten. Drevenis Gesichtszüge entgleisten für ein paar Sekunden, als sie sah, dass sich hier noch mehr Kultisten aufhielten, und ihre Chancen, das alles noch zu einem halbwegs gutem Ende zu bringen, gegen Null sanken. Als sie schließlich von der Dunmer in der Glasrüstung angeschnauzt wurden, sah Dreveni nur betreten zu Boden. Sie hatte längst fest gestellt, dass es keinen Schwachpunkt in der Rüstung gab, und so beschloss sie mitzuspielen so gut es ging. Auch wenn sie sich bei den letzten Worten ernsthaft ein Grinsen verkneifen musste. Arranges zu waschen, zu salben und dann zu opfern wäre wirklich ein schöner Gedanke.
Als sich die Dunmer abwandte, hielt sie mit Arranges im Schlepptau auf den Durchgang zu, worauf Erynn ihr folgte, ihr blieb auch kaum etwas übrig, wollte sie den Magier nicht fallen lassen. Dieser wirkte noch immer komplett weg getreten und nicht handlungsfähig. Nachdem der Gang eine scharfe Rechtskurve gemacht hatte, endete er in einem kleinen Raum. Dort stand eine Liege, sowie Krüge und Schalen mit Wasser, auf einem Stapel lagen weiße Leinentücher. Auf einem kleinen Tisch sah Dreveni noch Schüsseln die Cremes und Kräuter enthielten. Außerdem hing eine weite, weiße Robe an der Wand, diese sollte wohl dem Opfer als letztes Hemd dienen. Das ganze wurde etwas spärlich von Kerzen erhellt. Einen zweiten Ausgang gab es leider nicht. Sie legten Arranges vorsichtig auf den Boden, dann trat Dreveni dicht an Erynn und sagte leise zu ihr: "Und jetzt? Da draußen sind definitiv zu viele für einen offenen Kampf. Das wäre Selbstmord, und Arranges müsste am Schluss doch drann glauben. Ich wüsste auch nicht, wie man sie ablenken könnte, um an ihnen vorbei zu kommen." Abwartend sah sie Erynn an, obwohl ihr bewusst war, dass die andere Arranges vermutlich nicht im Stich lassen würde. Verflucht.
[Erynn]
Erynn warf Dreveni einen schiefen Blick zu, schaute dann auf Arranges herab, der zwar unfähig war sich großartig zu bewegen, ansonsten aber bei vollem Bewußtsein zu sein schien. Dann wandte sie sich ab und schlich den kurzen Gang zur Haupthalle wieder herunter, spähte vorsichtig um die Ecke. Die Kultisten hatten sich in einem Halbkreis um die Statue herum versammelt, die Gesichter dem steinernen Abbild zugewandt. Die hochelfische Hohepriesterin stand aufrecht, eine tönerne Schale in den hochgereckten Händen, während die übrigen Teilnehmer des Rituals knieend zu beiden Seiten des Altars verharrten. Die Hochelfin stimmte einen langsamen Singsang in einer Eynn unbekannten Sprache an, der auffallend dissonant klang. Die Worte kamen abgehackt, halb gesungen, halb geschrien und mit fanatischer Inbrunst ausgestoßen. Die Bogenschützin zog sich wieder zurück.
"Wie wir hier rauskommen?" reagierte sie stark verspätet auf Drevenis Frage, als sie die Kammer wieder erreicht hatte. "Genau so, wie wir hier reingekommen sind. Die Kultisten befinden sich alle auf dieser kleinen Insel in dem Lavasee, dort wo die Statue steht. Wenn wir uns im Schatten direkt an der Wand halten, können wir es aus dem inneren Schrein heraus schaffen. In der Halle davor sind zwei von diesen Kuttenträgern zurückgeblieben, am Ausgang der Anlage noch einmal zwei. Wir beide können die Gestalten still erledigen, bevor sie überhaupt merken, was los ist." Sie warf der Assassinin einen fast flehenden Blick zu. "Bitte, Dreveni. Wer sagt denn, daß wir zwei lebend hier rauskommen, selbst wenn wir... selbst wenn das Ritual wie geplant über die Bühne geht? Wir wissen gar nicht, was wir tun müssen. Diese Wächterin ist ohnehin schon mißtrauisch. Was glaubt Ihr, wird die mit uns machen wenn sie herausfindet, daß wir eigentlich gar keine Ahnung von all dem hier haben?"
[Dreveni]
Sie hörte Erynn zu, und musste ihr soweit zustimmen. Allerdings standen ihre Chancen ohne Arranges deutlich besser. "Je eher wir hier raus sind, desto besser, da muss ich euch Recht geben. Allerdings muss ich auch ganz offen sagen, dass unsere Chancen ohne ihn größer sind." Dabei deutete sie auf Arranges. Sie sah allerdings auch ein, dass das kein Punkt war, über den sie mit Erynn jetzt diskutieren konnte, wer wusste wie viel Zeit ihnen blieb. Sie kniete sich vor Arranges, nahm seinen Kopf ihn ihre Hände und drehte ihn so, dass sie ihm in die Augen sehen konnte. Obwohl sie nicht wusste, in wie weit er sie verstehen würde, sagte sie leise und eindringlich: "Arranges, wenn ihr hier lebend raus wollt, seid einfach einmal in eurem Leben still bis wir hier draußen sind und zickt nicht rum." Dazu sollte er zwar kaum in der Lage sein, aber sie wusste auch nicht, wie lang dieser Zauber wirken würde. Dann nahm sie ihn mit Erynn zusammen wieder in ihre Mitte und bewegten sich auf die Höhle zu. Die Kultisten befanden sich immer noch im Gebet um die Statue, so dass sie es tatsächlich schaffen konnte. Den Gesang so weit wie möglich ignorierend ging Dreveni leise an der Wand entlang. Inzwischen hatten sie Arranges an Armen und Beinen zwischen sich genommen, aus Angst die Kultisten könnten die Schleifgeräusche hören. Diese Befürchtungen waren allerdings unbegründet, als sie den Gang erreichten, der zu den Schlafgemächern führte, waren die Anhänger Molag Bals immer noch in ihr Gebet versunken und knieten vor der Statue.
In einer Kurve des Ganges legten sie Arranges ab, da sich vor ihnen zwei Dunmer befinden mussten. "Wir müssen beide gleichzeitig erwischen", sagte sie flüsternd zu Erynn, "Ich hoffe wir erwischen sie noch aus dem Gang heraus mit dem Bogen." Dreveni hatte natürlich nicht ihre komplette Ausrüstung mitgenommen, ein Teil lag noch bei den Guars, aber wenigstens ihre Waffen.
[Arranges]
Der Kaiserliche bekam nur die Hälfte mit. Er hatte zwar wohl die Augen geöffnet, hörte und sah recht deutlich, aber nur die Hälfte dieser Informationen drangen bis in sein Bewusstsein vor. Er stemmte sich vielmehr noch gegen die Magie, die ihn so sehr einschränkte und an ihm hing, wie Scheisse an der Stiefelsohle. Sie fesselte ihn regelrecht und Arranges wusste nur zu gut um ihre Wirkung bescheid, schließlich wandte er selbst diesen Zauber nur zu oft an. Allerdings hielt die Wirkung, selbst nach dem Ableben der beiden Kreaturen. Und das konnte nur eins bedeuten. Der Kaiserliche schüttelte sich innerlich, als ihm klar wurde, dass hier kein einfacher Zauber auf ihn einwirkte, sondern ein brachialer Fluch, der sich so lange halten würde, bis er einen Geistlichen oder Schrein aufsuchen würde, der den Bann brechen können würde. Er selbst hatte von Flüchen nur grundlegende Ahnung, war es doch nie sein tatsächliches Fachgebiet gewesen.
Dreveni riss ihn plötzlich aus seinen Gedanken. Ihre Worte drangen nur langsam zu ihm durch. Blödes Weib... was soll ich denn bitteschön machen können?! Er hätte diese Worte am liebsten herausgebrüllt, aber sogar um seine Zunge zu heben war er zumindest in diesem Moment zu schwach, es reichte lediglich für einen zähen Lidschlag und ein trockenes Glucksen. Dann spürte er, wie ihn die beiden Elfen hoch hoben und wegschleiften. Für einen kurzen Moment schwanden ihm die Sinne, als er wieder sehen und hören konnte, waren sie bereits heraus aus der inneren Schreinkammer...
[Erynn]
Erynn atmete ein wenig auf, als sie das Allerheiligste hinter sich ließen und sich in den gewundenen Gang stahlen, der dieses mit der Wohnhalle verband. Die erste Etappe war geschafft. Arranges reagierte nicht, als sie ihn im Schatten dicht an der Wand zu Boden gleiten ließen, und das machte Erynn Sorgen. Was für ein Zauber hatte den Beschwörer da bloß erwischt?
Drevenis Worte lenkten ihre Aufmerksamkeit wieder auf das vordringliche Problem, und sie griff leise nach ihrem Bogen und legte einen Pfeil auf die Sehne. Hatten die beiden Dunmerinnen schon mit Arranges im Schlepp nicht allzu viel Lärm gemacht, so hörte man jetzt keinen Laut, als sie sich langsam und umsichtig vorwärts schoben, bis sie in den großen Saal spähen konnten. Sie entdeckten die beiden Gestalten recht schnell. Sie nahmen ihre Aufgabe offenbar ernst und standen wachsam, allerdings war diese Wachsamkeit ausschließlich in genau die andere Richtung gerichtet als jene, aus der Erynn und Dreveni jetzt kamen. Die Bogenschützin gab ein Handzeichen: Ich die Linke, du den Rechten. Dreveni nickte zur Bestätigung und beide Frauen hoben ihre Bögen und legten an. Eine kurze Distanz, vielleicht zehn Schritte. Unmöglich zu verfehlen. Neben Erynn nickte die Assassinin unmerklich, woraufhin Erynn die Sehne fahren ließ. Beide Pfeile fanden nahezu zeitgleich ihr Ziel, Erynns durchschlug den Hals ihres Opfers, Dreveni hatte auf das Herz gezielt und getroffen. Die zwei Dunmer vor ihnen gaben kaum einen Laut von sich als sie, tödlich verwundet, zu Boden sanken. Erynn spürte Widerwillen in sich aufwallen, es gefiel ihr noch immer ganz und gar nicht, irgendwelche Leute abschießen zu müssen. Dann schob sie das Gefühl beiseite. Welche Wahl hatten sie schon?
"Weiter", flüsterte sie der Assassinin zu und schlich zurück in den gewundenen Gang, um Arranges einzusammeln.
[Dreveni]
Als sie die ersten zwei Wachen erledigten, lief alles glatt. Die beiden waren tot, bevor sie überhaupt merkten, was passierte, mit einem Angriff aus dem Schrein schienen sie nicht gerechnet zu haben. Sie holten Arranges, trugen ihn aber nicht sondern schleiften ihn wieder in ihrer Mitte über den Boden. Ganz so leise mussten sie jetzt auch nicht mehr sein, die anderen beiden Wächter sollten draussen stehen. Das war auch gut, denn es war ausgesprochen mühsam, den Magier die Stufen hinauf zu ziehen, da er zwischen ihnen wie ein nasser Sack hing. Ausserdem saß ihnen immer der Gedanke im Nacken, dass die Kultisten früher oder später merken würden, dass ihr Opfer verschwunden waren, und so beeilten sie sich. Kurz vor der Tür nach draussen in die Freiheit hielten sie kurz an, legten Arranges ab und warteten ein paar Sekunden, um wieder zu Atem zu kommen. Dreveni legte den Bogen ab, nahm den Dolch in die Hand, ihr Schwert hing inzwischen wieder an ihrem Gürtel und sah kurz zu Erynn. Mit dem Bogen brauchten sie nicht anfangen, so blieb ihnen eigentlich nur eine Möglichkeit: Die beiden Flügel der Tür aufzuziehen und zu hoffen, dass die Wachen dicht davor und mit dem Rücken zu ihnen standen. Erynn schien das ähnlich zu sehen, sie nickte ihr nur in stummen Einverständnis zu.
Sie gingen beide die letzten Meter auf die Tür zu, zogen die Türflügel auf und hatten tatsächlich Glück. Dreveni hatte schon halb befürchtet, sie würden an der Tür lehnen und ihnen entgegenfallen, aber sie standen nur einen knappen Meter vor ihnen. Blitzschnell umfasste Dreveni eine der Wachen von hinten und stieß ihr den Dolch in den ungeschützten Hals, seitlich behinderte sie der Kragen seiner Rüstung. Er gab noch ein paar gurgelnde Laute von sich, Blut quoll aus seinem Mund und lief über ihre Hand, dann sackte er zusammen. Sie fing ihn auf, so gut es ging und ließ ihn langsam zu Boden. Dann fand sie Zeit, zu Erynn zu sehen, allerdings nahm sie an dass alles glatt gelaufen war, da sie von dem anderen Wachmann nichts gehört hatte.
[Erynn]
Bevor sich Erynn zu Dreveni an das Portal gesellte, zog sie ihren Dolch aus dem Stiefel und nahm ihn fest in die rechte Hand. Es würde häßlich werden, das wußte sie jetzt schon. Mit einem Ruck zogen sie die Torflügel auf, und sie stürzte neben Dreveni aus dem Eingang, hob ihren Dolch über Schulterhöhe und hackte nach dem Wachposten, der ihr am Nächsten stand. Der Kerl mußte sie gehört haben, denn er drehte sich im selben Augenblick zu ihr herum. Die kurze Klinge, welche die Halsschlagader hatte treffen sollen, glitt am Kieferknochen des Wächters ab und führ mit einem dumpfen Geräusch in die Halskrause seiner Netchlederrüstung, die er unter der Robe trug. Er schien jedoch viel zu überrascht über den plötzlichen Angriff aus unerwarteter Richtung, als daß er großartig hätte reagieren können. Erynn riß den Dolch zurück, stach ein weiteres Mal zu. Diesesmal traf sie. Ein Schwall hellrotes Blut spritzte ihr ins Gesicht, bevor sie den Dunkelelfen von sich stoßen konnte. Angewidert wischte sie sich über die Augen, rannte gemeinsam mit Dreveni zurück in die Ruine und wuchtete sich den Beschwörer ein letztes Mal auf den Rücken.
Jetzt gaben sie sich keinerlei Mühe mehr leise zu sein, rannten so schnell sie es mit ihrer Last vermochten durch den Irrgarten aus Mauern, Säulen und herabgestürzten Steinblöcken, welche den Schrein säumten, den ganzen Weg zurück zum Flußufer, wo ihre Guars treu auf sie warteten. Die beiden Frauen hielten sich nicht mehr lange auf, zerrten den Magier auf das Packgestell des einen Guars und verschnürten ihn dort, damit er nicht herunterfallen konnte. In Windeseile folgte die Ausrüstung, welche sie früher am Tag zum Trocknen ausgelegt hatten. Wohin? Nach Suran konnten sie nicht; die Guars wieder über das Wasser bringen zu wollen, würde zu viel Zeit kosten. "Weiter nach Osten, in die Aschewüste hinein", rief sie Dreveni zu und gab sich damit gleichzeitig die Antwort auf ihre eigene Frage. Wohin sie dieser Pfad letztendlich genau führen wurde, wußte sie ebensowenig wie die Assassinin, zumal ihre einzige Karte die Flußdurchquerung nicht überlebt hatte. Aber das war erstmal zweitrangig. Sie alle waren lebendig und hatten es bis zu ihren Reittieren geschafft. Nur weg von hier, lautete jetzt die Devise. Erynn trieb den Guar an und versetzte ihm mit der flachen Hand einen Schlag auf die Flanke, gab ihm die Zügel und ließ ihn laufen, hinein in die vom Licht der Monde beschienene graue Einöde.
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Legende
Molag Amur
Arranges sah im Augenwinkel noch die Tür, welche aus dem Schrein herausführte, als er abgelegt wurde. Er spürte den kalten Stein und noch bevor die beiden Dunmer wieder zurückkamen, wurde er abermals von ausnahmsloser Schwärze umfangen...
Grobes Holpern und unangenehm harte Stöße im Nacken rissen Arranges viel zu plötzlich aus seiner Ohnmacht. Zu seiner Überraschung war er jedoch nach zweimaligem Blinzeln im Gegensatz zu davor, bei vollem Bewusstsein und nahm alles wieder ganz normal wahr. Der von dem Fluch ausgelöste, üble Muskelschwund war jedoch nach wie vor da. Verdammt! Insgeheim hatte sich Arranges noch gewünscht, dass er sich vielleicht getäuscht hatte und das doch nur ein normaler Zerstörungszauber gewesen war. Er hatte keine Ahnung, wie lange sie unterwegs gewesen sein mochten, aber als er unter größter Anstrengung den Kopf drehte, konnte er erkennen, dass nach der Laufrichtung der Tiere, rechts von ihnen der Morgen zaghaft heraufdämmerte. Moment! Rechts? Verdammt nochmal, wir... sind in die komplett falsche Richtung unterwegs... Arranges hatte die Karte nicht genau im Kopf, aber die grobe Route, mit den markanteren Landmarken wusste er noch und demnach lag Molag Mar in ziemlich genau südöstlicher Richtung, nach Telasero, einer alten dunmerischen Festung, wie er sich ziemlich sicher zu erinnern glaubte.
Zunächst brachte er kaum mehr als ein Krächzen zu stande, aber nach einigen Augenblicken, äußerte sich sein Missmut in einem wütenden, wenn auch heiseren, aber trotzdem sehr durchdringenden: 'STOOOP!'
Viel mehr als das blieb ihm kaum, der Fluch sorgte dafür, dass Arranges von seinem eigenen Kettenpanzer buchstäblich an den Guar geheftet wurde, ohne, dass er auch nur den Hauch einer Chace hatte, sich irgendwie hoch zustemme...
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