-
Fossil
[Erynn]
Dreveni hatte die feindlichen Kampfmagier schneller entdeckt als Erynn. Sie sah einen der vier zauberer stürzen, vom Pfeil der Assassinin getroffen, und verlor die übrigen drei dann wieder aus den Augen, als sie rasch in Deckung gingen. Die Kriegerin konzentrierte sich stattdessen darauf, auf die vom Ketsch nachfolgenden Korsaren zu halten, wobei es nicht mehr viele waren. Für einen Moment blieb sie unschlüssig. Mitten in das Getümmel aus fechtenden Seeleuten an der Reling schießen konnte sie schlecht, aber sie hatte auch keine große Lust, sich mit dem Schwert in das wilde Gehacke zu stürzen. Freund war von Feind kaum zu unterscheiden, wenngleich sie glaubte, mindestens eine Beschwörung in dem Knäuel aus Leibern ausmachen zu können. Im Stillen hoffte sie, daß sich Arranges, der vermutlich für das Gerippe verantwortlich war, sich wenigstens ein wenig zurückhielt und es seiner Kreatur überließ, die Säbelhiebe auf sich zu ziehen.
Die Entscheidung, ob sie sich in den Nahkampf stürzen sollte oder nicht wurde der Elfin schließlich abgenommen, als das Schiff unter einem besonders heftigen Einschlag regelrecht bockte und sie das Gleichgewicht verlor und der Länge nach auf das Deck schlug. Geistesgegenwärtig hielt sie ihre Finger um den Griff des Bogens geschlossen, während sie entsetzt das Knarren und Quietschen von zu stark beanspruchem Holz wahrnahm, als sich das große Schiff langsam, aber unaufhaltsam ein gutes Stück zur Seite neigte. Es roch nach Feuer.
Die Dunmer wuchtete sich auf die Knie hoch und blickte wild um sich. Die Masse der Kämpfenden war zu einem guten Dutzend zusammengeschrumpft, wobei sie nicht ausmachen konnte, wer davon zu den eigenen Leuten gehörte und wer zu den Gegnern. Kampfzauber zerrissen jetzt unablässig die Luft, bis ein letzter, hellgleißender Feuersturm das Korsarenschiff mit brutaler Wucht durchschlug. Es bäumte sich auf wie ein waidwundes, sterbendes Tier. Erynn schlug unwillkürlich die Hände über die Ohren, als der Lärm, den seine berstenden Planken verursachten, unerträglich wurde...
[Dreveni]
Sie wollte gerade auf die anderen Magier anlegen, da begann das Chaos so richtig, als ihr Schiff von einem riesigen Feuerball getroffen wurde. Dreveni ging es nicht viel anders als Erynn, auch sie stürzte zu Boden, konnte in dem Durcheinander aber noch ausmachen, wie Arranges die letzten Magier ausschaltete, und - sie traute ihren Augen kaum - das bis jetzt noch unbeschädigte Schiff der Korsaren versenkte. Noch schwamm es zwar, aber Dreveni konnte eindeutig sehen wo der Strahl einschlug und von wem er ausgegangen war. Nach einem kurzen Rundblick stellte sie fest, dass sowohl von der Besatzung des Linienschiffes keiner mehr am Leben war, jedenfalls nicht mehr lange, als auch von ihren Gegnern.
Das Linienschiff hatte inzwischen ziemliche Schlagseite, und es war absehbar, dass es bald versunken sein würde.
Ich bring ihn um... Mit diesem Gedanken zog sie ihren Dolch und stürzte sich auf Arranges, was ihr trotz der Schlagseite des Schiffes noch relativ zielsicher gelang. Bevor der Beschwörer überhaupt noch wußte wie ihm geschah, drückte in Dreveni auf die Planken und hielt ihm den Dolch an den Hals. Dass Arranges bei dem Gefecht verletzt worden war, merkte sie zwar, interessierte sie aber nicht einmal am Rande.
"Ich hoffe ihr habt eine verdammt gute Erklärung dafür, warum ihr das andere Schiff versenkt habt.", zischte sie ihm zu, wobei blanker Hass in ihren Augen stand. Dreveni verlor nicht oft dermaßen die Beherrschung. Auch wenn es auf Aussenstehende manchmal so wirken konnte, hatte sie sich doch meistens noch im Griff. Dieses Mal reichte es ihr allerdings. Würde der Beschwörer nur eine falsche Bewegung machen, würde sie ihm die Kehle durchschneiden. Eigentlich hatte sie gut Lust, ihm die Kehle so oder so durchzuschneiden, und wenn es das letzte war, was sie in diesem Leben tun würde. Wie konnte es dieser kleine Choleriker nur wagen, einfach das Schiff zu zerstören, auf dem sich aller Wahrscheinlichkeit nach keine Bewaffneten mehr aufhielten? Dachte dieser nichtsnutzige Mensch wenigstens einmal in seinem armseligen kurzem Leben nach, bevor er etwas tat?
[Arranges]
Was zum Teufel? Arranges wollte das Schiff zwar versenken, aber so viel grobe Magie hatte er nicht in den Zauber gelegt. Etwas verwirrd schaute er auf seine Hände, als stünde dort die Antwort darauf, woher das plötzliche aber kurze Gefühl kam, dass die Feuermagie seine Arme zu zerreissen schien, als das Feuer seine Hände verlassen hatte... Und plötzlich fand sich der Kaiserliche auf den Planken wieder, mit einer Klinge an der Kehle und Dreveni über sich. Die Dunmer hatte zielsicher die Schwachstelle zwischen Helm und Krause der beschworenen Rüstung gefunden. Für einen Moment völlig sprachlos blickte er nur in ihr Gesicht, bevor er sich kurz darauf wieder gefangen hatte. Die Position des Lichs auslotend, hatte er bereits auch einen Zauberspruch auf den Lippen. 'Dreveni!' knurrte er, 'Wenn ihr nicht sofort von mir runtergeht, werdet ihr dem Schiff in den nächsten Sekunden auf dem gleichen Weg ins Jenseits folgen!'
[Erynn]
Erynn machte sich nicht einmal mehr die Mühe, entnervt die Augen zu verdrehen. Sich aufführen wie zwei Bettler, die sich um eine Pulle Schwarzgebrannten schlugen, aber ihr sagen wollen, was sie zu tun hatte...
Sie trat mit schnellen Schritten von hinten an Dreveni heran, packte in deren lange, dunkle Haare und riß sie grob von dem Kaiserlichen herunter. "Hat dir im Kampf irgendwer vor den Kopf geschlagen, du blöde Kuh?" fauchte sie ungehalten, als die Assassinin etwas verdutzt zu ihr aufsah. Sie hörte, wie Arranges sich hinter ihr regte, behielt die Andere jedoch fest im Blick. "Über die Vorgehensweise können wir später noch diskutieren, jetzt haben erstmal andere Dinge Vorrang. Man sollte meinen, so abgebrüht wie ihr beide zu sein glaubt, wäre euch das schon selbst aufgefallen." Erynns Kopf ruckte zu dem Beschwörer herum. "Halt die Klappe", spie sie, bevor er eine Gelegenheit zur Erwiederung bekam, dann trat sie einen Schritt zurück und wandte sich an beide Kindsköpfe. "Ist euch hier irgendwo ein Landungsboot oder etwas ähnliches aufgefallen, mit dem wir von hier verschwinden können?"
[Dreveni]
Arranges hatte immer noch nichts besseres zu tun, als leere Drohungen auszusprechen. Wenn er ihr nicht glaubte, dann würde er eben seinen Tod nicht kommen sehen, das machte ohnehin mehr Spaß. Dreveni jedenfalls, ihren Opfern vermutlich weniger. Und die zwei Sekunden um ihm die Kehle durchzuschneiden, hatte sie auf jeden Fall noch. Gerade als sie ansetzte, dem Leben des Beschwörers ein Ende zu bereiten, wurde sie grob von hinten an den Haaren gezogen und hörte Erynn etwas sagen. Dreveni hatte schon die Hand erhoben um der anderen ins Gesicht zu schlagen, da sie nur etwas von blöder Kuh verstanden hatte, besann sich aber gerade noch, auch wenn ihr das sichtlich schwer fiel. "Hätte dieser Volltrottel nicht das andere Schiff zerstört, hätten wir jetzt keine Probleme.", fauchte sie Erynn an. Langsam fing sie sich wieder, auch wenn sie immer noch bedauerte, dass Erynn so schnell dazwischen gegangen war.
Sie sah sich nach Rettungsbooten um, allerdings hatte das Schiff schon ziemlich Schlagseite, und es war ungewiss, ob man Rettungsboote überhaupt noch heil ins Wasser bringen konnte. Da entdeckte sie an der Seite die näher am Wasser war ein kleines Ruderboot, auf das sie wortlos deutete. Den Dolch hielt sie immer noch in der Hand, wenn auch gesenkt. Eine falsche Bewegung von Arranges, und er hätte heute doch noch seinen letzten Tag erlebt.
[Arranges]
Arranges bemerkte mehr, als er sah, wie Dreveni plötzlich von ihm heruntergezerrt wurde. Erynns Stimme erklang, aber wirklich viel konnte er nicht verstehen. Er hielt den Lich noch immer zurück. Die Kreatur musste irgendwo hinter ihm stehen und nur darauf warten, jene vernichten zu dürfen, die ihren Meister angegriffen hatten... 'Verdammte Scheisse!' Fluchte der Magier, während er sich mühsam mit einem Arm hochstemmte. Dreveni und Erynn standen bereits wieder. Als der Blick des Beschwörers auf die Meuchlerin traf, sah er die ganze Gestalt plötzlich für einen Moment nur noch durch einen roten Vorhang. Ich muss sie umbringen... töten... zerfleischen... Ein mit sehr viel mehr als gutem Willen und gezwungener Beherrschung, geführter Wink über die Schulter, ohne, dass er sich umsah, entließ den Lich. Dann leuchtete sein gesunder Arm grün auf. Aber er warf den Zauber nicht, hielt ihn nur im Anschlag. 'Wie wärs, wenn ich ersteinmal meinen Arm schiene... am besten mit den Rippen aus dem Brustkorb dieser vielleicht fünftklassigen Assassinin.' Er sah Erynn kurz in die Augen und sein Blick gab ihr unmissverständlich zu verstehen, dass sie ebenfalls ein hässliches Schicksal zu erleiden hatte, wenn sie jetzt auch nur zu sehr in seine Richtung starrte, dann sah er hasserfüllt zu Dreveni...
[Erynn]
"Du beeilst dich besser damit", gab Erynn kalt zurück. Sie war wirklich mit ihren Ideen am Ende, wie sie ihre kleine Gruppe irgendwie zusammenhalten sollte. Das was die beiden hier aufführten, war ihr so völlig fremd in hatte keinen Platz in ihrer Auffassung davon, wie man eine Mission anging. Wenn die beiden sich nicht mochten, warum konzentrierten sie sich nicht einfach auf die gemeinsamkeit, sprich das Ziel? So, wie es jetzt lief, mußten sie fast zwangsläufig daran scheitern, den Argonier zu finden. "Dieser Kahn bewegt sich keine paar Schritte mehr, außer vielleicht abwärts. Bevor es so weit ist, sollten wir dringend ein ganzes Stück weit weg sein." Sie ließ den Blick über das Deck schweifen, auf der Suche nach Überlebenden oder zumindest etwas Bauchbarem. Im ersten Moment fiel ihr nichts auf, und die Elfin wandte sich wieder zu ihren Begleitern um. "Wenn ihr dann also damit fertig seid, euch gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, könnten wir jetzt vielleicht anfangen etwas Zielführendes zu tun?" fragte sie süffisant.
[Dreveni]
Dreveni entschloss sich, Arranges vorerst wieder zu ignorieren und wandte sich ebenso süffisant an Erynn: "Und wenn ihr endlich damit fertig seid, mich zu ignorieren, wäre euch vielleicht auch das Beiboot aufgefallen, auf dass ich gerade gedeutet habe." Danach sah sie sich um. Das Schiff lag deutlich schief, aber sie würden noch etwas Zeit haben, bis das Deck mit einer Seite ins Wasser tauchte, wenn das Schiff mit der gleichen Geschwindigkeit voll lief, wie bisher. Allerdings war Dreveni noch nie mit einem Schiff gesunken, also waren das alles nur Vermutungen.
[Arranges]
Ich werde den... Vertrag mit Dreveni ändern müssen... die Belohnung setzt sich nicht mehr länger aus Septimen zusammen... ich werd sie einfach zusammen mit dem ekelhaften Molch töten... Arranges löste den Zauber wieder auf, ebenso die Rüstung. Erst, als die stützende Wirkung der gerufenen Armschiene aus massiver Platte veschwunden war, spürte er wieder einen leichten Druck auf dem Arm, der jetzt nur noch von der Armschiene aus Leder gehalten wurde. Ungeschient konnte der Arm nicht bleiben, aber mit einer provisorischen Schiene und ein wenig von einem Heiltrank sollte die ganze Sache recht schnell wieder heil sein. Arranges überelgte einen Moment. Der Bruch war weder verschoben, noch gesplittert. Letzteres hätte sich durch grobe Schmerzen bemerkbar gemacht... Die Lederarmschiene saß locker genug... Arranges blickte auf den Boden vor sich und suchte nach einem geeigneten Holzssplitter, den er zwischen Arm und Leder schieben konnte. Nach einigen Augenblicken wurde er fündig. Es dauerte auch nur wenige Herzschläge, bis er den recht flachen Holzkeil so eingeführt hatte, dass das Leder genug Spannung aufbrachte um den Arm so zu schienen, dass die Knochen wieder schlüssig aufeinander saßen und nicht mehr verrutschen konnten. Anschließend zog er einen der Heiltränke aus dem Gürtel, entkorkte das Fläschchen mit den Zähnen und ließ gut die Hälfte des Inhalts an dem Holzkeil entlang unter das Leder rinnen, ehe er die Flasche wieder etwas umständlich verschloss und wieder in die kleine Halterung am Gürtel steckte. Erynn und die andere Gestalt hatten bereits ein Beiboot ausfindig gemacht, das wie es schien noch nicht angekratzt war... Wenigstens etwas...
[Erynn]
Sie hatte Drevenis Geste vorhin tatsächlich nicht wirklich wahrgenommen oder als Antwort auf ihre Frage erkannt. Jetzt nickte sie nur knapp, um diesen Lapsus zu überspielen. Arranges schien konzentriert dabei, eine Verletzung an seinem Unterarm zu versorgen, zumindest befand er es nicht mehr für nötig, einen weiteren Kommentar abzugeben. "Sehen wir uns das mal an", sagte Erynn an Dreveni gewandt und ging auf das kleine Ruderboot zu, das an zwei Seilen dicht an der Außenwand hing. Das Ding ins Wasser zu bekommen, sollte nicht allzu schwer sein, überlegte die Kriegerin. Eine Winde sollten sie grade noch bedienen können. "Gut." Wieder nickte sie der anderen Dunmer zu. "Sehen wir zu, daß wir unseren Kram zusammensuchen und hier so schnell wie möglich verschwinden..." Damit ging sie und holte ihre Satteltaschen, die sie sich über die Schulter legte. Ich hätte nicht gedacht, daß ich noch einmal dafür dankbar sein würde, daß wir die Pferde zurücklassen mußten. Aber es scheint, als hätte die Schicksalsweberin es doch nicht so übel mit uns gemeint. Noch einmal sah sie sich flüchtig auf dem Deck um. Hat es sich noch weiter geneigt? Jedenfalls scheinen wir tatsächlich die einzigen zu sein, die hier noch am Leben sind...
[Dreveni]
Von Arranges war weiter nichts zu hören, also wandte sie sich zusammen mit Erynn dem Rettungsboot zu. Wenigstens sollten sie damit keine größeren Probleme haben, aber ob es auch dicht war, würde sich erst im Wasser zeigen. Auf Erynns Hektik reagierte sie kaum, ihrer Meinung nach hatten sie noch etwas Zeit. Andererseits sollte man sein Glück auch nicht herausfordern, und so suchte sie ebenfalls ihre Sachen zusammen. Sie überlegte kurz, ob sie noch einmal unter Deck sehen sollte, es gab bestimmt etwas wie eine Kasse an Bord, in der das Geld aufbewahrt wurde, aber dafür hätten die anderen beiden wohl wenig Verständniss. Ausserdem war es vermutlich schon alles vollgelaufen. Zusammen mit Erynn wollte sie das Boot zu Wasser lassen, in letzter Minute fiel ihr allerdings noch ein, dass das jetzt so wohl keine allzu gute Idee war. "Halt, wir sollten warten bis wir im Boot sitzen, dann müssen wir nicht in das wacklige Ding springen.". sagte sie deshalb nur kurz angebunden zu Erynn, und warf ihre Sachen in das Boot.
[Arranges]
Klasse... rudern... na das wird ein Spaß... Arranges wusste gerade nicht, worüber er sich genau mehr ärgerte. Darüber, dass er nicht rudern konnte, wegen seines Arms oder darüber, dass er jetzt einige Stunden auf engstem Raum mit dieser... Kreatur, die sich Dreveni schimpfte, verbringen musste und sich dabei nicht durch rudern ablenken konnte... Arranges konnte lediglich zuschauen, wie sich die beiden Dunmer mit den Winden abmühten, nachdem sie alle in das Boot gestiegen waren und es langsam zu Wasser ließen. Das Schiff neigte sich knarrend in ihre Richtung, als das kleine Beiboot auf der Wasseroberfläche aufsetzte. Erst, als sie die Taue kappten, spickte das gesamte Schiff wieder ruckartig auf die andere Seite. Es war mittlerweile auch dunkel geworden. Lediglich den bleichen Schein von Sekunda konnte man als Kontrast durch den von grauschwarzen Wolkenbändern durchzogenen Nachthimmel erkennen. Norden war daher nicht allzu schwer auszumachen...
[Erynn]
Erynn war gut erleichtert, als das kleine Boot endlich auf der Wasseroberfläche aufsetzte und sie die Taue gelöst hatten. Das gequälte Knarren des Linienschiffs ging ihr an die Nerven. Es klang, als könnte es jeden Augenblick einfach auseinanderbrechen. Sie wollte jetzt keine weitere Zeit auf Diskussionen verschwenden. "Geh da weg", sagte sie also nur lakonisch und versetzte dem Beschwörer einen Knuff, der andeuten sollte, daß er sich besser an den Bug verzog, ließ die Ruder ins Wasser und legte sich in die Riemen, wobei sie stumm hoffte, daß die beiden Nervensägen einfach die Klappe halten würden...
Geändert von Glannaragh (01.07.2011 um 23:49 Uhr)
-
Legende
[Dreveni]
Dreveni schwieg, als Erynn den Magier verscheuchte und selbst die Ruder in die Hand nahm. Sie schwieg auch noch, als sie sich ein Stück von dem sinkenden Schiff entfernt hatten, und dieses nach einem letzten häßlichem Knarren und Ächzen endgültig auseinanderbrach und gurgelnd im Wasser verschwand. Dreveni stand die Überraschung für ein paar Sekunden ins Gesicht geschrieben, bis sie sich wieder im Griff hatte. Immerhin hatte sie gedacht, dass noch mehr Zeit wäre.
"Seht genau hin, mein lieber Arranges, ein Glück dass wir noch ein heiles Boot gefunden haben, nachdem ihr das andere Schiff ja unbedingt versenken musstet, nachdem ein Großteil oder sogar die komplette Manschafft schon so gut wie tot waren.", wandte sie sich mit vor Sarkasmus triefender Stimme an den Beschwörer. Diese blinde, gedankenlose Zerstörungswut regte sie gerade noch viel mehr auf, als der Angriff der Korsaren.
[Arranges]
Warum... kann sie ihr hässliches Mundwerk nicht einfach halten... Arranges hatte im Moment einfach keinen Nerv für ihr dämliches Geplapper. 'Das könnt ihr natürlich wissen, dass vermutlich der Großteil der Mannschaft tot auf den Planken des Linienschiffs lag... und selbst wenn wir das Korsarenschiff hätten übernehmen können... bei eurer Unfähigkeit, die ihr dort auf dem Deck vor wenigen Minuten noch bewiesen habt, wärd ihr vermutlich mit dem Gesichtsausdruck eines minderbemittelten Barabaren sabbernd vor der Takelage gestanden und hättet überlegt, wie genau das Schiff funktioniert... wenn ihr überhaupt in die Nähe eines solchen Gedankenansatzes gekommen wäret...'
[Erynn]
Ihre ohnehin recht verzweifelte Hoffnung verschwand zusammen mit dem bedauernswerten Schiff. War ja vorauszusehen, daß ihr mir den Gefallen nicht tun würdet. Statt euch einfach zu freuen, daß wir noch am Leben und weitgehend unversehrt sind... Mit versteinerter Miene zog sie die Ruder energisch durch das Wasser und tat, als höre sie das Gegifte nicht, mit dem sich Dreveni und Arranges über ihren Kopf hinweg bespuckten. Bitte, seid einfach still! Ich kann es nicht mehr ertragen...
[Dreveni]
"War ja klar dass ihr euch inzwischen genug Ausreden für eure Impulsivität zurecht gelegt habt.", fuhr sie Arranges an. "Und ihr begreift es anscheinend immer noch nicht. Wäre dieses Boot beschädigt worden, dann wäre das andere Schiff unsere letzte Chance gewesen, egal ob noch ein bisschen Besatzung gelebt hätte oder nicht. Damit wären wir auch noch fertig geworden." Immerhin waren Erynn und sie nicht verletzt worden. "Wenn ihr euch umbringen wollt, tut das doch bitte allein. Das hättet ihr nebenbei bemerkt auch noch fast geschafft. Hätte Erynn nicht aus mir absolut unverständlichen Gründen einen Narren an euch gefressen, wärt ihr jetzt Geschichte, Beschwörer!" Hätte Erynn sie nicht an den Haaren zurückgezogen, hätte sie ihn in diesem Moment wirklich getötet.
[Arranges]
Eigentlich hatte Arranges gehofft, dass sie vielleicht Ruhe geben würde... aber sie wollte es ja unbedingt ganz genau wissen. Er hatte nicht nochmal Lust, sich irgendeine Beleidigung zu überlegen, Dreveni würde ohnehin nicht darauf eingehen, also nahm er nur lustlos das her, was die Dunkelelfe sowieso schon agekratzt hatte mit ihren Worten. 'Seid ihr etwa neidisch, keine Freunde, niemanden, der euch nahesteht, dem ihr vertrauen könnt, zu haben?'
[Erynn]
Was hat das jetzt plötzlich wieder mit mir zu tun? fragte sich die Elfin genervt. Wir sind doch nicht hier, um uns gegenseitig umzubringen, verflucht noch mal... moment mal, was!? Solche Worte von dir, Arranges? Wer hätte das je gedacht...? Sie warf Dreveni einen vorsichtigen, lauernden Blick zu. Arranges war schon wieder auf dem besten Wege, die Assassinin zur Weißglut zu treiben, und Erynn wollte nicht unvorbereitet sein, falls ihre Artgenossin alle Vernunft fahren ließ und versuchen sollte, sich auf den Magier zu stürzen. "In Neungötternamen, habt ihr eigentlich Würmer im Gehirn? Habt ihr vergessen, weshalb wir eigentlich hier sind? Seht euch doch an!" mit einem Ruck zog sie die Ruder ein. "Dafür, daß ihr beide so stolz auf eurer Können seid, verhaltet ihr euch reichlich unprofessionell, fällt euch das eigentlich noch auf in eurer ganzen Verbohrtheit?"
[Dreveni]
"Vertrauen? Das ich solche Worte noch einmal aus eurem Mund hören darf. Bei euch reicht Vertrauen doch auch nur bis zum nächsten Wutanfall. Ich wüsste nicht auf was man da neidisch sein sollte, und wer braucht schon Freunde. Etwa um ihnen seinen Weltschmerz vorzuheulen? Zum kuscheln wenn es kalt ist?" In ihrer Stimme lag der gleiche zynische Ton, den sie auch schon Erynn gegenüber in der Taverne angeschlagen hatte. "Vertrauen ist doch nur ein anderes Wort für Schwäche, wenn man es alleine nicht schafft." Nebenbei bezweifelte sie ernsthaft, ob Arranges überhaupt eine Ahnung davon hatte, von was er sprach. Mit seinen sozialen Kompetenzen schien es auch nicht gerade weit her zu sein. Tatsächlich vertraute sie zumindest Mordan, und auch Ferynn hatte sie dummerweise vertraut, was aber ihr letzter Fehler in dieser Richtung gewesen sein sollte, das hatte sie sich jedenfalls vorgenommen. Erynns Ansprache überging sie dabei völlig.
[Arranges]
'Halt den Mund, Erynn!' War das Einzige, was er an Worten für sie übrig hatte, ehe er wieder zu Dreveni blickte. 'So sehr mich das ärgert, aber ich muss euch da Recht geben Dreveni. Allerdings ist es dann doch etwas seltsam, dass ihr gegen diese... Schwäche, wie ihr Vertrauen definiert, so erbärmlich versagt habt, obwohl ihr bei eurem Talent vielleicht die Zeitspanne eines Lidschlags benötigt hättet, um mir euren Dolch in die Kehle zu rammen...'
[Erynn]
Das darf doch nicht wahr sein. Hast du Todessehnsucht, Arranges? Erynn sagte nichts mehr. Arranges mochte mitunter auf sie hören, allerdings nicht, wenn Dreveni in der Nähe war - und sie wollte ihn vor ihr nicht bloßstellen, so wütend sie gerade auch sein mochte. Mit einem resignierenden Seufzer stützte die Elfin das Kinn in beide Hände und nahm sich vor, einfach still darauf zu warten, bis sich ihre beiden Begleiter wieder eingekriegt hatten...
[Dreveni]
"Danke für diese Demonstration von Vertrauen und Freundschaft.", kommentierte sie nur wie Arranges Erynn angefahren hatte. "Ich wollte euch töten, nur ist mir leider Erynn dazwischen gekommen. Darüber hinaus arbeite ich für euch, ausserdem muss ich leider damit rechnen, dass ich von Erynn angegriffen werde, sollte ich euch töten. Ich kann nämlich im Gegensatz zu euch nachdenken bevor ich handle. Darüber hinaus traue ich euch höchstens soweit, wie ich mein Pferd werfen könnte."
[Arranges]
'Wie praktisch... ich traue euch meinerseits auch nicht weiter, als bis zu meiner Nasenspitze... Und mal ganz davon abgesehen, dass ich bezweifle, dass ihr mich so einfach töten könntet, hat es wohl doch einen Vorteil, dass ich Erynn zumindest darin vertraue, dass sie versuchen würde, euch daran zu hindern, sollte sich euer gedankliches Dauerleg mal wieder ausweiten und ihr mich nochmal anfallen... Und... wer noch groß denken muss, bevor er handelt, hat schon etwas Bemitleidenswertes... Aber gut, ich sehe euch nach, dass es bei Assassinen wohl etwas länger dauert, wenn man ständig eine sich drehende und klimpernde Münze im Hinterkopf hat, kann das schonmal ablenkend wirken... wo war eigentlich euer Einsatz vorhin bei dem Angriff? Wart ihr auch so feige und habt euch versteckt wie die Kapitänin?'
[Erynn]
"Hey!" Erynns Vorhaben, dieses Schauspiel einfach zu ertragen, verpuffte in einer kleinen Wolke aus Empörung. "Redet gefälligst nicht über mich, als sei ich gar nicht da! Am besten wäre es, ihr würdet überhaupt nicht mehr reden, denn der Blödsinn, den ihr beide hier von euch gebt, ist einfach nur zum Weglaufen!" Sie stieß die Paddel zurück ins Wasser und ruderte weiter. Je eher sie das Südufer von Vvardenfell erreichten und Arranges und Dreveni nicht mehr auf engstem Raum zusammen eingepfercht wären, desto besser...
[Dreveni]
"Arranges, nur weil ihr irgendwelche haltlosen Behauptungen aus der Luft greift, werden eure Pöbeleien auch nicht besser.", antwortete Dreveni ihm genervt. "Offensichtlich keine Ahnung haben, nichts mitbekommen haben, aber Hauptsache den Mund offen haben." Sie wusste selbst nicht, warum sie sich doch verkniff, was ihr als nächstes auf der Zunge lag, nämlich dass ihm Erynn vermutlich weniger vertraute als vielmehr einfach wie eine Klette an ihm klebte, aus Gründen die er vermutlich nie verstehen würde. Noch wollte sie es sich mit Erynn nicht verscherzen. "Im übrigen seid ihr beide doch keinen Deut besser als ich. Ihr wollt aus Rache jemanden unter der Erde sehen", dabei deutete sie auf Erynn, "und ihr habt bedenkenlos die Kapitänin geopfert.", wandte sie sich wieder an Arranges. "Davon abgesehen dass ihr vermutlich ein widerlicher kleiner Nekromant seid. Ich erledige nur die Drecksarbeit für Leute wie euch, die sich für etwas besseres halten. Das ist wie als wenn ich die Verantwortung für die Morde auf meinen Dolch schieben und mich davon freisprechen würde." Ihr reichte es jetzt langsam wirklich. Sobald sie an Land waren würde sie sich nach einer Gelegenheit umsehen, zurück nach Cyrodiil zu kommen.
[Arranges]
'Zunächst... habt ja wohl ihr damit begonnen, zu pöbeln... Dann wüsste ich gern, von was ich keine Ahnung habe und wovon ich nichts mitbekomme...' Er schweig einen kurzen Augenblick, konnte es sich aber dann doch nicht nehmen lassen, auch auf den Rest ihrer Worte eine Erwiderung hinzu zu fügen: 'Ja... und? Ich habe glaub ich nie behauptet, dass ich etwas Besseres bin als ihr, ich bin nur in diesem Fall dummerweise auf solche niederen Geschöpfe wie euch angewiesen, weil ich keine Zeit habe, monatelang einer zu groß geratenen Kaulquappe nachzujagen...'
[Erynn]
Vielleicht sollte ich euch einfach mit den Köpfen aneinanderschlagen, damit ihr wieder zur Vernunft kommt... Sie hätte heulen können vor Wut, vor allem auf sich selber. Zum einen, weil es ihr nicht gelang in diesem albernen Streit zu den Beiden durchzudringen, zum anderen, weil Dreveni wieder einmal verdammt genau gezielt und auch getroffen hatte. "Ist ja gut", sagte sie müde zu der Assassinin, "Ihr habt ja Recht, was das mit der Rache betrifft. Also hört endlich auf, Euch künstlich aufzuregen. Wir haben doch offensichtlich ein funktionstüchtiges Boot gefunden und sind bis jetzt auch noch nicht ertrunken. Man sollte doch denken, daß jemand mit Eurer Berufung stärkere Nerven hätte..."
[Dreveni]
"Mit Leuten die sich noch im gleichen Satz selbst wiedersprechen, rede ich sowieso nicht mehr.", meinte sie nur noch zu Arranges. Dieses pseudointellektuelle geschwafel dieses drittklassigen Magiers ertrug sie wirklich keine Sekunde länger. Immerhin hatte er sich über Umwege selbst als niederes Geschöpf, oder zumindest als nichts besseres als das bezeichnet. Man musste diesen Menschen gar nicht beleidigen, das tat er schon selbst.
"Hätte ich nicht so gute Nerven, wäre ich überhaupt nicht mit gekommen.", sagte sie zu Erynn.
"Und auch schon längst nicht mehr hier. ICH kann nämlich jederzeit gehen." Nach diesen Worten starrte sie stumm auf das Wasser uns kümmerte sich nicht weiter um die beiden. Sie ließ sich nur noch zu einem: "Wenn ihr nicht mehr könnt, sagt es." an Erynn gewandt herab. Sie hatte selbst keine Lust ewig hier herumzuschippern.
[Arranges]
Du hältst endlich den Mund... wie schön! Allerdings konnte Arranges sich einen letzten Kommentar nicht mehr verkneifen: 'Ich glaube nicht, dass ihr so einfach jederzeit gehen könnte... zumindest nicht eher, als ich euch mein Geld wieder abgenommen habe...' Dann starrte auch Arranges nur noch vor sich hin. Probehalber ballte er seine Linke ein paarmal zur Faust. Der Heiltrank wirkt langsam aber sicher... sehr schön...
-
Fossil
Wenigstens sind sie jetzt ruhig, dachte sich Erynn resigniert, während sie überlegte, ob ihr das beleidigte Schweigen nun unangenehm sein oder ob sie diesen seltenen Moment widerwilligen Waffenstillstandes einfach genießen sollte. Sie entschied sich schließlich für letzteres und konzentrierte sich ganz auf das kleine Boot, um nicht über die vertrackte Situation mit den Beiden nachdenken zu müssen. Das Wasser des Inneren Meeres war ruhig, und so hatte sie keine Probleme, es zügig auf die Südküste von Vvardenfell zuzusteuern, wo die Stadt Ebenherz lag. Tatsächlich war es nicht mehr besonders weit, ein paar Stunden vielleicht. Je dunkler es wurde, desto klarer konnten sie die Lichter der kaiserlichen Siedlung über das Wasser zu ihnen herüberschimmern sehen.
Irgendwann spürte die Elfin die Anstrengung kaum noch, auch wenn sie wußte, daß sie diese am nächsten Tag wohl kaum würde auf Schulterhöhe heben können. Die immer gleichen Bewegungen ließen sie in eine Art Trance fallen, so daß sie die Zeit und die immer tiefer werdende Dunkelheit um sich für den Moment nicht mehr wahrnahm.
Erst als sich Dreveni plötzlich regte, schüttelte Erynn den friedlichen Zustand von sich ab. Sie drehte sich um und folgte dem Blick der Assassinin. Ich hätte gar nicht gedacht, daß die Stadt so groß ist, überlegte sie, und noch dazu so völlig... chaotisch. Verwirrt runzelte sie die Stirn. Was sie in Balfalls über Ebenherz erfahren hatte, hatte sich ganz anders angehört.
Je näher sie kamen, umso deutlicher breitete sich die Szenerie vor ihren Augen aus. Es waren keine Häuser, die dort in ungeordnetem Gewirr außerhalb der Stadtmauern aufragten. Es waren noch nicht einmal Hütten. Nein es waren Zelte – Zelte und Planen, unzähliche davon. Dazwischen Lager- und Kochfeuer und die Schattenrisse irgendwelcher Gestalten, die sich vor den Lichtquellen herbewegten. „Da stimmt doch was nicht“, murmelte die Kriegerin. Fragend sah sie zunächst Arranges, dann Dreveni an. „Hat einer von euch in Balfalls etwas darüber gehört, daß Ebenherz belagert wird?“ Sie dachte über die völlige Abwesenheit einer erkennbaren Ordnung in der Zeltansammlung nach. Unwillkürlich kam ihr Cheydinhal wieder in den Sinn, wie es dort zugegangen war, als sich das Obliviontor in der Nähe der Stadt aufgetan hatte. „...oder vielleicht, daß es dort Flüchtlinge geben soll?“ Als nicht sofort eine Antwort folgte, fuhr sie fort: „Wie dem auch sei, ich würde vorschlagen, wir suchen uns eine Stelle etwas abseits der Stadt, an der wir an Land gehen, und finden erstmal heraus, was hier eigentlich los ist. Ich will ungern direkt mitten in den nächsten Ärger hineinrennen..."
Geändert von Glannaragh (04.07.2011 um 18:49 Uhr)
-
Drachentöter
Den Rest der Fahrt döste Dreveni mit offenen Augen vor sich hin. Arranges hielt glücklicherweise einfach nur seinen Mund, sonst hätte sie ihn doch noch ersäufen müssen.
Als sie schließlich die Küste erreicht hatten. drang Erynns Stimme in ihren Verstand.
Abseits an Land? Mit Arranges fallen wir doch eh sofort auf, also könnten wir auch direkt vor Ebenherz an Land gehen...., dachte sich Dreveni, sprach es aber nicht aus. Ob sie den Kontaktmann hier noch antreffen würden, war ebenfalls ungewiss. Es war ein älterer Bretone, der irgendwo am Hafen von Ebenherz leben sollte. "Ich denke das wäre das Beste.", sagte sie schließlich zu Erynns Vorschlag, sich etwas umzusehen. Die andere Dunmer lenkte das Boot inzwischen an den Strand, ein Stück von Ebenherz entfernt.
"Sollen wir nachsehen, solange es noch dunkel ist, oder erst in der Früh?" Inzwischen konnte sie im fahlen Licht der Monde Schemen der Umgebung erkennen. Wuchsen hier wirklich riesige Pilze? War ihr das Festland schon leicht fremdartig vorgekommen, hatte sie jetzt wirklich das Gefühl, Cyrodiil verlassen zu haben. Da fiel ihr auch wieder ein, das Feryn ihr von den Pilzen erzählt hatte. Ein Ruck lief durch das kleine Boot, als es knirschend auf den Sand auflief. Sie versuchte die Erinnerungen an Feryn zu verdrängen und warf ihre Sachen an den Strand, bevor sie selbst das Boot verließ.
-
Legende
Arranges erster Gedanke war eher der an ein Flüchtlingslager. Und tatsächlich meinte er sich erinnern zu können, dass er nicht erst in Balfall das erste Mal gehört hat, dass die Krise auf Vvardenfell noch sehr viel übler wütete, als in Cyrodiil derzeit... Allerdings schien das Milität auf dieser Insel etwas seltsam organisiert zu sein, wenn Flüchtlinge großteils außerhalb der Festungsmauern lagern mussten... naja, ihm konnte das im Grunde egal sein. Sie waren hier lediglich auf der Durchreise. Was die weitere Flora anging, welche sich aus der hereinbrechenden Nacht schälte, war Arranges nicht zu sehr überrascht, wenngleich die Pilze in Lebensgröße doch sehr beeindruckend waren. Meister Jurano hatte ihm recht viel von Vvardenfell erzählt, es allerdings doch irgendwie verpasst, ihm etwas mehr über die Geographie zu erzählen. Arranges kannte lediglich ein wenig die Geschichte des Landes und ein paar Dinge zu Sitten - wobei er davon wieder die Hälfte bereits vergessen hatte...
Ich sollte mich möglichst vorsichtig in der Gegenwart von Dunkelelfen bewegen... Nekromantie wird zumindest in ihrer klassischen Form verachtet, wenn auch vom Kaiserreich gedultet, vom Tribunal aber verboten... nunja... dafür bewege ich mit Daedra hier in sicheren Kreisen, wenn ich das noch alles richtig im Kopf habe...
'Nun, ich meine gehört zu haben, dass die einfallenden Daedra im Norden vor allem, heftig wüten... Näheres weiss ich allerdings auch nicht...'
-
Drachentöter
Bei Ebenherz
[Erynn]
Ihre beiden Begleiter schienen ebenfalls ein wenig ratlos zu sein, was das beste Vorgehen in diesem Moment betraf, daher beschloß Erynn, einfach die Initiative zu ergreifen, bevor Nekromant und Mörderin den Leerlauf dazu nutzten, einen weiteren Streit vom Zaun zu brechen. „Ich werde mir jetzt, im Schutz der Dunkelheit, einen Ort suchen, von dem aus ich dieses Lager etwas genauer beobachten kann“, antwortete sie auf Drevenis Frage. „Ich vermute zwar, daß es sich einfach nur um Flüchtlinge handelt, aber es wäre mir wohler, ein paar mehr Informationen sammeln, bevor ich da mitten reinmaschiere...“ Mit diesen Worten rückte die Dunmer ihre Waffen zurecht und ging in die Richtung davon, in der das Lager sich befand. Von dem schmalen Streifen Sandstrand gelangte sie auf eine grasbewachsene, von sanften Hügeln begrenzte Ebene. Neben den fremdartigen Riesenpilzen wuchsen hier Blumen mit geradezu verschwenderisch prachtvollen Blütenkelchen. Erynn fragte sich, wie diese erst bei Tag wirken mußten, wenn sie sich geöffnet hatten. Schon auf dem Festland war die Vegetation zunehmend fremdartiger geworden, aber hier, an Vvardenfells Südküste, war nicht mehr zu übersehen, daß sie sich in einem völlig fremden Land befand. Am liebsten wäre sie einfach stehengeblieben und hätte die unbekannten Düfte und Geräusche in sich aufgenommen. Dann aber riß sie sich von dem exotischen Anblick los, kontrollierte ihre Schritte, so daß sie beim Gehen kein überflüssiges Geräusch verursachte, und bewegte sich auf eine kleine Gruppe von Felsen zu, von denen sie hoffte, einen guten Ausblick auf den Ring aus Zelten und Planen zu haben, der um das festungsartige Ebenherz lag.
[Dreveni]
Dreveni antwortete nichts auf Erynns Vorschlag, sondern folgte ihr nur leise. Die Decken und einen Teil des Gepäcks ließ sie erst einmal am Strand zurück, und nahm nur ihre Waffen mit. Sie hoffte dass sich niemand an diese Stelle verirren würde. Sie folgte Erynn zu einer Gruppe kleinerer Felsen, und kletterte vorsichtig darauf. Als sie das Lager genauer sehen konnte, wußte sie auch, woher der Gestank kam, der mit dem Wind zwar schwach aber deutlich wahrnehmbar zu ihnen geweht kam. Dreveni war vorher auch nicht bewußt gewesen, dass es sich bei Ebenherz eher um eine Festung handelte, noch dass dieses Chaos aus Zelten aussenrum herrschte. Wurde Ebenherz belagert? Aber danach sah das Lager irgendwie auch nicht aus. Die Zelte standen völlig ohne System, dazwischen war noch mehr Unordnung. Es wirkte alles irgendwie provisorisch und zusammengewürfelt. "Was soll das?", fragte sie Erynn nur leise, auch wenn sie wusste, dass die andere vermutlich genauso ahnungslos war, wie sie selbst. Sonderlich leise mussten sie jetzt auch nicht mehr sein, aus dem Lager waren deutlich Stimmen zu hören.
[Arranges]
Arranges blieb noch einen Moment stehen. Der Sinn, sich das Lager jetzt noch irgendwie im Geheimen anschauen zu wollen, erschloss sich ihm nicht wirklich. Nach kurzem Zögern jedoch legte er seine Satteltasche ins Boot zurück und folgte den beiden, so leise, wie er es vermochte. Die Tatsache, dass er normalerweise nicht auf besonders leises Vorgehen, egal in welcher Situation, angewiesen war und der Fakt, dass er bei Dunkelheit einfach nicht besonders gut sah, ließen seine Schritte im Vergleich zu denen der beiden Dunmer fast wie das Trampeln eines Ogers wirken. Aber als sie näher an das Lager herankamen und er zu den beiden Dunkelelfen aufgeschlossen hatte, erübrigte sich die Frage danach, ob ihn jemand gehört haben könnte. Auch wenn die Stimmen, welche vom Lager zu ihnen drangen, doch eher etwas gedrungen wirkten, war die Geräuschkulisse dort in der Stadt aus Zelten doch recht dicht. Ein Belagerungsring konnte das hier keinesfalls darstellen, für so unkoordiniert hielt Arranges nichtmal irgendwelche Barbaren aus Himmelsrand. Es war doch ganz offensichtlich ein Flüchtlingslager. Der Kaiserliche sagte aber ersteinmal nichts dazu. Er konzentrierte sich stattdessen auf einen Zauber. Überraschungen, kaum, dass sie einige wenige Schritte auf Vvardenfell gegangen waren, wollte er auch nicht riskieren. Als der magische Impuls sich von ihm ausbreitete, zuckte er doch leicht zusammen. Keine 30 Schritte von ihnen entfernt, lehnte eine Wache oder ein Kundschafter an einem Baum und döste. Der Kaiserliche stieß Erynn leicht an mit dem Ellenbogen und flüsterte, als sie den Kopf zu ihm drehte: 'Wir sollten vielleicht besser wieder zum Boot zurückkehren... Es scheinen einige Wachen etwas außerhalb der Zeltreihen aufgestellt worden zu sein...' Er deutete in die Richtung, in welcher er die Wache gespürt hatte. Für ihn war der Schatten unter dem Baum absolut uneinsichtig, aber er war sich sicher, dass Erynn zumindest leichte Konturen erkennen würde können...
[Erynn]
Die Kriegerin folgte Arranges Blick und tatsächlich - in den tieferen Schatten unter dem Baum lehnte eine Gestalt. Erynn ihrerseits stupste Dreveni an und bedeutete ihr mit einer Geste, sich zurückzuziehen. Ebenso leise wie zuvor -oder eben so leise wie möglich, im Falle des Kaiserlichen- verließen sie ihren Aussichtspunkt auf der Felsengruppe wieder und machten sich auf den Rückweg zum Ruderboot. Ich hoffe nur, daß wir Drevenis Kontaktmann schnell finden. Ich will mich nicht länger in diesem stinkenden Lager aufhalten müssen, als unbedingt nötig...
[Dreveni]
Sie folgte Erynn, als diese ihr einen leichten Stoß verpasste. Inzwischen hatte auch Dreveni gemerkt, dass hier durchaus Wachen standen, und so verhielt sie sich leise, bis sie wieder das Boot erreichten. "Wir müssen zum Hafen, nicht direkt nach Ebenherz. Wenn wir dahin kommen, ohne die Festung zu betreten, soll es mir nur recht sein.", wandte sie sich an ihre beiden Begleiter. "Auf jeden Fall sollten wir warten, bis es hell ist, bevor wir uns Ebenherz offiziell nähern. Dann sollten wir zuerst jemand suchen der uns sagen kann, was hier eigentlich los ist." Es machte bestimmt nicht den besten Eindruck, wenn sie sich im Dunkeln in das Lager schlichen.
[Arranges]
'Vielleicht sollten wir uns morgen aufteilen... Normalerweise sollte neben der kaiserlichen Verwaltung in Ebenherz auch die repräsentative Regierung zu finden sein... Herzog Vedam Dren, wenn ich mich nicht irre. In den Verwaltung dort sollten sicher einige nützliche Informationen zu bekommen sein... Sicher, wir könnten auch Wachen oder Ansässige am Hafen fragen, aber da würden wir wohl mehr Gerüchte als Wahres erfahren...' Arranges musste nicht dabei sein, wenn Dreveni mit ihrem Kontaktmann sprach. Er machte sich eher Gedanken darüber, wie sie ihr ganzes Gepäck demnächst transportieren sollten. Auf Vvardenfell gibt es keine Pferde... hallten ihm die Worte von Jurano von vor sehr vielen Jahren im Gedächtnis nach...
[Erynn]
"Ja, morgen... heute ist mir ehrlich gesagt alles egal", antwortete Erynn daraufhin nur und warf einen vielsagenden Blick auf das Ruderboot, ließ sich ohne weitere Umschweife in den warmen Sand fallen und war bald darauf auch schon in einen tiefen, bleischweren Schlaf gefallen. Wer die Nachtwache halten würde, war ihr hier, jetzt und für diesen Moment völlig gleichgültig. Sollten sich Arranges und Dreveni doch darüber einig werden, Hauptsache, sie taten es leise, war Erynns letzter Gedanke, bevor sie sich völlig erschöpft aus der Realität verabschiedete.
[Dreveni]
Dreveni war nicht wirklich müde, da sie die letzten zwei Nächte genug geschlafen, und gerade auf dem Boot auch noch etwas gedöst hatte. Sie setzte sich auf den warmen Sand, lehnte sich an das Boot und überlegte, ob sie Arranges sagen sollte, dass sie Wache hielt. Allerdings hatte sie gerade nicht die geringste Lust auch nur ein Wort an den Beschwörer zu verschwenden und so schwieg sie. Morgen würde sie als erstes versuchen herauszufinden, was hier los war, und ob es nur Ebenherz betraf oder ganz Morrowind. Davon hing ab, ob es überhaupt noch sinnvoll war, weiter nach der Echse zu suchen. Sie kannte auch die politische Situation hier überhaupt nicht, vielleicht hatte es weiter im Landesinneren einen Aufstand gegeben.
[Arranges]
Ja, schlafen... schlicht und einfach nur schlafen... Der Kaiserliche stemmte sich zwar noch irgendwo in einem Winkel seines Kopfes gegen die Müdigkeit, aber die letzten zwei Nächte waren einfach nur vernichtend... oder aber er spürte langsam doch, was er für seine Macht zu bezahlen hatte... Achwas... ich bin wenn dann derjenige, der diesen Fesseln als erster entrinnt... Beinahe etwas erstaunt über diesen Gedanken, wusste er doch, dass es unmöglich war, dem zerfressenden Wissen der Gathering zu entkommen, außer man konnte ihr im Falle der Meister trotzen oder entzog sich ihr, wie die Großmeister, durch Rituale. 'Dreveni? Würdet ihr wohl die Wache übernehmen?' Fragte er resignierend und seine Muskeln, wie seine Gedanken selbst, spannten sich, da er eigentlich damit rechnete, gleich irgendwie ausfallen werden zu müssen, sollte sie irgendeine unpassende Bemerkung fallen lassen...
[Dreveni]
Dreveni nickte dem Kaiserlichen nur zu, es sollte hell genug sein durch die beiden Monde, dass er das sehen konnte. An das Boot gelehnt sah sie in die Nacht. Es würde ohnehin nicht mehr lange dauern bis zur Dämmerung, und sollte sich nicht gerade eine Wache für einen Standspaziergang entscheiden, sollte es ruhig bleiben.
-
Fossil
Lager vor Ebenherz
Erynn erwachte am folgenden Morgen in ungefähr derselben Position, in der sie auch eingeschlafen war. Für einen Augenblick wußte sie nicht, wo sie sich befand oder was sie geweckt hatte. Erst nach einigen Herzschlägen identifizierte sie das Geräusch, das schließlich durch ihren Schlaf gedrungen war: Arranges räumte in dem Ruderboot herum und war, ebenso wie Dreveni, offenbar schon dabei, sich abreisebereit zu machen. Leise stöhnend rollte Erynn sich auf den Rücken und blinzelte in das frühe Sonnenlicht. Wie ich es hasse, aufstehen zu müssen...
Sie raffte sich auf. Es half ja doch nichts. Mit noch etwas langsamen, aber geübten Bewegungen machte sie sich daran, ihr eigenes Gepäck an ihrem Gürtel zu befestigen, so daß es sie möglichst wenig behinderte. In der letzten Zeit hatte sie einige Routine darin entwickeln können, deshalb ging es schnell, trotz Halbschlaf. Arme und Oberkörper taten ihr weh von der verdammten Ruderei in der letzten Nacht, wie sie befürchtet hatte, aber das würde vergehen, sobald sie ein wenig in Bewegung gekommen war – so war es immer. Arranges war ihren knurrigen Gemütszustand am frühen Morgen längst gewöhnt und nahm ihn kommentarlos hin, auch wenn es an diesem Tag besonders schlimm war. Dreveni hingegen, jedenfalls kam es der Kriegerin so vor, belegte sie dafür noch immer mit seltsamen Blicken. Sie schoß einen kurzen, giftigen Blick auf die andere Dunkelelfe ab und ignorierte diese dann, bis sie fertig mit aufrödeln war.
Kurz darauf brachen die drei auf. Sie würden sich Ebenherz und der Zeltstadt davor völlig offen nähern, nachdem sie in der vergangenen Nacht herausgefunden hatten, daß davon wohl keine Gefahr ausging. Vermutlich würde ihr kleines, etwas abgerissenes Häuflein nicht einmal Aufmerksamkeit erregen.
Sie hörten die Geräusche des Flüchtlingslagers, ehe sie es sahen – und sie rochen es. Völlig still war es selbst mitten in der Nacht nicht gewesen, aber jetzt, im Licht des Morgens, war der Lärm überwältigend. Schreiende Kinder, streitende Männer, Geräusche von Leuten, die ihrem Tagwerk nachgingen und versuchten, in dem Chaos so etwas wie den Anschein von geregeltem Alltag und somit Sicherheit herzustellen. Über allem lag der faulige Pesthauch von zu vielen auf engem Raum zusammengepferchten Mer – er kündigte sich schon recht früh an, aber als sie den äußeren Rand des Lagers erreichten, traf sie der Gestank wie eine stählerne Faust. Erynn würgte unterdrückt, und auch auf Drevenis Gesicht zeichnete sich eindeutiger Ekel ab.
Es ist noch weit schlimmer als vor ein paar Wochen in Cheydinhal... damals dachte ich, ich hätte echtes Leid gesehen. Aber das hier... Sie ließ ihren Blick über die wirre, verwinkelte Ansammlung aus Planen schweifen. Die Leute wirkten ausgezehrt, ihre Augen hohl, jede Bewegung schien zu viel Kraft zu kosten. Und überall Dreck – diese unglaubliche, unbewältigbare Masse an widerlichem Dreck, dessen Herr zu werden die Bewohner dieses götterverlassenen Ortes entweder längst aufgegeben oder es niemals versucht hatten. Wie lange diese armen Gestalten hier wohl schon hier sind? Es müssen Wochen sein...
Vielleicht nahm man die Miasmen irgendwann nicht mehr wahr, aber für die Elfin wurde es schon nach wenigen Augenblicken unerträglich. Sie zerrte an ihrer Kapuze und drückte sich deren Stoff fest auf Mund und Nase, dann sah sie unsicher zu ihren Begleitern auf. Wo sich in Drevenis Miene Ekel und vielleicht auch so etwas wie Verachtung spiegelte, war das Gesicht des Beschwörers wie aus Stein gemeißelt. Erynn kannte diesen Ausdruck. Arranges würde nichts von dem, was er hier sah, an sich heranlassen. Sie begriff zwar nicht, wie er dazu in der Lage war, aber für den Moment war es ihr nur Recht. Sie ließ dem Magier den Vortritt und folgte ihm gemeinsam mit der Assassinin durch das Chaos, wobei sie ihre Umgebung aufmerksam im Auge behielt. Machmal wünschte sie sich, sie hätte es nicht getan und stattdessen nur stur auf ihre Füße geschaut, doch wer konnte sagen, ob nicht Hunger und Verzweiflung den ein- oder anderen Flüchtling dazu treiben mochten, die drei Fremdländer anzugreifen. Es wäre närrisch, in dieser Umgebung nicht wachsam zu bleiben. Doch sie blieben fürs erste unbehelligt, auch wenn alle aus der Gruppe die scheuen bis abschätzenden Blicke auf sich spürten, wärend sie sich ihren Weg bahnten. Das entschlossene Auftreten und die gut gepflegten Waffen von Beschwörer, Assassinin und Bogenschützin ließen sie aber wohl zunächst als zu riskantes Ziel erscheinen.
Nach einigen Minuten, die wohl länger erschienen als sie wirklich waren, erreichten sie eine eine massive, steinerne Bücke, welche zum Tor der eigentlichen Stadt Ebenherz führte. Durch dieses Tor mußten sie, wenn sie die Kais erreichen wollten – Erynn überlegte kurz, ob es vielleicht klüger wäre, zum Boot zurückzukehren und damit direkt den Hafen anzusteuern, aber angesichts der Tatsache, daß eine große Menge Flüchtlinge vor der Stadt lagerte und sich scheinbar niemand der Offiziellen in der Pflicht sah, die haltlosen Zustände den Mer dort zumindest zu erleichtern, verwarf sie den Gedanken beinahe sofort wieder. Vermutlich könnten sie froh sein, wenn man sie bei dem Versuch nicht direkt und ohne Fragen zu stellen unter Feuer nahm.
Sie betraten die vielleicht zwanzig Schritt lange Brücke. Noch nicht ganz auf der Mitte angekommen sahen sie, wie ihnen am fernen Ende zwei Soldaten der kaiserlichen Armee den Weg vertraten. Ihre Gesichter und Hellebarden sprachen Bände; vermutlich machten sie das mehrere dutzend Mal am Tag. Ohne triftigen Grund würde man ihnen hier wohl kaum Einlaß gewähren. Na, das kann ja heiter werden, dachte die Kriegerin bei sich, während sie langsam, die Hände offen und harmlos neben ihrem Körper hängen lassend, auf die Legionäre zutrat. Ich bin ja mal gespannt, wie viel ein Gildenausweis aus Cyrodiil in diesem Land wert ist...
-
Legende
Ebenherz
Arranges zeigte sich nicht sonderlich beeindruck von dem Flüchtlingslager. Der Gestank war zwar alles andere als erträglich, aber Arranges hatte ganz andere Sorgen, die sich spätestens zu dem Zeitpunkt bestätigten, als er mit den beiden Dunmern eine der Brücken betraten, die zur Festung führten. Zwei Wachen, welche in Rüstungen steckten, die typisch waren für die Legionäre, welche auf Vvardenfell stationiert waren. Sie unterschieden sich nicht wirklich arg von denen der Soldaten in Cyrodiil. Jedoch waren die Helme mit ihrem auffälligen Nackenschutz und der stilisierte Lorbeerkranz auf den Schilden dieser Leginäre bezeichnend.
'Flüchtlinge haben in der Feste normalerweise nichts verloren... was also wollt ihr hier?' Die Wache klang nicht gerade so, als hätte sie besondere Motivation, sich irgendwelche Erklärungen anzuhören. Vermutlich versuchten oft genug am Tag irgendwelche Flüchtlingen mit hanebüchenen Ausreden irgendwie in die Festung zu kommen, in der Hoffnung, dort eine besser Unterkunft vorzufinden. Der Nekromant musste einen kurzen Moment überlegen. Sicher, er hatte den Vorteil, dass er selbst schlicht ein Kaiserlicher war und die Wachen vermutlich nur deshalb davon absahen, sie einfach zurück ins Lager zu jagen, wie ein paar reudige Köter. 'Zur Berichterstattung wurden wir zum Herzog gerufen...' Sagte Arranges mit fester und sicherer Stimme. Der Wachmann zog fragend eine Augenbraue hoch. 'So? Seit wann wird das gemeine Volk zur Berichterstattung zum Herzog gerufen?'
'Wollt ihr ernsthaft drei Klingen von ihrem Auftrag abhalten, Legionär?' Antwortete Arranges dezent gereizt. Unmerklich zuckte der Soldat zusammen, zeigte sich aber dennoch eher unbeeindruckt. 'Ich kann mich nicht erinnern, dass Klingen ausgeschickt wurden... wegen was auch immer...'
'Natürlich... ihr glaubt wohl auch noch an den heiligen Sankt Jiub? Warum sollte man euch, einem einfachen kleinen Wachmann sagen, dass Klingen ausgeschickt wurden?' Arranges strahlte mit seinen sicheren Worten wohl so eine Mentalität aus, dass die Wache doch nachgab. Denn Jetzt war eine Veränderung in dem Gesicht der Wache zu erkennen. Der Ausdruck darin wandelte sich zunächst von deutlicher Selbssicherheit, die er wenige Augenblicke zuvor noch in seiner Position hatte, zu etwas, das Unterwürfigkeit recht nahegekommen sein dürfte. 'Nun,' stotterte die Wache leicht, 'verzeiht, aber es ist unsere Auftrag hier an dieser Brücke dafür zu sorgen, dass der Pöbel nicht die Festung flutet... wir konnten ja nicht ahnen...'
'Schon in Ordnung.' Unterbrach Arranges den Soldaten und winkte ab. 'Jetzt gebt den Weg frei!' Sagte er in leicht befehlendem Tonfall. Die beiden Wachen zögerten noch einen winzigen Augenblick, ehe sie sich dann doch beeilten, den dreien aus dem Weg zu gehen. Ich war ja immer der festen Überzeugung, dämlicher als Erynn wäre nicht möglich...
Mit großen Schritten, gingen sie weiter und standen nur einige Augenblicke später auf dem Hafenplatz, der den beiden Festungsanlagen vorgelagert war. Sofort fiel die imposante Drachenstatue auf, die auf dem Platz aufgestellt war. Ein Stempel der Septims, der sich zur Abwechslung auch mal sehen lassen kann... Dachte Arranges doch deutlich beeindurckt. Er warf einen flüchtigen Blick über die Schulter zurück zur Brücke. Die beiden Wachen hatten sich wieder in die Barracke zurückgezogen.
-
Legende
[Dreveni]
Dreveni versuchte den Dreck und Gestank um sie herum so gut es ging zu ignorieren, genauso wie die fertigen Gestalten, nur leider gelang ihr das kaum, so zeigte sich der Ekel sichtbar auf ihrem Gesicht. Bald kam eine Brücke in Sicht, an deren Ende zwei kaiserliche Soldaten standen. Wunderbar. Allerdings brachten sie wenigstens etwas Licht ins dunkel, das Lager bestand tatsächlich aus Flüchtlingen. Der Gedanke an Flucht kam Dreveni dann auf einmal selbst, als Arranges einfach anfing, mit den Soldaten zu verhandeln, und ihnen auch noch etwas von Klingen erzählte. Das kann nur schief gehen... Sie sahen nun wirklich nicht wie Klingen, die Elite Cyrodiils, aus. Allerdings schien in den Köpfen der Kaiserlichen der gleiche Hohlraum zu herrschen, wie bei Arranges, denn sie kauften ihm das tatsächlich ab. Anstandslos gaben sie den Weg frei, und Dreveni fand sich auf einem Platz wieder auf dem eine große Drachenstatue stand.
Sie stand kurz da und versuchte sich zu orientieren. Was hatte Mordan ihr genau gesagt? Der hatte gar kein Haus. Er bewohnte nur ein Zimmer in der Händlergilde, diese sollte sich gleich links befinden, wenn man über die Brücke zum Hafen ging. Und wie hieß er noch einmal? Markus... Matthias.. Nein, Marcel. Dreveni setzte sich wieder in Richtung der Händlergilde in bewegung, jedenfalls nahm sie an, dass es das große Gebäude zu ihrer linken war. Dass ihr Arranges und Erynn folgten, war ihr nicht so ganz Recht, aber vermutlich nach Arranges Geschichte über Klingen gerade sowieso nicht zu ändern. Hoffentlich würde das keinen Ärger geben.
[Erynn]
In der Stadt waren sie also. Das Gebäude, in dem Drevenis Informant wohnen sollte, war ebenfalls schnell gefunden. Der Mann hatte offenbar ein Quartier im Haus der Ostkaiserlichen Händlergilde, ein abweisender, gemauerter Klotz aus grauem Stein - so wie der Rest von Ebenherz. Der Name paßt... ein Bollwerk, ao kalt und ungastlich, als hätte es wirklich ein Herz aus Metall. Und ich dachte, die Kaiserstadt sei deprimierend.
Sie traten in einen vollgestopften Empfangsraum. Dicke Teppiche schluckten sofort das Geräusch ihrer Schritte. Erynn sah sich zunächst etwas eingeschüchtert, dann zusehends angewidert um. Der Raum repräsentierte alles, was sie sich unter der Ostkaiserlichen Händlergilde vorstellte: Geschmacklos und vulgär zur Schau gestellter Prunk ohne jedes Gespür für Maß und Eleganz. Sie hätten genauso gut in die Räuberhöhle einer Horde Barbaren gestolpert sein können, in der sich die Beute der letzten Raubzüge türmte. Die Elfin verkniff sich jeglichen Kommentar. Arranges' dreiste Lügengeschichte am Stadttor hatte ihr ohnehin die Sprache verschlagen. Es muß was dran sein, daß frech weiter kommt. Eigentlich müßten wir alle drei längst von der höchsten Zinne der Festung baumeln...
Ein glatzköpfiger Kaiserlicher in edler Kleidung, der an einem Tisch gegenüber der Eingangstür saß, bequemte sich schließlich den Kopf zu heben und die drei Reisenden anzusehen. "Ihr wünscht?", fragte er mit höflicher Distanz, wirkte aber weder überrascht noch pikiert über ihr leicht mitgenommenes Erscheinungsbild. Die Gilde würde vermutlich, vor allem da die Situation auf Vvardenfell sehr angespannt schien, häufig die Dienste von Kundschaftern und einzelnen, flinken Kurieren in Anspruch nehmen. ...und genau so sehen wir aus, wenn man ehrlich ist. Nun, mit etwas Glück und Fingerspitzengefühl könnte uns das zum Vorteil gereichen. Unauffällig versetzte sie Arranges einen federleichten Tritt gegen den Knöchel. Halt jetzt bloß deine Klappe, Beschwörer, und laß Dreveni reden!
[Arranges]
Arranges wollte gerade etwas sagen, nachdem Dreveni nicht gleich reagierte. Aber eine leichte und trotzdem deutliche Berührung am Fuß hielt ihn noch davon ab. Er warf einen Seitenblick auf Erynn, da er sich ziemlich genau denken konnte, dass sie das war. Was...? Der Nekromant bremste sich aber nochmal. Es wäre schlicht dumm, hier ein größeres Theater zu veranstalten... zumindest nicht ehe sie mit dem Informanten gesprochen hätten. Er schaute also wieder zu dem Glatzenmann und brauchte auch nur noch einen Herzschlag länger warten, bis Dreveni schließlich den Gedanken fasste, ihn anzusprechen...
[Dreveni]
Dreveni hatte keinen Blick für den ganzen Prunk in der Gildenhalle. Auch nicht dafür, dass er übertrieben war, erst vor kurzem hatte sie für bretonische Adlige gearbeitet, sie kannte die verschiedensten Hallen und Häuser. Sie hielt auf den glatzköpfigen Kaiserlichen zu, der gegenüber der Eingangstür an einem Tisch saß. Da kommt man extra nach Morrowind, und was sieht man? Einen Kaiserlichen nach dem anderen...Von Erynns tritt bekam sie nichts mit, sie musterte den Kaiserlichen nur kurz und sprach ihn an: "Seid gegrüßt, wir haben eine Nachricht für Marcel." Sie hoffte inständig dass er hier noch wohnte, ihr Vater und er hielten zwar regelmäßigen Kontakt, allerdings waren die Nachrichten auch manchmal etwas länger unterwegs. "Von einem gewissen Mordan. Dieser meinte, Marcel wüsste schon, um wen es geht."
Der Kaiserliche machte keine Anstalten aufzustehen und antwortete: "Ihr könnt sie mir geben, ich werde dafür sorgen dass sie Marcel erreicht."
Dreveni begann in ihrer Tasche zu wühlen, stockte aber und sagte: "Halt, wir sollten sie ihm doch persönlich übergeben. Wenn er nicht da ist, sollen wir warten, dafür wurden wir schließlich bezahlt." Bei ihren letzten Worten lächelte sie den glatzköpfigen freundlich an. "Es tut mir leid für die Umstände."
Der Kaiserliche erhob sich nach einem kurzen Zögern und sagte etwas murrend: "Folgt mir."
[Erynn]
Sie folgten dem Mann durch das große Gebäude, bis sie einen langen Gang erreichten, von dem mehrere Türen abgingen. Offenbar Quartiere für Angestellte oder Mitglieder der Gilde. Der unbekannte Kaiserliche bat sie, einen Augenblck zu warten, ging dann auf eine der Türen zu und klopfte. Es folgte ein kurzer Wortwechsel, dem Erynn nicht wirklich folgen konnte. sie hörte die Worte 'Botschaft' und 'ein gewisser Mordan' heraus, aber mehr verstand sie nicht. Kurz darauf winkte ihnen der Mann, der sie hierher geführt hatte, und die drei traten daraufhin in ein sehr sauberes, penibel aufgeräumtes Quartier. Ein Bretone mit straff zurückgekämmten, dunkelbraunem Haar erhob sich von seinem Schreibtisch und begrüßte sie mit einem wie einstudiert wirkenden Lächeln und einer leichten Verbeugung. Er war klein - ungefähr so groß wie Erynn, aber feingliedriger. Alles an ihm wirkte irgendwie... weich. Und schwach. Erynn verspürte vom ersten Augenblick an eine fast instinktive Abneigung. Dieser Kerl verkörperte alles, was in der Kriegergilde nur als Auftraggeber erwünscht war. Und oft genug noch nicht einmal dort, denn auch wenn Typen wie dieser Wicht vor ihr nach Septimen förmlich stanken, so ersonnen sie doch alle möglichen Winkelzüge, sich nicht davon trennen zu müssen. Sie entschied sich, zunächst weiterhin zu schweigen und zu beobachten, wohin dieses Gespräch führte.
[Arranges]
Was für eine erbärmliche Kreatur... Waren Arranges Gedanken, als er den Bretonen erblickte. Arranges hoffte, dass dieser Typ, Marcel, brauchbare Informationen hatte... aber selbst wenn nicht, würde er selbst wenigstens einen Grund haben Drevenis Bezahlung zu kürzen und überhaupt... 'Mordan schickt also neuerdings ganz besondere Kuriere nach Vvardenfell...' Sagte der Bretone und ein kaum wahrnehmbares, aber sicheres Grinsen huschte über sein Gesicht. 'Was kann ich für die Ziehtochter des großen Mordan tun?'
[Dreveni]
Dreveni folgte dem Kaiserlichen, der sie zu Marcels Zimmer führte. Nachdem sie kurz gewartet hatten, wurden sie von dem Bretonen herein gewunken. Sie kannte ihn aus Mordans Beschreibung, und diese war wie gewohnt sehr genau gewesen. Von Marcels Äusserem ließ sie sich nicht täuschen, allein dass er es schaffte so offen hier in der Gilde zu leben und nebenbei seine Finger noch in ganz anderen Geschäften hatte, zeugte von seinen Fähigkeiten. "Es freut mich, euch endlich einmal persönlich kennen zu lernen.", antwortete Dreveni ebenfalls mit einem leichten Grinsen.
"Bitte, nicht so förmlich. Ich kenne deinen Vater schon fast, seit er dich in Bruma fand."
"Bei Cheydinhal." Irgendwann mussten sie sich etwas anderes überlegen.
"Sicher. Setzt euch doch.", sagte der Bretone lächelnd, und deutete auf freie Stühle. Nachdem sie sich gesetzt hatte, sagte Dreveni: "Meine beiden Begleiter suchen nach einem Argonier, Gumora. In Cheydinhal hieß es, er wäre vor inzwischen fast fünf Wochen nach Ebenherz aufgebrochen. Ich denke die Information war soweit korrekt." Dabei bezog sie sich auf die Art, wie sie mit Weiß-Viel gesprochen hatte. "Ist er hier durchgekommen?"
Der Bretone sah sie einen Moment schweigend an, bevor er antwortete: "Du hast gesehen, was hier los ist. Ich weiß nichts von einem Gumora, aber ich kann ihn gut übersehen haben, er wäre nicht aufgefallen." Er sah noch einen Moment schweigend in die Luft. "Vor gut drei Wochen war eine Gruppe Argonier hier. Sie hatten etwas mit der Antisklaverei-Bewegung zu tun und haben einen von meinen Leuten nach Hilfe gefragt. Und nach einem Weg sicher nach Molag Mar zu kommen. Ich weiß nicht ob eure Echse dabei war."
[Erynn]
Die Bogenschützin hörte dem Bretonen schweigend zu. Mordan war also gar nicht ihr leiblicher Vater. Nicht, daß das Erynn sonderlich seltsam vorgekommen wäre - Dreveni hatte schließlich keinen Grund gehabt, ihr ihre Familiensituation darzulegen. Ich frage mich jedoch, warum dieser Kerl das so genau betont. Was will er denn damit erreichen? Oder hat das gar nichts zu sagen? Sie forschte in Drevenis Gesicht, aber an ihrem Profil ließ sich nicht ablesen, was die Assassinin gerade denken mochte.
Von der Antisklavereibewegung wußte sie auch nicht viel, außer daß diese bis vor kurzem definitiv illegal gewesen war und daß der rechtliche Status ihrer Anhänger bis heute nicht geklärt war. Seltsam, daß Marcel so offenherzig ausplauderte, daß er mit einigen ihrer Mitglieder in Verbindung gebracht werden konnte, und sei es nur am Rande. Wer ist dieser Mordan? Hat sein Name wirklich ein solches Gewicht, daß er uns hier, am Ende der Welt, so schnell Türen öffnen kann? Sie überlegte, ob sie Dreveni nach dem älteren Dunmer fragen sollte. Neugierig war sie schon, und nach ihren Erlebnissen mit der Gathering auch wagemutiger als zuvor. Andererseits... vermutlich war es besser, wenn sie so wenig wie möglich über den Kerl wußte. So schwieg sie weiterhin. Sie kannte sich hier nicht aus, sprach die Landessprache nicht, wußte nicht einmal, wo dieses Molag Mar überhaupt lag und wollte vor diesem Bretonen wirklich nicht offenbaren, wie verloren sie auf Vvardenfell in Wahrheit war.
[Arranges]
Interessant... aber nicht besonders überraschend... Obwohl Arranges mit völlig ausdrucksloser Miene dem ganzen Gespräch folgte, arbeitete es hinter seiner Stirn gewaltig. Der Kaiserliche wusste etwas von einer Antisklavenbewegung auf Vvardenfell, aber eben nur, dass etwas in dieser Richtung existierte, mehr aber auch nicht. Dafür war er jetzt dankbar für die paar wenigen Stunden, die er auf der Reise bis hier her damit vebracht hatte, die Vvardenfellkarte zu studieren. Molag Mar war eine Festung am Rande des Feuerlandes. Oder wie es in der Sprache der Dunmer eben hieß, Molag Amur. Ein paar Brocken Dunmeri konnte Arranges. Meister Jurano hatte ihn vor mittlerweile zu vielen Jahren die Sprache ein wenig beigebracht, aber der Nekromant hatte das Meiste schlicht wieder vergessen. Lediglich ein paar der Namen, die er auf der Karte gelesen hatte, konnte er sich grob übersetzen...
Aber was sucht eine Gruppe Argonier in einem Land, in welchem die Sklaverei weder verboten, noch erlaubt ist? Die Tatsache, dass das Kaiserreich selbst die Sklaverei in allen Ländern Tamriels grundsätzlich abschaffen wollte, ließ diese Information doch eher seltsam wirken... Ein bisschen Geschichte war Arranges noch geläufig über Vvardenfell, aber das würde ihm in diesem Fall nicht weiterhelfen. 'Nun, ich weiss, wo Molag Mar in etwa liegt, aber da ich nicht von hier komme... Wie gestaltet sich der Weg dort hin?' Der Bretone blickte Arranges zunächst einen Moment forschend in die Augen, es schien fast so, als würden die beiden Männer ein kurzes, nur wenige Herzschläge andauerndes Duell austragen: Der Bretone wollte wissen, warum Arranges danach fragte, während Arranges alles daran setzte, seine Absichten mit keiner Regung zu verraten. 'Nun,' begann der Bretone, 'Ihr seid zunächst auf dem Gebiet der Ascadiainseln unterwegs. Dort solltet ihr, sofern ihr nicht zu reich ausseht, keine Probleme haben, trotz des dort wütenden Aufstandes. Die Aufständischen werden euch nicht behelligen. Danach kommt ihr bei Suran in die Gegend der Molag Amur. Eine grauenvolle und absolut lebensfeindliche Aschewüste und im Gegensatz zu den Aschlanden im Norden auch kalt und abweisend. Lediglich im Norden, am Roten Berg gibt es einige Lavaströme, die direkt aus der Erde treten.'
'Gibt es eine Möglichkeit irgendwie anders nach Molag Mar zu kommen? Also... sicherer?'
'Nein. Der Schlickschreiterfährdienst wurde in Ascadia gesperrt, wegen den Aufständischen. Und seit Korsaren die Innere See unsicher machen, legt im Süden auch kein Passagierschiff mehr ab.' Oh ja... Korsaren... Was Schlickschreiter wiederum waren, meinte Arranges sich an Käfer von der Größe eines Hauses erinnern zu können, die ihm ebenfalls Jurano einmal beschrieben hatte. Es zahlt sich jetzt also doch aus, dass ich mich durch diese teils doch sehr zähen Erzählung von ihm über Vvardenfell gequält habe... 'Allerdings gibt es eine andere Möglichkeit, wie ihr eure Reise deutlich beschleunigen könntet...' Fügte der Bretone plötzlich hinzu.
'Die da wäre?'
'Vielleicht wisst ihr, dass es auf Vvardenfell keine Pferde gibt, das traditionelle Reittier der Dunmer ist der Guar.'
'Guar?'
'Nun, ja... in etwa so groß wie Pferde, allerdings auf zwei Beinen gehend und statt Fell, besitzen diese Geschöpfe Schuppen. Der Reitkomfort ist allerdings ungemein höher.' Arranges fragte sich spätestens jetzt, warum dieser Bretone plötzlich so offen redete und so freizügig Informationen an offenbar Fremde herausrückte, als Marcel ihn plötzlich grinsend ansah und weitersprach: 'Ich hätte da möglicherweise auch zwei Exemplare. Natürlich zu einem Spezialpreis.' War ja klar...
[Dreveni]
Was sie von Marcel erfuhren, gab nicht wirklich anlass zur Hoffnung. Eigentlich konnte man sagen, dass sie die Spur von Gumora verloren hatten, was hieß es schon dass eine Gruppe Argonier hier gewesen war. Vermutlich gab es immer noch viele Argonier hier, und gerade durch eine Festung mit Hafen kamen bestimmt öfter Angehörige aller möglichen Völker.
Als Arranges das Wort ergriff, senkte Dreveni den Blick schon betreten zu Boden, das konnte eigentlich nur peinlich werden. Allerdings schien Arranges einen seiner seltenen lichten Momente zu haben, und so erfuhren sie auch noch, wie sie nach Molag Mar kommen konnten, und er stellte ihnen noch Reittiere in Aussicht. Dreveni konnte sich dunkel an Bilder von Guars erinnern, hatte aber noch nie einen in echt gesehen.
"Spezialpreis?", fragte Dreveni. Sie konnte sich in etwa vorstellen, was der Bretone unter Spezialpreisen verstand.
"In Anbetracht der aktuelle Situation Dreveni, das mußt du verstehen, kann ich sie euch nicht für unter 400 Septime pro Tier geben. Ich nehme nicht an, dass ihr den Wert in Draken habt, oder?"
Dreveni schüttelte nur den Kopf und antwortete: "Das sind 800 Septime für beide, wo sollen wir die hernehmen?" Ihr war klar, dass sie vermutlich froh sein konnten, überhaupt an Guars zu kommen, aber den Preis wollte sie dann doch nicht ohne weiteres Zahlen. "Es gibt hier nicht zufällig jemanden, den du los werden willst?"
Marcel lächelte kurz, bevor er sagte: "Nein, gerade nicht. Immerhin verlange ich für die - zugegeben leider nicht sehr genaue - Information nichts, da ich Mordan schon so lange kenne. Aber bei den Guars kann ich nichts machen. Wenn ihr sie gut behandelt werde ich sie dir aber für einen anständigen Preis wieder abnehmen, wenn ihr Vvardenfell verlasst." Dreveni sah zu ihren beiden Begleitern. Sie würde die Guars bestimmt nicht alleine bezahlen, also mussten die beiden auch zustimmen.
[Erynn]
Achthundert Septime für zwei Tiere? Erynn wußte nicht genau, wie Guars aussahen, sie kannte die Tiere nur aus Beschreibungen. Es waren große, pflanzenfressende Echsen, die zumeinst recht gutmütig und ausdauernd sein sollten. Darüber hinaus waren sie anpassungsfähig genug, um in der extremen Landschaft von Vvardenfell zu überleben. Kurz überschlug die Dunmer den genannten Preis im Kopf. Für ein brauchbares Pferd kann man unten weg gut und gern tausend Münzen hinlegen, oder mehr. Ein wenig überrascht war sie doch. der Preis schien gerecht zu sein - was nicht bedeutete, daß Erynn ihn hätte zahlen können. Was solls. Zumindest einen Teil könnte ich dazugeben. Dafür reicht die Beute aus Beldaburo noch. Danach würde sie abgebrannt sein, aber das war ja in der Tat kein Zusatand, der ihr unvertraut gewesen wäre. Erynn bemerkte, daß Dreveni sie anblickte und gab mit einem Achselzucken ihre Zustimmung. Wenn sie ganz ehrlich war, war sie durchaus auch neugierig auf die Reitechsen.
[Arranges]
Eine Menge Geld für zwei Reittiere... Arranges gab stumm Nickend seine Zustimmung. Marcel erklärte ihnen, dass er außerhalb von Ebenherz ein kleines Gehöft, recht unauffällig von zwei guten Bekannten betreiben ließ und sie dort die Guare abholen könnten.
Arranges hoffte, dass sie nicht weiter auffallen würden. Sie verließen den Hafen nach Norden, über die Zweite Brücke, die dort in eine Straße Mündete, die allerdings mehr an eine schlammige Schotterpiste erinnerte. Marcel meinte, dass sie garantiert nicht weiter als 50 Schritte gehen müssten und dann die Hütte von der Straße aus schon sehen können sollten. Und tatsächlich: Etwas abseits - auf dieser Seite des Hafens waren noch immer einige Zelte, aber deutlich weniger, als auf der Südseite - konnten sie eine kleine Hütte, mit einem losen Weidezaun erkennen. Innerhalb des Zaunes standen zwei große Geschöpfe - hatten sie den Kopf erhoben, waren sie gut und gerne zwei Köpfe größer, als Arranges. Sie erinnerten Arranges mehr oder weniger direkt an Clannbanns, allerdings waren die Guare deutlich größer und sehr viel muskulöser, als die Daedra. Sie gingen tatsächlich aufrecht, auf zwei Beinen, deren Füße drei Glieder aufwiesen. ein langer, sehr kräftiger Schwanz war zu erkennen, an dessen Spitze eine Art Doppelreihe von flachen Knochenplatten ansetzte, die sich über den Rücken bis hin zum Kopf zog. Der massive Schädel war rundlich, wirkte aber nicht aggressiv. Eher erweckten die abgeflachten Zähne, die in dem großen Kiefer zu erkennen waren und die blaugrauen Augen, welche seitlich am Schädel saßen, einen vertrauenswürdigen und gutmütigen Eindruck. Auf Höhe der Brust saßen zwei kurze Ärmchen, die wie die Füße auch, drei Glieder aufwiesen. Der ganze Körper war bedeckt von Schuppen, die teils grünlich verfärbt, aber sonst großflächig Hautfarben waren.
Die Bezahlung funktionierte reibungslos, nachdem Dreveni den beiden Nords, die hier wie Marcel bereits sagte, auf die kleine Zucht aufpassten, erklärte, von wem sie kamen. Im Grunde bezahlten Dreveni und Arranges den größten Teil, während Erynn die beiden mit einer kleineren Summe ein wenig entlastete. Nur wenig später standen sie dann wieder allein, die Guare gesattelt und mit den wichtigsten Informationen, die Reittiere betreffend, versorgt, vor der Hütte. Verdammt... da hätte man auch mal früher drüber nachdenken können... Erst jetzt wurde Arranges, da er die Zügel eines der beiden Tiere in der Hand hielt, schlagartig klar, dass sie ja zu dritt waren. Er seufzte resigniert. 'Nun gut, dann würde ich sagen, verschwenden wir keine weitere Zeit. Wir befolgen wohl am besten den Rat der Nords.' Im Gespräch mit den beiden Hünen hatte es sich ergeben, dass sie von ganz allein noch zwei Informationen bezüglich des Weges preisgaben. Die drei sollten sich auf dem Weg nach Molag Mar von den Ländereien vor Vivec und den großen Plantagen im Zentrum Ascadias besser fernhalten.
-
Fossil
Ascadiainseln
[Dreveni]
Dreveni ging mit ihren beiden Begleitern zu der Hütte, die ihnen der Bretone genannt hatte. Als sie vor den Guars stand, mußte sie unwillkürlich lachen. Die Tiere wirkten zwar muskulös und waren recht groß, sahen aber gutmütig bis ausgesprochen dumm aus und wirkten eher schwerfällig. Sie gingen auf zwei Beinen und hatten nur noch verkümmerte kleine Ärmchen unter dem riesigen Schädel. Wenigstens würden auch zwei auf einem Reiten können, und sie mussten nicht alles zu Fuß schleppen. Sie erledigten das Geschäftliche, wobei sie noch ein paar Details zu ihrem Weg erfuhren. Dreveni tätschelte gerade einem Guar die Schnauze, wobei dieser ein tiefes Brummeln von sich gab, und antwortete Arranges: "Nachdem wir zwar Karten haben, uns aber sonst so gar nicht auskennen, bleibt uns kaum etwas anderes übrig." Ihrer Meinung nach war das ganze Vorhaben sowieso schon aussichtslos, aber das würden die beiden ja doch nicht einsehen. Deshalb konnte sie nicht ganz verhindern, dass ihr Tonfall leicht genervt klang.
[Erynn]
Die Bogenschützin kramte die Karte der Insel hervor, entrollte das Pergament und legte es auf einen Heuballen neben dem Guarverschlag, so daß Dreveni und Arranges ebenfalls einen guten Blick darauf hatten. Schweigend betrachtete sie die detaillierten Zeichnungen darauf für einige Momente, während derer sie sich orientierte. "Wenn wir also die Städte Vivec und Suran umgehen sollten..." Nachdenklich zog Erynn einen Handschuh aus und fuhr mit dem Finger eine mögliche Route entlang. "Wir könnten uns am Südufer des Hairansees Richtung Osten entlangbewegen. Damit würden wir Vivec nördlich umgehen und wie es hier aussieht, scheint es auch sowas wie Brücken zu geben - oder zumindest bis vor kurzem gegeben zu haben. Allerdings müßten wir hier..." sie tippte auf den Fluß, der den Masobisee mit dem Inneren Meer verband, "...ganz sicher das Wasser durchqueren, wenn wir auch Suran umgehen wollen. wir würden dann südlich der Stadt herauskommen. Können Guars schwimmen?" fragte sie noch und warf den friedlich grasenden Lasttieren einen zweifelnden Blick zu.
[Arranges]
'Vermutlich können sie das... aber ich würde das Risiko nicht eingehen, zu glauben, dass sie auch mit dem ganzen Gepäck und einer von ihnen mit zwei Reitern ebenfalls noch sicher schwimmen können.' Arranges besah sich die Karte einen Moment lang genau. Er war nicht ganz einverstanden mit der Route, die Erynn vorgeschlagen hatte. Aber wenigstens weiss ich jetzt, wo meine Karte hinverschwunden war... 'Was ist das?' Arranges deutete auf eine Stelle ein Stück nördlich von Suran. 'Er beugte sich etwas vor um genauer sehen zu könnten, dann folgte er mit den Augen weiter einer Linie, die von dort aus nach Westen führte. 'Diese Straße hier,' er deutet den Weg entlang nach Norden, ' führt wohl hier an Pelagiad vorbei nach Norden und dann am nördlichen Ufer des Amayasees entlang nach Osten zu diesem Ort hier.' Arranges schaute nochmal etwas genauer hin. 'Bal Ur.' Las er. 'Die Einzeichnung direkt daneben müsste für einen Pass stehen. Wir würden auf dieser Strecke sowohl die angesprochenen Plantagen, als auch Vivec und Suran umgehen und müssten nicht das Risiko eingehen, auf zerstörte Brücken zu stoßen.' Fragend blickte Arranges seine Begleiter an. Sicher, dieser Weg würde mindestens doppelt so viel Zeit in Anspruch nehmen, allerdings war er, zumindest ihren Kenntnissen nach zu urteilen, deutlich sicherer.
[Dreveni]
Nachdem Dreveni ebenfalls die Karte studiert hatte, musste sie Arranges wohl oder übel recht geben. einen anderen Weg gab es nicht, wenn man nicht wußte ob es noch Brücken gab. "Der Umweg ist zu groß, wenn die Guars doch nicht schwimmen können, da können wir auch gleich im Norden am Nabia-Fluß vorbei.", sagte sie deshalb an die beiden gewandt. In Molag Mar kannte sie ausserdem niemanden, aber sie hoffte dass sie halbwegs mit ihren Methoden aus Cyrodiil weiterkommen würde. Eine gute Geschichte und genügend Unverfrohrenheit halfen schon ungemein. Diese ganze Sklavengeschichte sollte ausserdem schon genug Ansatzpunkte bieten.
[Erynn]
Erynn blickte ungläubig zwischen Arranges und Dreveni hin und her. "Das kann nicht euer Ernst sein. Mit dem Umweg verlieren wir... drei, vielleicht vier Tage!" Sie schüttelte den Kopf und deutete mit vager Geste auf die beiden Guars. "Die Biester stammen von dieser Insel, die werden wohl daran angepaßt sein. Außerdem sehen die auch so aus, als ob sie schwimmen könnten, mit diesen komischen Füßen... Verdammt, Arranges, der Molch hat ohnehin schon viel zu viel Vorsprung! Und du machst dir Sorgen um ein paar vielleicht zerstörte Brücken!"
Noch einmal schüttelte sie den Kopf und verschränkte ärgerlich die Arme. Was zum Donner ging jetzt schon wieder in dem wirren Magierkopf vor, daß er sie lieber quer über diese vermaledeite Insel scheuchen wollte, anstatt in gerader Linie der ohnehin schon recht kalten Fährte zu folgen?
[Arranges]
Arranges sah Erynn in die Augen und sein Blick sprach Bände. 'Klar... Mit handlangen Klauen ohne Schwimmhäute dazwischen, werden diese Guare sich ganz sicher als ausgezeichnete Schwimmer erweisen. Das weisst du natürlich noch sicher aus der Zeit vor über 50 Jahren, bevor du nach Cyrodiil gekommen bist.' Er schüttelte unmerklich den Kopf. 'Bevor ich riskiere, von Aufständischen niedergeschlachtet zu werden oder in irgendeinem Gewässer dieser Insel zu ersaufen, nehme ich lieber einen Umweg in Kauf und kann so eher garantieren, dass Gumora stirbt, ehe ich das tue!' Er war sich der stummen Zustimmung Drevenis sicher und auch wenn er diese Meuchlerin kaum bis gar nicht ausstehen konnte, so nahm er ihren Rückhalt in diesem Moment mehr als gerne an. Und genauso klangen auch seine Worte: Wenn es sein musste, würden er und die Dunmer diese Querstellerei Erynns mit Knebel und Strick auf dem Rücken eines der Tiere beenden - notfalls würde er das aber auch allein machen.
[Dreveni]
Dreveni hasste es wirklich, aber sie musste dem Beschwörer voll zustimmen. "Arranges hat Recht, so sehr ich hasse es zuzugeben.", sagte sie deshalb ruhig zu Erynn. "Wenn die Tiere schwimmen können gewinnen wir vielleicht Zeit, aber dieser Weg ist auch gefährlicher. Sollten die Tiere nicht schwimmen können, wonach es mir aussieht, dann verlieren wir noch mehr zeit, weil wir umdrehen müssen. Die paar Tage für den längeren Weg können wir uns bei dem Vorsprung, den die Echse sowieso schon hat, gerade noch leisten, aber sollten wir umkehren müssen, wird es langsam kritisch." Sie hoffte dass die andere einsichtig sein würde. Natürlich konnten sie Glück haben und tatsächlich schneller sein, aber darauf verließ sich Dreveni nur sehr ungern.
[Erynn]
Die Söldnerin stieß genervt die Luft aus und verzog das Gesicht. "Seit wann schreckst du vor einem Kampf zurück, Arranges?" konnte sie sich eine Spitze nicht verkneifen. "Ist doch sonst nicht deine Art." Dann aber zuckte sie mit den Achseln. Ihr war anzusehen, daß sie alles andere als überzeugt war, aber wie es schien, hatte die Mehrheit der Gruppe entschieden. Unfug, dachte sie noch bei sich, sprach es aber nicht aus. Als ob wir verloren wären, wenn wir die Tiere zurücklassen müssen...
[Arranges]
Innerlich grinste Arranges bei dem Gedanken daran, dass Dreveni ihm nicht nur zustimmte, sondern seinen Plan auch noch voll unterstützen musste. 'Wir hatten das schonmal, Erynn. Ich verbiete dir nicht, den kürzeren Weg zu nehmen. Wenn du unbedingt willst, darfst du gern duch die Gebiete der rebellierenden Bauern vor Vivec reisen.' Er durchbohrte die Krigerin regelrecht mit seinem Blick. 'Ich schrecke nicht vor einem Kampf zurück, ich habe nur nicht das Bedürfnis, hier gleich als marodierender Kaiserlicher aufzufallen, weil ich mich einiger Bauern entledige, die mir einen zu teuren Reitspaß unterm Arsch wegschießen...'
[Dreveni]
"Bockig zu werden hilft jetzt auch nicht weiter.", konnte sich Dreveni an Erynn gerichtet nicht verkneifen. Der längere Weg war die einzig vernünftige Option, und wenn sich Erynn noch so sehr quer stellen würde. Die paar Tage Ersparniss wogen das Risiko nicht auf, die Guare zu verlieren oder einen Umweg machen zu müssen. "Hals über Kopf hinter der Echse herrennen hättet ihr auch ohne mich können." Sie selbst hielt sich nicht mehr lange auf und begann, ihr Gepäck auf einen der Guars zu laden.
[Erynn]
"Na schön. Wenn ihr es wirklich für besser haltet einen Weg zu wählen, der zwar viel länger, aber dafür ebensowenig einzuschätzen ist wie der kürzere..." Sie hob resignierend die Hände und verstummte. Wenn ihre beiden Begleiter sich plötzlich -wenngleich nicht sehr professionell- in vernunftgesteuertem Verhalten versuchten und in dieser Sache einer Meinung waren, konnte sie sich schlecht dagegen stellen, Ungeduld und Jagdfieber hin oder her. Was nicht bedeutet, daß ich es nicht kommentieren werde, sollten wir auf diesem ach so sicheren Weg entgegen jeder Wahrscheinlichkeit doch auf Mistforkenschwingende Aufrührer oder zerstörte Straßen treffen, dachte sie in stummem Groll. Wortlos machte Erynn sich abmarschbereit. Sie hatte keine Lust, weiter über das Thema zu diskutieren, ebensowenig wie sie Lust hatte, ihre eigene Meinung betreffs der Strecke zu überdenken. Sie wußte nicht einmal genau, was ihr gerade so auf die Nerven ging. Los, packt endlich euren Kram zusammen, damit wir hier wegkommen. Ich will Ebenherz und alles, was daranhängt, nicht mehr sehen.
[Arranges]
Na also, geht doch. Dachte Arranges, als Erynn schließlich nachgab. Er packte ebenfalls seine Sachen, befestigte das grobe Gepäck an dem recht breiten und mehr oder weniger bequem wirkenden Sattel des Guars, dessen Zügel man ihm zuvor einfach in die Hand gedrückt hatte und nahm sich so viel Kleinzeug vom Gürtel, dass er gut sitzen konnte, ohne behindert zu werden. Nach einem letzten skeptischen Blick auf das große Tier, schwang sich der Kaiserliche dann auf dessen Rücken. Der Guar stieß ein tiefes, aber nicht drohendes Brummeln aus und tänzelte einen Schritt zur Seite. Es war so komplett anders, als ein Pferd, aber nicht im negativen Sinne. Der Körperbau des Guars bewirkte, dass man sehr viel breitbeiniger saß, als auf einem Pferd. Dazu kam ein Gefühl, von ungetrübter Sicherheit. Arranges hatte eher befürchtet, dass das Tier wackeln und schaukeln würde, wie ein kleines Boot auf hoher See, aber dem war nicht so. Der Nekromant spürte einige der dicken Muskelstränge unter dem Sattel, die dafür sorgten, dass der Oberkörper des Tieres keinen Fingerbreit zu viel wankte. Daran könnte ich mich gewöhnen... Wartend blickte der Magier zu Erynn und Dreveni. Für sich wäre er nicht beleidigt gewesen, würde Erynn einfach bei Dreveni aufsitzen.
[Dreveni]
Dreveni tat es Arranges gleich und kletterte auf den anderen Guar. Wo Erynn sich dazu setzte, war ihr ehrlich egal, solange sie selbst nicht auf einem Guar mit Arranges reiten musste. Etwas skeptisch saß sie schließlich auf dem Tier und sah fragend zu Erynn. Mir fehlt mein Pferd jetzt schon... Sie glaubte immer noch nicht, dass die Guars sonderlich schnell sein würden.
[Erynn]
Endlich! Das wurde auch Zeit. Erynn trabte für einige Minuten neben den gemütlich dahinzockelnden Reitechsen her, bis sie weit genug von den Stallungen fort und in scheinbar unbesiedeltem Gebiet waren. Sie brauchte die Bewegung einfach, um sich abzureagieren. Die ständigen Hahnenkämpfe ihrer Begleiter, der Untergang des Schiffes, die ganze Situation vor Ebenherz... das ging ihr an die Nieren. Neben Arranges' verfluchtem Leichtsinn natürlich. Mit einigen Schritten war sie neben dem Guar des Beschwörers packte nach dem Hinterzwiesel des Sattels und einem Riemen, der quer über die abfallende Kruppe des Tieres verlief, und zog sich daran hoch. Seit dem bluff des Beschwörers, der sie in die Hafenstadt gebracht hatte, war ihr irgendwie schlecht. "Was hast du dir eigentlich dabei gedacht", begann die Elfin ansatzlos, nachdem sie sich einigermaßen erträglich auf dem Packgestell hinter dem Sattel eingerichtet hatte, "uns als Klingen auszugeben? Ist dir eigentlich nicht klar, daß du uns damit in Dagons Esse hättest bringen können? Amtsanmaßung, wenn wir Glück hätten. Vielleicht auch Hochverrat, wenn der Gouverneur einen schlechten Tag hat. Bleibt nur zu hoffen, daß sich niemand die Mühe macht, bei diesem Vorfall nachzuforschen. Ich hab uns schon von der höchsten Zinne der Festung baumeln sehen! Verdammt, Arranges, war das wirklich nötig!?"
[Arranges]
Der Kaiserliche verkniff sich einen Kommentar dazu, dass Erynn sich hinter ihm auf den Guar schwang. Das Tier selbst schien das zusätzliche Gewicht gar nicht zu stören - nicht, dass Erynn spürbar viel gewogen hätte. Als sie aber begann ihn wegen dieser einfachen Lüge, die sie alle drei ohne weiteres nach Ebenherz hineingebracht hatte, zu belagern, konnte er sich ein genervtes Seufzen nicht mehr verkneifen. 'Einmal mehr zeigt sich, dass du schlicht keine Ahnung hast.' Er verlagerte sein Gewicht ein wenig um bequemer zu sitzen. 'Ich weiss nicht zu viel über die Traditionen und Geographie von Vvardenfell, aber eines ist sogar weit über die Grenzen der Insel hinaus bekannt: Das Kaiservolk gilt hier als absolute Besatzungsmacht. Korruption, Misstrauen und Intrigen herrschen hier zwischen Dunmer und Kaiserlichen im einfachen Volk vor. Die Lüge, dass wir Klingen sind, erklärte uns alle drei zu Verbündeten des Kaisers. Die Tatsache, dass ich es war, der das den Wachen sagte, verlieh den Worten auch noch eine vertrauenswürdige Grundlage. Es wird an der Stelle auch keiner nachforschen, da keiner, außer dem Kaiser und den Klingen selbst, die genauen Pläne oder Befehle der Klingen an sich kennt.'
[Erynn]
"Arranges... halt einfach die Schnauze", zischte die Bogenschützin. "Wenn durch einen dummen Zufall auch nur ein Gerücht durchdringt, daß ich damit irgendwas zu tun haben könnte, fliege ich achtkantig aus der Gilde!" sie warf einen raschen Seitenblick auf Dreveni und sprach noch leiser. "Ich hab leider niemanden hinter mir stehen, der mich aus solchen Situationen wieder rauspaukt... kannst du nicht einmal etwas mit Maß tun?"
[Arranges]
Der Kaiserliche hob nur die Schultern. 'Ja? Und? Wenn du nicht mehr in der Kriegergilde bist, kannst du wenigstens keinen Blödsinn mehr veranstalten und ich hätte eine Sorge weniger.' Er sagte das völlig monoton, aber irgendwo im Hintergrund schwang ganz leise ein undeutbarer Unterton mit, der allerdings mit ein wenig Phantasie an ehrliche Sorge erinnern wollte.
[Erynn]
Das wird ja immer besser! Erynn spürte, wie die Wut durch ihren Körper schwappte wie dünnflüssige Lava. "Ach? Dafür hätte ich jedoch eine Menge Sorgen mehr, aber das hat dich ja noch nie besonders gekümmert", blaffte sie und versetzte dem Beschwörer einen Faustschlag gegen die Schulter. Die Platte seines Mithrilpanzers ließ den impulsiven Ausbruch wenig wirkungsvoll bleiben und bescherte ihr zusätzlich zu ihrer schlechten Laune auch noch schmerzende Fingerknöchel. "Warum glaubst du eigentlich, dir Gedanken darüber machen zu müssen was ich mit meinem Leben anfange? Willst du mir vielleicht 'ne Liste schreiben, was ich deiner Meinung nach tun darf und was nicht? Was kommt als nächstes? Führst du schon Verhandlungen mit irgendwem, um einen Gefährten für mich auszuwählen? Zuzutrauen wär es dir!"
[Arranges]
'Ich glaube nicht, das zu müssen, ich tue es einfach!' Gab der Kaiserliche deutlich gereizt zurück. Ihre Worte taten doch mehr weh, als Arranges im ersten Moment gedacht hatte. Er machte sich schlicht Sorgen um Erynn und sie warf ihm eine seltsame Art von Herrschsucht vor. 'Aber schön, dass dein Vertrauen zu mir noch immer Kellerniveau besitzt... das nächste Mal kannst ja du vor der Wache einer Stadt, die eigentlich Sperrzone für jeden normalen Bürger darstellt, vorsprechen. Wenn wir Glück haben, ist sie wie Gumora und glotzt bei allem, was auch nur entfernt weiblich aussieht und vergisst darüber ihre eigentlichen Pflichten.'
[Erynn]
Soso, du tust das also einfach... Innerlich kochte Erynn vor Wut, aber sie schwieg. Das hier würde zu nichts führen außer zu weiteren Gemeinheiten, und sie hatte nicht den geringsten Nerv dafür. Wie kann einer alleine so bockstur sein? fragte sie sich zum gefühlt tausendsten Mal. Außerdem lag er falsch. Es war nicht so, daß sie ihm nicht vertraute, sondern vielmehr ärgerte sie, daß er ihr nicht zutraute, sich zu behaupten wenn es nötig war... naja, und natürlich war und blieb es eine dumme Idee, sich als Klinge auszugeben...
-
Drachentöter
[Dreveni]
Dreveni bekam von dem Gespräch zwischen Erynn und Arranges nichts mit, wollte sie auch gar nicht. Sie saß schweigend auf ihrem Guar und hing ihren Gedanken nach, wobei sie immer ein waches Auge auf den Weg hatte. Auch hier wuchsen die riesigen Pilze, sowie normale Bäume und Pflanzen die nicht ganz so fremdartig aussahen. Allerdings war Alchemie auch nicht ihr Fachgebiet, sie hätte nicht sagen können welche davon vielleicht auch in Cyrodiil wuchsen. Sie wurden weder von Banditen noch von Tieren angegriffen und als es dunkel wurde suchten sie eine Stelle, an der sie rasten konnten.
Dreveni nahm ihr Gepäck von dem Guar, der friedlich anfing zu grasen. Sie sammelten Holz für ein kleines Feuer, um das sie schließlich saßen. Dreveni schwieg immer noch, sie hätte ohnehin nicht gewußt über was sie mit den beiden reden sollte, selbst wenn sie das Bedürfnis gehabt hätte.
[Erynn]
Erynn hakte das Thema schließlich innerlich ab - hauptsächlich deshalb, weil sie nach einigem Nachdenken tatsächlich das Gefühl hatte, völlig überreagiert und den Magier zu Unrecht angegiftet zu haben. Wie machst du das nur, Arranges? fragte sie sich, während sie nachdenklich seinen Nacken betrachtete. Dann winkte sie ab. Der nekromant kam aus einer komplett anderen Welt als sie, legte andere Maßstäbe bezüglich seiner Vorgehensweise an. Vermutlich verstand er wirklich nicht, warum sie sich so aufführte.
Die Bogenschützin entspannte sich ein wenig und betrachtete stattdessen die fremdartige aber bezaubernd schöne Umgebung, spürte die Bewegungen des Guars, der sich so ganz anders bewegte als ein Pferd. Trotz seines seltsam unproportionalen, fast komischen Aussehens bewegte sich das Tier trittsicher und fließend, so daß kaum eine Erschütterung zu fühlen war.
Zum Abend rasteten sie an einer von einer felsengruppe geschützten Stelle abseits des Weges. Erynn, der die Wegrationen schon längst wieder zum hals raushingen, fragte sich unwillkürlich, welche von den Wildtieren Vvardenfells wohl eßbar waren. Abgesehen von Ratten vielleicht. Nach einer Weile ging sie zu Dreveni hinüber. Die Assassinin saß etwas abseits an einen großen Stein gelehnt und hatte, seit sie mit den Guars aufgebrochen waren, praktisch nur noch geschwiegen. Sie fühlte sich nicht wohl in ihrer beider Gesellschaft, das war ihr deutlich anzumerken. Die Söldnerin hoffte inständig, daß sich das mit der Zeit noch ändern mochte, und sei es nur, weil eine uneinige Gruppe weniger effizient zusammen kämpfte.
Ein wenig unsicher war sie sich schon, wußte nicht genau, was sie der anderen Dunmer überhaupt sagen sollte, ohne aufdringlich zu wirken. Sie entschied sich schließlich über eine Frage zu sprechen, die sie der Assassinin ohnehin noch stellen wollte. "Dreveni?" fragte sie ohne große Einleitung und hockte sich neben sie. "Dieser Bretone... was hattet Ihr für einen Eindruck von dem Kerl? Ich meine, er wirkte auf mich eigentlich nicht wie jemand, der normalerweise so bereitwillig mit Informationen rausrückt, wie er es getan hat. Ich frage nur, denn es erschien mir irgendwie seltsam..."
[Dreveni]
Dreveni wusste nicht, was sie davon halten sollte, als sich Erynn plötzlich neben sie setzte. Ihr machte es nichts aus, auch einmal tagelang zu schweigen, auch wenn das meistens nur vorkam, wenn sie allein unterwegs war. Mit ihrer Frage konnte Dreveni auch nicht viel anfangen, sie zeigte ihr nur dass Erynn anscheinend tatsächlich keine Ahnung hatte, was hintenrum noch so ablief in der Welt. "Welche Informationen hat er denn preisgegeben? Eigentlich haben wir nur erfahren dass eine Gruppe Argonier unterwegs ist. Ausserdem kennt er Mordan schon relativ lange, für einen Bretonen. Er ist älter als er aussieht, er hatte nie ein körperlich anstrengendes Leben. Das war nur ein kleiner Gefallen unter Freunden." Bei dem letzten Satz hatte sie mit den Schultern gezuckt und sah Erynn jetzt schweigend an. Nichts an ihrem Gesichtsausdruck ließ darauf schließen, an was sie dachte.
[Erynn]
"Mag sein", antwortete Erynn nachdenklich. "Andererseits hat er mehr preisgegeben, als nötig gewesen wäre, oder nicht? Ihr hattet nie erwähnt, daß Mordan nicht euer leiblicher Vater ist - nicht, daß mich das etwas anginge, aber der gelackte Bretone hat diesen Umstand sehr genau betont - so deutlich, daß es auch Arranges und mir nicht entgehen konnte. Als wollte er... ich weiß nicht. Ein Revier abstecken oder so." Sie legte den Kopf schräg und sah der Assassinin gerade in die Augen. "Ich weiß nicht, ob dieser Marcel glaubte Euch gegenüber damit einen Trumpf ausspielen zu können oder was weiß ich. Ich wollte nur, daß Ihr wißt... ich halte nicht sehr viel von verweichlichten, verschlagenen Winkeladvokaten wie diesem da. Und ich mag den Gedanken nicht, daß er versucht haben mag, mit euch vor meinen Augen ein seltsames Machtspielchen zu spielen."
[Dreveni]
Dreveni sah Erynn einen Moment dann doch überrascht an. Die andere schien die ganze Situation gründlich missverstanden zu haben. "Ihr interpretiert da etwas viel hienein", antwortete sie Erynn lächelnd. "Es war nie ein Geheimnis zwischen den beiden, dass Mordan mein Ziehvater ist. Und das mit Bruma oder Cheydinhal war nur ein Test, ob ich wirklich Dreveni bin. Auch wenn wir uns da bald etwas anderes überlegen müssen, bevor es zu viele wissen. Und als verweichlicht würde ich ihn auch nicht bezeichnen. Er mag im offenen Kampf keine Chance haben, aber es ist bestimmt nicht leicht, dieses Doppelleben zu führen, wie er es tut, vor allem nicht so lange. Für die Drecksarbeit kennt er genügend Leute, ich möchte ihn jedenfalls nicht gegen mich haben." Sie überlegte einen Moment, bevor sie weitersprach: "Dass Mordan nicht mein leiblicher Vater ist habe ich nie erwähnt, weil es unwichtig ist. Ich bin bei ihm aufgewachsen, ob wir verwand sind oder nicht ist egal. Ich habe es nicht mit Absicht verschwiegen, ich halte nur nichts davon, ungefragt meine Lebensgeschichte auszubreiten."
[Erynn]
"Ich... oh." Erynn schüttelte den Kopf und lächelte ein wenig hilflos. "Nein, das war mir wirklich nicht bewußt und ich wäre nicht darauf gekommen - und nein, es ist nicht wichtig, welche Verbindung Ihr zu Mordan habt." Sie zuckte die Achseln. "Die Regeln und Gesetzmäßigkeiten, nach denen Ihr lebt, sind mir fast ebenso fremd wie..." Wie jene, denen Arranges sich bei seinem Nekromantenverein verschrieben hat. "...unwichtig. Vergeßt es." Sie schwieg kurz, fragte sich, ob es wohl indiskret wäre, wenn sie jetzt weiterfragte. Andererseits war sie neugierig. "Wie ist es, als Assassine aufzuwachsen? Habt Ihr das von Anfang an gelernt, oder habt Ihr Euch irgendwann selbst dafür entschieden?"
[Dreveni]
Dreveni hätte schon interessiert, was Erynn ebenso fremd war, doch die andere sprach nicht weiter. Die nächste Frage überraschte Dreveni, aber nachdem sie die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben hatte, was Erynn und ihren weiteren Lebensweg anging, antwortete sie: "Mordan hat nie von mir verheimlicht, was er tut. Also bin ich gewissermaßen damit aufgewachsen, und er hat mir auch früh auf meinen Wunsch hin dem Umgang mit Waffen beigebracht. Der Rest hat sich dann ergeben. Sicher hätte ich auch einen anderen Weg gehen können." Was vermutlich geheissen hätte, dass sie irgendwann vielleicht keine Möglichkeit mehr gehabt hätte, mit Mordan in Kontakt zu bleiben. "Aber was wäre das für ein Leben. Als Hausfrau mit Kindern? In einer Gilde? Zimmermädchen, oder Köchin? Sicher nicht. Leider ist in Cyrodiil unser Stand nicht sonderlich angesehen, hier in Morrowind soll es ja ganz anders sein."
[Erynn]
"Die Gilde ist gar nicht so übel", meinte Erynn eher aus Reflex. "Ich sollte Jägerin werden. Ich wollte aber nicht." Sie zögerte kurz, fragte dann ein wenig stockend: "Wie war es für Euch, zum ersten Mal... zu töten? Habt Ihr irgendwas gefühlt? Bedauern? Reue? Oder... Ekel? Wolltet Ihr das, diesen Schritt wirklich gehen? Oder seid Ihr dazu gedrängt worden?"
[Dreveni]
Jägerin kam Dreveni jetzt zwar besser vor als eine Gilde, wo einem jemand mehr oder weniger Befehle erteilen konnte, sie sagte aber nichts. Mit dem, was sie Erynn danach fragte, hätte sie trotz des bissherigen Gesprächs nicht gerechnet. Sie sah Erynn kurz abschätzend an, rang sich aber dann doch zu einer Antwort durch. Sie überlegte nur, wie sie das am besten in Worte fassen konnte. Ihr erstes Opfer war eher ein leichtes Ziel gewesen, ausserdem hatte sie ihn aus der Entfernung getötet, mit Pfeil und Bogen.
"Ich wurde nicht dazu gedrängt.", sagte sie schließlich. Inwieweit das stimmte, war das andere. Tatsächlich war sie nie aufgefordert worden, aber sie kannte auch kaum etwas anderes. Jedenfalls hatte es sie nie groß gestört, und zu Mordan hatte sie eh immer aufgesehen.
"Hätte ich Reue oder Bedauern gefühlt, hätte ich es vermutlich nicht mehr getan. Ich war einfach nur nervös, bei meinem ersten Auftrag. Ich habe ihn erschossen. Das ist auch etwas anderes, als jemanden von Angesicht zu Angesicht zu töten." So wie sie es auch mit Feryn getan hatte. Sie verdrängte den Gedanken an ihn schnell wieder. "Ich glaube nicht, dass man beschreiben kann wie es ist, jemanden mit Absicht zu ermorden. Jemanden der einen nicht angegriffen hat und oft wehrlos ist." Sie warf Erynn einen durchdringenden Blick zu, bevor sie weitersprach: "Was denkt ihr wie es sein wird, wenn wir Gumora tatsächlich finden?"
[Erynn]
Dreveni erwischte sie völlig unvorbereitet mit dieser Frage. Die Kriegerin lehnte sich mit dem Rücken an den Felsen, legte den Kopf in den Nacken und starrte zu den Sternen hinauf. "Keine Ahnung. Ihr werdet es ohnehin bemerken, falls Ihr das nicht schon habt, aber ich fürchte mich davor. Gumora hat durch Verrat dafür gesorgt, daß ich in die Fänge von entsetzlichen Leuten geraten bin. An denen jedoch kann ich keine Rache mehr nehmen... Arranges hat sie getötet. Vielmehr hingerichtet. Ich bin ihm dankbar dafür, aber es läßt mich irgendwie... hilflos zurück, denn ich kann jetzt keine Vergeltung mehr an ihnen üben und so alles wieder geraderücken. Bleibt nur der Argonier, auch wenn er nicht direkt beteiligt war. Ich... weiß nicht, ob ich ihm wirklich in die Augen sehen will, ob ich wirklich seine Furcht sehen will, wenn es uns gelingen sollte ihn in die Enge zu treiben. Aber ich will ihn auch nicht aus dem Hinterhalt abschießen. Er soll wissen, warum ich ihn töte... soll begreifen, was er mir angetan hat." Sie zuckte die Achseln. "Ich weiß nicht, wie ich ihn töten werde. ich weiß noch nicht einmal, ob ich die Nerven dazu habe... aber sterben wird er. Wenn nicht durch meine Hand, dann durch die von Arranges."
[Dreveni]
Dreveni bemühte sich wirklich nachzuvollziehen, was Erynn ihr erzählte. Solche Bedenken kannte sie nicht. Sie war bei ihrem ersten Mord tatsächlich nur aufgeregt gewesen. Als sie den Pfeil dann wirklich abgeschossen hatte, hatte sie sich auf eine eigenartige Weise mächtig gefühlt. Und frei. Frei zu entscheiden, ob der Mann auf den sie zielte leben oder sterben sollte. Davon abgesehen war sie es nicht gewohnt, dass jemand sein Seelenleben so vor ihr ausbreitete. Ausser es handelte sich um Opfer, deren Vertrauen sie gewinnen musste, aber dann legte sie es darauf an. "Hilflos werdet ihr euch mit Sicherheit nicht fühlen, solltet ihr ihn selbst umbringen.", antwortete sie. "Es hat viel mit Macht zu tun...", sprach sie vorsichtig weiter. "Und vielleicht auch mit dem Reiz der Gefahr, manchmal wehren sie sich doch, trotz aller Vorsicht.", wobei sie schief grinste.
[Erynn]
Erynn zucke unwillkürlich zusammen. Manchmal wehren sie sich doch... als spräche sie von einem verwundeten Keiler, der zum Angriff übergeht. Woher nimmt sie diese Kälte? "Ja, Macht", murmelte sie und schauderte. "Darum geht es letztendlich. Macht zu demonstrieren, und sei es nur um mir selbst zu beweisen, daß niemand das Recht hat mich zu Dingen zu zwingen, die ich nicht will..." Wieder schaute sie zu Dreveni auf. "Ich muß die Dinge geraderücken", wiederholte sie.
[Dreveni]
Dreveni war nicht entgangen, wie Erynn zusammengezuckt war. "Dann solltet ihr es selbst tun, und Gumora, so wir ihn denn finden, nicht Arranges überlassen.", sagte sie leise zu der Dunmer. Sie musterte Erynn stumm, während sie sich fragte, wie sie eigentlich in die ganzen Sachen hinein geraten war. Hatte sich das alles abgespielt nachdem sie auf Arranges getroffen war? Und warum schloss sie sich überhaupt einem Nekromanten an, wenn sie mit Mord schon solche Probleme hatte? Nekromanten waren eigentlich überall verhasst, Assassinen nicht unbedingt. Man konnte fast etwas Mitleid mit Erynn bekommen, Dreveni glaubte nicht, dass sich Erynn das alles angetan hätte, hätte sie geahnt dass sie einmal auf den Fersen einer Echse sein würde, um diese zu ermorden.
[Erynn]
"Ja, das muß ich wohl", antwortete die junge Elfin zerstreut. "Ich habe es jedenfalls vor. Arranges gefällt das nicht, er würde mich lieber da raushalten. Aber Arranges wird nicht immer da sein, um mich zu schützen, ob es ihm nun paßt oder nicht. Er weiß, daß ich Gumora ohnehin gesucht hätte, darum hat er mir angeboten, ihn zu begleiten... Ich bin auch froh, daß Ihr dabei seid, Dreveni. Ich bin mir sicher, daß Ihr den Molch finden könnt, immerhin ist es Euch auch gelungen, uns mitten im Nirgendwo aufzuspüren." Erynn erhob sich steifbeinig. "Danke fürs zuhören", sagte sie lächelnd und machte sich zurück auf den Weg zum Feuer. Sie wollte nachdenken. Und schlafen.
[Dreveni]
Glücklicherweise stand Erynn auf und ging zurück zum Feuer, so sah sie nicht Drevenis überfahrenen Gesichtsausdruck. Erynns Vertrauen in sie war ihrer Meinung nach etwas voreilig, damals hatte sie ungefähr gewusst, in welchem Teil Cyrodiils sich Arranges und Erynn aufhielten. Dreveni hatte allerdings auch durchaus Interesse daran, dass sie Gumora lebend fanden, allein schon um zu sehen was Erynn schließlich tun würde.
-
Legende
Arranges begrüßte die Stille, nachdem Erynn nicht weiter nachhakte, wenngleich ihm seine eigenen Worte nur einige Herzschläge später beinahe Leid taten. Er verzog allerdings keine Miene und achtete stattdessen weiter auf den Weg. Die Guare hatten einen absolut unfehlbaren Tritt wie Arranges immer wieder feststellte. Nicht, dass die Straße, auf der sie jetzt nach Norden unterwegs waren, sonderlich schlecht befestigt gewesen wäre, aber Arranges hatte beim ersten Anblick der Tiere doch eher damit gerechnet, dass sie doch deutlich schwanken würden, bei der Fortbewegung. Was dem Kaiserlichen allerdings immer wieder in die Augen stach, waren die großen Pilze, sie erinnerten ihn auf eine seltsame Weise schmerzhaft an die Zitternden Inseln, an das Reich Sheogoraths. Bei ihrer Ankunft, war ihm dieser Vergleich gar nicht gekommen, aber jetzt, da er Zeit hatte, wurde ihm diese Ähnlichkeit mehr und mehr bewusst.
Es wurde Abend und sie rasteten. Arranges setzte sich schweigend ans Feuer. Es dauerte allerdings nicht lange, da stand Erynn neben ihm plötzlich auf und gesellte sich zu Dreveni. Der Magier war sich im ersten Moment nicht sicher, was er davon halten sollte, aber schließlich wunderte er sich nicht wirklich darüber. Es war ihm zwar in gewisser Weise nicht unbedingt recht, dass die Kriegerin zu viele Worte mit diesem Eisblock dort wechselte, aber zumindest hier drängten ihn Erynns Worte vom Mittag doch irgendwie dazu, dass er sich keine weiteren Gedanken darüber machte. Schließlich war Dreveni umständlich formuliert, ihre Verbündete und so war es dann doch eher normal, ja sogar vielleicht notwendig, dass Erynn mit ihr redete...
Der Kaiserliche verfing sich schon bald wieder in seinen eigenen Gedanken und ertappte sich nur wenig später dabei, wie er einen der riesengroßen Pilze anstarrte, welcher recht nahe an ihrem Lager stand. Je mehr er darüber nachdachte, desto klarer wurde ihm, dass die Zeit auf den Inseln, so verwirrend sie insgesamt auch war, schlicht schön war. Das lag natürlich nicht zuletzt auch daran, dass er in Begleitung Meryanns dort gewesen war. Aber selbst wenn er allein dort gewesen wäre, wären die Inseln einfach nur schön, gewesen.
Als Erynn sich wieder neben ihn setzte, riss er den Blick von dem großen Gewächs los. Es hat ja doch keinen Wert, dieser Welt nachzutrauern, ich kann nie wieder dort hin... Er drehte den Kopf und schaute Erynn in die Augen. 'Und? Hast du dein unterschwelliges Bündnis mit der Meuchlerin nun endgültig gefestigt?' Fragte er tonlos.
Berechtigungen
- Neue Themen erstellen: Nein
- Themen beantworten: Nein
- Anhänge hochladen: Nein
- Beiträge bearbeiten: Nein
-
Foren-Regeln