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Thema: Schildstadt

  1. #81

    Molag Mar

    Der Weg nach Molag Mar hatte sie immer weiter durch diese Aschewüste geführt. Dreveni wunderte sich, ob es hier schon immer so ausgesehen hatte, da der Weg von toten Bäumen gesäumt war. Wann waren sie hier gewachsen? Änderte sich das Klima hier doch ab und zu? Endlich tauchte Molag Mar vor ihnen aus den Ascheschwaden auf, was durchaus wörtlich zu verstehen war. Die Stadt bestand aus einer riesigen steinernen Pyramide ohne Spitze, die mit dem Festland über eine Brücke verbunden war, aber ansonsten im Wasser lag. Das ganze wirkte auf sie eher wie eine Festung, ein Außenposten mitten in der Ödnis, als wie eine Stadt. Vermutlich war es auch nicht viel mehr. Dreveni erwachte fast wie aus einem Traum, als sie von den Guars stiegen und sich durch das Tor in die Stadt begaben. Die lebensfeindliche Umgebung, die ihr doch irgendwie vertraut erschien, war so gleichförmig dass der Weg Dreveni fast in Trance versetzt hatte, dazu kam noch das ewige Pfeifen des Windes. Sie folgte Erynn und Arranges über die Brücke und sie gingen wie beschrieben auf die oberste Ebene, wo sie schließlich vor dem Tempel stehen blieben. Dort trennten sie sich von Arranges, er wollte alleine im Tempel nach Hilfe suchen, Dreveni und Erynn sollten sich währenddessen um Zimmer kümmern.

    Nicht weit vom Tempel fanden sie die Herberge "Zum heiligen Veloth". Der Schankraum war eher spärlich aber doch gemütlich eingerichtet, wozu die rötlich-gedämpfte Beleuchtung ihren Teil beitrug. Hinter dem Tresen stand ein Dunmer, dessen Alter Dreveni nicht schätzen konnte. Er wirkte irgendwie anders als die Dunmer, die sie in Cyrodiil kannte, sie konnte sich aber nicht erklären, was ihn genau unterschied. Dreveni war gelegentlich außerhalb Cyrodiils unterwegs gewesen, aber selten hatte sie sich so fremd gefühlt wie in diesem Moment. Vielleicht lag es daran, dass sie den Bewohnern Morrowinds so ähnlich sah und doch ganz anders war. Bevor sie den Gedanken allerdings vertiefen konnte, ging sie entschlossen auf den Wirt zu. "Seid gegrüßt, wir würden gerne drei Zimmer mieten.", sprach sie ihn an.
    Überraschend freundlich antwortete dieser in fast einwandfreiem Cyrodiilisch: "Es sind noch drei Zimmer frei, macht zusammen 30 Draken die Nacht. Oder 24 Septime.", fügte er noch an, als er Drevenis zögernden Blick bemerkte. Anscheinend war der Wirt eher an den Umgang mit Fremden gewöhnt, außerdem machten sie anscheinend einen großen Teil seines Umsatzes aus. Dreveni kramte die Münzen hervor, wobei sie feststellte, dass sie relativ bald pleite sein würde. Die Guars hatten ein ziemliches Loch gerissen.
    "Unten ist außerdem ein Badezimmer, ihr müsst euch aber den Zuber selbst herrichten. Alles was ihr braucht findet ihr unten.", teilte ihnen der Wirt noch mit, nachdem ihm Dreveni die Münzen gereicht hatte, dann schob er die Schlüssel über den Tresen. Vermutlich sahen sie inzwischen reichlich abgerissen aus, wenn er das Badezimmer schon so betonte. Sie nahm einen vom Tresen, die anderen beiden sollte Erynn nehmen und wandte sich zur Treppe die zu den Zimmern führte.

  2. #82
    Arranges kam sich regelrecht nackt vor. Nur selten trug er in der Öffentlichkeit kein Kettenhemd oder insgesamt nur Kleidung. Wobei man von Kleidung nur mehr schwerlich sprechen konnte. Seine dunkelblaue Tunika war inzwischen mehr grau als farbig und seine Hose wirkte arg abgenutzt. Lediglich seine Stiefel und die Beinschienen hielten sich noch recht gut. Dazu kam allerdings noch, dass Arranges selbst arg geschwächt war, nicht zuletzt durch den Fluch, der es ihm unmöglich machte, mehr zu tragen, als das, was er jetzt am Leib trug.

    Endlich hatten sie den Tempel erreicht. Arranges war froh, dass die Erlösung endlich zum Greifen nahe war. Er hatte es mittlerweile satt, von heftigen Windböen teilweise fast vom Guar geweht worden zu sein und sich selbst nur mit einiger Mühe gerade auf den Beine halten zu können. Mit ein paar knappen Worten verabschiedeten sich die beiden Dunmer und machten sich dann auf in Richtung Taverne, an welcher sie zuvor schon vorbeigekommen waren. Und dann ersteinmal ausgiebig schlafen... Arranges war einen kurzen Moment erstaunt über sich selbst bei diesem Gedanken. Bevor er mit Erynn unterwegs war, ließ er sich nur ungern seinen Schlaf rauben, egal von wem. Seit er allerdings in Begleitung der Dunmer unterwegs war, hatte er oft die Nachtwache einfach übernommen, aus dem Gedanken heraus, die Elfe ein wenig zu entlasten. Aber jetzt hat sie ja wenigstens jemanden in ihrer Liga gefunden. Dachte sich Arranges seltsamerweise völlig neutral. Die Situation nach Bal Ur hatte bei ihm im Endeffekt nicht viel mehr gelassen, als ein kleines leeres Loch, das er nichteinmal versuchte zu stopfen, er wusste schlicht und einfach nicht, wie er damit umgehen sollte.

    Er beließ es dabei und trat stattdessen entschlossen in den Tempel ein. Direkt neben der Tür stand eine... Wache? Arranges kam nicht umhin, kurz zu stoppen und die Gestalt in Vollplatte zu mustern. Die Rüstung war eindeutig von massiver Machart. Weit ausgezogene Schulterplatten saßen auf einem Muskelharnisch, an dem feingliedrige Schürzenteile hingen, welche die Oberschenkel und die Leiste schirmten. Ebenso waren auch die Stiefel eher etwas starr, wenngleich auch wohl bequem zu tragen. Panzerhandschuhe schützten die Hände. Die Krönung dieser Rüstung war wohl der Helm. Ein Vollhelm mit Gesichtsmaske und ausladendem Helmbusch quer zur Körperhaltung. Das Material erinnerte an eine Goldlegierung. Insgesamt war Arranges erster Vergleich die Aurealen von den Zitternden Inseln. Das muss einer dieser Ordinatoren sein, eine heilige Wa...
    'Geht weiter, N'wah!' Die finstere, raue Stimme des Dunmers hinter der Maske überrollte Arranges regelrecht. Der Kaiserliche starrte noch einen Moment auf die dunklen Seeschlitze in der Maske, fügte sich aber dann.

    Bei den Trioliten stand ein Dunmer, der insgesamt nach Mönch aussah. Arranges, der nicht mehr länger warten wollte, diesen Fluch endlich loszuwerden, schritt direkt auf den Dunkelelf zu, der gerade nachdenklich zu Boden schaute und vor sich hin murmelte. 'Serjo... seid ihr ein Priester des Tempels hier?' Fast automatisch wandte Arranges an, was er aus dem Dunmeri konnte. Der Dunmer schaute auf. 'Sera, nein, ich bin Mönch,' nach einem kurzen Blick auf den Kaiserlichen fuhr er etwas freundlicher fort, 'ihr seht aus, als wäred ihr von einem Rudel Alits durch Molag Amur gejagt worden.'
    'Ich komme in der Tat aus der Amur, aber von Alits verfolgt, was auch immer das für Kreaturen sein mögen. Nein, ich und meine Begleiter wurden bei Bal Ur von Daedraanbetern überfallen. Einer von ihnen hat irgendwelche Untoten beschworen, die mich mit Flüchen meiner Kräfte beraubt haben. Deswegen bin ich hier.' Die Miene des Dunkelelfen verzog sich. 'Verdammte Totenbeschwörer und Daedraanhänger... Ich will versuchen euch zu helfen, aber ich kann nichts versprechen. Große Knochenläufer haben euch angegriffen... ihr... seid der Magie mächtig, wenn ihr wisst, dass es sich um Flüche handelt?'
    'Ja, neben dem Umgang mit dem Schwert beherrsche ich noch ein wenig Zerstörungsmagie.'
    'Ah... das macht die Sache möglicherweise einfacher. Folgt mir.' Arranges folgte dem Dunmer in eine Nische ein wenig abseits. 'Das könnte vielleicht etwas schmerzhaft werden.'
    'So lange es funktioniert.' Der Dunmer nickte nur und begann dann Worte zu nuscheln. Arranges erkannte das verzogene Dunmeri eines Dunmers, dessen Wurzeln tatsächlich noch nahe den Chimer liegen mussten.

    Zunächst passierte nichts. Der Elf starrte jedoch nach wenigen Augenblicken nur noch angestrengt zu Boden, seine Brauen zogen sich zusammen und er kniff die Augen zu, so, als würde er mit einer unsichtbaren Kraft ringen. Arranges spürte jedoch noch immer nichts. Der Nekromant begann sich nach einigen weiteren Minuten ernsthaft zu fragen, ob der Mönch tatsächlich in der Lage war, ihm zu helfen, doch dann spürte er plötzlich einen Zug nach vorn vom Brustbein aus. Was zur Hölle?! Im Augenwinkel sah er, wie einer der Trioliten kurz aufblinkte. Ein mehr zu spürendes, als hörbares Kreischen entrang sich seines Unterbewusstseins, als irgendetwas nicht greifbares aus seinem Leib gezerrt wurde, sich aber noch mit aller Macht dagegen wehrte. Schweißperlen bildeten sich auf der Stirn des Dunkelelfen. Ein letzter Ruck ging durch den Körper des Magiers und schlagartig kehrte die Kraft wieder, welche zuvor so massiv blockiert wurde. Arranges spürte förmlich, wie sich seine sehnigen Muskelstränge am ganzen Körper wieder spannten. Ein leichtes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, als er testweise seinen rechten Arm einmal beugte. 'Das wären dann 35 Draken...' Sagte der Mönch ohne Einleitung und völlig trocken, während er sich noch mit dem Robenärmel den Schweiß von der Stirn wischte. Habgieriges Mönchspack. Arranges langte automatisch dort hin, wo normalerweise sein Geldbeutel an seinem Gürtel hing, aber er trug ja noch nichteinmal den Gürtel. Entschuldigend sah er auf. 'Tut mir leid, aber ich trage momentan kein Geld bei mir.' Der Dunkelelf zog eine Augenbraue hoch. 'Der Tempel verlangt eine kleine Spende...' Seine Augen wanderten zu den wenn auch etwas mitgenommenen, aber trotzdem gut gearbeiteten Beinschienen des Beschwörers. Das kannst du aber sauber vergessen! 'Ich dachte der Tempel handelt im Glauben an das Tribunal und die Götter und nicht zum Erhalt selbiger.'
    'Allerdings, aber genauso wenig, wie ihr kann der Tempel und seine Diener nicht von Luft und Liebe leben... Eure Beinschienen, wenn ich bitten dürfte?' Der Ton war unmissverständlich und Arranges hatte nur wenig Lust, sich noch mit dem Ordinator anlegen zu müssen, sollte der Mönch auf diese Idee kommen. Mit einem Seufzer schnallte er die Rüstungsteile ab und gab sie dem Elfen. 'Mögen die Drei euch segnen, Sera!' Sagte der Mönch nun wieder freundlich und wollte sich gerade abwenden, als Arranges ihn nochmal ansprach: 'Eine Frage habe ich noch, wenn ihr gestattet?'
    'Natürlich.'
    'Von welchen Kreaturen spracht ihr zuvor?'
    'Ihr meint die Alits? Sie gehören zur einheimischen Fauna Vvardenfells. Ihr findet sie überall auf der Insel, vornehmlich jedoch hier in den Feuerlanden und in der Westspalte. Grausame Jäger. Mannshoch, mit einem übergroßen Maul voller rasiermesserscharfer Fänge. Sie laufen auf zwei Beinen, das sind auch zugleich die einzigen Gliedmaßen. Haltet die Augen nach ihnen offen. Sie sind normalerweise keine zu große Gefahr, wenn man sie kommen sieht, wenn sie einen jedoch überraschen und verletzen, kann es sein, dass ihr unter Umständen schwer vergiftet werdet oder euch üble Krankheiten wie die Gelbfäule oder die Pest einfangt.'
    'Ah... nun, danke, Sera!'
    Der Mönch nickte nur noch und ging dann davon.

    Arranges verließ ebenfalls den Tempel mit dem stechenden Blick des Ordinators im Nacken. Draußen auf dem Platz wandte er sich richtung Taverne. Dort sollte ich mich dann bevor wir abreisen noch nach einem Rüstungsschmied erkundigen, mal sehen, was die dunmerischen Schmiede können.

  3. #83

    Molag Mar

    Ja, Zuber ist eine gute Idee... Die beiden Dunmerinnen wandten sich ab, um das Gepäck auf die Zimmer zu schaffen. Diese lagen im Untergeschoß und waren geräumig und sehr sauber. Der Boden war mit großen Steinplatten gefliest, die Wände mit hellem Lehm verputzt, was eine freundliche und warme Atmosphäre schuf. Es gab keine Fenster. Dennoch schien es irgendeine Art der Belüftung zu geben, denn es war kein bißchen stickig in dem Raum.
    Erynn ließ das ganze Geraffel von ihren Schultern gleiten und seufzte zufrieden, als sie das Gewicht endlich los war. Arranges’ Kram brachte sie in das Zimmer nebenan und half danach Dreveni dabei, Wasser zu erhitzen und den zuber zu füllen. Damit waren sie eine ganze Weile gut beschäftigt, und als sie endlich fertig waren, ließ sie der anderen Dunmer den Vortritt. Die Assassinin wirkte aus irgendeinem Grund höchstens halb so dreckig wie sie selbst - Erynn fragte sich ernsthaft, wie sie das hinbekam, waren sie jetzt doch seit Tagen durch den selben Dreck gekrochen.
    Während Dreveni badete, kümmerte sich die Bogenschützin um Rüstung und Waffen. Der feine Aschestaub saß wirklich in jedem möglichen und unmöglichen Winkel der Ausrüstung und Erynn konnte nach wenigen Minuten schon sehr gut nachvollziehen, warum die Einheimischen hier Rüstzeug aus Chitin oder dem glatten Netchleder bevorzugten.
    Nach einer Weile, die der Kriegerin ziemlich lang vorkam, klopfte die Assassinin endlich an ihre Tür. Erynn griff nach einigen verhältnismäßig sauberen Kleidungsstücken aus dem Gepäck und ging ihrerseits baden. Das Wasser war bestenfalls noch lauwarm, aber sie störte sich nicht daran. Wirklich lange wollte sie sich ohnehin nicht damit aufhalten, im dem Zuber herumzuplanschen, dafür war sie viel zu neugierig auf Molag Mar. Die erste echte Dunmerstadt, in die sie gekommen war. Ebenherz hätte genauso gut irgendwo in Cyrodiil stehen können, aber dieser Ort hier war wirklich fremdartig und aufregend. Entschlossen schrubbte sie sich den Dreck der letzten Tage von Haut und Haar und war schon wenig später wieder trocken und angezogen. Mit dem Ärmel wischte sie Kondenswasser von einem Bronzespiegel an der Wand und warf einen kritischen Blick auf ihr Spiegelbild. Erynn. So wie immer. Vielleicht sollte sie tatsächlich irgendwann mal damit anfangen, interessante Dinge mit Frisur und Schminke anzustellen, überlegte sie, aber gewiß nicht heute. So kunstvolle Gebilde wie Dreveni bekam sie ohnehin nicht zustande und da sie nicht vorhatte in die Gefahr zu geraten sich ein Auge auszustechen, würde sie die Assassinin auch nicht nach einem Kohlestift fragen. Ganz abgesehen davon, daß das Ergebnis am Ende wohl ziemlich gruselig aussehen dürfte... Nachdem sie eine Weile reichlich planlos an ihren Haaren gezupft hatte, entschied sich Erynn dafür, sie einfach offen fallen zu lassen... als Zugeständnis an die Zivilisation.

    Schließlich klopfte sie an die Tür der anderen Elfin und steckte nach deren Zuruf den Kopf in das Zimmer. „Ich würde gern nach oben in die Schänke gehen und mich danach vielleicht noch etwas in der Stadt umsehen. Wollt Ihr mitkommen?“
    Geändert von Glannaragh (13.10.2011 um 21:36 Uhr)

  4. #84
    Als der Zuber endlich gefüllt war und Dreveni im heißen Wasser lag, wäre sie beinahe eingeschlafen. Vielleicht hatte sie auch tatsächlich geschlafen, denn auf einmal fröstelte sie, als das Wasser spürbar abgekühlt war. Schnell wusch sie sich noch die Haare, stieg aus dem nunmehr nur noch lauwarmen Wasser und wickelte sich ein Leinentuch um den Körper. Nachdem sie an Erynns Tür geklopft hatte, ging sie auf ihr eigenes Zimmer und besah kritisch den Inhalt ihrer Taschen. Das Bad im Fluss und das anschließende Trocknen auf den warmen Steinen hatte ihrer Kleidung nicht unbedingt gut getan, aber es würde - und musste - gehen. Sie zog wieder das dunkelrote Kleid an, dass sie als einzige etwas anständigere Kleidung dabei hatte und kämmte ihre noch nassen Haare. Zum trocknen ließ sie diese einfach offen, und gerade als sie halbwegs zufrieden ihr Spiegelbild betrachtete, streckte Erynn nach kurzem Klopfen den Kopf zur Tür herein. Ihr Vorschlag kam Dreveni durchaus gelegen, sie mussten ohnehin herausfinden, ob Gumora hier gewesen war. Sie nickte der anderen kurz zu, schlang sich ihren Gürtel mit dem Dolch um die Hüften und ging hinter Erynn die Treppe nach oben in den Schankraum. Dieser war inzwischen etwas voller geworden bemerkte Dreveni, als sie zum Tresen ging. Der Wirt musterte sie jetzt schon etwas anders als vorhin, wo sie noch voll Asche gewesen waren. Sie bestellten etwas, das Matze hieß, und ließen sich an einem kleinen Tisch nieder.

  5. #85
    Arranges fühlte sich fast ein wenig nackt, als er über den Platz zur Taverne schritt. Alles, was er jetzt noch am Leib trug war seine normale Kleidung. Ein wenig fühlte er sich an frühere Jahre erinnert. An jene Zeit in Cheydinhal, vor der Gathering und noch bevor er frühe Lehrer wie Harchaxas oder Nahestehende wie Nienna kannte, sondern eben nur die Dunmer, welche sich um ihn gekümmert hatte, nachdem seine Eltern gestorben waren. Er war auch in den Wäldern nahe der Stadt nie mit Rüstung unterwegs - wenn er sich denn überhaupt großartig aus der Stadt wagte. Damals war alles noch so einfach gewesen. Er war absolut niemandem verpflichtet, tat, was ihm Spaß machte um den Verlust zu verdrängen, was doch recht gut funktionierte, war Nekromantie doch ein sehr weitläufiges Gebiet magischer Schulung und eine echte Herausforderung für den sonst nur in der Mystik und Zerstörung bewanderten jungen Kaiserlichen.

    Auch in der Gathering später, fehlte es ihm im Grunde an nichts. Natürlich gab es Zeiten, in denen er herbe Rückschläge hinnehmen musste, aber keiner war so schwerwiegend, dass er aufgegeben hätte. Nach und nach entwickelte er sich zu einem herausragenden und im Vergleich recht mächtigen Mitglied der Bruderschaft. Er stellte seine Wissenserweiterung bald schon an aller erste Stelle nachdem er mehrmals zu spüren bekommen hatte, wie vergänglich Liebe und Freundschaft war und es nicht Wert waren, danach zu streben und doch... Und doch bin ich mir seit einiger Zeit nicht mehr sicher, ob ich nicht vielleicht etwas sehr Wichtiges ausgelassen habe... aber diese Empfindung scheint auch nur irgendein Gespinnst meiner selbst zu sein. Erynn tat sich mehr und mehr mit Dreveni zusammen, dessen war er sich zumindest seit Bal Ur sicher. Es kränkte ihn irgendwie und tat beinahe körperlich weh. Aber das sollte ihn nicht aufhalten, er hatte sich zunächst schließlich allein wegen dem Argonier nach Vvardenfell begeben und nicht um zu zusehen, wie sich Erynn von ihm abwandte.

    Arranges verdrängte die Gedanken, als er vor dem Aushänger der Taverne stand. Einen Moment später betrat er das Gebäude. Sofort fühlte er sich an das Anwesen Juranos erinnert, bis auf ein paar Details sah die Schenke von der Einrichtung und der Bauart her fast genauso aus. Entschlossen trat der Nekromant an den Tresen. 'Guten Tag, Sera, sind hier vor kurzem zwei Dunmerrinnen angekommen?'
    'Ja, ich nehme an, ihr seid der, für den sie das dritte Zimmer bezahlt haben?'
    'Genau. Wurde ein Schlüssel hinterlegt?'
    'Nein, ich kann euch im Moment auch nicht sicher sagen, ob die beiden noch im Haus sind.' MItdenken war noch nie die Stärke von Kriegern... Arranges seufzte. 'Nun gut... dann werde ich wohl warten müssen. Sagt, gibt es hier einen Schmied?'
    Der andere schaute ihn einen Moment fragend an. 'Eine Redoranfeste ohne Schmied wäre wohl sehr seltsam. Es gibt einen, ein Nord. Saetring, ihr findet ihn auf der oberen Wohnebene.'

    Nachdem Arranges sich den Weg hatte erklären lassen, stand er wenig später in der kleinen Schmiede. Klassische Lederbeinschienen schien es auf Vvardenfell gar nicht zu geben. Arranges ließ sich die einheimische Schmiedekunst zeigen und erklären und entschied sich dann für ein Paar Beinschienen aus Netchleder. Aufgrund des Materials mussten diese allerdings teilweise maßgefertigt sein. Der Kaiserliche würde die fertigen Rüstungsteile morgen abholen können.

    Arranges ging wieder zurück zur Taverne. Er war doch länger bei dem Schmied gewesen, stellte er fest, als der Magier oben auf dem Platz einen kurzen Blick in den Himmel war und am nördlichen Firmament Azuras Sterne schwach aufglimmen sah.

  6. #86
    Methys Galethran langweilte sich. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag fragte er sich, warum er den beschwerlichen Weg von Balmora bis hierher überhaupt noch auf sich nahm. Molag Mar in seiner Eigenschaft als Pilgerort und Sitz eines der bedeutendsten Tempel auf Vvardenfell war niemals ein Ausbund schierer weltlicher Ausgelassenheit gewesen, aber seit es den Sklavenmarkt nicht mehr gab und auch die Pilgerströme zunehmend weniger wurden, lohnte es sich wirklich kaum noch sich mit der Karawane zu diesem ascheumwehten Klotz durchzuschlagen. Zwar glaubte er nicht, daß er auf dieser Reise würde zusetzen müssen, aber Methys erkannte unzweifelhaft, woher der Wind blies. Wenn es so weiterging, könnte er Molag Mar von seiner Liste streichen. Ebenso wie Suran, Ald’Ruhn, Ebenherz, die großen Plantagen, die jetzt in Schutt und Asche lagen und demnächst vermutlich auch Vivec, wenn sich die Lage auf den Ascadiainseln im gleichen Maße weiter zuspitze, wie sie es seit geraumer Zeit tat.
    Mißmutig nippte er an seinem Flin und sah sich im Schankraum der einzigen Herberge am Ort um. Vor einigen Sonnenläufen noch war es hier immer brechend voll gewesen, jetzt war die Zahl der Gäste eher übersichtlich, hauptsächlich Pilger und ein paar Gestrandete, die wahrscheinlich hofften, von hier aus eine Überfahrt nach Port Telvannis zu ergattern, der letzten, halbwegs sicheren Route zum Festland. ...und wenn ich gescheit wäre, würde ich genau dasselbe tun. Vvardenfell hat es hinter sich. Die einzigen, die sich auf diesem staubigen Felsen einigermaßen behaupten können sind die Telvanni, und die haben kein Interesse an Geschäften mit dem Haus Hlaalu. Es ist zum Verrücktwerden!
    Sein Blick wanderte weiter durch die Schänke und blieb an zwei jungen Frauen hängen, wie sie unterschiedlicher kaum hätten sein können: Die eine war sehr groß und hatte schwarze, glänzende Haare. Ihre ganze Art wirkte reserviert, effizient und selbstsicher, eine Frau, die selbst ein unterbelichteter Ork aus reinem Selbsterhaltungsinstinkt nicht unterschätzen würde. Und sie wirkte nicht, als hätte sie Lust auf ein Pläuschchen. Methys war schon drauf und dran, sich enttäuscht wieder abzuwenden, sah es doch so aus, als würde er, nachdem schon die Geschäfte heute schlecht liefen, noch nicht einmal einen interessanten Gesprächspartner in dieser lausigen, tempelverseuchten Absteige finden. Dann aber besah er sich die zweite Frau genauer. Ihr schneeweißes Haar war das Auffälligste an ihr, wenngleich diese Farbe für eine Dunmer auch nicht allzu exotisch war. Neben der großen Schwarzhaarigen war das Mädchen beinahe unsichtbar. Und doch... Sie ist etwas kurz geraten, kaum größer als eine Bosmer, aber abgesehen davon... Die feinen Gesichtszüge, der gertenschlanke Leib und die großen, lebendig wirkenden Augen ließen sie wirken wie eine Tochter einer der ältesten und reinsten Blutlinien Resdayns, und im Gegensatz zu ihrer Begleiterin zeichnete sich keine kühle Zurückhaltung in ihrer Miene ab, sonder vielmehr... Neugier?
    Mit einem Mal war Methys faszinert. Die beiden waren gekleidet wie Fremdländer, was ungewöhnlich war. Abgesehen von Gruppen freigelassener Tierwesen, die hier gelegentlich noch durchkamen, hatten sich die meisten Fremden längst aus diesem Teil der Insel verdrückt. Aber er wäre nicht Methys Galethran, wenn er diesem Rätsel nicht noch auf den Grund gehen würde.

    Der Hlaalu packte die Gelegenheit beim Schopfe, als die Dunkelhaarige aufstand und auf den Tresen zusteuerte, scheinbar um Nachschub zu besorgen. Er setzte ein gewinnendes Lächeln auf und trat an den Tisch, wo die kleinere und, aus der Nähe betrachtet, auch etwas jüngere Dunmer nunmehr allein saß. „Sunnabe, Sedura adonai“, grüßte er höflich.
    Erynn blickte ein wenig verwirrt auf, erwiderte das Lächeln aber unwillkürlich. „Seid gegrüßt“, antwortete sie, „bitte verzeiht, aber ich verstehe Euch nicht...“
    Methys nickte und wechselte ansatzlos ins Cyrodiilische: „Ich wünschte Euch Segen auf Euren Wegen, meine Dame. Mein Name ist Methys Galethran. Bitte, darf ich mich zu Euch setzen?“
    Erynn schaute sich kurz nach der Assassinin um, sah aber nur ihren Rücken, dann konzentrierte sie sich wieder auf den Fremden. „Erynn Releth. Ja, bitte setzt Euch.“ Sie machte eine einladende Geste.
    Der Händler kam der Aufforderung nach und nahm ihr gegenüber Platz. So aus der Nähe betrachtet sieht sie aus, als hätte sie einiges hinter sich... ich frage mich, woher all diese alten Verletzungen stammen mögen. „Vergebt mein forsches Auftreten, Sera, aber ich war neugierieg. Ich besuche diesen Außenposten häufiger, und Ihr seid mir hier noch niemals aufgefallen.“ Wieder lächelte er, ein über die Jahre geübter und verfeinerter Ausdruck, von dem er sehr genau wußte, daß dieser seine Wirkung nur selten verfehlte.
    „Ihr seid tatsächlich sehr neugierig“, gab die Kriegerin zurück. „Dies ist eine Pilgerstätte, oder nicht? Wie viele Leute mögen wohl hier durchkommen, deren Gesichter Ihr nicht kennt?“
    Methys legte den Kopf ein wenig schief, doch sein Gesichtsausdruck blieb unverändert freundlich. Dieses Gespräch schien tatsächlich einigermaßen interessant zu werden. „Das ist unzweifelhaft wahr“, gestand er ein, „aber, vergebt mir erneut, Ihr und Eure Begleiterin wirken auf mich nicht wie Pilger des Tribunalstempels.“
    „Tatsächlich?“ Erynn lehnte sich zurück und musterte den anderen abschätzend. Er wirkte ebenso gepflegt, wie es seine Audrucksweise vermuten ließ. Sein Alter war nur schwer zu schätzen, aber sie vermutete, daß er irgendwas zwischen neunzig und hundertdreißig Jahre zählen mochte. Seine Augen waren eher braun als rot, etwa von der selben Farbe wie sein Haar, daß er zu einem lockeren Pferdeschwanz gebunden hatte, was ihn ein bißchen verwegen erscheinen ließ. „Nun, da Ihr Euch hier auskennt, fällt Euch das vielleicht tatsächlich auf den ersten Blick auf. Aber wollt Ihr mir nicht erst einmal verraten, was sich noch so hinter dem Namen Methys Galethran verbirgt, bevor Ihr mich weiter ausfragt?“
    „Natürlich.“ Der Hlaalu nickte. „Das ist kein Geheimnis. Ich bin Händler. Hauptsächlich Gewürze, alchemistische Zutaten und ähnliches. Nicht wirklich aufregend, wie ich gestehen muß...“
    Nein, tatsächlich nicht wirklich aufregend, dachte Erynn bei sich. Fast automatisch warf sie einen Blick auf seine Hände. Hände verrieten viel über einen Menschen oder Mer, oft sogar mehr als sein Gesicht. Wenn sie weiche, schwielenlose Haut und manikürte Fingernägel erwartet hatte, so wurde sie eines Besseren belehrt. „Soso“, gab sie zurück. „Aber Ihr wirkt auch nicht wie jemand, der dewn lieben langen Tag in seinem Kontor hockt und Auftragslisten vollkritzelt... auch, wenn Ihr Eure Warenkisten und Säcke nicht selber schleppt. Aber Ihr seid viel unterwegs, nicht wahr?“
    An diesem Punkt war Methys ehrlich beeindruckt. Wer verbarg sich eigentlich hinter dieser jungen Frau, die ihre eigene Landessprache nicht beherrschte und die mehr Kampfspuren auf ihrer Haut trug als so mancher Veteran? „Ihr beobachtet sehr gut. Ja, ich reise mit meiner Karawane und kümmere mich persönlich um die Abwicklung. Das ist mir lieber, als mir in einer Schreibstube den Hintern breitzusitzen... vielleicht könnt ihr das nachvollziehen.“
    Als Antwort darauf grinste Erynn nur. Ja, jetzt sprach er wirklich ihre Sprache. Der Anflug von Desinteresse, der bei der Erwähnung seines Berufes aufgekommen war, verflüchtigte sich wieder. „Trotzdem interessiert mich nach wie vor“, fuhr der Dunmer fort, „was Euch ausgerechnet in dieses Nest treibt. Ihr stammt aus der Kaiserprovinz, wenn ich mich nicht irre. Wenn ja, dann habt Ihr Euch einen seltsamen Zeitpunkt ausgesucht, in die Heimat zu kommen.“
    „Ich habe auch nicht vor zu bleiben“, sagte Erynn. „Zwar wurde ich auf Vvardenfell geboren, aber ich habe nur eine sehr kurze Zeit meines Lebens hier verbracht.“ Sie warf einen Blick in den leeren Matzekrug vor sich und schob ihn dann ein Stück von sich fort, was Galethran dazu veranlaßte, dem Wirt ein Zeichen zu geben. Nur Augenblicke darauf stand dieser an ihrem Tisch und platzierte zwei neue Krüge vor ihnen. Cyrodiilischer Brandy. Teures Zeug, allerdings sieht dieser Mann auch so aus, als könne er es sich leisten. Die Kriegerin schenkte ihm zum Dank ein warmes Lächeln und kostete von dem Weinbrand. Er war weich, stark und rann durch hre Kehle wie flüssiges Feuer. „Aber daß Vvardenfell interessante Zeiten erlebt, ist mir nicht entgangen. Was geschieht hier eigentlich? Nehmt es mir nicht übel, wenn ich so offen spreche, doch hier scheint sich alles irgendwie in Auflösung zu befinden, jedenfalls im Südwesten. Viel weiter bin ich noch nicht herumgekommen.“
    „Eure Beobachtung ist wieder korrekt, Sera Releth. Hier ist vieles im Umbruch, und nicht zum Guten.“ Sein Gesicht verfinsterte sich ein wenig. Nicht nur, daß wir hier ebenso mit den Obliviontoren zu kämpfen haben wie der Rest Tamriels auch. Erst vor Kurzem hat unser hochgeehrter König Hlaalu Helseth beschlossen, die Praxis der Sklaverei abzuschaffen, was dazu führte, daß jetzt zusätzlich noch Banden von Freigelassenen marodierend durch die Gegend ziehen und sich nicht selten an ihren früheren Herren rächen... oder ganz einfach kleinere Höfe plündern, weil sie nicht wissen, woher sie sonst das bekommen sollten, was sie zum Leben brauchen. Als hätte man mit so etwas nicht rechnen müssen bei den Biestkreaturen... Naja, und noch einige andere Dinge mehr, aber ich will Euch damit nicht belasten. Trinkt lieber mit mir, wer weiß schon, wie lange wir noch die Gelegenheit dazu haben.“
    Erynn sah Methys etwas irritiert an, nahm aber dennoch einige weitere Schlucke von dem Brandy. „Warum hätte man das von den Tierwesen erwarten müssen?“, fragte sie.
    Ihr Gegenüber erwiderte den Blick und grinste schief, wenngleich nicht sonderlich humorvoll. „Ihr seid in Cyrodiil aufgewachsen, daher muß Euch unser Umgang mit Khajiiti und Argoniern sehr fremd und wahrscheinlich auch schlicht falsch vorkommen. Aber wir haben hier jahrhundertelange Erfahrung mit diesen Spezies. Sie sind anders. Ihre Kultur, ihre Werte... wenn man sie einfach gewähren läßt, kommen sie über Morrowind wie die Heuschrecken über ein Salzreisfeld und nehmen sich, was sie wollen – wie man jetzt gerade sehr anschaulich beobachten kann. Sie sind kaum mehr als Tiere, und die Sitten oder auch nur das Leben unseres Volkes achten sie nicht. Deshalb ist es wichtig, sie unter Kontrolle zu halten. Wenn sie eine Aufgabe haben und eine starke Hand, die sie führt, kann man sie halbwegs zivilisieren und ihren destruktiven Trieben Einhalt gebieten... aber das ist jetzt vorbei, und dieses Land wird noch lange schwer damit zu kämpfen haben.“
    Erynn dachte an Ah-Malz und öffnete den Mund, um zu widersprechen, als der Händler auch schon eine Hand hob: „Nein, sagt nichts. Ihr wollt mir jetzt erzählen, daß nicht alle Khajiit und Argonier so sind, nicht wahr? Daß Ihr irgendeinen kennt, der ganz anders ist als so, wie ich es gerade geschildert habe.“
    „Ja.“ Erynn war ein wenig erstaunt, außerdem spürte sie, wie der Brandy ihr langsam aber sicher zu Kopfe stieg. „Das wollte ich tatsächlich gerade sagen.“
    „Natürlich kennt Ihr so jemanden, ebenso wie ich. Es gibt immer Ausnahmen, immer solche, die sich respektvoll verhalten. Aber es sind immer nur einzelne. Wenn ich Euch jetzt fragte, ob Ihr schon einmal von einem Argonier oder Khajiit angegriffen, hintergangen oder betrogen wurdet, würde Euch dazu gewiß auch ein Beispiel einfallen, habe ich Recht?“ Methys zuckte die Achseln, bestellte dann mit einem Wink eine weitere Runde. „Ich erwarte gar nicht, daß Ihr Eure Meinung ändert. Dieses Thema war schon immer kontrovers, auch in Morrowind selber, und jetzt gehört es ohnehin der Vergangenheit an. Wichtig ist die Frage, wie wir hier mit den Folgen umgehen. Was nutzt es schon, über zerschlagene Kwamaeier zu streiten?“

    ...und wie verdammt Recht du hast! Gumora ist da ein recht anschauliches Beispiel. Erynn griff nach dem frischen Krug Weinbrand. Mittlerweile war sie deutlich beduselt, hatte ihre fünf Sinne aber noch immer so weit beisammen, um eins und eins zusammenzählen zu können. „Ich hörte von einer Antisklavereibewegung...“, nahm sie den Faden wieder auf, ohne weiter darauf einzugehen, was sie nun tatsächlich von dem Thema hielt.
    „Ja. Die gab und gibt es hier. Ich gehe davon aus, daß diese zum großen Teil hinter den Unruhen steckt, aber hieb- und stichfeste Bewise gibt es dafür nicht.“ Methys fragte sich, worauf das Mädchen hinauswollte, aber da sprach Erynn schon weiter. Vielleicht konnte dieser Dunmer ihr tatsächlich weiterhelfen. „Ihr habt mich gefragt, warum ich hier bin, Sera Galethran... nun, ich suche jemanden. Einen Argonier mit dem Namen Gumora“, vertraute sie ihm an. „Er ist ein Kundschafter und soll Gerüchten zufolge mit dieser Bewegung zu tun haben. Wir haben seine Spur bis hierher verfolgt, aber sie ist relativ kalt. Habt Ihr vielleicht eine Idee, wohin er sich von Molag Mar aus gewendet haben könnte?“

    In den Augen des Hlaalu blitzte Interesse auf. Na bitte, es geht doch. Ein wenig Alkohol, und die Leute werden redselig. Ich wußte doch, daß ich aus ihr herausbekomme, was ich wissen wollte... Mal sehen, wohin das ganze heute Abend noch führt. „warum sucht Ihr diesen Argonier denn? Und bitte, mein Name ist Methys...“
    Sie lächelte und fixierte ihren Blick mit einiger Mühe auf sein Gesicht. „Dann nennt mich Erynn. Ich suche diesen Kerl, weil ich noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen habe... eher einen ganzen Stall voll Hühner, um genau zu sein. Es ist, wie du sagtest. Er ist ein Verräter.“
    Sieh an... „Weiß er, daß du hinter ihm her bist?“
    „Vermutlich. Nachdem sein Plan nicht aufgegangen ist, ist er jedenfalls verschwunden. Vvardenfell ist die einzige Spur, die ich habe.“
    „Wenn er in Molag Mar war, wird er sich wahrscheinlich nach Norden gewendet haben. Direkt nach Norden, nicht erst zur Ostküste. Das ist Telvannigebiet, dort dürfte es ihm schwerfallen Fuß zu fassen. Das Haus Telvan ist dafür bekannt, sich bestenfalls oberflächlich um die Vorgaben des Kaiserreichs zu scheren. Man mag die Sklaverei offiziell abgeschafft haben, aber die Katakomben der Zauberer sind tief und dunkel. Dorthin wird dein Argonier nicht gegangen sein, wenn er auch nur einen Funken Verstand im Kopf hat.“
    „Nach Norden also...“

    „Erynn...“ Mathys beugte sich vor und griff wie selbstverständlich nach ihrer Hand, „es schmerzt mich zu hören, daß du hintergangen wurdest. Ich hoffe, du findest diese Echse und gibst ihm, was er verdient. Aber heute wirst du ihn ohnehin nicht mehr zu fassen bekommen. Sprechen wir über irgend etwas anderes, das weniger unerfreulich ist.“
    Instinktiv wollte die Kriegerin ihre Hand wegziehen. Es war die linke, die verstümmelt war, und jetzt gerade schämte sie sich dafür. Mathys jedoch schien sich nicht weiter daran zu stören, und so ließ sie ihn schließlich gewähren. Wo ist eigentlich Dreveni? schoß es ihr kurz durch den Kopf. Sie hätte doch schon längst wieder zurück sein müssen...
    „Worüber willst du denn sprechen?“ nuschelte sie. „Falls es darum geht“, sie nickte in Richtung ihrer Linken, „ich glaub, ich laß mir in nächster Zukunft mal ‚Das war ein Oger’ auf den Handrücken tätowieren.“
    Der Händler lachte ehrlich amüsiert angesichts Erynns Direktheit. Ja, dieses Mädchen war wirklich erfrischend, irgendwie. Und wenn sie es sich schon gefallen ließ, daß er sie so keck einfach berührte, könnte der Aufenthalt in Molag Mar doch noch ganz angenehm werden, wenn er es nur geschickt anstellte.

    Natürlich war er geschickt, schließlich zog Methys Galethran diese Nummer nicht zum ersten Mal ab. Er stellte sehr bald fest, daß die junge Frau vielleicht kampferprobt sein mochte, aber ansonsten doch reichlich naiv. Sie lachte über seine Witze, folgte den kleinen Veränderungen in seiner Mimik und nahm die Komplimente bereitwillig auf, die er ihr machte, ja, schien sogar regelrecht ausgehungert danach zu sein, als bekäme sie nicht oft Schmeichelhaftes über sich selbst zu hören. Eine Schande, eigentlich... aber Glück für mich. Die Investition in den Weinbrand hatte sich definitiv gelohnt.

    „Es wird spät, Erynn. Ich sollte so langsam aufbrechen“, meinte er schließlich und nahm zufrieden wahr, wie sich echtes Bedauern auf ihrem Gesicht abzeichnete. Er machte eine kurze Pause, wärend der er die Worte so, wie sie waren in der Luft hängen ließ und fuhr dann fort, als sei ihm der Einfall gerade erst gekommen: „Willst du mich vielleicht begleiten? Ich würde mich sehr geehrt fühlen...“
    Erynns benebelter Geist brauchte nicht lange, um eine Entscheidung zu treffen. Sie hatte eine ungefähre Ahnung, wohin das hier führen würde, aber... Verdammt noch mal, warum eigentlich nicht? Zumindest fragt er mich anständig, statt mich mit Lastzaubern zu bewerfen! Außerdem fühlte sie sich gerade etwas verwegen und ziemlich mutig, halb durch die Wirkung des Brandys und halb durch Methys’ Beteuerungen, daß sie wohl doch ansehnlicher war, als sie von sich selbst bisher gedacht hatte. Darüber hinaus... sie wollte gerade wirklich festgehalten werden. Von wem, war ihr dabei fast egal, und wenn der Dunmerhändler sich schon anbot... Ja, warum eigentlich nicht?
    Sie erhob sich reichlich unsicher und taumelte, als sie schließlich auf ihren eigenen Füßen stand. Der Hlaalu griff geschickt zu und fing sie auf, bugsierte die Bogenschützin dann durch den Schankraum auf die Ausgangstür zu.
    Die frische Luft draußen traf Erynn wie ein Hammerschlag und ließ es ihr noch schwindeliger werden, was dazu führte, daß sie sich noch schwerer auf Methys stützte. „Sag mal, wo willst du eigentlich hin?“, fragte sie reichlich undeutlich an seiner Schulter. Er grinste. „Wo es etwas gemütlicher ist als in einem Tavernenzimmer. Folge mir einfach.“
    Geändert von Glannaragh (16.10.2011 um 01:38 Uhr)

  7. #87
    Bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens eine der beiden im Schankraum zugegen ist. Ich habe nur wenig Lust, die Nacht auf einer Holzbank zu verbringen nur weil... Wie angewurzelt blieb Arranges stehen, als vor ihm zwei Gestalten aus der Taverne traten und sich in die andere Richtung - von ihm weg - drehten. Die eine erkannte er sofort. Es war Erynn, die andere kannte er nicht. Ein Dunmer, leicht größer als er. Er hielt die Kriegerin fest im Arm und es war kaum zu übersehen, dass Erynn einiges intus hatte. Zum Teufel mit dir Erynn! Wut kochte in ihm hoch, schneller, als er es vermochte einen kühlen Kopf zu bewahren. Was er noch bis vor kurzem für schwachsinnige Gedanken seines Unterbewusstseins abgetan hatte, drängte nun in seinen Verstand vor und machte ihm unmissverständlich klar, dass es ihm allein in diesem Moment unerträglich war, die Dunmer in den Armen eines anderen zu sehen. Und plötzlich handelte er mehr instinktiv, als von seinem analytischen Magierverstand geleitet.

    Er blickte sich einen Moment um auf dem Platz. Es war still, keine Bürger oder Wachen waren zu sehen. Arranges zögerte nicht länger. Mit großen Schritten schloss er zu den beiden auf und sprach dann ohne Einleitung den doch recht nobel gekleideten Dunmer von hinten an: 'Sind die Hurenhäuser in Vvardenfell sogar für die Wohlhabenden zu teuer oder ist es hier einfach nur üblich, sich die Frauen anderer durch Alkohol gefügig zu machen?' Der Dunmer drehte sich völlig überrumpelt um und wollte wohl gerade irgendetwas stotternd erwiedern, als Arranges ihn auch schon am Kragen grob herumriss, ihn von Erynn trennte und gegen die Wand der Taverne stieß. 'Was äh? Sera... Herr, seid ihr noch ganz bei Sinnen? Ich wollte...'
    'Schweig!' Arranges unterbrach ihn grob. Er rief einen Dolch in seine Hand und kam auf den noch immer an der Wand lehnenden Dunmer zu. 'Mutsera... wenn ich gewusst hätte...'
    'Wenn du gewusst hättest... du hast dir doch nichteinmal die Mühe gemacht möglicherweise gewusst zu haben oder auch nur im Ansatz darüber nachzudenken.' Der Magier hatte gerade den Dolch über den Brustkorb des anderen ziehen wollen, aber so überrascht sein Gegenüber wohl noch immer war, so gut funktionierten auch noch seine Reflexe, denn blitzschnell parierte er den Streich des Kaiserlichen mit einem eigenen kleinen Dolch. Nur einen Lidschlag später trat der Dunmer zu und stieß so Arranges von sich, der ob des kaum zum Ausholen gereichenden Raums lediglich ein wenig zurücktaumelte, aber sich direkt wieder fing. Wütend griff Arranges vor sich in die Luft und ballte seine Hand ruckartig zur Faust, woraufhin der Dolch des Dunmers plötzlich zersprang. Ein Zauber folgte, ehe der andere genau wusste, wie ihm geschah, sackte er an der Wand zusammen und blickte Arranges aus mühsam offen gehaltenen Augen an. 'Serjo, ich bitte euch, es war nie meine Absicht, euch euer Weib zu entführen...' Stammelte er, während Arranges auf ihn zukam und sich vor ihm hinkniete. 'So?! Dann werde ich Gnade walten lassen und euch nicht umbringen, obgleich ihr es sehrwohl verdient hättet...' Das stumme Flehen in den weit aufgerissenen Augen ignorierend, legte Arranges quälend langsam seine Rechte auf die linke Gesichtshälfte des Dunmers. 'Wenn ihr schreit, werde ich euren Kopf platzen lassen, wie eine überreife Melone, die zu Boden fällt!' Ströme aus flüssigem Eis drangen wie tausende hauchfeine Speerspitzen in die Haut des Dunmers, dort, wo Arranges Hand ihn berührte. Ein Krächzen entrang sich der Kehle des Fremden, ehe Arranges mit der anderen Hand selbige zudrückte. 'Ich sagte: Nicht schreien!' Gewebsfetzen und gefrorenes Blut hingen an der Hand, als Arranges sie wieder zurückzog. Was blieb war ein durch massive Erfrierungen in die Haut gebrannter Abdruck seiner Hand auf dem Gesicht des Dunmers. 'Und jetzt seht zu, dass ihr hier verschwindet, bevor ich es mir anders überlege!' Sagte er noch, während er den Zauber auflöste. Er kümmerte sich nicht weiter um den Dunmer. Der Kaiserliche erhob sich und sah sich nach Erynn um.
    Geändert von weuze (16.10.2011 um 23:42 Uhr)

  8. #88
    [Erynn]
    Erynn geriet ins Stolpern und fiel hin, als irgendjemand ihren Begleiter von ihr wegzerrte. Sie orientierte sich mit einiger Mühe und beobachtete das Geschehen mit geschürzten Lippen und hochgezogener Augenbraue. Methys, man konnte es nicht anders beschreiben, machte wirklich keine gute Figur in diesem Moment. Mehr fiel ihr zu der Szene gerade nicht ein, dafür arbeitete ihr Hirn schon längst nur noch zu rudimentär.
    Nachdem der Kaiserliche fertig damit war, sein Revier abzustecken, drehte sie träge den Kopf und schaute dem Dunmer hinterher, der ohne ein weiteres Wort um die nächste Ecke verschwand und es dabei reichlich eilig hatte. Feigling... ich hätte wirklich mehr von dir erwartet, dachte sie mit nur halb aufgesetzer Empörung. Ihr Blick fiel wieder auf Arranges, der sie anstarrte, und in diesem Augenblick konnte sie einfach nicht anders: Erynn warf den Kopf in den Nacken und begann lauthals zu lachen.

    [Arranges]
    Voll wie ein Fass kurz vor dem Überlaufen. Dachte Arranges, als er auf Erynn herabblickte. Als sie dann auch noch zu lachen begann, warf er einen kurzen Blick über die Schulter in die Richtung, in welche der Dunmer verschwunden war. Ich hatte dich ja bis hier hin für ansatzweise vernünftig gehalten, aber dass du dich so leicht abschleppen lässt, hatte ich nicht erwartet... das ist... traurig? Arranges wusste in der Tat nicht, was er davon halten sollte. Allerdings war das auch ersteinmal eher zweitrangig. Erynn war abgefüllt bis unter die Schädeldecke und allein konnte sie sich nicht mehr helfen. Der Magier zögerte oder fragte gar nicht lange, sonder beugte sich zu ihr hinab, packte sie bei den Armen und zog sie auf die Füße. Mit festem Griff hielt er sie auf den Beine und blickte ihr in die Augen. 'Kannst du allein gehen?' Fragte er etwas forsch.

    [Erynn]
    Erynn machte sich von Arranges los und kämpfte ein wenig mit ihrem Gleichgewicht, nachdem sie sich wieder etwas beruhigt hatte und nur noch ein breites, wildes Grinsen geblieben war. Sie sah dem Beschwörer keck in die Augen. "Was war das denn, Arranges? Du schlägst dich um mich?" Übermütig warf sie sich in eine Pose, die vermutlich tatsächlich kokett gewirkt hätte, wäre sie nicht aufgrund von Koordinationsstörungen komplett mißlungen, und schneller als sie sichs versah, saß Erynn wieder auf dem Hintern. Sie überging das Mißgeschick, indem sie erneut in albernes Gekicher ausbrach. "Nein", informierte sie ihn gedehnt, "ich kann nicht alleine gehen. Wie wärs, wenn du dich nützlich machst und mich über die Schwelle trägst?"

    [Arranges]
    Arranges zuckte leicht zusammen, machte sich aber keine Sorgen darum, dass Erynn das mitbekommen hätte. In der Tat, ich prügel mich um dich... Als sie sich wieder auf den Hosenboden setzte, kam er nicht umhin, sich an den Kopf zu fassen und selbigen leicht zu schütteln. Das nächste Mal geb ich mir wieder die Kante... das ist wesentlich einfacher für mich. Ohne ein weiteres Wort ging Arranges die zwei Schritte zu der Dunmer und wuchtete sie kurzerhand hoch. 'Hör auf rum zu zappeln!' Sagte er bestimmt.
    Etwas umständlich betätigte er die Klinke der Tavernentür. Drinnen war es praktisch leer, wobei Arranges sich nicht zu große Mühe gab, sich wirklich um etwaige andere Gäste zu kümmern. Lediglich der Blick des Wirts fiel ihm auf, der hinter dem Tresen stand und kurz mit dem Gläser ausreiben inne hielt um abzuschätzen ob der Kaiserliche mit der Dunmer auf den Armen Ärger bedeuteten oder nicht. Als Arranges Erynn auf einem Stuhl in einer Ecke absetzte, bestimmte er wohl, dass dem nicht so war. 'Wirt, einen großen Krug Wasser!'

    [Erynn]
    "Ich zappel doch gar nicht", maulte Erynn vor sich hin und krallte sich krampfhaft an Arranges' Nacken fest, als er die Tür aufstieß. Von dem Geschaukel wurde ihr doch ein bißchen übel. Vielleicht wäre es besser gewesen, die Füße auf dem Boden zu lassen...
    Sie sackte auf dem Stuhl zusammen und fragte sich, warum der Beschwörer so ein Geschrei veranstaltete. "Ich will aber gar kein Wasser", verkündete sie mit einer Überzeugung, wie sie nur Betrunkene hatten. "Das kannst du selber trinken!" Sie überlegte eine Weile angestrengt. "Ich will was essen. Jetzt!"

    [Arranges]
    Der Magier seufzte einmal gedehnt. Er blieb zunächst stehen, damit er schneller zupacken konnte, sollte Erynn sich entscheiden irgendwelche Faxen zu machen. Während der Wirt zu ihnen kam, ließ der Kaiserliche den Blick einmal durch die Taverne gleiten. Es war gerademal ein Gast da, der in einer Ecke auf der anderen Seite des Raumes saß und selbst nur noch abwesend in einen Becher starrte. Der Dunmer stellte den Krug auf dem Tisch ab und warf Arranges einen vielsagenden Blick zu. Arranges antwortete ebenso stumm mit einem leichten Kopfschütteln. Der andere wollte sich gerade wieder abwenden, als Arranges ihn zurückhielt. 'Wäre es wohl möglich, noch etwas zu essen zu bekommen?'
    'Hm... die Küche ist kalt, aber wenn hartgekochte Kwamaeier und ein wenig Brot reichen, dann ja.' Arranges machte eine wegwerfende Geste. 'Völlig egal, bringt, was ihr habt...' Der Dunmer nickte und verschwand in einem Durchgang hinter dem Tresen. Arranges setzte sich derweil doch noch auf einen Stuhl gegenüber seiner Begleiterin. Hoffentlich ist das Brot schön trocken, dann muss ich sie nicht zum Trinken zwingen. Nur einige Augenblicke später stellte der der Wirt eine Schüssel mit zwei Kwamaeiern, einen halben Laib Brot und eine kleiner Schale mit einer Art Paste - Skattel, wie der Wirt erklärte - ab. Auffordernd und ein kleinwenig ungeduldig blickte Arranges in die viel zu weiten Pupillen der Dunmer.

    [Erynn]
    Mißtrauisch besah sich die Elfin die dargebotenen Speisen und nahm schließlich das Brot. Das restliche Zeug kam ihr nicht wirklich bekannt vor und irgendwie empfand sie es gerade als ziemliche Frechheit, daß man ihr so seltsamen Kram vorsetzte. Sie beschwerte sich dennoch nicht, jedenfalls noch nicht, war sie doch gerade viel zu sehr beschäftigt, ihren Heißhunger zu stillen. Nachdem der kleine Laib verschwunden war, griff Erynn doch noch nach einem Kwamaei und drehte es etwas hilflos in den Händen, bis sich Arranges erbarmte und für sie die Schale abmachte. Die Dunmerin biß hinein, verzog das Gesicht und konnte gerade noch genug Anstand aufbringen, den Bissen nicht direkt wieder auf den Tavernenboden zu spucken. Sie würgte, klatschte das Ei unsanft auf den Tisch und sah den Beschwörer zutiefst empört an: "Das ist ja ekelhaft. Sowas eß ich nicht!" Bockig verschränkte sie die Arme vor der Brust und rülpste reichlich undamenhaft.

    [Arranges]
    Gut, dann sind wir wohl fertig. Abermals seufzte der Kaiserliche. 'Dann würde ich vorschlagen, dass du jetzt schlafen gehst, es reicht für heute.' Sagte Arranges freundlich aber dennoch mit Nachdruck.

    [Erynn]
    "Eigentlich wollte ich heute Nacht gar nicht schlafen", nuschelte Erynn undeutlich, ging dann aber doch das schwierige Unterfangen an, sich von dem Stuhl hochzuwuchten. Hier rumzusitzen war auch langweilig, außerdem ekelte sie der Gestank von dem Kwamaei an. "Aber... Arranges? Ich bin noch gar nicht müde. Und ich wollte mir noch die Stadt ansehen..."

    [Arranges]
    Er stand ebenfalls auf, als Erynn sich reichlich wankend erhob und griff nach ihr um sie zu stützen, als sie den ersten Schritt machte und direkt ins Stolpern kam. 'Sicher nicht, das Einzige, was du dir heute noch anschaust, ist die Zimmerdecke über deinem Bett!' Er lenkte sie leicht in die richtige Richtung, während er Erynn gut festhalten musste, damit sie nicht doch noch beide der Länge nach hinfielen.

    [Erynn]
    Erynn murrte vernehmlich, ließ sich aber trotzdem von dem Kaiserlichen zum Treppenabsatz bugsieren, wobei sie schwer auf seiner Schulter hing. Unzufrieden stellte sie fest, daß es ihr fast nicht mehr möglich war, ihren Blick noch auf überhaupt irgendwas zu fokussieren. "Meine Güte, renn doch nicht so", wehrte sie sich dagegen, einfach immer weiter geschleift zu werden und stemmte die Hacken in den Boden, bis sie zufrieden feststellte, daß Arranges tatsächlich kurz stehen blieb und sich halb zu ihr umwandte. "Aber Morgen..." sie tippte ihn hart mit dem Zeigefinger auf die Brust "... Morgen sehen wir uns die Stadt an, versprochen? Bitte...", quengelte sie.

    [Arranges]
    'Ja, morgen sehen wir uns die Stadt an.' Versprach Arranges resignierend. Dann ging er mit ihr vorsichtig, Schritt für Schritt, die Treppe hinunter. Es waren nicht viele Stufen und doch schwankte Erynn noch so stark auf der unteren Hälfte, dass auch Arranges plötzlich das Gleichgewicht verlor. Die Dunmer erwischte die nächste Stufe nicht mehr ganz. Arranges versuchte noch, sie zu halten, wurde aber von ihr einfach mitgezogen. Im hohen Bogen flogen beide die letzten paar Stufen hinab und schlugen unten auf dem Steinboden hart auf. Knurrend stemmte sich Arranges hoch. Nie wieder Alkohol für dich Erynn, da kannst du Gift drauf nehmen!

    [Erynn]
    Die Elfin rappelte sich bis auf die Knie hoch und stellte erstaunt fest, daß sie irgendwie bereits das Ende der Treppe erreicht hatte. Sie legte den Kopf in den Nacken und schaute zu Arranges hoch, der alles andere als begeistert aussah. "Das war jetzt aber nicht besonders elegant von dir", ließ sie ihn wissen. "Ich dachte eigentlich, du wolltest Methys Konkurrenz machen. So wird das aber nichts, weißt du?" Ihr Gesicht nahm einen tadelnden Ausdruck an und sie streckte dem Beschwörer herrisch einen Arm entgegen, um sich von ihm aufhelfen zu lassen.

    [Dreveni]
    Als Dreveni sich mit den Getränken in der Hand wieder von der Bar wegdrehte, sah sie dass Erynn inzwischen Gesellschaft bekommen hatte. Seufzend sah sie sich in der Taverne um, konnte aber niemanden entdecken, dem sie jetzt gesellschaft leisten wollte, und verzog sich mit den zwei Krügen Matze auf ihr Zimmer. Dort angekommen entschloss sie sich, noch kurz das Flusswasser aus ihrer restlichen Kleidung waschen würde, etwas anderes fiel ihr gerade nicht ein. Ein Buch hatte sie nicht dabei, das hätte auch das Bad nicht unbedingt überlebt. Wir müssen unbedingt eine neue Karte organisieren...
    Als sie gerade mit waschen fertig war, ihre Sachen ausgebreitet in ihrem Zimmer trockneten und sie mit einem Krug Matze auf dem Bett saß, hörte sie von draussen plötzlich lautes Poltern. Sofort setzte sie den Krug ab, zog ihren Dolch und stand an der Tür. Von draussen konnte sie allerdings nur laute Stimmen hören, die ihr seltsam bekannt vorkamen... Sie steckte den Dolch weg und zog die Tür auf. Das Bild, dass sich ihr bot, hatte durchaus etwas. Erynn saß - oder kauerte vielmehr - auf dem Boden und streckte Arranges gerade eine Hand entgegen. Dreveni sah auf den ersten Blick, das Erynn total besoffen war. Und wo war überhaupt der Dunmer geblieben, der vorhin noch bei ihr war? "Euch kann man auch keine fünf Minuten alleine lassen, oder?", fragte sie Erynn schließlich mit mühsam unterdrücktem Ärger. Bei dem Lärm würde sie bald die ganze Herberge aufgeweckt haben und gleich negativ auffallen mussten sie auch nicht unbedingt.

    [Arranges]
    'Ich hatte nicht vor, diesem Weichei Konkurrenz zu machen...' Das müsste ich nichtmal versuchen, das bin ich nämlich sowieso. Mit einem etwas groberen Ruck zog er Erynn wieder auf die Beine, als sie beide angesprochen wurden. Erynn stützend, drehte der Magier den Kopf. Die hatte grade noch gefehlt. 'Anscheinend schon, andernfalls wäre Erynn nicht voll wie ein Nord... Wo ist ihr Zimmer?' Fragte Arranges deutlich sauer.

    [Dreveni]
    Dreveni deutete auf eine der Türen. "Ihren Schlüssel hat sie hoffentlich irgendwo in ihren Taschen.", sagte sie an Arranges gewandt. Nachdem sie sah, dass Arranges genug damit zu tun hatte, Erynn auf den Beinen zu halten, trat sie entschlossen vor und durchsuchte deren Taschen, bis sie den Schlüssel in der Hand hielt und sperrte die Tür auf. "Nach euch.", wandte sie sich mit einem leicht spöttischem Grinsen an Arranges. Den Schlüssel des Magiers hatte sie dabei auch noch zufällig gefunden.

    [Erynn]
    "Hey! Finger weg!" Erynn schlug ziemlich schwach und ungezielt nach Dreveni, ohne großartig etwas damit auszurichten. Nach eine Weile jedoch ließ sie sich nur noch schlaff in Arranges' Armen hängen - das alles ging ihr zu schnell, als daß sie dem Geschehen noch hätte folgen können. Mittlerweile war ihr nicht nur latent übel, sondern richtig schlecht. "Is' doch keine so schlechte Idee, das mit dem Schlafen", murmelte sie leise vor sich hin.

    [Arranges]
    'Jetzt lass dich doch nicht so hängen verflucht!' Knurrte Arranges, während er Erynn mehr trug, als stützte. In Ihrem Zimmer steuerte er direkt auf das Bett zu und setzte Erynn mit sanfter Gewalt auf die Bettkante. Suchend blickte er sich um, bis er in einer Ecke einen Eimer stehen sah. Ich hoffe ja, dass wir den nicht brauchen werden. Aber darum konnte er sich gleich noch kümmern. Die Kriegerin schwankte mittlerweile so arg, dass sie sogar noch mit dem Kopf voraus vom Bett geflogen wäre, statt nach hinten auf die Matratze. Sie wieder haltend und stützend, setzte er sich neben sie und deutete Dreveni ansehend, mit einer Hand auf den Eimer. Die Dunmer stellte den Kübel vor Erynn ab.

    [Erynn]
    Erynn warf dem neben ihr sitzenden Arranges einen schiefen Blick zu. "Ich scheine heute Abend ja wirklich verdammt beliebt zu sein", bemerkte sie. "Aber wäre es nicht mal so langsam an der Zeit, Dreveni vor die Tür zu schicken?", fragte ihn mit todernstem Gesichtsausdruck, nur um Sekunden später wieder in albernes Lachen auszubrechen.
    Drevenis Einsatz kam keine Sekunde zu früh, als das betrunkene Gekicher abrupt verstummte. Erynn wurde plötzlich kreidebleich, rutschte mit einer erstaunlich schnellen Bewegung von der Bettkante und hing im nächsten Augenblick bereits über dem Holzeimer, versuchte sich mit einer Hand mehr schlecht als recht das Haar aus dem Gesicht zu halten, während sie sich krümmte. Nach einigen Minuten, während derer sie das Gefühl hatte, Magen und Gekröse gleich mit auszuspucken, gönnte ihr protestierender Körper ihr eine Pause.
    Endlich konnte sie kurz Luft holen und war, jedenfalls gefühlt, wieder etwas klarer im Kopf. Daß Arranges sie so sah, empfand Erynn bestenfalls als mittelmäßig peinlich, sie hatte ihn im Gegenzug schließlich auch schon in unschönen Situationen gesehen. Dreveni allerdings... Sie wedelte mit einer Hand in die ungefähre Richtung der Assassinin. "Die da soll weggehen", tönte es etwas dumpf und ziemlich elend aus den Tiefen des Eimers, jedoch wurde die Elfin vom nächsten Schwall nach draußen drängenden Mageninhalts unterbrochen, bevor sie ihrer Forderung weiter Nachdruck verleihen konnte...

    [Dreveni]
    Gerade als Dreveni den Eimer neben Erynn gestellt hatte, wurde diese auch schon kreidebleich und hing über selbigem. Dreveni ging ein paar Schritte zurück, sie wußte nicht wie gut es um Erynns Zielsicherheit noch bestellt war. Obwohl es Erynn wirklich elend zu gehen schien, hatte Dreveni kein Mitleid mit ihr. Es hatte sie ja keiner gezwungen sich so abfüllen zu lassen. "Bitte, ich gehe gern.", sagte sie nur, und an Arranges gewandt: "Ich habe ohnehin keine große Lust aufzupassen, dass sie nicht auf dem Rücken liegt wenn ihr wieder schlecht wird." Sie legte Arranges den dritten Zimmerschlüssel auf eine kleine Kommode und machte Anstalten, das Zimmer zu verlassen.

    [Arranges]
    Mahlzeit... Auf das restliche Geplapper Erynns gab der Kaiserliche nicht mehr all zu viel. Sie hatte wohl wirklich einen Vollrausch, der sich gewaschen hatte. Als Erynn dann irgendwas davon lallte, dass Dreveni gehen sollte, sah Arranges sie nur an und hob die Schultern. 'Wenn es ihr dabei besser geht...' Die Assassinin verstand das wohl als Zustimmung und schloss die Zimmertür von außen. Klasse, es scheint einfach keine Stadt in Morrowind zu geben, durch die man nicht einfach ganz normal reisen kann. Balfall war schon alles andere als lustig, der kurze Aufenthalt in Ebenherz hätte ich mir auch um einiges angenehmer vorstellen können, aber Molag Mar hier setzt dem langsam aber sicher wirklich die Krone auf... Erynn erbrach sich noch einmal und sah dann mit zitterndem Torso langsam aus dem Eimer auf. Ihr Gesicht sah im Großen und Ganzen kaum besser aus als der Inhalt des Eimers. Resignierend erhob sich Arranges, nahm eines der kleinen Handtücher von dem Tischchen im Zimmer und ging vor Erynn in die Hocke. 'Fertig?' Ohne eine Reaktion abzuwarten, schob er den Eimer zur Seite und wischte ihr die Kotze aus den Mundwinkeln.

    [Erynn]
    "Mhm... glaub schon", antwortete sie undeutlich durch das Tuch und hielt abgesehen von leichtem Zittern still, wärend Arranges ihr Gesicht sauberwischte. "Schlafen... bitte!" war das nächste, was sie herausbrachte, als er mit dem Ergebnis einigermaßen zufrieden schien. Der Beschwörer, offensichtlich froh darüber, daß die erste Synapse in dem wirren Dunkelelfenköpfchen wieder zaghaft zu feuern begann, ließ sich das nicht zweimal sagen. Er hob die Kriegerin hoch, wobei er darauf achtete, nicht auf ihren Magen zu drücken, und deckte sie zu. Erynn rollte sich sofort zu einer kleinen Kugel zusammen. Ihr war so sterbenselend...

  9. #89
    [Erynn]
    Während des ersten Teils der Nacht glaubte Erynn, sie müßte sterben. Danach wünschte sie es sich. Schlaf fand sie nicht, dämmerte vor sich hin, immer wieder unterbrochen von Würgeattacken, bis sie nichts mehr zu spucken hatte als zähen, gelblichen Schleim. Was hab ich mir dabei nur gedacht? Nie wieder Alkohol, ich schwörs bei Azura und den Neun...
    Arranges war die ganze Zeit über bei ihr, hielt die wirren Haare aus ihrem Gesicht, wenn sie sich übergab, ließ sie aber ansonsten in Ruhe. Wirklich ansprechbar war die Kriegerin ohnehin nicht.
    Irgendwann wurde ihr so heiß, daß sie sich aus der Decke strampelte. Nach einiger Zeit verebbte das Gefühl wieder und nahm die quälenden Kopfschmerzen mit sich, so daß sie in den frühen Morgenstunden endlich in einen leichten, gnädigen Schlaf hinüberdämmerte.
    Als sich die Realität viel zu früh wieder zurückmeldete, fror sie. Die Elfin wickelte sich wieder in ihre Decke und starrte mit hohlem Blick durch das Zimmer. Der Kaiserliche war noch immer da, saß auf seinem Stuhl den er gegen die Wand gekippt hatte, wie er es schon die meiste Zeit dieser Nacht tat. Seine Augen waren geschlossen, aber ob er schlief oder nur döste, wußte sie nicht. Arranges hatte sich tatsächlich um sie geprügelt, schoß es ihr durch die fiebrigen Gedanken. Erynn wußte nicht genau, ob sie sich deswegen jetzt geschmeichelt fühlen sollte oder eher darüber genervt sein, daß er sich schon wieder eingemischt hatte. Irgendwas dazwischen, schätzte sie.

    [Arranges]
    Als Erynn nedlich ein wenig Schlaf fand, döste auch Arranges ein wenig ein. Erst am Morgen, es war noch recht früh, erwachte er aus dem Halbschlaf, als sich die Dunmer wieder auf dem Bett rührte. Langsam öffnete er die Augen und hob den Kopf um zum Bett hinüber zu blicken. Erynn war wach. Arranges beugte sich leicht nach vorn, bis der Stuhl wieder auf allen vier Füßen stand. Er erhob sich und setzte sich einen Augenblick später auf die Bettkante neben Erynn. Einige lange Momente blickte er sie nur stumm an, dann hob er die Hand um ihr eine zerzauste Strähne aus der Stirn zu streichen. Langsam ließ er die Hand wieder sinken. 'Konntest du ein wenig schlafen?' Fragte er monoton.

    [Erynn]
    "Ja", krächzte sie heiser, "aber viel zu wenig..." Sie wußte nicht wirklich, was sie sagen sollte, hatte aber schon wieder ein schlechtes Gewissen aufgrund der Tatsache, daß sich der Beschwörer ihretwegen die Nacht um die Ohren geschlagen hatte. Weil sie so dumm sein mußte und sich gnadenlos abgeschossen hatte. Jetzt gerade fühlte Erynn sich ziemlich klein und verloren. Trostsuchend lehnte sie ihren Kopf an Arranges' Oberschenkel und fragte: "Kann ich etwas Wasser haben, bitte?"

    [Arranges]
    Dafür bin ich dann also wieder gut genug? Der Kaiserliche hatte in einer Vorahnung bereits in den frühen Morgenstunden einen Krug mit Wasser besorgt. Er beugte sich zu dem Nachttisch neben dem Bett hinüber und füllte einen kleinen Becher, welchen er Erynn hinhielt. 'Dürfte ich dann bei Gelegenheit erfahren, was dich zu der Aktion von gestern bewogen hat?' Fragte er und ein seltsamer Unterton schwang in seiner Stimme mit.

    [Erynn]
    Erynn stöhnte abgrundtief, rollte sich wieder auf den Rücken und legte einen Arm über die Augen. "Das war... ein Unfall", brachte sie matt heraus. Sicher, Arranges hate eine Erklärung verdient, aber doch nicht gerade jetzt! Er hatte sich ja andererseits auch einfach aus der Sache heraushalten können, dann wär ihm das ganze Drama erspart geblieben... "Frag mich später nochmal, ja? Bitte..." Sie setzte sich mühsam auf, nahm den Becher und trank einen vorsichtigen Schluck. Ihr war immer noch ziemlich übel, aber das Wasser blieb unten, zumindest vorerst. "ich will jetzt wirklich nicht... ich will nicht reden", sagte sie müde.

    [Arranges]
    'Nein Erynn, ich will die Sache jetzt geklärt haben.' Antwortete er bestimmt und nahm ihr den Becher wieder ab. 'Du lässt dich von einem wildfremden Dunmer abfüllen bis zum Geht-nicht-mehr und warst drauf und dran, mit ihm irgendwo hin zu verschwinden... Was dachtest du, soll ich davon halten?'

    [Erynn]
    "Arranges..." Erynn legte sich wieder hin und starrte an die Decke. "das hat sich einfach nur so ergeben. Und überhaupt - warum... warum hast du mich nicht einfach ziehen lassen? Ich weiß doch selber, daß das eine dumme Aktion war, aber du hättest Methys nicht gleich halbtot schlagen... zaubern müssen." Sie machte eine kurze Pause und fragte mit einem leichten Anflug von Trotz: "Bist du jetzt zufrieden?"

    [Arranges]
    Der Kaiserliche seufzte und wandte den Blick ab. 'Nein, zufrieden bin ich nicht wirklich. Erstens habe ich ihn nicht halbtot gezaubert, er konnte noch laufen und das relativ schnell, also war er noch sehr weit entfernt davon, zu sterben.' Er blickte ihr in die Augen. 'Und ich wollte dich nicht einfach ziehen lassen, weil ich nicht einsehe, dass ein Schmierlappen, wie er auf den ersten Blick einer zu sein schien, mir wegnimmt, was mir lieb und teuer ist!' Sagte Arranges mit leichtem aber doch deutlichem Ärger in der Stimme, als er wieder an diesen widerlichen Dunmer dachte. 'Außerdem solltest du dir deinen Lebensgefährten, so es denn irgendwann mal so weit ist, ohne den Einfluss von Alkohol aussuchen.' Fügte er etwas weicher hinzu.

    [Erynn]
    "Oh, verdammt", flüsterte sie und schloß die Augen. Ein paar Herzschläge verstrichen. "Es tut mir so leid, Arranges. Ich war... dumm. Ich wußte nicht, daß... nein, das stimmt nicht. Ich wußte, daß du mich nicht einfach mit ihm gehen lassen hättest, aber ich habe gestern keinen Gedanken daran verschwendet." Ja, ich war dumm. Und gedankenlos. Vor allem wenn man bedenkt, warum ich überhaupt hier auf Vvardenfell bin... "Sowas mach ich nicht wieder, versprochen."
    Wieder schwieg sie kurz, da das Gefühlschaos, das in ihr tobte, der Elfin schlicht die Sprache verschlug. So sehr es sie manchmal nervte, wenn der Kaiserliche glaubte sie beschützen zu müssen und dabei häufig sehr besitzergreifend wurde, so froh und dankbar war sie in diesem Augenblick darum, daß er es tat.
    "Ich hab dich lieb, Arranges..."

    [Arranges]
    Äh was?! Sein Herz setzte einen Schlag aus, so überrumpelt war er von den letzten Worten Erynns. Schweigend sah er ihr für einige Sekunden, die wie die Ewigkeit schienen, in die Augen. Sein Kopf war komplett leer. Er hatte absolut keine Ahnung, wie er diese Worte zu deuten hatte und doch hatten sie eine so wohltuende Wirkung wie Balsam. Nicht in der Lage, der Situation gerechtwerdende Worte zu formen, hob er schlicht nur die Hand und strich Erynn einmal zärtlich über die rechte Wange. Er suchte nochmals nach Worten, aber als er abermals keine fand, schenkte er ihr nur ein warmes Lächeln und stand etwas zu plötzlich auf. 'Ruh dich noch ein wenig aus, ich muss noch etwas erledigen...' Offensichtlich etwas planlos schaute er sich um, erblickte mehr durch Zufall den Schlüssel zu seinem Zimmer, griff danach und stand im nächsten Moment auch schon auf dem Flur. 'Ich bin gleich wieder da...' Murmelte er, bevor er die Tür ins Schloss zog.
    Geändert von weuze (18.10.2011 um 21:18 Uhr)

  10. #90

    Molag Mar, Taverne

    [Arranges]
    Als er die Tür ins Schloss gezogen hatte, ließ sich Arranges an die gegenüberliegende Wand sinken und lehnte dort einige Augenblicke, während denen er schlicht nur auf den Boden vor sich starrte und seine Gedanken ordnete. Viel zu plötzlich schien es ihm, da er den Ärger beinahe komplett verdrängt hatte, ja sogar zuließ, ihn einfach auszublenden. Erynn war mehr und mehr zu einem Rätsel für ihn geworden, je länger er mit ihr unterwegs war und wenngleich er nicht so recht umzugehen wusste, mit dem, was sie ihm eben sehr deutlich und einige Male davor im Grunde genommen ebenfalls schon sagte, lediglich mit anderen Worten, war es nun doch so, dass er auf absurde Weise mit einem Schlag beschloss, diese junge Frau doch sehr gern zu mögen. Auch wenn ich noch nicht ganz verstanden habe, was dieses Prügelweib an mir findet... Kopfschüttelnd wandte er sich zu seinem Zimmer. Sein Gepäck wurde mehr oder weniger sauber neben dem Bett gestapelt. Nach einem genaueren Blick stellte Arranges zufrieden fest. dass noch alles da war. Im gleichen Moment fiel ihm auf, wie staubig und teilweise grob verdreckt seine Sachen waren, die ja auf der Reise nach Molag Mar schutzlos den Aschestürmen des Feuerlandes ausgesetzt waren. Es dauerte einen Moment, bis der Magier eine Ersatztunika aus grobem Wollstoff, in dunkelgrau und eine weitere Kniehose in schwarz aus den Satteltaschen gekramt hatte. Nachdem er sich umgezogen hatte, den Gürtel, Umhang und Armschienen angelegt hatte, verließ er das Zimmer und ging nach oben in die Gaststube. Der Wirt war bereits wach und besah ihn mit einem mehr als unfreundlichen Blick. Achja, da war ja was. Arranges ging auf den Tresen zu und ließ einige Septime darauf, vor dem Wirt, liegen. 'Für die Unanehmlichkeiten des gestrigen Abends.'
    'Wenigstens den Ansatz von Anstand findet man bei euch Fremdländern hin und wieder.' Sagte der Wirt bereits etwas freundlicher und ließ die Münzen verschwinden. In dem folgenden kurzen Gespräch, in dem Arranges zunächst nur danach fragte, wann der Nordschmied auf der unteren Wohnebene öffnen würde, erfuhr er ebenfalls noch, dass Methys wohl ein Händler aus dem Fürstenhaus Hlaalu wäre und hier öfter durchkäme. Ein Adliger... wenn hier alle Adligen so einsam sind, bin ich in der Tat gespannt, wie viele von denen ich noch verschone, während wir auf Vvardenfell sind. Dachte Arranges, während er an Erynns Zimmertür klopfte und einen Moment später zögernd eintrat. 'Hast du Hunger?'

    [Erynn]
    Arranges' warme Berührung brannte auf ihrer Wange, noch lange nachdem der Beschwörer den Raum verlassen hatte. Hätte ich das besser nicht sagen sollen? Habe ich ihn jetzt vertrieben? Sie hatte ihren Begleiter eigentlich nur wissen lassen wollen, daß sie verstanden hatte, was er ihr hatte begreiflich machen wollen.
    Sie hatte niemals vorgehabt, mit Methys durchzubrennen oder ähnliches, wie Arranges es anzunehmen schien. Sie wäre doch bei ihm geblieben und das nicht nur aus dem Grund, daß sie auf der Jagd nach dem Verräter waren. Dennoch war nicht zu übersehen, daß er sich von ihr betrogen fühlte und das, so gestand sie sich, verwirrte sie zutiefst. Worauf lief das Ganze hinaus? Du hast gesagt, du wolltest meine Freundschaft, aber die hast du doch... bist du dir dessen denn noch immer nicht sicher? Oder genügt dir das nicht mehr? Erynn schloß die Augen und atmete langsam aus. Seine heftige Reaktion schien darauf hinzudeuten, aber was wußte sie schon? Sollte sie ihn danach fragen? Nein, auf keinen Fall! Das würde alles nur noch komplizierter machen, als es ohnehin gerade schon ist.
    Die Elfin zuckte zusammen, als Arranges wieder ins Zimmer trat und ihre Grübeleien unterbrach. "Äh... was? Essen? Ich..." sie horchte kurz in sich hinein "...nein. Ich glaube, es ist besser, wenn ich damit noch eine Zeitlang warte", brachte sie mit einem schuldbewußten Lächeln heraus. "Aber..." aber es wäre schön, wenn du einfach eine Weile bleiben würdest damit ich weiß, daß du meine Entschuldigung angenommen hast "vielleicht könntest du Dreveni holen, damit wir zusammen überlegen können, wie wir von hier aus weiter vorgehen sollen? Solange ich dabei nicht großartig rumlaufen muß, bin ich wieder zu gebrauchen."

    [Arranges]
    Er sah sie einen Moment nachdenklich an, dann nickte er. 'Ich werde sehen, ob unsere Assassinin schon auf den Beinen ist.' Antwortete er mehr oder weniger freundlich. Er sah sie noch einen Herzschlag lang an, bevor er sich umwandt und das Zimmer wieder verließ. Er klopfte an der Tür der Meuchlerin und wartete auf eine Regung...

    [Dreveni]
    Dreveni war in ihr Zimmer gegangen, hatte noch einen der zwei Krüge Matze getrunken und war dann bald eingeschlafen. Am nächsten Morgen erwachte sie recht erholt, da sie endlich wieder eine Türe hatte hinter sich zusperren können in dieser Nacht. Sie lag noch eine Weile im Bett und überlegte, wie sie von hier aus weiterkommen konnten. Ihr Plan war gewesen sich bei den Einheimischen umzuhören, nur musste sie erst herausfinden ob und wenn wie negativ Erynn gestern noch aufgefallen war. Sie hatte wirklich keine Lust auf Ärger in dieser Stadt.
    Sie schwang sich aus dem Bett und nachdem ihre Sachen noch nicht ganz getrocknet waren zog sie sich wieder das Kleid vom Vorabend an und hängte sich gerade den Gürtel mit dem Dolch um, als es an der Tür klopfte. "Wer ist da?", rief sie richtung Tür und erhielt ein halblautes "Arranges" als Antwort. Sie erkannte seine Stimme und zog die Tür auf. "Einen wunderschönen guten Morgen", sagte sie nur mit unbewegtem Gesicht zu dem Magier und sah ihn abwartend an.

    [Arranges]
    'Hätte ich brauchbar geschlafen, hätte es tatsächlich ein guter Morgen werden können.' Murrte Arranges. 'Euch ebenfalls einen guten Morgen.' Erwiderte er ihre Begrüßung mit einem ähnlich begeisterten Blick. 'Erynn bat mich, euch zu holen, unseren weiteren Weg zu besprechen,' sagte er. 'Wir würden das ja in der Schankstube machen, aber bevor die Dunmer der Treppe mit Galle zu neuem Glanz verhilft, machen wir das lieber bei ihr im Zimmer...' Die Dunkelelfe nickte nur stumm und folgte dem Magier dann in Erynns Zimmer.

    [Erynn]
    Nachdem Arranges gegangen war um Dreveni zu holen, setzte sich Erynn mühsam auf schob sich das Kissen in den Rücken und lehnte sich an die Wand. Sie erinnerte sich dunkel daran, die Assassinin letzte Nacht mehr oder weniger rausgeschmissen zu haben und fragte sich jetzt etwas zerknirscht, ob sie es ihr wohl übelnehmen würde. Andererseits: Sie würde ohnehin früher oder später wieder auf sie treffen, dann konnte sie sich auch gleich anhören, was die Andere dazu zu sagen hatte. Falls es die Meuchlerin denn überhaupt interessierte. Außerdem hätte Erynn schon gerne gewußt, ob einer ihrer beiden Begleiter noch etwas Brauchbares erfahren hatte, waren ihre eigenen Informationen doch bestenfalls vage. Aber vielleicht sollte ich besser hoffen, daß es nicht so ist. Wenn wir heute schon weiterreisen, wird das ein ganz übler Ritt, überlegte sie, während sie zum gefühlt dutzendsten Male an diesem Tag ihre eigene Idiotie und die Magenschmerzen verfluchte.
    Die Zimmertür öffnete sich und Arranges trat wieder ein, gefolgt von Dreveni. Erynn bemühte sich, einen einigermaßen wachen Eindruck zu vermitteln, wobei ihre schweren Lider sich nicht wirklich kooperativ verhalten wollten. Stumm wartete sie darauf, daß die beiden sich einen Platz suchten.

    [Dreveni]
    Sie folgte Arranges in Erynns Zimmer. Die Dunmer bot einen wirklich elenden Anblick, trotz ihrer dunklen Haut wirkte sie blass, ihr Gesicht war verquollen und die Haare bildeten schon wieder ein ziemliches Gestrüpp. Und wo war eigentlich der Dunmer abgeblieben gestern? Es war nicht viel Zeit vergangen bis sie mit Arranges im Schlepptau die Treppe heruntergefallen war. Zu wenig als dass sie mit dem Dunmer weit gekommen wäre. Nachdem sie Erynn ausgiebig gemustert hatte, fragte sie: "Was sollte das gestern? Meint ihr nicht, wir fallen als Fremdländer schon genug auf hier?" Mitleid hatte sie mit Erynn gerade wirklich keins. Immerhin hätte sie wissen müssen was Sache war, als sich dieser Kerl zu ihr setzte. "Und wo habt ihr den Dunmer überhaupt so schnell gelassen? So übel war der doch auch nicht..." Ihr Gesichtsausdruck war inzwischen so kühl wie ihr Tonfall geworden. "Habt ihr wenigstens etwas von ihm erfahren? Oder habt ihr auch das vor lauter Alkohol vergessen?"

    [Arranges]
    Erynn saß auf dem Bett wie ein Häufchen Elend und bemühte sich nach Kräften, nicht zu zerstört auszusehen. Zu den unzweifelhaft unangenehmen Fragen Drevenis schwieg Arranges zunächst und wartete, bis sie zu Ende gesprochen hatte. 'Ich bezweifle, dass wir groß aufgefallen sind, bis auf den Wirt, mit dem ich die Sache bereits wieder... bereinigt habe, hat uns nur ein Gast gesehen, der mindestens nochmal so viel getrunken hatte wie Erynn.'

    [Erynn]
    Ein leichtes Stöhnen konnte sie sich nicht verkneifen. Dreveni war tatsächlich angefressen und zwar nicht zu knapp, wie es aussah. Sie rieb sich mit den Händen über die Augen, bevor sie lahm antwortete: "Keine Ahnung, wo der hin ist. Hatte es plötzlich sehr eilig." Wenn ich ihr jetzt noch erzähle, daß Arranges ihm ein Andenken verpaßt hat, ist die Kacke hier wirklich am dampfen... Sie sammelte kurz ihre Gedanken und fuhr dann fort: "Ja, ich habe einen Hinweis, aber der ist leider nicht sehr genau. Von hier aus gibt es ja nicht allzu viele Richtungen, in die der Argonier gegangen sein könnte. Methys... äh, so heißt der Dunmer, glaubt, daß Gumora ziemlich direkt nach Norden gegangen sein dürfte, weil die Ostküste für ihn nicht sicher sei. Das ist wohl das Gebiet einer Gruppe oder eines Fürstenhauses, die sich nicht groß um die neue Politik die Tiervölker betreffend scheren. Allerdings würde das bedeuten, daß die Echse sich über Meilen quer durch die Aschewüsten schlagen müßte. Er ist aber ein sehr erfahrener Kundschafter, von daher würde ich ihm schon zutrauen, daß er das schafft. Aber... was gibt es denn eigentlich im Norden? Wenn ich die Karte richtig im Kopf habe, ist da bis an die Küste nichts als wildes Land, oder?"

    [Dreveni]
    Sie warf Arranges nur einen kurzen Blick zu als er meinte, den Ärger hätte er mit dem Wirt schon geklärt, lehnte sich mit verschränkten Armen an die Wand und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf Erynn. Sie versuchte sich an die Karte zu erinnern, als Erynn erwähnte wohin sich die Echse vermutlich gewandt hatte, aber es gelang ihr nicht sich ins Gedächtnis zu rufen, was genau im Norden von Vvardenfell lag. "Das heißt dass wir uns ebenfalls durch die Aschewüste schlagen dürfen. Das heißt auch dass wir eine neue Karte, Vorräte und vor allem Geld brauchen." Die 800 Septime für die Guars hatten ein ziemliches Loch in ihr Budget gerissen. "Ausserdem sollten wir den Tag nutzen um uns noch ein bisschen hier umzuhören. Heute können wir ohnehin nicht aufbrechen.", dabei warf sie einen kritischen Blick auf Erynn. Sie war vermutlich kaum in der Lage sich auf dem Guar zu halten, geschweige denn sich gegen Angreifer zu verteidigen. Nun gut, es war immerhin Erynns Jagd nach Rache, die sie damit aufhielt, somit kümmerte es Dreveni nicht sonderlich, dass sie wieder zur Rast gezwungen waren.

    [Arranges]
    'Nun, die Weideländer, welche im Norden nach der Molag Amur folgen, sind Territorium der Telvanni, sofern ich das richtig behalten habe. Danach folgt die Inselgruppe Sheogorad. Wir könnten uns einige Unanehmlichkeiten und Strapazen sparen, wenn wir Vielleicht mit einem Schiff die Zafirbelbucht durchqueren und in... Vos? ... in Vos wieder an Land gehen, ich meine mich erinnern zu können, dass es an der östlichsten Spitze Vvardenfells einen Hafen mit diesem Namen gibt, wenn wir Glück haben, läuft uns Gumora dann direkt in die Arme.

    [Erynn]
    "Telvanni... ja, so heißt diese Gruppierung. Wenn wir ein Schiff zu dieser Hafenstadt nehmen wollen, sollten wir herausfinden, ob wir die Guars mitnehmen können. Ich würde ungern auf sie verzichten. Außerdem riskieren wir, den Molch zu überholen, wenn er in der Wildnis einen Ort kennt, an dem er sich eingraben kann. Andererseits müßten wir, auch wenn wir über Land reisen, ziemliches Glück haben, in diesem Fall auf ihn zu stoßen... Falls wir den Weg durch die Wüste nehmen, brauchen wir vor allen Dingen Wasser. Ich bin davon überzeugt, daß Dreveni und ich das ein oder andere Tier erjagen können, so daß wir nicht Gefahr laufen zu verhungern." Sie sah die Meuchlerin an um zu erfahren, was sie für das gescheitere Vorgehen hielt: "Was würdet hr sagen? Zu Wasser oder zu Land?"

    [Dreveni]
    Dreveni sah durch Erynn hindurch und überlegte kurz. Schließlich antwortete sie: "Es wäre sicher nicht schlecht, wenn wir ihn überholen, ich sehe das ähnlich wie Arranges. Auch wenn er einen Ort kennt an dem er sich vorerst in der Wüste verstecken kann, zieht es die meisten von Gumoras Sorte doch bald weiter in größere Orte. Allerdings sollten wir vorher vielleicht in Erfahrung bringen, ob es öfter Überfälle auf Schiffe gibt. Im zweifelsfalle ist der Weg über Land immer noch sicherer." Dreveni dachte mit einem unguten Gefühl an die Überfahrt nach Ebenherz zurück. Auf dem Schiff konnte man weder fliehen noch groß ausweichen, ihrer Ansicht nach hatten sie pures Glück gehabt zu überleben. "Alles in allem wäre ich für den Weg durch die Wüste.", sagte sie schließlich nachdem sie noch kurz nachgedacht hatte. Der Vorteil, Gumora vielleicht zu überholen, wog ihrer Ansicht nach die Nachteile und Gefahren der Schifffahrt nicht auf, außerdem würde das ganze per Schiff vermutlich noch teurer werden.

    [Arranges]
    'Das Schiff war lediglich ein Vorschlag.' Meinte Arranges. Er selbst hatte ebenfalls nur wenig Lust, nochmal so etwas wie im Inneren Meer zu erleben. 'Mir ist es im Prinzip gleich. Gumora ist zu Fuß unterwegs und hat dort im Feuerland mit genau den selben Aschestürmen und wilden Tieren zu kämpfen wie wir auch, nur mit dem Unterschied, dass wir nicht selbst laufen müssen... Allerdings sollten wir davor noch ein paar Informationen einholen, ich für meinen Teil habe nicht wirklich Lust, nochmal von Kreaturen, gegen die ich mich nicht gleich zu wehren weiss, überfallen zu werden.'

    [Erynn]
    "Gut. Dann sollten wir..." sie schwang mühsam die Füße auf den Fußboden und schwankte einen Augenblick, bevor sie sich wieder auf die Bettkante plumpsen ließ "...uh. Sollten wir zunächst eine Karte auftreiben und herumfragen, wer etwas über die Molag Amur weiß und uns eventuell Hinweise geben kann. Ich habe so den Eindruck, daß die Einheimischen trotz des Diktats ihres Provinzkönigs nicht plötzlich alle Tierwesen furchtbar lieb haben. Vielleicht können wir an ihren Stolz appellieren." Sie fuhr sich mit den Händen durch die wirre Mähne und seufzte. "Verdammt, ich brauche ein Bad..."

  11. #91
    Erynn verbrachte den Großteil des restlichen Vormittags damit, ein weiteres Mal den Zuber vorzubereiten. Niemand störte sie bei der Arbeit, womit sie durchaus zufrieden war. Der zeitraubende Vorgang war zwar langweilig, half ihr aber dabei, ihre Gedanken zu sortieren ihren Körper in Schwung zu bringen.
    Sie seufzte erleichtert, als sie sich endlich in das heiße Wasser gleiten ließ, stützte den Hinterkopf auf den Rand des Bottichs und schloß für einen Moment die Augen. Ich hoffe, Arranges und Dreveni können noch etwas herausfinden. Ein Argonier, der sich für eine Reise durch die Molag Amur ausrüstet, sollte doch eigentlich irgendwem aufgefallen sein, oder? Und woher will der Beschwörer wissen, daß Gumora zu Fuß unterwegs ist? Fressen Guars etwa Eidechsen, oder was?

    Es wurde Zeit, daß sie den Kerl endlich fanden, und dann... ja, was dann? Er wird sterben, aber nicht, bevor er sich angehört hat, was er mit seinem Verrat angerichtet hat. Wie wird es sein? Wird Gumora mich auslachen, oder vielleicht um sein Leben flehen? Mich um Vergebung bitten? Oder sich selbst einen Dolch in die Brust stoßen, sollten wir es schaffen ihn in die Enge zu treiben? Letzteres war eine Möglichkeit, die Erynn bisher noch nicht bedacht hatte. Andererseits kannte der Argonier den Nekromanten, wußte möglicherweise auch, wozu er fähig war. Wäre sie an der Stelle der Echse, würde sie im Ernstfall den Tod durch die eigene Hand jedenfalls in Erwägung ziehen, bevor Arranges die Möglichkeit bekam, eine Wissenschaft daraus zu machen. Nur, daß es nicht Arranges sein wird, der dich tötet. Weißt du überhaupt, daß auch ich hinter dir her bin, du dreckiger Molch? Es spielt keine Rolle – du wirst es schon noch früh genug erfahren. Du wirst erfahren wie es ist, ausgeliefert zu sein, ohne die Möglichkeit dich zu wehren oder zu fliehen. Du wirst dem Entsetzen genau ins Auge schauen... und du wirst mich anflehen aufzuhören, lange bevor ich mit dir fertig bin...
    Sie dachte an das lange, einseitig geschliffene Messer, das sie einem der Banditen abgenommen hatte, die sie auf dem Weg nach Vvardenfell überfallen hatten. Ein Tanto, hatte Arranges gesagt. Ja, das Ding ist hervorragend geeignet, überlegte die Elfin, glitt tiefer in das so wunderbar heiße Wasser und ließ ihrer Kreativität in Gedanken freien Lauf...
    Geändert von Glannaragh (23.10.2011 um 19:32 Uhr)

  12. #92
    "In Ordnung, ICH werde mich dann um die Karte kümmern.", sagte Dreveni und stieß sich dabei von der Wand ab. Sie hoffte dass es klar genug geworden war, dass sie auf Arranges Gesellschaft keinen Wert legte, und Erynn war ohnehin zu fertig um irgend etwas zu unternehmen. Sie ging noch kurz auf ihr Zimmer, um ihren Beutel mit den Münzen zu holen, sperrte die Türe hinter sich zu und ging nach oben. Im Schankraum, der um die Zeit schon wieder relativ leer war, überlegte sie kurz etwas zu essen, entschied sich aber dann dagegen. So richtig hungrig war sie noch nicht. Draußen vor der Tür stellte sie erfreut fest, dass es kaum windig war und somit die Luft nicht getränkt von Aschestaub. Außerdem war der Himmel relativ klar, so dass sie die wärmenden Strahlen der Sonne spürte. Die Straßen von Molag Mar waren jetzt auch um einiges belebter als am Vorabend. "Verflucht." Als sie überlegte, in welche Richtung sie sich wenden sollte, fiel ihr ein, dass sie besser den Wirt nach einem Händler hätte fragen sollen, also drehte sie wieder um und betrat erneut den Schankraum. Sie trat an den Tresen und fragte: "Verzeiht, wo kann ich hier eine Karte erwerben?"
    "In der unteren Wohnebene gibt es einen Händler, Vasesius Viciulus, bei ihm solltet ihr fündig werden. Das ist die Ebene direkt unter uns.", bemerkte er noch, als er Drevenis fragenden Blick sah.
    Dreveni bedankte sich und verließ die Taverne zum zweiten mal an diesem Tag. Vasesius Viciulus, das kann doch nur ein Kaiserlicher sein, dachte sie sich. Die hatten immer so zungenbrecherische Namen. Nachdem sie Molag Mar gefühlte drei mal umrundet hatte, fand sie endlich einen Eingang in die Wohnebene. In Wahrheit war sie nur ein halbes mal herumgelaufen, aber vergleichbare Architektur war sie aus Cyrodiil einfach nicht gewohnt. Nach kurzem suchen fand sie schließlich das Geschäft und trat ein. Hinter der Theke stand wie erwartet ein Kaiserlicher, sonst befand sich nur noch ein Dunmer in dem Raum, der ihr den Rücken zugewandt hatte und ein paar Auslagen betrachtete. Dreveni nahm ihn allerdings nur aus dem Augenwinkel war, da sie sofort auf den Händler zuhielt. "Seid gegrüßt.", sprach sie ihn an. "Ich suche eine Karte von Vvardenfell." Sie hoffte dass er einen halbwegs humanen Preis nennen würde, und überhaupt eine Karte besaß. Allerdings fragte sicher auch öfter jemand in einer Stadt wie Molag Mar danach. Sie konzentrierte sich immer noch auf den Händler, deshalb entging ihr auch, dass sich der Dunmer beim Klang ihrer Stimme umgedreht hatte.
    "Ihr habt Glück, ich besitze noch ein Exemplar, für 40 Draken gehört sie euch."
    "Es tut mir leid, ich besitze nur Septime..." Außerdem ist das reinster Wucher.
    "Dann 60 Septime."
    Dreveni sah ihn nur mit hochgezogenen Augenbrauen an, 60 Septime für eine Karte? Sie hatte nicht viel Ahnung wie das Verhältnis von Septimen zu Draken war, aber das war eindeutig zu teuer.
    Der Händler musste ihre Gedanken wohl aus ihrem Gesicht gelesen haben, denn er schob hinterher: "Ihr müsst verstehen, was es für ein Umstand ist, fremdländische Münzen anzunehmen..."
    Sie stütze sich mit den Händen auf den Tresen, sah den Händler fest in die Augen und setzte an: "Nein, ich verstehe nicht, da ihr bis jetzt der erste seid der...." Weiter kam sie nicht, denn da wurde sie von dem Dunmer auf cyrodiilisch mit einem starken Akzent angesprochen: "Dreveni? Bist du das?"
    Wenig begeistert drehte sie sich zur Seite und musste erst ein paar Sekunden überlegen, bis sie den Mann einordnen konnte. Er war nur etwas größer als sie, leicht untersetzt, hatte dunkelrotes, kurzes Haar und war durchaus wohlhabend gekleidet. Vor ein paar Jahren hatte er für ein paar Wochen bei Mordan gewohnt, außerdem war er wohl einer seiner Kontakte in Morrowind. Allerdings war sie der Meinung, er würde in Sadrith Mora leben.
    "Tavyn?"
    "Die Welt ist klein, nicht wahr?", sagte er lächelnd zu Dreveni, dann wandte er sich Vasesius zu. "Habt ihr es immer noch nicht aufgegeben, Fremdländer übers Ohr zu hauen? Nun, zumindest hier solltet ihr eine Ausnahme machen, oder?"
    Der Händler überlegte eine Weile, gab dann aber nach. "Aber auch nur, weil ihr ein guter Kunde seid, wenn ihr hier durchkommt.", nuschelte er, und dann zu Dreveni: "30 Septime, aber ihr müsst verstehen, Karten haben ihren Preis."
    "Danke.", sagte sie nur, als sie die Septime aus dem Beutel zählte und die Karte in Empfang nahm.
    "Ich hatte vor, etwas zu Mittag zu essen, willst du mir Gesellschaft leisten?", fragte er Dreveni als sie das Geschäft verließen.
    "Gern. Vielleicht können wir uns später auch noch privat sprechen, ich bin leider nicht zum Vergnügen in Morrowind.", ergriff sie die Gelegenheit.
    Tavyn nickte ihr kurz zu, dann gingen sie schweigend zur Taverne. Inzwischen war es im Schankraum ziemlich voll, es ging auf Mittag zu. Sie fanden noch einen freien Tisch, bestellten irgendetwas mit Kwamaeiern, was Dreveni sowieso nicht kannte, und als sie auf das Essen wartete, fragte Tavyn: "Hast du den Brief eigentlich bekommen?"
    "Welchen Brief?" Natürlich konnte sich Dreveni denken, um was es ging, aber manche Gewohnheiten saßen einfach zu fest inzwischen. Das musste wohl auch Tavyn wissen, denn er antwortete mit einem leichten Grinsen: "Dreveni, spar dir doch diese Spielchen hier. So ein langer Dunmer mit schwarzen, halblangen Haaren hat ihn mir gegeben, es klang ziemlich wichtig." Dreveni verschluckte sich fast am Wasser, sie hatte gerade angesetzt zu trinken. "Feryn?" platze es aus ihr heraus. Konzentriert beobachtete sie Tavyn, so merkte sie nicht, dass einer der zwei Personen am Nebentisch aufhorchte und kurz den Kopf in ihre Richtung drehte. Dann lenkte er allerdings seine Aufmerksamkeit wieder auf den Krug vor ihm, genauso wie der andere Dunmer der bei ihm am Tisch saß. Beide wirkten auf den ersten Blick wie der personifizierte Durchschnitt, bei näherer Betrachtung konnte man allerdings den leichten kalten Zug in ihren Gesichtern und Spuren von Kämpfen sehen.
    "Ich wusste nicht einmal seinen Namen, Dreveni. Er hat nur gut gezahlt und meinte, der Brief müsse dich unbedingt erreichen."
    "Woher wusste er von dir?"
    "Über ein paar Ecken, das brauche ich dir doch nicht zu erklären, oder?" Eigentlich hatte sich Dreveni ja fest vorgenommen, das Thema ruhen zu lassen, aber wer konnte diesen Wink schon ignorieren? "Er war ein Mitglied der Morag Tong, soweit ich von demjenigen weiß, der ihn an mich vermittelt hat, ich dachte es ginge um etwas geschäftliches.", sagte er beiläufig als der Wirt das Essen brachte. Dreveni erbleichte sichtlich, als sie Tavyn so offen davon sprechen hörte, da kam ihr wieder in den Sinn, dass das hier nicht Cyrodiil war. Außerdem war es in der Taverne recht laut, vermutlich hatte es eh keiner außer dem Wirt gehört. Tavyns grinsen wurde breiter, als er Drevenis Gesicht sah. "Es muss schlimm sein in Cyrodiil, oder?" Dreveni nickte nur, dann widmeten sie sich ihrem Essen. Nebenher erzählte sie ihm noch von der Sache mit Gumora, leider war ihm dazu nichts aufgefallen. Er wohnte tatsächlich in Sadrith Mora, er verabschiedete sich auch bald, da er ein Schiff erreichen musste.
    Nachdenklich blieb Dreveni noch eine weile sitzen und Trank das Wasser aus. Die beiden Dunkelelfen neben ihr hatten inzwischen Spielkarten auf dem Tisch verteilt, und auch sonst war die Taverne noch gut besucht.

    Als sie fertig war, stand sie auf und beschloss noch eine Runde durch Molag Mar zu drehen, gezahlt hatten sie vorhin schon. Dreveni nahm sich Zeit, lief erst über die oberste Ebene, umrundete danach Molag Mar dieses Mal tatsächlich auf den Balkonen, die außen an der Pyramide entlang führten und gab sich dem Anblick der fremdartigen Landschaft hin. Als sie eine Weile unterwegs gewesen war, konnte sich sich des Eindrucks nicht mehr erwehren, beobachtet zu werden. Sie sah sich mehrfach unauffällig um, konnte allerdings niemand sehen, der ihr konstant folgte.
    Langsam wurde ihr dabei doch seltsam, auf ihre Instinkte konnte sie sich in dieser Richtung noch immer verlassen. Um ihren Verdacht zu überprüfen verließ sie Molag Mar über die Brücke, sah in den Stallungen bei den Guars vorbei, und obwohl das seltsame Gefühl blieb, konnte sie niemanden entdecken. Seufzend wandte sie sich wieder über die Brücke und dann zur Taverne. Inzwischen ging die Sonne schon fast unter, sie hatte den ganzen Nachmittag damit zugebracht über Feryn und Morrowind nachzudenken. Es gefiel ihr hier, und sie wunderte sich, warum sie nie früher das Land ihrer Ahnen besucht hatte, wo sie doch schon fast an der Grenze wohnten. Außerdem hatte sie beschlossen, doch genauer nach Feryn und der Morag Tong zu fragen, wenn sie das nächste mal einen Informanten von Mordan traf. Wenn sie vorsichtig war, sollte eigentlich alles glatt gehen.
    In der Taverne angekommen konnte sie weder Erynn noch Arranges sehen, als sie sich wieder an einem Tisch niederließ. Morgen brauchten sie nur noch Vorräte, überlegte sie, als sie beim Wirt etwas zu essen bestellte. Wieder etwas mit Kwamaeiern, das Zeug schmeckte ihr irgendwie. Sie beobachtete eine Weile die Besucher der Taverne, das Gefühl beobachtet zu werden war wieder von ihr abgefallen und so hatte sie das ganze auch bald vergessen. Später ging sie auf ihr Zimmer, sie wollte zeitig schlafen, da sie morgen früh aufbrechen wollte.

  13. #93
    [Arranges]
    Der Kaiserliche machte sich kurz nach Dreveni auf zu dem Schmied. Seine Beinschienen waren bereits fertig und Arranges war fast ein bisschen überrascht, wie geschmeidig sich die überlappenden Lederlamellen an den Oberschenkel anschmiegte, ohne sich steif anzufühlen oder seine Bewegung zu behindern. Entsprechend kosteten sie allerdings auch. Das Lederrüstzeug in Cyrodiil war deutlich billiger, auch wenn der Nord ihm versicherte, dass die Netchlederrüstung zusammen mit der Chitinplatte noch eine der billigsten und doch robusten Rüstungen hier waren. Arranges merkte das Loch im Geldbeutel langsam aber sicher auch, aber noch sollte es gut reichen. Zudem steckte er hier Geld in einen Teil seiner Lebensversicherung. Nachdem er den Schmied wieder verlassen hatte, mischte sich der Magier unter die langsam an Zahl zunehmenden Leute auf dem Platz vor der Taverne und horchte sich ein wenig um. Nachdem er zwei Kundschafter der Legion in ein loses Gespräch verwickelt hatte, erfuhr er ebenfalls, dass man diese Untoten, die ihn in Bal Ur angegriffen hatte, wohl auch beschwören konnte... neben einigen anderen Kreaturen, welche die Telvanni verstanden zu rufen, von denen Arranges bis jetzt jedoch nur in Erzählungen gehört hatte. Interessant... es muss eine Laune Sheogoraths sein, dass wir in nächster Zeit auf telvannischem Boden reisen werden. Und ein kurzes Grinsen stahl sich über sein Gesicht.
    Er verabschiedete sich von den beiden und kehrte zurück in die Taverne. Neue Kleidung und eine Schüssel Wasser wären vielleicht nicht schlecht... Dachte er bei sich. Es war noch immer Vormittag. Der Nekromant machte sich normalerweise nicht zu viel aus seinem Äußeren, aber mittlerweile spürte er den Staub des Feuerlandes überall. Nur eine Waschschüssel und zwei große Lappen... Die Schüssel und Tücher, die bei ihm im Zimmer waren, konnte er nicht nutzen. Die Schüssel hatte er ersatzweise einmal für Erynn statt des Eimers genommen und die Tücher um grobe Sauereien zu vermeiden. Er entsann sich einen Moment wo das Bad war. Der Vormittag war bereits fortgeschritten und Arranges hoffte einfach, dass die meisten Gäste bereits außer Haus waren.

    Mit zielsicheren Schritten ging er auf die Tür des Baderaums, langte nach der Klinke und schob sie auf...

    [Erynn]
    Erynn ging es zusehends besser. Sie planschte im Wasser herum und nahm sich zum ersten mal seit langem wieder richtig viel Zeit, ihren Körper zu pflegen. Gerade als sie beschloß, daß es langsam genug wäre hörte sie ein Geräusch an der Tür. Was wird das denn jetzt? Sie tauchte wieder ab, stützte das Kinn auf den Rand des Zubers und spannte die Muskeln. Im nächsten Augenblick entglitten ihr alle Gesichtszüge, als Arranges, scheinbar in Gedanken versunken, in den Raum trampelte.
    "Was willst du denn hier?" fragte sie, immer noch reichlich baff. "Hast du das Schild an der Tür nicht gelesen?"

    [Arranges]
    Der Kaiserliche erstarrte mitten in der Bewegung, als ihm bereits die warme Feuchte entgegenschlug und nur eine Sekunde später Erynns Stimme an seine Ohren drang. Wie ferngesteuert, lehnte er sich einen Herzschlag später, nachdem er Erynn völlig irritiert angeblickt hatte, nach hinten und ließ seinen Blick über die Tür wandern. Mist! Als er Wieder zu Erynn schaute, war eine ganz leichte Rötung auf seinen Wangen zu erkennen. 'Ich wollte dich nicht bei deinen Freischwimmerübungen stören...' Mit einem Auge schielte er zur Seite, zu der kleinen Kommode, wo eine Schüssel stand.

    [Erynn]
    "Du störst nicht." Verflixt! "Äh... ich meine... kannst du vielleicht wenigstens die Tür zumachen?"

    [Arranges]
    Wie jetzt?! Er legte den Kopf leicht schief und zog eine Augenbraue hoch. 'Von außen oder von innen?'

    [Erynn]
    "Äh. Das kommt drauf an, was du vorhast..."

    [Arranges]
    'Nun... eigentlich... wollte ich nur eine Schüssel und ein paar Tücher holen, da ich die auf meinem Zimmer heute Nacht zweckentfremden musste.'

    [Erynn]
    "Was stehst du dann hier noch rum? Mach doch. Und wehe, du guckst!"

    [Arranges]
    'Äh... ja...' Arranges ging die paar Schritte zur Komode, wobei er darauf achtete, nicht in Erynns Richtung zu schauen. 'Und... warum sollte ich nicht gucken? Eine filigrane Blüte hat doch auch nicht deswegen so auffällig hübsche Farben, weil sie nicht gesehen werden will...' Und damit trat er wieder auf den Gang hinaus und zog die Tür hinter sich ins Schloss.

    [Erynn]
    "Und mach die..." Tür hinter dir zu. Danke. Erynn seufzte und sackte in sich zusammen, während sie ob der skurrilen Szene leise in sich hineinlachte. Typisch Magier. Wie kann man nur so zerstreut sein? Sie kletterte aus dem Bottich, trocknete sich ab und zog den letzten Satz frischer Kleider an, den sie dabei hatte. Filigrane Blüte... hast du irgendwas gegessen, das nicht mehr gut war? Nicht, daß Erynn sich nicht irgendwo geschmeichelt gefühlt hätte, andererseits wußte sie bei Arranges nie so genau, wo der Ernst aufhörte und die Ironie anfing. Dann stiefelte sie, wärend sie sich mit einem Leinentuch die Haare trockenrubbelte, hinter dem Beschwörer her, klopfte demonstrativ laut an seine Zimmertür und trat ein, sobald er sie hereinbat.
    "Also", begann sie, kein weiteres Wort über die seltsame Begegnung vorhin zu verlieren, "es geht mir so weit wieder gut..." ihre Stimme wurde weicher und viel leiser, als sie fortfuhr: "Danke. Daß du dich um mich gekümmert hast in der letzten Nacht, meine ich..." Um gar nicht erst so etwas wie eine peinliche Stille entstehen zu lassen, schob Erynn schnell hinterher: "Ich wollte etwas essen gehen. Kommst du mit?"
    Geändert von weuze (28.10.2011 um 00:13 Uhr)

  14. #94
    [Arranges]
    Gut, dann werd ich das Waschen eben verschieben. Dachte Arranges, als er noch keine zwei Minuten in seinem Zimmer war und es bereits klopfte. 'Gern geschehen.' Meinte er nur, wies Erynn mit einer Geste, nach draussen zu gehen und folgte ihr. Die Schenke war relativ voll. Es war kurz vor Mittag, drei Arbeiter, ein breiter Ork und zwei stämmige Rothwardonen, saßen in dreckiger Allzweckkleidung an einem Tisch in einer Ecke und ruhten ihre müden Knochen aus. Arranges und Erynn setzten sich an einen kleinen Tisch nahe des Tresens. 'Du tätest mir und dem Wirt einen Gefallen, wenn du etwas ohne Kwamaeier bestellen würdest...' Sagte Arranges leicht resignierend.

    [Erynn]
    Erynn verdrehte kurz die Augen. "Jaja, ist ja gut. Ich habs begriffen. Keine Eier. Du hättest dich eben übrigens ruhig noch waschen können. So sehr übertreiben brauchst du es auch nicht mit der Anpassung", setzte sie etwas spitzbübisch nach einem kurzen Blick zu den anderen Gästen der Schänke hinzu. Der Dunmer, der auch am gestrigen Tag schon hinter dem Tresen gestanden hatte, kam schließlich zu ihrem Tisch und fragte nach ihren Wünschen, wobei sein Blick nur wenig Zweifel darüber ließ, wie wenig er sich darüber freute, die Kriegerin wiederzusehen. Sie antwortete mit einem schuldbewußt zerknirschten Geschichtsausdruck, als sie etwas Skattel und Salzreis bestellte. Was auch immer Skattel so genau sein mochte. Nachdem der Mann wieder abgezogen war, wandte sich die Kriegerin erneut ihrem Gefährten zu. "Hast du noch irgend etwas herausfinden können heute morgen?"

    [Arranges]
    'Wenigstens bin ich nicht durch eine Sauforgie aufgefallen, bei der du dir des Neides eines jeden Nords aus Himmelsrand hättest sicher sein können.' Gab Arranges zurück. Er selbst bestellte nur eine Kleinigkeit. 'Nicht wirklich. Ich war hauptsächlich noch beim Schmied und habe dann eher zufällig einiges über die Künste der Tevanni herausfinden können. Irgendwo auf dem Plaza hab ich noch etwas von einem Aschesturm aufgeschnappt, der wohl seit Tagen in der zentralen Amur tobt.'

    [Erynn]
    "So viel hab ich gar nicht getrunken. Wer hätte ahnen können, daß das Zeug so einschlägt?" maulte Erynn und winkte dann ab. Telvanni... immer wieder dieser Name. Scheint ja ein recht interessanter Haufen zu sein, sinnierte sie, während sie auf einen Fleck auf der Tischplatte starrte, den man anscheinend nicht einmal mehr mit einer Wurzelbürste aus dem Holz herausbekam. Gedankenverloren zeichnete sie die Ränder der Verfärbung mit dem Zeigefinger nach. Dann hob sie den Kopf und sah Arranges wieder an. "Wie schlimm ist es? Werden wir wegen dieses Sturms noch länger hier festsitzen oder können wir es wagen, uns da durchzuschlagen?"

    [Arranges]
    Du hättest deinen Kopf benutzen können, ich bin mir sicher, dass da neben Luft auch noch ein bisschen Gehirn ist... Er sprach allerdings nicht aus, was er dachte, Erynn hatte mittlerweile wohl wirklich selbt begriffen, wie dämlich ihre Aktion vom gestrigen Abend gewesen war. 'Ich weiss nicht, wie schlimm es ist, aber die Stürme, die uns bis jetzt begleitet haben, waren auch nicht schlimmer als ein heftiges Schneegestöber in den Jerallbergen und das kann man auch gut überleben. Ich denke, dass wir uns dort ohne grobe Verzögerungen durchkämpfen können. Hier noch länger zu warten, wäre unsinnig, Gumoras Spur ist bereits schon sehr kalt, wenn wir noch mehr Zeit verlieren, können wir es auch bleiben lassen, nichtmal der beste Kopfgeldjäger könnte ihn dann noch aufspüren.' In diesem Moment brachte der dunmerische Wirt das Essen. 'Aber... auch wenn ich nur ungern Helme trage, vielleicht sollten wir uns ebenfalls noch solche Netchledermasken besorgen, mit denen ich einige der Kundschafter auf dem Platz habe herumlaufen sehen. Sie tragen sie ebenfalls hauptsächlich zum Schutz von Mund, Nase und Augen. Die könnten bei einem Sturm recht nützlich sein, sodass wir nicht gezwungen wären direkt zu rasten.' Er bemerkte Erynns leicht skeptischen Blick. 'Keine Sorge, das Material ist recht komfortabel, ich habe mir ersatzweise Beinschienen aus dem gleichen Leder fertigen lassen.'

    [Erynn]
    "Ich verzichte auch lieber auf Visiere oder Vollhelme, weil es mir das Gesichtsfeld zu stark einschränkt, außerdem hört man nur noch die Hälfte unter den Dingern." Erynn grinste kurz, bevor sie erklärte: "Mein Vorgesetzter hält mir regelmäßig vor wie unvernünftig er es findet, daß ich barhäuptig kämpfe. Auf seine ganz eigene Art und Weise. Ich kenne sonst niemanden, der so kreativ fluchen kann wie Ah-Malz... Wie dem auch sei, ich denke du hast Recht. Wenn uns die Asche um die Ohren weht, hört und sieht man ohnehin nicht vernünftig. Also besorgen wir diese Masken. Und Wasser - viel davon. Ich kenne mich mit Wüstengegenden gar nicht aus und wüßte nicht, wie ich dort welches finden sollte. Dreveni wird wohl mittlerweile eine Karte besorgt haben, schätze ich. Fällt dir noch irgendwas ein?"

    [Arranges]
    'Angesichts der Tatsache, dass du ja doch nur einen Kopf besitzt, damit es dir nicht in den Hals regnet, kann ich nicht ganz nachvollziehen, dass sich da jemand so drüber aufregt.' Sagte Arranges und grinste breit. 'Was das Wasser angeht. So trocken schien mir die Amur gar nicht. Das Feuerland ist staubig, ja, aber nicht zwangsläufig trocken. Ich überlege da jetzt schon seit wir nach Molag Mar unterwegs sind, immer wieder herum und meine, dass das Tramawurzeln sind, die da überall wachsen. Wenn man die ausquetscht, sollte da auch einiges an Flüssigkeit rauskommen. Jedoch kann es auch nicht schaden, wenn wir einen Wasserschlauch mehr mitnehmen als sonst.' Der Magier schob seinen Teller von sich und machte Anstalten aufzustehen. 'Ich würde mich dann vielleicht noch waschen gehen, damit du wenigstens da zufrieden sein kannst.' Spöttelte er. 'Und im Anschluss ein wenig schlafen.' Fügte der Beschwörer noch hinzu, dann verließ er die Schankstube.

    [Erynn]
    "Wenn die Alternative darin besteht, mir die Birne mit solchem Mist vollzustopfen wie du, kann ich mit meinem Kopf gut und glücklich leben", griff die Kriegerin das alte Spiel zwischen ihnen beiden auf. Sie aßen größtenteils schweigend. Erynn dachte währenddessen über Tramawurzeln nach. Die dornigen Dinger wirkten eigentlich recht trocken, aber sie hatte sich eine solche Pflanze auch noch nie von innen angesehen. Außerdem stellte sie fest, daß die Skattelpampe weitaus besser schmeckte, als sie aussah.
    Ja, schlafen ist eine hervorragende Idee, überlegte sie, als der Beschwörer sich verabschiedete. Schließlich wars keine besonders erholsame Nacht... Sie pickte die letzten Essensreste von ihrem Teller und ging dann ebenfalls in den Gästezimmertrakt herunter, um sich endlich auszuruhen. Später am Tag, oder vielleicht auch morgen früh, könnten sie dann die Ausrüstung vervollständigen und die Jagd fortsetzen. Erynn freute sich auf die Molag Amur, trotz der Aussicht, mitten in einen Aschesturm zu geraten - sie fand das wilde Land einfach schön. Mit einem zufriedenen Seufzer schloß die Elfin schließlich die Augen. Sie würden den Molch schon finden. Irgendwann.
    Geändert von Glannaragh (29.10.2011 um 00:50 Uhr)

  15. #95
    Auf ihrem Zimmer studierte sie noch ein wenig die Karte, diese hier war wesentlich genauer als ihre alte. Auf ihrem weiteren Weg lag nicht viel, stellte sie fest. Ein paar Punkte waren eingezeichnet mit seltsamen Namen, nur war nicht ersichtlich was genau das war, Dreveni vermutete dass es sich um Festungen handeln würde. Sie bezweifelte langsam ernsthaft, dass sie Gumora finden würden, aber solange sie bezahlt durch Morrowind reisen konnte, war ihr das egal. Kurz fiel ihr noch einmal das seltsame Gefühl ein, dass sie am Nachmittag überkommen hatte, aber wer sollte sie hier schon beobachten? Schließlich stand sie auf, vergewisserte sich, dass die Tür verschlossen war, kämmte sich die Haare und legte sich ins Bett, nachdem sie die Kerzen gelöscht hatte. Nachdem ihre Sachen gerade gewaschen und somit vermutlich sauberer als das Bett waren, behielt sie sie gleich an. Außerdem war sie gerade von dem Sujamma das sie vorhin zum Abendessen getrunken hatte ziemlich müde.

    Was genau sie geweckt hatte, konnte sie später nicht sagen, ihr war jedenfalls auf einmal, als wäre sie nicht allein in ihrem Zimmer. Kaum wollte sie sich aufsetzen, bekam sie einen Schlag auf den Hinterkopf als hätte sie ein Pferd getreten. Mehr als das merkte sie auch nicht mehr, weder dass sie in die Bettdecke eingewickelt wurde, noch dass einer der beiden Dunmer die sie Mittags in der Taverne gehört hatten, über die Schulter warf und durch den Schankraum nach draußen trug. Es war mitten in der Nacht und keine Gäste mehr anwesend. Nur der Wirt harrte aus um auf die Taverne aufzupassen, verdrückte sich aber mit abweisendem Gesicht in ein Hinterzimmer, als die beiden Dunmer mit Dreveni die Schänke verließen.

    Das nächste was sie wieder wahrnahm, wahren stechende Kopfschmerzen. Zuerst war sie überhaupt nicht fähig, einen klaren Gedanken zu fassen, sie merkte nur, dass irgendetwas - abgesehen von den abartigen Kopfschmerzen - nicht stimmte. Ihre Glieder schienen irgendwie steif zu sein, Noch immer nicht richtig da, begann sie vorsichtig, sich zu bewegen. Wenigstens wollte sie das versuchen, allerdings kam sie nicht weit, da wurde ihr schon ein Schwall eiskaltes Wasser ins Gesicht geschüttet. Vor Schreck schnappte sie nach Luft, wobei sie nicht wenig davon einatmete. Auch wenn sie bei dem folgenden Hustenanfall meinte, ihr Kopf würde gleich platzen, war sie jetzt immerhin wieder ganz da. Als das Wasser wieder aus ihrer Lunge war, wurde sie sich auch über ihre Lage klar. Irgendwer musste sie an einen Stuhl gefesselt haben, da sie sich in einer aufrechten Position befand. Vorsichtig versuchte sie die Augen zu öffnen, allerdings blendete sie das Licht, so dass ihr die Tränen in die Augen schossen. Jetzt dämmerte ihr auch, dass sie anscheinend niedergeschlagen worden war. Inzwischen konnte sie auch leise Stimmen ausmachen, sie wusste nur nicht, welche Sprache das war. Dunmeri? Sie nahm gerade einen neuen Anlauf dazu, die Augen zu öffnen, da schob sich ein Schatten vor sie. sie blinzelte und sah das Gesicht eines Dunmer vor sich. Für ihre Umgebung hatte sie gerade keinen Sinn, sie musste sich schon alle Mühe geben, ihren Blick auf den Mann vor ihr zu fokussieren, sein Gesicht verschwamm immer wieder vor ihren Augen. Allerdings war sie sich fast sicher, dass sie sich nicht im freien befand.

    "Er hatte recht.", hörte sie den Dunmer sagen. Sie brauchte ein paar Sekunden, bis der Sinn der Worte zu ihr durchdrang und sich aus den drei Worten ein Satz in ihrem Kopf formte, sie hatte wirklich ganz schön eins über bekommen, auch wenn sie keine Ahnung hatte, was er ihr damit sagen wollte. Langsam fügte sich auch das Ganze zu einem Bild in ihrem Kopf. Aber das kann doch nicht sein... Aber wieso sollte sie sonst jemand mitten in Vvardenfell entführen? Der Mann schien ihre Verwirrung zu bemerkten, denn er fragte: "Dreveni, nicht wahr?"
    "Bitte? Ich kenne keine Dre..", brachte sie schwach hervor, da hatte der andere schon ausgeholt und ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Sie hatte mit dem Schlag absolut nicht gerechnet und sich dabei ziemlich auf die Lippe gebissen, so dass ihr das Blut in einem dünnen Faden den Mundwinkel entlang lief. Danach entfernte sich der Mann von ihr und verließ das Zimmer in dem sie sich befand durch einen kleinen Durchgang.
    Das erste Mal seit sie wieder zu sich gekommen war, fand sie jetzt Gelegenheit sich über ihre Situation klar zu werden. Auch wenn sie sich immer noch nicht wusste, was die von ihr wollten oder wer sie überhaupt waren. Morag Tong, wer sonst? Sie wusste nur immer noch nicht, wie sie sie gefunden hatten oder warum sie überhaupt hinter ihr her waren. Hektisch sah sie sich in dem Raum um, in dem sie gefangen war. Sie war allein, die Stimmen kamen wohl von weiter weg. Der Raum war ungewöhnlich, nichts dass ihr im Ansatz bekannt vor kam. Weder der Boden aus Metall, die Wände oder die seltsamen Lichtquellen, die aus leuchtenden Röhren an den Wänden bestanden.
    Sie zerrte probeweise an ihren Fesseln, allerdings gaben diese nicht im geringsten nach. Verfluchte scheiße. Mit beinahe betäubender Klarheit erfasste sie jetzt ihre Situation komplett. Sie war verloren, die Chancen auf eine Flucht waren gleich Null. In diesem Moment kam auch der Mann wieder zurück, in Begleitung eines zweiten Dunmers, der jetzt vor ihr in die Hocke ging. Sie betrachtete ihn, wusste aber nicht so ganz, was das sollte - bis es ihr wie Schuppen von den Augen fiel. Der Mann war Mittags neben ihr in der Taverne in Molag Mar gesessen. Sie hatte nun wirklich Übung darin, sich Gesichter, auch beiläufig und unbewusst, zu merken. Der Mann, der ihr ins Gesicht geschlagen hatte, schien das zu registrieren, denn er schickte den anderen Dunkelelfen mit einem Nicken wieder weg.
    Danach zog er sich einen Stuhl heran, der außerhalb ihres Blickfeldes gestanden haben musste, setzte sich vor sie und sagte: "So, Dreveni", wobei er ihren Namen betonte, "Wie wahrscheinlich ist es wohl, dass der Name Dreveni zusammen mit dem Namen Feryn fällt, und praktisch im gleichen Satz noch die Morag Tong? Ganz zu schweigen von einem wichtigen Brief?" Er hatte das ganz ruhig gesagt, doch Dreveni war der kalte Unterton in seiner Stimme nicht entgangen. Während er sprach, hatte sie auch Zeit, ihn genauer zu betrachten. Er war groß und drahtig gebaut, was man unter der leichten Rüstung aus einem ihr unbekannten Leder so erkennen konnte. Sein Gesicht war markant und wirkte wettergegerbt, die Augen lagen tief in den Höhlen, trotzdem konnte man den stechenden Blick sehen, sie waren von intensivem Rot. Weißes Haar bildete einen seltsamen Kontrast und fiel ihm in die Stirn. "Und was könnte dieser Feryn wohl geschäftlich mit dieser Dreveni zu tun haben?", überlegte er laut weiter, während er Dreveni lauernd beobachtete.
    "Was wollt ihr von mir?"
    Der andere schwieg, zog ein kleines, überraschend sauber wirkendes Tuch aus der Tasche und wischte ihr das Blut aus dem Mundwinkel. "Außerdem solltet ihr wissen, dass er mir euch beschrieben hat. Das ist zwar schon ein paar Jahre her, aber er hat nicht übertrieben. Gewiss, schwarzhaarige, hübsche Dunmer gibt es viele, ihr habt wirklich einen üblen Fehler begangen gestern, Assassinin."
    Dreveni schwirrte der Kopf. Was bei Mephala war das gestern bloß für ein Tag gewesen? Das konnte doch nur ein ganz kranker Albtraum sein.
    Sie atmete kurz mit geschlossenen Augen tief durch, und wiederholte ihre Frage: "Was wollt ihr von mir?" Als sie die Augen wieder öffnete, hatte Dunmer auf einmal einen längeren, einseitig geschliffenen Dolch in der Hand, den er sinnend betrachtete. "Stellt euch nicht dumm.", erwiderte er beiläufig, den Blick noch immer der Klinge zugewandt. "Ich will wissen, wo er ist!" Den letzten Satz hatte er unvermittelt laut gesprochen, so dass Dreveni unwillkürlich zusammen zuckte. Sein Blick ruhte jetzt wieder auf ihr, und um seinen Mund spielte ein leicht sadistisches Lächeln, wenigstens kam es Dreveni so vor. Was sollte sie ihm sagen? Sie wusste nicht, wie ihr gegenüber zu Feryn gestanden hatte, was er hören wollte. "Ich habe keine Ahnung.", brauchte sie schließlich hervor, und kaum hatte sie es ausgesprochen, bekam sie schon wieder einen heftigen Schlag ins Gesicht. "Lüge!", sagte der andere nur, dann rückte er seinen Stuhl noch ein Stück nähre zu Dreveni. Plötzlich sah sie den Dolch auf sich zukommen und schloss aus Reflex die Augen. Sie meinte schon die Klinge in ihrem Herz zu spüren, da fühlte sie das kühle Metall an ihrem Gesicht. Hektisch riss sie die Augen wieder auf. Sie hatte von sich selbst immer behauptet, durch nichts so schnell zu erschüttern zu sein, aber in diesem Moment kam auch sie langsam an ihre Grenzen. Sie war komplett wehrlos, gefesselt und konnte sich ausmalen, dass es für sie nur eine Ende bei der ganzen Sache geben konnte. Sie versuchte sich zu beruhigen, da sie merkte, dass sie gleich anfangen würde zu zittern, und diese Blöße konnte sie sich jetzt nicht leisten. "Es wäre wirklich schade...", hörte sie den Dunmer sagen, während er mit der stumpfen Seite der Klinge die Konturen ihrer Wange entlangfuhr. "Im Gesicht sind viele Nerven, wenn ich davon einen erwische... Das gibt so unschön asymmetrische Gesichtszüge..."
    Als ob ihr mich überhaupt gehen lassen würdet., dachte sie verzweifelt. "In dem Brief stand etwas von Cyrodiil, mehr weiß ich nicht. Ich war schon vor Jahren fertig mit ihm." Der Dunmer stoppte die Bewegungen des Dolches in ihrem Gesicht, und sagte: "Es wird doch. Auch wenn ich glaube ihr wisst nicht nur wo er ist, sondern habt ihn auch getroffen. Ich hatte schon damit recht, dass er sich an euch wenden würde. Ich kenne ihn, wir waren wie Brüder, falls ihr damit etwas anfangen könnt." Bei den Höllen Oblivions, wo bin ich da nur hinein geraten. Sie hoffte gerade nur noch, dass das ganze schnell vorbei sein würde, an Arranges oder Erynn dachte sie gerade nicht mehr.
    "Aber ich bekomme schon noch aus euch heraus, wo er sich genau aufhält. Viel interessanter ist die Frage: Wo sind die Dokumente?"
    "Welche Dokumente??", fragte sie fast verzweifelt. Davon hatte sie nun wirklich keine Ahnung. Aber ihr dämmerte langsam dass es vielleicht nicht so verkehrt gewesen war, nichts von Feryns Tod zu erzählen, der andere schien auch noch eine Rechnung mit ihm offen zu haben. Weiter kam sie in ihren Überlegungen nicht, denn mit einer schnellen Bewegung verschwand der Dolch aus ihrem Gesicht und der Dunmer zog die geschliffene Seite genüsslich über ihren Arm, von der Schulter bis seitlich über den Ellenbogen. Nicht so fest, dass sie gleich verbluten würde, aber sie musste ordentlich die Zähne zusammenbeißen um das Gesicht nicht zu verziehen. Die Klinge war scharf, so dass sie mühelos durch den Stoff ihres Kleides drang und sie den Schnitt nicht direkt merkte, dafür begann es kurz darauf fies zu brennen. "Ich halte nichts von Lügen, ich dachte das sei klar geworden..."
    Geändert von Andromeda (14.02.2012 um 22:47 Uhr)

  16. #96
    [Erynn]
    Als die Elfin wieder erwachte, war es noch sehr früh am Morgen - in diesem Falle nicht weiter verwunderlich, war es doch gerade erst Nachmittag gewesen, als sie sie am vergangenen Tag zur Ruhe gelegt hatte. Umso besser. Je schneller wir aufbrechen, desto eher finden wir die Fährte wieder. Sie kleidete sich an, kämpfte eine Weile mit einer Schnalle an ihrer Rüstung, die sich offenbar in den letzten Tagen irgendwann verbogen hatte und war schon halb aus dem Zimmer heraus, als sie den Schwertgurt vor dem Bauch schloß. Jetzt, wo sich die letzten Nachwirkungen des Alkohols verflüchtig hatten und sie ausgeschlafen war, kehrte der Tatendrang zurück.
    Erynn klopfte zuerst an die Tür der Assassinin. So, wie sie ihre Begleiterin einschätzte, würde diese es zu schätzen wissen wenn sie genug Zeit bekam, noch einmal die Annehmlichkeiten eines Badezimmers in Anspruch nehmen zu können. Wer konnte schon sagen, wann sich die Gelegenheit zum nächsten Mal ergab. Verdutzt stellte die Kriegerin fest, daß die Zimmertür nur angelehnt war. Seltsam. Sie zögerte kurz, schob die Tür dann vorsichtig einen Spalt breit auf und spähte in die Dunkelheit. "Dreveni?" Keine Antwort. Noch einmal rief Erynn den Namen der Meuchlerin, diesesmal etwas lauter. Wieder erfolgte keine Reaktion, und so trat sie leise in den Raum. Die Kerzen waren allesamt heruntergebrannt, das Bett war zerwühlt, aber leer. Erynn wartete eine kleine Weile, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Drevenis Bogen lehnte entspannt an der Wand, auch ihr Schwert war noch da. "Warum läßt du deine Waffen in einem unverschlossenen Zimmer zurück", fragte die Elfin leise in die Stille. Sie kehrte um, nahm eine Kerze aus ihrer Wandhalterung im Flur und sah sich dann in deren Licht genauer in dem Raum um. Bis auf die Tatsache, daß Dreveni nicht hier war, konnte sie zunächst nichts auffälliges erblicken, doch dann fiel ihr auf, daß auch der Schlüssel noch immer auf dem Nachtschränkchen lag. Das war einfach nicht die Art der Assassinin. Allein schon ihres Berufs wegen wäre sie niemals so nachlässig gewesen.
    Alarmiert wandte sie sich ab und ging schnellen Schrittes zum Zimmer des Beschwörers, wo sie energisch gegen das Holz der Zimmertür klopfte. "Arranges? Wach auf! Dreveni ist weg."

    [Arranges]
    Wenn man bedachte, dass der Nekromant sonst im besten Falle auch nur halbe Nächte zum Schlafen gehabt hatte, seit er mit Erynn unterwegs war, schien es ihm jetzt schlicht und einfach nur unmöglich, um so eine Zeit aus dem Schlaf gerissen zu werden. Allein schon deswegen, als dass man ihm noch vor gar nicht so langer Zeit nachgesagt hatte, dass er mehr als ungehalten reagierte, wenn man seinen Schlaf unterbrach. 'Ist ja gut, ist ja gut...' Knurrte Arranges so laut, dass Erynn aufhörte, wiederholt an die Tür zu hämmern, als würde die Taverne in Flammen stehen. Wie er war, wuchtete er sich vom Bett hoch, schlurfte zur Tür und zog diese mit nicht mehr als Hemd und Bruche bekleidet, auf und blickte der Dunmer missmutig in die Augen. 'Was denn?!' Nöhlte er ungehalten.

    [Erynn]
    Arranges wirkte alles andere als begeistert, wie er so, noch im Halbschlaf, im Türrahmen stand und Erynn knurrig anstarrte. Zumindest besaß er den Anstand, sich dabei nicht am Hintern zu kratzen, wenngleich es das Bild, das er gerade bot, perfekt abgerundet hätte.
    "Dreveni ist weg", wiederholte Erynn. "Ihr Zimmer ist unverschlossen und all ihre Sachen sind noch da, einschließlich der Waffen. Das ist doch ziemlich merkwürdig, findest du nicht? Los, zieh dich an, damit wir nach ihr suchen können."

    [Arranges]
    Ein nicht zu deutendes Knurren bestätigte Erynn wohl, dass der Magier vernommen hatte, dass die Elfe irgendetwas zu ihm sagte. 'Und deswegen weckst du mich?!' Knurrte er. Dann stand Erynn wieder vor der geschlossenen Zimmertür. 'Die wird sich den Hlaalu geschnappt haben und vor lauter Hingabe ihre sonstige Gewissenhaftigkeit verdrängt haben... die hockt bestimmt mit zerzaustem Haar zufrieden oben im Schankraum...' Grollte Arranges, dann war das Knarren der Bettfedern zu hören, als er sich wieder hinlegte.

    [Erynn]
    Erynn starrte für einen Lidschlag lang reichlich baff auf die geschlossene Zimmertür. "Danke für dein Interesse", sagte sie lakonisch zu dem Holz und war schon drauf und dran, dem Beschwörer zu folgen und ihn notfalls in die Klamotten zu prügeln, bevor sie sich eines besseren besann. Vielleicht hatte Arranges ja recht und Dreveni war tatsächlich irgendwo im Haus. Wenigstens das sollte sie nachprüfen, bevor sie hier weiter Panik verbreitete.
    Im Waschraum war sie nicht, dessen Tür stand offen und es war dunkel dort. Die Gaststube war ebenfalls leer und sonst gab es nicht viele Möglichkeiten, wo die Assassinin sich hätte aufhalten können. Bevor sie sich jedoch erneut an das heute Morgen offenbar komplizierte Unterfangen machte, den Magier aus den Federn zu kriegen, ging sie noch einmal in Drevenis Zimmer um sich zu vergewissern, daß die Meuchlerin vielleicht nicht doch wieder dort war. Noch einmal sah sich Erynn im Halbdunkel des Raumes um und wäre mit einem Mal fast auf die Nase geflogen. Sie war über etwas gestolpert, das sie kurz darauf als Drevenis Schuhe identifizierte. Wie auch immer sie es drehte und wendete, der Elfin fiel kein einziger gescheiter Grund ein, warum die andere Dunmerin barfuß durch Molag Mar laufen sollte.
    Diesesmal hielt sie sich nicht mit Klopfen auf, rauschte in das Zimmer des Beschwörers und versetzte dem Bettpfosten einen kräftigen Tritt, der die gesamte Konstruktion zum Wackeln brachte. "Ich sage dir, sie ist nicht hier! Und ich habe Grund zu der Annahme, daß sie nicht freiwillig gegangen ist. Also los, beweg deinen Arsch aus der Kiste, verdammt noch mal!"

    [Arranges]
    Es dauerte nicht sehr lange, da flog plötzlich die Tür gerade in dem Moment auf, in dem der Kaiserliche fast schon wieder ein wenig eingenickt wäre. Vor Schreck saß Arranges keine Sekunde später aufrecht im Bett und kniff aus Reflex die Augen zusammen, als Erynn ihm sehr deutlich klarmachte, dass sie genau meinte, was sie zuvor schon an der Tür zu ihm gesagt hatte. Jetzt hellwach und deutlich verärgert, blitzten die Augen des Magiers schwarz auf in dem dunklen Raum, als er mit dem Kopf herumfurh und die Kriegerin anstarrte. 'Hast du dir eigentlich den Verstand weggesoffen oder was zum Teufel soll das werden?!' Herrschte Arranges sie an. 'Hör auf hier Panik zu schieben, die deiner Paranoia entsprungen ist... und vor allem, HÖR AUF, mich damit zu belästigen... MORGENS!' Mit einem Ruck stand er auf, stieß Erynn unsanft zur Seite, angelte nach seiner Kniehose, zog diese reichlich ruppig an, tappte dann barfuß nach draussen und die Treppen hinauf in den Schankraum. Dort ließ er zweimal die flache Hand auf den Tresen krachen. Es dauerte nur einen Moment, bis der Wirt aus einem angrenzenden Raum hinter der Theke kam und ihn fragend und etwas verwirrt ansah. 'Guten Morg...' Der Nekromant unterbrach ihn mit einer herrischen Geste. 'Nein, der Morgen ist alles andere als gut... hat gestern abend oder heute früh eine der beiden Dunmerinnen das Haus verlassen... mit nichts weiter als einem Nachthemd?'

    [Erynn]
    Die Dunkelelfin ignorierte Arranges Gezeter. Wenigstens war er jetzt wach. Sie folgte ihm, als er in die Gaststube stürmte, und blieb schließlich leicht versetzt zwei Schritte hinter ihm stehen. Ein rascher Blick zeigte ihr, daß sich außer ihnen beiden und dem reichlich überrumpelten Wirt niemand in dem Raum aufhielt. Also konzentrierte sie sich auf den Mann hinter dem Tresen und sah ihn mit versteinertem Gesicht an. Zunächst würde Erynn dem Beschwörer das Reden überlassen, jedoch legte sie ihre Rechte betont langsam und gut sichtbar auf den Griff ihres Schwertes. Mit etwas Glück würde die Demonstration von Entschlossenheit genügen um den Wirt zur Kooperation zu bewegen - so er denn etwas wußte, das ihnen weiterhelfen würde.

    [Arranges]
    Der Wirt blickte erst Arranges nochmal verwirrter an, dann Erynn. Dabei entging ihm ihre Geste nicht. 'Nun... nein... nicht, dass ich wüsste.' Sagte er zwar mit fester Stimme, aber sein Gesicht verriet, dass er wohl eher versuchte, der Frage irgendwie aus dem Weg zu gehen. Arranges sah ihm eindringlich in die Augen. 'Seid ihr sicher?'
    'Ganz sicher!' Antwortete er wieder bestimmt, aber mehr und mehr schien es, als wolle er tatsächlich nicht wirklich sagen, was er wirklich wusste. 'Ich habe nicht die beste Laune heute morgen... und dieses Blutauge ist umgerechnet in Münzen einiges Wert... also noch einmal: Wisst ihr etwas oder nicht?' Der Wirt wurde nervös, wieder zuckten seine Augen kurz zu Erynn. 'Ich... selbst wenn ich etwas wüsste, ich kann es euch nicht sagen...' Weiter kam er nicht, denn schon hatte ihn Arranges am Kragen gepackt und riss ihn zu sich über den Tresen. Die dunklen Augen des Magiers waren nur noch einige Fingerbreit von denen des Dunmers entfernt. 'Was soll das heißen, selbst wenn ihr etwas wüsstet?'
    'Es heißt, dass ich euch nichts sagen kann.' Antwortete der andere jetzt mit zitternder Stimme. Der Widerstand des Mannes bröckelte mit jedem Herzschlag. Und plötzlich krachte der Kopf des Mannes auf die Theke, nachdem Arranges ihn noch einige Augenblicke angestarrt hatte. Mit einer Hand, die er auf die eine Seite des Kopfes gepresst hatte, hielt er diesen so auf dem Holz, dass der Wirt gezwungen war, in eine Richtung zu blicken. Mit der anderen Hand rief Arranges einen Dolch und rammte diesen direkt vor den Augen des Dunmers in die Tischplatte. 'Wenn ich jetzt wieder keine brauchbare Antwort bekomme, werde ich testen, wie viele Finger ihr bereit seid zu opfern, ehe ihr mit sagt, was ihr wisst!' Es dauerte nur einen Augenblick, bis der Dunmer in unterdrückt flehendes Schluchzen ausbrach statt etwas zu erwidern...

    [Erynn]
    Erynn besah sich das Schauspiel stumm und ohne jede Regung. Der Kerl log schlechter als sie selbst, wie sich bald herausstellte. Arranges' Verhörmethode ließ zwar etwas an Eleganz vermissen, dürfte sich jedoch innerhalb kurzer Zeit als zielführend herausstellen, dem Gesichtsausdruck des Wirts nach zu urteilen. Die letzte Drohung des Kaiserlichen veranlaßte die Kriegerin zu einem kalten, humorlosen Lächeln, das sie beibehielt, wärend sie ein paar Schritte zur Seite und somit wieder in das Gesichtsfeld des Verhörten trat. Lernst du gerade doch noch was es bedeutet, in der Gruppe zu kämpfen, Beschwörer? Ich bin beeindruckt. Die rechte Hand unverändert um ihre Waffe geschlossen, hob sie die Linke und hielt sie so, daß der Mann sie sehen mußte. "Ich empfehle Euch wirklich, jetzt damit herauszurücken, was Ihr wißt", sagte sie sanft. "Er meint es ernst..."

    [Arranges]
    Mit weit aufgerissenen Augen starrte der Wirt auf die Hand der Dunmer, welche nur noch vier, statt fünf Finger besaß. 'Es waren zwei von der Morag Tong... zwei Meuchler, die die Dunmer mitgenommen haben... entführt, heute mitten in der Nacht... sie versprachen mir eine hohe Summe, wenn ich schweigen würde...' Sprudelte es plötzlich aus ihm heraus. Die Morag Tong also... zum Henker mit dir, Dreveni! Was hast du mit der Konkurrenz zu schaffen, die verschiedenen Gilden gehen sich doch normal aus dem Weg?! 'Wo haben sie sie hingebracht?' Fragte Arranges weiter. 'Ich weiss es nicht... ICH WEISS ES WIRKLICH NICHT!' Brüllte er, als der Kaiserliche den Druck auf seinen Schädel verstärkte. 'Habt ihr vielleicht eine Idee?'
    'Nein verflucht! Fragt unten beim Schlickschreiter nach, vielleicht hat sie da jemand gesehen...'
    'Nun gut... ich danke euch.' Damit ließ Arranges von ihm ab.
    'Los, beweg dich, Erynn!' Damit verschwand er wieder die Treppen nach unten und machte sich daran, seine Sachen zusammen zu packen.
    Geändert von Glannaragh (30.10.2011 um 00:52 Uhr)

  17. #97
    Arranges und seine Begleiterin hatten recht schnell zusammen, was sie an Gepäck mit sich führten. Zudem nahmen sie auch noch das von Dreveni mit. Sie besorgten noch die Netchledermasken, die der Beschwörer angesprochen hatte. Jene von Erynn hatte eine etwas wilde Form und ähnelte dem Vulkanglashelm nach Morrowindstil, während Arranges Maske eine massive Haube mit geschwärzter Brille und dickem Tuch um die Mundpartie war.

    Danach verließen sie die Festungsstadt und hielten auf den Schlickschreiter zu, welcher nicht weit entfernt an der staubigen Straße stand. Eine Dunmerin begrüßte sie. 'Entschuldigt Sera, aber habt ihr heute Nacht hier zwei schwer beladene Männer vorüberkommen sehen?' Die Frau überlegte einen Moment, während sie die beiden musterte. 'Ja... sie sind nach Norden aufgebrochen... Ich meine, einer hätte etwas von einer Ruine der Dwemer gemurmelt, ich konnte aber den Namen nicht verstehen.'
    'Dwemer Ruine?'
    'Ja. Aber die einzige, die in genau dieser Richtung liegt, ist Nchuleftingth.' Die Frau zuckte mit den Schultern. 'Galom Daeus wäre auch noch im Nordwesten, aber ich glaube kaum, dass sie dahin gegangen sein könnten. Über dem Zentrum der Molag Amur tobt seit einigen Tagen ein übler Aschesturm, in den sich auch erfahrene Aschländer nicht trauen würden.' Arranges nickte dankend. Nachdem sie sich verabschiedet hatten, holten sie die Guare und machten sich auf den Weg.

    Sie hetzten die Tiere regelrecht voran. Es schien nur diesen einen Weg zu geben, der nach Norden über ein zentrales Massiv führte. Die Guare wurden von sich aus bereits langsamer, am Ende Ihrer Kräfte, als der nächste Tag heraufzog und an einem der vielen Hänge plötzlich seltsame Strukturen aus dem morgendlichen Dunst auftauchten. Türme und Gebilde, wie sie noch keiner der beiden gesehen hatte. Die Türme bestanden aus einer geradezu lächerlich schmalen Säule, auf welcher eine massive, breite, kugelartig geformte Spitze saß. Alles schien zum größten Teil aus Metall zu bestehen. Als Arranges und Erynn langsam näher kamen, erkannten sie auf einer Seite etwas wie einen Eingang. Ein Torbogen, in dessen Mitte eine runde Kugel saß. Deutlich war der Spalt zu erkennen, der die Kugel teilte und wohl auf etwas wie Torflügl hinwies.

    Drei vollbepackte Guare in der Nähe des Eingangs wiesen zumindest darauf hin, dass diese Ruine nicht so verlassen war, wie es zunächst schien...

  18. #98

    Nchuleftingth

    Der Dunmer betrachtete interessiert das Blut an Drevenis Arm, das langsam ihre Kleidung verfärbte. "Vielleicht solltet ihr auch noch erfahren, was es für mich bedeutet, dass ihr gerade mir in die Hände gefallen seid. Feryn hat sich zwar mit der gesamten Gilde angelegt, aber mir persönlich liegt sehr viel daran, dass ich selbst ihn erwische. Die Gilde interessiert sich hauptsächlich für die Dokumente. Also noch mal: Wo sind sie?"
    Dreveni überlegte sich, wie sie ihre Antwort so formulieren konnte, dass der Dunmer nicht noch weitere Muster in ihren Körper ritzte, aber sie wusste wirklich nicht einmal im Ansatz, um was für Dokumente es ging. Und würde der andere erfahren, dass sie Feryn ermordet hatte, wollte sie auf jeden Fall ganz weit weg sein. Allerdings erschlug er sie vielleicht auch im Affekt. Nein, der hat genug Beherrschung... Langsam war sie wirklich am Ende, nicht nur dass ihre Lage aussichtslos war, sie kannte das ganze Spiel selbst zu genüge. Zwar hatte sie nie diese offensichtliche Befriedigung aus Folter gezogen wie es ihr gegenüber anscheinend tat, aber die Methoden waren ihr durchaus vertraut, ihr war auch bewusst dass er noch nicht einmal richtig angefangen hatte.
    "Vor über zwei Monaten habe ich ihn bei Bravil in Cyrodiil kurz gesprochen. Danach habe ich seine Spur verloren, und ich weiß NICHTS von irgendwelchen Dokumenten, ich weiß nur dass er auf der Flucht war, mehr hat er mir nicht gesagt!" Diese Antwort brachte ihr den gleichen Schnitt auf dem anderen Arm ein. "Seine Spur verloren? Das glaubt ihr doch wohl selber nicht."
    "Wenn ich es doch sage..." In Erwartung weiterer Schnitte schloss sie die Augen, doch dieses mal stand der Dunmer auf, trat hinter sie und betrachtete ihre hinter der Lehne zusammengebundenen Hände. "So schöne lange Finger..." Mit einer schnellen Bewegung verdrehte er sie an ihrer rechten Hand und Dreveni schrie nun doch auf, als sie mindestens zwei davon brechen merkte.
    Als sich ihr Peiniger gerade wieder setzte trat einer der Dunmer die sich noch hier aufhalten mussten, durch den Durchgang an sie heran. Er sagte etwas auf Dunmeri zu dem anderen, und bedachte Dreveni dabei mit ziemlich eindeutigen Blicken. Der Mann, der sie verhörte, wandte sich danach wieder ihr zu: "Ich bin aber manchmal auch zerstreut. Glücklicherweise hat mich mein Freund daran erinnert, was ich ihm und den anderen versprochen habe, bevor ihr zu zerstört seid... Aber ich denke, nachdem mich Feryn dermaßen hintergangen hat, gebührt die Ehre zuerst mir."
    Sie brauchte einen Moment, bis die Erkenntnis zu ihr durch drang, was er damit meinte, außerdem musste sie noch mit den Schmerzen in ihrer Hand kämpfen. Den anderen?? Wie viele.. "Vielleicht hilft das auch eurem Gedächtnis etwas auf die Sprünge."
    "Ich weiß wirklich nicht mehr!", sagte sie jetzt doch mit aufkommender Panik in der Stimme. "Glaubt ihr nicht, ich würde ihn spätestens jetzt ans Messer liefern? Dafür dass er mich in diese Situation gebracht hat??" Tatsächlich war das der Moment, ab dem sie Feryn so oder so umgebracht hätte, hätte sie sich damals bei Bravil doch anders entschieden. Es konnte doch fast nicht wahr sein, dass er von ihr bei seinen Gildenbrüdern erzählt hatte.
    "Ich weiß nicht, was ich euch glauben soll, aber ich denke das wird sich im verlauf der nächsten Stunden so oder so klären.", antwortete er nur kalt, während er dem anderen einen Wink gab, sie loszubinden. "Denkt nicht einmal daran, euch zu wehren, zu treten oder zu beißen. Ihr würdet es bitter bereuen. Und wisst ihr, was das schöne ist? Da wir ja Kollegen sind, versteht ihr sicher auch ohne große Erklärungen, was man jemanden antun kann, ohne dass er stirbt, oder?" Während der andere ihre Fesseln löste, überlegte sie hektisch, ob es noch einen Ausweg geben konnte. Langsam verfiel sie tatsächlich in Panik, es war doch etwas anderes im Kampf zu unterliegen und plötzlich eine Klinge an der Kehle zu haben, als hier gefesselt und ausgeliefert zu sein. Ihre Überlegungen wurden jäh unterbrochen, als der andere nicht zimperlich dabei war, die Fesseln in ihrem Rücken zu lösen und sich auch nicht um die gebrochenen Finger scherte, die er ihr beiläufig noch einmal verdrehte, so dass sie keuchend nach Luft schnappte. Außerdem zirkulierte jetzt langsam das Blut wieder in ihren Gliedmaßen, was diese schmerzhaft kribbeln ließ. Als er damit fertig war, zog er sie auf die Beine, die ihr aber erst einmal einknickten, da auch sie komplett eingeschlafen waren. Brutal wurde sie wieder nach oben gezerrt, während ihr die Hände jetzt wieder auf den Rücken gebunden wurden. "Carmala.", nuschelte sie nur.
    "Bitte?"
    "Sie sind in Carmala. Einer Festung bei Chorrol.", sie sah dem großen Dunmer in die Augen, der sie verhörte. "Dort hat er sie versteckt."
    "Ich fürchte, noch kann ich euch das nicht glauben.", sagte er, während er näher an sie heran trat. Sie konnte seinen Atem an ihrem Gesicht spüren, genauso wie die Wärme die von seinem Körper ausging, und versuchte, den Kopf wegzudrehen, allerdings hielt er gleich darauf ihr Kinn mit seiner Hand fest. Sie hätte ihm jetzt einfach ein Knie in den Magen rammen können, aber was hätte ihr das schon gebracht? Er hatte recht, es wäre dumm sich zu wehren. "Habt euch doch nicht so, ich denke sonst seid ihr auch nicht so schüchtern...", sagte er leise mit dem Gesicht nahe an ihrem Ohr, während er mit der freien Hand über ihren Körper fuhr. Inzwischen zitterte sie wirklich, wenn auch zum Teil deshalb weil sie einige Stunden unbeweglich an den Stuhl gefesselt war und jetzt einfach keine Kraft in ihren Muskeln hatte. Sie wollte einen Schritt zurück weichen, aber der zweite Dunmer stand immer noch hinter ihr und hielt sie fest...

  19. #99
    Zum Teufel mit dir, Assassinin... wie kann man nur dermaßen unfähig sein?! Dachte sich Arranges zum gefühlt hundertsten Male, seit sie sich der Ruine langsam näherten. Der Nekromant hatte sich in Gedanken schon eine ganze Reihe wüster Formeln zurechtgelegt, als er den ersten Turm der dwemerischen Ruine aus dem Nebel auftauchen sah. Der Kaiserliche wusste in dem Moment, als er sich aus dem Sattel des Guars schwang, auch gar nicht so recht, auf wen er jetzt zorniger war. Auf die Meuchler, die seine Assassinin entführt hatten und ihm damit eine erfolgversprechende Jagd nach Gumora verwehrten, oder aber auf die Meuchlerin selbst, weil sie so unglaublich dämlich war, sich von ihresgleichen fangen zu lassen... aus welchen Gründen auch immer, beides war im eigentlich egal. Überhaupt störte sich der Magier daran, dass er auf der Suche nach dem Molch behindert wurde, schon wieder. Ich werde dich ausnehmen wie ein abgestochenes Kaninchen, Gumora. Dessen kannst du dir sicher sein! Mit entschlossenen Schritten ging der Magier mit stumpfem Ausdruck, den die Netchledermaske vor seinem Gesicht bildete, auf die Tür zu. Klinke?! Er besah sich den Torrahmen, von Erynn nahm er bereits keine Notiz mehr. Als er wieder nichts sah, knurrte er unter dem dicken Tuch, das seinen Mund bedeckte, kehlig und ging einige Schritte zurück. Wenn ich dich da heraus habe, Dreveni, binde ich dich an deinem Guar fest und den Mund öffnest du dann, wenn du danach gebeten wirst! Grelles Feuer bildete eine gleißende Sphäre zwischen den beiden vorgereckten Händen des Kaiserlichen. Ein unbeschreibliches Dröhnen und Krachen schmerzte nur eine Sekunde später in den Ohren, als Arranges den Feuerzauber auf die kugelartige Tür richtete. Man konnte förmlich spüren, wie sich der Schall in den metallischen Innereien der Ruine unter der Erde fortsetzte.

    Als sich der Staub einige Augenblicke später verzogen hatte, starrte Arranges die Tür, die nichteinmal einen Kratzer davongetragen hatte, hasserfüllt an. 'Verdammt nochmal!' Fluchte er unter seinem Helm. Wieder ballte er massive magische Kräfte in den Händen. Doch bevor er erneut auf die Tür feuern konnte, drang ein schabendes Geräusch zu ihm durch. Einen Augenblick später teilte sich die Kugel in der Mitte und gab den Durchgang frei. In der Mitte tauchte eine Gestalt auf und spähte nach draussen. Der Dunmer hatte nichteinmal den Hauch einer Chance. Auch die natürliche Feuerresistenz seiner Rasse konnt nicht verhindern, dass er in dem Feuerstrahl, der nur den Bruchteil der Dauer eines Lidschlags später aus den Händen des Beschwörers hervorschoss, einfach verpuffte. Gedärme, Hautfetzen und ein paar wenige verkohlte Reste der Lederrüstung, die er getragen hatte, zierten jetzt den Eingang der Ruine.

    Ohne zu zögern betrat Arranges die Ruine. Drinnen war alles absolut anders, als er erwartet hatte. Die Beleuchtung schien aus irgendwelchen seltsamen Röhren zu bestehen und ansonsten war beinahe alles aus Metall oder Erzen gefertigt. Aber er hielt sich nicht zu lange damit auf, die Architektur zu bestaunen, denn kaum hatte er ein paar Schritte in den Raum hinter dem Eingang gewagt, stand ihm ein weiterer Dunmer in leichter Rüstung gegenüber. Es war dem Mann deutlich anzusehen, dass er absolut nicht wusste, was er mit dem Unbekannten dort anzufangen hatte. Er blickte in die regungs- und emotionslose Maske und war für eine Sekunde so von der ganzen Situation und der schieren Gleichgültigkeit, mit der der Fremde sein Schwert blitzschnell zog und ihm durch den Brustkorb stieß, überrumpelt, dass er nichteinmal den Ansatz von Gegenewehr zeigte.

    Arranges riss sein Schwert zurück und kümmerte sich nicht mehr um den vor ihm wie ein krummer Turm in sich zusammensackende Dunmer. Zwei weitere Gänge führten von der Eingangshalle weg. Aus einem drangen Schritte zu ihnen herauf. Einen Herzschlag später sah sich Arranges einem weiteren Dunmer gegenüber. Für einen kurzen Moment fassungslos, blickte dieser auf seinen am Boden liegenden Kameraden und rief irgendetwas, das Arranges nicht verstand. Es war ihm im auch egal. Ohne Worte hob er beinahe gelassen die linke Hand, als wolle er eine imaginäre Person vor sich dazu auffordern, aufzustehen, während er weiter dem Dunmer in die Augen sah. Dessen Fassungslosigkeit wandelte sich plötzlich zu Zorn. Er riss die beiden Dolche aus seinem Gürtel und wollte gerade auf den Kaiserlichen zustürmen, als vor ihm ein Skelettmeister aus dem Boden wuchs und ihn mit der selben regungslosen Miene aus dunklen Augenhöhlen heraus anstarrte. Ein Kampf entbrannte zwischen den beiden. Lautstark gebrüllte Befehle drangen plötzlich aus einem der anderen beiden Gänge zur Eingangshalle. Arranges spürte, wie ihm jemand von hinten einen Arm um den Hals legte. 'Ganz ruhig...' Hörte er die Stimme eines Khajiits in seinem Nacken. Richtig, beweg dich nicht, sonst geht mein Schlag ins Leere... Dann warf er den Kopf ruckartig nach hinten und spürte die Schnauze des Tiermenschen mehr als nur einmal brechen. Komplett überrascht und von viel zu plötzlichem Schmerz gepeinigt, kreischte das Katzenwesen auf. Der Nekromant entwadt sich dem Griff des Assassinen und mit dem Schwung der Drehung flog dem Khajiit der Ellenbogen des Kaiserlichen in die linke Gesichtshälfte. Das Schwert folgt beinahe so schnell von der anderen Seite und drang knackend und reissend auf Hüfthöhe in den Körper ein. Ein erneuter Feuerzauber sorgte dafür, dass dem Tiermenschen noch der halbe Torso weggerissen wurde und der Rest von ihm quer durch den Raum segelte und schwer an eine Wand klatschte.

    Arranges wählte ohne lange Zeit zu verschwenden, eher per Zufall aus, welchen Gang er nahm und ging einfach weiter. Der andere Dunmer wurde bereits übel von dem Untoten bedrängd und würde wohl nicht mehr zu lange durchhalten. Auch um Erynn kümmerte sich der Magier nicht in diesem Moment. So groß kann diese Ruine nicht sein... wo zum Teufel haben sie dieses Weibsbild versteckt?
    Geändert von weuze (30.10.2011 um 15:34 Uhr)

  20. #100
    Die Ruine war ziemlich weit entfernt von Molag Mar und Erynn fürchtete zwischenzeitlich, daß sie die Guars zuschanden geritten haben würden, bevor sie Nchuleftingth erreichten. Endlich jedoch, als sie schon fürchtete zum Abwarten gezwungen zu sein, weil aufziehender Nebel das Licht von Monden und Sternen schluckte und sie fast blind in der Aschewüste zurückließ, schälten sich fremdartige Strukturen aus dem Zwielicht, seltsamer als alles, was die Elfin je zuvor gesehen hatte. Was auch immer diesen Bau aufrecht erhielt, mit normaler Statik hatte es wohl nicht viel zu tun.
    Sie überließ es Arranges, die Speerspitze zu bilden, genau genommen blieb ihr auch nichts anderes übrig, da der Nekromant längst zur Höchstform aufgelaufen war und gleich von Anfang an so viel Radau veranstaltete, daß Erynn die Überlegung einer vorsichtigen Infiltration direkt verwarf. So hielt sie sich ein Stück weit hinter ihm, einen Pfeil auf der Sehne, um mit einem schnellen Schuß eingreifen zu können, wenn die Situation Gefahr lief, außer Kontrolle zu geraten.

    Dann wurde es hektisch. Erynn hörte Rufe aus den Tiefen der Ruine und der Beschwörer wurde plötzlich von einem Khajiit angesprungen, der sich zuvor für ihrer beider Augen unsichtbar im Schatten verborgen haben mußte. Spätestens als das Katzenwesen starb, war ihre Position preisgegeben. Die Entführer mußten nichts weiter tun als den Schreien zu folgen. Die Kriegerin hob ihren Bogen und blickte, die Wand des Ganges stets in ihrem Rücken behaltend, immer wieder um sich, während sie Arranges tiefer in die Dwemerstätte folgte. Vor ihnen tauchte eine kurze Treppe auf, die einige Stufen nach unten führte, als Erynn ein Geräusch hinter sich mehr spürte als hörte, das nicht ganz zu dem dauernden Knarren und Ächzen des uralten Bauwerks passen mochte. Sie duckte sich und fuhr herum, entging nur knapp einem Wurfmesser, das harmlos ihre Maske streifte und außer Sicht verschwand. Die Elfin legte an, nahm sich aber nicht mehr die Zeit wirklich zu zielen, als sie am Fuße der Treppe Tumult vernahm. Man hatte sie in die Zange genommen.
    Sie ließ die Sehne fahren und beobachtete, wie einer der Jagdpfeile ihres Vaters die Netchlederrüstung des Angreifers durchschlug und zitternd in dessen Unterleib stecken blieb. Der Mann kippte auf die Seite, beide Hände um den Pfeilschaft gekrampft, und begann zu schreien. Er kreischte immer noch als Erynn herumwirbelte, den nächsten Pfeil bereits auf der Sehne. Sie sah gerade noch, wie der Beschwörer zurücktaumelte und sich schüttelte, als sei ihm schwindelig. Er wurde von zwei weiteren Gestalten schwer bedrängt, die wie sie selbst Ledermasken trugen und bösartig aussehende, schwere und doch seltsam elegante Streitkolben schwangen. Die Dunmer fällte einen von ihnen mit ihrem nächsten Schuß, doch um ein weiteres Mal anzulegen blieb keine Zeit mehr. Erynn stieß sich ab, überwand die Treppe mit einem einzigen Sprung und flog, das rechte Bein vorgestreckt, auf den zweiten Gegner zu. Sie hatte auf das Knie gezielt, jedoch geriet ihr Sprung eine Handbreit zu kurz und so traf ihr Außenspann stattdessen die Wade ihres Widersachers. Es genügte, um seinen Zweck zu erfüllen. Die Elfin hörte das Schienbein brechen. Vom Schwung ihres Körpers weitergetragen, fiel sie über den strauchelnden Körper, rollte sich ab und kam gerade rechtzeitig wieder auf die Füße um zu sehen, wie Arranges seine Silberklinge im Rückgrat ihres Feindes versenkte und ihm so den gar aus machte.
    Kaiserlicher und Dunmer sahen sich einen Moment lang an. „Bist du in Ordnung?“ fragte Erynn. Ihre Stimme klang dumpf unter dem Mundtuch. Arranges nickte nur und winkte ab.
    Sie setzten ihren Weg fort, und schon nach der nächsten Biegung des Gangs fanden sie sich vor einer der seltsamen runden Metalltüren wieder, die so typisch für den Baustil der Dwemer zu sein schienen. Erynn hängte den Bogen über ihre Schulter und zog das Schwert. Ein weiteres Nicken, dann griffen sie jeder nach einem Türflügel und rissen sie auf.
    Sie platzten in einen weiteren, komplett mit Metall ausgekleideten Raum. Drei Personen befanden sich darin, von denen zwei sie mit einer Mischung aus Überraschung, Zorn und Entschlossenheit anstarrten. Und zwischen ihnen... Dreveni!
    Einer der beiden Dunmer hielt die Assassinin grob bei den Oberarmen gepackt, der andere, sehr dicht vor ihr, hatte seine Hand in den schönen, schwarzen Haaren ihrer Begleiterin vergraben und deren Kopf in schmerzhaft aussehendem Winkel nach hinten gerissen.
    Das Erstaunen der beiden Männer und die damit einhergehende Reglosigkeit währte nur einen Lidschlag, kürzer jedenfalls als das kalte, lähmende Gefühl, das Erynn durch die Glieder fuhr. Sie kannte diese Situation nur zu gut.
    Dreveni wurde zu Boden geschleudert und blieb dort zunächst reglos liegen, als die Entführer sich Beschwörer und Bogenschützin zuwandten. So plötzlich wie die Starre gekommen war, verschwand sie auch wieder. Mit einer Geschwindigkeit, von der Erynn bisher nicht gewußt hatte daß sie sie besaß, warf sie sich jenem entgegen, der zuvor hinter der Meuchlerin gestanden hatte. Sie riß das Langschwert hoch über ihren Kopf, ihre eigene Deckung nicht achtend, und ließ es mit aller Macht auf den Dunmer niedergehen, durchbrach mit schierer Wucht dessen Verteidigung und schlug ihm das Kurzschwert aus der Hand, brachte ihre Klinge mit einer vollen Drehung ihres Körpers herum und spürte mit schwärzester Befriedigung, wie Muskeln und Sehnen des Halses dem kalten Stahl nachgaben. Ihr Gegner öffnete den Mund, brachte aber nichts heraus als einen Schwall dunkelroten Blutes. Dann stürzte er.
    Allein die Maske verhinderte, daß sie auf den Leichnam spuckte, dann fuhr sie zu dem Nekromanten herum, der mit dem anderen Entführer focht. „Arranges!“ brüllte sie über den Kampfeslärm hinweg „Laß ihn am Leben!“ Laß ihn am Leben. Dieser da gehört Dreveni...
    Geändert von Glannaragh (01.11.2011 um 20:51 Uhr)

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