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Held
Rückblende: Die Mehrheit, eigentlich war der Begriff mittlerweile mehr als unangebracht, hatte sich entschieden. Friedobert sollte am Zaun enden. Die Entscheidung der anderen brachte ihm jähes Entsetzen ins Gesicht. Er sollte also der bösen Blitzmacht des Zauns ausgesetzt werden? Das Wesen, welches ihm bereits einmal fast das Leben gekostet hatte? Er gerieht in Panik und als die anderen ihn fangen wollten, rannte er wie ein Irrer quer über die gesamte Heide. Das konnte es doch nicht gewesen sein? War es wirklich schon aus und vorbei? Es half nichts, gerade, als Friedobert die Puste ausging, fand er sich direkt am Zaun wieder. Schlimmer noch: es gab keinen Ausweg, die anderen hatten ihn umkreist und drängten ihn immer weiter an den Zaun. Doch gerade in dem Moment, als Friedobert fast schon aufgegeben hatte, hielten sie alle inne. Keiner rührte sich, es gab praktisch keine Bewegung, in diesem Moment schien es fast so, als hätte irgendetwas entschieden, dass Friedobert doch nicht sterben sollte, noch nicht. Alle öffneten einen Pfad und Friedobert lief zu seinem Schlafplatz, um sich ersteinmal zu erholen. Doch er wusste nicht, dass ihm bald noch etwas viel schlimmeres bevorstand.
Zurück in der Gegenwart: Unmerklich war auf der Heide ein leises Zucken zu hören, als der Zaun seinen Geist aufgab. Vollkommen ungeschützt lag die Heide nun da und ein merkwürdiger Luftschleier lag über dem Gebiet. Es war eine Nacht, hell erleuchtet vom Vollmond, eine Nacht, in der die Wölfe alles andere als Ruhe finden konnten, sie trachteten nach Blut, doch nicht irgendwelches. Doch trotzdem wurde der Zaun nicht von den Wölfen innerhalb der Heide geöffnet, sonder von Außerhalb.
Wach auf, Schaf. WACH AUF, HAB ICH GESAGT!!! "ZZZZZZZZZZZZZZZzzzzzzzzzzzzzzzz" WACH GEFÄLLIGST AUF!!! "Was, was?", Friedobert erwachte und immer noch müde von den Ereignissen des Tages, blickte er verwirrt in der Gegen umher, bis ihm schließlich ein Schlag endgültig in die Realität zurück holte. "Was? Wer da? Wer bist du und was willst du von mir?", erst darauf hin entrann Friedobert ein Blick des Entsetzens, als er endlich erkannte, wer da vor ihm stand. Du siehst richtig, ja, ich bin es und ich bin hier, weil ich mir endlich holen werde, was allein mir gebührt! "Du bist der Schafsguru, der mir die Geschichte von den Wölfen erzählt hatte. Was willst du von mir?", Friedobert verstand nicht. Was ich von dir will? Sagte ich das nicht? Ich will, was mir gebührt! Das, was du mir nehmen wolltest. "Was ich dir nehmen wollte? Was soll das denn sein?" nun war Friedobert endgültig verwirrt, der heutige Tag war eindeutig zu viel für ihn und er hoffte, bald endlich seine Ruhe zu finden, nichts ahnend, dass er sehr bald seine Ruhe finden würde, seine ewige Ruhe...
WAHAHAHAHAHAHAHA, du weißt nicht wovon ich rede? Dummes Schaf, so naiv, aber na schön, weil du es bist und weil die heutige Nacht nicht nur deine letzte, sondern auch meine erste sein wird, die erste, in der ich endgültig die Macht erhalten werde, die mir gebührt!!! Kurz darauf konnte Friedobert eindeutig Wolfsgeheul hinter der Gestalt des Schafsgurus hören. Also höre mir zu, Friedobert, Schaf, dessen Name seine Bestimmung war:
Manche behaupten, die Schafe seien nur auf der Welt erschienen, um den Finsterwandlern ein Mal zu sein. Doch niemand kennt die wahre Geschichte, die Geschichte, die niemals niedergeschrieben wurde, weil die Welt sie vergessen sollte. Dennoch, so wie jedes Schaf seine Fehler hat, so hat auch die Geschichte ihre Schlupflöcher. So steht diese Geschichte dennoch geschrieben, unter den vielen Kotscheiben auf der Heide. Es war die allererste Scheibe, in der ein Schaf seine Nachrichten verfasste, das erste Schaf, welches je geboren wurde. Lange bevor der Bock damals auf genau dieser Heide gegen den Anführer der Finsterwandler gekämpft hatte. In einer Zeit, in der Schafe keine Angst vor Feinden jeglicher Art hatten, in der sie ein entspanntes Leben führen konnten. Doch eines Tages geschah etwas außergewöhnliches: bei der Geburt eines neuen Lammes gab es jähes Entsetzen, denn das Fell des Schafes war nicht weiß, wie das der anderen, sondern schwarz. Tief schwarz. Das Lamm wuchs auf, alleine, von allen Schafen verlassen, bahnte es sich seinen Weg, vollkommen allein, aber es kannte das Leben nicht anders. Doch eines Tages kam es auf eine Wiese. Diese war voll vom saftigsten Löwenzahn, den je ein Schaf gesehen hatte. Auf der Wiese grasten bereits jede Menge Schafe und gerade, als das schwarze Schaf ebenfalls dort hinkam und etwas essen wollte, spürte es einen jähen Schmerz. Die anderen Schafe hatten es mit ihren Hörnern gepackt und stießen es immer weiter in Richtung Waldrand. Dort ließen sie es, windend vor Schmerzen, liegen.
All der Schmerz, all das, nur weil seine Wolle eine andere Farbe hatte. Die Demütigung, die Aggresivität ihm gegenüber ließ dieses Schaf wahnsinnig werden und außer sich vor Wahn stürmte es auf die Weide. Der Abend des Tages lag in einem tiefen Rot, als das schwarze Schaf inmitten von Blut und leblosen Schafskörpern, lachend vor geisteskranker Freude, anfing, die Reste zu verspeisen. Entsetzlich war das Lachen, das man noch aus weiter Entfernung deutlich hören konnte, so entsetzlich, dass alle Schafe im Umkreis mehrerer Kilometer ein seltsames Gefühl verspürten, eines, das sie noch nie gefühlt hatten: Angst
Es blieb nicht bei einem Einzelfall. Immer öfter wurden Geschichten laut, über reißende Bestien im schwarzen Gewandt. Wesen, die des Tags wie Schafe und des Nachts wie wilde Bestien handelten. Auf Grund dieser Geschichten entstand der Begriff Finsterwandler, ein Begriff, der noch lange die Schafe in Angst und Schrecken versetzte, bis eines Tages...
In der größten Not der Schafe wurde ein weiteres Lamm geboren...ein Lamm, dessen Wolle schimmerte, wie der Sonnenschein. Etwas war an ihm anders, doch anstatt dass die anderen Schafe es ebenfalls verstießen, feierten sie ihren Sieg, obwohl jeder außenstehende nicht verstehen konnte, wieso sie es taten, war es doch im Grunde nur ein normales Schaf. Aber diese Außenstehenden wussten genauso wenig über dieses Lamm, wie die direkt betroffenen. So wuchs auch dieses Schaf heran und mit jeden Tag schien seine Wolle immer heller zu erstrahlen. Allein durch seine Anwesenheit schien dieses Schaf eine Art beruhigende Aura auszustrahlen, der kein Schaf zu entrinnen schien. Im Gegenteil, sie wären ihm wahrscheinlich bis in den Tod gefolgt. So gab es in diesem Gebiet eine lange Zeit des Friedens, die anwährte, bis auch dort die Finsterwandler einfielen.
Es war ein schwarzer Tag und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Finsterwandler kamen wie eine gewaltige alles zerstörende Flut und zerstörten alles, was ihnen in den Weg kam. Sie drängten die Schafe zusammen, bald sollte es zu Ende gehen. Ihre Hoffnungen hatten sie bereits aufgegeben, doch dann geschah das Wunder: das goldene Schaf war noch immer am Leben und gerade als die finsteren Bestien zum Sprung ansetzten, erhob es nur leicht seine Stimme, doch zum Verwundern der totgeglaubten Schafe, blieben die Finsterwandler reglos stehen. Was war passiert? Die Verwirrung der Schafe wurde noch größer und gipfelte, als das goldene Schaf erneut seine Stimme erhob, woraufhin die Finsterwandler ängstlich zurückwichen.
Kein Schaf hätte es erwartet, aber die Finsterwandler sollten für lange Zeit einfach nur verschwunden sein, während das goldene Schaf ein Zeitalter des Friedens einläutete. Dieses sollte andauern, bis die Finsterwandler sich endlich erholt hatten und auf Rache aus sein sollten und rate, wann dies der Fall sein sollte. Genau, jetzt!
"Aber was hat das mit mir zu tun? Ich verstehe immer noch nicht, was du von mir willst!" Glaub mir, du wirst es verstehen. Du wirst es verstehen, du selbst hast gesehen, was sie anrichten und sie sind nur aus einem Grund hier. Nein, nicht, was du denkst. Sie sind nicht hier, weil sie Hunger haben, nein, sie sind hier, weil ich sie dazu gebracht habe, denn ich hab die Macht über diese Kreaturen, die Macht, Schafe und Finsterwandler zugleich zu kontrollieren und diese Kraft gebührt allein mir! Du hast es nicht verdient, diese Macht ebenfalls zu besitzen und deshalb wirst du jetzt sterben und mit dir auch der Rest von euch jämmerlichen schwachen Schafen. Denn allein den Starken gebührt die Ehre, zu Leben und allein ich entscheide, wer dazu gehört! "Was sagst du? Ich...was..was sagst du da?" Friedobert war nun vollkommen durcheinander, was wollte der Guru damit sagen? Du verstehst es immer noch nicht? Wir beide sind vom selben Blut, wir beide sind Nachkommen des goldenen Schafs. Ist dir nicht aufgefallen, dass sich alle Schafe in deiner Nähe ganz anders benehmen?
Friedobert dachte nach, jedenfalls versuchte er das. Tatsächlich gab es da diesen Vorfall am Abend, nein sogar viel früher...kurz bevor die Reißer kamen, da haben sich von einem Tag auf den anderen zwei der Schafe, in deren Nähe er sich zu dem Zeitpunkt befand, plötzlich ganz seltsam verhalten...könnte das...nein...oder doch? "Aber müsste da nicht meine Wolle golden sein? Meine ist jedenfalls weiß, dass die so komisch gelb aussieht, liegt an dem Sand und dem trockenen Gras und Dreck" WAHAHAHAHAHAHA, bist du wirklich so dumm? Siehst du es immer noch nicht? Aber egal, du wirst eh nicht mehr lang genug leben, um es zu verstehen.
Friedobert wusste nicht, was er tun sollte. Plötzlich hörte er Schritte und dann tauchten sie auf, in Massen und sie stürmten auf ihn zu, Finsterwandler. Wie viele es waren, konnte er nicht sagen und es blieb auch keine Zeit, um nachzudenken, ohne irgendeinen Gedanken zu fassen, stürzte Friedobert dem Guru entgegen. Dieser war noch so sehr in seinem Wahl verfallen, dass er nicht damit rechnete und verwirrt, schrieh er die Wölfe aus Angst, selbst zerfleischt zu werden, zurück. Als er sich wieder einigermaßen gefasst hatte, sprach er mit einer beunruhigend ruhigen Stimme. So ist das also. Von mir aus, es soll mir recht sein. Dann bring ich dich mit meinen eigenen Hufen zur Strecke.
Es folge ein recht blutiger, aber dennoch kurzer Kampf. Hätte Friedobert ein wenig näher bei den anderen Schafen gelebt, hätten sie wohl den Lärm vernommen, so aber hörten sie keinen Ton. Die beiden Schafe kämpften verbittert, endweder wusste Friedobert nichts davon, dass die Elektrizität weg war, oder er hatte nicht geachtet, wo sie sich befanden. Tatsächlich befanden sie sich direkt am Zaun, die Wölfe schauten nur verdutzt drein. Mittlerweile waren beide erschöpft und das Blut rann ihnen über den Körper. Friedobert rutschte aus und der Guru wollte seine Chance nutzen, hatte aber ebenfalls nicht registriert, dass er sich am Zaun befand, weshalb Friedobert aus seinem Sturz heraus seinen Kopf nach oben rammte und den Guru gegen ein spitzes Zaunende stieß, welches zugleich dessen Körper durchbohrte. Es war ein merkwürdiges Ende, aber war es wirklich schon vorbei?
WAHAHAHAHAHA, glaubst du wirklich, dass es jetzt voebei ist? Selbst...ohne mich...seid ihr...verloren...sie sind jetzt außer Kontrolle..........ha.......ha
Das waren seine letzten Worte und als ob sie dem noch etwas hinzufügen wollten, begannen die Wölfe jäh zu heulen. Was jetzt? Friedobert war am Ende seiner Kräfte, dem Tode nahe, der Zaun bot keinen Schutz und die Wölfe kamen immer näher. Doch noch ein letztes Mal schien das Schicksal nicht zu wollen, dass er stirbt, denn die Wölfe stoppten kurz vor ihm. Völlig ohne zu wissen, was er tat, trat Friedobert Schritt für Schritt nach draußen, außerhalb des Zauns, die Wölfe folgen ihm unauffällig. So trat Friedobert seine letzte Reise an, er ging in das kleine Häuschen, betätigte den Hebel und als ein jähes Zucken zu hören war, welches bestätigte, dass die Blitze wieder zurück waren, fuhr Friedobert zusammen und das erste Mal im Leben schien ihm das Geräusch der Elektrizität nichts auszumachen. Als er so leblos in dem kleinen Häuschen lag, konnte man nur noch das Heulen der Wölfe hören, die über das goldene Schaf gesiegt hatten.
Aber hatten sie das wirklich?
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