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Thema: Krisensitzung

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  1. #29
    Die Elfin betrachtete die schlanken, leicht gekrümmten Dornen, die sich aus der Decke der Halle bis etwa zur halben Höhe des Raumes herabschwangen. Das Licht war angenehm hier, nicht so furchtbar hell und blendend. Als hätte jemand an einem Hochsommertag dunkle Vorhänge vors Fenster gezogen. Außerdem war es warm hier. Warm genug, daß ihr Blut nicht mehr so langsam floß wie unter dem anderen, blauen Himmel. Es war eine gute Entscheidung gewesen hierzubleiben. Seit dieser Entschluß gefaßt war, störte sich an diesem Ort niemand mehr an ihr – und niemand störte sie. Sie konnte einfach hier liegen, an die Decke starren und den feinen Rankenmustern an den Kreuzbögen mit den Augen folgen. Erynn war sich nicht einmal sicher, ob sie wirklich lag, ob sie überhaupt noch einen Körper hatte. War es vielleicht nur noch ihr Geist, der durch diesen Turm wehte, zusammen mit der in oder anderen heißen Windböe, die manchmal um die eleganten Säulen in dem Gebäude strichen. Es schien auch nicht wichtig zu sein. Nichts war mehr wirklich von Bedeutung, außer vielleicht, daß sie die Entbehrungen der letzten Zeit nicht mehr spüren mußte. ...und alle Welt macht so einen Aufstand wegen dieser Tore. Wenn ihr Narren euch die Mühe machen würdet, auf das zu blicken was dahinter ist, würdet ihr anders darüber denken...
    Irgendwo schien es einen Fehler in diesem Gedankengang zu geben, der ganz erheblich damit zu tun hatte, daß Mehrunes Dagon auf Nirn als wenig diplomatischer Aggressor auftrat. Andererseits: Sie war schließlich auch hier, friedlich in sich und dem Reich des Daedrafürsten ruhend.
    Doch sie konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, wie sie eigentlich hierher gelang war. Das heißt, sie wußte es schon, sie hatte dieses Tor betreten, nach einer recht anstrengenden Kletterei... und dann war sie geblieben. Aber wie? Warum konnte sie so plötzlich hier sein, ohne um ihr Leben kämpfen zu müssen? Irgend etwas stimmte hier ganz und gar nicht. Sie hatte etwas vergessen. Irgend etwas, das wichtig war.

    Der Turm um sie herum geriet ins Wanken, immer stärker, je klarer ihre Gedanken wurden. Ganze Stücke brachen aus seinen Mauern, während die sichere Sphäre, in die ihr Geist sich zurückgezogen hatte, in sich zusammenfiel. Erynn kämpfte darum auf den Füßen zu bleiben -warum hatte sie plötzlich Füße?- und durch die Risse in den Wänden strömte eiskalte Luft herein und traf sie mit brutaler Wucht. Sie riß die Augen auf und keuchte erschrocken, als schmerzhaft gleißende Helligkeit ihr wie Messer in den Schädel stach. Unkontrolliert zitternd versuchte sie, sich zu orientieren. Nicht die Totenlande, da konnte wenig Zweifel bestehen. Aber wie war sie hierher gelangt? Und wo war ‚hier’?
    Eine Empfindung drang zu ihr durch, die weniger gräßlich war als das blendende Licht und der schneidende Frost, welche nach dem Erwachen ihr ganzes Denken ausgefüllt hatten. Jemand hatte seine Hände auf ihren durchgefrorenen Leib gelegt und vertrieb die Kälte, zumindest ein wenig. Die Elfin zog die Augenbrauen zusammen und bemühte sich, ihrem Blick eine bestimmte Richtung zu geben. Es dauerte eine Weile, bis ein weiteres kleines Mosaiksteinchen an seinen Platz fiel. Was machst du denn hier? Ist es diesesmal wirklich vorbei? Bin ich tot?
    „Arranges“, krächzte sie, das Wort durch ihre klappernden Zähne kaum verständlich. „Warum bist du hier? Ich habe dich... fallen sehen...“
    Geändert von Glannaragh (06.05.2011 um 12:48 Uhr)

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