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Fossil
Erynn ertrug die dauernden Verzögerungen kommentarlos, wenngleich mit eindeutig nicht begeistertem Gesichtsausdruck. Hatte der Kaiserliche zuvor noch so viel Druck gemacht, konnte sie sich die ständigen Verzögerungen jetzt nur so erklären, daß er ihr zeigen wollte, wo seiner Meinung nach ihr Platz war. Sie verstand diesen letzten, häßlichen Ausbruch ihres Begleiters noch immer nicht so ganz, entwickelte aber eine plausibel erscheinende Vermutung, während sie in brütendem Schweigen durch die Wildnis stapfte: Sie waren sich doch recht nahe gekommen in letzter Zeit. Vielleicht zu nahe, als daß der eher einzelgängerisch veranlagte Mensch es noch ertragen konnte. Die Elfin nahm sich vor, in nächster Zeit etwas vorsichtiger damit zu sein, welche Fragen sie ihm stellte und welche Antworten sie gab. Dieser Kerl mochte alles andere als gute Gesellschaft für sie sein, aber trotz seines unberechenbaren Temperaments schätzte sie ihn längst viel zu sehr, als daß sie riskieren wollte, daß er sich wieder in sich selbst zurückzog. Bis zum frühen Abend, als sie ihr Lager an einer relativ ebenen Stelle in der steilen Erhebung aufschlugen, war ihr Zorn weitestgehend verraucht.
Zweifelnd warf sie einen Blick auf die Strecke, die am nächsten Tag vor ihnen liegen würde. Bis hierher war alles schaffbar gewesen, wenngleich sich die Dunmer schon an mehreren, tückischen Stellen recht verkrampft an den Fels gekrallt und es das ein oder andere Mal ernsthaft bereut hatte, einen Blick nach unten geworfen zu haben. Weiter oben schien es aber noch um einiges steiler zu werden und Erynn begann sich ernsthaft zu fragen, wie sie sich dort fortbewegen sollte. In dem ungewohnten Gelände kamen ihre Bewegungen ihr jetzt schon ungeschickt und linkisch vor, und das ärgerte sie maßlos - vor allem aber konnte sie sich nicht die Blöße geben, das vor dem Beschwörer zuzugeben. Sie würde sich irgendwas einfallen lassen müssen, um über diesen Grat zu kommen.
Sie grübelte darüber nach, während sie in die Flammen des Lagerfeuers starrte und der Himmel über ihr zusehends dunkler wurde. Durch diese Überlegungen ziemlich in Anspruch genommen, zuckte sie leicht zusammen, als Arranges plötzlich unerwartet aufstand. Automatisch tastete sie nach ihrem Bogen, entspannte sich aber sofort wieder. Zwar wußte sie nicht, was dem Kaiserlichen aufgefallen war, aber es schien zumindest keine unmittelbare Gefahr davon auszugehen. Etwas verwirrt, aber nichtsdestoweniger neugierig, kam sie seiner Aufforderung nach, als er sie mit einer Geste zu sich winkte. Leise trat sie neben den Nekromanten und hörte gebannt zu, während er sprach. Viel mehr als ein gelegentliches Aufflackern von Licht war in der Finsternis nicht auszumachen, aber dennoch blieben die Augen der Elfin fest auf diesen fernen Punkt geheftet. Nicht alles von dem, was Arranges sagte, war ihr neu. Ja, Boethia... ein Widerspruch in sich, wie es scheint, mit der harten Gnade und der entsetzlichen Liebe, die er für mein Volk bereithält. Ob jene, die da unten an dem Schrein versammelt sind, seine Motive wohl verstehen? Kann man das Wesen eines Daedrafürsten überhaupt verstehen, oder ist allein der Gedanke daran bereits vermessen...?
Sie sollte sich eines Tages genauer damit auseinandersetzen. Normalerweise achtete sie nicht darauf und verschwendete auch keinen Gedanken daran, daß sie als Dunmer in Cyrodiil praktisch keine Vergangenheit hatte, aber jetzt, in diesem Moment, spürte sie ihre eigene Entwurzelung mit beinahe schmerzhafter Deutlichkeit. Sie blieb noch eine ganze Weile an dem Hang stehen, nachdem Arranges längst zum Feuer zurückgekehrt war. Irgendwann, als ihre Augen längst vor Anstrengung brannten, riß Erynn sich los. Wenigstens für eine kleine Weile sollte sie in dieser Nacht schlafen, wenn sie nicht riskieren wollte, am nächsten Tag fahrig vor Müdigkeit zu sein und womöglich noch aus der Felswand zu stürzen.
Es fiel ihr nicht leicht, zur Ruhe zu kommen. Da war etwas mit den Daedra. Etwas, das tief in ihrem Wesen ruhte und in Momenten wie diesen an ihrem Herzen rührte. Etwas, das zu ihr gehörte, oder vielleicht auch zum Volk der Dunmer im allgemeinen. Und je länger sie unterwegs war, um diese Siegelsteine zu beschaffen, je mehr sie zu sehen bekam von den fremdartigen Welten von Oblivion, umso lauter verlangte dieses Etwas nach Aufmerksamkeit.
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Legende
Hame
Sie brachen am nächsten Tag früh auf. Die Sonne war noch nicht hinter den Valusbergen aufgegangen, lediglich der graue Schimmer der Dämmerung im Osten, diente ihnen die ersten Stunden als Lichtquelle. Der Weg wurde zusehends steiniger und als die Sonne schließlich über die Gipfel der Berge stieg, hatten Arranges und Erynn die Baumgrenze erreicht. Bereits als sie losgelaufen waren, wurden sie nur noch von größeren Gruppen Kiefern umgeben, die sich an den Fels klammerten. Jetzt gab es nur mehr niedrige Nadelbüsche, die an die mächtigen Vertreter weiter unten erinnerten. Gras und Blumen wuchsen jedoch zu hauf. Die regelmäßigen kleinen Pausen vom Vortag setzten sich auch an diesem Tag fort.
Der Nachmittag war bereits weit fortgeschritten. Auch das Gras uns vor allem die Blumen wichen stetig aber sicher zurück, bis die beiden schließlich bald nur noch umgeben von Geröll und weit verstreuten, einzelnen Grasstöcken umgeben waren. Arranges schätzte ihre Position jetzt etwa nordnordwestlich von Hame. Sie würden den Kamm nicht einfach überqueren, sondern versuchen, von oben, also östlicher Seite an die Ruine heranzukommen. Der Kaiserliche hatte am Vortag bereits abgewägt, welcher Weg sinnvoller wäre, aber so, wie er das Bild noch im Kopf hatte, wäre es unmöglich gewesen, den Steilhang, an den sich die Ruine lehnte, sicher von dem Kamm aus zu passieren.
Mittlerweile hatten sie etwas flacheres Gelände erreicht. Der Ansatz, aus dem sich weiter unten der Kamm im Bogen nach Süden aus dem Gebirge heraus erstreckte. Die Bergflanken nach unten waren teilweise so steil, dass Arranges sich keinen richtigen überblick verschaffen konnte. Er sagte aber nichts zu Erynn, ihr war auch so anzusehen, dass sie sich bei der Kletterei schwer tat. Er selbst musste seinen Rüthmus erst lange suchen, bevor er wieder sichere Schritte setzen konnte, aber Erynn war so eine Art der Wanderung wohl eher nicht gewohnt. Ich vermisse ebenfalls den Komfort des Passes, den wir nach Morrowind genommen haben... Dachte er, als er einen schnellen Blick in das Gesicht der Dunmer warf. Er selbst bemühte sich sicher zu wirken, um der Elfe ein wenig Rückhalt zu geben.
Obwohl es nocht nicht dunkel war und die Sonne wohl noch eine Stunde am westlichen Himmel stehen würde, bis sie den Horizont erreicht hätte, beschloss Arranges, dass sie auf dem ausladenden, relativ flachen Plateau rasten würden. Arranges versucht noch mehrmals eine brauchbare Orientierung zu bekommen. Aber alles, was er aus den unzähligen, waghalsigen Blicken über den Rand der Felsnase und hinauf zu den Gipfeln herausbekommen konnte, wusste zum Teil schon. Sie mussten sich irgendwo weit über Hame in nördlicher Richtung befinden. Der Weißgoldturm und die Jerallberge in der Ferne halfen bei der Orientierung nur herzlich wenig. Schließlich ließ der Magier es bleiben, es würde ja doch nichts helfen.
Am nächsten Tag brachen sie wie auch schon davor, sehr früh auf. Allerdings mussten beide schon nach kurzer Zeit feststellen, dass ohne genügend Tageslicht kein Weiterkommen war. Die Hänge fielen bald schier senkrecht nach unten ab und nur zerklüftete Felsterassen erlaubten es ihnen wenigstens irgendwie ihren Weg zu finden. Nachdem auch diese Felsterassen immer weniger wurden, machte Arranges halt. Sie hingen in einer kleinen Einkerbung in ener Steilwand. Die Gipfel waren nach oben nicht einzusehen. Schauten sie nach unten, konnten sie im Süden vage das Tal des Panthers erkennen, während sich in ihrem Rücken der Fels auftürmte. 'Erynn, wir können so nicht einfach weiter. Hame muss sich irgendwo unter uns befinden... aber bevor wir den Abstieg wagen, sollten wir uns gegenseitig ein wenig sichern...' Die Dunmer war das Klettern alles andere als gewohnt, wie Arranges jetzt, da es wirklich nur noch mit Händen und Füßen funktionierte, deutlich bemerkte. Er Zog den schlanken, aber recht Langen Strick hervor, mit dem er Erynn damals an ihr Pferd gefesselt hatte. Nach einem kurzen Blick in ihr erschöpftes Gesicht, ging er wortlos vor ihr in die Knie und begann damit, das Seil fest, aber nicht abschnürend, um ihre Hüfte zu binden. das andere Ende band er um seine eigene Taille, nachdem er seinen Umhang abgenommen und zusammengerollt an seinem Gürtel befestigt hatte. Arranges versuchte immer einfache und nicht zu augesetzte Stellen zum Abstieg zu finden. Nicht nur einmal rutschten sie mehr über den Fels, als dass sie wirklich gezielt ihre Füße und Hände setzten. Der Magier ließ Erynn stets voranklettern, damit er sie im Notfall am Seil auffangen konnte. Er selbst war kein routinierter Bergsteiger, aber dennoch wusste er um die Tücken zerklüfteter Steilhänge.
Nach einer schier nicht enden wollenden Kletterei, die arg an den Kräften zehrte, wurde der Abstieg endlich ein ganzes Stück einfacher. Während einer weiteren kurzen Verschnaufpause - Arranges hing relativ unbequem in in einer Felsspalte, während er Erynn soweit hinuntergelassen hatte, dass sie auf einem hervorspringenden Fels sitzen konnte, richtete er aufmunternd das Wort an sie: 'Wir haben es fast geschafft. Der Hang sollte bald abbrechen und eine Art Nische in der Flanke des Berges bilden... In dieser Nische müsste sich Hame befinden...' Er blickte prüfend in die Sonne. Sie lagen gut in der Zeit. Es würde vielleicht noch zwei oder drei Stunden dauern, bis sie die Ruine erreicht hätten und dann dürfte bereits auch wieder die Dämmerung einsetzen.
Wie Arranges versprochen hatte, wurde das Gelände bald wieder sehr viel einfacher. Eine letzte Biegung noch und man konnte von schräg oben herab, die Ruine einsehen. Um das Bauwerk war sogar wieder ein wenig Grün zu sehen. Wie ein stiller Zeuge vergangener Zeit, schmiegte sich das Bauwerk an den Berg und überblickte die gesamte Nibenay. Der Nekromant beschloss auch schon nach einigen weiteren Metern, dass es das Seil nicht mehr brauchte. Knapp eine Stunde später standen sie auf dem Sockel des Turmes, der praktisch die komplette Ruine darstellte. Direkt an den Rand des kleinen Plateaus gebaut, konnten sie beide von der Ayleidenruine aus, in den ungetrübten Sonnenuntergang schauen, während die feuerrote Scheibe im Westen versank und zum letzte Gruße den Himmel in ein geradezu atemberaubendes Purpur tauchte.
Geändert von weuze (26.04.2011 um 13:40 Uhr)
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Fossil
Die Elfin ließ sich einfach auf den Kalkstein der Ayleidenruine fallen, dankbar, die Kraxelei über den Kamm unbeschadet überstanden zu haben, ohne sich auch nur einmal zu beklagen. Seit Hame in Sicht gekommen war, hatte der Anblick der weißen Steine ihr die Ausdauer verschafft, einfach weiterzulaufen, doch jetzt, da die Etappe hinter ihr lag war ihr, als könne sie keinen einzigen Schritt mehr tun. Von den ungewohnten Bewegungen brannte jeder Muskel in Armen, Bauch und Beinen wie Feuer. Für den Moment war sie völlig zufrieden damit, still dem Sonnenuntergang zuzuschauen, der den Himmel über ihnen in Brand setzte.
Stumm teilten die beiden Reisenden diesen Augenblick voller Schönheit. Es mochte das letzte Mal sein, daß sie das Abendrot sah, schoß es der Dunmer durch den Kopf. Wer konnte schon sagen, ob sie das Obliviontor morgen fanden und ob es ihnen vergönnt sein würde, es wieder zu verlassen.
Sie schob die Überlegung beiseite. Sich Gedanken über die Fäden der Schicksalsweberin zu machen, war ohnehin müßig. Nach einer Weile, wärend der das Rot des Himmels mehr und mehr einem dunkler werdenden Blau gewichen war, gelang es Erynn die Energie aufzubringen, sich ein wenig umzusehen. Sie ging langsam über die alten, sauber behauenen Steinblöcke, folgte mit den Augen dem Schwung des einzigen kühnen, filigranen Spitzbogens, der noch erhalten war. Ihr Blick glitt weiter, über den Wald unter ihnen und dann weiter die mächtige Flanke der Valusberge entlang. Dem Gebirge wohnte eine gewisse Schönheit inne, ohne Zweifel, aber sie selbst gehörte definitiv eher unter das Blääterdach des Großen Forstes oder in die Westebene als in diese kalten, zugigen Höhen. Die Elfin wollte sich gerade abwenden, als sie etwas aus dem Augenwinkel wahrnahm. Oberhalb ihres Standortes glaubte sie, eine dünne Rauchfahne auszumachen, die sich nur sehr schwach gegen den Himmel abhob. Sie konzentrierte sich und sah genauer hin. Tatsächlich. Eine Wolke war es jedenfalls nicht. „Arranges! Schau mal, da oben.“ Mit ausgestrecktem Arm deutete sie auf den feinen Rauchschleier. „Vielleicht ist dort das Tor, das wir suchen.“
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Legende
Valusberge; Obliviontor, östlich von Hame
Arranges nahm den Hinweis von Erynn nickend zur Kenntnis. Sie würden wohl nachsehen müssen, ob die Rauchsäule den Standort für das dritter Tor markierte, von dem Harchaxas ihnen erzählt hatte. Sie beschlossen aus dem wenigen Buschholz, das sie finden konnten, Fackeln zu binden, anstatt damit ein Feur zu machen... Die Facklen würden sie am nächsten Morgen für den Anstieg brauchen, wenn die Sonne noch nicht über die Gipfel der Valusberge aufgestiegen sein würde. Arranges musterte etwas missmutig die Felswand, die sie am nächsten Tag hinaufklettern würden. Im groben Vergleich zu dem, was sie bis jetzt hinter sich gelassen hatten, würde ihnen das hier wohl alles abverlangen. Und Erynn scheint bereits am Ende ihrer Kräfte zu sein... Arranges würde sich etwas überlegen müssen, um sie ohne Absturz da hinaufbuxieren zu können. Währe es wenigstens eine Rinne gewesen, hätte ich sie ja noch tragen können, aber diese Felswand ist komplett ausgesetzt, tragen oder etwas in dieser Richtung ist absolut ausgeschlossen... Verdammt! Der Magier, wie auch die Kriegerin fanden in dieser Nacht nur unzureichend Schlaf. Der Kaiserliche zerbrach sich die ganzen Stunden über, die er Wache hielt, den Kopf darüber, wie sie diese Felswand am einfachsten hinaufkommen konnten.
Der nächste Morgen zerstörte jede Hoffnung auf ein einfaches Weiterkommen. Es war disig und die Felsen glitzerten leicht. 'Na großartig, jetzt ist die Wand nicht nur mehr abartig steil, sondern auch noch nass und glitschig...' Maulte Arranges, während er sich das Seil wieder um die Hüfte band und dann Erynn aus dem Halbschlaf weckte. Trotz dem Wiederwillen, den die Dunmer ganz eindeutig zeigte und Arranges sie erst mit ein paar wenig netten Worten darauf hinweisen musste, dass er ihr das Seil selbst anlegen würde, verknotete er den Strick vor ihrem Bauch und kontrollierte kurz, ob der Knoten eventuell ruckartigem Zerren auch standhalten würde. Dann machten sie sich daran, die Felswand zu erklimmen.
Arranges hatte die drei provisorischen Fackel alle an seinem Gürtel hängen. Er ging voran. Er hatte erst überlegt, Erynn vorausklettern zu lassen, aber anders, als wenn er sehen konnte und sogar musste, wohin sie lief, während sie über steile Geröllhalden hinwegstiegen, war es hier besser, wenn sie unter ihm kletterte. Das hatte den Vorteil, dass ihr Gewicht, sollte sie aus der Wand fallen, ihn nicht mitzerren konnte, da das Seil im Idealfall sowieso fast spannte. Die Kriegerin würde somit keinen nennenswerten Fall haben und schlicht an dem Seil baumeln, bis sie wieder Halt gefunden hätte. Der untere Teil der Felswand war noch nicht wirklich senkrecht, sodass der Anstieg auch mit einer Hand zu schaffen war. Mit der anderen Hand balancierte der Magier die Fackel, während er versuchte seine Augen überall gleichzeitig zu haben: Dort, wo er hintrat und sich festhielt, nach oben, nach unten und bei Erynn um zicher zu gehen, dass sie keinen falschen Tritt tat. Sie hatten gut ein Drittel der Wand geschafft, als die Sonne endlich über den Bergen im Osten aufging und das Land erhellt, sodass keine Fackeln mehr nötig waren. Nicht unbedingt zu spät. Das dürre, verkrüppelte Reisig brannte viel zu schnell herunter und gerade, als die Sonne aufgegangen war, war die letzte Fackel bereits wieder zur Hälfte verbrannt. Arranges schaute sich einen Moment suchend nach der hellen Scheibe am Himmel um. Nachdem er den Sonnenstand bestimmt hatte und somit die grobe Uhrzeit, klopfte er die Fackel am Fels aus und hängte sie sich wieder an den Gürtel. Der weitere Weg hinauf wurde deutlich einfacher mit dem stetigen Sonnenlicht. Es musste früher Nachmittag sein, als Arranges sich plötzlich einem leichten Überhang gegenüber sah, der von unten nicht zu erkennen gewesen war. Verfluchte Scheisse... Der Kaiserliche lehnte sich ein Stück aus der Wand heraus um so weit wie möglich nach beiden Seiten blicken zu können, aber so wie es aussah, stellte der Überhang den Rand eines kleinen Plateaus dar. 'Verdammt...' Knurrte er. Ein kurzer Blick nach unten verriet ihm, dass Erynn wohl bemerkt hatte, was ihn gerade ärgerte. 'Das wird ein wenig heikel, wir müssen einen leichten Überhang erklimmen... wir machen das am besten so, dass ich vorauskletter und dich dann hochziehe...' Erynn blieb kaum etwas anderes übrig, als dem Vorschlag zuzustimmen, beide hingen sie seit bald mehr als 5 Stunden in der beinahe senkrechten Felswand und alles, was die Aussicht auf ein Ende dieser grausigen Kraxelei bot, war sowohl der Kriegerin, als auch dem Magier mehr als recht. Erynn kletterte neben Arranges, sodass er so viel Seil wie möglich hatte um hochzukommen. Es dauerte eine Weile, bis der Nekromant einen Ansatz gefunden hatte, an dem er sich um den Fels hangeln konnte. Er verkrallte sich regelrecht in das Gestein, als er einen Halt an der Kante des Überhangs gefunden hatte und sich dann mit den Füßen von der Felswand löste. Für einige Sekunden baumelte er in der waghalsigen Höhe, bevor er sich keuchend und schnaufend nach oben zog. Nur nicht zu viel zappeln und vor allem kein Fehlgriff... Endlich lag er mit dem Oberkörper auf dem sicheren Fels. Er musste erst einige Male tief ein- und ausatmen, bis er sich wieder von diesem Kraftakt erholt hatte. Wenn ich gewusst hätte, dass mein Panzerhemd tatsächlich so schwer ist, hätte ich längst auf Schildzauber umgestellt... Während er sich auf die Knie wuchtete, ließ er den Blick kurz umherschweifen. Es war, wie er vermutet hatte. Eine große, recht flache Geröllhalde breitete sich vor ihm aus. Im Norden und Süden wurde das Steinfeld schnell wieder steiler, während sich die Furche, welche unten das Tal bis zum Panther hinab bildete, hier oben flach fortsetzte und im Osten in einen mächtigen Gipfel überging, der aber nicht mehr zu sehen war, da sich weiter oben dicke, graue Wolken um die Spitze des Bergs drängten. Von seinem Standpunkt aus gesehen, schraubte sich in der rechten Kerbe, in die dieser Berg abfiel, eine Rauchsäule in den Himmel. Dort muss das Tor sein...
*Erynn?' Rief Arranges über den Rand des Plateaus. Eine schwache, aber deutliche Antwort kam von unten herauf. 'Wenn ich es dir sage, stößt du dich leicht von der Felswand ab und sieh zu, dass du ordentlich in der Seilschlinge sitzt...' Wieder nur eine schwache, aber wohl sehr unsichere Antwort. Der Kaiserliche konnte ihren Unmut nur zu gut verstehen, ihm war zuvor auch nicht ganz wohl gewesen, als er das Gefühl hatte, an einer glitschigen Wolke, direkt über der Nibenay zu hängen. Er stellte sich möglichst breitbeinig, so hin, dass er nicht mit den Füßen wegrutschen konnte. Als er überall sicheren Halt hatte, brüllte er nach unten: 'JETZT!' Nach einem kurzen Zögern bemerkte er, wie plötzlich ordentlich Zug auf das Seil kam. Er musste sich heftig dagegenstemmen und gegen die Pendelbewegungen steuern um nicht einfach hinabgerissen zu werden, aber schließlich kam Erynn, mithelfend, so gut es ihr möglich war, Stück für Stück über den Rand des Überhangs. Sie zeigte eine ähnliche Reaktion wie er. Erst nach einer Weile stemmte sie sich hoch und kam keuchend neben ihm zum Stehen. 'Dort...' Arranges deutete auf die Rauchschwaden. Nach einer weiteren kurzen Verschnaufminute, machten sie sich von dem Seil los und bewegten sich über das ihnen jetzt wie eine ordentlich gepflasterte Straße vorkommende Geröllfeld auf den vermeindlichen Standort des Tors zu...
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Fossil
Valusberge => Oblivionebene
Bisher hatte Erynn die Berge nicht gemocht, weil es ab einer gewissen Höhe dort immer irgendwie kalt war. Mittlerweile haßte sie diese übertriebenen Anhäufungen von Gestein einfach für die Tatsache, daß sie existierten. Mehrmals verlor sie unterwegs fast den Halt, nicht nur, weil der Fels schlüpfrig vor Nässe war, sondern auch, weil ihr in ihrer Linken tatsächlich einiges an Stärke fehlte. Normalerweise nahm sie das kaum mehr wahr, aber hier, wo sie jedes bißchen Kraft brauchte, das in ihren Fingern steckte, trat die Einschränkung doch recht deutlich zutage.
Endlich aber lag sie mit zitternden Muskeln am Rande des Felsplateaus und konzentrierte sich für eine Weile darauf, nur zu atmen. Als sie wieder Luft genug dafür hatte, verlieh sie ihrem Unmut durch einige kreative Flüche Ausdruck. „Ich mag den schrägen Humor deines Druidenfreundes immer weniger, Arranges“, setzte sie hinzu. „Diese Tore tun sich an allen möglichen Orten auf. Als ob nicht einer dabeigewesen wäre, der weniger schwer zu erreichen gewesen wäre...“
Schließlich raffte sie sich auf, löste den Knoten des Seils um ihre Taille und warf dem Beschwörer das lose Ende zu zu. Das Brennen in ihren Armen ließ so langsam nach, so daß sie sich wieder imstande fühlte, sich mit irgendwelchen Kreaturen aus den Oblivionebenen anzulegen.
Aus der dünnen Rauchfahne, die sie gestern Abend hatten sehen können, war beim Näherkommen eine recht imposante Säule geworden, die erst ein gutes Stück über dem Boden merklich zerfaserte. Sie hatte eine leicht ungesunde Farbe, ein bißchen wie gequetschtes Fleisch. Erynn glaubte außerdem, aus der Richtung ein leises Donnergrollen vernehmen zu können. Es konnte jetzt kaum mehr ein Zweifel bestehen, daß sie tatsächlich ein weiteres Portal zu den Totenlanden gefunden hatten.
Der Boden, auf dem sie jetzt standen, war von rutschigem Geröll übersäht, aber doch nahezu eben, wie Erynn erleichtert feststellte. Die losen Steine machten ihr nichts aus – es war ein bißchen so, wie sich durch das Unterholz eines Waldes zu bewegen. Ihre Füße fanden fast instinktiv die sicheren, festen Stellen.
Je mehr sie sich der Stelle näherten, von wo der Qualm aufstieg, um so weniger kalt kam der Dunmer der Wind vor, der hier oben wehte. Zuerst dachte sie es läge daran, daß ihr von der Kletterei und vom Laufen so warm geworden war, aber je weiter sie gingen, um so schwüler und drückender wurde die Luft. Das Grollen war jetzt recht laut zu hören und die Farbe des Himmels änderte sich. Zunächst schien es, als zöge die Abenddämmerung herauf, was zeitlich auch ungefähr hinkommen mochte, aber bald schon wurde die gesamte Umgebung in ein düsteres, rötliches Licht getaucht. Weit über ihnen zuckten einzelne Blitze, und es war finster genug, daß man trotz des erst frühen Abends die Sterne recht deutlich sehen konnte.
Sie bogen gerade um einen großen Felsblock, als das Tor in Sicht kam. Für Erynn war der Anblick noch immer überwältigend. Breite, elegante Dornen umgaben das eigentliche Portal wie eine martialische Krone. Kein Daedra war im näheren Umkreis zu sehen Allerdings, warum auch? fragte die Elfin sich. Hier gibt es nichts und niemanden, was man im Auge behalten müßte... Außer uns, heißt das. Unwillkürlich warf sie einen kurzen Seitenblick auf ihren Begleiter. Es war nicht zu übersehen, daß Arranges die Hitze schon wieder zu schaffen machte, während sie auf Erynns gequälte Muskeln eher entspannend wirkte. Aber warum, zum Donner, öffnen sie ein Portal hier oben, mitten im Nirgendwo? Was ergibt das für einen Sinn? Sie schob den Gedanken beiseite und konzentrierte sich auf das, was vor ihr lag. Wer konnte schon sagen, welche Gründe Daedra für ihr ihr Tun haben mochten.
Kaiserlicher und Dunmer sahen sich kurz gegenseitig an, dann traten sie durch die Verwerfung in Mehrunes Dagons Reich. Erynn sparte sich diesesmal die Mahnungen betreffend der Frage, wer denn nun sagte, wo es in der Oblivionebene langging. Es würde ohnehin zu nichts führen, auch wenn sie nach wie vor der Überzeugung war, einfach den besseren Überblick zu haben.
Die Desorientierung ließ nach, und die Dunmer fand sich auf mittlerweile fast vertraut wirkendem, schlackeartigem Untergrund wieder. Ein schmaler Pfad aus einst geschmolzenem und wieder erstarrtem Gestein schlängelte sich zwischen unzähligen Lavatümpeln hindurch. Harradaranken wuchsen hier und dort, aber sonst konnte sie auf den ersten Blick kein lebendes Wesen entdecken. In ziemlicher Entfernung, verschwommen durch die vor Hitze flirrende Luft, konnte sie drei Türme ausmachen. Die zwei vorderen waren durch eine Brücke in schwindelerregender Höhe verbunden, ähnlich wie im ersten Tor, das sie betreten hatten. Als Dreveni dabei war. Erynn betrachtete das mit Geröllbrocken und Mauerresten übersähte Gelände, das zwischen ihen und den Türmen lag, und wünschte sich für einen Herzschlag lang, die reaktionsschnelle Dunkelelfin bei sich zu haben. Selbst, wenn hier jetzt noch alles ruhig schien, konnte in den nicht einsehbaren Schatten und Winkeln so ziemlich alles lauern...
Geändert von Glannaragh (30.04.2011 um 21:11 Uhr)
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Legende
Arranges hatte wie auch die letzten beiden Male, das Gefühl, gegen eine Wand aus brennendem Fels zu laufen. Er brauchte erst nochmal einen Moment, bis er sich einen brauchbaren Überblick mverschaffen konnte. Er keuchte einmal hörbar auf oder war es vielleicht auch ein Seufzen... Er warf der Dunkelelfe einen kurzen Seitenblick zu. Sie störte die Hitze nicht im Geringsten. Kein Wunder, sie ist ja auch resistent dagegen... ein bisschen wie gegen Intelligenz... Er wischte sich mit der Hand nochmal übers Gesicht, was herzlich wenig brachte, da praktisch direkt im selben Moment wieder Schweiß vom Haaransatz nachrann. Dann stapfte er ohne etwas zu sagen los. Mit schweren Schritten folgte er dem Pfad, der sich durch die Lavalöcher schlängelte. Sie waren vielleicht ein paar Minuten unterwegs, als der Kaiserliche plötzlich stehen blieb und sich aufmerksam umschaute. Die Felsen und Mauerreste wurden immer größer, je näher sie den drei Türmen kamen. Irgendetwas einzelnes läuft uns nach... oder spielt mir die Hitze einen Streich?! Während er die eine Hand dirigierend zur Hilfe nahm um einen Zauber zu sprechen, legte er die andere Hand auf den Schwertgriff. Nicht zu fassen, die Temperaturen schlagen mir schon so sehr aufs Gemüt, dass ich wie ein Anfänger mit Händen und Füßen zaubern muss... Der magische Impuls rollte weitläufig über die Totenlande hinweg und tastete nach allen lebenden Objekten, die seiner Macht unterlegen waren. Arranges vorschte innerhalb dieser erweiterten Wahrnehmung, konnte aber dann doch nichts Auffälliges entdecken. Sie setzten ihren Weg fort zu den drei Türmen. Der Magier hielt den Zauber den ganzen Weg über, bis sie die kleine Anhöhe erreicht hatten, auf der die Türme standen. Das heißt vielmehr zwei der Türme. Der dritte stand auf einem zweiten Sockel etwas abseits. Zwischen diesem und einem der zwei anderen Türme spannte sich eine schmahle Brücke in luftiger Höhe. Aufmerksam die Brücke und die restliche Umgebung im Blick behaltend, näherten sie sich den Bauten. Aber seltsamerweise war nicht das geringste Anzeichen von Feinden zu erkennen. Der Hügel mit den zwei Türmen war wie es schien, vom Rest der Ascheinsel abgetrennt. Seine Hänge waren nicht besonders steil und reichten auch nicht hoch, aber dafür waren sie mit unzähligen, hervorspringenden Dornen gespickt. Es war auch nach aufmerksamerer Betrachtung nicht möglich, dort einen Weg hinauf entdecken zu können.
Ihnen blieb nichts anderes übrig, als in den Turm einzudringen, der allein stand und sich über die Brücke mit den beiden anderen verband. Der Turm war um ein Vielfaches kleiner als jene, in denen man die Siegelsteine finden konnte. Eine steile Rampe schraubte sich an den Innenwänden nach oben. Auch hier war nichts zu spüren, das auf die Anwesenheit von Daedra hindeutete. Arranges wurde die ganze Sache immer suspekter, Entweder die Daedra setzen hier oben tatsächlich auf die Abgeschiedenheit der Berge oder aber wir sind gerade auf dem besten Wege, in einen Hinterhalt zu laufen... Aber jede Überlegung half nichts, sie mussten versuchen in den Siegelturm zu gelangen. Und auch der Zauber, den Arranges noch immer hielt, zeigte keinerlei Feinde an. Sie gingen vorsichtiger als sowieso schon, den Turm nach oben. In der Spitze konnte man einige frei hängende Käfige erkennen, die von der Größe her bequem Platz für einen großen Ork boten. Der Magier schenkte ihnen keine weitere Aufmerksamkeit, er war viel zu sehr damit beschäftigt, vor lauter Hitze nicht aus den Stiefeln zu kippen und gleichzeitig auf den Zauber zu achten.
Als sie auf die Brücke hinaustraten, beschlich beide ein merkwürdiges Gefühl. Jedenfalls kam Arranges sich vor wie auf dem Präsentierteller. Die Brücke selbst schien allerdings stabil zu sein und war gut anderhalb Schritte breit. Ohne irgendetwas, das Feinde ankündigte oder anzeigte, überquerten sie die Mitte der Brücke und plötzlich begann das magische Feld, welches Arranges um sie herum gespannt hatte, am äußersten Rand hinter ihnen zu flimmert und wurde nur einen Herzschlag später, einfach zerstört. Erschrocken drehte sich Arranges herum. Erynn folgte seinem Blick. Ein geradezu riesiger Xivilai war in die Tür getreten, durch die sie auf die Brücke gelangt waren. Ich wusste es... 'Geh zur Seite... und sie zu, dass du vielleicht den Siegelstein erreichen kannst...!' Knurrte Arranges und schob sich an Erynn vorbei. Hinter der massigen Gestalt des Daedra glaubte Arranges noch zwei oder drei Dremora zu sehen, die jetzt unrealistisch große Bögen zur Hand nahmen und wohl auf einen Befehl oder ein Zeichen warteten. Das Xivilai kam währenddessen mit langsamen Schritten auf Arranges zu. Na das wird lustig... Arranges zog sein Schwert und begann damit, mit der anderen Hand einen Zauber vorzubereiten. 'Sie zu, dass du hier wegkommst, Erynn!' Doch bereits als er ihren Namen sprach, wurde das kleine Tor auf der anderen Seite der Brücke aufgerissen und ein mehr als aggressiv wirkendes Daedroth kam zum Vorschan. Der Kaiserliche warf einen flüchtigen Blick über die Schulter und erstarrte. 'Verfluchte Scheisse!' Ein Adrenalinschub schoss durch seine Adern und er wechselte blitzschnell den Zauber. Ein Caitiff trat aus einer gleißenden Kaskade vor Erynn und stellte sich, den breiten Schild hoch erhoben, vor die Dunkelelfe. Arranges selbst hüllte sich nur eine Sekunde später ebenfalls in einen daedrischen Panzer.
Na dann mal los, eure verdammten Brüder haben es bis jetzt auch nicht geschafft, mich am Erreichen der Siegelsteine zu hindern...
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Fossil
Verflucht! Ich hab es kommen sehen! Wo auch sonst hätten die Daedra sie besser stellen können als hier? Sie jedenfalls hätte es genau so gemacht. Bis zuletzt hatte Erynn gehofft, daß es ihnen vielleicht erspart bleiben möge, diese schmale, den Abstand zwischen den beiden Türmen in schwindelerregender Höhe überspannende Brücke überqueren zu müssen. Zumal spätestens seit der Kletterpartie zu diesem Tor hin kein Zweifel mehr bestehen konnte, daß sie ab einer gewissen Entfernung zum Boden nicht mehr ganz sicher auf den Füßen war.
In dem Moment, als der Kaiserliche sich an ihr vorbeischob, erschrak sie ziemlich und ließ sich instinktiv auf ein Knie sinken, um ihren Körperschwerpunkt weiter nach unten zu verlagern.
...und du willst alles allein aufhalten, was hinter uns herkommt, was? Großartige Idee, Arranges! Das funktioniert bestimmt... Die Elfin hielt diesen Plan für mehr als zweifelhaft. Trotzdem warf sie einen raschen Blick über die Schulter, als der Xivilai Anstalten machte, sich ihnen zu nähern. Hinter ihm gingen mindestens zwei Langbogenschützen in Stellung. Vielleicht konnten sie zum anderen Ende der Brücke zurückweichen und sich dem Ungeheuer auf weniger unsicherem Boden stellen. Statt auf das Portal zum zweiten Turm jedoch blickte sie direkt in die echsenartige Visage eines Daedroth.
Erynn vollendete ihre Drehung, legte einen Pfeil auf, zielte auf den Echsendämon und fluchte, als wie aus dem Nichts ein Dremora vor ihr erschien. Das Biest materialisierte sich mitten in der Schußlinie. Natürlich. Sie haßte es, wenn der Beschwörer so etwas tat. Es war genauso schlimm wie die Unsitte, sie mitten im Kampf zur Seite zu stoßen. Auch das war ihm einfach nicht auszutreiben. Langsam entspannte sie die Sehne wieder und richtete sich aus ihrer knienden Haltung zum Stehen auf, um überhaupt freie Sicht zu haben. Der Caitiff stürmte unterdessen vor. Erynn feuerte über den Kopf des beschworenen Daedra hinweg, erwartete dabei halb, daß ein Dremorapfeil sie selbst in Nacken oder Hinterkopf treffen und diese Reise sehr plötzlich und endgültig beenden würde. Was für eine Art zu sterben wäre das, fragte sie sich plötzlich und fühlte sich für einen Moment lang, als stehe die Zeit still. hier, mitten auf dieser Brücke, ohne es wirklich kommen zu sehen? ...andererseits, gäbe es denn einen besseren Ort dafür als diesen? Dann könnte ich einfach hierbleiben, müßte nie wieder weg aus den Totenlanden und weder die Gathering noch die Abtrünnigen könnten jemals über mich verfügen... eigentlich wäre das keine schlechte Lösung.
Die Dunmer schüttelte sich, als würde sie aus einem Traum erwachen. Sie hatte die Hand mit dem Bogen sinken lassen, stellte sie fest. Der beschworende Caitiff hatte den Daedroth mittlerweile erreicht und drosch wild auf das Echsenwesen ein, blockte immer wieder Hiebe der mächtigen, gekrümmten Klauen und wich dem zustoßenden Maul aus. Was machst du dir nur für Gedanken, Mädchen? schalt Erynn sich selbst und legte wieder auf das Wesen an. Auf die Entfernung war es eigentlich kaum zu verfehlen, zudem war es durch seinen massigen Leib auf der schmlen Brücke praktisch zur Bewegungslosigkeit verdammt. Solange der Dremora zwischen ihr und der Kreatur stand, konnte ihr aus dieser Richtung kaum etwas geschehen. Sie zielte auf den Kopf, doch es brauchte tatsächlich mehrere Pfeile bis einer darunter war, der die starken Schädelknochen durchdrang. Der Caitiff geriet immer stärker in Bedrängnis, als der Echsendämon die Bogenschützin schließlich als ernsthafe Bedrohung wahrnahm und versuchte mit immer rasender werdeneden Angriffen, den Dremora aus dem Weg zu räumen. Dann hielt es plötzlich inne, als frage es sich, was es hier eigentlich tue. Langsam, ganz langsam kippte der massige Körper, blieb für ein paar Herzschläge langnoch an der Dornenverzierung des schmalen Stegs hängen, bevor er von seinem eigenen Gewicht in die Tiefe gezogen wurde. Das Reißen von Fleisch war zu hören, dann fiel der Daedroth außer Sicht.
Erynn fuhr zu dem Kampf herum, der in ihrem Rücken stattfand, suchte ein Ziel während sie ihrem Begleiter zuschrie, daß er langsam zum zweiten Turm zurückweichen solle. Sie mußten von dieser verfluchten Brücke runter, so schnell wie möglich!
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Legende
Hinter sich hörte Arranges, wie der Kampf zwischen dem Caitiff und dem Daedroth endbrannte. Das Monstrum, dem er selbst gegenüberstand, konnte wohl sehen, was in seinem Rücken vor sich ging. Der Xivilai zögerte noch einen Moment, ehe er viel zu plötzlich auf den Magier losstürmte. Der darauffolgende Kampf war alles andere als normal. Während der Daedra mit dem Zweihänder, den er mit nur einer Hand schwang unbarmherzig auf Arranges einschlug, versuchte der Nekromant seinerseits möglichst unbeschadet zu blocken oder auszuweichen. Beides gelang ihm meist mehr schlecht als recht. Aber mit der freien Hand konnte er seine Magie weben und ließ keine Gelegenheit ungenutzt, seinem Wiedersacher ein arkanes Geschoss entgegen zu werfen, welches nach und nach immer mehr der Lebensgeister des Dämons pulverisierten. Allerdings war es eine lächerlich lange Zeitspanne, die der Kampfmagier wirklich all sein Können mit der Klinge ausspielen konnte. Schon bald merkte er, wie ihm die Hitze wieder zu schaffen machte, während sie den Daedra eher noch stärkte. Funken stoben von den Waffen, jedes Mal, wenn sie mit so brutaler Gewalt aufeinander schlugen, dass Arranges jeden Moment fürchtete, dass eines der beiden Schwerter augenblicklich bersten würde.
Arranges war seit einer gefühlten Ewigkeit dabei, nur noch zurück zu weichen, als ihn Erynns Stimme erreichte. Er wagte es nicht, einen Blick über die Schulter zu riskieren, begann aber das Tempo, mit dem er Schritt für Schritt rückwäts ging, etwas zu erhöhen. Nach vielleicht 5 Schritten hatte der Xivilai den Grund und das Problem wohl erkannt. Mit einem Mal nahmen seine Hiebe an Härte nochmals zu und im nächsten Moment raste unbarmherziger Schmerz durch den Schwertarm des Kaiserlichen. Seine Ohren schmerzten von dem hohen Pfeifton, den der kreischende Zusammenprall der beiden Waffen, verschuldet hatte. Für einen kurzen Augenblick starrte Arranges auf das zerfranste Stückchen Silber, das gerade noch die Klinge gebildet hatte, von der er jetzt nur noch den Griff in der Hand hielt. Den Rest hatte das Ebenholzschwert des Xivilai hinfortgerissen. Das zweite Schwert, dass ihr Hundesöhne mir zerstört habt... Mit einem Satz rettete sich Arranges vor dem erneut heransausenden Bidenhänder. Das kann ich auch... Entschlossen und die Klinge bereits zum nächsten Streich erhoben, trat das Monster auf ihn zu, als Arranges plötzlich fallen ließ, was noch von seiner Waffe übrig war. Beide Arme vorgestreckt, blieb er reglos vor seinem Gegner stehen. Die Klinge raste heran und... zersplitterte plötzlich in so viele kleine, glühende Teilchen, dass es aussah, als würden Sterne vom Himmel regnen. Die leere Faust vollführte die weitere Bewegung des Schwerthiebs. Die nur den Bruchteil eines Lidschlags später folgende Reaktion, nachdem der Daedra begriffen hatte, dass sich seine Attacke buchstäblich in Luft aufgelöst hatte, zeichnete sich durch zorniges Brüllen und einen Faustschlag aus, den Arranges schlicht nicht kommen sah. Die Wucht, mit der der Kaiserliche getroffen wurde, wurde größtenteils von dem beschworenen Kronenhelm abgefangen, aber dennoch wirbelte der Magier herum und flog einige Meter durch die Luft. Hart schlug er mit dem Rücken auf der Brücke auf. Er ist wütend... sehr schön...
'Ery...' Der Ruf, welcher seine Begleiterin eigentlich erreichen sollte um sie auf den jetzt für einen kurzen Moment vermutlich sehr gut angreifbaren Xivilai aufmerksam zu machen, erstarb, als das Monster ihn mit solcher Gewalt in die Seite trat, dass ihm kurz Schwarz vor Augen wurde. Er spürte, wie er von der Wucht zur Seite fast mehr flog als rollte und plötzlich war der Boden weg... Instinktiv griff der Beschwörer nach oben und bekam einen der Dornen zu fassen, die die Brücke zur Seite hin abschlossen. Mit einem Ruck, der sich schmerzhaft in seinem Arm niederschlug, wurde sein Fall gebremst. Ungläubig blickte der Nekromant nach oben und eine Sekunde später nach unten. Bei dem alten Fleisch, das an meinen Rippen haftet, bringt Abhängen auch nichts mehr... Dachte Arranges grimmig und knurrte in seinem Helm vor sich hin. Wieder wanderte sein Blick nach oben und sogleich erschrak er. Über den Rand der Brücke gebeugt, stand der Xivilai und machte gerade Anstalten, auf den Dorn einzustampfen, der im Moment das Überleben des Kaiserlichen sicherte. 'Oh nein, wenn, dann kommst du mit!' Brüllte Arranges plötzlich und reckte die freie Hand nach oben. Er sammelte alles, was er noch irgendwie an magischer Kraft aufbieten konnte und kanalisierte es mit einem Schlag in den Zauber, den er gesprochen hatte. Und anstatt, dass der Fuß, seine Kraft darauf entlud, den Dorn loszutreten, wurde er in einem ungesunden Winkel nach oben gebogen. Der Xivilai verlor plötzlich selbst das Gleichgewicht und geriet arg ins Schwanken. Ein letzter Ruck des Fußes in Arranges Richtung und dann stürzte der Daedra selbst mit lautem Brüllen über den Rand der Brücke. Daedra scheinen wohl doch nicht so magieimmun zu... Schmerz, der sich anfühlte, als würde Arranges in der Mitte außeinandergerissen werden, stoppte seinen Gedankengang. Er blickte reflexartig nach unten und sah, wie einerseits dieses Monster sich mit aller Gewalt in einen seiner Füße verkrallt hatte und andererseits, wie sich die Welt ringsum nach hinten oder besser nach oben, verschob... Der Ruck und das Gewicht des Gegners hatten ihn so überrascht, dass er im selben Moment die Brücke losgelassen hatte, ohne es bewusst zu merken. Der Daedra hatte wohl ebenfalls begriffen, dass das das Ende des Kampfes für beide war und löste sich wie automatisch vom Bein des Magiers...
Mit wehendem Umhang, der sich jetzt befreite, da Arranges die beschworene Rüstung aufgelöst hatte, stürzte er in die Tiefe, während er einen letzten Blick nach oben zu Erynn warf, deren Umrisse über dem Rand der Brücke viel zu schnell kleiner wurden...
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Fossil
Erynn sah die Ereignisse mit unnatürlicher Klarheit. Ihr Begleiter wurde zurückgeschleudert und im nächsten Augenblick durch einen Tritt von dem Xivilai von der Brücke gestoßen. Sie schoß einen Pfeil auf den menschenähnlichen Daedra ab, der jedoch fehlging, als das Wesen plötzlich strauchelte und seinerseits in die Tiefe stürzte. Die Elfin stürmte zum Rand der Brücke und ließ sich auf die Knie fallen. Fassungslos sah sie mit an, wie sowohl das Ungeheuer als auch ihr Begleiter fielen. Es war, als drücke ihr eine erbarmungslose Faust das Herz in der Brust zusammen. Es war anders als in der Kammer unter dem zerstörten Anwesen in Valenwald. Diesesmal gab es kein langes Bangen und Hoffen. Es war vorbei – es mußte so sein. Einen solchen Sturz konnte niemand überleben. Nein... Ich hätte nie geglaubt, daß du derjenige von uns beiden sein würdest, der diese Sache nicht übersteht. Ich dachte immer, ich würde hier zurückbleiben, wenn die Dinge schieflaufen. Und es wäre in Ordnung gewesen. Wir alle hätten uns damit abfinden können. Ich selbst, die Gilde, die Gathering und auch du. Niemand hätte dabei wirklich verloren. Warum hast du nur deine Kraft darauf verschwendet, ausgerechnet mich schützen zu wollen? Warum mußtest du so dumm sein und für mich deine eigenen Prinzipien über den Haufen werfen?
Für einen Moment blieb sie reglos auf dem schmalen Steg hocken und starrte auf die rotschwarze, brennende Ebene hinaus. Was tat sie hier eigentlich? Einen Herzschlag lang war es ihr tatsächlich entfallen. Der Siegelstein. Ja, richtig. Aber... wofür eigentlich? Sie hatte doch die anderen beiden nicht. Sie wußte nicht, wo sie die Dinger hätte abliefern sollen. Eigentlich war sie die ganze Zeit nur Arranges gefolgt, hatte sich darauf verlassen, daß der Kaiserliche wußte, was er tat und wohin sie gingen. Sie hatte sich so sehr daran gewöhnt, das dumme Küken in diesem seltsamen Gespann zu sein, daß sie es mittlerweile selber glaubte. Jetzt, plötzlich, war sie allein – und mußte auf einmal damit klarkommen, daß sie sich gerade in einer Welt bewegte, die sie mehr erfühlte, als daß sie wirklich brauchbare Informationen dazu hatte. Ein Hauch von Trotz mischte sie in den Schmerz, der ihr schier die Brust zerriß. Natürlich mußte sie die Siegelkammer erreichen. Es sei denn sie wollte hier sitzen bleiben wie ein Lamm, das seinen Schlachter erwartet.
Ein rascher Blick zu dem Portal in der Außenmauer des Turms, von wo sie gekommen waren. Die beiden Dremora schienen es nicht eilig zu haben, aber sie beobachteten die Elfin aufmerksam. Erynn starrte zurück. Mit unendlich langsamen Bewegungen verlagerte sie ihr Gewicht ein Stück nach hinten. Dann drückte sie sich ab, wirbelte herum und stürmte auf den zweiten Turm zu, leicht geduckt, um ein kleineres Ziel zu bieten. Trotzem erwartete sie jeden Augenblick, im vollen Lauf von den Füßen geholt zu werden. Haken schlagen war auf der Brücke unmöglich, aber bis nicht ein Pfeil ihren Leib durchschlug und sie zu Boden zwang, würde sie sich nicht widerstandslos umbringen lassen – schon gar nicht von Dremora, deren wildes, kämpferisches Wesen sie so sehr bewunderte. Die nächsten zwanzig Schritte würden vielleicht zeigen, welches Los die Schicksalsweberin ihr zugedacht hatte.
Pfeile zischten ihr um die Ohren, verfehlten sie nur knapp und zersplitterten an Metalldornen oder der Außenwand des Turms. Sie setzte über eine Blutlache hinweg, die nur zu dem Daedroth gehören konnte, und erreichte kurz darauf den Torbogen, durchquerte ihn, hechtete zur Seite und drückte sich an die Wand. Dann verschaffte die Kriegerin sich einen kurzen Überblick. Sie stand in einer Halle, etwa so lang wie breit. Auch hier setzte sich das allgegenwärtige Dornenmotiv fort. Sonst schien nichts und niemand hier zu sein. Entweder hatten diese Türme aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage tatsächlich nur eine Rumpfbesatzung, oder aber die übrigen Bewohner gingen davon aus, daß ihre Kollegen an der Brücke die Eindringlinge schon im Griff hatten... womit die gar nicht mal so Unrecht hätten. Erynn spähte nach den Bogenschützen, konnte sie aber noch nicht auf dem Steg sehen. Vielleicht widerstrebte es ihnen, sich selbst so angreifbar zu machen. Die Dunmer beschloß, den Moment des Zögerns ihrer Gegner zu nutzen und sich selbst weiter in den Turm hineinzubewegen. Sie befand sich irgendwo im oberen Drittel des Bauwerks. Bis zur Siegelkammer konnte es nicht mehr weit sein...
Geändert von Glannaragh (04.05.2011 um 23:18 Uhr)
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Legende
Valusberge
Weiße Wölkchen bildeten milchige Schleier vor seinem Gesicht, während Arranges schwer atmend, über das Eisfeld hetzte. Der Himmel über ihm war klar und die Sterne leuchteten hell. Der Schnee unter seinen Stiefeln knirschte bei jedem der weit greifenden Schritte. Frost hatte sich auf das eisige Weiß gelegt. Und trotz kompletter Windstille, war es bitter kalt, selbst Arranges spürte den Griff der Kälte deutlich und jeder Atemzug schmerzte in der Lunge. Immer wieder warf der Kaiserliche einen Blick über die Schultern nach hinten, als würde er vor irgendwelchen Verfolgern flüchten.
Was hab ich bloß getan? Den Siegelstein auf Kosten ihrer Unversehrtheit zu bekommen war mit das Bescheuertste, was ich hätte tun können...
Nach einigen weiteren schweren Schritten, blieb er stehen. Schwerfällig drehte er sich um und folgte mit den Augen den dunklen kleinen Klecksen, die die Spur seiner Schritte auf der linken Seite begleiteten. Ich hoffe ihr schmort in der Hölle... Sein Blick wanderte weiter zu dem, was seine Arme so schwer belastete und ihn so viel Kraft im Moment kostete... aber trotz der schieren Erschöpfung, die ihn plagte, dachte er nicht eine Sekunde daran, Erynn einfach zurück zu lassen. Die Kriegerin ruhte mit geschlossenen Augen und flachem Puls auf seinen Armen und hatte sich seit einer ganzen Weile nicht mehr gerührt. Seine Augen folgten ihren Beinen bis zu den Füßen, die über seinem linken Arm hingen. Eine zäh wirkende, nachtschwarze Flüssigkeit hatte sich wie eine Ranke oder geschwollene Ader um eines ihrer Beine bis hoch zum Knie gewickelt. Das war es auch, was die schwarzen Tropfen im Schnee hinterließ...
Die Ereignisse im Tor waren allerdings viel zu schnell passiert, als dass Arranges hätte sinnvoll und effektiv reagieren können. Er wusste nur eins, dass er ganz allein am Zustand Erynns schuld war. Sie verlor wohl kein Blut, aber das Zeug an ihrem Bein ließ sich auch nicht entfernen. Er hatte einen sehr kurzen Moment Zeit um sie zu untersuchen und hatte dabei auch versucht, diesen Schleim oder was auch immer es war, zu entfernen, aber obwohl flüssig, ließ es sich nicht lösen. Und seit dem war die Dunmer immer katatonischer geworden, bis sie letzten Endes nichteinmal mehr laufen oder sich sonst großartig bewegen konnte. Arranges wusste auch nicht mehr, wie lange er bereits unterwegs war, er wusste nur, dass er so nicht von den Bergen herunter kam. Ein Blick zurück ließ ihn noch immer die tiefschwarze Rauchsäule erkennen, die sich von dem Ort aus in die Höhe schraubte, an dem das Tor gestanden hatte... Er war nach Norden gerannt, weil der lange Kamm, der ihn letzt unmittelbar auf der linken Seite begleitete, hier recht flach nach osten hin abfiel...
Lautes Gebell hallte plötzlich über das gedehnte Eisfeld, das vor ihm nach Norden hin in der Nacht verschwand und im Süden, dort, wo das Tor war, von dem mächtigen Gipfel unterbrochen wurde, den sie schon am Tag, als sie das Tor durchschritten, gesehen hatten. Oh verdammt, sie haben aufgeholt... Ein letzter Blick nach hinten bestätigte, was er dachte. Weit hinter sich, waren drei Silhouetten in der Nacht aufgetaucht. Es waren Gestalten, die an Hunde erinnerten.
Als wäre Dagon persönlich hinter ihm her, sprintete Arranges wieder los, Erynn fest an sich gepresst. Die Verfolger hatten den Flüchtenden sofort wieder ins Visier genommen und Arranges hörte das Knirschen des Schnees, als 12 Pfoten ihm nachjagten. Er war noch keine 50 Meter gerannt, als sich in das Stapfen und das Trappeln plötzlich noch ein anderes Geräusch mischte. Ein stetig lauter werdendes Rauschen, je weiter er lief. Ist das nun die entgültige Erschöpfung? Noch zwei Schritte und wie aus dem Nichts tat sich vor dem Nekromanten ein Abgrund auf. Arranges hatte viel zu viel Schwung, er konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen. Für zwei oder drei Herzschläge hing er in der Luft, bevor er einige Meter in die Tiefe stürzte. Ein lautes Klatschen, unmittelbar gefolgt von lautem Blubbern und Rauschen, das er allerdings nur mehr durch einen dicken Vorhang hörte. Schmelzwasser umspülte sie, drang überall ein, benetzte Haut, Rüstung und Kleidung und trieb dem Kaiserlichen für einen Moment die Luft aus den Lungen. Er ließ Erynn nicht los. Seine klammen Finger krallten sich in ihre Rüstung, bis sie schmerzten, während er versuchte, irgendwie wieder an die Wasseroberfläche zu kommen. Nach einem schier endlosen Kampf gegen die reissende Strömung des Schmelzwasserflusses, drang er schließlich durch die schäumende Gischt. Der Fluss schien sie bereits ein ganzes Stück mitgerissen zu haben, obwohl sie gerade erst hineingefallen waren. Prustend zerrte er Erynn ebenfalls an die Oberfläche und tastete nach ihrem Brustkorb, der sich den Göttern sei Dank, noch immer leicht bewegte. Aber im selben Moment wurde er sich auch wieder der drohenden Gefahr durch ihre Verfolger bewusst und drehte sich einige Male herum, aber die Kreaturen schienen ihm nicht in den Fluss gefolgt zu sein.
Es dauerte noch einige Herzschläge, bis Arranges sich wieder komplett orintiert hatte. Er bemühte sich, irgendwie das Ufer zu erreichen, aber erst nach einigen Versuchen gelang es ihm, sich an einer Wurzel... Wurzel? Tatsächlich! Der Fluss hatte sie während der kurzen Dauer so weit mitgerissen, dass sie die Baumgrenze bereits fast wieder erreicht hatten. Neue Hoffnung schöpfend, zog Arranges sich mit steifen Muskeln an dem knorrigen Gewächs empor und lag einige Lidschläge später schnaufend auf dem teils sandigen, teils von verwehtem Pulverschnee bedeckten Ufer. Erynn hatte er neben sich mit an Land gezogen. Erst nach einigen Augenblicken spürte er, wie die Kälte jetzt noch verheerender als zuvor, zuschlug. Das Wasser tat sein Übriges. Blitzschnell, völlig ungeachtet der protestierenden Muskeln, war er aufgesprungen und sah sich um. Weit und breit nichts, was auf die seltsamen Hunde hindeutete. Ein paar Minuten später hatte der Kaiserliche um einen knorrigen, aber dichten Busch einiges an abgestorbenem Holz aufgeschichtet. Er zerrte Erynn so nahe an das entfachte Feuer, wie er sich zutraute, die Flammen kontrollieren zu können. Dann ließ er sich an ihrer Seite auf die Knie sinken, legte eine Hand auf ihren Bauch, die andere auf das Brustbein und wirkte, was seine Feuermagie noch hergab...
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Fossil
Die Elfin betrachtete die schlanken, leicht gekrümmten Dornen, die sich aus der Decke der Halle bis etwa zur halben Höhe des Raumes herabschwangen. Das Licht war angenehm hier, nicht so furchtbar hell und blendend. Als hätte jemand an einem Hochsommertag dunkle Vorhänge vors Fenster gezogen. Außerdem war es warm hier. Warm genug, daß ihr Blut nicht mehr so langsam floß wie unter dem anderen, blauen Himmel. Es war eine gute Entscheidung gewesen hierzubleiben. Seit dieser Entschluß gefaßt war, störte sich an diesem Ort niemand mehr an ihr – und niemand störte sie. Sie konnte einfach hier liegen, an die Decke starren und den feinen Rankenmustern an den Kreuzbögen mit den Augen folgen. Erynn war sich nicht einmal sicher, ob sie wirklich lag, ob sie überhaupt noch einen Körper hatte. War es vielleicht nur noch ihr Geist, der durch diesen Turm wehte, zusammen mit der in oder anderen heißen Windböe, die manchmal um die eleganten Säulen in dem Gebäude strichen. Es schien auch nicht wichtig zu sein. Nichts war mehr wirklich von Bedeutung, außer vielleicht, daß sie die Entbehrungen der letzten Zeit nicht mehr spüren mußte. ...und alle Welt macht so einen Aufstand wegen dieser Tore. Wenn ihr Narren euch die Mühe machen würdet, auf das zu blicken was dahinter ist, würdet ihr anders darüber denken...
Irgendwo schien es einen Fehler in diesem Gedankengang zu geben, der ganz erheblich damit zu tun hatte, daß Mehrunes Dagon auf Nirn als wenig diplomatischer Aggressor auftrat. Andererseits: Sie war schließlich auch hier, friedlich in sich und dem Reich des Daedrafürsten ruhend.
Doch sie konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, wie sie eigentlich hierher gelang war. Das heißt, sie wußte es schon, sie hatte dieses Tor betreten, nach einer recht anstrengenden Kletterei... und dann war sie geblieben. Aber wie? Warum konnte sie so plötzlich hier sein, ohne um ihr Leben kämpfen zu müssen? Irgend etwas stimmte hier ganz und gar nicht. Sie hatte etwas vergessen. Irgend etwas, das wichtig war.
Der Turm um sie herum geriet ins Wanken, immer stärker, je klarer ihre Gedanken wurden. Ganze Stücke brachen aus seinen Mauern, während die sichere Sphäre, in die ihr Geist sich zurückgezogen hatte, in sich zusammenfiel. Erynn kämpfte darum auf den Füßen zu bleiben -warum hatte sie plötzlich Füße?- und durch die Risse in den Wänden strömte eiskalte Luft herein und traf sie mit brutaler Wucht. Sie riß die Augen auf und keuchte erschrocken, als schmerzhaft gleißende Helligkeit ihr wie Messer in den Schädel stach. Unkontrolliert zitternd versuchte sie, sich zu orientieren. Nicht die Totenlande, da konnte wenig Zweifel bestehen. Aber wie war sie hierher gelangt? Und wo war ‚hier’?
Eine Empfindung drang zu ihr durch, die weniger gräßlich war als das blendende Licht und der schneidende Frost, welche nach dem Erwachen ihr ganzes Denken ausgefüllt hatten. Jemand hatte seine Hände auf ihren durchgefrorenen Leib gelegt und vertrieb die Kälte, zumindest ein wenig. Die Elfin zog die Augenbrauen zusammen und bemühte sich, ihrem Blick eine bestimmte Richtung zu geben. Es dauerte eine Weile, bis ein weiteres kleines Mosaiksteinchen an seinen Platz fiel. Was machst du denn hier? Ist es diesesmal wirklich vorbei? Bin ich tot?
„Arranges“, krächzte sie, das Wort durch ihre klappernden Zähne kaum verständlich. „Warum bist du hier? Ich habe dich... fallen sehen...“
Geändert von Glannaragh (06.05.2011 um 12:48 Uhr)
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Legende
Arranges spürte nach einer Weile, wie Erynn sich bewegte. Eine unbeschreibliche Erleichterung flutete seinen Körper und ein letztes Mal griff er nach jeder Reserve, derer er irgendwie habhaft werden konnte und verstärkte seine Feuermagie nochmals. Als die Dunmer dann endlich die Augen aufschlug und seinen Namen hervorpresste, blickte er auf und sah ihr in die Augen. 'NICHT... bewegen!' Sagte er bestimmt, ohne jedoch laut zu werden. Er forschte einen weiteren Moment in ihren Augen. Sie waren wieder klar, ganz im Gegensatz zu der Zeit, nachdem sie diesen elendigen Zauber abbekommen hatte. Erst jetzt erreichten ihn ihre weiteren Worte und er blickte sie fragend an. Einen kurzen Moment grübelte er, was sie meinen konnte und vergaß darüber seine Magie, die sich jetzt langsam aber sicher dem entgültigen Aus näherte. 'Du... hast mich fallen sehen... wie meinst du das?!' Fragte er verwirrt. Dass sie überhaupt etwas wie eine Erinnerung an die Oblivionebene hat, verwundert mich ja sowieso... Ich weiss noch immer nicht, was das für eine Teufelei ist, aber um ehrlich zu sein habe ich auf den letzten hundert Metern nur noch der Hoffnung nachgejagt, sie wenigstens, wenn auch sehr wahrscheinlich tot, aus den Fängen dieser Bastarde retten zu können...
Die Dunkelelfin schloß die Lider halb. Sie war so fürchterlich müde. Es war, als hätte sie irgendwo einen Schnitt am Körper, aus dem all ihre Kraft herausfloß. Schließlich antwortete sie: "Von der Brücke... die zwischen den beiden Türmen. Dabei waren wir so dicht am Ziel. Wir hatten die Siegelkammer fast erreicht..." Sie verstummte, als ein weiterer Kälteschauer sie schüttelte. Dann zwang sie sich, den Kaiserlichen wieder anzusehen, versuchte ein Anzeichen dafür auszumachen, ob er irgendwie verändert war. Seine Hände auf ihrem Leib wirkten real genug, aber wie konnte es sein, daß er diese Sache vergessen hatte?
"Du weißt nichts mehr davon?" Ein bißchen verunsichert drehte Erynn den Kopf ein wenig, um sich zumindest einen kleinen Überblick über die Umgebung zu verschaffen. "Ist das hier... das Totenreich? Warum ist es hier so kalt?" fragte sie, nun vollends verwirrt. Aber so mußte es wohl sein, wenn sie mit dem Beschwörer von Angesicht zu Angesicht sprach. Sie selbst konnte sich ja auch nicht daran erinnern, wie sie gestorben war. Warum also sollte es bei Arranges anders sein?
Kurz schaute Arranges sie nur komplett verwirrt an. 'Was bei den Neun, hast du nur erlebt oder gesehen...' Murmelte er deutlich besorgt und etwas erschrocken. 'Wir sind weder im Totenreich, noch haben wir unser Ziel verfehlt... und den Göttern sei Dank, dass du noch lebst... Aber von was für einer Brücke sprichst du? ... der Siegelturm war eine gewaltige Festung, direkt vor dem Tor, dort gab es keine Brücke... Und wir haben den dritten Siegelstein.' Zur Bestätigung seiner Worte holte er die faustgroße Kugel hervor und zeigte sie Erynn kurz. 'Wir befinden uns noch immer auf den Kämmen der Valusberge... ich bin mit dir nach Norden geflüchtet, als wir zurück auf Nirn geschleudert wurden... aber jetzt sind wir zumindest für den Moment in Sicherheit... Sag, tut dir etwas weh?' Fragte er mit ehrlicher Sorge in der Stimme.
Auf Erynns Gesicht zeichnete sich schiere Verwirrung ab. Sie hatte keine Ahnung, wovon ihr Begleiter eigentlich sprach. "Ich weiß nicht, wovon du redest, Arranges", flüsterte sie. "Ich habe keine Erinnerung an einen Fried direkt am Tor oder an eine Siegelkammer... wenn deine Version der Ereignisse stimmt, dann ist es, als sei ich niemals dort gewesen..." Sie hielt inne und dachte über seine Frage nach. Ihr war kalt - bitterlich, jämmerlich kalt, und sie war müde, aber Schmerzen hatte sie eigentlich keine. Sie horchte genauer in sich hinein und stellte fest, daß sie sich seltsam taub fühlte. Nicht nur von dem scheußlichen Frost, sondern... anders. Ihren Unterleib spürte sie kaum noch, und die Beine...
In einem Anflug von Panik stemmte Erynn sich auf die Ellbogen hoch. Ihre Beine waren noch da, wie sie feststellte, doch es war, als gehörten sie nicht zu ihr. Etwas klebte an einem davon. Es sah aus wie Pech, doch das war für den Moment ihre geringste Sorge. Durch die aufkeimende Furcht hindurch versuchte die Elfin sich aufzusetzten, irgendwie auf die Füße zu kommen. Sie selbst spürte, wie bleich sie geworden war, als sie mit flackerndem Blick wieder zu dem Beschwörer aufschaute. Ihre Stimme klang schrill und unkontrolliert, als sie schließlich hervorbrachte: "Ich... kann mich nicht bewegen! Ich kann überhaupt nichts mehr fühlen!" Sie dachte nicht mehr daran, ruhig liegenzubleiben. Sie mußte aufstehen, jetzt sofort, irgendwie die Kontrolle über ihren Körper zurückgewinnen. Die Vorstellung, hilflos hier liegen zu müssen wie ein verwundetes Tier war ihr unerträglich. Verzweifelt, schon längst nicht mehr auf ihren Begleiter achtend, bemühte sie sich, die Füße irgendwie unter ihren Körper zu bringen. Wenn ich erstmal stehe, wird alles wieder normal sein...
Ja... ich habs irgendwie befürchtet... 'Erynn!' Keine Reaktion. 'Erynn... verflucht, bleib liegen, du kannst nicht aufstehen...' Nachdem sie wieder nicht reagierte, drückte er sie ohne zu zögern, gewaltsam auf den Boden zurück. Sie war völlig durcheinander, was er ja auch irgendwie verstehen konnte, aber er war am Ende seiner Kräfte, genau wie mit seiner Gedult. 'Beruhig dich!' Er packte ihre Handgelenke und zwang sie so, liegen zu bleiben. Lediglich ihren Kopf warf sie noch ein paarmal hin und her, bevor sie keuchend liegenblieb und zu ihm aufsah. 'Lass mich erklären, was passiert ist... Ich weiss nicht, was du gesehen hast, aber wie es scheint, sind deine gesamten Erinnerungen ab dem Zeitpunkt weg, als wir das Tor durchschritten... Du erinnerst dich an die seltsamen Wölfe? Jene, die uns durch die Nibenay gejagt haben?' Erynn nickte verwirrt. 'Das ist wohl irgendeine neue Kreaturenschöpfung der Abtrünnigen, ich glaube auch, dass das die Macht war, von der Harchaxas sprach... sie sind uns durch das Tor gefolgt und haben uns direkt angegriffen... Das... Zeug, was dort an deinem Bein hängt, galt eigentlich mir, ich weiss nicht, was für eine Art Magie es ist... ich weiss nur, dass ich nicht schnell genug war... nicht schnell genug, um dich zur Seite zu stoßen... es ging alles furchtbar schnell ab da... Noch fast im selben Moment war alles plötzlich voller Dremoras... diese Dämonenhunde und die Daedra haben sich bis aufs Blut bekämpft, frag mich nicht wie oder warum... du selbst bist nur noch teilnahmslos herumgestanden, während sich dieses... Zeug an deinem Bein festgesaugt hat... und danach ging es immer mehr abwärts, du warst kaum noch ansprechbar, bist mir nur noch auf zurufen gefolgt und hast sonst kaum noch reagiert, es war... grausam... ich habe uns so gut das möglich war, unversehrt bis zur Siegelkammer gebracht, aber bevor ich den Stein überhaupt sehen konnte, brachst du zusammen. Völlig weggetreten. Ich hab dich bis zum Siegelstein hinauf getragen und dann den Stein von seinem Platz entfernt... Auf Nirn sind wir neben diesen... Geisterwölfen wieder aufgewacht, allerdings schienen sie die Dimensionsverwerfung nicht so gut verkraftet zu haben... Und dann bin ich nach Norden, hierher, geflüchtet... mit dir auf den Armen...' Er schaute ihr einen Moment in in die unruhigen Augen. 'Und jetzt bitte, ich weiss, dir ist kalt und ich weiss, dass es für dich schrecklich sein muss, nicht aufstehen zu können... aber bleib jetzt einfach liegen... ich werd dafür sorgen, dass du nicht erfrierst...' Dann ließ er langsam ihre Arme los und richtete sich wieder auf in die knieende Position.
Der Kaiserliche erfaßte scheinbar wirklich nicht, wo das Problem lag, dachte die Elfin voller Zorn. Wie kann man nur so schwer von Begriff sein? Du bist doch sonst nicht so blöde, du Idiot! Als genüge es nich, daß sie von der Hüfte abwärts bewegungsunfähig war, besaß dieser Kerl tatsächlich die Stirn, auch noch ihre Arme auf die Erde zu drücken. Nachdem sie festgestellt hatte, daß sie sich in ihrem Zustand nicht wirklich dagegen wehren konnte, starrte sie ihren Begleiter für eine Weile ebenso haßerfüllt an wie eine Katze, die man im Nackenfell gepackt hielt. In diesem Augenblick voller blinder Panik war es ihr einfach nicht möglich, Freund von Feind unterscheiden zu können.
Nur langsam drangen seine Worte in den Teil von Erynns Geist, der nicht roher Instinkt war. Für die Zeit, die sie damit beschäftigt war die Informationen zu sortieren, hörte sie kurzfristig auf um sich zu schlagen, fuhr aber sofort wieder hoch, als Arranges den Griff um ihre Gelenke löste. "Dann mach es weg!" schrie sie. Wieso der Beschwörer nicht selbst auf diese Offensichtlichkeit gekommen war, blieb ihr völlig unverständlich. Es steigerte nur die Wut, die sie gerade empfand. Sie wand sich, bis sie annähernd auf der Seite lag und machte Anstalten, selbst nach der zähflüssigen, schwarzen Substanz zu langen.
'Hirnloses Blutauge!' Brüllte Arranges aus heiterem Himmel und fasste wieder nach ihren Armen um sie daran zu hindern, sich an der seltsamen Magie zu schaffen zu machen. 'Ich habe bereits mehrmals versucht, dieses Zeug da weg zu machen... es ist nicht möglich und jede grobe Einwirkung darauf scheint es nur noch fester um deinen Fuß zu ziehen...'
Erynn zuckte zusammen, als der Beschwörer sie anschrie. Sie hörte auf zu toben, stemmte sich aber weiter gegen den Klammergriff seiner Finger um ihre Unterarme - hauptsächlich deshalb, weil es das einzige war, das sie in diesem Moment tun konnte. Was er ihr sagte, trug auch nicht dazu bei, sie weiter zu beruhigen. Als sie sich wieder ein wenig unter Kontrolle hatte und es schließlich wagte, zu dem Kaiserlichen aufzuschauen, war der flehentliche Ausdruck auf ihrem Gesicht nicht zu übersehen. "Es tut mir leid. Ich weiß nicht, warum... also schön. Ich bleibe hier liegen, wenn es dich beruhigt. Aber bitte, laß dir irgendwas einfallen! Bitte... das hier ist schlimmer als tot zu sein..."
Langsam löste der Magier abermals seinen Griff. Na also, geht doch... 'Na gut, dann lass ich dich das nächste mal in den Fängen der Abtrünnigen zurück, wenn dir der Tod lieber ist...' Arranges hatte keine Gedult mehr, er fror, seine Kleidung klebte ihm nass am Körper und seine Magie verweigerte ihm aufgrund der kompletten Erschöpfung den Dienst.
Ein Teil der Wut kehrte zurück und brachte ihre Augen zum blitzen, doch sie schluckte jede scharfe Erwiderung herunter, die ihr durch den Kopf schoß. Eigentlich wollte sie in diesem Moment nichts weniger als einen Streit vom Zaun zu brechen. Tatsächlich hätte sie sich jetzt am liebsten an ihren Begleiter geklammert, so sehr verängstigte ihre totale Hilflosigkeit sie gerade. Es war noch viel schlimmer, als von einem Lähmzauber getroffen zu werden. Der verging irgendwann wieder - was bei der Magie, die sie jetzt gefesselt hielt, noch keineswegs sicher war. Erynn sank wieder auf den Boden zurück und schloß die Augen. Es mochte tiefe Nacht sein, aber die vereinzelten Fleckchen Schnee, die sich hier und dort gesammelt hatten, schienen ihr noch immer unnatürlich grell. Außerdem, so hoffte sie, würde es Arranges vielleicht nicht auffallen, daß sie weinte, wenn sie die Lider gesenkt hielt. "Du hast mich bis hierher getragen?" fragte sie leise, ohne auf seine scharfe Antwort einzugehen. Die Tatsache brachte sie trotz Furcht und Kälte zum Lächeln.
Arranges wartete einen Moment, bis er antwortete. 'Nun... ja...' Sagte er etwas zögernd, aber ruhig. Er blickte der Dunmer einige Herzschläge lang ins Gesicht. Zumindest war ein Teil der dunklen Hautfarbe zurückgekehrt. Und noch etwas bemerkte er, als er genauer hinsah. Etwas glitzerte im Schein der Flammen im rechten Augenwinkel der Dunkelelfe... und einen Moment später rann die Träne auch schon seitlich die Wange hinunter. Ohne besonderen Hintergedanken beugte sich der Beschwörer ein wenig vor und strich die Träne vorsichtig aus dem Gesicht Erynns. 'Ich... werde morgen... alles versuchen, um diese Magie irgendwie zu bannen...' Sagte er leise, als er sich wieder aufgerichtet hatte.
Sie nickte zur Bestätigung, daß sie verstanden hatte, daß Arranges jetzt nichts an ihrer mißlichen Lage ändern konnte. Es gefiel ihr nicht, ganz und gar nicht, aber offenbar war sie nicht die einzige, die hier am Ende ihrer Kräfte war. So nervenzehrend es auch gerade war, sie beschloß, still liegenzubleiben und es ihrem Begleiter nicht noch schwerer zu machen. War es nicht das, so bemerkte sie in einem Anfall von Galgenhumor, was sie an dem Kaiserlichen jedesmal zu Weißglut trieb: das ewige Rumgehampel, wenn es gerade garantiert nicht angebracht war. Sie würde das im Kopf behalten, sollte sie noch einmal das zweifelhafte Vergnügen haben, den Beschwörer zwecks Wundheilung ruhighalten zu müssen. Irgendwann beruhigte sie sich so weit, daß es ihr sogar gelang, auf die Magie zuzugreifen, so daß die Kälte, gegen die das kleine Lagerfeuer auch nur unzureichend half, sie nicht mehr quälen konnte. Es dauerte daraufhin auch nicht mehr lange, bis sie in einen leichten, unruhigen Schlaf fiel.
Arranges versuchte während der Nacht die Augen offen zu halten. Er hatte nach einer Weile, nachdem Erynn eingeschlafen war und er sich die nähere Umgebung besah, herausgefunden, dass der Fluss annähernd vertikal, also von Westen nach Osten zu dem Hauptkamm der Valusberge verlief, dem er weiter oben noch vor kurzem nach Norden gefolgt war. Sie befanden sich wohl auf der Nordseite des Flusses. Nach einer Weile hatte er einige relativ gerade Stöcke gefunden, aus denen er ein provisorisches Gerüst zusammenbaute um seine Kleidung grob zu trocknen. Zum Glück hatte er die Bücher nicht dabei gehabt, die zweite Schriftrolle, die er neben der Rolle des Windwandlers jedoch noch immer dabei hatte, war im Grunde nicht mehr zu retten. Trotzdem versichte der Kaiserliche, die Nässe aus dem Pergament zu treiben. Der Proviant, den er mit sich führte, hatte größtenteils überlebt, genau wie die Waffen. Es war windstill und so waren die Kleider relativ bald weitestgehend getrocknet. Die Kette und auch die anderen Rüstungsteile ließ Arranges weg, er hüllte sich lediglich in seine Stoffkleider und die Lederstiefel. Ein kurzer, kritischer Blick auf Erynn ergab, dass sie leicht zitterte. Der Magier überlegte einen Moment, dann kniete er sich neben die Dunmer und machte sich daran, ihr die Rüstung abzunehmen. Lieber gehe ich das Risiko ein, sie teilweise nackt sehen zu müssen, als eine schwere Erkrankung durch die Kälte zuzulassen... Dachte sich Arranges, während er sie bis auf Hemd und Hose entkleidete. Zwar waren die Unterkleider mindestens so nass, wie es der Rest war, aber Arranges beließ es dabei. Er wickelte sie lediglich in seinen Umhang und die eine einzige, kleine Wolldecke ein, die er immer am Gürtel trug und wartete dann darauf, bis der Morgen graute...
Als Erynn erwachte, war der Morgen bereits kalt und diesig heraufgezogen. Sie öffnete die Augen nur kurz, kniff sie dann schnell wieder fest zusammen. Die seltsame Lichtempfindlichkeit war noch immer nicht verschwunden. Erst nach ein paar Minuten versuchte sie es nochmal, etwas vorsichtiger jetzt. Glücklicherweise war der Himmel an diesem Tag bedeckt. Still hoffte sie, daß es noch eine Weile so bleiben würde. Sie bemerkte, daß das Gewicht ihrer Rüstung fehlte. Zumindest der Kürass, über den Rest vermochte sie keine Aussage zu treffen, während sie auf dem Rücken liegend die schweren Wolken anstarrte. Habe ich doch so fest geschlafen, daß ich davon nichts mitbekommen habe? Ich muß wohl doch erschöpfter gewesen sein, als ich dachte... Die Elfin befreite sich mit einiger Mühe von den Decken und stützte sich auf die Ellbogen hoch. Das schwarze Ding lag noch immer um Knöchel und Wade geschlungen, in einem anderen Muster als gestern noch, aber offensichtlich hatte es sich nicht mit Stiefel und Beinschiene zusammen entfernen lassen. Erynn warf der Masse einen bitterbösen Blick zu, dann schaute sie sich nach Arranges um. Sie sagte nichts, als er sie schließlich ansah, doch die Frage in ihren Augen war kaum fehlzudeuten. Was hast du jetzt vor?
'Guten Morgen! ... Ist dir noch kalt?' Fragte Arranges, wartete aber nicht auf eine Antwort, sondern warf den Ast, mit dem er gerade noch im Feuer herumgestochert hatte, in die Flammen und kam zu ihr herüber. Neben ihren Füßen kniete er sich nieder und und besah sich das schwarze Zeug. 'Ich habe noch immer keine Ahnung, was das sein könnte... ich habe um ehrlich zu sein, bis jetzt auch noch nichts Vergleichbares gesehen...' Murmelte er wie zu sich selbst. Dann drehte er den Kopf und blickte Erynn in die Augen. 'Ich habe leider keinerlei magische Reserven mehr, das heißt, dass ich es vorläufig so versuchen muss... verzeih mir...' Dann schaute er wieder auf die arkane Masse. 'Ich habe bis jetzt noch nicht versucht, es zu schneiden, vielleicht ist das eine Möglichkeit...?'
Erynn schaute zwischen dem rankenartigen Gebilde und dem zweifelnden Gesicht des Beschwörers hin und her. Ihre eigenen Augen trugen vermutlich einen mehr als nur leicht mißtrauischen Ausdruck. Sie zögerte einen Moment, bevor sie sprach: "Keine Ahnung, Arranges. Aber man kann es anfassen, also kann man es auch kaputtschneiden. Aber ich kann genauso wenig wie du sagen, was dann passiert... ich kann das Ding noch nicht einmal spüren."
Bei den letzten Worten zitterte ihre Stimme wieder ein wenig. Nein, sie war gerade wirklich nicht in der Stimmung für einen Feldversuch mit schwarzem, lähmendem Schleim. Andererseits konnte das Zeug auch nicht dort bleiben, wo es war. Es blieb ihr kaum etwas anderes übrig, als Arranges diese Möglichkeit schlicht ausprobieren zu lassen. "Versuch es einfach", sagte sie schließlich, wenngleich lange nicht so fest, wie sie es selbst gern gehabt hätte.
Arranges seufzte. Ein Versuch ist es allemal wert... was soll auch schon passieren... Er zog sein Schwert und setzte es an. Aber kaum hatte er die Klinge richtig aufgesetzt, begann der Schleim zu pulsieren, wie eine schwarze Blutader. 'Was zur Hölle...' Arranges vollendete seine Bewegung und wollte gerade in das weiche Etwas schneiden, als ein Lichtblitz durch seinen Geist schoss und für den Bruchuteil einer Sekunde seine Gedanken lähmte... Im nächsten Moment wurde er zurückgeschleudert und fand sich auf dem Rücken liegend wieder. Völlig verblüfft schaute er auf und stemmte sich hoch. Erynn schien nichts passiert zu sein, seinem Schwert aber sehrwohl. Von der Silberklinge waren nur mehr drei große Bruchstücke übrig. 'Na ganz toll... gut, das wäre also die Antwort darauf, ob man dieses Zeugs wegschneiden kann...' Er warf einen Blick auf das Feuer neben sich. 'Soll ich das auch noch versuchen?' Fragte er wenig motiviert und wies mit einer Hand auf die Flammen.
Erynn überlegte noch, obe es wohl klüger wäre sich einfach wieder hinzulegen und den Magier machen zu lassen. Stattdessen behielt sie ihre halb aufgerichtete, unbequeme Haltung bei und beobachtete, was wor sich ging. Ihr drehte sich der Magen um, als das Zeug sich auf einmal bewegte. Dann vernahm sie das ungesunde Knacken von Metall und wandte rasch den Kopf ab, um nicht von herumfliegenden Splittern ins Auge getroffen zu werden. Es wäre nicht nötig gewesen. Die Silberklinge zerfiel einfach, als sei sie Jahrhunderte alt. Erynns Blick huschte zu Arranges. Er schien nicht verletzt zu sein, aber die Abwehrreaktion der Substanz, des Zaubers oder was auch immer es war, war heftig ausgefallen. Daher war sie auch nicht besonders überzeugt davon, daß seine nächste Idee eine gute war. Sie überlegte kurz. Feuer macht mir weit weniger aus als anderen, die keine Dunmer sind... aber reicht es, um diese Ranke gefahrlos abzubrennen? Was ist, wenn etwas ähnliches geschieht wie vorhin mit dem Schwert? "Wir versuchen es", entschied sie. "Aber ich mache das selbst. Ich will nicht riskieren, daß das Feuer auf dich zurückschlägt..."
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