Die Dunmer zuckte zusammen und duckte sich unwillkürlich unter dem schaurigen Blick, als habe der Beschwörer sie geschlagen. Hör doch endlich auf, verdammt noch mal! Was habe ich dir getan, daß du mich herumschubst wie eine Küchenmagd? Warum fängst du damit jetzt wieder an? Hatten wir das nicht alles schon durch? Du kennst meine Gründe doch längst... „Wag es nicht“, sagte sie leise, doch ihre Stimme zitterte und sie hielt die Augen gesenkt. „Wag es nicht, mich so zu nennen. Ich bin kein Schoßhund und ich gehe, wohin ich will..."

Arranges zeigte sich nichteinmal im Ansatz beeindruckt. 'Achso? Nun, wie soll ich dich sonst nennen? ... So ein Verhalten kenne ich sonst nur von Schoßhunden... und... wenn du gehen willst, wohin es dir beliebt, warum belagerst du mich dann damit, dass es besser wäre, nicht zu klettern? Lauf doch außenherum... Na los, auf was wartest du noch?' Seine Stimme klang steinig und absolut kalt...

"Arranges... es war nur ein Vorschlag. Ich habe mit keinem Wort darauf bestanden", antwortete sie, noch immer eingeschüchtert und mit gesenktem Kopf. "Was habe ich eigentlich gesagt oder getan, daß du so grausam bist? Behandle mich nicht wie Dreck, nur weil du schlechte Laune hast, in Neungötternamen!"

Für die Dauer eines Lidschlags trat ein Ausdruck auf sein Gesicht, den man als schiere Verblüffung hätte deuten können. 'Ich kann auch nichts dafür, dass es dir genügt, Mittelmaß zu sein... Aber mir das selbe unterstellen zu wollen, kannst du vergessen... ich lasse mich nicht von einem Blutauge bloßstellen!' Die steinerne Maske hatte sich inwzischen aufgelöst und war purem Zorn gewichen.

Erynn ließ sich auf die bloße Erde sinken. Hier und jetzt bereute sie es bitterlich, dem Kaiserlichen noch am vergangenen Tag so viel Vertrauen geschenkt zu haben. Eine wirklich blöde Idee, Mädchen... alles was du getan hast war, ihm eine Waffe in die Hand zu geben. "Wovon redest du eigentlich? Womit sollte ich dich bloßstellen?" Ein mißtrauisches Blitzen trat in ihre Augen, und sie legte den Kopf in den Nacken, um ihrem Begleiter in die Augen zu sehen. "Was spinnst du dir jetzt schon wieder zusammen, Beschwörer?"

'VERDAMMT NOCHMAL! ... Ich bemühe mich doch schon, irgendwie alles richtig zu machen, warum musst du dann jeden kleinen Fehler trotzdem nochmal vor meinen Füßen breittreten, es reicht, wenn ich mich schon selbst darüber ärger und mich im Geiste ohrfeige dafür, dass ich Hame, mit diesem weißen Kieshaufen dort oben verwechselt habe...' Brüllte er völlig zusammenhangslos und ohne auf sie wirklich einzugehen, los...

Die Elfin sprang auf die Füße. Langsam aber sicher dämmerte ihr, woher der Wind eigentlich wehte. "Jetzt beruhig dich mal wieder", schrie sie zurück. "Du willst mir allen Ernstes erzählen, du machst so einen Aufstand, weil du vom Weg abgekommen bist?" Nicht zu fassen. Einfach... nicht zu fassen. Entgeistert starrte sie ihren Begleiter an - und fragte sich, warum sie jetzt plötzlich das Gefühl hatte, sich unangemessen verhalten zu haben. Erynn schüttelte sich und streifte die Empfindung ab. "Ich trete gar nichts breit, du Bockskopf! Mir ist doch scheißegal, ob wir diese Ruine beim ersten Versuch gefunden haben oder nicht! Meine Güte, um was machst du eigentlich so ein Theater?"

'Aber mir nicht...! Und hör auf mir solche Fragen zu stellen, du bist sowieso zu dämlich um es zu verstehen...' Bellte er.

In diesem Moment reichte es Erynn. Sie ertrug seine Launen, wenn ihm irgendwas nicht paßte. Sie verband seine Wunden, wann immer es nötig war. Sie war auf seine Bitte hin in diesen ganzen Schlamassel verstrickt, und er hatte nichts besseres zu tun als das Ganze so hinzudrehen, daß es ihre Idee gewesen sei und sie sich doch am liebsten einfach verpissen möge.
"Vielleicht hast du damit sogar recht, Beschwörer. Ich muß wirklich überaus dämlich sein, daß ich mir all das bieten lasse... aber wenn ich mich entscheiden müßte, wäre ich lieber dämlich als grenzenlos arrogant, lieber Mittelmaß als mich so vor einem Fehler fürchten zu müssen, wie du es tust und lieber einfach als sprunghaft wie ein Irrlicht. So bin ich. Erynn. Und du wirst mein Wesen nicht zerstören, ganz gleich, wie viele Boshaftigkeiten du mir auch entgegenschleuderst und wie oft du mir noch sagst, wie dumm ich doch bin... und das alles nur, weil du dich über dich selber ärgerst. Hast du das wirklich nötig?"

Der Kaiserliche war völlig irritiert, er hatte vielmehr damit gerechnet, dass sie jetzt endlich fertig wäre... Für einige Minuten schaute er sie nur stumm an und forschte in ihren Augen. Dann hob er plötzlich die Hand zum Zauber, ließ sie aber beinahe direkt wieder sinken. Er wandte den Blick zu Boden. 'Was soll ich denn tun? ... Ich verliere immer noch mehr Zeit, während die Gathering den Bach runtergeht... und jetzt verlaufe ich mich auch noch, etwas, das mir zuvor so noch nicht passiert ist...' Mit hängenden Schultern machte er ohne ein weiteres Wort, Anstalten, sich abzuwenden um weiterzugehen...

Erynn nickte langsam und ließ es gut sein. Etwas, das näher an ein Eingeständnis herankam, daß ihr Begleiter überreagiert hatte, würde sie nicht bekommen... gut, so sei es. Warum nicht gleich so, fragte sie sich stumm, hütete sich aber davor, die Worte laut auszusprechen. Nicht jetzt, da gerade wieder alles begann, in erträglichen Bahnen zu laufen. Schweigend ging sie neben dem Nekromanten her in Richtung Süden. So wie es aussah, würden sie ihr Glück also im direkten Weg suchen...