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Thema: Krisensitzung

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    [Teil 1]

    Es dauerte nicht sehr lange, bis Arranges begann, sich ernsthaft zu wundern. Er hatte Hame nur einmal gesehen und das war auch nur aus der Entfernung. Aber damals meinte er sich erinnern zu können, stand er in einem recht schmahlen Tal, sehr viel weiter in südlicher Richtung. Zudem war das Tal nach Süden hin offen und man konnte von weiter oben in dem Einschnitt aus, eine Quelle des Panthers am Taleingang schimmern sehen. Verfluchte Scheisse, wir sind zu weit nördlich, auf der ganz falschen Seite... Dass Erynn seinen Gedankengang gerade jetzt mit ihren Worten unterbrach, machte die Situation nicht besser. Abrupt blieb er stehen und belegte die Dunmer mit einem Blick, der sie förmlich durchbohrte. 'Du kannst gern drumherum laufen... oder du hättest besser daran getan, noch ein bisschen weniger zu essen in den letzten Tagen, hättest du jetzt vermutlich sogar drüberfliegen können...' Er war stinksauer, allein schon deswegen, weil er, Arranges, sich verlaufen hatte...

    Du oller, jähzorniger Bock... was hab ich dir jetzt schon wieder getan? Sie konnte nicht verhindern, daß sie ein kleinwenig zusammenzuckte, bevor sie die Schultern straffte und ihrerseits einen leicht giftigen Blick auf den Beschwörer abschoß. "Das laß mal meine Sorge sein. Ich werde schon nicht vor Entkräftung zusammenbrechen... Wie dem auch sei: Ich glaube nicht, daß es eine gute Idee ist einfach geradeaus zu rennen. Sieht von hier aus wirklich ziemlich steil aus... Kannst du überhaupt klettern?"

    'Das lass mal meine Sorge sein...' Äffte er sie nach... 'Wie gesagt, du kannst gern drum herum laufen, ich hinder dich sicherlich nicht daran... Du hättest natürlich auch bei dem Argonier bleiben können, dann wären dir solcherlei Sorgen erspart geblieben...' Er wandte sich ab und reckte die Hände in flehender Geste zum Himmel, während er knurrte: 'Warum hab ich die Zweiglinge nicht einfach machen lassen...'

    Erynn entgleisten sämtliche Gesichtszüge. Wie aus Reflex erhob sie die Rechte zum Schlag, ballte die Hand dann langsam zur Faust, bevor sie sie wieder sinken ließ. Manchmal machst du es einem wirklich schwer, nicht zuzuschlagen, Arranges... "Vielleicht", gab sie kalt zurück "weil du irgendwo doch noch einen Funken Anstand im Leib hast. Auch wenn dir diese Tatsache hin und wieder entfällt... und jetzt hör auf mich anzupampen. Ist schließlich nicht meine Schuld, daß du zur falschen Ruine gerannt bist."

    Arranges wollte ihre Worte ignorierend, gerade schon weiterlaufen. Der letzte Satz jedoch ließ ihn herumfahren. Innerhalb von vielleicht 3 oder 4 Herzschlägen stand dem Magier die Wut mit dicken, roten Lettern ins Gesicht geschrieben. 'Du weisst ja noch nichteinmal, wie man Hame schreibt... vermutlich ist es deine Blödheit, die langsam aber sicher auf mich abfärbt... mein Unterbewusstsein hatte wohl doch recht gute Gründe dafür, dass es mich gleich zweimal dazu bewegt hat, dich irgendwo einfach abzusetzen...'

    Wenn seine Worte dazu gedacht waren die Diskussion über Sinn und Unsinn des Weges abzuwürgen, so hatte es funktioniert, zumindest für eine Weile. Wenn es sie generell zum Schweigen hatte bringen sollen, so würde sie den Magier wohl enttäuschen müssen. Du bist und bleibst ein Ekel, Arranges. Na warte! "...und du weißt scheinbar nicht, wie man eine Karte liest, sonst wären wir ja wohl kaum hier gelandet", meinte Erynn lakonisch, während sie hinter ihm her den Hügel hinuntertrottete. "Hast du überhaupt eine dabei, oder bist du einfach aufs Geratewohl losgestürmt?"

    Alles klar, jetzt reichts! Wieder blieb Arranges stehen. 'Ich brauche! ... Keine Karte!' Seine Rechte wurde von einem leicht grünlich schimmernden Nebel umgeben. 'Du wirst jetzt den Mund halten und mir entweder über den Kamm dort folgen oder eben drum herum laufen... Und wage es nicht nochmal, meine geographischen Kenntnisse in Frage zu stellen...'

    Erynn starrte auf den Zauber, der die Hand des Magiers umspielte. Sie sollte wirklich still sein, und zwar sofort. Daß er es allerdings noch immer wagte ihr damit zu drohen, sobald sie nicht funktionierte wie er wollte, machte sie viel zu wütend, um sich um die Konsequenzen zu scheren. "Nein, natürlich nicht. Du brauchst keine Karte, keine Ratschläge und alles in allem überhaupt keinen verdammten Plan! Weil du ja so unglaublich unfehlbar bist! ...Arranges, verdammt noch mal, ich stelle gar nichts in Frage. Ich erlaube mir lediglich, eigene Beobachtungen zu machen. Du solltest dir wirklich abgewöhnen, von dir selbst auf mich zu schließen."

    'Ich habe dir aber nicht erlaubt, eigene Beobachtungen zu machen...' Er funkelte sie für einige Augenblicke lediglich bösartig an. 'Und ja, ich im Gegensatz zu dir, brauche auch keinen Plan, wenigstens ist mir aufgefallen, dass das dort oben nicht Hame war, sondern nur ein haufen weißer Quader, die die Ayleiden irgendwann mal aus Langeweile aufeinandergestapelt haben...' Arranges steigerte sich immer mehr in die Sache hinein, aber dabei war er nichteinmal böse auf Erynn, sondern vielmehr verärgert über sich selbst, weil er nicht direkt richtig gelaufen ist. Nach einem weiteren Blick, der sie, wäre dies möglich gewesen, getötet hätte, verpuffte der Zauber. Arranges drehte sich auf dem Absatz um und ging einfach weiter...

    "Bitte was?!" Erynn weigerte sich für einen Moment, das Gehörte für wahr zu halten. "Für den Fall, daß du es vergessen hast, du arroganter Hammel: Dieses Schüler - Mentor Dingens ist nur vorgeschoben, jedenfalls war das deine Aussage. Also sag mir gefälligst nicht, was ich zu denken habe!" Sie schloß mit zwei raschen Sprüngen zu Arranges auf. "Manchmal", knurrte sie finster, "bist du wirklich unausstehlich!"

    'Verflucht nochmal, wenn du micht jetzt noch einmal zwingst anzuhalten, nur um dir in die Augen blicken zu können, wenn ich dir sage, dass du jetzt genauso gut in Skingrad oder bei Harchaxas sein könntest, hast du wirklich ein überaus hässliches Problem, Erynn... Zweimal,' er fuchtelte mit ausgestrecktem Zeige- und Mittelfinger vor Erynns Gesicht herum, 'habe ich dir die Möglichkeit gegeben, mich nicht länger ertragen zu müssen, wenn du mir dennoch weiterhin hinterherläufst, wie ein Schoßhündchen, das an mir dranhängt wie ein Matschklumpen am Stiefel, kann ich dir bei allen mir bekannten Göttern wirklich nicht helfen...' Er wirkte nicht mehr ganz so aggressiv, die Wut, war aber noch immer mehr als deutlich zu spüren. Mit seinen Augen hielt er die ihren gefangen und trieb sie in die Enge...

  2. #2
    Die Dunmer zuckte zusammen und duckte sich unwillkürlich unter dem schaurigen Blick, als habe der Beschwörer sie geschlagen. Hör doch endlich auf, verdammt noch mal! Was habe ich dir getan, daß du mich herumschubst wie eine Küchenmagd? Warum fängst du damit jetzt wieder an? Hatten wir das nicht alles schon durch? Du kennst meine Gründe doch längst... „Wag es nicht“, sagte sie leise, doch ihre Stimme zitterte und sie hielt die Augen gesenkt. „Wag es nicht, mich so zu nennen. Ich bin kein Schoßhund und ich gehe, wohin ich will..."

    Arranges zeigte sich nichteinmal im Ansatz beeindruckt. 'Achso? Nun, wie soll ich dich sonst nennen? ... So ein Verhalten kenne ich sonst nur von Schoßhunden... und... wenn du gehen willst, wohin es dir beliebt, warum belagerst du mich dann damit, dass es besser wäre, nicht zu klettern? Lauf doch außenherum... Na los, auf was wartest du noch?' Seine Stimme klang steinig und absolut kalt...

    "Arranges... es war nur ein Vorschlag. Ich habe mit keinem Wort darauf bestanden", antwortete sie, noch immer eingeschüchtert und mit gesenktem Kopf. "Was habe ich eigentlich gesagt oder getan, daß du so grausam bist? Behandle mich nicht wie Dreck, nur weil du schlechte Laune hast, in Neungötternamen!"

    Für die Dauer eines Lidschlags trat ein Ausdruck auf sein Gesicht, den man als schiere Verblüffung hätte deuten können. 'Ich kann auch nichts dafür, dass es dir genügt, Mittelmaß zu sein... Aber mir das selbe unterstellen zu wollen, kannst du vergessen... ich lasse mich nicht von einem Blutauge bloßstellen!' Die steinerne Maske hatte sich inwzischen aufgelöst und war purem Zorn gewichen.

    Erynn ließ sich auf die bloße Erde sinken. Hier und jetzt bereute sie es bitterlich, dem Kaiserlichen noch am vergangenen Tag so viel Vertrauen geschenkt zu haben. Eine wirklich blöde Idee, Mädchen... alles was du getan hast war, ihm eine Waffe in die Hand zu geben. "Wovon redest du eigentlich? Womit sollte ich dich bloßstellen?" Ein mißtrauisches Blitzen trat in ihre Augen, und sie legte den Kopf in den Nacken, um ihrem Begleiter in die Augen zu sehen. "Was spinnst du dir jetzt schon wieder zusammen, Beschwörer?"

    'VERDAMMT NOCHMAL! ... Ich bemühe mich doch schon, irgendwie alles richtig zu machen, warum musst du dann jeden kleinen Fehler trotzdem nochmal vor meinen Füßen breittreten, es reicht, wenn ich mich schon selbst darüber ärger und mich im Geiste ohrfeige dafür, dass ich Hame, mit diesem weißen Kieshaufen dort oben verwechselt habe...' Brüllte er völlig zusammenhangslos und ohne auf sie wirklich einzugehen, los...

    Die Elfin sprang auf die Füße. Langsam aber sicher dämmerte ihr, woher der Wind eigentlich wehte. "Jetzt beruhig dich mal wieder", schrie sie zurück. "Du willst mir allen Ernstes erzählen, du machst so einen Aufstand, weil du vom Weg abgekommen bist?" Nicht zu fassen. Einfach... nicht zu fassen. Entgeistert starrte sie ihren Begleiter an - und fragte sich, warum sie jetzt plötzlich das Gefühl hatte, sich unangemessen verhalten zu haben. Erynn schüttelte sich und streifte die Empfindung ab. "Ich trete gar nichts breit, du Bockskopf! Mir ist doch scheißegal, ob wir diese Ruine beim ersten Versuch gefunden haben oder nicht! Meine Güte, um was machst du eigentlich so ein Theater?"

    'Aber mir nicht...! Und hör auf mir solche Fragen zu stellen, du bist sowieso zu dämlich um es zu verstehen...' Bellte er.

    In diesem Moment reichte es Erynn. Sie ertrug seine Launen, wenn ihm irgendwas nicht paßte. Sie verband seine Wunden, wann immer es nötig war. Sie war auf seine Bitte hin in diesen ganzen Schlamassel verstrickt, und er hatte nichts besseres zu tun als das Ganze so hinzudrehen, daß es ihre Idee gewesen sei und sie sich doch am liebsten einfach verpissen möge.
    "Vielleicht hast du damit sogar recht, Beschwörer. Ich muß wirklich überaus dämlich sein, daß ich mir all das bieten lasse... aber wenn ich mich entscheiden müßte, wäre ich lieber dämlich als grenzenlos arrogant, lieber Mittelmaß als mich so vor einem Fehler fürchten zu müssen, wie du es tust und lieber einfach als sprunghaft wie ein Irrlicht. So bin ich. Erynn. Und du wirst mein Wesen nicht zerstören, ganz gleich, wie viele Boshaftigkeiten du mir auch entgegenschleuderst und wie oft du mir noch sagst, wie dumm ich doch bin... und das alles nur, weil du dich über dich selber ärgerst. Hast du das wirklich nötig?"

    Der Kaiserliche war völlig irritiert, er hatte vielmehr damit gerechnet, dass sie jetzt endlich fertig wäre... Für einige Minuten schaute er sie nur stumm an und forschte in ihren Augen. Dann hob er plötzlich die Hand zum Zauber, ließ sie aber beinahe direkt wieder sinken. Er wandte den Blick zu Boden. 'Was soll ich denn tun? ... Ich verliere immer noch mehr Zeit, während die Gathering den Bach runtergeht... und jetzt verlaufe ich mich auch noch, etwas, das mir zuvor so noch nicht passiert ist...' Mit hängenden Schultern machte er ohne ein weiteres Wort, Anstalten, sich abzuwenden um weiterzugehen...

    Erynn nickte langsam und ließ es gut sein. Etwas, das näher an ein Eingeständnis herankam, daß ihr Begleiter überreagiert hatte, würde sie nicht bekommen... gut, so sei es. Warum nicht gleich so, fragte sie sich stumm, hütete sich aber davor, die Worte laut auszusprechen. Nicht jetzt, da gerade wieder alles begann, in erträglichen Bahnen zu laufen. Schweigend ging sie neben dem Nekromanten her in Richtung Süden. So wie es aussah, würden sie ihr Glück also im direkten Weg suchen...

  3. #3
    Das Land stieg zunächst nur mäßig an. Bäume, kleinere Findlinge und viel Buschwerk, zierten das Landschaftsbild. Sie machten öfter als gewöhnlich eine Pause. Erynn war das meistens eher weniger recht und auch Arranges legte diese Verschnaufminuten nur wiederwillig ein, aber er wusste, dass es weiter oben, dort, wo sie sich nur noch an den nackten Fels klammern werden müssen, böse enden konnte, sollten sie ihre Kräfte hier, wo das noch möglich war, nicht schonen. Sie waren den ganzen Tag unterwegs. Der Magier wählte einen Weg, der zunächst parallel zum Hang nach Süden führte. In einer weit ausholenden Serpentine wechselte er die Richtung, als die Sonne sich bereits wieder gen Westen wandte. Das Gelände begann allmählich steil nach Norden hin abzufallen, während die Zahl der Bäume ebenfalls abnahm.

    Die Sonne berührte im Weste gerade den Rand der Welt, als Arranges beschloss, dass es genug für einen Tag war. Sie waren gerade in den letzten Stunden nur noch langsam vorangekommen. Knorrige Wurzeln, zu denen irgendwie die Bäume fehlten und die mittlerweile sehr viel größeren Felsbrocken, versperrten ihnen den Weg, so, dass oft umständlich drum herumklettern mussten. Sie hatten vielleicht zwei Drittel des Kamms erklommen. Bis hierher war es noch nicht sehr anstrengend gewesen, aber der Blick nach oben verriet, dass der nächste Tag alles andere als einfach werden würde...

    Sie richteten sich zwischen zwei großen Felsen ein, die spitz aus der Flanke des Ausläufers herausstachen. Mit dem letzten Sonnenlicht konnten sie weit in die Grafschaft Cheydinhal hineinblicken. Sah man genau hin, so konnte man sogar die grauen Umrisse der Türme und Mauern der Stadt weit in der Ferne zwischen den Wäldern erkennen. Arranges kümmerte sich um ein ordentliches Feuer und nur wenig später saßen sie beide in Decken gehüllt, an einem prasselnden Lagerfeuer. Wenigstens findet man hier oben noch Holz... das wird sich auch ändern, sobald wir die Baumgrenze passiert haben... Arranges wusste nicht mehr genau, wie hoch Hame lag, aber er meinte sich dunkel erinnern zu können, dass die Ruine nur mehr von größeren Büschen überwuchert war... Sekunda und Masser stiegen am Himmelszelt auf. Der Nekromant blickte blötzlich, jetzt, da er die beiden Monde gesehen hatte, aufmerksam ins Tal des Corbolo hinab. Es vergingen einige Minuten, bis er beinahe ruckartig aufstand, die drei Schritte an den Eingang in ihre Felsnische ging und hinunter ins Flachland schaute. Wieder einen Moment später, drehte er sich um und winkte Erynn zu sich. Nach kurzem Zögern, während dem sie den Magier mit einem verwirrt fragenden Blick maß, stand sie dennoch auf und kam zu dem Beschwörer. 'Sieh, dort unten...' Er zeigte auf einen Punkt am Fuße der Berge. Etwas zwischen den Bäumen reflektierte das Mondlicht von Sekunda. 'Das, was dort so blinkt, ist der Schrein des Daedraprinzen Boethia...' Arranges wartete kurz, bis Erynn seinem Zeig gefolgt war, bevor er leise und sanft, als wolle er den Moment nicht stören, weitersprach: 'Boethia gilt als der daedrische, göttliche Vorfahre der Dunkelelfen... Durch seine göttliche Führung lösten sich die Chimer, die Ahnen der Dunmer, von den Altmern und gründeten so das Volk, dem du heute entstammst... Geführt vom Propheten Veloth schufen die Chimer eine Nation, welche sich durch ihr ganz selbstverständliches Bekänntnis zu den Daedra, so sehr von den anderen Vörlkern und Ländern Nirns abhebt... Boethia selbst ist der Schutzpatron der Assassinen, seine Sphäre ist die der Heimtücke und die des Verrats... jedoch zählt er zu den drei guten Daedra, da er laut Überlieferungen sein Volk liebt und immerzu versuchte und versucht, es vor Bedrohungen höherer Macht zu schützen... so jedenfalls heißt es... sein Beschwörungstag ist der zweite Tag des Sonnenuntergangs...'

  4. #4
    Erynn ertrug die dauernden Verzögerungen kommentarlos, wenngleich mit eindeutig nicht begeistertem Gesichtsausdruck. Hatte der Kaiserliche zuvor noch so viel Druck gemacht, konnte sie sich die ständigen Verzögerungen jetzt nur so erklären, daß er ihr zeigen wollte, wo seiner Meinung nach ihr Platz war. Sie verstand diesen letzten, häßlichen Ausbruch ihres Begleiters noch immer nicht so ganz, entwickelte aber eine plausibel erscheinende Vermutung, während sie in brütendem Schweigen durch die Wildnis stapfte: Sie waren sich doch recht nahe gekommen in letzter Zeit. Vielleicht zu nahe, als daß der eher einzelgängerisch veranlagte Mensch es noch ertragen konnte. Die Elfin nahm sich vor, in nächster Zeit etwas vorsichtiger damit zu sein, welche Fragen sie ihm stellte und welche Antworten sie gab. Dieser Kerl mochte alles andere als gute Gesellschaft für sie sein, aber trotz seines unberechenbaren Temperaments schätzte sie ihn längst viel zu sehr, als daß sie riskieren wollte, daß er sich wieder in sich selbst zurückzog. Bis zum frühen Abend, als sie ihr Lager an einer relativ ebenen Stelle in der steilen Erhebung aufschlugen, war ihr Zorn weitestgehend verraucht.
    Zweifelnd warf sie einen Blick auf die Strecke, die am nächsten Tag vor ihnen liegen würde. Bis hierher war alles schaffbar gewesen, wenngleich sich die Dunmer schon an mehreren, tückischen Stellen recht verkrampft an den Fels gekrallt und es das ein oder andere Mal ernsthaft bereut hatte, einen Blick nach unten geworfen zu haben. Weiter oben schien es aber noch um einiges steiler zu werden und Erynn begann sich ernsthaft zu fragen, wie sie sich dort fortbewegen sollte. In dem ungewohnten Gelände kamen ihre Bewegungen ihr jetzt schon ungeschickt und linkisch vor, und das ärgerte sie maßlos - vor allem aber konnte sie sich nicht die Blöße geben, das vor dem Beschwörer zuzugeben. Sie würde sich irgendwas einfallen lassen müssen, um über diesen Grat zu kommen.

    Sie grübelte darüber nach, während sie in die Flammen des Lagerfeuers starrte und der Himmel über ihr zusehends dunkler wurde. Durch diese Überlegungen ziemlich in Anspruch genommen, zuckte sie leicht zusammen, als Arranges plötzlich unerwartet aufstand. Automatisch tastete sie nach ihrem Bogen, entspannte sich aber sofort wieder. Zwar wußte sie nicht, was dem Kaiserlichen aufgefallen war, aber es schien zumindest keine unmittelbare Gefahr davon auszugehen. Etwas verwirrt, aber nichtsdestoweniger neugierig, kam sie seiner Aufforderung nach, als er sie mit einer Geste zu sich winkte. Leise trat sie neben den Nekromanten und hörte gebannt zu, während er sprach. Viel mehr als ein gelegentliches Aufflackern von Licht war in der Finsternis nicht auszumachen, aber dennoch blieben die Augen der Elfin fest auf diesen fernen Punkt geheftet. Nicht alles von dem, was Arranges sagte, war ihr neu. Ja, Boethia... ein Widerspruch in sich, wie es scheint, mit der harten Gnade und der entsetzlichen Liebe, die er für mein Volk bereithält. Ob jene, die da unten an dem Schrein versammelt sind, seine Motive wohl verstehen? Kann man das Wesen eines Daedrafürsten überhaupt verstehen, oder ist allein der Gedanke daran bereits vermessen...?
    Sie sollte sich eines Tages genauer damit auseinandersetzen. Normalerweise achtete sie nicht darauf und verschwendete auch keinen Gedanken daran, daß sie als Dunmer in Cyrodiil praktisch keine Vergangenheit hatte, aber jetzt, in diesem Moment, spürte sie ihre eigene Entwurzelung mit beinahe schmerzhafter Deutlichkeit. Sie blieb noch eine ganze Weile an dem Hang stehen, nachdem Arranges längst zum Feuer zurückgekehrt war. Irgendwann, als ihre Augen längst vor Anstrengung brannten, riß Erynn sich los. Wenigstens für eine kleine Weile sollte sie in dieser Nacht schlafen, wenn sie nicht riskieren wollte, am nächsten Tag fahrig vor Müdigkeit zu sein und womöglich noch aus der Felswand zu stürzen.
    Es fiel ihr nicht leicht, zur Ruhe zu kommen. Da war etwas mit den Daedra. Etwas, das tief in ihrem Wesen ruhte und in Momenten wie diesen an ihrem Herzen rührte. Etwas, das zu ihr gehörte, oder vielleicht auch zum Volk der Dunmer im allgemeinen. Und je länger sie unterwegs war, um diese Siegelsteine zu beschaffen, je mehr sie zu sehen bekam von den fremdartigen Welten von Oblivion, umso lauter verlangte dieses Etwas nach Aufmerksamkeit.

  5. #5

    Hame

    Sie brachen am nächsten Tag früh auf. Die Sonne war noch nicht hinter den Valusbergen aufgegangen, lediglich der graue Schimmer der Dämmerung im Osten, diente ihnen die ersten Stunden als Lichtquelle. Der Weg wurde zusehends steiniger und als die Sonne schließlich über die Gipfel der Berge stieg, hatten Arranges und Erynn die Baumgrenze erreicht. Bereits als sie losgelaufen waren, wurden sie nur noch von größeren Gruppen Kiefern umgeben, die sich an den Fels klammerten. Jetzt gab es nur mehr niedrige Nadelbüsche, die an die mächtigen Vertreter weiter unten erinnerten. Gras und Blumen wuchsen jedoch zu hauf. Die regelmäßigen kleinen Pausen vom Vortag setzten sich auch an diesem Tag fort.

    Der Nachmittag war bereits weit fortgeschritten. Auch das Gras uns vor allem die Blumen wichen stetig aber sicher zurück, bis die beiden schließlich bald nur noch umgeben von Geröll und weit verstreuten, einzelnen Grasstöcken umgeben waren. Arranges schätzte ihre Position jetzt etwa nordnordwestlich von Hame. Sie würden den Kamm nicht einfach überqueren, sondern versuchen, von oben, also östlicher Seite an die Ruine heranzukommen. Der Kaiserliche hatte am Vortag bereits abgewägt, welcher Weg sinnvoller wäre, aber so, wie er das Bild noch im Kopf hatte, wäre es unmöglich gewesen, den Steilhang, an den sich die Ruine lehnte, sicher von dem Kamm aus zu passieren.

    Mittlerweile hatten sie etwas flacheres Gelände erreicht. Der Ansatz, aus dem sich weiter unten der Kamm im Bogen nach Süden aus dem Gebirge heraus erstreckte. Die Bergflanken nach unten waren teilweise so steil, dass Arranges sich keinen richtigen überblick verschaffen konnte. Er sagte aber nichts zu Erynn, ihr war auch so anzusehen, dass sie sich bei der Kletterei schwer tat. Er selbst musste seinen Rüthmus erst lange suchen, bevor er wieder sichere Schritte setzen konnte, aber Erynn war so eine Art der Wanderung wohl eher nicht gewohnt. Ich vermisse ebenfalls den Komfort des Passes, den wir nach Morrowind genommen haben... Dachte er, als er einen schnellen Blick in das Gesicht der Dunmer warf. Er selbst bemühte sich sicher zu wirken, um der Elfe ein wenig Rückhalt zu geben.

    Obwohl es nocht nicht dunkel war und die Sonne wohl noch eine Stunde am westlichen Himmel stehen würde, bis sie den Horizont erreicht hätte, beschloss Arranges, dass sie auf dem ausladenden, relativ flachen Plateau rasten würden. Arranges versucht noch mehrmals eine brauchbare Orientierung zu bekommen. Aber alles, was er aus den unzähligen, waghalsigen Blicken über den Rand der Felsnase und hinauf zu den Gipfeln herausbekommen konnte, wusste zum Teil schon. Sie mussten sich irgendwo weit über Hame in nördlicher Richtung befinden. Der Weißgoldturm und die Jerallberge in der Ferne halfen bei der Orientierung nur herzlich wenig. Schließlich ließ der Magier es bleiben, es würde ja doch nichts helfen.

    Am nächsten Tag brachen sie wie auch schon davor, sehr früh auf. Allerdings mussten beide schon nach kurzer Zeit feststellen, dass ohne genügend Tageslicht kein Weiterkommen war. Die Hänge fielen bald schier senkrecht nach unten ab und nur zerklüftete Felsterassen erlaubten es ihnen wenigstens irgendwie ihren Weg zu finden. Nachdem auch diese Felsterassen immer weniger wurden, machte Arranges halt. Sie hingen in einer kleinen Einkerbung in ener Steilwand. Die Gipfel waren nach oben nicht einzusehen. Schauten sie nach unten, konnten sie im Süden vage das Tal des Panthers erkennen, während sich in ihrem Rücken der Fels auftürmte. 'Erynn, wir können so nicht einfach weiter. Hame muss sich irgendwo unter uns befinden... aber bevor wir den Abstieg wagen, sollten wir uns gegenseitig ein wenig sichern...' Die Dunmer war das Klettern alles andere als gewohnt, wie Arranges jetzt, da es wirklich nur noch mit Händen und Füßen funktionierte, deutlich bemerkte. Er Zog den schlanken, aber recht Langen Strick hervor, mit dem er Erynn damals an ihr Pferd gefesselt hatte. Nach einem kurzen Blick in ihr erschöpftes Gesicht, ging er wortlos vor ihr in die Knie und begann damit, das Seil fest, aber nicht abschnürend, um ihre Hüfte zu binden. das andere Ende band er um seine eigene Taille, nachdem er seinen Umhang abgenommen und zusammengerollt an seinem Gürtel befestigt hatte. Arranges versuchte immer einfache und nicht zu augesetzte Stellen zum Abstieg zu finden. Nicht nur einmal rutschten sie mehr über den Fels, als dass sie wirklich gezielt ihre Füße und Hände setzten. Der Magier ließ Erynn stets voranklettern, damit er sie im Notfall am Seil auffangen konnte. Er selbst war kein routinierter Bergsteiger, aber dennoch wusste er um die Tücken zerklüfteter Steilhänge.

    Nach einer schier nicht enden wollenden Kletterei, die arg an den Kräften zehrte, wurde der Abstieg endlich ein ganzes Stück einfacher. Während einer weiteren kurzen Verschnaufpause - Arranges hing relativ unbequem in in einer Felsspalte, während er Erynn soweit hinuntergelassen hatte, dass sie auf einem hervorspringenden Fels sitzen konnte, richtete er aufmunternd das Wort an sie: 'Wir haben es fast geschafft. Der Hang sollte bald abbrechen und eine Art Nische in der Flanke des Berges bilden... In dieser Nische müsste sich Hame befinden...' Er blickte prüfend in die Sonne. Sie lagen gut in der Zeit. Es würde vielleicht noch zwei oder drei Stunden dauern, bis sie die Ruine erreicht hätten und dann dürfte bereits auch wieder die Dämmerung einsetzen.

    Wie Arranges versprochen hatte, wurde das Gelände bald wieder sehr viel einfacher. Eine letzte Biegung noch und man konnte von schräg oben herab, die Ruine einsehen. Um das Bauwerk war sogar wieder ein wenig Grün zu sehen. Wie ein stiller Zeuge vergangener Zeit, schmiegte sich das Bauwerk an den Berg und überblickte die gesamte Nibenay. Der Nekromant beschloss auch schon nach einigen weiteren Metern, dass es das Seil nicht mehr brauchte. Knapp eine Stunde später standen sie auf dem Sockel des Turmes, der praktisch die komplette Ruine darstellte. Direkt an den Rand des kleinen Plateaus gebaut, konnten sie beide von der Ayleidenruine aus, in den ungetrübten Sonnenuntergang schauen, während die feuerrote Scheibe im Westen versank und zum letzte Gruße den Himmel in ein geradezu atemberaubendes Purpur tauchte.
    Geändert von weuze (26.04.2011 um 13:40 Uhr)

  6. #6
    Die Elfin ließ sich einfach auf den Kalkstein der Ayleidenruine fallen, dankbar, die Kraxelei über den Kamm unbeschadet überstanden zu haben, ohne sich auch nur einmal zu beklagen. Seit Hame in Sicht gekommen war, hatte der Anblick der weißen Steine ihr die Ausdauer verschafft, einfach weiterzulaufen, doch jetzt, da die Etappe hinter ihr lag war ihr, als könne sie keinen einzigen Schritt mehr tun. Von den ungewohnten Bewegungen brannte jeder Muskel in Armen, Bauch und Beinen wie Feuer. Für den Moment war sie völlig zufrieden damit, still dem Sonnenuntergang zuzuschauen, der den Himmel über ihnen in Brand setzte.
    Stumm teilten die beiden Reisenden diesen Augenblick voller Schönheit. Es mochte das letzte Mal sein, daß sie das Abendrot sah, schoß es der Dunmer durch den Kopf. Wer konnte schon sagen, ob sie das Obliviontor morgen fanden und ob es ihnen vergönnt sein würde, es wieder zu verlassen.
    Sie schob die Überlegung beiseite. Sich Gedanken über die Fäden der Schicksalsweberin zu machen, war ohnehin müßig. Nach einer Weile, wärend der das Rot des Himmels mehr und mehr einem dunkler werdenden Blau gewichen war, gelang es Erynn die Energie aufzubringen, sich ein wenig umzusehen. Sie ging langsam über die alten, sauber behauenen Steinblöcke, folgte mit den Augen dem Schwung des einzigen kühnen, filigranen Spitzbogens, der noch erhalten war. Ihr Blick glitt weiter, über den Wald unter ihnen und dann weiter die mächtige Flanke der Valusberge entlang. Dem Gebirge wohnte eine gewisse Schönheit inne, ohne Zweifel, aber sie selbst gehörte definitiv eher unter das Blääterdach des Großen Forstes oder in die Westebene als in diese kalten, zugigen Höhen. Die Elfin wollte sich gerade abwenden, als sie etwas aus dem Augenwinkel wahrnahm. Oberhalb ihres Standortes glaubte sie, eine dünne Rauchfahne auszumachen, die sich nur sehr schwach gegen den Himmel abhob. Sie konzentrierte sich und sah genauer hin. Tatsächlich. Eine Wolke war es jedenfalls nicht. „Arranges! Schau mal, da oben.“ Mit ausgestrecktem Arm deutete sie auf den feinen Rauchschleier. „Vielleicht ist dort das Tor, das wir suchen.“

  7. #7

    Valusberge; Obliviontor, östlich von Hame

    Arranges nahm den Hinweis von Erynn nickend zur Kenntnis. Sie würden wohl nachsehen müssen, ob die Rauchsäule den Standort für das dritter Tor markierte, von dem Harchaxas ihnen erzählt hatte. Sie beschlossen aus dem wenigen Buschholz, das sie finden konnten, Fackeln zu binden, anstatt damit ein Feur zu machen... Die Facklen würden sie am nächsten Morgen für den Anstieg brauchen, wenn die Sonne noch nicht über die Gipfel der Valusberge aufgestiegen sein würde. Arranges musterte etwas missmutig die Felswand, die sie am nächsten Tag hinaufklettern würden. Im groben Vergleich zu dem, was sie bis jetzt hinter sich gelassen hatten, würde ihnen das hier wohl alles abverlangen. Und Erynn scheint bereits am Ende ihrer Kräfte zu sein... Arranges würde sich etwas überlegen müssen, um sie ohne Absturz da hinaufbuxieren zu können. Währe es wenigstens eine Rinne gewesen, hätte ich sie ja noch tragen können, aber diese Felswand ist komplett ausgesetzt, tragen oder etwas in dieser Richtung ist absolut ausgeschlossen... Verdammt! Der Magier, wie auch die Kriegerin fanden in dieser Nacht nur unzureichend Schlaf. Der Kaiserliche zerbrach sich die ganzen Stunden über, die er Wache hielt, den Kopf darüber, wie sie diese Felswand am einfachsten hinaufkommen konnten.

    Der nächste Morgen zerstörte jede Hoffnung auf ein einfaches Weiterkommen. Es war disig und die Felsen glitzerten leicht. 'Na großartig, jetzt ist die Wand nicht nur mehr abartig steil, sondern auch noch nass und glitschig...' Maulte Arranges, während er sich das Seil wieder um die Hüfte band und dann Erynn aus dem Halbschlaf weckte. Trotz dem Wiederwillen, den die Dunmer ganz eindeutig zeigte und Arranges sie erst mit ein paar wenig netten Worten darauf hinweisen musste, dass er ihr das Seil selbst anlegen würde, verknotete er den Strick vor ihrem Bauch und kontrollierte kurz, ob der Knoten eventuell ruckartigem Zerren auch standhalten würde. Dann machten sie sich daran, die Felswand zu erklimmen.

    Arranges hatte die drei provisorischen Fackel alle an seinem Gürtel hängen. Er ging voran. Er hatte erst überlegt, Erynn vorausklettern zu lassen, aber anders, als wenn er sehen konnte und sogar musste, wohin sie lief, während sie über steile Geröllhalden hinwegstiegen, war es hier besser, wenn sie unter ihm kletterte. Das hatte den Vorteil, dass ihr Gewicht, sollte sie aus der Wand fallen, ihn nicht mitzerren konnte, da das Seil im Idealfall sowieso fast spannte. Die Kriegerin würde somit keinen nennenswerten Fall haben und schlicht an dem Seil baumeln, bis sie wieder Halt gefunden hätte. Der untere Teil der Felswand war noch nicht wirklich senkrecht, sodass der Anstieg auch mit einer Hand zu schaffen war. Mit der anderen Hand balancierte der Magier die Fackel, während er versuchte seine Augen überall gleichzeitig zu haben: Dort, wo er hintrat und sich festhielt, nach oben, nach unten und bei Erynn um zicher zu gehen, dass sie keinen falschen Tritt tat. Sie hatten gut ein Drittel der Wand geschafft, als die Sonne endlich über den Bergen im Osten aufging und das Land erhellt, sodass keine Fackeln mehr nötig waren. Nicht unbedingt zu spät. Das dürre, verkrüppelte Reisig brannte viel zu schnell herunter und gerade, als die Sonne aufgegangen war, war die letzte Fackel bereits wieder zur Hälfte verbrannt. Arranges schaute sich einen Moment suchend nach der hellen Scheibe am Himmel um. Nachdem er den Sonnenstand bestimmt hatte und somit die grobe Uhrzeit, klopfte er die Fackel am Fels aus und hängte sie sich wieder an den Gürtel. Der weitere Weg hinauf wurde deutlich einfacher mit dem stetigen Sonnenlicht. Es musste früher Nachmittag sein, als Arranges sich plötzlich einem leichten Überhang gegenüber sah, der von unten nicht zu erkennen gewesen war. Verfluchte Scheisse... Der Kaiserliche lehnte sich ein Stück aus der Wand heraus um so weit wie möglich nach beiden Seiten blicken zu können, aber so wie es aussah, stellte der Überhang den Rand eines kleinen Plateaus dar. 'Verdammt...' Knurrte er. Ein kurzer Blick nach unten verriet ihm, dass Erynn wohl bemerkt hatte, was ihn gerade ärgerte. 'Das wird ein wenig heikel, wir müssen einen leichten Überhang erklimmen... wir machen das am besten so, dass ich vorauskletter und dich dann hochziehe...' Erynn blieb kaum etwas anderes übrig, als dem Vorschlag zuzustimmen, beide hingen sie seit bald mehr als 5 Stunden in der beinahe senkrechten Felswand und alles, was die Aussicht auf ein Ende dieser grausigen Kraxelei bot, war sowohl der Kriegerin, als auch dem Magier mehr als recht. Erynn kletterte neben Arranges, sodass er so viel Seil wie möglich hatte um hochzukommen. Es dauerte eine Weile, bis der Nekromant einen Ansatz gefunden hatte, an dem er sich um den Fels hangeln konnte. Er verkrallte sich regelrecht in das Gestein, als er einen Halt an der Kante des Überhangs gefunden hatte und sich dann mit den Füßen von der Felswand löste. Für einige Sekunden baumelte er in der waghalsigen Höhe, bevor er sich keuchend und schnaufend nach oben zog. Nur nicht zu viel zappeln und vor allem kein Fehlgriff... Endlich lag er mit dem Oberkörper auf dem sicheren Fels. Er musste erst einige Male tief ein- und ausatmen, bis er sich wieder von diesem Kraftakt erholt hatte. Wenn ich gewusst hätte, dass mein Panzerhemd tatsächlich so schwer ist, hätte ich längst auf Schildzauber umgestellt... Während er sich auf die Knie wuchtete, ließ er den Blick kurz umherschweifen. Es war, wie er vermutet hatte. Eine große, recht flache Geröllhalde breitete sich vor ihm aus. Im Norden und Süden wurde das Steinfeld schnell wieder steiler, während sich die Furche, welche unten das Tal bis zum Panther hinab bildete, hier oben flach fortsetzte und im Osten in einen mächtigen Gipfel überging, der aber nicht mehr zu sehen war, da sich weiter oben dicke, graue Wolken um die Spitze des Bergs drängten. Von seinem Standpunkt aus gesehen, schraubte sich in der rechten Kerbe, in die dieser Berg abfiel, eine Rauchsäule in den Himmel. Dort muss das Tor sein...

    *Erynn?' Rief Arranges über den Rand des Plateaus. Eine schwache, aber deutliche Antwort kam von unten herauf. 'Wenn ich es dir sage, stößt du dich leicht von der Felswand ab und sieh zu, dass du ordentlich in der Seilschlinge sitzt...' Wieder nur eine schwache, aber wohl sehr unsichere Antwort. Der Kaiserliche konnte ihren Unmut nur zu gut verstehen, ihm war zuvor auch nicht ganz wohl gewesen, als er das Gefühl hatte, an einer glitschigen Wolke, direkt über der Nibenay zu hängen. Er stellte sich möglichst breitbeinig, so hin, dass er nicht mit den Füßen wegrutschen konnte. Als er überall sicheren Halt hatte, brüllte er nach unten: 'JETZT!' Nach einem kurzen Zögern bemerkte er, wie plötzlich ordentlich Zug auf das Seil kam. Er musste sich heftig dagegenstemmen und gegen die Pendelbewegungen steuern um nicht einfach hinabgerissen zu werden, aber schließlich kam Erynn, mithelfend, so gut es ihr möglich war, Stück für Stück über den Rand des Überhangs. Sie zeigte eine ähnliche Reaktion wie er. Erst nach einer Weile stemmte sie sich hoch und kam keuchend neben ihm zum Stehen. 'Dort...' Arranges deutete auf die Rauchschwaden. Nach einer weiteren kurzen Verschnaufminute, machten sie sich von dem Seil los und bewegten sich über das ihnen jetzt wie eine ordentlich gepflasterte Straße vorkommende Geröllfeld auf den vermeindlichen Standort des Tors zu...

  8. #8

    Valusberge => Oblivionebene

    Bisher hatte Erynn die Berge nicht gemocht, weil es ab einer gewissen Höhe dort immer irgendwie kalt war. Mittlerweile haßte sie diese übertriebenen Anhäufungen von Gestein einfach für die Tatsache, daß sie existierten. Mehrmals verlor sie unterwegs fast den Halt, nicht nur, weil der Fels schlüpfrig vor Nässe war, sondern auch, weil ihr in ihrer Linken tatsächlich einiges an Stärke fehlte. Normalerweise nahm sie das kaum mehr wahr, aber hier, wo sie jedes bißchen Kraft brauchte, das in ihren Fingern steckte, trat die Einschränkung doch recht deutlich zutage.
    Endlich aber lag sie mit zitternden Muskeln am Rande des Felsplateaus und konzentrierte sich für eine Weile darauf, nur zu atmen. Als sie wieder Luft genug dafür hatte, verlieh sie ihrem Unmut durch einige kreative Flüche Ausdruck. „Ich mag den schrägen Humor deines Druidenfreundes immer weniger, Arranges“, setzte sie hinzu. „Diese Tore tun sich an allen möglichen Orten auf. Als ob nicht einer dabeigewesen wäre, der weniger schwer zu erreichen gewesen wäre...“
    Schließlich raffte sie sich auf, löste den Knoten des Seils um ihre Taille und warf dem Beschwörer das lose Ende zu zu. Das Brennen in ihren Armen ließ so langsam nach, so daß sie sich wieder imstande fühlte, sich mit irgendwelchen Kreaturen aus den Oblivionebenen anzulegen.
    Aus der dünnen Rauchfahne, die sie gestern Abend hatten sehen können, war beim Näherkommen eine recht imposante Säule geworden, die erst ein gutes Stück über dem Boden merklich zerfaserte. Sie hatte eine leicht ungesunde Farbe, ein bißchen wie gequetschtes Fleisch. Erynn glaubte außerdem, aus der Richtung ein leises Donnergrollen vernehmen zu können. Es konnte jetzt kaum mehr ein Zweifel bestehen, daß sie tatsächlich ein weiteres Portal zu den Totenlanden gefunden hatten.
    Der Boden, auf dem sie jetzt standen, war von rutschigem Geröll übersäht, aber doch nahezu eben, wie Erynn erleichtert feststellte. Die losen Steine machten ihr nichts aus – es war ein bißchen so, wie sich durch das Unterholz eines Waldes zu bewegen. Ihre Füße fanden fast instinktiv die sicheren, festen Stellen.
    Je mehr sie sich der Stelle näherten, von wo der Qualm aufstieg, um so weniger kalt kam der Dunmer der Wind vor, der hier oben wehte. Zuerst dachte sie es läge daran, daß ihr von der Kletterei und vom Laufen so warm geworden war, aber je weiter sie gingen, um so schwüler und drückender wurde die Luft. Das Grollen war jetzt recht laut zu hören und die Farbe des Himmels änderte sich. Zunächst schien es, als zöge die Abenddämmerung herauf, was zeitlich auch ungefähr hinkommen mochte, aber bald schon wurde die gesamte Umgebung in ein düsteres, rötliches Licht getaucht. Weit über ihnen zuckten einzelne Blitze, und es war finster genug, daß man trotz des erst frühen Abends die Sterne recht deutlich sehen konnte.

    Sie bogen gerade um einen großen Felsblock, als das Tor in Sicht kam. Für Erynn war der Anblick noch immer überwältigend. Breite, elegante Dornen umgaben das eigentliche Portal wie eine martialische Krone. Kein Daedra war im näheren Umkreis zu sehen Allerdings, warum auch? fragte die Elfin sich. Hier gibt es nichts und niemanden, was man im Auge behalten müßte... Außer uns, heißt das. Unwillkürlich warf sie einen kurzen Seitenblick auf ihren Begleiter. Es war nicht zu übersehen, daß Arranges die Hitze schon wieder zu schaffen machte, während sie auf Erynns gequälte Muskeln eher entspannend wirkte. Aber warum, zum Donner, öffnen sie ein Portal hier oben, mitten im Nirgendwo? Was ergibt das für einen Sinn? Sie schob den Gedanken beiseite und konzentrierte sich auf das, was vor ihr lag. Wer konnte schon sagen, welche Gründe Daedra für ihr ihr Tun haben mochten.
    Kaiserlicher und Dunmer sahen sich kurz gegenseitig an, dann traten sie durch die Verwerfung in Mehrunes Dagons Reich. Erynn sparte sich diesesmal die Mahnungen betreffend der Frage, wer denn nun sagte, wo es in der Oblivionebene langging. Es würde ohnehin zu nichts führen, auch wenn sie nach wie vor der Überzeugung war, einfach den besseren Überblick zu haben.
    Die Desorientierung ließ nach, und die Dunmer fand sich auf mittlerweile fast vertraut wirkendem, schlackeartigem Untergrund wieder. Ein schmaler Pfad aus einst geschmolzenem und wieder erstarrtem Gestein schlängelte sich zwischen unzähligen Lavatümpeln hindurch. Harradaranken wuchsen hier und dort, aber sonst konnte sie auf den ersten Blick kein lebendes Wesen entdecken. In ziemlicher Entfernung, verschwommen durch die vor Hitze flirrende Luft, konnte sie drei Türme ausmachen. Die zwei vorderen waren durch eine Brücke in schwindelerregender Höhe verbunden, ähnlich wie im ersten Tor, das sie betreten hatten. Als Dreveni dabei war. Erynn betrachtete das mit Geröllbrocken und Mauerresten übersähte Gelände, das zwischen ihen und den Türmen lag, und wünschte sich für einen Herzschlag lang, die reaktionsschnelle Dunkelelfin bei sich zu haben. Selbst, wenn hier jetzt noch alles ruhig schien, konnte in den nicht einsehbaren Schatten und Winkeln so ziemlich alles lauern...
    Geändert von Glannaragh (30.04.2011 um 21:11 Uhr)

  9. #9
    Arranges hatte wie auch die letzten beiden Male, das Gefühl, gegen eine Wand aus brennendem Fels zu laufen. Er brauchte erst nochmal einen Moment, bis er sich einen brauchbaren Überblick mverschaffen konnte. Er keuchte einmal hörbar auf oder war es vielleicht auch ein Seufzen... Er warf der Dunkelelfe einen kurzen Seitenblick zu. Sie störte die Hitze nicht im Geringsten. Kein Wunder, sie ist ja auch resistent dagegen... ein bisschen wie gegen Intelligenz... Er wischte sich mit der Hand nochmal übers Gesicht, was herzlich wenig brachte, da praktisch direkt im selben Moment wieder Schweiß vom Haaransatz nachrann. Dann stapfte er ohne etwas zu sagen los. Mit schweren Schritten folgte er dem Pfad, der sich durch die Lavalöcher schlängelte. Sie waren vielleicht ein paar Minuten unterwegs, als der Kaiserliche plötzlich stehen blieb und sich aufmerksam umschaute. Die Felsen und Mauerreste wurden immer größer, je näher sie den drei Türmen kamen. Irgendetwas einzelnes läuft uns nach... oder spielt mir die Hitze einen Streich?! Während er die eine Hand dirigierend zur Hilfe nahm um einen Zauber zu sprechen, legte er die andere Hand auf den Schwertgriff. Nicht zu fassen, die Temperaturen schlagen mir schon so sehr aufs Gemüt, dass ich wie ein Anfänger mit Händen und Füßen zaubern muss... Der magische Impuls rollte weitläufig über die Totenlande hinweg und tastete nach allen lebenden Objekten, die seiner Macht unterlegen waren. Arranges vorschte innerhalb dieser erweiterten Wahrnehmung, konnte aber dann doch nichts Auffälliges entdecken. Sie setzten ihren Weg fort zu den drei Türmen. Der Magier hielt den Zauber den ganzen Weg über, bis sie die kleine Anhöhe erreicht hatten, auf der die Türme standen. Das heißt vielmehr zwei der Türme. Der dritte stand auf einem zweiten Sockel etwas abseits. Zwischen diesem und einem der zwei anderen Türme spannte sich eine schmahle Brücke in luftiger Höhe. Aufmerksam die Brücke und die restliche Umgebung im Blick behaltend, näherten sie sich den Bauten. Aber seltsamerweise war nicht das geringste Anzeichen von Feinden zu erkennen. Der Hügel mit den zwei Türmen war wie es schien, vom Rest der Ascheinsel abgetrennt. Seine Hänge waren nicht besonders steil und reichten auch nicht hoch, aber dafür waren sie mit unzähligen, hervorspringenden Dornen gespickt. Es war auch nach aufmerksamerer Betrachtung nicht möglich, dort einen Weg hinauf entdecken zu können.

    Ihnen blieb nichts anderes übrig, als in den Turm einzudringen, der allein stand und sich über die Brücke mit den beiden anderen verband. Der Turm war um ein Vielfaches kleiner als jene, in denen man die Siegelsteine finden konnte. Eine steile Rampe schraubte sich an den Innenwänden nach oben. Auch hier war nichts zu spüren, das auf die Anwesenheit von Daedra hindeutete. Arranges wurde die ganze Sache immer suspekter, Entweder die Daedra setzen hier oben tatsächlich auf die Abgeschiedenheit der Berge oder aber wir sind gerade auf dem besten Wege, in einen Hinterhalt zu laufen... Aber jede Überlegung half nichts, sie mussten versuchen in den Siegelturm zu gelangen. Und auch der Zauber, den Arranges noch immer hielt, zeigte keinerlei Feinde an. Sie gingen vorsichtiger als sowieso schon, den Turm nach oben. In der Spitze konnte man einige frei hängende Käfige erkennen, die von der Größe her bequem Platz für einen großen Ork boten. Der Magier schenkte ihnen keine weitere Aufmerksamkeit, er war viel zu sehr damit beschäftigt, vor lauter Hitze nicht aus den Stiefeln zu kippen und gleichzeitig auf den Zauber zu achten.

    Als sie auf die Brücke hinaustraten, beschlich beide ein merkwürdiges Gefühl. Jedenfalls kam Arranges sich vor wie auf dem Präsentierteller. Die Brücke selbst schien allerdings stabil zu sein und war gut anderhalb Schritte breit. Ohne irgendetwas, das Feinde ankündigte oder anzeigte, überquerten sie die Mitte der Brücke und plötzlich begann das magische Feld, welches Arranges um sie herum gespannt hatte, am äußersten Rand hinter ihnen zu flimmert und wurde nur einen Herzschlag später, einfach zerstört. Erschrocken drehte sich Arranges herum. Erynn folgte seinem Blick. Ein geradezu riesiger Xivilai war in die Tür getreten, durch die sie auf die Brücke gelangt waren. Ich wusste es... 'Geh zur Seite... und sie zu, dass du vielleicht den Siegelstein erreichen kannst...!' Knurrte Arranges und schob sich an Erynn vorbei. Hinter der massigen Gestalt des Daedra glaubte Arranges noch zwei oder drei Dremora zu sehen, die jetzt unrealistisch große Bögen zur Hand nahmen und wohl auf einen Befehl oder ein Zeichen warteten. Das Xivilai kam währenddessen mit langsamen Schritten auf Arranges zu. Na das wird lustig... Arranges zog sein Schwert und begann damit, mit der anderen Hand einen Zauber vorzubereiten. 'Sie zu, dass du hier wegkommst, Erynn!' Doch bereits als er ihren Namen sprach, wurde das kleine Tor auf der anderen Seite der Brücke aufgerissen und ein mehr als aggressiv wirkendes Daedroth kam zum Vorschan. Der Kaiserliche warf einen flüchtigen Blick über die Schulter und erstarrte. 'Verfluchte Scheisse!' Ein Adrenalinschub schoss durch seine Adern und er wechselte blitzschnell den Zauber. Ein Caitiff trat aus einer gleißenden Kaskade vor Erynn und stellte sich, den breiten Schild hoch erhoben, vor die Dunkelelfe. Arranges selbst hüllte sich nur eine Sekunde später ebenfalls in einen daedrischen Panzer.

    Na dann mal los, eure verdammten Brüder haben es bis jetzt auch nicht geschafft, mich am Erreichen der Siegelsteine zu hindern...

  10. #10
    Verflucht! Ich hab es kommen sehen! Wo auch sonst hätten die Daedra sie besser stellen können als hier? Sie jedenfalls hätte es genau so gemacht. Bis zuletzt hatte Erynn gehofft, daß es ihnen vielleicht erspart bleiben möge, diese schmale, den Abstand zwischen den beiden Türmen in schwindelerregender Höhe überspannende Brücke überqueren zu müssen. Zumal spätestens seit der Kletterpartie zu diesem Tor hin kein Zweifel mehr bestehen konnte, daß sie ab einer gewissen Entfernung zum Boden nicht mehr ganz sicher auf den Füßen war.
    In dem Moment, als der Kaiserliche sich an ihr vorbeischob, erschrak sie ziemlich und ließ sich instinktiv auf ein Knie sinken, um ihren Körperschwerpunkt weiter nach unten zu verlagern.
    ...und du willst alles allein aufhalten, was hinter uns herkommt, was? Großartige Idee, Arranges! Das funktioniert bestimmt... Die Elfin hielt diesen Plan für mehr als zweifelhaft. Trotzdem warf sie einen raschen Blick über die Schulter, als der Xivilai Anstalten machte, sich ihnen zu nähern. Hinter ihm gingen mindestens zwei Langbogenschützen in Stellung. Vielleicht konnten sie zum anderen Ende der Brücke zurückweichen und sich dem Ungeheuer auf weniger unsicherem Boden stellen. Statt auf das Portal zum zweiten Turm jedoch blickte sie direkt in die echsenartige Visage eines Daedroth.
    Erynn vollendete ihre Drehung, legte einen Pfeil auf, zielte auf den Echsendämon und fluchte, als wie aus dem Nichts ein Dremora vor ihr erschien. Das Biest materialisierte sich mitten in der Schußlinie. Natürlich. Sie haßte es, wenn der Beschwörer so etwas tat. Es war genauso schlimm wie die Unsitte, sie mitten im Kampf zur Seite zu stoßen. Auch das war ihm einfach nicht auszutreiben. Langsam entspannte sie die Sehne wieder und richtete sich aus ihrer knienden Haltung zum Stehen auf, um überhaupt freie Sicht zu haben. Der Caitiff stürmte unterdessen vor. Erynn feuerte über den Kopf des beschworenen Daedra hinweg, erwartete dabei halb, daß ein Dremorapfeil sie selbst in Nacken oder Hinterkopf treffen und diese Reise sehr plötzlich und endgültig beenden würde. Was für eine Art zu sterben wäre das, fragte sie sich plötzlich und fühlte sich für einen Moment lang, als stehe die Zeit still. hier, mitten auf dieser Brücke, ohne es wirklich kommen zu sehen? ...andererseits, gäbe es denn einen besseren Ort dafür als diesen? Dann könnte ich einfach hierbleiben, müßte nie wieder weg aus den Totenlanden und weder die Gathering noch die Abtrünnigen könnten jemals über mich verfügen... eigentlich wäre das keine schlechte Lösung.
    Die Dunmer schüttelte sich, als würde sie aus einem Traum erwachen. Sie hatte die Hand mit dem Bogen sinken lassen, stellte sie fest. Der beschworende Caitiff hatte den Daedroth mittlerweile erreicht und drosch wild auf das Echsenwesen ein, blockte immer wieder Hiebe der mächtigen, gekrümmten Klauen und wich dem zustoßenden Maul aus. Was machst du dir nur für Gedanken, Mädchen? schalt Erynn sich selbst und legte wieder auf das Wesen an. Auf die Entfernung war es eigentlich kaum zu verfehlen, zudem war es durch seinen massigen Leib auf der schmlen Brücke praktisch zur Bewegungslosigkeit verdammt. Solange der Dremora zwischen ihr und der Kreatur stand, konnte ihr aus dieser Richtung kaum etwas geschehen. Sie zielte auf den Kopf, doch es brauchte tatsächlich mehrere Pfeile bis einer darunter war, der die starken Schädelknochen durchdrang. Der Caitiff geriet immer stärker in Bedrängnis, als der Echsendämon die Bogenschützin schließlich als ernsthafe Bedrohung wahrnahm und versuchte mit immer rasender werdeneden Angriffen, den Dremora aus dem Weg zu räumen. Dann hielt es plötzlich inne, als frage es sich, was es hier eigentlich tue. Langsam, ganz langsam kippte der massige Körper, blieb für ein paar Herzschläge langnoch an der Dornenverzierung des schmalen Stegs hängen, bevor er von seinem eigenen Gewicht in die Tiefe gezogen wurde. Das Reißen von Fleisch war zu hören, dann fiel der Daedroth außer Sicht.
    Erynn fuhr zu dem Kampf herum, der in ihrem Rücken stattfand, suchte ein Ziel während sie ihrem Begleiter zuschrie, daß er langsam zum zweiten Turm zurückweichen solle. Sie mußten von dieser verfluchten Brücke runter, so schnell wie möglich!

  11. #11
    Hinter sich hörte Arranges, wie der Kampf zwischen dem Caitiff und dem Daedroth endbrannte. Das Monstrum, dem er selbst gegenüberstand, konnte wohl sehen, was in seinem Rücken vor sich ging. Der Xivilai zögerte noch einen Moment, ehe er viel zu plötzlich auf den Magier losstürmte. Der darauffolgende Kampf war alles andere als normal. Während der Daedra mit dem Zweihänder, den er mit nur einer Hand schwang unbarmherzig auf Arranges einschlug, versuchte der Nekromant seinerseits möglichst unbeschadet zu blocken oder auszuweichen. Beides gelang ihm meist mehr schlecht als recht. Aber mit der freien Hand konnte er seine Magie weben und ließ keine Gelegenheit ungenutzt, seinem Wiedersacher ein arkanes Geschoss entgegen zu werfen, welches nach und nach immer mehr der Lebensgeister des Dämons pulverisierten. Allerdings war es eine lächerlich lange Zeitspanne, die der Kampfmagier wirklich all sein Können mit der Klinge ausspielen konnte. Schon bald merkte er, wie ihm die Hitze wieder zu schaffen machte, während sie den Daedra eher noch stärkte. Funken stoben von den Waffen, jedes Mal, wenn sie mit so brutaler Gewalt aufeinander schlugen, dass Arranges jeden Moment fürchtete, dass eines der beiden Schwerter augenblicklich bersten würde.

    Arranges war seit einer gefühlten Ewigkeit dabei, nur noch zurück zu weichen, als ihn Erynns Stimme erreichte. Er wagte es nicht, einen Blick über die Schulter zu riskieren, begann aber das Tempo, mit dem er Schritt für Schritt rückwäts ging, etwas zu erhöhen. Nach vielleicht 5 Schritten hatte der Xivilai den Grund und das Problem wohl erkannt. Mit einem Mal nahmen seine Hiebe an Härte nochmals zu und im nächsten Moment raste unbarmherziger Schmerz durch den Schwertarm des Kaiserlichen. Seine Ohren schmerzten von dem hohen Pfeifton, den der kreischende Zusammenprall der beiden Waffen, verschuldet hatte. Für einen kurzen Augenblick starrte Arranges auf das zerfranste Stückchen Silber, das gerade noch die Klinge gebildet hatte, von der er jetzt nur noch den Griff in der Hand hielt. Den Rest hatte das Ebenholzschwert des Xivilai hinfortgerissen. Das zweite Schwert, dass ihr Hundesöhne mir zerstört habt... Mit einem Satz rettete sich Arranges vor dem erneut heransausenden Bidenhänder. Das kann ich auch... Entschlossen und die Klinge bereits zum nächsten Streich erhoben, trat das Monster auf ihn zu, als Arranges plötzlich fallen ließ, was noch von seiner Waffe übrig war. Beide Arme vorgestreckt, blieb er reglos vor seinem Gegner stehen. Die Klinge raste heran und... zersplitterte plötzlich in so viele kleine, glühende Teilchen, dass es aussah, als würden Sterne vom Himmel regnen. Die leere Faust vollführte die weitere Bewegung des Schwerthiebs. Die nur den Bruchteil eines Lidschlags später folgende Reaktion, nachdem der Daedra begriffen hatte, dass sich seine Attacke buchstäblich in Luft aufgelöst hatte, zeichnete sich durch zorniges Brüllen und einen Faustschlag aus, den Arranges schlicht nicht kommen sah. Die Wucht, mit der der Kaiserliche getroffen wurde, wurde größtenteils von dem beschworenen Kronenhelm abgefangen, aber dennoch wirbelte der Magier herum und flog einige Meter durch die Luft. Hart schlug er mit dem Rücken auf der Brücke auf. Er ist wütend... sehr schön...

    'Ery...' Der Ruf, welcher seine Begleiterin eigentlich erreichen sollte um sie auf den jetzt für einen kurzen Moment vermutlich sehr gut angreifbaren Xivilai aufmerksam zu machen, erstarb, als das Monster ihn mit solcher Gewalt in die Seite trat, dass ihm kurz Schwarz vor Augen wurde. Er spürte, wie er von der Wucht zur Seite fast mehr flog als rollte und plötzlich war der Boden weg... Instinktiv griff der Beschwörer nach oben und bekam einen der Dornen zu fassen, die die Brücke zur Seite hin abschlossen. Mit einem Ruck, der sich schmerzhaft in seinem Arm niederschlug, wurde sein Fall gebremst. Ungläubig blickte der Nekromant nach oben und eine Sekunde später nach unten. Bei dem alten Fleisch, das an meinen Rippen haftet, bringt Abhängen auch nichts mehr... Dachte Arranges grimmig und knurrte in seinem Helm vor sich hin. Wieder wanderte sein Blick nach oben und sogleich erschrak er. Über den Rand der Brücke gebeugt, stand der Xivilai und machte gerade Anstalten, auf den Dorn einzustampfen, der im Moment das Überleben des Kaiserlichen sicherte. 'Oh nein, wenn, dann kommst du mit!' Brüllte Arranges plötzlich und reckte die freie Hand nach oben. Er sammelte alles, was er noch irgendwie an magischer Kraft aufbieten konnte und kanalisierte es mit einem Schlag in den Zauber, den er gesprochen hatte. Und anstatt, dass der Fuß, seine Kraft darauf entlud, den Dorn loszutreten, wurde er in einem ungesunden Winkel nach oben gebogen. Der Xivilai verlor plötzlich selbst das Gleichgewicht und geriet arg ins Schwanken. Ein letzter Ruck des Fußes in Arranges Richtung und dann stürzte der Daedra selbst mit lautem Brüllen über den Rand der Brücke. Daedra scheinen wohl doch nicht so magieimmun zu... Schmerz, der sich anfühlte, als würde Arranges in der Mitte außeinandergerissen werden, stoppte seinen Gedankengang. Er blickte reflexartig nach unten und sah, wie einerseits dieses Monster sich mit aller Gewalt in einen seiner Füße verkrallt hatte und andererseits, wie sich die Welt ringsum nach hinten oder besser nach oben, verschob... Der Ruck und das Gewicht des Gegners hatten ihn so überrascht, dass er im selben Moment die Brücke losgelassen hatte, ohne es bewusst zu merken. Der Daedra hatte wohl ebenfalls begriffen, dass das das Ende des Kampfes für beide war und löste sich wie automatisch vom Bein des Magiers...

    Mit wehendem Umhang, der sich jetzt befreite, da Arranges die beschworene Rüstung aufgelöst hatte, stürzte er in die Tiefe, während er einen letzten Blick nach oben zu Erynn warf, deren Umrisse über dem Rand der Brücke viel zu schnell kleiner wurden...

  12. #12
    Erynn sah die Ereignisse mit unnatürlicher Klarheit. Ihr Begleiter wurde zurückgeschleudert und im nächsten Augenblick durch einen Tritt von dem Xivilai von der Brücke gestoßen. Sie schoß einen Pfeil auf den menschenähnlichen Daedra ab, der jedoch fehlging, als das Wesen plötzlich strauchelte und seinerseits in die Tiefe stürzte. Die Elfin stürmte zum Rand der Brücke und ließ sich auf die Knie fallen. Fassungslos sah sie mit an, wie sowohl das Ungeheuer als auch ihr Begleiter fielen. Es war, als drücke ihr eine erbarmungslose Faust das Herz in der Brust zusammen. Es war anders als in der Kammer unter dem zerstörten Anwesen in Valenwald. Diesesmal gab es kein langes Bangen und Hoffen. Es war vorbei – es mußte so sein. Einen solchen Sturz konnte niemand überleben. Nein... Ich hätte nie geglaubt, daß du derjenige von uns beiden sein würdest, der diese Sache nicht übersteht. Ich dachte immer, ich würde hier zurückbleiben, wenn die Dinge schieflaufen. Und es wäre in Ordnung gewesen. Wir alle hätten uns damit abfinden können. Ich selbst, die Gilde, die Gathering und auch du. Niemand hätte dabei wirklich verloren. Warum hast du nur deine Kraft darauf verschwendet, ausgerechnet mich schützen zu wollen? Warum mußtest du so dumm sein und für mich deine eigenen Prinzipien über den Haufen werfen?
    Für einen Moment blieb sie reglos auf dem schmalen Steg hocken und starrte auf die rotschwarze, brennende Ebene hinaus. Was tat sie hier eigentlich? Einen Herzschlag lang war es ihr tatsächlich entfallen. Der Siegelstein. Ja, richtig. Aber... wofür eigentlich? Sie hatte doch die anderen beiden nicht. Sie wußte nicht, wo sie die Dinger hätte abliefern sollen. Eigentlich war sie die ganze Zeit nur Arranges gefolgt, hatte sich darauf verlassen, daß der Kaiserliche wußte, was er tat und wohin sie gingen. Sie hatte sich so sehr daran gewöhnt, das dumme Küken in diesem seltsamen Gespann zu sein, daß sie es mittlerweile selber glaubte. Jetzt, plötzlich, war sie allein – und mußte auf einmal damit klarkommen, daß sie sich gerade in einer Welt bewegte, die sie mehr erfühlte, als daß sie wirklich brauchbare Informationen dazu hatte. Ein Hauch von Trotz mischte sie in den Schmerz, der ihr schier die Brust zerriß. Natürlich mußte sie die Siegelkammer erreichen. Es sei denn sie wollte hier sitzen bleiben wie ein Lamm, das seinen Schlachter erwartet.
    Ein rascher Blick zu dem Portal in der Außenmauer des Turms, von wo sie gekommen waren. Die beiden Dremora schienen es nicht eilig zu haben, aber sie beobachteten die Elfin aufmerksam. Erynn starrte zurück. Mit unendlich langsamen Bewegungen verlagerte sie ihr Gewicht ein Stück nach hinten. Dann drückte sie sich ab, wirbelte herum und stürmte auf den zweiten Turm zu, leicht geduckt, um ein kleineres Ziel zu bieten. Trotzem erwartete sie jeden Augenblick, im vollen Lauf von den Füßen geholt zu werden. Haken schlagen war auf der Brücke unmöglich, aber bis nicht ein Pfeil ihren Leib durchschlug und sie zu Boden zwang, würde sie sich nicht widerstandslos umbringen lassen – schon gar nicht von Dremora, deren wildes, kämpferisches Wesen sie so sehr bewunderte. Die nächsten zwanzig Schritte würden vielleicht zeigen, welches Los die Schicksalsweberin ihr zugedacht hatte.
    Pfeile zischten ihr um die Ohren, verfehlten sie nur knapp und zersplitterten an Metalldornen oder der Außenwand des Turms. Sie setzte über eine Blutlache hinweg, die nur zu dem Daedroth gehören konnte, und erreichte kurz darauf den Torbogen, durchquerte ihn, hechtete zur Seite und drückte sich an die Wand. Dann verschaffte die Kriegerin sich einen kurzen Überblick. Sie stand in einer Halle, etwa so lang wie breit. Auch hier setzte sich das allgegenwärtige Dornenmotiv fort. Sonst schien nichts und niemand hier zu sein. Entweder hatten diese Türme aufgrund ihrer abgeschiedenen Lage tatsächlich nur eine Rumpfbesatzung, oder aber die übrigen Bewohner gingen davon aus, daß ihre Kollegen an der Brücke die Eindringlinge schon im Griff hatten... womit die gar nicht mal so Unrecht hätten. Erynn spähte nach den Bogenschützen, konnte sie aber noch nicht auf dem Steg sehen. Vielleicht widerstrebte es ihnen, sich selbst so angreifbar zu machen. Die Dunmer beschloß, den Moment des Zögerns ihrer Gegner zu nutzen und sich selbst weiter in den Turm hineinzubewegen. Sie befand sich irgendwo im oberen Drittel des Bauwerks. Bis zur Siegelkammer konnte es nicht mehr weit sein...
    Geändert von Glannaragh (04.05.2011 um 23:18 Uhr)

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