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Fossil
Erynn nahm das Angebot ihres Begleiters nur zu gern an und gestattete sich, sich für den Augenblick einfach hängen zu lassen, beobachtete Arranges ein wenig träge dabei, wie er das Klaubholz zusammensuchte. Sie merkte wie sehr es ihn fuchste keine Lösung für ihren Kummer parat zu haben, und senkte den Kopf um ein weiteres, kleines Lächeln zu verbergen. Es war in der Tat erstaunlich, bedachte man, wie kurz es erst her war, daß sie jede sich bietende Angriffsfläche genutzt hätten, um den anderen in die Schranken zu weisen, statt sich gegenseitig aufzufangen, wo es nötig war.
Sie schaute den Flammen zu, die zunächst klein, dann rasch größer und kräftiger werdend um Reisig und Äste spielten, das nicht ganz trockene Holz zum Knacken und Zischen brachten, während sie gedankenverloren auf einem Stück Dörrfleisch herumkaute. Das Schweigen, welches sich wieder über sie beide gesenkt hatte ging ihr zusehends auf die Nerven, so daß sie beschloß, diesen Umstand zu zu ändern. Sie wollte jetzt nichts fragen und auch gar keine neuen Dinge erfahren, auch wenn der Vaerminaschrein ihr nach wie vor nicht aus dem Kopf ging. Aber sie hatte gerade keine Konzentration dafür, sich irgendwelche Informationen zu merken. Stattdessen begann sie einfach das erstbeste zu erzählen, das ihr gerade einfiel. Es war gar nicht so wichtig, ob Arranges sich die Mühe machte zuzuhören, es reichte ihr, den Klang ihrer eigenen Stimme zu hören.
„Weißt du“, sagte sie mit einem Blick auf die umgebende Wildnis und ohne besondere Einleitung, „eigentlich war niemals geplant, daß ich mich der Kriegergilde anschließe. Ich sollte Jägerin werden. Mein Vater hat Jagdrechte für die Grafschaft Cheydinhal, und ich sollte sie eines Tages erben.“ Erynn ließ sich auf den Rücken zurücksinken und betrachtete den sich langsam rot färbenden Himmel. „Ich kann mich kaum an eine Zeit erinnern, in der ich nicht mit durch die Wälder gestreift bin und all die Dinge gelernt habe, die mir später nützlich sein sollten. Aber je mehr Routine ich bekam, je weniger das Lauern auf die Beute oder dieser eine Moment, bevor sich der Pfeil von der Sehne löst, noch eine Herausforderung darstellten, umso unzufriedener wurde ich mit der Aussicht, das für den Rest meines Lebens machen zu müssen. Es gab einige unschöne Diskussionen, zumal ich nicht die geringste Ahnung hatte, was ich stattdessen hätte tun können... ich hatte mich auch nicht wirklich bemüht, meine neugefundene Einstellung meinen Eltern möglichst schonend beizubringen... Die Kriegergilde war die naheliegende Wahl, schätze ich. Ich hatte einige der Fähigkeiten, die man dort gebrauchen konnte und darüber hinaus konnte ich vorerst in Cheydinhal bleiben... bis dahin hatte ich übrigens noch nie ein Langes Schwert in der Hand, nur Dolche und Messer. Das Schwertfechten war so ziemlich die erste Fähigkeit, die nur mir gehörte... die ich aus eigenem Antrieb gelernt habe und nicht, weil irgendjemand sagte, ich müsse das tun, weil wegen dieser und jener Gründe, die ich doch einsehen müsse.“ Sie grinste schief. “Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob meine Entscheidung für die Gilde wirklich so eine schlaue Idee war. Aber besser, als bis zu den Ellbogen in einem aufgebrochenen Stück Wild zu stecken, ist es allemal...“
Die Elfin verstummte, ein wenig verloren in ihren von der heutigen Warte aus betrachtet eher beschaulichen Erinnerungen. Nach und nach ergriff die Müdigkeit Besitz von ihr, und sie hieß sie willkommen. Es war noch kein Mond am Himmel zu sehen, als sie schließlich einschlief.
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