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Legende
Sie kamen gerade in Sichtweite der schneeweißen Ruinen und traten auf eine kleine Lichtung hinaus. Arranges klebte während der nächsten paar Schritte förmlich an den Mauerresten des uralten Bauwerks. Er hatte nur wenig Lust darauf, wieder so überrascht zu werden wie bei Beldaburo. Allerdings konnte er nichts verdächtiges entdecken und so kehrte er den Blick gerade wieder nach innen, als plötzlich eine Gestalt langsam, vielleicht 20 Schritte vor ihnen, aus dem Wald trat. Der Nekromant fixierte den Zweigling sofort und blieb ruckartig stehen. Er hob die Hand um Erynn zu signalisieren, dass sie ebenfalls sofort stehen bleiben solle. Er sänkte eine Hand zum Schwert, während er vor sich hin knurrte: 'Warum ausgerechnet Zweiglinge... ein Wegeglagerer oder soetwas hätte es doch auch getan...' Aber die Dryade schien gar nicht die Absicht zu haben, sie angreifen zu wollen, sie beschwörte weder irgendein Tier der Wildnis, noch hatte sie eine deutlich aggressive Haltung. Sie fasste lediglich die Dunmer in ihren Blick und kam gähnend langsam näher.
Es entstand ein seltsamer Moment, als sich die Blicke von Elfin und Zweigling kreuzten. Das Baumwesen legte den Kopf schief und setzte sich langsam in Bewegung, während es sie fest im Blick behielt. "Ach du Scheiße", war alles, was Erynn auf die Schnelle dazu einfiel, bevor sie selbst ein paar Schritte nach hinten machte um die Dryade daran zu hindern, den Abstand zwischen ihnen beiden zu schließen.
Arranges war für einen Moment nur erstaunt und starrte Erynn an, als wäre sie irgendeine geistig Arme. 'Zur Hölle Erynn, das ist ein Holzscheit auf zwei Beinen, warum weichst du zurück?!' Er riss das Schwert aus der Scheide und tat einen entschlossenen Schritt auf das Baumweib zu. Die Dryade schien ihn aber nicht zu beachten. Stattdessen bemerkte er eine Berührung an der Schulter. Er fuhr auf dem Absatz herum und sah sich direkt einem weiteren Zweigling gegenüber. Das Wesen blickte ihn nur stumm an und plötzlich ließ der Kaiserliche sein Schwert sinken. 'Harchaxas entrichtet euch seinen Gruß und bedauert zugleich, eurem Wunsch nicht nachgekommen zu sein...' Hörte er eine seltsame Stimme in seinen Gedanken. 'Er hat uns geschickt, sie wieder in Sicherheit, zu ihm, zu bringen... Harchaxas bittet euch inständig um Verzeihung...' Der Nekromant war völlig erstarrt und baff. Langsam drehte er den Kopf und zuckte erschrocken zusammen, als er sah, wie Erynn gerade noch einen Schritt zurückwich. Er konnte sie nicht mehr warnen oder sonst etwas sagen... Längst war hinter der Kriegerin ebenfalls ein Zweigling aus dem Wald getreten und hatte darauf gewartet, dass die Dunmer ihr in die Arme lief. Sanft legten sich die Hände auf ihre Schultern, während die andere Baumfrau weiter auf sie zuschritt...
Erynn registrierte, daß der Zweigling weder zum Angriff überging noch sonderliches Interesse an ihrem Begleiter zeigte, sondern ausschließlich an ihr selbst. Für dieses Verhalten gab es, genau betrachtet, nicht gerade viele Erklärungsmöglichkeiten. Verflucht noch mal... sind mir diese Biester etwa bis hierher gefolgt? Wirklich härtnäckig, das muß ich schon sagen... Sie duckte sich instinktiv als sie spürte, wie sich starke, lange Finger auf ihre Schultern legten. Die Dryade folgte ihrer Bewegung und im nächsten Augenblick fand sich die Elfin in einem kräftigen Griff gefangen, aus dem es kein Entkommen gab. Ein Arm des Zweiglings war fest um ihre Taille geschlungen, der andere lag um ihren Hals, weit genug, um ihre Atmung nicht zu behindern, zu eng, um sich irgendwie herauswinden zu können. Zudem war das Wesen für den Moment starr wie ein einfacher Baum geworden, aber Erynn hörte sein helles, so seltsam verführerisches Lachen in ihrem Kopf. Für einen kurzen Moment lehnte sie sich gegen den Leib der Baumfrau und schloß die Augen... nur um sie einen Herzschlag später wieder aufzureißen, wütend auf sich selbst, auf diese magischen Kreaturen und den Kerl, der ihr die Viecher vermutlich hinterhergehetzt hatte. Was zum Donner...? "Arranges! Wenn dein Druidenfreund hier irgendwo in der Nähe ist, sag ihm er soll diese Baumweiber zurückpfeifen", tobte sie. "Ich lege verdammt noch mal keinen Wert auf seine seltsame Vorstellung von Gastfreundschaft!"
Noch bevor Arranges auch nur irgendetwas tun konnte, hörte er wieder die Stimme des Zweiglings in seinem Kopf: 'Harchaxas ist nicht hier, er hat uns aber damit beauftragt, sie wieder zu ihm zu bringen, damit er über sie wachen kann, so, wie ihr er ursprünglich mit ihm besprochen habt, Arranges.'
'Was äh...' Komplett impulsiv und eher der Eingebung eines Instinkts folgend, ließ der Magier sein Schwert fallen und krümmte beide Hände vor sich zu Klauen nach oben, während er einen Schritt von dem Zweigling weg tat. Plötzlich wurden seine Hände von beinahe massiv wirkenden Flammennovas eingehüllt. 'Die Absprache hat sich einseitig geändert, Erynn bleibt bei mir...' Der Zweigling, welcher mit ihm gesprochen hatte, zeigte sich zunächst unbeeindruckt, wich aber trotzdem ein wenig zurück. 'Ihr wisst, dass Harchaxsas soetwas nicht gutheißen wird? Wir bringen Lady Erynn zurück zu ihm, wie uns aufgetragen wurde...' Währenddessen hatte die zweite Dryade Erynn erreicht beide schlossen sie die Dunmer in einer Art Umarmung zwischen sich ein. Ein Entkommen war praktisch nicht mehr möglich. 'Gebt sie frei!' Sagte Arranges drohend. 'Warum sollten wir uns gegen Anweisungen Harchaxas auflehnen?'
'Weil ich wünsche, dass Lady Erynn bei mir bleibt!'
'Wie könnt ihr das verwantworten, war eure ausdrückliche Bitte an ihn doch, dass er sie schützt, mit der Begründung, dass ihr dazu nie und nimmer in der Lage sein würdet?'
'Lasst sie gehen, das ist meine letzte friedliche Forderung...!'
'Nein...' ... Augenblicklich wurde der Zweigling zurückgeschleudert, getroffen von einem starken Feuerzauber. Der zweite Feuerball folgte, noch bevor die Dryde ganz auf dem Boden aufgekommen war. Noch lauter als der vorangegangene, krachte der Zauber in die Baumfrau und bescherte ihr einen weiteren Flug durch die Luft, der sie geradezu grotesk wirken ließ.. Mit komplett verkohlter Front stemmte sich das Baumwesen nach einigen Augenblicken hoch. 'Das letzte Wort hat Harchaxas...' War das Letzte, was Arranges hörte, dann verschwand der Zweigling wieder im Wald. Als Arranges sich umdrehte, sah er gerade noch, wie die beiden anderen Dryden im Unterholz verschwanden. Mit ein paar großen Schritten hatte er Erynn erreicht und stützte sie. 'Alles in Ordnung?'
Die Elfin hörte auf zu zetern, als die zweite Dryade sie erreicht hatte. Genau genommen hörte auf damit, irgendetwas zu tun, außer dem Geflüster der Wesen in ihrem Kopf zu lauschen. Es klang wie ein leichter Wind, der durch junge Haselruten fährt. Sie glaubte, unter der rindenartigen Haut der Wesen so etwas wie Pulsschlag zu fühlen, ein stetiger, urtümlicher Rhythmus, unbeeinflußt, unbeeindruckt vom Werden und Vergehen der menschlichen Belange.
Plötzlich drang Kampfeslärm zu ihr herüber und riß sie aus ihrem tranceartigen Zustand. Die beiden Zweiglinge, die sie eben noch so schützend umfangen hatten, wichen unvermittelt vor ihr zurück. Verwirrt und auf unsicheren Füßen blieb Erynn stehen wo sie war, taumelte und wurde von irgendwem aufgefangen... Arranges. "Was? Ja... es geht mir gut. Denke ich. Warum sind die Dryaden weggegangen?"
Arranges langte mit der anderen Hand nach und zog sie richtig auf die Beine, damit sie ihm nicht in den Armen zusammensackte. Auf ihre Frage hin, blinzelte er nur kurz bedächtig in den Himmel, wo die hauchzarten Rußschlieren seiner Feuermagie gerade vom Wind verweht wurden. 'Ich habe ihnen mit... etwas Nachdruck zu verstehen gegeben, dass sie dich nicht mitzunehmen brauchen und dass ich wünsche, dass du bei mir bleibst...'
"Mhm..." Erynn hörte offenbar nur halb zu, schaute stattdessen mit noch etwas vernebeltem Blick in die Richtung, in welche die Baumfrauen verschwunden waren. "Wie schade. Du hättest sie gemocht. Bestimmt." Sie versteifte sich, als ihre Augen nach und nach klarer wurden. Eine steile Falte erschien auf ihrer Stirn, als ihre Augenbrauen sich zusammenzogen. Die Dunmer sah zu Arranges auf. "Was hab ich gesagt? ...Was auch immer es war, es kann nicht wichtig gewesen sein. Schön, daß du beschlossen hast, mich nicht zu diesem seltsamen Druiden zurückzuschicken..."
Arranges überging ihr Gebrabbel, er wollte gar nicht erst wissen, welche Bedeutung sich dahinter verbergen konnte. Er hielt sie noch einen Moment fest, dann ließ er sie langsam los und tat einen Schritt nach hinten. 'Ich hätte dich wenige Tage später sowieso wieder an mir hängen gehabt, da kann ich dich auch gleich als Ablenkung für Gegner einsetzen oder so... aber sag mal, was meintest du vorher damit, du wärst an seiner Vorstellung von Gastfreundschaft nicht interessiert?'
Für eine schlagfertige Antwort war die Dunmer noch immer ein wenig zu durcheinander, und so kam es, daß sich ihre tatsächlichen Gedanken recht deutlch in ihrem Gesicht abzeichneten. Sie zug einen kleinen Schmollmund. "Das ist gar nicht der wirkliche Grund, weshalb du sie weggeschickt hast", verkündete sie überzeugt. Ihr Blick blieb an seinen betont unbeeindruckten Augen hängen. Für einen Moment hielt sie dem stand, doch dann wand sie sich unwillkürlich unter dem forschenden Starren. "Ach, nichts weiter... es ist nur... Harchaxas ist ein Dickschädel, der nicht mit sich reden läßt. Und er umgibt sich mit diesen Zweiglingen, die ihm wiederum gehorchen. Das ist... unheimlich." Es war ihr unmöglich, dem Blick dieser dunklen Augen noch länger standzuhalten, die manchmal einfach zu tief unter die Oberfläche sahen, vor allem wenn sie versuchte zu lügen oder dem Beschwörer etwas zu verheimlichen. So wie jetzt...
Arranges zog eine Augenbraue hoch. Nach einem weiteren Augenblick machte er eine gespielt ungeduldige, auffordernde Geste. 'Und... weiter? ... Erzähl mir doch zur Abwechslung etwas, das ich noch nicht weiss...'
Erynn seufzte und ließ sich auf einen in der Nähe liegenden Steinquader sinken. Dann sah sie ein weiteres Mal zu dem Kaiserlichen auf -sehr viel vorsichtiger diesesmal- und versuchte herauszufinden, wie ernst ihm diese Frage tatsächlich sein mochte. Sie überlegte an einer Ausrede herum. Viel zu lange, als daß irgendetwas von dem, was sie hätte sagen können, auch nur im Ansatz glaubwürdig geklungen hätte. In Ermangelung weiterer Möglichkeiten entschied sie sich schließlich für die Flucht nach vorn. "Äh... nein?" Ein etwas trotziger Ausdruck trat in ihr Gesicht. "Ich will dir nämlich überhaupt gar nichts erzählen. Du mußt nicht alles wissen."
'Was du willst ist mir im Grunde ersteinmal egal... sollte dir eigentlich schon längst einmal aufgefallen sein...' Er setzte sich neben sie. 'Du kannst mir jetzt verraten, was Harchaxas dir... angetan hat oder aber ich überlege mir nochmal, ob ich dich tatsächlich bei mir haben will... hmm... bis Leyawiin, zum Haus von Meisterin Marie wäre es nicht sehr weit... ihr habt euch in Valenwald doch so gut verstanden... ich bin mir sicher, dass sie das Kindermädchen für dich spielen kann... sehr viel besser und verlässlicher als der Argonier vermutlich...'
Die Dunmer war so baff, daß sie für einen Moment überhaupt nichts sagte. "Das ist nicht gerecht, Arranges", brachte sie endlich heraus. "Es geht dich nichts an, wirklich nicht. Laß mich in Ruhe!" Sie sprang auf und fluchte unterdrückt. Aus dieser Nummer kam sie nicht mehr heraus, so viel war sicher. Möglicherweise konnte sie aber wenigstens den Schaden begrenzen. Zögernd setzte sie sich wieder. "Das Ganze ist... ziemlich heikel, für mich jedenfalls. Wär es nicht möglich, daß du dich einfach damit zufriedengibst und mir zur Abwechslung mal zutraust, eigene Entscheidungen treffen zu können?"
Der Kaiserliche schüttelte nur wortlos den Kopf. 'Es war deine Entscheidung mir zu folgen... und jetzt, da es wieder an mir ist, zu sehen, dass du möglichst heil wieder aus dem Obliviontor herauskommst, will ich auch wissen, weshalb ich den Zorn des Druiden auf mich gezogen habe, indem ich einen seiner Zweiglinge fast zum Teufel gejagt habe... wie gesagt, du weisst gerade mal, wie man Magie schreibt... und ich soll dir zutreuen, dass du Entscheidungen allein treffen kannst, die indirekt auch mich angehen? ... Nein Erynn, es sah nicht unbedingt so aus, als wärst du gern bei Harchaxas geblieben... was ich auch nicht erwartet hatte, aber zumindest dachte ich, dass er dich soweit gut behandelt, dass du nicht sofort reissaus nimmst...'
„In Neungötternamen, so laß mich doch einfach in Frieden, Arranges“, sagte sie matt und stützte den Kopf in beide Hände. Wie sollte sie bloß erklären, was wirklich in ihr vorging? Sicher, sie traute dem Beschwörer mittlerweile, aber reichte das aus? Wäre er überhaupt imstande nachzuvollziehen, was sie so bis ins Innerste verschreckte, daß sie die Empfindung am liebsten aus ihrem Herzen gerissen und weit von sich geschleudert hätte?
Noch einmal sah sie zu ihrem Begleiter auf, der sie weiterhin fixierte, ohne kaum einmal zu blinzeln. Es war ein Blick wie jener, der sie schon ganz am Anfang ihrer Bekanntschaft so völlig aus dem Konzept gebracht hatte, als er sie beim Friedhof von Skingrad in die Falle gelockt hatte. Bis heute hatte er nichts von seiner Wirkung auf sie verloren. Es waren Momente wie diese, in denen sie sich noch immer vor Arranges fürchtete. Momente, in denen das Machtgefälle, das zwischen ihnen herrschte, so überdeutlich zu Tage trat.
Erynn schüttelte den Kopf, und die Geste wirkte wie eine Kapitulation. Dennoch dauerte es noch eine ganze Weile, bis sie schließlich sprach. Wo beginnen...? „Ich... weiß nicht genau, wo ich anfangen und wo aufhören soll. Aber da du ohnehin nicht lockerlassen wirst, kann ich auch gleich etwas weiter ausholen. Harchaxas hatte offenbar kein Interesse daran, mit mir das Für und Wider meines unfreiwilligen Aufenthalts bei ihm zu diskutieren... Er schickte eine dieser Dryaden zu mir. Sie... küßte mich. Und da war noch irgendetwas. Intensiver. Ich weiß nicht mehr genau, aber es genügte wohl, mich für ein paar Stunden ruhigzustellen... versteh mich nicht falsch. Auf den ersten Blick war nichts offen gewalttätiges daran. Aber im Nachhinein... fühlt es sich an wie ein Überfall. Schon wieder.“ Sie atmete einmal zitternd ein. Wenn sie schon so weit war, könnte sie den Rest gleich auch noch erzählen, dann wäre es wenigstens heraus. „Was ist bloß los in letzter Zeit?“ knurrte sie, konnte aber dennoch nicht ganz verbergen, wie eingeschüchtert sie eigentlich war. „Ist ganz Nirn verrückt geworden? Zuerst dieser Novize, der tatsächlich die Stirn hatte zu glauben, er könnte mich hinter sich herschleifen. Als nächstes Geshrak...“ sie hielt inne und brauchte ein paar Augenblicke, um einen bitteren Klumpen Galle wieder herunterzuwürgen. Dann schüttelte sie sich wie ein Hund und fuhr fast trotzig fort: „...und zuletzt Harchaxas, der glaubt, mir seinen seltsamen Harem auf den Hals hetzen zu können.“
Sie ließ den Kopf hängen und schlang die Arme um ihren Leib. „Ich bin doch kein... wasauchimmer. Warum glaubt alle Welt plötzlich, sich mir aufzwingen zu können?“ Mit verkrampften Kiefern starrte sie vor sich auf den Waldboden. Nur zu gern hätte sie dem Beschwörer jetzt einen herausfordernden bist-du-dann-endlich-zufrieden – Blick zugeworfen, aber das brachte sie beim besten Willen nicht mehr fertig. Es war schon unter normaleren Umständen schwierig diesen dunkelblauen Augen standzuhalten, um deren Wirkung der Kaiserliche genau wußte. „Das sind die Dinge, vor denen ich mich wirklich fürchte, Arranges. Dieses Gefühl des Ausgeliefertseins kann man nicht mit Pfeil noch Stahl bekämpfen..." Ein flehender Ton schlich sich in ihre Stimme. "Bitte, frag jetzt nicht weiter...“
Im Kopf des Kaiserlichen überschlugen sich die Gedanken, während er ihr zuhörte. Er wandte den Blick ab, als sie geendet hatte und wartete einen Moment. Du scheinst allmählich zu durchdringen, in was für einer Welt ich lebe... und wieder tut es mir leid, dich da mitreingezogen zu haben... Er rückte ein wenig näher an die Dunmer heran und legte zögernd einen Arm um ihre Schultern. Erst nach einigen langen Augenblicken, in denen er versuchte, ihr schweigend irgendwie Trost und Sicherheit zu spenden, begann er mit ruhiger Stimme zu sprechen: 'Ich kann dich ganz gut verstehen Erynn... ich hatte und habe sehr ähnliche Ängste... ich hätte nicht fragen sollen...'
Sie schüttelte den Kopf. "Nein, du verstehst das immer noch nicht richtig... wie auch, ich habe ja selbst kaum Worte dafür." Sie gab sich einen Ruck. "Hör zu. Ich werde versuchen es dir zu beschreiben, aber nur dieses eine Mal... es ist nicht, daß irgendwelche Leute glauben, sie könnten Macht über mich mich ausüben. Das ist normal, wenn auch nicht immer berechtigt. Ich meine vielmehr... du bist keine Frau, Arranges. Ich bezweifle, daß dich jemand ansieht oder mit dir umgeht in der Überzeugung, über deinen Körper verfügen zu dürfen, als sei es eine Selbstverständlichkeit... als sei das... irgendwie normal." Sie schluckte hart und fuhr dann sehr viel leiser fort. "Bisher ist mir das aus offensichtlichen Gründen erspart geblieben... aber nachdem sich nun schon zweimal irgendwelche Leute dieser... Schwäche bedienen wollten, um mir ihren Willen aufzuzwingen, muß ich sagen daß... es mich zu Tode ängstigt." Sie sah auf und streckte Arranges in fast hilfloser Geste die leeren Handflächen entgegen. "Ich kann es dir nicht besser erklären, beim besten Willen nicht. Ich verstehe es ja selbst nur zur Hälfte..."
Arranges zuckte erschrocken zusammen, als er fast zu plötzlich begriff, was sie eigentlich meinte. Verdammt, Arranges, wie blöd bist du eigentlich... das war doch schon bei ihren ersten Worten offensichtlich genug... Er versuchte eine ganze Weile Worte zu finden, die er ihr sagen konnte... 'Erynn... glaub mir, wenn ich dir sage, dass ich diese... Angst, von dir nehmen würde, wenn ich könnte... ich kann nicht so ganz nachfühlen, was in dir vorgeht... aber wie du bereits vermutet hast, ich kenne streng genommen keine vergleichbare Situation, die ich bis jetzt erlebt habe...'
Die Dunmer rang sich ein tapferes Lächeln ab. "Du kannst daran nichts ändern, Arranges. Niemand kann das. Es ist schon gut... Sag, können wir vielleicht bis morgen hierbleiben? Ich glaube nicht, daß die Zweiglinge so bald wiederkommen. Außerdem bin ich gerade gewiß nicht in der Lage, mich durch die Totenlande zu schnetzeln..."
'Natürlich...' Sagte Arranges leise und lächelte ebenfalls. Nach einem weiteren Augenblick nahm er den Arm wieder von ihren Schultern, stand auf und machte sich daran, ein wenig Feuerholz zu sammeln. Wenig später hatte er ein ansehnliches Feuer in Gang gebracht... 'Ich würde die Nachtwache übernehmen... wenn es denn so weit ist...' Dabei schielte er in den hellen Himmel, die Sonne war zwar bereits auf dem Weg zum westlichen Horizont, aber es war bestenfalls später Nachmittag...
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